Der Thomas-Stahlprozeß liefert ein ausgezeichnetes Material, das sich im In- und Auslande bestens bewährt hat. Da auf.dem Weltmarkt sehr häufig Siemens-Martin-Stahl vorgeschrieben ist, sind die deutschen Stahlwerke schon auf Grund des ‚Wettbewerbs zur Lieferung von Siemens-Martin-Stahl gezwungen. Es kann nur als erfreulich. bezeichnet werden, daß Deutschland die Möglichkeit hat, Stahl nach beiden Ver- fahren zu erzeugen. Die deutschen Stahlwerke arbeiten ständig daran, beide Verfahren nach der technischen und qualitativen Seite immer mehr zu vervollkommnen. Sachverständiger Wenzel: Die Tendenz bei den großen ge- mischten Werken im Westen geht zweifellos dahin, die Martin-Erzeu- gung gegenüber der Thomas-Erzeugung zu steigern, aber nicht etwa im wesentlichen auf Schrott basierend, sondern auf der Herstellung eines Roheisens, das man als Martin-Eisen bezeichnet. Wir sind uns im. klaren darüber, daß die Schrottknappheit in Deutschland in den nächsten Jahren so groß bleiben wird, daß man die Siemens-Martin- Erzeugung nicht allein. auf dem deutschen Schrott basieren kann... In- folgedessen geht man dazu über, in viel größerem Maße als Bisher flüssiges Roheisen zu verarbeiten. Wenn man die Frage bejaht, daß die technische Entwicklung sich im verstärkten Maße auf die Siemens- Martin-Erzeugung richtet, so ist damit noch lange nicht gesagt, daß damit nun in demselben Ausmaß der Schrottmarkt beansprucht. wird; sondern man hat eben bei dem Siemens-Martin-Verfahren auch die Mög- lichkeit, sich ausschließlich oder jedenfalls zum überwiegenden Teil auf Roheisen zu stützen, wenn das betreffende Werk darauf .ein- yerichtet wird. Vorsitzender: Eine absolute Schrottknappheit in Deutsch- land 1äßt sich also in den letzten Jahren nicht feststellen. Es mögen Preisschwierigkeiten vorhanden gewesen sein, aber soviel Schrott, wie Sie gebraucht haben, haben Sie doch immer gehabt. Deshalb überrascht es mich, daß Sie aus Rücksicht auf eine bald zu erwartende Schrott- knappheit eine Bevorzugung des Thomas-Verfahrens befürchten. Sachverständiger Reichert: Wir müssen mit Rücksicht auf den Mangel an hochphosphorhaltigen Erzen mehr vom Thomas-Betrieb zum Siemens-Martin-Betrieb übergehen. Wenn man Erze mit geringerem Phosphorgehalt heranzieht, so bedeutet das keineswegs, daß etwa der Bedarf an Schrott für den bisher üblichen Siemens-Martin-Betrieb einen Rückgang erfahren dürfte. Man wird schon aus den verschiedensten Gründen die im Inland vorhandenen Schrottmengen als Rohstoffquellen der Stahlindustrie so stark heranziehen, wie es immer geht. Wir werden daher niemals einen Überfluß an Schrott im Inlande haben. Wenn es in der Vergangenheit, namentlich in den Jahren 1925 und 1926 so schien, als ob wir einen außerordentlich reichlichen Inlandschrottentfall hätten, so ist zu bedenken, daß das gerade die Zeit des vorübergehend starken Rückgangs unserer Stahlproduktion gewesen ist. Sachverständiger Möller: Was Herr Wenzel sagte, kann nur für die gemischten Werke gelten, die eigenes Roheisen. zur. Verfügung 444