56 Li, Bernhard Harms m“ Blick in die außereuropäische Welt. Dort ist in der Tat Sieg. Aber nur in den Vereinigten Staaten. Sonst nirgends auf dieser Erde. Das ist der politische Ausgang des Weltkrieges. Wirtschaftlich gesehen, liegt es im Augenblick nicht anders. Einen Träumer aber möge man mich nennen, wenn sich als falsch herausstellen sollte, was ich in seiner Not- wendigkeit wissenschaftlich bereits zu erkennen glaube: daß schon in absehbarer Zeit auch die Vereinigten Staaten in der wirtschaftlichen Interessensolidarität der Völker und Staaten den Ausweg aus ihrer Lage erblicken werden. Internationale Interessensolidarität! Fort mit dem Wort, soweit es unkontrollierte Gefühle und moralische Postulate einschließt. Nicht weil ich es wünschte, sondern weil die Menschen es so wollen. Nackt sei der Sinn begriffen: will ich leben, so mußt auch du leben! Diese Erkenntnis war bereits Eigentum der Klassiker — bis hin zu dem von der Vernunft eingegebenen Satz David Humes: ‚Je”reicher unsere Nachbarn, desto besser für uns. Wie unendlich weit haben wir uns von dieser Auffassung heute entfernt. Und doch ist sie im Kern richtig. Mit Menschen, die nicht zahlungsfähig sind, lohnt kein Handel. Die Nutzanwendung auf die Weltwirtschaft ergibt sich von selbst. Die These vom Kampf aller gegen alle würde nur dann richtig sein, wenn der Nahrungsspielraum auf dieser Erde für die Menschen, die sie trägt, zu klein wäre und ein Volk wirklich nur auf Kosten des andern zu höheren Daseinsformen gelangen könnte. Kein Irrtum ist größer als dieser. »Anbau, Abbau, Ausbauet, um mit Werner Sombart zu reden, haben nicht etwa, wie häufig angenommen wird und wohl auch Sombart wähnt, um die Wende des 19. Jahrhunderts schon ihren Höhepunkt erreicht, sondern stehen in wirklich großem Ausmaße erst noch bevor. Es gilt dies gleicherweise für Nahrungs- mittel wie für Rohstoffe. Daß es, weltwirtschaftlich betrachtet, inner- halb einer Zeit, mit der die heutige Menschheit zu rechnen hat (und über die hinaus den Urenkeln das Lächeln ob der Sorge ihrer Vorfahren überlassen bleiben möge), an Nahrungsmitteln oder Rohstoffen fehlen könne, ist eine unsinnige Vorstellung. Entscheidend wichtig ist hingegen, ob die Menschheit es verstehen wird, über vermeintliche oder wirkliche sonderraumwirtschaftliche Gegensätze hinweg die wirtschaftlichen Mög- lichkeiten auf dieser Erde planmäßig und in gemeinsamer Arbeit aus- zunutzen. WUnerläßliche Voraussetzung dafür ist die Einsicht, daß es sich hier nicht um ein Verteilungsproblem vom Standpunkte dessen handelt, was heute gegeben ist, sondern um Anbau, Abbau und Ausbau in einem Umfange, wie er der Welt bisher unbekannt war. Diese Erkenntnis kann nicht aus Krämergeist hervorgehen, der ängstlich die Kunden zählt, die sich der Konkurrenz zuwenden, sondern muß ihre Wurzeln in der Über-