Es sind noch zwei Gebiete, die bei uns sehr störend in die Erschei- nung treten. Das eine ist das Gebiet der Frachtenbelastung im all- gemeinen. Sie ist inzwischen verschiedentlich ermäßigt worden, hat aber noch immer eine Höhe, die den Radius des Verwendungsgebietes der Erze außerordentlich klein hält. Persönlich sind die Vertreter des Notstandsgebietes der Auffassung, daß durch ein Entgegenkommen der Reichsbahn die Absatzfähigkeit der Erze auf einen weiteren Radius sichergestellt werden muß. Das letzte Gebiet ist die Monopolisierung der Kraftwirtschaft. Die Überlandzentralen setzen ihre Preise ohne Berücksichtigung der besonderen Lage der einzelnen Wirtschaftszweige fest. Die Kraftkosten haben gegenüber der Vorkriegszeit eine Höhe erreicht. die ebenfalls aıntragbar erscheint. Jedenfalls sind es gerade diese vier Punkte, die die Selbstkosten stark heraufgetrieben haben. Andererseits hat die Überproduktion an Erzen auf dem Weltmarkt dazu geführt, daß die Preise sehr niedrig gehalten werden mußten. So war im Anfang des Jahres 1926 ein Zu- stand erreicht, der das Gesamtgebiet zum Erliegen zu bringen drohte. In diesem Moment haben die preußische Regierung und die Reichsregierung eingegriffen. Durch Gewährung von Hilfsmaßnahmen wurde eine Preis- senkung bei den Erzen erreicht. Diese Hilfsmaßnahmen sind aber nicht etwa den Gruben als flüssige Mittel zugute gekommen, sondern haben vdedingungsgemäß eine Preissenkung in demselben Ausmaß zur Folge haben müssen. Die Preissenkung hat es aber ermöglicht, das Erz konkurrenzfähig zu machen, und hat dazu geführt, daß heute schon wieder eine Förderung von 180 000 Tonnen im Monat, also von etwa 2 Millionen Tonnen im Jahr, in diesem Gebiet geleistet wird. Am 1. Oktober haben diese Hilfemaßnahmen ihr Ende erreicht. Sie waren von uns ausdrücklich mit dem Hinweis darauf gefordert, daß der Staat sie solange gewähren möge, bis auf anderen Gebieten — es wurden die vier vorhin von mir skizzierten Gebiete genannt — Ermäßigungen eingetreten wären, die die dauernde Lebensfähigkeit der Notstandsgebiete sicherstellen. Die Ermäßigungen, die auf dem Gebiete der Steuern und auf dem Gebiete der Frachten eingetreten sind, sind ausgeglichen worden durch die Erhöhungen auf dem Gebiete der Löhne und namentlich auf dem Gebiete der Soziallasten. Die Angestellten sind mit in die Ver- sicherung einbezogen worden, und die Lasten, die sich aus dieser ver- mehrten Versicherung ergeben, haben eine Höhe erreicht, die jedenfalls weit über den Zahlen liegt, wie sie in den Voreinschätzungen nieder- gelegt worden waren. Die Staatshilfe ist weggefallen, eine Preisherauf- setzung in demselben Ausmaß ist natürlich unmöglich, das ergibt sich ohne weiteres aus dem Vergleich mit den ausländischen Erzpreisen. Das ganze Notstandsgebiet steht wieder vor der Gefahr, in den früheren Zustand zurückzufallen. Wenn die Gruben einmal stillgelegt sind, so fallen sie für die deutsche Eisenwirtschaft voraussichtlich dauernd aus, denn wenn Grubengebäude, die heute schon eine Tiefe von 1000 und 1100m — die tiefste Grube ist 1180 m tief — erreicht haben, voll Wasser laufen, so müssen schon ganz außergewöhnliche Umstände ein- treten, wenn diese ungeheuren Wassermassen aus den (Gehäuden heraus- gepumpt werden. 154