Und nun sage man nicht, daß doch auch in früheren Jahrhunderten an den Sozialismus gedacht wurde, und daß also der Sozialismus nicht ein Ausfluß der jeßt hert schenden Produktivkräfte sein könne, sondern daß das Prin⸗ zip der Gleichheit aller Menschen ein ewiges Ideal sei, das den Menschen zu allen Zeiten vorgeschwebt habe Der Sozialismus, den die ersten Christen sich dachten, war von dem Sozialismus, den die Arbéiterklasse jeht will, ebenso verschieden, wie die Produktibkräfte und Klasfen— verhältnisse jener Zeiten von den heutigen. Die ersten Christen wollten einen gemeinsamen Konsum, die Reichen sollten ihren Ueberfluß an Verbrauchs mittelnu ut den Armen teilen. Nicht den Grund und Boden und die Arbeitsmittel sollte man gemeinsam haben, sondern die Produkte. Im Grunde also ein Bettlersozialismus: die Armen sollten durch die Güte der Reichen die Produkte mit ihnen teilen. So predigte auch Jesus nie etwas anderes, als daß die Reichen ihren Reichtum abtreten sollten. Die Reichen sollten die Armen als Brusder lieben und umgekehrt Der Sozialismus dagegen lehrt, daß die Nichtbesitzer die Besitzer bekäm pfen und ihnen durch die politische Macht die Produktionsmittel nehmen sollen; er will nicht die Pro dukte gemeinsam besitzen — un Gegen keil, was jeder an Produkt, an Verbrauchsgegenstanden be— kommt, das wird sein eigen sein, das braucht er nicht zu teilen — wohl aber die Produktiousmitteln Die Produktionsverhältnisse aus den ersten Jahr— hunderten des Christentums konnten unseren sozialistischen Gedanken nicht aufkommen lassen, ebenso wenig wie unsere Produktivkräfte uns veranlassen können, dem christlichen Ideal nachzustreben. Als die Produktivkräfte noch so ge— ring, so zersplittert und zerstreut waren, daß eine große Gemeinschaft sie nicht beherrschen konnte, war die Philan— thropie die einzige, wenn auch miserable und für noch kein Tausendstel geuugende Löfung des Elends In einer Zeit, wo die Arbeit immer mehr gesellschaftlich wird, st gefell schaftlicher Besitz das einzige, aber jeht auch ausreichende Mittel gegen das Elend Ein anderes bedeutendes Beispiel bietet sich im Straf⸗ recht dar. Auch hier fand eine Rebolution in den Geistern dieler Menschen statt; die sozialistischen Arbeiter glauben nicht mehr an die persönliche Schuld des Verbrechers. Sie glauben, daß die Ursachen des Verbrechens gesellschaftlich und nicht persönlich sind.