Bei der Rationalisierung im Handwerk ergibt sich von vorn- herein die Schwierigkeit, daß der Handwerksmeister sowohl die technische wie auch die kaufmännische Leitung seines Betriebes selbst ‚besorgen soll, und daß er so eine Reihe von Obliegen- heiten zu erfüllen hat, für die in der Industrie Spezialabteilungen mit Spezialbeamten zur Verfügung stehen. Der Handwerks- meister sollte nicht nur ein tüchtiger Praktiker, sondern auch ein guter technischer und kaufmännischer Betriebsleiter sein. Es ist sicher nicht leicht, die hierfür nötigen Eigenschaften in wünschenswerter Weise in einer Person zu vereinigen. Der ver- hältnismäßig geringe Zeitraum, der dem Handwerker für die Erledigung der kaufmännischen Geschäfte zur Verfügung steht, erfordert es, die Methoden der kaufmännischen Betriebs- führung, besonders die der Buchhaltung und der Kalkulation, diesen Voraussetzungen anzupassen, eine Aufgabe, der sich die kaufmännische Abteilung des Forschungsinstituts für rationelle Betriebsführung im Handwerk, die in Verbindung mit der Handelshochschule Mannheim steht, besonders widmet. ; Wirtschaftliche Betriebsführung im Handwerk ist nicht etwa, wie vielfach angenommen wird, gleichbedeutend mit der Ver- wendung von Maschinen oder der Einführung neuer technischer Hilfsmittel. Auch der am besten eingerichtete Betrieb kann unwirtschaftlich arbeiten. Gerade im Handwerk ist nicht selten der Fall eingetreten, daß die Anschaffung einer an und für sich technisch guten Einrichtung dem Betrieb verderblich wurde, weil sie nicht dazu diente, die aufzuwendenden Kosten zu vermindern, sondern sie erhöhte, Selbstverständlich kann man auch mit einer veralteten, vernachlässigten Einrichtung keine Wirtschaftlichkeit erzielen, Wirtschaftliche Betriebsführung ist vielmehr die aufs beste unter dem Gesichtspunkt der Aufwands- verminderung herbeigeführte Ausnutzung der vorhandenen Ein- richtung und alles dessen, was irgendwie bei der Produktion mitwirkt, Immer und überall ist daher die Frage zu stellen: was muß geschehen, um bei allem, was im Betrieb und bei der Produktion Kosten verursacht, zu sparen ? Dazu muß sich der Handwerker darauf einstellen, alles, was Aufwendungen verursachen kann, auch als Kostenquelle kritisch zu betrachten, nicht nur die tatsächlichen Geldausgaben, zum Beispiel für Materialien, Löhne, Strom, Gas, sondern auch alles andere, zum Beispiel was durch Abnützung verbraucht wird, Arbeitspausen, Zeitverluste, Unordnung in der Werkstatt, Materialmängel, vor 62