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        <title>Betriebsorganisation und Betriebsabrechnung</title>
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            <forname>Hans</forname>
            <surname>Brasch</surname>
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        </author>
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‚nschaftliche Bücher
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Ing, Hans D. Brasch

Verlag von Georg Stilke, Berlin
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Betriebswissenschaftliche Bücher
Herausgeber Dr.-Ing. Werner Bondi

Die betriebswissenschaftlichen Bücher behandeln zum ersten-
mal in geschlossener Sammlung und allgemeinverständlicher
Fassung die hochinteressanten und gegenwärtig im Mittel-
punkt der Erörterung stehenden Fragen aus den Grenz-
gebieten zwischen Technik und Wirtschaft. Durch Konzen-
tration und Beschränkung des Stoffes auf das wesentliche
werden diese Fragen dem breiten Kreis der dafür Inter-
essierten zugänglich gemacht. Für die Fortentwicklung
unserer Wirtschaft ist es von ungeheurer Wichtigkeit, daß
die Erkenntnis von der Notwendigkeit rationeller Betriebs-
führung in die breite Menge der industriell Tätigen hinein-
getragen wird.
Bisher sind erschienen:

Band 1: Wirtschaftsfragen der Massenfertigung. Von Dr.-
Ing. K.H. SCHMIDT, Darmstadt, Ganzleinen 2.50 RM.

Band 2: Fließende Fertigung. Von Dipl.-Ing. H.L.MITTEL-
STAEDT. Ganzleinen 3.— RM.

Band 3: Zeitstudien. Von Dipl.-Ing. HANS ,/EREUND. Ganz-
leinen 2.50 RM. —

Band 4: Selbstkosten-Ermittlung im Industriebetrieb. Von
Dr.-Ing. ARTHUR LISCHKA, Ganzleinen 2.50 RM.

Band 5: Energiewirtschaft im Betrieb. Von Dr.-Ing.
RUDOÖLF LANDSBERG. Ganzleinen 3.— RM.

Band 6: Betriebsorganisation u. Betriebsabrechnung. Von
Dr.-Ing. HANS D. BRASCH. Ganzleinen 5,— RM.

RM
In Vorbereitung sind:
Band 7: Psychotechnik. Von Dr.-Ing. HANS FREUND.
Band 8: Unfallverhütung. Von Dr.-Ing. WILHELM DENKER,
Oberregierungs- und Gewerberat,
ic
Weitere Bände sind in Vorbereitung, u. a.:
Lehrlingsausbildung
Fabrikhygiene
Ford’sche Produktionsmethoden Ü
Der Kampf um den Achtstundentag
Fabrikorganisation
Werkstattbetrieb und Arbeiter-Psychologie
Die Ausbildung des Ingenieurs für den Industriebetrieb
Verlag Georg Stilke. Berlin NW 7
        <pb n="3" />
        <pb n="4" />
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        Betriebswissenschaftliche Bücher
Herausgeber Dr.-Ing. Werner Bondi
Band 6

Betriebsorganisation und
Betriebsabrechnung

Von

Dr.-Ing. Hans D.,Brasch
Privatdozent a. d. Techn. Hochschule Berlin

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Verlag von Georg Stilke in Berlin
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        Alle Rechte vorbehalten
Copvright 1928 by Georq Stilke, Berlin

Gedruckt bei A. Heine G. m. b. H., Gräfenhainichen.
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        Vorwort des Herausgebers
Seit der Stabilisierung der deutschen Wirtschaft im ÄAn-
schluß an die Inflation ist „Rationalisierung“ das große
Schlagwort, das bei jeder Umstellung und bei jedem neuen
Projekt gebraucht und mißbraucht wurde. Verstanden hat
man darunter die ganze Reihe von Mitteln, den Wirkungs-
grad des Arbeitsprozesses zu steigern, vom einfachsten Ab-
bau überflüssig gewordener Kräfte bis zum kompliziertesten
organisatorischen Eingriff in die gewordene Struktur der
Fabrikation; immer handelt es sich jedenfalls in technischer
wie ‘in wirtschaftlicher Beziehung um die Form des Pro-
duzierens, die Organisation. Wie aber alle Form nur so
lange ihre Daseinsberechtigung hat, als sie lebendig ist, so
darf auch hierbei das Wertvollste, was unsere Wırtschaft
besitzt, die Lebendigkeit der Initiative, niemals durch das
Formale unterbunden werden. Organisation darf stets nur
Mittel, niemals Zweck sein.

Die lähmende Gefahr einer Organisation um ihrer selbst
willen wird um so größer, je mehr sich die Industrie zu
Interessengemeinschaften und Konzernen zusammenschließt,
zumal bei unserer deutschen Neigung zum Beamtentum, das
auch bei getreuester Pflichterfüliung doch nie die Initiative
aufbringen wird noch seinem Wesen nach kann, deren wirt-
schaftliches Handeln bedarf. Produktion und Wirtschaft
sind von ganz anderer Wesensart als behördliche Verwal-
tung und brauchen Labilität und Wagemut. Die Aufgabe
unserer Industrieführer ist es, dies der Wirtschaft, trotz
ihres Anwachsens zu Gebilden staatlicher Dimension, zu er-
halten durch die Sorge dafür, daß nicht die organisato-
tische Form und der Instanzenweg, sondern der lebendige
Inhalt regiert.
Dessau, Januar 1928.
Werner Bondi.
        <pb n="8" />
        <pb n="9" />
        Inhalt

ji. Einleitung -
2. Gliederung . 0. 0.0.0.0. 4. „

a) Die Hauptstufen der Betriebsorganisation
Arbeitsvorbereitung. .
Arbeitsführung . . 0. 0.0.
Betriebsabrechnung . . - .

b) Lohn- und kapitalintensive Betriebe . . .. .

2) Die Elemente der Arbeitsvorbereitung, Arbeitsführung

und Betriebsabrechnung. . . . 2. 0. + «4

d) Kreislaufcharakter jeder Betriebsorganisation

Die Arbeitsvorbereitung . . . + + -

a) Die gebräuchlichsten Auftragsarten

b) Der Auftragseingang
Die Auftragskarte NR

:) Die Bereitstellung der technischen Unterlagen
Zeichnungen und Stückliste
Das Arbeitsbüro . . . .

Die Bereitstellung des Materials

Der- Materialauszug .
Der Einkauf . . .
Der Wareneingang . .
Die Wareneingangsprüfung . . . . 2. + +.

2) Die Bereitstellung der menschlichen Arbeitskräfte .
Die Arbeiterannahme . .
Die Arbeitsordnung. . 0. 0. 0.0 + 4
Lehrlingsausbildung und Anlernwerkstätten
Lohn und Leistung . . . 0. 0+ +0. 40 + +

f) Die Bereitstellung der technischen Arbeitsmitte!
Neuanschaffungen . . +. +
Der Instandhaltungsdienst * ER wa
Der Werkzeug- und Vorrichtungsbau . . . . .

g) Die Bereitstellung der organisatorischen Hilfsmittel
Der Fertigungsplan. . -
Die Arbeitszeitermittlung

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        Zeitstudien . .
Kalkulationstafeln .
Die Maschinenbesetzung und das Terminwesen
Schreibwerk und Auftragsvorbereitung
4. Die Arbeitsführung . ... . . . .
a) Die Verwaltung und Herausgabe des Materials
Das Lagerwesen. . .. . .-
Bestellungen und eiserner Bestand.
Die Lagervormerkung .
Die Lagerkartei .
Lagerfachkarten ,
Die Materialforderung
Die Materialrücklieferung
Die Zuleitung des Materials vom Lager an die Werkstat:
b) Arbeitsverteilung und Arbeitsvorgabe .
Arbeitsverteilungstafeln .
Die Arbeitsvorgabe. . . . - ;
c) Arbeitsüberwachung und Meisterwesen
Die Auftragsüberwachung. . . . +
Änderungsmeldungen und Nachforderungen
Das Meistersystem
Der Förderdienst
d) Arbeitskontroile .
5. Die Betriebsabrechnung .
a) Ziel und Grundbegriffe 2
Der Sinn der Betriebsabrechnung
Die Grundbegriffe . . .
b) Die Materialabrechnung .
Die Materialbewertung . . ..
Die Wahl der Bewertungspreise
©) Die Lohnabrechnung .
Das Lohnbüro. .
Die Lohnaufteilung
Die Lohnperiode. .
d) Die Unkostenverrechnung . . . . .
Die Unkostensammlung und Kontierung
Die Unkostenaufteilung . . . .
Die Unkostenzuschlagsberechnung
e) Nachrechnung und Erfolgsrechnung . . . . ..
Die Nachrechnung der direkten Fertigungskosten
Die Unkostenzuschläge
Die Nebenkosten

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‚ 113
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        <pb n="11" />
        Die Rückstellungen. .

Die Behandlung der Unkostenzuschläge

Die Erfolgsrechnung . . + .
f) Betriebsbuchführung und Hauptbuchführung
g) Budgetrechnung und Kostenpläne .

Ursprung und Ausbau

Fabrik-Festpreise

Die Kostenpläne . .
h) Auswertung und Statistil

Umfang der Statistik

Keine Spielereien

Geschwindigkeit

Offenheit. -
Register . . -
Literaturnachweis

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        <pb n="13" />
        1. Einleitung
Für alle Handlungen in unserm täglichen Leben, die sich
ihrer Natur nach wiederholen, entwickeln sich feste Formen
und Formeln. Die wirtschaftliche und produzierende Tätig-
keit der Menschen ist uralt, und entsprechend alt sind auch
die Grundlinien, nach denen sich diese Tätigkeiten ab-
wickeln. Neu ist jedoch die scharfe Aufmerksamkeit, die
man diesen Formen im industriellen Leben widmet.

In den Jahrhunderten der erwachenden und erstarkenden
Industrie blieb wenig Zeit, den inneren Gang des Arbeits-
laufs zu belauschen: Alle Beachtung war auf das Objekt,
den Erfolg, die Extensität selbst gerichtet. Erst seit
wenigen Jahrzehnten ahnt man, welche Bedeutung im In-
dustriebetrieb der Intensität beigemessen werden muß,
erst seit dieser Zeit beobachtet und reguliert man ober-
bewußt den Vorgang der Produktion selbst, und zwar von
der stofflichen Seite her (wirtschaftliche Fertigung, fabri-
katorische Durchdringung), wie von der geistigen Seite (Ver-
waltungstechnik und Organisation).

Der Unfug, der heute vielfach mit dem Wort Organi-
sation getrieben wird, darf nicht den wahren Ursprung
dieses Ausdrucks vergessen lassen. Die Organisation ist das
lebendig-zusammenhaltende Band, das den Organismus einer
von Menschenleben geleiteten und von Menschenleben in
Atem gehaltenen Einrichtung umspannt und in vielfacher
Verästelung durchzieht. Sie ist demnach nichts Starres,
nichts Schematisches und nichts nur Äußerlich-Formales.
Sie hat in Industriebetrieben mit geistigen Kräften und
Werkzeugen den Ablauf eines Wirtschaftsprozesses zu
bändigen und vor Willkür zu bewahren.

Je mehr allerdings die Vorgänge der internationalen Pro-
duktion an gewerblichen Gütern durch allseitige Einführung
        <pb n="14" />
        von maschinellen Einrichtungen, hohen Erzeugungsziffern
und arbeitsteilenden Verfahren einander ähnlich werden, um
so eindeutiger werden auch die Ausdrucksformen des Ar-
beitsablaufs. Und so verstehen wir heute bereits unter Be-
triebsorganisation einer gewerblichen und industriellen Unter-
nehmung ein ganz scharf umrissenes Gebiet, dessen Einzel-
heiten sich in allen Ländern und Erzeugniszweigen im
wesentlichen gleichen. Wir finden heute dieselben Elemente
der Betriebsorganisation in amerikanischen Automobil-
fabriken wie. in italienischen Kunstseidespinnereien oder pol-
nischen Textilfabriken wieder. Wenn als Musterbeispiele
fast stets auf Unternehmungen der Maschinenindustrie
zurückgegriffen wird, so daher, weil die technisch-rationale
Durchdringung dieser Betriebe zuerst die Einzelheiten des
Arbeitsablaufs und der Arbeitsüberwachung so scharf ent-
wickelt und herausgestellt hat, wie es für eine grundsätzliche
Darstellung nottut.

Aber auch diese Schärfe darf zu keiner Zeit über die
Notwendigkeit hinwegtäuschen, jede Organisation den ge-
gebenen Verhältnissen ‚anzupassen und stets die theo-
retischen Betrachtungen dem lebendigen Zweck des Einzel-
falls unterzuordnen. Gewiß dürfen grundsätzlich als richtig
erkannte Maßnahmen in der Praxis nie in ihr Gegenteil ver-
kehrt werden; die oberste Sorge jeder Betriebsleitung wird
aber stets sein müssen, die Einzelheiten den vorhandenen
Menschen, Mitarbeitern wie Untergebenen, anzupassen und
deren Arbeitsfreude wachzuhalten. .

Wie sehr jede Organisation etwas Organisch-Gewachsenes
ist, zeigt sich jedesmal, wenn ein vorhandener Betrieb auf
eine neue Organisationsform umgestellt werden soll. Tra-
dition und Gewöhnung spielen bei solchen Aufgaben eine
entscheidende Rolle, und niemals dürfen einer bloß logischen
Richtigkeit zuliebe die wertvollen Kräfte gelähmt oder er-
tötet werden, die uns aus dem Ehrgeiz, dem Berufsstolz
und dem örtlich sehr verschiedenen Temperament der mit-
arbeitenden Menschen erwachsen.

Noch ein Wort sei über die technische und kaufmännische
Seite der Organisation gesagt. Der Industriebetrieb, wie er
sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, verträgt eine
        <pb n="15" />
        scharfe Trennung dieser von früher her überkommenen Be-
griffe nicht mehr. Er bildet eine neue, früher nicht ge-
kannte, technisch-wirtschaftliche Einheit, und so sicher einige
seiner Zweigfunktionen rein technisch (z. B. die Maschinen-
überwachung und -ausnutzung), andere rein kaufmännisch
sind (z. B. die Rechnungserteilung an Kunden, der Geld-
verkehr mit Banken und Lieferanten), so sicher sind die
allermeisten Funktionen gemischten Charakters. Wir ringen
heute erst um die richtige Form der Industriebetriebe;
das große allgemeine Interesse an diesen Fragen legt be-
redtes Zeugnis dafür ab. Was uns heute nottut, ist, die neue
Einheit erst zu finden, neue Menschen, Industrie-
führer, heranzuziehen, die frei von jedem Berufsdünkel
beide Richtungen in sich verkörpern und vervollkommnen.
In der folgenden Darstellung ist daher bewußt zwischen
Kaufmann und Ingenieur kein Unterschied mehr gemacht,
sondern versucht worden, die Einheit des gesamten Arbeits-
vorgangs innerhalb der neuzeitlichen Betriebsorganisation
zu betonen.

2. Gliederung
Die Organisation, die den Kreislauf der zu erzeugenden
Güter durch die Fabrik beherrscht, 1äßt sich an nichts besser
überblicken und verfolgen, als an eben diesem Kreislauf
selbst. Die fast zahllosen Vorkehrungen und Maßnahmen,
die den Arbeitsablauf innerhalb eines Werks regeln, mögen
unter sich noch so verschieden sein und sich auf den schein-
bar fremdesten Gebieten abspielen: sie dienen alle nur dem
einen Zweck, die Herstellung des Fabrikates so rasch, gut
und billig zu gewährleisten, wie möglich. Wir überblicken
daher die Wirkungen und Grenzen einer richtigen Betriebs-
organisation am besten, wenn wir das Fabrikat auf seinem
Weg durch das Werk begleiten. An Stelle des stofflichen
Fabrikats selbst tritt dabei das betriebliche Symbol des-
selben, der „Auftrag“: nämlich der Auftrag, eine bestimmte
Menge eines bestimmten Erzeugnisses innerhalb einer ge-
wissen Zeitspanne herzustellen. Alles, was in das Bereich
der Betriebsorganisation und Betriebsabrechnung fällt, wirt
        <pb n="16" />
        uns auf diesem Weg in derjenigen Reihenfolge und An-
ordnung begegnen, in der wir es zur organischen Erledigung
eines Fertigungsauftrags benötigen.

a) Die Hauptstufen der Betriebsorganisation
Drei Hauptstufen sind es, in die jede Betriebsorganisation
gegliedert werden muß, Stufen, die der Wichtigkeit nach
völlig gleichgeordnet sich lediglich zeitlich folgen: die
Vorschau auf die Fertigung, die Fertigung selbst,
die Rückschau auf das Gefertigte,

Die Vorschau sammelt alle Arbeiten, die zur Planung,
Disposition, Bereitstellung und Vorbereitung nötig werden,
wir nennen sie daher zusammenfassend
Arbeitsvorbereitung.
Die Fertigung selbst umfaßt die Durchführung der in
der Arbeitsvorbereitung geplanten Maßnahmen, sie heißt
daher organisatorisch
Arbeitsführung.
Die Rückschau sichtet kritisch den wirtschaftlichen
Erfolg des Geleisteten, was fast ausnahmslos durch nach-
prüfende Ziffernrechnung geschieht, wir nennen sie daher
Betriebsabrechnung.
Jede organisatorische Maßnahme innerhalb eines und
desselben Betriebes läßt sich unter eine dieser drei Gruppen
einordnen, die sich, wie schon gesagt, an Bedeutung durch-
aus gleichstehen. Denn keine betriebswirtschaftliche Tätig-
keit ist denkbar, wenn eins dieser Glieder fehlt. Etwas
anderes ist es freilich mit dem Umfang jeder dieser
Gruppen. Dieser kann je nach der Eigenart eines Be-
triebes außerordentlich verschieden sein. Je primitiver ein
Produktionsprozeß ausgeübt wird, desto mehr verschwinden
die erste und letzte Gruppe zugunsten der eigentlichen
Arbeitsführung. Eine ganze Reihe von Arbeiten, die eigent-
lich der Arbeitsvorbereitung zuzuweisen wären, werden in
solchen Fällen mit der Arbeitsführung verquickt; selbst die

m
        <pb n="17" />
        Betriebsabrechnung wird dem ausführenden Arbeiter teil-
weise übertragen. Denken wir z. B. an eine Handziegelei,
so haben wir dort so gut wie gar keine Arbeitsvorbereitung
im organisatorischen Sinne. Der frisch eingestellte Arbeiter
kann sofort seine Tätigkeit ohne lange Unterweisung auf-
nehmen. Die Planung, Disposition und Vorbereitung nimmt
nur einen Bruchteil der Zeit in Anspruch, die der Arbeits-
führung zukommt. Ganz freilich fehlt sie nicht; denn
Werkzeuge, Trockenhorden, Brennöfen müssen vorhanden
und in Stand gebracht sein, bevor die ausführende Tätigkeit
beginnen kann. Aber sie ist doch sehr stark reduziert. Auch
die Abrechnung verquickt sich mit der Arbeitsführung; der
Ziegelformer selbst oder der Platzmeister zählt die ge-
strichenen Steine, auf Grund deren die Löhne ausgezahlt
werden, und ähnliches gilt für den Betriebsverbrauch der
Öfen und der Verladestellen.

Je komplizierter und technisch entwickelter jedoch ein
Betrieb ist, desto mehr schrumpft die eigentliche Arbeits-
führung zugunsten der Arbeitsvorbereitung zusammen und
in gleichem Maße wächst die Betriebsabrechnung sich zu
einer sehr ausgedehnten selbständigen Dienststelle aus. In
der Fertigung hochwertiger Maschinen, und innerhalb dieser
besonders in der Massenfertigung, nimmt schließlich die
Arbeitsvorbereitung einen an Umfang alles überragenden
Platz ein und strahlt ihre Auswirkung weit in das eigent-
liche Gebiet der Arbeitsführung hinein. Nehmen wir das
heute allgemein geläufige Beispiel einer Großfabrikation
von Automobilen, so finden wir hier eine Arbeitsvorbereitung
von einem Umfang, der die Arbeitsführung fast als An-
hängsel der Arbeitsvorbereitung erscheinen läßt. Die Vorbe-
reitung eines neuen Wagenmodells bis zur fabrikations-
reifen Durchbildung aller Einzelteile, die Schaffung der
Fabrikationseinrichtungen und Arbeitspläne nimmt hier oft
nicht nur Jahre in Anspruch, bis mit der eigentlichen Ar-
beitsausführung begonnen werden kann, sondern beschäftigt
auch laufend einen zahlreichen Stab von Ingenieuren, Kauf-
leuten und sonstigen Fachkräften, die mit der Arbeitsführung
selbst gar nichts zu tun haben. Und das gleiche gilt für
die Betriebsabrechnung.
        <pb n="18" />
        b) Lohn- und kapitalintensive Betriebe

Ein einfacher und sicherer Anhaltspunkt für die Ver-
teilung der Gesamtarbeit auf Arbeitsvorbereitung und
Arbeitsführung ist der Lohnanteil, der auf einem Fabrikat
ruht, eine bestimmte Veredelungsstufe vorausgesetzt (denn
natürlich lassen sich hier nicht rohe und hochwertige Er-
zeugnisse gegenseitig vergleichen, sondern nur jede Stufe
unter sich). Wir können kurz sagen, daß ein hoher Lohn-
anteil fast stets auf untergeordnete Arbeitsvorbereitung hin-
weist, die also Kennzeichen der mehr handwerklichen,
sog. lohn- oder arbeitsintensiven Betriebe zu sein
pflegt. Je kapitalintensiver andererseits ein Betrieb
ist, d. h. je mehr Geldmittel zu seiner bloßen Errichtung
und fortlaufenden Speisung notwendig sind, abgesehen vom
Lohnaufwand, um so stärker tritt die Arbeitsvorbereitung und
mit ihr die Betriebsabrechnung in den Vordergrund. Dabei
kann es durchaus geschehen, daß keine Massen-, sondern
ausgesprochene Einzelfabrikation technisch hochwertiger
Gegenstände erfolgt: im Bau elektrischer Großmaschinen
z.B. tritt die Arbeitsvorbereitung an Wichtigkeit keineswegs
gegenüber vielen Betrieben der Massenfabrikation zurück.

Es ist nun eigentümlich, daß die Betriebsorganisation um
30 straffer zu sein pflegt, je mehr Arbeitsvorbereitung und
Betiiebsabrechnung gepflegt und ausgebaut sind. Die mo-
derne Betriebsorganisation hat zumal in den letzten Jahren
fast alle Aufmerksamkeit diesen beiden Gruppen gewidmet,
30 daß heute Betriebsorganisation fast gleich Arbeitsvorbe-
reitung geworden ist und das Rechnungswesen in allen
betriebswirtschaftlichen Untersuchungen die erste Stelle
anzunehmen pflegt. Die Gründe für diese Erscheinung
werden klar, wenn man an die obige Einteilung der
Betriebe nach ihrer Kapitalintensität denkt. Das moderne
Industrieunternehmen, dessen Anlage und Inbetriebhaltung
laufend große Geldmengen bindet, ist gegenüber Schwan-
zungen seiner Leistung und Ausbringung außerordentlich
schweıfällig. Es vermag sich nur langsam und nur innerhalb
geringer Grenzen einem Wechsel seines Beschäftigungs-
grades anzupassen, und auch bei Leerlauf verschlingt es
        <pb n="19" />
        ununterbrochen große Geldbeträge, betriebswirtschaftlich
gesprochen sagt man, daß seine „festen‘ Kosten sehr hoch
sind. Wird die Arbeitsausbringung in einem solchen Unter-
nehmen durch schlechte Disposition, unrentable Einrichtung,
Wartezeiten auf Werkzeug oder Werkstoff oder ähnliches
heiabgesetzt, so schmälert sich hierdurch nicht etwa nur
der Ertrag in prozentualem Grade, sondern man gelangt
unversehens in das Gebiet der reinen Verluste hinein. Die
Bekämpfung aller dieser Verlustquellen ist aber nur durch
eine bis ins einzelne gehende Vorbereitung und Planung
aller Arbeitsstufen und Hilfsmittel möglich, und so ergänzen
sich straffe Betriebsorganisation und Arbeitsvorbereitung
in aller kapitalintensiven, also neuzeitlichen industriellen
Betrieben aufs innigste.

Ganz anders bei den lohnintensiven Betrieben. Auch hier
wirkt sich jede unwirtschaftliche Arbeitsweise natürlich
ertragschmälernd aus, aber doch nur in dem ungefähren
Verhältnis zur Ursache, also etwa proportional. Niemals
kommt es solchen Betrieben so auf die allerletzte rationale
Durchdringung aller Arbeitsvorgänge an, wie sie in den
andern Betrieben Lebensfrage ist; denn der große Apparat
fehlt, dessen Leerlauf mit seinen verderblichen Unkosten
bei schlechter Ausnutzung dauernd eine Gefahr für den
Erfolg des Ganzen bedeutet. Und so spielt denn hier die
Arbeitsvorbereitung eine untergeordnete Rolle; alle Auf-
merksamkeit und Sorgfalt wird in die Arbeitsführung ver-
legt und kleinere Störungen des Arbeitsablaufs werden eben
mit in den Kauf genommen. Denn wohl könnte auch in
solchen primitiveren Betrieben eine exakte Arbeitsvorbe-
reitung manchen Vorteil herausholen; aber damit würde man
den ersten Schritt zur kapitalintensiven Betriebsweise tun
müssen; die Gefahr, die man zu bannen wünschte, wäre
also erst recht heraufbeschworen, wenn man nicht auf
halbem Wege stehen bleiben wollte.
c) Die Elemente der Arbeitsvorbereitung, Arbeits-
führung und Betriebsabrechnung
Jedes industrielle Erzeugnis ist das Produkt einer Reihe
von Arbeitselementen, die sich im Laufe des Arbeitspro-
        <pb n="20" />
        zesses unlöslich miteinander verbinden, so daß sie am
fertigen Erzeugnis in keiner Weise mehr auseinander ge-
halten werden können. Auch in der Selbstkostenberechnung
und Kalkulation, dem ziffernmäßigen Spiegel des Arbeits-
prozesses, operiert man mit diesen Ärbeitselementen, und wir
tun daher am besten, die Grundbegriffe der betrieblichen
Kalkulation auch unsern Betrachtungen zugrunde zu legen.

Material oder Rohstoff, Lohn oder Menschenkraft, Un-
kosten oder die Summe der technisch-organisatorischen
Hilfsmittel sind die drei Hauptelemente, deren Behandlung
uns in der Betriebsorganisation interessiert. Jede der drei uns
schon bekannten Hauptgruppen, Arbeitsvorbereitung, Ar-
beitsführung und Betriebsabrechnung, zerfällt also wiederum
in nebengeordnete Abschnitte, so daß sich bei dieser zwei-
fachen Teilung ein gitterähnliches Schema ergibt, wie es
in Abb. 1 dargestellt ist.

Man sieht, daß die einzelnen Stufen des Arbeitsablaufes
und die Arten der Arbeitselemente sich zu einem Netz ver-
flechten, deren Maschen nicht ohne Gewaltsamkeit gelöst
werden können. Die Behandlung der drei Elemente jedoch
ist dem Sinn und Wesen nach völlig gleichartig. Überall
wird über die Bereitstellung zur Ausführung und Be-
arbeitung vorgeschritten, und am Ende des Arbeitsprozesses
steht die Abrechnung, die jedes Element gesondert erfaßt,
verbucht und für die Erfolgsrechnung des ganzen Betriebes
zusammenstellt.

Die Materialwirtschaft beginnt bei der Beschaf-
fung der erforderlichen Werkstoffe. Sowie deren, Art und
Umfang seitens des technischen Büros festliegen, sorgt
der Einkauf für die Beschaffung, das eingegangene Material
durchläuft eine mehr oder minder sorgfältige Werkstoff-
prüfung und fließt dem Lager zu, in dem es bis zu seiner
Verarbeitung aufbewahrt wird. Die Werkstatt ruft das
nötige Material zu seiner Zeit ab, belegt die Entnahme
durch Quittungen, und während der Rohstoff selbst in den
Preduktionsprozeß eingeht, umgeformt und veredelt wird,
sorgt die Materialabrechnung für die richtige Verbuchung
der in die Fabrikation gegebenen Werte zu Lasten des
Fabrikates bzw. eines bestimmten Arbeitsauftrags.
        <pb n="21" />
        Arbeits-
vorbereitung

Arbeits-
führung

Betriebs-
abrechnung

Material-
wirtschaft

Materialauszug,
Einkauf,
Wareneingang,
Warenprüfung

Material-
abforderung,
Materialaus-
gabe, Lager-

vesen,Material-
transport an
jen Arbeitsplatz

Material-
bewertung,
Rechnungs-

orüfung, Lager-
buchhaltung,

Material-Nach-
Kalkulation

Lohn-
wirtschaft

Arbeiter-
annahme,
Arbeiteraus-
bildung, Lehr-
lingswesen,
Wahl des Lohn:
systems

Allgemeine
Arbeits-
disziplin, Ar-
beitsvorgabe,
Arbeitsüber-
wachung und
„kontrolle

Lohnver-
rechnung, Lohn-
auszahlung,
Lohnaufteilung
Lohn-Nach-
kalkulation

Unkosten-
wirtschaft

instandhaltungs-
dienst, Werk-
zeug- und Vor-
richtungsbau.
Arbeitszeit-
ermittlung,
Maschinen-
besetzung,
Terminwesen,
Auftrags-
Schreibwerk

Arbeits-
verteilung,
Terminüber-
wachung,
Transport-
dienst, Auftrags:
verfolgung

Unkosten-
sammlung,
Jnkosten-Auf-
teilung,
Unkosten-Zu-
schlags-
berechnung

Auftrags-Nachkalkulation, Erfolgsrechnung,
Statistik und Auswertung

Abb. 1.

2 Brasch, Betriebsorganisation und Betriebsabrechnung.
        <pb n="22" />
        Ähnlich, wenn auch nicht ganz so streng gebunden, ge-
staltet sich der Ablauf des lohnwirtschaftlichen
Elementes. Denn hier müssen ja menschliche Kräfte
bereitgestellt werden. Arbeiterannahme, Personalbüro und
Wohlfahrtseinrichtungen teilen sich, durch Lehrlingsaus-
bildung und Anlernmethoden unterstützt, in die Aufgabe,
für diese Bereitstellung rechtzeitig und zweckgemäß zu
sorgen. Während der Arbeitsführung wird die Arbeits-
leistung zum geldlichen Gegenwert, zum Lohn. Die Ar-
beitsvorgabe sorgt für eine . wirksame Überwachung der
Leistung, deren Einzelheiten wir später zu betrachten haben.
In der Lohnabrechnung und -auszahlung und der Ver-
rechnung der hierfür aufgewendeten Summen auf das Fabri-
kat findet auch diese Reihe ihr Ende.

Am verwickelöten sind die Elemente zu behandeln, die unter
den allgemeinen Betriebsunkosten verrechnet werden
und die wir zusammenfassend am besten Arbeitshilfsmittel
nennen. Wir müssen hier stoffliche und geistige Arbeits-
mittel unterscheiden. Die stofflichen sind die Maschinen
und Werkzeuge, die Arbeitsvorrichtungen und Transport-
geräte, kurz die ganze technische Einrichtung eines Be-
triebes. Ihre rechtzeitige Bereitstellung und dauernde In-
standhaltung ist eine der wichtigsten Aufgaben jeder Be-
triebsorganisation, ebenso die Zuteilung der Arbeit auf die
einzelnen Maschinen und Werkstätten, die sog. Arbeitsver-
teilung, von welcher wiederum die Einhaltung der Liefer-
fristen abhängt, weshalb das Terminwesen der Arbeits-
verteilung zumeist angegliedert ist.
Von den geistigen Hilfsmitteln ist eins der bedeutendsten
die richtige Vorkalkulation der Arbeitszeiten oder, wie man
neuerdings meist sagt, die Arbeitszeitermittlung. Hierzu
gehört ferner die Schaffung einwandfreier Arbeitsunterlagen,
Vorschriften für den Arbeiter, Unterweisung für die aus-
führende Werkstatt und Regelung der Transportorgani-
sation. Alle Aufwendungen für diese Hilfsmittel sammeln
sich in der sog. Unkostenbuchführung, die eine genaue Auf-
teilung der Ausgaben auf das hergestellte Fabrikat vorzu-
nehmen hat.
        <pb n="23" />
        d) Kreislaufcharakter jeder Betriebsorganisation
Jeder organische Prozeß der uns bekannten Natur spielt
sich in einem Kreislauf ab. Nicht minder kreisförmig ver-
laufen die Wirtschaftsvorgänge im großen und kleinen. So
ist es auch nur natürlich, daß jede richtig verstandene Or-
yanisation einen kreislaufähnlichen Charakter haben muß

Geschäftsleitung
0 )
(Auswertung) ';

; Erfolgs- +
rechnung
(Ergebnis)

Arbeits-
vorbereitung
, Bereitstellung)
7

er

„
/

Arbeits: \
führung
nfihrong))
Betriebs: \.-
Abrechnung
(Rückblick)
"tere ma
Abb. 2.

Der Kreislauf der Güter. in einer Fabrik ist so allgemein be-
kannt, daß er hier nur durch einige Schlagwörter angedeutet
zu werden braucht: das für die verkaufte Ware erlöste
Geld strömt ein, wird durch Einkauf von Material zum
Rohstoff der neuen Fabrikation, durch Entlohnung der
Arbeiter zur Arbeitsleistung, beide verbinden sich. zum

3

'o
        <pb n="24" />
        fertigen Erzeugnis, das wiederum verkauft und so in Geld
verwandelt wird.

Der Kreislauf der Organisation schmiegt sich eng diesem
Vorgang an. Arbeitsvorbereitung, Arbeitsführung und Be-
triebsabrechnung folgen nicht nur zeitlich aufeinander und
schließen dann ab, sondern dauernd läuft der Strom der
Abrechnungsergebnisse zur Arbeitsvorbereitung zurück, um
dieser auf Grund derselben eine neue, womöglich bessere
Disposition zu gestatten. Abb. 2 zeigt schematisch diesen
Zusammenhang.

Die von der Betriebsabrechnung zusammengetragenen Er-
gebnisse verdichten sich zur Erfolgsrechnung des Betriebes,
aus welcher die Geschäftsleitung die Ergebnisse der Arbeits-
prozesse entnehmen kann. Diese wiederum werden nach
allen denkbaren Gesichtspunkten ausgewertet und liefern
die Unterlagen der Betriebsstatistik, die zur Aufgabe hat,
jede gewünschte Auskunft über die einzelnen Arbeits-
stufen. und Teilvorgänge, ihre Zweckmäßigkeit, ihre Kosten,
ihre inneren Funktionen zu geben.

Diese statistischen Notizen, die sich keineswegs nur in
Ziffern zu erschöpfen brauchen, sondern ebensogut Berichte
und auf knappe Sätze gebrachte Betriebserfahrungen um-
fassen können, laufen nun wieder auf dem Wege über die
Betriebsleitung, die sie sichtet und verarbeitet, zur Arbeits-
vorbereitung zurück. Manche Notiz wird für letztere nur
eine Bestätigung sein, daß sie richtig disponiert hat und
ihre Maßnahmen nicht zu ändern braucht, manche aber
wird ihr auch den Weg zeigen, durch Änderung der von
ihr geplanten Einzelheiten Ersparnisse oder Beschleuni-
gungen im Arbeitsprozeß zu erzielen, oder wird sie darauf
hinweisen, wo sie den wirklichen Verhältnissen in den von
ihr bereitgestellten Unterlagen, Arbeitskräften, Rohstoffen
nicht genügend Rechnung getragen hat. Eine Verarbeitung
dieser Statistik wird also jedesmal rückwirkend den Beginn

des Produktionsprozesses mit neuen verbesserten Ideen be-
Fruchten.

Dieser Kreislaufgedanke innerhalb der Betriebsorgani-
sation ist von elementarer Wichtigkeit. Es ist geradezu das
Kriterium einer richtig arbeitenden Organisation, daß kein
a
        <pb n="25" />
        einziger, noch so kleiner Nebenzweck ihrer Maßnahmen
sich totlaufen darf. Es darf in der Betriebsorganisation
keine plötzlich versiegenden „Seitenarme‘“ geben, die wie
Wüstenbäche unfruchtbar im Sande versickern. Jede Maß-
regel muß in eine neue münden, die sie ausführt, überwacht
oder auswertet, und durch die verarbeitenden Organe der
Erfolgsrechnung oder Betriebsstatistik zur Betriebsleitung
zurückfließen, die damit alle Fäden wieder fest in ihre
Hand bekommt.

3. Die Arbeitsvorbereitung
a) Die gebräuchlichen Auftragsarten
Der Ausgangspunkt aller weiteren Maßnahmen ist dıe
vom Kunden eingehende Bestellung auf ein bestimmtes
Fabrikat, die wir nachstehend, dem allgemeinen Gebrauch
folgend, den „Auftrag‘“ nennen. Der Auftrag kann natürlich
zine ganze Reihe verschiedener Erledigungen auslösen, je
nachdem es sich um diese oder jene Ware handelt. = Der
umfassendste und für einen Fabrikationsbetrieb typischste
Fall ist

1. Der Fabrikationsauftrag: Der Kunde bestellt
eine Ware, die für ihn eigens angefertigt werden muß, z. B.
ein Kraftwerk bestellt eine Turbine mit zugehörigem
Dynamo. Dabei braucht es sich keineswegs um eine Einzel-
oder Sonderanfertigung zu handeln, auch Betriebe der Serien-
und Massenfertigung erhalten solche Fabrikationsaufträge,
z. B. ein Großhändler bestellt einen großen Posten
Fahrräder.

Eine Reihe weiterer Auftragsarten, die aber alle mehr
oder weniger im Fabrikationsauftrag enthalten sind, also
nur Teilhandlungen dessen auslösen, was auf Grund eines
Fabrikationsauftrages zu geschehen hat, sind

2. Der Versandauftrag: Es werden Waren bestellt,
die bereits früher einmal gefertigt worden und daher am
Fertiglager der Fabrik vorrätig sind. Nur der Versand hat
sich mit diesem Auftrag zu befassen, der die Fabrik als
7°
        <pb n="26" />
        solche nicht weiter berührt (z. B. die Lieferung von Dreh-
bänken ab Lager),

3. Der Vorratsauftrag: An Stelle des auswärtigen
Kunden tritt hier ein der eigenen Firma angehöriger Dispo-
nent, die Fabrikleitung oder die Verkaufsabteilung, die für
ihre Rechnung die Fabrikation einer von ihr bestimmten
Warenmenge veranlaßt, für die sie innerhalb der nächsten
Zeit Absatz zu haben glaubt. Dies ist die Regel bei der
serienmäßigen Herstellung von feststeheaden Typenwaren,
wie Kraftwagen, Radioapparaten, Glühlampen usw.

4. Der Lagerauftrag ist dem Vorratsauftrag inso-
fern sehr ähnlich, als auch er durch eine interne Disposition
veranlaßt wird. Er umfaßt aber nur eine Anfertigung von
Bestandteilen, die später zur Fabrikation eines größeren
Aggregats. wieder gebraucht und der billigeren Massen-
fertigung wegen vorab dem Betrieb in Auftrag gegeben
werden, z. B. Zahnräder für verschiedene Werkzeug-
maschinen, Griffe, Deckel und Unterteile für elektrische
Kochapparate usw.

Etwas abseits steht

5. Der Betriebsauftrag: Er umfaßt diejenigen Ar-
beiten, welche der Betrieb selbst für seinen eigenen Bedarf
in seinen eigenen Werkstätten ausführt. Hierher gehören
in erster Linie größere Reparaturaufträge sowie die An-
Fertigung von Sondermaschinen, -werkzeugen und -vor-
richtungen zur Verbesserung und Verbilligung der eigenen
Fabiikation. Was den Betriebsauftrag von den übrigen Auf-
trägen unterscheidet, ist, daß ihm kein Erlös gegenüber-
steht, daß er also zu Lasten der Betriebsunkosten geht.

Wir betrachten im folgenden den umfassendsten dieser
Aufträge, den Fabrikationsauftrag, an dem wir alle Ele-
mente der Betriebsorganisation kennen zu lernen vermögen,
die bei den übrigen Aufträgen nur teilweise in Erscheinung
treten.
b) Der Auftragseingang
Die vom Kunden meist brieflich eingehende Bestellung
wird von der Postverteilungsstelle des Betriebes einem Auf-
14
        <pb n="27" />
        Auftragskarte

Auftrags-Nr. 20137

Bestelldatum: 3. 8. 27

Dieser Auftrag steht in Verbindung mit folgenden Auftrags-
Eingangsdatum: 6. 8. 27

nummern! «4...
Bestelladresse: Brandenburg a. d. H., | Bestellnummer des Bestellers:
Mitteldeutsche Schleifwerke, Tieckstr. 14— 185 l

KK 3304

Stück-
zahl

Genaue Bezeichnung der bestellten
Gegenstände

Lieferzeit

Preis
Da

Ausführungsvorschriften
u. Sonstiges (z. B. fob, cif)

Härteofen Type OIIT, gasbeheizt mit
elektrischer Temperaturmessung

5 Wochen

3750.

frei Brandenburg
Station

Versandadresse: wie oben,

Verpackung:
Gleisanschluss Abstellgleis

Verzugstrafe:
100.— AM ie Woche

normal

Zahlungsbedingungen: 1/3 sofort, 1, bei
Versand, Rest nach 4 Wochen

Versicherung:

Garantie:
1 Jahr

A455. 3.
        <pb n="28" />
        tragsbüro zugeleitet, das für die weitere Bearbeitung und
Ausführung des Auftrages verantwortlich ist.

Zur leichteren Übersicht werden alle Aufträge, die ja oft
in sehr verschiedener Form und Fassung eingehen (durch
Brief, Postkarte, Telegramm, in fremden Sprachen usw.),
auf einen für alle Fälle einheitlichen Vordruck übertragen.
Zunächst werden sie laufend in ein Auftragsbuch einge-
tragen und erhalten hierbei ein fortlaufendes Symbol, das
sie von nun ab auf ihrem Weg durch den ganzen Betrieb
charakterisiert. Hierdurch wird zweierlei erreicht: erstens
eine leicht zu merkende und stets gleichartige Kennzeich-
nung, unter der alle zu einem Auftrag gehörenden Werk-
stoffe, Teilfabrikate und Arbeitsunterlagen laufen, und zwei-
tens die Möglichkeit, alle für einen Auftrag entstehenden
Kosten unter diesem Symbol zu sammeln und lückenlos
der Abrechnung zuzuführen.

Über die zweckmäßigste Symbolisierung von Fabrikauf-
trägen, Teilaufträgen, Fabrikationsteilen und anderen betrieb-
lichen Elementen gehen die Ansichten weit auseinander. Die
von Taylor zuerst ins Leben gerufene mnemotechnische Sym-
bolgebung, die in Deutschland besonders von Michel und Seu-
bert propagiert wird, gelangt zu sehr geistreichen, aber oft
ebenso komplizierten Kennzeichen, z. B. ZV 02510 ADMK 10.
Im allgemeinen sind einfache (stets arabische!) Ziffern allen
andern Symbolen vorzuziehen, weswegen wir in dieser Dar-
stellung nur von Auftragsnummern reden wollen.

Die Auftragskarte (Abb. 3), oft auch Lieferschein, Auf-
tragsschein, Werkauftrag 0. ä. genannt, enthält alle für
die Erledigung wichtigen Daten:

Auftragsnummer,

Besteller und Versandadresse,

Umfang und Gegenstand des Auftrags,
Ausführungsvorschriften,

Preis- und Zahlungsbedingungen,
Lieferfrist oder Lieferprogramm.
Sie wird zweckmäßig in mehreren Durchschriften her-
gestellt, von denen jede Stelle, die mit dem Auftrag zu tun
hat, ein Exemplar erhält, z. B. der Einkauf, die Buch-
        <pb n="29" />
        haltung, der Versand, die Verkaufsabteilung, der Betrieb,
die Nachkalkulation. Dabei kann es oft erwünscht sein, ge-
wisse Angaben nicht auf allen Karten erscheinen zu lassen.
So sind der Besteller, Preis- und Zahlungsbedingungen für
den Betrieb und die Nachkalkulation ohne jedes Interesse
und können durch Indiskretionen nur zu oft an uner-
wünschte Außenstellen weitergegeben werden, Gesichts-
punkte, die bei der Ausfertigung der Auftragskarte berück
sichtigt werden müssen,

Das Originalschreiben des Kunden selbst wandert nach
Ausfertigung dieser Unterlage entweder zur Verkaufsab-
teilung oder noch besser sobald wie möglich zur Registratur,
um dort alphabetisch abgelegt zu werden und bei Rück-
fragen der verschiedensten Stellen jederzeit rasch auf-
Aindbar zu sein.

Die Zustellung der Auftragskarten jedoch an die ver-
schiedenen Betriebsstellen ist das Signal, die Arbeitsvorbe-
reitung aufzunehmen und für die Inangriffnahme des Auf-
trags zu sorgen.

c) Die Bereitstellung der technischen Unterlagen

Bevor mit der eigentlichen organisatorischen Arbeit be-
zonnen werden kann, ist vielfach erst eine technische Vor-
arbeit nötig. Besonders in Maschinenfabriken kann man €s
als Regel ansehen, daß jedem Fabrikationsauftrag eine
mehr oder minder umfangreiche Rechnungs- und Konstruk-
tionsarbeit vorangeht, deren Erledigung streng genommen
freilich nicht zur Betriebsorganisation gehört, vielmehr am
besten außerhalb dieser als „wirtschaftliche Gestaltung“
behandelt wird. Andererseits ziehen sich so viele Fäden
von der konstruktiven zur fabrikatorischen Erledigung eines
Auftrags, daß unbedingt wenigstens kurz auf die wich-
tigsten Zusammenhänge hingewiesen werden muß,

Konstruktionsbüro und Betrieb bedürfen der engsten
gegenseitigen Fühlung. Die Eigenarten und Arbeitsgrenzen
des Betriebes müssen dem Konstrukteur völlig geläufig
sein, er muß auf die wichtigsten Gebiete der wirtschaft-
m
        <pb n="30" />
        lichen Fertigung achten, um dem Betrieb die Möglichkeit
zur billigsten Erzeugung zu geben; andererseits muß der
Betrieb alles daran setzen, den Konstrukteur zur rechten
Zeit und mit bester Werkstattausführung zu bedienen. So
soll z. B. in jedem Konstruktionsbüro ein Verzeichnis zu
finden sein, welche größten und kleinsten Arbeitsstücke auf
den Werkzeugmaschinen und mit den sonstigen Einrich-
tungen des Betriebes bearbeitet werden können, welche
Arbeitsarten überhaupt ausführbar sind, und diese Auf-
stellung ist laufend zu ergänzen, sobald neue Maschinen
oder Einrichtungen hinzukommen.

Zeichnungen und Stücklisten. Das Schaffen des
Konstrukteurs findet seinen Ausdruck einmal in der Zeich-
nung, nach der die Werkstatt arbeiten soll, dann in der
Stückliste, die ein Inhaltsverzeichnis aller zu einem Auftrag
gehörenden Einzelteile darstellt. Organisatorisch interessiert
uns an beiden nur die formale Behandlung, die stets daran
zu denken hat, daß beide, Zeichnung wie Stückliste, das
Sprachrohr des Konstrukteurs für den Betrieb bilden. In
erster Linie sind sie also klar, übersichtlich und verständ-
lich zu halten. Nicht minder wichtig ist, daß sie in stets
gleicher Form aufgemacht sind und für alles Wieder-
kehrende, Werkstoffnamen, Lagerteile, Bearbeitungszeichen
völlig gleichbleibende Symbole enthalten. Nichts verwirrt
den Betrieb mehr als willkürlicher Wechsel der Bezeich-
nunger und Darstellungsformen, nichts ist eine häufigere
Quelle von Fehlern, als die ganz einfache Nachlässigkeit
gegenüber dieser Grundforderung.

Die Stückliste — auch Werkliste, Werkstattliste o. ä.
genannt — ist das grundlegende Dokument jedes Fa-
brikationsauftrages. Meist begleitet sie die Zeichnung als
ein besonderes Blatt; nach den Normen der deutschen
Industrie hat sie zu enthalten:
Teilnummer,

Anzahl der Teile,

Benennung und Bemerkung (z. B. Modellnummer),
Werkstoff,

Gewicht des Teils.

A
        <pb n="31" />
        Stückliste
Gegenstand: 1 stehende Dieselmaschine, 2 Zyl., 180 PS.
Type Di 2-189-26

Stück-
zahlen

Benennung und Bemerkung

m
U
fo

Zeichn.-Nr.
Lager-Nr.
Modell-Nr.

Werkstoff
und
Rohmaße
elbdia
Grundplatte
Beksäulen
Mittelsäulen

Ra hmenbl eche
Verkleid: un gsbleche
Zwischenlager

20213—J1

Guss-E.
Guss-E.
Guss-E.
en
St 38-21
Guss-E.

+

20218—3
20214
49914

592183—2

20215— 2

..

Kurbelwellenlager kompl.
Stiftschrauben ?

St 38-13
Sochskantmuttern 11

St 38.15

A
Ah

Auftrags-Nr. 50157
L{d. Seite der Stückliste:

Gewicht

A==roh
7=fertig
u=Lager ]
R--hestellt

Lauf durch
die Werk-
stätten
Nr.
ke
2200

RB

27 98. 24,
KR
E17. 52, 33
27 7 38
gran 33
“ 33
"33

890
400

RB
RR
RL

250
400
129

Rn
RI
8?

72
a3
FL

3
        <pb n="32" />
        Oft wird es ratsam sein, Platz für weitere Angaben auf
ihr zu lassen, um die Auftragsabwicklung zu erleichtern,
nämlich:
Lagerort des Teils,

Nötige Bearbeitungsstufen,

Nötige Werkzeuge und Vorrichtungen,

Reihenfolge der Werkstätten, die der Teil durch-
laufen soll.
Die fallweise Ausführung richtet sich ganz nach den
Erfordernissen der Fabrikation. Rezepte lassen sich hier

Arbeitsbüro

Stück- Ferti- + Arbeits-
listen- | Bestell | gungs- | Ana | vertei-
büro büro ur lung

Verkehr Verkehr Verkehr
mit dem mit dem mit dem
Kon- Einkauf Werk-
struk- und zeug- und
tions- Lager Vorrich-
büro tungsbau
Abh 3

Verkehr
mit den
Werk-
stäiten

| Termin-
büro

ebensowenig geben wie in der ganzen Betriebsorganisation.
Abb. 4 zeigt z. B. ein Stücklistenblatt einer großen Ma-
schine der Einzelfertigung, wie es vom Konstruktionsbüro
dem Betrieb übergeben wird.

Dieses Dokument zieht sich als roter Faden durch die
ganze weitere Arbeitsorganisatoin. Es bildet den Ausgangs-
punkt der Arbeitsvorbereitung. Nach ihm arbeitet die Ar-
beitsführung, und auch die Betriebsabrechnung hat sich
seiner zur Nachprüfung und Berechnung der Selbstkosten
zu bedienen. Gileichmäßigkeit der benutzten Unterlagen
ist demnach auch hier die wichtigste Forderung.
        <pb n="33" />
        Die weitere Arbeitsvorbereitung wickelt sich nun zweck-
mäßig restlos in einem besonderen Büro ab, das als „Ar-
beitsbüro‘“ verantwortlich für die richtige Bereitstellung
des Materials, der Löhne und der technisch-organisatorischen
Hilfsmittel ist. Es gliedert sich daher meist nach Abb. 5

d) Die Bereitstellung des Materials
Der Materialauszug. Auf Grund der Stücklisten
wird sofort nach Erhalt des Werkauftrages in eine Prüfung
eingetreten, welches Material vorrätig und welches be-
sonders beschafft werden muß. Häufig werden hierzu be-
sondere Materialauszüge angefertigt, die eine detaillierte
Verarbeitung der Stückliste darstellen. Denn es können
z. B. verschieden gleichartige Positionen der Stückliste zu
einer größeren Einheit zusammengefaßt werden, so daß
die Bestellmengen und die Maße erheblich von den An-
gaben der Stückliste abweichen. Das gleiche ist der Fall
bei Arbeitsarten, die große Abfallmengen bedingen. Stanz-
teile aus Blechen gehören dazu; hier müssen stets vom
Arbeitsbüro die nötigen Rohmaße sorgfältig berechnet
werden, die zur Herstellung der gewünschten Teile auf-
zugeben sind,

Die Feststellung, welches Lagermaterial vorhanden ist,
gestaltet sich um so schwieriger, je mehr verschiedene Fa-
brikate in derselben Fabrik erzeugt werden. In kleinen Be-
trieben wird der betreffende Beamte die meisten Werkstoffe
im Kopf haben, die am Lager greifbar sind. Natürlich ist
schon vom Konstruktionsbüro, mitunter sogar schon bei
Abfassung des Angebotes, rechtzeitig zu überlegen, was
vorrätig ist. Normenmappen der DINormen oder der eigenen
Werksnormen sind hierzu in den Konstruktionsabteilungen
aufzulegen, in denen grundsätzlich jedes vorrätige Teil,
z. B. Schrauben, Bolzen, Handräder, Stahlsorten, Arma-
turen aufzunehmen und durch besondere Symbole als vor-
rätig zu kennzeichnen ist, etwa durch bunte Schraffierung
der betreffenden Felder auf den Normblättern, durch einen
schrägen Strich in der oberen Feldecke o. ä.

In großen. Betrieben mit stark wechselnder Fertigung
IC
        <pb n="34" />
        wird das Arbeitsbüro jede Position der Stückliste an Hand
eigener Listen oder Materialkarten daraufhin prüfen, ob
sie tatsächlich vorrätig ist. Bei geringstem Zweifel geht ein
Abzug der Stückliste — sie wird zweckmäßig durch Licht-
paus-, Durchschrift- oder hektographische Abzugsverfahren
vervielfältigt — dem Materiallager zu. Dies macht seiner-
seits die betreffenden Vermerke bei den einzelnen Positionen,
stellt die Stückliste dem Arbeitsbüro wieder zu und wartet
entweder dessen Dispositionen ab oder sorgt bei normalen
Lagerteilen automatisch für rasche Ergänzung.

Diese Zuleitung der Stückliste an das Lager ist noch
in anderer Hinsicht von Wert. Das Lager ist verpflichtet,
bei den vorhandenen Teilen sich Notizen zu machen, wieviel
und für welchen Auftrag sie benötigt werden. Diese Vor-
merkung des Materials bezweckt, die betreffenden Men-
gen für weitere Abforderungen zu sperren, so daß sie
bei späterem Bedarf auch wirklich noch vorhanden und
nicht inzwischen für andere Aufträge verbraucht sind, wo-
durch sonst die empfindlichsten Stockungen entstehen
können. Das Material wird also hierdurch automatisch im
Lager bereit gestellt. Wir werden die Technik und Hand-
habung dieser Vormerkungen weiter unten auf S. 68 aus-
führlicher kennen lernen.

Der Einkauf. Das nicht in der Fabrik vorrätige
Material wird nun zusammengestellt und durch das Bestell-
büro bzw. den Einkauf unverzüglich beim auswärtigen
Lieferanten bestellt. Hier ist einer der Brennpunkte der
Betriebsorganisation, an dem sich technisches Wissen mit
gediegene: kaufmännischer Erfahrung, völliger Kenntnis
der Bezugsquellen und Marktlage vereinigen müssen.

Grundsätzlich sollen alle Bestellungen, die von der Fa-
brik nach auswärts gehen, durch einen zentralen Einkauf
veranlaßt werden, also nicht nur Rohstoffe, sondern auch
Maschinen, Werkzeuge, Heiz- und Brennmaterial, Strom-
lieferungsverträge, ja Papier, Bücher und Zeitschriften. Nur
so erhält man die Gewähr einer einheitlichen Bewirt-
schaftung, die nicht durch unkontrollierte Nebenstellen
durchbrochen wird. Der Einkauf hat über den günstigsten
Zeitpunkt größerer Bestellungen zu entscheiden, wozu er
        <pb n="35" />
        sich dauernd über die Marktlage eingehend unterrichtet.
Markt- und Börsenberichte, Preislistensammlungen, Beach-
tung der Preiskonventionen und Kartellbeschlüsse geben
ihm das nötige Material für seine verantwortungsvolle Auf-
gabe. Nicht minder hat er dauernd über die normalen
Lieferfristen zu wachen, die bei Einhaltung eines bestimmten
Fabrikationsprogramms zu beachten sind. Denn der Betrieb
kann nur dann für dessen Einhaltung bürgen, wenn er sich
auf das pünktliche Eintreffen der Rohstoffe unbedingt ver-
lassen darf. Unzählige Verzögerungen sind auf bedauerliche
Unkenntnis der nötigen Lieferzeiten der Rohstoffe zurück-
zuführen, die in Zeiten der Hochkonjunktur vielfach mehrere
Monate umfassen, so bei bestimmten Blechsorten, bei Stahl-
gußteilen, elektrischen Ausrüstungen, Teilen aus Isolations-
material, Leder, Gummi usw. In solchen Fällen darf oft
nicht darauf gewartet werden, bis die technischen Unter-
lagen an das Arbeitsbüro gelangt sind. Je eher das Material
bestellt wird, um so schneller kann der Auftrag vom Be-
trieb erledigt werden, und so wird der Anstoß zur Material-
bestellung vielfach schon frühzeitig vom Konstruktionsbüro
gegeben, sowie sich übersehen läßt, welche Art und Menge
von Werkstoffen für den Auftrag benötigt werden. Das kann
häufig schon an Hand der Projektzeichnungen geschehen,
lange bevor die Zeichnungen und Stücklisten an das Arbeits-
büro gelangen. Dabei darf dann aber nicht versäumt wer-
den, von diesen Materijalbestellungen dem Arbeitsbüro Mit-
teilung zu machen, damit es bei der Durcharbeitung der
Stücklisten im Bilde bleibt, welche Werkstoffe noch zu
bestellen sind. Jede Materialbestellung an den Einkauf, die
sich auf Auftragsmaterial bezieht, hat daher das Arbeitsbüro
zu durchlaufen. Und ebenso erhält es Durchschlag von
jeder Einkaufsbestellung, die an Lieferanten herausgeht, so
daß der Kreislauf der Materialbestellung zwischen Kon-
struktionsbüro, Einkauf und Arbeitsbüro jederzeit ge-
schlossen bleibt.

Von größter Wichtigkeit ist die Beachtung der Material-
lieferzeiten für Betriebe, die in Fließarbeit produzieren und
deren Materialvorräte mit Rücksicht auf die großen zu ver-
arbeitenden Mengen und den hierfür nötigen enormen
        <pb n="36" />
        Kapitaldienst besonders knapp zu sein pflegen. Hier kann
nicht nur jede Verzögerung die ganze Produktion Sstill-
legen, sondern auch eine zu frühe Lieferung durch die
Unmöglichkeit zweckmäßiger Stapelung und dadurch er-
forderliche Transporte zu empfindlichen Stockungen und
Mehıbbelastungen führen. Oft werden hiergegen die schärfsten
Schutzbestimmungen angewandt. Ford schreibt z. B. seinen
Lieferanten nicht nur den Tag, sondern auch die Stunde der
Materialanfuhr vor und behält sich das Recht vor, jede zu
früh oder zu spät kommende Lieferung — und sei es auch
nur um Stunden — zu annullieren und die Annahme zu ver-
weigern.

Der Wareneingang. Die terminmäßige Verfolgung
und ° Anmahnung ausstehender Einkaufsbestellungen, die
zweckmäßig durch eine großangelegte Mahnkartei erfolgt,
findet ihren Abschluß mit dem Eingang der bestellten Ware.
Auch dieser wird so zentralisiert, daß jede von außen ein-
gehende Sendung ein Wareneingangsbüro zu passieren hat,
dessen wichtigste Aufgabe die sofortige Meldung des Ein-
treffens an alle interessierten Stellen ist. Hierzu muß man
genau erkennen können, zu welchem Auftrag und welcher
Einkaufsbestellung jede eingehende Ware gehört. Nicht
immer ist ein Versandavis des Lieferanten der Sendung
beigegeben, und diese sind oft so verschieden und lücken-
haft, daß sie eine rasche und richtige Einordnung unmöglich
machen. Größere Firmen tun daher am besten, genormte
Versandavise jeder Bestellung beizulegen und die Verwen-
dung nur dieser Avise ihren Lieferanten vorzuschreiben. Bei
mehrfacher Ausfertigung können sie gleichzeitig als Ein-
gangsmeldungen benutzt und dem Einkauf wie dem Arbeits-
büro, auch dem Lager, weitergeleitet werden; andertalls
ist das sofortige Ausschreiben solcher Eingangsmeldungen
unerläßlich. Auf ihr Eintreffen hin stellt der Einkauf seine
Mahntätigkeit ein und das Arbeitsbüro notiert die be-
treffende Ware auf seinen Stücklisten als im Werk vor-
raug.

Die Wareneingangsprüfung. Die Qualität der
eingehenden Waren wird ebenfalls unmittelbar nach Ein-
treffen jeder Sendung geprüft. Schon das Bewußtsein des
        <pb n="37" />
        Lieferanten, daß seine Ware einer solchen Prüfung unter-
zogen wird, hat meist eine bessere Lieferung zur Folge.
Geprüft werden die Maße, deren Genauigkeit vom Einkauf
vorzuschreiben ist, wobei neben den üblichen Meßwerk-
zeugen auch Abnahmelehren eine Rolle zu spielen haben,
ferner etwa die Festigkeit bei Stahl, die Dehnung bei Mes-
singblechen, die Elastizität und Dichtigkeit bei Leder und
Gummi, die Farbechtheit bei Stoffen und natürlich stets die
vorgeschriebene Anzahl bzw. das Gewicht. Die Vorschriften
des Reichsausschusses für Lieferbedingungen können hier-
bei als Richtlinien dienen. Der Abnahmebefund ist in einem
Prüfbericht niederzulegen, der später der Rechnung beige-
heftet wird. Beanstandungen sind in jedem Falle unverzüg-
lich dem Einkauf und Arbeitsbüro zu melden, damit brief-
lich beim Lieferanten reklamiert und, wenn nötig, eine
Neubestellung veranlaßt werden kann. Hierbei ist das
Arbeitsbüro gutachtlich zu hören, ob es trotz der minderen
Qualität die Ware verwenden zu können glaubt.

e). Die Bereitstellung der menschlichen Arbeitskräfte
Die rechtzeitige Beschaffung der richtigen Arbeitskräfte
bildet eine Hauptsorge des Betriebsleiters. Denn dies sub-
tilste unserer Arbeitselemente, der lebendige Mitarbeiter, ist
weit schwieriger zu behandeln, als alle Rohstoffe und Hilfs-
mittel einer Fabrik. Es bedarf hier eines absoluten Ver-
trauensverhältnisses, das oft nicht in kurzer Zeit hergestellt
ist, und so sehr der Großbetrieb die persönliche Fühlung
zwischen Arbeiter und seinem Betriebsführer erschwert, um
so intensiver muß dauernd um die Verbesserung dieses
Verhältnisses gerungen werden. Die früheren „patriar-
chalen‘“ Betriebe liefern uns ein Vorbild, was an Arbeits-
freude durch die Persönlichkeit des Leiters, durch mensch-
lich richtige Behandlung des Arbeiters, die oft genug ZzU-
gleich sehr streng sein konnte, geweckt werden kann. Dem
Gedanken der Arbeits- und Werksgemeinschaft muß trotz
aller Schwierigkeiten in unsern Fabriken zum Sieg ver-
holfen werden; das Betriebsrätegesetz bietet uns hierzu bei
richtiger Besetzung dieser Posten und Erziehung der Be-

3 Brasch. Betriebsorganisation und Betriehsabrechnung.
        <pb n="38" />
        triebsobleute keinen ungeschickten Weg, mag man selbst
auch zu ihm stehen wie man wolle.

Die rechtzeitige Einstellung von Arbeitskräften vermag
nur dann zu erfolgen, wenn dem Arbeitsbüro schon früh
der zukünftige Beschäftigungsgrad bekannt ist. Denn ana-
log den Lieferzeiten für bestellten Rohstoff bedürfen wir
auch hier um so längerer Fristen, je besser die industrielle
Wirtschaftslage ist. Bei anziehender Konjunktur werden oft
selbst in Industriegegenden die freien Arbeits-, und zwar be-
sonders die Fachkräfte sehr schnell aufgesogen, und wer
nicht frühzeitig seinen Arbeiterstamm erweitert und sich
so genügend Arbeiter gesichert hat, muß dann mit der
minderen Qualität vorlieb nehmen, die am längsten den
Arbeitsmarkt belastet. Da der frisch eingestellte Mann fast
nie sofort dem bereits länger mit dem Betrieb Vertrauten
gleichwertig ist, sondern stets erst einer längeren Einar-
beitung bedarf, ist es von doppelter Wichtigkeit, rechtzeitig
für genügende Arbeitskräfte zu sorgen. Das gleiche gilt
umgekehrt bei notwendigen Entlassungen, die so früh ein-
setzen sollen, daß nicht erst durch das Anwachsen der un-
produktiven Ausgaben die Betriebsleitung auf die Not-
wendigkeit einer Einschränkung hingewiesen wird. Auch
hier ist Kenntnis der zu erwartenden Beschäftigung un-
erläßlich. Obige Überlegungen gelten verschärft für indu-
striearme, halb ländliche Gegenden, in denen ein gewisser
Arbeitermangel auch in stillen Zeiten fast nie erlischt. Hier
genügt es nicht, auf die Arbeiteranforderungen der einzelnen
Meister zu warten, sondern die Betriebsleitung selbst muß
hier frühzeitig regulierend eingreifen.

Die Arbeiterannahme. Die Versorgung mit Ar-
beitskräften geschieht entweder durch den freien Markt,
d. h. durch Bekanntmachung am Fabriktor: „Heute werden
eingestellt: Dreher, Schleifer, Werkzeugmacher““, bei be-
stimmten Facharbeitern nicht selten auch durch Inserate
oder durch den öffentlichen Arbeitsnachweis, dessen Be-
nutzung oft Vorschrift ist und der in seiner behördlich-pari-
tätischen Zusammensetzung die Arbeitsnachweise der Arbeit-
geber- und Arbeitnehmerorganisationen mehr und mehr
verdrängt.
        <pb n="39" />
        Schriftliche Arbeiteranforderungen mittels feststehender
Vordrucke bilden die Unterlage für Neueinstellungen. Die
Annahmestelle sei nah am Fabriktor gelegen und so unter-
teilt, daß niemals vorsprechende Neulinge mit gerade Ent-
lassenen zusammentreffen. Die fachliche und allgemeine
Eignung hat jeder durch seine „Papiere“, Zeugnisse, Ar-
beitsbescheinigungen oder Arbeitsbücher, seine Person durch
die Invalidenkarte auszuweisen. Nähere Prüfungen sind je
nach Zweck und Sonderfall verschieden, von der einfachen
Befragung durch den Aufnahmebeamten oder Betriebsinge-
nieur bis zur umständlichen psychotechnischen Eignungs-
prüfung. Nie versäume man durch etliche persönliche Fra-
gen oder eine kurze scheinbar absichtslose Plauderei von
vornherein eine gewisse menschliche Beziehung herzustellen.
Derartige Kleinigkeiten machen in ihrer Summe das aus, was
als „Geist“ eines Betriebes von ungeheurer Bedeutung für
Arbeitslust und Leistung ist.

jeder Neueintretende wird in eine Kartei aufgenommen,
die alle Daten für die Betriebsleitung wie für die Lohnver-
rechnung und die gesetzlichen Abzüge enthält, nämlich:

Name, Alter, Wohnung, Kontrollnummer,
Familienstand und Kinderzahl,

Beruf und Werkstatt, in der die Beschäftigung erfolgt,
Eintritts- und Austrittsdatum,

Wie oft und wann schon früher im Werk tätig,
Lohn- und Versicherungsklasse,

Prämien, Strafen, Bemerkungen.
Hierauf erhält er eine Kontrollnummer, mit der er beim
Eintritt und Verlassen des Grundstücks, meist durch Zeit-
stempeluhren überwacht wird und unter der er sein Werk-
zeug, Geräte und Zeichnungen, unter Umständen Berufs-
kleidung usw. abzufordern hat. Bei der Arbeitsführung
spielt diese Kontrollnhnummer eine bedeutende Rolle (s.
Seite 77). Schließlich wird ihm gegen Quittung eine Ar-
beitsordnung übergeben, die er als bindenden Arbeitsvertrag
zwischen dem Werk und sich anzuerkennen hat.

Die Arbeitsordnung. Die Arbeitsordnung bildet
demnach die rechtliche Grundlage des Arbeitsverhältnisses.
        <pb n="40" />
        Sie wird heute meist. als Kollektivordnung zwischen Arbeit-
geber- und Arbeitnehmerverbänden einheitlich für ganze
Bezirke ausgearbeitet und trägt die Unterschrift der Ge-
schäftsleitung, des Betriebsrats und der Gewerbeaufsicht.
Ein ungekürztes Muster hier wiederzugeben fehlt der
Raum. Sie regelt die Arbeitszeit und Pausen, die Betriebs-
disziplin, z. B. bei Verspätungen, die Beurlaubungen, das
Verhalten gegenüber Vorgesetzten, die Arbeitsausführung
und Behandlung .der anvertrauten Fabrikate, Werkzeuge,
Maschinen, die Lohnverrechnung und -auszahlung, Sicher-
heitsbestimmungen, wie Rauchverbot, Schadenersatzpflicht
und Ordnungsstrafen.

Eine solche Arbeitsordnung ist vom Gesetz für alle Be-
triebe von mehr als 20 Arbeitern vorgeschrieben (Reichs-
gewerbeordnung 8 134); man halte sich streng an die dort
gezogenen Richtlinien und treffe an einer einmal fest-
liegenden Ordnung so wenig Änderungen wie möglich.

Lehrlingsausbildung und Anlernwerkstät-
ten. Die Bereitstellung der denkbar besten Kräfte wird
durch nichts so gefördert, wie durch eine gründliche Aus-
bildung des Nachwuchses. Eine gute Lehrlingserziehung
macht sich daher um so eher bezahlt, als die örtliche Men-
schenreserve (z. B. Kleinstadt, ländliche Umgebung) klein
oder industriell minderwertig ist. Größere Werke haben dies
schon lange erkannt und durch besondere Lehrlingswerk-
stätten und -schulen ihrem Nachwuchs eine oft vorzügliche
Ausbildung gegeben. Wo irgend möglich folge man diesem
Beispiel, das weit bessere Ergebnisse zu erzielen gestattet,
als die im einzelnen gar nicht kontrollierbare Überant-
wortung der jungen Lehrlinge an die Gesellen in den ver-
schiedenen Werkstätten. Auch in kleineren Betrieben dürfen
feste Lehrpläne für die jungen Fachschüler nicht fehlen.

Aber auch zur schnelleren Einarbeitung erwachsener
Kräite geht man neuerdings ähnliche Wege. Die unge-
lernten Arbeiter, die man in rein maschinellen Betrieben ver-
wendet (z. B. Gießereien, Textil- und keramischen Fabriken),
läßt man vor ihrer produktiven Verwendung einen kurzen
Lehrgang in sog. Anlernwerkstätten durchmachen. Dort
üben sie sich in den typischen Funktionen ihrer späteren

a3
        <pb n="41" />
        Tätigkeit, die aut einfache Handgriffe und Bewegungen ge-
bracht sind, so daß alles wesentliche herausgeschält, das
übrige ausgeschaltet ist. Schon nach wenigen Tagen sind so
von der Straße hereingenommene Arbeiter oft brauchbar ge-
macht; man spart die Kosten der Anlernung im produktiven
Betriebe, die stets mit verdorbener Arbeit, vergeudeter Zeit
und Beschädigung der Maschinen verbunden ist. Zugleich
wirkt eine derartige Anlernwerkstatt als Auslese im Sinn
einer langdauernden Eignungsprüfung. Mancher Neuling
erweist sich für die ihm zugedachte Arbeit als unbrauchbar
und kann rechtzeitig entlassen oder in untergeordnetem
Dienst, etwa als Transportarbeiter, beschäftigt werden, be-
vor er Schaden und Verdruß im Betrieb angerichtet hat.

Lohn und Leistung. Die wichtigsten Entlohnungs-
formen müssen wir zum Verständnis der späteren Abschnitte
schon hier kurz streifen. Man unterscheidet zwei Grund-
formen der Entlohnung: den Zeitlohn und den Stücklohn.
Der Zeitlohn ist eine andere Form der Gehaltszahlung, nur
ist er nicht auf den Monat, sondern auf eine Woche, den
Tag oder meist die Stunde bezogen. Er wird für die abge-
arbeitete Zeiteinheit, also meist die Arbeitsstunde, bezahlt,
ungeachtet, ob eine Leistung vorliegt oder nicht. In der
Industrie verschwindet er mehr und mehr und beschränkt
sich auf diejenigen Arbeiten, für die eine Nachrechnung
der Leistung unmöglich oder zu schwierig ist, z. B.
Transport- und Reinigungsarbeiten, und auf jene, die in
erster Linie im Bereitschaftsdienst bestehen, wie etwa die
Wartung von Kraftzentralen oder vollautomatischen Ma-
schinen.

Alle andern Arbeiten pflegt man, soweit irgend möglich,
im Stück- oder Leistungslohn zu vergeben. Hier wird eine
bestimmte Leistung bezahlt, gleichgültig wie lange der
Arbeiter für sie benötigt. Arbeitet er schnell, so hat er
einen Mehrverdienst, ohne daß die eigentlichen Lohnkosten
für diese Leistung gewachsen sind; ist er säumig, so sinkt
sein Verdienst. Dieser Anreiz wirkt also psychologisch
leistungssteigernd und ist auch nach anfänglichem Wider-
stand der Arbeiterschaft heute allgemein beliebter als der
starre Zeitlohn. Man vergibt heute im Leistungslohn selbst
37
        <pb n="42" />
        schwer vorschätzbare Arbeiten, wie‘ Transporte, Aufräum-
arbeiten, Verladearbeiten, Reparaturen.

Der typische Leistungslohn ist der Akkordlohn, in dem
der Arbeiter die volle Höhe des vorgegebenen Betrages aus-
gezahlt erhält, auch wenn er in kürzester Zeit mit seinem
Arbeitspensum fertig ist. Das von Arbeiterseite geprägte
Schlagwort „Akkordlohn ist Mordlohn‘“, das auf die Gefahr
dauernder Überanstrengung und frühen Verbrauchtseins
des Arbeiters anspielt, hört man heute nur noch selten, da
ernste Gesundheitsschädigungen durch diese Entiohnungsart
kaum festgestellt worden sind. Viel zu dieser veränderten
Einstellung mag beigetragen haben, daß die volle Aus-
wirkung des Akkordlohns nur dann möglich ist, wenn man
wirklich dem Arbeiter seinen vollen durch Mehrarbeit er-
zielten Überverdienst läßt, mag er auch noch so hoch
sein. Vor einer Abkehr von diesem fundamentalen Grund-
satz kann nicht genug gewarnt werden, sonst sinkt der
Akkordlohn leicht zu einem ‘verschleierten Stundenlohn
herab, der sich auf der Höhe des ortsüblichen Tarif- oder
Durchschnittslohns hält.

Ein Zwischending zwischen Stück- und Zeitlohn bilden
die verschiedenen Prämien- und Pensumsysteme, die in
Amerika vielfach angewandt werden, sich in Europa und
zumal in Deutschland aber bislang wenig eingebürgert
haben. Bei ihnen fließt nur ein Teil des durch schnelle
Arbeit erzielten Gewinns dem Arbeiter zu, der Rest dem
Unternehmer. Erwähnenswert ist nur das Differential-
Lohnsystem nach Gantt, das umgekehrt vorgeht. Da der
Unternehmer am schnellen Arbeiten seiner Leute das größte
Interesse hat, steigt hier der Stücklohn, in je kürzerer
Zeit die Arbeit erledigt wird. Denn die betreffende Arbeits-
maschine wird ja um so eher für neue Aufgaben frei, der
ganze Betrieb wird besser ausgenützt und kann mehr um-
setzen, und von diesem Mehrverdienst erhält der Arbeiter
seinen Anteil. Abb. 6 bis 8 zeigen die Entwicklung des
Zeit-, Akkord- und Differential-Lohnsystems bei einem
Arbeitsstück und verschiedenen Arbeitszeiten.

Die Kunst, das Interesse des Arbeiters an seiner Arbeit
und an dem Gedeihen des. Betriebes wachzuhalten, ist über-
        <pb n="43" />
        RM

zZ
S

(
+
u
DZ
Stundenverdienst
des Arbeiters

Gebrauchte Stückzeit in Stunden,
Abb. 6. Reiner Zeitlohn.

RP

SL

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ichnkbsten des Stücks
des Arbeiters

P A 8 a

Aa
Gebrauchte Stückzeit in Stunden.
Abb. 7. Reiner Stücklohn (Akkordlohn).
Festgesetzte Akkordzeit: 1.1 Stunde. — Normaler Stundenverdienst: 1 RM.
        <pb n="44" />
        haupt von elementarer Bedeutung. Anreizsysteme und

Prämien für verbesserte Arbeit, Verbesserungsvorschläge

an Maschinen und Werkzeugen, für sparsames Wirtschaften,

wie geringen Ölverbrauch, finden daher mit Recht wachsen-
AM
'%

Lohn

&gt;
ha
Po

Kosten
-— mr
des Sticks

en ß.
Gebrauchte Stückzeit in Stunden. .
Abb. 8. Prämienlohn nach Gantt.
Festgesetzte Grundzeit: 2 Stunden, — Normaler Stundenverdienst: 1 RM. — Prä-
miensprung bei kürzerer Arbeitszeit auf 1,%5 RM Stundenverdienst bzw.
auf 2,50 EM Stückpreis, Wird das Stück in weniger als 15 Stunden fertig-
gestellt, weiterer Prämiensprung auf 3 RM Stückpreis.
den Eingang in unsere Betriebe. Fördern sie doch die innere
Verbundenheit des Menschen mit seiner Arbeitsstätte und
bilden so ein Gegengewicht gegen die oft gefährliche
Wurzellosigkeit des städtischen Industriearbeiters.
f) Die Bereitstellung der technischen Arbeitsmittel
im Gegensatz zum letzten Abschnitt spielen sich die
folgenden Vorarbeiten der Fabrikation wieder ganz im
Arbeitsbüro ab. Die Instandhaltung und Ergänzung der
technischen Ausrüstung einer Fabrik erfordert eine laufende
Überwachung, die einer besonderen Stelle des Arbeitsbüros,
dem Fertigungsbüro, obliegt. Von hier aus werden alle
Neubeschaffungen von Betriebsmitteln veranlaßt und dem
        <pb n="45" />
        Einkauf weitergegeben. Dauernde Fühlung mit der tech-
nischen Entwicklung des jeweiligen Gewerbszweiges ist
hierzu nötig, wozu Fachzeitschriften, zumal ihr Inseratenteil,
der Besuch technischer Ausstellungen und Gedankenaus-
tausch mit gleichartigen Betrieben beitragen.

Neuanschaffungen. Keine Neuanschaffung darf
ohne vorherige genaue Rentabilitätsberechnung beantragt
werden; denn nur zu groß ist die Gefahr der sog. Über-
investition, d. h. der Bindung zu großer Geldmittel in festen
Anlagewerten, wie Maschinen, wodurch das Betriebskapital
einer Firma empfindlich geschwächt werden kann. Be-
sonders kann nicht genug davor gewarnt werden, in Zeiten
der Hochkonjunktur, vorübergehender Arbeitsstauungen we-
gen, technische Betriebserweiterungen vorzunehmen. Ge-
wöhnlich treffen diese infolge langer Lieferzeiten in solchen
Perioden erst ein, wenn die Hochflut der Aufträge schon
abgeebbt ist, und man hat in der nachfolgenden stilleren
Zeıt dann nur um so mehr Maschinen, Hallen, Arbeits-
plätze unbeschäftigt stehen, als sonst. Weise Beschränkung
kann hier nicht genug angeraten werden. Man erschrickt
oft, wenn man die Kosten solcher Neuanschaffungen mit
den dadurch erzielten Vorteilen vergleicht und feststellt, wie
aussichtslos die Amortisierung bei normaler Beschäftigung
erscheint.

Anschaffungsprogramme, für längere Zeiträume
aufgestellt, geben dem Fertigungsbüro den besten Anhalt
zur Beurteilung der jeweils nötigsten Maschinen und Ein-
richtungen. Die Dringlichkeitsfolge regelt sich nach der
Kürze der möglichen Amortisation, wobei bauliche Er-
weiterungen in längstens 10 Jahren, Maschinen in längstens
2 bis 3 Jahren, Geräte und Werkzeuge grundsätzlich in
weniger als einem Jahr voll abgeschrieben sein, d. h. durch
Betriebsersparnisse sich bezahlt machen müssen, Nicht selten
kann man gebrauchte Maschinen zu günstigen Bedingungen
erwerben. Das Risiko, das mit solchen Käufen stets ver-
bunden ist, verringert man, indem man alle gebrauchten
Maschinen auf einen Monat zur Probe aufstellt und bei
Zurückweisung die Hinfracht selbst bezahlt, die Rückfracht
dem Lieferanten aufbürdet.
        <pb n="46" />
        Der Instandhaltungsdienst. Auch sämtliche
Reparaturen und laufende Instandhaltungen der Anlagen,
Maschinen, Transporteinrichtungen, Werkzeuge, unterstehen
dem Fertigungsbüro. Die Übersicht über den Betriebsmittel-
park verschafft es sich durch eine nach Gruppen (Kraft-
maschinen, Motore, Krane, Elektrokarren, Werkzeug-
maschinen usw.) geordnete Kartei, die Aufschluß über
Lieferant, Anschaffungsjahr und -preis, Standort, Kraft-
bedarf, bisherige Reparaturen usw. gibt. So wird das
Fertigungsbüro auf übermäßige Reparaturen an einem Be-
triebsmittel aufmerksam und kann ausgediente Maschinen
rechtzeitig entfernen. Ähnlich werden laufend wieder-
kehrende Arbeiten, wie Schmieren von Transmissionen,
Auswechseln von Treibriemen, Maschinenrevisionen über-
wacht.

Von der Sorgfalt dieser laufenden Instandhaltung hängt
viel ab. Sie kann wesentlich dazu beitragen, daß die ein-
maligen Reparaturen seltener auftreten, und im einzelnen
Fall billiger, weil weniger umfangreich werden. Größere
Reparaturen, die längere Zeit beanspruchen, werden sofort
der Arbeitsverteilung (s. S. 55) gemeldet, damit diese weiß,
über welche Maschinen sie zur Zeit bei der Maschinen-
besetzung nicht verfügen kann.

Werkzeug-und Vorrichtungsbau. Neue Werk-
zeugarten und Arbeitsverfahren entwickeln sich ununter-
brochen. Ihre Verfolgung durch Versuche und deren Aus-
wertung für die eigene Fabrikation bildet einen erheblichen
Teil der Aufgaben des Fertigungsbüros. Sie führt zu
Neukonstruktionen von Sonderwerkzeugen und zur Normung
der allgemein verwendbaren Werkzeuge, deren Grundformen
jedem Arbeiter bekannt zu geben sind. Große Betriebs-
ersparnisse und Vereinfachungen können hier gemacht
werden, etwa wenn die Zahl der Bohrdurchmesser und
daher der vorrätig zu haltenden Bohrer, Reibahlen und
Lehren wirksam vermindert werden kann. Die hierzu
nötige Verbindung mit dem Konstruktionsbüro übernimmt
das Fertigungsbüro; die Schaffung und Überwachung der
Arbeits- und Prüflehren, die Festlegung aller fabrikato-
rischen Einzelheiten fallen in dieses Bereich.
        <pb n="47" />
        Eine dauernde Verjüngung und Erweiterung erfährt der
Betriebsmittelpark jeder Fabrik durch die Neuschöpfung
von zeitsparenden oder die Qualität des Erzeugnisses ver-
bessernden Arbeitsvorrichtungen. Sie entstehen am Reiß-
breit des Fertigungsbüros, entweder bevor ein neues Er-
zeugnis erstmalig die Fabrikation durchlaufen soll oder so
oft vorhandene Arbeitsverfahren zugunsten neuerer besserer
verlassen werden. Der normalen Herstellungszeit dieser
Vorrichtungen muß dadurch Rechnung getragen werden,
daß Neukonstruktionen dem Fertigungsbüro schon früh-
zeitig bekannt zu geben sind. Im großen Betrieben der
Massenfabrikation kann das Fertigungsbüro einen unge-
heuren Umfang annehmen, wenn ein neues Fabrikat, etwa
eine neue Kraftwagentype mit allen Einzelheiten vorbe-
reitet werden soll. Hunderte von Vorrichtungskonstruk-
teuren arbeiten dann monatelang an den oft zehn- bis
zwanzigtausend neuen Vorrichtungen, Gesenken, Stanzwerk-
zeugen, deren Entstehungswert in diesen Fällen häufig
mehrere Millionen Mark erreicht.

Auch hier mündet die einmalige Neuarbeit in laufende
Überwachung, Ergänzung und Bereitstellung der vorhan-
denen Einrichtungen für den einzelnen Fabrikationsauftrag.
Zu diesem Zweck durchlaufen die Stücklisten jedes Auf-
trays das Fertigungsbüro. Dies sucht die nötigen Vor-
richtungen und Sonderwerkzeuge an Hand von Vorrichtungs-
karteien heraus (Abb. 9) und sorgt durch mündliche, tele-
phonische oder schriftliche Benachrichtigung der Vor-
richtungs- und Werkzeugläger für die sofortige Bereit-
stellung der bezeichneten Hilfsmittel.

Das Vorrichtungslager hat seinerseits jede Vorrichtung
vor der Bereitstellung sorgfältig durchzuprüfen. Es muß
sich davon überzeugen, ob alle Zubehörteile vorhanden sind,
ob die arbeitenden Teile der Vorrichtung einwandfrei be-
tätigt werden können, ob Werkzeuge, wie der Stempel bei
Stanzen, zu Bohrvorrichtungen gehörige Sonderbohrer uswW.,
scharf geschliffen sind. Diese Prüfung vor der Aus-
gabe an den Arbeiter ist von großer Wichtigkeit, denn nur
so ist Zeit, das Fehlende zu ergänzen und der späteren
Fertigung einen störungsfreien Weg zu ebnen. Auch nach
        <pb n="48" />
        Ablieferung der Vorrichtungen sind diese wiederum auf
alle Einzelheiten hin zu prüfen und dürfen erst dann weg-
gestellt werden, wenn sie während des Aufenthalts .im
Vorrichtungskarte

Benennung: Fräsvorrichtung

Für Werkstück Nr: Bezeichnung:
23014—1 Zählernplatte
Nach Zeichnung Nr: Teil Nr.
23014 ‘

Arbeitsgang Nr: Bezeichnung:
nlanfräsen
Zubehör:

1 Kinstell-Lehre

20 auswechselbare
Auf lageprismen
Bemerkung‘

zum gleichzeitigen Fräsen von 10 Teilen

Vorrichtung Nr:
17683

Lager: 4

Regal: 12

Fach: a3

Für Maschine Nr:
Typ Fr 3u
Preis: lau
18.—

62.

1124.
Gesamtpreis |798.—
Ausgestellt:
Datum ; Name:
3. I. 28, | Müller
Abb. 9.

Betrieb keinen Schaden genommen haben. Sowie der prü-
fende Lagerverwalter Beanstandungen an ihnen wahrnimmt,
hat er sofort das Fertigungsbüro davon zu benachrichtigen,
        <pb n="49" />
        damit‘ der Instandhaltungsdienst in Tätigkeit treten und die
Vorrichtung der Reparaturwerkstatt zuleiten kann.

Hier tritt der Betriebsauftrag (s. S. 22) in Tätigkeit,
der die Grundlage aller Instandhaltungsarbeiten bildet.
Jeder Meister und Betriebsassistent kann ihn veranlassen;
doch darf er erst dann ausgeführt werden, wenn er das
Fertigungsbüro durchlaufen und die Genehmigung der Be-
triebsleitung erhalten hat. Handelt es sich um größere
Arbeiten, so wird er in der Arbeitsvorbereitung und Vor«
kalkulation genau so behandelt, als ob es sich um einen
Fabrikationsauftrag handelte.

g) Die Bereitstellung der organisatorischen
Hilfsmittel
Ohne weiteres leuchtet ein, daß die verwickelten Vorbe-
dingungen eines neuzeitlichen Fabrikationsauftrages es nicht
mehr gestatten, lediglich durch mündliche Vorschriften die
richtige Arbeitsausführung sicherzustellen. Schriftliche Fest-
legung‘ aller Vorschriften ist unumgänglich; ihre Aus-
arbeitung bis in die letzten Einzelheiten liegt dem Arbeits-
büro ob, bevor der Auftrag in die Werkstatt gegeben werden
kann. Die papierne Flut von Vordrucken, die eine gewisse
Schwerfälligkeit in viele Betriebsorganisationen hereinbringt,
sofern nicht dauernd der gleiche Gegenstand hergestellt
wird, ist gewiß bedauerlich, aber unumgänglich. Die
Gefahr allzu bürokratischer Handhabung muß man sich
dauernd vor Augen halten und bemüht sein, mit möglichst
wenig Vordrucken auszukommen. Mit Neid blicken wir
heute auf die Zeiten eines Krupp zurück, in denen oft eine
einfache auf ein Notizblatt geworfene Skizze genügte, um
eine neue, für damalige Zeiten unerhörte Maschine erstehen
zu lassen. Das Menschenmaterial der damaligen Unter-
nehmer, Ingenieure und Meister, das noch völlig hand-
werklich universal geschult war, haben wir heute nicht
mehr; wollten wir heute den Versuch machen, ohne kost-
spielige Organisation mit so primitiven Mitteln eine Ferti-
gung aufzuziehen, so würden wir die Enttäuschung er-
leben, daß unser Fabrikat weder einwandfrei noch in der

42
        <pb n="50" />
        Preisgestaltung auch nur der schlechtesten Konkurrenz
gewachsen wäre.

Der Fertigungsplan. Den Ausgangspunkt aller
weiteren Arbeiten bildet der Fertigungsplan (Operations-
plan), der eine schriftliche stichwortartige Beschreibung
der ganzen Auftragserledigung darstellt. Er gibt an, wo
der Werkstoff abzuholen und wohin er zu leiten ist, welche
Arbeitsgänge und Arbeitsstufen die einzelnen Teile durchzu-
machen haben, in welchen Werkstätten, auf welchen Ma-
schinen, mit welchen Werkzeugen und Vorrichtungen der
einzelne Mann zu arbeiten hat. Ferner nennt er bei jedem
Arbeitsgang den notwendigen Zeitbedarf oder die geldlichen
Lohnkosten, für die die Arbeit hergestellt, und schließlich
die Erledigungszeit, innerhalb derer jeder Arbeitsgang be-
endet sein muß. Die beiden letzten Bedingungen werden
wiederum von zwei Unterabteilungen des Arbeitsbüros,
nämlich der Arbeitszeitermittlung oder Betriebsvorkalku-
lation und dem Maschinenbesetzungs- oder Terminbüro ge-
regelt. Wir sehen aus diesem Aufgabenkreis, daß zur
Aufstellung des Fertigungsplanes ein Zusammenwirken aller
Stellen des Arbeitsbüros untereinander, wie auch mit dem
Konstruktionsbüro, dem Einkauf und der Werkstatt uner-
'\äßliche Vorbedingung ist.

Die Arbeitszeitermittlung. Wie weit der Ferti-
gungsplan für ein Werkstück unterteilt werden soll, bleibt
gewöhnlich der Betriebskalkulation überlassen, da mit jeder
Unterteilung eine besondere Arbeitszeitvorgabe verbunden
zu sein pflegt. Je maschineller eine Herstellung ist und je
häufiger sich die Fertigung des gleichen Teils wiederholt,
desto weiter geht man in der Unterteilung des Fertigungs-
plans. Denn diese große und mühevolle Vorarbeit lohnt sich
nur dann, wenn die gleiche Fertigung oft wiederkehrt.
Wertvolle Vorarbeit für alle diese Fragen hat der Reichs-
ausschuß für Arbeitszeitermittlung (Refa) geleistet, dessen
Arbeitsergebnisse für Deutschland als klassisch gelten
können und auf denen daher im folgenden durchweg gefußt
wird.

Das schematische Beispiel eines Fertigungsplans und
seiner Unterteilung gibt Abb. 10. Der Arbeitsgang um-
        <pb n="51" />
        Fertigungs-
auftrag

FertigungS-
plan

Arbeitsgang

Arbeitsstufe

Griff

Griffelement

Bearbeitung
., des Betts

Hobeln

Vorhobeln

Einspannen

Tisch
tängs fahren

Fertigung einer Drehbank

Bearbeitung d.
Spindeistocks

| Bearbeitung
des Reitstocks

Bearbeitung
des Supports

ji Schleifen
| Bohren

Schaben

NachhoD

Prismen
Hobeln

Maschine |
einstellen

Span
nehmen _

ı Maschine
1 stillsetzen

| Messen

Support
quer fahren

Querschlitter
ı tief fahren

[TFischanschläge
+ einstellen

Vorschub
einstellen

Abb. 10.
        <pb n="52" />
        faßt eine organisch-zusammenhängende Arbeit, die von
einem Arbeiter oder einer Arbeitergruppe (Kolonne) ohne
Unterbrechung erledigt. werden kann. Er unterteilt sich in
Arbeitsstufen, die mit dem gleichen Werkzeug, also ohne
Werkzeugwechsel ausgeführt werden. Jede Arbeitsstufe
besteht aus mehreren Griffen. Dies sind einzelne, aber in
sich abgeschlossene Handgriffe des Arbeiters am Arbeits-
stück, am Werkzeug oder an der Maschine. Die kleinste
meßbare Arbeitsverrichtung sind die Griffelemente, d. h.
Teilbewegungen des Arbeiters, die keine selbständige Be-
deutung haben, sondern nur in ihrer Zusammensetzung zu
einen Griff dem Arbeitsablauf dienen können.

Die richtige Ermittlung der Bearbeitungszeiten kann als
Angelpunkt der gesamten wirtschaftlichen Fertigung gelten.
Sie bestimmt die Kosten und das Tempo einer Erzeugung.
Was das für kapitalintensive Betriebe mit hohen „festen“
Kosten — also für die Mehrzahl der modernen Industrie-
betriebe — zu bedeuten hat, ist bereits eingangs kurz er-
wähnt worden, Je schneller in einer Fabrik produziert und
damit das investierte Kapital umgesetzt wird, auf um so
mehr Fabrikate verteilt sich die Last der allgemeinen Ver-
waltungskosten, des Verkaufsapparates, der Steuern und
Zinsen. Der Wert der richtigen Arbeitszeitermittlung liegt
also nicht allein in den Ersparnissen an Löhnen, sondern
hauptsächlich in der Beschleunigung des Produktionspro-
zesses und der dadurch möglichen Umsatzsteigerung. Man
kann auf diese Überlegung nicht eindringlich genug hin-
weisen. Viel Unruhe unter der Arbeiterschaft läßt sich
ersparen, wenn man die Arbeitszeitermittlung von vornherein
unter diesen Gesichtspunkt stellt und’ die ganze Betriebs-
kalkulation weniger um Lohnersparnisse, als um Arbeits-
beschleunigung ringen läßt.

Die Zeitfestsetzung kann entweder durch Berechnung
oder Beobachtung erfolgen. In beiden Fällen ist für den
Leiter der Betriebsvorkalkulation oder, wie es vielfach heißt,
des Akkordbüros, eine gründliche Erfahrung in der Arbeits-
weise seines Gewerbszweiges unerläßlich. Bei noch so ex-
akten Berechnungen oder Zeitbeobachtungen treten immer
Fragen auf,.die nur von dem zu lösen ‚sind, der. jahrelange
        <pb n="53" />
        X
1
»
N
nö
DZ

X
&gt;

-
3
=

-
)

Ausgearbeitet v, Ausschuss für Maschinenarbeit.
Nachdruck verboten, Copyright 1923 by AWF,
Ausschuss für wirtschaftliche Fertigung: Berlin’
Bezeichnung
der Maschine: Leitspindeldrehbank

Abmessungen der Maschine und
Spitzenhöhe 820 mm
Spitzenweite _ 2500 mm
Grösster Drehdurchm, über dem Bett 600 mm
Grösster Drehdurchm. über d. Support 420 mm
Grösster Drehdurchm. in d. Kröptung 950 mm
Länge der Kröpfung v. d. Plansch, 300 mm
Spindelbohrung 715 mm
Spitzenkonus 587
Grösster Stahlquerschnitt 25 mm x 28 mm
Spindelmitte bis Oberfläche Support 380 mm
Leitspindelsteigung 2 Gglt”
Antrieb-Stufen-Scheibe 375 Durchm.br. 100 mm

Fabrikat Böhringer, Göppingen

Nortongetriebe
2 Lümetten
Schwenkbarer Stahlhalter

Sondereinrichtungen

Maschinenkarte
für Drehbank AWF 303
Masch.-
Inv.-Nr. 611

Standort Dreherei 7
Yype KE
des Zubehörs
Planscheibe spannt bs 600 Durchm.
3ackenfutf. spannt bis 350 Durchm.
3rille fest bis 190 Durchm. I Stück
3rille mitgeh. bis 180 Durchm. TI Stück
umpe 7" 77 A min
Wechselräder aa

Gehört zur Gruppe
Unkostenklasse
Gütegrad 759%
Anschaffungsjahr 1916
Kralthedarf  PS,=1,5—2
Angaben üb. Höchstleistungen
Max. Leistung bei 30 m
— Schmittgeschw.
5 mm? Spannauerschn. .

Wollen

Besonders geeignet für

Bemerkungen

Ausstellung der Karte |
Tag 11.12.27 Name Lehmann
Abb. 11.
        <pb n="54" />
        Erfahrungen besitzt, um sie zu vergleichenden Urteilen
heranzuziehen,

Die‘ Berechnung der Arbeitszeiten ist hauptsächlich bei
Maschinenarbeit üblich. Ihre Unterlagen erhält sie aus den
sog.: Maschinenkarten, die zu einer Kartei im Akkordbüro
zusämmengefaßt sind (Abb. 11).

Aus: diesen Karten, die vom Ausschuß für wirtschaftliche
Fertigung (AWF) einheitlich durchgebildet worden sind, ent-
nimmt der Kalkulationsbeamte die Leistungen jeder Ma-
schine, die Schnittgeschwindigkeiten und Vorschübe bei
Drehbänken usw., die Hubzahl und den Arbeitsdruck bei
Pressen, die minutliche Produktion bei Papier- und Textil-
maschinen, die Durchsetzzeit und Aufnahmefähigkeit bei
Öfen. Graphische Pläne erlauben ihm hier, für jeden
Einzelfall die Arbeitszeit der Maschine aufs genaueste zu
ermitteln. Ebenso sieht er an den Vermerken über die
technische Ausrüstung der Maschine, ob Sonderausführungen
auf ihr möglich sind. Die Technik dieser Zeitfestsetzung
ist so ausgebaut, daß sie hier nicht erschöpfend behandelt
werden kann; es muß dazu auf die Fachliteratur der Vor-
kalkulation am Schlusse dieses Büchleins verwiesen werden.

Mit der Ermittlung der maschinellen Arbeitszeit ist aber
noch wenig getan. Selbst in stark mechanisierten Be-
trieben bildet sie nur einen Bruchteil der gesamten ‚Arbeits-
zeiten. Die Gesamtfertigungszeit eines Arbeitsganges glie-
dert sich nach Abb. 12 zunächst in die Einrichtezeit und
die eigentliche Stückzeit. Die Einrichtezeit ist zur Her-
richtung der Maschine oder des Arbeitsplatzes für einen
bestimmten Arbeitsgang notwendig, sie umfaßt das Bereit-
legen der Werkzeuge, die Einschaltung der richtigen Ge-
schwindigkeitsstufen, das Besorgen der Zeichnungen und
des Akkordzettels und das Lesen der Zeichnung. Die
eigentliche Stückzeit gliedert sich wiederum in Haupt-
und Nebenzeiten. Hauptzeit nennen wir diejenige Zeit,
die zur eigentlichen Umformung oder Bearbeitung des
Werkstücks nötig ist; bei maschineller Bearbeitung ent-
spricht sie der Maschinenzeit, bei Handarbeit, z. B. in der
Schlosserei, der Handzeit. Nebenzeiten entstehen durch
Werkzeugwechsel während des Arbeitsganges, um verschie-

4}
        <pb n="55" />
        Gesamtzeit
PT”

[ Einrichtezei:

1 ©

Eigentliche
Einrichtezeit
ta

Verlustzeit
F\

Hauptzeit
th

Grundzeit
to

Stückzeil
18}

Verlustzeit

Nebenzeit
41

Maschinenzeit
oder Handzeit

Abp. 12.
        <pb n="56" />
        dene Arbeitsstufen auszuführen, z. B. das Bohren und Aus-
reiben eines Werkstücks, durch Umschalten der Maschine
auf andere Geschwindigkeiten usw. Wesentlich ist, daß sie
am Werkstück keine Bearbeitungsmerkmale hinterläßt. Auch
sie kann je nach der Art der Operationen Maschinen- oder
Handzeit sein.
Bei Serien- und Massenfertigung entsteht natürlich die
Stückzeit so oft, wie Werkstücke hintereinander bearbeitet
werden, beim Drehen von 100 Bolzen z. B. 100 mal. Die
Einrichtezeit dagegen entsteht für jeden geschlossenen
Arbeitsgang nur einmal; denn so groß die Serie auch sein
mag, die Maschine braucht nur einmal für sie hergerichtet
zu werden.
Wie bei allen technischen Vorgängen, so ist auch bei
der Bearbeitung stets mit Verlusten zu rechnen, ja hier,
da der Träger des Vorgangs stets der Mensch ist, in weit
größerem Umfang als etwa bei der Berechnung der Leistung
einer Dampfmaschine. Dementsprechend treten zu allen er-
mittelten Zeiten, seien sie durch Beobachtung oder durch
Berechnung gewonnen, Zeitzuschläge, die man als Verlust-
zeiten bezeichnet. Diese Zuschläge, die dem Arbeiter für
Verzögerungen, kürzere Betriebsstockungen, Gespräche mit
Vorgesetzten, persönliche Bedürfnisse zugebilligt werden,
schwanken natürlich je nach Art des Betriebes, ja sogar
örtlich sehr stark. Bei Frauen und in ländlichen Gegenden
müssen sie höher sein als bei einer hochwertigen Fach-
arbeiterschaft, die in Industriestädten an straffe Disziplin
gewöhnt ist.
Zeitstudien. Die Beobachtung der Hand-, Neben-
und Einrichtezeiten, soweit diese nicht nach reiner per-
sönlicher Erfahrung festgesetzt werden, was stets bedenklich
ist, geschieht durch sog. Zeitstudien. Ein besonderer Zeit-
studienbeamter verfolgt mit einer Stoppuhr den Arbeits-
vorgang bis in alle Einzelheiten. Hier kann es bei Massen-
fertigung nützlich sein, die Beobachtungszeiten bis auf
die Griffelemente zu unterteilen, ja die eigentliche Kenntnis
von dem Ablauf dieser Elemente wird meist erst durch
Zeitstudien gewonnen.
        <pb n="57" />
        Man kann das liebevolle Eindringen in die Einzelheiten
des Arbeitsvorganges geradezu als den wesentlichsten Ge-
winn solcher Zeitstudien bezeichnen. Die kritische Aus-
wertung dieser Beobachtungen führt meist zu bedeutenden
Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, zur Ausschaltung
überflüssiger Bewegungen, zu zweckmäßiger Anordnung
und Bereitstellung der Arbeitsmittel; ihr Endergebnis, das
oft erst durch Bewegungsstudien — photo- oder kinemato-
graphische Aufnahmen der menschlichen Arbeitsbewe-
gungen — erreicht wird, bildet die rationelle Arbeitsplatz-
gestaltung.

Grundsätzlich dürfen Zeitstudien nie heimlich erfolgen.
Man muß sich stets vor Augen halten, wie verbitternd und
unlusterregend derartige Stoppuhrbeobachtungen auf jeden
Menschen wirken müssen; durch offene Freundlichkeit, Dar-
legung der Ziele, Belehrung und Anteilnahme an den Ver-
richtungen des Arbeiters ist daher alles zu tun, um ihn
psychologisch den Zeitstudien freundlich zu stimmen. Bei
dem Interesse des heutigen Industriearbeiters für Arbeits-
kunde fällt das bei geschickter Behandlung gewöhnlich
nicht schwer, wobei sich erfahrungsgemäß der Facharbeiter
zugänglicher zeigt als der ungelernte Mann.

Die Zeitbeobachtungen werden auf einem besonderen
Auswertungsblatt zusammengestellt; die zweckmäßigsten
Zeitstudienvordrucke sind ebenfalls vom AWF bzw. vom
Refa normalisiert worden. Absichtliches Bremsen des Ar-
beiters zeigt sich stets in großer Ungleichförmigkeit der
wiederkehrenden Einzelheiten. Man läßt daher diese Schwan-
kungen unberücksichtigt, indem man bei der Auswertung
eine mittlere Zeit ohne Einbezug der kürzesten und der
längsten Zeitwerte errechnet.

Kalkulationstafeln. In jedem Betrieb wiederholen
sich unzählige Arbeitsoperationen. Ihre Zeitwerte stellt
man, mögen sie durch Berechnung, Erfahrung oder Beob-
achtung gewonnen sein, auf Kalkulationstafeln zusammen,
die in gedrängter Kürze dem Zeitkalkulator die Aufstellung
der Akkordzeiten für die laufenden Aufträge ermöglicht
(Abb. 13). Ihre Aufstellung halte man fest in der Hand,
damit sie sämtlich nach einem einheitlichen Schema angelegt

-
        <pb n="58" />
        werden, das Vergleiche ähnlicher Arbeitsgänge zuläßt. Eben-
so selbstverständlich lasse man nur wenige Exemplare her-
stellen, damit das wertvolle Material nicht in unrechte
Hände gelangt.

Alle Kalkulationsunterlagen sind stets in Zeiteinheiten,
niemals in Geldwerten auszudrücken. Die Arbeitszeit ist
Schmieden von A. Ersen

Kalkulatans-
tafel Nr.

Profil

“inrichtzeit *n 0) Minuten für 1Mann Terfhedselie* 7 Mann),
SEE A ——
m M Than * F |
2 P 5a ZZ L G
AjFRICh 2 Hann)

a
Thirt rn
30-3604
95
L
MD
N
GE BDO:
65:65:17 160-160 77
Bei 3 Eisen mıt mehreren Knicken werden dis Zeiten für die einzelnen
Knicke addiert .
4 Eisen mit maßhalliger Kriickentt. arm
Muttplikationsfak
Länge des 4 Eisen ın m
Faktor a
Multjolikationsfaktoren Fir versch "Hinkrahlen
Inzahl d.onzufertigenden Stücke | bis 2127-401 4775 | über 75
KL im
Faktor

Orfu. Datum

Firma
Abb. 13.

‘Name NN

das bleibende, ihr geldlicher Gegenwert schwankt je nach
Konjunktur, Tarifverträgen, Arbeitergruppen. Man erspart
sich viel Mühe der Umrechnung und viele Mißverständnisse,
wenn man den Geldwert der Entlohnung ganz aus allen
Betrachtungen herausläßt, die sich mit der Arbeitszeitermitt-
Jung befassen.
        <pb n="59" />
        Die Maschinenbesetzung und das Termin-
wesen. An der Grenze zwischen Arbeitsverteilung und Ar-
beitsführung liegt die zeitliche Disposition über die Ab-
wicklung der Aufträge und die Bereitstellung der vor-
handenen Arbeitsmaschinen für die einzelnen Arbeitsgänge,
d. h. die Vorausschau auf ihre spätere Besetzung bei der
Arbeitsabwicklung.

Jeder Auftrag pflegt mit einer bestimmten Lieferfrist
angenommen zu werden, die nur dann eingehalten werden
kann, wenn die einzelnen Stufen der Fertigung ebenfalls
rechtzeitig zur Erledigung gelangen. Verspätet sich der Ein-
gang der Zeichnungen von seiten des technischen Büros
oder der Eingang des auswärts bestellten Materials, so hat
der Betrieb oft die größten Schwierigkeiten, in der bereits
verkürzten Lieferzeit den Auftrag abzuwickeln. Nun lauern
aber unzählige Feinde der fristgemäßen Ablieferung rechts
und links am Wege der Arbeitsführung. Das Termin-
wesen der Arbeitsvorbereitung bemüht sich, sie unschädlich
zu machen.

Schon bei Abgabe des Liefertermins im Angebot ist der
Betrieb zu hören, ähnlich, wie man seine Erfahrungen über
die aufzuwendenden Arbeitslöhne bei der Angebotsvorkalku-
lation auch ausnutzt. Der Betrieb hat es also bis zu einem
gewissen Grade in der Hand, daß ihm Termine gesetzt
werden, die er einhalten kann. Natürlich sieht es in der
Praxis oft ganz anders aus. Da macht die Liefertermine
nicht der Betrieb, sondern die Konkurrenz, und der Betrieb
muß wohl oder übel versuchen, durch schnellere Arbeit die
vorgeschriebene Frist einzuhalten, wenn er den Auftrag
nicht verlieren will.

Um überhaupt Liefertermine nennen zu können, bedarf
der Betriebsleiter einer Übersicht über die Besetzung seiner
Werkstätten. Diese Übersichten können je nach Art des
Fabrikates außerordentlich verschieden sein. Bei einer ein-
fachen Massenfertigung, etwa in einer Papierfabrik, erschöpft
sie sich in einer höchst primitiven Division des Auftrags-
bestandes durch die Leistungsfähigkeit der Fabrik in Ge-
wichtseinheiten. In der Maschinenindustrie, wo unzählige
Arbeitsgänge der verschiedensten Teile sich erst zu einem
.
        <pb n="60" />
        Fabrikat zusammenfügen, muß man mitunter eine sehr
weitgehende Besetzung der Arbeitsmittel vornehmen, um an-
nähernd richtige Lieferfristen nennen und einhalten zu
können.

Zunächst gilt es, ein Maß zu finden, durch das die ver-
schiedensten Teile und Arbeitsstufen in ein rechnerisch ein-
faches Verhältnis zur möglichen Ausbringung oder Kapazität
des Betriebes gebracht werden können. Das umfassendste
Maß ist die Bearbeitungszeit, die uns die Arbeitszeitermitt-
lung für die vorliegenden Aufträge errechnet. Man erhält
so einen Auftragsbestand von Arbeitsstunden, der in Be-
ziehung gesetzt werden kann zu den möglichen Arbeits-
stunden, die man innerhalb einer gewissen Zeit, sagen wir
einem Monat, in dieser oder jener Werkstatt ableisten kann.
Wie weit nun die einzelnen Werkstätten wirklich besetzt
sind, ermitteln wir an Hand von Besetzungstafeln. Natürlich
müssen wir diese Aufstellung nach verschiedenen Maschinen-
gruppen unterteilen, also getrennt etwa nach Kopfdreh-
bänken, Karusselldrehbänken, Bohrmaschinen usw., ferner
getrennt für die verschiedenen Arten der Handarbeit, die wir
nach Arbeitsplätzen einteilen, also nach Schlosserplätzen,
Teilmontage- und Hauptmontageplätzen. Tragen wir in
solche Besetzungstafeln (Abb. 14) die Arbeitszeiten des
Akkordbüros Stück um Stück ein, so erhalten wir ein theo-
retisch getreues Abbild des zukünftigen Arbeitsablaufs in
den Werkstätten. Wir vermögen zu übersehen, wann be-
stimmte Maschinen für eine Arbeit wieder frei werden und
wann das Teil, das dann auf die Maschine kommen soll,
demzufolge spätestens den vorherigen Arbeitsgang durch-
Jaufen haben muß.

Man hüte sich, derartige Besetzungspläne zu übertreiben.
Bei wechselnder Fertigung erhält man derart umfangreiche
Pläne, daß sie jedem Betriebsleiter in kurzer Zeit über
den Kopf wachsen. Stellt eine Fabrik z. B. im Monat zehn
verschiedene Aufträge her, jeder Auftrag zu 200 Einzelteilen
zu je zehn Arbeitsgängen, so wären monatlich 20000 ein-
zelne Eintragungen nötig. Und wie schnell würden diese
wieder umgestoßen werden! Jede Ausschußlieferung, jeder
Maschinendefekt, jeder unvorhergesehene Bruch von Werk-

16
        <pb n="61" />
        Firma

Gran.

We mgerkimne

Terminplan für Frdserei

vom $ Mal
Bis 20. Juni 24
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A756
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S
Kinzels
Tfe»
“Chen
Vumme
        <pb n="62" />
        zeugen und Vorrichtungen, jeder Stillstand durch Motor
oder Transmissionsstörung, jede Krankheit eines Arbeiters
und unzählige andere Verzögerungen würden den ganzen
Plan umwerfen, ganz abgesehen davon, daß man grund-
sätzlich eilige Aufträge ablehnen und nicht bevorzugt be-
handeln würde — in der Praxis ein völliges Unding!

Man gestalte daher die Besetzungspläne so elastisch wie
möglich und begnüge sich, sowie das Fabrikationsprogramm
wechselnd und vielseitig ist, nur mit Richtterminen, die man
an Hand ganzer Werkstattbesetzungspläne aufstellt. Reich-
liche Zuschlagszeiten für den Transportdienst und das nie
ganz zu vermeidende Liegenbleiben der Teilfabrikate zwischen
den einzelnen Arbeitsgängen machen sich stets bezahlt.
Weiß man aus Erfahrung, daß gewisse Maschinen- und
Arbeitsgruppen dauernd überlastet sind, so richte man sein
Augenmerk lediglich hierauf und disponiere für diese
Gruppen die Lieferfristen genau. Man kann dann unbesorgt
sein, daß die übrige Fabrikation mit ihnen mühelos Schritt
halten wird.
Anders natürlich bei reiner Massenfertigung. Hier kann
das Vorausbestimmen der Arbeit für jede Maschinengruppe
auf lange Zeit und eine ganz exakte Besetzung nach Ar-
beitsgängen von Nutzen sein. Man wird dann bald er-
kennen, ob die Maschinenleistungen in der Weise aufein-
ander harmonisch abgestimmt sind, daß sie das Arbeits-
programm fristgemäß erledigen können, ohne daß etliche
Gruppen unter- oder überlastet sind. Für Unvorhergesehenes
sind auch hier Reserven bereitzustellen, indem man im Be-
setzungsplan von Anfang an etliche Maschinen jeder Gruppe
(etwa 15 bis 20 vH) unbesetzt läßt.

Der Disposition der Werkstättenbesetzung steht gegenüber
das zeitliche Abwicklungsprogramm für den einzelnen Auf-
trag. Am besten geht man auch hier graphisch vor, indem
man für jeden Auftrag einen Terminplan nach Abb. 15 auf-
stellt, aus dem ersichtlich ist, wann die einzelnen Be-
arbeitungsstufen begonnen und beendet sein müssen, um
beim Zusammenbau störungsfrei zusammenzufließen. Bei
Aufstellung solcher Terminpläne muß man grundsätzlıch
        <pb n="63" />
        Abt.

D

Terminplan

Gegenstand: 71 Dieselmaschine
2 Zul. 180 PS. Di-2-180

Monat

' März [ April

Mai |

Juni

Juli

Aulitrag Nr. 32147

Ausgestellt:
Datum: | Name:
13.27. NN

August
Technisches Büro
Auswärts bestelltes Material
Au
U
&amp;
+
&amp;

CO

Bearbeitung
Zusammenbau
“Versand
Auswärtizc A.lfstellung
Betriebsfertice Übergabe
Verzugsstrafe

&gt;7CAh 15
        <pb n="64" />
        rückwärts vorgehen. Man legt zunächst den Termin fest, an
dem der Auftrag ausgeliefert werden soll, bestimmt dann
die Zeit für.den Zusammenbau in der Werkstatt und er-
hält so die einzelnen Termine für den Beginn der vorher-
liegenden Arbeitsgänge, für das Eintreffen und die Be-
stellung des Materials, für die Fertigstellung der Zeich-
nungen.
Schreibwerk und Auftragsvorbereitung.
Jetzt endlich sind alle Vorbedingungen des Auftrags so
weit geklärt, daß er für die Arbeitsvorgabe reif ist. Es
bedarf mur der Übermittlung all der einzelnen Daten, die in
der Vorkalkulation, dem Terminbüro, dem Fertigungsbüro
festgelegt worden sind, an den ausführenden Betrieb.

Diese Übermittlung kann nur schriftlich geschehen. Zu
vielfältig sind die Aufgaben, die einer Fabrik auch nur mitt-
leren Umfangs gestellt werden, als daß man mündliche
Abmachungen gelten lassen könnte. Gewiß ergibt sich
hieraus eine nicht unbeträchtliche Schwerfälligkeit in der
ganzen Arbeitsabwicklung; sie muß aber mit in Kauf ge-
nommen werden, wenn der Betriebsleiter nicht jede Kon-
trolle verlieren will.

Ein endgültig aufgestellter Fertigungsplan, wie er als
Unterlage für die Auftragsabwicklung dienen kann, ist in
Abb. 16 wiedergegeben. Er gelangt vom Arbeitsbüro in die
Hände des Werkstättenleiters oder des Meisters, wobei durch
Vervielfältigungsverfahren erreicht werden kann, daß jede
Werkstatt nur denjenigen Teil des Fertigungsplans erhält,
der für sie von Interesse ist. Formen solcher Pläne gibt
es unzählige. Sie wechseln je nach dem Einzelzweck und je
nach den Grenzen, innerhalb derer die Arbeitsvorbereitung
durchgeführt ist. Auch hier lassen sich keine Rezepte geben.
Doch ist es gut, sich daran zu erinnern, daß die eigentliche
Kunst auch hier darin liegt, mit möglichst wenig und nicht
mit möglichst viel auszukommen. Jede Vorschrift und jeder
Vermerk, der nicht im lebendigen Betrieb ausgewertet wer-
den kann, ist überflüssig und schmälert das wirtschaftliche
Endergebnis. In Betrieben mit gröberer Arbeitsweise und
vorwiegender Einzelfertigung verzichtet man daher auch

A]
        <pb n="65" />
        Fertigungsplan Ss
Ausgestellt
Datum Name
70.12.27| Müller

Stückzahl u. 1000 Motorradfelgen 2"
Gegenstand: schwarz lackiert

Werkstoff D 3
5 N]Artu.Menge
5m Mat.-Zettel = ©
- Nr. Sn "U

Arbeitsgang

Arbeits-| Ma- | Werke jAkkord
zeit in schine Worrich- Termin zeitel
Min, Nr. 'tgs.-Nr, N

Nr. | Benennung

L, 2 1480 kg Felg.-| 15
Bandeisen
gewalzt4781)
Rückliefe-
rungszet*

4781 Fr

1° walzen
abschneiden '

&amp; | schweissen
antgraten
prüfen

220
210
570
480

1517 |

8021 |15. 12. | 27811
15.12. | 27812
17. 12.1 27318
18. 12. | 27814
19. 12. 27815

15832
1588-36] -
(540=43|

‘

400

mr
{7

stanzen
drücken
8 worlochen
9 | Fertiglochen

630

(712-168! 8026 27. 12.| 27816
(720-25 3027 ' 30.1%. 27817
17388 8029 27818
1736 | 38080 27819

710
800
200

Im

0

entfetten
tauchen
rocknen
Saren
fen
macken
abliefern.

190

8.

27322
27828
Lohn

27324
27828
27326

210

8,
8.
950

1857

12,
400
780

1872

18. ı
16. 1.
18. 1.

Verteilungsplan

Stelle

Stück |

Arbeits-Akkord-Termin-|La-! | | Werk-1
büro | büro | büro ep 5 statt 125

17
Abb. 16.

1a

Nach- |
kalku-
lation

Kauf-
männ.
Büro
        <pb n="66" />
        Vorkalkulierte
Zeiten in Minuten

=
3 &amp;O
bed ku]
8 | -S
u =
Ss
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»
A
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Sl 215

SO] = DO n
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Auftrag Nr. 551587
Blatt Nr. 4

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5

La
1
Abb. La
4.)
        <pb n="67" />
        häufig auf den Fertigungsplan und greift auf die ursprüng-
liche Stückliste zurück (Abb. 17). Ein Anhänger; gibt‘ ir
solchen Fällen rechts von den einzelnen Zeilen der Stück-
liste die Bearbeitungsfolge, die vorkalkulierten Arbeitszeiten
und die notwendigen Maschinen und Werkzeuge“ an.

Das Fertigmachen der eigentlichen schriftlichen -Unter-
lagen für den einzelnen Auftrag nennt man Auftragsvorbe-
reitung. Sie umfaßt das Ausschreiben der Materialzettel,
Akkordzettel, Transport- oder Schleppzettel und Werkzeug-
zettel. Dies ganze Schreibwerk wird ebenfalls zentral vom
Arbeitsbüro vorbereitet, so daß die Meister in den Werk-
stätten von jeder Schreibarbeit entlastet bleiben.
Eine einheitliche äußere Form aller in den Betrieb ge-
langenden Vordrucke kann nicht dringend genug empfohlen
werden. Sie macht sich stets durch leichtes Auffinden aller
Daten, Ersparnis von Zeit und Irrtümern bezahlt. Man
wähle für sämtliche Unterlagen das gleiche Format, Din A 4
oder A5, setze die Auftragsnummer und sonstige wieder-
kehrende Betriebssymbole stets an die gleiche Stelle, am
besten rechts oben, damit sie beim Durchblättern leicht
auffindbar sind, und vergesse nicht, am unteren Rand den
Lauf des Vordrucks durch alle Arbeitsstellen vorzuschreiben,
die mit ihm zu tun haben und ihren Erledigungsvermerk in
das entsprechende Feld setzen müssen. Die Materialzettel
(Abb. 18) fassen stets alle Werkstoffe zusammen, die in
einer Abforderung entnommen werden sollen; der Trans-
port- oder Schleppzettel, der den Transportdienst zur Be-
förderung des Rohstoffs vom Lager zur Werkstatt anweist,
wird zweckmäßig als Durchschlag des Materialzettels in
einem Schreibgang hergestellt, während die Schleppzettel
für die Förderung von Werkstatt zu Werkstatt im Laufe
der Fertigung besonders ausgeschrieben werden müssen
(Abb. 19). Die Akkordzettel (Abb. 20) müssen exakte An-
gaben enthalten, welche Bearbeitung vorgenommen werden
soll, und sind so weit wie möglich zu unterteilen; stets
ist die Einrichtezeit getrennt von der eigentlichen Bear-
beitungszeit anzugeben, so daß der Arbeiter bereits nach
dieser Angabe seine Zeit einteilen kann.

A A
        <pb n="68" />
        Zettel Nr. 45252.
Material-Zettel

Auftrag-
Nr. 55237
für Lager 4
Gegenstand 5 Motoren

Stück-
liste
Nr.
34
35
42

Anzahl

in

7

Gegenstand und Abmessungen

Lagerschilder 2370—15
Füsse 2370—16
‚Deckel 2371—4

Werk-
stoff

{
6

Ge-
samt-
menge

Einheit
Va

Fsr
3?

Gesamt
VS

Immer nur vom Meister
auszufüllen

Lauf des |
Zettels

Datum

Name

ausgeschr,

12.12.27

N. N.

zu liefern
am

26, 12.27

an Werkstatt
23

Maschine
Nr.
DD. RR. 173
Name des
Arbeiters:
Braun

Quittung
Transport-
arbeiter

verabfolgt:

Lagerkartei
verbucht:

Lager-
bewertung

Nachkalku-
Jation bzw. Un:
kostenbuchhlite

Abb. 1:
        <pb n="69" />
        Bei häufig wiederkehrenden Arbeiten tritt zu diesen
Unterlagen noch die Unterweisungskarte, die dem Arbeiter
vor Beginn jedes Akkordes ausgehändigt wird. Sie ist ein
bis auf die Griffe unterteilter Fertigungsplan für den be-
stimmten Arbeitsgang und enthält daher eine genaue Auf-
zählung aller Arbeitsstufen und Griffe mit den zugehörigen
Einzelheiten, die vorgeschriebenen Maschinengeschwindig-
keiten, vorzunehmenden Schaltungen sowie ein genaues

Stückzahl und Gegenstand:
400 Bolzen
28221 B

O

Abreißfahne
Dient als Quittung
fürden Transportarbeite

Zu befördern von
Dreh

nach

Erhalten:
(Datum)
Frdis

Maschine:
DD 173

5218

Meister

57218

Abb. 19.

Verzeichnis der zu verwendenden genormten Werkzeuge und
Sondervorrichtungen. Die kostspielige Vorbereitung, die
derartige Unterweisungskarten erfordern, beschränkt ihre
Anwendbarkeit auf Betriebe mit hochwertiger Organisation,
wie sie im allgemeinen nur bei reiner oder überwiegender
Massenfertigung vorhanden zu sein pflegt.

5 Brasch, Betriebsorganisation und Betriebsabrechnung.

rn
        <pb n="70" />
        Akkordschein Nr. 25805
Werkstatt: 23

Arb. Name: Meier Kontr.-Nr. 2317

Auftrags-Nr.: 55137

Termin: 24. 11. 27
Masch.-Nr.: D 178

Zeichnungs-Nr.: 71361
Dem obigen Arbeiter i‘t folgende Arbeıt im Akkord nach den Bestimmungen der Arbeitsordnung übertragen worden,
Stücklisten | Pos.-Nr.
Nr. | d. Zeichn.

Gesamtzeit
Minuten

Einrichtezeit:

25

1714

Bolzen drehen komplett

X

150

7175

Lauf
des
zettets}

Aus-
gestellt

Arbeit |
aus-
regeber

Arbeit
ange-
ommen

Vor-
kalk,

eisterlArbeite“

Datum 17. 27. 27'
Name | N. N.| RE |Meier

5.11.27

BI“

ordnungs-
mässige Arbeit
abgeliefert

Weilster

Revisor

ver-
‚echnet

Lohn»
hiira

ver-
Sucht

Nach=-
kalk.

Abh

X

Abschlag-
woche

Unterschrift
des Meisters

Abschlags
zeit

RZ8N

Hesi
        <pb n="71" />
        4. Die Arbeitsführung
a) Die Verwaltung und Herausgabe des Materials
Das Lagerwesen. Man unterscheidet im allgemeinen
drei verschiedene Hauptarten von Lagern (Magazinen) inner-
halb einer Fabrik: Rohstofflager, Halbteillager nnd Fertig-
lager, Das Rohstofflager verwaltet die eingegangenen und
durch die Werkstoffprüfung als gut befundenen Rohstoffe
und fertig gekauften kleineren Zubehörteile wie Schrauben,
Bolzen, Keile usw. Die durch Teilaufträge in der Fabrik fer-
tiggestellten Zwischenfabrikate harren im Halbteillager ihrer
weiteren Verwendung, sei es, daß sie tatsächlich nur halb
fertig auf Lager gelegt werden, um später erneut in die Be-
arbeitung zu gelangen (z. B. vorgefräste und vorgebohrte
Lager, die später auf verschiedene genaue Durchmesser ge-
bracht werden), sei es, daß sie weit genug fertiggestellt
sind, um unmittelbar dem Zusammenbau (Montage) zuge-
führt zu werden. Das Fertiglager endlich sammelt alle fer-
tigen Fabrikate, die unmittelbar vom Versand abgerufen
werden, um an den Kunden zu gelangen. Auch räumlich
sind diese Lager meistens getrennt. Die Forderung nach
möglichst kurzen Transportwegen führt dazu, das Robh-
stofflager örtlich an den. Anfang der Fabrikation zu legen,
also unmittelbar neben die vorbereitenden Werkstätten, das
Halbteillager zwischen die Bearbeitungswerkstätten und den
Zusammenbau, das Fertiglager neben den Versand. Die Or-
ganisation sämtlicher Lagerarten ist jedoch die gleiche und
kann daher im folgenden geschlossen behandelt werden.

Von größter Wichtigkeit für jede Lagerverwaltung ist eine
schnelle und geschlossene Übersicht über die vorhandenen
Bestände, wie über die Lagerbewegung, d. h. über den Zu-
und Abgang, wie er sich aus der laufenden Fabrikation er-
gibt. Eine sorgfältig geführte Kartei vermittelt diese Über-
sicht. Die Lagerverwaltung muß dazu erzogen sein, selbst-
tätig für genügenden Vorrat ihrer verschiedenen Sorten zu
sorgen, so daß Stockungen in der Fabrikation infolge von
Materialmangel vermieden werden. Andererseits dürfen na-
türlich die Bestände über das unbedingt notwendige Maß

67
        <pb n="72" />
        hinaus nicht anwachsen. Erfahrungsgemäß bemüht sich
jeder Lagerverwalter, sein Lager so groß wie möglich zu
halten; man muß daher die Ergänzung der einzelnen Sorten
von einer Stelle aus regeln, die den tatsächlichen Verbrauch
in der nächsten Zukunft überblickt.

Bestellmengen und eiserner Bestand. Auf
Grund von Durchschnittswerten ermittelt man die Ver-
brauchsziffern innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Diese
schwanken naturgemäß mit der Beschäftigung und man
wird daher verschiedene Ziffern festlegen, je nachdem man
eine Periode großen oder geringen Fabrikumsatzes vor-
aussieht. Für jede Materialsorte wird hierauf ein eiserner
Bestand festgelegt, der stets auf Lager gehalten werden
muß. Ist ein Vorrat durch dauernde Entnahme bis zu
diesem eisernen Bestand gesunken, so hat das Lager von
selbst für Ergänzung zu sorgen, indem es dem Arbeitsbüro
bzw. dem Einkauf einen Einkaufsauftrag zuleitet. Die Be-
stellmenge desselben ist ebenfalls für jede Sorte zu regeln,
wobei man auch hier zwei Ziffern festlegt, eine für schlechte,
eine für gute Beschäftigung. So erreicht man automatisch,
daß man in schlechten Zeiten, wo man nur ungern größere
Geldmittel auf längere Zeit bindet, durch kleinere Vorrats-
haltung flüssig bleibt.

Die Lagervormerkung. Mit der Verfolgung der
tatsächlichen Ein- und Ausgänge allein ist jedoch wenig
getan. Wenn die Arbeitsvorbereitung feststellt, ob die für
einen Auftrag benötigten Rohstoffe und Halbteile am Lager
sind, so wünscht sie natürlich, daß diese Teile auch noch
dann vorhanden sind, wenn sie bei der Abwicklung des Auf-
trages gebraucht werden, und das ist oft erst viele Wochen
später. Unzählige Entnahmen können sich inzwischen ab-
gespielt und den damaligen Bestand von Grund auf ver-
ändert haben. Für ein Vorhandensein des Materials zur
rechten Zeit bietet also eine bloße Überprüfung des Lager-
vorrats durch die Auftragsvorbereitung nicht die geringste
Gewähr. Vielmehr muß sofort das für einen Auftrag dis-
ponierte Material in irgendeiner Form gebunden bzw. für
den Auftrag reserviert werden.

Dies geschieht durch. die Vormerkung des Materials von

5
        <pb n="73" />
        Lagerkarte

Gegenstand:

Nr. 2176

Blanke Sechskant-Schrauben
1” 210 lang DIN 418

gestellt
Datum | BE Zahl

Vorgemerkt
Datum | A | zahl

Verfügbar

Eingang
Da-
tum | Zahl

Datum | Zahl
1.8.27

4901) 1500

10.8.

55177

440

10, 8.

1060
15. 8.

331l-.

160

15. 8.

900

198.

1500
10.

x
Fe

5521)

100

10. 10.

800

90. 10. 577:

19. 11).

55218

400

19. 10.

900
ZA

uf

&gt;

+37

Yo

rn

25.10.

Ggün

Einheit:

Stück

Ausgang
ftr.-
Datum | Ant

1.03

535 137

7

55 141
292 fl 55210
2.

SS dn
55%

Eiserner
Bestand: 500

Bestellmenge: 1000

Bestand

' Zahl

Datum | Zahl
(8.27 970
440
160
100

1. 9. 1870
22, 10.1 1770
400424, 10.1 1870

A
4
        <pb n="74" />
        Seiten des Arbeitsbüros. Entweder geht eine Stückliste jedes
Auftrags an die Lagerverwaltung und diese muß die auf ihr
vermerkten Stoffe für die spätere Abforderung bereithalten,
oder die fertig ausgeschriebenen Materialzettel werden dem
Lager zum gleichen Zweck zugestellt.

Das gleiche gilt für das beim Lieferanten bestellte, aber
noch nicht eingetroffene Material. Über dieses darf das
Lager für einen späteren Zeitpunkt bereits verfügen, auch
wenn es zur Zeit noch nicht greifbar ist. Wir erhalten
also zwei getrennte Bewegungen, welche die Lagerverwal-
tung überwachen muß: die Bewegung der körperlich vor-
handenen Mengen, nämlich Eingang, Ausgang und tatsäch-
lichen Bestand, und die Bewegung über die verfügbaren
Mengen, nämlich Lagerbestellung, vorgemerkte Menge und
verfügbaren Bestand. Zeitlich spielt sich dieser Vorgang
in folgenden Stufen ab:
1. beim Lieferanten bestellt aber noch nicht eingegangen,
2..eingegangen aber noch nicht vorgemerkt,

3. vorgemerkt aber noch nicht abgefordert,

4. abgefordert, also nicht mehr vorhanden.
Die Lagerkartei. Alle diese Vorgänge verfolgt man
auf einer Lagerkartei, die getrennt nach Sorten für jeden
Werkstoff und jedes Halbteil eine besondere Karte führt
(Abb. 21). Alle Bestellungen, Vormerkungen, Eingänge und
Ausgänge sind hier einzutragen, wobei jedesmal die Menge
und die Belegnummer notiert wird, also bei Bestellungen
und Eingängen die Einkaufs- oder Bestellnummer, bei Vor-
merkungen und Ausgängen die Auftragsnummer. Nach jeder
Bewegung ist der Saldo zu ziehen, so daß ein Blick auf
die Karte den jeweiligen Bestand zeigt und ebenso die
verfügbare Menge. Man erhält so ohne körperliche Auf-
nahme eine laufende Lagerinventur, welche die jährlichen
Abschlußarbeiten ungemein erleichtert.

Lagerfachkarten. Vielfach findet man an jedem
Lagerfach eine besondere Bestandskarte, die der Lager-
arbeiter bei Eingang und Entnahme auf dem laufenden zu
halten hat. Im allgemeinen muß von diesen Karten ab-
geraten werden. Ist die Hauptkartei ordnungsmäßig ge-

0
        <pb n="75" />
        führt, so gibt sie einen genügenden Überblick und bedarf
daher dieser Ergänzung nicht; die Doppelarbeit verleitet
nur zu Nachlässigkeiten sowohl in der Haupt- wie in der
Fachkarte. Aber auch grundsätzliche Bedenken sprechen
gegen letztere. Unregelmäßigkeiten sind viel schwerer zu
verheimlichen, wenn die Lagernachweiskarte lediglich als
Hauptkartei in der Lagerverwaltung geführt wird und die
körperliche Lagerbewegung räumlich getrennt ohne be-
sondere Aufzeichnungen vor sich geht. Ohne Fachkarten
weiß der Lagerarbeiter nicht, welche Bestände sich in den
einzelnen Fächern finden sollen; er wird sich daher kaum
zu Unredlichkeiten hinreißen lassen, da er kein Mittel hat,
diese durch schriftliche Eintragungen zu verschleiern. Ge-
trennte Lagerkartei und laufende Stichproben in den Lagern
selbst durch Durchzählen und Verwiegen des Inhalts der
einzelnen Lagerfächer geben eine ausreichende Sicherheit,
so daß auf alle weiteren Eintragungen in Lagerfachkarten
verzichtet werden kann.

Die Materialabforderung. Grundlage der Ma-
terialabforderung bildet der von der Arbeitsvorbereitung
ausgeschriebene Materialzettel. Kein Stück darf ohne schrift-
lichen Beleg herausgegeben werden und diese Belege dürfen
nur vom Arbeitsbüro ausgestellt sein. Niemand in der Werk-
statt darf das Recht haben, Materialzettel auszuschreiben.
Stellen sich in den Unterlagen des Arbeitsbüros Irrtümer
heraus oder sind Nachforderungen infolge von Arbeits-
ausschuß notwendig, so hat der betreffende Meister eine
solche Nachforderung beim Arbeitsbüro zu beantragen und
dieses gibt einen Mehrforderungszettel heraus.

Das darf natürlich nicht ohne eingehende Prüfung ge-
schehen, ob die Nachforderung zu Recht besteht und ats
welchen Gründen sie notwendig wurde. Entweder ist sie
auf Arbeitsausschuß zurückzuführen, was bei häufigerer
Wiederholung Anlaß zu schärferer Überwachung der Fa-
brikation geben wird, oder auf Materialausschuß, der viel-
leicht hätte entdeckt werden können, wenn die Waren-
eingangsprüfung schärfer aufgepaßt hätte, vielleicht aber
auch auf Fehler der Arbeitsvorbereitung oder gar der tech-
nischen Unterlagen, also Zeichnungsfehler, die auf Grund

K
        <pb n="76" />
        solcher Nachforderungen sofort abgestellt werden müssen;
Wir werden der Behandlung dieser Nachforderungen noch
weiter unten ausführlicher begegnen.

Ein besonderer Materialzettel läßt sich oft ersparen,
indem an seine Stelle ein Abzug der Stückliste tritt, die der
Lagerverwaltung ausgehändigt wird, die sog. Lagerstückliste.
In diesen Fällen genügt es, wenn die Werkstatt auf Grund
ihrer eigenen Stückliste die betreffenden Positionen, welche
sie gerade benötigt, am Lager abfordert, und die Lagerver-
waltung die gleichen Positionen bei ihrer Ausgabe auf der
Lagerstückliste streicht. Dem großen Vorteil der Ersparung
vielen Schreibwerks bei dieser Handhabung stehen gewisse
Bedenken gegenüber, welche die Verwendung der Lager-
stückliste stark einschränken. Zunächst ist diese Hand-
habung nur zu empfehlen, wo eine zentrale Lagerverwaltung
für die Ausgabe alles Materials zu sorgen hat, das für die
gesamte Fertigung benötigt wird. Sind mehrere Lager-
verwaltungen vorhanden, so muß jede ihre Stückliste be-
kommen und Doppelabforderungen können dann leicht auf-
treten. Hiergegen gibt es nur die eine Abhilfe, die Stück-
listen im Arbeitsbüro durch Umschreiben so zu gruppieren,
daß auf einem Stücklistenblatt nur Teile stehen, die das
gleiche Lager betreffen. Dann kann jedes Lager diejenigen
Stücklistenblätter erhalten, dessen Positionen seiner Ausgabe
unterstehen, die Stückliste wird also auf die verschiedenen
Lagerverwaltungen aufgeteilt.

Ein weiterer Nachteil ist die Gefahr zweimaliger Ausgabe
des gleichen Materials durch dasselbe Lager. Ihr kann
nur vorgebeugt werden durch größte Aufmerksamkeit des
ausgebenden Beamten, der gewissenhaft Position um Po-
sition seiner Lagerstückliste abzustreichen hat. Erleichtert
wird ihm das durch die Vorschrift, daß der abfordernde
Transportarbeiter auf der Lagerstückliste neben jeder er-
haltenen Position Quittung zu leisten hat.

Trotz all dieser Bedenken geht man in steigendem Maße
dazu über, die Materialzettel zu sparen und mit dem Stück-
listenvordruck die Materialabforderung zu bewerkstelligen.
Auch in Betrieben mit stark wechselnder Einzelfertigung hat
        <pb n="77" />
        sich dieses System bereits praktisch bewährt. Materialzettel
bleiben dann nur noch der Abforderung von Hilfs- und
Betriebsmaterial vorbehalten, das natürlich durch die Ar-
beitsvorbereitung nicht erfaßt werden kann. Die Ausstellung
dieser Materialzettel ist den Meistern gestattet, doch dürfen
die Lager sie erst nach Gegenzeichnung durch den leitenden
Betriebsingenieur zur Belieferung anerkennen.

Die Materialrücklieferung. Die ordnungsmäßige
Rücklieferung des Materialabfalls zu überwachen, obliegt
ebenfalls der Lagerverwaltung. Besonders bei hochwertigen
Rohstoffen, also Messingblechen, Kupfer, Weißmetallbarren
usw., darf die Wichtigkeit dieser Aufgabe nicht unterschätzt
werden. Nicht immer kann das Material in den Längen und
Abmessungen vom Lager ausgegeben werden, in denen es
die Fertigung benötigt. Anzustreben ist dies allerdings, denn
der Transport überflüssigen Rohstoffs in die Werkstatt und
der Rücktransport des Abfalls in das Lager erfordert nicht
nur Unkosten durch Förderlöhne, sondern bindet auch durch
laufende organisatorische Überwachung weiteres Personal,
Man soll daher stets dem Lager genügend Maschinen zu-
teilen, um fertig zugeschnittenes oder abgemessenes Ma-
terial (z. B. bei Flüssigkeiten, Schüttgut usw.) ausgeben zu
können.

Wo dies nicht möglich ist, z. B. in Stanzereien, Auto-
matendrehereien, Warmpressereien, wird vom Arbeitsbüro
der nötige Materialbedarf einschließlich des Abfalls vor-
berechnet und der rückzuliefernde Abfall auf dem Ferti-
gungsplan besonders vermerkt. Auch besondere Rückliefe-
rungszettel werden vorbereitet, die bei der Herausgabe des
Auftrags an die Werkstatt dem Lager zugestellt werden,
welches sie als dauernde Mahnung im Auge zu behalten
hat, bis der betreffende Abfall tatsächlich wieder im Lager
eingegangen ist. Hierauf quittiert das Lager die von der
Werkstatt zurückerhaltenen Abfallmengen‘ und gibt den
Rücklieferungszettel als Quittung der Werkstatt. Noch
inniger wird dieser Zwanglauf gestaltet, wenn Material-
zettel und Rücklieferungszettel in einem Vordruck derart
vereinigt sind, daß die Rücklieferungsquittung als Abreiß-
fahne der Materialquittung angebogen ist.

72
        <pb n="78" />
        Zuleitung des Materials vom Lager an die
Werkstatt. Zwei Möglichkeiten sind hier gegeben, die
man am besten mit dem Druck- und dem Zugsystem be-
zeichnen kann. Beim Drucksystem sorgt das Lager für die
Lieferung. Es drückt gleichsam das Material in die Werk-
statt hinein, ohne auf eine Anforderung zu warten. Beim
Zugsystem zieht die Werkstatt das benötigte Material selbst
aus den Lagern heraus, ist also selbst die den Material-
transport veranlassende Stelle. Hier wie überall in ‘der
Organisation ist das Drucksystem vorzuziehen. Zwar kann
es Stauungen zur Folge haben, indem die zeitlich vor-
geordnete Stelle, also hier das Lager, der Werkstatt, die
zeitlich nachgeordnet ist, Material zuleitet, bevor diese es
braucht. Das entgegengesetzte Verfahren erzeugt aber allzu
leicht leere Räume im Arbeitsablauf, „Löcher“, während
welcher die Werkstatt auf Material warten oder durch un-
vorhergesehene Transporte erst um die Versorgung mit
Rohstoffen sich bemühen muß.

Daher beauftragt man besser das Lager damit, die Roh-
stoffe in die Werkstatt zu fördern. Die Materialzettel gehen
vom Arbeitsbüro unmittelbar an die Lagerverwaltung, So-
wie ein Auftrag in Fabrikation gegeben wird. Auf ihnen
ist der Zeitpunkt der gewünschten Anlieferung vermerkt, so
daß das Lager auf den Tag genau die Werkstätten mit den
benötigten Rohstoffen beliefern kann. Die hierfür erforder-
lichen Transportarbeiter werden ebenfalls der Lagerverwal-
tung unterstellt, falls nicht, wie weiter unten geschildert,
eine besondere Förderorganisation den gesamten Transport-
dienst unter sich hat. Die pünktliche Belieferung der Werk-
statt ist von elementarer Wichtigkeit, nichts wirkt ver-
heerender auf die Fertigungskosten wie auf das Zeitmaß der
Arbeitserledigung als das Warten der Werkstatt auf Roh-
material. Eine dauernde Überwachung der Lager auf die
Einhaltung der ihnen vorgeschriebenen Anlieferungstermine
verbürgt allein deren Beobachtung.
b) Arbeitsverteilung und Arbeitsvorgabe
Die Arbeitsverteilung, wie sie innerhalb der Arbeits-
führung vonnöten ist, bringen wir hier in bewußten Gegen-

74
        <pb n="79" />
        satz zur Maschinenbesetzung. Diese gehört zur- Arbeits-
vorbereitung, jene aber befaßt sich nicht mit einer Vor-
disposition, sondern übt eine wirkliche verteilende Tätigkeit
4des Arbeitsbüros auf die Werkstätten aus. Natürlich bedarf
es der engsten Anlehnung an die Maschinenbesetzung und
das Terminbüro; die Arbeitsverteilung fußt ja völlig auf
diesen Dispositionen, sie muß aber in der Praxis bei jedem
einzelnen Auftrag so viel ändern, was sich seit der vorbe-
reitenden Maschinenbesetzung als nötig gezeigt hat, daß
man von der Arbeitsverteilung als einer selbständigen Gruppe
innerhalb der Arbeitsführung zu sprechen hat. Das Ideal
ist eine möglichst bewegliche Arbeitsverteilung, um den
häufig im letzten Moment eintretenden Zwischenfällen,
wie Ausfall einer Maschine, Auftreten eiliger Aufträge usw.
ausweichen zu können. Erst im letzten Moment soll die Ar-
beit auf eine bestimmte Maschine gelegt werden, ja praktisch
ist diese letzte Verteilung meistens dem Meister zu über-
lassen.

Arbeitsverteilungstafeln nehmen alle Arbeits-
unterlagen auf, die für die verschiedenen Aufträge werkstatt-
reif geworden sind. Diese von Taylor erdachten und von
Hippler weiter entwickelten Tafeln enthalten drei Reihen
großer Fächer. In der obersten Reihe liegen die zur Zeit
in Arbeit befindlichen Aufträge, in der nächsten diejenigen,
die als folgende Arbeit vorgesehen sind und daher erst zur
Verteilung gelangen; die letzte Reihe sammelt alle weiteren
werkstattreifen Aufträge. Die Werkstatt selbst hat daher
nur diejenigen Unterlagen in der Hand, an denen sie zur
Zeit arbeiten muß. Alle weiteren Aufträge werden sofort
greifbar bereitgehalten und können unmittelbar heraus-
gehen, nachdem die Werkstatt neue Arbeit angefordert hat.
Statt fester Wandtafeln verwendet man, um den vorhandenen
Platz innerhalb der Arbeitsverteilung besser auszunutzen, um
einen Mittelpfeiler schwenkbar angeordnete Tafeln, ähnlich
dem Fahrplanständer auf Bahnhöfen, oder auf Rollen fahr-
bare Tafeln, die je nach Bedarf innerhalb des Büros be-
weglich sind.

Selbstverständlich hat die Arbeitsverteilung dafür zu
sorgen, daß erst dann die Unterlagen an die Werkstatt

"
        <pb n="80" />
        gehen, wenn alle Rohstoffe eingetroffen sind, ebenso, wenn
die Arbeitsvorrichtungen, Sonderwerkzeuge usw. beisammen
sind. Zur restlosen Verfolgung dieser Einzelheiten bedarf
es der größten Aufmerksamkeit innerhalb der Arbeitsver-
teilung; denn die Besetzungspläne der Arbeitsvorbereitung
sind oft infolge der täglich wechselnden Betriebsverhältnisse
bis zur Unkenntlichkeit verändert, wenn der Auftrag in die
Werkstatt gehen soll.

Die Arbeitsvorgabe. Der Arbeitsverteilung folgt
die Vorgabe an den Betrieb. Meist gehen die Unterlagen
direkt an die einzelnen Werkstätten, also an die Meistereien.
Zwischenstellen empfehlen sich nur in Riesenbetrieben; auch
in Großbetrieben mit mehreren selbständigen Betriebs-
ingenieuren werden es diese als angenehm empfinden, wenn
die Arbeitsvorgabe zentral geregelt ist, so daß sie selbst
zur Überwachung der laufenden Fabrikation frei bleiben.

Die Vorgabe der Unterlagen an den Betrieb erfolgt stets
gegen Quittung. So unschön und schwerfällig diese auch
im allgemeinen organisatorisch wirken und so sehr sie daher
zu vermeiden sind: hier bei der Arbeitsvorgabe entsteht
ein so wichtiger Knotenpunkt, daß eine schriftliche Quittung
über die Ausgabe der Arbeitsunterlagen benötigt wird.

Die Zeichnungen gehen oft schon vorher nach der
Zeichnungsausgabe, während die Stücklisten, Fertigungs-
pläne, Akkordzettel dem Meister oder‘ seinem Schreiber
direkt ausgehändigt werden; die Materialzettel wandern
zweckmäßig vom Arbeitsbüro unmittelbar zum beliefernden
Lager. Man überhäufe die Meister nicht mit Arbeits-
unterlagen, sondern gebe durch entsprechende Arbeitsver-
teilung, wie oben erwähnt, nur die unmittelbar zu fertigenden
Aufträge der Werkstatt vor.

Durch den Meister wird hierauf dem einzelnen Arbeiter
der Akkordzettel ausgehändigt, den er zu unterzeichnen hat,
womit er den Arbeitsvertrag anerkennt, welchen jeder
Akkord darstellt. Ein Durchschlag des Akkordzettels bleibt
im Arbeitsbüro oder besser beim Meister. In der Meister-
stube bewähren sich kleine Wiederholungen der Arbeits-
verteilungstafeln. Die einzelnen Fächer dieser Tafeln blei-
ben. den. Arbeitergruppen oder den einzelnen Arbeitern vor-

3
        <pb n="81" />
        behalten. Der Durchschlag des vorgegebenen Akkordzettels
wird in das Fach des betreffenden Arbeiters gelegt. So
sieht man sofort, welche Arbeit ihm bereits vorgegeben
ist, und kann verhüten, daß sich mehrere Akkordzettel bei
einem Arbeiter sammeln, was die Überwachung der Arbeit
außerordentlich erschweren würde. Rechtzeitig hat der
Meister alle Arbeitsunterlagen für den nächsten Auftrag
anzufordern und die Hilfsmittel heranschaffen zu lassen;
pausenlos muß der Arbeiter fertigen können. Das bedeutet,
daß jeweils bereits das Material, die Werkzeuge, die Zeich-
aungen und Akkordzettel für den nächsten Auftrag sich an
seinem Arbeitsplatz befinden, so daß er nur nach ihnen zu
greifen braucht.

c) Arbeitsüberwachung und Meisterwesen
Der Meister muß frei sein zur Überwachung der Fabri-
kation. Das stolze Wort „Meister“ muß seinen Sinn be-
halten: meisterliche Arbeit abliefern ist seine Aufgabe, er
darf kein Schreibknecht der Organisation noch ein Nach-
hetzer der Liefertermine sein. Er hat dauernd seinen Ma-
schinen- und Werkzeugpark im Auge zu halten und auf ein-
wandfreie Arbeit seiner Leute zu achten. Bei großen
Stückzahlen in der Serienfertigung sowie bei kostbaren
Arbeitsstücken hat er schon nach den ersten Teilen eine
vorbeugende Revision vorzunehmen, ob die Arbeit ordnungs-
mäßig erfolgt, damit nicht unnützer Ausschuß entsteht. Für
Disziplin und Pünktlichkeit innerhalb seiner Meisterei muß
er sorgen. Unterstützt wird er dabei durch Stempeluhren,
die der Arbeiter bei Beginn und Beendigung der Arbeitszeit
zu stechen hat, und zwar morgens nach dem Umkleiden,
abends vor dem Waschen. Die Stempeluhren sollen sich
daher niemals am Fabriktor, sondern stets unmittelbar neben
der Meisterstube befinden.

Die Auftragsüberwachung. Das Fortschreiten
der einzelnen Arbeitsgänge wird am besten durch Zeit-
stempeluhren überwacht, welche mit dem Akkordzettel bei
Beginn und Beendigung des Akkordes sowie bei jeder
Arbeitsunterbrechung zu stechen sind. Diese Zeitstempler

£
        <pb n="82" />
        sind sehr leicht zu handhaben und ungemein angenehm bei
der Abrechnung. Etliche Systeme rechnen automatisch die
verbrauchte Zeit aus, so daß bei der Lohnverrechnung jede
Rechenarbeit gespart wird. Leider sind sie nur da zu ver-
wenden, wo die Regel unbedingt eingehalten werden kann,
daß jeder Arbeiter stets nur einen Akkordzettel in der Hand
hat und diesen abliefern muß, bevor er den nächsten erhält.
Andernfalls ist eine Übersicht, wie weit er zu jedem Zeit-
punkt in dem ihm vorgegebenen Arbeitsgang fortgeschritten
ist, nicht zu erreichen.

Der Meister erhält vom Arbeitsbüro eine Liste der ge-
wünschten Arbeitsreihenfolge, aus der er nach Terminen
oder nach Dringlichkeit geordnet diejenigen Arbeiten er-
sehen kann, die er zuerst erledigen muß. FEine andere
Möglichkeit besteht darin, auch dem Meister eine Ver-
teilungstafel mit Fächern zu geben, in welcher er nach
gleichen Gesichtspunkten die ihm zugestellten Arbeitsunter-
lagen einreiht. Stets muß er sich gewisse Zeitreserven für
Unvorhergesehenes, insbesondere zum Zwischenschieben
einiger eiliger Aufträge lassen. Am besten trägt er dem
schon in der Bedienung seiner Verteilungstafel Rechnung
und läßt jedes dritte oder vierte Fach hierfür frei. Wird
anders verfahren, so muß gewöhnlich bei den nie zu ver-
meidenden Umdispositionen die ganze Verteilungstafel um-
gruppiert werden.

So exakt eine Arbeitsvorbereitung erdacht sein mag, wird
sich doch ‚nie die dauernde persönliche Fühlung zwischen
dem Arbeitsbüro und der Werkstatt umgehen lassen. Die
ganze Schwierigkeit der Arbeitsvorgabe und der Arbeits-
verteilung liegt weniger in der vorbereitenden Planung,
sondern in der laufenden gewissenhaften Überwachung der
angeordneten Maßnahmen, also in der praktischen Durch-
führung. Nur persönlicher Kontakt vermag diese zu ge-
währleisten, und so unschön die Einrichtung der „Termin-
jäger‘“ sein mag, welche als Sendboten des Arbeitsbüros
die Arbeitsvorgabe der einzelnen Meistereien überwachen,
so wird sie sich doch nie ganz erübrigen. Eine beliebte
und bewährte Form persönlicher Fühlung bilden regel-
mäßige Terminkonferenzen, die der “Betriebsleiter etwa

"A
        <pb n="83" />
        wöchentlich mit seinen Untergebenen abhält. Sie schützen
vor Verwilderung des ganzen Systems und gestatten es,
rechtzeitig drohende Verzögerungen zu erkennen, oft auch
ihnen noch vorzubeugen. Aber selbst, wo das nicht mehr
möglich ist, schützen solche Besprechungen wenigstens vor
Überraschungen und lassen die Betriebsleitung frühzeitig
erkennen, wo mit Sicherheit Termine überschritten werden.
Von Wichtigkeit ist dann nur, daß der Kunde auch um-
gehend von solchen Verschiebungen erfährt, die er er-
fahrungsgemäß in diesem Stadium gleichmütiger hinnimmt,
als wenn er erst nach Ablauf der ihm zugesagten Liefer-
frist, womöglich erst auf seine Anmahnung hin, die
Nachricht erhält, daß man ihn noch für einige Zeit ver-
trösten muß.

Änderungsmeldungen und Nachforderungen.
Die Auftragsüberwachung der ausführenden Werkstatt hat
sich auf eine laufende Prüfung der technischen Unterlagen
zu erstrecken, die für jeden Auftrag zur Verfügung gestellt
werden. Die Werkstattausführung selbst ist der letzte Prüf-
stein für die fabrikatorische Güte dieser Unterlagen. Schon
bei Massen- und Serienfabrikation wird die Werkstatt oft
auf Einzelheiten stoßen, von denen sie glaubt, daß man sie
billiger und besser ausführen kann, sofern kleine Ände-
rungen der Zeichnungen oder Stücklisten vorgenommen
werden. Bei Einzelfertigung wird es fast die Regel sein,
daß der ausführende Arbeiter Unstimmigkeiten in den Zeich-
nungen entdeckt, die für spätere Ausführungen abgestellt
werden müssen. Maßfehler, ungeschickte Bearbeitungsvor-
schriften, falsche Bezeichnung von Teilen, konstruktive Un-
geschicklichkeiten, welche die Ausführung verteuern, lassen
sich trotz aller zwischengeschalteten Kontrollen nie ganz
vermeiden und gelangen so in die Werkstatt. Diese muß
verpflichtet sein, alle derartigen Unstimmigkeiten, auch
solche geringfügigster Art, schriftlich durch ihre Meister
dem Arbeitsbüro zu melden. Zweckmäßig wird ein be-
sonderer Vordruck geschaffen, der es gestattet, solche Mel-
dungen je nach dem vorliegenden Einzelfall auf Auftrags-
nummern, Zeichnungs-, Teil-, Maschinen- und Werkzeug-
aummern zu beziehen, und von dem der Meister einen
        <pb n="84" />
        Durchschlag behält, während zwei Durchschriften ins
Arbeitsbüro gehen, das seinerseits ein Blatt sofort der zu-
ständigen Stelle weiterleitet, also bei Zeichnungsfehlern
dem technischen Büro. Dieser organisatorische Filter, der
unablässig die von der Werkstatt bemerkten Fehler aus
sieht, muß dauernd in Wirksamkeit gehalten werden. Die
Früchte werden sich bald in einer Qualitätsverbesserung
sowohl der technischen Unterlagen wie der Werkstattarbeit
zeigen, die Fühlung zwischen Büro und Betrieb wird enger
werden, das Arbeitsinteresse der ausführenden Stellen wach
bleiben. Wiederholen sich Fehler, so kann man veranlassen,
daß Wiederholungsmeldungen unmittelbar dem Betriebsleiter
persönlich zugeleitet werden.
Nachforderungen der Werkstatt an Lohn bzw. an
Vorgabezeit für einzelne Arbeitsgänge werden niemals gänz-
lich verschwinden. Die eben genannten Fehler an Zeich-
nungen und Arbeitsunterlagen haben daran gleichen Anteil
wie schlechtes Material, mangelhafte Werkzeuge und Vor-
richtungen, Fehler der Vorkalkulation und Nachlässigkeit
des Arbeiters. Grundsätzlich gilt hier das gleiche wie
bei den Nachforderungen von Material (s. S. 71). Alle
Mehrforderungen müssen an das Arbeitsbüro, nämlich an
die Arbeitszeit-Ermittlungsstelle gehen, sind von dieser
allein zu prüfen und dann zu bewilligen oder abzulehnen.
Kein Meister und kein Betriebsingenieur darf das Recht
haben, über Lohnmehrforderungen zu entscheiden. oder
Akkordzettel selbst ausfertigen zu lassen.

Die Arbeitszeitermittlung prüft die ihr vorgelegten Fälle
und stellt, wenn sie die Berechtigung einer Nachforderung
anerkennt, einen Zusatzakkordzettel aus, der auffällig als
solcher kenntlich zu machen ist. Am besten versieht man
den normalen Akkordzettel mit einem roten Aufdruck
„Mehrkosten‘“; solche Zettel dürfen nur dann vom Lohn-
büo ausbezahlt werden, wenn sie vom Leiter des Akkord-
büros gegengezeichnet sind.

Die Höhe dieser Nachforderungen im Verhältnis zu den
normal vorkalkulierten Werkstattlöhnen ist dauernd im Auge
zu behalten.

1]
        <pb n="85" />
        Man gehe hier mit unerbittlicher Strenge vor und lasse
lieber manche Nacharbeit zu viel unter Mehrkosten er-
scheinen, als das man sich über die wahre Höhe der Mehr-
kosten in optimistischer Weise hinwegtäuscht. Man be-
denke, daß derartige Kosten niemals in der Angebotskalku-
lation enthalten sind und daß man, um sicher zu gehen, den
durchschnittlichen Prozentsatz dieser Zusatzlöhne bei Be-
messung der Betriebszuschläge oder durch einen sonstigen
Zuschlag in der Angebotsrechnung berücksichtigen muß,
wenn man nicht Geld zusetzen will. Lehrreich ist es, die
Mehrkosten nach ihren Ursachen statistisch zu unterteilen,
Das Akkordbüro hat diese Ursachen objektiv zu ermitteln
und durch besondere Symbole auf den einzelnen Akkord-
zetteln zu verzeichnen, etwa L für Fehler des Lieferanten
oder des Lagers, also bei Materialausschuß, W bei Fehlern
der Werkstatt, also bei Arbeitsausschuß, 7 bei Fehlern des
technischen Büros usw.

Das Meistersystem. Man trifft zur Zeit zwei
Systeme der Meisterorganisation an, die wir kurz als Fach-
meister- und Funktionsmeistersystem bezeichnen. In allen
älteren Betrieben herrscht der Fachmeister. Jeder Werkstatt
steht ein besonderer Meister vor, der fachlich in den Arbeits-
gängen gerade dieser Werkstatt vollkommen ausgebildet
ist und in ihr die gesamte Arbeitsführung überwacht. Solche
Betriebe haben also einen besonderen Meister für Bohrerei,
Schlosserei, Schmiede, Dreherei usw. Diese Meister pflegen
ausgezeichnete Fachleute zu sein, können aber meist den
stark erweiterten Aufgabenkreis der modernen Arbeits-
führung nicht bewältigen. Haben sie doch neben der Sorge
für einwandfreie Werkstattarbeit sich auch um die Termin-
einbaltung, die Heranschaffung und Bereitstellung der
Betriebsmittel sowie für die richtige Einhaltung der Arbeits-
zeiten zu kümmern. Es ergibt sich so meist ein uner-
Freuliches Bild’ der Arbeitsüberlastung; diese Meister sind
wahre gehetzte Menschen, die von früh bis spät kaum einen
Gedanken richtig zu Ende denken oder gar planmäßig ver-
folgen können.

Dieser beklagenswerten Arbeitsüberlastung versucht man
durch das Funktionsmeister-System entgegenzutreten, das

ee
'y

Brasch, Betriebsorganisation und Betriebsabrechnung.
        <pb n="86" />
        Taylor als erster erdacht und in die Praxis eingeführt hat.
Abb. 22 und 23 stellen den Unterschied beider Systeme dar.

Die Funktionsmeister sind in einer ganz bestimmten
Arbeitsfunktion ausgebildet und haben für diese nicht inner-
halb einer einzelnen Werkstatt, sondern innerhalb des ganzen
Betriebes zu sorgen. Sie sind dem Gedanken des Arbeits-
büros nachgebildet und stellen gewissermaßen dessen Send-
boten im Werkstättenbetrieb dar. Die Aufgaben des
Fertigungsbüros verfolgt der Instandshaltungsmeister, dem
sämtliche Reparaturen und die laufende Wartung der Be-
triebsmittel unterstehen. Der Vorrichtungsmeister ist ver-
antwortlich für die Spezialwerkzeuge und Vorrichtungen und
für die sachgemäße Einrichtung der Arbeitsmaschinen. Der
Geschwindigkeitsmeister wacht darüber, daß die vom Akkord-
büro errechneten Maschinenschaltungen und Arbeitszeiten
eingehalten werden. Der Arbeitsverteilungsmeister überwacht
die termingemäße Erledigung der Arbeitsgänge, wie sie vom
Arbeitsverteilungsbüro der Werkstatt vorgeschrieben werden.
Schließlich ist ein weiterer Meister für die allgemeine Diszi-
plin, Pünktlichkeit und Ordnung verantwortlich.

Es ist klar, daß diese Einteilung bedeutende Vorteile in
strarf durchorganisierten Betrieben mit sich bringt. Der
auf eine bestimmte Dienstleistung spezialisierte Funktions-
meister kann seinen Aufgaben mit größerer Muße nach-
gehen, da er nicht durch dauernd neue Obliegenheiten abge-
lenkt und überlastet wird; er allein hat die Möglichkeit,
einen Ausgleich innerhalb der Werkstätten durchzuführen
und er übersieht die Zusammenhänge des Betriebes besser
als der Fachmeister. Gewisse Schwierigkeiten ergeben sich
nur für Werkstätten, in denen mehr als durchschnittliche
Fachkenntnisse erforderlich sind, wie in einer großen
Schmiede, einer Automatenabteilung usw. Hier wird sich
manchmal die Einstellung eines besonderen Fachmeisters
nicht umgehen lassen.

Der Förderdienst. Die Transporte innerhalb einer
Fabrik sind fast immer das Schmerzenskind der Betriebs-
leitung. Sie auf das mindeste Maß zu beschränken und
dennoch rasch durchzuführen, ist in allen größeren Fabriken
nur dann möglich, wenn man’ sie einer einheitlichen Leitung

&amp;'}
        <pb n="87" />
        Betriebs-Direktion

Grass-
Dre-
herei-
Meister

Hetriebs-
Ingenieur

Klein-
Dre-
herei-
Äeister

Fräsel

Aeister

Iahler

Meister

Bohrer-
Meister

Betriebs-
Ingenieur

Schlei-
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Härte-

Meister

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ser-
Meister

Schlos-
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Meister
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Betriebs-
Ingenieur

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Meister

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Meister

Prüf-
stand-
Meister

Ahh. 22.

A
3
        <pb n="88" />
        Arbeitsvorbereiftung
(Arbeitsbüro)

Fertigungs-
büro

Instandhal-
tungsmeister

| Arbeitszeit-
ermittler

Vorrichtungs-
meister

|

Arbeits-
verteiler

Arbeitsver-
teilungsmeister

Termin-
beamter

Geschwindig-
keitsmeister

Aufsichts-
beamter

Prüfmeister

Arbeitsführung
(Werkstätten)
Abb. 25.
        <pb n="89" />
        unterstellt. Denn nur so kann man erreichen, daß die
Transportarbeiter, welche einmal unentbehrlich sind, wirt-
schaftlich ausgenutzt werden und nicht, wie man es häufig
sieht, mit wenigen Teilen in der Hand durch die ganze
Werkstatt eilen oder auch nicht eilen, sondern gemächlich
gehen und leer zurückkehren.

Ein leitender Transportmeister oder Transportingenieut
verteilt alle Förderarbeiten auf die ihm unterstellte Förder-
kolonne. Bei ihm laufen alle Anforderungen auf Transport-
leistungen zusammen, so daß er die einzelnen Förderdienst-
teistungen wirtschaftlich zusammenfassen kann. Elektro-
karren oder Hubwagen haben nach einem bestimmten Fahr-
plan dauernd zwischen den Werkstätten und Lagern zu
kreisen und alle auf ihrem Wege liegenden Förderdienste
auszuführen. Das freie Umhergehen einzelner Transport-
arbeiter ist unbedingt zu unterbinden, und auch den so be-
tiebten brandeiligen Transporten gegenüber ist unnachsicht-
lich vorzugehen. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle
lassen auch sie sich dem einmal festgelegten Fahrplan ein-
fügen, wenn man diesen so einteilt, daß jede Werkstatt alle
Stunde oder halbe Stunde vom Kreislauf der Transport-
kolonne berührt wird. Bei straffer Durchführung dieses
Systems zeigen sich schon bald überraschende Ersparnisse.
d) Arbeitskontrolle
Jedes Fabrikat muß, bevor es zum Versand oder an das
Fertiglager gelangt, eingehend auf richtige Ausführung ge-
prüft werden. Eine besondere Revision, die gewöhnlich
einem Prüfmeister oder Revisionsingenieur untersteht, ist für
die Qualität der herausgehenden Fabrikate verantwortlich,
Der Umfang dieser Prüfung hängt naturgemäß ganz von der
Art des Erzeugnisses ab. In Fabriken mit hoher Ver-
adelungsstufe und verwickelten Arbeitsprozessen genügt eine
Prüfung des fertigen Fabrikates allein nicht. Denn erstens
lassen sich die fertig zusammengebauten Erzeugnisse, z. B.
die meisten Maschinen, nicht mehr in allen Einzelheiten
prüfen, da viele Teile dann gar nicht mehr zugänglich sind.
Dann aber erfordert es eine wirtschaftliche Fabrikation,
        <pb n="90" />
        daß fehlerhafte Teile so schnell wie möglich ausgeschieden
und ersetzt werden, bevor man weitere Arbeit an sie ge-
wendet und Löhne verausgabt hat.

Deswegen erfolgt in mechanischen Betrieben eine Re-
vision meist nach jedem Arbeitsgang. So kann man un-
inittelbar nach Feststellung eines Fehlers die Ausschußteile
aus der Fabrikation ziehen und erspart weitere Lohnkosten
an ihnen. So auch nur ist es möglich, rechtzeitig eine
Ersatzbestellung in die Fabrik zu geben, die für den Zu-
sammenbau von größter Wichtigkeit ist. Die Verantwortung
der Revision ist um so größer, je mehr Löhne bereits an
einem Teil haften,

Die Prüfung selbst kann entweder in einer geschlossenen
Abteilung vor sich gehen oder sie ist ambulant, d. h. sie be-
wegt sich von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz und nimmt dort
unmittelbar die fertigwerdenden Erzeugnisse ab. Im ersten
Falle kommt man mit weniger Beamten und weniger Prüf-
werkzeugen aus, auch ist die Prüfung in geschlossenen
Räumen gewöhnlich ungestörter und daher zuverlässiger.
Nach der zweiten Methode spart man jedoch die umfang-
reichen Transportlöhne, die nötig sind, um sämtliche Teile
nach jeder Operation in die Revisionsabteilung zu schaffen.
Welche Methode wirtschaftlicher ist, muß von Fall zu
Fall entschieden werden.

Stets hat die Prüfung mit besonderen Meßwerkzeugen,
den sog. Abnahmelehren, zu erfolgen. Diese müssen zwar
dieselben Toleranzen aufweisen, wie die Lehren, nach denen
die Werkstatt arbeitet, müssen aber von letzteren streng
getrennt gehalten werden. Nur so ist es zu erreichen, daß
böswillige oder unachtsame Beschädigungen der Werkstatt-
lehren und hieraus folgende Bearbeitungsfehler von der
Revision zuverlässig bemerkt werden. Die Mehraufwen-
dungen für den doppelten Lehrenpark sind nur einmalige,
denn die Werkstattlehren nutzen sich schnell ab und müssen
laufend ersetzt werden. Man versetzt dann die Abnahme-
lehren der Revision in die Werkstatt und gibt der Revision
einen neuen Lehrenpark. .

Mit jeder Serie von Prüfteilen wandert der Akkordzettel
des betreffenden Arbeitsganges zur Revision. Erst wenn die

26
        <pb n="91" />
        Teile von dieser als einwandfrei erkannt und abgenommen
sind, dürfen die Akkordzettel zur Lohnauszahlung weiter-
gehen. Der Prüfmeister vermerkt die Abnahme auf dem 'Ak-
kordzettel und gibt diesen dem Lohnbüro weiter, das die An-
weisung hat, nur solche Akkordzettel zur Verrechnung zu
bringen. Zurückgewiesene Fabrikate gehen mit dem Akkord-
zettel und einem entsprechenden Vermerk an die Werkstatt
zurück, worauf das Arbeitsbüro zu entscheiden hat, ob der Ar-
beiter zu kostenlosem Ersatz seiner Arbeitsleistung gezwungen
oder ob ein Mehrkosten-Lohnzettel auszuschreiben ist.

5, Die Betriebsabrechnung
a) Ziel und Grundbegriffe
Der Sinn der Betriebsabrechnung ist die Er-
mittlung der Fertigungsselbstkosten. Sie ist also ein Teil-
gebiet innerhalb des gesamten Rechnungswesens einer Unter-
nehmung, das sich lediglich auf die fabrikatorischen und be-
trieblichen Vorgänge erstreckt. Im folgenden ist daher auch
nur dies Teilgebiet behandelt und die Zusammenhänge mit
dem übrigen kaufmännischen Rechnungswesen sind lediglich
angedeutet.
Vollkommene Klarheit über die Selbstkosten seiner
Fertigung zu gewinnen ist von größter Wichtigkeit für den
Betriebsleiter. Keinerlei Dispositionen sind möglich, So
lange er hierüber im Dunkeln tastet und durch die Er-
gebnisse seiner Betriebsrechnung nicht der Kreis zu neuer
Arbeitsvorbereitung geschlossen wird. Es ist daher nicht
verwunderlich, daß in jüngster Zeit enormes Gewicht auf
die Ausbildung der Betriebsrechnung gelegt, ja, daß in
den letzten Jahren die Betriebsorganisation vorwiegend unter
dem Gesichtswinkel des betrieblichen Rechnungswesens und
der Selbstkostenermittlung betrachtet worden ist. Hier ist
ein typisches Feld, in dem der Techniker und der Kauf-
mann zusammenwirken müssen.

Aber nicht allein Klarheit, sondern auch größte
Schnelligkeit haben wir von der Betriebsabrechnung
a7
        <pb n="92" />
        zu fordern. Die Betriebsleitung muß so rasch wie möglich
erfahren, wie sich ihr Arbeitserfolg ziffernmäßig gestaltet,
welche Zweige ihrer Fabrikation gewinnbringend und welche
verlustreich sind. Weiter zurückliegende Ergebnisse sind
für ihn rasch veraltet; historische Zahlen kann er nicht ge-
brauchen. Er wird daher eher mit weniger genauen Ziffern
vorlieb nehmen, wenn ihm nur die Erkenntnis seines be-
trieblichen Wirkungsgrades kurzfristig vermittelt werden
kann.
Endlich muß ihm die Betriebsabrechnung eine Ver-
gleichsbasis bieten, mit der er andere oder ähnliche
wirtschaftliche Vorgänge messen und werten kann. Ver-
gleiche müssen ihm möglich sein, einmal mit anderen zeit-
lichen Perioden, etwa den Vormonaten oder dem Vorjahr,
zum anderen Mal mit anderen Betriebsabteilungen oder
Unternehmungen, die zwar außerhalb seiner Firma stehen,
ihm aber bekannt oder zugänglich sind. Diese Forderung
führt zur Einiguhg über .die Grundbegriffe der Betriebs-
abrechnung, und in der Tat ist hier bereits eine lebhafte
Normung im Gange, um solche Vergleiche zu erleichtern.
Sie gipfelt, um die betrieblichen Vorgänge und Ergebnisse
vergleichbar zu machen, in der Bestrebung, die Betriebsab-
rechnung von allen außerbetrieblichen Einflüssen zu reinigen.

Die Grundbegriffe. Die Betriebsabrechnung eines
Erzeugnisses scheint zunächst einfach: Man braucht ja nur
auf den Verbrauch aller nötigen Elemente zu achten und
diesen ziffernmäßig zusammenzustellen. Es handelt sich
also um die Ermittlung des Aufwandes, über den man
schriftliche Aufzeichnungen zu führen hat. Da solche Auf-
zeichnungen auch‘ von der Arbeitsführung benutzt werden,
nämlich die Materialzettel, die Akkordzettel usw., bedient man
sich bei der neuzeitlichen Betriebsabrechnung grundsätzlich
dieser Unterlagen, die demnach als Dokumente der Selbst-
kostenberechnung  urkundlichen Wert innerhalb eines Be-
triebes bekommen. Nun geht diese Aufwandsermittlung bei
Material und Lohn ziemlich leicht vor sich. Diese Kosten
sind ja direktanrechenbar auf das einzelne Fabrikat
und werden daher auch Einzelkosten genannt. Wie
        <pb n="93" />
        aber verhält es sich mit all dem, was erst dem Material und
dem Lohn gestattet, sich zum fertigen Erzeugnis zu ver-
mählen, also den Betriebseinrichtungen, der Betriebskraft,
der Beleuchtung, den Hilfsabteilungen, den Lagern, dem
Arbeitsbüro, der Betriebsleitung? Alle diese Elemente er-

Materialkosten
Direkter

Aufwand

Aufwand

(Einzelkosten)

Lohnkosten

Erlös

Betriebs-
gewinn

Indirekter
Aufwand

Betriebs-
gewinn

Gemeinkosten
oder Unkosten

Betriebs-
gewinn

Abb. 24.

fordern doch auch wesentliche Kosten und stellen daher
Aufwand dar, aber sie sind nicht auf das einzelne Erzeugnis
direkt anrechenbar, da sie für die Allgemeinheit und nicht
für das Einzelprodukt entstehen!

Solche Kosten nennt man daher indirekt anrechenbare,
Gemeinkosten oder kurz Unkosten. Da sie aber

zu.
        <pb n="94" />
        auch auf das Fabrikat verrechnet werden müssen, — und
in kapitalintensiven Betrieben nehmen sie einen ungeheuren
Raum ein, — hilft man sich mit schlüsselmäßigen Auf-
teilungen, die wir unten näher kennen lernen werden.

Die eben genannten Kostenarten werden von der
Betriebsabrechnung dem Erlös gegenübergestellt und er-
geben so den Betriebsgewinn oder Betriebsver-
lust (Abb. 24). Mit diesen einfachen Begriffen kommen
wir jedoch nicht aus, sowie wir in die inneren Vorgänge der
Betriebsrechnung hineinleuchten.

Von größtem Interesse ist nämlich zu wissen, welche
Kosten die einzelnen Aufträge erfordern und wie teuer die
einzelnen Abteilungen einer Fabrik arbeiten. Jeder Auftrag
muß daher einzeln untersucht werden können, und da
kommen wir mit der Einteilung nach Kostenarten nicht
aus. Die Auftragsnummer selbst bietet uns die Möglichkeit,
alle für ein bestimmtes Fabrikat entstehenden Kosten zu
sammeln; in der Selbstkostenrechnung bezeichnen wir daher
die Auftragseinheiten, die unter einem bestimmten Betriebs-
symbol zusammengefaßt werden, als Kostenträger.
Dies können demnach sowohl ganze Anlagen sein, die in
einer Fabrik hergestellt werden, wie z. B. Turboaggregate,
oder kleinere Fabrikate bis herunter zum Einzelteil, falls
uns dessen Selbstkosten im einzelnen interessieren.

Um rechnerisch die Arbeitsweise der einzelnen Werkstätten
verfolgen zu können, müssen wir uns auch diese als kosten-
mäßig zusammengefaßte Einheiten vorstellen, deren Auf-
wand wir auf irgendeine Weise statistisch oder buchhalte-
tisch sammeln. Diese Einheiten nennt man, da sie meist
örtlich abgegrenzte Begriffe darstellen, Kostenstelfen.
Dreherei, Schmiede, Kraftzentrale, Betriebsbüro sind solche
Kostenstellen; aber sie brauchen nicht immer derartig scharf
örtlich umgrenzt zu sein. Uns können z. B. die Betriebs-
kosten sämtlicher Krane innerhalb einer großen Fabrik
interessieren oder der Aufwand, den ein umfangreicher
Fuhrpark verursacht. Auch derartige Einheiten nennen wir
folgerichtig Kostenstellen, wenn sie auch örtlich nicht zu
umgrenzen sind.
        <pb n="95" />
        Zusammenfassend scheiden wir also scharf zwischen den
Ädrei Hauptgruppen:
Kostenarten
Material
Löhne
Unkosten

Kostenstellen Kostenträger
‚Werkstätten Auftrag A
Hilfsbetriebe Auftrag B
Betriebsbüros Fabrikat €
„Verwaltungsbüros Teil D USW.
Endlich ist begrifflich ein klarer Unterschied zu machen
‚wischen der Summe der einzelnen Kosten, wie sie im
yanzen bei einem laufenden Fabrikbetrieb entstehen, und
‚wischen den Kosten, die auf eine bestimmte Leistungsein-
heit entfallen. Erstere nennen wir Gesamtkosten,
letzters Leistungskosten oder Stückkosten. Die
Beziehung zwischen beiden Kosten ist natürlich außerordent-
lich einfach, wenn es sich um ein reines Massenfabrikat han-
delt, das als einziges Erzeugnis hergestellt wird. Praktisch
tritt dies fast nie auf, aber wir könnten uns denken, daß
z. B. eine Brauerei dauernd nur eine Sorte Bier erzeugte.
Von den Gesamtkosten ließe sich dann auf die Leistungs-
kosten sehr leicht rückschließen mittels einer einfachen
Division durch die erzeugte Menge, ein Verfahren, das
man Divisionskalkulation nennt.
Beispiel: Materialkosten insgesamt 100000 #,
Lohnkosten insgesamt 10 000
Unkosten insgesamt _ 30 000 .
Gesamtkosten 140000 BAM
Erzeugte Menge 10000 hl
Demnach Einzelkosten je h] 14 RM,
die sich zusammensetzen aus Materialeinzelkosten 10 A,
Lohneinzelkosten 1 PM
Einzelunkosten 3 PM
Die beiden Begriffe der Gesamt- und Leistungskosten
stets getrennt zu halten ist deswegen besonders wichtig, weil
beide sich im lebendigen Betriebe durchaus verschieden ver-
halten. Kein Betrieb erzeugt nämlich stets die gleiche
}
        <pb n="96" />
        Menge innerhalb einer gewissen Zeit, seine Produktion
schwankt je nach Konjunktur, Güte seines Personals und
seiner Einrichtungen und aus vielen andern Gründen dau-
ernd. Bei wachsendem Umsatz entwickeln sich nun Gesamt-
und Leistungskosten nach ganz verschiedenen Richtungen.
Die Gesamtkosten steigen natürlich, je mehr produziert
wird, denn normalerweise braucht man dann um so mehr
Material, Löhne, elektrische Kraft usw. Die Leistungs-
oder Stückkosten jedoch werden meist bei wachsendem
Umsatz niedriger werden, denn eine ganze Reihe von Un-
kosten verändert sich nicht wesentlich, ob das Geschäft gut
oder schlecht geht, z. B. der größte Teil der Gehälter, die
Grundsteuern, die Reparaturen usw.

Das hängt damit zusammen, daß die einzelnen Kosten-
arten ganz verschiedenen Charakter aufweisen, sobald man
sie vom Gesichtspunkt des Umsatzes oder Beschäftigungs-
grades aus betrachtet. Die einen sind gegen einen Wechsel
des letzteren so gut wie unempfindlich. Wir müssen sie
aufwenden, um überhaupt einen Betrieb in Gang zu bringen
und in Gang zu halten, gleichgültig ob er viel zu tun hat
oder wenig. Sie laufen selbst dann weiter, wenn der Betrieb
vorübergehend still liegt, etwa während genereller Beurlau-
bungen oder eines Streiks. Sie heißen daher fixe oder
feste Kosten. Zu ihnen gehören die meisten Instand-
haltungskosten, der größte Teil der Gehälter, die Steuern
und Verbandsbeiträge, die Kosten der Korrespondenz,
Mieten, Zinsen und Abschreibungen.

Der andere Teil der Kosten wird sehr wohl von einem
Wechsel des Beschäftigungsgrades beeinflußt. Material und
Löhne werden nur dann verbraucht, wenn produziert wird;
soziale Lasten, Ausgaben für Betriebsmaterial, wie Öl,
Kraft und Kohle, sowie die Transportkosten hängen sehr
stark von der Höhe des Fabrikationsumsatzes ab, wir nennen
sie daher veränderliche Kosten. Von ihnen verhalten
sich die Kosten des Rohstoffverbrauchs und der Fabri-
kationslöhne fast ganz proportional zu den erzeugten Ein-
heiten, sie werden daher auch als Proportionalkosten
bezeichnet. Die übrigen genannten Kosten sind nicht ganz
so empfindlich gegen den Wechsel in der Beschäftigung: sie

47}
        <pb n="97" />
        steigen unterproportional zu dieser. Am besten
machen wir uns das an den Kraftkosten klar. Bei ganz ge-
ringer Beschäftigung brauchen wir verhältnismäßig hohe
Kraftkosten, um die Motore, Transmissionen und Vor-
gelege einer Fabrik überhaupt in Gang zu halten; sie haben
also auch schon bei geringstem Umsatz eine gewisse Höhe,
die dann mit steigender Erzeugung langsam ansteigt.

Kosten
ın RM
400€

3000
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Kosten
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ut Kost”

OPERA  —_ a N. =. nn ‘
700 200 300 400
Beschäftigungsgrad in Leistungseinheiten,
Abb. 25. Entwicklung der Gesamtkosten bei wachsendem
Peschäftligungsgrad.
Abb. 25 u. 26 zeigen an einfachen graphischen Bildern,
wie sich die Gesamtkosten und Leistungskosten einer Fabrik
mit wachsendem Beschäftigungsgrad verhalten. Wir sehen,
daß die festen Gesamtkosten als Leistungskosten betrachtet
stark abnehmen, je besser die Beschäftigung wird, sie ver-
halten sich degressiv. Die proportionalen Gesamtkosten
bleiben als Leistungskosten betrachtet stets gleich groß
oder konstant. Addiert man beide Gesamtkosten, So
daß man sämtliche Kosten einer Fabrik in einer Kurve ver-
folgt, so erhält man ebenfalls eine abfallende, also de-
yressive Kurve der Leistungskosten.
        <pb n="98" />
        Die Fragen, die mit dieser Kostenentwicklung zusammen-
hängen, haben in jüngster Zeit das hervorragende Interesse
der Betriebswirtschaft erregt und sind in ihren weiteren
Folgen für die Betriebsabrechnung von größter Bedeutung.
Wir werden weiter unten zu betrachten haben, wie man
ihnen gerecht zu werden versucht.

Bevor wir uns in die Einzelheiten der Betriebsabrechnung
versenken, müssen wir uns vor Augen halten, daß ihre Me-
Kosten
in RM
je Einheit

40

konstant

Summe
kosten

der EEE
"degressik)

Leistungskosteh

tem

A
700 200 300 400
Beschäftigungsgrad in Leistungseinheiten,
Abb. 26. Entwicklung der Leistungs- oder Stückkosten bei
wachsendem Beschäftigungsgrad.
chanik sich eng an den Gang und die Methoden der doppel-
ten Buchführung anlehnt. Die Betriebsabrechnung denkt
daher gewissermaßen kontenmäßig; die Belastung etwa
eines Fabrikates ist nicht möglich, ohne daß auf der andern
Seite ein entsprechendes Gegenkonto entlastet wird. Die
wichtigsten Konten sind die der drei Kostenarten, nämlich
das Materialkonto, das Lohnkonto und das Unkostenkonto.
Ihnen steht gegenüber ein Konto der in Fabrikation befind-
lichen Werte, also ein Konto der Halbfabrikate, diesem
wieder ein Konto der fertigen Fabrikate bzw. der fertigen
Aufträge.
        <pb n="99" />
        b) Die Materialabrechnung

Die Verrechnung des Materialverbrauchs geht auf Grund
les Materialzettels vor sich, der den Wertbeleg des Roh-
;toffes selbst darstellt. Der vom Arbeitsbüro ausgeschriebene
Materialzettel wandert, wie wir gesehen haben, in die Fa-
brik, wird nach Empfang des Materials von dieser 'quittiert
und gibt damit die Unterlage zur Verrechnung des Material-
aufwandes ab. Hierzu müssen die auf ihm vermerkten Auf-
zeichnungen in Geld umgedacht werden, da nur Geldziffern
von der Betriebsabrechnung verarbeitet werden können,
Dies geschieht in der Material- oder Lagerbewertung.

Die Materialbewertung. Dort befindet sich eine
Kartei aller Gegenstände und Stoffe, die innerhalb einer
Fabrik gebraucht werden und auf ihren Lagern vorrätig
sind. Sie ist ein kleines Abbild der Hauptlagerkartei, nur
daß sie über die Lagerbewegung keine Auskunft gibt, son-
dern lediglich über den Wert jedes einzelnen Teils. Nicht
selten ist diese Bewertungskartei mit der Hauptkartei der-
gestalt vereinigt, daß auf letzterer der Bewertungs-Einheits-
preis gleich mit vermerkt ist. Einen Unterschied in der
Behandlung macht dies nicht; unerläßlich ist nur, daß in
der Bewertungskartei tatsächlich jede Art von Rohstoffen
und Halbteilen enthalten ist, also nicht nur die Fabrikations-
rohstoffe, Metall- und Holzsorten, sondern auch alles, was
der Betrieb für seinen eigenen Bedarf abfordern kann, also
Öle, Besen, Transportkästen, Werkzeuge, bis zum fertigen
Antriebsmotor, falls solche in größeren Fabriken vorrätig
gehalten werden.

Auf Grund dieser Kartei erhält nun jeder belieferte
Materialzettel seinen Wert, wozu man sich der Bewertungs-
spalten bedient, die dieser Vordruck zu tragen hat (siehe
Abb. 18, S. 64). Die bewerteten Materialzettel addiert man
in kurzen Abständen, etwa täglich oder wöchentlich, ent-
lastet mit ihrer Gesamtsumme den Lagervorrat und belastet
die Fabrikation, die ja diese Teile zur Erzeugung oder
Weiterverarbeitung in Empfang genommen hat. Sind die
Teile fertig bearbeitet, so wird entsprechend die Fabrikation
wieder entlastet und dafür die Gesamtheit der fertigen Er-
        <pb n="100" />
        zeugnisse, also der fertigen Aufträge belastet. Welcher
Technik man sich hierzu bedient, sehen wir unten unter
e) Nachkalkulation, Seite 112.

Nun werden aber viele Rohstoffe und Waren nicht direkt
für Aufträge entnommen, sondern im Betrieb als Betriebs-
material verbraucht. Dieses Unkostenmaterial nimmt bei der
Verrechnung einen besonderen Weg. Es bildet zwar auch
einen Teil der Selbstkosten und muß daher als Aufwand für
die einzelnen Fabrikate letzten Endes auch auf diese ver-
rechnet werden. Da es aber nur indirekt anrechenbar ist,
kann es nicht zur Nachkalkulation gelangen, ohne vorher
für die schlüsselmäßige Aufteilung durchgearbeitet worden
zu sein, die wir mit den Unkosten vornehmen wollen. Zum
Zweck einer solchen Verarbeitung läuft daher das Un-
kostenmaterial zunächst nach seiner Bewertung zur Un-
kostenverrechnung und nicht zur Nachkalkulation.

Die Wahl der Bewertungspreise. Von großer
Schwierigkeit ist es, richtige Bewertungspreise für die Un-
zahl von Teilen und Stoffen festzusetzen, deren eine Fabrik
laufend bedarf. Eine Grundlage für die Bewertungspreise
geben natürlich die Preislisten des Einkaufs, der ja laufend
über die Marktlage unterrichtet sein und von Preisverände-
rungen zuerst Kenntnis haben muß. Andererseits ist es
klar, daß die vielfachen, oft täglichen Schwankungen in den
Preisen vieler Stoffe, besonders der börsenmäßig gehan-
delten Metalle, Textilien und anderen tierischen und pflanz-
lichen Rohstoffen nicht von der Bewertungskartei berück-
sichtigt werden können, wenn diese nicht mit einem dau-
ernden Umändern ihrer Preise zu tun haben soll. Es werden
also auf jeden Fall der Bewertungskartei gewisse Durch-
schnittspreise zugrunde gelegt werden müssen, welche die
Schwankungen des Marktes über einen längeren Zeitraum
hinaus ausgleichen. Vielfach hat man sich dabei mit der
Frage beschäftigt, ob die Tagespreise oder die Wieder-
beschaffungspreise die Richtlinien dieser Grundlage geben
sollen. In Zeiten schwankenden Geldwertes, also während
der Inflation, hatten diese Überlegungen ungeheure Be-
deutung, denn von ihrer richtigen Beantwortung hing es ab,
ob das Unternehmen bei Kräften blieb oder allmählich seine

A.
        <pb n="101" />
        Substanz verschleuderte. Bei stabiler Währung ist dieses
Problem weit weniger bedeutungsvoll. Ja. es wäre völlig
hinfällig, wenn die Preisbewegungen sich innerhalb einer
Konjunkturperiode völlig ausglichen, also am Ende eines
solchen Zyklus wieder ebenso hoch wären wie zu Anfang;
denn dann würde sich der rechnerische Unterschied zwischen
dem Durchschnittspreis der Materialbewertung und dem
Tagespreis, der in schlechten Zeiten tiefer, in guten Zeiten
höher läge, ziemlich ausgleichen.

Nun aber zeigen die Preisbewegungen der meisten Güter
eine ziemlich deutlich steigende oder fallende Grundrich-
tung, den von der Konjunktur unabhängigen „Trend“. Be-
steht ein solcher, wird also ein Stoff abgesehen von allen
Konjunkturschwankungen im Lauf der Jahre und Jahrzehnte
etwa dauernd teurer, so muß eine Durschnittsbewertung
zum Tagespreis notwendig zu Verlusten führen. Denn für
den von der Bewertung festgesetzten und von der Nach-
kalkulation übernommenen Selbstkostenpreis kann man sich
ja dann immer nur noch geringere Mengen des Stoffes
wiederkaufen. Der Wiederbeschaffungspreis ist in diesen
Fällen die einzig mögliche Grundlage der Bewertung. Da
aber oft zwischen der Materialentnahme, an die sich die
Materialbewertung anschließt, und der Abrechnung des
Fabrikates weitere Erhöhungen des Preises liegen, kennt
man vielfach den Wiederbeschaffungspreis beim Bewertungs-
vorgang noch gar nicht. Am allerbesten und zweck-
mäßigsten hilft man sich daher bei solchen Vorgängen mit
Verrechnungspreisen, die man so ansetzt, daß eine spätere
Wiederbeschaffung ohne Verlust vor sich gehen kann. Frei-
lich klafft dann eine Differenz zwischen dem tatsächlichen
bezahlten Einkaufspreis, der dem Lager belastet wird, und
dem Bewertungspreis der Entnahme, der ihm gut gebracht
wird. Um diese aufzunehmen, muß man ein besonderes
Ausgleichskonto errichten, dessen Saldo mit zur Bestreitung
der späteren Einkaufsausgaben des Stoffes herangezogen
wird.

Genau entsprechend der Bewertung der ausgegebenen
Ware werden die Rücklieferungen der Werkstatt an das
Lager behandelt. Die bereits erwähnten Rücklieferungs-

! Brasch, Betriebsorganisation und Betriebsabrechnung

-
        <pb n="102" />
        zettel werden mit dem Gegenwert des noch brauchbaren
oder‘ des Abfallıhaterials bewertet und dem Lager belastet,
der Fabrikation erkannt. Notwendig ist hier wie beim Ge-

Materialwerte

Einkauf

Lohnwerte

Arbeiter-
annahme

Lager

Werkstätten

Material-
bewertung

Lohnbüro

Unkostenverrechnung

Nachkalkulation

Abb. 27.
samtmaterialverkehr eine eindeutige Bezeichnung der Roh-
stoffe und Teile. Denn sonst macht es der Materialbewer-
tungsstelle- große Schwierigkeiten, mit Sicherheit zu ‚er-
kennen, welche Warenart vom Lager entnommen worden
        <pb n="103" />
        ist; zeitraubende Rückfragen sind dann die Folge, da die
Bewertung mit richtigen Preisen unbedingt zuverlässig sein
muß, um zu richtigen Selbstkostenergebnissen zu gelangen.
Einheitliche Vorschriften für die Bezeichnung sämtlicher
vorkommenden Stoffe und Teile müssen daher heraus-
gegeben und dem Lager, der Werkstatt, der Materialbewer-
tung und der Nachkalkulation bekannt gemacht werden.

Den schematischen Gang der Materialbewertung wie der
Lohnabrechnung, zu der sich manche Parallele ergibt, zeigt
Abb. 27 an einem Flußlaufbild der Material- und Lohn-
werte einer Fabrik.

Grundlage der Lohnverrechnung bilden die Akkord- und
Lohnzettel, die ebenfalls vom Arbeitsbüro aus in die Fa-
prik gelangen. Die Quittung über die entnommene Leistung
bildet hier die Unterschrift des Meisters oder des Reyisions-
beamten über die einwandfreie Ablieferung richtiger Arbeit,
Die so gegengezeichneten Akkord- und Lohnzettel müssen
gleich den Materialzetteln von der technischen Einheit, hier
also den Arbeitsstunden und -minuten, auf den Geldwert
umgerechnet werden; dies geschieht im Lohnbüro.

Das Lohnbüro. Gleich der Materialbewertungskartei
in der Lagerbewertung befindet sich im Lohnbüro eine Be-
wertungskartei der verschiedenen Arbeiten bzw. eine Auf-
stellzng über die tariflichen Stundensätze der einzelnen
Arbeiter. Die Multiplikation der Arbeitszeiten, wie sie auf
den Akkordzetteln . vorgegeben sind, mit diesen Stunden-
sätzen ergibt den Lohnaufwand jedes einzelnen Akkordes
in Geld.

Die Technik der Lohnauszahlung sei hier nur kurz ge-
streift. Zunächst werden sämtliche Lohn- und Akkordzettel
nach Arbeitern sortiert und die in der Lohnperiode fertig-
gestellten Akkorde jedes einzelnen Arbeiters auf seiner
Lohnsammelkarte addiert. Die Gesamtzahl der abgear-
beiteten Stunden wird mit den gestempelten Stunden der
Arbeiterkontrolilkarte verglichen und hierauf der Lohnbetrag
in Geld ausgerechnet. Eine Lohnliste vereinigt werkstätten-

c) Die Lohnabrechnung
        <pb n="104" />
        weise die in der Lohnperiode auszuzahlenden Löhne sämt-
licher Arbeiter, und von diesen Bruttolöhnen werden die Ab-
züge für Krankenkasse, Invalidität, Steuern abgesetzt und er-
geben die Nettosumme der auszuzahlenden Löhne. Diese
Barsumme fordert das Lohnbüro nach Geldsorten von der
Kasse an, verteilt sie in die einzelnen Lohnbeutel oder Lohn-
tüten der Arbeiter und vermerkt auch auf diesen die Brutto-
beträge, die gesetzlichen Abzüge und den Nettolohn. Durch
maschinelle Längs- und Queraddition der Lohnlisten ist
eine weitgehende Kontrolle möglich, welche sich bei der
Lohnaufteilung, die im folgenden besprochen wird, noch-
mals wiederholt.

Die Lohnaufteilung. Unmittelbar nach der Lohn-
auszahlung beginnt die eigentliche Lohnverrechnung auf die
Selbstkosten, die uns in erster Linie interessieren. Zu-
nächst müssen die Löhne geschieden werden nach direkten
Fabrikationslöhnen, welche direkt dem Auftrag belastet
werden können, und nach Unkosten- oder Hilfslöhnen.
Hierzu werden sämtliche Lohnbelege erneut in zwei Teile
sortiert und getrennt addiert. Die Summe beider Additionen
muß auf den Pfennig genau der Summe der Bruttolöhne
entsprechen, welche soeben zur Auszahlung gelangte. Diese
Kontrolle bei der Lohnaufteilung bildet die Probe auf die
Richtigkeit der Lohnauszahlung.

Die direkt anrechenbaren Löhne — man nennt sie häufig
auch mit einem etwas schiefen Ausdruck die produktiven
Löhne — werden der Fabrikation direkt belastet; die Ent-
lastung erfolgt erst später durch die Nachkalkulation, wenn
die betreffenden Fabrikate fertiggestellt sind. Die Unkosten-
löhne erfahren die gleiche Behandlung wie das Unkosten-
material. Da sie nicht direkt auf Fabrikate verrechnet wer-
den können, müssen sie erst die Unkostenverrechnung
durchlaufen, um durch schlüsselmäßige Aufteilung in der
Nachkalkulation wieder der Selbstkostenberechnung ein-
gegliedert zu werden.

Die Lohnperiode. Hiermit schließt der Aufgaben-
kreis des Lohnbüros ab. In welchen Perioden die Lohn-
auszahlung erfolgt, hängt meist von dem örtlichen Tarif-
vertrag ab. Die Regel bilden die acht- oder vierzehntägigen

(MM
        <pb n="105" />
        Lohnperioden; in manchen Bezirken kennt man jedoch auch
die zehntägige Lohnperiode, die den großen Vorteil hat,
daß sie kalendermäßig mit dem Monat in Übereinstimmung
gebracht werden kann. Das Herübergreifen der andern
Lohnperioden über Monatsanfang und -ende bildet einen
empfindlichen Nachteil für die Unkostenverbuchung und
Selbstkostenberechnung. Die monatliche Erfolgsrechnung, die
mit dem Kalendermonat abzuschließen hat, ist gezwungen,
entweder sehr umständliche Umrechnungen vorzunehmen
oder entsprechende Unregelmäßigkeiten mit in Kauf zu
nehmen, wenn eine Lohnperiode sich über den Monats-
wechsel erstreckt. Anzustreben ist daher bei der Erneue-
rung von Tarifverträgen, so weit wie möglich die zehn-
tägige Lohnperiode einzuführen.

d) Die Unkostenverrechnung
Wir haben bisher bereits gesehen, daß es mit der Un-
kostenverrechnung eine andere Bewandtnis haben muß, als
mit der Verrechnung der Rohstoffe und Löhne. Denn, wenn
ein Teil der Material- und Lohnkosten, nämlich der Auf-
wand für Betriebsmaterial und Hilfslöhne in die Unkosten-
verrechnung fließt, so können die Unkosten unmöglich eine
so reine, in sich gleichartige Kostenart sein, wie jene beiden
andern Hauptkostenarten. Ferner sehen wir, daß es eine
einheitliche Unkostenbewertungsstelle, die der Material-
bewertung oder der Lohnbewertung, d. h. dem Lohnbüro
entspräche, nicht geben kann. Gelangen doch auch die Be-
lege der Hilfslöhne und des Betriebsmaterials bereits in be-
wertetem Zustand an die Unkostenverrechnung.

In der Tat trifft es in vollem Umfang zu, daß die Un-
kostenverrechnung innerhalb der Betriebsabrechnung eine
ganz besondere Stelle einnimmt. Wie die Unkosten sich
aus einem Gemisch der verschiedensten Kostenelemente zu-
sammensetzen, so verlangen sie entsprechend nach einer
ganz anderen Behandlung als die beiden Hauptkostenarten.
Die Frage, welchem Zwecke die Unkostenverrechnung dient,
hat Meyenberg in seinem Werk „Organisation und Selbst-
kostenberechnung von Maschinenfabriken‘“ so treffend be-
IO1
        <pb n="106" />
        antwortet, daß wir nichts besseres tun können, als hier wört-
lich zu zitieren:

„1. Um sich überhaupt über die Größe der Unkosten klar
zu werden, muß eine laufende sorgfältige Sammlung aller
Ausgaben stattfinden, die in das Gebiet der Unkosten fallen.

2. Um die so gesammelten Zahlen zweckmäßig verteilen
zu können, muß jene Sammlung von vornherein syste-
matisch nach ganz bestimmten Gruppen getrennt erfolgen.

3. Um späterhin bei einem Einzelvorgang in der Kalku-
lation den der Wirklichkeit möglichst nahekommenden Anteil
an Unkosten einrechnen zu können, muß für jede Unkosten-
gruppe eine Bezugsgröße bestimmt werden, die so be-
schaffen ist, daß ein gewisser Bruchteil von ihr für jenen
kalkulatorisch zu verarbeitenden Einzelvorgang von Be-
deutung ist,“

Die Unkostensammlung und Kontierung.
Um alle Unkostenaufwendungen an einer Stelle sammeln
zu, können, müssen sie leicht als solche erkennbar, also von
den direkten Aufwendungen auf den ersten Blick zu unter-
scheiden sein. Wie ermöglicht man dies? Man bedient sich
auch hier der schon vielfach erwähnten Betriebssymbole,
also etwa bestimmter Nummern, die sofort von den Auf-
tragsnummern abstechen müssen. Dieses erzielt man leicht
durch Wahl einer andern Stellenzahl, und es ist in der
Praxis meist üblich, die Auftragsnummern, welche zu-
nächst direkte Aufwendungen sammeln, fünfstellig, die sog.
Unkostennummern vierstellig zu wählen. Bei stets wieder-
kehrenden Belegen, die sowohl für Aufträge, wie für Un-
kosten in Umlauf gesetzt werden können, also in erster
Linie bei Material- und Akkordzetteln, kann man die Unter-
scheidung noch weiter erleichtern, indem man für die Un-
kostenbelege eine besondere Farbe wählt: Im Gegensatz
zu den fortlaufenden Auftragsnummern genügt für die Un-
kostenbelege eine immer wiederkehrende Gruppe von Num-
mern, man spricht daher auch von den sog. festen Un-
kostennummern.

Nun ist aber zweierlei interessant, was man sofort jedem
Unkostenbeleg ansehen will: Welche Art von Unkosten
ist entstanden und wo sind diese Unkosten entstanden? Um
        <pb n="107" />
        hierüber sofort Aufschluß zu haben, benutzt man fast durch-
weg ein besonderes Nummernsystem, das eine derartige
Auskunft durch die Art der Zusammenstellung seiner Zif-
fern gibt.

Wo entstehen Unkosten? Überall im Betriebe; jede Ab-
teilung kann und wird Unkosten verursachen. Jede Ab-
teilung erhält also eine bestimmte Nummer in diesem Sy-
stem. Was alles sind Unkosten von den vorkommenden
Aufwendungen? Eine Unzahl verschiedener Arten, deren
hauptsächlichste Gruppen sind:

Hilfslöhne
Betriebsmaterial
Reparaturen
Gehälter
Werbungskosten und Reisen
Postunkosten
Soziale Lasten
Steuern
Versicherungen
Zinsen
Abschreibungen
Auch diese Gruppen erhalten bestimmte Nummern. Man
setzt nun die Abteilungsnummern und Artnummern in der
Weise zusammen, daß die ersten am Anfang, die zweiten
am Ende stehen und sich so aus zwei zweistelligen ‘ Num-
mern eine vierstellige Nummer ergibt, welche genau er-
kennen läßt, welcher spezielle Aufwand hier vorliegt.

Solch ein Nummernsystem für eine Maschinenfabrik hat
etwa folgendes Aussehen:
A. Abteilungsaummern (Anfangsnummern)
für Unkostenstellen
20 Schmiede
21 Dreherei
22 Fräserei
23 Bohrerei
24 Schleiferei
25 Härterei

26 Schlosserei
27 Montage

30 Rohstofflager
31 Halbteillager
32 Fertiglager
33 Kraftzentralc

17
        <pb n="108" />
        34 Werkzeugbau
35 Revision

36 Warenannahme
37 Expedition

40 Betriebsleitung
41 Betriebsbüro
42 Arbeitsbüro

43 Fertigungsbüro
44 Akkordbüro

45 Normbüro

46 Einkauf

47 Lohnbüro

50 Direktion

51 Verkaufsabteilung
52 Korrespondenz

53 Kasse

54 Buchhaltung

55 Personalabteilung
56 Unkostenabteilung
57 Nachkalkulation

B. Artnummern (Endnummern)
für Unkostenarten
Hilfslöhne:
01 Kranbedienung

02 Elektrokarrenbedienung
03 Allgemeine Transportlöhne
04 Lagerlöhne

05 Verladelöhne

Betriebsmaterial :
11 Betriebskraft (Strom)
12 Gas und Wasser
13 Kohle
14 Beleuchtung
15 Öle und Fette
16 Benzin
17 Farben und Lacke
18 Putz- und Reinigungsmaterial

Reparaturen:
21 Gebäudereparaturen

22 Motorenreparaturen

23 Reparaturen des Starkstromnetzes

24 Reparaturen des Schwachstromnetzes

25 Werkzeugreparaturen

26 Reparaturen der Geräte und Einrichtungen

17 M
        <pb n="109" />
        Gehälter:
31 Feste Gehälter
32 Aufwandsentschädigungen
33 Tantiemen
34 Sonstige Prämien
35 Personal-Einstellungskosten
In ähnlicher Weise werden die übrigen Unkostenarten
weiter unterteilt.

Entstehen nun beispielsweise in der Dreherei Hilfslohn-
unkosten durch Kranbedienung, so werden die betreffenden
Lohnzettel ausgezeichnet mit der Unkostennummer 21 —
Dreherei, 01 — Kranbedienung, erhalten also die Nummer
2101. In ähnlicher Weise bezeichnen Materialzettel mit der
Nummer 3315 Ölentnahme für die Kraftzentrale oder Ge-
haltsquittungen mit der Nummer 4631 Gehälter für den
Einkauf.

Eine solche Unterteilung läßt sich beliebig weit durch-
führen; in ganz großen Fabriken wird man mehr als
99 Abteilungen haben und daher vielleicht dreistellige
Anfangs- und Endnummern wählen. Die Unkostenbelege
würden dann mit einer sechsstelligen Zahl gekennzeichnet
oder, wie man sagt, kontiert sein, da die genannten Unter-
teilungen nichts anderes als Unterkonten des einen großen
Unkostenkontos sind. Allerdings sei davor gewarnt, allzıt
weitgehend zu unterteilen, da dies die notwendige rasche
Übersicht für die Betriebsleitung erschwert.

Nach unserm System würden nun alle mit vierstelligen
Kontierungen ausgezeichneten Belege zur Unkostenver-
rechnung wandern. Die Quellen dieser Belege sind freilich
ganz verschieden. Die Material- und Lohnzettel laufen nach
ihrer Bewertung und Scheidung von den Auftragsbelegen
zur Unkostenverrechnung. Die Aufwendungen für Reparatur-
aufträge werden ihr zugeleitet, wenn sie nachkalkuliert sind;
will man es sich bequemer machen, so läßt man sie auch
direkt laufen und addiert sie einfach maschinell nach
Material und Löhnen in der Unkostenverrechnung.

Gehälter- und Personalkosten liefert das Personalbüro
oder die Kasse, eingehende Rechnungen, nachdem sie vom

*
        <pb n="110" />
        Einkauf geprüft und für richtig befunden sowie von der
Buchhaltung angewiesen sind, diese. letztere Abteilung.
Wieder anderes kommt in der Form von ‚Buchungsaufgaben
meist ebenfalls von der Buchhaltung, und die Abschrei-
bungen werden nach einmal festgelegten Schlüsseln erfaßt.

Die Unkostenaufteilung. Fast stets geschieht
diese umfangreiche Arbeit in einer besonderen Abteilung,
der Unkostenbuchführung oder Unkostenabteilung.
Bevor diese mit der eigentlichen Aufteilung beginnt, hat sie
sich die Frage vorzulegen, ob alle bei ihr einlaufenden Auf-
wendungen den Betriebsunkosten zuzurechnen sind oder ob
nicht einige dieser Aufwendungen „aktiviert“ werden, d.h.
den Vermögenskonten der Unternehmung belastet werden
sollen. Denn es laufen ja in der Form von Rechnungen
oder fertiggestellten Betriebsaufträgen regelmäßig Aufwen-
dungen bei ihr zusammen, die teilweise eine Vermögenser-
weiterung darstellen, z. B. wenn neue Arbeitsmaschinen ge-
kauft oder im eigenen Betriebe hergestellt worden sind.

Die Entscheidung darüber, was den Anlagekonten be-
lastet und was den Betriebsunkosten zugerechnet werden
soll, wird meistens der Geschäftsleitung obliegen. Die Un-
kostenabteilung hat die zweifelhaften Belege auszuscheiden
und ihr vorzulegen, bevor sie. an die ‚eigentliche Auf-
teilung der Betriebsunkosten herangeht.

Diese geht vor sich, indem die Unkostenbuchführung
nun zunächst jeden Unkostenbetrag in Unkostenbücher
nach Abteilungen und Unkostenarten einträgt und die End-
summen nach Lohnperioden oder meistens monatlich
addiert. Erleichtert wird diese Aufgabe, wenn man die ge-
samten Material- und Hilfslohnzettel sowie die gesamten
Reparaturkostenzettel lediglich nach Abteilungen und Arten
addiert und in je einer Gesamtsumme in diese Bücher ein-
trägt, so daß für die Einzeleintragungen dann nur noch
Lieferantenrechnungen, abteilungsweise zusammengefaßte
Gehaltssummen, Reisekosten, Steuern, soziale Lasten usw.
übrigbleiben.

Die Gesamtbeträge werden nunmehr in Unkostentabellen
eingetragen, die nach Art der Abb. 28 unterteilt sind. Fine

6
        <pb n="111" />
        Unkosten-Aufteilung für Monat Nov. 1927

Werkstatt

Hilfslöhne
Betriebsmaterial
Reparaturen
Gehälter

Schiniede | Härterei

Dreherei
117,80 23,302
515,—

7C
43,30
330.

1 2

2250 6
Bohrerei ‘ Fräserei SEE

N !
220,-
“3, —
a L20,—

af

50.

* 350.—

17
Schlos-
serei

18
Montage

390.
607,—
67,20 112, —
16.20 43.10
250. —| 800.—

Summen
RM
3721,75
2709,80
4697,40
YA

Werbungskosten
Postunkosten
Soziale Lasten

120. —)

GO —

SA

SO

A.

fi —

SI)

66. —

253506.

Steuern
Abschreibungen
Summen AK
Direkte Löhne PM
Demnach Unkostensatz %,

190,— 130, —|1000,—! 830,—. 750.— 750 27,—) 108.—
LT — ZZ
1336, 10|1183,10 5653.35 2532.20 2477.70:2966,— 11160,40\2034,10
1672.50 580.70 4850. — 2276.40 1418.80 1223.90 2017.5014631,—

3773,—-
20342,95
19620,80
uf 2094 2 47 tt 76 an N 44 | LO
Ahh. 928.
        <pb n="112" />
        solche Tafel enthält für einen bestimmten Zeitraum, meist
für einen Monat, sämtliche Unkosten in der Weise, daß eine
Addition der Längsspalten die Unkostensumme der einzelnen
Abteilungen, eine Addition der Querspalten die Summen
der einzelnen Unkostenarten ergibt.
Wie man sieht, ist eine solche Aufteilung nicht schwierig.
In der Praxis stellt sie sich natürlich viel verwickelter dar.
Die gewissenhafte Kontierung, ihre Prüfung durch die
Unkostenabteilung ist oft nicht einfach; beim besten Willen
unterlaufen manchmal Aufwendungen, die in das allgemeine
Schema nicht einzugliedern sind. Man richtet deshalb eine
Hilfsstelle ein: Allgemeiner Betrieb, und eine Hilfsart: Ver-
schiedene Unkosten, in denen man derartige Beträge unter-
bringt. Jedoch ist streng darauf zu achten, daß man diese
Verlegenheitskontierungen nur in den seltensten Fällen
zuläßt; denn man würde es sonst erstaunlich finden, was
sich da alles ansammelte, wenn die Unkostenabteilung hier
nicht größte Gewissenhaftigkeit übte.
Die Zuschlagsberechnung. Die Unkostensummen
sind nun nach jeder Richtung hin vorhanden. Was ge-
schieht aber weiter mit ihnen? Sie müssen ja zur Ermittlung
der Selbstkosten der Fabrikate auf die verschiedenen Kosten-
träger, also die Aufträge verteilt werden. Hierzu geht
man von der Überlegung aus, daß jedem Aufwand in der
Produktion eine bestimmte Unkostenmenge zuzuordnen ist.
Die Bezugsgröße dieser Zuordnung kann außerordentlich
verschieden gewählt werden. Man kann die Unkosten nach
dem Platzbedarf der verschiedenen Fabrikate verteilen, wenn
diese sperrig sind und daher andern Fabrikaten den Werk-
stattplatz wegnehmen, wie bei Schiffswerftbetrieben. Man
kann die Unkosten auf die Arbeitsstunde des Arbeiters oder
bei stark mechanisierten Betrieben auf die Maschinenarbeits-
stunde verteilen, indem man etwa davon ausgeht, daß jede
Maschine an Kraft, Wartung, Betriebsmaterial, Reparatur
einen bestimmten Unkostenbetrag verzehrt. Am beliebtesten
ist jedoch der Bezug auf die direkten Fabrikationslöhne
oder, wie man vielfach sagt, auf die produktiven Löhne, die
für eine Auftragsnummer ausgegeben werden. Vieles
        <pb n="113" />
        spricht zwar gegen diese Aufteilung, besonders die Über-
legung, daß einer bestimmten Lohnsumme ganz verschiedene
Unkostensummen zugeordnet sind, je nachdem sie an teuren
und im Betrieb kostspieligen Maschinen abgeleistet werden
oder in Handwerkstätten. Unterteilt man jedoch die Werk-
stätten nach diesen Gesichtspunkten, wie das ja die Regel
ist, so ist die Verteilung der Unkosten auf die direkten
Löhne so leicht, angenehm und rechnerisch zuverlässig, daß
man mit Recht immer wieder auf dies Verfahren zurück-
greift. Erspart man doch jede besondere Ermittlung, da
man ja die Summe der direkten Löhne unmittelbar aus den
Aufstellungen des Lohnbüros gewinnt, sich also gewisser-
maßen ein Abfallprodukt der Lohnauszahlung zur Selbst-
kostenrechnung zunutze macht.

Man setzt also die direkten Löhne jeder Werkstatt in ein
Verhältnis zu den gleichzeitigen Unkosten und errechnet
so einen sog. Unkostenprozentsatz, wie es aus den letzten
beiden Zeilen der Tafel Abb. 28 ersichtlich ist. Dieser
Prozentsatz ergibt jeweils das tatsächliche Verhältnis der
Unkosten zu den direkten Löhnen und ermöglicht eine Nach-
kalkulation der Aufträge nach den tatsächlichen gesamten
Aufwendungen. Der Prozentsatz wird für die Werkstätten
ganz verschieden sein. In einer Metallwarenfabrik etwa
wird er für die Stanzerei und Zieherei sehr hoch sein, da
hier die Unkosten für die Bedienung und Instandhaltung der
maschinellen Einrichtung erheblich sind. Geringer werden
sie schon in der Klempnerei sein, wo Handarbeit überwiegt,
und am geringsten in der Fertigmontage, wo die Kraftkosten
und jeder Unterhaltungsdienst fast ganz wegfällt.
Nun gibt es aber eine Reihe von Hilfsbetrieben und
Abteilungen, in denen wohl Unkosten, nicht aber direkte
Fabrikationslöhne entstehen. Ein prozentuales Verhältnis
kann daher hier nicht ausgerechnet werden, bevor man nicht
diese Unkosten in irgendeiner Weise auf die produktiven
Werkstätten aufgeteilt hat. Man sagt sich, daß letzten Endes
alle diese Unkosten nur dazu da sind, um diesen Werkstätten
die produktive Arbeit zu ermöglichen, daß also der Aufwand
etwa für die Kraftzentrale, das Arbeitsbüro, den Einkauf

A
        <pb n="114" />
        usw. auf die produktiven Werkstätten umgelegt werden muß,
um deren wahre Gesamtkosten zu erkennen. Auch hier kann
der Schlüssel der Umlegung gänzlich verschieden gewählt
werden; am einfachsten und beliebtesten ist die Umlegung
im . Verhältnis der in den einzelnen Werkstätten ent-
stehenden produktiven oder direkten Löhne. Oft unterteilt
man weitgehend, indem man etwa die Unkosten des Roh-
stofflagers nur denjenigen Werkstätten belastet, welche mit
ihm zu tum haben, ähnlich die des Halbteillagers nur den
Werkstätten, welche Halbteile abliefern und empfangen.
Die Kraftzentrale kann man etwa nach dem Kraftbedarf der
Maschinen innerhalb der Werkstätten, das Lohnbüro nach
ihrer Arbeiterzahl kostenmäßig aufteilen usw. In kleineren
und einfacher organisierten Betrieben wird es jedoch durch-
aus genügen, sämtliche Abteilungsunkosten der Hilfsbetriebe
und Büros in einer Summe zusammenzufassen und diese
Summe nach dem Schlüssel der direkten Löhne auf die
eigentlichen Fabrikationswerkstätten umzulegen. Wir er-
halten dann ein Rechnungsschema nach Abb. 29, das uns
jetzt endgültigen Aufschluß über die Unkostenprozente
gibt, welche wir bei der Nachkalkulation der tatsächlichen
C(iestehungskosten zu verrechnen haben.

Nicht immer begnügt man sich damit, sämtliche Zu-
schläge auf die Löhne zu verrechnen. Es kann besonders
bei Arbeiten an sehr sperrigen und schweren Stücken der
Fall eintreten, daß die direkten Bearbeitungslöhne sehr
gering sind, und daher auch nur ganz geringe Lohnzu-
schläge auf das Stück als Unkosten verrechnet werden,
welche nicht annähernd der Mühe entsprechen, die man mit
dem Transport des schweren Stückes vom Lager an die
Bearbeitungsmaschinen und weiter zum Versand hat. Man
verfährt dann gern so, daß man alle Unkosten, welche durch
reine Materialbewegung entstehen, also die Betriebsun-
kosten der Warenannahme, der Lager, aller Transporte,
des Versandes und des Fuhrparks getrennt erfaßt und sie
dem Gesamtwert des bewegten Materials gegenüberstellt,
wodurch sich ein prozentualer Zuschlag auf das in die
Fabrikation gelangende Material ergibt, der sog. Material-
zuschlag.
        <pb n="115" />
        Werkstatt

Summe der
direkten
Werkstatts-
Unkosten in
PM

zuzüglich

Summe der
Hilfsbetriebs-
u. Büroun-
kosten in AM
ergibt Ge-
samt-Be-

triebsunko-

sten in AM

Direkte Löhne
in AM

Demnach Ge-
samtunko-
stensatz in %

24
Schmiede

12
‚ Härterei

4
Dreherei

1336.10‘ 1183.10 5653.35

1180.— | 370. —

32500. —

2516.10 1553.10

0153.35

1672.50 530.70 | 4850. —

1 AU

3}

4+%
Bohrerei

5
Fräserei

2532.20 2477 70

1680, —

1050, —

4212.20

35027 70

2976.40 1418.80

AL

10 17
Schleiferei [Schlosserei

‘5
Montage

92066. ——

1160.40

' 9034.10

860

1400). —

3250 —

3826 —

2560.40 5284.10

1223.90

2017.50

4831 is

‚144

Summen

{20 342,95

| 73290. —

[33 632.95

119 620.80

174

A
van
nd
Abb.

29,
        <pb n="116" />
        In solchen Betrieben rechnet man also sowohl mit einem
Materialzuschlag als mit einem Lohnzuschlag. Selbstver-
ständlich sind im letzteren nicht mehr die Unkostenbeträge
erfaßt, die durch die Materialbewegung hervorgerufen
werden. Man setzt sie vor Errechnung der Lohnzuschläge
in vollem Umfang ab.

Es bleiben noch einige Worte über die Verwaltungs- und
Vertriebsunkosten zu sagen, die streng genommen aus dem
Rahmen der eigentlichen Betriebsabrechnung herausfallen.
Ausgehend davon, daß diese Unkosten nicht in einem di-
rekten Verhältnis zur Produktion, also zu den direkten
Fabrikationslöhnen stehen, pflegt man sie auch nicht pro-
zentual diesen Löhnen gegenüberzustellen, sondern ver-
rechnet sie getrennt und setzt sie in ein Verhältnis zum ge-
samten Fabrikationsumsatz. Sie erscheinen daher auch nicht
in der Berechnung der prozentualen Werkstattunkosten;
bei der Behandlung der Nachkalkulation werden wir sehen,
in welcher Weise man sie berücksichtigt.
Die Arbeit der Unkostenabteilung ist hiermit beendet. Sie
hat sämtliche Unkosten einmal nach Arten, einmal nach Ab-
teilungen aufgeteilt und sie schließlich zu den direkten
Löhnen in monatlichen Abständen derart in ein festes pro-
zentuales Verhältnis gebracht, daß wir nunmehr in der Nach-
kalkulation mit der Selbstkostenberechnung der einzelnen
Fabrikate beginnen können.

e) Nachrechnung und Erfolgsrechnung
In der Nachkalkulation laufen nunmehr alle Kostenr
unterlagen zusammen, die sich auf Aufträge beziehen, in
erster Linie also natürlich die Material- und Lohnkosten,
dann aber auch die Unkosten in Gestalt von prozentualen
Zuschlägen, wie sie von der Unkostenabteilung errechnet
worden sind. Da sämtliche Kosten eines Betriebes letzten
Endes von Aufträgen getragen werden müssen, vereinigen
sich hier also die gesamten Erzeugungs-Selbstkosten der
Fabrikation.

19
        <pb n="117" />
        Die geordnete Kenntnis dieser Selbstkosten vermittelt
die Nachkalkulation, indem sie auf der Grundformel der
Selhbstkostenrechnung aufbaut:
Selbstkosten = Material + Lohn + Unkosten.

Ihr obliegt die Verteilung dieser Selbstkosten auf die
einzelnen Kostenträger, die Aufträge, wobei wir als Reprä-
sentanten aller möglichen Auftragsarten wieder den Fabri-
kationsauftrag verfolgen wollen. Selbstverständlich werden
in der Nachkalkulation jedoch die Selbstkosten sämtlicher
Aufträge, gleichviel welcher Art, ermittelt, also auch der
Betriebsaufträge für den eigenen Bedarf (Herstellung von
Werkzeugen, Sondermaschinen, Einrichtungen und größere
Reparaturaufträge). Die formale Behandlung ist überall
die gleiche.

DieNachrechnung der direkten Fertigungs-
kosten. Die bewerteten Materialzettel und ausgezahlten
Lohn- und Akkordzettel werden nach Aufträgen sortiert und
entweder laufend zusammengestellt und addiert, oder erst
dann, wenn ein Auftrag die Fabrikation durchlaufen hat und
der Nachkalkulation als fertig gemeldet ist. Mit der un-
kritischen Addition dieser Zettel ist es natürlich nicht getan.
Man bedarf eines Dokumentes, an dessen Hand man prüfen
kann, ob die Unterlagen, deren jede ja für den Betrieb
einen Aufwand darstellt, zu Recht ausgeschrieben und ver-
rechnet worden sind. Ein solches Grunddokument bildet in
den meisten Fällen die Stückliste, deren einzelne Positionen
mit dem Text der Materialzettel verglichen werden, so daß
etwaige unrechtmäßige Entnahmen sofort auffallen. Ver-
zichtet man in einem Betriebe auf Materialzettel und be-
dient sich statt ihrer der Lagerstückliste, so verläuft diese
Kontrolle noch zwangläufiger und einfacher. In diesen
Fällen werden auch weniger Fehler bei der Materialausgabe
unterlaufen, denn das Ausschreiben der Materialzettel in
der Arbeitsvorbereitung, also eine reine Abschreibearbeit,
fällt weg, und mit jedem Abschreiben ist nun einmal ein
gewisser Prozentsatz von Fehlern verbunden.

In straffer organisierten Betrieben mit größerer Serien-
oder Massenfertigung, in denen der Fertigungsplan, die

&amp; Brasch. Betriebsorganisation und Betriebsabrechnuneg.

‚13
        <pb n="118" />
        Werkliste oder ein Öperationsplan die Betriebsunterlage
bildet, wird dieser zum Vergleich der Material- und Akkord-
zettel herangezogen, und Punkt um Punkt wird jeder
Arbeitsgang mit den Kostenbelegen verglichen. Dabei emp-
fiehlt es sich von Anfang an, Mehraufwand durch Aus-
schuß oder falsche Arbeit, also Material- und Lohnmehr-
kosten getrennt von den übrigen Aufwendungen je Auftrag
zu erfassen.

Die Unkostenzuschläge. Hierauf schreitet man
zur eigentlichen Unkostenaufteilung auf die Kostenträger.
Zu jedem Arbeitsgang verrechnet man in der Form von
prozentualen Zuschlägen, wie sie die Unkostenabteilung
liefert, einen Teil der Betriebsunkosten. Diese können
in einer Ziffer auf die Endsumme der Auftragslöhne ge-
schlagen werden, wobei sich z. B. folgendes Bild ergibt:
Löhne des ganzen Auftrags 100 AM,
Betriebsunkosten 200% == 200 AM,
oder sie können nach Werkstätten unterteilt den Löhnen
der einzelnen Arbeitsgänge zugeschlagen werden. Eine
sölche Nachkalkulation sieht etwa folgendermaßen aus:

Löhne Unkosten Unkosten Gesamtkosten
ohne Material
AM
Schmiede
Großdreherei Br
Kleindreherei 50
Fräserei 17
Schlosserei F
Summe . 102

RM

A
x

30
100
90
60

206
BC

Zr

A

SE

Die Form dieser Zusammenstellung kann ganz verschieden
gewählt werden. Gebräuchlich sind Anhänger an die Stück-
liste, die etwa dem Akkordauszug entsprechen und in den-
selben Spalten wie dieser die einzelnen Aufwendungen
aufnehmen, oder besondere Spalten des Fertigungsplans,
die etwa dem obigen Bild entsprechen. Eine rohere Form
        <pb n="119" />
        läßt lediglich die betreffenden Positionen der Stückliste
und des Akkordauszugs vom Nachkalkulator abhaken und
die Gesamtheit der Material- und Akkordzettel zu je einer
Summe addieren.

Die Nebenkosten. Außer diesen Hauptkostenarten
treten freilich meist noch sog. Nebenkosten auf, die eben-
falis in der Nachrechnung dem Auftrag belastet werden
müssen. Dies sind Kosten für Verpackung und Frachten,
besondere Einrichtungen und Sonderwerkzeuge, Modelle
und Versuche, sofern sie im Betrieb für einen Auftrag nötig
waren. Eine Reihe mehr kaufmännischer Nebenkosten
schließt sich an, die auch in reinen Fabrikationsbetrieben
meist nicht fehlen, nämlich Provisionen, Lizenzen, Reisen
und Umsatzsteuer. Sie sind sämtlich bar oder nach ihrem
prozentualen Verhältnis einzusetzen; als Unterlage dienen
die Originalrechnungen oder abgerechneten Betriebsaufträge
für Sonderwerkzeuge und Modelle, die Frachtbriefe für die
Frachtkosten, die Reiseabrechnungen und Provisionsgut-
schriften.

Die Rückstellungen. Eine vorsichtige Betriebs-
leitung wird wissen, daß häufig unvorhergesehene Zwischen-
fälle besondere Kosten verursachen, die dem Auftrag zur
Last fallen. Trotz sorgfältigster Kontrolle können falsch
bearbeitete Teile an den Kunden gelangen, Reklamationen
können die Entsendung eines besonderen Monteurs zur
Folge haben, Reisen und Nacharbeiten lassen sich niemals
gänzlich ausschalten. Ein abgerechneter Auftrag vermag
also auch noch Nachleistungen zu verursachen, denen eine
gewissenhafte Nachkalkulation unbedingt Rechnung tragen
muß, Dies geschieht durch das Einsetzen besonderer Rück-
stellungen für Nachleistungen und Garantien in der Nach-
kalkulation jedes Auftrags. Die Höhe dieser Rückstellungen
kann nicht der rein kaufmännischen Nachkalkulation über-
lassen bleiben; sie ist für jeden Auftrag oder für jede
Erzeugnistype von der Geschäftsleitung festzusetzen. Wird
sie später nicht benötigt, so verbessert sich das Abrech-
nungsergebnis des Auftrags, im andern Falle ist man vor
der unangenehmen Überraschung bewahrt, nachträglich nicht
einkalkulierte Geldausgaben aufwenden zu müssen.

In
        <pb n="120" />
        Ein derartig nachkalkulierter Auftrag ist in nachstehendem
Beispiele wiedergegeben:

Material

Löhne . .

Betriebsunkosten

Verpackung

Frachten . .

Modelle und Einrichtungen.

Reine Fertigungskosten

Verkaufsunkosten 20%

Lizenzen 2%

Provisionen 5%

Umsatzsteuer 1%

Zusammen: also vom. Endpreis 8% 237
2367

„100°

24687

RM
1000
200
430

50

40
„55
1775
355

Rückstellungen

Von Bedeutung ist es, die Nachkalkulation nach dem
gleichen Schema abrechnen zu lassen, wie dies in der Vor-
kalkulation angewendet wird. Beide müssen nach denselben
Grundsätzen aufgestellt sein und im Bilde übereinstimmen,
um Vergleiche zu ermöglichen.

Echandlung der Unkostenzuschläge, Die von
der Unkostenabteilung errechneten tatsächlichen Unkosten-
zuschläge schwanken natürlich dauernd stark in jedem
lebendigen Betrieb. Bei höherer Beschäftigung werden sie
niedriger erscheinen, bei schlechter Beschäftigung höher,
und außerdem werden sie durch unendlich viele Einzel-
heiten beeinflußt, wie etwa die Auszahlung besonderer Ab-
findungssummen oder Gratifikationen in einem Monat, die
Verbuchung besonders großer Stromrechnungen ‘ oder
Steuern. Wenn man auch durch Einführung von Verrech-
nungskonten solche stoßweisen Belastungen möglichst auf
einen längeren Zeitraum, also auf mehrere Monate verteilt,
so bleiben doch in der Praxis stets noch starke Unter-
schiede in den Unkostenprozenten bestehen.
        <pb n="121" />
        Lange hat man in der Nachkalkulation mit diesen schwan-
kenden Betriebszuschlägen gerechnet. Man war sehr stolz,
wenn man in dem einen Monat etwa als Prozentsatz 23700
festgestellt und der Nachkalkulation zugrunde gelegt hatte,
bis man im nächsten Monat sehr rasch sah, daß dies Ver-
hältnis inzwischen auf 183 gesunken oder vielleicht gar auf
304 gestiegen war. Dann begann das Spiel von neuem. Na-
türlich rechnete da ein und derselbe Auftrag, je nachdem in
welchen Monaten er von der Nachkalkulation bearbeitet
wurde, einmal gut, einmal schlecht ab. Eine Übersicht über
den Betriebserfolg war dem Betriebsleiter damit fast gänz-
lich unmöglich und das Mißtrauen vieler Betriebsingenieure
gegen die gefürchtete Nachkalkulation erklärt sich zu einem
guten Teil aus dieser falschen Handhabung.

Auch preistechnisch war jenes Vorgehen falsch. Man
kann unmöglich bei schlechter Beschäftigung, also schwacher
Konjunktur, sich hohe Selbstkosten ausrechnen und diese
wemöglich vom Kunden. verlangen. Der Erfolg wird nu
sein, daß noch weniger Aufträge eingehen, der Beschäfti-
gungsgrad weiter sinkt und die tatsächlichen Betriebszu-
schläge weiter steigen. Gerade in schlechter Zeit muß man
aber sehen, möglichst viel Aufträge hereinzubekommen, um
wenigstens einen Teil der weiterlaufenden festen Unkosten
zu decken.

Man rechnet daher heute durchweg mit sog. Normal-
zuschlägen ab, die dem Idealzustand normaler Beschäfti-
gung entsprechen. Sie werden nach sorgfältiger Überlegung
so festgesetzt, daß sie bei normaler Beschäftigung den Be-
trieb ohne Verlust arbeiten lassen, und sowohl der Vor-
wie der Nachkalkulation zugrunde gelegt. Die Praxis sieht
freilich stets anders aus; denn der Idealfall normaler Be-
schäftigung ist ja eine Fiktion, die niemals absolut erreicht
wird, in Wirklichkeit wird die tatsächliche Beschäftigung
bestenfalls um die Nähe der Normalbeschäftigung pendeln
Rechnet nun die Nachkalkulation mit normalen Zuschlägen,
während die Beschäftigung z. B. ein wenig geringer als
normal ist, so wird die Summe der abgerechneten Aufträge,
da die tatsächlichen Zuschläge höher liegen werden, nicht
sämtliche Betriebsunkosten vermittels der Zuschläge auf die

17
        <pb n="122" />
        Aufträge verteilen können. Wir müssen uns also ein Re-
servoir schaffen, in dem wir die wirklichen Unkosten sam-
meln und aus ihm auftragsweise mittels der normalen Zu-
schläge entnehmen, bis ein kleiner Rest übriggeblieben ist,
der durch die bewußt zu niedrigen Betriebszuschläge nicht
gedeckt werden konnte.
Die Erfolgsrechnung. Wir kommen damit zu einer
wichtigen Überlegung für die Erfolgsrechnung. Was will
diese? Bisher haben wir in der Nachrechnung die Selbst-
kosten der einzelnen Aufträge ermittelt, also die Leistungs-
oder Stückkosten. Jetzt wollen wir erfahren, wie sich unsere
Gesamtkosten gestalten. Dies geschieht nicht laufend, wie
bei den einzelnen Aufträgen, die so zur Nachkalkulation ge-
langen, wie sie fertig werden, sondern nur in periodischen
Abständen. Der jährlichen Erfolgsrechnung, wie sie jedes
Unternehmen gesetzlich aufzumachen verpflichtet ist, ent-
spricht im innern Betrieb meist die monatliche Betriebs-
Erfolgsrechnung, welche die Gesamtkosten der Aufträge
bzw. der gesamten Produktion den Gesamteinkünften gegen-
überstellt, um zu sehen, ob mit Gewinn oder Verlust ge-
arbeitet wurde. Formelmäßig stellt sich dieser Vorgang
durch die Gleichung dar:
Erlös — Aufwand = Erfolg
In reinen Fabrikationsbetrieben kann man nun nicht ohne
weiteres von einem Erlös sprechen, da der Verkaufserlös
der betreffenden Waren ja ein ganz anderer ist als der
Fabrikationserlös, wenn es einen solchen gäbe. Werden
doch in den Verkaufspreis Aufwendungen an Verkaufs-
unkosten, Provisionen, Lizenzen sowie Gewinne einkalku-
Hert, die mit dem Betrieb nichts zu tun haben und daher
in der Erfolgsrechnung das Bild des Betriebserfolges nur
trüben würden. In der reinen Betriebsabrechnung einer
Fabrik greift man daher zu anderen Mitteln. Entweder
verzichtet man überhaupt auf die Festsetzung eines Fabrik-
preises und setzt als solchen die tatsächlichen Aufwendungen
an Material, Löhnen, Nebenkosten sowie an normalen Be-
triebszuschlägen ein, also den von der Nachkalkulation nor-

‚8
        <pb n="123" />
        malerweise ermittelten Selbstkostenwert. Oder man geht
weiter und gibt der Fabrik einen Fabrikationspreis vor,
der in der Erfolgsrechnung als Erlös figuriert und der die
Werte enthält, die von der Vorkalkulation für den be-
treffenden Auftrag errechnet worden sind.

In beiden Fällen liegt das Schwergewicht auf der Rech-
nung mit den normalen Betriebszuschlägen, die, wie wir
gesehen haben, praktisch niemals mit den tatsächlichen
übereinstimmen. Die neuzeitliche Erfolgsrechnung für Fa-
brikbetriebe fußt damit durchaus auf der Vorstellung der
normalen, also möglichst günstigen Beschäftigung, bei der
die vorgeschätzten Normalzuschläge annähernd eingehalten
werden. Sie wird damit in erster Linie zu einer Beschäfti-
gungserfolgsrechnung. Ist der Beschäftigungsgrad normal,
so werden, vorausgesetzt, daß der Betrieb sorgfältig und
wirtschaftlich arbeitet, die festgesetzten Normalzuschläge
annähernd mit den tatsächlichen Zuschlägen übereinstimmen,
der reine Fabrikationsbetrieb wird daher weder mit einem
Gewinn noch mit einem Verlust abschneiden. In den aller-
meisten Fällen jedoch wird diese Übereinstimmung nicht
eine restlose sein. Bei einer geringen Unterbeschäftigung
z. B. werden nicht genug Erzeugnisse im Laufe des Mo-
nats hergestellt worden sein, um bei der Nachkalkulation
mit Normalzuschlägen die wirklichen Betriebsunkosten zu
decken. Es bleibt dann ein gewisser Betrag ungedeckter Be-
triebsunkosten übrig, der bei der Erfolgsrechnung mit ein-
bezogen werden muß. Wir hätten in solchen Fällen die
Pormel:
Erlös — normale Aufwendungen — ungedeckte Betriebs-
unkosten = Erfolg.

Ein Zahlenbeispiel möge dies veranschaulichen. Die Zif-
fern sind absolute, für einen größeren Betrieb könnte man
sich vorstellen, daß sie in 1000 AM ausgedrückt sind. Die
Betriebsaufwendungen innerhalb eines Monats betragen:
Material Lohn Unkosten normaler Zuschlagssatz
200 100 180 150%

119
        <pb n="124" />
        Die normalen Aufwendungen für die abgelieferten Fabri-
kate sind demnach:
Material 200

Lohn 100

normale Unkosten 150
Gesamtaufwand 450
Ungedeckte Unkosten bleiben demnach:
tatsächliche Unkosten. ... ....... . . 180
durch die Nachkalkulation gedeckte Unkosten 150
Rest an ungedeckten Unkosten ... . . . 30
Einem Erlös laut Nachkalkulation mit normalen
Zuschlägen von. . . „7. 450
stehen also gegenüber Gesamtaufwendungen von 480,
die ungedeckten Betriebsunkosten ergeben also
einen Betriebsverlust von 30.
In so einfach schematischer Form spielt sich freilich die
Erfolgsrechnung praktisch nie ab. Eine große Reihe weiterer
Überlegungen pflegen in ihr angestellt zu werden, die hier
zu schildern der Raum fehlt. In erster Linie ist es die Beob-
achtung und Entwicklung der Halbfabrikate, welche un-
bedingt bei einer Erfolgsrechnung herangezogen werden
müssen. Denn bisher haben wir nur von fertiggestellten
Erzeugnissen bzw. von fertig abgerechneten Aufträgen ge-
sprochen. Nun können aber in einem Monat verhältnis-
mäßig wenig Aufträge fertig werden, während gleichzeitig
sehr viele Aufträge in Angriff genommen werden und damit
der Wert der in Fabrikation befindlichen Waren, der Halb-
fabrikate, bedeutend steigt. Natürlich hat diese gegen den
Vormonat gesteigerte Fabrikation, wie sie in Perioden sich
bessernder Konjunktur die Regel ist, erhöhte Betriebsun-
kosten zur Folge, welche durch die geringe Zahl der fertig
abgerechneten Aufträge nicht gedeckt werden können. Man
muß also auch den Wert der Halbfabrikate mit zur Be-
urteilung des Beschäftigungsgrades und des Produktions-
umfanges heranziehen, d. h. die in den Halbfabrikaten
steckenden Löhne mit den Betriebsunkosten belasten.‘ Von
        <pb n="125" />
        großer Bedeutung sind diese Überlegungen für alle Be-
triebe, deren Fabrikate eine lange Durchlaufszeit haben, da
man sonst zu ganz falschen Ergebnissen gelangt. Manche
Unternehmungen gehen dabei so weit, daß sie jede einzelne
Werkstatt als ein besonderes Unternehmen auffassen, das
seine Fabrikate an ein Zwischenlager oder an die nächste
Werkstatt abliefert und gewissermaßen selbständig ab-
rechnet. Solche Betriebsabrechnungen pflegen sehr ver-
wickelt zu werden, weswegen wir hier nicht näher auf sie
eingehen wollen. Aber auch bei den einfachsten Methoden
der Erfolgsrechnung muß die Bewegung der Halbfabrikate
ständig mit erfaßt werden.

f) Betriebsbuchführung und Hauptbuchführung
Alle Vorgänge der Betriebsabrechnung, wie wir sie bisher
kennengelernt haben, pflegen in einer besonderen Betriebs-
buchführung zusammengefaßt zu werden. Nun besitzt jedes
Unternehmen eine Hauptbuchführung, welche die kaufmän-
nischen Unterlagen für die Bilanz und die Erfolgsrechnung
sammelt. Nichts wäre verkehrter, als beide Buchführungen
nebeneinander ohne den engsten Zusammenhang bestehen
zu lassen. Hier ist einer der wichtigsten Berührungspunkte
zwischen den kaufmännischen und den rein betrieblichen
Vorgängen und mit Recht wird daher von allen Betriebs-
wirtschaftlern der innigste Zusammenhang zwischen beiden
Buchführungen gefordert.
Die Betriebsbuchführung empfängt ihre ersten Unterlagen,
nämlich die Summe der Rohstoffvorräte und sonstigen
Lagervorräte, der ausgezahlten Gesamtlöhne und der Ge-
samtunkosten, von der Hauptbuchführung. Sie arbeitet das
gesamte Gebiet der Fabrikation und ihrer Kosten durch und
bereitet diese Ziffern so vor, daß sie jeden Einblick in die
inneren Betriebsvorgänge gestatten. Schließlich liefert sie
ihre Schlußziffern, nämlich den Fabrikationserlös, den Wert
der Fertigwaren und der Halbfabrikate sowie den Selbst-
kostenwert der einzelnen Kostenträger (Aufträge) wieder an
die Hauptbuchführung ab. Der durch die natürliche Or-
121
        <pb n="126" />
        ganisation gebotene Zusammenhang beider Buchführungen
hat demnach der zu sein, daß die Betriebsbuchführung einen
bestimmten Teil der Abrechnung von der Hauptbuchführung
zugewiesen erhält, also ein ganz fest umrissenes Gebiet des
Rechnungswesens erledigt, das aus der Hauptbuchführung
herausgeschält ist.
Da die Ausgangs- und Endziffern beider Buchführungen
gemeinsame sind, ist die Probe auf die Richtigkeit der Be-
triebsabrechnung durch eine Kontrolle der Hauptbuch-
ziffern gegeben. Die Betriebsbuchführung muß sich ge-
wissermaßen nach jeder Abrechnungsperiode, also meist
monatlich, auflösen, indem sie nach Abgabe ihrer Ziffern
an die Hauptbuchführung wieder mit einer neuen Abrech-
nung beginnt.

Während die Hauptbuchführung lediglich kontenmäßig
geführt wird, unterscheidet man in der Betriebsbuchführung
echte, also buchhalterische, und rein statistische Konten.
Nur die ersteren führen zur Weiterverarbeitung durch die
Hauptbuchführung. Die letzteren dienen als Unterlagen der
Betriebsstatistik und als Zwischenwerte für die Unkosten-
verrechnung und Nachkalkulation. Als Regel gilt, daß die
HMauptstadien der Fabrikation kostenmäßig durch buchhalte-
rische Konten erfaßt werden. Ausgehend von unserm An-
fangsschema (S. 89) erhalten wir auch hier besondere
Konten für die verschiedenen Kostenarten: Material, Lohn
und Unkosten. Wir gelangen damit zu folgenden buchhalte-
rischen Konten der Betriebsrechnung:
I. Anfangsstadium: Konto des Materialvorrats,
Lohnkonto,
Unkostenkonto.
2. Bewegungsstadium: Konto des Materialwerts der Halb-
fabrikate,
des Lohnwerts der Halbfabri-
kate,
der Unkosten, die zuschlags-
mäßig auf die Halbfabrikate
verrechnet werden.

Konto

‚22
        <pb n="127" />
        3. Endstadium:

Konto des Materialwerts der Fertigfabrikate,

Konto des Lohnwerts der Fertigfabrikate,

Konto .der Unkosten, die zuschlagsmäßig auf
die Fertigfabrikate verrechnet werden.
In vielen einfacheren Betrieben werden die Werte des Be-
vegungsstadiums in einem nicht weiter unterteilten Fabri-
cationskonto, die Werte der Fertigfabrikate ähnlich in einem
Fertigwarenkonto zusammengefaßt, eine Gepflogenheit, die
zwar einfache Abrechnungsmethoden zuläßt, aber jeden
Überblick über die innere Struktur des Betriebes unmög-
lich macht. Man unterteile daher stets so wie oben sche-
matisch angedeutet, d. h. erfasse den Wert der einzelnen
Kostenarten bei Halb- und Fertigfabrikaten getrennt.

Zu diesen buchhalterischen Konten treten weitere in Ge-
stalt eines Umsatzkontos und eines monatlichen Erfolgs-
kontos, welch letzteres dem Gewinn- und Verlustkonto der
Hauptbuchführung entspricht. Näher auf die ungemein inter-
essanten und vielseitigen Methoden der neuzeitlichen Be-
triebsbuchführung einzugehen, müssen wir uns versagen, da
dies den Rahmen der vorliegenden Arbeit bei weitem über-
steigen würde. Es sei hierzu auf das am Schluß des Büch-
leins aufgezeichnete Literaturverzeichnis verwiesen,

g) Budgetrechnung und Kostenpläne

Ursprung und Ausbau. Von Amerika her ist in
den letzten Jahren eine neue Methode der Betriebsrechnung
zu uns gelangt, die große Ähnlichkeit mit der Etatsrechnung
der öffentlichen Betriebe, also des Reichs-, Länder- und Ge-
meindehaushalts aufweist: die Budgetrechnung. Der Grund-
gedanke, ein Budget für betriebliche Vorgänge aufzustellen,
ist ja durchaus nicht neu, Die Vorkalkulation eines jeden
Auftrags nach Material- und Lohnverbrauch ist letzten
Endes nichts anderes als ein Haushaltsplan für die Ab-
wicklung eben dieses Auftrages, und die bei der Darstellung
der Nachkalkulation besprochenen Normalzuschläge fußen
auf der gleichen Überlegung, eine planmäßige Abwicklung
betrieblicher Vorgänge dem Abrechnungswesen zugrunde zu
legen.
3
        <pb n="128" />
        Die Budgetrechnung baut diesen gesunden Ge-
danken für alle Einzelheiten des Fabrikbetriebes weiter aus.
Sie stellt einen Etat nicht nur für den Kostenaufwand der
einzelnen Aufträge auf, sondern auch für die monatlich auf-
zuwendenden Unkosten, Anschaffungen und Umsätze. Der
große erzieherische Wert eines solchen Vorgehens ist nicht
zu verkennen. Nicht nur der Betriebsleiter, sondern auch
seine Mitarbeiter haben jetzt mit festen Ziffern zu rechnen.
die sie in der Produktion erreichen und im Aufwand nicht
überschreiten dürfen. Prämiensysteme für die Einhaltung
des Budgets unterstützen seine Wirksamkeit, und wenn auch
die idealen Ziffern oft nicht erreicht werden, so ist es für
die nächste Kostenperiode ungemein lehrreich, zu wissen,
wo man mit erhöhten Kosten gegenüber dem Voranschlag
zu rechnen oder ein Zurückbleiben des Umsatzes zu er-
warten hat.

Fabrik-Festpreise. Über die bereits erwähnten An-
sätze der Budgetrechnung hinaus ist der nächste Schritt,
jeden Fabrikationsauftrag dem Betriebe zu einem festen
Vorgabepreis zu erteilen. Es ist ganz leicht, diesen auf der
Vorkalkulation aufzubauen. Sie liefert die Werte, um den
festen Vorgabepreis zu errechnen, wobei man billigerweise
dem Betriebe eine geringe Spanne für unvorhergesehene
Kosten lassen soll. Bei der Abrechnung eines solchen Auf-
trags wird nun von der Nachkalkulation der feste Vorgabe-
preis mit den tatsächlichen Aufwendungen verglichen, so
daß sich sehr wohl ein Abrechnungsergebnis zugunsten oder
ungunsten des Betriebes ergeben kann. Er kann mehr Roh-
stoffe verbraucht haben, als vorgesehen, die Löhne können
überschritten worden sein, infolge von Ausschuß kann er
endlich eine geringere Stückzahl abgeliefert haben, als der
Auftrag ursprünglich umfaßte.

Wir erhalten jetzt auch in der Erfolgsrechnung einen
neuen Faktor, indem der Fabrikationsaufwand, selbst wenn
er mit den normalen Betriebszuschlägen abgerechnet wird,
durchaus nicht mehr mit dem Fabrikationserlös übereinzu-
stimmen braucht, der jetzt durch die Summe der festen Vor-
gabepreise dargestellt wird. Das Erfolgskonto beschränkt
sich also nicht mehr auf die Erfassung der ungedeckten

T
        <pb n="129" />
        Betriebsunkosten, sondern gibt auch einen Überblick über
das gewissenhafte Arbeiten des Betriebes selbst, nämlich ob
dieser mit den Vorgabepreisen ausgekommen ist Oder sie im
Material- und Lohnverbrauch überschritten hat. Die Erfolgs-
rechnung gewinnt damit ungemein an Farbigkeit und Inter-
asse, da sie jetzt das bietet, was der Betriebsleiter in ihr
sucht, nämlich einen Rechenschaftsbericht über seinen be-
vrieblichen Wirkungsgrad.

Die Kostenpläne. In einem ganz nach dem Budget-
verfahren arbeitenden Betriebe sind es besonders die Haus-
haltspläne für den Unkostenverbrauch, die unsere Aufmerk-
samkeit erregen. Dieser ist natürlich in erster Linie von
der Ausbringung des Betriebes, also seinem Beschäftigungs-
grad abhängig. Bevor also ein Unkostenbudget aufgestellt
werden kann, muß man sich klar darüber sein, mit welchem
Beschäftigungsgrad man in der nächsten Zeit zu rechnen
hat. Umfangreiche statistische Vorarbeiten sind notwendig, um
festzustellen, wie sich die Gesamtsumme der Unkosten bei
verschiedenen Beschäftigungsgraden verhält. Hat man diese
Unterlagen gesammelt, so heißt es, diese Gesamtsumme auf
die einzelnen Unkostenarten und die verschiedenen Unkosten-
stellen des Betriebes aufzuteilen. Denn einen Wert hat ein
solches Budget nur, wenn es jedem Betriebsassistenten und
jedem Meister möglichst detaillierte Angaben liefert, mit wel-
chen Verbrauchsziffern er auszukommen hat. Grundsätzlich
wird ein Unkostenplan für einen Monat oder für eine nicht
zu kurze Lohnperiode, also etwa über vier Wochen, auf-
gestellt. Als Maßstab des Beschäftigungsgrades dienen die
vorgeschätzten direkten Fabrikationslöhne, die natürlich nur
im Einvernehmen mit der Verkaufsleitung oder einer Sson-
stigen leitenden Stelle richtig angesetzt werden können.
Hierauf zeichnet man die statistische Entwicklung der ein-
zelnen Unkostenarten, also der Reparaturkosten, der Hilfs-
löhne, des Betriebsmaterials, der Gehälter auf, indem man
sie nicht nach Perioden, sondern in Abhängigkeit des Be-
schäftigungsgrades zusammenstellt. Solche Kurven werden
für die Hauptabteilungen des Betriebes bzw. für die einzelnen
Werkstätten hergestellt (Abb. 30), und ihnen entnimmt man
jeweils die in den Kostenplan einzusetzenden Beträge. Man
25
        <pb n="130" />
        schreibt bestimmte prozentuale Verhältnisse der Unkosten-
arten zu den direkten Löhnen vor, mit denen der Betrieb
sehen muß auszukommen. Diese planmäßigen Zuschläge
werden natürlich nicht etwa mit den normalen Betriebs-
zuschlägen übereinstimmen. Das kann nur der Fall sein,
wean der vorgeschätzte Beschäftigungsgrad annähernd dem
normalen entspricht. Während man aber keinem Betriebs-

Kosten,
in PM

8000

6000

DOC

200€

u löhn®
be
WS —
gep0 70“

- Mate

AP

Ca

a nt ha a)
S000 70000 15000 20000 25000
Beschäftigung in Arbeitsstunden.
Abb. 30. Entwicklung der wichtigsten Betriebsunkosten-Arten
bei steigender Beschäftigung.

leiter daraus einen Vorwurf machen kann, daß er die nor-
malen Betriebszuschläge nicht erreicht, — denn diese sind
ja in erster Linie abhängig von der Konjunktur, auf deren
Auswirkung der Betrieb keinen Einfluß hat —, ist er für die
Einhaltung der im Kostenplan festgesetzten Unkosten und
Betriebszuschläge voll verantwortlich zu machen. Die aus
den Kurven gewonnenen Ziffern setzt man in monatlichen
Kostenplänen soweit wie möglich unterteilt ein und gibt
diese an die einzelnen Betriebsingenieure, welche für die
Weiterleitung an die Meistereien und Unterabteilungen zu
sorgen haben (Abb. 31). Die Kontrolle des ‚tatsächlichen

€
        <pb n="131" />
        Kostenplan für Monat Mai 1927
vom 3. 5. bis 30. 5. 1927 (4 Wochen)

Herrn
Müller

Zusammen-
stellung

Unkosten ' Dir. Löhnel % ”
— Abteilung
9850.— 84000.— | 29 .
Zn Lu Schlossereren
10828.— | 87512.— | 27.5
„| " Teil- Haupt- in der
Schlosserei| montage Montage 1summe| Löhne
RM U TRM N RM RM
1600 ' 1200 ‘4000 6800 * 20
l 79,8

Voranschlag
Verbrauch
Kostenstellen

Voranschlag
Verbrauch
Summe
dto. 1. Wache
dto. 2. Woche
dato. 3, Woche
dto. 4. Woche
dto. 5. Woche
Voranschlag
Verbrauch ı
Summe
"to. 1. Woche
dato. 2. Woche
dto. 3. Woche
dto. 4. Woche
dto. 5. Woche
Voranschlag
“Verbrauch
Summe
dto. 1. Woche
dto. 2, Woche
dto. 3. Woche
dato. 4. Woche
x . Wache

1676

1824 © 4418 |
898 206 Je "1896 | 20
406° 314 1146 18,8
424 2 846 1008 17,6
488 2} 59 218

Hilfslöhne

300 | 7250 | 800
Sn
342 * 238328 | 821

1350

1491
365
3567
497

Hilfs-
material

82

74 . 199
88

“r

197
86

84

AP

42
91

98

18

269

38

600 | 400 1000

17001 5

1424} 28
48
32

410‘ 210 804

Reparaturen

7
22
46
12
‚or

41

87
116

ZB

an
250
Un
a1

148
167
978

34
9276

Gesehen | M. MM. M.
Abteilungs- i !
leiter 1LO2 03714

» Gesehen | g, | B. | B. iD.
Betriebs-
5. | A | |
Abb. 31.

3.

27
        <pb n="132" />
        Aufwandes ergibt, ob und wo die Unkostenpläne eingehalten
oder überschritten worden sind, so daß man an den rich-
tigen Stellen wirkungsvoll nachfassen kann.

Je rascher der Betrieb in den Besitz der tatsächlichen Ver-
brauchsziffern gelangt, um so besser wird er sich nach dem
Kostenplan richten können. Über die notwendige Geschwin-
digkeit in der Heranschaffung dieser statistischen Ziffern
siehe unter Statistik S. 131.

Die Erfahrungen mit der Budgetrechnung sind besonders
ın Europa noch nicht sehr umfangreich. Die amerikanische
Betriebswirtschaft ist des Lobes voll über die Wirksamkeit
von Haushaltsplänen für den Betrieb. In der Tat werden
den Meistern und Unterbeamten durch solche Pläne häufig
erst die Augen über einen Lebensnerv ihres Betriebes, näm-
lich über seine Kosten geöffnet, so daß sie bereits nach
kurzer Zeit volles Verständnis für die Gedankengänge des
Kostenplans haben und selbst in allen Einzelheiten für die
Einhaltung des Budgets sorgen, ja es durch Sparsamkeit zu
unterschreiten versuchen. Eine sinngemäße Anwendung muß
natürlich auch hier dafür sorgen, daß keine Nachteile ent-
stehen. So dürfen Ersparnisse an Reparaturkosten nicht
so weit getrieben werden, daß die Schlagbereitschaft des
Produktionsapparates darunter leidet. Von solchen Einzel-
heiten abgesehen jedoch können die Wirkungen von Kosten-
plänen für Betriebe jeder Art nicht hoch genug veranschlagt
werden. Geben sie doch erwünschte Gelegenheit, die Kluft
zwischen kaufmännischem und technischem Denken, die bei
den einzelnen Organen eines jeden Betriebes vorhanden ist,
zu überbrücken, indem auch der untergeordnete technische
Mitarbeiter daran gewöhnt wird, mit kaufmännischen Ziffern
zu denken und sie täglich zu seiner eigenen Prüfung vor
Augen zu sehen.
h) Auswertung und Statistik.
Wir haben die Vorbereitung, Ausführung und Abrechnung
des Fabrikationsprozesses in seinen hauptsächlichen Stadien
verfolgt. Jetzt schließt sich der Kreislauf der Organisation,
um zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Der Kreislauf des

8
        <pb n="133" />
        Geldes wird durch das Ausschreiben der Rechnung für den
fertiggestellten Auftrag geschlossen, durch deren Erteilung
und Eintreibung neues Geld zur Bestreitung neuer Rohstoffe
und Löhne in die Fabrik zurückfließt. Der Warenkreislauf
schließt mit dem Versand des fertigen Produktes an den
Kunden oder mit seiner Ablieferung an das Fertiglager, wWO-
fern es sich um Vorratsfabrikation handelt. Der geistige
Kreislauf der Organisation vollendet sich durch die Aus-
wertung und Statistik.
Der Sinn dieser Einrichtung ist eine laufende Verwertung
der im Betrieb gewonnenen Erfahrungen jeglicher Art. Sie
sprechen zu uns in wirtschaftlichen Unternehmungen vor-
wiegend in der Form von Ziffern und werden daher im
engen Anschluß an die Arbeit der Betricbsabrechnung ge-
wonnen. Eine ganze Reihe von Werten, welche die Un-
kostenverrechnung verarbeitet, so die Verteilung der Un-
kostensumme auf die einzelnen Kostenstellen und Unkosten-
arten, kann direkt für die Statistik benutzt werden; andere
Werte wieder müssen besonders berechnet und zusammen-
yestellt werden, um dem Betriebsleiter in knapper Form
eine dauernde Übersicht über die Arbeitsweise seiner Fabrik
zu geben.
Umfang der Statistik. Die hauptsächlichsten sta-
tistischen Werte, die ein jeder Betrieb benötigt, lassen sich
folgendermaßen gliedern:

|. Umsätze:

2. Aufwand.

Auftragseingang, fertiggestellte Auf-
träge, Auftragsbestand, alles in Geld-
ziffern.

Erzeugung und Versand in Gewichts-
ziffern oder Einheiten.
Direkter Aufwand: Materialverbrauch,
direkter Lohnverbrauch in Geldziffern.
Indirekter Aufwand: Unkosten nach
Kostenarten und Kostenstellen.
Tatsächliche Unkostenzuschläge.
(jedeckte und ungedeckte Unkosten.
L29
Braasch, Betriebsorganisation und Betriebsabrechnung
        <pb n="134" />
        Lagervorräte an Rohstoffen, Halb-
fabrikaten und Fertigwaren, in Fa-
brikation befindliche Waren, alles in
Geld- und Gewichtsziffern.
Ziffern der Kopfzahl und Lohn-
stunden. Durchschnittsverdienste. Ge-
leistete Überstunden.
Direkte Lohnstunden, absolut und im
Verhältnis zur Kapazität der Werk-
stätten. Das gleiche für die direkten
Lohnsummen.
Betriebsüberschüsse und Betriebsver-
luste.
Ausschußziffern, getrennt nach Ma-
terial- und Lohnausschuß Mehrlöhne
in Stunden und Geld, Budgetüber-
schreitüngen.

8. Terminüberschreitungen, Fehlerquellen, Reklamationen.

Es ist nicht möglich, bei abstrakter Betrachtung mehr als
diese allgemeinen Richtlinien für den Umfang einer Be-
triebsstatistik zu geben. Je nach Eigenart des einzelnen
Betriebes kann sie weit umfangreichere Aufstellungen um-
fassen und bei den einzelnen genannten Daten in weitestem
Maße aufs einzelne gehen. So sind Statistiken etwa über
den Verbrauch bestimmter Stoffe, über die Kosten der
Krafteinheit, die Anzahl der Reparaturaufträge ebenso mög-
lich wie Aufzeichnungen über die Lebensdauer von Spe-
zialwerkzeugen und Modellen, über Erfahrungen mit be-
stimmten Arbeitsmethoden, über Unfälle, deren Art und
Ursache usw. Eine Grenze läßt sich hier schlechterdings
nicht ziehen.

Keine Spielereien! Zu warnen ist jedoch davor,
die Statistik um ihrer selbst willen zu betreiben und ins
spielerische ausarten zu lassen. Jede lebendige Statistik muß
im engsten Zusammenhang mit den Tageserfordernissen des
Betriebes bleiben und sich sofort wandeln, wenn diese auf
eine neue Grundlage gestellt werden. Es darf nicht vor.

3. Vorräte:

240
        <pb n="135" />
        kommen, daß statistische Ergebnisse für ein Einzelgebiet
jahrelang weiter gesammelt werden, vielleicht nur, weil man
vergißt, der Statistik mitzuteilen, daß man aus den Er-
hebungen bereits einen endgültigen Schluß gezogen hat
und auf weitere Fortsetzung verzichtet. Ebensowenig dürfen
seitabliegende Gebiete eingehender statistisch behandelt wer-
den als dies für die lebendige Auswertung nötig ist; die
Statistik, die vom Betriebsmann oft mit einem gewissen Miß-
{rauen als trocknes und totes Material angesehen wird,
untergräbt sich selbst die ihr zukommende Achtung, wenn
sie sich derart in Aufzeichnungen verliert, die nicht un-
mittelbar genutzt werden können.

Geschwindigkeit. Ein Wort sei noch über die Ge-
schwindigkeit gesagt, mit welcher die Statistik arbeiten soll.
Alles im betrieblichen Leben kommt darauf an, daß die
Abrechnungsergebnisse und damit auch die Aufstellungen
der Statistik so kurzfristig wie möglich zur Kenntnis des
Betriebsleiters gelangen. Historische Zahlen lassen sich nicht
verwerten; je neuer die Zahlen sind, um so besser für den
Betrieb.

Ein geregeltes Terminwesen wird auch hier von Nutzen
sein. Die regelmäßig wiederkehrenden statistischen Mel-
dungen soll der Betrieb selbst von der Statistik, Nach- und
Erfolgsrechnung zu bestimmten Terminen anmahnen, falls
sie ihm bis dahin noch nicht vorliegen. Die Meldung über
die Arbeiterzahl soll täglich spätestens gegen 10 Uhr in
Händen der Betriebsleitung sein. Die Verbrauchsziffern der
Betriebsunkosten, wie man sie dem Unkostenbudget gegen-
überstellen will, haben spätestens drei Tage nach Abschluß
der Löhnung dem Betrieb zugeleitet zu werden. Man kann
hier sehr rasche Ergebnisse erzielen, wenn man den Kosten-
plan etwa für vier Wochen, also für einen Monat aufstellt,
die Verbrauchsziffern aber wöchentlich von der Unkosten-
abteilung zusammenstellen läßt. Die Betriebsabteilungen
sehen dann bereits am Ende jeder Woche, und zwar drei
Tage nach der Lohnauszahlung, wie ihr Verbrauch an Be-
triebsunkosten sich zu dem Voranschlag des Kostenplans
verhält, und sie können so bereits während der laufenden
Unkostenperiode verbessernd oder vorbeugend eingreifen.
231
        <pb n="136" />
        Für die übrigen statistischen Meldungen lassen sich theo-
retisch keine Termine nennen. Naturgemäß kommen sie
in kleinen Betrieben rascher als in großen zur Kenntnis
der Leitung. Immerhin wird man sagen können, daß die
monatlichen Gesamtunkosten eines Betriebes völlig auf-
geteilt nach Arten und Kostenstellen, auch für Großbetriebe
spätestens um die Mitte des folgenden Monats, höchstens
wenige Tage später fertig ermittelt und statistisch bekannt-
gegeben sein müssen. Wenige Tage darauf hat die monat-
liche Erfolgsrechnung zum Abschluß zu gelangen.

Offenheit. Schließlich sei noch eins erwähnt: Man
hüte sich vor überflüssiger Geheimniskrämerei bei der Hand-
habung der Statistik. Selbstverständlich müssen in jedem
Betriebe entscheidende Zahlen geheim gehalten werden,
um nicht der Konkurrenz bekannt zu werden. Die aller-
meisten Einzelzahlen jedoch werden nur zu dem Zweck er-
rechnet, um von den interessierten Stellen erfaßt und ver-
arbeitet zu werden, nicht um in geheimen Kurvenblättern
oder Ziffernbüchern zu verschwinden. Man kann viele
Betriebe finden, in denen es erstaunlich ist, wie wenig die
technischen Leiter und Betriebsingenieure selbst von dem
ziffernmäßigen Arbeiten ihrer eigenen Fabrik wissen. Das
ist falsch. Geheimhaltung mag oft gut sein. Hier ziemt
die größte Offenheit gegenüber allen vertrauenswürdigen
Mitarbeitern. Jeder Meister und Betriebsassistent soll die
wichtigsten Unkostenziffern seiner Werkstatt und Abteilung
kennen, die Lohnsummen, die Umsätze und die durch Fehler
nötigen Mehraufwendungen. Nur eine solche Offenheit und
Kenntnis erzieht die einzelnen Menschen zu einer Verant-
wortung und Arbeitsfreude bei der Mitwirkung an dem
letzten Ziel, den eigenen Betrieb so wirtschaftlich wie mög-
lich arbeiten zu lassen.

Besonders bedarf es einer lückenlosen Bekanntgabe aller
Erfahrungen bei der Arbeitsführung und Betriebsabrechnung
an die Arbeitsvorbereitung. Die Vorkalkulatoren sollen die
Nachkalkulationen aller Aufträge kennen lernen, um aus
ihnen neue Erfahrungen zu schöpfen. Das Fertigungsbüro
zoll aus ihnen lernen, ob die von ihnen entworfenen Be-
triebseinrichtungen zweckmäßig gearbeitet haben oder nicht.
        <pb n="137" />
        Leiten g
|Zechnische Vafmanninhe
| Autent: Norm Mon strak trans Zeichnung” Arbeitsbüro
Were Messen ÖUr0 wesen
Arbeiter Z
annahme ager

Linkaufs: Verkaufs: Buch: Rechfs-
Abt. Abt. haltung Abt.

Reklame,
Wesen

. Betriebs- Werkstätten
EL

Lohn- Materrat:
ı Dero bewertung
Unkastenbuchlährung

NMachkalkulatroan

Statistik
VL &gt;

w‚—

u.
er.
Ahh. 839.
        <pb n="138" />
        Das Bestellbüro, die Arbeitszeitermittlung, - die Instand-
haltungsabteilung, die Maschinenbesetzung und Arbeitsver-
teilung, alle sind gleichmäßig interessiert an diesem Erfah-
rungsaustausch und der laufenden Auswertung der Betriebs-
ergebnisse, wie sie die Statistik sammelt und dem Kun-
digen zu übermitteln weiß. Stückwerk bleibt die ganze
Organisation eines Unternehmens, wenn dieser Kreislauf
nicht dauernd geschlossen bleibt und von lebendigem Strom
durchpulst ist. Es gliche einem Körper, dessen Blutbahnen
an der entscheidenden Stelle durchschnitten sind, so daß das
kostbare Blut nicht zum Herzen zurückkehren kann und
nutzlos in den Sand verströmt.

| 24
        <pb n="139" />
        Reaister.
Die Zahlen bedeuten die Seiten,
Abnahmelehren 86
Abrechnung, Betriebs- 12, 87 f,
Abschreibungen 106
Akkordbüro 48
— John 38
— zettel 63
Amortisation 41
Änderungsmeldung 79
Anlagekonten 106
Anlernmethoden 18
— werkstätten 36
Anreizsysteme 40
Anschaffungsprogramme 41
Arbeiterannahme 18, 34f,
— kartei 35
— kontrollnummer 35
Arbeitsbüro 29
— elemente 15f.
freude 10
führung 12, 67f.
gang 46
griff 48
kontrolle 85
hilfsmittel 18
intensive Betriebe 14
mittel 40
nachweis 34
ordnung 85
stufe 48
überwachung 77
unterlagen 18
verteilung 18, 74 f.
» -smeister 82
» „tafeln 75
svertrag 35
vorbereitung 12, 21f.
vorgabe 18, 76f.

Arbeitszeitermittlung 18, 46f.

Auftrag 11, 21f.

-— sarten 21

— sbuch 24
seingang 24
skarte 24
snummer 24
sschein 24
ssymbol 24
süberwachung 77

— svorbereitung 60

Aufwand 88

Auswertung 128

AWF 50, 53

Bereitstellung 12
Beschäftigungsgrad 14,55,92, 116
Besetzungstafeln 56
Bestellmenge 68
Betriebsabrechnung, 12, 87f.
— auftrag 22

buchführung 121

gewinn 90, 119

mittel 42

mittelkartei 42

obleute 33

rätegesetz 83

statistik 21, 128f.

vergleiche 88

verlust 90, 119

vorkalkulation 46
— zuschläge 108, 114
Bewertung 95
— skartei 95
— spreis 96
Buchhalterische Konten 122
Budgetrechnung 123
        <pb n="140" />
        Degressive Kosten 93
Differentiallohnsystem 38
Direkte Kosten 88
Divisionskalkulation 91

Einkauf 16, 30f.
Einrichtezeit 50
Einzelkosten 88
Eiserner Bestand 68
Erfolgskonto 128

— srechnung 20, 118f.
Erlös 90, 119
Etatsrechnung 123
Fabrikationsauftrag 21
-— Skonto 123

— preis 119
Fabrikpreis 119, 124
Fachmeister 81
Fertigfabrikate 123
Fertiglager 67
Fertigwarenkonto 123
Fertigungsbüro 40

— splan 46

Feste Kosten 15, 48, 92
Fixe Kosten 15, 48, 92
Förderdienst 74, 85

— wesen 74, 85

— zettel 63
Fristenwesen 55
Funktionsmeister 82
Ganttsches Lohnsystem 38
Gehälter 106
Gemeinkosten 89
Gesamtkosten 91
Geschwindigkeitsmeister 82
Griff 48

— element 48
Halbfabrikate 122
Halbteillager 67
Handzeit 50
Hauptbuchführung 121
Hauptzeit 50
Haushaltspläne 125
Hilfslöhne 100
Hippler 75

Indirekte Kosten 89

Instandhaltung 42

— sdienst 42
smeister 82

Kapazität 56
Kapitalintensive Betriebe 14
Kalkulation, Betriebs- 48
— stafeln 53
Konstante. Kosten 93
Konstruktionsbüro 25
Kontierung der Unkosten 102
Kosten, degressive 93
— ‚, direkte 88
— ‚, feste 15, 48, 92
— , fixe 15, 48, 92
, indirekte 89
konstante 93
proportionale 92
unterproportionale 93
— ‚, veränderliche 92
Kostenarten 88, 90
— plan 125
— stellen 90
— träger 90
Kreislauf 11
— charakter der
Organisation 19

Betriebs-

Lager 67

— auftrag 22

— bewertung 95
fachkarte 70
kartei 70
stückliste 72
vormerkung 65

— wesen 67

Lehrlingsausbildung 18, 36f.

— werkstätten 36

Leistung 37

— skosten 91

— slohn 38

Lieferschein 24

Lohn 18, 37

— ‚, direkter 100

— ‚, indirekter 100

— ‚, produktiver 100

Lohnabrechnung 99

$r'
        <pb n="141" />
        Lohnaufteilung 100
— auszahlung 100
— büro 99
formen 37
intensive Betriebe 14
konto 94
liste 99
periode 100
sammelkarte 99
wirtschaft 18
zuschlag 108

Maschinenbesetzung 55

— karte 50

— zeit 50

Material 16

— abforderung 71
abrechnung 95
auszug 29
bewertung 95
konto 94
rücklieferung 78
transport 54, 82f
wirtschaft 15, 67
zettel 63, 71

— zuschlag 110

Mehrkosten 80

Meister 77

— systeme 81

— wesen 81

Meyenberg 101

Michel 24

Nachforderung, Lohn- 80
— , Material- 71
Nachkalkulation 112
Nachleistungen 115
Nachrechnung 112
Nebenkosten 115
Nebenzeit 50
Neuanschaffungen 41
Normalzuschläge 117
Normen 20

Operationsplan 46
Organisation (Gliederung) 11
— (Wortsinn) 9

Pensumsystem 838
Personalbüro 18

— kosten 106
Postverteilungsstelle 22
Prämien 40

-— John 38
Proportionalkosten 92
Prüfwesen 85
Refa 46
Reparaturdienst 41
Revisionsmeister 86
Rohstofflager 67
Rücklieferungszettel 73
Rückstellungen 115

Schleppzettel 65
Selbstkosten 87, 112
-— formel 113

— rechnung 87, 112
Seubert 24

Statistik 21, 128f.
Statistische Konten 122
Stempeluhren 77
Stoppuhr 52
Stückkosten 91
Stücklisten 26
Stücklohn 37f.
Stückzeit 50

Tagespreis 9 f,
Taylor 24, 75, 82
Technische Unterlagen 25f,
Terminjäger 78
— konferenzen 78
— plan 58
— wesen 55
Transportkolonne 85
— meister 85
— wesen 74, 82
zentrale 85
zettel 63
Überinvestition 4]

— verdienst 38
Umsatzkonto 123
Unkosten 16, 18, 89, 101
— abteilung 106

7
        <pb n="142" />
        Unkostenaufteilung 106
— buchführung 106
— kontierung 102
konto 94°
löhne 100
nummern 103
plan 125
tabellen 106
verrechnung 101
— zuschlag 108, 114, 116
Unterlagen, technische 25f
Unterproportionale Kosten 93
Unterweisungskarte 65
Veränderliche Kosten 92
Verlustzeit 52
Verrechnungskonten 116
— preis 97
Versandauftrag 21

— avis 32
Vertriebsunkosten 112
Verwaltungsunkosten 112
Vordruckwesen 63

Vormerkung, Material 80, 68
Vorratsauftrag 22
Vorrichtungsbau 42
— kartei 43

meister 82
Wareneingang 32

— sprüfung 32
Werkauftrag 21

Werkliste 26

— snormen 29
Werkstattliste 26
Werkstoffprüfung 16, 33
Werkzeugbau 42
Wiederbeschaffungspreis 97
Wohlfahrtseinrichtungen 18
Zeichnungen 26

Zeitlohn 37
Zeitstempeluhren 77
Zeitstudien 52

Zuschläge 108, 114, 116
Zuschlagsberechnung 108

| 28
        <pb n="143" />
        Literaturnachweis

Betriebshütte, Taschenbuch für Betriebsingenieure, 2. Aufl.
Berlin 1925.

Dubbel, Taschenbuch für den Fabrikbetrieb, Berlin 1923,

Hegner, Lehrbuch der Vorkalkulation von Bearbeitungszeiten,
2, Aufl., Berlin 1926,

Heidebroek, Industriebetriebslehre, Berlin 1922,

Hippler, Arbeitsverteilung und Terminwesen in Maschinen-
fabriken, Berlin 1921.

jJackowski, Das Abrechnungswesen als Organisationsfaktor ip
Industrieunternehmungen, Leipzig 1925, Verlag Gloeckner.

Kienzle, Der Austauschbau und seine praktische Durchführung,
Berlin 1923.

Lehmann, Industrielle Kalkulation, Berlin 1924. Industrieverlag
Spaeth &amp; Linde.

Meyenberg, Organisation und Selbstkostenberechnung einer
Maschinenfabrik, Berlin 1926.

Michel, Arbeitsvorbereitung als Mittel zur Verbilligung der Pro-
duktion, Berlin 1924.

— Wie macht man Zeitstudien? Berlin 1920,

Peiser, Grundlagen der Betriebsrechnung in Maschinenbau-
anstalten, 2. Aufl., Berlin 1928,
Der Einfluß des Beschäftigungsgrades auf die industrielle Kosten-
entwicklung, Berlin 1924,

Refa-Mappe, Spanabhebende Formung, 2. Aufl., Berlin 1925.

Sachsenberg, Grundlagen der Fabrikorganisation, Berlin 1922.

Schlesinger, Selbstkostenberechnung im Maschinenbau, Berlin
1911.

Seubert, Aus der Praxis des Taylorsystems, 4. Aufl., Berlin 1920.
1925,

Taylor-Roeßler, Die
führung, Berlin 1922.

Grundsätze wissenschaftlicher Betriebs-

20
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        Systematische Wirtschaft
Amerikanısche Methoden
Deutsche Verhältnisse

Ergebnisse einer Studienreise durch
die amerikanische Industrie

Von

Di
Heinz Ludwig

Preis 1.50 RM.

Die Aufsätze, die unter dem Titel „Systematische Wirt-
schaft“ im Berliner Tageblatt erschienen sind, haben in
der deutschen Industrie lebhafte Aufmerksamkeit gefunden.
Der Verfasser hat seine Studien in den Vereinigten Staaten
weniger auf die technischen Errungenschaften der ameri-
kanischen Industrie als auf die wirtschaftlichen
Methoden gerichtet. Er vertritt die Ansicht, daß in
Deutschland auf diesem Gebiete viel mehr zu übernehmen
ist als man im allgemeinen annimmt, und daß es für die
Rationalisierung der deutschen Industrie notwendig ist,
die wirtschaftliche Seite mehr in den Vordergrund zu
rücken, als es bisher geschah. Besondere Aufmerksamkeit
wird den Fragen der Vorausschätzung des Absatzes, des
industriellen Budget, der Betriebskapitalwirtschaft
und der Verkaufsorganisation gewidmet.

Verlag von Georg Stilke -/ Berlin NW 7
        <pb n="145" />
        <pb n="146" />
        <pb n="147" />
        Die Hamburger Hochbahn - Aktien -
gesellschaft in verkehrspolitischer
und sozialpolitischer Beziehung
von Ernst Kipnase
Betriebsingenieur
der Hamburger Hochbahn-Aktiengesellschaft
Gr. 8° / 238 Seiten / mit 22 Abbildungen / 58 Tabellen
und einem mehrfarbigen Stadtplan,
Broschiert RM. 13.—, gebunden RM. 15.—

Dieses beachtenswerte Buch enthält neben einer ausführlichen Ent-
wicklungsgeschichte sämtlicher Hamburger Verkehrsbetriebe den jetzigen
juristischen Aufbau der Hamburger Hochbahn-Aktiengesellschaft.

Die Technische Hochschule
zu Berlin 1799—1924
Festschrift anläßlich des einhundertfünfundzwanzigjährigen
Bestehens.
Auf Senatsbeschluß bearbeitet von den Professoren

Blunck, Miethe, Scheffers, Stenger, Weber
Gr. 4° / 136 Seiten / mit 29 Abbildungen, Tabellen und einer farbigen Tafel.

Preis in Halbleder gebunden RM. 15.—

Inhalt: Zur Einführung. — PFesibericht. -— Festrede. — Ansprache
des Rektors. — Ansprache der Gäste. — Kundgebungen zur Einhundert-
fünfundzwanzigjahr-Feier. — Entstehung und Entwicklung der Königl.
Techn. Hochschule zu Berlin. Vorgeschichte: Die Königl. Bauakademie
(1799 bis 1879). Die Königl. Gewerbeakademie (1821 bis 1879). Die Tech-
nische Hochschule bis zur Hundertjahrfeier (1879 bis 1899). Die Tech-
nische Hochschule seit der Hundertjahrfeier (1899 bis 1924). Die Geschichte
der Königl. Bergakademie in Berlin und ihre Angliederung an die Königl,
Technische Hochschule. — Die Studentenschaft der Technischen Hoch-

schule zu Berlin. — Der Besuch der Hochschule 1884 bis 1924.

Verzeichnis der Doktor-Ingenieure ehrenhalber.
Verzeichnis der Ehrenbürger.

Verlag Georg Stilke, Berlin NW 7
        <pb n="148" />
        tin ae Bla ae 42 Mk AdIR KONG turn GUih GO00OBOELE KR ira
206$07833466
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Personalbüro 18

— kosten 106
Postverteilungsstelle 22
Prämien 40

— lohn 38
Proportionalkosten 92
Prüfwesen 85

Refa 46
Reparaturdienst 41
Revisionsmeister 86
Rohstofflager 67
Rücklieferungszettel 73
Rückstellungen 115

Schleppzettel 65
Selbstkosten 87, 112
— formel 113

— rechnung 87, 112
Seubert 24

Statistik 21, 128f.
Statistische Konten 122
Stempeluhren 77
Stoppuhr 52
Stückkosten 91
Stücklisten 26
Stücklohn 37f.
Stückzeit 50

Tagespreis 96 f.
Taylor 24, 75, 82
Technische Unterlagen 25f.
Terminjäger 78
— konferenzen 78
— plan 58
— wesen 55
Transportkolonne 85
-— meister 85
— wesen 74, 82
zentrale 85
zettel 63

Überinvestition +]

— verdienst 38
Umsatzkonto 123
Unkosten 16, 18, 89, 101
— abteilung 106
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