30 Er soll mich und die Meinen verschonen, ıch will ihm die Hälfte meines weiten Reiches geben!“ So wurden denn viele gelehrie Männer be- fohlen. Sie runzelten die kahlen Shirnen, legten die Finger an die Nasen und nach vielem Grübeln spikten sie ihre Schwanenfedern und begannen an Lenin also zu schreiben: „Lenin! Wenn es so steht, wie Du sagst, so bitten wir Dich, laß unsern Zaren Nikolaus mit Deinen Zauberformeln in Ruhe und nimm dafür die Hälfte des weiten Rußland.“ Der Brief wurde mit Eilboten in das ferne Land gesandt und es dauerte eine Weile, da kam eines Tages von Lenin die Ant- wort: „Zar Nikolaus! Es ist mir recht, was Du mir vorschlägst, ich will mich mit der Hälfte Deines Reiches begnügen, doch laB mich bestimmen, wie wir die Teilung vornehmen sollen. Es soll dies ge- schehen, nicht nach Gouvernements, auch nicht nach Kreisen oder Be- zirken, sondern folgendermaßen: Zar Nikolaus, nimm Du Dir alles, was weiBe Knochen hat: Generale und Würdeniräger, hochwohl- geborene Offiziere mit allen ihren Orden und Kreuzen, mit goldenen Fangschnüren und Achselstücken, mit ihren feinen Gattinnen und weißknochigen Kindern. Dir sollen weiter gehören alle die Herren Gutsbesiber mit ihrem großen Reichtum, mit ihren seidenen und samtenen Kleidern und ihrem Silbergeschirr, mit ihren Gattinnen und der Nachkommenschaft. Weiter sollen Dir zukommen alle Kaufleute mitsamt dem Inhalt ihrer Speicher und Magazine, mit allen Geldern und dem, das auf den Banken liegt. Nimm Du Dir alle Fabrikanten mit den Maschinen und allen Gebäuden! Mir aber, großer Zar, gib alles, was schwarze Knochen hat: die armen Bauern, die geplagten Sol- daten, die schweißigen Fabrikarbeiter mitsamt ihrem Gerümpel, ferner das Vieh für die Zucht, die Wiesen für das Futter und das Land für den Brotacker.“ — Zar Nikolaus las diesen Brief und ward sehr fröh- lich. Er klatschte in die Hände und tanzte von einem Bein auf das andere: „Meldet diesem Lenin sofort,“ befahl er. seinen Geheim- räten, „daß ich mit allem einverstanden bin.“ Und lachend fuhr er fort: „Wie kann das ein in allen Wissenschaften bewanderter Mann sein, der einen Zauberspruch besikt, wenn er mir alle Schäbe Ruß- lands überläßt und nur die Menschen der schwarzen Knochen verlangt? Mit unsern Schäkben werden wir uns neue Leute mit schwarzen Knochen dingen, aus ihnen neue Soldaten machen und in Ruhe und Reichtum leben.“ Von neuem kamen weise Männer herbei und schrieben an Lenin. Und wieder dauerte es eine Weile, da kam Lenm eines Tages in aller Stille an und ging zu seinem armen Volk. Der Zar aber entfernte sich mit seinen Leuten. Da sahen die Bauern und die Arbeiter und die Soldaten, daß ein Mensch von ihrem Schlage zu ihnen gekommen war, er streckte ihnen die Hand entgegen und be-