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        <title>Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie</title>
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      <div>auswurf sowie Martinschlacken und Thomasschlacken in Frage, die 
letzten auch‘ als Mangan- oder Phosphorträger. Teilweise sind sie 
Nebenerzeugnisse der eisenerzeugenden Industrie; außerdem finden 
Rückstände aus der Schwefelsäuregewinnung (Kiesabbrände) sowie 
Rückstände der Teerfarbengewinnung (Eisenoxyde) Verwendung. 
Beim Bezug der beiden wichtigsten Träger des metallischen Kisens, 
Erz und Schrott, wird die enge Verbundenheit der deutschen eisen- 
erzeugenden Industrie mit dem Weltmarkt ersichtlich. Die Industrie ist 
darauf angewiesen, einen bestimmenden Teil ihres Bedarfs an Fe-Trägern 
im Ausland zu decken, während sie mit einem Teil ihrer Erzeugung 
wieder auf den Weltmarkt treten muß. Dieser Auslandsabsatz 
schwankt zwar entsprechend der Lage des Inlands- und Auslandsmarkts 
in seiner Höhe, ist aber in einem längeren Zeitraum niemals ein so ge 
ringer Anteil des Gesamtabsatzes, daß er nicht für die gesamten Ver- 
hältnisse der deutschen Eisenindustrie eine erhebliche Bedeutung besäße. 
Die Eisenindustrie hat also in der Versorgung mit Fe-Trägern mit Um- 
ständen zu rechnen, die ihrer unmittelbaren Einflußnahme großenteils 
entzogen sind und von ihr. in gewissem Umfange als notwendig hinge- 
nommen werden müssen‘). Diese Verhältnisse lagen schon vor dem 
Kriege vor, haben aber in der Nachkriegszeit eine besondere Verschär- 
fung erfahren, Mit dem Wegfall von Elsaß-Lothringen und dem Aus- 
scheiden Luxemburgs aus dem deutschen Zollgebiet ist der weitaus 
größte Teil der inländischen Erzbasis der deutschen Eisenindustrie ver- 
lorengegangen, während die heutige deutsche Rohstahlerzeugung an- 
nähernd die gleiche wie in der Vorkriegszeit (Reichs- und Zollgebiet 
früheren Gebietsumfanges) ist. Dazu kommt, daß auch im Ausland der 
Eigenbesitz der deutschen Industrie an Eisenerzen als eine Folge des 
Krieges aufgelöst worden ist, bis auf gewisse Besitzungen, die erst noch 
wirtschaftlich auszubauen sind. Damit unterscheidet sich die deutsche 
Eisenerzeugung von der anderer Produktionsgebhiete, in denen wie bei dem 
(ranzösisch-belgisch-luxemburgischen ‚Erzeugungsgebiet oder bei den 
Vereinigten Staaten von Amerika eine heimische Rohstoffgrundlage ganz 
oder nahezu ausreichend zur Verfügung steht. Denn dort werden ‘die 
Kosten der Träger des metallischen Eisens und damit die Höhe eines 
entscheidenden Kostenfaktors unabhängig vom Weltmarkt bestimmt und 
richten sich im wesentlichen nach den Erzeugungs- oder Förderkosten 
des Rohstoffes. Daher können es gewisse wirtschaftliche Verhältnisse, 
wie niedriger Nominallohn, niedrige steuerliche oder soziale Belastung 
oder andere Faktoren, die eine Niedrighaltung dieser Rohstoffkosten be- 
günstigen, der eisenerzeugendern Industrien dieser Länder ermöglichen, 
auch bei niedrigen Preisen noch mit Gewinn auf den Weltmarkt zu treten. 
Die Entscheidung, ob diese Industrien gewillt sind, ihre Preise für das 
Fertigprodukt den Preiswünschen der Länder anzupassen, die mit höhe- 
ren Selbstkosten arbeiten, hängt allein von ihren wirtschaftlichen Ent- 
schließungen ab. Aus der Verflochtenheit der deutschen eisenerzeugen- 
den Industrie mit dem Weltmarkt und der ungleichen Lage, in der sich 
*\ ") Die Rohstoffversorgung der Werke des Saargebietes ist mit Rücksicht auf 
die derzeitigen besonderen Verhältnisse nicht eingehend untersucht worden.</div>
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