—9 Steht dies nun aber nicht im Widerspruch mit dem, was wir behaupteten? Wird damit nicht wieder der Geist zur ersten Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung? Wenn der Geist die Technik erzeugt und die Technik die Gesellschaft, so ist ja doch der Geist der erste Schöpfer Sehen wir uns die Sache noch etwas näher an. Der historische Makerialismus leugnet durchaus nicht, daß der Geist zur Technik gehöre. Wie wäre das auch mög— lich? Die Technik ist Menschenwerk. Menschen sind denkende Wesen. Produktionsverhältnisse, Eigentumsverhältnisse sind Verhaältnisse von Menschen; es wird in diesen Verhält— nissen gehandelt und gedacht Technik, Eigentums⸗ und Pro— duktionsverhaältnisse ind sowohl geistig wie auch materiell. Dies st es nicht, was wir leugnen Wir leugnen nur das Selbständige, das Eigenmachtige, das Freiwillaͤge, das Ueber— nalürliché, das Unbegreifliche des Geistes und seiner Tätigkeit Wir sagen weun der Geist eine neue Wissenschaft, eine neue Technik erfindet, da un tut er dasnichtdgus freien Stäcken, sondernaus einemgesellschaftlichen Drangoder Be— darnisheraus Früher wurden die meisten technischen Erfindungen gemacht von Menschen, die im Produktionsprozeß selbst atig waren In ihnen lebte der Drang, die Arbeit besser, rascher auszuführen, um reicher zu werden, oder alle zu— sammen reicher zu machen! Wie daun auch die Gesellschaft beschaffen sein mochte, klein oder groß, noch Nomadenhorde oder Stamm, feudale oder kapitalistische Gesellschaft, dieser Drang war gesellschaft— lich entstand durch ein dkonomisches Bedürfnis In den Gesellschaften mit gemeinsamem Besitz war es der soziale Drang, etwas fur die Gemeinschaft zu tun — in den Klassengesellschaften mit Privateigentum war es der gesell— schaftuche Brang, etwas für das gesellschaftliche Indivi— duͤum zu tun, fur den Privatbesitzer oder für die Klasse der Privatbesitzer Kein Wunder Da der Mensch ein gesellschaftliches Wesen und die Arbeit der Menschen gesellschaftlich ist, ist auch der Drang nach Verbesserung der Arbeit nicht etwas, das aus dem eigenen Geist des Einzelmenschen, sondern etwas, das aus seinen gesellschaftlichen Verhältnissen her— borgeht. Der Drang nach verbesserter Technik, nach Er— findungen, ist ein gesellschaftlicher Drang; er entsteht durch gesellschaftliche Bedürfnisse