—c 32 Gemeinwohls willen unterstützt man nur die Klassen— genossen und zieht entschlossen gegen die fremde Klasse in den Kampf. Liegt also das Wesen der höchsten Sittlichkeit in Selbstlosigkeit, Tapferkeit, Treue, Disziplin, Wahrheits— liebe, Gerechtigkeitssinn und dem Streben nach Ehre und Lob der Mitmenschen, so ändert sich die Wirkung dieser Tugenden oder Triebe forlwährend, durch Eigentum, Krieg, Konkurrenz und Klassentkampf. Wenden wir, um die Sache möglichst klarzustellen, das, was wir von Darwin und Marx gelernt haben, jetzt auf ein individuelles Beispiel aus unserer eigenen Zeikt, aus unserer eigenen unmittelbaren Umgebung an Denken wir uns einen Unternehmer, Besitzer einer Fabrik, die er in heftiger Konkurrenz gegen seine Klassen— genossen betreibt. Kann dieser Mann gegenüber diesen Klassengenossen, den Eigentümern der konkurrierenden Fa— briken, die höchsten, nach der Bourgeoisie ewigen Gebote der Sittlichteit befolgen? Nein, er muß versuchen, den Markt für sich zu erhalten oder zu erobern. Er kann das mit besseren oder schlechteren Mitteln tun, aber er muß es tun. Vielleicht hat er von Natur aus viel soizales Ge— fühl — es tut nichts zur Sache, das Gefühl wird durch seinen Selbsterhaltungstrieb und die Sorge für seine Nach— kommen überwunden In der Konkurrenz ist es eine Lebensfrage, den Markt für sich zu behalten, die Kundschaft auszudehnen. Stillstand ist dort schon der Anfang des Rückschritts In dem Maße, wie die Konkurrenz schärfer wird, das heißt in dem Maße, wie die Technik und der Weltmarkt sich entwickeln, in demselben Maße wird dieser Fabrikant weniger sozial empfinden, wird er heftiger auf Selbsterhal⸗ tung, das heißt möglichst großen Gewinn bedacht sein. Deun je schärfer die Konkurrenz, um so größer die Gefah des Unterganges Kann dieser Fabrikant die höchsten Gebote der Silt— lichkeit seinen Arbeitern gegenüber befolgen? Die Frage ist lächerlich Mag er von Natur aus ein guter Mensch sein, mag er sogar besonders stark mit den Leidenden emp finden, seinen Arbeitern wird er doch einen so niedrigen Lohn geben müssen, daß seine Fabrik einen großen Gewinn abwirft. Kein oder ein kleiner Gewinn bedeutel Stillstand. Der Betrieb muß vergrößert, dann und wann erneuert werden, sonst steht er in einigen Jahren hinter anderen zu— ruck und ist nach zehn Jahren konkurrenzunfählg. Die Aus—