:-jum abgeschlossen. Dieses Provisorium be- 3agt allerdings sehr wenig, nämlich nur, daß eide Länder sich gegenseitig ihren autono- men Tarif bewilligen und daß sie sich dar- über hinaus keine Verschärfung machen wollen. Es ist nicht einmal geglückt, dieses Provisorium: zu verlängern. Wohl aber ist, wie mir vom Auswärtigen Amt mitgeteilt wird, ein stillschweigendes Übereinkommen dahin getroffen, daß man an diesem Zu- stande nichts ändern will. Das ist aber sigentlich auch selbstverständlich. Während man mit einem Lande in Handelsvertrags- verhandlungen steht, ist es nicht üblich, eine Verschärfung der Bestimmungen eintreten zu lassen. Grundsätzlich ist man sich mit Polen darüber einig, daß nachher gegen- seitig die Meistbegünstigung gewährt wer- den soll. Aber die Ausgestaltung dieser Grundsätze schwebt noch völlig in der Luft. Bei Japan ist man sich, obwohl seit Ende November hier in Berlin Verhandlun- gen schweben, gleichfalls darüber einig, daß nan zur gegenseitigen Meistbegünstigung commen will. Die Schwierigkeiten bei Japan liegen fast ausschließlich bei der Frage des Einfuhrverbots für Farben. Die japanische Regierung hält mit großer Zähigkeit an die: sem Einfuhrverbot fest, welches anderer: seits für uns natürlich sehr schwre Be: lästigungen enthält. Ich will darüber nicht näher sprechen, weil ich in diesem Punkte nicht als ganz unparteiischer Berichterstatter anerkannt werden würde. Auch diese Ver: handlungen werden jedenfalls noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Meine Herren, nachdem ich Ihnen kurz geschildert habe, wie die Verhandlungen stehen, möchte ich dann, wenn es Ihnen recht ist, die Frage prüfen, was nun bisher eigentlich erreicht worden ist gegenüber den Zielen, die die deutsche Handelsvertrags- politik sich stellen muß. Die Ziele unserer Handelspolitik gehen dahin, daß wir in den fremden Ländern zu: nächst grundsätzlich die Gleichstellung mit den ausländischen Konkurrenten haben wol; ien. Diesem Zwecke gilt die Einräumung der Meistbegünstigung. In Staaten, die eine aigene entwickelte Industrie haben, genügt aber diese Meistbegünstigung nicht, sondern wir müssen in diesen Ländern noch die Möglichkeit haben, in die hohen Zollmauern, lie gewöhnlich derartige Länder haben und neute mehr als früher, eine Bresche zu legen. Und diesem Zweck dient das Prinzip, daß wir Herabsetzung und Bindung der Zoll- sätze verlangen. Wir stoßen bei sämtlichen Jandelsvertragsverhandlungen auf die aller: ;rößten Schwierigkeiten, und zwar aus dem rielleicht sehr schmeichelhaften, aber außer- ırdentlich unbequemen Grunde, daß man m allgemeinen vor der deutschen Industrie »ine ungeheure Furcht hat. Die ganzen Länder, mit denen wir ver: ıandeln, schwanken eigentlich zwischen ‚wei Prinzipien hin und her. Sie machen ;inen Fehler, den man gewöhnlich uns Deut- chen vorwirft, daß sie zu gleicher Zeit eine jache und das Gegenteil dieser Sache wol: en. Sie wollen von uns große Reparations- eistungen haben, die sich nur durch einen iroßen Export bewirken lassen. Auf der an- leren Seite haben sie die größte Angst, daß ier deutsche Export irgendwie größer wer: ien könnte, als er augenblicklich ist. Es ist ußerordentlich schwer, dieser ganzen Be: iriffsrichtung auf der Gegenseite irgendwie ‚eizukommen. Tatsächlich besteht nun ein: nal überall diese große Furcht vor der Invas jon der deutschen Industrie; es ist schwer, ler entgegenzutreten. Unser oberstes Prin- ip ist, wie ich vorhin schon sagte, Meist- ‚egünstigung zu erlangen. Ich möchte dabei uch erwähnen, daß dieses Prinzip in seiner tichtigkeit ja vielfach angefochten ist. Ich nuß Ihnen gestehen, daß ich solchen Erörte- ungen darüber, ob dieses Prinzip nun das ichtige ist, einigermaßen skeptisch gegen- ıberstehe; und ich kann mich da auf einen ‚ehr guten Zeugen berufen. Ich habe in die- ‚en Tagen die Rede durchgelesen, mit der 7ürst Bismarck am 2. Mai 1879 die damalige Zollgesetzgebung einbrachte. Er führte bei lieser Gelegenheit in einer für ihn sehr cha- ‚akteristischen Redewendung aus, daß es ‚ußerordentlich schwer wäre, einen leben: Jen Organismus von innen her zu erkennen. ir sagt, die ärztliche Wissenschaft mit Aus- ıahme der Chirurgie, die er anerkennt, ‚ätten in den letzten 2000 Jahren in bezug ıuf die inneren Verhältnisse des Körpers ılcht irgendwie nennenswerte Fortschritte semacht, eine Meinung, der ich mich auch ibrigens persönlich anschließen möchte. Heiterkeit.) Er fügt dann hinzu: So wenig vie die Frage des menschlichen inneren <örpers, so wenig, behaupte ich, gibt es nen, der mit unfehlbarer Gewißheit sagen <önnte, dies ist die Folge der und der wirt: ichaftlichen Maßregel. Dies stimmt in der Fat auch für die Frage der Meistbegünsti- zung. Es ist sehr häufig darüber gestritten vorden, ob die große Entwickelung Deutsch- ands sich ‚wegen der Meistbegünstigung ıder trotz der Meistbegünstigung vollzogen