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        <title>Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie</title>
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      <div>Es ist besonders zu bemerken, daß die Verhältnisse der deutschen 
Schrottversorgung in den Nachkriegsjahren durch Währungsverfall, 
Deflationskrise und durch die augenblickliche Konjunktur außerordent- 
lich beeinflußt waren. Dabei ist an und für sich die Könjunkturempfind- 
lichkeit des Schrottmarktes verhältnismäßig groß; die Gründe hierfür 
liegen in Eigentümlichkeiten dieses Marktes, der in erster Linie durch 
lie Mengen bestimmt wird, die über den eigenen Anfall der Verbraucher- 
werke hinaus als Zukaufsschrott benötigt werden. Die Höhe dieses zu- 
sätzlichen Bedarfes hängt nicht nur von dem Beschäftigungsgrad der 
eisenerzeugenden. Industrie, insbesondere der Siemens-Martin-Öfen ab, 
sondern zugleich von den Mengen an Neuschrott, die als Eigenschrott in 
den Werken der eisenschaffenden Industrie anfallen und ohne über den 
Schrottmarkt zu gehen die Bedarfsmenge an Zukaufsschrott und damit 
den Schrottpreis beeinflussen. Bei zunehmender Beschäftigung wird, wie 
auch die Produktionszahlen zeigen, die Siemens-Martin-Stahlerzeugung 
verstärkt. Damit steigt der Bedarf an Zukaufsschrott, soweit nicht die 
Werke, um ein übertriebenes Steigen der Schrottpreise zu verhindern, 
mehr mit flüssigem Roheiseneinsatz in Siemens-Martin-Öfen arbeiten. 
Andererseits kann die Siemens-Martin-Stahlerzeugung auf einer ungefähr 
gleichmäßigen Höhe sich bewegen und der Anfall von Eigenechrott in- 
folge des gestiegenen Beschäftigungsgrades noch ansteigen. Damit wird 
antsprechend die Nachfrage nach Zukaufsschrott abnehmen und als 
Folgeerscheinung der Schrottpreis sinken. Da bei Konjunkturrück- 
zängen in der Regel Siemens-Martin-Anlagen stillgelegt werden, wenn 
man von der Stillegung ganzer Betriebe oder Betriebsgruppen absieht, 
verringert sich der Schrottbedarf, aber nicht in demselben Maße der An- 
fall von Neuschrott innerhalb der Werke. Der £o verhältnismäßig 
stärkere Anfall wirkt dann auf die Preishöhe ein. Umgekehrt verläuft 
die Entwicklung bei Koniunkturaufschwüngen. Dann werden Siemens- 
Martin-Anlagen in Betrieb gesetzt, ohne daß eine entsprechende Steige- 
rung des Eigenschrottanfalls in den Werken bereits stattgefunden hat. 
infolgedessen steigen die Mengen des Zukaufseschrotts an. Die Folge 
davon ist unter Umständen ein starkes Anziehen der Schrottpreise, 
Im ganzen Reichsgebiet werden etwa 90°, der Schrottmenge, die 
überhaupt den Schrottmarkt berührt, durch die Einkaufsorganisationen 
erfaßt. Der Anteil ist so groß, daß die Organisationen, abgesehen 
von möglichen Maßnahmen der Werke bei der Produktion, die ent- 
sprechend wirken, durch eine ‘geeignete Einkaufspolitik den Schrott- 
preis für eine begrenzte Zeitspanne beeinflussen können. Die natürliche 
Bewegung der Schrottpreise als Ergebnis von Angebot und Nachfrage 
kann dadurch für gewisse Zeiträume geändert werden, bis wieder die 
sigentliche Bewegungstendenz sich durchsetzt. 
Wie die Industrie den Schrottmarkt durch ihre Einkaufspolitik zu 
beeinflussen sucht, so versucht dies der Schrotthandel durch. eine ent- 
sprechende Gestaltung seiner Angebote. In der Regel kann das nur bei 
Lagergeschäften durchgeführt werden; da diese aber nur 10°% des ge- 
samten Umsatzgeschäftes ausmachen, dürfen die Einwirkungen der 
spekulativen Tendenzen des Handels nicht überschätzt werden, denen 
die schwierigen Kapitalverhältnisse des deutschen Schrotthandele. die 
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