35 Gesellschaft praktisch braucht und die sie in ihren bestimmten Verhältnissen einführen kann. Also sowohl der Ursprung wie die Entwicklung des Werkzeugs ist gesellschaftlicher Natur. Ihre Wurzeln sind nicht im Geist des Einzel— menschen, sondern in der Gesellschaft zu suchen. Zum Schlusse ein Beispiel aus der Zeit, als der Mensch ae seine ersten Werkzeuge zu verfertigen anfing. Wir eut— lehnen es Kautskys „Ethik und materialistische Geschichts— auffassung“ Dort lesen wir (S. 83): „Sobald der Urmensch den Speer besaß, war er instand gesetzt, nach größeren Tieren zu jagen. Hatte bis dahin seine Nahrung vorwiegend aus Baumfrüchten und Insekten sowie Vogeleiern und jungen Vögeln bestanden, so konnte er jetzt auch größere Tiere erlegen, das Fleisch wurde von nun an für seine Ernährung wichtiger. Die meisten grö— ßeren Tiere halten sich aber auf dem Erdboden auf, nicht in den Bäumen; die Jagd zog ihn also aus seinen luftigen Regionen auf die Erde herab. Noch mehr. Die jagdbarsten Tiere, die Wiederkäuer, sind nur wenig im Urwald zu kreffen; sie ziehen ihm weite Wiesenflächen, Prärien vor. Je mehr der Mensch ein Jäger wurde, desto eher konnte er aus dem tropischen Urwald heraus, in den der Urmensch gebannt gewesen.“ „Diese Darstellung ist, wie gesagt, eine rein auf Ver— mutungen gegründete. Der Entwicklungsgang kann auch der umgekehrte gewesen sein. Ebensogut wie die Erfindung des Werkzeugs und der Waffe den Menschen treiben konnte, aus dem Urwald in freieres Grasland mit zerstreuterem Baumwuchs hinauszuziehen, ebensogut können auch Ur— sachen, die den Urmenschen aus seinen Ursitzen verdrängten, der Anlaß zur Erfindung von Waffen und Werkzeugen ge— worden sein Nehmen wir zum Beispiel an, daß die Menge der Menschen über ihren Nahrungsspielraum hinaus wuchs oder eine zunehmende Trockenheit des Klimas immer mehr die Urwälder lichtete, in ihnen immer mehr Grasland auftauchen ließ. In allen diesen Fällen wurde der Urmensch gedrängt, seinem Baumleben zu entsagen und sich mehr auf dem Erdboden zu bewegen; er mußte nun auch mehr nach tierischer Nahrung suchen und konnte sich nicht mehr in so hohem Grade von Baumfrüchten nähren. Die neue Lebensweise veranlaßte ihn, öfters Steine und Stöcke zu gebrauchen, und brachte ihm so die Erfindung der ersten Werkzeuge und Waffen näher!“ „Welchen Entwicklungsgang man auch immer an— nehmen mag, den ersten oder den zweiten — und beide