44 Im Kampfe entwickelte sich also die neue Rechtsauf— fassung. Die Entwicklung der neuen Produktivkräfte brachte den neuen Klassenkampf, und dieser Kampf verbreitete das neue Rechtsbewußtsein. Und das Proletariat, das fühlt, daß es durch die Großindustrie geistig, moralisch und körperlich zugrunde geht, erkannte die Kapitalisten als seine Feinde Zuerst dachte es: wir, die Arbeiter dieser Fabrik, werden ausge— plündert, wir gehen zugrunde, unser Kapilalist ist unser Feind; es ist Unrecht, daß er alle Profile bekommt und wir nichts Wir müssen ihn bekämpfen. Und dann dachte das Proletariat in e iner Stadt, in den einzelnen Berufen dasselbe. Und dann das gesamte Proletariat eines ganzen Landes und der ganzen Welt Alle dachten: wir, als Klasse, müssen die Ka— pitalistenklasse bekämpfen. Esist Recht, daß alle Produktionsmittel in unsere Hände kommen. Laßt uns kämpfen für unser Recht Aber die Kapitalisten dachten, erst auch einzeln, dann zusammen, organisiert und als Staat gerade das Gegen— teil. Es ist Recht, daß wir behalten, was unser Eigemum ist. Laßt uns diese revolutionären Gedanken zerschmettern. Laßt uns zusammen als Klasse' kämpfen fürunsernecht. Und je mehr sich die Technik entwickelte, je mehr sie die Produktivkräfte und die Reichtümer in den Haͤnden der Kapitalisten immerfort vergkößerte und das Elend unter dem stets wachsenden Proletariat tiefer, vielfältiger und unerträglicher machte, desto stärker wuchs das Be— dürfnis der Besitzenden, ihren größeren Reichtum zu behalten, desto stärker auch das Bedürfnis der Besiß— losen, sich der Produktionsmittel zu bemächtigen. Und in demselben Maße wuchs auch der Kampf der beiden Klassen und damit die Kraft dieser ihrer Idee von Recht und Un— recht — bis der Bürgerkrieg ausbricht. An diesem Beispiel sieht man also sehr klar, daß die Auffassungen über Recht und Unrecht sich im Klassenkampf und durch ihn entwickeln, und daß eine Klasse allmaählich etwas, was ihr früher gerecht erschien, für Unrecht halten und mit dem steigenden Klasseninteresse stets leidenschaft licher etwas als Unrecht oder Recht empfinden kanm Der materielle Kampf um die Produktionsmittel ist also zugleich ein geistiger Kampf um Recht und Unrecht Letzterer ist das geistige Spiegelbild des etsteren.