Vorsitzender: Es besteht die Frage: Läßt sich der Erzbergbau in Ihren Gebieten so gestalten, daß er seine Kosten wieder einbringt? Läßt sich das nicht durchführen, dann ‚entsteht die zweite Frage: Wer soll die Verluste tragen? Sollen sie abgewälzt werden auf die Allgemeinheit, oder ist die eisenerzverarbeitende Industrie, also die aisenerzeugende Industrie in der Lage, aus bestimmten Gründen einen Preis zu bewilligen, der ihren Erzbergbau lebensfähig erhält, insbesondere unter Berücksichtigung des Umstandes, daß die Besitzer zu einem großen Teil die gleichen sind beim Erzbergbau und bei der eisenerzeugenden. Industrie? Sachverständiger Wenzel: Allerdings gehört der Eisenerzbergbau an Lahn, Sieg und Dill zum großen Teil denjenigen, die das Erz verbrauchen, aber ich bin der Auffassung, daß auch innerhalb eines Wirtschaftszweiges jeder einzelne Teil sich selbst tragen muß. Man kann daher nicht verlangen, daß die rheinisch-westfälischen Hüttenwerke ohne weiteres den Siegbergbau durch höhere Preise erhalten, Solange die ausländischen Preise günstiger sind, sondern der Bergbau muß sich selbst erhalten. Wenn die verlangten Frachtermäßigungen und die Ermäßigungen der sozialen Abgaben usw. gewährt werden, Wird sich der Bergbau allein aufrecht erhalten. Ich behaupte, daß die Subvention des Siegerlandes wieder herausgekommen ist dadurch, daß Sespart wurde, und zwar an Arbeitslosenunterstützung in dem ganzen Gebiet. Infolgedessen sollte die Regierung ‚eben auch weiterhin aus anderen Mitteln eine mäßige Subvention geben, damit das Gebiet aufrecht erhalten werden kann. Tatsächlich verliert die Grube dauernd, denn der Verrechnungspreis, den wir der Grube geben könnten, ist selbst-Verständlich nicht höher als der Konkurrenzpreis. Schweitzer: Mir ist zunächst einmal die Angabe aufgefallen, daß die Soziallasten im Siegerländer Erzbergbau um 300 % — diese Zahl ist wohl genannt worden — gestiegen seien. Vorsitzender: 415°! Schweitzer: Wenn man die Lasten der Vorkriegszeit mit 100 annimmt, dann betragen die Soziallasten jetzt 415. Das wäre eine Steigerung um 315 °%! Ich möchte doch bitten, diese Angabe etwas Näher zu begründen, denn sie steht mit den sonstigen Angaben über das Anwachsen der Lasten der deutschen Sozialversicherung in einem Sehr starken Mißverhältnis. Ferner möchte ich an den Herrn Sach-Verständigen die Frage richten, ob er Belege dafür angeben zu können glaubt, daß die Kosten der elektrischen Kraft gerade im Siegerland Unangemessen hoch sind im Verhältnis zu denen der elektrischen Kraft MN anderen Gebieten. Schließlich möchte ich noch folgendes feststellen: Der erste Herr Sachverständige hat ausgeführt, daß bereits in der Vorkriegszeit der Siegerländer Erzbergbau subventioniert worden sel, nicht in der Weise wie im letzten Jahre durch unmittelbare Hingabe von Barten an die Werke, sondern dadurch, daß die preußisch-hessische 1senbahn dem Siegerländer Erzbergbau besondere Ausnahmetarife ' XO