42 Wie sind sie zu diesem neuen Gedanken gekommen, zu welchem sich weder das klerikale noch das liberale Christen— tum hat emporarbeiten können? Durch den Kampf gegen den Kapitalismus, der, wie wir oben gesehen haben, auf dem Produktionsprozeß be— ruht. Die sozialistischen Schriftsteller sind durch den Kampf, durch hre Kritik der bestehenden Gesellschaftsordnung ge— zwungen worden, den Ursachen des Verbrechens nachzu— spuren, und sie haben gefunden, daß sie in der Gesellschaft egen. Der Produktiousprozeß, der Klassenkampf hat ihnen diese Einsicht aufgenötigt. Dieses Bewußtsein dringt allmählich in die Köpfe der sozialistisch geschulten Arbeiter ein. Wir können im Rahmen dieser Schrift nicht tiefer darauf eingehen, aber es zeigt aufs neue, welche Revolu⸗ on im Denken sich infolge der veränderten Produktions— verhältnisse vollzieht. Denn welcher Unterschied! Vor noch nicht langer Zeit glaubte jeder noch an Sündenfall, per— sonliche Schuld, freien Willen, an Gottes und der Menschen Rache, an Strafe, — jetzt sehen die Sozialisten — aber auch nur sie — daß, wenn die „antisoziale Brutstätte des Verbrecheus, die kapitalistische Gesellschaft vernichtet und jedem der gesellschaftliche Raum für seine wesentliche Lebensäußerung gegeben sein wird“, das soziale Ver— brechen verschwindet. Und als drittes und größtes Beispiel: In der Zeit der Umwälzung vom Kapitalismus zum Kommunismus, deren Anfang wir jetzt erleben, wird der Kampf ums Recht, das heißt um Mein und Dein, ums Eigentum, der besihenden und nichtbesitzenden Klassen immer heftiger und nimmt endlich die Form des Bürgerkrieges aͤn Und in der ersten Zeit, nachdem die Arbeiterklasse den Sieg erreicht und den besitzenden Klassen ihren Besitz, ihren Boden und hre Produktionsmittel genommen haben wird, um sie in den Besitz des proletarischen kommunistischen Slaates zu bringen, in jener Zeit, wenn der Reichtum jenes Staͤgtes noch klein sein wird, wird jeder Arbeiter Lohn nach Arbeit“ bekommen. Jeder wird dann Recht auf ein gewisses Quantum Produkten haben, relativ zum Quantum Arbeit, das er geleistet hat. Dies ist dann das zffentliche Recht. Wenn jedoch, nach kurzer oder langer Zeit, die kommunistische Gesellschaft durch ihre Produk— onskräfte, durch die Arbeit aller, Ueberfluß hat, empfängt jeder nicht mehr nach seiner Arbeit, sondern nach seinem Bedürfnis. Das „Recht“ existiert dann eigentlich nicht