Strukturwandlungen der Weltwirtschaft 53 Wirtschaftskrisen grundsätzlich zu beleuchten. Die Notwendigkeit, diese beiden wesensverschiedenen Bewegungsvorgänge in ihrer Eigenart und ihrer wechselseitigen Beeinflussung genauer zu erforschen, stellt unsere Wissenschaft vor Aufgaben, die dringend der Lösung harren, wenn anders sie nicht gegenüber dem, was ist, hoffnungslos versagen will. 2. Über das Verhältnis zwischen Sonderraum und Gesamt- raum sei das Folgende gesagt: In meinem Vortrage ist dies Verhältnis fast ausschließlich vom Standpunkt des Willens der Sonderräume zum Eigenleben betrachtet. Es ergab sich dies daraus, daß jener Wille zum Eigenleben eine wichtige Ursache weltwirtschaftlicher Strukturwandlungen ist. Demgegenüber liegt mir an der Feststellung, daß solcherweise die Differenzierungstendenzen stärker in den Vordergrund getreten sind, als es der Sachlage entspricht. Wie schon gelegentlich angedeutet, sind der Entwicklung zur »autarken« Wirtschaft in allen Ländern, sogar in den Vereinigten Staaten, Grenzen gesetzt, jenseits deren der internationale Güter- austausch naturbedingt ist und bleibt. Es wäre somit, ein- gehender, als es im zweiten Teile meines Vortrages geschehen ist, zu untersuchen, wo diese Grenzen liegen und wie sie im einzelnen wirksam werden, mit andern Worten, in welcher Intensität sich neben den diastaltischen die systaltischen Entwicklungstendenzen im Wirt- schaftsleben der Erde durchsetzen. Diese Aufgabe zu meistern hat Herr Kollege Eulenburg übernommen, der das Verhältnis von Volks- wirtschaft und Weltwirtschaft in den Mittelpunkt seiner Darlegungen rücken wird. Es sind deshalb in diesem entscheidenden Punkte die Ausführungen des Herrn Korreferenten integrierender Bestandteil meiner eigenen Darlegungen!. Indem ich dies hervorhebe, sei mir gestattet, abschließend über das Gebiet exakter Erkenntnis hinaus- zugehen und Betrachtungen anzustellen, die bewußt subjektiv-politischen Willen zum Ausdruck bringen. Darin liegt nicht nur Anpassung an die Traditionen des Vereins für Sozialpolitik, sondern zugleich der Wunsch, an meinem bescheidenen Teile in schicksalschwerer Zeit auf die Zukunft gestaltend einzuwirken. Individualistisch-marktwirtschaftliches und universalistisch-raum- wirtschaftliches Zielstreben stehen im dauernden Widerstreit, der sowohl unter volkswirtschaftlichem wie unter weltwirtschaftlichem Gesichts- winkel zu unersetzlichen Reibungsverlusten führt. Vermieden werden könnten diese nur dann, wenn sonderraumwirtschaftliches und individual- wirtschaftliches Zielstreben zu einer Synthese geführt würden, die grund- x Vgl. den Aufsatz von Franz Eulenburg im vorliegenden Heft des »W. A.«, S. 509 ff.