66 den Klassen, daß die Arbeiter sparsam, ruhig, bescheiden, untertkänig waren und sich nur bei besonderen Anlässen mit der Politik befaßten. Und weil die Abeiterklasse durch die damalige Technik schwach war, ließ sie sich das von den herrschenden Klassen aufzwingen. Die Priester, die Die— ner der Herrscher, die Schulen und später auch die Zeitun— gen predigten ihnen das vor. Jetzt ist das Klasseninteresse der Arbeiter ein anderes geworden; die Technik hat dies geändert, sie hat die Ar— beiter zugleich stark genug gemacht, auf die Herren nicht mehr zu hören. Durch das Klasseninteresse hat sich die Sitle anders gestaltet: derjenige, der nicht organisiert ist, ist jetzt ein stumpfer, gleichgültiger, ein schlechter Arbeiter; der eisrige Organisationsmann aber ist der gute Arbeiter Deun es ist jedem klar, nicht wahr? — je nach der Sittke nennt man jemand gut oder schlecht. Jetzt ist das Entgegengesetzte gut von dem, was früher gut war. Hinaus, auf die Straße, in die Versammlung oder zur Demonstration, das ist jetzt gut. Denn die Tech— nit verspricht jeßzt der Arbeiterklasse den Sieg, und der Sieg der Arbeiter ist gut für sie und gut für die ganze Gesellschaft. As einmal unsere Genossin Henriette Roland-Holst davon sprach, daß die Begriffe von Gut und Böse Bäum— chen wechselten“, wurde ihr das sehr verübelt. Wer aber Slelle dieser billigen Entrüstung ruhig die Tatsachen untersucht, wird bemerken, daß verschiedene Völker und Klassen Doder ein Volk oder eine Klasse zu verschiedenen Zenlen dieselben Dinge gut und schlecht genannt haben. Die ganze Geschichte ist davon erfüllt. Wir weisen hier nur hin auf die Sitten, welche das Verhältnis der beiden Geschlechter und die Ehe regeln, die ja bei verschiedenen Völkern und Klassen oder zu verschiedenen Zeiten verschie— den sind Wir nehmen jetzt noch ein anderes sehr allgemeines Beispiel aus unserer eigenen Zeit. Außer der empor— strebenden Arbeiterklasse sucht noch ein großer Teil der Menschhheit die gesellschaftliche Bewegungsfreiheit: die Frauen Woher kommt es, daß sie, die vor so kurzer Zeit nur zu häuslicher Arbeit und zur Ehe erzogen wur— den, jeht zu Hunderten noch ein anderes Ziel suchen: ein Arbeitsfeld in der Gesellschaft? Bei der proletarischen Frau kam das von der Groß— industrie Die Arbeit an der Maschine ist oft so leicht — wenn sie auch durch das lamge Arbeiten schwer wird — daß Frauen und Mädchen sie ausführen können. Der Lohn