F 2 Bernhard Harms Begabung offenbar große Unterschiede gibt, so auch innerhalb der farbigen Völker. Niemand wird Chinesen und Neger in einem Atem nennen! Aber nicht einmal über die kommerzielle Begabung der letzteren kann heute schon ein endgültiges Urteil abgegeben werden. Man wird des- halb mit derlei auf Rassenunterschieden basierten Prognosen wirtschaft- licher Entwicklung vorsichtig sein müssen. Hat vor hundert Jahren auch nur ein Engländer geglaubt, daß das »Volk der Dichter und Denker« dereinst Industriekapitäne hervorbringen werde?! Die Nutzanwendung ergibt sich von selbst. Wissenschaftlich kann heute nur gesagt werden, daß innerhalb der Weltwirtschaft einerseits die Tendenz zur Orientierung nach der Roh- stoffbasis wirksam ist, daß aber anderseits die Gegentendenz, die »natür- liche« Überlegenheit der Rohstoffländer durch äußerste Fortentwicklung der »kultürlichen« Produktionsfaktoren in den alten Industrieländern zu kompensieren, sich nicht minder geltend macht. Die praktischen Wir- kungen gingen bisher dahin, daß die erstgenannte Tendenz die Industriali- sierung der wirtschaftlichen Neuländer in dem dargelegten Sinne ein- leitete und teilweise sogar schnell vorwärtsbrachte, daß die zweite Tendenz hingegen die Qualitätsarbeit in den alten Industrieländern ständig höher führte. Ob die zweite Tendenz mit der ersten dauernd wird Schritt halten können, ist die eigentliche Frage, auf welche eine ab- schließende Antwort heute noch nicht gegeben werden kann. Von Be- deutung ist hierfür nicht zuletzt, ob sich die ökonomischen Voraus- setzungen für den Absatz unablässig gesteigerter Qualitätsarbeit ver- wirklichen lassen... In Fortführung der tatsächlichen Schilderung sei noch darauf hin- gewiesen, daß raumwirtschaftliches Zielstreben nicht zuletzt die Gebiete der offenen Tür, in denen der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts Triumphe feierte, bis auf gewisse Reste zum Schwinden gebracht hat und auch die Kolonien mehr und mehr als Annexe der Volkswirtschaften angesehen werden, nachdem der ökonomische Liberalismus sie während eines Menschenalters von merkantilistischen Bewirtschaftungsprinzipien befreit hatte... Einen wichtigen Faktor in der Raumwirtschaftspolitik bedeutet der in anderm Zusammenhang schon erwähnte Einfluß, den der Staat auf die Monopolisierung gewisser Rohstoffmärkte ausübt. Im ganzen handelt es sich hierbei weniger um die Sicherung von Rohstoffen für den eigenen Bedarf, obwohl auch dieser Gesichtspunkt gelegentlich Be- deutung hat, sondern um die höchstmögliche finanzielle Ausnutzung eines Rohstoffes, auf den die übrige Welt angewiesen ist. Bei Licht betrachtet, wirken hier allerdings zwiefache Motive, indem der Antrieb