69 — richtig unsere Lehre des historischen Materialismus sst. Wir gehen jetzt zu der allgemeinen Sittlich keit über Inzwischen nehmen wir, um den Uebergang dorthin leichter und also das ganze Thema verständlicher zu machen, zuerst noch ein Beispiel, das nicht mehr zu der Sitte der Alltagsarbeit gehört, wie das Besuchen der M— beiterversammlungen und die weibliche Bureauarbeit, das aber auch noch nicht zu jenen angeblich allerhöchsten Ge— bieten der Sittlichkeit gehört, wie die Nächstenliebe, die Wahrheitsliebe usw. Als Uebergang nehmen wir die Vaterlandsliebe, den Patriotismus. Auch in diesem Gefühle, in diesem Gedanken sehen wir in unserer eigenen Zeit, wie eine gewaltige Umwand— lung stattfindet und wiederum hauptsächlich, am aller— meisten, bei den Arbeitern. Früher, als die Arbeiterklasse noch fast gar keine selb— ständige gesellschaftliche Macht darstellte, war fie patriotisch, das heißt, sie wußte nichts Besseres zu tun, als den hert schenden Klassen hres Landes in den Kampf gegen aus— ländische Mächte zu folgen. Es ist zwar nicht wahrschein— lich, daß die damaligen Proletarier und die Kinder des damaligen Bauern- und Bürgerstandes, die sich für die Armee oder die Flotte anwerben ließen, das aus glühender Liebe zum Vaterland taten. Die meiestu taten es aus Zwang und Not, aus Mangel an anderem besseren Ver— dienst — aber die arbeitenden Klassen wußten damals nichts anderes, als daß es sich so gehörte, wenigstens daß es so sein mußte. Der Gedanke, daß sie sich als selbständige Macht gegen den Krieg erklären und ihn verhindern könnten, auch wenn die regierenden Klassen ihn wollten, kam ihnen nicht in den Sinn, sie waren ja politisch und ökonomisch ein Anhang dieser Klassen. Weder an Zahl, noch durch Organisation waren sie stark genug, um einen eigenen Gedanken über diesen Punkt zu haben, geschweige denn ihn zur Tat werden zu lassen. Auch wenn sie für die Aufrechterhaltung des Friedens kämpften, taten sie das ge— wöhnlich als Gefolgschaft eines Teiles der herrschenden Klassen, der mehr Vorteil im Frieden als im Kriege sah, und unter der Losung, daß dies fürs Vaterland gut waͤre, daß dieser Gedanke und diese Tat die echte Vaterlandsliebe wären. In Wirklichkeit war der Krieg und war solche Vater— landsliebe im allgemeinen den arbeitenden Klaffen sicher oft nicht nützlich oder vorteilhaft. Damals, ebenso wie jeht,