Schließlich müssen die Löhne auch dem Wohlstand einer Volks: wirtschaft angepaßt sein. Die gro» Ben Verluste in unserem Volksver- mögen und Volkseinkommen in Verbindung mit den Reparations- i{asten können auch auf die Ent: lohnung der menschlichen Arbeits: kraft in unserer Wirtschaftslage aicht ohne Einfluß sein. Der Lohn ist mit der Wirtschaftskurve und mit der Wohlstandskurve engstens verknüpft. Es liegt nahe, den heutigen Lohn mit dem Friedenslohn zu verglei- chen und daraus Schlüsse für die Unzulänglichkeit der heutigen Lohn: entwicklung zu ziehen. Eine der- artige Betrachtung verkennt die Wirtschaftsgrundlagen und ist abwe- ig. Jeder Reallohnvergleich ist über- dies an Indexrechnungen gebunden, deren Fehlerquellen eine praktische Verwendung bedenklich machen. Es mag in gewissem Umfang zutreffen, daß der Lohn in Deutschland nicht allgemein den Reallohn von 1913 er: reicht hat, obwohl er ihm auch in zahlreichen Industrien nahe gekom- men ist oder ihn überschritten hat. Wir können die Lohnhöhe von 1913 nicht als die Norm für die heutige Lohnpolitik ansehen, weil wir heute eine andere Wirtschaftsgrundlage haben, die nicht mit den Lebens: und Produktionsverhältnissen des Jahres 1913 vergleichbar ist. Wir können nicht dort anfangen, wo wir 1913 aufgehört haben, und die da- zwischen liegende Zeit einfach ver: neinen. Maßgebend für die Ber messung und Bewertung unserer Lohnhöhe ist deshalb nicht die Frage, ob der Friedensreallohn er- reicht ist oder nicht. Entscheidend ist vielmehr neben den anderen Wirtschaftsgrundlagen für den heu- tigen Stand der Wirtschaft, daß da, wo ein höherer Reallohnstand noch nicht gewonnen ist, er nur mit Zleichzeitiger Steigerung der allge- meinen Produktivität erreicht wer: len kann. Dabei ist eine weitere /oraussetzung, daß die mit größ- :er Produktivität der Wirtschaft 7erbundene Verbilligung und Stei- jerung der Produktion auch Hand n Hand mit einem entsprechen: len Güterumsatz geht. Lohn: ‚r”höhungen, die ohne diese Vor- ‚ussetzungen eintreten, sind wirt: ıchaftlich untragbar. Sie bewirken las bekannte währungs: und wirt: ‘chaftspolitisch gleichermaßen ver: ıängnisvolle Rennen zwischen Lohn ınd Preis. Wir beabsichtigen mit unserer For- ierung nach klarer Erkenntnis unse er Lohngrundlage mit Betonung des ‚eistungslohnes keinen Angriff auf je Lohnbasis und die Lebenshaltung ler Arbeiterschaft. Die Lohnpolitik ler Industrie verfolgt keinen unwirt: ichaftlichen Druck auf den Lohn, ‚ondern sie geht im Interesse der ‚eistung wie der Hebung der Kauf- zraft nach weiterer Steigerung des Aeallohnes. Überdies würdigt auch lie Industrie durchaus die Bedeu- ung eines hohen Einkommens für le Teile der Bevölkerung als eines vichtigen Faktors zur Belebung der Nirtschaft. Wir sind mit der Ar- ‚jeiterschaft über das wichtige Er: ordernis der Bildung neuen Kapitals inig. Neues Kapital kann durch Er: parnis aus dem Einkommen gewon- ıen werden, so daß also die Be- nessung des deutschen Lohnes zwei: ellos auch von hoher Bedeutung für ıen Grad der Spartätigkeit und da- nit für die Wiedererlangung des erlorenen Kapitals der deutschen Tolkswirtschaft aus eigener Kraft les deutschen Volkes ist. Eine Vers irößerung des Einkommens ist aber nit dem Mittel der Schöpfung uns undierter Kaufkraft durch Lohn; ;rhöhungen nicht möglich. Die Jnterlage dafür muß vielmehr durch lie Produktivität unserer Arbeit und Jurch den Ertrag unseres Güterum» satzes gefunden werden. Die heuti: