*Sachverständiger Arlt: Durch die Übernahme der früheren selbständigen Gewerkschaften seitens der Konzerne ist auch für eine Reihe mit Verlust arbeitender Gruben die Fortführung des Betriebes gesichert. Die Gründe dafür liegen einerseits in den erheblichen Kapita- lien, die in den Betrieben investiert sind und die bei einer Stillegung fast restlos verlorengehen würden, andererseits in den anstehenden Erzen, die bei einer Stillegung den Konzernen fehlen würden und vom Ausland hereinbezogen werden müßten; auch befinden sich einige Werke, die mit Verlust abschließen, noch im Stadium des Aufschlusses. Aus den gleichen Gründen sollen auch im Lahn-Dillgebiet die un- günstig dastehenden Betriebe fortgeführt werden. Allgemein ist zu bemerken, daß nach Beendigung der Hilfsaktion unter Berücksichtigung der Verzinsung und Amortisation der investierten Gelder nur wenig Gruben einen Gewinn abwerfen. Dies liegt hauptsächlich in der Höhe der sozialen Lasten (etwa 415 °% gegen 1913), der Löhne, der Eisenbahnfrachten (120 bis 123°. der Vorkriegs- höhe) und der Kraftkosten. Nur wenn es gelingt, auf diesen Gebieten Erleichterungen und Er- mäßigungen zu erzielen, wird auf die Dauer eine wirtschaftliche Fort- führung des Betriebes der meisten Gruben möglich sein. Die betrieb- lichen und technischen Grundlagen für eine rationelle Fortführung sind durch die mit Hilfe der Absatzprämien geschaffenen Verbesserungen der Anlagen und ausreichend betriebenen Aus- und Vorrichtungsarbeiten in den meisten Fällen gegeben. Die Einstellung der Betriebe würde, wie schon die Schwierigkeiten der letzten Jahre gezeigt haben, Arbeitslosigkeit für die Bergarbeiter- bevölkerung sowie wirtschaftlichen Rückgang für die betroffenen Ge- biete zur Folge haben; sie würde ferner dazu zwingen, Erze aus dem Auslande einzuführen und so die Abhängigkeit Deutschlands vom Aus- lande noch vergrößern. Eine Stillegung würde für die deutsche Wirt- schaft daher schwer tragbar sein. Das Siegerland liefert der deutschen Hochofenindustrie jährlich 4 Millionen Tonnen Eisenerze mit etwa 1*/, Millionen Tonnen Metall- gehalt. Der Anteil von Lahn-Dill und Oberhessen an der Erzlieferung ist auf etwa *!/. Million Tonnen Fe-Einheiten zu bemessen. Da nach vorstehenden Ausführungen einzelne Gruben, deren Stillegung in Aus- sicht zu nehmen wäre, sich nicht herausgreifen lassen, kann auch ein Anteilmäßiger Ausfall in der deutschen Erzförderung nicht dargestellt werden. *Sachverständiger Willing: Die Aufrechterhaltung derjenigen Gruben, die auch jetzt noch mit Verlust arbeiten, gründet sich in der Hauptsache darauf, daß die Grundlagen des Bergbaus im Notstands- gebiete an sich gesund sind, in den Werken immerhin erhebliche Kapitalien investiert sind, und die manganhaltigen Erze in Zeiten, in denen Deutschland vom Weltmarkt mehr oder weniger abgeschlossen ist, zur Stahlerzeugung unentbehrlich erscheinen.