26 überall die Wogen der Unzufriedenheit hoch zu gehen, und gegen den Willen der Führer sah man sich zu einer verfrühten Aktion gezwungen. Zinovev erzählt, daß eine Besprechung zwischen ihm, Trokki und Lenin am 5. Juli im Taurischen Palais stattfand. Er schreibt: „Lenin sagte jäachelnd zu uns: „Wenn wir nun doch versuchten, sofort die Macht zu ergreifen? Aber,“ fügte er hinzu, „nein, man kann jekt die Macht nicht erobern. Wir würden keinen Erfolg haben, weil die Leute an der Front gegen uns sind; sie sind von Liber und Dan irregeführt, die Front würde eine Petersburger Arbeiterrevolution ersticken.“ 23). In der Tat miBlang der Aufstand, und Lenin wäre fast während der Nacht in der Redaktion der „Pravda“ verhaftet worden, die der Zerstörung anheimfiel. Lenin mußte sich verbergen und wandte sich bald nach Finnland, um in Sicherheit zu sein. Von hier aus schrieb er seine Artikel für die ıllegale Presse: „Rabotij Put’“ und „Rabotij‘“. Hier wurde auch das Buch „Staat und Revolution“ vollendet; besonders sein Kapitel V bietet einen sicheren Einblick in die Anschauungen Lenins über die Umwandlung des bürgerlichen Staates in die sozialistische Gesellschaft. Im Laufe des Juli bemühte sich die Kerenskij-Regierung, mit allen Mitteln die Bolschewiki auch moralisch unmöglich zu machen. Das Märchen von der Käuflichkeit Lenins durch die deutsche Regierung unter Vermittlung von Parvus wurde erzählt und zur Grundlage eines Sensalionsprozesses gemacht, der aber keine wirklich belastende Momente beibringen konnte. Der Kornilow-Putsch veränderte bald die Situation und stärkte nach dem Siege über die Gegenrevolution die bolschewistische Sache. Um ein zahlenmäßiges Bild zu geben, sei auf die Verteilung der Parteizugehörigkeit knapp vor der Oktoberrevolution hingewiesen: Bolschewiki Menschewiki Petersburg. ... . . 41000 13 000 Moskau . . . 58 000 30 000 Wolgagebiet . 12 000 8 000 Uralgebiet . . 25 000 11 000 Ostseeprovinzen 14 000 3 000 Donekgebiet . . 16 000 29 000 Kaukasus . .. . . 9000 45 000 Westirußland . . . . — 18 000 Soldaten . 29 000 4 000 Der jüdische „Bund“ zählte rund 13 000 Mitglieder. Es waren also vorhanden rund je 200 000 Bolschewiki und Menschewiki, aber ausschlaggebend für den Gang der Geschichte war, daß in Zentral-23) Siehe Sinowjew: „N. Lenin.“ Berlin 1920. S. 31.