Diese Einstellung auf besondere Rekordleistungen ist typisch für die kapitalistische Rationalisierung der Landwirtschaft. Nur die kapitalstärksten Betriebe können an einer solchen Rationalisierung teilnehmen, während die große Masse der kleineren und mittleren Bauernbetriebe immer weiter zurückbleibt. Ueber die Methoden der Rationalisierung der Milcherzeugung sibt die Denkschrift des preußischen Landwirt- schaftsministeriums eingehende Auskunft, Es handelt sich hierbei vor allem um die Förderung der Milchkontrollvereine, um Leistungsprüfungen und um die Errichtung von Melkerschulen; alles Maßnahmen, die auch im Notprogramm des Reichstages vorgesehen sind. Am 1. Januar 1927 kontrollierten in Preußen 1745 Milchvieh- kontrollvereine 640 518: Milchkühe- Diese Zahl ist im Verhältnis zu der großen Masse der vorhandenen Milchkühe (17,9 Millionen im Reiche laut Betriebszählung vom 1. Dezember 1927) außerordentlich klein, Natürlich sind die kontrollierten Kühe in erster Linie Tiere sroßbäuerlicher oder großagrarischer Betriebe. Die Statistik meldet, daß in den bäuerlichen Kleinbetrieben von‘ 2,5 ha 1922 nur 2,01 Prozent der Milchkühe kontrolliert wurden. gegen 8,64 Prozent in den bäuerlichen Mittelbetrieben von 5—20 ha, und gegen 48,87 Prozent in den kapitalistischen Betrieben zwischen 20 und 100 ha, Dabei entfällt der weitaus größte Teil des gesamten Milchvieh- bestandes auf die kleinen und mittleren Bauernschaften unter 20 ha (laut Betriebszählung von 1925 65,52 Prozent aller Milchkühe). Die Großbetriebe über 100 ha haben nur 11,49 Prozent, Auch die Einführung der amerikanischen Fütterungsmethode er- höht die Leistungsfähigkeit der Tiere ganz bedeutend. An Stelle der noch in Deutschland üblichen Gruppenfütterung wendet der rationelle Unternehmer die Einzelfütterung an, Durch alle diese Mittel, die kombiniert werden müssen, hofft man ‚die Durch- schnittsleistungen von 1800-—2000 Liter pro Jahr, wie das heute der Fall ist, in kurzer Zeit auf 3300 Liter pro Jahr zu erhöhen, was dem in gut geleiteten Kontrollvereinen bisher erzielten Durchschnitt ent- spricht. Nach den Mitteilungen des Staatssekretärs a. D. Hagedorn auf dem Bankett des Reichsgrundbesitzerverbandes am 22. März 1928 haben‘ einzelne führende Wirtschaften auf Grund der BEinzel- Fütterung im Gegensatz zur Gruppenfütterung sogar Leistungen von 58,3 Liter pro Tag erreicht. Auch hier wieder der Kult der Spitzen- leistung! Auch bei der Schweinemast ist auf Grund der neuen Fütterungsmethoden in Verbindung mit der Leistungszucht gelungen, die Mastzeit auf 6 Monate herabzudrücken, während sie bisher nor- mal 8—10, in kleinbäuerlichen und in, Zwergbetrieben oft bis zu 12 Monate beträgt. Die Schlachtausbeute pro Schwein soll gegen- über 1913 durchschnittlich um 5 kg gestiegen sein. Auch hier sind es die Großbetriebe, die sich alle Vorteile der Rationalisierung an- eignen, Schon die letzte Schweinezählung im Dezember 1927 hat ergeben, daß die Schweinehaltung in Deutschland vom Westen nach dem Osten abwandert. d. h. aus den vorwiegend klein- und mittel-