stieg bei jeder Wahl. Die beiden Fraktionen der Sozial— demokratie einigten sich in Gotha. Den herrschenden Klas⸗ sen wurde es bei der steigenden Macht des Sozialismus immer unheimlicher und ängstlicher zumute. Bismarck versuchte ihn mit dem Sozalistengeseß zu knebeln. Mit Gewalt allein war jedoch die Arbeiterklasse nicht zu unterdrücken. Die Wahlen von 1881 zeigten die Wir— kungslosigkeit des Gesetzes. Es mußte etwas getan werden, die Unzufriedenheit einzudämmen. „Positide Förderung der Arbeiter“ kündigte die kaiserliche Botschaft an. Ein stümperhaftes Krankenverfsicherungsgesetz wird 1882 dem Reichstag vorgelegt und 1884 fertig— gestellt Die sozialistische Bewegung schreitet, trotz des So— zialistengeseßes, mächtig vorwärts Bei den Wahlen von 1884, 1887, 1890 steigt die Stimmenzahl von 50000 auf 760 000 und 1400 000. Das Sozialistengesetz bricht zusammen; Bismarck fliegt. Die Februarerlasse von 1890 bersprechen Arbeiterschutz und gesetzliche Gleichberechtigung für die Arbeiter Welch ein riesiger Umschwung im Denken! In einem ganzen Lande, bei allen Bevölkerungsklassen! Alle neh— men zur sozialen Frage, das heißt zum Klassenkampf, Stellung! Und wie klar hängt das mit der Entwicklung der Tech— nik zusammen! Die Statistik zeigt uns, wie gerade zu Anfang der sechziger und der siebziger Jahre und am Ende der achtziger Jahre die Industrie sich gewaltig ent⸗ wickelte, gerade zu der Zeit, wo der Sozialismus am kräftigsten wuchs. Man könnte fast die Zahlen der wachsenden Produktion und der wachsenden Armee der proletarischen Kämpfer und daneben die politischen An⸗ schauungen der herrschenden Klassen als drei parallele Li— nien nebeneinauderziehen. Das Wachstum der einen Reihe entspricht dem der anderen; der Kampf der Klassen geht augenfällig aus der Entwicklung der Technik hervor Und wie klar zeigt sich der besondere Charakter dieser Entwicklung: der Kampf! Nicht aus christlichem Sinn, aber ebensowenig aus freiem Willen, oder durch die selbst⸗ herrliche ursprüngliche Wirkung der Vernunft oder durch den Drang irgend eines mystischen Zeitgeistes kamen Kai— ser und Kanzler, Minister und Politiker zu ihren neuen Anschauungen. Die Arbeiter selbst, sich stützend auf ihre Arbeit, waren es, die durch ihre Organisation, ihre Pto—