— 6 — Denken hat sich geändert. Mit ihrer Großmutter ver— glichen ist sie ein neuer Mensch. Während die proletarische Frau durch den Platz, den sie im gesellschaftlichen Produktionsprozeß einnimmt, die Befreiung des Proletariats und damit der ganzen Mensch⸗ heit im Sinne hat, denkt die bürgerliche Frauenrechtlerin nur an die Befreiung der bürgerlichen Fraus Sie will diese innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft zur Macht bringen; sie will ihr kapitalstische Macht geben, was selbst⸗ verständlich nur möglich ist, wenn sie die Arbeiter gleich stark ökonomisch und politisch unterdrückt, wie die mann liche Bourgeoisie das jetzt tut Die Frauenrechtlerin will die Frau „nicht vom Eigen— kum befreien, sondern ihr die Freiheit des Eigentums der— schaffen, sie nicht vom Schmuß des Geldgewinns befreien, sondern ihr die Freiheit der Konkurrenz geben“. Die Ar— beiterfrau will sich und alle Frauen und aͤlle Männer vom Druck des Eigenlums und von der Konkurrenz befreten und dadurch alle Menschen wirklich frei machen: Obgleich der Inhalt der Köpfe dieser beiden ebenso⸗ sehr verschieden ist, wie ein Nachtlicht bom vollen Sonnen— licht, gehen die Gedanken beider doch aus dem Produk— tinoprsozeß hervor; sie unterscheiden sich nur durch die verschiedenen Eigentumsverhältnisse, in welche die beiden „Schwestern“ gestellt sind Die völlige Befreiung der Frau, die Befreiung der Arbeiter, die Befreiung der Menschheit, welche glühenden Gefühle flößen sie uns ein! Welche Leidenschaft und Tat kraft rufen sie bei Millionen hervor, welche Quellen der Energie lassen sie in uns aufsprudelu! Und welche herr⸗ liche goldene und rosenrote Träume bringen sie uns in Stunden der Ruhe nach dem Kampf! Danu kaun es scheinen, als ob der Geist des Menschen eigenmächtig all diese Energie, diese rasende Kampfeslust und diese ent— zückenden Träume wachriefe! Laßt uns aber nie verges⸗ sen, liebe Freunde, daß dieser gewaltige Wille des Prole⸗ tariats, diese Seligkeit im Siege und diese gestählte Hoff— nung nach der Niederlage, dieser riesige Idealismus der Arbeiter — die höchste, umfassendste und herrlichste, ja bei weitem herrlichste, weil die bewußteste und also tiefst ideli⸗ stische Geistesäußerung, die die Welt e gekannt gt daß diese schönsten geistigen Erscheinungen mit der Arbeit, dem Werkzeug verwachsen sind, die hretseits wiede fest in der Erde wurzeln. Diese beiden Beispiele beweisen an den zwei bedeu— lendsten Umwandlungen der Sitten unserer Zeit, wie