— — Nehmen wir nun als zweites Beispiel einen Politiker, dem die kapitalistischen Klassen ihre Interessen in einem Parlament anvertraut haben. Kaun dieser Mann die höchste, angeblich ewige Sittlichkeit gegenüber der arbei— tenden Klasse befolgen? Nein, auch dann nicht, wenn er will. Denn ein Gebot der höchsten Sitktlichkeit ist die Ge— rechtigkeit, das heißt das Streben, jedem gleiches Recht zu geben Aber die kapitalistische Klasse geht als solche zu— grunde, wenn sie den Arbeitern gleiche Rechte gibt Gleiche Rechte, das heißt erstens gleiche politische Rechte, zweitens gemeinsamen Besitz an Grund und Boden und den Pro— duktionsmitteln Solange es das nicht gibt, gibt es kein höchstes Recht keine höchste Gerechtigkeit. Kaunn ein bürger— licher Politiker dazu gelangen? Nein, denn das wäre Selbstmord an seiner Klasse. Er muß es verweigern Und je heißer der Klassenkampf durch die Entwicklung der Technik wird, je zahlreicher, kraͤftiger und besser orga— nisiert die Arbeiter vordringen, je deutlicher sich die Mög- lichkeit ihrer Uebermacht zeigt, um so eutschiedener muß der bürgerliche Politiker sich weigern, etwas von Bedeu— tung für die Arbeiter zu tun. Die bürgerlichen Politiker müissen ihr soziales Gefühl für die Acbeuler verstummen lassen und nur auf die Stimme der Selbsterhaltung hören. Gerade wie für den einzelnen Kapitalisten, ist es auch für die ganze Klasse eine Frage des Lebens oder des Todes Aber in dem Maße, wie das soziale Gefühl für die Arbeiter verschwindet, entsteht in diesem bürgerlichen Politiker — Vertreter einer der besitzenden Klassen, vie wir voraussetzen — ein Gefühl der Solidarität mit den anderen besitzenden Klassen, während der Kampf und die politische Konkurrenz in auderen Punkten mit hnen be— stehen bleibt Und dieser Klassenhaß wie diese Klassenliebe werden in diesem Politiker stärker, je schroffer durch die Technik der Gegensatz zwischen den besizenden und den besttlofen Klassen wird So erklärt es sich, daß Politiker, die, bevor sie in der Praxis der Politik standen — zum Beispiel in einer Oppo— sitionspartei oder in einer jungen bürgerlichen Partei voll sozialen Gefühls für die Arbeiter waren, dieses abet verlieren, sobald sie den praktischen Kampf gegen die A— beiter zu führen haben Die Praxis kötet dieses Gefühl und läßt die Klassensolidarität mit den Bestzenden auf leben. Hervorstechende Beispiele dafür sind Kuhper in