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        <title>Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie</title>
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      <div>Siegerland, Spateisensteinbezirk: bis 1200 m Tiefe 101 Millionen 
Tonnen Spat und 10,3 Millionen Tonnen Eisenglanz, bis 1300 m 
Tiefe weitere 13,5 Millionen Tonnen Erz. Unter Berücksichtigung 
von 10 °%, Abbauverlust ergibt sich also bis 1300 m Tiefe gewinn- 
bares Erz in einer Gesamtmenge von 112,5 Millionen Tonnen. 
Lahn- und Dill-Bezirk mit Oberhessen: 70,8 Millionen Tonnen Rot- 
eisenstein bei 10° Abbauverlust und 10,1 Millionen Tonnen man- 
ganhaltiger Brauneisenstein bei 15 °/, Abbauverlust, zusammen also 
20,9 Millionen Tonnen. 
Der subherzynische Bezirk Peine-Salzgitter: Brauneisenstein bei 
10 °% Abbauverlust 270 Millionen Tonnen. 
Von den kleineren. Erzbezirken, die zum Teil nur örtliche Bedeutung 
haben, seien genannt: der Vogeleberger Basalt-Eisenerzbezirk, der 
Taunusbezirk einschließlich der Lindener Mark, die Eisenerzlager- 
stätten des Weser- und Wiehengebirges sowie des Teutoburger 
Waldes, der thüringisch-sächsische Erzbezirk, der Harzer Bezirk, 
der schlesische Bezirk sowie der bayrische und württembergisch- 
badische Bezirk und schließlich die Raseneisenerzvorkommen- Nord- 
und Mitteldeutschlands. Es handelt sich hierbei meist um Braun- 
eisensteinvorkommen, auf denen sich in früheren Jahrhunderten 
aine Eisenindustrie gegründet hat, die zum Teil noch bis in die 
heutige Zeit besteht: Maxhütte bei Unterwellenborn, Georgs- 
Marien-Hütte bei Osnabrück, Mathildenhütte im Harz, Wasser- 
alfingen in Württemberg. 
Der gewinnbare Eisenerzvorrat : Deutschlands in den heutigen 
Reichsgrenzen hat sich im Jahre 1917 nach der Schätzung der führenden 
Geologen Beyschlag und Krusch nur auf rund 530 Millionen Tonnen 
belaufen. Das ist noch nicht der dritte Teil des damals auf 1777 Mil- 
lionen Tonnen geschätzten Erzvorrats des verlorenen lothringisch- 
luxemburgischen ‚Minettegebiets. Bringt man von der Menge von 
530 Millionen Tonnen die Eisenerzförderung innerhalb Deutschlands 
(jetziges Zollgebiet) in den Jahren 1917 bis 1925 einschließlich, nach 
der amtlichen Statistik in Höhe von zusammen 55,8 Millionen Tonnen), 
in Abzug, so kann der deutsche Eisenerzvorrat Anfang 1926 auf rund 
A474 Millionen Tonnen geschätzt werden. Der Verlust von ÖOstober- 
schlesien kann außer Ansatz bleiben, da der dortige Eisenerzbergbau 
schon vor der Abtrennung Ostoberschlesiens durch das Genfer Diktat 
von geringer Bedeutung war. . 
Berücksichtigt man, daß die Eisenerzvorräte Frankreichs auf rund 
9763 Millionen, die der Vereinigten Staaten auf 4258 Millionen, die 
Englands auf 2929 Millionen, die Schwedens auf 1325 Millionen Tonnen 
yeschätzt wurden!), so ersieht man, wie arm Deutschland an Kisenerzen 
ist und welchen Verlust die deutsche Eisenindustrie durch die Abtren- 
nung des lothringisch-luxemburgischen Minettegebiets erlitten hat. 
Dieser Verlust war um so schmerzlicher, als unsere auf den Verbrauch 
von Thomaserzen eingestellten Hütten hierdurch vier Fünftel der Grund- 
I) „Gemeinfaßliche Darstellung des Eisenhüttenwesens“, 12. Auflage. 1928, 5. 35. 
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