14 der besonders in den russischen Randstaaten eine größere Anhänger- schaft zu werben verstanden hatte, gruppierten sich eine Reihe Ar- beitervereinigungen, die ebenso wie die erstgenannten Pole einander zustrebten, doch hielten taktische Erwägungen, wie die der „Oekono- misten“, der russischen Bernsteinianer, und lokale Sonderbedenken durchgreifende, zentralisierende Maßnahmen hintenan. Auch der ın dieser Hinsicht zu einem alle Teile ziemlich unbefriedigt lassenden Kompromiß gelangende Kongreß der russischen Arbeitervereinigun- gen in Minsk — 1898 — hatte in diesem Streben keinen Wandel ge- schaffen, besonders da kurz nachher viele der Teilnehmer des Kon- gresses und andere in der Bewegung eifrig tätige Personen infolge Verhaftung und Einkerkerung von der Szene abiraten. Diese starke Unsicherheit innerhalb Rußlands veranlaßte die übriggebliebenen Führer und den erst aus Sibirien zurückgekehrten Lenin, im Auslande eine Stelle zu schaffen, die von den staallichen Machthabern weniger leicht außer Aktion gesebt werden konnte, als eine Zentrale in Ruß- land selbst. So entstand die Zeitschrift „Iskra‘“. Die angesehensten russischen Marxisten: G. Plechanow, V. Zasuli&, Lenin, Martow, Axel- rod, waren ihre Gründer und Redakteure. Ihre erste Nummer er- schien im Dezember 1900 in München, später siedelte der Verlag nach London und dann nach Genf über. Das Ziel war von Anfang an klar umrissen: Die Stabilisierung der revolulionär-marxistischen Theorien in der Arbeiterbewegung Rußlands und die Konsolidierung der russischen Gruppen, die diese Theorien anerkannten, zu einem einzigen Verbande unter streng zentralistischer Leitung. „Dem Funken wird eine Flamme entlodern!‘“ Diese Sirophe des Dichters Puschkin, mit der er einst auf den Aufruf der Dekabristen antwortete, ihronte als Motto am Kopf des neuen Organs, und in der Tat war es diese Zeitschrift und ihre Nachfolgerinnen, denen die Rolle der Funken im größten revolutionären PulverfaBß der Weltgeschichte, im zaristischen Rußland, zugekommen ist. Der Angriff gegen den „professionalen Opportunismus‘“ wurde sofort von Lenin eröffnet, ebenso gingen nach kurzer Zeit er und seine Mitredakteure daran, Programm- und Organisationsstatutentwürfe zu schaffen, die als Basis einer Vereinheitlichung der Bewegung in Rußland dienen soll- ten”). — Nach solcher Vorbereitung fand endlich im August 1905 in London der „zweite Kongreß der sozialdemokratischen Arbeiterpartei 7) Eine eingehende Darstellung der „Iskra-Periode“ findet sich bei M. Lydin (Mandelstam): „Material zur Erläuterung der Parteikrise in der Sozialdem. Arbeiterpartei Rußlands“. . Genf: Buchdr. „Iskra‘““ 1904. S. 21 ff. Fin ‘wichtiges Dokument ‚für. die. Ansichten ‚Lenins’ ist außer den „Iskra“- Artikeln auch seine Schrift: Cto delat’? Stuttgart: Dieb 1902. 8°%.. (Was 1un?)