54 ziale Reformen würde ihre Existenz erschweren; deshalb kämpfen sie gegen die Akbeiter. Dicelt hatte also ein großer Teil des deutschen Mittel— standes kein Interesse au Militarismus und Imperialis— nus. Aber er hatte es indirekt. Und ein direktes In— teresse hatte er an der Ausbeutung der Arbeiter. So steht es mit jenem Teil des Mittelstandes, der mehr Vorteile als Nachteile vom Kapitalismus hat. An— ders mit dem Teil, der dem Proletariat näher steht. Der dleinbauer, der Kleinpächter, der kleine Handwerker, der kleine Ladenbesitzer, der Unterbeamte mit niedrigem Ein— fommen, sie hängen alle auch vom Kapital ab, aber nur nsofern, daß sie von ihm erdrückt werden. Kredit haben sie nicht; dagegen sind sie dem Proletariat verwandt, von dessen Kundschaft sie oft leben müssen. Sie sind also gegen Militarismus und Imperialismus und, wenn auch nicht so nachdrücklich wie die Arbeiter, für soziale Reformen. Und in dem Maße, wie die Entwicklung der Technik das Proletariat vergrößert, die Gefahr für die arme Mittel— klasse, ins Proletariat abzustürzen, zunimmt und der Druck oon Staat und Kapital schwerer wird, in dem Maße än— dert sich auch das Denken dieser Schichten des Mittelstan— vdes. ihr Wollen richtet sich immer mehr gegen das Ka— pital. Dieser Teil des Mittelstandes hat also kein direktes, aber er hat ein indirektes Interesse an sozialen Reformen. Weil daher die oberen Schichten des Mittelstandes kein direktes Interesse am Großkapital, die unteren Schich— ten kein direktes Interesse an sozialen Reformen haben, ist das politische Denken aller dieser Schichten etwas un— sicher und schwankend. Es kommt vor, daß bald die höhe— ren Schichten etwas mehr zu den Arbeitern, bald die nie— drigen etwas mehr zum kapitalistischen Interesse hinnei— gen, freilich nicht auf längere Zeit. Auch werden diese Schichten leicht ein Spielball für Emporkömmlinge und Intriganten. Die Wirkung der Produktions- und Eigentumsver— hältnisse spiegelt sich hier klar wieder. Die Arbeiterklasse — wir brauchen das kaum zu sagen — hat weder direkt noch indirekt ein Interesse an Imperialismus, Militarismus und Kolonialpolitik. Sie beuten den Arbeiter aus und machen ernste soziale Refor— men schwierig oder unmöglich. Krieg und nationale Eifer— sucht brechen die internakionale Solidarität der Arbeiter, die große Waffe, mit der sie, wie wir weiter noch zeigen wollen, den Kapitalismus besiegen werden