33 Das ist es, was die Vertreter des historischen Mate— rialismus sagen: sie leugnen die Selbständigkeit, die Eigen— macht, die Obermacht des Geistes; sie sagen, daß das be— stehende gesellschaftliche Bedürfnis den Geist in bestimmte Gleise zwingt und daß auch das Bedürfnis von bestimmten materiellen Produktionsverhältnissen erzeugt wird Sie lengnen also auch hier, daß der Geist absoluter Herrscher sei— Dieses, der Zusammenhang von Technik und Wissen— schaft, ist so wichtig, daß wir wohl noch etwas länger dabei verweilen dürfen, um ihn eingehender zu betrachten. Wir geben noch ein paar ausführliche Beispiele. Denken wir uns einen Handweber im Mittelalter. Der Handwebstuhl genügt im allgemeinen den gesellschaftlichen Bedürfnissen. Der Handel, der Verkehr, der ausländische Markt haben sich noch nicht so weit entwickelt, daß neue große Produktivkräfte nötig sind. Danach wird noch kein Bedürfnis empfunden. Dennoch haftet der aufmerk same Blick eines besonders scharfsinnigen Webers an seinem Werkzeug, da er weiß, daß eine schnellere, bequemere Pro— duktion für ihn persönlich einen Vorteil bedeutet Er er— findet eine kleine Verbesserung und bringt sie an Inner— halb seines Kreises wird sie bekannt und nachgeahmt. Dabet bleibt es. Eine kleine, kaum fortschreitende Aenderung im Produktiosprozeß, die vielleicht Jahrzehnte oder Jahrhun— derte die einzige Aenderung bleibt Sie ist entstanden durch das Bedürfnis eines Einzelmenschen. Setzen wir jedoch voraus, daß Verkehr und Handel (zum Beispiel im fünfzehnten, sechzehnten und siebenzehnten Jahrhundert) sehr zugenommen haben, daß sich der aus— ländische Markt ungemein ausgedehnt hat, daß Kolonien, die Manufakturwaren aus dem Mutterlande verlangen, ge— gründet sind, — dann wird das gesellschaftliche Bedürfnis und der Drang nach verbesserter Technik, nach größerer Produktivität der Arbeit allgemein, dann siunt nicht einer, sondern hundert Menschen sinnen auf kechnische Verbesse— rungen, dann entsteht durch viele sich rasch anhäufende kleine Aenderungen ein neues Werkzeug. Denken wir uns einen der früheren Erfinder der Dampfmaschine, einen Papin zum Beispiel. In vielen Menschen steckt eine besondere Begabung und Liebe für die Technik; die Jahrmillionen der Mensch— heitsentwicklung haben das auf uns vererbt; und in einigen kommen diese Liebe und Begabung, wenn die Produktions— verhältnisse mitwirken, wie große Flammen zum Vorschein Die Gesellschaft, worin sie leben, hat schon eine entwickelte