Vorsitzender: Welche besonderen Gründe sind es, die das Siegerland verhindern, einen Preis zu bekommen, der seine Produktions kosten deckt? Hängt das damit zusammen, daß die Konzerne, die die Abnehmer des Erzes sind, zugleich auch die Beherrscher der Sieger- länder Eisenproduktion wenigstens zu einem guten Teile sind, so daß sie ein besonderes Interesse daran haben, die Preise niedrig zu halten? Sachverständiger Arlt: Ich glaube, das liegt an der Weltmarkt- preisgestaltung. Die allgemeine Erzproduktion ist heute so reich, die Frachten sind so billig, das Siegerländer Erz muß sich aber nach den Auslandepreisen richten, Vorsitzender: Der Eisenerzbau im Siegerland ist ja nicht sehr ergiebig? Sachverständiger Arlt: Nein! Das liegt an den geologischen Verhältnissen. Die Eisenerzvorkommen des Siegerlandes sind Gänge, mit Erz ausgefüllte Spalten der Erdkruste, die sich von zehn zu zehn Metern in ihrer Beschaffenheit ändern können und die sich tatsächlich in den verschiedenen Sohlen sehr häufig ändern. Es treten dabei die unangenehmen Verquarzungen ein. Die Spalte, in der das Erz sein müßte, ist nicht durch reines Erz ausgefüllt, sondern mehr oder weniger mit Quarz. Es kommen auch Kupfererzeinbettungen vor, Kupferkies- bestandteile, die sehr unangenehm sind. So ist der Bergbau in der dortigen Gegend immer wechselnd; gleichmäßig bleibt er nie. Hinzu kommt: Der Siegerländer Bergbau ist sehr alt. Die produktiven Gruben sind alle schon sehr tief und an die Tausendmetergrenze heran- gekommen, ja, gie haben diese Grenze schon überschritten. Dadurch steigern sich die Kosten nicht mehr gleichmäßig, so daß dieser Berg- bau die besten technischen Mittel anzuwenden hat. Eine gewisse Hoff- nung ist allerdings vorhanden. Seit vielen Jahren besteht das Projekt, die Wiedtalbahn zu bauen. In diesem Teil des Siegerlandes oder Westerwaldes sind noch Erzgruben vorhanden, die erst zu einem geringen Teil ausgebeutet und dann stillgelegt worden sind, weil die Verkehrsverhältnisse ungünstig waren. In diesem Gebiet liegen noch gewisse Reserven. Vorsitzender: Es sind also ausgesprochene Weltmarkt- verhältnisse, die den entscheidenden Faktor bilden? Sachverständiger Arlt: Ich bin der Meinung, daß die Leitungen unserer großen Konzerne, in Rheinland-Westfalen jedenfalls, wenn sie sich das Siegerländer Erz billiger selbst erzeugen könnten, wie sie sonst Erz kaufen, es lieber nehmen würden. Dazu kommt, daß andererseits das Siegerländer Erz nicht ausschließlich verwendet werden kann; denn es ist ein Qualitätserz, und es wäre eigentlich zu schade, für jedes Roheisen verwendet zu werden. Das Erz dient zur Herstellung des manganhaltigen Spiegeleisens. Vorsitzender: Ein Laie würde annehmen, daß dieses Erz, zerade weil es ein solches Qualitätserz ist, auch einen Qualitätspreis erzielte. Aber auch in diesem Punkte scheinen die fremden Erze eine Konkurrenz zu bedeuten? 10