durch die Einführung des Akkordsystems, der Prämien und „Leistungs‘löhne, der Rohertragstantiemen, der Lohnabzüge für un- genügende Leistung, der Anwendung der Stoppuhr bei bestimmten maschinellen Tätigkeiten und des Kilometerzählers an der Drill- maschine. Diese neuen industrialistischen Methoden werden mit den alten rohen Methoden halber Leibeigenschaft, wie Hofgänger- system, Familienzwangsarbeit, physischer Terror, organisch zu einem Ganzen verbunden. Dazu kommt die sogenannte „Landarbeits- forschung”, die genaue experimentelle Feststellung der geeignetsten Werkzeuge, Maschinentypen und nicht zu vergessen der Körper- bewegungen des Arbeiters. Es bedarf nur der Erwähnung, daß Regierung, Parlamente, staatliche und kommunale Behörden mit allen Mitteln der Ausnahmegesetzgebung und Ausnahmeverord- nungen bestrebt sind, die landwirtschaftlichen Arbeiter zugunsten der rationalisierenden Junker an’ die Scholle zu binden, Man nennt das „Bekämpfung der Landflucht“. (Näheres siehe VI, Rationali- sierung und Landarbeiterschaft!) b) Mechanisierung Die Mechanisierung und Motorisierung der Land- wirtschaft wurde zunächst ziemlich planlos und übereilt mit Hilfe der großen Rentenbankkredite in Angriff genommen. Nach dem Zu- sammenbruch des Kahn-Konzerns, der auf Veranlassung des Reichsernährungsministers Graf Kanitz Motorpflüge gegen Wechsel geliefert hatte — die Wechsel wurden von den Junkern nicht ein- gelöst —, beschritt man andere Wege. Im Sommer 1926 trat mit Reichshilfe eine besondere „Finanzierunsgesellschaft für Landkraftmaschinen A,-G,” (sog. Traktorbank) ins Leben und. nach längeren Vorbereitungen Ende 1927 das Kura- torium für Technik in der Landwirtschaft, das mit Reichsmitteln eine besondere Versuchsanstalt zur Gewinnung von Mustertypen — nur für Betriebe über 50 Hektar! — und eine Fahr- schule in Zeesen bei Wusterhausen in der Nähe von Berlin unter- hält. Solche Fahrschulen für landwirtschaftliche Motorführer sollen mit der Zeit in jeder Provinz aufgemacht werden. In welchem Ausmaß der Benzin- oder Leichtölmotor menschliche oder tierische Arbeitskraft zu ersetzen vermag, zeigt die Tatsache, daß ein einziger 5-Tonnen-Lastkraftwagen die Arbeit von 5 schweren Pferdegespannen leistet. An Stelle von 5 Kutschern, 10 Pferden und 5 Wagen tritt ein Chauffeur, ein Mitfahrer und ein Motorwagen, Die Verwendung von Motorlastwagen ist in der deutschen Landwirtschaft noch verhältnismäßig gering, doch stieg die Zahl im Jahre 1925/26 von 2230 auf 2430, also um rund 10 Prozent. Dabei ist zu bemerken, daß nur Betriebe mit mindestens 500 Morgen Fläche für solche Wagen in Betracht kommen und es nur rund 16 000 solcher Betriebe in Deutschland gibt. Auch die Elektrifizierung der Landwirtschait wurde zunächst unsvstematisch und fehlerhaft in Angriff genommen. Es wurden