Im laufenden Jahr 1927 wird das Verhältnis auf Grund der stärkeren Roheisenproduktion, welcher der Erzbergbau mit einer entsprechenden Steigerung der Förderung nicht folgen kann; noch wesentlich ungünstiger ausfallen, wie aus der Aufstellung hervorgeht. Hier ist der Erzverbrauch der Vereinigten Stahlwerke A.G. im Jahre 1927 ge-Schätzt nach den Ziffern der abgelaufenen Monate, nach den Herkunftsgebieten zusammengestellt. Da die Vereinigten Stahhlwerke rund 50% der deutschen Eisenhüttenindustrie verkörpern, dürften diese Zahlen, Ohne allzu viel fehlzugehen, auch auf ganz Deutschland. mindestens aber Rheinland-Westfalen, zutreffen. _ Der Anteil der inländischen Erzförderung an der Erzversorgung Wird also im Jahre 1927 auf 13,6 °% sinken, auf den Eiseninhalt be-Technet sogar auf 11,8 %%. .... Die in der Aufstellung erwähnten Schlacken sind allerdings direkt Inländischer Herkunft, da sie ausschließlich in der Hüttenindustrie entfallen, indirekt aber vorwiegend ausländischer Herkunft, da ihr Entfall auf die Verhüttung vorwiegend ausländischer Erze zurückzuführen ist. Diese Ziffern sprechen für sich, sie beleuchten die katastrophale Abhängigkeit unserer Hochofenwerke von dem Ausland. Noch schlim-Mer wird das Ergebnis, wenn man nicht alle Roheisensorten berück-Sichtigt, sondern nur das Thomasroheisen, bekanntlich die Grundlage für etwa die Hälfte unserer Stahlerzeugung und fast die einzige Grundlage dieser Stahlerzeugung aus Erzen — Thomasstahl — nicht aus Schrott, die Grundlage der Martinstahlerzeugung. Im Jahre 1925 Wurden rund 6000000 Tonnen Thomasroheisen in Deutschland erblasen, gleich rund 58 °/, unserer Gesamtroheisenerzeugung. Im Jahre 1927 wird dieser Anteil etwa der gleiche, vielleicht noch etwas höher Sein, Zur Erzeugung des Thomaseisens im Jahre 1927 werden zum Beispiel die Vereinigten Stahlwerke dem Eiseninhalt nach nur rund ‘5° inländische Erze verarbeiten können! Betrachtet man nun kritisch die Lage des deutschen Eisenerzbergbaues, der, wie dargelegt, in nur eo kümmerlicher Weise zu der deut; schen Erzversorgung beiträgt, so fallen zwei Umstände erschwerend. 13. niederdrückend auf: Erstens ist der Eisenerzbergbau in seinen wesentlichsten Teilen, und Zwar mit etwa zwei Dritteln der Förderung, schwer notleidend. Von diesem Kriterium macht nur der Erzbergbau der Ilseder Hütte auf den bekannten Lagerstätten bei Bülten und Lengede eine Ausnahme Die wirkungsvollen Hilfsmaßnahmen für die alten Bergbaubezirke des Siegerlandes, den Dill-Bezirk und die Lahn, seitens der Regierung In Form einer Subvention auf die Förderung sind bekannt. Sie beweisen das Vorliegen eines Notstandes. Leider werden sie demnächst, viel zu früh und nicht aus sachlichen, sondern aus fiskalischen und politischen Erwägungen heraus ihr Ende finden. Die nachteiligen Folgen werden Nicht ausbleiben. Auch die übrigen Bergbaubezirke, mit Ausnahme der oben erwähnten, können kaum leben. dürfen aber nicht sterben. 5 Enq.-Aussch. III. Rohstoffvers, d. deutsch. eisenerzeug. Ind. ir