16 Eine weit schärfere Auseinandersebung entstand dagegen bei den Beratungen zum „Organisationsstatut‘“, das, von Lenin entworfen, einen strengen Zentralismus entwickelte — ganz so, wie er zurzeit in der Organisation der Ill. Internationale anerkannt ist. Besonders der 8 1 war es, der die Geister aufeinanderplaken ließ. Lenin formulierte folgendermaßen: „Mitglied der Partei ist, wer an einer Organisation der Dartei teilnimmt, seine Parteimiigliedspflichten erfüllt, den Mit- gliedsbeitrag bezahlt, die Disziplin beachtet usw.“, während Martow die folgende Fassung vorschlug: „Mitglied der Partei ist, wer unter der Kontrolle der Partei arbeitet und die Parteiorganisationen in irgendeiner Weise unterstüßbf.“ In der Tat ging also der Sireit um Fernhaltung oder Aufnahme von Mitläufern, und die Mehrheit stellte sich in diesem Punkt auf den Standpunkt von Martow, stimmte aber in den übrigen Paragraphen mit geringen Wortänderungen dem Ent- wurf Lenins zu. Wie Martow selbst das Ergebnis beurteilte, zeigt seine Aeußerung über den Parteitag: „Ich habe gesiegt, aber Lenin hat es verstanden, nach kurzer Zeit mit Hilfe einiger anderen Punkte meine Formel derartig zu stuben und eine solche Revanche zu nehmen, daß von meinem Sieg schließlich nichts übrig geblieben ist“. In der Tat führte das Ergebnis der Schlußabstimmung und das über die Be- sekung der Redaktion der „Iskra“ zu einer Mehrheit von 25 Stimmen gegen eine Minderheit von 23 Stimmen. „Von da leiten sich,“ wie Zinovev feststellt, „die Bezeichnungen „Bolschewiki“ (Mehrheitler) und „Menschewiki“ (Minderheilfler) her.“ — „Wie bekannt,“ fährt er fort,. „ist während der Revolution in dieses Schlagwort oflimals ein anderer Sinn hineingelegt worden. Viele waren einfach der Meinung, daß die Bolschewiki jene seien, die möglichst viel wollen, während die Menschewiki bereit seien, sich mit weniger zu begnügen. In Wirklichkeit aber entstand dieses Wort, als die Mehrheit (Bolschinstwo) für die Redaktion Plechanow-Lenin und die Minderheit (Menschinstwo) gegen diese stimmte.“ 19) 10) Vergl. dazu die Darstellung von Lydin im „Material“ S. 67. Zinovev: „Geschichte d. Kommunistischen Partei“ S. 86 ff. Vor allem aber das russ. Darteitagsprotokoll. Übrigens stellen auch Maulner im „Bolschewismus“, Stuttgart 1920, und Sonja Rabinowib: „Zur Entwicklung der Arbeiterbewegung in Rußland“, Berlin 1914, S. 88, die Sachlage ähnlich dar. Die diesbezüg- lichen Quellen und Ansichten sind deshalb gründlich angeführt, weil das immerhin brauchbare Werk von. Professor A. von Hedenström: „Ge- schichte Rußlands von 1878—1918“, Berlin-Stuttgart 1922, das in Deutsch- land ziemlich verbreitet ist, eine irrige ‚Auffassung über die An- schauungen Lenins wiedergibt. Siehe S. 104 u. 109. Neben der anders- lautenden Erklärung der Entstehung der ‚Parteinamen „Bolschewiki“ und „Menschewiki“ ist besonders die Annahme: „der Zarismus müsse mit Bomben und Dynamit schonungslos: vertilgt werden“ als +aktisches Proaramm Lenin’s