8 —2* einiger Einschränkung im Mißhandeln der Landarbeiter, weil diese sonst alle davonlaufen würden. Anders stand die deutsche Mittelklasse zu diesen Fragen. Sie hatte an Armee und Flotte und namentlich an den Kolonien gar nicht so große Interessen. Der Handel mit den Kolonien war schwach, als Absatzgebiet für die Industrie hatten sie nur geringe Bedeutung Die Mittelklasse, bestehend aus Kleinindustriellen, Kaufleuten, Handwerkern, Bauern, vermochte wohl aus den nicht im eigenen Betrieb unterzubringenden Famlien— angehörigen Beamte für den Staat und die Gemeinde, für große industrielle und kaufmännische Unternehmungen usw zu stellen, damit dürfte indes ihr erst in zweiter Rehe stehendes Interesse an Armee, Floͤtte und Kolomen et— schöpft sein Dennoch folgte der größere Teil der Mittelklasse der Politik der großen Herren, und wir sahen die parlamenta rischen Vertreter der Geschäftsleute Uund Bauern, die Zen— trumsleute und Freisinnigen, in der Regel für Festungen, Panzerschiffe und Kolonialausgaben stimmen. Liegt darin kein Widerspruch zu dem, was wir aus⸗ führten, daß nämlich die Entwicklung der Produktibkrafte die Bedürfnisse der Menschen, der Klassen und damit ihre Politik umwaͤlzt? Ein deutscher Bauer oder Kleinbürger hatte doch nicht ein so großes Bedürfnis nach Kolonien und Kriegsschiffen, daß er dafüür gern hohe Steuern zahlte? Um diese Schwierigkeit erfolgreich zu 1sen, müssen wir beachten, daß ein großer Teil des Mtelstandes völlig vom Kapital abhängig ist. Nicht nur, weil er die Beam ten für den privaten und den Staatsdienst liefert, son— dern vor allem, weil er vom Kredit lebt. Namentlich die Bauern und die kleinen Kaufleute. Ueberflüssig vor— handenes Kapital bedeutet für sie billigen Kredit, eine blühende Industrie und blühender Handel bringen Ueber— fluß an Kapital. Also gilt für diesen Teil des Mittelstan— des die Taktik: alles möglichst zu fördern, was Staat und ine mächtig zu machen scheint: Armee, Flotte, Ko— onien. Ein großer Teil des Mittelstandes, wie die kleinen Industriellen, die Gesellen beschäftigenden Handwerker, die Knechte beschäftigenden Bauern und viele Ladeninhaber, lebt außerdem direkt von der Ausbeutung der Abeiter Die Ausbeutung der Mbeiter ist ihnen, das fühlen sie, mi den Großkapitalisten gemeinsam; höhere Belastung für so—