— — — ——77— 96 Bekanntlich führt das aus dem kapitalistischen System hervorgehende Elend viele zum Mißbrauch des Alkohols Der Kapitalismus bringt jedoch auch die Elenden zur Organisation und zum Kampf und bildet dadurch in ihnen die Sittlichkeit heran: Gefühle der Solidarität, größere moralische Widerstandskraft, Tapferkeit, Stolz usww Diese Sittlichkeit, diese sozialen Triebe führen zur Enthaltung oder Mäßigung, und letztere bewirken, daß die politischen Ueberzeugungen auch klarer und die politische Kraft der früher so Elenden viel größer werden, Die Sitt— lichkeit hat dann auf das Wissen, das Denken, auf die Ideen üͤber Recht, Eigentum und Klassenkampf zurück— gewirkt. Es bleibt aber nichtsdestoweniger richtig, daß die Aen— derung in der Sittlichkeit aus der Entwicklung der Produk— tivkräfte herstammt — ohne diese wäre ja der Unglückliche nie zur Organisation und zum Bewußtsein seiner Kraft ge— kommen — aber es besteht eine Ruckwirkung, eine Wechsel— wirkung zwischen allen diesen geistigen Gebieten, die, alle in der gesellschaftlichen Arbeit wurzelnd, einander beein— flussen. Unsere Gegner wollen uns oft damit widerlegen, daß sie auf die Wirkung der geistigen Ursachen, der Religion, der Sittlichkeit, der Wissenschaft hinweisen. Der Kom— munist wird sich dadurch nicht irreführen lassen Er wird gern die Wirkung der geistigen Kräfte anerkennen — wozu brächte er sonst selber die Geister so sehr in Aufruhr, wenn er glaubte, daß sie nichts vermgen? — aber er wird auch untersuchen, wodurch diese geistige Kraft, bevor sie diese Wirkung ausübte, in Bewegung geriet. Und dann wird er die Entwicklung der Produktion und der Produk— tfionsverhältnisse als Ursache letzter Instanz dafür heraus— finden Wir haben schon früher bei der Besprechung der Po— litik darauf hingewiesen, daß man sich den historischen Ma— terialismus nicht mechanisiert, den Einfluß der Produk— lionskräfte und Verhältnisse nicht bei einem jeden als ge— nau dieselben vorstellen soll. So ist es auf jedem Gebiete des Denkens und besonders bei der Ethik Jede Klasse hat ihre eigene Sittlichkeit, sagt Engels, aber auch jeder Mensch Und nicht weniger schön sagt Labriola: „Wie sollte je die allgemeine Moxral, die die Klassen und Individuen aus hren Bedürfnissen heraus machen, eine ursprüngliche Quelle ihrer Taten sein önnen?“