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        <title>Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie</title>
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            <idno>1762973367</idno>
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        ENTUM
DES
INSTITUTS
WEL OSCOHART
EISEN
7 25618
        <pb n="2" />
        Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungsund
 Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft

Die, Rohstoffversorgung
der deutschen

eisenerzeugenden Industrie

Verhandlungen und Berichte
des Unterausschusses für Gewerbe:
Industrie, Handel und Handwerk

(II. Unterausschuß)

19 2 8

Verlegt bei E. Ss. Mittler &amp;amp; Sohn / Berlin
        <pb n="3" />
        DD 4 f
An
A
A De
&amp;gt; Mol 1084 &amp;amp;
aa &amp;gt;
De”
        <pb n="4" />
        Verzeichnis der Mitglieder und Sachverständigen.

Mitglieder des Unterausschusses für Gewerbe: Industrie,
 Handel, Handwerk. (IIlL Unterausschuß).
Reichsminister a. D. Dr. jur. Dr. d. St. h. c. Bernh
M. d. R. (Vorsitzender) ard. Dernburg,
Dr. Fritz Baade
Friedrich Baltrusch, M. d. R. W.R.
Prof. Georg Bernhard, M. d. R., M.d. R. W.R.
Wirk]. Legationsrat a. D. Dr. Hermann Bücher, M. d. R. W. R
Wilhelm Eggert, M. d. R. W. R. "
Professor Dr. Franz Eulenburg
Reichsminister a. D. Eduard Hamm, M. d. R. W. R.
Geh. Regierungsrat Professor Dr. h. c. Bernhard Harms
Karl Hermann, M. d. R. W.R.
Reichsminister a. D. Dr. Andreas Hermes, M. d. R.
Reichsfinanzminister Rudolf Hilferding, M. d. R.. M. d. R. W..R
Clemens Lammers, M. d. R. a
Franz Liebermann, M.d. R. W. R.
Präsident Dr. Oscar Mulert, M. d.R. W. R.
Staatssekretär a. D. Professor Dr. August Müller, M. d. R. W.R
Georg Müller-Oerlinghausen, M. d. R. W.R. ;
Oberstadtbaurat Dipl.-Ing. Hans Rauch, M. d. R.
Reichsminister a. D: Hans von Raumer, M. d. R.
Prätorius Freiherr von Richthofen, M. d. R. W.R.
Fritz Tarnow, M. d. R., M. d. R. W. R.
Professor Dr. Waldemar Zimmermann

Wissenschaftlicher Sekretär: Dr. Neu.

Mitglieder der 3, Arbeitsgruppe: Eisenindustrie.
Obmann: Staatssekretär a. D. Prof. Dr. August Müller, M. d. R
W. R. VA
Wilhelm Eggert, M.'d. R. W.R.
Geh. Regierungsrat Professor Dr. h. c. Bernhard Harms
Georg Müller-Oerlinghausen, M. d. R. W. R.

Wissenschaftlicher Sekretär: Dr. Neu.

Ständige Sachverständige:
Staatspräsident a. D. Prof. Dr.-Ing. Hermann Hummel. M.d. R
Generaldirektor Eugen Köngeter, M. d. R. )
Professor Dr. Rudolph Meerwarth
Dr. Hans Schneider.

14
        <pb n="5" />
        Verzeichnis der gehörten Sachverständigen.

Dr. Arlt

Beniamin

Dr. Bergmann

Bicker
Birawer ., ;

Blau

Dr; Brennecke

Dr. Buchmann
Dulk .

Dr. Einecke

Dr. Fabian

Free a
Heinson

Kipper
Kubatz
Kunstmann
Dr. Mathesius8

Mattischack
Dr. Möller

Name

Ministerialrat, Preuß. Ministerium für
Handel und Gewerhe a
Vorsitzender des Vorstandes der Rawack &amp;amp;
Grünfeld A.-G., Charlottenburg
Vorstandsmitglied der Ilseder Hütte A.-G.,
Tlsede ;
li. Fa. Bicker &amp;amp; Co., Essen‘
Direktor der Schrotteinkaufs-G. m. b. H.,
Berlin‘ |
Vorstandsmitglied der‘ Jacob Hegenscheidt
 A.-G., Ratibor
Vorsitzender des Vorstandes der Ver.
Oberschlesischen KEisenhütten A.-G.,
Gleiwitz 0.-S.. ;
Verein Deutscher KEisen- und. Stahl-‚Industrieller,
 Berlin
Regierungs - Oberlandmesser, Reichskommissar
 für Ein- und Ausfuhrbewilligung
Bergassessor, , Vorsitzender des Bergund
 Hüttenmännischen Vereins, Wetzlar
Reichsbahndirektor für .die Deutsche
Reichsbahn-Gesellschaft
Dipl.-Ing., Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten,
 Berlin .
Syndikus, Vereinigung ‘der Schrottverbraucher,
 Düsseldorf
Bergassessor, Vorstandsmitglied der
Gutehoffnungshütte A.-G.
i, Fa. Alired Kubatz, Berlin
Konsul, i. Fa. W. Kunstmann, Stettin
Geheimrat, Professor an der Technischen
Hochschule, Charlottenburg
i. Fa. Jacob Mattischack, Stendal
Vorstandsmitglied der Mitteldeutsche
Stahlwerke A.-G., Riesa a.d.E.

Vernehmungstag


7. 10. 27

7. 10. 27

7: 10. 27

7.10. 27
6: 7.27
7.10, 27
6. 7.27

7. 10. 27

6. 7.27
7.10. 27
6. 7.27

7.10. 27

6. 7.27

6. 7.27

6. 7.27

7.10. 27

6. 7.27
7.10.27
6: 7.27

6. 7.27
6. 7.27
        <pb n="6" />
        ö Bus ' Verneh-Name
 der gehörten Sachverständigen nungstag

Nebeling

Dr. Neumark

Oloff
Oppler
Dr. Osann

Dr. Petersen

Dr. Reichert

Rothschild
Stern, Hermann
Willing

Wohlgemuth

i. Fa. Sächs. Stanz- u. Emaillierwerke
vorm. Gebr. Gnuschke, Lauter i. Sa.

Vorsitzender des Vorstandes der Hochofenwerke
 Lübeck A.-G., Herrenwyck
im Lübeckschen
Direktor der Gußbruch-HEinkaufsstelle
G. m. b. H., Düsseldorf
i. Fa. Paul Oppler, Berlin
Geh. Bergrat, Professor an der Bergakademie,
 Clausthal
Geschäftsführer des Vereins deutscher
Eisenhüttenleute, Düsseldorf
Verein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller,
 Berlin
i. Fa. J. Adler jun., Frankfurt a. M.
i. Fa. M. Stern A.-G., Essen
Bergassessor, Berg- und Hüttenmännischer
 Verein, Eisern Krs. Siegen
i. Fa. Schweitzer &amp;amp; Oppler A.-G.. Berlin

6.7.27

7. 10. 27

6. 7.27

6. 7.27
6. 7.27

6. 7.27

6. 7.27
7. 10. 27
6. 7.27
6. 7.27
7, 10. 27

6. 7.27

kN
        <pb n="7" />
        Inhaltsverzeichnis.

Verzeichnis der Mitglieder und Sachverständigen .
Bericht des Ausschusses über die Rohstoffversorgung
der deutschen eisenerzeugenden Industrie . .

Anlagen:
A) Gutachten.

Erz.

lL. Gutachten der Sachverständigen Dr. Buchmann, Geh. Rat Prof.
Dr. Mathesius, Dr. Petersen, Dr. Reichert . .... 0...
Zutachten des Sachverständigen Wenzel „Zur Frage der KEisenerz-‚ersorgung
 Deutschlands, insbesondere Rheinland-Westfalens“.
Statistischer Teil... ... +. ; ® x
Zusammenfassung des Untersuchungsergebnisses der wirtschaftlichen
 Pu der Eisensteingruben des Notstandsgebietes an
Sieg, Lahn, Dill und in Oberhessen von Dr. Wilhelm Adler .
B) Niederschrift der nichtöffentlichen Sitzung am Freitag, dem 7. Oktober
1927 . . HA K #Or MN N N N nF.
Anlagen: 1. Wortlaut des Beschlusses des Reichskabinetts vom
3. Mai 1926 über die Hilfsmaßnahmen im Siegerländer
Erzbergbau . 20.
Beschluß des Preußischen Staatsministeriums zur Behebung
 der Notlage des Sieg-, Lahn-, Dillgebietes . .
8. Frachtverträge . . . . .» # 3
Übersicht über die Fr ragon, die von der Arbeitsgruppe Eisenindustrie
an die einzelnen Sachverständigen in der Frage der Eisenerzversorgung
 gerichtet sind .

0)

Statistischer Teil . NO 4 . ;
Statistische Untörlagon zu den Untersuchungen der deutschen
Bisenversorgung. Gemeinsame Angaben der Sachverständigen
Dr. Buchmann, Geh. Rat Prof. Dr. Mathesius, Dr. Petersen und
Dr. Reichert... +. 0.0... &amp;gt; %®* © &amp;amp; ;
2. Angaben des Statistischen Reichsamts . . . ..
3. Angaben des Handelsstatistischen Amts, Hamburg .
4. Angaben der Hafendirektion Emden . N
5. Angaben der Stettiner Hafenbetriebsgesellschaft m. b. H.
5. Angaben der Deutschen Reichsbahngesellschaft
7. Angaben des Sachverständigen Wenzel
3. Angaben des Sachverständigen Willing
9. Angaben des Sachverständigen Benjamin
10. Angaben des Sachverständigen Brennecke
{1. Angaben des Sachverständigen Kölven
12, Angaben. des Sachverständigen Bicker
13. Angaben des Sachverständigen Neumark
‚4. Angaben des Sachverständigen Buchmann

Lie

Seite
HI

41

58
109

125

1837

188

190
199

2311
217

219
227
237
238
239
240
248
258
261
264
266
268
269
270

VII
        <pb n="8" />
        Schrott:

Seite

A) Gutachten,
i. 1. Gutachten der Sachverständigen Dr. Buchmann, Geh. Rat Prof.
Dr. Mathesius, Dr. Petersen und Dr. Reichert . . . . + + +
2. 1. Gutachten des Sachverständigen Direktor Lange . . . . -
3, 2. Schrottgutachten der Se chwerständlgnn Dr. Buchmann, Geh. Rat
Prof. Dr. Mathesius, Dr. Petersen, Dr. Reichert in Erwiderung des
Gutachtens des Sachverständigen Direktor Lange . . . . +
2. Gutachten des Sachverständigen Direktor Lange . . . +
Gutachten der San veree Dr. Buchmann, Geh, Rat Prof.
Dr. Mathesius, Dr. Petersen, Dr. Reichert zur Frage der Schrottpreise
 in den wichtigsten Eisenländern . . .
Anlagen: Schrottsortenlisten . . . . . ;
Schrottpreise . . 0. 0.000008 Hk RR
Ausführungen des Sachverständigen Dr. Reichert zu der Berechnung
 der Lokopreise. . + 2.040000 8 HH HUHN
Ausführungen des Herrn Reichskommissars für Aus- und Einfuhrbewilligung
 zur Schrottausfuhr + . . 0.0. 0000404 HH
Ausführungen des Vereins Deutscher Schiffswerften e. V. zu dem
Schrottentfall bei den deutschen Werften . . . . + + + + 406
Ausführungen des Vereins Deutscher Maschinenbauanstalten zu
Jem Schrottentfall in der deutschen Maschinenindustrie ... . . 409
Äußerung des Reichsverbandes der Automobilindustrie e. V. zum
Schrottentfall in der Automobilindustrie . . . 2. + + + + + 410
Äußerung der Deutschen Reichsbahngesellschaft über die Lebenslauer
 des von ihr verwendeten Eisens . . 4% w € m a x x 422
Äußerungen des Verbandes Deutscher Schrottbetriebe zur Frage
der Schrott-Tarifierungen . . . + 04 ss
18. Verkaufsbedingungen . . . . +
(4, Übersicht über die Fragen, die von der Arbeitsgrup e Eisen-;'
 industrie an die einzelnen Sachverständigen in er Frage der
„, Schrottwirtschaft gerichtet sind. . . -
B) Niederschriften.
1, der öffentlichen Sitzung am 6. Juli 1927 . 0 000006 art 424
9: der nichtöffentlichen Sitzung am 6. Juli 1927. . 2.00 7. . 505

«

Die än'’den Gutachten und Auskünften vorgenommenen Sperrungen entsprechen
 den von den Sachverständigen vorgenommenen Sperrungen und Unterstreichungen.
 . Sie stellen keine Meinungsäußerung des Enquete-Ausschusses dar.
Die Niederschriften. der Sitzungen sind zur Erleichterung der Übersichtlichkeit
 gekürzt worden. Sie geben aber. ein vollständiges: Bild der Verhandlungen,
Binelne Aussagen sind bei der Drucklegung der. Niederschriften mit Rücksicht
auf die geschäftlichen Interessen der befragten Unternehmungen förtgelassen worden.
Der Berichterstattung liegen .die: ungekürzten‘ Niederschriften zugrunde,

„1
        <pb n="9" />
        Bericht

über die Rohstoffversorgung der deutschen
eisenerzeugenden Industrie.
        <pb n="10" />
        Vorbemerkung.

Der von dem Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs- und
Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft (Enquete-Ausschuß) eingesetzte
 Unterausschuß für Gewerbe: Industrie, Handel, Handwerk
(11T. Unterausschuß) hat in seiner 4. Sitzung am Mittwoch, den 30. Juli
1926, eine aus Mitgliedern des Unterausschusses gebildete‘ Arbeitsgruppe
beauftragt, die Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen eisenerzeugenden
 und eisenverbrauchenden Industrie unter Zuziehung sachverständiger
 Vertreter dieser Industrien zu untersuchen und die Ergebnisse
 der Erhebungen dem Unterausschuß vorzulegen. Die Arbeitsgruppe
 hat ihre Arbeitsgebiete in vorbereitenden Besprechungen festgelegt,
 an denen Vertreter der eisenerzeugenden und eisenverbrauchenden
 Industrie, der Gewerkschaften und der Wissenschaft teilgenommen
haben. Auf Grund dieser Besprechungen. behandelte die Arbeitsgruppe
als ersten Untersuchungsgegenstand die Rohstoffversorgung der deutschen
 eisenerzeugenden Industrie.
Die Vorbesprechungen haben zu Anfragen an sachverständige Persönlichkeiten
 geführt, um die für die Untersuchung erforderlichen Unterlagen
 zu beschaffen; ihre Auskünfte sind den Anlagen beigegeben. Dort
befinden sich außerdem die Angaben der Behörden, die für die Arbeiten
eine wichtige Unterstützung bildeten. Auf der go gewonnenen. Grundlage
war es möglich, die Fragebogen für die mündlichen Vernehmungen der
Sachverständigen aufzustellen. Die Ergebnisse der Vernehmungen bilden
in Verbindung mit dem eonstigen Material die Unterlagen des hiermit
vorgelegten Berichtes. Die Protokolle sind in den Anlagen beigefügt. Bei
der Sammlung und Bearbeitung der Unterlagen wie bei der Befragung
der Sachverständigen und der Erstattung des Berichtes haben die Herren
Köngeter und Dr. Schneider als ständige sachverständige Berater der
Arbeitsgruppe eine wertvolle Mitarbeit, geleistet.
Die wichtigsten Rohstoffe der deutschen eisenerzeugenden. Industrie
sind Eisenerze und Eisenschrott, die Träger des metallischen Eisens
(Fe-Träger), Koks und verschiedene Arten von Kalkerzeugnissen.
Die Bereitungsstoffe Koks und Kalk machen einige Vorbemerkungen
 notwendig. Die Versorgung mit Koks konnte aus diesem Aufgabenkreis
 ausgeschaltet werden, da die entsprechenden Untersuchungen
durch eine besondere Arbeitsgruppe vorgenommen werden, die mit der
Untersuchung der Kohlenwirtschaft beauftragt ist. Diese Aufteilung
des Untersuchungsgegenstandes wurde durch die nachfolgenden Über.
        <pb n="11" />
        jegungen entschieden, Die deutsche eisenerzeugende Industrie, in deren
Besitz sich der entscheidende Teil der deutschen Kokserzeugung befindet,
 ist in ausreichendem Maße imstande, ihren Bedarf an Koks aus der
deutschen Erzeugung zu befriedigen. Nach dem Kriege litt zwar infolge
des Produktionsrückganges und der Zwangslieferungen auf Grund des
Vertrages von Versailles die deutsche Eisenindustrie unter Koksmangel,
der bis zum Jahre 1922 die Eisenerzeugung empfindlich, teilweise sehr
schwer beeinträchtigte. Dasselbe war 1923 während der Besetzung‘ des
Ruhrgebietes der Fall. Seither hat die deutsche eisenerzeugende Industrie
 keinen Mangel an Koke. In seiner Eigenschaft als Bereitungsstoff
ist Koks ein wichtiges Kostenelement der eisenerzeugenden Industrie und
und wird daher bei der Prüfung der Selbstkostenverhältnisse dieser Industrie
 in die Untersuchung einbezogen. Ähnlich liegen die Verhältnisse
 bei dem Bereitungsstoff Kalk. Hier handelt es sich um den Bedarf
an Kalksteinen (kohlensaurer Kalk), gebrannten Kalk, Dolomit, Magnesit,
 Schamotte- und Dinassteinen. Auch hier erscheint die Rohstoffbasis
 gesichert, so daß von einer eingehenden. Untersuchung der Versorgung
 mit diesen Stoffen. abgesehen werden konnte, während Kalk als
Kostenelement bei der Prüfung der Selbstkostenverhältniese#der deutschen
 eisenerzeugenden Industrie berücksichtigt wird.
Anders liegen die Verhältnisse bei der wichtigsten‘ Rohetoffkomponente
 der deutschen Eisenerzeugung, bei den Trägern des metallischen
Eisens: Erzen und Schrott. Auch hier ist der Einfluß dieser Rohstoffe
 auf die Höhe der Erzeugungskosten zu prüfen, in den Vordergrund
 tritt aber die Frage, inwieweit heute überhaupt die Versorgung
der deutschen eisenerzeugenden Industrie mit den Trägern des metallischen
 Eisene (Fe-Träger) gewährleistet ist, die in diesem Bericht besonders
 behandelt wird. ,
Einleitend wird die gesamte Problematik der deutschen Erz- und
Schrottversörgung uhd im Anschluß daran die Untersuchung in ihren
Einzelergebnissen dargestellt.
Entsprechend der Gesamtaufgabe ist davon abgesehen, in dem Bericht
 zu Fragen Stellung zu.nehmen, die zwar im Verlauf der Erhebung
von den Sachverständigen berührt worden sind, die aber, wie etwa _ die
zesamten sozialen Verhältnisse des Siegerlandes und des Lahn-Dill-Gebietes,
 nicht unmittelbar zu dem eigentlichen Aufgabenkreis gehörten.
Daneben: wurden, soweit es angängig erschien, Verhältnisse von nur
augenblicklicher . oder. ‘nach Auffassung‘ der Sachverständigen vorübergehender
 Bedeutung ‘ausgeschaltet... Im Rahmen des Möglichen beschränkt
 eich der Bericht. auf Überlegungen und Feststellungen, die
längere Geltungsdauer beanspruchen.

Einleitung.

Als wesentliche Rohstoffe. der deutschen eisenerzeugenden Industrie
eind.-Erze und  Eisenechrott, die eigentlichen Träger des metallischen
Eisens (Fe-Träger), :zu nennen. Neben Eisen- ’und .Eisenmanganerzen
kommen innerhalb der Gruppe der Erze als Fe-Träger noch Mangaharze.
 Schweißschlacken, Walzschlacken,: Hammerschlacken, Konverter-
        <pb n="12" />
        auswurf sowie Martinschlacken und Thomasschlacken in Frage, die
letzten auch‘ als Mangan- oder Phosphorträger. Teilweise sind sie
Nebenerzeugnisse der eisenerzeugenden Industrie; außerdem finden
Rückstände aus der Schwefelsäuregewinnung (Kiesabbrände) sowie
Rückstände der Teerfarbengewinnung (Eisenoxyde) Verwendung.
Beim Bezug der beiden wichtigsten Träger des metallischen Kisens,
Erz und Schrott, wird die enge Verbundenheit der deutschen eisenerzeugenden
 Industrie mit dem Weltmarkt ersichtlich. Die Industrie ist
darauf angewiesen, einen bestimmenden Teil ihres Bedarfs an Fe-Trägern
im Ausland zu decken, während sie mit einem Teil ihrer Erzeugung
wieder auf den Weltmarkt treten muß. Dieser Auslandsabsatz
schwankt zwar entsprechend der Lage des Inlands- und Auslandsmarkts
in seiner Höhe, ist aber in einem längeren Zeitraum niemals ein so ge
ringer Anteil des Gesamtabsatzes, daß er nicht für die gesamten Verhältnisse
 der deutschen Eisenindustrie eine erhebliche Bedeutung besäße.
Die Eisenindustrie hat also in der Versorgung mit Fe-Trägern mit Umständen
 zu rechnen, die ihrer unmittelbaren Einflußnahme großenteils
entzogen sind und von ihr. in gewissem Umfange als notwendig hingenommen
 werden müssen‘). Diese Verhältnisse lagen schon vor dem
Kriege vor, haben aber in der Nachkriegszeit eine besondere Verschärfung
 erfahren, Mit dem Wegfall von Elsaß-Lothringen und dem Ausscheiden
 Luxemburgs aus dem deutschen Zollgebiet ist der weitaus
größte Teil der inländischen Erzbasis der deutschen Eisenindustrie verlorengegangen,
 während die heutige deutsche Rohstahlerzeugung annähernd
 die gleiche wie in der Vorkriegszeit (Reichs- und Zollgebiet
früheren Gebietsumfanges) ist. Dazu kommt, daß auch im Ausland der
Eigenbesitz der deutschen Industrie an Eisenerzen als eine Folge des
Krieges aufgelöst worden ist, bis auf gewisse Besitzungen, die erst noch
wirtschaftlich auszubauen sind. Damit unterscheidet sich die deutsche
Eisenerzeugung von der anderer Produktionsgebhiete, in denen wie bei dem
(ranzösisch-belgisch-luxemburgischen ‚Erzeugungsgebiet oder bei den
Vereinigten Staaten von Amerika eine heimische Rohstoffgrundlage ganz
oder nahezu ausreichend zur Verfügung steht. Denn dort werden ‘die
Kosten der Träger des metallischen Eisens und damit die Höhe eines
entscheidenden Kostenfaktors unabhängig vom Weltmarkt bestimmt und
richten sich im wesentlichen nach den Erzeugungs- oder Förderkosten
des Rohstoffes. Daher können es gewisse wirtschaftliche Verhältnisse,
wie niedriger Nominallohn, niedrige steuerliche oder soziale Belastung
oder andere Faktoren, die eine Niedrighaltung dieser Rohstoffkosten begünstigen,
 der eisenerzeugendern Industrien dieser Länder ermöglichen,
auch bei niedrigen Preisen noch mit Gewinn auf den Weltmarkt zu treten.
Die Entscheidung, ob diese Industrien gewillt sind, ihre Preise für das
Fertigprodukt den Preiswünschen der Länder anzupassen, die mit höheren
 Selbstkosten arbeiten, hängt allein von ihren wirtschaftlichen Entschließungen
 ab. Aus der Verflochtenheit der deutschen eisenerzeugenden
 Industrie mit dem Weltmarkt und der ungleichen Lage, in der sich

*\ ") Die Rohstoffversorgung der Werke des Saargebietes ist mit Rücksicht auf
die derzeitigen besonderen Verhältnisse nicht eingehend untersucht worden.
        <pb n="13" />
        ihre Rohstoffversorgung zu der ausländischen befindet, erklärt sich die
außerordentliche Bedeutung, die den Fe-Trägern als Rohstoff zukommt.
Dabei ist zu bedenken, daß bei einem nach dem Thomasprozeß hergestellten
 Rohblock die Einsatzkosten der Fe-Träger etwa 55 bis 60 % der
gesamten Erzeugungskosten darstellen.
In Anbetracht dieser Gesamtlage war es erforderlich, einen Überblick
 über den Bedarf der‘ deutschen eisenerzeugenden Industrie an Fe-Trägern
 und die inländischen und ausländischen Quellen, aus denen er
gedeckt wird, zu gewinnen, Dabei waren die Bedingungen, die hierbei
für Deutschland und andere eisenerzeugende Länder gelten, zu berücksichtigen,
 vor allem die Maßnahmen, die hemmend oder fördernd auf die
Verteilung des metallischen Eisens einwirken.

|

Der Bedarf der deutschen eisenerzeugenden Industrie an Trägern von
metallischem Eisen.

Der Bedarf der deutschen eisenerzeugenden Industrie an Trägern
des metallischen Eisens hängt in seinem Gesamtumfang von dem Beschäftigungsgrad
 der Industrie ab. Bei seiner Errechnung verbietet es
der verschiedene Eisengehalt der einzelnen Erze, etwa von den Bruttogewichten
 der in Deutschland geförderten und nach Deutschland eingeführten
 Eisenerze auszugehen; es muß vielmehr eine} Errechnung des
Gesamtverbrauchs deß tatsächliche*Eisengehalt der Erze zugrunde gelegt
 werden. Dabei müssen, da der Eisengehalt gewisse Verschiedenheiten
 aufweist, an Stelle einer auf Grund der Einzelanalysen. ermittelten
Durchschnittsberechnung geschätzte Gehaltszahlen verwendet werden,
von denen aber angenommen. werden kann, daß sie den tatsächlichen
Verhältnissen nahezu entsprechen. Dann ergibt sich für das Gebiet des
heutigen Reichsumfanges der folgende Verbrauch an metallischem
Eisen!), wobei der Errechnung die Erzeugung von Gußwaren 1. und
2. Schmelzung, Rohstahl und Schweißstahl, unter Berücksichtigung des
Verlustes an metallischem Eisen im Erzeugungsprozeß (Abbrand usw.)
zugrundeliegt.

1918, altes Gebiet . .
1918, neues Gebiet .
1924 . .
1925 .. „oe
1926 . ;
19272)

21,98 Mill. t.
15 ‚33 “ 7
11,66
1408
14/67
19.68

Zur Deckung des Bedarfs haben die einzelnen Träger des metallischen
 Eisens in verschiedenem Maß gedient. Bereits in den einleitenden
 Ausführungen wurde darauf hingewiesen, daß Eisenerze und Schrott
in gewissem Umfang gegenseitig ersgetzbar sind. Die nachfolgende Aufstellung
 zeigt deutlich die jeweils eintretenden Verschiebungen.

1) Der Verbrauch an Schrott in den Gießereien ist dabei nicht berücksichtigt.
Die Zahlen sind aus der Produktionsstatistik des Statistischen Reichsamts genommen.
2) Die Zahl für 1927 ist nach der Erzeugungsstatistik des Vereins Deutscher
Eisen- und Stahlindustrieller, Berlin, berechnet:
        <pb n="14" />
        Der Verbrauch von Fe-Trägern (auf ungefähren
Fe-Gehalt umgerechnet) in Deutschland innerhalb
 der eisenerzeugenden Industrie (ohne Gießereien)
 in 1000 t und in v. H. des Gesamtverbrauchs.

Jahr

1913 (altes Reichsgebiet) . .
1913 (heutiges Reichsgebiet) !)
1924 . . . .
1925 , #
1926

Erze 3

1000 € |

rd. 16100
N 960
Do ou0
8 950
8 660

y.H.

1000 tt

rd, 5892
„4766
en „5057
‚861 | „ 5980
; 59 | „6006

Schrott

v.H.

rd, 27
„ 32
” 44
„89
“„ 41

Der überwiegende Teil der deutschen Eisenerzeugung erfolgt im
Thomasverfahren und Siemens-Martin-Verfahren. Nach dem Bessemer-Verfahren
 werden in Deutschland nur verschwindend kleine Mengen hergestellt.
 Sie sind der Einfachheit halber in der Statistik mit dem
Thomasstahl zusammengefaßt. Der Anteil der beiden Verfahren ergibt
sich aus der nachfolgenden Aufstellung:

Die Erzeugung an Siemens-Martin-Stahl und
Thomasstahl.

Jahr

1913 (altes Reichsgebiet) . .
1913 (heutiges Reichsgebiet)
1924 2020 .
1925 20.000.000. .
1926 . ; r
192731.

Siemens-Martin-Stahl , Thomassfahl
in 1000 %*

7418
3147
5 462
6607
6 582
9191

9378
5 166.
4017
5133
5453
6 904.

Das Thomasverfahren verwendet grundsätzlich Eisenerze mit
hohem Phosphorgehalt, Schrott findet nur eine geringe Verwendung.
Im Siemens-Martin-Prozeß dagegen wird vorwiegend Schrott eingesetzt.
Der Schrottbedarf ist daher zunächst durch das Maß bestimmt, in dem die
beiden Erzeugungsarten zur Rohstahlgewinnung herangezogen werden.
Dabei hängt zwar die Ausnutzung der Anlagen von dem Beschäftigungegrad
 der eisenerzeugenden Industrie ab, doch verläuft die Inanspruchnahme
 beider Erzeugungsmöglichkeiten nicht der Kurve des Beschäftigungsgrades
 parallel. Die Herstellung von Siemens-Martin-Stahl
pflegt dort, wo beide Erzeigungsanlagen nebeneinander vorhanden sind.

1) Im Vergleich zu den anderen Schätzungen ist die Angabe für 1918 heutiges
Reichsgebiet nur als außerordentlich grobe Schätzung anzusehen.
?) Einschließlich Manganerze, Schlacken, Sinter, Abbrände usw.
% Für 1927 sind die Erzeugungszahlen gemäß der Statistik des Vereins
Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, Berlin, zugrundegelegt worden.
        <pb n="15" />
        dem wechselnden Beschäftigungsgrad angepaßt zu werden, da sie dazu
leichter geeignet ist als die Thomas-Stahl-Erzeugung, die aus betrieblichen
 Gründen möglichst gleichmäßig gehalten wird. Innerhalb des
Siemens-Martin-Verfahrens kann weiterhin ohne entscheidende technische
Hindernisse aus Erzen gewonnenes Roheisen an Stelle von Schrott und
umgekehrt verwendet werden. In welchem Umfang die beiden Stoffe
für die Erzeugung von Siemens-Martin-Stahl herangezogen werden, wird
aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten vor allem nach ihrer Preishöhe
entschieden.
In der Nachkriegszeit waren für die deutsche eisenerzeugende Industrie
 bei dieser Entscheidung mit den rein wirtschaftlichen Erwägungen
 andere Einflüsse verbunden. Durch die Gebietsabtretungen in Ausführung
 des Vertrages von Versailles verlor die deutsche eisenerzeugende
Industrie zunächst ihre Bezugsmöglichkeit von Minetteerzen. Außerdem
 mangelte es ihr in den ersten Jahren nach dem Kriege an Devisen
zum Kauf von ausländischen Erzen.. Zugleich reizte der starke Entfall
von Schrott aus Kriegsmaterial zu einem erhöhten Schrottverbrauch
an. In gleicher Richtung wirkte die Kohlen- und Köksknappheit dieser
Jahre, die zeitweise die für den Hochofenbetrieb verfügbaren Koksmengen
 stark beschränkte und so zur Verstärkung; der auf Schrott aufgebauten
 Siemens-Martin-Stahlerzeugung zwang, da sie nicht unmittelbar
 Koks und, auf Rohstahl berechnet, weniger Kohle benötigt. Deshalb
gingen auch in diesem Jalire die Hochofenwerke dazu über, große
Mengen Schrott zu verwenden, was vor dem Kriege nur in ganz geringem
Maße und in besonderen Ausnahmefällen geschehen war. Auf 100 € im
Hochofen: erzeugtes Roheisen kam im deutschen Reichsgebiet (heutiger
Gebietsumfang) ein Schrotteinsatz von

Jahr

1918
919
920
‚9321
922
1928
1924
1925
1926

1,24
:2,30
4,90
4,52
0,44
0,45
3,22
6,81
6.75

Während im Jahre 1913 auf 100 t im Hochofen erzeugtes Roheisen
nur ein Schrotteinsatz von 1,24 t kam, ist dieser Schrotteinsatz in den
Jahren 1920 und 1921 auf 14,90 t bzw. 14,52 t gestiegen, um. bis zum
Jahre 1926 wieder zu sinken. Heute, nach Überwindung jener Schwierigkeiten,
 wird Schrott im Hochofen nur noch zugesetzt, wenn es sich um
minderwertigen, nur für den Hochofenbetrieb geeigneten Schrott handelt,
der in günstiger Frachtlage aufgekauft werden kann. .
Aus der nachstehenden Berechnung: ergibt sich, daß auch in den
Stahlwerken im. Vergleich zu den Jahren 1920/21. der Schrottverhrauch
        <pb n="16" />
        zurückgegangen ist, da die Gründe für den erhöhten Schrottverbrauch
der ersten Nachkriegsjahre zum Teil hinfällig geworden eind. Es entfielen
 auf den Verbrauch von 100 t Roheisen in Deutschland (jetziger
Gebietsumfang) folgende Mengen Schrott:

Jahr

1918.
1919.
1920.
1921, .
1922 .
1928.
1924 .
1925 .
1926 .

E

54,0
75,5
80,5
75,4
78,1
88,7
67,5
66,5
85.7

Die Versorgung der deutschen eisenerzerzeugenden Industrie mit
Eisenerzen.
Der Gesamtverbrauch an Eisenerzen in der deutschen eisenerzeugenden
 Industrie gestaltete sich folgendermaßen:
Der Verbrauch der Hochöfen in Deutschland an
Eisenerzen 1913 und 1925—26, auf ungefähren Fe-Gehalt
 umzryerechnet.

fahr

1913 (altes Reichsgebiet)
1913 (heutigesReichsgebiet)
1924 0... ‘
1925 2...
1998

Verbrauch an Eisenerzen | Davon aus dem
und Eisenmanganerzen | Inland (jeweiliges
insgesamt!) Zollgebiet)

in 1000

rd. 14 200
„9200
„6100
» 8250
” 7450

rd. 8 700
„ 1850
„ 1400
„17560
„1550

1

In v.H.
des
Gesamtver-



61,3
20,1
22,9
21,2
20.9

Bei der vorliegenden Schätzung wurde die amtliche Produktions-Statistik
 zugrunde gelegt. Der ungefähre Fe-Gehalt wurde bei den
inländischen Erzen nach dem Durchschnittegehalt der Erze gemäß den
Angaben der amtlichen Produktionsstatistik ermittelt, bei den ausländischen
 Erzen erfolgte die Umrechnung entsprechend den Angaben
der Sachverständigen. Die Schätzung des Verbrauchs des heutigen
Reichsgebietes im Jahre 1913 ergibt nur eine grobe Annäherung, da. die
amtliche Produktionsstatistik zu den inländischen Erzen auch die aus
Luxemburg und Ost-Oberschlesien in das heutige Reichsgebiet versandten
 Erze hinzurechnet. Infolgedessen wurde der Versand der
Luxemburger Erze in das heutige Reichsgebiet nach den Angaben der

) Ohne Manganerze, Abbrände, Schlacken, Sinter usw.

2 Eng.-Aussch. III. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.
        <pb n="17" />
        Verkehrsstatistik abgesetzt. Für Ostoberschlesien, wo das nicht mÖöglich.
 war, handelt es sich nur um geringe Mengen.
Auf Fe-Einheiten bezogen, wurden also ım Jahre 1913 rund 60 °%,
und 1926 rund 20°, durch inländische Erze gedeckt, während durch
ausländische Erze 1913 rund 40 und 1926 rund 80 °/ des Bedarfs befriedigt
 wurden. Die Einfuhr von Eisenerzen betrug dementsprechend
im Durchschnitt der Jahre 1909—1913 für das deutsche Zollgebiet
alten Umfanges rund 11 Mill. t mit einem Eisengehalt von rund 6 Mill. t.
{m Jahre 1925 wurden 11,5 Mill. t mit einem Eisengehalt von 6,2 Mill. t
eingeführt.
Bei dieser Berechnung ist die verschiedene industrielle Verwertbarkeit
 der einzelnen Auslandserze nicht berücksichtigt; Diese hängt,
abgesehen vom Eisengehalt, in erster Linie von dem Gehalt an Mangan
und Phosphor sowie an Kieselsäure ab. Wichtig ist die Menge des
Phosphorgehalts, da hohe Phosphorhaltigkeit für die Erzeugung von
Thomasroheisen, niedriger Phosphorgehalt und hoher Mangangehalt für
die Erzeugung bestimmter anderer Roheisensorten besondere Vorteile
 hat.
Bei der Bedeutung des Thomas-Stahlprozesses, der trotz der mengenmäßigen
 Steigerung der Siemens-Martin-Stahlgewinnung die eigentliche
Grundlage der deutschen Stahlerzeugung bildet, ist eine Unterscheidung
von Erzen mit verhältnismäßig hohem Phosphorgehalt und solchen ohne
ihn in der nachfolgenden Untersuchung erforderlich, um so. mehr, als die
Marktverhältnisse für die beiden Erzgruppen nicht durchaus gleichgeartet
 sind.
Während bis zum Kriegsende die deutsche Eisenwirtschaft die hochphosphorhaltigen
 Eisenerze Lothringens und Luxemburgs (Minette) im
eigenen Wirtschaftsgebiet zur Verfügung hatte, wird: hochphosphorhaltiges
 Erz im heutigen deutschen. Gebiet nur an zwei Stellen und in
geringen Mengen gefördert und an Ort und Stelle verhüttet!). Fast die
gesamte deutsche eisenerzeugende Industrie ist also bei phosphorhaltigen
Erzen auf die verschiedenen ausländischen Gebiete angewiesen. Auch
der übrige Bedarf an Eisenerzen wird zu einem großen Teil aus dem
Auslande eingeführt. Die Entwicklung der Einfuhr geht aus der nachstehenden
 Aufstellung hervor.

Die Einfuhr von Eisenerzen nach Deutschland
auf ungefähren Eisengehalt umgerechnet in 1000 *.

Jahr

Durchschn.
1909/18
1918
1925 ,
1926
1927

Frankreich

_ Belgien,
imxembure

Schweden,
Norwegen

Zusammen

Andere
Länder

370,8 118,7 2995,5 8210,0 2428,38
410,0 63,6 2984,6 4408,2 2651,9
408,8 109,5 4475,7 4994,0 275,4
537,2 | „86,9 3566,83 4186,4 872,2
966,8 87.9 5861.41 6415.8 929886

*) Im nachfolgenden wird davon abgesehen, auf die individuellen Verhältnisse
der beiden Werke einzugehen, die nicht als typisch für die deutsche Eisenwirtschaft
anzusprechen sind.

'n
        <pb n="18" />
        Die Angaben beziehen ‚sich auf das jeweilige Reichsgebiet; dementsprechend
 sind sie für Frankreich bei dem Durchechnitt 1909/1913
und für 1913 ohne Elsaß-Lothringen, ab 1925 einschließlich Eleaß-Lothringen,
 die Angaben Durchschnitt 1909/1913 und 1913 nur für
Belgien und erst ab 1925 für Belgien und Luxemburg erfolgt. Aus
Lothringen wurden 1913 rund 1.100 000 t (Eisengehalt), aus Luxemburg
1913 rund 400000 t (Eisengehalt) nach den Zahlen der Verkehrsestatistik
 in das heutige Reichsgebiet versandt, die für die Gesamtbeurteilung
 des deutschen Bezugs berücksichtigt werden müssen.
.. Die Zahlen spiegeln die jähe Entwicklung wider, die sich infolge des
Wegfalls von Elsaß-Lothringen und des Ausscheidens von Luxemburg aus
dem deutschen Zollgebiet ergab, woher ein. wesentlicher Teil des Bezugs
an phosphorhaltigen Erzen in das heutige Reichsgebiet erfolgt war. Es
ist nicht möglich, die Einfuhrzahlen der hochphosphorhaltigen Erze in
das heutige Reichsgebiet für das Jahr 1913 zuverlässig zu ermitteln,
aber hinreichend sicher kann man feststellen, daß jedenfalls in der
Bedeutung der einzelnen Länder für den deutschen Bezug beachtliche
Veränderungen eingetreten sind. Infolge des Vertrages von Versailles
ging das Eigentum an den Lagerstätten in Elsaß-Lothringen und in
Nordfrankreich verloren, die eine stetige Versorgung; mit phosphorhaltigen
 Erzen gewährleistet hatten. Der Verlust machte sich um 6o
mehr. geltend, als in den Jahren nach Beendigung des Krieges, insbesondere
 bis zum Abschluß des deutsch-französischen Handelsvertrages
und der damit verknüpften sonstigen Vereinbarungen, der marktmäßige
Bezug der französischen Erze in besonderem Maße unsicher war. Ein
sehr erhöhter Teil der Bedarfsdeckung ist deshalb aus anderen Bezugsgebieten
 erfolgt. So hat sich die deutsche eisenerzeugende Industrie auf
die Verhüttung der phosphorhaltigen Eisenerze aus Schweden und Norwegen
 eingestellt. Dabei kam der Industrie zugute, daß zwar die Erze
eine weitere Strecke zu befördern sind, daß sie aber einen wesentlich
höheren Gehalt an metallischem Eisen besitzen als Minetteerze, so daß
die Frachtkosten für die Einheit metallischen Eisens nicht proportional
dem verlängerten Transport steigen; auch wird im Hochofenprozeß bei
Verwendung dieser hochwertigen Erze weniger Koks verbraucht. Zugleich
 hat man sich zur Verwendung gering phosphorhaltiger Erze entschlossen,
 denen Phosphor in Form von Phosphatkreide oder in ähnlichen
 Formen beigegeben wird, um damit den unmittelbaren Bedarf an
hochphosphorhaltigen Erzen‘ zu mindern. Anders als bei den hoch-Phosphorhaltigen
 Erzen blieb die Bedarfsdeckung der deutschen eisen-Erzeugenden
 Industrie mit Eisenmanganerzen und Manganerzen ohne
Schwierigkeiten. Der Verbrauch von Manganerzen mit über 30%
Mangan stellte sich‘ im Gebiete des jetzigen Reichsumfanges im Jahre
1913 auf 700 000 t, während er im Jahre 1925 250000 % betrug, hauptsächlich
 infolge der erhöhten Schrottverwendung. Dementsprechend ist
die Einfuhr von Manganerzen zurückgegangen. Im alten Reichsgebiet
betrug sie im Durchschnitt der Jahre 1909/1913 noch rund 500 000 t, im
Jahre 1925 nur noch 200 000 t. Ein verhältnismäßig hoher Anteil des
deutschen Bedarfs an Manganträgern kann durch die einheimische Erzförderung
 gedeckt werden, so kann das Siegerland. dessen Erz auf-|*
        <pb n="19" />
        bereitet etwa. 6 bis 9% Mangan enthält, allein einen Bedarf von rund
140 000 t Mangan decken. Von den ausländischen Manganerzen haben
die größte Bedeutung die kaukasischen und brasilianischen Erze,
Die Bedeutung, die dem Bezug von ausländiechen Eisenerzen zukommt,
 ist also nicht einheitlich. Bei den phosphorhaltigen Eisenerzen
muß nahezu der gesamte Bedarf aus dem Auslande befriedigt werden,
während die erforderlichen Eisenmanganerze wenigstens zu einem Teil
im Inlande gefördert werden können. Eine Deckung der gesamten
deutschen Nachfrage an KEisenerzen, Eisenmanganerzen und Manganerzen
 aus inländischen Gruben ist unmöglich. Somit besteht die Frage,
ob der deuteche Bedarf an Eisenerzen jederzeit ausreichend! und unter
Bedingungen befriedigt werden kann, die eine internationale Konkurrenzfähigkeit
 der deutschen eisenerzeugenden Industrie im Inland und Ausland
 gewährleisten. Es ist also nicht nur zu prüfen, ob der deutschen
Nachfrage ein ausreichendes Angebot gegenübersteht, sondern auch, ob
zu Preisen und Bedingungen, die nicht von vornherein die Konkurrenzfähigkeit
 der deutschen Eisenindustrie beeinträchtigen, Für die letzte
Frage ist von besonderer Bedeutung, daß die internationale Zusammenschlußbewegung
 im Erzbergbau, insbesondere in den Gebieten, die für
die Versorgung der europäischen Eiseninduetrie üblicherweise dienen,
ständig zunimmt und damit zwar nicht eine Verengung des mengenmäßigen
 Angebots auf dem Markt, wohl aber eine Verminderung in der
Zahl der Anbieter und eine Stärkung ihrer Machtstellung eintritt.
Nach den Auskünften der Sachverständigen ist das Angebot an
Eisenmanganerzen und Manganerzen genügend.‘ Bei phosphorhaltigen
Erzen sprechen die Sachverständigen mit Besorgnis über die zukünftige
Entwicklung. Als Gründe eines gewissen Mangels wurden die Ausfuhrkontingentierung
 für schwedische Erze und der beschränkte Abbau in
dem Erzbergbau Frankreichs angegeben. Ein kritischer Überblick über
die Gesamtlage führt zu dem Schluß, daß zur Zeit in Produktionsabschnitten
 ohne außergewöhnliche Hochkonijunktur von einem ausgesprochenen
 Mangel kaum die Rede sein kann. Wenn bei Hochkonjunktur
 der eisenerzeugenden Industrie in verschiedenen Gebieten
oder auch nur in einem einzigen, aber sehr wichtigen Erzeugungsgebiet
 eine Verknappung eintritt, so kann sie, sobald man die auf lange
Zeiträume berechneten Förderdispositionen des Erzbergbaus in Berücksichtigung
 zieht, nicht ale besonderes Symptom einer ausgesprochenen
Erzknappheit angesehen werden, sondern entspricht Verhältnissen, die
auch in anderen Industriezweigen unter ähnlichen Umständen einzutreten
pflegen. Dabei ist die Erzversorgung der europäischen Eisenindustrie
allerdings auch dadurch beeinflußt worden, daß zu der europäischen
Erzeugungsfähigkeit an Eisen, wie sie vor dem Kriege bestand, neben
dem sonstigen Zuwachs die in Deutschland neugeschaffene und im letzten
Jahre voll ausgenutzte Erzeugungsfähigkeit hinzugekommen ist. Daß
sich diese in erster Linie auf den Thomasprozeß stützt, muß in diesem
Zusammenhang in Betracht gezogen werden. Die Preise in den verschiedenen.
 Fördergebieten hängen selbstverständlich in einem bestimmten
 Verhältnis von den Förderkosten ab; hier war, soweit es sich um
ausländische Gebiete handelt, ein Einblick nicht möglich.
        <pb n="20" />
        Die Preisbewegung der wichtigsten Eisenerze geht aus der nachfolgenden
 Übersicht hervor:

Preise für Eisenerze je t in den Jahren 1909—1913
und 1924—1926.

Erzsorte

Währung


1909 | 1910 | 1911 | 1912 1913 | 1924 | 1925 | 1926

i. Ausländische Erze.

a) Schwed. A-Erz,
phosphorarm, Basis
 60% Fe im
Trocknen
cif Stettin. . .

frei Kosel. . .
cif Rotterdam. . 1
frei Kahn Ruhr .

)Schwed. D-Erz,
phosphorreich,
Fe-Basis 60 % im
Trocknen
eif Stettin...

frei Kosel , . .
cif Rotterdam. ,
frei Kahn Ruhr .
*\Minette, 85 % Fe
im Feuchten, frei
Waggon Grube .
'rei Waggon deutsche
 taz —_—
"rei Waggon Dortmund
 . . .
HRubio-Erz, 50 %
Fe im Feuchten,
[. Sorte, frei Kahn
Rotterdam .'. .
rei Kahn Ruhr .

&amp;gt;) Bülbao-Rostspat,
Fe50% im Feuchten,
 frei Kahn Rotterdam
 . . ..
frei Kahn Ruhr .
\ Russ, Mangaherz
(Stückz.) cif Rotterdam
 je % Mn

skr.

M_

skr.
M.

15,25 | 15,25
18.40 | 18.40

14,95 | 15,15 |
1840| 18.40 '

skr.

M.

skr.
M. |

11,90 15,25
14.60 | 18.35

15,25
18,75

15,25
18.50

M. |

2340| 855

8,80 |

2.90 |

M. .

M. | 9201 94151 9.60|

9,70 |

sh. | 15/9 | 17/6 | 18/5
M. | 16.70 1845| 19.80

18/6
19.55

sh. 1
M.

18/6 | 16J- |
14.40 16,95

16/3 16/-17.60
 | 17.10

d.

9,— 9,25

9.25| 9,50

19,50
97,38

19,60
19,77
27,52
27,71
20,05
24.20

15,15 | 21,40
18,40 | 26,25

18,50 ı
[9,=28,87

15,25
18,50.)

17,60
17,50 ka
25,28
25,14 26,60
16,80 16,20
21.15 20.—

4$ —

4.75 ı

4,95

6,05 1

6.45

9,801 11,—

11.50

18/6
19.65

21/- |
99 65

19/-00.95


16/8
17.85

19/- |
20.65

18/8
109.50

10.— | 22.75

91 95

19,50
21,50
27,06
29,80
20,45
24,90. X

17,50
19,50
24,82
27,06
16,45
22,75 X

5,20

Tau

11.30 X

BL

L7/6
185711. Dr

17/6
18.85 V

18,37
        <pb n="21" />
        Erzsorte

Siegerländer Rost- !
spat, ab Grube .
Siegerländer Rohen
 tel quel, ab
ruübe .. 0...
Nassauischer Rotegisenstein,
 1. Sorte,
 45—50 % Fe,
ab Grube . . .
Nassauischer Rotsisenstein,
 2. Sorte,
 40—45 % Te,
ab Grube . ..

Währung


AM

M.

AA

1909 | 1910 | 1911 | 1912 | 1918 * 1924

| 1925 | 1926

nn

"”nc’sche

Erze.

18,85

22,78

20,98 | 19,35

19,25

13. —

17,23 | 15,73 | 14.49

14.23

(4.10

16,85
16.35 ı

16,50 |
16,— |

15,33
14,83

15,08
14.58

10,90 | 10.35 | 10,—| 8,83 | 8,58

Der besseren Vergleichsmöglichkeit halber sind die Preise frei
deutsches Hüttengebiet eingefügt worden. Der Preis der Einheit des
metallischen Eisens zeigt in den Fördergebieten für bestimmte Zeiträume
 eine gewisse Gleichmäßigkeit, dagegen schwankt der Preis bis zur
Hütte durch die wechselnden Frachtraten der Seeschiffahrt und der
Binnenschiffahrt und die verschiedenen Eisenbahnfrachten bei ungleichen
Entfernungen und Tarifen. Die Frachtraten für Eisenerze in der Seeschiffahrt
 hängen vom Gesamtweltfrachtenmarkt ab und haben folgende
Entwicklung gezeigt:

Durchschnittliche Erzfrachten je t.

Herkunftsländer


Schweden ...
Schweden ...
Norwegen und
Schweden. .

Spanien ....
Spanien .....
Rußland
(Kaukasus) .

Von-— Nach

Währung


1913 | 1924

| 40995

1926

— 19927

Lulea—Stettin
Lulea— Emden

skr, |
skr.
skr. ı
sh. 1
sh.

4,00 | 4,35 | 4,20 | —) 1
415%! 4,25 | 480 ' 4,90
5,75 | 423 | 8,76 | 497
41 6/94, |
6/41. 6/71

4,47
4,90
4,15
5/8 | 5/68, | 5/11
5/8 | 68 |
11/5%, | 18/6 | 13/94

Narvik—Emden, ı
Rotterdam
| Bilbao— Rotterdam |
Huelva —Rotterdam
Poti—Rotterdam | sh. [11/10. 14/118,

Angesichts des genügenden Tonnagebestandes der Welthandelsflotte
ist nach Meinung der Sachverständigen in den nächsten Jahren keine
wesentliche Steigerung der Erzfrachten bei den wichtigsten Frachtverbindungen
 zu erwarten. In der Höhe der Seefrachten für ausländische
Eisenerze ist Deutschland gegenüber England im Nachteil, da Deutsch-!)

 Verschiffungen mit eigenen Dampfern der schwedischen Ablader, Fracht
anbekannt.
2) Annähernde Fracht.

A
        <pb n="22" />
        land für die Rückfracht nicht in demselben Maße über Massenfrachten
verfügt, wie das gerade bei England der Fall ist. Die Frachtraten beim
Bezug der Erze auf den deutschen Wasserstraßen hängen von der Entwicklung
 des Gesamtfrachtenmarktes ab; sie sind auf der Oder gegenüber
der Vorkriegszeit weniger gestiegen wie auf dem Rhein; die Sachverständigen
 begründeten das mit den verschiedenen Schiffahrtsverhältnissen
 auf den beiden Strömen, in der Hauptsache aber damit, daß die
Schiffahrt auf der Oder sich in stärkerer Konkurrenz zur deutschen und
polnischen Eisenbahn befinde,
Im Rahmen der allgemeinen Preissteigerung haben auch die deutschen
 Bahnfrachtsätze für Erz eine Erhöhung von etwa. 20 bis 26 °%
gegenüber dem Stand vor Ausbruch des Krieges erfahren. Durch Gewährung
 eines Sondertarifes wird der Bezug der Minetteerze nach
Rheinland-Westfalen begünstigt. Nach Mitteilung der Deutschen
Reichsbahngesellschaft ist zugleich dem Sieg-, Lahn- und Dillgebiet
durch einen Ausnahmetarif eine Frachterleichterung gewährt worden,
da dieser Tarif zum Teil die Friedenssätze einräumt, zum Teil — .und
zwar in den wichtigsten Verkehrsbeziehungen — die Friedensfrachten
um nur rund 10 °/ übersteigt.
Im allgemeinen erfolgt die Preisbildung auf dem Erzmarkt aus der
freien Wirkung von Angebot und! Nachfrage; in der Nachfrage konkurrieren
 die verschiedenen. Industrien der europäischen Staaten und
auch die eisenerzeugende Industrie der Vereinigten Staaten miteinander.
Der Bezug der ausländischen Eisenerze vollzieht sich dabei meist durch
freie Abschlüsse der einzelnen Werke; Erzbezugsgemeinschaften irgendwelcher
 Form bestehen nicht, wenn man von gelegentlichem Zusammengehen
 absieht. Bei den wichtigen hochphosphoörhaltigen Erzen bestehen
gewisse Zusammenschlüsse der Anbieter; einen ausschlaggebenden Einfluß
 besitzt hierbei die schwedische Grängesberg-Trafik-Aktiebolaget,
Öxelösund, die in der letzten Zeit ihren Einfluß auch auf den Erzbergbau
 anderer Gebiete, insbesondere auf die wichtigen Erzgebiete von
Nordafrika, zu erweitern sucht. Mit dieser Gesellschaft steht die
deutsche eisenerzeugende Industrie für einen Teil ihres Bezuges in langfristigem
 Vertragsverhältnis. * In dem französischen Minettegebiet stellt
die Societ6 des Mines de Lorraine (Somilor) den Zusammenschluß der
wichtigsten lothringischen Gruben zu einem Verkaufssyndikat dar.
Auch hier befinden sich die dentschen Werke somit einem einheitlichen
Verkäufer gegenüber.
N Bei der Gesamtbedeutung des ausländischen Erzbezuges gewinnt die
Stellung der Unternehmungen, die vermittelnd an ihm mitwirken, erhebliches
 Interesse. Im allgemeinen werden die Abschlüsse zwischen den
Werken und Erzgruben unmittelbar getätigt, daneben nimmt der Erzhandel
 nach den Angaben: der Sachverständigen mit 20 bis höchstens
25°% an der gesamten Erzversorgung teil. Im Gegensatz zu dem
Schrotthandel, über den später berichtet wird, übt er seine Handelsfunktionen
 ungebunden aus. Die Firmen haben sich nicht, jedenfalls
Nicht in ausschlaggebendem Umfange, mit Reedereien oder Werken der
eisenerzeugenden Industrie zusammengeschlossen. Ihre Tätigkeit bildet
nach Angabe der Sachverständigen eine wertvolle Ergänzung der eigenen

15
        <pb n="23" />
        Maßnahmen der eisenerzeugenden. Industrie, dabei kann aber nicht angenommen
 werden, daß sie anderes als eine erwünschte Ergänzung des
eigenen Ankaufs der Werke darstellt.
Die Einwirkungsmöglichkeit der deutschen eisenerzeugenden
Industrie bei diesem Teil ihrer Rohstoffversorgung ist, wie bereits ausgeführt
 wurde, gering. Eine wesentliche Änderung der deutschen Lage
wird zur Zeit auch nicht durch den Besitz der deutschen Eisenindustrie
in überseeischen Erzgebieten erzielt, die in den wesentlichen Teilen noch
unaufgeschlossen sind. Eine Einwirkung dieses Besitzes wird erst zu
einem späteren Zeitpunkt zu erwarten sein, so daß heute ein Urteil dazu
noch nicht abgegeben werden kann. Im Gegensatz dazu gründen sich die
Hüttenwerke der französischen Eisenerzeugung, insbesondere in Lothringen
 und Nordfrankreich, wie die luxemburgischen und ein Teil der
belgischen Werke auf eigene Erzgruben mit einer Förderung, die trotz
des verhältnismäßig geringen Gehalts für die Tonne metallischen Eisens
mit relativ geringen Förderkosten und keinen oder ganz geringen Frachtkosten
 belastet ist. Teilweise scheinen die niedrigen Kosten Nachwirkungen
 der Währungsentwicklung in den letzten Jahren zu sein, es
wurde aber auch von den Sachverständigen auf die allgemein günstigen
Förderbedingungen dieser Gruben hingewiesen. Jedenfalls genießen
zur Zeit die dortigen Werke aus dem Besitz der Gruben eine Differentialrente,
 die zu einem beträchtlichen Teile die ausschlaggebende Stellung
erklärt, die das französische, luxemburgische und belgische Eisen am
Weltmarkt erlangt hat‘). Um eine unrichtige Beurteilung der deutschen
Lage, insbesondere eine Überschätzung der Abhängigkeit beim Bezug
der Erze zu vermeiden, scheint es erforderlich zu betonen, daß selbstverständlich
 einem Käufer von dem Ausmaß der deutschen eisenerzeugenden
 Industrie eine derartige Bedeutung zukommt, daß seine
Nachfrage von den Erzlieferanten nicht entbehrt werden kann. Die
Stellung, die Deutschland als Erzbezieher hat, wird am besten durch
seinen Anteil am schwedischen Erzexport gekennzeichnet. Von der
Gesamterzausfuhr Schwedens im Jahre 1926 im Umfang von 7681 000 t
übernahm Deutschland mit 6289000 t rund 82 °%. Für diese Stellung
als ein entscheidender Käufer gewinnt zugleich die Reserve Geltung, die
in der deutschen Erzförderung liegt, wenn auch diese Erzförderung
nicht die Grundmenge, sondern nur eine Ergänzung der deutschen Bedarfsdeckung
 darstellen kann.
Die in. Deutschland vorhandenen Eisenerzvorräte sind, verglichen
mit denen anderer Länder, gering, die industrielle Verwertbarkeit der
Erze ist beschränkt. Neben der mineralogischen Zusammensetzung beeinflussen
 die Kosten der Gewinnung und des Transportes zur Verbrauchsetelle
 die Verwertbarkeit. Wirklich reiche Eisenerze mit einem
Anteil von mehr als 55 % Gehalt an metallischem Eisen, wie sie z. B.
in Amerika als allein abbauwürdig betrachtet werden, gibt es überhaupt
nicht, und auch sogenannte mittlere Erze mit zwischen 40 bis 45%,
Fe-Gehalt sind nur in gerinzem Umfange vorhanden.

') Im einzelnen wird auf diese Verhältnisse in dem Bericht über die Produktionsbedingungen
 der deutschen Eisenindustrie eingegangen werden.
        <pb n="24" />
        Die Förderung an Eisenerzen im Deutschen Reich
Eisengehalt
in 1000 +

Durchschnitt 1909/13:
altes Gebiet ] .,.... 4)
neues Ru
[a
1925 .
1926 .

A

.

3281)
2681)
247
231
182

9,402
2.154
1,442
1,892
1.545

Wie die Förderung ist auch die Zahl der Abbaubetriebe im Reichsgebiet
 heutigen Umfanges von 263 mit einer Belegschaft von rund 25 000
Mann im Jahre 1913 auf 162 mit einer Belegschaft von rund 14 000
Mann im Jahre 1926 zurückgegangen, in erster Linie infolge der Ent-Wicklung
 des Siegerlandes und des Lahn-Dill-Bezirkes, in denen der
größte Teil des deutschen Erzes gefördert wird. Ihnen gegenüber haben
die übrigen Gebiete, auch der subherzynische und der oberpfälzische
Bezirk, nur örtliche Bedeutung. Von der Gesamtförderung entfallen
jährlich nahezu 4 Mill. t (Erzgewicht) auf das Siegerland und den Lahn-Dill-Bezirk,
 auf das Siegerland rund 2,3 Mill. t, auf das nassauischhessische
 Gebiet rund 1,5 Mill. t.
In Übereinstimmung mit dem überwiegenden Anteil der beiden
Bezirke an der deutschen Erzförderung hat sich die Untersuchung in
erster Line auf sie erstreckt. Die Ausführungen des Berichtes beschränken
 sich daher ebenfalls auf diese beiden Gebiete.
Das Siegerland und Lahn-Dill-Gebiet hatten in den letzten
Jahren als Notstandsgebiete das Interesse der Allgemeinheit und der
Verwaltung in besonderem Maße. Es ist bekannt, daß sie für eine Zeit-Spanne,
 die mit dem Juni 1926 begann und mit dem September 1927
endete, eine staatliche Beihilfe bezogen haben. Die Vernehmungen, die
dem Bericht zugrunde liegen, eind nach Beendigung der staatlichen
Hilfsmaßnahmen erfolgt. Es war durchaus begreiflich, daß von den
Sachverständigen die als augenblicklich bezeichnete Notlage, die Wirküng
 der Subventionen und die Möglichkeit weiterer Maßnahmen zur
Beseitigung des Notstandes besonders betont und die gesamtwirtechaftlichen
 und sozialen Verhältnisse der beiden Bezirke zur Begründung
herangezogen worden sind, Diese Erwägungen, deren Bedeutung keineswegs
 unterschätzt werden darf, mußten innerhalb der Aufgabe, die Roh-Stoffversorgung
 der deutschen eisenerzeugenden Industrie zu untersuchen,
 bis zu einem gewissen Grade zurücktreten. Zur Erfüllung der
Aufgabe konnte darauf verzichtet werden, in eine eingehende Selbstkostenerhebung
 für dem Erzbergbau der beiden Gebiete einzutreten. Die
genaue Höhe der Selbstkosten in ihrem heutigen Stand und die Untersuchung
 der einzelnen Kostenfaktoren erübrigte sich, weil die Lage
dieses Bergbaues sich aus wenigen Gesamtzahlen zutreffend beurteilen

1) Nur 1918.

17
        <pb n="25" />
        läßt. Dazu stand der Bericht des Sachverständigen Dr. Adler zur Verfügung,
 den dieser auf Grund von eingehenden Untersuchungen im Beginn
 des Jahres 1927 in behördlichem Auftrage erstattet hatte. Selbst
wenn inzwischen gewisse Abweichungen von,den damals geltenden
Kosten und Erlösen eingetreten sind, sei es als Folge von Lohnveränderungen,
 Veränderungen des Zinsniveaus, der Preishöhe oder aus anderen
Gründen, so hat doch das Gesamtverhältnis von Kosten und Erlösen und
die Zusammensetzung der Kosten keine grundsätzliche Änderung erfahren.
 Sowohl die Aussagen der Sachverständigen als auch die gonstigen
 Unterlagen ließen erkennen, daß eine grundlegende Wandlung sich
nicht vollzogen hat, und daher von einer nochmaligen Einzelerhebung
absehen.
Bei dem wichtigsten Gebiet, dem Siegerland, handelt es sich um
einen der ältesten Erzbergbaubezirke Europas. Die ungünstige wirtschaftliche
 Lage ist eine Folge des Alters des Reviers, hinzu kommen
schwierige geologische Bedingungen und ein verhältnismäßig wenig
günstiger Standort. Mit den natürlichen Gegebenheiten treffen alle die
Einwirkungen zusammen, die aus den allgemeinen und wirtschaftlichen
Verhältnissen der letzten Jahre herrühren. Bei der Beurteilung der Lage
des Bezirkes ist daher zu unterscheiden zwischen den natürlichen Gegebenheiten,
 die, entsprechend dem allgemeinen Schicksal bergbaulicher
Betriebe, daß die Erhaltung der Leistung bei größeren Teufen und verlängerten
 Wegen nur mit steigenden Aufwendungen möglich ist, zumeist
nur mit erhöhten Kosten zu bessern eind, und den wirtschaftlichen Bedingungen,
 die eine Folge der allgemeinen Verhältnisse und durch Verwaltungsmaßnahmen
 beeinflußbar sind.
Die Rentabilität des Bezirkes geht aus der Gegenüberstellung hervor,
 die Herr Dr. Adler in seinem Gutachten ermittelt hat.

Eat

1918 1926
M. ie t RM. jet

Die Durchschnittsgestehungskosten betrugen ohne Abschreibungen
 . 200
Die Durchschnittserlöse stellten sich auf (1926 einschl.
RM. 2,— Absatzprämie) .......
Die Durchschnittsgewinne bezifferten sich demnach auf

11.838

15,08

13,09 | 15,57
1,26 | 0.49

Dabei ist in die Erlöse für das Jahr 1926 die Absatzprämie von
2 RM. eingerechnet, die als Beihilfe von seiten der öffentlichen Verwaltungen
 geleistet wurde. Ohne diese Unterstützung würden also die
Erlöse die Deckung der laufenden Betriebs- und Verwaltungskosten nicht
ermöglicht haben. In den von Herrn Dr. Adler ermittelten Durchschnittsgestehungskosten
 sind der Kapitaldienst für das eigene Kapital
der Unternehmungen und die Abschreibungen nicht enthalten. Will
man aber die Spanne zwischen Erlösen und Gestehungskosten richtig
beurteilen, so müssen in Übereinstimmung mit der eigenen Auffassung
der Sachverständigen diese beiden Aufwendungen als Teile der Ge-Y
        <pb n="26" />
        stehungskosten betrachtet werden. Sie eind also noch den ermittelten
Kosten zuzufügen, womit die Differenz zwischen Kosten und Erlösen
weiter nachteilig beeinflußt wird. Der Sachverständige hat davon abgesehen,
 diese Kostenermittlung vorzunehmen, da die Feststellung angemessener
 Abschreibungen mit sehr großen Schwierigkeiten verbunden
gewesen wäre, und er erkannt hatte, daß selbst die bereits ermittelten
Teile der Gestehungskosten nicht von den Erlösen gedeckt wurden, wenn
man die Erlössumme um den staatlichen. Zuschuß vermindert. Nachdem
der Sachverständige sein Gutachten erstattet hatte, ist im Jahre 1927
eine Preissteigerung von etwa 0,65 RM. je t eingetreten, die allein den
Wegfall der staatlichen Beihilfe von 2 RM. je t nicht auszugleichen
vermag. Da somit eine ausreichende Veränderung in der Beziehung
zwischen Kosten und Erlösen, insbesondere bei Berücksichtigung von
Kapitaldienst und ‘Abschreibungen, nicht eingetreten ist, kann eine
Rentabilität des Erzbergbaus im Siegerland nicht angenommen. werden.
Zur Hebung der Rentabilität sind eine Reihe von Maßnahmen in
der betrieblichen Organisation erfolgt, die in erster Linie technischer
Natur waren und darauf abzielten, durch vermehrte Verwendung mechanNischer
 Mittel die Leistung zu steigern. Die Bemühung hat, begünstigt
durch die Notstandsmaßnahmen der Regierung, eine Steigerung der
Gesamtförderung und der Förderung je Kopf und Schicht der Belegschaft
gegen die der Voriahre bewirkt.

Die Förderung im Gebiet des Berg- und Hüttenmännischen
 Vereins zu Siegen je Kopf und Schicht.

1909
1910
1911
1912
1918
1924
1925
1926
1927

Jahr

1: Vierteljahr
d,
®,
1.

In
sämtlichen
Gruben

0,581
0,680
0,643
0,720
0,779
3,568
0,688
2,701
2,840
0,784
0,770
0.774

In den Gruben, die im
April 1926 noch in
Betrieb waren

0,551
0,569
0,600
0,674
0,701
0,598
0,761
9.830

„In der vorstehenden Aufstellung ist zu berücksichtigen, daß gegenüber
 den Vorkriegsverhältnissen die Schichtenzeit für die Übertagearbeiter
 verkürzt und die Anlaufszeit in die Schichtenzeit einbezogen
it. Um die Förderung zu heben, waren Kapitalinvestitionen erforderlich,
 deren Ausmaß im einzelnen nicht ermittelt werden konnte. Die
durch sie entstandenen Aufwendungen erscheinen großenteils nicht in

19
        <pb n="27" />
        den eigentlichen Betriebskosten, wenn man von Kraftkosten absieht;
sondern in dem Kapitaldienst und den Abschreibungen. Es wäre unmrichtig,
 wollte man aus einer Senkung der Kosten ohne Kapitaldienst
und Abschreibungen, etwa aus Ersparnissen im Arbeitslohn, auf eine
wesentliche Senkung der Gesamtkosten schließen. Gerade der etetige
Zwang zu neuer Kapitalinvestition, die dazu dient, die frühere Leistung
zu erhalten oder wieder herzustellen, ist charakteristisch für den Kampf
gegen den abnehmenden Ertrag.
Die Kosten ohne Kapitaldienst für Eigenkapital und ‚ohne Abschreibungen
 zeigen nach den Feststellungen des Sachverständigen für
1913 und 1926 das nachfolgend wiedergegebene Bild:
Von den Durchschnittsgestehungskosten je t entfallen auf
1926
RM.
11,20 13,98
0,63 1,18
11,88 | 15.08

Die verschiedenen Bedingungen, von denen die Höhe der einzelnen
Kostenfaktoren bestimmt wird, sind bereits erwähnt und in natürliche
und gesellschaftliche unterschieden worden. Für die Einzelheiten kann
auf die Anlagen verwiesen und hier die Ausführung auf zwei bedeutsame
 Faktoren beschränkt werden, die auch geeignet sind, die Verschiedenheit
 der natürlichen und gesellschaftlichen Einwirkungen und
die Gleichartigkeit ihrer Wirkungsrichtung zu beleuchten.
Die Zunahme der duürchschnittlichen Teufe beträgt seit Kriegsbeginn
 etwa 200 m; die weitere Zunahme wurde mit etwa 20 m im Jahre
beziffert. Damit erhöhen sich sowohl die reinen Investitionen wie die
laufenden Kosten für Wasserhaltung, Transportkosten usw. erheblich
von Jahr zu Jahr und machen dieser natürlichen Kostenzunahme gegenüber
 eine Erhaltung des früheren Standes der Kosten nur durch VerbOSSOTUNg
 des Betriebes oder durch Schließung der ungünstigen Betriebe
möglich.
Bei den gesellschaftlichen Einwirkungen verdient die Frage der
sozialen Belastung des Reviers besondere Beachtung. Nach der Aussage
der Sachverständigen, die in dem Gutachten des Sachverständigen
Dr. Adler bestätigt wird, übersteigen die sozialen. Leistungen, insbesondere
 Knappechaftsbeiträge des Bezirkes, die sonstigen sozialen
Aufwendungen innerhalb der‘ deutschen Wirtschaft. Nach der Auffassung
 der Sachverständigen hat der Siegerländer Bezirk eine außerordentlich
 hohe Zahl von Invaliden und zeigt die Altersschichtung der
Bevölkerung einen verhältnismäßig großen Anteil an älteren Altersklassen.
 Die jüngeren Erwerbstätigen suchten insbesondere im Hinblick
auf die Lage des Bezirkes zum großen. Teil in anderen Industriebezirken
Beschäftigung. Auch die Freisetzung von Arbeitskräften als eine Folge
der fortgeschrittenen Mechanisierung dürfte hierbei mitwirken und die
entstehenden Sozialaufwendungen des Bezirkes, damit auch die An-
        <pb n="28" />
        sprüche an die noch arbeitenden Betriebe, vermehren. Die Sachverständigen
 hielten es für erwünscht, daß durch einen Anschluß der knappschaftlichen
 Organisation des Bezirkes, aus der die besonderen Lasten
herrühren, die der Erzbergbau und die Hüttenindustrie zu tragen haben,
an die größerer bergbaulicher Bezirke die Lasten auf mehr und wirt-Schaftlich
 stärkere Gebiete verteilt werden.
Die Rentabilität ist selbstverständlich wie von den Kosten so auch
von der Gestaltung der Erlöse abhängig. Diese Erlöse sind trotz der
Absatzorganisation des Bergbaus, dem Siegerländer Eisensteinverein,
von der Marktlage, somit von dem Beschäftigungsgrad der eisenerzeugenden
 Industrie abhängig. Das Jahr 1927 hat mit seiner besonders hohen
Beschäftigung dieser Industrie auch eine Erhöhung der Erlöse für das
Siegerländer Gebiet gebracht. Die Erlöse des Siegerländer Gebietes,
dessen Förderung in Eisenmanganerzen besteht, hängen aber von dem
Preis der Eisenmanganerze frei Hütte Ruhrgebiet ab: somit hat das
Siegerländer Erz gegen diejenigen Erze zu konkurrieren, die bei abnehmender
 Beschäftigung am stärksten angeboten und zuerst einem
Preisdruck unterworfen sind. Eine Beurteilung der Rentabilitätsverhältnisse
 des Siegerlandes allein auf der Grundlage eines Hochkonjunkturjahres
 wie des Jahres 1927 müßte zu unrichtigen Ergebnissen führen.
Nahezu die gesamte Erzförderung des Revieres erfolgt durch Werke, die
den Konzernen der deutschen eisenerzeugenden. Industrie gehören.
Im Jahre 1913 betrug der Anteil der Konzernfirmen an der Förderung
95,07 °., im Jahre 1926 rund 100 */,. Neben die ausschließliche Betrachtung
 der Wirtschaftlichkeit des Siegerländer Erzbergbaus können selbstverständlich
 eine Reihe anderer Überlegungen treten. So ist eine Auf-Techterhaltung
 für die Unternehmungen der eisenerzeugenden Industrie
Nıemals ausschließlich eine Frage der Rentabilität, sondern stets, be-Sonders
 wegen des Mangangehalte der Siegerländer Erze, auch der Erhaltung
 einer Reserve für alle Fälle gewesen. Auch den Sachverständigen
erschien sie nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Rentabilität meßbar.

Der Notstand im Lahn-Dill-Bezirk ist aus ähnlichen Gründen her-Vorgegangen,
 wie der des Siegerlandes. Auch hier steht die Einwirkung
natürlicher geologischer Verhältnisse auf die einzelnen. Kostenfaktoren
der Einwirkung allgemein wirtschaftlicher Verhältnisse, besonders auch
Sozialrechtlicher Art, gegenüber. Im Lahn-Dill-Bezirk erschweren die
Lagerungsverhältnisse der Mulden den Bergbau außerordentlich.
Kleinere Betriebe, ja Zwergbetriebe, sind. noch häufiger anzutreffen als
Im Siegerland. Für die zahlenmäßige Beurteilung der Erzeugungsverhältnisse
 im Lahn-Dill-Bezirk ist zu beachten, daß diese nicht so gleichmäßig
 sind wie im Siegerland. Das gilt für die Erzqualitäten wie für
die Art des Abbaus, der im Siegerland nur im Tiefbau, im Lahn-Dill-Bezirk
 sowohl im Tagebau als auch im Stollenbau und Tiefbau vor-Senommen
 wird. Infolge dieser Verhältnisse ist es für den Sachverständigen
 Dr. Adler schwierig gewesen, die Veränderungen . in den
Erzeugungsbedingungen wertmäßig festzustellen, die den Notstand im
Bergbaugebiet Lahn und Dill herbeigeführt haben. Der Sachverständige
hat auch hier aus den früher dargelegten Gründen. von der: Berück-1
        <pb n="29" />
        sichtigung des Kapitaldienstes und der Abschreibungen abgesehen.
Nach seinen Berechnungen betrugen die

19138 | 1926
M. je t RM. je t

Betriebskosten . .
Verwaltungskosten .

7,41 10,07
0,65 1,02
3.06 | 11,09

Wie sich die Erhöhung der Kosten zu der Entwicklung der Erlöse
gestellt hat, ergibt sich aus nachstehender Übersicht:

1918 | 1926
M. je t RM. je t

Durchschnittsgestehungkosten (ohne Abschreibungen) .
Durchschnittserlöse (1926 unter Einbeziehung der
Absatzprämie von RM. 2,—). - A

Der Durchschnittsgewinn bei Vernachlässigung von Abschreibungen
 und Kapitaldienst für das Eigenkapital
betrug daher . . -

8,06 | 11,09

11.16

11,95

8310 | 0.86

Auch für das Lahn-Dill-Gebiet ist also bei Einbeziehung des
Kapitaldienstes für das Eigenkapital und der Abschreibungen trotz
jler Absatzprämie der Bergbau nicht rentabel. ;
In diesem Gebiet hat man ebenfalls versucht, durch Rationalisierung
 und Mechanisierung der Kostensteigerung entgegenzuwirken.

Die Förderung im Bezirk des Berg- und Hüttenmännischen
 Vereins.zu Wetzlar, bezogen auf
den Kopf der Belegschaft.

In allen
Amen

In den Gruben, die im
April 1926 noch in
Betrieb waren

Jahr

1909
1910
1911
1912
1918
1924
1925
1996

166
181
‚94
209
218

169
196
206
215
218
162
206
D92

212
219

Wie für das Siegerland gelten auch hier die Ausführungen über
Kosten und Erlöse, hier wie dort ist. der überwiegende Teil der

&amp;gt;97
        <pb n="30" />
        Förderung, 1913 rund 70%, und 1926 rund 80 °%, im Besitz der
Konzerne der eisenerzeugenden Industrie.
Es ist seit Ablauf der Unterstützung für beide Gebiete wiederholt
in der Öffentlichkeit und auch von den Sachverständigen vor dem
Ausschuß die Frage einer weiteren Hilfe: erörtert und mit verschiedenen
Argumenten begründet worden. Die Entscheidung dieser Frage muß
von der Wichtigkeit abhängen, welche die Erze der Notstandsgebiete
für die Deckung des deutschen Bedarfs haben und von den Möglichkeiten,
 durch den bereits im Gange befindlichen Umstellungsprozeß die
industrielle Erzeugung der Bezirke — insbesondere im Wege der Verfeinerung
 der Produkte — zı sichern. Dazu hat sich nicht feststellen
lassen, daß bei: der gegenwärtigen Lage des Weltmarktes die Bedarfsdeckung
 der eisenerzeugenden Industrie ohne Heranziehung: der Erze
des Bezirks gefährdet erscheint. Die Entwicklung des erwähnten Um-Stellungsprozesses
 ist zur Zeit noch nicht hinreichend fortgeschritten

Die deutsche Schrettversergung.
Bei der beschränkten. Möglichkeit der deutschen eisenerzeugenden
Industrie, ihren Bedarf an Trägern des metallischen Eisens aus
inländischen Erzvorräten zu decken, hat die Schrottversorgung erhöhte
Bedeutung; denn es handelt sich hier um ein Gut, über das die deutsche
Wirtschaft eine unmittelbare Verfügungsgewalt besitzt, zugleich um
einen Rohstoff, der 100%, Eisen enthält. Der entscheidende ‚Teil des
Bedarfs. wird aus..dem Inland befriedigt.
Schrott fällt an bei den Erzeugungsvorgängen in der eisenschaffenden
 und eisenverbrauchenden: Industrie (Neuschrott) und als Rest aller
Eisengüter, die zu einem früheren Zeitpunkt in kurzfristigen oder langfristigen
 Gebrauch genommen worden sind (Altschrott). Aus dem
Warencharakter des Schrotts als Rest- und Abfallprodukt ergibt sich,
daß eine Untersuchung der Schrottversorgung nicht die spezifischen
Produktionsverhältniese und Produktionskosten, sondern die Bedingungen
 zum Gegenstand haben muß, unter denen Schrott dem Wiederverbrauch
 zugeführt wird. Dabei handelt es sich in erster Linie um die
Fragen, ob der deutsche Schrottanfall restlos erfaßt wird und die Ver-Sorgung
 der Eisenerzeugung mit diesem Rohstoff unter wirtschafflichen
Gesichtspunkten gewährleistet ist. In jedem Falle bilden die Marktverhältnisse
 den wichtigsten Teil der Untersuchung, und zwar sowohl für
den Inlands- wie Auslandsbezug.
Der tatsächliche Bedarf an Schrott hängt von dem Beschäftigungs-&amp;amp;rad
 der eisenerzeugenden Industrie, sodann. von dem Verhältnis der
Verschiedenen Erzeugungsweisen zueinander, insbesondere dem Verhältnis
 der Siemens-Martin zur Thomas-Stahlerzeugung ab; er
Wird weiter bestimmt durch die Einsatzverhältnisse, mit denen Schrott
In den verschiedenen. Ofenarten verwendet wird. Dabei ist zu berück-Ste
 rtgen, daß in allen eisenerzeugenden Ländern der Schrotthedarf
eigt.
„Der Schrottverbrauch der deutschen eisenerzeugenden. Industrie er-8ibt
 sich aus der nachfolgenden Zusammenstellung:

3
        <pb n="31" />
        Der Schrotteinsatz in der eisenerzeugenden
Industrie nach Wirtschaftsgebieten 1913 und 1924
bis 1926 in 1000 t%.

Gebiet

Rheinland-Westfalen . . .
Siegerland, Lahn-Dillbezirk .
 Sehlesien. EM ® N 4 &amp;gt;
Übriges Deutschland . . .

Insgesamt . . .

‘018

19924

1925

19926

3474 8 497 4138 4108
328 215 280 300
178 200 271 358
528 867 967 1208

4508 | 4779 | 5651 | 5974

Neben Deutschland sind die wichtigsten eisenerzeugenden Länder
die Vereinigten Staaten, England, Frankreich, Belgien und Luxemburg,
von denen als Schrottverbraucher nur Belgien und. Luxemburg zurücktreten,
 da hier die Siemens-Martin-Stahlerzeugung _keine..große Bedeutung.
 erlangt hat. Dafür ist zu dem Schrottverbrauch der restlichen
vier wichtigsten eisenerzeugenden Länder der nicht unbeträchtliche
Schrottverbrauch Polens, Italiens und der Tschechoslowakei hinzugekommen.
 Bis zu einem gewissen Grade kann aus der Steigerung der
Siemens-Martin-Stahlerzeugung auf einen steigenden Schrottverbrauch
geschlossen werden; das gilt aber nur für Länder, bei denen sich. das
Verfahren wie in Deutschland in erster Linie auf Schrott stützt. Es
wäre irrig anzunehmen, daß die Siemens-Martin-Erzeugung gleichbedeutend‘
 mit einem entsprechenden Schrottverbrauch' sein muß. So
verarbeitet man in Amerika und England Roheisen in Siemens-Martin-Ofen
 (Roheisen-Erzverfahren an Stelle von Schrott-Roheisenverfahren).
Aufgegliedert für die einzelnen Länder ergibt sich die Erzeugung an
Siemens-Martin-Stahl (I) und Bessemer- und Thomasstahl (II) aus der
nachstehenden Übersicht:

Stahlerzeugung nach Arten in 1000 t
(heutiger Gebietsumfang).

Fahr

Deutschland

Frankreich

 3)

England

Vereinigte
Staaten

fig

1913 .
1924 .
1925 .
1926 .
1927

6147
5462
6607
8582 |
91912

F

5166
4017
5188
5452
Band 2

1582
2231
2108
2445
9951

3059
4593
53255
3842
3019

‘u

8160
7595
6820 /
4336
84.90

1627
524
488
187
608

FM

21.945
32 088
38 648
40 376
26 7541

9698
3994
3832
7387
8477

ij) Ohne Gießereien und unter Berücksichtigung von 5,5% Abbrand.
?) Zahlen des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller.
3) 1913 ehemaliges Gebiet.
        <pb n="32" />
        . Der Anteil des Schrotts an der gesamten englischen Stahlerzeugung
ist von 30° im Jahre 1913 auf ungefähr 50 °% im Jahre 1925 gestiegen!).
 Der Schrottverbrauch der französischen Stahlwerke stieg
von 1,474,000 t im Jahre 1913 (auf jetzigen Gebietsumfang umgerechnet)
 auf nicht weniger als 2,848,000 t im Jahre 1924 und 2,617,000 t
Im Jahre 1925. In Polen sank allerdings der Schrottverbrauch der
Stahlwerke (auf heutigen Gebietsumfang berechnet) von 942,000 + im
Jahre 1913 auf 600,000 t im Jahre 1925. Der Rückgang ist auf die
Wirtschaftslage Polens zurückzuführen. Der Anteil des Schrotteinsatzes
 an der Gesamterzeugung von Rohstahl stieg von 56,6 %% auf
77,5 °%. Der Anteil des Schrotteinsatzes in der Tschechoslowakei an
der gesamten Stahlerzeugung wird: auf 30° geschätzt. Der Schrottverbrauch
 Italiens weist eine wesentliche Steigerung auf, denn während
der Roheisenverbrauch von 842,000 t im Jahre 1913 auf 1,500,000 t im
Jahre 1925 stieg, vergrößerte sich der Schrottverbrauch von 516.000 t
auf 1,492,000 t in derselben Zeit.
Der deutsche Schrottverbrauch ist in den eisenerzeugenden Gebieten
verschieden groß”). Die Herstellung von Thomasstahl hat überwiegend
In Rheinland-Westfalen ihren Standort, während das Siemens-Martin-Verfahren
 in allen deutschen Gebieten angewendet wird. In Sachsen ist
nur in Zwickau, in Nord-, Ost- und Mitteldeutschland nur in Peine, in
Süddeutschland nur in. der Oberpfalz je ein Thomasbetrieb, in Westober-Schlesien
 kein Thomasbetrieb vorhanden. Das Siegerland ist ganz auf
Siemens-Martin-Betrieb gestellt. Tiegel- und Elektrostahlbetrieb
kommen außerhalb von Rheinland-Westfalen nur vereinzelt vor. Das
Hauptproduktionsgebiet an Siemens-Martin-Stahl und damit Hauptbedarfsgebiet
 an Schrott ist Rheinland-Westfalen, da dort über 70%
des gesamten deutschen Siemens-Martin-Stahls erzeugt werden; damit
verbinden sich dort rund 90%, der deutschen Thomasstahlproduktion.
Das zweitwichtigste geschlossene Siemens-Martin-Stahl-Produktionsgebiet
 ist Sachsen, auf das nicht ganz 6°% der gesamten deutschen
Siemens-Martin-Produktion entfallen. Der Anteil Öberschlesiens beträgt
etwas mehr als 5° der gesamten deutschen Siemens-Martin-Stahl-Örzeugung,
 der des Siegerlandes etwas weniger als 4 °/, und Süddeutschlands
 Nicht ganz 1°. Die unter der Bezeichnung Nord-, Ost- und
Mitteldeutschland zusammengefaßten Betriebe verteilen sich über eine
SO weite Fläche, daß man von einem geschlossenen Produktionsgebiet
Nicht sprechen. kann.
Der Schrottbedarf wird in der Hauptsache aus dem deutschen
Inland gedeckt. Die wichtigsten Schrottquellen sind der Anfall in den
Eisenhüttenwerken sowie Eisen- und Stahlformgießereien (eisenerzeu-Sende
 Industrie), der Anfall in den Werkstätten der verarbeitenden
Industrie, zZ. B. BEisenbahnwerkstätten, Konstruktionswerkstätten,
Maschinenbau, Schiffbau, Apparatebau, Fahrzeugbau usw. (weiterverwi

 ‘) Diese und die folgenden Angaben sind den Unterlagen für die internationale
Yirtschaftskonferenz in Bent entnommen, die aber nicht nach gleichmäßigen Ge-Sichtspunkten
 von den einzelnen Ländern gegeben wurden.
2) s. Übersicht S. 924.

8 Eng.-Aussch. III. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind,
        <pb n="33" />
        arbeitende Industrie) und die Rückkehr des Alteisens. Die beiden ersten
Schrottquellen ergeben den sogenannten Neuschrott.
Der eigene Anfall der Hüttenwerke sowie der der Eisen- und Stahlformgießereien
 wird statistisch nicht erfaßt. Nach Schätzung der Sachverständigen
 beträgt unter Berücksichtigung der Einsatzgewichte die
Schrottanfallmenge in den Walzwerken durchschnittlich 20 °/, der Walzwerkserzeug&amp;amp;nısse,
 Danach würde dieser -Anfah-betragens mm:

(918 .
1924 ,
1925 .
1920 .
1927

Jahr

Walzwerkproduktion
einschl. Halbzeug

3

etwa 1586

+
„1;

3

Schrottanfall
in den Walzwerken

Nionen +

3,12
1,64
2,04
2,04
9259

Die Zahlen erhöhen sich geringfügig durch gewisse sonstige Abfälle
im Stahl- und Walzwerk, Bei einer Höhe. von 2 Mill. t Neuschrott im
Jahre 1925 dürfte der Neuschrottanfall in den. Walzwerken etwa über
ein Drittel des gesamten Schrottverbrauchs liegen. Der Schrottanfall in
den Eisen- und Stahlgießereien ist schwer zu schätzen. Was in den Betrieben
 selbst verbraucht wird, tritt nach. außen nicht in Erscheinung.
Für die Schrottwirtschaft ist der Anfall, der. mengenmäßig weit hinter
den Schrottanfall der Walzwerke zurücktritt, jedenfalls ohne erhebliche
Bedeutung. Bei der weiterverarbeitenden Industrie kann der Neuschrottanfall
 mit durchschnittlich etwa. 10.°/..des Inlandsverbrauchs an Eisenund
 Stahlerzeugnissen angesetzt werden. Naturgemäß schwankt er bei
den verschiedenen Zweigen der Industrie außerordentlich.
Am: undurchsichtigsten ist der Anfall von Schrott aus der Rückkehr
 von Alteisen, Die Entwicklung des Altschrottverbrauchs zeigt
sine wesentlich höhere Zunahme als die des Gesamtschrottverbrauchs.
Der Altechrott stammt aus der Erneuerung des Eisenbahnoberbaues,
les rollenden Eisenbahnmaterials, aus dem Abbruch von Brücken und
Gebäuden, Maschinen und Apparaten und aus alten eisernen Gegenständen
 aller Art. Zur Schätzung des Altschrottanfalls ist die Größe
der Eiseninvestition in den zurückliegenden Investitionsperioden, der
Anteil der Verluste, die durch Rosten oder aus sonstigen Gründen entstehen,
 und die Lebensdauer des in Gebrauch genommenen Eisens in
seinen. verschiedenen . Verwendungsarten herangezogen worden. Eine
exakte statistische Klärung über die Höhe der Eiseninvestitionen der
Vergangenheit ist nicht möglich. Es sind Schätzungen versucht worden,
die aus dem anliegenden Gutachten heryorgehen. Die deutsche Eiseninvestition
 hat nach diesen Schätzungen in der Zeit von 1892 bis 1913
wesentliche Steigerungen erfahren. Die durchschnittliche Eiseninvestition
 der Jahre 1909 bis 1913 war um 6° größer als die durchechnitt-
        <pb n="34" />
        liche Eiseninvestition in den Jahren 1892 bis 1896. Die Eiseninvestition
des Jahres 1913 war somit etwa 66°/, größer ale die des Jahres 1905
und um 97° größer als die des Jahres 1900, um 268°, ale die des
Jahres 1892.
Der Prozentsatz des der Vernichtung anheimfallenden Eisens ist
schwer abzuschätzen. Ein großer Teil der verbrauchten Eisenmengen
muß als verloren angesehen werden; so kehrt.das für Betoneisen verwendete
 Moniereisen überhaupt nicht mehr als Schrott zurück. Auch
emailliertes Material kommt nur in beschränktem Umfange wieder zur
Verwendung. Die Verwendung von Eisen in Verbindung mit Leichtmetall
 nimmt größeren Umfang an, eine prozentuale Angabe über die
Höhe des hieraus herrührenden Verlustes ist nicht möglich. Als für die
deutsche Wirtschaft endgültig verloren haben auch alle die Eisenmengen
zu gelten, die in den durch den Vertrag von Versailles abgetretenen
Gebieten investiert waren oder durch die Übergabe von Lokomotiven,
Schiffen usw. auf Grund des Waffenstillstandsabkommens und des Vertrages
 von Versailles verlustig gingen.
Über die Lebensdauer des Eisens lassen sich exakte Angaben nicht
machen. Die technische Entwicklung hat in einzelnen Fällen, so unter
anderem in gewissen Teilen des Eisenbahnoberbaues, zu einer Verlängerung
 der Lebensdauer des Eisens geführt, während bei vielen Gebrauchsgegenständen
 eine Verringerung festzustellen ist. Selbetverständlich
 wird sie durch die jeweils geltenden allgemeinwirtschaftlichen
Verhältnisse erheblich beeinflußt. Eine Verlängerung der Lebensdauer
des Eisens bewirkt einen Mehranfall von Schrott zu einem späteren
Zeitpunkt; der Schrottanfall wird also nur vorläufig verringert, ohne
tatsächlich verloren zu gehen.
Innerhalb des deutschen Gesamtgebietes besteht ein Unterschied
zwischen dem örtlichen Anfall und Verbrauch an Schrott; daher ist
zwischen Schrottüberschußgebieten und Schrottzuschußgebieten zu
ünterscheiden. Das Verhältnis von Anfall, Verbrauch und geographischer
Lage bestimmt den Umkreis, in dem der Bezug der einzelnen Verbraucherbezirke
 erfolgt. Ihren Schrottbedarf deckten:

Gebiet

Überschlesien .
Siegerland .
Ruhrgebiet
Sachsen

außerhalb von 200 km

innerhalb von 200 km

1918 | 1925

“18 1 1995
%

48,7 54,5 51,3 45,5
22,8 21,9 77,7 78,1
12,7 | 11,5 87,8 88,5
10,8 9,3 89,2 90,7

„Für alle schrottverbrauchenden Bezirke sind im Jahre 1925 gegenüber
 der Vorkriegszeit gewisse Veränderungen im Schrottbezug eingetreten.
 Am geringsten sind sie im Siegerland, das in der Nachkriegszeit
 nahezu denselben Anteil seines Schrottbedarfes innerhalb der

27
        <pb n="35" />
        200 km-Zone decken konnte. Ähnlich liegen die Verhältnisse für das
Ruhrgebiet und für Sachsen. Eine erhebliche Änderung hat jedoch die
Schrottversorgung Oberschlesiens erfahren, das in der Vorkriegszeit
rund 51° innerhalb eines Umkreises von 200 km decken konnte, und
durch den Verlust Ostoberschlesiens und. der Provinz Posen diesen Anteil
 auf 45,5 °/, verringern mußte; während Sachsen und das Siegerland
nicht über die 300 km-Zone hinausgehen und Sachsen, das Siegerland
und das Ruhrgebiet aus allen Richtungen ungehindert Schrott beziehen
können, eröffnen sich für Oberschlesien, das im äußersten Südosten des
Reiches liegt, Bezugsmöglichkeiten aus Deutschland nur innerhalb eines
schmalen Kreisausschnittes. Diese Verhältnisse eind für die Frachtbelastung
 von erheblicher Bedeutung.
Nach der jeweiligen Art der Herkunft wie nach seiner Beschaffenheit
wird Schrott in einzelne Schrottsorten unterschieden. Die wichtigste
Trennung erfolgt zwischen Eisen- und Stahlschrott und Spänen, denen
Gußbruch gegenübergestellt wird. Unter Gußbruch versteht man den
Abfall aus allen Arten von Gußeisen, also aus Kisen, "das
mehr als 1 bis 2°%, Kohlenstoff besitzt. Sowohl bei Gußbruch wie
bei Eisen- und Stahlschrott handelt es sich um Material, das qualitativ
 nicht gleichartig ist. Der Schrotthandel unterscheidet etwa 40
verschiedene Sorten, deren Einteilung wiederholt im Laufe der Zeit,
insbesondere aber seit Beginn des Krieges versucht worden ist. Im
einzelnen geben. darüber die verschiedenen Schrottsortenlisten Auskunft,
Wesentlich ist dabei die Unterscheidung zwischen hochwertigem und
minderwertigem Schrott. Als hochwertiger Schrott gilt frischer, schwerer
Walzwerksschrott, schwerer Stahlschrott, Kernschrott usw. Als minderwertiger
 Schrott sind Späne, Schmelzeisen, Blechpakete anzusehen, Bei
Gußbruch gilt als hochwertiger Schrott vor allem Spezial- und Maschinengußbruch,
 während Ofen- und Topfguß sowie Brandguß als minderwertige
 Gußbruchsorten betrachtet werden müssen‘). Die Qualitätsunterschiede
 des Schrotts besitzen insofern Bedeutung, als sie die Verwendungsweise
 in gewissem Umfange beeinflussen. So wird im Siemens-Martin-Ofen
 vorzugsweise hochwertiger Schrott verbraucht; die minderwertigen
 Schrottsorten kommen in der Hauptsache für die Zugabe im
Hochofen in Frage. Überhaupt ist minderwertiger Schrott in gewissen
Ofenarten nur beschränkt verwendungsfähig. Die technische Entwicklung
 in der eisenschaffenden Industrie, besonders die steigenden. Öfengrößen
 und die Häufigkeit der Chargenzahl hat dazu geführt, daß nach
Möglichkeit schwerer Schrott verwendet wird. Im allgemeinen aber bestimmen
 nicht technische Überlegungen, sondern vor allem die jeweilige
Preishöhe des Materials die Verwendung einzelner Schrottsorten. In
welchem Verhältnis hochwertiger und minderwertiger Schrott verbraucht
wird, läßt sich aus den Umsätzen der wichtigsten Schrotteinkaufsorganisationen
 entnehmen. Im Westen dürften etwa 75°. hochwertiger

‘) Der in dem Anhang des Berichts wiedergegebenen Aufstellung 5. 8741f. liegen
Mitteilungen der in der internationalen Schrottwirtschaft beteiligten Sachverständigen
zugrunde. Dabei ist zu bemerken, daß die ae in Belgien und in Frankreich
Te Allgemeinen nicht so streng durchgeführt wird wie in Deutschland und in
Iingland.
        <pb n="36" />
        Schrott. und 25° minderwertiger Schrott in Betracht kommen. Im
einzelnen ergibt sich die prozentuale Aufgliederung des Umsatzes von
hochwertigem und minderwertigem Schrott bei der dort bestehenden
Einkaufsgesellschaft aus den nachstehenden Zahlen:

1924
1925
1926

Jahr

° Hochwertiger | Minderwertiger
Schrott Schrott
X% %

75
68
80

. 256
| ®
20

Dabei handelt es sich ausschließlich um Zukaufsschrott. Der
eigene Anfall der Werke ist nicht berücksichtigt. Nach Angaben der
Schrotteinkaufsgesellschaft Berlin und nach den Akten der früheren
Eisenhandelsgesellschaft m. b. H. Berlin ergab sich für hochwertigen
Schrott (Kernschrott einschließlich Stahlschrott) und sonstigen Schrott
im mitteldeutschen, sächsischen und oberschlesischen Verbrauchsgebiet
folgendes Anteilverhältnis:

1913
1924
1925
(109926

jahr

Kernschrott

Sonstige
Sorten
%

%

56,48 34,52
66,74 33,26
65,34 | 34,66
68.84 31.16

Der Anteil des geringwertigen Materials am Schrottverbrauch der
östlichen Werke ist verhältnismäßig groß und begründet sich aus besonderen
 Verhältnissen. Der deutsche Osten verbraucht weniger KEisengüter
 als der Westen. Da der Schrottanfall von dem früheren Eisenverbrauch
 (Altschrottentfall) und von dem gegenwärtigen Eisenverbrauch
 (Neuschrottentfall) abhängt, steht im Osten eine weit dünnere
Schrottdecke zur Verfügung als in den westlichen Gebieten, so daß die
östlichen Werke gezwungen sind, in größerem Ausmaß auf geringwertiges
 Material zurückzugreifen. Dazu ist die räumliche Verteilung
der Industrie im Osten Deutschlands von geringer Dichte, so daß sich
der Schrottbezug über weite Flächen verteilt und bei entferntem Bezug
Frachten entstehen, die in ihrem Verhältnis zum Wert des Schrotts es
doch lohnender erscheinen lassen, aus frachtgünstig gelegenen Gebieten
auch minderwertigen Schrott heranzuziehen,
Die restlose Erfassung des minderwertigen Schrottes wird nicht
immer völlig durchgeführt. Besonders aus einzelnen Teilen Süddeutschlands
 und aus den deutschen Küstengebieten Ostpreußens, Pommerns,
Mecklenburgs, Schleswig-Holsteins wird ein beträchtlicher Teil des Anfalls
 an minderwertigem Schrott dem Verbrauch nicht zugeführt. Die
Gründe sind darin zu suchen, daß in den östlichen Gebieten, abgesehen
von Oberechlesien. nur wenig Nachfrage nach minderwertigem Schrott

‚J
        <pb n="37" />
        aus frachtungünstig gelegenen Gebieten. besteht. Die mitteldeutschen
und sächsischen Werke sind bestrebt, nur den minderwertigen Schrott des
nächstgelegenen Gebietes aufzunehmen, so daß der Schrottanfall der
Ostseeprovinzen nach Oberschlesien gebracht werden muß, soweit er
nicht auf dem Seeweg der westlichen Industrie zugeführt wird. Die
Erlöse, die nach Abzug der Frachten und der Verladungskosten in diesen
[rachtungünstig gelegenen Gebieten erzielt werden, regen eine intensive
Sammeltätigkeit um so weniger an, als es sich bei minderwertigem Schrott
um Sammelware handelt, deren Verladung mit besonders hohen Aufwendungen
 verbunden ist. Außerdem ist in den vorwiegend landwirtschaftlichen
 Gebieten der Anfall von emailliertem und galvanisiertem
Material beträchtlich, das für die weitere Verwertung einer besonderen
Vorbereitung bedarf; es läßt daher dem ersten Verkäufer nur. geringe
Erlöse und reizt wenig zu sorgfältiger Behandlung und Aufbewahrung
 an. 4
Für die eisenerzeugende Industrie ist es andererseits wichtig, daß
möglichst restlos und unter wirtschaftlichen Bedingungen der gesamte
Anfall von Schrott dem Verbrauch zugeführt wird; denn Schrott als
Abfallprodukt ist nicht an einer Stelle in beliebigen Mengen erzeugbar,
er muß vielmehr von vielen einzelnen Anfallstellen dem Verbrauch durch
eine große Zahl einzelner Kanäle zugeführt werden. Der Vielheit der
Stellen, an denen Schrott anfällt, steht eine örtliche und organisatorische
Konzentration des Verbrauchs gegenüber. Dieser Unterschied drückt
sich in der Struktur und in der Dynamik des Marktes aus, an dem drei
Gruppen beteiligt sind: Verbraucher, Händler und die Stellen, an denen
Schrott zunächst anfällt.
Die Verbraucher haben sich zu Einkaufsorganisationen zusammengeschlossen,
 die der Ausschaltung von Belastungen im Schrottbezug
dienen sollen. So sollen unnötige Frachtkosten vermieden werden, indem
 der Schrott den Verbraucherbezirken aus den frachtgünstigst gelegenen
 Gebieten zugeführt wird, zugleich soll den Verbrauchern die
Übersicht über den Markt erleichtert und durch Konzentration des Einkaufs
 die Gestaltung des Marktes beeinflußt werden. Der Zweck wird
durch Zusammenschließung wichtiger Handelsunternehmungen, durch
gemeinsame Lieferungsbedingungen, und eine möglichst einheitliche
Preisbasis zu erreichen versucht.
Im Westen wird der Schrotteinkauf eines großen Teiles der Werke
durch die Schrotteinkaufsstelle der Vereinigten Stahlwerke in Dortmund
getätigt, die mit Ausnahme der in der Vereinigten Stahlwerke Aktiengesellschaft
 zusammengeschlossenen Werke von dem größten Teil der
übrigen Werke mit dem Einkauf beauftragt ist. In der Zeit vom 15. November
 1926 bis zum 14, Juni 1927 hat die Einkaufsstelle dem Verbrauch
etwa 70 °/% des gesamten Schrottbedarfs der westlichen Werke zugeführt.
Die benötigten Mengen werden von dem Großhandel bezogen. Die
Abwicklung der einzelnen Geschäfte erfolgt unmittelbar zwischen
der jeweils beteiligten Großhandelsfirma und dem Empfangswerk. In
Ost- und Mitteldeutschland besorgt als Einkaufsorganisation die Deutsche
 Schrottvereinigung G. m. b.H., Berlin (früher Eisenhandels G. m.
b. H.) für die ihr angeschlossenen sächsischen, mitteldeutschen und ost-An
        <pb n="38" />
        deutschen Werke den Einkauf. Es gehören ihr zwar nicht alle sächsischen,
 ost- und mitteldeutschen Werke an, jedoch stellen die ihr angeschlossenen
 Werke den bei weitem größten Anteil am Bezug der östlichen
 Werke dar. Für Gußbruch besteht die Gußbruch-Einkaufs-G.
 m. b. H., Düsseldorf, beim Verein Deutscher Eisengießereien (Gießereiverband),
 der in einer Reihe von Städten Einkaufsstellen unterhält.
Die Eisengießereien bedienen sich der Gußbrucheinkaufsstellen nur
zum Teil.

Der so zusammengeschlossenen Nachfrage steht in beiden Gebieten
eine Organisation von Handelsfirmen, im Osten als Partner eines Vertragsverhältnisses,
 gegenüber. Im Osten sind die Vertragshändler verpflichtet,
 allen in gewissen Gebieten aufkommenden. Schrott den Vertragswerken
 zuzuführen. Die Vertragshandelsfirmen. beziehen nicht die
gesamte von ihnen umgesetzte Menge unmittelbar vom ersten Schrottabgeber,
 sondern zum Teil von einer großen Anzahl mittlerer und
kleinerer Händler. Für ihre Einkaufsbemühungen erhalten sie eine
Provision. Damit ergibt sich für sie bei allen Geschäften, die im
Rahmen des Vertragsverhältnisses getätigt werden, der Wegfall der
Natürlichen Gewinn- und Verlustrisiken, die sonst die Unternehmertätigkeit
 des Händlers kennzeichnen. Das Verhältnis wurde von den Abnehmern
 damit begründet, daß es zweckmäßig sei, nur mit einer geringen
Zahl leistungsfähiger Kontrahenten Abschlüsse zu tätigen.
Die bisherigen Erfolge der Organisationen wurden von den Sachverständigen
 je nach der Interessenlage völlig verschieden beurteilt.
Die von den Vertretern des freien Schrotthandels vorgetragene Auffassung
 führt eine Notlage des freien Handels nicht so sehr auf das
Bestehen der Einkaufsorganisationen als auf Nachteile zurück, die der
freie Handel gegenüber den Vertragshändlern habe. Da die Vertragshändler
 gegen Provision für die östliche Einkaufsorganisation den Einkauf
 tätigen, könnten sie bei ihren Käufen den Verkäufern Preise bis zur
vollen Höhe des Richtpreises einräumen, während die freien Händler sich
Eine gewisse Gewinnmarge sichern müßten, also nicht ganz die Richt-Preise
 der Werke als ihre Einkaufspreise betrachten könnten. Obwohl
Sle das volle Risiko der freien Handelstätigkeit zu tragen hätten, von
dem der Vertragshändler unbelastet sei, erwachse noch ihrer Einkaufs-Möglichkeit
 eine Benachteiligung, die ihren Umsatz zugunsten des Vertragshandels
 zu mindern geeignet sei. Hierbei ist aber auch auf eine
weitere Folge dieser Verhältnisse hinzuweisen. Der Umstand, daß dem
Vertragshandel die Provision zugesichert ist und ihm erlaubt, den vollen
Richtpreis dem Verkäufer einzuräumen, gibt ihm auch die Möglichkeit,
diesen vollen Richtpreis dem freien Händler zu zahlen, der für seine
Ware bei der Veräußerung an den Vertragshandel die gleichen Preise
erlöst, wie bei der Veräußerung unmittelbar an das Werk. Da. anderer-Seits
 dem freien. Händler aus dem unmittelbaren Abschluß mit dem Werk
keine. Vorteile erwachsen, so bleibt der freie Handel darauf beschränkt,
Nur mittelbarer .Belieferer der Werke zu sein, während er sich zugleich
beim Einkauf in Konkurrenz zu dem Handel erster Hand: befindet, sofern
hier nicht innerhalb des Handels Verständigungen getroffen werden.

4
        <pb n="39" />
        Es ist besonders zu bemerken, daß die Verhältnisse der deutschen
Schrottversorgung in den Nachkriegsjahren durch Währungsverfall,
Deflationskrise und durch die augenblickliche Konjunktur außerordentlich
 beeinflußt waren. Dabei ist an und für sich die Könjunkturempfindlichkeit
 des Schrottmarktes verhältnismäßig groß; die Gründe hierfür
liegen in Eigentümlichkeiten dieses Marktes, der in erster Linie durch
lie Mengen bestimmt wird, die über den eigenen Anfall der Verbraucherwerke
 hinaus als Zukaufsschrott benötigt werden. Die Höhe dieses zusätzlichen
 Bedarfes hängt nicht nur von dem Beschäftigungsgrad der
eisenerzeugenden. Industrie, insbesondere der Siemens-Martin-Öfen ab,
sondern zugleich von den Mengen an Neuschrott, die als Eigenschrott in
den Werken der eisenschaffenden Industrie anfallen und ohne über den
Schrottmarkt zu gehen die Bedarfsmenge an Zukaufsschrott und damit
den Schrottpreis beeinflussen. Bei zunehmender Beschäftigung wird, wie
auch die Produktionszahlen zeigen, die Siemens-Martin-Stahlerzeugung
verstärkt. Damit steigt der Bedarf an Zukaufsschrott, soweit nicht die
Werke, um ein übertriebenes Steigen der Schrottpreise zu verhindern,
mehr mit flüssigem Roheiseneinsatz in Siemens-Martin-Öfen arbeiten.
Andererseits kann die Siemens-Martin-Stahlerzeugung auf einer ungefähr
gleichmäßigen Höhe sich bewegen und der Anfall von Eigenechrott infolge
 des gestiegenen Beschäftigungsgrades noch ansteigen. Damit wird
antsprechend die Nachfrage nach Zukaufsschrott abnehmen und als
Folgeerscheinung der Schrottpreis sinken. Da bei Konjunkturrückzängen
 in der Regel Siemens-Martin-Anlagen stillgelegt werden, wenn
man von der Stillegung ganzer Betriebe oder Betriebsgruppen absieht,
verringert sich der Schrottbedarf, aber nicht in demselben Maße der Anfall
 von Neuschrott innerhalb der Werke. Der £o verhältnismäßig
stärkere Anfall wirkt dann auf die Preishöhe ein. Umgekehrt verläuft
die Entwicklung bei Koniunkturaufschwüngen. Dann werden Siemens-Martin-Anlagen
 in Betrieb gesetzt, ohne daß eine entsprechende Steigerung
 des Eigenschrottanfalls in den Werken bereits stattgefunden hat.
infolgedessen steigen die Mengen des Zukaufseschrotts an. Die Folge
davon ist unter Umständen ein starkes Anziehen der Schrottpreise,
Im ganzen Reichsgebiet werden etwa 90°, der Schrottmenge, die
überhaupt den Schrottmarkt berührt, durch die Einkaufsorganisationen
erfaßt. Der Anteil ist so groß, daß die Organisationen, abgesehen
von möglichen Maßnahmen der Werke bei der Produktion, die entsprechend
 wirken, durch eine ‘geeignete Einkaufspolitik den Schrottpreis
 für eine begrenzte Zeitspanne beeinflussen können. Die natürliche
Bewegung der Schrottpreise als Ergebnis von Angebot und Nachfrage
kann dadurch für gewisse Zeiträume geändert werden, bis wieder die
sigentliche Bewegungstendenz sich durchsetzt.
Wie die Industrie den Schrottmarkt durch ihre Einkaufspolitik zu
beeinflussen sucht, so versucht dies der Schrotthandel durch. eine entsprechende
 Gestaltung seiner Angebote. In der Regel kann das nur bei
Lagergeschäften durchgeführt werden; da diese aber nur 10°% des gesamten
 Umsatzgeschäftes ausmachen, dürfen die Einwirkungen der
spekulativen Tendenzen des Handels nicht überschätzt werden, denen
die schwierigen Kapitalverhältnisse des deutschen Schrotthandele. die

7”
        <pb n="40" />
        Kreditverhältnisse auf dem Schrottmarkt und die Erhöhung der Unkosten
im Lagergeschäft entgegenstehen.
Neben dem Erzpreis bildet der Schrottpreis einen wichtigen Maßstab
für die Beurteilung der internationalen Konkurrenzfähigkeit der deutschen
 Eisenerzeugung.

Preise für Kernschrott 1913 und 1924—1927
in RM je tt.

Bezeichnung

Kernschrott freirhein.-westf,
 Verbrauchswerk
 2.0...
Riblons premier choix,
Paris)... 2...
Heavy steel scrap,
Nordengland?) ..
7.S. A. Heavy Melting
Steel Pittsburgh .

Durchschnitt

1909/18

57,63

55,28

59.26

1918

(994

56. —

67,55

43,30

54,85 |

72,47

55,16?) | 76,93
53,40%) | 76,50

19925

64,25

39.55

61,38

76,55 |
76,87

19926

51,79

28,28

62,80

71,10
70.67

9927

60,69
82,00
60,20

64,10
64.06

Für einen Vergleich der deutschen und ausländischen Schrottpreise
bis 1914 zeigen die eingereichten Gutachten, daß der nordenglische
Schrottpreis meist unter dem rheinisch-westfälischen Schrottpreis lag.
Der niedrigere Preis für englisches Roheisen hielt auch den Schrottpreis
In England zurück, Diese Beziehungen von Schrott und Roheisen sind
in allen Ländern vorhanden. "Trotz der gesteigerten Nachfrage nach
Schrott infolge des Wachstums der Siemens-Martin-Stahlerzeugung
ging in allen Ländern die Entwicklung in der Richtung, daß sich der
Abstand zwischen Schrottpreis und dem üblicherweise höheren Roh-Eisenpreis
 vergrößerte, Die gleiche Beobachtung gilt für das Verhält-Nils
 zwischen Schrottpreis und dem Preis für Stabeisen, es sind aber Vorbehalte
 am Platz, wollte man den Schrottpreis allein den Preisen der
Walzwerksprodukte gegenüberstellen. Auf dem Schrottmarkt stellen
die Preise die Beträge dar, die von den Werken im großen und ganzen
gezahlt werden müssen, dagegen sind die nominalen Inlandspreise der
Sisenerzeugenden Industrie nicht mit ihren durchechnittlichen Erlösen
übereinstimmend. Diese Einwendung gilt auch für alle von den Sach-‘;

 Monatsendpreise nach l’Usine,
) „ „ Iron and Coal Trades Review.
; Nach Iron Trade Review.
‘) Nach Iron Age.

13
        <pb n="41" />
        verständigen gemachten Angaben über das Preisverhältnis von Schrott
und Stabeisen zu verschiedenen Zeitpunkten.
[In der Nachkriegszeit haben eich die Preisunterschiede zwischen
den wichtigsten Schrottsorten, die sowohl als Folge von Angebot und
Nachfrage wie mit Rücksicht auf die technische Verwendbarkeit der
einzelnen Sorten schwanken, erhalten, aber ebensowenig wie in der Vorkriegszeit
 sind bestimmte Preisspannen festzustellen. Beim Vergleich
der deutschen Schrottpreise mit den ausländischen fällt zunächst der
niedrige französische Schrottpreis auf. Auch dort wirkt der billige
Roheisenpreis mitbestimmend auf den Preis für Schrott. In der Nachkriegszeit
 haben nach den eingereichten Gutachten die englischen
Schrottpreise meist über den deutschen Preisen gestanden.
Auf die Menge des Anfalls, insbesondere auf die Sammeltätigkeit,
üben die Preise am Orte des Anfalls einen außerordentlich starken EinfAuß
 aus; sie allein bestimmen die Erlöse des Schrottveräußerers und des
Sammelhandele. Für die Höhe dieses Preises sind die Frachtkosten von
ausschlaggebender Bedeutung, die gegenüber der Vorkriegszeit erhebliche
 Veränderungen erfahren haben.
Vor dem Kriege wurde Schrott nach dem Spezialtarif III gefahren.
Seit dem 1. Dezember 1920 fällt Eisen- und Stahlschrott unter die
Klasse E der Gütereinteilung des deutschen Normaltarifs, die dem
Spezialtarif III entspricht (Angabe der Reichsbahn). Die Frachtsätze
der Hauptklasse stellen sich wie folgt:

Entfernung

Km

25
50
75
L00
2300
300
400
300

1918

Pf. je 100 kg

13
9
»9
24
56
3
100
1292

Im Juli | Ab 1. Aug.
1927 1927
mit | ohne | mit ohne
Beförde- | Belörderungssteuer
 | rungssteuer

Rpf. je 100 kr

21 20 |
31 29
40 37T
49 46
83 78
112 5
| 138 | 129
160 | 150

19
29
38
6Q

13
57
36
45
S
;
129 |
150

160 |

Erhöhung gegenüber
{9138 ab 1. August 1927

mit an ohne

Beförderungssteuer

in %

46
.n

39
An

/
44 5
38 | 29
31 93

Für bestimmte alte eiserne Blechwaren und Gebrauchsgegenstände
(sogenanntes Schmelzeisen) besteht wie in der Vorkriegszeit der Ausnahmetarif
 7 für Sendungen von mindestens 15000 kg. Für die
gleichen Güter, soweit sie emailliert, verzinkt oder verzinnt und nicht
paketiert an von der Eisenbahn anerkannte Entemaillierungs-, Entzinkungs-
 und Entzinnungsanstalten versandt werden, tritt der Ausnahmetarıf
 7 schon bei Aufgabe von mindestens 10000 kg in Kraft, Die
Frachtsätze des Ausnahmetarifs 7 betragen:
        <pb n="42" />
        Entlernung



2 km

25
50
75
100
200
300
400
500

Frachtsätze
des Ausnahmetarifs 7

1927
mit | ohne
7% Beförderungssteuer


1918

Pig.jekg]  Rpfe.jekg

12
‘6
1
25
40
50
60
70 |

15
Fe 72
29 27
35 33
56 52
70 65
84 79
98 92

Erhöhung

1927 gegen 1918
mit | ohne
7% Beförderungssteuer


in %

DO

44
28
9
4 ‘0
Pe 0
40
40

25
38
29
32
30
30
81
31

Die Ausnutzung des Ausnahmetarifs ist infolge der Sperrigkeit der
Güter sehr eingeschränkt. Bei Zugrundelegung eines Schrottpreises von
43 bis 45 RM. für die Vorkriegszeit und 54 bis 56 RM. frei rheinisch-A
 a liecham Revier für den Juli 1927 bildet die Fracht folgende
nteijle:

Entfernungen



KT:

25
50
75
L00
200
300
400
300

1914

3,0
4,3
6,6
7,7
12,7
17,7
23,7
929.7

| =
Juli 1927 ab 1. August
1927

% "a —

3,8
5,6
7,3
8,9
15,1
20,4
25,1 |
929 1

8,5
5,8
8,9
8,7
14,9
20,4
25,1
99.1

_ Der Kauf von Schrott erfolgt in ganz Deutschland auf Frachtbasis
Theinisch-westfälisches Revier, da Rheinland-Westfalen den stärksten
Schrottverbrauch hat; damit sind die im Westen geltenden Preise auch
für den östlichen Schrottbezug bestimmend. Allerdings haben die Unter-Suchungen
 ergeben, daß die Frachtdifferenzen nicht immer ausgenutzt
werden, da bei niederem Schrottpreis sonst dem ersten Abgeber nur Er-‚so
 bleiben würden, die jeden Anreiz zur Schrottabgabe ausschalten
Urden.
„Neben dem Preis gewähren die Einkaufsorganisationen unter Um-Ständen
 besondere Lieferungsprämien (genannt Schneegelder, Eis-Prämien
 usw.). Sie eind zunächst als Ersatz für tatsächlich geleistete

TS
        <pb n="43" />
        Aufwendungen aufzufassen, sollen aber auch einen Anreiz zu erhöhter
Handelstätigkeit und damit Sammeltätigkeit gewähren.
Die Höhe des Schrottpreises wird durch die Zahlungsbedingungen
wesentlich beeinflußt. Im Schrottgeschäft gelten als Zahlungstermine im
Verkehr zwischen der eisenerzeugenden Industrie und den Einkaufsorga-2ieationen
 bzw. dem selbständigen Handel der 15. bis 20. des der Lieferung
 folgenden Monats oder nach Lieferungseingang. Nach Aussagen
der Vertreter des Handels sind 80 °/ des Schrotthandels in die Notwendigkeit
 versetzt, den Einkauf durch eigene Mittel zu finanzieren, ehe von
den Werken Zahlung erfolgt. Die Bedingungen haben grundsätzlich
auch für den Verkehr zwischen den Einkaufsorganisationen und Vertragsfirmen
 einerseits, dem freien Handel andererseits Geltung. Der sogenannte
 freie Schrotthandel gibt jedoch an, daß die Zahlungsbedingungen
zwischen Einkaufsorganisationen oder Vertragsfirmen und den großen
schrotterzeugenden Werken abweichend hiervon so gehandhabt werden,
daß Teilzahlung bei Abschluß, der Rest der Zahlung nach Lieferung
arfolgt.
Bei der Beurteilung des deutschen Schrottmarktes müssen die bestehenden
 Verhältnisse im Außenhandel am Schrott berücksichtigt
werden, da sie mit den bereits dargestellten organisatorischen Maßnahmen
 der am Schrottmarkt beteiligten Kreise zusammenwirken. “
Der deutsche Außenhandel in Schrott in den Nachkriegsjahren hat
folgendermaßen gestaltet:

[ahr

Einfuhr

/ Ausfuhr

Ausfuhrüberschuß (+)
Kinfuhrüberschuß (-)

in *

1912
1913
1925
1926
1927

24.0 700
209 700
214 600
175 500
501 8300

160 000
193 500
285 800
446 900
208 100

80 700
16 200
+ 71200
+271 400
„2398 200

Die Sehrotteinfuhr in den letzten Jahren hat also gegenüber der
Vorkriegszeit einen erheblichen Rückgang, die Schrottausfuhr eine
Steigerung auf das Dreifache im Vergleich zum Jahre 1912 zu verzeichnen.
 Die Schrotteinfuhr in der Vorkriegszeit fand aus Holland,
Belgien, Luxemburg, Frankreich und Schweden, in geringem Maße aus
österreich-Ungarn und Rußland statt. Die Schrottausfuhr dagegen
richtete sich früher hauptsächlich nach Österreich-Ungarn, Italien.
Schweden, der Schweiz, Belgien und England.
In der Nachkriegszeit sind die Hauptbezieher deutschen Schrotts
Polnisch-Oberschlesien, Italien und Tschechoslowakei. Die tschechischen
Werke haben einen Durchschnittsverbrauch von etwa 250 000 t Schrott
im Jahre, den sie im eigenen Lande nicht aufbringen können. Der Einfuhrüberschuß
 der Tschechoslowakei an Eisen- und Stahlschrott stellte
sich folgendermaßen:
        <pb n="44" />
        Jahr

1924 .
1925 . .
1926 . .
1927

116 000
130 000
79 000
157 000

_ Die tschechische Eisenindustrie greift dabei heute mit der Hälfte
ihrer gesamten Schrotteinfuhr in alle ost-, mittel- und norddeutschen
Schrottanfallgebiete herüber. In Polen liegen die Verhältnisse ähnlich.
Der Einfuhrüberschuß von Schrott für Polen betrug:

Jahı

1924 .
1925 . .
1926 .
1927

148 000
161 000
162 000
471 000

Bis zum 14. Juni 1927 hatte Polen Anspruch auf ein deutsches
Schrottkontingent in Höhe von 235 000 t jährlich. Der Einkauf der ost-Oberschlesischen
 Werke (polnischen Werke) in Deutschland wurde bisher
 durch die deutsche Schrottvereinigung Berlin getätigt. Die Schrottleferungen
 aus Deutschland nach Ostoberschlesien kommen überwiegend
N ech E- und Niederschlesien, Berlin, Brandenburg und den Osteehäfen.


Italien hat einen Schrottverbrauch von 1500000 t im Jahre 1925.
Im Jahre 1926 sind 174 000 t Schrott allein aus Deutschland nach
Italien ausgeführt worden.

Die Schrotteinfuhr Italiens in 1000 =.

Insgesamt...
davon aus
Deutschland .
Frankreich |
England

'919

1913

096

Q92F

342

306

542

36°

45 71 28 44
68 78 292 ; 528
24 9 15 53

29

097

766

6938

47 19
41 | 8383
11 20

Diesen Ländern stehen die Länder mit überwiegender Schrottausführ:
 Frankreich, Luxemburg, Belgien, England gegenüber. Der Außenhandel
 in Schrott für die Länder mit Schrottausfuhrüberschuß gestaltete
Sich folgendermaßen:
        <pb n="45" />
        Schrottausfuhrüberschuß in 1000 t.

19192

Belg.-Luxemburg!) . | 68
Frankreich , . .. 363
2 | 67

{9183 | 1994 | 1995

81 16 47
| 407 345 494
10% | 8702) 20 |

19296 * 1927

64 113
190 345
1062 188

') 1912 und 1913 nur Belgien.
2) Einfuhrüberschuß.

Die wichtigsten Gründe für die Gestaltung des internationalen
Schrottmarktes sind die Einschränkungen des Verkehrs mit Schrott
durch Ausfuhrzölle oder Schrottausfuhrverbote. Polen hat einen hohen
Schrottausfuhrzoll, der wie ein Ausfuhrverbot wirkt. Die Tschechoslowakei
 hat ein straff gehandhabtes Schrottausfuhrverbot. Belgien-Luxemburg
 und Frankreich haben ebenfalls Schrottausfuhrverbote, die
Deutschland gegenüber streng gehandhabt werden. Auch die deutsche
Regierung hat ein Schrottausfuhrverbot erlassen, gemildert durch Ausfuhrbewilligungen,
 deren Höhe sich nach. der jeweiligen Marktlage
richtet, Die Sachverständigen haben zu der Frage, ob das Ausfuhrverbot
 beizubehalten oder zu beseitigen oder gegebenenfalls durch
andere Maßnahmen zu ersetzen sei, verschiedene Auffassungen, die aus
den Anlagen hervorgehen, geäußert, Die Schrottmenge, um die bei
Aufhebung des Ausfuhrverbots ein Wettbewerb des‘ Inlands und Auslands
 einsetzen würde, ist in Anbetracht der vielen mitwirkenden Faktoren
 kaum zuverlässig zu schätzen. Als Grundlage für ein Urteil der
Sachverständigen konnten nur die Einfuhrverhältnisse der in Betracht
kommenden Staaten dienen, wie sie zur Zeit bestehen. Der zu erwartende
 Gesamtanspruch des Auslandes an den deutschen Schrottvorrat
bei geöffneten Grenzen wurde von Sachverständigen mit über 500 000
bis 600 000 t, also etwa 10°, des Gesamtbedarfs der deutschen Industrie,
 beziffert; die Preisentwicklung würde vornehmlich von Ost-, Nordund
 Mitteldeutschland zu tragen sein, die bei der Art ihrer Erzeugung
ainen besonders starken Schrottverbrauch haben.

Baade, Baltrusch, Bernhard, Bücher, Dernburg, Eggert, Eulenburg,
Hamm, Hermes, Hermann, Harms, Hilferding, Lammers, Liebermann,
Mulert. August Müller, Georg. Müller, Rauch, v. Raumer, Frhr. v. Richthofen.
 Tarnow, Zimmermann.

TQ
        <pb n="46" />
        Anlagen
        <pb n="47" />
        Gutachten der Sachverständigen
Dr. Buchmann, Geh. Rat Prof. Dr. Mathesius,
Dr. Petersen, Dr. Reichert.

Eingereicht: September 1926.

if. Die deutsche Eisenerzversorgung.
Die Erzversorgung der deutschen Eisen- und Stahlindustrie ist abhängig
 von den inländischen Eisenerzvorräten und vom Erzbezug aus
dem Ausland.
Die deutschen Eisenerzvorkommen nach ihrer örtlichen Lage sind
aus beiliegender Skizze‘) ersichtlich. In dieser Skizze ist unter Ziffer 18
auch der lothringisch-luxemburgische Minettebezirk eingezeichnet, den
wir durch den Versailler Vertrag und durch den Austritt Luxemburgs
aus dem deutschen Zollgebiet verloren haben. Neben den einzelnen Gebieten
 ist der durchschnittliche Eisengehalt der Erze nach Abzug des
natürlichen Nässegehalts angegeben. Dabei wird bemerkt, daß der
Durchschnittsgehalt der Erze von Jahr zu Jahr ein wenig schwankt.
_. Wirklich reiche Eisenerze über 55 % Fe gibt es in Deutschland
Nicht, und sogenannte mittlere Erze zwischen 40 und 55 % Fe nur in
ganz geringer Menge, nämlich nur im Lahn-Dill-Bezirk rund 42 % Fe,
und im bayrisch-württembergisch-badischen Bezirk mit rund 38 %, aufbereitet
 bis 50 %. Fast alle deutschen Eisenerze sind arm, d.h. sie
Weisen Metallgehalte auf, die noch unter der unteren in den Vereinigten
Staaten geltenden Abbauwürdigkeitsgrenze von 45°, liegen.
Die’ wichtigsten : Eisenerze sind Magneteisenstein, Roteisenstein
Oder Hämatit, Brauneisenstein und Spateisenstein.
. Die deutschen Eisenerzvorräte haben durch den Verlust des loth-Mngisch-luxemburgischen
 Minettebezirks eine ungeheure Verminderung
erfahren. Dieser Bezirk hatte nach der wissenschaftlichen Schätzung
der Professoren Beyschlag und Krusch?) im Jahre 1917 nach Abzug
Sines Abbauverlustes von 10 % noch 1777 Millionen Tonnen Vorrat.
Für die Deutschland verbliebenen Eisenerzvorräte sind Anfang 1917
von denselben beiden Gelehrten folgende wissenschaftliche Schätzungen
Zemacht, worden:

!) Siehe S, 219.
pP ?) „Deutschlands künftige Versorgung mit Eisen- und Manganerzen“ von
Tofessor Beyschlag und Professor Krusch, 1917, 8. 11.

4 Enq.-Aussch. III. Rohstoffvers, d. deutsch. eisenerzeug, Ind,
        <pb n="48" />
        Siegerland, Spateisensteinbezirk: bis 1200 m Tiefe 101 Millionen
Tonnen Spat und 10,3 Millionen Tonnen Eisenglanz, bis 1300 m
Tiefe weitere 13,5 Millionen Tonnen Erz. Unter Berücksichtigung
von 10 °%, Abbauverlust ergibt sich also bis 1300 m Tiefe gewinnbares
 Erz in einer Gesamtmenge von 112,5 Millionen Tonnen.
Lahn- und Dill-Bezirk mit Oberhessen: 70,8 Millionen Tonnen Roteisenstein
 bei 10° Abbauverlust und 10,1 Millionen Tonnen manganhaltiger
 Brauneisenstein bei 15 °/, Abbauverlust, zusammen also
20,9 Millionen Tonnen.
Der subherzynische Bezirk Peine-Salzgitter: Brauneisenstein bei
10 °% Abbauverlust 270 Millionen Tonnen.
Von den kleineren. Erzbezirken, die zum Teil nur örtliche Bedeutung
haben, seien genannt: der Vogeleberger Basalt-Eisenerzbezirk, der
Taunusbezirk einschließlich der Lindener Mark, die Eisenerzlagerstätten
 des Weser- und Wiehengebirges sowie des Teutoburger
Waldes, der thüringisch-sächsische Erzbezirk, der Harzer Bezirk,
der schlesische Bezirk sowie der bayrische und württembergischbadische
 Bezirk und schließlich die Raseneisenerzvorkommen- Nordund
 Mitteldeutschlands. Es handelt sich hierbei meist um Brauneisensteinvorkommen,
 auf denen sich in früheren Jahrhunderten
aine Eisenindustrie gegründet hat, die zum Teil noch bis in die
heutige Zeit besteht: Maxhütte bei Unterwellenborn, Georgs-Marien-Hütte
 bei Osnabrück, Mathildenhütte im Harz, Wasseralfingen
 in Württemberg.
Der gewinnbare Eisenerzvorrat : Deutschlands in den heutigen
Reichsgrenzen hat sich im Jahre 1917 nach der Schätzung der führenden
Geologen Beyschlag und Krusch nur auf rund 530 Millionen Tonnen
belaufen. Das ist noch nicht der dritte Teil des damals auf 1777 Millionen
 Tonnen geschätzten Erzvorrats des verlorenen lothringischluxemburgischen
 ‚Minettegebiets. Bringt man von der Menge von
530 Millionen Tonnen die Eisenerzförderung innerhalb Deutschlands
(jetziges Zollgebiet) in den Jahren 1917 bis 1925 einschließlich, nach
der amtlichen Statistik in Höhe von zusammen 55,8 Millionen Tonnen),
in Abzug, so kann der deutsche Eisenerzvorrat Anfang 1926 auf rund
A474 Millionen Tonnen geschätzt werden. Der Verlust von ÖOstoberschlesien
 kann außer Ansatz bleiben, da der dortige Eisenerzbergbau
schon vor der Abtrennung Ostoberschlesiens durch das Genfer Diktat
von geringer Bedeutung war. .
Berücksichtigt man, daß die Eisenerzvorräte Frankreichs auf rund
9763 Millionen, die der Vereinigten Staaten auf 4258 Millionen, die
Englands auf 2929 Millionen, die Schwedens auf 1325 Millionen Tonnen
yeschätzt wurden!), so ersieht man, wie arm Deutschland an Kisenerzen
ist und welchen Verlust die deutsche Eisenindustrie durch die Abtrennung
 des lothringisch-luxemburgischen Minettegebiets erlitten hat.
Dieser Verlust war um so schmerzlicher, als unsere auf den Verbrauch
von Thomaserzen eingestellten Hütten hierdurch vier Fünftel der Grund-I)

 „Gemeinfaßliche Darstellung des Eisenhüttenwesens“, 12. Auflage. 1928, 5. 35.

-
        <pb n="49" />
        lage für ihre Versorgung mit Thomaserz aus heimischen Vorkommen
verloren haben.
Für die Bewertung eines Eisenerzes kommen neben seiner mineralogischen
 Zusammensetzung und seiner Abbauwürdigkeit die Kosten
Seiner Gewinnung einschließlich Transport zur Verbrauchsstelle in
Betracht.
Bei den Eisenerzen muß man den Mangangehalt, bei den sogenannten
 Manganerzen auch den Eisengehalt mitberücksichtigen, wenn
man das Erz richtig werten will.
Für den Thomasprozeß kommen in erster Linie phosphorhaltige
Erze in Frage, von denen” die Minette in Deutschland bis zum Kriegsde
 eine besonders. große Rolle spielte. Diese Thomaserze liefern ein
Roheisen mit etwa 2% Phosphorgehalt. Für die nicht nach dem /Thomasverfahren
 weiterverarbeiteten. Roheisensorten, wie Stahleisen, Spiegel-%sen
 und Hämatit, müssen Erze mit möglichst geringem Phosphorgehalt
verwandt werden, da bei den saueren Stahlerzeugungsverfahren eine
Phosphorabscheidung nicht stattfindet. Dazwischen liegt eine dritte
Gruppe Roheisen für Gießereizwecke, bei denen ein gewisser Phosphorgehalt
 zulässig ist.
Es ist ferner klar, daß die Abbaukosten dort, wo die Erze frei zu
Tage anstehen und ähnlich wie in einem Steinbruch gewonnen werden
können, sich viel günstiger gestalten als da, wo Erze mittels kost-Spieliger
 Schachtanlagen oder durch Stollen aus dem Innern der Erde
herausgeholt werden müssen. Ferner spielen die Standorte der Erzlager-Stätten,
 ihre Entfernung von Wasserstraßen und der Eisenbahn sowie
Yon den nächsten Kohlenvorkommen eine Rolle. Von großer Bedeutung
Ist außerdem die chemische Verbindung, in der das Eisen auftritt, und
die Zusammensetzung der in den Erzen vorhandenen, schlackenbildenden
Erdarten. Manche Erze sind reich an Kalk, andere besitzen größere
Mengen Kieselsäure, wieder andere enthalten viel Tonerde, manche
führen Schwefel, Phosphor oder Titan. Ein bestimmter Schwefelgehalt
der Erze darf nicht überschritten werden, da der aus ihnen hergestellte
Stahl sonst zum Rotbruch neigt.
.. Die industrielle Verwertbarkeit der deutschen Eisenerzsorten stellt
Sich für die Hauptbezirke folgendermaßen?) :
l. Das Siegerland. Das Siegerländer Erz kommt im Roh-Zustand.
 mit etwa 32 bis 36 °%, Eisen und 4,5 bis 7°% Mangan aus. Es
SNthält in der Regel unter 0,05 °/, Phosphor und ist daher für die Her-Stellung
 von Stahl- und Spiegeleisen vorzüglich geeignet. Durch einen
Röstprozeß kann das Erz infolge Austreibens der Kohlensäure veredelt
und auf 48 % Eisen und etwa, 6 bis 9% Mangan gebracht werden. Das
Rösten wird am Gewinnungsort vollzogen, um die Frachtkosten zum
Hochofen zu verringern. Eine weitere Anreicherung kann durch Aufbereitung
 erfolgen, wie sie auch für andere Erze in Frage kommen kann.

A 7) Nach „Internationale Berpwirtschaft”, Heft 4, Januar 1926, S. 87: „Die
Düssehi des deutschen Eisenerzbergbaues“ von Bergassessor Ulrich Wedding,
eldorf£.
        <pb n="50" />
        Da jedoch mit der Aufbereitung eine weitgehende Zerkleinerung der
Erze verbunden ist, die eine nachherige Wiederstückigmachung erfordert;
sind hier bei der verhältnismäßigen Geringwertigkeit des Eisenerzes
gegenüber den: übrigen Metallerzen der Verwendung wirtschaftliche
Grenzen gezogen, Die Zusammensetzung des Erzes an sich wäre günstig,
aber die Abbauverhältnisse sind ungünstig, weil die tektonischen Vorgänge
 vielfach gestört und verworfen sind, . Das an sich edle Erz wird
durch Quarzlösung verschlechtert oder bisweilen durch Quarz so verdrängt,
 daß seine Verwertbarkeit ausgeschlossen ist. Teilweise gehen
auch die edlen Spatgänge ganz in Quarzgänge über, halten als solche
über mehrere Sohlen an und treten dann wieder als Spatgänge in guter
Beschaffenheit auf. Auf manchen Gruben tritt ferner. Schwefel und
Kupferkies auf, wodurch die Qualität des Spats erheblich verschlechtert
wird... Der Siegerländer Erzbergbau hat mit großen wirtschaftlichen
Schwierigkeiten zu kämpfen.
Für die Erzeugung des Thomasroheisens wird der Siegerländer
Spat nur in geringen Mengen als Manganträger gebraucht. Infolge der
ungünstigen Erzeugungsbedingungen ist der Verbrauch an Spat in den
letzten Jahren sehr zurückgegangen, so daß das Siegerland unter Absatzmangel
 leidet. Heute wird ein ‚großer Teil der Gruben nur weiterbetrieben,
 um das wirtschaftliche Leben im Interesse der Bevölkerung
in Gang zu halten. Sollte im Siegerland infolge der Wirtschaftesnot ein
Teil der Gruben unter Wasser gesetzt werden, so erscheint es sehr
zweifelhaft, ob in den nächsten Jahren und Jahrzehnten so gute wirtschaftliche
 Verhältnisse eintreten werden, daß man sich eine teure
Wiederaufwältigung der Gruben leisten kann. Dann besteht die Gefahr,
daß zum mindesten ein großer Teil des wertvollen Erzes für immer der
deutschen Volkswirtschaft verlorengeht. Sie ist durch eine Hilfsaktion
der Regierungen — Vergütung von 2 Mark für die Tonne geförderten
Erzes, die zur einen Hälfte vom Reich, zur anderen von Preußen und
Hessen, für den. Vogelsberger Bezirk in Oberhessen, getragen wird —
einstweilen für‘ sechs Monate, Juni bis November 1926, abgewendet. .
2. Lahn- und Dill-Gebiet mit Oberhessen. Der
Roteisenstein hat etwa 42°/, Eisengehalt neben 15 bis 35 °/, Kieselsäure
und 0,05 bis 0,75 °% Phosphor. Die Gewinnung des Erzes ist mindestens
mit den gleichen Schwierigkeiten verknüpft wie im Siegerland. Die
Lagerstätten sind zudem meist von geringerer Ausdehnung als im
Siegerland. Für die Mehrzahl der Betriebe lohnt sich daher die Anlage
umfangreicher maschineller Einrichtungen nicht. Daraus folgt, daß die
Gestehungskosten. durch vermehrte Handarbeit zum Teil höher sind. als
im Siegerland. Ein großer Teil der Betriebe liegt auch ungünstig zu
den Bahnstationen. . Das Erz ist daher mit einer oft erheblichen Vor-[racht
 belastet. Der teilweise hohe Kieselsäuregehalt und der ungünstig
gelegene Phosphorgehalt erschweren den Absatz des Erzes noch mehr
wie den des Siegerländer Spates. Im Lahn-Dill-Bezirk finden sich auch
kalkhaltige Brauneisenerze. Die unregelmäßigen Vorkommen spielen
aber eine weniger große Rolle.
. Die oberhessischen Erze im Vogelsberger Bezirk haben
eine Mächtigkeit von 5 bis 20m. Das Erz wird durch Waschprozesse
        <pb n="51" />
        konzentriert. Das Konzentrat kommt "durchschnittlich mit 42°, Eisen
und 0,2 bis 0,8 °% Phosphor aus. Auch hier sind die Aussichten für
den Bezirk weniger günstig als die für das Siegerland. Wie bereits. erwähnt,
 erstreckt sich daher die Hilfsaktion auch auf dieses Gebiet.
„3. Der subherzynische Bezirk Peine- Salzıg1ltter.
 Diese Brauneisenerze sind wirtschaftlich sehr wichtig. Sie
enthalten den für den Hüttenprozeß benötigten Kalk. Die Lagermächtigkeit
 beträgt bis zu 20 m. Das Erz hat 28 bis 35 °% Eisen und. 0,8 bis
1,9 ° Phosphor. Es ist also ein typischer Vertreter der Thomaserze,
ähnlich wie die lothringisch-luxemburgische Minette. Zur Nützbar-Machung
 der weniger guten Erzsorten wird ein Teil des Erzes einem
Aufbereitungsprozeß unterworfen. Die feinen Erze werden zum Teil
gesintert. .
. Die Erze des‘Salzgitterer Horizonts enthalten zum Teil über 30
Kieselsäure ‚und sind daher weniger bedeutsam. . Hier finden sich
Mächtigkeiten von über. 100 m. Allerdings leidet. die: Wirtschaftlichkeit
der Ausbeutung darunter, daß die Erze noch einer besonderen Aufbereitung
 unterzogen werden müssen.
In verschiedenen Bohrungen ‚sind auch Kalkerze nachgewiesen
Worden, die 4 bis 10°, Kalk enthalten. Hier bestehen begründete Aus-Sichten,
 die Erze durch Aufbereitung veredeln zu können. Heute werden
Sie in der Hauptsache als Zuschlag für die kalkigen Brauneisenerze
eh, Die Aufbereitungsfrage wird zurzeit wissenschaftlich bearbeitet.


4 Die übrigen deutschen Erzgebiete. Die übrigen
Eisenerzlagerstätten Deutschlands haben gegenüber. den drei vorstehend
beschriebenen‘ nur eine mehr oder weniger örtliche Bedeutung. Gewisse
Lagerstätten Bayerns und Württembergs, die Alb- und Doggererze,
können vielleicht später einmal eine Rolle spielen. Die Ablagerung der
Alberze ist sehr unregelmäßig. Der Eisengehalt beträgt etwa 38 °/, der
Mangangehalt 0,3 bis 0,8 °/, der an Phosphor 0,2 bis 0,4 °/, an Kiesel-Säure
 sind 19 bis 30 % enthalten. Die Vorräte sind schwer zu schätzen.
Die Gewinnungsbedingungen sind! schwierig und von der Lösung der
Aufbereitungsfrage abhängig. Pacten
Die Doggererze in Württemberg /ünd Bayern liegen in der Gebirgskette
 des Fränkisch-Schwäbischen Jura. Sie bilden teils Rot-, teils
Brauneisenstein mit durchschnittlich 24 bis 28 °/ Eisen und 24 bis 30 °/
Kieselsäure. Der Phosphorgehalt liegt bei 0,2 bis 0,3%. Die Mächtigkeit.
 der Ablagerung ist meist unter 1m. Auch hier hängt die wirtschaftliche
 Bedeutung von der Lösung der Aufbereitungsfrage ab.
Bei der Aufbereitung handelt es sich um eine Reinigung der Erze
Von ungeeigneten Bestandteilen, womit gleichzeitig eine Anreicherung
des Metallgehaltes erzielt wird. Die Aufbereitung des vorher zerklei-Derten
 Erzes erfolgt unter Ausnutzung der verschiedenen spezifischen
Gewichte von Erz- und Gangart auf trockenem (Ausklauben, Wind-Sichtung).
 oder nassem. Wege (Setzmaschine, Schwimmaufbereitung)
Oder auch nach dem elektromagnetischen Verfahren und ist vielfach mit
einer gleichzeitigen Klassierung der Erze verbunden.
        <pb n="52" />
        Erze, die einen für den Hochofenbetrieb ungeeignet hohen Feinheitsgrad
 haben, werden nach besonderem Verfahren durch Agglomerieren
 und Brikettieren stückig gemacht.
Außer den Erzen finden als Rohstoffe im Hochofenbetrieb noch eine
Reihe Nebenerzeugnisse der Eisenindustrie selbst Verwendung, wie
Schweißschlacken, Walzechlacken, Hammerschlag, Konverterauswurf
sowie Martinschlacken, von denen letztere auch noch als Mangan- und
Phosphorträger eine Rolle spielen. Daneben werden noch alte Halden
eisenreicher Schlacken von früheren Rennfeuer-, Frischfeuer- und
Puddelbetrieben verhüttet. Schließlich kommen für die Eisenerzeugung
als Rohstoffe noch in Frage die Rückstände von der Schwefelsäuregewinnung
 aus Schwefelkies, sogenannte Kiesabbrände, sowie Rückstände
 von der Teerfarbengewinnung, Eisenoxyde, welche beide einen
Eisengehalt von 55 bis 65°% aufweisen.

Wie aus der Aufstellung im Statistischen Teil*) ersichtlich ist,
hat die deutsche Eisenerzförderung vor dem Kriege im deutschen Zollgebiet
 damaligen Umfangs im Durchschnitt der Jahre 1909 bis 1913 rund
31 Millionen Tonnen mit etwa 9,5 Millionen Tonnen Eisengehalt be-Ho
 Der durchschnittliche Eisengehalt der Erze stellte sich auf
30,9 %/o.
Berechnet man die Vorkriegsförderung in den Grenzen des neuen
Zollgebietes der Nachkriegszeit, so betrug die durchschnittliche Eisenerzförderung
 1909 bis 1913 rund 6,4 Millionen Tonnen mit 2,15 Millionen
Tonnen Eisengehalt bei einem überschläglichen Eisengehalt der Erze
von 34,2 %.
Die Förderungszahlen für das erste Halbjahr 1926 liegen noch nicht

70T

[Il. Einfuhr von Eisenerzen nach Ländern und Güte.
Die Einfuhr von Eisenerzen in der Vorkriegszeit im Durchschnitt
der Jahre 1909 bis 1913 betrug, wie aus dem Statistischen Teil*)
hervorgeht, für das deutsche Zollgebiet alten Umfangs rund 11 Millionen
Tonnen, also der Gewichtsmenge nach betrachtet etwa ein Drittel der
jamaligen Erzförderung. Diese Einfuhr hatte aber im Vergleich zum
Eisengehalt der zollinländischen Förderung, der 9,4 Millionen Tonnen
ausmachte, einen Eisengehalt. von rund 6 Millionen Tonnen. Es sind
also im Durchschnitt hochwertige, etwa 60 prozentige Eisenerze einyeführt
 worden.

Um im einzelnen ein Bild von den verschiedenen Eisengehalten der
verwendeten Auslandserze zu geben, ist für die Jahre 1913 und 1924 auf
Grund der tatsächlichen Erzeinfuhrzahlen und ihrer Prozentgehalte der
Eisengehalt je Tonne ausgerechnet worden. Die Eisengehalte der eingeführten
 Auslandserze schwankten im Jahre 1913 von 37 % (französische
 Erze) bis 64,71 % (schwediech-norwegische Erze) und im Jahre

!) Siehe S. 222 ff.

16
        <pb n="53" />
        1924 von 33,28 % (luxemburgische Minette) bis 63,45 % (Schwedenerze).

Die Professoren Beyschlag und Krusch geben folgende Fe- bzw. Mn-Gehalte
 für Auslandserze an’):
Französische Minette. . .
Normandie-Erze . . ...
Algerische, tunesische Erze
Brasilianische Erze .
Schwedische Erze .
Norwegische Erze .
Krivoj-Rog-Erze .
Polnische Erze . ...
Kaukasische Manganerze
Brasilianische Manganerze

33 bis 37% Fe,
45 % Fe,
58% Fe,
57 bis 72% Fe,
58 bis 72%. Fe,
10 bis 50% Fe,
55 bis 69% Fe,
27 bis 39% Fe,
50% Mn,
is 50% Mn.

‚Die industrielle Verwertbarkeit der einzelnen Auslandserze richtet
Sich, abgesehen vom Eisengehalt, in erster Linie nach ihrem Gehalt an
Mangan und Phosphor sowie nach ihrem Gehalt an Rückstand (Kieselsäure),
 der durch Kalksteinzuschlag verschlackt werden muß. Ein
hoher Phosphorgehalt macht das Eisenerz besonders geeignet zur Er-&amp;amp;eugung
 von Thomasroheisen, während ein niedriger Phosphorgehalt
Wie auch ein hoher Mangangehalt für die Erzeugung bestimmter Sonderroheisensorten.
 besonders günstig ist,
_ Für das Zollgebiet heutigen Umfanges, ohne Saar, läßt sich die
Einfuhr in der Vorkriegszeit nicht berechnen, weil die Handelsstatistik
hicht angibt, in welche Teilgebiete des Deutschen Reiches die Einfuhren
erfolgt sind. Die Güterverkehrsstatistik ist gleichfalls für eine derartige
Berechnung nicht brauchbar. Es ist jedoch anzunehmen, daß von den
verlorenen Gebieten im wesentlichen nur Ostoberschlesien an der über-Seeischen
 Erzeinfuhr beteiligt gewesen ist, während das Saargebiet,
Lothringen und Luxemburg die Haupteinfuhr von französischer Minette
an sich gezogen haben dürften.
.. Im Jahre 1925 wurden 11,5 Millionen Tonnen und im ersten Halb-Jahr
 1926 rund 4 Millionen Tonnen Eisenerze in das Zollgebiet heutigen
Umfangs eingeführt. Die Erzeinfuhr der Nachkriegszeit weicht also der
Menge nach von der der Vorkriegszeit nicht erheblich ab, aber die Vorkriegserzförderung
 ermöglichte 9*/, Millionen Tonnen Roheisenge-Winnung
 aus heimischen Erzen, während die Nachkriegsförderung nur
PC - 2 Millionen Tonnen Roheisenerzeugung aus deutschen Erzen
erlaubt.
Der Eisengehalt der Erze konnte für die Nachkriegszeit noch nicht
festgestellt werden. Im allgemeinen wird man aber sagen können, daß
In der Nachkriegszeit höherwertige Erze als in der Vorkriegszeit eingeführt
 worden sind.
Die Bezugsländer waren in der Vorkriegszeit hauptsächlich Schweden,
 Spanien, Frankreich, Nordafrika und Kanada. In der Nachkriegs-Zeit
 ist bei weitem der größte Teil der Erze, etwa zwei Drittel der
Gesamteinfuhr, aus Schweden bezogen worden. An zweiter Stelle steht

') Deutschlands künftige Versorgung mit Eisen und Manganerzen.
        <pb n="54" />
        wieder Spanien. Die Einfuhr von Minette aus Frankreich ist stark
zurückgegangen.
Die vollständige Unterbindung der Minetteeinfuhr in den ersten
Nachkriegsjahren hat die deutsche Eisenindustrie gezwungen, sich auf
die Verhüttung anderer phosphorhaltiger Erze umzustellen. Dies wurde
in erster Linie durch erhöhten Verbrauch von hochphosphorhaltigen
Schwedenerzen erreicht, wodurch gleichzeitig bei dem bedeutend höheren
Eisengehalt dieser Erze, trotz eines erhöhten Kalksteinzuschlages, eine
Koksersparnis und eine bessere Ausnutzung der Ofeneinheiten erzielt
wurden. ;
Da sich nun einerseits herausgestellt hat, daß die großen Schwedenerzvorkommen
 nach der Teufe hin im Phosphorgehalt abnehmen,
andererseits ein größerer Minettebezug aus Frankreich in Anbetracht
seines gestiegenen Eigenverbrauchs kaum in Frage kommt, müßten
eigentlich künftig in etärkerem Maße andere phosphorreiche Erze für
die wachsende Thomaseisenerzeugung herangezogen werden. Da diese
aber nicht zur Verfügung stehen, wird man andere Phosphorträger hinzunehmen.
 müssen, wie sie in Frankreich, Belgien und Algier in Form
von Phosphatkalken und in Lappland als Apatiterz vorhanden sind.
Die Erze in der französischen Normandie, die erheblich besser sind
als die Minette, wurden in der Vorkriegszeit in erster Linie von deutschen.
 Firmen ausgebeutet. Die Verhüttung dieser Erze in Deutschland
dürfte erst wieder in Frage kommen, wenn sie zu Preisen erhältlich sind
wie vor dem Kriege, als die Erzvorkommen noch in deutschem Besitz
waren. Wie schon oben erwähnt, ist es der deutschen Eisenindustrie
nach dem Aufhören der Minettezufuhr! gelungen, sich auf die neuen Verhältnisse
 umzustellen, z.B. durch stärkeren Verbrauch der Schwedenerze.
 Durch den Umstand, daß die als Ersatz für die Minette in Frage
kommenden. phosphorhaltigen Erze einen wesentlich höheren Eisengehalt
besitzen, war es möglich, die in Frage kommende Thomasroheisenarzeugung
 zu erreichen.
Was den Thomasstahlprozeß betrifft, so bildet er, wenn auch seit
Kriegsende mengenmäßig die Siemens-Stahl-Gewinnung größer ist, die
Grundlage der deutschen Stahlerzeugung und wird sie auch wohl bleiben.
Er liefert ein ausgezeichnetes Material, das sich im In- und Auslande
bestens bewährt hat. Gewisse Schwankungen in dem Verhältnis der
Thomas- zur Siemens-Martin-Stahl-Erzeugung werden immer vorhanden
sein, da Schrott- und Roheisenverhältnisse hierbei einen Einfluß: ausüben,
 so daß die zukünftige Entwicklung nicht vorausgesehen werden
kann. Ein sehr wichtiger Gesichtspunkt für die Thomasstahlerzeugung
ist auch die Thomasschlacke, die beim Thomasprozeß als Nebenerzeugnis
 gewonnen wird und als Düngemittel für die Landwirtschaft unentbehrlich
 ist. Nach den durch den Versailler Vertrag verursachten Verlusten
 sind die deutschen Thomasstahlwerke zur Zeit nicht mehr in der
Lage, den Bedarf der deutschen Landwirtschaft an Thomasmehl zu
decken. Es müssen hierzu erhebliche Mengen aus dem Saargebiet, aus
Frankreich, Luxemburg, Belgien usw. eingeführt werden.
Die Manganerzeinfuhr in der Vorkriegszeit!) hat im Durchschnitt
1; Siehe S. 221.
        <pb n="55" />
        der Jahre 1909 bis 1913 nach dem deutschen Zollgebiet alten Umfangs
rund eine halbe Million Tonnen betragen. Eine Berechnung für den
Anteil des heutigen verkleinerten Zollgebietes war gleichfalls nicht
möglich.

Im Jahre 1925 wurden in das Zollgebiet heutigen Umfanges rund
200 000 Tonnen, im ersten Halbjahr 1926 rund 75 800 Tonnen Manganerze,
 mit über 30 % Mangan, Nr. 237 h des Statistischen Warenverzeichnisses,
 eingeführt. Die Manganerzeinfuhr ist also wesentlich
zurückgegangen.

Manganerze kamen in der Vorkriegszeit überwiegend aus Rußland
(Kaukasus) und Britisch-Indien. In der Nachkriegszeit lieferten diese
Erzsorten Rußland, Britisch-Indien, Britisch-Westafrika, Ostpolen und
Agypten.

Die Einfuhr von Eisenerzen in das Saargebiet, soweit die Vorkriegszeit
 in Frage kommt, geht aus dem Statistischen Teil!) hervor.
 Für die Jahre 1909 und 1910 können Zahlen nicht angegeben
werden, da keine geeigneten Unterlagen zu erhalten waren. Im Durch-Schnitt
 der Jahre 1911 bis 1913 hat das Saargebiet jährlich rund
3,956 Millionen Tonnen Eisenerz bezogen. Davon stammen rund
3,1 Millionen Tonnen, also der weitaus überwiegende Teil, aus. dem
damals deutschen Minettegebiet Lothringens, etwa 0,14 Millionen Tonnen
aus Luxemburg, 0,12 Millionen Tonnen aus dem übrigen Deutschland,
0,48 Millionen Tonnen aus Frankreich und 25000 Tonnen aus dem
übrigen Ausland. Der Rest von 92000 Tonnen entfiel auf Schlacken
aus eigenem Betriebe.
Für die Nachkriegszeit sind entsprechende Zahlen nicht vorhanden,
da das Saargebiet seit dem 10. Januar 1925 in das französische Zollgebiet
 eingegliedert ist und die französische Statistik keine getrennten
Zahlen für das Saargebiet ausweist 2).

Die Verkehrsbeziehungen Rheinland-Westfalens mit Lothringen,
Luxemburg, dem Saargebiet und Frankreich lassen sich nur für den
Eisenbahnverkehr, der die Hauptrolle spielt, genau ermitteln, aber nicht
für den kleinen Teil des Verkehrs, der den Rhein über Straßburg be-Nutzt.
 Die Rheinprovinz und Westfalen umfassen in der Güterbewe-Eungsstatistik
 der deutschen Eisenbahnen fünf Verkehrebezirke.

Die Güterbewegungsstatistik des Jahres 1913 kennzeichnet Lothrin-Sen,
 . Luxemburg und das Saargebiet im Umfang ihrer politischen
Grenzen als Verkehrsbezirke, weist aber für Frankreich nur den Ge-Samtversand
 bzw. Gesamtempfang des ganzen Landes in einer Zahl aus.
Es ist jedoch anzunehmen, daß der Versand und Empfang Frankreichs
In den erwähnten. Rohstoffen und Eisenerzeugnissen überwiegend, wenn
Nicht ausschließlich, auf Französisch-Lothringen entfällt. Dasselbe gilt
für das Jahr 1925, wobei jedoch zu beachten ist, daß die Zahlen für

!) Siehe S, 221.

«4
        <pb n="56" />
        Elsaß-Lothringen nicht nochmals in den Zahlen für Frankreich (Französisch-Lothringen)
 enthalten sind. Eine Trennung der Zahlen für
Elsaß und für Lothringen, wie im Jahre 1913, findet in der Güterbewegungsstatistik
 des Jahres 1925 nicht mehr statt. Für die Zwecke dieser
Untersuchung ist das jedoch unerheblich, da der eisenindustrielle Verkehr
 des Elsaß mit Rheinland-Westfalen kaum ins Gewicht fällt.
Es ist wichtig, festzustellen, welcher Verkehr zwischen dem Nordwesten
 des deutschen Zollgebiets, Rheinland-Westfalen, und dem gesamten
 Südwesten des ehemaligen deutschen Zollgebiets, Lothringen,
Luxemburg und Saar, einschließlich des benachbarten Französisch-Lothringen
 stattgefunden hat. HEinem Gesamtversand montanindustrieller
 Erzeugnisse vom Südwesten nach Nordwesten in Höhe von
rund 6,6 Millionen Tonnen im Jahre 1913 steht ein Versand von nur
1,2 Millionen Tonnen im Jahre 1925 gegenüber. Der Verkehrsrückgang
vetrug also 81,8 %,
Einem Gesamtempfang von rund 9,8 Millionen Tonnen im Jahre
1913 steht ein Empfang von rund 6,4 Millionen Tonnen im Jahre 1925
gegenüber. Der Verkehrsrückgang betrug hier demnach 34.5 %.
Der Empfang des Südwestens an rheinisch-westfälischer Kohle und
Koks spielt mengenmäßig die Hauptrolle. Es wurden auf dem Bahnwege
 rund 9,4 Millionen Tonnen Kohle und Koks im Jahre 1913 gegen
und 6,4 Millionen Tonnen Kohle und Koks im Jahre 1925 aus Rheinland-Westfalen
 bezogen. Es ist also ein Rückgang im Kohlen- und
Koksempfang 1925 im Vergleich zum Jahre 1913 von 32 % zu verzeichnen.
 Welche Kohlen- und Koksmengen 1925 bzw. 1913 auf dem Rheinstrom
 bergwärts, z. B. nach Straßburg, gegangen sind, um von dort auf
der Bahn nach Lothringen usw. versandt zu werden, läßt sich nicht
ohne weiteres festetellen.

Im Austausch gegen Kohle und Koks versandte der Südwesten auf
jem Bahnwege nach Rheinland-Westfalen rund 3,9 Millionen Tonnen
Erze im Jahre 1913 gegen rund 700000 Tonnen Erze im Jahre 1925.
Rechnet man diese Erzmengen auf Grund ihres durchschnittlichen
Eisengehalts von 30 % auf reines Eisen um, dann sind etwa 1,2 Millionen
 Tonnen Eisen im Jahre 1913 gegen etwa 210 000 Tonnen Eisen
im Jahre 1923 von den südwestlichen Gebieten nach Rheinland-Westfalen
 versandt worden. Das sind also (für das Jahr 19253) 17,5 %' des
Versandes im Jahre 1913 oder ein Rückgang von 82,5 %.
Wieviel Eisenerz auf dem gebrochenen Wege (Bahntransport von
Lothringen. bis Straßburg und Rheinschiffahrtsweg von dort bis Ruhrort)
 verfrachtet worden ist, läßt sich nicht genau ermitteln. Jedenfalls
hat im Jahre 1925 nach der amtlichen Handelsstatistik die gesamte Erzsinfuhr
 aus Frankreich einschließlich Französisch-Lothringens sowie
les französisch gewordenen Elsaß-Lothringen rund 1,2 Millionen Tonnen
Erze gegen 700000 Tonnen auf dem Bahnweg eingeführter Erze betragen.
 In den von der Handelsstatistik ausgewiesenen 1 207 300 Tonnen
Erzeinfuhr aus Frankreich und Elsaß-Lothringen sind auch die aus der
Normandie eingeführten Erze enthalten.

N
        <pb n="57" />
        Ferner versandte der Südwesten nach dem Nordwesten auf dem
Eisenbahnweeg:

Prozentualer
1918 1925 Verkehrsrückgang :
Roheisen . . . rund 1000000 Tonnen 18000 Tonnen 98,2 v.H.
Halbzeug . .. „ 540000 , 132000 75,56
Walzeisen. ....„ 461000 x 89000 80,69
Schrott... . » _219000 25000 88,59
2220000 Tonnen 264 000 Tonnen 88,1 v.H..

Betrachtet man die Versandziffern für den Eisenversand in Form
von Erzen auf der einen Seite (1913: 1,2 Millionen Tonnen, 1925:
0,21 Millionen Tonnen), auf der anderen Seite die Versandziffern von
Eisen in Form von Robheisen, Halbzeug, Walzeisen und Schrott (1913:
2,2 Millionen Tonnen, 1925: 0,26 Millionen Tonnen), so findet man, daß
der Versand von Erzeugnissen der letzteren Gruppe im Jahre 1913 beinahe
 doppelt so groß war, wie der Versand von Eisen in Form von
Erzen. Im Jahre 1925 hat der Versand von Alt- und Neueisen nur. um
etwa 25 % den Eisenversand in Form von Erzen übertroffen.
Zusammenfassend ist der außerordentlich starke Verkehrsrückgang
das hervorstechendste Merkmal der Verkehrsbeziehungen zwischen dem
Südwesten und dem Nordwesten im Vergleich der Jahre 1913 und 1925.
Am größten ist der Rückgang im Roheisenversand, und zwar 98,2 %.
Es folgt der Schrottversand mit 88,59 %, sodann der Erzversand mit
82,5 % Rückgang. Der Kohle- und Koksempfang des Südwestens ist
dagegen nur um 32 % gefallen.
_ Verkehr des Saargebiets: Die Verkehrsbeziehungen des Saargebiets
mit Rheinland-Westfalen gleichen zum Teil den Verkehrsbeziehungen
F Tankreichs mit Rheinland-Westfalen, zum Teil denen der übrigen Gebiete.
 Im Jahre 1913 versandte das Saargebiet nach Rheinland mehr
Brennstoffe, Walzwerksfertigerzeugniese und Schrott, als es vom Nord-Westen
 erhielt. Im Jahre 1925 verschwindet der Versandüberschuß
an  Brennstoffen und Schrott. Es bleibt der Versandüberschuß an
Walzwerksfabrikaten, neu kommt ein Versandüberschuß an Halbzeug
hinzu. Im Gegensatz zu Lothringen und Luxemburg empfing im Jahre
1913 die Saar mehr Roheisen und Halbzeug aus Nordwesten, als sie
dorthin versandte

s
        <pb n="58" />
        Gutachten des Sachverständigen Wenzel.

Zur Frage der Eisenerzversorgung Deutschlands
insbesondere

Rheinland -Westfalens.

Eingereicht: September 1927.

I. Allgemeines
IL Versorgung aus eigener Förderung
a) Inland
Siegerland
Lahn- und Dillgebiet
Oberhessen
. Harzvorland
3. Oberpfalz
b) Ausland
II. Erzversorgung durch Zukauf
a) Inland
i. "lseder Hütte
2. Siegerland und Hessen-Nassau
8. Schwefelkiesabbrände
Ausland

3)

.
),

Allgemeines über Bezugsmöglichkeiten und Preise
Schweden
Norwegen
Trankreich
Spanien
Portugal
Nordafrika
Nordamerika
Südamerika
sterreich
Schweiz
Südrußland
Kaukasus
Britisch-Indien und Türkei

).
1

xyz
        <pb n="59" />
        [V. Schlußbetrachtung
V. Anlagen
1. Übersichtskarte der Gruben des Siegerlandes im Maßstab 1:100 000
2, Zusammenstellung der Vorratsmengen des Siegerlandes bis zu einer Teufe von
1300 m
Fördermenge und Gehalt an nutzbaren Metallen von 1910 bis 1927
Intwicklung der Verkaufspreise für Spat und Rost von 1910 bis 1927
tesamtversand an Siesorländer Erz und Verteilung auf die beiden großen
Verbrauchsgebiete 1910 bis 1927
Schaubild der Frachtbelastungen
Gegenüberstellung der Gestehungskosten 1913 und 1926
Förderung und een von KEisenerzen im Bezirk des Berg- und Hüttenmännischen
 Vereins zu Wetzlar in 1926
Gegenüberstellung der Gestehungskosten1918 und 1926 im Lahn- und Dillgebiet
Karte des Salzgitterer Bezirks
Preisentwicklung der wichtigsten Auslanderze ab 1925 bis heute
Schaubild dazu
Eisen- und Manganerz-Ausfuhr der Hauptproduktionsländer und der Anteil
Yeutschlands daran

54
        <pb n="60" />
        Allgemeines
Eine der wichtigsten der deutschen Wirtschaftefragen, die das
Deutschland der Nachkriegszeit bewegt oder bewegen. sollte, ist die
Sorge um die Versorgung der deutschen Eisenhüttenindustrie mit Eisenund
 Manganerzen.
Der Verlust des Reichslandes hat Deutschland der größten natiohalen
 Eisenerzlagerstätten beraubt. Wir verloren mit dem Versailler
Diktat rund 3 Milliarden Tonnen Minetteerze mit rund 1 Milliarde
Tonnen Eiseninhalt und rund. 20 Millionen Tonnen jährlicher Förderung
mit rund 7 Millionen Tonnen Eiseninhalt.
Darüber hinaus hat aber die deutsche Eisenindustrie überaus wert-Yollen
 und zukunftsreichen privaten Eisenerzbesitz in den feindlichen
Ländern durch Austreibung und Liquidation eingebüßt, einen Besitz,
der auf Hunderte von Millionen Tonnen Eisen- und Manganerz zu
Schätzen ist.
., Schließlich haben wir in unseren überseeischen Kolonien beträchtliche
 Eisenerzvorkommen verloren, die eine Reserve für die ferne Zukunft
 bildeten.
Nach neueren Statistiken rechnet man mit folgenden Weltvorräten
an sicher vorhandenen und abbauwürdigen Eisenerzen:

RE

Europa

Frankreich . 4
Großbritannien
Schweden rn
Deutsches Reich .
Spanien. .
Rußland | | .
Norwegen #2 a
Luxemburg . .
Deutsch-Österreich
Übriges Europa .
Gesamt-Europa

Afrika ei .. .
"ordameri Neufundid.)
Südamerika
Asien

Brz

metallisches

Eisen

in Milhonen Tonnen

9 763,5
2.929,38
1 385,8
| 117,6
711,0
380,9
367,0
270,0
219,0
376.6

3 320,0
862,2
845,0
391,2
349,0
376,4
194,0
90,0
77,4
1571

17920,2 | 6592,8

8386 225,0
1247,8 | 57496
8635) | (1908)
3000,0 ' 5195,0
820.0 599 0

| 38374.0 | 18 283,9 |

te

0,
| % der
Gesamtvorräte


n matallionh. Fisen

50,4 18,2
18,0 4,7
12,8 46
6.0 “1
5,3 9
5,7 20
1,9 07
“1 C5
‚06 0*
7 A

! 100.0

36.0

1,2
31,5
(10,4)
28,4
920

| 400.0

„Zu dieser Aufstellung wäre zu sagen, daß die Ziffern für die euro-Pälschen
 Erzvorräte, insbesondere aber die deutschen, wohl alles umassen,
 was überhaupt vorhanden. ist, da in diesen geologisch gründlich
        <pb n="61" />
        durehgearbeiteten Ländern kaum Nennenswertes der Kenntnis der Forschung
 entgangen sein dürfte; es sind auch Lagerstätten mitgerechnet,
die nicht ohne weiteres technisch verwendbare Erze führen (Salzgitter,
Oberpfalz usw.), während bei den überseeischen wenig durchforschten
Ländern, z.B. Südamerika, Afrika und Asien das Umgekehrte der Fall
sein dürfte. Dort kennt man sicher noch längst nicht alle Vorkommen
und hat mit der Statistik nur die bekanntesten und besten erfaßt. Auch
die nordamerikanischen Eisenerzreserven werden von anderen Gutachtern
 auf das Vielfache der oben angeführten Mengen geschätzt.
Deutschland besitzt demnach weniger als 2° der Eisenvorräte der
Welt, produziert aber rund 15 °/, der Welteisenproduktion. Auf Europa
bezogen besitzen wir etwa 5° der Eisenvorräte und leisten 35° der
europäischen Eisenproduktion.
Während Deutschland (ohne Luxemburg) im Jahre 1913 rund
28,5 Millionen Tonnen Eisenerze mit rund 8,5 Millionen Tonnen Eiseninhalt
 gefördert hat, womit rund 50° der damaligen deutschen Roheigenproduktion
 von 16,8 Millionen Tonnen gedeckt waren, hat das
Deutschland vom Jahre 1925 etwas weniger als 6 Millionen Tonnen Erze
mit 1,9 Millionen Tonnen Eiseninhalt gefördert und damit nur rund
18 % der Roheisenproduktion von 10,2 Millionen. Tonnen gedeckt.

Erze-Inland
Siegerland . ... . . +
Lahn-Dill.:-. 2. 0.0.0.4
Bingerbrücker Gebiet . . .
Harzvorland .'. . .
Üsede. . 0.0.0.0. 2 4
AbbrändeausMeggenerKiesen

Erze-Ausland
Schweden-Norwegen . . .
Neufundland . 2.2...
Minettegebiet . . . . . -
Nordirankreich . . .
Spanien-Afrika . HR
Schweiz . 0.0.0.0. 400
Abbrände und Oxyde aus
soanischen und nordischen
Kiesen. ..0.0.000.0. 4
Agglomerate aus spanischen
und nordischen Kiesen und
Konzentraten . . . 4.
Manganerze aus Rußland,
Indien und Brasilien . -
Phosphate aus Nordafrika
und Belgien. . . + -
Schlacken, . ..

Erztonnen

in
1000 Tonnen

950
190
135
25
250
150 1700

4500
500
1050
575
1990
DI

745

140
175
130 98380
970

12'500

0/

7,6
1,5
1,1
0,2
2,0
19 186

36,0
4,0
8,4
4,6
15,9
a2

5.9

1,2
14

1,0 78,6
78 78

100.0

Eiseninhalt
in
1000 Tonnen

0/

485,5
84,4
43,3
8,8
84,3
60.5 766.8

7,5
1,8
0,7
0,1
13
09 11.8

12889,0
257,0
385,0
262,9
1024,9
198

44,4
4,0
5,1
4,0
15,7
02

2892 9

5,9

1,3
1,8
10,4 5346,51 0,2 82,1
397, 6,1 6,1_
i 6510,4| 100,0

16
        <pb n="62" />
        Im laufenden Jahr 1927 wird das Verhältnis auf Grund der stärkeren
Roheisenproduktion, welcher der Erzbergbau mit einer entsprechenden
Steigerung der Förderung nicht folgen kann; noch wesentlich ungünstiger
 ausfallen, wie aus der Aufstellung hervorgeht. Hier ist der
Erzverbrauch der Vereinigten Stahlwerke A.G. im Jahre 1927 ge-Schätzt
 nach den Ziffern der abgelaufenen Monate, nach den Herkunftsgebieten
 zusammengestellt. Da die Vereinigten Stahhlwerke rund 50%
der deutschen Eisenhüttenindustrie verkörpern, dürften diese Zahlen,
Ohne allzu viel fehlzugehen, auch auf ganz Deutschland. mindestens
aber Rheinland-Westfalen, zutreffen.
_ Der Anteil der inländischen Erzförderung an der Erzversorgung
Wird also im Jahre 1927 auf 13,6 °% sinken, auf den Eiseninhalt be-Technet
 sogar auf 11,8 %%.
.... Die in der Aufstellung erwähnten Schlacken sind allerdings direkt
Inländischer Herkunft, da sie ausschließlich in der Hüttenindustrie entfallen,
 indirekt aber vorwiegend ausländischer Herkunft, da ihr Entfall
 auf die Verhüttung vorwiegend ausländischer Erze zurückzuführen
 ist.
Diese Ziffern sprechen für sich, sie beleuchten die katastrophale
Abhängigkeit unserer Hochofenwerke von dem Ausland. Noch schlim-Mer
 wird das Ergebnis, wenn man nicht alle Roheisensorten berück-Sichtigt,
 sondern nur das Thomasroheisen, bekanntlich die Grundlage
für etwa die Hälfte unserer Stahlerzeugung und fast die einzige Grundlage
 dieser Stahlerzeugung aus Erzen — Thomasstahl — nicht aus
Schrott, die Grundlage der Martinstahlerzeugung. Im Jahre 1925
Wurden rund 6000000 Tonnen Thomasroheisen in Deutschland erblasen,
 gleich rund 58 °/, unserer Gesamtroheisenerzeugung. Im Jahre
1927 wird dieser Anteil etwa der gleiche, vielleicht noch etwas höher
Sein, Zur Erzeugung des Thomaseisens im Jahre 1927 werden zum
Beispiel die Vereinigten Stahlwerke dem Eiseninhalt nach nur rund
‘5° inländische Erze verarbeiten können!
Betrachtet man nun kritisch die Lage des deutschen Eisenerzbergbaues,
 der, wie dargelegt, in nur eo kümmerlicher Weise zu der deut;
schen Erzversorgung beiträgt, so fallen zwei Umstände erschwerend.
13. niederdrückend auf:
Erstens ist der Eisenerzbergbau in seinen wesentlichsten Teilen,
und Zwar mit etwa zwei Dritteln der Förderung, schwer notleidend. Von
diesem Kriterium macht nur der Erzbergbau der Ilseder Hütte auf den
bekannten Lagerstätten bei Bülten und Lengede eine Ausnahme
Die wirkungsvollen Hilfsmaßnahmen für die alten Bergbaubezirke
des Siegerlandes, den Dill-Bezirk und die Lahn, seitens der Regierung
In Form einer Subvention auf die Förderung sind bekannt. Sie beweisen
das Vorliegen eines Notstandes. Leider werden sie demnächst, viel zu
früh und nicht aus sachlichen, sondern aus fiskalischen und politischen
Erwägungen heraus ihr Ende finden. Die nachteiligen Folgen werden
Nicht ausbleiben. Auch die übrigen Bergbaubezirke, mit Ausnahme der
oben erwähnten, können kaum leben. dürfen aber nicht sterben.

5 Enq.-Aussch. III. Rohstoffvers, d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

ir
        <pb n="63" />
        Es wäre ein Verbrechen an der deutschen Wirtschaft, besonders an
der Hüttenindustrie, wollten öffentliche Hand und Privatwirtschaft
nicht alles aufbieten, um den Rest der deutschen Eisenerzerzeugung zu
erhalten. Im Siegerland, an Dill und Lahn und im der Oberpfalz hängt
eine wertvolle Eisenindustrie in Erzeugung und Weiterverarbeitung mit
ihrem Lebenenerv von dem Bestand des Bergbaus ab. Darüber hinaus
dienen diese Bergbaubezirke der großen westlichen Hüttenindustrie
dazu, doch wenigstens in kleinen Teilen vom Ausland unabhängig zu
sein, und sie können unter Umständen — wie die Kriegejahre beweisen
 — berufen sein, die deutsche Eisen- und Stahlproduktion überhaupt
 aufrecht zu erhalten.
Zum zweiten muß festgestellt werden, daß die als Hoffnung und
Zukunft einer größeren inländischen Eisenerzversorgung in Frage kommenden
 großen Lagerstätten im Vorland des Harzes, in der Oberpfalz,
im bayerischen und württembergischen Jura, Erze enthalten, die, jedenfalls
 im Rohzustande, technisch minderwertig und wirtschaftlich konkurrenzunfähig
 sind.
Trotzdem bieten diese Lagerstätten den einzigen Ausblick auf teilweise
 Befreiung der deutschen Hüttenindustrie von der ausländischen
Abhängigkeit und Tributpflicht. Es gilt deshalb für Regierung und
Privatwirtschaft diese Hoffnung zur Tatsache zu gestalten. Die Möglichkeiten’
 eind ohne Zweifel vorhanden, es bedarf. aber seitens aller
Beteiligten weit größeren Verständnisses im Erkennen dieser Dinge
ale bisher und eines viel stärkeren Willens zur Erreichung dieses Zieles,
sines Willens, der allerdings mit Opfern verbunden sein muß, die sich
aber bestimmt in Zukunft bezahlt machen:
Es ist eingangs erwähnt, daß die deutschen Hüttenwerke durch die
Folgen des Versailler Diktats auch im Ausland unendlich viel an wertvollem
 und zukunftereichem Erzbesitz verloren haben. Auch da gilt es,
neu aufzubauen und keine Mühen, Enttäuschungen und Opfer zu
scheuen. Die Durchführung solcher Absichten bedarf gleichfalls der
verständnisvollen Förderung der Regierung, unter Umständen sogar
angesichts der großen Obiekte der finanziellen Beihilfe.
Diese allgemeinen Ausführungen dürften zeigen, daß es sich schon
lohnt, diese Dinge im allgemeinen zu prüfen und zu erwägen. Diesem
Zweck sollen die folgenden Ausführungen dienen.

Versorgung aus eigener Förderung. ;

1. Siegerland.

Das Siegerland — Nassauisches Erzrevier — stellt zur Zeit das
größte deutsche Eisenerzbergbaugebiet dar, in dem über.die Hälfte der
gesamten deutschen Eisenerzerzeugung gefördert werden kann, An dieser
Produktion, die zusammen etwa 4 000 000 Tonnen jährlich beträgt, sind
das Siegerland mit 2 500 000 Tonnen und die nassau-hessischen Reviere
mit 1500 000 Tonnen beteiligt.
        <pb n="64" />
        Wenn man den Gesamtbedarf der deutschen Hochöfen berücksichtigt,
 so erscheint die Menge verschwindend klein, sie kann aber nicht
entbehrt werden, da die vorzügliche Qualität der Erze, insbesondere der
Siegerländer Eisen- und Mangankarbonate, von kaum einem Auslands-#Tz
 erreicht wird und der Siegener Eisenstein den einzig nennenswerten
inländischen Manganträger darstellt. Auf der anderen Seite gibt der
Eisenerzbergbau an der Sieg und Lahn, volkswirtschaftlich betrachtet,
einem von der Natur stiefmütterlich bedachten, rauhen Bergland die
Möglichkeit, eine zahlreiche, säßige Bevölkerung zu ernähren, und eine
Summe von 50 bis 60 Millionen RM., die bei unserer passiven Handelsbilanz
 schwer ins Gewicht fällt, der deutschen Geldwirtschaft zu
erhalten.
Ohne scharfe geographische Grenzen setzen in den alten Rumpfgebirgen
 des Siegerlandes in der Gegend‘ von Siegen bie tief in den
Westerwald und fast bis an den Rhein reichend gangförmige Vorkommen
 auf, die Spaltenausfüllungen unterdevonischer Schichten bilden
und in räumlich geringer Längenausdehnung und fast verschwindender
Mächtigkeit oder Dicke sich fast senkrecht in die Erdrinde bis zu unbekannten
 Tiefen erstrecken.
Die Mächtigkeit der räumlich oft weit voneinander entfernten,
Meist tief in den Bergen liegenden Gänge beträgt im Durchschnitt etwa
2m, ist aber außerordentlich unregelmäßig und kann nahezu ganz verschwinden,
 andererseits viel stärker sein. Auch haben die Erzkörper,
entsprechend ihrem hohen Alter, an allen tektonischen Veränderungen
der nachfolgenden Erdperioden teilgenommen; Faltungen, Spaltenverwerfungen,
 Verschiebungen und Überschiebungen durchsetzen sie in großer
Zahl, so daß heute die in der Längen- und Tiefenerstreckung zerrissenen
und auseinandergezerrten einzelnen Schollen und Trümmer mühsam
und in langdauernder Arbeit, die sich zwangsläufig aus dem Vortrieb
ünterirdischer Strecken ergibt, aufgesucht werden müssen.
In dieser Unsicherheit des Aushaltens der Gänge im Streichen
und Fallen liegt das kennzeichnende Merkmal des ganzen Eisensteinbergbaus
 an der Sieg, und es liegt auf der Hand, daß hierdurch gr0ßzügige
 Aufsuchungs- bzw. Aufschließungsarbeiten außerordentlich er-Schwert
 werden und die vorhandenen Anlagen eigentlich ständig in den
technischen Grubeneinrichtungen umgeschaltet werden müssen.
Diese Verhältnisse bedingen auch letzten Endes die hohen Betriebskosten,
 die trotz der hohen Qualität der Erze den wirtschaftlichen Not-Stand
 des Gebietes, der schon vor dem Kriege vorhanden war und nach
dem Zusammenbruch bzw. der Rückkehr zu geordneten Verhältnissen
katastrophale Formen annahm, verschuldet haben.
. Die Ausfüllung der Siegerländer Gangspalten besteht vorwiegend
aus Spateisenstein (Eisenkarbonat), der immer erhebliche Mengen
Mangankarbonat enthält, dem einerseits Schwefelkies, Kupferkies, Zinkblende
 und Bleiglanz als schädliche Bestandteile beigemengt sind und
der andererseits durch Kieselsäure und Tonerde in Gestalt von Quarz
und eingeschlossenen Nebengesteinspartien erheblich verunreinigt ist,
Infolge der Beimengung dieser dem Hüttenmanne unerwünschten Be-Standteile
 ist. naturgemäß der Gehalt an Eisen und Mangan gedrückt

FC
        <pb n="65" />
        und nur in Ausnahmefällen finden sich in dem Fördergut der Gruben
mehr als 30° Fe, während reiner Spat 36 bis 39° dieser Metalle
aufweist.
Da ein Erz mit 30° Fe trotz eines zwischen 4 bis 5° liegenden
Mangangehaltes kaum verhüttungsfähig ist, muß die Handelsqualität
durch Aufbereitungs- und Veredelungsprozesse unter Aufwand erheblicher
 Kosten erarbeitet werden, um schließlich einen. R oh spat_mit
etwa 36° Fe zu bekommen, der dem Röstprozeß zugeführt wird. Diese
eigentlich schon hüttenmännische Vorbereitungsarbeit wird in Schachtöfen
 unter Kokszusatz durchgeführt, um die Kohlensäure auszutreiben
und den immer vorhandenen Schwefelgehalt weiter zu drücken. Das
Endprodukt — der R ostspat — ist ein Erz, das nunmehr unter Verlust
 von */3 seines Gewichtes 47 bis 50 °% Eisen und 8 bis 10 °% Mangan
enthält, von keinem deutschen Eisenerz an Güte übertroffen wird und
schon im unmittelbaren Hochofengang ein Roheisen ergibt, das bei
seiner manganreichen und phosphorarmen Beschaffenheit vorwiegend
der Stahl- und Spiegeleisenerzeugung dient, mit dem der Westen auch
das übrige Deutschland versorgen muß.
Aus dem Vorhergesagten geht hervor, daß die Fördermenge von
2500000 Tonnen im Jahre nicht in Großbetrieben in weitgehend
mechanisierten Anlagen erzeugt werden kann, wie dies bei den meisten
ausländischen Vorkommen der Fall ist, sondern sich aus vielen Teilsummen
 zusammensetzt, da jeder Gang des Siegerlandes ein bestimmtes
Fördermaximum hat, das leider sehr tief liegen muß. Es beträgt bei
einer mittleren Siegerländer Grube 50000 Tonnen im Jahr. Daraus
erhellt ohne weiteres, daß die Jahresförderung von 2500 000 Tonnen
aus einer ganzen Reihe von Gruben“) zusammengebracht wird, die
alle mit vollständigen Anlagen über und unter Tage ausgestattet
sind, die kostspielige Anschlüsse an die Verkehrswege erstellen
müssen . und erhebliche Aufwendungen zur Hebung der in den
Spalten zirkulierenden Wasser erfordern. So ergeben sich die verschiedenartigsten
 Belastungen der Fördertonne durch die unproduktiven
aber in ihrer Höhe kaum abänderbaren Kostenfaktoren und es ergibt
sich weiter, daß eine Rentabilität nur bei einem Zusammentreffen aller
günstigen Umstände möglich ist, aber auch in diesem Falle die Durchführung
 großzügiger Aufschlußarbeiten aus eigener Kraft kaum möglich
 sein werden. Zuletzt folgt daraus eine überaus starke Abhängigkeit
 von der Konjunktur, da, die an der Grenze der Rentabilität befindlichen
 Werke dauernd auf höchstmögliche Fördermenge gestellt werden
müssen, also eine Verbilligung der Selbstkosten durch Produktionssteigerung
 nur in ganz verschwindendem Umfang und auch dann nur
auf Kosten der Aus- und Vorrichtung — also der Erzreserve — möglich
ist. Aus demselben Grunde muß aber auch jedes Heraufgehen eines
Unkostenfaktors die Grube in Gefahr des Erliegens bringen, da ein
Ausgleich im Preise nur in den seltensten Fällen denkbar erscheint
und zusätzliche Geldmittel nicht vorhanden sind. Auf jeden Fall wirkt
eich eine solche Erhöhung eines die Selbstkosten bildenden Unkosten-1)

 Siehe Karte Anlage 1, 8. 109.

2
        <pb n="66" />
        faktors unmittelbar in eine entsprechende Erhöhung der Gesamtselbstkosten
 aus und tritt ungleich schwerer in die Erscheinung, wie bei jeder
anderen Lagerstätte.
Was die im Siegerlande bekannten nutzbaren Vorräte anbelangt, so
muß zu ihrer Berechnung zunächst grundsätzlich festgelegt werden, bis
zu welcher Teufe nach dem jetzigen Stande der Technik ein Abbau überhaupt
 lohnend erscheint, und sodann muß angenommen werden, daß bis
zu dieser Teufe die bekannten Mittel in etwa gleicher Beschaffenheit
und Größe niedersetzen und gefunden werden. Die Grenze der Bauwürdigkeit
 ist also nicht durch ein natürliches Auskeilen oder Vertauben
 der Erzkörper, sondern durch Rücksichten auf die sich immer
schwieriger gestaltende Gewinnung und Förderung gegeben.
‚Die Aus- und Vorrichtung kann normalerweise etwa je 20m Teufe
im Jahre erschließen. Es bedingt dieser Teufenzuwachs die von Jahr
zu Jahr um 20 m wachsende Unterhaltung der Schächte, das Heben der
Wasser auf jährlich um 20 m sich vergrößernde Höhe, das Fördern der
gewonnenen Produkte aus dieser sich ständig vergrößernden Tiefe, das
Herablassen der Materialien in diese Tiefe, sowie den stets größer
werdenden Zeitverlust für die Arbeiterschaft bis zur Erreichung ihrer
Arbeitspunkte; das bedeutet eine sich ständig verringernde Effektiv-Arbeitszeit,
 da. nach dem heutigen Zwang die Schichtzeit vom Betreten
bis zum Verlassen der Förderkörbe nicht veränderlich ist. Daraus
ergibt sich, daß alle Verbesserungen und Verbilligungen, die die Ausnutzung
 technischer Neuerungen mit sich bringen, durch den sich ständig
 zwangsläufig verteuernden Betrieb wieder ganz oder zum Teil auf-Sezehrt
 werden, daß aber ständig neue Mittel zur Einführung dieser
Sun aufgewandt, werden müssen, um überhaupt lebensfähig zu
‚eiben.
Dies berücksichtigt und unter der Annahme einer höchst erreichbaren
 Teufe von 1300 m ergibt sich ein noch gewinnbarer Vorrat von
Tund 60 Millionen Tonnen Roherz!), der bei der jetzigen Förderung noch
ein Viertel Jahrhundert lang 2,5 Millionen Tonnen jährlich den Hütten-Werken
 zur Verfügung stellen kann.
Neben diesen mit einiger Sicherheit zu ermittelnden Mengen sind
aber noch eine Reihe weiterer Vorkommen bekannt, die unter den
jetzigen Verhältnissen nur mit sehr erheblichen finanziellen ‚Opfern zu
Sewinnen wären, da sie teilweise sehr unreinen Eisenstein enthalten,
teils nur geringe Ausdehnung im Ausgehenden aufweisen; teils eehr
Weit von den Verkehrswegen entfernt liegen. Auch unter diesen Vorkommen
 würden mehrere zweifellos abbauwürdig sein, wenn genügend
Kapital zu ihrer Untersuchung und Erschließung bzw. zum Änschluß
an eine vorhandene Bahnlinie zur Verfügung gestellt werden könnte.
Die Menge der auf diese Weise noch in Reserve stehenden Gänge
Soll vorsichtig mit 10. bis 20 Millionen Tonnen geschätzt werden. Sie
wäre immerhin genügend, die Lebensdauer des Siegerländer Bergbaus
bei gleichbleibender Förderung um fünf bis zehn Jahre zu verlängern.

1) Siehe Anlage 2, 8. 111.

A}
        <pb n="67" />
        Über die Menge und den Metallgehalt der Siegerländer Förderung in
den letzten Jahren gibt die Anlage 3*) Auskunft. Sie zeigt den Höhepunkt
der Vorkriegsförderung mit fast 2'/, Millionen Tonnen im Jahre 1913,
die durch Leutemangel und Leistungsrückgang bedingte Förderminderung
von 1916 ab und die Auswirkung der Revolution und ihrer Folgeerscheinungen
 bis Ende 1924. In dieser Zeitspanne ging die Leistung je
Mann und Schicht bis auf */3 der Vorkriegsleistung zurück. Das Jahr
1925 brachte nach der Stabilisierung der Mark eine Belebung, bedingt
durch das Bestreben aller Werke, nach Wiederkehr geordneter Verhältnisse
 auch die Gruben wieder zu einem CGleichgewichtszustand zu
bringen, und den Rückschlag 1926, der ausgelöst wurde durch die Erkenntnis
 der Unmöglichkeit bei dreigeteilter Schicht über Tage und
verkürzter Schichtzeit unter Tage trotz des guten Willens der Arbeiterschaft
 und der damit verbundenen Leistungserhöhung ohne starke Zubußen
 zu arbeiten.
Dieser Rückschlag setzte derart scharf ein, daß das Gebiet an den
Rand des Verderbens geriet und der Jahrhunderte alte Bergbau an der
Sieg vollständig zum Erliegen zu kommen drohte. Während 1913
60 Gruben im Betrieb waren und mit einer Belegschaft von über
10 000 Mann monatlich 200 000 Tonnen Eisenstein erzeugt wurde, waren
in den Nachkriegsjahren schon 32 Betriebe als unrentabel ausgeschieden
und: von dem Rest der 28 besten Gruben mußten nunmehr weitere 17
die Förderung einstellen, da die Unkosten des Stillstandes und die
Kosten der Wasserhaltung geringer waren als die Verluste, die bei Aufrechterhaltung
 der Förderung entstanden wären. Nur 11 Gruben waren
in der Lage weiterzuarbeiten, und auch diese sahen ihrer Stillegung
entgegen. Die Belegschaft war im April 1926 auf 4000 Mann gefallen
und die Förderung erreichte mit etwa 65 000 Tonnen ihren Tiefstand.
Bei dieser verzweifelten Lage entschlossen sich Reichs- und Staatsregierung
 durch Gewährung einer Absatzprämie von zusammen 2 RM
pro Tonne geförderten und abgesetzten Eisensteins dem Notstandsgebiet
zu helfen mit dem Erfolg, daß die Förderung sich von Monat zu Monat
hob und im März 1927 200 000 Tonnen wieder überschritt. Nach dem
Ergebnis des ersten Halbjahrs 1927 mit etwa 1100 000 Tonnen steht
zu erwarten, daß das Jahr 1927 der Höchstförderung von 1913 nicht
wesentlich nachstehen wird.
Diese Förderung von monatlich fast 200 000 Tonnen wird aber im
Gegensatz zur Vorkriegszeit nicht mehr von 60, sondern nur von 28
Gruben erzeugt, einerseits ein Beweis für die durchgeführte Rationalisierung,
 andererseits für die Anspannung der betriebenen Werke und
die Notwendigkeit, die an und für sich in der Kriegs- und Nachkriegszeit
 stark vernachlässigte Aus- und Vorrichtung soweit denkbar zu erhöhen.
 Die Staatshilfe hat es ermöglicht, auf diesem Gebiet vorwärts
zu kommen; es entfielen in der zweiten Hälfte 1926 12 °%, der Schichten
auf Aus- und Vorrichtung, während 1913 14° in dieser Arbeit verfahren
 wurden. Die Überspannung der Förderung macht aber eine
wesentliche Erhöhung dieses Anteils notwendige, wenn die jetzige Er-')

 Siehe S. 112.

a7
        <pb n="68" />
        Siegerland insgesamt

Monat

Förderung

Tonnen
FH An

Belegschalts-



Löhne
und
Gehälter
RM.

199°

April .
Mai .
Juni . .
Juli
August .
September
Oktober .
November
Dezember

Januar .
Februar .
Mär ;
April.
Mai ..
Juni

3

27

71 689
79 379
126 227
158 320
153 364
159 561
165 690
172 913
176 483

182 025
176 874:
206 056
181 233
186 912
175 2835

5104
5658
6995
7329
7 698
7 983
8154
8 772
8 768

8967
9 020
9156
9 096
9124
9182

817 752
872 808
| 045 501
1 185 764
L 190 065
. 198 006
. 240 663
1 220 196
| 321 522

1 309 141
1274 762
1 489 307
1 348 213
1 419 388
1 384 212

zeugung auf die Dauer gehalten werden soll, eine Erhöhung, zu der
die Gruben aber ohne Neuinvestierung von Kapital heute nicht in der
Lage sind.
Die übrigen Wirkungen der Staatshilfe zeigen sich in der Steigerung
 der Lohnsummen, die der Bergarbeiterschaft zufließen, und
gleicherweise der Summen, die die Sozialversicherung einzieht, während
der Staat in der Zeit der größten Not weit höhere Beträge an Erwerbslosenunterstützung
 verloren abführen mußte. Bedenkt man weiter,
daß die Gesamtwirtschaftslage des Notstandsgebietes von dem Bergbau
abhängt, daß jetzt dem Staat und den Kommunen erhebliche Steuerbeträge
 zufließen, daß die Reichsbahn monatlich über eine halbe Million
Mark an Frachten einnimmt, daß die Kaufkraft sich gehoben hat und
Handel und Wandel wieder in Blüte stehen, so kann man ermessen,
Wie segensreich die Hilfe von Reich und Staat gewirkt hat und wieviel
Elend durch die relativ geringe Beihilfe behoben wurde.
. Es ist überaus bedauerlich, daß die Reichs- und Staatsbehörden
diese Hilfsmaßnahmen, die sich so glänzend rechtfertigen, in großen
Sprüngen abbauen und mit September d. J. zu Ende gehen lassen wollen,
ZU einem Zeitpunkt, in dem die Wirtschaftslage voraussichtlich ab-Aauen
 wird, und zu dem andererseits die Arbeiterschaft ihre Wintervorräte
 an Kohlen und Kartoffeln einkellern muß. Die Krise ist noch
keineswegs endgültig überwunden und der Eisensteinbergbau des: Not-Standsgebietes
 bedarf weiterhin der pfleglichen Behandlung der Regierung,
 die ihn aus Gründen der allgemeinen Volkswirtschaft erhalten
muß, die die Pflicht hat, Gesetze, die ihn zu erdrosseln drohen, zu
mildern, einer Überspannung der Löhne vorzubeugen und eine übermäßige
 Belastung durch Lasten und Frachten nicht zuzulassen. Esg

A
        <pb n="69" />
        wäre für das Volksganze zweifellos besser, wenn die mit. der Absatzprämie
 vom Staate gewährte teilweise Zurückvergütung überzogener
Abgaben in irgendeiner Form beibehalten würde, bis dauernde Entlastungen
 auf anderen Gebieten erreicht sind, zumal eingehende, durch
Beamte des Handelsministeriums und der Deutschen Treuhand-Gesellschaft
 vorgenommene Buchprüfungen ergeben haben, daß. die Selbstkosten
 zwar eine sinkende Tendenz zeigen, daß aber in dem Prüfungszeitraum
 ein Gewinn trotz der Absatzprämie nicht erzielt worden ist.
Ein Beispiel: Während 1913 an Sozialabgaben je Hauer etwa 14 M.
oder 6°/, des Wertes der mönatlichen Erzeugung eines Mannes abgeführt
 werden mußten, erhöhte sich diese Abgabe in der Nachkriegszeit
auf 46,52 RM. oder fast 25°, der Werterzeugung eines Bergarbeiters.
Es liegt auf der Hand, daß bei Beibehaltung dieses Systems der Kopfbelastung
 die Rohstofferzeugung auf die Dauer nicht konkurrenzfähig
bleiben kann.
Die Verteuerung durch die allgemeine Geldentwertung, wie sie
sich aus den Indexzahlen ergibt, kann auch der an und für sich gesunde
Erzbergbau tragen, die unendlich erhöhten Abgaben an die öffentliche
Hand, wie sie sich aus den jetzigen Gesetzen ergeben, kann er aber
nicht tragen, ohne zum Erliegen zu kommen.
Der Vertrieb der Gesamterzeugung des Siegerländer Bergbaubezirkes
 liegt in der Hand des Siegerländer Eisensteinvereins G. m. b. H.
zu Siegen und erfolgt auf der Basis eines Gehaltes des trockenen Erzes
von

für Rohspat

für Rostspat

RM. je %-Fe

 .
Mn .
SiOs .
Ca

33 46 0,45
6 8 0,90
10 | 12 0,30
0,125 0.250 0,081)

) on % Cn.

Der Wert der Siegerländer Erzerzeugung überschreitet heute schon
wieder 30 000 000 RM. im Jahr: Die Kurve der Preisentwicklung‘)
zeigt, daß der Preis des Rohspates heute nur etwa 9% über
dem. Preise des. Jahres 1913 liegt und der Preis für gerösteten Spat den
des Jahres 1913 nur um wenige Pfennige übersteigt. — Dabei sind beispielsweise
 die Hauer-Durchschnittslöhne um 50°, die Kraftkosten
ebenfalls um über 50° und die Soziallasten um 213° gegen 1913
gestiegen.
Zur Beurteilung der Gesamtlage des Gebietes ist es besonders
interessant, daß ‚die wesentlichen Steigerungen gegenüber der Vorkriegszeit
 auf Gebieten liegen, auf denen die Einflußnahme der Werksleitung
mehr oder weniger vollständig ausgeschaltet ist.

1!) Siehe Anlage 4, S. 113.

md
        <pb n="70" />
        Es sind dies die Gebiete des Lohnwesens, auf denen letzten Endes
die Schlichtungsausschüsse und der Reichsarbeitsminister die Höhe der
Zahlungen zwangsweise bestimmen, das Gebiet der sozialen Abgaben,
auf dem die Parlamente sich betätigen, und zuletzt die Gebiete der
frachttarife und der Tarife für Kraftentnahme bei den Überlandzenralen.

Während das Lohnniveau, gemessen an den Löhnen der übrigen
Arbeiterschaft, im gegenwärtigen Zeitpunkt beibehalten werden muß,
Während der Gedanke einer anderweitigen Verteilung der Soziallasten
Sich nur langsam durchsetzen kann, muß auf dem Gebiete der Frachten
und der Strompreise eine sofortige Ermäßigung eintreten.
Den Gesamtversand zeigt Anlage 51), die gleichzeitig ein Bild darüber
 gibt, wie sich der Gesamtversand auf rheinisch-westfälische Hütten
einerseits und heimische Verbraucher andererseits verteilt, Die Kurven
Müssen im Zusammenhang mit dem Schaubild Anlage 6?), daß die Ent-Wicklung
 der Frachten zeigt, betrachtet werden, und zeigen deutlich die
Abhängigkeit des Versandes nach Ruhr— Rhein von der Frachthöhe. Es
Springt dabei ins Auge, daß mit dem Zeitpunkt höchster Frachten Ende
1923 der Tiefstand des Rhein-Ruhr-Versandes zusammenfällt und mit
Beginn der Senkungen sich dieser Versand sprungweise und schnell hebt.
Die heutige Frachthöhe für bezogene Brennstoffe und verschickte
Erze ist ebenfalls aus Anlage 6 zu ersehen. Sie ergibt die Tatsache, daß
die Tarife im Binnenverkehr noch 20°%, im Fernverkehr 39°, über
den Vorkriegsfrachten liegen und Kohlen gar mit 46°, Überfracht
Segenüber der Vorkriegsfracht belastet sind. Zwar hat die Reichsbahn
Nach langen Verhandlungen Mengenrabatte gewährt, die aber bei der
Wahl der Basis durchaus unzureichend erscheinen und sich besonders
bei den relativ großen Mengen, die nach Rhein— Ruhr laufen. kaum
auswirken.
Die Tarife sind auf einem Tonnenkilometersatz von 1,25 Pf. auf-Sebaut.
 Wenn nun der Generaldirektor der Reichsbahn gelegentlich
der Kanaldebatten erklärte, daß die Bahn für 0,75 Pf. je t/km
fahren könne, wenn Sachverständigengutachten diese Zahl erhärten
bzw. noch niedriger kommen, wenn das Verkehrsministerium und die
Verkehrsabteilungen der übrigen Ministerien die Überzeugung haben,
daß noch wesentliche Herabsetzungen möglich und tragbar sind, dann
erhellt ohne weiteres, daß auf diesem Gebiete eine Verbilligung erreicht
werden muß, eine Verbilligung, die bei der absoluten Höhe der Fracht
"ach Rhein—Ruhr von etwa 3 RM. erheblich zu Buche schlägt.
Wenn andererseits für Stromentnahme von der Überlandzentrale
durchschnittlich 6 Pf. für die kW-Stunde bezahlt wird und die Kraft-Kosten
 heute im Durchschnitt 2,70 RM. je Tonne Rohspat betragen, so
Ist auch hier eine wesentliche Ermäßigung denkbar, da Fälle bekannt
Sind, in denen Kraftstrom zum Preise von 2 Pf. die kW-Stunde ab-Segeben
 wird. Wenn auch dieses Extrem nicht erreicht wird, so muß
doch eine starke Herabsetzung der Elektrizitätspreise durchgesetzt

!) Siehe S. 114.
?) Siehe S, 115.

4
        <pb n="71" />
        werden, eine Verbilligung, die sich bei einem Gesamtverbrauch der
Gruben von etwa 40 Millionen kW-Stunden im Jahre ebenfalls finanziell
stark auswirken muß.
Auf jeden Fall sind die Gebiete der Fracht- und Elektrizitätstarife
zunächst ausschlaggebend für die Erreichung eines Zustandes, in dem
der Bergbau des Notstandsgebietes dauernd unter einigermaßen erträglichen
 Bedingungen arbeiten kann und die Hütten jährlich etwa 4 Millionen
 Tonnen bester, teilweise kaum ersetzbarer Erze zur Verfügung
stellen können.
Zum Schlusse seien noch. die reinen Selbstkosten ohne Abschreibungen
 des Jahres 1913 und des Jahres 1926 gegenübergestellt*). _
Das Schaubild zeigt, daß sich trotz des Teufenfortschrittes während
eines Zeitraumes von 13 Jahren, trotz der oben erwähnten Steigerungssätze
 der Unkosten, die Gesamtselbstkosten nur von 11,83 RM. auf
15.08 RM. oder um rund 27° erhöht haben. .
Es zeigt weiter die Verschiebungen innerhalb der einzelnen Unkostenfaktoren.
 Während der Lohnanteil je Tonne
1913 6,77 M. der Gesamtselbstkosten betrug, ist er
1926 auf 6,47 RM. gefallen;
dagegen sind die Soziallasten, die
1913 0,68 M. erforderten,
1926 auf 2,13 RM. je Tonne gestiegen.
Auf der anderen Seite sind die Sachkosten, die
1913 3,75 M. betrugen,
1926 auf 5,33 RM. gestiegen,
während die Handlungsunkosten, die
1913 0,63 M. erforderten, sich
1926 auf 1.75 RM. erhöht haben.
Die Steigerung dieser letzten Position beruht fast ganz auf Steuererhöhung
 und Zinsbelastungen in Schulden geratener Werke.
Die Entwicklung der Selbstkosten zeigt ebenso wie die schon früher
geschilderte Steigerung des Metallgehaltes die Weiterentwicklung der
ob und die mit großen Opfern durchgeführte Rationalisierung der
ruben.

2. Lahn-und Dillgebiet,.
Wirtschaftlich liegen die Verhältnisse in diesem Gebiet ähnlich
wie im Siegerland... Das meiste .zu letzterem Gebiet Gesagte trifft auch
hier zu, andererseits ist das Gebiet nicht so geschlossen wie das Siegerland,
 und die Verhältnisse auf den einzelnen Gruben sind technisch und
wirtschaftlich nicht so einheitlich.
Was zunächst die beiden nassauischen Erzmulden anbelangt, deren
Zusammenfassung sich wirtschaftlich rechtfertigt, so sind dort Eisenerze
 verschiedener mineralogischer Zusammensetzung zur Ablagerung
gekommen. Über das ganze Gebiet verbreitet findet sich als wert-1)

 Siehe Anlage 7, S. 115.

Ab
        <pb n="72" />
        vollstes Eisenerz der geschichtete Roteisenstein, der in der Hauptsache
an die Grenze zwischen Mittel- und Oberdevon gebunden ist, dort lagerförmig
 auftritt, mehr oder minder starken Kieselsäuregehalt aufweist,
aber auch unter Zurücktreten des Eisengehaltes kalkige Ausbildungs:
formen zeigt. Sekundär ist dieser Roteisenstein in der Nähe der Tagesoberfläche
 und der tektonischen Spalten durch zirkulierende Wasser
zermürbt, entkalkt, stärker verkieselt oder in Brauneisenstein umgewandelt.
 Sein Eisengehalt schwankt zwischen 34 und 53 °/., wobei die
untere Grenze nur dann bauwürdig erscheint, wenn Kalküberschuß vorhanden
 ist.
Neben diesen Erzen finden sich in der Lahnmulde tertiäre An-Sammlungen
 von Brauneisenstein, der mehr oder weniger manganhaltig
ist und in vollkommen unregelmäßigen Formen die Schlotten und
Hohlräume des devonischen Massenkalkes erfüllt.
Die Lagerungsverhältnisse der Mulden an Dill und Lahn er-Schweren
 den Bergbau außerordentlich, da. sich die karbonischen Faltungskräfte
 hier wohl am stärketen im ganzen rheinischen Schiefergebirge
 ausgewirkt haben. Auch die jüngeren Störungsperioden haben
Selbstverständlich dazu beigetragen, die Undurchsichtigkeit der tekto-Nischen
 Vorgänge noch zu erhöhen. So kommt es, daß die ursprünglich
flach gelagerten regelmäßigen Flöze jetzt ein wirres, zerrissenes Durch-“nander
 bilden, ein Durcheinander, in dem der wechselnde Metallgehalt
Noch weitere Erschwerungen des Bergbaues mit sich bringt. Auch Einlagerungen
 des Nebengesteins sind häufige Erscheinungen.
Ein großzügiger Bergbau scheint unter diesen Verhältnissen aus-Seschlossen,
 und Klein-, ja Zwergbetriebe, sind noch häufiger als im
Siegerland. a
. Nicht allein die Höhe der Gewinnungskosten, sondern mehr noch
die ungleiche und unvorteilhafte Zusammensetzung der Erze drücken
deren Wert. Neben hohem Kieselsäuregehalt, der starken Kalkzusatz
erfordert und damit hohen Koksverbrauch bedingt, weisen die meisten
Erze einen zwischen 0,2 bis 0,6°% _schwankenden Phosphor-Sehalt
 auf, der sie eigentlich nur für die Erblasung von Gießereiroh-©lsen
 brauchbar erscheinen läßt. Daneben leiden sie noch stärker als
die Siegerländer Erze unter der Konkurrenz der Auslandserze.
Mit diesen Erzen der Dill- und Lahnmulde seien gleichzeitig die
Lagerstätten auf dem mitteldevonischen Stringocephalenkalk des Tau-Mus
 und Soonwaldes besprochen. Sie ziehen sich von Ober-Rosbach bis
Zur Lindener Mark bei Gießen, an welcher Stelle die Gießener Braun-“lSensteinwerke
 das bedeutendste Vorkommen an stark manganhaltigem
Br auneisenstein in ausgedehnten Grubenanlagen gewinnen, und bilden
Ne weitere Gruppe von wirtschaftlicher Bedeutung auf dem links-"heinischen
 Ufer zwischen Stromberg und Bingerbrück.
.. Es handelt sich bei dieser letzteren Gruppe um ausgewaschenes,
n Höhlungen und Senkungen des Kalkes zusammengetragenes Hauf-York,
 dessen Mangangehalt zwischen 12 und 45°, schwankt und im
Durchschnitt bei 18 bis 23° % liegt, während der Eisengehalt etwa die
Bieiche. Höhe erreicht. Störend ist ein Wassergehalt der Erze von 20
S KO

"-
        <pb n="73" />
        Das Produkt der Lindener Mark ist ebenfalle ein mulmiges, sehr
manganreiches Brauneisenerz, in dem Stückerze reiner Manganmineralien
 enthalten sind. Die Gehalte an Eisen und Mangan variieren
um je 20°. .
Die Vorratsermittlung für diese Lahn-Dill-Erze einschließlich der
Manganeisenerze ist, wie aus dem Gesagten hervorgeht, noch schwieriger
 als die der Siegener Lagerstätten, da es sich um die verschiedenartigsten
 Ausbildungsformen mit mannigfach wechselnder Begrenzung
handelt und von großen Teufen nicht die. Rede sein kann: Trotzdem
hat man versucht, durch Berechnung des Erzkörpers der einzelnen Vorkommen
 die Vorratsmenge zu ermitteln. Dabei hat sich herausgestellt,
daß die in dem oben umrissenen Gebiete anstehenden Erze an Masse
die Vorräte des Siegerlandes weit übertreffen. .
Allein an Vorräten in der Dillmulde ergeben sich über 100 Millionen
Tonnen, wozu noch 50 bis 60 Millionen Tonnen der Lahnmulden
kommen. Neben diesen geschichteten Rot- und Brauneisensteinen: berechnen
 sich für die mulmigen Manganeisenerze weitere 50 bis 60 Millionen
 Tonnen, wobei die Mengen der Lindener Mark und des Bingerdrücker
 Vorkommens mit eingeschlossen sind.
Aus diesen Zahlen geht hervor, daß bei einer Förderung, die 1913
etwa 1500000 Tonnen betrug, noch mit einer erheblichen Dauer des
dortigen Bergbaues gerechnet werden kann und eine Lebensdauer von
L00 Jahren niedrig geschätzt ist.
Es geht weiter daraus hervor, daß in diesem Gebiete, allerdings
mit großem Geldaufwand und erheblichem Risiko, stärkere Reserven
geschaffen werden können, Reserven. wie sie für Notzeiten durchaus
arwünscht sind.
Die Wirtschaftsentwicklung geht der des Siegerlandes parallel.
1913 wurden, wie erwähnt, etwa 1*/, Millionen Tonnen versandfähige
Erze erzeugt. Diese erzielten — nach den Ermittlungen der Prüfungskommission
 — bei 8,06 M. Selbstkosten und einem Verkaufspreis von
11,86 M. einen Bruttoüberschuß von 3,10 M. Dieser Bruttoüberschuß
ist 1926 bei 11,09 RM. Selbstkosten und 11,95 RM. Verkaufserlös
einschließlich 2 RM. Absatzprämie auf 0,86 RM. oder um 80 % zurückgegangen.

Während.die Kosten bis 1926 um 37,6 °% gestiegen sind, bezifferte
sich die Erlössteigerung unter Einschluß der Absatzprämie nur auf
7,1 %, bzw. der durchschnittliche Erlös ohne Prämie lag 10°% unter
dem vor dem Kriege erzielten Preise. Der Tiefstand lag ebenfalls im
Mai 1926. in welchem Monat gefördert wurden:
im Lahn-Dillgebiet in Oberhessen zusammen
rund 32000 Tonnen rund 11000 Tonnen 43000 Tonnen
während im Mai 1927
im Lahn-Dillgebiet in Oberhessen zusammen
63 400 Tonnen 928600 Tonnen 87 000 Tonnen
gefördert wurden.
Über die Wirkungen der staatlichen Hilfsmaßnahmen in diesem
Gebiet gibt die Tabelle Auskunft:

AR
        <pb n="74" />
        Monat

Belegschaft
; | Ober-Dill-Lahn
 | hessen

Förderung
Dill-Lahn |Oberhessen
Tonnen Tonnen

19926

or
ai...
Juni, ..
Juli...
August .
September
Oktober .
November .
Dezemher

1896
1740
1857
2167
2289
2399
24.71
2694
2777

712
708
791
304
910
976
1036
1129
1136

32 575
32 635
39 329
47 508
47 969
48 286
50 608
55217
58 229

11427
11137
12951
14 482
15617
14915
17017
17 606
16833

19927

Januar ,
Februar
März. .
April ,
Mai.
Juni _

2830
2949
2937
2937
2864
2891.

Es stiegen im gleichen Zeitraum
die Belegschaft von zusammen. . .
die Lohnsumme von. .. .
die sozialen Beiträge von. . .

1151
1212
1221
1245
1304
1295

61 150
60 134
66 700
59 291
63 430
63 101

16 041
18 146
22 685
18 643
28 585
929 491

2 608 auf 3 876 Mann
314000 RM. „ 519 000 RM.
77000 RM. 146 000 RM.

Der Verkauf der Produkte erfolgt durch die Gruben selbst, da die
Verschiedenartigkeit der Erze in Verbindung mit dem relativ geringen
Entfa]l der einzelnen Sorten einen gemeinsamen Verkauf, wie ihn das
Siegerland hat, praktisch nicht durchführbar erscheinen läßt.
_ Lediglich eine gemeinsame Preistafel wird von dem Berg- und
Hüttenmännischen Verein Wetzlar aufgestellt. Sie gliedert sich in
folgende Sorten:

» % %
Roteisenstein . I. Sorte mit 45—50 Fe und 18—22 SiO,
Roteisenstein . ...... 0. Ml u 40—45 „ „ 22—25
Flußeisenstein (Roteisenstein m. Kalk-0
 überschuß . ......... „ 34—838 „ » 13—16
berhess, Basalteisenstein .. . .. ” 45 4 x» 10
Manganhalt, Brauneisenstein .... L “ 18 Mn „ 20 Fe
, wi IL. ” ’” 12 » ” 30 ”
uno N Bon 40

u

Der Schwerpunkt der Förderung liegt auf Rot- und Flußeisenstein,
Über den Versand des Jahres 1926 gibt die Anlage 8!) Auskunft,
. In der Hauptsache kommen neben den Hütten des Bezirks das
Siegerland und die Rhein-Ruhr-Hütten als Abnehmer in Betracht. Es
Wurden versandt:

1) Siehe S. 116.

AU
        <pb n="75" />
        im Binnenverkehr

nach dem Siegerland

191% ‚470 000 Tonnen = 50% 857 000 Tonnen = 22,6%
1926 . [201000 „=27%| 48000 „= 65%

im Fernverkehr

‚ 678 000 Tonnen = 47,4%
1451000 „ =665%

Es ist also 1926 das Siegerland als Abnehmer so gut wie ausgefallen.

Die Auswirkung der hohen Frachtkosten trifft den Versand dieses
Gebietes besonders stark, da die Entfernungen zu den Verbrauchsstätten
 der Erze, abgesehen von den wenigen Hochöfen an der Dill und
Lahn selbst, erheblich größer sind und die Fracht die Erze um 4,50 RM.,
ja bis 5 RM. verteuert.
Die Selbstkostenentwicklung und die Verschiebung der einzelnen
Unkostenfaktoren zeigt das Schaubild Anlage 9*). Während im Siegerland
die Gestehungskosten nur um 27 °%, heraufgegangen sind, ist im Dillund
 Lahngebiet eine Steigerung von durchschnittlich 37 °/, eingetreten,
ein Zeichen dafür, daß sich die verteuernden Faktoren bei den kleinen
Gruben des dortigen Bezirks schärfer ausgewirkt haben bzw., daß eine
Rationalisierung im Ausmaße der im Siegerländer Bezirk durchgeführten
 noch nicht möglich war.

3 Oberhessen.

Es handelt sich bei den hessischen Vorkommen um unregelmäßige
Lager und Linsen verschiedener Größe, die mit wellenförmiger Begrenzung
 auf einer Unterlage vulkanischer Natur auf Basalt oder
Basalttuff aufliegen und teils unmittelbar zu Tage austreten, teils von
einer mehr oder minder starken Decke jüngerer Schichten überlagert
sind.
Die wichtigsten und meisten dieser Linsen sind primäre Bildungen.
Sie zeigen Anreicherungen des durch Zersetzung freiwerdenden KEisenzehaltes
 des Basaltes zu Schnüren, Schalen und Bändern oder sind aus
Zertrümmerungsprodukten dieser Masse hervorgegangen. Eine Gesetzmäßigkeit
 in der Bildung der Lager hat sich noch nicht finden lassen,
doch scheinen sie Spaltenbildungen zu folgen.
Die Mächtigkeit einer Linse schwankt von 0 bis 20 m bei geringer
Flächenerstreckung. ;
Die Erze, die im Tagebau verhältnismäßig einfach und billig gewonnen
 werden, enthalten nur 17 bis 22°% Fe und etwa 0,35 °% Mn
mit einem Phosphorgehalt von rund 0,20 °. Sie müssen, um handelsfähig
 zu sein, gewaschen werden und kommen mit 42 bis 44 °% Fe und
etwa 1,5°% Mn und 0,4 °% P auf den Markt. Durch den Waschprozeß
gehen erhebliche Teile des Metallgehaltes der Erze verloren, da die
feinen und feinsten Teile mitgespült werden. Infolge dieser heute noch
unvermeidbaren Verluste sind rund 5 Tonnen Roherz notwendig, um
1 Tonne Versanderz herzustellen. Die Hauptkosten liegen hier nicht

) Siehe 8. 117.

70
        <pb n="76" />
        in der Gewinnung des Rohhaufwerks, sondern in der Massenbewegung
und dem Massendurchsatz der Aufbereitungen. Dabei muß der Bergbau
wegen der relativen Geringfügigkeit der Lager nach kurzer Zeit schon
Seinen Standort wechseln.
Bei der Lage nahe an der Tagesoberfläche und der leichten Gewinnbarkeit
 ist andererseite die Förderung schnell steigerungsfähig, wenn
nur die notwendigen Anlagen — Bagger, Seilbahnen, Aufbereitungen
— vorhanden sind.
. Noch sind die Vorräte des Gebietes nicht ausreichend bekannt, es
Sind lediglich 10 Millionen Tonnen als aufgeschlossen. bzw. überschürft,
Tegistriert, Dabei unterliegt es keinem Zweifel, daß bei planmäßiger
Untersuchung weitere Erzkörper gefunden werden und sich die Vor-Täte
 sehr wesentlich vermehren werden.
. Da hier Wasserhaltungskosten nicht in Frage kommen und sich
die Massen billig im Tagebau hereingewinnen lassen, theoretisch sich
die Angriffspunkte und damit die Fördermenge unbegrenzt steigern
lassen, so ist hier ein Gebiet, in dem sich größere Eisenerzreserven im
Westen Deutschlands für Notzeiten bilden lassen, wenn man sich nur
entschließt, die dazu erforderlichen Geldmittel anzulegen, auch wenn
unter den heutigen Umständen der Bergbau kaum lebensfähig erscheint.
. Das natürliche Absatzgebiet der hessischen Erze liegt an Lahn,
Sieg und im Rhein-Ruhr-Gebiet, Überall begegnet das hessische Erz
dort anderen Erzsorten, die mit wesentlich geringerer Fracht belastet
Sind, Diese frachtlich ungünstige Lage innerhalb des Notstandsgebietes
Wird bei Konjunkturrückgängen den Vogelsberger Bergbau immer zuerst
und am stärksten in Mitleidenschaft ziehen. Der dortige Bergbau erfordert
 demnach billigste Tarife und weitgehendere Fürsorge des
Staates, wenn er seiner Aufgabe, einerseits in mäßigem Umfange zur
Versorgung der westlichen Hüttenindustrie beizutragen, andererseits in
Starkem und stärkstem Maße aber zur Reservebildung vorgerichtet zu
Werden, gerecht werden goll.
Die Zahlen über Förderung und Versand sind mit den entsprechenden
 Zahlen des Lahn- und Dill-Gebietes schon vorher aufgeführt. Die
Selbstkosten, die vor dem Kriege bei 6,50 M. lagen, erreichen jetzt
9 RM. und machen in Verbindung mit der Fracht die Erze schon an
der Sieg und viel mehr im Ruhrbezirk konkurrenzunfähig, da sie zwar
nen ausreichenden Gehalt an Eisen, aber andererseits 10 °% SiO,,
4 bis 6°% AlLO, und 12 bis 13% HLO aufweisen.

4. Harzvorland.
Das einzige große Mengen enthaltende Eisenerzgebiet, das bei
Deutschland verblieben ist, abgesehen von den Vorkommen der Ilseder
Hütte, die vorwiegend dem lokalen Bedarf dienen, ist das des sogehannten
 Salzgitterer Lagers im nördlichen Vorlande.des Harzes. Es
Yird auch, großzügig ausgebaut, die niedrigsten Gewinnungskosten
aufweisen. Da es phosphorreiche Erze enthält, auf die unsere Industrie
besonders angewiesen ist, und die international knapp sind, wäre es das
Gebiet, und auch das einzige Gebiet innerhalb Deutschlands. aus welchem

7
        <pb n="77" />
        die Deckung eines starken Anteils des deutschen Erzbedarfes aus dem
Inland möglich ist.
Daß dieses bisher noch nicht in stärkerem Maße geschehen, liegt
daran, daß die Erze arm und an Kieselsäure und "Tonerde reich sind,
daher einer weitgehenden Aufbereitung bedürfen. Hierzu mußte erst
ein der Eigenart dieses Erzes angepaßtes, billig arbeitendes Verfahren,
das auch die Bewältigung großer Massen gestattet, ausgearbeitet
werden. — Selbst dann werden sich diese Erze nicht auf die hohen
Gehalte der Auslandserze bringen lassen. Bei der frachtlich ungünstigen
Lage zu den Verbrauchsstellen werden daher diese Aufbereitungsprodukte
 gegen das Auslandserz schwer zu kämpfen haben, die auf dem
Rhein frachtlich wesentlich billiger herankommen können, als das Erz
aus dem Harzvorlande, selbst nach Fertigstellung des Mittellandkanals
bis Hildesheim. Nach Osten und Norden ist dieses Erz noch ganz auf
den Bahnabsatz angewiesen, der einen Versand im großen bisher ebensowenig
 wie nach dem Westen bei den heutigen Bahntarifen zuließ.
Die Schaffung großer Anlagen und die Lösung der Aufbereitungsfragen.
 erfordern große Mittel und bedeuten ein nicht unerhebliches
Risiko, das bei den bisherigen Transportverhältnissen noch größer
wäre. Diese Mittel bei dem geschilderten Risiko aufzubringen, scheut
der Privatunternehmer, selbst wenn ihm — was in der zurückliegenden
schwierigen Zeit leider nicht der Fall gewesen ist — die Mittel hierfür
zur Verfügung gestanden hätten. Trotzdem sind nach dem Kriege von
einer Vereinigung rheinisch-westfälischer Werke Vorarbeiten unter
Aufwand erheblicher Mittel geleistet. Es wurden bekannte Teile der
Lagerstätten und die weitere Erstreckung derselben untersucht, neue,
bisher unbekannte Teile aufgesucht und auch gefunden und damit ein
sehr beträchtlicher Erzvorrat nachgewiesen. Es wurden auch Anhaltspunkte
 über die vermutliche weitere Erstreckung gewonnen. Die weiteren
Aufsuchungen mußten aber schließlich als über, die Kraft der Firmen
hinausgehend vorläufig eingestellt werden. KErwiesen ist aber damit,
daß noch weit größere Vorratsmengen als bisher bekannt, bestimmt zu
erwarten sind.
Auch in der Aufbereitungsirage wurden erhebliche Vorarbeiten
geleistet und in einer kleineren Anlage betriebsmäßig erprobt, so weit,
daß heute die Übertragung auf einen Großbetrieb möglich ist, sowie
die dazu benötigten Mittel bereit stehen und eine billige Abtransportmöglichkeit
 zu den Hüttenwerken geschaffen ist.
Damit wäre dann hier die Möglichkeit gegeben, eine neue inländische
 Erzbasis für die Hütten zu schaffen, die einen Teil ihres Bedarfes
 decken könnte. Diese Aussicht ist einerseits für die deutsche
Hüttenindustrie von einer derart ausschlaggebenden Bedeutung, wird
andererseits aber in weiten, auch industriellen Kreisen nicht genügend
erkannt und gewürdigt, daß es angebracht erscheint, an dieser Stelle
eine erschöpfende, allgemeinverständliche Darstellung der Frage nach
dem neuesten Stand der Forschung und Entwicklung zu geben.
Die Verbreitung des Erzlagers, seine Ausbildung, Mächtigkeit und
Zusammensetzung sind bedingt und werden verständlich durch die geologische
 Entstehungsgeschichte des Erzlagers.

79
        <pb n="78" />
        ‚Zu Beginn der Kreidezeit begann der Harz und ein nordwestlich
anstoßendes Gebiet allmählich emporzusteigen. Gleichzeitig senkte sich
Norddeutschland. So konnte das Kreidemeer seine Küste von Norden
Nach Süden verschieben. Es brandete dabei an den in der Hebung begriffenen
 Gebirgen und an den im nördlichen Harzvorland! bereits vorhandenen
 Gebirgszügen und zerstörte diese dabei mehr oder minder.
Die von der Brandung gelösten Schuttmassen wurden von den Meeres-Strömungen
 sortiert und fortgeführt. Die schweren und größeren Teile
wurden näher der Küste oder an ruhigen Stellen abgelagert, die
feineren und leichteren Teile wurden weiter fortgeführt. Das gleiche
Seschah mit den Schuttmassen, die von den Festländern, auf denen eine
intensive Verwitterung und Erosion anzunehmen ist, durch gewaltige
Flüsse ine Meer geführt wurden. Die Schichten, die der Zerstörung
anheimfielen, waren vielfach Juraschichten, die in bestimmten Ton-Schichten
 nicht unbeträchtliche Mengen von Toneisensteingeoden und
Phosphoriten enthielten, ferner, besonders in den Kernen der Gebirgs-Sättel,
 ältere Schichten, so Keuper, Muschelkalk und Buntsandstein.
Die nach Süden vorgreifende Kreide bildet. somit an ihrer Basis ein
Transgressionskonglomerat, dessen Komponenten aus triasischen. Ge:
töllen der Nachbarschaft, bestehen, dann besonders aus Brauneisen und
Phosphatgeröll des Juras, die teils aus der Nachbarschaft der Ablagerungsstelle
 herrührten, teils weiter her verfrachtet wurden. Je
Nachdem die Art des Untergrundes und die Küste mit ihren Strömungsund
 Brandungserscheinungen Veranlassung zum Absatz der eisen-Teilchen
 Konglomeratschichten bot, geht dieser vor sich oder unterbleibt.
So ist die unterste Kreide stellenweise als Eisenerzlager, stellenweise
Nur tonig und sandig ausgebildet. Die günstigste Ausbildung zeigt das
Lager am Höhenzuge von Salzgitter, so daß es unter dem Namen „Salz-Sitterer
 Erzlager‘“ bekannt geworden ist.
Die generelle Senkung wurde von kurz andauernden Hebungs-Perioden
 unterbrochen. Dabei konnte auch stellenweise bereits gebildetes.
 Lager zerstört und umgelagert werden. Gegen Ende der unteren
Kreide — im Albien — erfolgte ein stärkeres Vordringen des Meeres
Nach Süden. Die eisensteinführenden Juraschichten, die bisher lokal
der Brandung ausgesetzt waren und das Material für die Bildung des
Eisenerzlagers lieferten, wurden überflutet. Die Zufuhr von diesem Erz
hörte damit auf, Das bisherige Ablagerungsgebiet für die Eisenerze
Wurde tieferes Meer. Es erfolgte jetzt ein Niederschlag von Sanden und
Tonen und später von Kalken, den Sedimenten der Tiefsee. ; :
Zu Beginn der oberen Kreide erfolgte eine neue Hebung, die den
Meeresboden, besonders nördlich einer Linie Braunschweig—Hildesheim,
Zu Tage emporhob und zu Gebirgen auffaltete, wobei die Basis der
Kreide des öfteren zu Tage kam. Im oberen Emscher (obere Kreide) erfolgte
 wiederum eine Senkung dieses Gebietes. Das Emschermeer zer-Störte
 die gehobenen Teile der unteren Kreide, arbeitete sie auf und
lagerte das hierin enthaltene Erz an geeigneten Stellen wieder ab.
Dieses Lager ist die unter dem Namen „Ilseder Erzvorkommen“ ‘bekannte
 Lagerstätte. Es liegt also weiter nördlich wie das „Salzgitterer
Lager“ und in einer höheren. Etage der Kreideschichten. Bei.weiterem

5 End.-Ausseh. 11I. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

73
        <pb n="79" />
        Sinken des Meeresbodens erfolgten darüber wieder Ablagerungen von
Kalken, bis zum Tertiär eine erneute Hebung eintrat, die das ganze
Harzvorland dauernd trocken werden ließ und dort erneut Gebirge herausfaltete,
 deren Reste die heutige Landoberfläche formen,
In den Sattelachsen dieser Gebirge wurden die vorkretazeischen
Schichten bis zu Tage gehoben. Die Flanken werden umsäumt von der
unteren Kreide, über die sich in der Richtung auf die zwischen den
einzelnen Gebirgszügen liegenden Mulden jüngere Kreideschichten auflagern.

Dort, wo die untere Kreide zu Tage ausstreicht, ist. das an ihrer
Basis befindliche Erzlager einfach zu studieren. Es zeigt sich, daß es,
wie aus der Bildungsgeschichte zu erwarten, nicht. überall und nicht
überall gleichmäßig entwickelt ist.
Das Ausgehen der unteren Kreide ist auf der beiliegenden Karte‘)
dargestellt. Die beste Erzführung zeigt sich am Salzgitterer Höhenzug.
 Am Ostabfall des westlich folgenden Höhenzuges ist ebenfalls
die untere Kreide erzführend festgestellt, und. zwar in der Gegend
von Lutter am Barenberg. Ferner findet sich Erzführung am Nordrand
des Harzes bei Harzburg, ferner am Nordwestende des Harliberges, am
Südwestabfall des Fallsteins und umrandet die Asse und den Elm. In
dem letztgenannten Gebiet ist es weniger zu bauwürdigen Erzablagerungen
 gekommen. Der Hauptgrund muß darin liegen, daß es an ausgedehnten
 Lieferungsgebieten für das Eisenerz, wie in der Nähe des
Salzgitterer Höhenzuges, gefehlt hat. Die Lager sind hier mehr tonig,
mergelig und zum Teil kalkig entwickelt. Die Beimischung von Krzbohnen
 kann stellenweise ganz zurücktreten.
In der Karte (Anl. 10) ist die Erzführung dargestellt. Am Ausgehenden
 ist sie am Salzgitterer Höhenzug mit etwa 40 km und am
Fallstein auf etwa 20km Länge. zu verfolgen. Die größte Mächtigkeit
zeigt sich auf dem Westflügel des Salzgitterer Höhenzuges in der Grube
Georg Friedrich, wo die Mächtigkeit bis zu 60m erreicht, dann in der
Finkenkuhle, wo sie 50m beträgt, und noch weiter nördlich, östlich
Gustedt, wo etwa 40m anzunehmen sind. Auf dem Ostflügel sind in
der Grube Fortuna 35 m Mächtigkeit festgestellt worden und bei Engerode
 ebenfalls 40 m. Am Fallstein beträgt die Mächtigkeit etwa 10m.
Vom Ausgehenden an den Höhenzügen senkt sich die Lagerstätte
nach den Mulden unter Bedeckung von jüngeren Schichten ein, bis sie
bei dem nächsten Höhenzug wieder zu Tage gehoben ist. Durch eine
Anzahl Tiefbohrungen hat man die Fortsetzung in den Mulden festgestellt,
 dabei hat man Aufwölbungen gefunden, die die heutige Erdoberfläche
 nicht erreicht haben, andererseits auch Stellen erbohrt, wo
das Lager nicht, vorhanden ist, sei es, weil es dort nicht zur Ablagerung
kam, sei es, weil es an diesen Stellen wohl durch die Einwirkung
späterer Hebungen und Senkungen wieder entfernt wurde. Die größte
Mächtigkeit wurde westlich des Salzgitterer Höhenzuges bei Ringelheim
mit über 100m reiner Erzmächtigkeit erbohrt. In der Gegend von Dörnten
wurde das Fehlen des Lagers festgestellt. Östlich des Salzgitterer

1) Siehe Anlage 10, S. 118.
        <pb n="80" />
        Höhenzuges bei Flachstöckheim wurde eine unterirdische Erhebung gefunden
 und hier das Lager in geringer Teufe an mehreren Stellen mit
etwa 20m Mächtigkeit erbohrt. Neuerdings soll es auch bei Burgdorf
erbohrt, sein.
Im ganzen kann man vorsichtigerweise schätzen, daß heute die Bedeckung
 mit bauwürdigem Lager auf eine Erstreckung von etwa 100 akm
anzunehmen ist. Nimmt man die durchschnittliche bauwürdige Mächtigkeit
 nur mit 6m an, so ergibt sich eine Menge von 600 Millionen ebm
und bei einem spezifischen Gewicht von 2,5 eine Menge von 1,5 Milliarden
Tonnen. Es bestehen Anhaltspunkte, daß man bei weiteren Bohrungen
auch noch neue Gebiete erzführend. erschließen kann,
Wie nach. der Bildungsgeschichte einleuchtend, wechselt die Zusam-Mensetzung
 des Lagers. In der Nähe der Küste finden sich die schweren
und größeren Gerölle; in zunehmender Entfernung von der Küste zum
Offenen Meere hin werden. die Körner kleiner, bis man in Gebiete kommt,
Wohin die Wellen die schweren Erzteile nicht mehr verfrachten konnten
und nur Sand und Ton zum Absatz kamen. Es findet also ein allmählicher
 Übergang von bauwürdigem Lager zu reinem Sand und Ton und
Umgekehrt statt; je nach Lage der Küste und den vorhandenen Meeres:
Strömungen. Je nachdem die Brandung erzführende Schichten oder auch
erzfreie triasische Schichten aufgearbeitet hat, kamen in. entsprechendem
 Anteil auch die Bestandteile der letzteren zusammen mit dem Erz
Zur Ablagerung. Ferner wurden Sand und Ton in das Erz hineinge-Schwemmt.
 Vermutlich wurde auch ein Teil des Eisens als Eisenlösung
\N das Meer gespült, die Neubildungen von Erz in Form von Oolithen
Verursacht hatten, die ebenfalls mit dem Erzlager niedergeschlagen
Wurden. So wechselt das Erzlager in seiner physikalischen Zusammen-Setzung
 vom gröbsten bis zum allerfeinsten. Korn. Es enthält reine
Partien mit etwa 48 °/, Eisen und ganz arme bis eisenfreie. Es besteht
Zum Teil fast ausschließlich aus Erzkörnern und Ton oder Sand. Zum
Teil sind Sandsteine und Kalke aus triasischen Schichten beigemengt,
die Zusammen mit, dem erzliefernden Jurasenon in der Nähe der Brandung
 bei Bildung des Lagers aufgearbeitet wurden.
Der Durchschnittsgehalt kann angenommen werden mit 33° Eisen.
Es würden in der oben angegebenen Erzmenge also rund 500 Millionen
Tonnen Eiseninhalt geborgen sein. Nimmt man an, daß bei Abbau und
Aufbereitung 40° verloren gingen, so blieben noch 300 Millionen
Tonnen reines Eisen übrig. Bei der gegenwärtigen Thomas-Roheisen-TZeugung
 der deutschen Eisenindustrie von rund 6 Millionen Tonnen
7 das Erz kommt nur für Thomaseisen in Frage — würde demnach
diese ‚Menge theoretisch 50 Jahre lang zur Erzeugung dieser unserer
Wichtigsten Roheisensorte ausreichen. ;
. Ans dieser Schilderung geht, wie eingangs erwähnt, hervor, welch
Ane °horm wichtige Reserve für die deutsche Eisenindustrie in diesem
Gebiete liegt. Andererseits soll dargetan werden, daß große Kapitalaufwendungen
 nötig sind. um eine (Jjewinnung großer Mengen zu er-Möglichen,

Zwar geht das Lager zum Teil in erheblicher Mächtigkeit zu Tage
Ws und kann tagebaumäßig gewonnen werden: bei dem infolge der
75
        <pb n="81" />
        Auffaltung steilen Einfallen sind aber dabei nicht unerhebliche Abraummengen
 zu entfernen. . Es sind ferner große Mengen des relativ armen
Roherzes zu gewinnen, wenn man für die Versorgung unserer Hütten
ins Gewicht fallende Konzentratmengen erzeugen will. Das Erz enthält,
wie gesagt, im Durchschnitt nur 33°% Fe. Nur ein Teil dieses Eisengehaltes
 ist in.den Erzstücken und -bohnen, die bis 50 °%, enthalten
können, konzentriert, ein Teil ist aber auch ganz fein verteilt in dem
die reicheren Erzbohnen zusammenhaltenden Bindemittel undı in den
tauben Gesteinsbruchstücken. Die Gewinnung dieses Eisenanteiles wird
technisch unmöglich oder unlohnend sein. Die Aufbereitung muß sich
daher auf eine Gewinnung und Konzentrierung der Erzbruchstücke beschränken
 unter Entfernung der praktisch eisenfreien oder eisenarmen
Gesteine und der praktisch tauben Gerölle. Die abgestoßenen Schlammmengen
 und Berge enthalten daher im Durchschnitt noch 18° Fe, die
nicht gewinnbar sind, Da auch der Eisengehalt der gewinnbaren Erzstücke
 zwischen 30 und 50°, schwankt, ist gemäß den Ergebnissen der
Versuche mit einem Konzentrat von 42° Fe zu rechnen. Es werden
danach zur Erzeugung einer Tonne eines solchen Konzentrats 1,6 Tonnen
Roherz von dem angegebenen Durchschnittsgehalt von 33° Fe
benötigt, oder mit anderen Worten, aus einer Tonne Roherz 62,5 %
Konzentrat gewonnen. Es müssen also erhebliche Mengen Roherz gewonnen
 werden, wodurch die Erzeugung des Konzentrats verteuert wird.
Es fallen erhebliche Mengen von Bergen, und zwar überwiegend in Form
von Schlamm an, welche gelagert oder beseitigt werden müssen, WOdurch
 weiter erhebliche Kosten erwachsen. Dann sind große Mengen
Wasser nötig, um diesen Schlamm aus dem Erz herauszuwaschen, deren
Beschaffung und Klärung auch große Kosten verursacht. Letzten Endes
liegt das Konzentrat in Form von Gries und Sand vor und muß, bevor
es dem Hochofen zugeführt werden kann, stückig gemacht werden, wOdurch
 erneut Kosten für die Brikettierung oder Agglomerierung entstehen,
 welche auf 2,50 RM. bis 3 RM. berechnet werden müssen.
Nimmt man, um rund zu rechnen und gewisse Sicherheiten einzuschließen,
 an, daß 2 Tonnen Roherz nötig sind, um 1 Tonne Konzentrat
von 42% Fe, 0,7% Mn, 0,7% P, 3% CaO, 1% MgO, 13% SiOs, 5%
Al.O0;, 6°% H,O zu erzeugen, so werden sich die Selbstkosten dieses
Konzentrats wie folgt stellen:
Die bergmännischen Gewinnungskosten im kombinierten Tage- und
Tiefbau, bei welchem .die Abraummengen des Tagebaus als Versatz in
den Tiefbau gebracht werden, und unter Verwendung ganz moderner
maschineller Anlagen, werden mindestens 2,50 RM. pro Tonne Roherz
oder für eine Tonne Konzentrat 5 RM. betragen; die Aufbereitungskosten
 werden sich in anbetracht des Wasserbedarfes und der durch
die Schlammentwässerung bedingten hohen Unkosten auf 1,50 RM.
stellen, zusammen die Betriebskosten also auf 6,50 RM. Die Anlagekosten
 einer Betriebseinheit für die Erzeugung von 360000 Tonnen
Konzentrat jährlien werden betragen etwa 5 000 000 RM., was bei einer
10prozentigen Amortisation die Tonne mit rund 1,50 RM, belastet.
Mithin betragen die Gestehungskosten ohne Verzinsung def
hineingesteckten Kapitals 8 RM. pro Tonne Konzentrat
        <pb n="82" />
        Demgegenüber stellt sich der Wert des Konzentrats, errechnet auf
konkurrenzfähige Verhüttung auf Thomasroheisen, in dem frachtgünstigst
 liegenden Dortmunder Bezirk heute auf 7,73 RM. ab Bahnhof
 Othfresen, Basis 42% Fe im Trockenen.
Die Rechnung geht davon aus, daß die Roheisen-Selbstkosten im
Dortmunder Bezirk 67 RM. pro Tonne nicht übersteigen dürfen. Es
ergibt sich dann folgende Möllerberechnung:
Erz. .. . . 92514 kg zu M. je t
Koks . . . . 1081 kg. „ » nm»
Kalkstein .0w 898 k »” mon
Mangan . . 1,79 » aM
Phosphor. On 0,46 % ” »” nn
Allgemeines . —

X = M. 34,51
[9;— = „ 19,59
4,30 = » 3,86
0,80 = „ 1,48
1,75 = „ 081
6,80
M. 67,00

X = 34,51
2514

Das Erz darf also frei Bunker Hochofen kosten
+/s Fracht Othfresen/Dortmund via
Hannover. . 0.0.0.0...
Umschlag und Hüttenkosten . .
ab Othfresen. . .

M. 13,78
13,73 RM. pro Tonne

5,30 RM.
0,70 RM. 6,— RM.
7,73 RM._pro Tonne
Basis 42% Fe i. Tr.
Wie oben gezeigt, liegen die Gestehungskosten des Erzes bei 8 RM,
Ohne Verzinsung des Anlagekapitals, so daß also ein
effektiver Verlust bei dem vorgenannten Preis verbleibt.
Gegen Ende 1927 kommt der Hafen Hildesheim in Betrieb, und die
Frachtkosten ermäßigen sich gegenüber dem Bezuge über Hannover um
rund 0,80 RM. pro Tonne, da die Bahnvorfracht ab Othfresen zum Um-Schlagshafen
 0,90 RM. pro Tonne billiger ist gegenüber 0,10 RM. Verteuerung
 im Wassertransport. Die Fracht via Hildesheim würde sich
demnach auf 4,50 RM. pro Tonne stellen, zuzüglich der Hüttenkosten
bis frei Bunker Hochofen auf 5,20 RM.
Der Erlös für das Erz. wäre demnach 8,53 RM. pro Tonne ab Othfresen,
 So daß ein Nutzen verbliebe von 0,53 RM. pro Tonne, dem aber
!Mmer noch rund 2 RM. für den Zinsendienst gegenüberstehen,
Die Bahnfracht dürfte sich bedeutend ermäßigen lassen, setzt man
Statt des heutigen Tarifes von 6,50 RM. für 252 km für die Strecke
Öthfresen—Dortmund = 2,48 RM. ie t/km einen Satz von 1 Pf. je t/km,
der Noch über dem als Selbstkosten angegebenen Satz liegt, ein, so er-8ibt
 Sich eine Ersparnis von 3,88 RM. pro Tonne gegenüber dem dersen
 Bahnfrachtsatz und eine solche gegenüber der Fracht via
ildesheim von 2,68 RM. pro Tonne.
E Dann würde ein effektiver Nutzen der Gewinnung der Salzgitterer
"Ze herauskommen, und es dürfte dann nicht schwer sein, die Industrie
zu veranlassen, größere Förderanlagen, also mehrere der oben be-Yhriebenen
 Aggregate zu schaffen, wodurch in Anbetracht des großen
Tenlanges der Vorkommen die Hüttenindustrie zu einem beträchtlichen
km dem Bezuge von Auslandserzen unabhängig gemacht werden
8.
        <pb n="83" />
        5. Die Oberpfalz.
Die Eisenerzlagerstätten in der Oberpfalz sind darum besonders
erwähnenswert, weil sie nicht nur die Grundlage für die ganze bayerische
Hüttenindustrie bilden, sondern auch, weil dort immerhin recht bedeutende
 Erzmengen vorhanden sind, die in der weiteren Zukunft schließlich
 doch einmal der inländischen Erzversorgung, auch von Rheinland
und Westfalen, nutzbar gemacht werden dürften, wenngleich vorläufig
noch keine Aussicht auf eine praktische Lösung dieses Problems gegeben
 zu sein scheint.
Die sogenannten Spaltenerze, stockförmige Brauneisensteinlager
 von außerordentlicher Unregelmäßigkeit der Ausbildung, treten
in der Nähe der großen Randstörungen der Juraformation auf. Diese
Lager werden heute bei Amberg, Sulzbach und Auerbach gebaut. Sie
haben einen Eisengehalt von 45 bis 53 °/., einen geringen Mangangehalt
und einen mäßigen und wechselnden Gehalt an Phosphor, der aber
immerhin ausreicht, um sie zum Thomasverfahren zu verwenden. Ihr
gesamter nachgewiesener Vorrat dürfte mit 20 bis 30 Millionen Tonnen
einzusetzen sein; die wahrscheinlichen Vorräte sind bei der Unregelmäßigkeit
 der Lagerstätte schwer zu erfassen, man darf sie aber wegen
der Intensität des jahrhundertelangen alten Bergbaus in jenem Bezirk
nicht allzu hoch veranschlagen.
Die sogenannten Doggererze treten in regelmäßigen Lagern
bis zu 4m Mächtigkeit mit einem wechselnden Gehalt an oolithischen
Brauneisenkörpern und eisenschüssigem Bindemittel auf. Diese Lager
sind in der zweituntersten Schicht des braunen Juras fast in dem ganzen
Juragebirge Süddeutschlands weit verbreitet. Die bekannten Vorkommen
 lassen sich auf etwa 50 Millionen Tonnen schätzen, während
die wahrscheinlichen Vorräte wesentlich größer sein dürften. Die Erzlager
 sind nur zu einem verschwindenden Teil ohne Aufbereitung und
damit nur als Zuschlag zu kalkigen Erzen verhüttbar, soweit ihr Eisengehalt
 mindestens an 40°, heranreicht. Meistens kommt das Roherz
mit einem Gehalt von unter 30° Fe aus. Es müßte also vor der Verhüttung
 wesentlich angereichert und stückig gemacht werden. Es sind
sehr eingehende, auch praktische Versuche gemacht worden, das Erz
aufzubereiten, ohne daß bis jetzt von einem tatsächlichen Erfolge ge-Sprochen
 werden könnte. Diese Versuche müssen aber fortgesetzt
werden angesichts der großen vorhandenen Mengen an Roherz.
Die Alberze. Verwitterungslagerstätten aus der ehemaligen
Kalk- bzw. Dolomitoberfläche des Juras treten in ungewöhnlich
wechselnder Ausbildung, überdeckt von sandigen und tonigen Schichten
der meist tertiären „Albüberdeckung“, auf, besonders in dem Gebiet von
Holfeld auf dem Hochplateau der nördlichen fränkischen Alb. Die Erzkörper
 sind, da sie lediglich Vertiefungen und Spalten in der Juraoberfläche
 ausfüllen, sehr vielgestaltet und zumeist recht klein. Das Erz
besteht vorwiegend aus mulmigem Brauneisenstein, es kommen aber
auch Derberze mit Glaskopfstruktur vor. Zahlreiche Anälysen haben
ergeben, daß die Derberze etwa 50°/, die feineren Erze rund 40 °%, und
der Erzmulm rund 30 % Fe enthalten. Der Rückstand beträgt 20 %
Mangan- und Phosphorgehalt sind unbedeutend.

7-
        <pb n="84" />
        Diese Lagerstätten haben die nach ihrer Neuentdeckung vor etwa
20 Jahren in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt und: müssen schon
darum als sehr beschränkt bauwürdig betrachtet werden, weil die einzelnen
 Vorkommen außerordentlich klein sind und ein großer Betrieb
mit billigen Selbstkosten kaum eröffnet werden kann. Die Vorräte, die
man als beschränkt bauwürdig betrachten kann, werden auf etwa 10
bis 15 Millionen Tonnen zu schätzen sein, während die vorläufig nicht
bauwürdigen Mengen auf 100 bis 150 Millionen Tonnen angenommen
werden können.
_. Die Lagerstätten befinden sich größtenteils im Besitz der Maxi-Milianshütte
 und des bayerischen Staates (Luitpoldhütte). Aber auch
Theinisch-westfälische Konzerne haben einen großen Felderbesitz. Die
gesamten bayerischen Hüttenwerke haben durch diese Erzvorkommen
zweifellos eine solide Erzbasis. Das Blühen dieser Werke beweist, daß
In diesem Falle das Prinzip der Brennstoffzuführung zum Erz gesund
ist, während umgekehrt die Entfernung dieser Lagerstätten vom rhei-Nisch-westfälischen
 Industriebezirk mit rund 600 km zu weit ist, um bei
den heutigen Tarifverhältnissen an eine Verhüttung in Rheinland-Westfalen
 denken zu können. Das ist an sich bedauerlich.
Mit der voraufgegangenen Beschreibung einiger KEisenerzbezirke
Deutschlands ist natürlich die Reihe der Eisenerzvorkommen in
Deutschland nicht erschöpft. Wir haben noch Eisenerze im Harz, im
Wesergebirge und Teutoburger Wald, im Sauerland, in der Eifel und
dem Hunsrück und schließlich auch im Münsterland. Aber alle diese
Vorkommen haben entweder nur lokale Bedeutung oder sind hoffnungslos
 unbauwürdig. Darum sollen sie hier aus der näheren Erörterung
ausscheiden. Erwähnt sei nur, daß das Klippenflöz im Wesergebirge
Wohl Hunderte von Millionen Tonnen Erz enthält, aber mit einem
Gehalt von nur etwa 20 % Fe, und daß alle Aufbereitungsversuche an
dem Charakter des Erzes gescheitert sind,
Auch die „ungehobenen Millionen“ des Münsterlandes machten in
der Vergangenheit von Zeit zu Zeit viel von sich reden. Ernste Ver-Suche
 zur Gewinnung dieser Erze sind bisher gescheitert.
_ Gegenüber der vorstehend geschilderten Versorgung der deutschen
Eisenindustrie aus eigenen Inlandgruben spielt die Versorgung mit
Erzen aus eigenen Auslandsgruben gar keine Rolle mehr, nachdem das
Versailler Diktat den deutschen Hüttenwerken fast den gesamten
Grubenbesitz, da er sich vorwiegend in den Ententeländern befand, abnahm.
 Die Bedeutung dieses Verlustes soll im einzelnen bei der Be-Sprechung
 der Erzbasis des Auslandes besprochen werden. Es sei hier
Nur erwähnt, daß die Förderung aus eigenen Gruben im Ausland noch
Nicht 2° des Erzbedarfes deckt und deshalb das notwendige Auslandsan
 nur im Wege des Kaufes im offenen Markt beschafft werden

Erzversorgung durch Zukauf.
1. Ilseder Hütte.
Hi In dem Abschnitt über die Versorgung der rheinisch-westfälischen
üÜttenindustrie aus eigener Förderung ist auf die bekannten Vor-79
        <pb n="85" />
        kommen des Ilseder Erz-Horizontes nicht eingegangen worden, weil sie
trotz ihres großen Umfanges doch heute nur mehr lokale Bedeutung
haben zur Versorgung der im dortigen Bezirk blühenden Hochofenindustrie
 der Ilseder Hütte. Der Vollständigkeit halber sei deshalb nur
erwähnt, das dieses Lager in zwei großen Mulden, der von Bülten-Adenstedt
 und jener von Lengede mit einem Vorrat von etwa 200 Millionen
 Tonnen auftritt. Die Erze sind vorzügliche Thomaseisenerze mit
folgenden Gehalten:

Bültener Erz . 2... 2.0...
Lengeder Wascherz. . . .

Pa

Mn | | CaO | Mg0 | 8:0, | ALO,

30,4 % 3,5 % 1,0 618.0 %| 2,0 %/140 %| 3,0%
[4 % 0,5%. 1.5 %140% 10% 77%| 30%

Es handelt sich um Brauneisensteine, die zusammen gemöllert
gerade die für die Thomaseisenherstellung passenden P- und Mn-Gehalte
und ein außerordentlich günstiges Verhältnis von Kalk zu Rückstand
aufweisen. Die Erze sind basisch und infolge ihrer lockeren Struktur
sehr leicht reduzierbar.
Es hat nicht an Bemühungen gefehlt, an anderen Stellen der dortigen
 Kreideformation die Fortsetzung dieser Lager aufzufinden, bisher
jedoch ohne Erfolg. Die Bildungsbedingungen für diese Lagerstätte
sind, wie aus der geologischen Erörterung über die Verhältnisse im
Harzvorland im zweiten Abschnitt dieser Abhandlung hervorgeht,
schwer zu rekonstruieren, und da überdies die ganze Tagesoberfläche
durch jüngere Schichten bedeckt ist, hatten die Untersuchungsarbeiten
im Auffinden der gleichen geologischen Position keinen Erfolg. Trotzdem
 bestehen Anzeichen dafür, daß das Lager auch an anderen Stellen
vorhanden sein muß. Es müßte durch umfangreiche und kostspielige
Bohrarbeiten aufgesucht werden, ein Unternehmen, das mit sehr erheblichem
 Risiko verbunden ist.
Leider sind die Mengen, die in Rheinland-Westfalen zur Verhüttung
 gelangen, sehr beschränkt, weil die Ilseder Hütte das verständliche
 Bestreben hat, sich ihre Erzsubstanz und damit die Basis ihrer
Hütte möglichst lange zu erhalten. Der in seinen Grundgedanken den
Sozialisierungsgedanken bergende Staatsvertrag vom Jahre 1919, der
regierungsseitig damit begründet wurde, der deutschen Eisenindustrie
für das verlorengegangene Minettegebiet einen Ersatz in den Ilseder
Erzen zu schaffen, konnte deshalb nie praktisch in Wirksamkeit treten.
Die Erze können auch infolge ihres geringen Eisengehaltes nur sehr
wenig Fracht vertragen. Die. derzeitigen außerordentlich hohen Bahnfrachten
 lassen einen Bezug auf dem Bahnwege nicht zu, beträgt doch
die Fracht nach den am günstigsten gelegenen Dortmunder Hütten für
das Bültener Erz 6,20 RM. pro Tonne. für das Lengeder Erz 6.30 RM.
pro Tonne.
Die westfälischen Hüttenwerke sind deshalb gezwungen, den
Transport dieser Erze zur Zeit über Hannover über den Mittellandkanal
unter Aufwendung der verteuernd wirkenden Vorfrachten vorzunehmen.

MN
        <pb n="86" />
        da die deutsche Reichsbahn es bisher beharrlich abgelehnt hat; für die
Vorstrecken den Hochofenausnahmetarif einzuräumen, und die Fracht
nach Klasse E berechnet. Der Wasserbezug ist in der Tat-bisher-nür
dadurch möglich gewesen, daß die Schiffahrtsgesellschaftem die Transporte
 zu besonders niedrigen Sätzen ausgeführt haben.: - Die folgende
Tabelle gibt ein Bild über die Kosten des Wasserbezuges nach Dortmund
 im einzelnen:

Vorfracht bis Hannover .
Umschlag Hannover .
Kanalab na
Schle plöhne Non
Schiffefracht ı
Üfergeld Dortmundf
Insgesamt frei Schiff Dortmund

Bültener Erz

pro Tonne
M. 1,65
„0,68
„ 0,80
0,57

Lengeder Erz

pro Tonne
M. 2,45
„0,68

„0,80
„0,57
M. 4,50

Eine Senkung der Frachtkosten für die Lengeder Erze wird eintreten,
 wenn Ende dieses Jahres der Hafen Hildesheim..in Betrieb
kommt. Eine nennenswerte Besserung ist erst dann zu erwarten, wenn
der Mittellandkanal bis Peine fertiggestellt ist und die Ilseder Hütte die
Erze über eigene Werksbahnen im eigenen Hafen verladen kann. |
Die Ilseder Hütte verkauft ‘ihre Erze an rheinisch-westfälische
Hütten von Fall zu Fall je nach Abgabemöglichkeit und eigenem Erzbedarf,
 Es besteht lediglich ein langjähriger Vertrag mit einem großen
Konzern des Westens auf etwa 200 000 Tonnen jährlich. Die Gesamt-Mengen,
 die aus diesem Vorkommen nach Rheinland-Westfalen kommen,
dürften 300000 Tonnen im Jahr nicht übersteigen, eine Menge, die
kaum ins Gewicht fällt.

2. Siegerland und Hessen-Nassau.
Über diese inländischen Bezugsquellen ist an anderer Stelle ein-Sehend
 berichtet. Es sei hier wiederholt, daß Rheinland-Westfalen zur
Zeit etwa 57 °/ der Siegerländer Produktion gleich etwa 1300 000 Tonnen
 jährlich und 50° der Lahn-, Dill- und oberhessischen Produktion
gleich etwa 450 000 Tonnen jährlich beziehen.

3. Schwefelkiesabbrände
. . Das einzige größere Schwefelkies-Vorkommen Deutschlands ist das-Jenige
 von Meggen an der Lenne. Die Kiese normaler, wenn auch nicht
besonders reicher Zusammensetzung haben indessen die Eigentümlichkeit,
 daß sie einen Zinkgehalt von 7 bis 10°% aufweisen. Nach Ab-Töstung
 der Kiese in der inländischen chemischen Industrie dienen die
Zurückbleibenden Abbrände für die Verhüttung im Hochofen. Hier ist
der Zinkgehalt durchaus unerwünscht.

©
        <pb n="87" />
        Das Zink, an sich natürlich ein wertvoller Bestandteil, wird teilweise
 in der Lithopone-Industrie extrahiert, so daß sogenannte „Doppelt
 entzinkte Abbrände‘“ mit etwa 1“): % Zink und sogenannte „Einfach
 entzinkte Abbrände“ mit etwa 4°, Zink zurückbleiben. Der weitaus
 größte Teil der Meggener Abbrände bleibt aber vorläufig noch
unentzinkt und enthält bis zu 10° Zink. Solche Abbrände dem Verhüttungsprozeß
 im Hochofen zuzuführen, ist überhaupt nur in einem
besonderen Verfahren möglich. Dieses besteht in der Wiedergewinnung
des in den Gichtstaub übergegangenen Zink-Oxyds in der elektrischen
Gasreinigung. Nur ein Werk in Westfalen ist auf diesen Prozeß eingerichtet,
 das etwa 100 000 Tonnen derartiger unentzinkter Abbrände
jährlich verarbeitet. Eine etwa gleiche Menge machen die verzinkten
Abbrände, die in allen Werken zur Verarbeitung kommen können, aus.
Im übrigen wird ein erheblicher Teil — etwa ein Drittel — der
sonstigen Abbrände und der daraus hergestellten Agglomerate, welche
die deutsche Hochofenindustrie verarbeitet, von der inländischen chemischen
 Industrie geliefert. Es muß dabei aber berücksichtigt werden,
daß diese Abbrände fast durchweg aus Schwefelkiesen ausländischer
Herkunft stammen. Sie sind deshalb als Auslandserze anzusprechen,
yenn man sie statistisch erfassen will.
Die Eisenerzeinfuhr . Deutschlands erfolgt aus fast allen Produktionsgebieten
 der Welt. Die Hauptlieferanten sind Schweden, Spanien,
Nordafrika, Frankreich und Neufundland, sowie in untergeordnetem
Maße Norwegen, Griechenland, Rußland, die Schweiz und Österreich.
Der Auslandsmarkt ist seit Kriegsende außerordentlichen Schwankungen
 unterworfen gewesen, hervorgerufen durch die stark schwankende
 Eisenkonjunktur in Europa und durch das Auf und Ab der
See- und Rheinfrachten. Die Frachten machen im Durchschnitt 1, des
Wertes der Übersee-Erze aus. und beeinflussen deshalh die Erzpreise frei
Verbrauchstelle nachhaltig.
Die Tabelle nebst Schaubild in den Anlagen 11 und 12*) über die
Entwicklung der Preise für die wichtigsten Auslandserze von 1925 bis
1927 veranschaulichen diese Schwankungen. Während in der ersten
Hälfte des Jahres 1926 eine noch nie dagewesene Baisse zu verzeichnen
war, sind seitdem die Preise schnell, teilweise sprunghaft, in die Höhe
gegangen und bleiben seitdem ziemlich stabil,
Der wichtigste Konkurrent Deutschlands auf dem europäischen
Erzmarkt ist England. In den letzten Jahren tritt auch dieses Land in
ständig zunehmendem Maße als. Käufer von P-haltigen Schwedenerzen
auf, eine Tatsache, die zurückzuführen ist darauf, daß das basische
Stahlverfahren sich in England immer mehr einbürgert.
Eine die europäischen Erzverbraucher mit besonders großer Sorge
erfüllende Erscheinung ist, daß Nordamerika neuerdings in ständig zunehmendem
 Maße als Käufer von hauptsächlich nordafrikanischen und
schwedischen Erzen zur Versorgung der an seiner Ostküste liegenden
Hüttenwerke auftritt.

1} Siehe S. 120

$.
        <pb n="88" />
        Während vor dem Kriege die deutsche Eisenindustrie zumeist durch
langfristige Verträge in den Haupterzsorten eine gleichbleibende Grundlage
 hatte, ist dieses heute nur noch teilweise der Fall, und zwar praktisch
 nur bei den Schwedenerzen. Die wirtschaftliche Unsicherheit in
sämtlichen europäischen Ländern, mangelnde Stabilität ihrer Währungen
 und das Fehlen fester Grundlagen für die Selbstkosten-Kalkulation
haben das Zustandekommen neuer langjähriger Verträge bisher verhindert.
 Die vorhandenen langfristigen Verträge in Schwedenerzen decken
nur einen verhältnismäßig kleinen Teil des Bedarfes der Werke und
auch nur einen Teil schätzungsweise 60 %, des Gesamtbezuges aus
Schweden.
Die. deutsche Eisenindustrie hat das dringende Bedürfnis, den
früheren Zustand der langfristigen Deckung wieder herzustellen. Ansätze
 hierzu sind schon vorhanden, Vorbedingung für den Erfolg ist auch
hier die wirtschaftliche und politische Beruhigung in der Welt.
Der Handel in Eisenerzen hat durchaus internationalen Charakter;
es haben sich für ihn gewisse feststehende Grundlagen herausgebildet.
Die Erze werden auf einer bestimmten Basis gehandelt, d. h. der
Preisfestsetzung sind gewisse Gehalte, Prozentsätze an Fe, Mn, P, Si0,
und auch anderes zugrunde gelegt. ;
Der Preis auf solcher „Basis“ wird in den Abschlüssen festgelegt
und die Mehr- bzw. Mindergehalte gegenüber der Basis besonders berechnet
 vermittels einer vereinbarten „Skala“
Hoher Metallgehalt an Fe und Mn — bei Thomaseisenerzen auch
Phosphor — erhöht den Wert des Erzes, ebenso ein gewisser Gehalt an
Kalk und Magnesia; Kieselsäure und Tonerde sowie schädliche Bestandteile
 wie Schwefel, Arsen, Blei, Zink, Kupfer usw., ermäßigen ihn. Auch
Phosphor ist schädlich in Erzen, die zur Herstellung von P-armen Roh-8lsensorten
 oder z. B. Hämatit und Stahleisen verwendet werden sollen.
Der Basispreis versteht sich nach jeweils getroffenen Abmachungen
auf verschiedenen Frachtgrundlagen: ab Grube, frei Werk, fob Ver:
Schiffungshafen, cif oder frei Kahn Ankunftshafen, frei Kahn Werkshafen
 usw.
Die Probenahme zur Feststellung der Gehalte sowie die Gewichtsermittlung
 erfolgen meist auf dem Empfangswerk, für gewisse Erze,
insbesondere die Lieferungen der großen schwedischen Grubengesellschaft
 Grängesberg-Oxelösund auch in den Abgangshäfen. +
Einzelheiten über die wesentlichsten für die deutsche Erzversor-Sung
 in Frage kommenden Erzvorkommen und Erzsorten, geordnet
Nach Verkaufsländern, soll nachstehende Darstellung geben:

Schweden.

Von den gewaltigen Erzreserven Schwedens nehmen die in Lappland
 gelegenen Lagerstätten die erste Stelle ein, Seit langer Zeit schon
Sind bekannt die berühmten Lagerstätten von Kiirunavaara, Luossa-Vaara
 und Gellivare. Die Erze, Magneteisensteine, treten als magmati-Sche
 Ausscheidungen in Eruptivgesteinen auf und haben einen sehr
hohen Eisengehalt, über 60°%, gelegentlich sogar 68 bis 69°. Teil-873
        <pb n="89" />
        weise ist der Phosphorgehalt sehr hoch, bis zu 3 °% . Er schwankt jedoch
in ein und derselben Lagerstätte und nimmt allgemein nach der Teufe
ab. Sonst sind die Erze sehr rein und beherrschen in ihrer Qualität
den Markt. Der Vorrat der Provinz Lappland an Eisenerzen wird auf
1.15 Milliarden Tonnen geschätzt.
Auch in Mittelschweden finden sich Eisenerzlagerstätten, und zwar
sowohl magmatische Ausscheidungen als auch Kontaktlagerstätten. Die
Erzkörper führen hier nicht immer so hochprozentige Erze wie in Lappland,
 vielfach muß das Erz dieser Lagerstätten angereichert werden, indem
 man das Fördergut fein zerkleinert und magnetisch aufbereitet.
Der Vorrat dieser Lagerstätten kann mit 125 Millionen Tonnen angenommen
 werden.
In diesen wichtigen erzreichen Gebieten Schwedens hatte die
deutsche Hüttenindustrie nie recht Fuß fassen können. Wenngleich
einige Hüttenwerke sich unter erheblichen Opfern einen Grubenbesitz
erwarben, der aber außerhalb der oben geschilderten reichen Lappland-Lagerstätten
 lag, so konnte von einer gewinnbringenden Betätigung in
diesen Gebieten — außer während des Krieges — nie recht die Rede
sein. Die Gründe hierfür sind einmal darin zu suchen, daß die Arbeitergesetzgebung
 Schwedens eine außerordentlich straffe und skrupellos auftretende
 Arbeiterorgäanisation zuläßt; ferner liegen die Erzgruben, die
für einen Erwerb in Frage kommen, fast ausnahmslos im Innern des
Landes, so daß die Eisenbahnfrachten zum Hafen einen wirtschaftlichen
Betrieb stark beeinträchtigen. So kam es, daß der eigene Erzbesitz der
deutschen Hüttenwerke in Schweden nur gering blieb und sich auf
höchstens 20 Millionen Tonnen bezifferte, welche zum Teil unter großen
Opfern weiter ausgebeutet werden, lediglich aus dem Grunde, um einen
wenn auch nur geringen Einfluß auf den schwedischen Markt zu behalten.

Die Gesamtförderung aus den in deutschen Besitz befindlichen
Gruben. wird zur Zeit etwa 300 000 Tonnen jährlich betragen.
Die Erzsorten, welche Schweden erzeugt, kommen fast alle in
Deutschland zur Verwendung. Vorwiegend sind es stückige Magneteisensteine,
 aber auch Konzentrate — Aufbereitungsprodukte — aus
geringhaltigen Magneteisensteinen. |
Gerade die phosphorhaltigen Erze Lapplands — Verschiffungshäfen
Narvik und Lulea — sind es, welche für Deutschland die außerordentliche
 Wichtigkeit besitzen und heute nach dem Verlust Lothringens die
Grundlage für Thomaseisenerzeugung bilden. ;
Nachstehende Tabellen über Analysen, mechanische Beschaffenheit,
Verschiffungshäfen, Preise, Basis und Skala geben Aufschluß über die
ainzelnen Sorten. und zwar:

Tabelle I über die Erze der bekannten größten schwedischen
Grubengesellschaft, der Trafikaktiebolaget Grängesberg-Oxelösund
 und
Tabelle II über sonstige Provenienzen.

x 4
        <pb n="90" />
        X
D

Sorte

Analyse
% Fe i/Tr.
Mn
P _—_.
Da0 ,
MgO
30,
Al; Os “»
B) S 27
Mechanisch
%, Stück .
Zeröll .
Fein .
Verschiffungshafen .

Ungefähre Jahresverschiffung t
Preis fob Verschiffungshafen
5, RK. .
Basis % Fe. ......
BP
Skala Fe s. Kr. .....
P A
Seefracht p. 1000 kg bis Rotterdam/Emden
 s. Kr . .
Oreis je 1000 kg frei Seeschiff |
R’dam/Emden s. Kr... &amp;gt;

Trafik-Schwedenerze

Tabelle I

I. Lappland

IT. Mittelschweden

L/K/A

= L/K/B

Kaptens-Stück


Kiruna
DD

Rertoar

Gera C-Mulm |
A

Gränges-

 |
Qi

Gränges-




Kantorp-Sechlich


38,9
2,07’
3,019
157
91 |
1,84
62 |
)015

68,21
0,06
2,053
42
2,58
2,82
1,28
1,007

65,63
0,11
0,26.
1,68
1,55
3.90
0,67
2.084

30,58
0,10
1,85
5,67
1,27
2,38
0,74
N.014

33,50
0,16
6,94
23,07
1,45
9,60
1,40
0.09

52,61
0,07
2,89
3,01
1,25
514
1,21
D.084

70,69
0,07
).02
1,29
v41
),98
3,34
3012

65,95 | 60,18
0,06 | 0,15
2,298 | 0,96
1,86 3,64
0,94 | 1,99
3,88 | 6,15
3,82 1,24
1073 011

62,92
0,11
0,77
2,94
1,47
4,21
1,08
0011

62,70
0,27
0,022
0,74
1,01
9,35
0,65
008

30
20
20
Varvik

50 |
20
20
Narvik

50
30
20
Narvik

45
30
25
Narvik

80
20
Narvik

50
25
25
Emlea |

100’
Lulea

100
Lulea

50
25 |
25
Oxelösund
 |
400 000

100

100
Norrzöping

20 000
1 0,—
60
7,40

Ixelösund

150 000

100 000

200.000 700 000
(6,— 13,50
60 60
9,40 0,40
8375 | 875 ı

1500 000|

70 000

2 200 000
13,75
60 |
0,40
450 |

‚90 000

‚00 000

6,—
30
3.50

15,— |
80
1,
0,40
L—
3.75

13,—
30
6 *
0,20
1.50
BE

10,50
60
0,40
4,50 |

10,50
80
0,85
4,50

15,—
60
0,5411
232.30

11,50
60
0,85

3.75 |

3234

3.90

19.75 | 19.75 | 17.25 | 18.75 | 16.75 | 18.95

5 — |

15.— |

18930 |

14.80

(290
        <pb n="91" />
        Tabelle I

-

uk

Von der Trafik unabhängig in den Handel kommende Schwedenerze

Blötberg- N
Freia Blut- ” Blötberg
1 Roteisen-; Magnetit
stein

Idkerberget

Stora Kopparbergs
 Erze
Risberg | be

Agrte

Mulın

Gränges-



Diverse
Schlich:
sorten

Qtück |

Analyse
% PO ibn
„Mi...
CaO: .....
MgO .....
‚Bi, +...
; Az Öz 2... 0
CS
Mechanisch
% Stücke. ...
% Geröll ....
% Fein. .....
jährlich zur Verfüzum
 uw md
Verschilungshafen |
Preis fob s. Kr. ..
Basis
Pe LUD.
% SiOg
Skala
für Fe ss. Kr. .
für Si0s „ +.
Seefracht p 1000 kg
bis Rotterdam/
Emden . . s. Kr.
Preis p. 1000 kg frei
Seeschiff Rotter-Aam/Emdens_Kr


66,39
0,21
0,017
0,40
1,09
4,30
0,30
0.19

61,68
0,06
0,87
2,40
0,41
6,70
0,48
0.014

58,91
0,18
0,78
2,72
2,53
10,19
1,09
0.007

63,78
0,13
0,57
2.12
0,96
3,75
1,90
0.02

67,92
0,14
0,32
1,05
0,06
2,42
1,96
Spuren

58,73
0,64
0,48
2,58
1,49
11,52
1,34
0.014

62,76
0,09
0,78
4,97
0,83
4,11
0,17
0.006

63,20
0,17
0,0
0.98
L—
7,50
0,80
0.076

ähnlich /
dem
Trafikerz

55°
25
20)

75 | 70
15 | 15
10 15

70 | =
N

70
20
10

\
{75
95

50
25 |
95

100

3-400 000
Imlea
14,—
60,—

200 000
Jxelösund!Oxelösunc
14,— 13,—

75—100 000
Gefle | Gefle
138,73  11,—
BO — B0,—

50 000
Ixelösund
18,50

35 000
Gefle
14,—

200 000 60-80 000
Oxelösund Oxelösung
15,— 10.65
60,—

60,—

BO —

60,—
19

B0—

9740

0.40

1.830

35

730

0,80
N415

0.20

020

9835

1,50

390

320

23.00

2.90

320

300

320

320

iR 50 |

17.20

16.20

17.65

14 00

16.80

|

17.90

1820

123.95

Lekomberg
NM Konzen-Stück
 | trat

60,—
0,25
0,61
2,40
1,20
10,90
1,10
0.011

62,94

0,34

71.537

75 |
9 | 1%

150 000
Gefle | Gefle
kommt nicht in
den Handel
60,— | 60,—

7.80

0.30

‚Of

Y

(
        <pb n="92" />
        Der Anteil Deutschlands an der schwedischen Erzausfuhr hat sich
seit 1913 bis 1925 wie folgt gestaltet:

1918 .

1919 .
1920 .
1921 .
1922 ,
1923 .
1924 .
1925 .

Gesamtausfuhr

in
1000 Tonner

6 440

2417
3.729
4.337
5322
4 958
5 948
8 800

davon nach
Deutschland
in
1000 Tonnen

5 005

477
Hull
258
44.7
708
4263
7198

in %

77,28

61,10
69,75
75,00
74,16
ES
37,55
4.23

Während die Ziffern in den Nachkriegsjahren bis einschließlich
1924 als anormal anzusehen sind, gibt das Jahr 1925 ein zutreffendes
Bild. Seitdem ist der Erzbezug Deutschlands aus Schweden, abgesehen
von der Baissezeit in der ersten Hälfte 1926, weiter gestiegen und wird
1927 eine noch nicht dagewesene Höhe erreichen. Man schätzt den dies-Jährigen
 Erzbezug auf 9 Millionen Tonnen.
Die überragende Stellung Schwedens als Erzlieferant der deutschen
Industrie wird klar, wenn man die Erzversorgung der deutschen Werke
zerlegt nach dem Anteil der verschiedenen. Erzsorten an der Eisen-Srzeugung.
 Dieser ist für die Vereinigten Stahlwerke berechnet, worden
Mit 44,4°% von Schweden/Norwegen, wobei der Anteil Norwegens nicht
Sehr in die Wagschale fällt. Erst in weitem Abstand folgen Spanien/
Afrika mit 15,7%.
Die erwähnte Trafikaktiebolaget Grängesberg-Oxelösund besitzt
und kontrolliert etwa 90°, der schwedischen Eisenerzförderung, dar-Unter
 die oben geschilderten gewaltigen Vorkommen von Kiiruna,
Luossayvaara und Gellivare.in Lappland! und das größte mittelschwedische
 Vorkommen Grängesberg. — Die Gesellschaft, arbeitet mit einem
Aktienkapital von 119 Millionen Kronen und 62,4 Millionen Kronen
Anleihen, Neben den Grubenbetrieben besitzt sie die Eisenbahn von
Grängesberg und Oxelösund und eine stattliche Flotte eigener Erzdampfer.

Die lappländischen Gruben gehören ihrer Tochtergesellschaft, der
Luossavaara-Kiiruna Aktiebolaget, mit einem Aktienkapital von 80 Millionen
 Kronen. An letzterem ist der schwedische Staat mit 50%, beteiligt.
 Der Staat hat eine Option auf den Erwerb der anderen Hälfte
w Aktienkapitals, Die Gesellschaft zahlt dem Staat eine mit der
ge der abgebauten Erze steigende Förderabgabe.
Im Jahre 1927 hatte sich der schwedische! Reichstag darüber zu ent-Scheiden,
 ob er von dem Optionsrecht, wonach die lappländischen Gruben

R7
        <pb n="93" />
        mit dem Jahre 1936 völlig in den Besitz des Staates übergehen konnten,
Gebrauch machen wolle, wobei der schwedische Staat eine Entschädigung
 zu zahlen hätte, die sich auf der Basis der Reingewinne eines
Zeitraumes vor der Übergabe der Aktien errechnen sollte. Nach längeren
 Verhandlungen ist nunmehr zwischen der Trafikaktiebolaget und
dem schwedischen Staat ein neuer Vertrag zustande gekommen, welcher
vom schwedischen Reichstag bestätigt wurde und am 1. Oktober 1927
in Kraft tritt. Hiernach wird das Recht des Staates, die zweiten 50 °/
des Aktienkapitals der Trafikaktiebolaget zu übernehmen, bis 1947 hinausgeschoben,
 wobei die Übernahme zwei Jahre vorher angezeigt werden
muß. Macht der Staat von diesem Recht keinen Gebrauch, so verlängert
sich der Vertrag automatisch um 10 Jahre, also bis 1957, 1967 usw.
Andererseits hat der Staat das Recht, das Übereinkommen auch: früher,
jedoch nicht vor dem Jahre 1937, mit einjähriger Frist zu kündigen,
wenn er sich bereit erklärt, einen wesentlich höheren vertraglich festgesetzten
 Übernahmepreis zu bezahlen.
, Der neue Vertrag erhöht das. Abbaurecht der Lapplandgruben auf
9 Millionen Tonnen pro Jahr, während die entsprechende Zahl nach dem
alten Vertrag etwas mehr als 7 Millionen ausgemacht hatte. Der Staat
erhält in der Zukunft keine Förderabgabe mehr, vielmehr vorab die
Hälfte des Reingewinnes als Pauschalabgabe.
Wichtig ist ferner, daß die Erzfrachten auf der dem Staat gehörigen
Lapplandbahn von den Gruben nach dem Hafen Lulea einerseits, nach
der norwegischen Grenze in Richtung Narvik andererseits für die
Dauer des Vertrages festgelegt wurden.
Durch diesen neuen Vertrag mit dem schwedischen Staat hat also
die Trafikaktiebolaget einmal die Möglichkeit, durch Ausbau der Gruben
und Fördersteigerung den Ansprüchen der Erzverbraucher mehr als
bisher zu genügen, und. weiter die Möglichkeit, wieder langfristige Verträge
 bis 1947 abzuschließen. Andererseits bleibt aber für die deutsche
Eisenindustrie die Tatsache leider bestehen, daß über kurz oder lang
der gewaltige lappländische Grubenbesitz Eigentum des Staates werden
kann, und daß eine weitere Versorgung aus dieser Quelle nicht mehr
allein wirtschaftlichen, sondern in hohem Maße auch politischen Einflüssen
 unterworfen sein wird. Bezeichnend ist, daß die Trafikaktiebolaget
 ein bedeutendes ihr gehöriges noch nicht erschlossenes Vorkommen
 in Lappland dem Staate zu Eigentum abtreten mußte, so daß
der schwedische Staat heute die gesamten Lapplanderze mit Ausnahme
der dem tschechoslowakischen Hüttenwerk Wittkowitz gehörigen Freia-Grube
 bei Gellivare kontrolliert. |
Auf die Einflußnahme der Trafikaktiebolaget auf ‘den nordafrikanischen
 Erzbergbau wird später zurückzukommen sein.

Norwegen.
Norwegen besitzt recht wertvolle Eisenerzlager, wenngleich die Erze
ihrem Eisengehalt nach bei weitem nicht so reich sind wie die lappländischen
 Erze in Schweden.

A
        <pb n="94" />
        Auch in Norwegen tritt das Erz überwiegend als magmatische
Ausscheidung in Eruptivgesteinen auf, wobei allerdings die Erzkörper
im Durchschnitt nur einen geringen Gehalt an Eisen aufweisen, etwa
35°/,, wenn man von einigen kleinen unbedeutenden Vorkommen absieht.
Das ärmere Erz muß dann einer kostspieligen Aufbereitung unterworfen
 werden, um ein brauchbares Exportgut abzugeben. Das ist z.B.
bei der bekannten Lagerstätte Sydvaranger der Fall, deren Erzvorrat
 von 250 Millionen Tonnen nur deshalb abgebaut werden kann,
Weil die Grube in der Nähe des das ganze Jahr offen zu haltenden Hafens
Kirkenes südöstlich des Nordkaps, also frachtlich nicht ungünstig,
liegt, und die im Tagebau zu gewinnenden Erze ein sehr reines, allerdings
 sehr feinkörniges Konzentrat von 66°%, Eisen liefern. Diese
Gruben rückten neuerdings in den Vordergrund des Interesses, da die
Sydvaranger A.G. unter Mitwirkung deutscher Banken saniert worden
ist. So kann Sydvaranger mit seiner Produktion von etwa 600 000 Tonnen
 Konzentrat jährlich eine gewisse Grundlage für die Versorgung in
bestimmten Qualitätserzen werden, die teilweise unter deutschem Ein-Auß
 steht.
Die Erze haben folgende Analysen und werden wie folgt gehandelt:

Fe
Po x
 Y .
203
CaO .
Mg0,.
ba

Analysen

Konzentrat

%
06,25
0,012
6,30 i
0,44
0,60
d44
2.012

Briketts

Sinter

/8 Ya
64,78 64,45
0,012 0,01
6,65 7,68
025 | 032
0,59 0,44
0,40 . . 0,36
O1 0.12

Preise: pro Tonne frei Kahn Rotterdam =

Basis:

sh

16/9 22/6 22/6
60% Fe 60% Fe 60% Fe
Skala 6d Skala 6d Skala 6d

Die anderen großen Aufbereitungserzlagerstätten Norwegens —
Dunderlandstahl, Salangen usw. — haben wegen großer Schwierigkeiten
bei der Aufbereitung ihrer armen Erze keine Bedeutung erlangen können,
trotzdem die Vorräte in diesen. Gruben mit insgesamt etwa 200 Millionen
Tonnen als erheblich zu bezeichnen eind.

Frankreich.

. Eines der wichtigsten Erzvorkommen Europas stellt das große
Mi Nettevorkommen dar, welches früher durch die deutsch-fran-„ösische
 Grenze geteilt war und heute ganz in Frankreich Hiegt, nur
kleine Ausläufer davon greifen bis nach Luxemburg und Belgien
hinüber, Die kleinere Hälfte des ganzen Minettevorkommens, ehemals
Deutsch-Lothringen, bedeckt eine Fläche von 43000 ha und enthält

Eng.-Aussch, Ill. Rohstoffvers, d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

QQ
        <pb n="95" />
        2.63 Milliarden Tonnen. : Der schon vor dem Kriege französische Teil
(Französisch-Lothringen und Briey) bedeckt 61000 ha und enthält
 2,72 Milliarden Tonnen, zusammen 5,35 Milliarden Tonnen Minette.
Das geologisch zum unteren Dogger (Jura) gehörende Erz ist
gänzlich manganfrei und enthält in Lothringen und Luxemburg
28 bis 32 °% Fe, im Briey-Becken sogar 35 bis 38 % Fe neben 0,7 bis
0,8% P. Der hohe Kalküberschuß der am meisten gebauten: Lager
macht dieses Erz zu einem außerordentlich leichtgehenden Thomaseisenerz.
 Vor dem Kriege besaß die deutsche Eisenindustrie in dem französischen
 Teil des Minettevorkommens, also dem Briey-Becken, 5 °/, dieses
Teiles direkt und war an weiteren 10°, indirekt beteiligt, so daß ein
hervorragendes deutsches Interesse an nahezu 15 9% des französischen
Minettegebietes bestand. Unter Hinzurechnung des Deutschland früher
ganz gehörenden deutschen Teiles beeinflußte die deutsche Hochofenindustrie
 60 °% des gesamten Minettevorkommens. .
Durch das Versailler Diktat ist dieser überaus kostbare Erzbesitz
restlog verlorengegangen, nur unwesentliche Teile konnten vermöge
ihrer Lage im neutralen Luxemburg erhalten bleiben. Es handelt sich
hierbei nur um eine einzige Grube mit einem Vorrat von 3 bis 4 Millionen
 Tonnen Minette und einer Förderung von etwa 180 000 Tonnen
im Jahr, so daß praktisch der gesamte Bedarf an diesem Erz aus Frankreich
 bezogen werden muß.
Die rheinisch-westfälischen Werke kaufen nur kalkige Sorten, also
solche, die einen höheren Prozentsatz Kalk als Kieselsäure enthalten.
Die kieselige Minette läßt eine wirtschaftliche Verhüttung in Deutschland
 nicht zu infolge des höheren Koksverbrauches. Von den Kalkminetten
 werden drei Qualitäten von Deutschland gekauft, und zwar:

I. Qualität mit 35% Fe i. Tr. hauptsächlich aus dem Briey-Becken
N. m „» 32% nn » hauptsächlich lothringischer Herkunft
IL. “ ; 98% _ » „hauptsächlich luxemburgischer Herkunft

Auf die letztgenannte Sorte wird wegen ihres geringen Eisen:
gehaltes nur in Zeiten großer Minette-Knappheit zurückgegriffen.
Die Erze werden. in fester Währung verkauft, und zwar je nach
Vereinbarung frei Waggon ab Grube, frei Waggon Straßburg oder frei
Waggon deutsche Grenze. Die am Rhein gelegenen Werke beziehen
ihre lothringische und Briey-Minette fast ausschließlich über Straßburg
 und: von dort per Kahn rheinabwärts; die Abschlüsse erfolgen „frei
Waggon Straßburg“. Die weiter landeinwärts liegenden Hütten, welche
nicht unmittelbar an einer Wasserstraße liegen, erhalten ihre Minette
auf dem direkten Bahnwege, und zwar. die lothringische und Briey-Minette
 über Sierck, die luxemburgische Minette über Wasserbillig,
diese Werke kaufen daher „frei Waggon Sierck/deutsche Grenze‘. Die
Dortmunder Werke und die am Rhein-Herne-Kanal gelegenen Werke
halten sich beide Bezugswege offen und kaufen daher in der Hauptsache
„frei Waggon Grube“, weil bei günstigen Rheinfrachten die Transport
kosten für den gebrochenen Verkehr über Straßburg unter die Trans
portkosten auf dem direkten Landwege sinken.
30
        <pb n="96" />
        Die luxemburgische Minette wird nur auf dem direkten Bahnwege
bezogen, die Kaufpreise stellen sich daher „frei Waggon Grube‘ oder
„frei Waggon Wasserbillig/deutsche Grenze“.
Von der deutschen Grenze bis zur Hüttenempfangsstation hat die
deutsche Reichsbahn eine Einheitsfracht von 4,30 RM. pro Tonne festgesetzt,
 um auf diese Weise eine Rückfracht für die nach Frankreich
und Luxemburg gehenden Koks- und Kohlenzüge zu haben. A
Die Analysen und Preise für die einzelnen Sorten sind folgende:

Analysen

Fe
Mn
PP, ,
un ‘
z0
Si02 . en
Alı0, o und Geröll” 25% Fein
si 75% Stücke und Geröll, 25%
Mech, Besch.

Preis pro Tonne frei Waggon ab Grube ,
Basis % Fo. , ..
Skala 2 BO
Ö-Fracht Grube/Straßburg . . . x
Ö-Fracht-Grube-Sierck bzw. Waßerbillig

Basis-Preis pro Tonne:
a) fir. W. Straßburg ... . ..
b) fr. W. deutsche Grenze. .

pracht Straßburg/Ruhrort . . . ..
Tacht deutsche Grenze bis Meiderich
Basis-Preis ro Tonne:
a) fr, Kahn Ruhrort ... ..
b) frei W. Hüttenwerk _

Briey

Lothringen


Luxemburg


%
37,00
0,38
0,70
11,90
1,48
6,38
5,80
900

/o
38,00
0,41
0,65
14,00
1,50
9,00
5,20
9.00

/0
2800-0,40

0,60
21,00
11,00
8,00

M.
5,50 |
0,35 0,32
0,30 1 0380
2,89 2,89
181 1.44

M.
4,50

M.
3,25
(frs.27.—)
0,28
0,25

1,73

8,39
7.31

7,39
5.94

4,98

2, —
4,30

2,—
4,30

4.30

10,89 | 9,39 &amp;gt;
11,61 ‘| 1024 9:28 *

Gegenwärtig werden nach Rheinland-Westfalen — Mittel- und
Ostdeutschland kommen für den Minettebezug nicht in Frage — monatlich
 120 000 bis 160 000 Tonnen kalkige Minette geliefert, wovon etwa
lo auf Briey und 40°% auf Lothringer und Luxemburger Minette
Stfallen.
In Anbetracht der geringen. Entfernung zwischen Förder- und. Ver-Kaufsgebiet
 ist dies außerordentlich wenig. Leider hat sich der vor
dem Krieg stattgehabte lebhafte wirtschaftliche Austausch zwischen
beiden Gebieten in Koks einerseits und. Erz andererseits nach dem Krieg
Doch nicht wieder durchsetzen können. Das hat mancherlei: Ursachen,
Zunächst glaubten. die. Franzosen nach Kriegsende eine Drosselung der

01
        <pb n="97" />
        rheinisch-westfälischen Eisen- und Stahlerzeugung durch Vorenthalten
der Minette erreichen zu können. Rheinland-Westfalen stellte sich deshalb
 mit seiner Erzversorgung 80 ein, daß man auch ohne oder mit
wenig Minette auskommen konnte, zumal die modernen großen Hochofentypen
 sowieso den Verbrauch hochhaltiger, wenn auch weniger gut
schmelzbarer Erze als die Minette, begünstigten. Dazu kamen dauernder
 Arbeitermangel in den französischen Erzgebieten und ständig
steigende Roheisenproduktion der französischen Hütten, so daß ein
wesentlicher Produktionsüberschuß zum Export nach Deutschland nicht
vorhanden war, zumal zunächst der Bedarf Belgiens, Luxemburgs und
der Saar gedeckt werden sollte. Andererseits ist ein dringendes Bestreben
 der französischen Hüttenwerke, sich von dem deutschen Koks
möglichst unabhängig zu machen, festzustellen; eine Kokerei nach der
anderen wird auf den Hüttenwerken unter Zurücksetzung wirtschaftlicher
 Kalkulationen errichtet. Kurz, Rheinland-Westfalen kann sich
auf eine zuverlässige, gleichmäßige Erzquelle aus den Minettegebieten
so lange nicht verlassen und muß sich demgemäß einstellen, bis es ein
mal wieder gelingen sollte, großzügige langjährige Austauschabkommen
in Koks und Erzen zu schließen, eine wirtschaftliche Notwendigkeit aus
Vernunftsgründen, die sozusagen in der Luft liegt, die aber bei der
heutigen mehr politisch als wirtschaftlich denkenden Generation Frankreichs
 schwer durchzusetzen sein wird.

Rostspat IN

Rostspat II?)

Larchamp
Halouze
Ferriere

May sur Orne
Mortain
Gouvi-Barbery
Sonmont

Analysen

Fe .
Mn .
Pas
Si0g .
AlL0;
Ca0O .
Mg0 .
3.

%
48,84
0,50
0,78
14,00
7,61
2,55
1,08
10

%
45,80
0,48
0,70
18,00
5,38
3,20
1,48
92

Jährlich für Deutschland

na 100 000
Tannen

' 5 bis 600 000
Tonnen

Preis pro Tonne frei Kahn
Rotterdam . .
Basis % ES .
% Si0
Skala für Fe
„ Si0,

‚sh

15/9
48
14
8d
11, d

“
18
ad
% fa x

X

Mechanische
Mechanische
Mechanische

Beschaffenheit 55 % St., 30 % Ger., 15 % Fein.
Beschaffenheit 65 % St., 25 % Ger., 10 % Fein.
Beschaffenheit 50% St., 30% Ger., 20 % Fein.

N

Roteisenstein®}

St. Römy

%
55,23
0,31
0,61
8,40
2,87
0,40
0,22
a.009

50 000
Tonnen

18/-50

12
6d
11

4}
        <pb n="98" />
        Das zweitgrößte Erzgebiet Frankreichs befindet sich in der Normandie.
 Es treten dort im Silur eine Anzahl Roteisenstein- bzw. Eisenkarbonat-Lager
 auf, die ein Erz von etwa 45 bis 48°% Fe, 0,3 bis
0,4 °/, Mn, 0,6 bis 0,7°% P und 12 bis 18 °% SiO, enthalten. In bezug
auf den Eisengehalt sind diese Erze also hochwertiger als die Minette.
Die Erzreserve der Normandie mit ihren 4,75 Milliarden Tonnen bildet
einen außerordentlich wertvollen Besitz für Frankreich. Vor dem
Kriege hatte auch hier die deutsche Industrie auf die bedeutendsten Vorkommen
 — etwa die Hälfte aller — ihren Einfluß ausgestfreckt, der
ebenfalls restlos durch den Krieg verlorengegangen ist.
Dieses Gebiet — Verschiffungshafen Caen — liefert gerösteten
Spateisenstein in zwei Qualitäten sowie in geringen Mengen Roteisenein.


Neben den oben geschilderten beiden Haupterzgebieten Frankreichs
treten die vielen kleinen französischen Erzvorkommen an Bedeutung
Zurück, . Besonders bemerkenswert sind indessen noch die silurischen
Lagerstätten von Anjou und Bretagne mit ihren 400 Millionen Tonnen
Vorrätigem Erz.

Analyse:

Fe
Mn .
PP.
AO . =
0
Da0 © .
Mg0.
3

52,45 %
0,22 %
0,85 %
13,20 ©
„EN

Mechanische
Beschaffenheit
80 % Stücke und Geröll
20 % Fein

Aus der Bretagne ist als wichtigste Sorte das. Segr6-Erz zu nennen,
Yon welchem etwa 200000 Tonnen jährlich nach Deutschland ver:
frachtet werden.

. Das Erz ist als sehr harter unporöser Magnetit schwer redupor
 bar, doch wird es infolge seiner Stückigkeit und seines niedrigen
m ises gern genommen. Der Preis stellt sich heute auf‘ sh 15/— ‘pro
Onne frei Kahn Rotterdam

Basis 50% Fe. i/Feuchten, Skala 4d
„ 12% SiO, a 1,5d

Spamien,.:
Von den überaus zahlreichen und ‚über, das ganze Gebiet dieses
Staates verteilten Erzlagerstätten interessieren die deutsche Hüttenpedustrie
 nur diejenigen, welche in Küstennähe und deshalb frachtlich
°quem liegen. Es lassen ‚Sich‘ folgende Gruppen unterscheiden:
„1. Der bekannte nordspanische Erzbezirk Bilbao, der bis jetzt schon
über 175 Millionen Toren: Erz geliefert hat und etwa. die Hälfte dieser

93
        <pb n="99" />
        Ziffer noch als Vorrat besitzt. Die Erze, und zwar Rot- und Brauneisengteine,
 hervorgegangen aus Spateisensteinlagern, sind nicht sehr eisenreich,
 im Durchschnitt etwa 50 °% Fe, sonst aber sehr rein und billig zu
gewinnen. Eine große und günstig arbeitende Grube im Bilbaogebiet,
an der ein deutsches Hüttenwerk stark beteiligt war, ging während des
Krieges durch Enteignung verloren, da die Grube formell im Besitz
einer englischen Gesellschaft war.
Während die Bilbaoerze phosphorarm sind, finden sich in den benachbarten
 Provinzen Nordwestspaniens große Lagerstätten von phosphorhaltigem
 Roteisenstein, welche jedoch zumeist erst der Erschließung
durch Bahnen harren, ehe sie eine große Rolle auf dem Erzmarkt spielen
können. ;
Im Süden Spaniens beherbergt ganz Andalusien vom Huelvagebiet
bis in die Provinz Murcia hinein ungemein zahlreiche, zum Teil wichtige
Eisenerzvorkommen, welche Spat, Roteisenstein, Brauneisenstein und
Magnetit führen. Soweit diese Lagerstätten sich in Küstennähe befinden,
 haben sie schon bedeutende Mengen wertvoller Erze geliefert. Im
Zusammenhang hiermit seien auch die bekannten ‘großen Kieslagerstätten
 von Tharsis und Riotinto im Huelvagebiet genannt. Diese
Kieslagerstätten liefern, nachdem deren Erz entkupfert ist, das Ausgangsmaterial
 für die Kiesabbrände, die als Zuschlagserze eine lebhafte
 Nachfrage haben.
Die bedeutendsten Erzvorkommen in Spanien sind seit jeher fest
in spanischen oder englischen Händen. So kommt es, daß die deutsche
Industrie in Spanien an betriebsfertigen Gruben nur Erzvorräte von
wenigen Millionen Tonnen besitzt mit einer Förderung von höchstens
200 000 Tonnen. Große Erzvorkommen im nordwestlichen Spanien, an
denen die deutsche Industrie interessiert ist, müssen hingegen bis auf
weiteres unausgebeutet‘ bleiben, nur weil die Schwierigkeiten und die
hohen Kosten des Baues von Anschlußbahnen Opfer erfordern würden.
welche die Industrie zur Zeit nicht auf sich nehmen kann.

Die oben’ geschilderten Erzbezirke Spaniens liefern folgende dem
deutschen Hüttenmann gut bekannte Erzeorten, wenngleich die gesamte
 Erzausfuhr Spaniens im Konkurrenzkampf gegen das Erz aus
Nordafrika immer mehr zurückgeht. Sie betrug im Jahre 1925 3,6 Millionen
 Tonnen gegenüber 8,9 Millionen Tonnen im Jahre 1913.
In Nordspanien sind es zunächst die Bilbaoerze. Sie sind mit
vier Hauptsorten zu nennen:
1. Spateisenstein, welcher.‘ geröstet in zwei Qualitäten gehandelt
wird,
2. das Campanilerz, ein stückiger Roteisenstein,
3. das Venaerz, ein erdiger Roteisenstein,
4. das Rubioerz, ein Brauneisenstein, welcher ebenfalls in zwei
Qualitäten auf den Markt kommt.
Das Auskommen der Erze ist ungefähr folgendes:

34
        <pb n="100" />
        Fe,
Mn. .,
Bo
N 0 VL
30,
AlÖ,
3,
Pb.
Au

Bilbao-Rostspat
 I

% mechan.
9 | Beschaff.

56,00
1,40 |
2,01| 35% St.
1,701 40% Ger.
‚70 25% Fein
‘60
2
'

Bilbao-Rostspat
 II

%

mechan,
Beschaff.

52,70
1,20
0,02! 35% St.
2,10 40% Ger.
0,75! 25% Fein
9,20
0,90
0,40
0,20'

Bilbao-Rubio I

% 1 mechan.
9° | Beschaff.

54,96
0,57
0,01
0,85
0,55
"382
20

65/70: %
. Stücke u.
Geröll
30% Fein

Bilbao-Rubio II

%

mechan.,
Beschaff,

51,0'
0,49
0,02
0,50
9,25
9,75
476
0,04

70/80 %
Stücke u.
Geröll
20/80% Fein

Verschiffungshafen für alle vier Sorten: Bilbao.

Preis pro Tonne &amp;lt;h
frei Kahn Rotterdam

Basis:
% Fe i/Feu.
% SiO, ”
Skala:
%“ Fe. .
% SiO,.

18/- — 19/-16/-

 — 17/-18/6

 — 19/6

0

30

6 dd | 83 dd 8 d 8 qd
1,5 d 16a | 15a | 1,5 d

_ An das Revier von Bilbao nach Westen schließt sich dasjenige von
Santander an, welches einen gewaschenen Brauneisenstein von einer
körnigen Beschaffenheit auf den Markt bringt.

Analyse:

Fe
Mn
BP.
En .
310.
A100.
S.
Cu

56,08%
2,50%
65%

mechan. Beschaffenheit
50% Stücke u. Geröll
50 % Fein (Kleinerz)

Preis pro Tonne frei Kahn Rotterdam: sh 16/-. bis 17/-.

Basis: 50% Fe. i/Feuchten, Skala: 6 d
8% SiO, “” 70 11% d

.. Während die Erze von Bilbao und Santander phosphoratm sind,
führen die weiter westwärts in Asturien und Galicien gelegenen Lager-95
        <pb n="101" />
        stätten phosphorhaltige Erze. Als wichtigste Sorten sind hier zu
nennen der Ribadeospat, welcher nur als Rostspat gehandelt wird, das
Viveroerz und das Freiioerz. Ungefähres Auskommen:

Ribadeo-Rostspat

mechanische
Be-|
 schaffenheit

%

Fe
Mn
Pe
MeO
310,
ALÖ,.
A
Pb.
Cu.

48.00

0,70 ' 60% Stücke
1,00. u. Geröll
— 140% Fein
16,50

=

Preis pro Tonnen frei Kahn Rotterdam:
sh 16/6
'Basis:
% Fe i/Feucht. . . .
% SiO0g‘ m
Skala:
Fe...
SiQ,..

Vivero-Erz

"mechanische
% Be- .
schaffenheit

47,10
0,57
1,17 80% Stücke
2,60 | u. Geröll
1,45
18,10
5,80
0,13

sh 15/-45



Freijo-Erz
mechanische
% Be-: .
schaffenheit

49,46
0,37
0,99
2,65
1,70
12,58
6,19

65% Stücke
25% Geröll
10% Fein

Verschiffungshafen: Ribadeo.
In Südspanien sind im Südwesten das Calaerz, ein geröstetes
Hämatiterz mit dem Verschiffungshafen Sevilla und das nordöstlich von
Sevilla geförderte und über diesen Hafen .verschiffte gewaschene Monte
de Hierroerz zu nennen. Ungefähres Auskommen:

ve.
Mn...
Po
En .
3:0
ALÖ
SS.
Cu.
As

| mechanische
% Beschaffenheit


Cala-Erz

56,20
0,24
0,013
1,14
1,68
16,00
8.11
0,74
0,38
0.02

45% Stücke
85% Geröll
20% Fein:

Monte
de Hierro
| mechanische
Beschaffenheit


%

54,00
1,04
0,02 40% Stücke
1,27. u. Geröll
0,36 60% Klein-9,00
 | erz
2,25
0.19

JG
        <pb n="102" />
        Preis frei Kahn Rotterdam:
Basis:
% Fe i/Feuchten . . . .
% Sig 0000000040004
Skala:
Fe 2...
Si +

Cala-Erz

sh 15/6

50
{5

6 d
L5 d

Monte de
Hierro-Erz

1R/-5)



6. d
1,5 d

in der Provinz Almeria befindet sich das große Vorkommen von
Alquife, ein Roteisenstein, der über Almeria ausgeführt wird und ebenso
das Marquesadoerz, Ungefähres Auskommen:

Fe .
Mn .
Po.
Ca0O
Mg0O .
Si0g .
Al„0;
S

Alquife

7

mechanische
; Beschaffenheit


49,15
1,40
0,018
5,00
3,62
470
70
304

70% Stücke
u. Geröll
30% Fein

Marquesado

%

mechanische
Beschaffenheit


49,70
1,50
0,015
7,10
1,05
4,50
2,25
0.08

70% Stücke
u. Geröll
30% Fein

Die Erze werden gehandelt frei Kahn Rotterdam zu sh 17/— pro Tonne.
Basis: 50% Fe i/Feuchten, Skala 8 d
” 8 % Si0, { ; = ” 1,5 d
In der Provinz Almeria sind zur Deckung des deutschen Bedarf
ZU nennen: N
das Bedar-Erz mit dem Verschiffungshafen Garrucha
der Lucainena-Spat „‘. &amp;gt; Ey Agua-Amarga,
das Bacares-Erz “u rn Aguilas, ;
das Almagrera-Erz. ©. N Almagrera.

k Die Erze treten teils als Rot-, teils’als Brauneisensteine auf und
Ommen etwa wie folgt aus:
        <pb n="103" />
        Lucainena

ZZ

Bedar ı Bacares {| Almagrera
%

x.

Analyse

Fe .
Mn .
Po.
Ca0. .
M.
10.
Al,0s
Q

58,70
8,93
0,07
3,04
3,80
7,80
0,65
0.49

mechanische Beschaffenheit
Stücke % . 0.0.0.0. 44
Geröll % 2 af 80,—
Fein U # m 8 m 6 20,—
Preis frei Kahn
Botterdam . . . . sh

Basis:
% Fe i/Feucht.
% Si0, 2”
% Mn —_-Skala:

Fe bezw. Met. .
Si0, “ . * .
Mn. .

50 Metall
8

6 8
134

46—48,00 53,00
2,00 1,20
0,02 0,14
6,00 1,81
1,40 0,49
8,00 8,20
2,36 2,55
0.20 —_

44,00
7,80
0,06
4,55
1,20
8,70
7,60

70,— |
80.—

60,— 60—85,—
20,—.
20,— 15—20,—

19/--'a/



20,

50 Metall
R

59
8

45
8
ß

Bo
1,5

„dd
15 d

3 d
1,5 d
ad

In der daran anschließenden Provinz Murcia sind als bedeutendste
Erze zu nennen:
Calasparra mit dem Verschiffungshafen Cartagena, .
Cartagena mit dem‘ Verschiffungshafen Cartagena, ;
Pormann mit: dem Verschiffungshafen Pormann.
Die erste Sorte ist ein Hämatiterz, während das Cartagena- und
Pormannerz ein manganhaltiger Brauneisenstein ist. Ungefähres Auskommen:


Fe,
Mn
Ro.
En .
z0 .
Si0,
AO; .

Calasparra
_ Imechanische
% Besehaffenheit


38,00
0,13
0,11
1,81
4.96
97
9,40
008

80% Stücke‘
u. Geröll |
20% Fein

mechanische
% Beechaffenheit


Pormann

38,10
15,00
' 0,089
2,10
0,30
7,80
5,10
1.08

30% Stücke
35% Geröll
35% Fein

Cartagena
| mechanische
Beschaffenheit


/

34,30
11,69
0,025
3,00
1,18
10,10
1,96
0.65

30% Stücke
40% Geröll
30% Fein

IQ
        <pb n="104" />
        . Das Calasparraerz wird gehandelt zum Preise von sh 16/— pro
Tonne frei Kahn Rotterdam.
Basis 50% Fe im Feuchten, Skala 64d
8% Si0g ” ”„ ” 8d

Das Cartagena- und Pormannerz zum Preise von sh 22/— pro
Tonne frei Kahn Rotterdam.
Basis 12% Mn im Feuchten, Skala 9d
SF % Fe ” ” 805}
11% Si „ 5d

Für die Deckung des deutschen Erzbedarfes werden aus Ostepanien
das über Sagunto zur Verschiffung kommende Menera-Teruelerz, das
Aragonerz und das Sagunto-Rubioerz (Roteisensteine) bezogen.
Das ungefähre Auskommen dieser Erze beträgt:

Menera-Teruel
ı mechanische mechanische . mechanische
0% Be-] % Be | % Be-|
 schaffenheit ! schaffenheit ı schaffenheit

Fe,
Mn
Po,
U .
0.
SiQ,

i Tonne frei
"reise pro Tonne sh
Basis:
% Fe i/Feuchten .
% SiOg M
Skala:
Fe,
Si0,

58,48
‚78
35
0,80
0,70
5,62
23
1.02

15% Stücke
45% Geröll
40% Fein:

La

3 d
1,5 d

51,24
1,72
0,102
0,79
0,72
9,02
1,80
9.02

10% Stücke
45% Geröll
‘45% Fein

8
15 d

152,18
1,85
0,09
0,225
0,81
0,04
1,50

40% Stücke
35% Geröll
25% Fein

B/6

%

83 a
1,5 d

Abbrände: Außer den zahlreichen Erzen bezieht Deutschland aus
Keanien sehr viele Schwefelkiesabbrände. Diese werden wie folgt. genNdelt:

Preis pro Tonne fob Sevilla—Valencia— Alicante—Barcelona:

sh 6/- bis 7/-sh
 12/- bis 14/-Analyse:

 Fe .. ..
Cu. 2...
bo. 2.
Zn
as.

58,00 bis 62,00 °
083 „ 7
03 „ 7 %
1,0 „ 20 %
20 „ 40 %
0,01 ,, 0,08 %

3C
        <pb n="105" />
        Allerdings enthalten die Kiese im allgemeinen schädliche Bestandteile
 wie Reste von Schwefel, Kupfer, Zink, Blei und Arsen; trotzdem
kauft man sie wegen ihrer Billigkeit.

Portugal.

Dieses Land ist bisher noch nicht als Erzlieferant in Erscheinung
getreten. Erst neuerdings werden hier unter Mitwirkung eines deutschen
 Werkes Vorarbeiten vorgenommen, um ein quantitativ bedeutendes
Erzvorkommen, welches auf viele Millionen Tonnen Erz geschätzt wird,
zu untersuchen und in Angriff zu nehmen. Da diese Erze qualitativ
aber den ähnlichen, jedoch näher und bequemer gelegenen französischen
Erzen zum Teil nachstehen, wird es notwendig werden, einen Betrieb
auf sehr breiter Basis einzurichten, um diese Erze wirtschaftlich abbauen
 zu können, Es muß daher bei der Inbetriebnahme ein erhebliches
Risiko ohne vorerst irgendwelche Garantien für den wirtschaftlichen
Erfolg getragen werden.

Nordafrika.

Eine immer wachsende Bedeutung gewinnt für die europäische
Hüttenindustrie das frachtlich günstig gelegene nordafrikanische
Küstengebiet, welches, obwohl..zu verschiedenen: Staaten gehörig, hier
zusammengefaßt, erwähnt werden soll. In diesem Küstengebiet tritt das

IMarokko!

OQuenza

Dierissa‘

Tafna

Benisaf
Pein

Baroud

Rubhio

Nava-I
 rette
Rost

Analyse
i/Feuchten

Fe.
Mn .
102
i
ALÖ
Im
M.
a

Preise:
sh.

Basis:
% Fe.
9 Si0,.

Skala:
für Fe. .

%
53,20
0,14
0.04
3,33
2,00
0,33
Sp.
0.11

%
52,10
2,10
0,01
2,02
0,70
180
0,67
2.08

%
50,70
2,80
0,02
1,70
1,50
7,80
4,20
9.02

% %
49,40 | 52,20
1,30 | 0,90
0,01 | 0,04
4,90 | 5,00
1,40 | 1,00
4,60 | 2.46
0,90 | 0,70
004 ' 0.04

%
48,10
1,10
0,02
8,70
0,85
8,90
1,60
0.08

% %
52,75 | 52,40
0,20 | 0,48
0,04 | 0,02
11,20 | 12,00
2,38 |. 1,70
8,78 | 7,00
0,67 | 2.00
0.15" 0.74

22/8 | 18/- | 17/9 | 17/6 | 127-alles
 pro Tonne frei Rheinkahn Rotterdam

17/7}

17/8 |

16/-60


8

6]
ad | 5a | 8a | sa | ca | 6a loc

8d

100
        <pb n="106" />
        Eisenerz in großen Mengen meist in metasomatischen Lagerstätten auf,
hauptsächlich als Brauneisenstein, aber auch als Roteisenstein und
Spat, mit 50 bis 63°% Fe, phosphorarm. Es seien hier nur die Rifgruben
 in Spanisch-Marokko, Verschiffungshäfen Mellilla und Navarette.
die Gruben Beni-Saf, Rouina, Ouenza in Algier und Diebel-Dierissa,
Djebel-Slata und andere in Tunis genannt, welche Erze von ausgezeichneter
 Qualität in wachsender Menge produzieren. Das Gebiet ist noch
Nicht genügend erforscht, jedoch betragen die schon bekannten Vorräte
dieser Gruben Hunderte von Millionen Tonnen. Dieses Gebiet dürfte an
Sich einen sehr großen Anreiz für die deutsche Industrie bieten, eich
dort eine Reserve zu schaffen. ' Da es sich aber in der Hauptsache um
französische Kolonien handelt, muß eine direkte Interessennahme der
deutschen Industrie an solchen Vorkommen vorläufig noch als viel zu
riskant bezeichnet werden und deshalb leider zunächst ausscheiden.

Nordamerika.
Die in hoher Blüte stehende Hüttenindustrie Nordamerikas hat
Praktisch alle in Frage kommenden Eisenerzgebiete dieses Kontinente
für sich mit Beschlag belegt. Für eine Ausfuhr nach Europa kommt
aus diesen Gründen und auch wegen der Frachtlage nur ein! einziges
Nordamerikanisches Vorkommen in Betracht, und zwar dasjenige von
Neufundland. Dieses Vorkommen, welches auf der Bellinsel in der
Conception-Bay in Neufundland liegt, ist unter dem Namen seines Ver-Schiffungshafens
 Wabana bekannt. Das Vorkommen zieht sich weit über
die Insel hinaus unter dem Meeresboden weiter, so daß die bisher ge-Schätzten
 Mengen von rund 3 Milliarden Tonnen wahrscheinlich übertroffen
 werden.
Das Erz hat folgende Zusammensetzung:
Fo 51,48%, Mn 0,21%, P 0,96%, SiO, 12,04%, AlOz 5,16%,
CaO 38,35%, MgO 0,84% und wird bezahlt mit sh 18/— pro 1016 kg
Gt Rotterdam auf Basis 50% Fe und 12% SiO,, beides im Feuchten
Skala 6d bzw. 231/.d.
Das Erz ist außerordentlich stückig und leicht schmelzbar und
Stellt somit ein ausgezeichnetes Thomaseisenerz dar. Ein großer Teil
Von den geförderten Erzen geht nach den eigenen Hüttenwerken der
Nglischen Besitzer des Vorkommens, nur der Rest der Förderung kommt
für einen Export nach Europa in Frage, und es hängt deswegen von
dem amerikanischen Selbstverbraucher ab, ob und wie lange Deutschland
 mit dieser wichtigen Bezugsquelle wird rechnen können. Zur Zeit
wird das Erz zur Versorgung der deutschen Thomaswerke in wesentlichen
 Mengen — 800 000 bis 900 000 Tonnen jährlich — bezogen. Die
Konkurrenz des Wabanaerzes hat dazu beigetragen, preisregulierend
auf die Minettepreise einzuwirken.

Südamerika.
‚Im Gegensatz zu Nordamerika ist Südamerika naturgemäß noch
Wenig auf nutzbare Lagerstätten hin erforscht, lediglich an den großen

101
        <pb n="107" />
        Eisenbahnlinien entlang sind Untersuchungen vorgenommen worden,
und man hat hierbei wohl die größten zusammenhängenden KEisenerzmengen.
 der Welt entdeckt.
In Brasilien sind Eisenerzlagerstätten angetroffen worden, die das
hochwertigste und hochprozentigste Roteisenerz führen, das überhaupt
bekannt ist. Die Mengen in diesen Lagerstätten können auf einige Milliarden
 Tonnen geschätzt werden. Schon seit langer Zeit haben
deutsche Firmen ein wesentliches Interesse an diesen wertvollen Lagerstätten
 genommen, jedoch stellen sich der Ausnutzung dieser Vorkommen
 noch sehr erhebliche Hindernisse entgegen. Da die erwähnten
Lagerstätten Brasiliens nicht in der Nähe der Küste, sondern Hunderte
von Kilometern von dieser entfernt liegen, so würde eine Inangriffnahme
dieser Grubenfelder den Bau neuer Bahnen bzw. den Ausbau vorhandener
 Bahnen und die Errichtung kostspieliger Hafenplätze bedingen.
Dazu kommt, daß die von der brasilianischen Regierung erteilten Konzessionen
 zur Ausfuhr der brasilianischen Eisenerze unter gewissen notwendigen
 Erleichterungen vorerst noch von der Errichtung bedeutender
Hüttenwerke im Lande selbst abhängig; gemacht sind.
Die Lagerstätten in Chile, welche genau wie die brasilianischen auf
viele Milliarden Tonnen geschätzt werden können, und an denen
deutsche und holländische Firmen gemeinsamen Einfluß nahmen, liegen
günstiger zur Küste. Dafür ist aber hier wieder der Seeweg nach dem
guropäischen Kontinent wesentlich länger, so daß sie, ihrem relativen
Werte nach, den brasilianischen. Erzen gleichgestellt werden können.
Es muß hier erwähnt werden, daß für eine Verschiffung dieser südamerikanischen
 Erze die normale Linien- und Trampschiffahrt nicht
in Frage kommt, sondern daß man sich auf eine besondere, eigens für
diesen Zweck gebaute Erzflotte würde stützen müssen. .
Aus vorstehendem folgt, daß zur Inbetriebnahme dieser an sich
außerordentlich interessanten und großen Vorkommen, die schon: geeignet
 wären, in ihrer Qualität die deutsche Hüttenindustrie unabhängig
 vom Markte zu machen, sehr hohe Kapitalien notwendig sind, deren
angemessene Verzinsung nicht unbedingt gesichert erscheint, so daß
wohl noch lange Jahre vergehen, bis die Eisenindustrie aus eigener
Kraft und auf eigenes Risiko solche Vorkommen wird in Angriff nehmen
können.

Österreich,
Von den Österreich nach dem Friedensdiktat verbliebenen geringen
Erzreserven ist nur noch das Spateisensteinvorkommen der Österreichisch-Alpinen
 Montangesellschaft am „Erzberg‘“ mit seinen auf 60 Millionen
 Tonnen geschätzen Vorräten nennenswert,
Diese Erze, deren Bezug durch entgegenkommende Tarifmaßnahmen.
 der deutsch-österreichischen Bahnen unter Ausnutzung des
Leermaterials für die an die Hütten der Österreichisch-Alpinen Montangesellschaft
 gehenden Kokssendungen ermöglicht worden ist, haben
folgende Gehalte:
44% Fe 3% Mn 7% SiO, 11% CaO 6% MgO 0,02% P 0,15% S.

(07
        <pb n="108" />
        Die Erze haben also Kalküberschuß und sind sehr rein und ungewöhnlich
 leicht schmelzbar. Der Preis ist etwa derselbe wie derjenige
der Siegerländer Erze unter Berücksichtigung des geringeren Metallgehaltes.


Schweiz,
Die Schweiz, selbst ohne nennenswerten Erzbedarf, baut seit Jahren
ein recht ausgedehntes Erzvorkommen am Berge Gonzen bei Sargans.
Die Gesamtförderung beträgt zur Zeit nur etwa 100000 Tonnen pro
Jahr, die teilweise von Basel ab auf dem Wasserwege zur Ruhr geliefert
werden, und zwar in den Verschiffungsmonaten Mai bis September.
Der Gonzen-Roteisenstein hat eine ausgezeichnete Stückigkeit und weist
etwa. folgende Analyse auf:
53% Fe 0,5% P 6,5% 8iO, 2% A1,0; 6,5% CaO 0,5% MgO 0,5% Mn
bei allerdings 0,6% S. ;
Das Vorkommen wird deshalb erwähnt, weil die Hoffnung besteht,
durch verständige Eisenbahntarifmaßnahmen die Transporte zu dem
deutschen Rheinhafen Kehl wirtschaftlich zu gestalten und damit die
Bezugsmöglichkeit dieses ausgezeichneten Erzes aus befreundetem
Lande wesentlich zu eteigern.

Südrußland. _
Als ein sehr wichtiges Eisenerzgebiet, auf das sich früher die
deutsche Industrie, insbesondere die oberschlesischen Hütten . haben
Stützen können, muß das Gebiet des Krivoi-Rog im südwestlichen Rußland
 bezeichnet werden. Die metamorphe Lagerstätte, nur 150 km vom
Hafen Nikolajeff entfernt, führt einen Roteisenstein mit 50 bis 70%, Fe
bei 0,01 bis 0,06 % P, wobei nur Erze mit über 55% Fe ausgebeutet
und die geringeren als Quarzite auf die Halde geworfen werden. Die
äNstehende Menge ist noch nicht genau bekannt, übertrifft aber sicher
100 Millionen Tonnen Erz mit durchschnittlich 62%, Fe. Vor dem
Kriege hat die, deutsche Eisenindustrie ein erhebliches Interesse an
diesem Vorkommen hochwertiger Erze genommen, indem sie langfristige
Lieferungsverträge abschloß, Vorkaufsrechte auf Gruben allein und ge-Meinsam
 mit der französisch-belgischen Hüttenindustrie erwarb und
Wertvolle Umschlagseinrichtungen in dem Exporthafen Nikolajeff er-Tchtete,
 Dieses Eindringen der deutschen Industrie in das Gebiet von
Krivoi-Rog ist durch den Krieg, durch Bestimmungen des Versailler
’iktats und durch die russische Revolution zunichte geworden. Bei
N bestehenden politischen Beziehungen zwischen Deutschland und
ußland ist es nicht ausgeschlossen, daß die deutsche Industrie
Wiederum im Krivoi-Rogbezirk Fuß fassen könnte. Unbedingt voraus-Sesetzt
 müßte aber hierbei werden, daß eine solche Betätigung der
deutschen Industrie vollkommen befreit sein müßte von den Belastungen
fon Wirtschaftsfeindlichen sozialkommunistischen Systems, und daß
quer die deutsche Regierung eine Garantie für die Unversehrbarkeit
ne Seitens der Industrie investierten Kapitalien übernimmt. Ein Verpa
 auf der Basis der üblichen bekannten russischen Konzessionsange-°te
 kann von vornherein als aussichtslos bezeichnet werden.
107
        <pb n="109" />
        ja
©
he

Jahr

Manganerzproduktion und Manganerzexport aus Rußland.
Ausgeführt wurden nach:

Produk-Ver-



Staaten
Tonnen * Tonnen ' Tannen

Frank-England
 | Teich

Holland Y'
Tonnen | Tonnen ! Tonnen | Tonnen ! Tonnen | Tonnen ! Tonnen

Österreich


andere
Länder

Gesamtexport


Tonnen

Il. Tschiaturi (Kaukasus)

L909
1910
911
1912 .
1913
1924 . 0.
19252. . ..
19263). .

600 000
560 000
470 000
578 000
955 000
285 000
815 000
500 000
geschätzt

221 000
290 834
295 794
323 604
4183 721
97 010
12 873
2929 534

12 292
22 089
16 385
97 163
137 798
194 984
302 349
{50 789

44 601
140 092
126 828
202 109
247 828
52 957
32.778
19 040

19 824
44 24.0
42 601
42 600
55 709
80 856
12 045
723 9924

66 991
90 609
65 704
‚93 916
‚83 758
32 604
8576
4 A400

7400
203839
25.197
11 442

40 000
25 400

533 000

71 200
2 508

|

18 873
29 105
27 785
42 352
11558

137924

574 941
649 431
614 614
914 864
| 078 608
480 697
455 393
498 8361

Nikomval.

L909
L910
L911
1912
1918
1924
1925
1926

202 000
282 A)
260 0060)
üs on

Ar.

50 url
59200 |

1 756

63 100
70 000
47 500
74 100
92 600
20 000

ı) Die Hollandmengen dürften fast ausschließlich nach Deutschland weitergegangen sein.
2) 1. Konzessionsjahr Harrimans vom 25. 7. 1925 — 25. 7. 1926.
3\ 9. Kanzessionsiahr Harrimans vom 925. 7. 1926 — 925. 7. 1927
        <pb n="110" />
        Heute werden diese Erze in Deutschland fast, nur noch in Deutsch-Oberschlesien,
 wohin sie auf dem direkten Bahnwege gelangen, verüttet.


Kaukasus.
In diesem Zusammenhange muß auch die Interessennahme der
deutschen Industrie an dem großen Manganerzvorkommen bei Techiaturi
im Kaukasus erwähnt werden. Dieses Vorkommen ist wohl die wertvollste
 Manganerzlagerstätte der Welt, weil es sehr hochwertige Erze
führt (Naturerz mit 48 bis 50°% Mn, gewaschenes Erz mit 52 bis
54 °/, Mn), und weil es frachtlich mit seinem Verschiffungshafen Poti
Zu der westeuropäischen Industrie viel günstiger liegt als die Konkur-Tenten
 Indien und Brasilien.

Analyse

Fe
Mn .
80,
1 » »
ALÖ:
a .
a

Naturerz

%

mechanische
Beschaffenheit

3,05
19,50
0,14
7,20
0,82
058
68
2,16

20 % Stücke
30 % Fein

Wascherz

% | mechanische
° : Beschaffenheit

3,00
0,20
8,00

100% körn.

Der Preis beträgt zur Zeit etwa 16 d die Einheit Mangan, die
Fracht selbst von Poti bis Rotterdam sh 12/— bis 15/—,
Für die kaukasischen Manganerze fehlt es an jeglicher Verwendungsmöglichkeit
 im eigenen Lande, da die südrussische Eisenindustrie
ne vollauf genügende Reserve an Qualitäts-Manganerzen in dem zu
Ihr günstiger gelegenen Nikopolbezirk besitzt.
Bekanntlich hatten Firmen der deutschen Hüttenindustrie ausgedehnten
 Besitz in diesem Techiaturi-Vorkommen, welches nunmehr
durch das Enteignungsverfahren der Sowjet-Regierung und wegen der
Verpachtung der ganzen Lagerstätte von Tschiaturi an amerikanische
Konzessionäre (Harriman) in eine nur geringe Beteiligung der deut-Schen
 Firmen an der neuen Konzession umgewandelt wurde. Hierdurch
1 der früher maßgebende Einfluß der deutschen Werke auf diese
agerstätte hinfällig geworden und die wertvolle Manganbasis verlorenzcgangen.
 Von der Gesamtproduktion Südrußlands von 600000 bis
nn 000 Tonnen im Jahre 1926 gingen rund 800000 Tonnen nach
eutschland.

Britisch-Indien und Türkei.
M Neben Rußland kommen für die Versorgung Deutschlands mit
ya ganerzen noch Britisch-Indien und die Halbinsel Sinai in Betracht.
Que ‚dem indischen Erz sind hauptsächlich ‚drei Sorten im Handel:
ualität I und II sowie das eisenhaltige Sandurmanganerz,. welches eine

3
Eng.-Aussch, 11. Rohstoffvers, d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

105
        <pb n="111" />
        gewisse Ähnlichkeit mit dem auf der Halbinsel Sinai gewonnenen
Manganerz hat. .
Die einzelnen Sorten kommen wie folgt aus:

Analyse

Qualität

Qualität

Sandur

Sinal

11

Mn .
Fe .
810,
1U, .
ALÖs
al
SE

%
52,00
7,00
0,07
2.00

%
48,00
8,80
0,13
x A)
Ä

7/0
40,00
18,00
0,03
1,50
4 O0

‚Yo
80,80
27,40
0,14
3,10
1.00
0.70
0,20
0.48

&amp;gt;
Du

Der Preis für die indischen Sorten I und II ist derselbe wie für die
südrussischen, 15 bis 17d die Einheit Mangan. Das Sinai- und Sandurerz
 stellt sich je Einheit Mangan um 1 d billiger. #
Die gesamte Jahresproduktion Indiens beträgt. 600000 bis
800 000 Tonnen, wovon 60 000 bis 70 000 Tonnen von Deutschland gekauft
 werden. . Die Produktion des Sinaivorkommens wird auf etwa
180 000 Tonnen pro Jahr geschätzt, wovon etwa 40 000 Tonnen nach
Deutschland gehen, .
Verschiffungshafen für die Qualität I und II sind Bombay und Kalkutta,
 für das Sandurmanganerz Marmagoa. für das Sinaimanganerz
Abu Zenima. .
Auf der Anlage 13*) ist nochmals eine zusammenfassende Übersicht
über die Ausfuhr und die auf Deutschland davon entfallenden Mengen
der vorstehend im einzelnen beschriebenen und für die deutsche Erzversorgung
 in Frage kommenden außerdeutschen Gebiete gegeben.
Schlußbetrachtung.
Betrachtet man die voraufgegangene Einzeldarstellung der Eisenerzversorgung
 Deutschlands noch einmal gedrängt, so ergibt sich folgendes
 Bild:
Der Eisenerzbergbau im Westen des Reiches kann der Hüttenindustrie
 aus einem wirtschaftlich zusammengehörigen Gebiete jährlich
A Millionen Tonnen Eisenerz noch mehrere Jahrzehnte lang liefern,
Erze, die ihr nötig und teilweise unersetzlich sind, deren Bedeutung als
fast einziger Manganträger Deutschlands aber noch über den Rahmen
der Westindustrie hinausreicht, da auch die übrigen Industriezentren
unseres Vaterlandes diesen Manganträger direkt oder indirekt — als
manganhaltiges Stahleisen — benötigen. ;
Die Jahreserzeugung zersplittert sich in eine große Zahl mittlerer,
kleiner und Zwergbetriebe, deren Lage zu den Verkehrsadern teilweise
recht ungünstig ist. Dieser Umstand bildet ein starkes Hemmnis für die

1) Siehe 8. 198.

106
        <pb n="112" />
        Durchführung der notwendigen Untersuchungsarbeiten, bildet aber auch
ein Hemmnis für die Mechanisierung und Rationalisierung, da. es’ den
Ersatz der Menschenkraft durch Mäschinen nur in beschränktem Umfange
 zuläßt.
Die durch diese Verhältnisse, die Unregelmäßigkeit der Lager-Stätten,
 den wechselnden Metallgehalt und die teilweise erhebliche Tiefe
zwangsläufig entstehenden hohen Gestehungskosten bringen bei‘ der
Starken Konkurrenz ausländischer Erze technisch und wirtschaftlich ein
schwieriges Arbeiten mit sich. Nur bei ständigem technischen Fort-Schritt
 können die Selbstkosten einigermaßen stabil gehalten werden;
Nur bei günstiger Konjunktur ist ein ‘Gleichgewichtszustand zwischen
Einnahmen und Ausgaben erreichbar, nur unter allergünstigsten Umständen
 ein Überschuß zu Abschreibungen oder gar eine Rendite möglich.
Also immer neuer Kapitalaufwand, der zinslos bleibt und sich darüber
hinaus allmählich verzehrt, ein Bild, das wenig vertrauenerweckend er-Scheint
 und der Regierung die Augen darüber öffnen sollte, daß die aus
Volks- und geldwirtschafflichen Gründen unter allen Umständen notwendige
 Aufrechterhaltung dieses Bergbaues nur durch pfleglichste Behandlung
 von allen Seiten zu erreichen ist. Erstellung günstiger Tarife
für Frachten und elektrische Kraft, steuerlich schonende Behandlung
und anderweite Verteilung der sozialen Lasten, keine Überspannung der
Lohnforderungen und -bewilligungen,. bilden neben der Notwendigkeit
der Zuführung weiterer Geldmittel die Voraussetzung und Grundlage
für die dauernde Lebensfähigkeit dieses Bergbaus, wobei innerhalb des
Gebietes noch Abstufungen vorhanden sind, indem Siegerland und Dill-8ebiet
 noch in Betrieb sein können, wenn an der Lahn und Oberhessen
ne Betriebsmöglichkeit nicht mehr vorliegt.
Der Eisenerzbergbau Mitteldeutschlands hat, soweit er in Blüte
Steht, nur lokale Bedeutung für die Ilseder Hütte und kommt normaler-Veise
 für die übrigen Hüttenwerke nur in verschwindendem Ausmaße
1 Betracht.
Die großen und vielversprechenden Vorkommen im Vorlande des
Harzes berechtigen zu einer gewissen Hoffnung. Hier muß der Hebel
Zur Schaffung eines neuen nationalen Erzbergbaues von praktischer
Bedeutung angesetzt werden, Es gilt, diese Aufgabe unabhängig zu
Machen von Ressortbeurteilung einerseits und Tageskalkulation andereris
 und sie zu lösen in engster Zusammenwirkung von ‚privater
Nltiative und staatlicher Förderung.
A Die süddeutschen Eisenerzvorräte, soweit sie in den Dogger- und
lberzen über lokale Bedeutung hinausragen, sind in den nächsten Jahrgehnten
 technisch. und wirtschaftlich praktisch nicht, auszuwerten und
eShalb vorläufig auszuscheiden. .
i Wir stehen also vor der betrüblichen Tatsache, daß die Eisen-Le
 dustrie Deutschlands nur mit einem verschwindenden Anteil aus Intape
 tzen versorgt werden kann, ein Zustand, der die allergrößten: Gefi
 TeN in sich birgt und der als katastrophal bezeichnet werden muß
h A ein Land, das die zweitgrößte Eisen- und Stahlerzeugung der Welt
Pe - E8 gibt kein anderes Land, wo das Verhältnis von Rohstoff zu
STtigerzeugnis £o ungünstig liegt wie bei uns.

TU
        <pb n="113" />
        Auf der anderen Seite sehen wir, wie die Versorgung mit ausländischen
 Eisenerzen in der Nachkriegszeit auf rein kommerzieller Grund-Jage
 vor sich geht, die sich fast gar nicht auf eigene Produktion im
Ausland stützen kann. Daß auch hier alsbald eine Wandlung einsetzt,
jet dringendes Erfordernis. Die Möglichkeiten sind vorhanden, aber es
fehlt an Kapital und auch noch an Vertrauen zur Anlage großer Mittel
in ausländischen, vielfach früher feindlichen Ländern. Diese Schwierigkeiten
 bedürfen gleichfalls einer Abmilderung durch die Regierung.
Die Deckung des Auslandserzbedarfes durch langfristige Verträge
ist in dem Vorkriegsausmaß keineswegs mehr vorhanden, die Hütten
leben sozusagen von der Hand in den Mund. Wo langfristige Deckung
noch vorhanden ist, nämlich in den Verträgen mit Schweden, wird das
Zukunftsbild getrübt dadurch, daß die Lieferantin eine, wenn auch nicht
formelle, so doch praktische monopolartige Kontrollmacht über den
schwedischen Erzbergbau ausübt und — was schlimmer ist — durch
die Sozialisierungsgefahr, die über den größten schwedischen Erzvorkommen
 schwebt, aus denen Deutschland. einen großen und nahezu unenthehrlichen
 Prozentsatz der wichtigen phosphorhaltigen Erze bezieht.
Sehr zu denken gibt die bekannte Tatsache, daß die erwähnte
schwedische Grubengesellschaft neuerdings durch Erwerb der Aktienmajorität
 der größten nordafrikanischen Grubengesellschaft ihren Einfluß
 auch im Mittelmeer ausgedehnt hat. Es braucht nicht näher begründet
 zu werden, welche nachteiligen Folgen eine solche Tendenz auf
die deutschen Belange haben kann.
Führt man sich schließlich vor Augen, welchen Schwankungen und
Unsicherheiten der Tagesmarkt in Auslandserzen mit allen dazugehörigen
 Faktoren, wie Seefrachtenmarkt, Binnenschiffahrtssätzen,
Valutenrisiken, ausgesetzt ist, so schließt sich der Kreis der Betrachtungen
 in einer Reihe ungünstiger und pessimistisch stimmender Bilder

(08
        <pb n="114" />
        Anlage 1.
Tr Victoria
wtf 02%
ir. S*ahiberg ge Hilchenbach
a. 5
„

dautenber
a
betr”
—t 49

Dar

End.-Aussch, III. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

Erklärung:
5500% durchschwttlche Monatsfrderung imdahre 2
2 Prorentualer Anteil an der GesamtBroerung de:
“ %{ Siegerländer Eisenerz bergbaugt ım Jahre 2926
— fisenbahnen
‚SEIHETS

Erzgruben im Siegerland.
Übersichtskarte
7: 200.000.

L3C
        <pb n="115" />
        Anlage 2

Zusammenstellung der Vorratsmengen des Siegerlandes an
Eisenerz bis zu einer Teufe von 1300 m.

Lfd.
Nr.

7

x

}

In

Gruppe

Gosenbacher
Ganggruppe. .

Eisenzecher
Ganggruppe. ..

Eisernhardter Tiefbau-Ameiser

Ganggruppe. ..

Pfannenberg-Freier
Grunder
Ganggruppe. . .

Bindweide-Silberwieser-

 .

San-Fernando
Füsseberger
Ganggruppe. . .

Stahlseifen-Bautenberger

Ganggruppe. . .

Wissener
(einschl. Glückbrunnen)

GangerunnDe. ..

Neue Haardt-Stahlberger

Gangeruppe. . .

Petersbach-Louise-Georger

Ganggruppe. .

Gang-Aüchel


Gegenwärtige

Teufe

us
2

m

A

3 4401 1000

5975 1600—700 |

0110"

500—700 |

3 880 1 600—700

9 700 |

550—700

5 645

500-—750

1 ON

300-—700

BB 950

250-—700

Oo 780

5300—700

1 815

00-—800 1

24 065

Unterjahrene

Mittel

Nicht aufgeschlossene
 Menge
bis 1000 m | bis 1300 m
Teufe Teufe
a

Gesamtz3umme


RO

1523013

| 3719517| 1478 0001

6 720 530

9267 1925

9.046 298]

893 0008

4 136 348

396 098

9981 157

2» 677 250

968 4238

4 289 849]

719 0900|

5 8927 965

4R7 5990

4 623 025

1 345 000|

6 455 554

RO8 915

3 951 043

5.988 000

9 182 258

288 679

) 208 8941

617 000

3179 000

1 446 2959

Q 768 815

2 989 NO00

13 472 074

019 262

3 069 2857|

{1783 000

6154 619

327 689

2427 761 981 000'

4. 286 450

7667 as7ja2 143 041112 331 000[62:041 328
1

111
        <pb n="116" />
        ir
az
N

2500 000
2400 000
2300 000
2200 000
2100 000
2.000 000 -
1900 000

&amp;gt;
5
DB,
&amp;gt;
es
OD
&amp;gt;»

1800 000
700 000
1600 000
1 500.000
1400000
F300 000
1200 000
1100 000
1000.000
300 000
300 000
700 000
500 008
500 000
400 000
300 900
200 000

50 0080

nk el bh ra
‚Menge int| 1270 |I 1971 1 1812] 1913 | 1974 | 15 | 1916 _'_1917 11918 | 1919 | 1920 | 1921 | 1922 | 1923 | 1924 | 1925 | 1926.
Erklärung:
SI enge, ‘
SS VetzW-Hihalt.
EEE Eisen-Mhalt.
KZZ Mangan-Anhalt.
Bemerkung: ‚In derersten Hälfte:1887 wurden 1100000t Rahspat gefördert,
nutmaßlich ergibt. sich daraus für das ganze Jahr 1927 eine
Gesamt fürderung tan 2208000 €

1927

Förderung und Gehalt
an nutzbaren Metallen
1910 - 1927.
        <pb n="117" />
        _Anlage_4.

30 - _
29 +

A

28

7

m
25+ 1

as 1

13

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19 + )_
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18»

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6 *
5

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12
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10» Sf ee An
| 1910 | 1911 on | 1913 T1914 19151

ws CN JE
[1924 Ti025 4926 | 1979

Entwicklung des VerkaufSpreises
 (Grundpreis)
für
Rohspat und Rostspat.

RR Rostspat

Ronspat

113
        <pb n="118" />
        Aa
an
En

7400000
2300 000
23200 000
2100 000
2000 000-1900
 000
1800 000
1700 000
1600 000
500 000

&amp;gt;
B
55
Yo
&amp;amp;
8

]

400 000

300 000
200 000

‚100 000 —

1000000 -
309 600
300000
700 000
500 000 - |
500 000 —
400 000
300 000
200 000
100 06

Menge int| 19% | 19m | 1912 | 1913 | 19m | 1915 | 1916 | 19:7 | 1918 | 1919 | 1920 | 1921 | 1922 } 1923 | 1924 | 1925 | 1926 | 1927
ERIC UNG Gesamtversand an Stegerlönder Erz
Gesamtversand “
Versand nach den rhamısch-westfälschen Hüllen und
SE on m + Siegerländer vu Verteilung auf die beiden großen Verbrauchsgebiete.
Bemerkung. Die Zahlen für des Jahr 1927 ch dem Du
ze te EEE 7910 bs 1927.
        <pb n="119" />
        Anlage 6,

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al]
260

=

240

220

200%-1605



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40

120

„100%
11913: we:

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KA
4 RB
So
CE

Erklärung:
Frachtsätze für 10 Tennen.
fi man Sfegerländer Eiseperz AT. 78 von Herdorf nach. Geiswerd . 20% * Mk 10.-Be
 nn OQuish-Ruhrort. 100% &amp;gt; Mk. 26
Gm ‚ Überschlesien. 100% &amp;gt; Mk.30x
Brennstoff * +68 + Gelsenkirchen nach Herdorf. 100% &amp;gt; Mk. 28.-Schaubild


ger
Frachtbelastungen.

115
        <pb n="120" />
        Anlage 7.

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al kat
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REIT

Insgesamt

Mk 11.83

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+ 3

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Mk 15.08 100%

100 %

127 % im Vergleich zu 1913.

Gegenüberstellung der Gestehungskosten
1913 und 1926
der Siegerländer Gruben .

16
        <pb n="121" />
        Anlage 8.
Förderung und Versand von Eisenerzen
im Bezirk des Berg- und Hüttenmännischen Vereins z. Wetzlar e.V. im Jahre 1926.

b&amp;amp;
jan
Zn

Der Versand betrug nach den Hüttenwerken
im dentschen Zollgebiet

Die
Kisensteinförderung

betrug an:

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zu
000 kp

innerhalb| nach
des | dem
Vereins- Siegerzebiets
 | land

nach dem!
Mittelrhein-



nach dem!
Ruhrgebiet

Niederrhein-



E+

nach
nach ınderen
Deutsch- jnlän- |
‘Ober- | dischen
schlesien‘ Bezirken

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3

3

E
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Roteisenstein ...
Flußstein. ......
Manganarmer
Brauneisenstein
mit4% und we-Niger
 ....1.
Brauneisenstein
mit mehr als 4%
bis einschließlich
 12% Mn. .
Brauneisenstein
mit mehr als
12% Mn. 2...

287 849
107 704

72 STE
75 410

15 720
4157

8 974
1185

115 668|
929 981!

15

2 590
198

(24 449

51 566!

26 1092

1827

99 (44.

4

85 7311

L 0as] 48

21

42. 715

16

5

100 yo]

6083| 1706

740

5 5086|

155

Zusammen in t..

696 222!

201 000| 47 738 | 12 707 | 208 914 61 | 3 652

% des Gesamtversandes.
 .,...

26,92 | 6,40 | 1,70 | 2790 * 0.01 "9.49

Gegenüber 1925. . |741 107) 260 028] 80813 | 45704 169 615] 15159! 4095

nach Wasserumschlagplätzen


Der Versand betrug n. Stationer
außerhalb d, deutsch. Zollgebietes

Gesamt

Versand

(Absatz)

‘ Ober-Frank-
 ‚aynsteinfurt
 und teils
(Ost- | Ruhrhafen)
 gebiet |
t_
10

nach
nach | Lothdem
 ringen
Saar- | und
gebiet | Luxemburg

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nach
nach der
Polnisch-| mTeche-Ober-
 | eho- .
schlesien ' „owakei

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28

324 110
103 219

1.1 062

37

143 052

| 9486|

21 128

9

66 996

20 098

109 018
100001) 205. | a30 | ae I7ana00

a1 !171611

0.004 ' 22,99 " 13,52

| 0.08 1 0,08 ! 0.006 k=100%

125 948)

48 791

8

749 951
        <pb n="122" />
        Anlage 9.

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_MATENMAalkO EN
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3

100 °%

Mk. 11,09

9 2 6
100%

137 % im Vergleich zu 1913.

Gegenübenstellung der Gestehungskosten
1913 und 1926

im Lahn -Dillgebiet..

118
        <pb n="123" />
        Braunschweig

Ankge 10.

e  bonda

Erklärung:
E53 Vereinigte Stahlwerke AG
Rombacher Hüfte AB.
Iiseder HÜHE AG.
I) Gute Hoffnngshie AG.
Malhildenhüte,
Freiherr v. Wallmoden
Fiskalische Feldern.

= Markscheide.

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IUNSCHWEIL

Enq.-Aussch, 111 ARohstoffvers, A. deutsch. eisenerzeug, Ind

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Eisenerzfelder
m Salzgitterer Höhenzug
Übersichtskarte
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        <pb n="124" />
        Anlage 11

Entwicklung der Erzpreise ab 1925 bis heute,
quartalsweise zusammengestellt nach Käufen und Angeboten.

Sorte:

Li. Schwedenerze:
ln
rängesberg. ...
Gellivare-D. .... MW
Idkerberg .....
Blötberg ...... »
Kaptens-Mulm . ..
Grängesberg-Mulm . »
2. Wabana...... sh
8. Nordfirankreich:
U
A
46/10: 00 04 0 wi ut
4. Minette 355% ..M.
5. Afrika:
Riff ve uw sw 3
Dijerissa .......
ÖÜuenza........ »
Spanien:
Menera. ....... sh
Bilbao-Rost .....
Bilbao-Rubio ‚...

Inland:
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Lahn/Dill Rot 50/18 »
Bültener 2. ....0.

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14/3
13/7,5
12/-4:80


14/3
13/7,5
12/7
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23/6
18/9
18/3

23/3
18/7,5
18/2

22/-18/38

18/-20/-



17/6

| 19/6
17/10
17/-16/3


17/9
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16/4,5
17/-90/-



16/3
20/-16/3

 | 15/9
16/- | 14/9
17/9 | 17

2,— | 21,— | Y,—
16,50 | 16,50 | 16,50
9— | 9— | 980

1950 | 19,50
15,— | 15,— |
980 | 9,75

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18.50
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15,—
13,13
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9,70
11,70
16/-13/6


12/6
11/6
6.40

18/-12/1,5

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16/3
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11/9
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18/-17/6

16/6

16/4
14/3
14/45

24/-20/-



15/-14/-




Se

17/-14,


Ib

19,50 18,25 18,25
11,— | 11,00 | 12,00
975 | 975 | 10.00

1927

IL

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18,50
18,75
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18/-18/-



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20/-18,25


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1926 1927

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Entwicklung der Erzpreise ab 1925 bis heute
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        Anlage 12a

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Entwicklung der Erzpreise ab 1925 bis heute

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1723
        <pb n="127" />
        Anlage 13.

Eisen- und Manganerz-Ausfuhr nach Deutschland
in 1000 Tonnen.

Ausfuhrland

Schweden/Norwegen.....

Frankreich ...
Spanien .....
Nordafrika, ...
Nordamerika
(Neufundland
nach Europa).
Rußland .....
Brit. Indien ... I

Ausfuhrland

Schweden/Norwegen.
 ....
Frankreich ...
Spanien .....
Nordafrika, ..4
Nordamerika
(Neufundland |
nach Europa) .
Rußland .....
Brit. Indien ...

1909

1210

1011

1912

Ge- | davon
'amt-; nach
Aus-, Deutschfuhr
 | land

Ge-| davon
”amt-/| nach
Aus-! Deutschfuhr!
 land

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Deutschland


Ge-} davon
-amt- nach
Aus- Deutschfuhr
 land

VA

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7

WA

3388
3907
3180
L060

2654
1411
2024
331

78,8
36,1
35,7]
31,2

4347
4895
8284
1394

3294
1770
2593
434

75,8] 4771 3694 77,4|5483 4253 77,6
36,2|6176 2217 35,9|8324 3402 40,9
31,3| 7345 2860; 38,9| 8469 3538 41,7
31.111488] 367] 2471178321 581 30.7

151| 89158,9] 176| 182|75,0] 217| 135 |62,2| 164] 1521| 92,7
638 EL] 719] 291 140,5] 662 | 296 |44,7] 989| 324 |32,8
520° 94|18,1| 695| 1171|16,8] 657] 149|22,7| 647 | 125 |19,4

10912

19924

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Aus- Deutschfuhr:
 land

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 land

_ 1926
Ge- | davon
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Aus- Deutschfuhr
 land

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Aus-| Deutschhahr
 land

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6440| 5005
0068! 4594
8907| 3498
19561 575

77,
15,6
39,3
29.4

5948| 4293
2287‘ 1439
3626| 968
2085! 899

72,2] 8800
11,7| 9228
26,21 3618
929.1] 2752

7128 81,0
1358 14,7!
1225 , 33,9)
599 | 218!

7681| 6289
11234' 1652
1857| 665
9094| 575 |

831,9
14,7
835,8
27,5

2983| 198 |65,9} 815| 800 | 98,2} 785! 7851100| 8332| 332| 100
L181] 414|35,4| 581 106 | 182 455| 69/15,2| 498| 2891| 58,0
918! 198119,5] 778! 151 1,91 751! 68| 9.1] 617. 47} 7,6

124
        <pb n="128" />
        Zusammenfassung
des Untersuchungsergebnisses der wirtschaftlichen
Grundlagen der Eisensteingruben des Notstandsgebietes
 an Sieg, Lahn, Dill und in Oberhessen
von Dr. Wilhelm Adler.

Eingereicht: Juni 1927.

Einleitung: Aufgabe und Untersuchungsmethode.
A. Darlegung der wirtschaftlichen Grundlagen der Eisensteingruben des Notstandsgebietes

I, Notstandsgebiet im Siegerland:
1. Allgemeine Charakteristik des Notstandsgebietes an der ee
2, Untersuchungsergebnisse auf Grund der technisch-wirtschaftlichen Standardziffern

3. Untersuchungsergebnisse auf Grund der Wertziffern (Kosten und Erlöse)
II. Notstandsgebiet im Lahn- und Dillgebiet einschließlich Oberhessen:
1. Grundsätzliche Besonderheiten gegenüber dem Siegerland
2. Technisch-wirtschaftliche Standardziffern
8. Wertziffern (Kosten und Erlöse)
B. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse

Aufgabe und Untersuchungsmethode.
Von Abteilung I des Preußischen Ministeriums für Handel und
Gewerbe war der Unterzeichnete beauftragt, eine Untersuchung der
Wirtschaftlichkeit der Eisensteingruben des Notstandsgebietes an Sieg,
Lahn und Dill und in Oberhessen vorzunehmen, über deren wichtigste
Ergebnisse im folgenden eine Übersicht gegeben wird.
Zur Ermittelung der ziffernmäßigen Grundlagen für die Beurteilung
der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Gruben sowohl wie der Betriebe
untereinander wurde ein Fragebogen entworfen. Um einen Maßstab
für die wirtschaftliche Entwicklung zu gewinnen, wurde je ein Monatsdurchschnitt
 ermittelt, der sich aus den tatsächlichen Ziffern der letzten
6 Monate der Jahre 1913 und 1926 in der Art ergab, daß die Gesamt-9

 Engqg.-Aussch. 1IT. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

-
z
        <pb n="129" />
        zahlen der beiden Zeiträume durch je 6 dividiert und diese Monatsdurchschnitte
 allen nachfolgenden Zahlenangaben zugrunde gelegt
wurden.
Ausgangspunkt der Untersuchungen bildeten einmal die technischwirtschaftlichen
 Standardziffern und andererseits die wertmäßigen absoluten
 sowie die auf die Tonne berechneten Ziffern der Durchschnitts-Gestehungskosten
 der einzelnen Gruben in ihrer Gesamtheit und in
ihren Einzelfaktoren.
Die ausgefüllten Einzelfragebogen sind — getrennt nach technischwirtschaftlichen
 Standardziffern einerseits und. Gestehungskosten andererseits
 — sowohl in ihrem Gesamtergebnis wie auch für die hauptsächlich
 in Betracht kommenden Konzerne zusammengefaßt und in den
für die Beurteilung maßgebenden Beziehungen ausgewertet worden.
Etwaige Unrichtigkeiten in der Ausfüllung der Fragebogen wurden auf
Grund örtlicher Prüfung, an der ein Beauftragter des Preußischen
Ministeriums für Handel und Gewerbe teilnahm, vor der Auswertung
berichtigt.
Da die Abschreibungen infolge der Verschiedenartigkeit ihrer Behandlung
 bei den einzelnen Betrieben keine Vergleichsmöglichkeiten
boten, wurde von ihrer Auswertung Abstand genommen.
Die Verhältnisse im Siegerland sind gegenüber denen des Lahnand
 Dill-Gebietes einschließlich Oberhessen so grundsätzlich abweichend
gelagert, daß sich eine getrennte Behandlung als zweckmäßig erwies.
Der gestellten Aufgabe entsprechend, sind schließlich im zweiten
Hauptabschnitt die einzelnen Untersuchungsergebnisse zusammengefaßt
worden.

A. Darlegung der wirtschaftlichen Grundlagen
der Eisensteingruben des Notstandsgebietes.
L Notstandsgebiet im Siegerland.
Die Erzgewinnung im Siegerland erstreckt sich fast ausschließlich
auf Spateisenstein mit ungefähr dem gleichen Gehalt an Eisen. Die
Gehalte der gewonnenen Erze an Eisen liegen etwa bei 34 °/..
Das Vorkommen an Erzen ist durchweg so gelagert, daß der Abbau
nur im Tiefbau erfolgen kann.
Die Abbauverhältnisse sind demnach im Siegerland derart, daß
ein Gesamtvergleich der Werke untereinander möglich ist.
Gewisse Unebenheiten bei den einzelnen Vergleichen sind allerdings
 in den Fällen vorhanden, wo die verschiedene Teufe der einzelnen
 Schächte einen Einfluß auf die zu untersuchenden Faktoren ausüben.
 Da diese Unebenheiten jedoch auf das Gesamtbild nur einen verhältnismäßig
 geringfügigen Einfluß haben, habe ich sie aus Zweckmäßigkeitsgründen
 außer acht gelassen.
Die Gesamtförderung des Siegerlandes betrug im Jahre 1913 etwa
2630000 Tonnen, im Monatsdurchschnitt also etwa 219160 Tonnen.

ir
g*
        <pb n="130" />
        Die Förderung derjenigen Werke in 1913, die in 1926 noch in Betrieb
 waren und der Untersuchung unterlagen, hatten in der zweiten
Hälfte des Jahres 1913 nach den eingereichten Unterlagen eine durch-Schnittliche
 monatliche Gesamtförderung an versandfähigem Rohmaterial
 von 160519 Tonnen.
Die gegenüber 1913 um 6 Werke vermehrte Anzahl der zur Untersuchung
 stehenden Betriebe förderte in der zweiten Hälfte des Jahres
1926 im Monatsdurchschnitt 160 082 Tonnen.
Der Förderrückgang in 1926 der in 1913 erfaßten Gruben hat, vorwiegend
 seinen Grund in geologischen Verhältnissen (Verschlechterung
des Vorkommens, Abnahme der Gangfläche, Verquarzung usw.). Die
Förderzunahmen sind teils auf geologischem, teils auf wirtschaftlichem
Gebiete zu suchen. Während 10 Werke einen Rückgang der Förderung
mit etwa 40 600 Tonnen monatlich im Gesamtdurchechnitt zu verzeichnen
 haben, ist bei den restlichen 11 erfaßten Werken eine Zunahme der
Förderung von insgesamt etwa 22800 Tonnen im Monatsdurchschnitt
Zu verzeichnen,
Die Förderung bezifferte sich in 1913 pro Mann im Monat. auf etwa
17,5 Tonnen.
. Auf den einzelnen Mann entfiel im Monatsdurchschnitt in 1926
ine Förderung von etwa 20,5 Tonnen.
Im Gesamtdurchschnitt betrug in 1926 die Leistungssteigerung je
Mann im Monat etwa 17,1 °% gegenüber 1913. ,
Die Leistungssteigerung ist in erster Linie auf die Rationalisierung
und Mechanisierung und auf den an sich bedauerlichen Rückgang an
Aus- und Vorrichtungsarbeiten in 1926 gegenüber 1913 zurückzuführen.
Das Bild der Leistungssteigerung würde sich noch günstiger ge-Staltet
 haben, wenn die Verkürzung der Schichtenzeit für die Übertagearbeiter
 gegenüber 1913 — als Auswirkung des sozialen Umschwunges
= und die Einbeziehung der Anlaufszeit in 1926 sich nicht in negativem
Sinne ausgewirkt hätten. .
Während die Verkürzung der Schichtenzeit außerhalb des Machtbereiches
 der Grubenverwaltungen liegt, ist hinsichtlich der Anlaufszeit
In 1926 zu bemerken, daß die durchschnittliche Monatsförderung nach
der Anlaufszeit auf etwa 180 000 Tonnen gesteigert werden konnte.
Von der Gesamtförderung des Siegerlandes, die 1913 vorwiegend
durch selbständige Gewerkschaften, 1926 dagegen infolge des zwischenzeitlich
 eingetretenen Konzentrationsprozesses fast ausschließlich durch
Konzernzruben erfolgte, entfielen .in 1926 auf:
Vereinigte Stahlwerke-Konzern
Krupp-Konzern .....
Hoesch-Konzern 2.000
Selbständige Gewerkschaft Pfannenberger Einigkeit
Storch- u. Schöneberg-Konzern . “
Friedrichshütte-Konzern . .
Henschel-Konzern .......
Mitteldeutsche Stahlwerke-Konzern
Mannesmann-Röhren-Konzern
Lothringen-Konzern x

44,5%
21,4
8,2 »”
7,4 »
A
‘8
4 »
18
1,7 »”
7» 7 ww 5 0,2 ,,
Zusammen: 100.0 %

x.
        <pb n="131" />
        Bei Betrachtung des Anteils der Aus- und Vorrichtungsarbeiten
an der Gesamtzahl der verfahrenen Schichten ergibt sich, daß sich die
Vorkriegshöhe auf 13,9 °/ stellte, während sich in 1926 der Anteil auf
12,2 °/, verringerte. *
Die Zunahme der Teufe beträgt in der Zeitspanne 1913 bis 1926
pro Jahr 12,5 m. Unter Ausschaltung der Minima und Maxima beträgt
die durchschnittliche Teufenzunahme 14,5 m.
Der Sprengstoffverbrauch erhöhte sich in 1926 um etwa 57 °/, bezogen
 auf die Tonne Förderung.
Die Steigerung ist zurückzuführen auf die stärkere Verwendung
von deflagrierenden, d.h. langsamer wirkenden Sprengstoffen in 1926
Sa 1913, die zwecks Erzielung eines vergrößerten Stückfalles
arfolgte.
Die Kraftverbrauchsteigerung je Tonne Förderung um etwa. 68 °/%
_— alles auf Steinkohle umgerechnet — liegt in der größeren Verwendung
 von Maschinenarbeit und in dem Teufenfortschritt.
Vergleicht man den Anteil der Aus- und Vorrichtungsarbeiten an
der Gesamtzahl der verfahrenen Schichten nach den einzelnen Konzernen,
 so ergibt sich, daß bei etwa 63,8 °% der Gesamtförderung des
Siegerlandes der Anteil der Aus- und Vorrichtungsarbeiten 1926 ‚zwischen
13 und 16° der Gesamtzahl der verfahrenen Schichten liegt.
Vorweg sei bemerkt, daß von den Untersuchungen der Wertziffern
3 Werke ausgeschaltet wurden, soweit sie durch ihre Anomalien die
sinzelnen Untersuchungsbilder verzerren würden.
Es handelt sich um die Werke:
Eupen (Krupp-Konzern), da vorwiegend noch in der Aufschließung
 sich befindend,
Große Burg (Vereinigte Stahlwerke-Konzern) und
Viktoria (Lothringen-Konzern).
Die letzten beiden Werke sind vorwiegend Metallerzgruben.
Bei den übrigen Werken ergeben sich im Gesamtdurchschnitt folgende
 Beziehungen zwischen 1913 und 1926:
1913 1926
Die Durchschnittsgestehungskosten betrugen ohne Abschreibungen
 je Tonne... + oa a M 11,88 RM 15,08
Die Durchschnittserlöse stellten sich auf (1926 einschl.
RM 2,— Absatzprämie) je Tonne . 0. 0.0.0004 06 „13,09 „15,57
Die Durchschnittsgewinne bezifferten sich demnach je t auf M 1,26 RM 0,49

Während 1913 die Gewinnspanne — bezogen auf die Gestehungskosten
 — 10,7 °/ ausmacht, ist sie 1926 auf 3.32%. also 70,1 °/n zurückgegangen.

Dieser Rückgang der Gewinnspanne findet seine Begründung darin,
daß die Kosten gegenüber 1913 um 27,5 °) gestiegen sind, während die
tatsächlichen Erlöse (einschließlich 9 RM. Absatzprämie) aber nur
eine Erhöhung um etwa 18,9 °%, erfuhren.
Ohne Absatzprämie liegen die durchschnittlichen Verkaufspreise in
1926 nur etwa 3,7% über den Vorkriegspreiscn,

IRQ
        <pb n="132" />
        Die — indexmäßig betrachtet — verhältnismäßig geringe Steigerung
 der Kosten hat vornehmlich ihren Grund in der Tatsache der
Kosteneinsparung durch die Rationalisierungs- und Mechanisierungsmaßnahmen.

Von den Durchechnittsgestehungskosten je Tonne entfallen auf

die Betriebskosten. .
die Verwaltungskosten

1911 1926
M 11,20 RM 18,98
„0,68 „1,18
M 11,88 RM 15,08

Die Betriebskosten sind demnach um 24,4°% je Tonne gestiegen,
während die Erhöhung der Verwaltungskosten (Steuern, Zinsen und
Handlungsunkosten) 82,5 °, ausmacht.
Die verhältnismäßig hohe Steigerung der Verwaltungskosten hat
folgende Gründe:
Kosteneinsparungen an den Handlungsunkosten durch Rationalisierung
 sind! — absolut — kaum möglich.
Die Steuern sind erheblich angewachsen; sie betragen bei vielen
Werken mehr als 200° der Vorkriegsbelastung.
Die Zinsen sind erheblich gestiegen durch Aufnahme von fremden
Mitteln zur Investierung von Maschinen usw. und durch die Zinsfußsteigerung.

Bei den Betriebskosten ergab sich 1926 gegenüber 1913 eine Steigerung
 der

Personalkosten (Löhne, Gehälter, soziale Lasten) um 154”
Kraftverbrauchskosten -
Spreneostoffkosten - «

AL

_ Sehr bemerkenswert ist die große Steigerung der sozialen Lasten,
die — auf die Tonne Förderung bezogen — sich auf 1,45 RM. beziffert.
In der Vorkriegszeit betrug der Anteil der sozialen Lasten an den
Betriebskosten im Durchschnitt etwa 4 bis 6°, während in 1926 etwa
15 bis 17 °% der Betriebskosten auf die sozialen Lasten entfallen.
_ Die Steigerung der Kraftverbrauchskosten hat einmal ihre Ursache
in der stärkeren Verwendung von Kraftmaschinen und in der Teufenzunahme,
 zum anderen in der unverhältnismäßigen Strompreissteigerung
durch kommunale Monopolisierung der Elektrizitätswerke.
__ Ferner ist bei der Beurteilung der Kostensteigerung zu berück-Sichtigen,
 daß sich in den Ziffern für 1926 die Anlaufszeit mit ihren
verhältnismäßig höheren Kosten auswirkt. Die Kosten für die ersten
Monate in 1927 wiesen bereits durchweg eine sinkende Tendenz gegenüber
 dem Durchschnittssatz von 1926 auf.
In der Ungleichheit zwischen der Steigerung der Kosten einerseits
und der Erlöse andererseits ist auch das Anwachsen der Anzahl der
Werke, die mit Verlust arbeiten, begründet.
Von den erfaßten 27 Werken schließen in 1926 16 mit Gewinn und
11 mit Verlust ab (unter Einrechnung der Absatzprämie und ohne Einbeziehung
 der Abschreibungen), während die in 1913 erfaßten 20 Werke
bis auf ® Werke Gewinne ausweisen.

1729
        <pb n="133" />
        Zwei der Verlustbetriebe in 1913 waren verhältnismäßig stark in
der Aus- und Vorrichtung begriffen. Der Anteil, der auf Aus- und
Vorrichtung verfahrenen Schichten an der Gesamtzahl der verfahrenen
Schichten bezifferte sich auf 23,43 °/, bzw. 16,94 %.
Die Untersuchung der Ergebnisse in 1927 der in 1926 mit Verlust
arbeitenden 11 Werke ergab, daß 4 Werke inzwischen ihre Kosten durch
die Erlöse zu decken vermochten, während die restlichen 7 Werke nach
wie vor Verluste ausweisen.
Diese Betrachtung basiert darauf, daß die Absatzprämie mit 2 RM.
je Tonne dem Erlös zugeschlagen wurde, die Abschreibungen aber außer
Ansatz blieben.
An der Gesamtförderung des Siegerlandes nahmen die Verlustbetriebe
 in 1926 mit insgesamt, 27 °% und in 1927 mit insgesamt 12,9%
teil.
Während also in 1926 mehr als ein Viertel der Gesamtförderung
mit Verlust veräußert werden mußte, hat die Absatzprämie bis Februar
1927 die Auswirkung gehabt, daß die Verlustbetriebe auf etwa ein
Achtel der Gesamtförderung zurückgingen.

Von den einzelnen Konzernen hatten Verlustbetriebe in 1926:
Vereinigte Stahlwerke-Konzern .
(1927 4 Werke verlustbringend)
Krupp-Konzern . . . 2...
(1927 1 Werk verlustbringend)
Lothringen-Konzern .. ee
(1927 ebenfalls verlustbringend)
denschel-Konzern . . . .
(1927 ebenfalls verlustbringend)
Mitteldeutsche Stahlwerke-Konzern
(1927 gewinnbringend)
Hoesch-Konzern .
(1927 gewinnbringend)

Abschließend kann gesagt werden, daß unter Einbeziehung der
Abschreibungen, die — richtig kalkuliert — vom Wiederbeschaffungspreis
 zu ermitteln wären, kein Werk seine Selbstkosten durch die Erlöse
 decken konnte, sofern man die Absatzprämie dem Erlös nicht zuschlägt.

Auch unter Einbeziehung der Absatzprämie sind die Verlustbetriebe
(bei Einrechnung der Abschreibungen) noch verhältnismäßie zahlreich.

IT. Notstandsgebiet im Lahn- und Dill-Gebiet einschließlich OÖberhessen

Während im Siegerland das gewonnene Erz hinsichtlich der Sorte
und Qualität (Gehalt an Eisen) eine große Gleichmäßigkeit aufzuweisen
 hat und die Abbauverhältnisse im wesentlichen gleichgeartet
sind, ist im Lahn- und Dill-Gebiet einschließlich Oberhessen eine große
Mannigfaltigkeit der einzelnen Erzsorten vorhanden. Innerhalb der
einzelnen Erzsorten sind wieder große Qualitätsunterschiede ZU Verzeichnen.


130
        <pb n="134" />
        Die Preistabelle des Berg- und Hüttenmännischen Vereins zu Wetzlar
 e. V. führt folgende 8 Sorten an, ohne dabei Anspruch auf Vollständigkeit
 der vorkommenden Sorten zu erheben:
Roteisenstein I. Sorte (mit etwa 45—50 % Fe) ;
„ II. ‚ (mit etwa 40—45 % Fe)
Flußeisenstein (selbstgehendes Erz für den Hochofen; [fremde Zu-Sehlän
 sind nicht erforderlich] mit etwa 34—88 % Fe)
Oberhessischer Basalteisenstein (mit etwa 43-45 % Fe und geringem
 Kieselsäuregehalt)
Manganhaltiger Brauneisenstein I. Sorte mit 18% Mn u. 20% Fe
„ w U ww „ 12% Mn u. 80% Fe
Manganarmer I. „6% Mn u. 40% Fe
Der Schwerpunkt der Förderung liegt bei dem Rot- und Flußeisenstein.
Zu diesen auf der Erlösseite sich auswirkenden Qualitätsunterschieden
 gesellt sich auf der Kostenseite die Differenzierung der Kosten
nach den verschiedenen Abbauarten.
Während im Siegerland der Abbau lediglich im Tiefbau erfolgt,
betreibt das hier zur Untersuchung stehende Notstandsgebiet den Abbau
 im Tagebau, im Stellenbau und im Tiefbau.
Teils bilden die verschiedenen Abbauarten ein wirtschaftliches
Ganzes, so daß eine Trennung der zu untersuchenden Ziffern, insbesondere
 der Kosten, von vornherein unmöglich ist.
Andererseits sind auf den einzelnen Werken, die verschiedene Ab-Mvarbeh
 verzeichnen, buchtechnisch die Kosten nicht getrennt erfaßt
worden.
Ferner ist bei dem Vergleich der Ziffern 1913 und 1926 zu berücknp,
 daß die Abbauarten zum Teil im Laufe der Jahre gewechselt
aben.
Es lassen sich daher allgemeingültige Ergebnisse kaum erzielen,
da jede Relation der Werke untereinander und der einzelnen Werke in
1913 und 1926 durch die Verschiedenheiten leicht Fehlschlüsse ergeben
würde.
Im Jahre 1913 bezifferte sich die Gesamtförderung auf 1500 000
Tonnen, im Monatsdurchschnitt also 125 000 Tonnen.
Von den der Untersuchung unterliegenden 23 Werken: lagen für
1913 für 11 Werke die Angaben mit einer monatlichen Gesamtdurch-Schnittsförderung
 von 73676 Tonnen bei einer Gesamtbelegschaft von
3881 Mann vor.
Die Leistung je Mann im Monat stellte sich mithin durchschnittlich
auf 18,9 Tonnen.
Die‘ Gesamtdurchschnittsförderung pro Monat bezifferte sich in
1926 auf 67 774 Tonnen bei 3244 Mann Belegschaft.
Demnach entfallen auf den Mann im Monat 20,9 Tonnen Förderung.
. Die Leistungssteigerung je Mann im Monat beziffert sich mithin
in 1926 gegenüber 1913 auf etwa 10,6 °%.
Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die Berichtszeit in 1926 als
Anlaufszeit zu betrachten ist, was auch aus den weiter unten zu behandelnden
 Ziffern für Aus- und Vorrichtung hervorgeht.
Der Monatsdurchschnitt der Förderung im Januar und Februar
1927 stellte sich bereits auf etwa 77250 Tonnen.

iS
        <pb n="135" />
        Von der Gesamtförderung entfallen in 1926 auf die einzelnen Konzerne:


Krupp-Konzern . . + -
Buderus-Konzern  '‘% ® ;
Burger Eisenwerke-Konzern .
Gutehoffnungshütte-Konzern
Preussag-Konzern . ...
Vereinigte Stahlwerke-Konzern .
Hessen-Nass. Hüttenverein-Konzern
Stumm-Konzern . ......
Mitteldeutsche Stahlwerke-Konzern
Haigerer Hütte-Konzern . . ..
Mannesmann-Röhren-Konzern . .
Selbständige Gewerkschaft Raab

36,5 %
13,1
10,9
10,5
6,3 »
8 2
48 ,,
3 2
&amp;gt; »
3
42
100.0 2%

Die Förderrückgänge und Förderzunahmen 1926 gegenüber 1913
der einzelnen vergleichsmöglichen Werke haben ihre Ursachen in geologischen
 und wirtschaftlichen Verhältnissen. Der Rückgang der Förderung
 betrug bei 9 erfaßten Werken in 1926 gegenüber 1913 insgesamt
im Monatsdurchschnitt etwa 29000 Tonnen, die Förderzunahme der
restlichen vergleichsfähigen 2 Werke bezifferte sich auf etwa 1500
Tonnen im Monatsdurchschnitt.
Der Anteil der Anzahl der verfahrenen Schichten für Aus- und Vorrichtungsarbeiten
 an der Gesamtzahl der verfahrenen Schichten betrug
in 1913 im Durchschnitt 15,9 */, und in 1926 17,9%.
Die Werke waren also — im Gesamtbild beurteilt — in 1926 noch
sehr stark in der Aus- und Vorrichtung begriffen, da mit Schluß des
Jahres 1926 die Anlaufszeit noch nicht beendet war.
Die Teufenzunahme liegt bei den einzelnen Werken zwischen 26 m
und 100m in dem Zeitraum von 13 Jahren. Eine durchschnittliche Zunahme
 der Teufe je Jahr zu ermitteln, wäre zwecklos, da diese Ziffern
infolge der verschiedenen Abbauarten kein kritisch zu betrachtendes
Moment bieten würden.
Aus dem vorliegenden Zahlenmaterial ist »eine Steigerung des
Sprengstoff- als auch des Kraftverbrauches. auf die Tonne Förderung
dezogen, zu verzeichnen,
Eine Gegenüberstellung der Verbrauchszahlen 1913 und 1926 führt
zu keinem positiven Ergebnis, da das Resultat durch den Wechsel der
Abbauart zu sehr beeinflußt wäre. Die Steigerung des Sprengstoffverbrauchs,
 die verhältnismäßig gering ist, hat nicht — wie im Siegerland
— ihren Grund in der stärkeren Verwendung von Chloratsprengstoffen
in 1926 gegenüber 1913, sondern ist vielmehr darin zu suchen, daß infolge
 moderner Bohrgeräte usw. die Sprengungen öfter erfolgen.
Die Kraftverbrauchssteigerung liegt auch hier in der größeren
Verwendung von Kraftmaschinen gegenüber 1913 begründet.
Der Anteil der. Aus- und Vorrichtungsarbeiten an der Gesamtzahl
der verfahrenen Schichten liegt, nach Konzernen betrachtet, bei 88,9 °/
der Gesamtförderung des Lahn- und Dill-Gebietes einschließlich Oberhessen
 zwischen 15°% und 25,4 °/.

132
        <pb n="136" />
        Von der Untersuchung habe ich folgende Betriebe, die bereits stillgelegt
 sind bzw. zur Stillegung angemeldet worden sind, ausgeschaltet:
Stangenwage (Vereinigte Stahlwerke-Konzern)
Abendstern (Mannesmann Röhren-Konzern)
Maria (Buderus-Konzern)
Riemannstollen (Buderus-Konzern).

Ferner habe ich das Werk Eisenkaute (Gute-Hoffnungshütte-Konzern)
 ausgeschaltet, da das Vorkommen lediglich aus Spateisenstein
besteht.
Eine Errechnung und Gegenüberstellung der Durchschnitts-Gestehungskosten,
 -Erlöse und -Erträge für 1913 und 1926 birgt — wie
bereits einleitend erwähnt — große Fehler in sich.
Trotzdem habe ich im folgenden versucht, wenigstens die Tendenz
der Entwicklung einigermaßen richtig herauszuschälen:
1913 1926
Die Durchschnittsgestehungskosten je Tonne betrugen
(ohne Abschreibungen) . . 0.0. 00000000 40 He M 8,06 RM 11,09
Die Durchschnittserlöse beziffern sich auf (in 1926 unter
Einbeziehung der Absatzprämie von RM 2,— (je Tonne) „ 11,16 „11,95
Mithin beträgt der Durchschnittsgewinn je Tonne . „8.10 „0,86

Die Gewinnspanne betrug demnach in 1913 durchschnittlich 38,5 °/
und 1926 7,7%; sie ist also um 80% zurückgegangen.
Während die Kosten um 37,6 °/, gestiegen sind, beziffert sich die
Erlössteigerung nur auf 7,1°% (unter Einschluß der Absatzprämie).
Läßt man die Absatzprämie außer Ansatz, so ergibt sich ein Rückgang
 der Verkaufspreise gegenüber 1913 von 10,8 °%.
Trotzdem diese Ziffern infolge der Verschiedenartigkeit der Verhältnisse
 ‚auf den einzelnen Betrieben keinen Anspruch auf generelle
Richtigkeit erheben können, darf doch gefolgert werden, daß die
Kostensteigerung eine Erlössteigerung im gleichen Verhältnis nicht
Nach sich ziehen könnte.
Indexmäßig betrachtet, ist die Kostensteigerung nicht über das
Normalmaß hinausgegangen.
Die Betriebskostensteigerung beziffert sich je Tonne auf 35,9 ur
und die Verwaltungskostensteigerung auf 56,9 %.
Im Gesamtdurchechnitt betrugen die

Betriebskosten je Tonne .
Verwaltungskosten ie Tonne .

1918 1926
M 7,41 RM 10,07
„0,65 » 1,02
” MM 806 RM 11,09

Die größere Steigerung der Betriebskosten gegenüber dem Siegerlande
 hat vor allem ihren Grund darin, daß gegenüber 1913 die Abbauverhältnisse
 sich derart verschoben haben, daß heute mehr im Tiefbau
gewonnen wird.

5%
        <pb n="137" />
        Im übrigen wirkten, soweit Vergleiche möglich waren, als kostenerhöhend
 die gleichen Faktoren wie im Siegerland, insbesondere auch
hier die Steigerung der sozialen Lasten.
Die Beeinflussung der Kosten in 1926 durch die Anlaufszeit macht
sich im Lahn-Dill-Gebiet einschließlich Oberhessen noch stärker bemerkbar
 als im übrigen Teil des Notstandsgebietes.
Die in 1913 erfaßten 10 Werke waren alle gewinnbringend, während
von den in 1926 erfaßten 23 Werken 4 verlustbringend waren. Eins
der Verlustwerke ist zur Stillegung angemeldet, während ein weiteres
sich in 1927 durch Förderzunahme in einen Gewinnbetrieb umwandelte.
Die restlichen beiden Verlustbetriebe von 1926 sind auch in 1927
noch negativ.
An der Gesamtförderung nahmen die Verlustbetriebe in 1926 mit
6,5 °% teil und in 1927 mit 1,8%.
Es wird in 1927 also fast die gesamte Förderung ohne Verlust abgesetzt,
 d.h. jeweils unter Einrechnung der Absatzprämie und ohne
Einbeziehung der Abschreibungen.
1 Auf die Konzerne verteilen sich die Verlustbetriebe in 1926 wie
olgt:
Vereinigte Stahlwerke-Konzern 3° Werke (1927: 1 davon zur
Stillegung angemeldet, die restlichen beiden sind nach wie vor
verlustbringend);
Gute-Hoffnungshütte-Konzern 1 Werk (1927 gewinnbringend).
Abschließend kann zusammengefaßt werden, daß unter Einbeziehung
 der Abschreibungen und der Absatzprämie die Verlustbetriebe
den größten Teil der Förderung ausmachen, und daß bei Abzug der
Absatzprämie kaum ein Betrieb ohne Verlust arbeitet.

B. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse.

Wenn ich nunmehr aus dem vorstehend verarbeiteten umfangreichen
Zahlenmaterial die allgemeinen Schlußfolgerungen zu ziehen versuche,
so zeigt sich, daß die Herausarbeitung grundsätzlicher Vergleiche für
die im großen und ganzen gleichgearteten Verhältnisse des Siegerlandes
 leichter ist als für die große Verschiedenartigkeit der Grundlagen
 im Lahn-Dill-Gebiet, einschließlich Oberhessen. Trotzdem ergeben
sich sowohl beim Vergleich der Ziffern von 1913 und 1926 wie auch
des Ziffernmaterials bei den einzelnen Betrieben und Konzernen untereinander
 gewisse allgemeine Merkmale und Entwicklungslinien.
Bei wertmäßigem Vergleich der Kostenfaktoren zwischen 1913 und
1926 ist grundsätzlich zunächst der Verschiedenartigkeit des Wertmessers
 der Währungseinheit, d.h. also der Vorkriegsmark und der
Reichsmark Rechnung zu tragen. Die überall zu beobachtende Steigerung
 der Gesamtdurchschnittskosten ist wesentlich auf dieses von der
Geldseite herrührende Moment zurückzuführen.

134
        <pb n="138" />
        Darüber hinaus haben kostensteigernd folgende Faktoren gewirkt:
a) Zunahme der Teufe,
b) Zunahme des Kraftverbrauchs,
c) Erhöhung der Strompreise usw. durch die Monopolisierung der
Elektrizitätswerke,
d) Zunahme des Sprengstoffverbrauchs,
e) Steigerung der sozialen Lasten,
f) Erhöhung der konstanten Betriebsunkosten durch Mechanisierung,
g) Erhöhung der Zinsen- und Steuerlasten.
Den kostenerhöhenden Faktoren steht als — allerdings wesentliches
 — kostenverbilligendes Moment die Leistungssteigerung infolge
Mechanisierung und Rationalisierung gegenüber, ohne jedoch die ungünstigen
 Auswirkungen der vorgenannten kostensteigernden Faktoren
auch nur annähernd ausgleichen zu können.
Nach meinen Errechnugen sind im Siegerland die Gestehungskosten
— ohne Einbeziehung der Abschreibungen — um 27,5 °/, gestiegen, im
Lahn-Dill-Gebiet und in Oberhessen um 37,6 °/,.
Auf der Erlösseite zeigt sich, daß im Siegerland — trotz Außerachtlassung
 der Absatzprämie — eine Steigerung des Erlöses gegenüber
1913 um etwa 3,7 °% zu verzeichnen ist‘), daß hingegen im Lahn-Dill-Gebiet
 und in Oberhessen die Erlöse in 1926, ebenfalls ohne Absatzprämie,
 etwa 10,8 °/, unter den Erlösen von 1913 liegen.
Trotz der relativ höher gestiegenen Kosten im Lahn-Dill-Gebiet
und in Oberhessen und des Rückganges des Erlöses gegenüber 1913 ist
die Auswirkung auf den Ertrag absolut kaum ungünstiger als im
Siegerland, da die durchschnittliche Gewinnspanne in 1913 im Lahn-Dill-Gebiet
 einschließlich Oberhessen wesentlich höher war als im
Siegerland (38,5°/, gegenüber 10,7°/, bezogen auf die Gestehungskosten).
Im einzelnen wirken sich natürlich die kosten- und erlössteigernden
und -mindernden Elemente ziffernmäßig bei den einzelnen Gruben und
Konzernen verschieden aus, zumal bis zu einem gewissen Grade ein
Ausgleich in der Hand der Leitung der Konzerne durch Verschiebung
des Verhältnisses der produktiven und unproduktiven Arbeiter (z.B. in
der Höhe des Ausmaßes der Vornahme von Aus- und. Vorrichtung) liegt.
Als wesentlichstes Gesamtergebnis der Untersuchung ist demnach festzuhalten:

Unter Berücksichtigung der unbedingt als Unkostenfaktor zu betrachtenden
 Abschreibungen ist im Durchschnitt in 1926 sowohl im
Siegerland als im Lahn-Dill-Gebiet einschließlich Oberhessen ein Gewinn
 trotz der Absatzprämie nicht erzielt worden. Wohl sind einzelne
 Gruben vorhanden, deren Ergebnis positiv ist, aber die große
Masse der mit Zubußen arbeitenden Werke brinet für den Gesamt-A

 Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, daß sich das Verhältnis auf Rohspat
bezieht, welcher am Gesamtabsatz nur geringfügig beteiligt ist. Vergleicht man
dagegen die Preise für gerösteten Spat, so ergibt sich sogar eine Preissenkung von
etwa 3,9 % gegenüber 19138,

{26
        <pb n="139" />
        durchschnitt ein negatives Ergebnis hervor. Andererseits muß {festgestellt
 werden, daß unter dem Einfluß der Absatzprämien die nackten
Gestehungskosten durchschnittlich eine sinkende Tendenz zeigen, die
im Jahre 1927, soweit geprüft werden konnte, sich noch weiter auswirkt.

Ein abschließendes Endurteil läßt sich naturgemäß erst frühestens
nach der für September 1927 vorgesehenen Beendigung der Hilfsaktion
ozw. bei Heranziehung eines größeren Vergleichszeitraumes mit möglichst
 normalen Zahlen bilden. Aber auch dann wird man den mitbestimmenden.
 Einfluß des Konjunkturverlaufs auf die Gesamtentwicklung
 nicht ausschalten können, zumal bei verstärkter Mechanisierung
infolge größerer Bindung stehenden Kapitals die Konjunkturabhängigkeit
 und Krisenempfindlichkeit erhöht wird.

| 36
        <pb n="140" />
        Nichtöffentliche Sitzung
am Freitag, den 7. Oktober 1927.

Vorsitzender: Welches ist der Wortlaut der Subventionsverträge
für die beiden Notstandsgebiete? Während welcher Zeit waren diese
Subventionen in Geltung, und in welcher Weise werden dieselben zur
Zeit abgebaut?

*) Sachverständiger Arlt: Subventionsverträge bestehen nicht.
Die Hilfsaktion ist auf Grund von Beschlüssen des Reichskabinetts, des
Preußischen Staatsministeriums und der Hessischen Regierung ins Leben
getreten. Sie hat am 1. Juni 1926 begonnen. Es wurden je Tonne abgesetzten
 Erzes 2 RM. Absatzprämie gezahlt, wovon das Reich 1 RM.
und Preußen oder Hessen 1 RM. zu tragen hatten. Die anfangs für sechs
Monate vorgesehene Hilfsaktion wurde bis Ende März 1927 mit der Maßgabe
 verlängert, daß als höchste beihilfefähige Absatzmenge monatlich
250 000 Tonnen festgesetzt wurden, wovon 220 000 Tonnen auf Preußen
und 30 000 Tonnen auf Hessen entfallen. Seit April 1927 ist ein allmählicher
 Abbau der Beihilfen eingetreten, der mit dem Monat September
 1927 beendigt wird auf der Grundlage, daß die Absatzprämie
für April 1,90 RM. betrug, in den Monaten Mai, Juni und Juli um je
0,10 RM., für die Monate August und September um je 0,20 RM. gesenkt
wurde und somit für den Schlußmonat September noch 1,20 RM. beträgt.
Die Beteiligung der Erzeugungsgebiete an der beihilfefähigen monatlichen
 Höchstmenge von 250 000 Tonnen ist seit April 1927 für
das Siegerland auf 160000 Tonnen
für Lahn-Dill ,, 65000 »
für Oberhessen „ 25000

festgesetzt worden.

_ *Sachverständiger Willing: Im Siegerland bestehen Verträge
in juristischem Sinne nicht. Die Hilfsmaßnahmen gründeten sich im
Reich auf einen Beschluß des Reichskabinetts vom 8. Mai 1926")
und in Preußen auf einen Beschluß des Gesamtministeriums vom
29. Mai 1926 und waren an bestimmte Bedingungen geknüpft, deren
wesentlichste die war, daß eine gleichzeitige Herabsetzung der Verkaufspreise
 in dem Ausmaße der staatlichen Zuschüsse erfolgen müsse.

*) Die mit * versehenen Äußerungen sind schriftlich vor der Vernehmung
eingereicht worden.
N Wortlaut siehe S. 188.

37
        <pb n="141" />
        Die Hilfemaßnahmen begannen im Juni 1926 und finden ihr Ende
mit September 1927.
Die Hilfe belief sich zunächst auf 2 RM. je Tonne gefördertes, fertig
aufbereitetes und abgesetztes Roherz und wurde zur Hälfte vom Reiche,
zur anderen Hälfte von Preußen geleistet.
Entsprechend der sich von Monat zu Monat steigernden Förderung
wurde, beginnend vom 1. November 1926 ab, die Unterstützung nur noch
für eine Höchstfördermenge von 250 000 Tonnen, und zwar für 220 000
Tonnen im preußischen Gebiet und 30 000 Tonnen im hessischen Gebiet
vewährt. Der eigentliche Abbau begann mit April 1927 und erfolgte
in der Weise, daß bei einer Kontingentierung von 160 000 Tonnen für
das Siegerland, von 65 000 Tonnen für das preußische Dill- und Lahngebiet
 und von 25 000 Tonnen für Oberhessen
für April 1927
„ Mai 1927
„ Juni 1927
Juli 1927
August 1927
September 1927

zur Auszahlung gelangten.
Für Dill-Lahn-Oberhessen wurden die vorstehend erwähnten Beschlüsse
 des Reiches und des Staates Preußen ergänzt durch einen
Beschluß der hessischen Landesregierung, der den im Gebiete des Freistaates
 Hessen gelegenen Gruben die gleichen Leistungen gewährt, die
Preußen für die preußischen Gebiete bewilligt hat.
Sachverständiger Einecke: Die Verträge sind nicht formuliert.
Die Hilfsmaßnahmen gründen sich auf Beschlüsse des Reichskabinetts,
des preußischen Staatsministeriums und der hessischen Landesregierung.
Nach dem ersten grundlegenden Beschlusse obiger Behörden gewährte
Preußen vom 1. Juli 1926 ab bis auf weiteres dem Erzbergbau des Sieg-Lahn-Dillgebietes
 eine Absatzprämie bis zu einer Höhe von 1 RM. die
Tonne abgesetztes Erz. Das Reich gewährte für das Sieg-Lahn-Dillgebiet
 und für Oberhessen den gleichen Betrag. Der Freistaat Hessen
bewilligte gleichzeitig für den Erzbergbau Oberhessens 1 RM. pro Tonne.
Zwischen den beteiligten Reichs- und preußischen Ressorts wurde
im Dezember 1926 vereinbart, die Hilfsaktion für die bisher betroffenen
Gebiete bis zum Ende des Rechnungsijahres 1926 — d. i. der 31. März
1927 — fortzusetzen, und zwar mit der Einschränkung, daß die Beihilfen
 vom 1. November 1926 ab unter Zugrundelegung einer Höchstförderung
 von monatlich 250 000 Tonnen gewährt werden soll, von denen
220 000 Tonnen auf Preußen und 30 000 Tonnen auf Hessen entfallen.
Durch Überschreitung des Kontingentes von 220 000 Tonnen im preußischen
 Gebiet reduzierte sich automatisch die vorgesehene Abbauprämie.
Der Abbau der Subvention begann am 1. April 1927 und erfolgte in
folgender. Weise:

April...
Mai. . 2.
Juni
Juli...
August . . .
Jentember . .

1,90 RM
1,30 ”
170
1,60
1.40»
'90

A ZR
        <pb n="142" />
        Ende September 1927 sollte die gesamte Unterstützungsaktion beendet
 sein. Bei dem Abbau ist vorgesehen, daß die 220 000 Tonnen des
preußischen Gebietes und 30 000 Tonnen des hessischen Gebietes, zusammen
 250000 Tonnen des Notstandsgebietes derart unterverteilt
würden, daß auf das Siegerland 160 000 Tonnen, auf das preußische
Lahn-Dillgebiet, 65 000 Tonnen und auf Hessen 25 000 Tonnen entfielen.

Vorsitzender: Welches war die Gesamtförderung in den
Jahren 1909 bis 1913 und in den Jahren 1924 bis 1926, bezogen auf den
Kopf der Belegschaft?

*Sachverständiger Willing: Die Gesamtförderung im Gebiete
des Berg- und Hüttenmännischen Vereins zu Siegen, bezogen auf den
Kopf der Belegschaft, betrug in den Jahren:

Jahr

jährlich | monatlich | je Mann und
Schicht .

1909 174,5
1910 188,9
{911 198,0
[912 216,1
1913 283,6
1924 168,9
1925 | 205,8
1926 210.8

5

&amp;gt;
7

0,581
0,630
0,648
0,720
0,779
0,568
0,683
0.701

1
°0

17,4
{75

Zur Ergänzung seien noch für das Jahr 1927 folgende Zahlen
Segeben:

1927 je Mann und Schicht i. t
I. Vierteljahr. . 0,84
Il. n . . 078
Juli 200.000. 6,7
August . . 0.77

Im Bezirke des Berg- und Hüttenmännischen Vereins Wetzlar betrug
 die Gesamtförderung, bezogen auf den Kopf der Belegschaft:

Im Jahre 1909. 166 Tonnen
1910 . 181
1911. . 194
1912. . 209
1913. . 218
[924 . . 154
1925. . 212
1926. . 9219

”
zu

Vorsitzender: Wie groß war die Förderung derjenigen
Werke, die 1926 noch in Betrieb waren, in den Jahren 1909 bis 1913 und
1924 his 1926 (Angabe der Förderung in versandfähigem Rohmaterial
und je Kopf der Belegschaft) ?

RC
        <pb n="143" />
        *Qachverständiger Willing: Die im Jahre 1926 im April im
Siegerland noch in Betrieb befindlichen 13 Gruben haben gefördert:

Jahr

1909
1910
1911
1912
1913

1924
1925 .
926

Förderung

Tonnen

754 478
824 586
877 366
992 611
ı 045 998

|

475 754
676 469 |
814 887

Ta Kapf der Bele-schaft
je Mann und
Schicht
Tonnen

je Jahr | je Monat
Tonnen "Ponnen

165,4
170,6
180,2
202,2
2103

13,8
14,2
15,0
16,9
175

0,551
0,569
0,600
0,674
0.701

177,8 14,8 0,598
228,2 | 19,0 | 0,761
9490 20.8 0.830

Es waren zur Zeit des Tiefstandes 1926 im Lahn-Dill-Oberhessenyebiet
 noch in Betrieb 25 Gruben. Diese haben gefördert:

Tahr

1909
910
911
1912
1918

1924
1925
1926

‘ Je Kopf der Be-Förderung
 legschaft
und Jahr

825 120
251 139
L 072 843
1 027 656
| 194 104

169
196
206
215
218

495 568 162
769 691 206
661 155 2923

Vorsitzender: Um wieviel Werke hat sich die Zahl der
arbeitenden Betriebe vermehrt, und wie groß ist die Förderung dieser
hinzugekommenen Betriebe (absolut und je Kopf der Belegschaft) ?
*3achverständiger Willing: Im Monat April 1926 waren im
Siegerland noch in Förderung 13 Werke, während im August d. J. die
Zahl der fördernden Gruben 31 betrug. Die Zahl der arbeitenden Werke
hat sich also um 18 vermehrt. Diese 18 Betriebe haben erzeugt: 125 239
Tonnen Spateisenstein je Monat bei einer Leistung von 0,76 Tonnen je
Kopf der Belegschaft und Arbeitstag, oder 19 Tonnen je Kopf und
Monat.
1926 waren im Dill-Lahn-Oberhessengebiet im April 25 Gruben in
Betrieb. Im Juli 1927 dagegen 48. Auf den 23 hinzugekommenen
Werken wurden im Juli 1927 gefördert 17 769 Tonnen entsprechend einer
Leistung von 20.4 Tonnen je Mann und Monat.
Vorsitzender: Wie groß ist die Leistungssteigerung je Mann
im Monat in den Jahren 1924, 1925, 1926 gegenüber dem Monatsdurchschnitt
 1909 bis 1913 und 1913?

Ai}
        <pb n="144" />
        *Sachverständiger Willing:

Leistung je Mann it

Monatsdurchschnitt

1909—1918
1913
1924
1925
1926
|. Quartal 1927

Steigerung bzw.
7allen d. Leistung
gegenüber
1909/1918
1924
1925
1926
L. Quartal 1927

Siegerland

16,8
19,4
14,1
17,1
17,5
21.0

—2,7
+0,38
40,7
4142

Lahn - Dill-Oberhessen


16,1
18,2
12,8
17,7
18:2

—38,3
+1,6
+21

Steigerung bzw.
Fallen der Leistung
gegenüber 1918
1924 —5,8 —5,4
1925 —2,3 —0,5
1926 —1,9 0
1. Quartal 1927 + 1,6

Vorsitzender: Ist diese Leistungssteigerung in erster Linie
auf geologische Verhältnisse (Vorkommen, Gangfläche, Verquarzung usw.)
Oder auf Rationalisierung und Mechanisierung zurückzuführen?

*Sachverständiger Willing: In den geologischen Verhältnissen
des Siegerländer Spateisensteinbezirkes ist im ganzen betrachtet eine
nennenswerte Verschiebung nicht festzustellen. Wohl haben sich einzelne
 Vorkommen verschlechtert, dafür haben andere sich gebessert.
Nach meiner Kenntnis überwiegen die Verschlechterungen unter Bemücksichtigung
 der erheblichen Teufenzunahme in dem . Berichtsabschnitte


Eine Leistungssteigerung ist erst in der zweiten Hälfte 1926 fest-Zustellen.
 Sie beruht ausschließlich auf Rationalisierung und Mechani-Sierung
 der Betriebe. Kleinere unwirtschaftlich arbeitende Gruben
Wurden endgültig stillgelegt und die weiterbetriebenen Werke ausgebaut,
die Förderung konzentriert, und nach Möglichkeit menschliche Arbeitskraft
 durch Maschinen ersetzt.
Im einzelnen sei erwähnt die günstige Wirkung der Einführung des
Schnellschlagbohrhammers mit einer um 25 ° höheren Leistung und der
Wiedereinführung der zweigeteilten Schicht über Tage.

WO Enq.-Aussch. III. Rohstoffvers, d. deutsch. eisenerzeug. Ind.
        <pb n="145" />
        Auch in dem Gebietsteile Lahn-Dill-Oberhessen ist das Bestreben
unverkennbar, die maschinelle Ausstattung der Betriebe zu verbessern
und zu vervollständigen. Daneben läuft. eine Konzentrationsbewegung,
die sich im Abwerfen einer ganzen Anzahl nicht dauernd lebensfähiger
Gruben kenntlich macht. In weit größerem Ausmaße als im Siegerlande
besteht bei dem Lagerbergbau dieses Bezirkes die Möglichkeit,
schlechtere Teile des Vorkommens stehen zu lassen und nur die besten
Partien hereinzugewinnen, eine Möglichkeit, von der weitgehend Gebrauch
 gemacht wurde und wird.
*Sachverständiger Arlt: Wie die Beantwortung der Frage ergibt,
ist gegenüber der Leistung von 1913 in den Jahren 1924 bis 1926 im
Siegerland durchweg ein Leistungsrückgang eingetreten, nur gegenüber
dem Durchschnitt 1909 bis 1913 ist in 1925 und 1926 eine Leistungssteigerung
 zu verzeichnen.
Dagegen ist für die zweite Hälfte 1926 (als Folge der Hilfsaktion)
eine Leistungssteigerung gegenüber 1913 von 1,1 Tonnen eingetreten.
Sie beruht in der Hauptsache auf Rationalisierung und Mechanisierung;
eine nennenswerte Veränderung der geologischen Verhältnisse liegt
nicht vor. Die Zunahme der Teufe mit durchschnittlich 14,5 m jährlich
seit 1913 konnte in ihren Wirkungen durch die fortgeschrittenen Rationalisierungen
 und Mechanisierungen ausgeglichen werden.
Auch im Lahn-Dill- und Oberhessengebiet liegt gegen 1913 in den
Jahren 1924 und 1925 ein Leistungsrückgang vor, während 1926 dem
Jahre 1913 gleichkommt; gegenüber dem Durchschnitt 1909 bis 1913
ist in 1925 und 1926 eine Leistungssteigerung vorhanden.
Die Hilfsaktion hatte in der zweiten Hälfte 1926 auch hier eine
Leistungssteigerung zur Folge, die sich gegenüber 1913 auf 0,7 Tonnen
je Mann und Monat stellte und, da die Anlaufzeit bei Lahn und Dill
länger dauerte als im Siegerland, gegenwärtig wahrscheinlich noch
höher ist. Die Leistungssteigerung ist trotz Verschlechterung der Gewinnungsverhältnisse
 durch Rationalisierung und Mechanisierung erreicht
 worden. Insbesondere ist durch Konzentration (Abwerfen der
nicht dauernd lebensfähigen Gruben und Lagermittel und stärkere Belegung
 der ergiebigeren Lagerstättenteile) die Leistung verbessert
worden.
*Sachverständiger Einecke: Daß die Vorkriegsleistung trotz
Verschlechterung der Gewinnungsverhältnisse erreicht ist, ist nur durch
das Abwerfen weniger guter Gruben und Lagermittel und durch stärkere
Belegung und Abbau bester Lagerstättenteile ermöglicht worden.
Nebenher ging eine starke Mechanisierung der Betriebe durch große
Kompwpressor-, Aufbereitungsanlagen u. dgl. Hand in Hand.
Vorsitzender: Welchen Anteil an der Gesamtförderung des
Siegerlandes hatten 1913 die nachstehend genannten Konzerne resp.
die heute zu den Konzernen gehörenden Werke:
Vereinigte Stahlwerke-Konzern,
Krupp-Konzern,
Hoesch-Konzern,
Selbständige Gewerkschaft Pfannenberger Einigkeit,
Storch- und Schöneberg-Konzern,

(47
        <pb n="146" />
        Friedrichshütte-Konzern,
Henschel-Konzern,
Mitteldeutsche Stahlwerke-Konzern,
Mannesmann-Röhren-Konzern,
Lothringen-Konzern.

*Sachverständiger Willing: Im Jahre 1913 hatten die heute zu
den nachstehend aufgeführten Werken gehörenden Gruben folgenden
prozentualen Anteil an der Gesamtförderung:
Vereinigte Stahlwerke . . . 34,68 % Friedrichshütte . . . . .. 2,78%
Hoesch. ........ 11,16% Henschel‘'&amp;amp; Sohn. .... 239%
Krupp + 00.0.0... . 21,98% Mitteldeutsche Stahlwerke. . 1,28%
Pfannenberger Einigkeit . . 7,04% Mannesmann, ...., . 3,39%
Storch &amp;amp; Schöneberg . . . 10,56% Lothringen . . ..

Vorsitzender: Welche selbständigen Gewerkschaften bestanden
 1913 neben den obengenannten Konzerngruben und sonstigen
Gruben und wie groß war der Anteil an der Gesamtförderung?
*Sachverständiger Willing: Über die Besitzverhältnisse und die
bestehenden selbständigen Gewerkschaften sowie ihren Förderanteil im
Jahre 1913 gibt die nachstehende Tabelle Auskunft:

Name der Gruben

Ameise
Bautenberg

Brüderbund

Eisernh.
Freier Gr. Bergw.
Verein

Friedrich
Große Burg
Heinrichsglück

Neue Haardt

Petersbach
Silberwiese

Vereini ung
Stahlbere
Wernsberg
Mocke
St. Andreas
Eiserne Haardt
Eiserner Union

Förderanteil
 in
%

1918

2,06
3,22

310

1,87
1.36

2,12
82

2.98

3.68

5,58
1.28

7,32

4,21
0,49 |
164

Selbständige
Gewerkschaft

(913 | 19926

ja
ja

nein
ja

"a

:a

ja
18 |

ja
38

nein
nein
ja

nein
nein
ja

ja

nein |
ja

nein
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nein |
nein

nein
nein

ja
ni
1
_
ja |

nein
nein
nein
nein
nein

Besitzverhältnisse

1913 1 1927 |

ıVersch.Gewerke| Ver. Stahlwerke
Majorität im Besitz
 der Ver.
Stahlwerke
Kuxe im Besitz
der Ver. Stahlwerke


Versch. tewerke

”
Majorität im Besitz,
 der Ver.
Stahlwerke
Ver. Stahlwerke

Deutsch.-Lux.

” ” ; »”
Versch. Gewerkei Majorität im Besitz
 der Ver,
Stahlwerke
Kuxe im Besitz
derVer. Stahlwerke

Ver. Stahlwerke
Kuxe im Besitze
der Ver. Stahlwerke

Ver. Stahlwerke
Ver, Stahlwerke

Köln-Müsener
Hütte
Versch. Gewerke
WissenerEisenh.
Versch.Gewerke

+3
m
x.
        <pb n="147" />
        Name der Grube

Knappschaftsglück

Lohmannsfeld
Ver. Henriette

Rex
Bindweide

Eupel
Friedrich Wilhelm
Füßeberg
Georg
Hücksbrunnen

Louise
Bollnhbach

Wolf

Alte Dreisbach
Jacobskrone
Vereinigte
Borgholzhausen
Wilbelmine

Alter Füßeberg

Giülberg
Gisenezscher Zue

Pfannenberger !
Einigkeit
Storch&amp;amp;Schöneberg
San Fernando |
Victoria
Reichensteiner Berg

Neue Hoffnung
Vahlberger Zug
Zufällig Glück

Werner

Förderanteil
 in‘
WA

1918 |

0,06
0,37
1.45

363

3,12
1,71
1,16
144

2 44

A 89

61

2,39
261

0.05

0,67
1.16

7.04
10,56
2,78 |

0,13
0.95

|
» 88

0,57

Selbständige
Gewerkschaft

1913 | 1926

in

|

12

ja
in

nein
ia

ja
nein

nein
nein

nein |
nein
nein
nein
ja

nein
nein
nein
nein
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nein
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ja
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ja
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ja

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nein

ja

nein

nein
ja

nein

ja
2.

ja
19,

nein

nein

Besitzyerhältnisse

1918

|

1927

Versch. Gewerke

Besitz der Ver,
Stahlwerke
Ver. Stahlwerke
Kuxe im Besitz
der Ver. Stahlwerke

Ver. Stahlwerke
Sieg-Lahn-Bergbau
 G. m. b.H.

n - ”
Friedr. Krup
A.-G P

Majoritätim Besitz
 von Krupp

”
Majorität im Besitz
 von Sieg-Lahn-Bergbau

Sieg-Lahn-Bergbau

Majorität im Besitz
 von Sieg-Lahn-Berg-


Kuxe im Besitz
der Sieg-Lahn-Bergbau

Tenschel &amp;amp;Sohn

Friedr. Krupp
A. G.
Majoritätim Besitz
 von Krupp

Jersch.Gewerke

Majorität im Besitz
 Mannesmann

Kuxe im Besitz
von Mannesmann

3
Eisen-Kuxe im
Besitz von
Hoesch
Versch.Gewerke
Bremerhütte
A.G.
Friedrichshütte
Gerres ;
Gutehoffnungshütte

Röchlin
Auteholthnngshütte

Einvestellt

»” »”
Kuxe im Besitz
von Stahlw.
Hoesch
Versch. Gewerke

Wriedrichshütte
Mark Westf,
Bergw. Verein
Gutehoffnungshütte

Versch. Gewerke

se

Westf, Eisen- u.
Drahtwerke
Applerbeck
Friede. Krupp
AG

Sieg-Lahn-Bergbau
 GmbH

A
        <pb n="148" />
        *Qachverständiger Arlt: Im Jahre 1913 bestanden im Siegerland
31 selbständige Gewerkschaften, deren Kuxe sich in den Händen zahlreicher
 Gewerken befanden. Die Konzernbewegung hat den größten
Teil dieser selbständigen Gewerkschaften aufgesogen, so daß sie heute
entweder reine Konzernwerke sind oder ihre Kuxe ganz oder wenigstens
in der Mehrheit im Besitz der vorgenannten Konzerne sind, Der Anteil
dieser Gewerkschaften an der Gesamtförderung 1913 ist gemäß Frage 7
in den Zahlenangaben bei den einzelnen Konzernen mitenthalten.
Daneben sind als selbständige Gewerkschaften für 1913 noch aufzuführen:

Pfannenberger Einigkeit mit . . . . +.
(Ist in Frage 7 als Konzern bezeichnet, ist aber
heute noch selbständige Gewerkschaft, deren
Kuxe in verschiedenen Händen sind)
Neue Hoffnung mit. + 000. 0004 4 8 HH
Zufällig Glück (jetzt eingestellt) mit. . + +
der Gesamtförderung.
Vorsitzender: Welcher Anteil an der Gesamtförderung des
Lahn-Dillgebietes entfiel 1913 auf die nachstehend benannten Konzerngruben
 oder die heute zu den Konzernen gehörenden Werke:
Krupp-Konzern,
Buderus-Konzern,
Burger Eisenwerke-Konzern,
Gutehoffnungshütte-Konzern,
Preussag-Konzern,
Vereinigte Stahlwerke-Konzern
Hessen Nassaulscher Hüttenrevier-Konzern,
Stumm-Konzern,
Mitteldeutsche Stahlwerke-Konzern,
Mannesmann-Röhren-Konzern,
Selbständige Gewerkschaft Raab.
*Sachverständiger Willing: Der Anteil der augenblicklich zu
nachstehenden Werken gehörigen Gruben war im Jahre 1913 der
folgende:
Kru HR m En
Daderes u nk
Burger Eisenwerke
Gutehoffnungshütte
Preussag . 2.0.0.0
Vereinigte Stahlwerke 383.2%

Vorsitzender: Welche selbständigen Gewerkschaften bestanden
 19138 neben den oben genannten Konzerngruben und sonstigen
Gruben, und wie groß war der Anteil ihrer Förderung an der Gesamtförderung?

*Sachverständiger Einecke: An selbständigen Gewerkschaften
bestanden im Jahre 1913:
Niederrheinische Hütte, Duisburg-Hochfeld
Gebr. Lossen, Bendorf
Giebelersche Bergverwaltung
Gewerkschaft Flick
Gewerkschaft Gilsahaag
Bergassessor Petry, Gießen

N -
        <pb n="149" />
        *Sachverständiger Willing: Von den Gruben des Dill-Lahn-Oberhessischen
 Gebietes wurden 1913 eine große Anzahl in gewerkschaftlicher
 Form betrieben. Entsprechend genaue Unterlagen, wie ich
sie für das Siegerland besitze, stehen mir für dieses Gebiet nicht zur
Verfügung und waren in der Kürze der Zeit nicht zu beschaffen.
Neben den in Frage 9 behandelten Werken betrieben noch Bergbau
in diesem Teilgebiet:
Bankhaus Giebeler in Siegen,
Niederrheinische Hütte in Duisburg, * 8 ;
Gewerkschaft Flick,
Petry, Gießen,
Die Liste kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen.
Etwa ein Drittel der im Gebiete entfallenden Gesamtförderung
wurde von den in Frage 9 nicht erfaßten Gruben aufgebracht.
*Sachverständiger Arlt: Im Lahn-Dillgebiet bestanden 1913 noch
die folgenden selbständigen Gewerkschaften:
Raab,
Niederrheinische Hütte,
Gebr. Lossen,
Giebelersche Bergverwaltung,
Flick,
Gilsahaag,
Petry

Der Anteil an der Gesamtförderung betrug bei der Gewerkschaft
Raab 1,8 °%; für die übrigen Gewerkschaften waren die Zahlen nicht
nehr zu ermitteln.
Vorsitzender: Welche Gründe veranlassen die Fortführung
der Betriebe in den auch jetzt noch mit Verlust arbeitenden Gruben?
Wäre eine Stillegung dieser Gruben für die deutsche Wirtschaft tragbar?
 Welcher Ausfall in der deutschen Erzförderung (bezogen auf
Fe-Einheiten) wäre mit Stillegung dieser Gruben zu erwarten?
*Sachverständiger Einecke: Die verlustbringenden Gruben
werden in Betrieb gehalten, weil einmal bessere Aufschlüsse in der
Grube, bessere Preise und Erleichterungen auf dem Gebiete der
Frachten und sozialen Lasten erhofft werden. Weiterhin würde eine
Stillegung dieser Verlustbetriebe ohne weiteres einer Vernichtung der in
‚:hnen angelegten Kapitalien und der anstehenden Erzmengen (Nationalvermögen)
 gleichkommen.
Nach Fortfall der Subvention und unter Einrechnung der Amortieation
 und Abschreibung arbeitet der größte Teil der Gruben bei den
anormal niedrigen Erzpreisen mit Verlust. Ihre Stillegung würde einen
schweren Schlag für die deutsche Wirtschaft bedeuten, weil Ersatzerze
aus dem Ausland eingeführt werden müssen und dadurch die schon bestehende
 Abhängigkeit vom Auslande noch vergrößert wird, weil ferner
völlige Arbeitslosigkeit in den Bergbaudistrikten eintritt, die mangels
anderer Arbeitsgelegenheit für die bodenständige Bevölkerung nicht behoben
 werden kann. Der Ausfall würde bei dem jetzigen Stande der
Förderung rund eine halbe Million Tonnen Fe-Einheiten enthalten.

‘46
        <pb n="150" />
        *Sachverständiger Arlt: Durch die Übernahme der früheren
selbständigen Gewerkschaften seitens der Konzerne ist auch für eine
Reihe mit Verlust arbeitender Gruben die Fortführung des Betriebes
gesichert. Die Gründe dafür liegen einerseits in den erheblichen Kapitalien,
 die in den Betrieben investiert sind und die bei einer Stillegung fast
restlos verlorengehen würden, andererseits in den anstehenden Erzen,
die bei einer Stillegung den Konzernen fehlen würden und vom Ausland
hereinbezogen werden müßten; auch befinden sich einige Werke, die
mit Verlust abschließen, noch im Stadium des Aufschlusses.
Aus den gleichen Gründen sollen auch im Lahn-Dillgebiet die ungünstig
 dastehenden Betriebe fortgeführt werden. Allgemein ist zu
bemerken, daß nach Beendigung der Hilfsaktion unter Berücksichtigung
der Verzinsung und Amortisation der investierten Gelder nur wenig
Gruben einen Gewinn abwerfen. Dies liegt hauptsächlich in der Höhe
der sozialen Lasten (etwa 415 °% gegen 1913),
der Löhne,
der Eisenbahnfrachten (120 bis 123°. der Vorkriegshöhe)
 und
der Kraftkosten.
Nur wenn es gelingt, auf diesen Gebieten Erleichterungen und Ermäßigungen
 zu erzielen, wird auf die Dauer eine wirtschaftliche Fortführung
 des Betriebes der meisten Gruben möglich sein. Die betrieblichen
 und technischen Grundlagen für eine rationelle Fortführung sind
durch die mit Hilfe der Absatzprämien geschaffenen Verbesserungen der
Anlagen und ausreichend betriebenen Aus- und Vorrichtungsarbeiten in
den meisten Fällen gegeben.
Die Einstellung der Betriebe würde, wie schon die Schwierigkeiten
der letzten Jahre gezeigt haben, Arbeitslosigkeit für die Bergarbeiterbevölkerung
 sowie wirtschaftlichen Rückgang für die betroffenen Gebiete
 zur Folge haben; sie würde ferner dazu zwingen, Erze aus dem
Auslande einzuführen und so die Abhängigkeit Deutschlands vom Auslande
 noch vergrößern. Eine Stillegung würde für die deutsche Wirtschaft
 daher schwer tragbar sein.
Das Siegerland liefert der deutschen Hochofenindustrie jährlich
4 Millionen Tonnen Eisenerze mit etwa 1*/, Millionen Tonnen Metallgehalt.
 Der Anteil von Lahn-Dill und Oberhessen an der Erzlieferung
ist auf etwa *!/. Million Tonnen Fe-Einheiten zu bemessen. Da nach
vorstehenden Ausführungen einzelne Gruben, deren Stillegung in Aussicht
 zu nehmen wäre, sich nicht herausgreifen lassen, kann auch ein
Anteilmäßiger Ausfall in der deutschen Erzförderung nicht dargestellt
werden.

*Sachverständiger Willing: Die Aufrechterhaltung derjenigen
Gruben, die auch jetzt noch mit Verlust arbeiten, gründet sich in der
Hauptsache darauf, daß die Grundlagen des Bergbaus im Notstandsgebiete
 an sich gesund sind, in den Werken immerhin erhebliche
Kapitalien investiert sind, und die manganhaltigen Erze in Zeiten, in
denen Deutschland vom Weltmarkt mehr oder weniger abgeschlossen ist,
zur Stahlerzeugung unentbehrlich erscheinen.
        <pb n="151" />
        Wohl alle Beurteiler, die sich mit dem Notstandsgebiete eingehend
befassen, müssen zu der Überzeugung gelangen, daß es unbedingt möglich
 ist, die Lebensfähigkeit der Werke dauernd sicherzustellen, wenn
bei den Selbstkostenfaktoren, die einer Einwirkung der Leitung der
Betriebe mehr oder weniger entzogen sind, Maß und Ziel gehalten wird.
Es sind dies
1. die Löhne,
2. die sozialen Lasten,
3. die Eisenbahnfrachten,
4. die Kraftkosten.

Die Soziallasten sind durch die neue Gesetzgebung ohne Berücksichtigung
 der Tatsache, daß im Eisenerzbergbau von einem Arbeiter
nur ein relativ geringer Wert erzeugt werden kann, gleichmäßig als
Kopfbelastung festgelegt und haben eine Höhe von 415 °/, der Vorkriegssätze
 erreicht. Sie verschlingen bei der Produktion unseres Gebietes
'/. bis */, des Umsatzwertes der erzeugten Güter. Daß eine solche Belastung
 auf die Dauer unerträglich erscheint, kann nicht wundernehmen,
and es muß — auf lange Sicht — erstrebt werden, durch eine differenzierte
 Erhebung der Beiträge die Schlüsselindustrie zu entlasten. Der
Anteil der Löhne einschließlich der Soziallasten an den Selbstkosten
ist so hoch (57 bis 60), daß schon jede kleine von den Schlichtungsstellen
 erzwungene Lohnerhöhung sich außerordentlich stark auf die
Selbstkosten auswirkt, bei der Verflechtung mit dem Welterzmarkt aber
aicht durch Preiserhöhungen ausgeglichen werden kann, ohne den Radius
des Absatzgebietes erheblich zu verkleinern.
Die Frachten mit ihrer Höhe von 120 bis 123 °/, der Vorkriegssätze
wirken sich in demselben Sinne aus und bringen die Erzeugung des Gebietes
 ins Hintertreffen gegenüber den Auslandserzen, die großenteils
auf dem Wasserwege hereinkommen und erhebliche tarifmäßige Verzünstigungen
 auf der Bahn genießen.
Die Kraftkosten sind abhängig von der Festsetzung der Preise mehr
der weniger monopolisierter Zentralen und bedürfen ebenfalls dringend
ainer Ermäßigung.
Wenn daneben einige wenige Werke mit größeren Verlusten arveiten,
 so liegt das daran, daß sich diese Gruben erst im Stadium des
Aufschlusses befinden oder in ihrer maschinellen Ausstattung noch
zurück sind.
Das Niveau der Gestehungskosten ohne Verzinsung und Amortisation
 liegt im großen Durchschnitt nur um eine ganz geringe Spanne
anter den Verkaufspreisen. Es bedeutet dies, daß die Gruben fördern
können, an eine Verzinsung der investierten Kapitalien aber nicht zu
lenken ist und Substanz und Kapital langsam aufgezehrt werden.
Wenn daneben einige Werke mit größeren Verlusten arbeiten, so
liegt das daran, daß sich diese Gruben erst im Stadium des Aufschlusses
befinden oder in ihrer maschinellen Ausstattung noch zurück sind.
Die betreffenden Verwaltungen halten diese Gruben aus der Überzeugung
 heraus, sie durch weiteren Ausbau noch auf das Durchschnittsniveau
 heben zu können.

4
        <pb n="152" />
        Vorsitzender: Ich frage Herrn Ministerialrat Arlt, ob er zu
den ergangenen Ausführungen noch etwas hinzufügen will?
Sachverständiger Arlt: Die Ziffernangaben über die Förderleistung
 sind richtig. In der ersten Hälfte des Jahres 1927 haben sich
die Maßnahmen der Rationalisierung mit Hilfe der Staatsunterstützung
noch weiter geltend gemacht. Es sind weitere Fördersteigerungen eingetreten.
 Mit einer Förderleistung von über 208 000 Tonnen im Monat
März 1927 ist der Durchschnitt vor dem Kriege mit 219 000 Tonnen fast
erreicht. Es ist zweifellos, daß die Staatssubventionen in den betreffenden
 Gebieten in jeder Beziehung gut gewirkt haben. Die Lage der
Gruben war bergmännisch folgende: Vor dem Kriege waren Aus- und
Vorrichtungsarbeiten eine Selbstverständlichkeit. Diese Arbeiten
mußten unter dem Zwange des Krieges zurückbleiben. Daraus war in
erster Linie der Notstand dieser Erzbezirke entstanden. In der Nachkriegszeit,
 in der sich die Schwierigkeiten. sowieso häuften, mußten nun
diese unproduktiven Arbeiten nachgeholt werden. Die Folge war Rückgang
 der Förderung. CHeichzeitig! waren die Betriebsleitungen bemüht,
die Errungenschaften der modernen Technik auch in den Erzbergbau
einzuführen. Früher sah eine Erzgrube im Siegerland gegenüber den
heutigen Verhältnissen recht primitiv aus. Heute sind moderne Fördermaschinen
 vorhanden und neuzeitliche und gut arbeitende Aufbereitungen
 gebaut worden: auch unter Tage sind die maschinellen Hilfsmittel
sehr weit ausgebaut worden. Maschinelle Bohrarbeit wird heute allgemein
 angewendet. Das hat dazu beigetragen, die Förderleistung
zu heben. Es ist bedauerlich, daß die hierdurch bewirkte KErniedrigung
 der Selbstkosten wieder aufgezehrt worden ist durch die
Steigerung der sozialen Abgaben, insbesondere durch die Erhöhung der
Knappschaftsgefälle, Die Frage bewegt ständig die Regierung, wie hier
geholfen werden kann. Bis jetzt sind! es insgesamt 6,7 Millionen Mark,
die das Notstandsgebiet bekommen hat, und zwar als Kapital, nicht als
verzinsliches Darlehn oder mit der Verpflichtung der Rückerstattung.
Wir haben in der ersten Hälfte dieses Jahres durch die Deutsche Revisions-
 und Treuhandgesellschaft A.-G. eine eingehende Überprüfung
der wirtschaftlichen Betriebsverhältnisse vornehmen lassen; das Ergebnis
 war, daß tatsächlich sämtliche Gruben ohne wirtschaftlichen
Gewinn arbeiten, wenn man die Abschreibungen nicht berücksichtigt.
Nun sind vom Siegerland verschiedene Vorschläge in der Richtung ge-Macht
 worden, daß die Regierung weitere Hilfe geben soll. Die Vor-Schläge
 liegen in dreierlei Richtung. Man sucht, gewisse Steuererleichterungen
 zu bekommen, bittet zweitens um Erleichterung und
Nachlaß der Soziallasten beim Reichsarbeitsminister, aber am
Wichtigsten ist zweifellos eine Lösung der Frachttariffrage des Siegerlandes.
 Wir stehen mitten in der Bearbeitung der Dinge. Von der
Reichsbahngesellschaft ist bisher zu dem Antrag des Siegerlandes noch
keine Antwort ergangen. Die Reichsbahngesellschaft hat im vergangenen
 Jahre ein gewisses Entgegenkommen gezeigt, dann aber doch
Wieder einen ablehnenden Standpunkt eingenommen. Es ist zweifellos,
daß nur auf dem Gebiete des Tarifwesens und Ermäßigung der sozialen
Lasten dem Siegerland dauernd geholfen werden kann.
        <pb n="153" />
        Vorsitzender: Welche besonderen Gründe sind es, die das
Siegerland verhindern, einen Preis zu bekommen, der seine Produktions
kosten deckt? Hängt das damit zusammen, daß die Konzerne, die die
Abnehmer des Erzes sind, zugleich auch die Beherrscher der Siegerländer
 Eisenproduktion wenigstens zu einem guten Teile sind, so daß
sie ein besonderes Interesse daran haben, die Preise niedrig zu halten?
Sachverständiger Arlt: Ich glaube, das liegt an der Weltmarktpreisgestaltung.
 Die allgemeine Erzproduktion ist heute so reich, die
Frachten sind so billig, das Siegerländer Erz muß sich aber nach den
Auslandepreisen richten,
Vorsitzender: Der Eisenerzbau im Siegerland ist ja nicht
sehr ergiebig?
Sachverständiger Arlt: Nein! Das liegt an den geologischen
Verhältnissen. Die Eisenerzvorkommen des Siegerlandes sind Gänge,
mit Erz ausgefüllte Spalten der Erdkruste, die sich von zehn zu zehn
Metern in ihrer Beschaffenheit ändern können und die sich tatsächlich
in den verschiedenen Sohlen sehr häufig ändern. Es treten dabei die
unangenehmen Verquarzungen ein. Die Spalte, in der das Erz sein
müßte, ist nicht durch reines Erz ausgefüllt, sondern mehr oder weniger
mit Quarz. Es kommen auch Kupfererzeinbettungen vor, Kupferkiesbestandteile,
 die sehr unangenehm sind. So ist der Bergbau in der
dortigen Gegend immer wechselnd; gleichmäßig bleibt er nie. Hinzu
kommt: Der Siegerländer Bergbau ist sehr alt. Die produktiven Gruben
sind alle schon sehr tief und an die Tausendmetergrenze herangekommen,
 ja, gie haben diese Grenze schon überschritten. Dadurch
steigern sich die Kosten nicht mehr gleichmäßig, so daß dieser Bergbau
 die besten technischen Mittel anzuwenden hat. Eine gewisse Hoffnung
 ist allerdings vorhanden. Seit vielen Jahren besteht das Projekt,
die Wiedtalbahn zu bauen. In diesem Teil des Siegerlandes oder
Westerwaldes sind noch Erzgruben vorhanden, die erst zu einem
geringen Teil ausgebeutet und dann stillgelegt worden sind, weil die
Verkehrsverhältnisse ungünstig waren. In diesem Gebiet liegen noch
gewisse Reserven.
Vorsitzender: Es sind also ausgesprochene Weltmarktverhältnisse,
 die den entscheidenden Faktor bilden?
Sachverständiger Arlt: Ich bin der Meinung, daß die Leitungen
unserer großen Konzerne, in Rheinland-Westfalen jedenfalls, wenn sie
sich das Siegerländer Erz billiger selbst erzeugen könnten, wie sie sonst
Erz kaufen, es lieber nehmen würden. Dazu kommt, daß andererseits
das Siegerländer Erz nicht ausschließlich verwendet werden kann;
denn es ist ein Qualitätserz, und es wäre eigentlich zu schade, für jedes
Roheisen verwendet zu werden. Das Erz dient zur Herstellung des
manganhaltigen Spiegeleisens.
Vorsitzender: Ein Laie würde annehmen, daß dieses Erz,
zerade weil es ein solches Qualitätserz ist, auch einen Qualitätspreis
erzielte. Aber auch in diesem Punkte scheinen die fremden Erze eine
Konkurrenz zu bedeuten?

10
        <pb n="154" />
        Sachverständiger Arlt: Das wesentlichste ist der Mangangehalt,
Auch die Erze aus Nordafrika, aus der Normandie und Bilbao sind
Qualitätserze. Gewiß ist also das Siegerländer Erz ein Qualitätserz,
aber trotzdem hat es so viele Konkurrenten, daß es seine Qualitätsbeschaffenheit
 nicht ausnutzen kann.
Vorsitzender: Wenn wir einmal nach den Grundsätzen der
allernüchternsten Rationalität diese Dinge prüfen, so liegt im Augenblick
 die Situation so, daß wir ohne Schädigung unserer Eisenerzeugung
den Siegerländer Erzbergbau stillegen könnten?

Sachverständiger Arlt: Ja!
Vorsitzender: Es eind also soziale Gründe bestimmend?

Sachverständiger Arlt: Natürlich, soziale, volkswirtschaftliche
und Währungsgründe.
Vorsitzender: Welche Folgen hätte eine Stillegung der
Gruben?

Sachverständiger Arlt: Das wäre eine Katastrophe. Das Siegerland
 ist seit Jahrhunderten ein Erzbergbaugebiet. Wenn man den Erzbergbau
 stillegen wollte, so würden auch die Hütten zum Erliegen
kommen, das ganze Land würde vollständig veröden, Landwirtschaft ist
sehr wenig möglich. Es gibt dort nur die bekannten Eichenschälwaldungen.
 Die Lohgerberei liegt heute ebenfalls darnieder und ist
durch die chemische Gerberei ersetzt worden.
Eggert: Sind nicht technische Momente im Hüttenprozeß mit
wirksam, die eine Verwendung des Siegerländer Erzes mehr und mehr
ausschließen?

Sachverständiger Arlt: An sich — nein, ein hochwertiges Erz
erfordert gerade verhältnismäßig wenig Koks. Gewiß ist beim Siegerländer
 Erz, vor allem bei quarzigen Partien — der Quarzgehalt bringt
eine gewisse Säuremenge mit sich — der Koksbedarf mehr oder weniger
groß. Man könnte wohl hüttenmäßig ein Erz von Spiegeleisenqualität
auch aus anderen Erzen erzeugen, wenn man Mangan zugibt, das man
dann allerdings vom Auslande einführen müßte.

Köngeter: Im Hüttenprozeß sind keinerlei Wandlungen vor sich
gegangen, die uns das Siegerland uninteressanter machen könnten. Der
Bergbau des Siegerlandes ist wertvoll wegen des hohen Mangangehaltes
dieses Krzes.

_ Dazu kommt natürlich die volkswirtschaftliche Bedeutung: im
Siegerland werden zwei Millionen Tonnen Erz gefördert, was immerhin
ein sehr wichtiger Faktor für unsere deutsche Volkswirtschaft ist, da
diese Erzmenge von ausländischen Einflüssen unabhängig der deutschen
Eisenindustrie zur Verfügung gestellt wird.
Eggelrt: Für den Laien ist es unerklärlich, warum andere nicht
Subventionierte Gebiete auf dem Markt bestehen können, während es
dem Siegerland unmöglich ist.

5)
        <pb n="155" />
        Sachverständiger Arlt: Das liegt an den geschilderten geologisch
verschiedenen Verhältnissen. Die anderen deutschen Erzvorkommen
sind Lager von Eisenerzen, die sich im allgemeinen in gleicher Mächtigkeit
 und Qualität erstrecken, so daß man also genau kalkulieren kann.
Infolgedessen braucht eine beständige technische Umstellung nicht einzutreten.
 Dazu kommt, daß diese Vorkommen noch lange nicht die
Tiefe der Siegerländer Gruben erreicht haben. so daß die Erze sich
billiger fördern lassen.

Köngeter: Das Siegerländer Erz kann nicht irgendwie etwa
mit dem Erz von Ilsede oder mit dem französischen Erz verglichen
werden, mit der französischen Minette usw, Das sind alles minderwertige
 Erze; das Siegerländer Erz hat seinen Wert infolge seines
hohen Eisen- und Mangangehalts. Es kann nur verglichen werden mit
den anderen Manganträgern, die wir aus dem Auslande beziehen müssen.
Sachverständiger Willing: Ich setze als bekannt die Tatsache
voraus, daß das Siegerland vor dem Kriege etwa 2,5 Millionen Tonnen
sines Erzes von annähernd 40 °/, Metall der deutschen Hochofenindustrie
zur Verfügung gestellt hat. Durch die Verschiebungen, die während des
Krieges und in der Nachkriegszeit eingetreten sind, haben die Selbstkosten
 eine Höhe erreicht, die das Siegerland auf dem Weltmarkt nicht
mehr konkurrenzfähig erscheinen lassen. Im Anfang des Jahres 1926
waren daher von den gesamten Siegerländer Werken nur noch 13 in
Betrieb mit einer Monatsförderung von rund 60 000 Tonnen, also einer
Jahresförderung, die nur etwa ein Drittel der normalen Siegerländer
Förderung betrug.
Vorsitzender: Herr Sachverständiger, würden Sie gleich die
Gründe für das Anwachsen der Selbstkosten angehen?

Sachverständiger Willing: Das Siegerland ist von jeher ein Notstandsgebiet
 gewesen. Die unglückliche Lage zu der gesamten Industrie
hat dazu geführt, daß Preußen in der Vorkriegszeit dem Siegerland eine
besondere Behandlung angedeihen ließ. Man hat die Abfuhrfrachten
zurückgesetzt, eine Verbilligung der Kohlenbezüge eingeräumt und das
Siegerland schon damals in einer gewissen Weise wettbewerbsfähig erhalten.
 ‚Der Hauptgrund für die Höhe der Selbstkosten im Siegerland
liegt darin, daß es sich um Gangbergbau handelt, auf Gängen, die aus
der Devonzeit stammen, und die alle Veränderungen der Erdkruste seit
der Devonzeit mitgemacht haben. Infolgedessen sind die Gänge nachträglich
 durch Bestandteile verunreinigt worden, die für den Hüttenmann
 unerwünscht sind. Als solche nenne ich hier nur Kupfer und
Quarz. Ferner haben alle tektonischen Veränderungen die Gänge auseinandergerissen,
 sowohl im Strich, in der Längserstreckung, als auch
im Einfallen, in der Tiefenerstreckung. Wir haben es also zu tun mit
einer Reihe von Mitteln — Mittel nennen wir die einzelnen zerrissenen
Gangstücke — die nur durch große Aus- und Vorrichtungsarbeiten zum
Abbau reif gemacht werden können, einer großen Fülle unproduktiver
Arbeiten, um das Gut in der Erde wiederzufinden und nutzbar zu
machen. In der Kriegszeit wurde der Abbau verstärkt betrieben ohne
Mal

\
        <pb n="156" />
        die notwendigen Aus- und Vorrichtungsarbeiten, so daß nach dem Kriege
in den Gruben nur geringe Mengen aus- und vorgerichtet, dagegen die
eigentlichen Abbaumengen herausgenommen waren. Es kommt hinzu,
daß die gesamte Welteisenerzproduktion naturgemäß durch den Krieg
eine ungeheure Förderung erfahren hat. Infolgedessen waren die Konkurrenzbedingungen
 an sich verschärft, zugleich wurde der Mangangehalt
 des Siegerländer Erzes, der vor dem Kriege als der nützlichste
und wesentlichste Bestandteil den Hütten zugeführt wurde, sowohl
Jurch andere Manganerzvorkommen in der Welt als auch durch andere
Eisensorten, die dieses Mangan nicht so bedurften, ersetzt. Die Gesetzgebung
 der Nachkriegszeit führte dann dahin, daß die vor dem Kriege
für unseren Rohstoff noch erträglichen sozialen Belastungen ein starkes
Anwachsen zeigten. Wenn ich die Vorkriegsbelastung mit 100 einsetze,
so betragen die jetzigen. Sozialbelastungen 415 °/,. Das ist eine wesentlich
 größere prozentuale Belastung, als sie z.B. der nächste Rohstoff,
die Kohle, zu tragen hat. Die Zahlen liegen dort bei 238 °/. wenn ich
recht unterrichtet bin.

Vorsitzender: Sind die Soziallasten deshalb besonders ge-Pe
 Lo8on, weil Sie sehr viel für Arbeitslosenunterstützung zu zahlen
atten?

Sachverständiger Willing: Der Stand des Siegener Knappschaftsbezirksvereins,
 der sehr alt ist, war derart, daß ebenso viele Invaliden
 unterhalten werden mußten als Leute beschäftigt waren: Es
waren in dieser Zeit im gesamten Knappschaftsverein 17000 Arbeiter
an der Arbeit. und rund 17000 Invaliden mußten mitunterhalten
werden.

Vorsitzender: Wie fassen Sie denn den Begriff der Soziallasten?


Sachverständiger Willing: Die Soziallasten sind die Lasten,
die für die Knappschaftskrankenkasse, für die Berufsgenossenschaft, für
die Invalidität und für die Erwerbslosenfürsorge aufzubringen sind. Es
ist dabei an und für sich gleichgültig, ob der Arbeitnehmer oder der
Arbeitgeber diese Lasten trägt, denn das Produkt muß sie in jeden
Falle tragen. Ein Arbeiter ist bei uns in der Lage, im Monat einen
Wert von etwa 250 RM. — ich bitte, mich auf die Zahl nicht festzulegen,
 aber sie stimmt ungefähr — zu erzeugen. Auf diesem Umsatzwert
 des Produkts von 250 RM. liegt im Augenblick eine Soziallast
von 42,30 RM., ein großer Teil des Umsatzes wird durch die Soziallast
also vorweg absorbiert.
Wenn ich dann auf die Löhne übergehe, so sind sie wie das gesamte
Lohnniveau gestiegen. Die Löhne machen bei diesem Rohstoff etwa
60 °% der Gestehungskosten aus, also der reinen Selbstkosten ohne. Verzinsung
 und Amortisation. Jede auch geringe Lohnerhöhung wirkt
demnach außerordentlich auf das Niveau der Selbstkosten. Ein Ausgleich
 in den Preisen ist nicht zu finden, weil in Anbetracht der Verflechtung
 mit dem Welterzmarkt der Preis durch den Weltmarktpreis
begrenzt wird.
        <pb n="157" />
        Es sind noch zwei Gebiete, die bei uns sehr störend in die Erscheinung
 treten. Das eine ist das Gebiet der Frachtenbelastung im allgemeinen.
 Sie ist inzwischen verschiedentlich ermäßigt worden, hat
aber noch immer eine Höhe, die den Radius des Verwendungsgebietes
der Erze außerordentlich klein hält. Persönlich sind die Vertreter des
Notstandsgebietes der Auffassung, daß durch ein Entgegenkommen der
Reichsbahn die Absatzfähigkeit der Erze auf einen weiteren Radius
sichergestellt werden muß.
Das letzte Gebiet ist die Monopolisierung der Kraftwirtschaft.
Die Überlandzentralen setzen ihre Preise ohne Berücksichtigung der
besonderen Lage der einzelnen Wirtschaftszweige fest. Die Kraftkosten
haben gegenüber der Vorkriegszeit eine Höhe erreicht. die ebenfalls
aıntragbar erscheint.
Jedenfalls sind es gerade diese vier Punkte, die die Selbstkosten
stark heraufgetrieben haben. Andererseits hat die Überproduktion an
Erzen auf dem Weltmarkt dazu geführt, daß die Preise sehr niedrig
gehalten werden mußten. So war im Anfang des Jahres 1926 ein Zustand
 erreicht, der das Gesamtgebiet zum Erliegen zu bringen drohte.
In diesem Moment haben die preußische Regierung und die Reichsregierung
eingegriffen. Durch Gewährung von Hilfsmaßnahmen wurde eine Preissenkung
 bei den Erzen erreicht. Diese Hilfsmaßnahmen sind aber nicht
etwa den Gruben als flüssige Mittel zugute gekommen, sondern haben
vdedingungsgemäß eine Preissenkung in demselben Ausmaß zur Folge
haben müssen. Die Preissenkung hat es aber ermöglicht, das Erz
konkurrenzfähig zu machen, und hat dazu geführt, daß heute schon
wieder eine Förderung von 180 000 Tonnen im Monat, also von etwa
2 Millionen Tonnen im Jahr, in diesem Gebiet geleistet wird. Am
1. Oktober haben diese Hilfemaßnahmen ihr Ende erreicht. Sie waren
von uns ausdrücklich mit dem Hinweis darauf gefordert, daß der Staat
sie solange gewähren möge, bis auf anderen Gebieten — es wurden
die vier vorhin von mir skizzierten Gebiete genannt — Ermäßigungen
eingetreten wären, die die dauernde Lebensfähigkeit der Notstandsgebiete
sicherstellen. Die Ermäßigungen, die auf dem Gebiete der Steuern und
auf dem Gebiete der Frachten eingetreten sind, sind ausgeglichen worden
durch die Erhöhungen auf dem Gebiete der Löhne und namentlich auf
dem Gebiete der Soziallasten. Die Angestellten sind mit in die Versicherung
 einbezogen worden, und die Lasten, die sich aus dieser vermehrten
 Versicherung ergeben, haben eine Höhe erreicht, die jedenfalls
weit über den Zahlen liegt, wie sie in den Voreinschätzungen niedergelegt
 worden waren. Die Staatshilfe ist weggefallen, eine Preisheraufsetzung
 in demselben Ausmaß ist natürlich unmöglich, das ergibt sich
ohne weiteres aus dem Vergleich mit den ausländischen Erzpreisen.
Das ganze Notstandsgebiet steht wieder vor der Gefahr, in den früheren
Zustand zurückzufallen. Wenn die Gruben einmal stillgelegt sind, so
fallen sie für die deutsche Eisenwirtschaft voraussichtlich dauernd aus,
denn wenn Grubengebäude, die heute schon eine Tiefe von 1000 und
1100m — die tiefste Grube ist 1180 m tief — erreicht haben, voll
Wasser laufen, so müssen schon ganz außergewöhnliche Umstände eintreten,
 wenn diese ungeheuren Wassermassen aus den (Gehäuden herausgepumpt
 werden.
154
        <pb n="158" />
        Wir glauben also, daß auch in der Zukunft von irgendeiner Seite
geholfen werden muß. Diesbezügliche Anträge haben wir sowohl an
den Herrn Reichsarbeitsminister wie an die Verwaltung der deutschen
Reichsbahn, an den preußischen Herrn Finanzminister und an den Herrn
Reichsfinanzminister gehen lassen, in denen wir gebeten haben, uns
weitere Erleichterungen zu verschaffen. Das Wohl und Wehe der
ganzen Landstriche basiert auf dem Bergbau. Die Landstriche sind
ziemlich dicht bevölkert, und zwar von einer eingesessenen Bevölkerung,
die nebenbei ein kleines Stück Feld besitzt, und die außerordentlich
schwer verpflanzbar erscheint. Außerdem ist die Rohstoffindustrie
Jieses Gebietes, also die Hüttenindustrie und die Weiterverarbeitung
abhängig von der Grundlage der Erze.
Das Lahn- und Dillgebiet stellt an und für sich ein sehr armes
Land dar. Es ist sehr hoch gelegen, im Druchschnitt über 300 m und
ist bestanden mit Buchenwald. Es sind nur ganz enge, schmale, schluchtartig
 eingeschnittene Täler vorhanden, in denen nur eine ganz geringe
Landwirtschaft möglich ist. Die ganze Bevölkerung würde dem Elend
Preisgegeben sein, wenn sich die Grundlage der Industrie dieses Gebietes
Nicht aufrecht erhielte.
Bei den Werken ist außerordentlich viel getan worden, um die
Leistung der Einzelwerke zu steigern. Diese Leistungssteigerung hat
auch einen gewissen Erfolg gehabt. Durch die Leistungssteigerung
ist erreicht worden, daß man die Mehrbelastungen, die in der Zwischenzeit
 dem Gebiet auferlegt worden sind, etwa ausgleichen konnte.
‚Vorsitzender: Auf welche besonderen Ursachen ist. die
Leistungssteigerung zurückzuführen?
Sachverständiger Willing: Die Leistung im. Erzbergbau ist
Naturgemäß von den Aus- und Vorrichtungsarbeiten abhängig, von den
Aufsuchungsarbeiten, die ich vorhin geschildert habe. Die geologischen
Verhältnisse haben — wenn ich das Gesamtgebiet betrachte — eine
Änderung nicht erfahren. Es. sind einzelne Vorkommen, wie das bei
diesen zerrissenen Gangstücken ganz natürlich ist, geringer geworden;
dafür sind andere Gangstücke besser geworden. Man muß dabei allerdings
 berücksichtigen, daß das Gesamtniveau des Bergbaues von Jahr
Zu Jahr etwa 20m in die Teufe rutscht. Für die zurückliegende Zeit
Ist diese Teufe etwas geringer. Bei normaler Förderung rutscht der
Bergbau 20 m pro Jahr. Das bedeutet: ich muß alles, was ich hineinbringe,
 20 m tiefer hinunterlassen; ich muß besonders das Wasser aus
Siner um 20m größeren Tiefe heraufheben. Die Wassermenge nimmt
Naturgemäß von Sohle zu Sohle um einen gewissen Prozentsatz zu.
Es sind also zweifellos keine geologischen Verhältnisse, die die
Leistungserhöhung herbeigeführt haben. Die Leistungserhöhung war
außerordentlich groß in der zweiten Hälfte des Jahres 1926 und in dem
Ersten Viertel des Jahres 1927. Das hängt damit zusammen, daß man
Zunächst bei den Gruben den Abbau beschleunigte. Man fing also
Wieder an, Stein zu gewinnen, und erst allmählich hat sich die Aus- und
Vorrichtung, die ja abhängig ist von dem Niederbringen der. Schächte,
Wieder eingefädelt. Ich kann eine Sohle erst aus- und vorrichten, wenn ich

66
        <pb n="159" />
        den Schachtkörper 50 oder 60m oder eine beliebige Anzahl von Metern
niedergebracht habe, kann also zunächst nur eine geringe Anzahl von
Menschen auf diese Arbeit ansetzen, eine Anzahl, die sich vergrößert,
wenn ich nachher in das System der einzelnen Strecken hineinkomme.
Ich habe deshalb bei der Beantwortung dieser Frage auch die Leistungszahlen
 der letzten Monate dieses Jahres angegeben. Der Vergleich
zeigt, daß jetzt ungefähr der Normalzustand des Jahres 1913 wieder
erreicht ist; d. h. die übermäßige Leistung, die wir in der zweiten
Hälfte des Jahres 1926 und im ersten Viertel des Jahres 1927 hatten,
ist Jetzt auf das Normalmaß zurückgeführt. Aber auch diese gleiche
Leistung bedeutet naturgemäß eine Leistungssteigerung; denn wie ich
vorhin schilderte, sind die Gesamtverhältnisse wesentlich ungünstiger
geworden. Die Teufen sind um soundsoviel größer geworden; es liegt
ein Zeitraum von 14 Jahren dazwischen. Diese ungünstigen Momente
sind durch die verbesserte Technik ausgeglichen worden. Hierunter
sind besonders zu erwähnen die mechanischen Aufbereitungsanlagen
über Tage, die Mechanisierung des ganzen Bergbaues unter Tage durch
Einführung der Preßluft als Kraft und in dieser besonderen Kraftwirtschaft
 wieder die Einführung des modernen Schnellschlagbohrhammers,
lie in ihrer Leistung die alten Hämmer um etwa 25 bis 30 °/. übertreffen.
Vorsitzender: Können Sie denn nun ordnungsmäßige Abschreibungen
 vornehmen, wenn die Subvention durchgeführt wird?

Sachverständiger Willing: Nein! Wir können uns in dieser
Beziehung berufen auf. eine amtliche Untersuchung unseres Bergbaues,
lie von dem preußischen Handelsministerium veranlaßt worden ist, daß
lie Gestehungskosten, d.h. die Kosten ohne Verzinsung und Abschreibungen,
 nur ganz unwesentlich verschieden waren von den Verkaufspreisen,
 zu denen wir in dieser Periode allerdings gezwungen waren.
Die Gruben haben fördern können, sie haben sich selbst erhalten können;
aber sie haben eine Verzinsung nicht gebracht. Das ist ein Zustand,
der sich eine gewisse Zeit durchführen läßt, der aber auf die Dauer
automatisch zum Erliegen des Bergbaues führen muß.
Vorsitzender. Wie steht es nun mit der Lohnentwicklung?
Haben die Arbeiter, abgesehen von der allgemeinen Notlage, die dort
herrscht, etwa insofern noch besonders zu leiden, daß sie vielleicht niedrigere
 Löhne erhalten als sie in anderen zum Vergleich geeigneten
(jebieten gezahlt werden?
Sachverständiger Willing: Der gesamte Lohnindex des Gebiets
liegt heute eine Idee höher als der Index der Lebenshaltung, wie er
veröffentlicht wird. Heute beträgt der Durchschnittslohn eines Hauers
in diesem Gebiete etwa 7,60 RM. pro Schicht gegenüber 5,38 RM. vor
dem Kriege. Bemerken muß ich dabei, daß das gesamte Lohnniveau
des Gebiets immer etwas unter dem des Ruhrbergbaues lag. Es sind
auch da Zahlen errechnet worden von 90 und 91 °% ; die Schätzungen
schwanken naturgemäß etwas, Aber das Lohnniveau des ganzen Gebiets
lag zweifellos unter dem des Bergbaugebiets an der. Ruhr. Das liegt
ia auch darin begründet. daß wir es im wesentlichen mit einem ein-SE
        <pb n="160" />
        gesessenen Arbeiterstande zu tun haben, der neben seiner Entlohnung
noch eine geringe Ernährung aus seinem eigenen Besitz ziehen kann.

Vorsitzender: Sie haben ia dort diese Hauberggenossenschaften.
 Die Genossenschaftsanteile sind auch zu einem guten Teile
in Händen der Arbeiter. Aber sie bringen wohl nichts ein?
Sachverständiger Willing: Sie bringen im Augenblick gar
nichts mehr ein: sie waren naturgemäß eine Zeit lang, als die Sachwerte
 sehr wertvoll waren, außerordentlich begehrt und haben auch
für die damalige Zeit eine recht beträchtliche Rente abgeworfen. Heute
ist aber leider die Lohgerbung als solche erledigt, und es bleibt nur der
Nutzungswert dieser Holzstangen, der sehr gering ist.
Vorsitzender: Ich möchte nunmehr Herrn Einecke bitten,
uns die besonderen Verhältnisse des Lahn- und Dillbezirks zu schildern.

Sachverständiger Einecke: Es bestehen nur in einigen Punkten
Abweichungen von den Verhältnissen des Siegerlandes. Zunächst haben
wir im Lahn- und Dillgebiet keine Erzgänge, sondern wir haben Lager,
sogenannte Flöze. In der gleichen Zeit, in der die Erzgänge im Siegerland
 entstanden sind, hat sich im Lahn- und Dillgebiet eine große
Mulde gebildet, in die die Erze wie in ein kalkhaltiges Meer abgelagert
worden sind, und zwar als Flöze. Nun haben wir aber nicht den Vorteil
des Siegerlandes, daß wir Erze von 40 bis 50° Metall gehabt hätten,
sondern unsere Erze haben vorwiegend einen Metallgehalt von 35°.
Dadurch, daß nun die horizontal lagernden Flöze durch die Bewegungen
der Erdrinde in lauter Stücke zerrissen wurden, ist es den Atmosphärilien
 möglich gewesen, den diesen Flözteilen zugesetzten Kalk auf-Zulaugen,
 und auf diese Weise ist ein 25prozentiger Stein, der im
Höchstfalle bie zu 42° geht, geschaffen worden. Stellen Sie sich
einmal dieses Erz gegenüber einem Material vor, wie es im Siegerland
gewonnen wird, so werden Sie ohne weiteres erkennen, daß die wirtschaftliche
 Lage des Lahn- und Dillgebiets bei sonst gleichen Bedin-Zungen
 an sich wesentlich schwerer ist als die des Siegerlandes.

Vorsitzender: Sie haben die gleiche Subvention bekommen?
Sachverständiger Einecke: Ja, wir haben die gleiche Subvention
 erhalten, haben aber auch in der gleichen Weise die Preise
um 2 RM. senken müssen. Das ist für uns insofern unangenehm, als
das Siegerland an sich einen wesentlich höheren Preis, nämlich genau
das Doppelte, bekommt. Wir bekamen ursprünglich einen Preis von
10 RM und mußten ihn um 2 RM auf 8 RM. kürzen.
Vorsitzender: Woran liegt das? Hat das Siegerland einen
besseren Markt für sein Produkt?
Sachverständiger Einecke: Die Siegerländer Erze sind Spezialerze
 und haben einen hohen Mangangehalt. Dieser Mangangehalt macht
8 möglich, daß man die Erze zu Spezialpreisen verwerten kann, Dadurch
 bekommt man einen wesentlich günstigeren Preis. Nun aber
hat das Siegerland bedeutend höhere Selbstkosten, weil es ein härteres
Erz gewinnt als wir und viel größere Teufen hat. Unsere Teufen

u Enq.-Aussch. Ill. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

vr;
        <pb n="161" />
        betragen nur 100 bis 200m. Infolgedessen ist es uns möglich, mit
geringeren Selbstkosten zu arbeiten. Auch die Härte des Gesteins ist
bei uns nicht so groß wie im Siegerland. Wir brauchen infolgedessen
weniger Sprengstoffe und können leichter herein.
Vorsitzender: Wie groß ist denn die Förderung im Lahnand
 Dillgebiet?

Sachverständiger Einecke: Die Gesamtförderung im Lahngebiet
hat im letzten Jahr etwa 700 000 Tonnen betragen, ist also wesentlich
zeringer als im Siegerland. Die Selbstkosten belaufen sich auf etwa
11,20 RM. Der Preis, den wir nach der Festlegung der Preiskommission
jgekamen, belief sich auf 8 RM. und ist jetzt nach Wegfall der Sub-‚ention
 gesteigert worden.

Vorsitzender: Bekommen Sie den gesteigerten Preis?
Sachverständiger Einecke: Dieser Preis ist zur Zeit nicht zu
arzielen. Wir haben den Preis um 1 RM. gesteigert, glauben aber,
daß wir den Mehrpreis von 1 RM. nicht bekommen werden, weil uns
mit Ausbruch des Krieges eine neue Konkurrenz erwachsen ist in dem
französischen Erzgebiet in der Normandie, das im Tagebau vollkommen
gleichwertige Erze liefert. Sie werden ungefähr 30 bis 40°, billiger
gewonnen als unsere Erze, und auf den westfälischen Märkten auch
wesentlich billiger angeboten, als wir unsere. Erze anbieten können,
bei Berücksichtigung der Fracht, die von Weilburg und Wetzlar bis
Westfalen notwendig ist. Wir können also die Spanne, die zwischen
len Selbstkosten und den Preisen besteht, allein kaum ausgleichen.
Wir versuchen zwar, statt des 42prozentigen Steins einen 45prozentigen
Stein zu gewinnen, und lassen die Partien, die nur 42prozentige Steine
haben, stehen. Das ist aber ein gewisser Raubbau, ein Nachteil für
die Lebensdauer der Gruben, für die Amortisation des ganzen Unteraehmens.
 Vielleicht bekommen wir durch diese Überprozente einen
annehmbaren Preis und können die Spanne von 9 RM. und 11,25 RM.
stwa um 1 RM. ausgleichen. So bleibt dann immer noch eine Spanne
von 1.25 RM., die in irgendeiner Form überbrückt werden muß.
Vorsitzender: Werden die Erze aus der Normandie jetzt
exportiert? Die Franzosen hatten ein Ausfuhrverbot.
Sachtverständiger Einecke: Dieses Ausfuhrverbot besteht jetzt
nicht mehr; die Erze werden in bedeutenden Mengen exportiert.
Vorsitzender: Wie ist die Lohnentwicklung bei Ihnen? Ist
sie die gleiche wie im Siegerland?
Sachverständiger Einecke: Die Löhne müssen sich natürlich
immer in gewisser Weise der Lage der Werke anpassen. Trotzdem
haben wir sehr viel gegenüber der Vorkriegszeit getan. In der Vorkriegszeit
 waren die Löhne für den Hauer 3,35 M. und 3,50 M.;
heute sind sie etwa 5 RM., obschon die Preise, die wir vor dem Kriege
bekamen höher waren als heute; sie liegen heute um 1.50 RM. tiefer.
Das ist der Einfluß der Normandieerze.

AA
        <pb n="162" />
        Vorsitzender: Es besteht die Frage: Läßt sich der Erzbergbau
 in Ihren Gebieten so gestalten, daß er seine Kosten wieder einbringt?
 Läßt sich das nicht durchführen, dann ‚entsteht die zweite
Frage: Wer soll die Verluste tragen? Sollen sie abgewälzt werden auf
die Allgemeinheit, oder ist die eisenerzverarbeitende Industrie, also die
aisenerzeugende Industrie in der Lage, aus bestimmten Gründen einen
Preis zu bewilligen, der ihren Erzbergbau lebensfähig erhält, insbesondere
 unter Berücksichtigung des Umstandes, daß die Besitzer zu einem
großen Teil die gleichen sind beim Erzbergbau und bei der eisenerzeugenden.
 Industrie?
Sachverständiger Wenzel: Allerdings gehört der Eisenerzbergbau
 an Lahn, Sieg und Dill zum großen Teil denjenigen, die das Erz
verbrauchen, aber ich bin der Auffassung, daß auch innerhalb eines
Wirtschaftszweiges jeder einzelne Teil sich selbst tragen muß. Man
kann daher nicht verlangen, daß die rheinisch-westfälischen Hüttenwerke
 ohne weiteres den Siegbergbau durch höhere Preise erhalten,
Solange die ausländischen Preise günstiger sind, sondern der Bergbau
muß sich selbst erhalten. Wenn die verlangten Frachtermäßigungen
und die Ermäßigungen der sozialen Abgaben usw. gewährt werden,
Wird sich der Bergbau allein aufrecht erhalten. Ich behaupte, daß die
Subvention des Siegerlandes wieder herausgekommen ist dadurch, daß
Sespart wurde, und zwar an Arbeitslosenunterstützung in dem ganzen
Gebiet. Infolgedessen sollte die Regierung ‚eben auch weiterhin aus
anderen Mitteln eine mäßige Subvention geben, damit das Gebiet aufrecht
 erhalten werden kann. Tatsächlich verliert die Grube dauernd,
denn der Verrechnungspreis, den wir der Grube geben könnten, ist selbst-Verständlich
 nicht höher als der Konkurrenzpreis.
Schweitzer: Mir ist zunächst einmal die Angabe aufgefallen,
daß die Soziallasten im Siegerländer Erzbergbau um 300 % — diese
Zahl ist wohl genannt worden — gestiegen seien.
Vorsitzender: 415°!
Schweitzer: Wenn man die Lasten der Vorkriegszeit mit
100 annimmt, dann betragen die Soziallasten jetzt 415. Das wäre eine
Steigerung um 315 °%! Ich möchte doch bitten, diese Angabe etwas
Näher zu begründen, denn sie steht mit den sonstigen Angaben über
das Anwachsen der Lasten der deutschen Sozialversicherung in einem
Sehr starken Mißverhältnis. Ferner möchte ich an den Herrn Sach-Verständigen
 die Frage richten, ob er Belege dafür angeben zu können
glaubt, daß die Kosten der elektrischen Kraft gerade im Siegerland
Unangemessen hoch sind im Verhältnis zu denen der elektrischen Kraft
MN anderen Gebieten.
Schließlich möchte ich noch folgendes feststellen: Der erste Herr
Sachverständige hat ausgeführt, daß bereits in der Vorkriegszeit der
Siegerländer Erzbergbau subventioniert worden sel, nicht in der
Weise wie im letzten Jahre durch unmittelbare Hingabe von Barten
 an die Werke, sondern dadurch, daß die preußisch-hessische
1senbahn dem Siegerländer Erzbergbau besondere Ausnahmetarife

' XO
        <pb n="163" />
        bewilligt habe. Daraus müßte man den Schluß ziehen, daß der Siegerländer
 Erzbergbau noch niemals, mindestens in den letzten zehn Jahren
vor dem Kriege, aus eigener Kraft lebensfähig gewesen ist. Man muß
laher die Frage stellen, ob die Herren selbst es für denkbar halten,
daß für alle Zukunft der Siegerländer Erzbergbau sowie der Erzbergbau
im Dill- und Lahngebiet mit Hilfe von öffentlichen Zuschüssen betrieben
wird, ob sie selbst nicht die Möglichkeit gegeben sehen, durch technischwirtschaftliche
 Maßnahmen oder durch Selbsthilfemaßnahmen derjenigen
Unternehmungen, die Besitzer der Eisenerzgruben sind und die an dem
Weiterbestehen der Erzgruben ein Interesse haben, den Eisenerzbergbau
in diesen Gebieten aufrecht zu erhalten und rentabel zu machen.

Sachverständiger Willing : Seit Bestehen der Schlichtungsstellen
ist ein einziges Mal eine freie Lohnvereinbarung in dem Siegerländer
Gebiet zustande gekommen. Sie werden das ermessen können, wie schwer
es ist, dort überhaupt zu einer Lohnfestsetzung zu kommen. Sämtliche
äbrigen Festsetzungen der Löhne sind erfolgt nach Durchlaufen des
gesamten Schlichtungsverfahrens.
Die Soziallasten erscheinen in ihrer heutigen rohen Erhebungsform
für die Schlüsselindustrie untragbar, soweit sie geringe Produkte erzeugt.
 Ich spreche hier gar nicht von den Leistungen der Sozialversicherung.
 Es ist ganz selbstverständlich, daß der Bergarbeiter keine
zeringeren Leistungen haben darf als die übrigen Arbeiter. Ich spreche
aber davon, daß das System der Kopfbelastung, so einfach diese Erhebungsform
 auch ist, immer in der schwersten Weise den Urstoff
treffen muß. Im Siegerland wird mit einer Arbeiterzahl von etwa 1000
Mann ein Wert von 3 Millionen Mark im Jahr erzeugt. Denselben Wert
von 3 Millionen Mark Umsatzwert erzeugt die Überlandzentrale des
dortigen Gebietes mit 80 Arbeitern. Also in einem Falle wird der Umsatzwert
 mit 80 mit der Sozialabgabe x belastet, im anderen Falle mit
1000 und nicht mit der Sozialabgabe x, sondern mit einer wesentlich
höheren Sozialabgabe, die beinahe 3 x ist. Das erklärt sich folgendermaßen:
 Die Knappschaftsversicherung ist die älteste Sozialversicherung,
lie wir in Deutschland haben. Unsere Gebiete haben einen ungeheueren
Bestand von Invaliden. Der Bergmann kann sich heute ohne ärztliche
Untersuchung mit 50 Jahren pensionieren lassen. Die Zahl der Invaliden
 ist also leider durch diese Maßnahme, die sich naturgemäß im
Moment des Eintritts dieser Versicherungsform ‚ stoßartig auswirken
mußte, sehr groß. Dazu kam die Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite
als Folge der schlechten Konjunktur. Da die Invalidenpensionen heute
ınter Umständen 100 und 140 RM. betragen, ist das natürlich eine Last,
Jie uns erdrückt. Das hat auch der Reichsknappschaftsverein schon
eingesehen und bereits gewisse Erleichterungen eintreten lassen. Dem
alten Knappschaftsverein stehen die jungen Knappschaftsvereine gegenüber,
 beispielsweise am Niederrhein, die überhaupt noch keine Invaliden
haben, z.B. im Steinkohlenbergbau. Bei diesen Zahlenangaben über
lie Sozialversicherung möchte ich folgendes betonen. Es ist sehr schwer,
Vergleichszahlen zu bekommen. Das eine Werk gibt die Beiträge der
Arbeitgeber an; das andere Werk erklärt, daß die Beiträge der Arbeitif]
        <pb n="164" />
        nehmer in deren Bruttolöhnen stecken. Das sind die Zahlen der Belastung
 des Produkts. Es ist vollständig gleichgültig, ob Arbeitnehmer
dder Arbeitgeber diese Beiträge abführen. Belastet wird von den Beiträgen
 der Umsatz des Produkts, die Erzeugung des einzelnen Arbeiters.
Vor dem Kriege führten wir 9 M. an die öffentliche Hand ab, heute —
diese Zahl kann ich im einzelnen belegen — 42,30 RM. je Kopf der gesamten
 arbeitenden Belegschaft im Siegerland. Bei einer Belegschaft
von 12 000 Mann — ich will nur runde Zahlen nennen — sind 4 mal
120000 oder beinahe 600000 RM. — in Wirklichkeit ist es aber noch
etwas mehr — an Knappschafts- oder Sozialabgaben von uns an die
öffentliche Hand zu entrichten. Demgegenüber hat die gesamte Hilfsleistung
 von Reich und Staat nur 360 000 RM. in der Zeit betragen, in
der sie am höchsten war. Die öffentliche Hand hat bei diesem Verfahren
zweifellos Vorteile gehabt; denn neben diesen Sozialabgaben führen die
Gruben noch ab: Lohnsteuer, Gewerbesteuer, eine ganze Reihe von
sonstigen Abgaben, und sie befruchten natürlich die Kaufkraft der
ganzen Gegend durch die Lohnzahlungen, die allein für unser Teilgebiet
weit über 1 Million RM. im Monat ausmachen. Man braucht dabei gar
nicht auf Imponderabilien einzugehen, sondern kann sich an die nackten
Zahlen halten.
Daneben gehen natürlich die unendlich verstärkten Einnahmen der
Reichsbahn, die sich in dem Berichtszeitraum fast verdreifacht haben.
Es bestehen außerdem alle möglichen sonstigen öffentlich-rechtlichen
Abgaben.
_ Der nächste Punkt betraf die Versorgung des Gebiets mit elektrischer
 Kraft. Überlandzentralen haben naturgemäß bis zu einem ge-Wissen
 Grade immer Monopolcharakter, mögen sie nun privatwirtschaftlich
 aufgezogen sein oder kommunalwirtschaftlich oder gemischt. Nun
kommt hinzu, daß die Zapfstellen des Netzes beim Bergbau relativ zahlreich
 sind. Es werden also an vielen Punkten, im großen ganzen betrachtet,
 relativ kleine Strommengen entnommen. Die Strommenge der
Siegerländer Gruben beziffert sich auf etwa 1—1,8 Millionen kW. im
Jahr, Die Tarife der Überlandzentrale sind nun so aufgestellt, daß,
Während der ganz große Verbraucher, der etwa 2 oder 3 Millionen, kW.
bezieht, Preise von 4,6—5 Pf. zahlt, der Preis sich für den Kleinverbraucher
 staffelt. Der Preis ist ein Progressionspreis, er macht sehr
große Sprünge, wenn die Entnahme geringer wird. Infolgedessen beträgt
der Strompreis für den Bergbau, der, wenn der Strom insgesamt aus einer
Zapfstelle entnommen würde, vielleicht höchstens 4,5 bis 4,6 Pf. aus-Machen
 würde, im Durchschnitt etwa 8 Pf. Das ist eine Belastung, die,
Wie auch aus den Einzelangaben hervorgehen wird, wesentlich höher
ist als vor dem Kriege, Hierzu muß ich allerdings folgendes anführen.
Der Strom wird erzeugt aus Ruhrkohle. Die Ruhrkohle wird nach dem
FKlektrizitätswerk verfrachtet, das noch durch eine Sonderkleinbahn an
die Staatsbahn angeschlossen ist, so daß die Kohle zweimal umgeladen
werden muß. Das HElektrizitätswerk hat zweifellos sehr hohe Ge-Stehungskosten,
 deren Einzelheiten sich mir selbstverständlich ent-Ziehen.
 Auch auf diesem Gebiete könnte noch erheblich mehr geschehen.
Vielleicht werden jetzt nach Übergang dieser Zentrale an das große

nun
*

4
        <pb n="165" />
        Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk sich die Produktionsbedinzungen
 besser stellen, so daß wir eine Erleichterung bekommen können.
Die nächste Frage war wohl die der Erhaltung des Siegerländer
Bergbaues. Diese Erhaltung gründete sich auch schon vor dem Kriege
auf die bereits angeführten allgemein volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen
 Gesichtspunkte.
Was den Mangangehalt betrifft, so erzeugt der Siegerländer Bergbau
doch immerhin einen nennenswerten Prozentsatz von Manganerzen für
die inländische Eisenindustrie, Alle diese Gesichtspunkte haben schon
seinerzeit die preußische Staatsregierung dazu geführt, einen Druck auszuüben,
 um das Gebiet lebensfähig zu gestalten. Es ist nicht lebensfähig
gestaltet worden durch Subventionierung. Wir sind persönlich die
größten Gegner einer Subventionierung; wenn auf den Gebieten, auf
lenen die Staatsregierung und die Länderregierungen Einfluß haben,
mnaßgehalten wird, sind wir lebensfähig. Wenn wir heute aus dem
Reichsknappschaftsverein entlassen werden, wie es bei der thüringischen
Schieferindustrie, bei der hessischen Braunkohlenindustrie und bei einer
Reihe anderer Industrien heute schon der Fall ist, dann sind wir in
demselben Moment lebensfähig.
Schweitzer: Darf man daraus den Schluß ziehen, daß die
Herren glauben, vor allem durch eine Schlechterstellung der Arbeiter
im Siegerland und in anderen Erzbergbaugebieten in bezug auf Ent-‚ohnung
 und Sozialversicherung gegenüber der übrigen Arbeiterschaft
werde der Erzbergbau im Siegerland lebensfähig erhalten?
Sachverständiger Willing: Da bin ich mißverstanden worden.
Die Arbeiter sollen nicht schlechter gestellt werden. Ich habe absichtlich
 die Leistung ausgenommen. Selbstverständlich muß der Arbeiter
dieselbe Leistung der Reichsversicherung bekommen wie jeder andere
Arbeiter. Aber die Erhebungsform der Beiträge ist so roh und belastet.
liesen Einzelzweig der deutschen Wirtschaft zu stark. Wir müssen zu
einer differenzierenden Belastung kommen. Es kann nicht ein Arbeiter,
der einen Wert von 250 RM. erzeugt, genau gleich belastet werden wie
der Arbeiter, der einen wesentlich höheren Wert im Monat erzeugt.
Schweitzer: Das würde aber bedingen, daß die Arbeiter
zunächst schlechter gestellt würden!
Sachverständiger Willing: Dann müßte die allgemeine Reichsversicherung
 eintreten.
Schweitzer: Wie denken Sie sich den Ausgleich in bezug auf
len Lohn?
Sachverständiger Willing: In bezug auf den Lohn stehen wir
aicht so niedrig, daß wir irgendeinen Vergleich zu scheuen hätten.
Schweitzer: Sie sagten doch eben, die Löhne seien zu hoch!
Sachverständiger Willing: Ich will nicht sagen, daß sie zu
hoch sind; aber der Prozentsatz der Löhne an den Selbstkosten ist so
hoch, daß schon jede geringe Lohnerhöhung, sagen wir von 10°%, sich
mit 6 bis 7° verteuernd auf das Produkt auswirkt. Der Lohnanteil

67
        <pb n="166" />
        an den Gestehungskosten beträgt bei uns aber 60 °%. Unter diesen
Umständen muß sich natürlich jede Erhöhung des Lohnanteils, den die
weiterverarbeitende Industrie noch zehnmal tragen könnte, ungünstig
auswirken.
Vorsitzender: Zu dieser Frage der Angleichung der Belastung
durch die sozialen Erfordernisse an die Produktivität der Arbeit, die
geleistet wird, haben wir die Anregungen der Herren Sachverständigen
hinreichend gehört.
= Eggert: Hat in einem konkreten Falle der Nachkriegszeit die
Hüttenindustrie vor der Tatsache gestanden, daß sie die erforderlichen
Erzmengen, sei es vom In- oder Ausland, nicht bekommen konnte? Ist
diese Möglichkeit in absehbarer Zeit, sei es während der Dauer der bestehenden
 Lieferungsverträge oder nach deren Ablauf wahrscheinlich?
Wir müssen wissen, auf Grund welcher konkreten Tatsachen wir Anlaß
haben, unsere dauernd mit Subventionen auszurüstenden Erzgruben aufrecht
 zu erhalten.
Sachverständiger Wenzel: Es ist in diesem Jahr schwierig gewesen,
 die Phosphorerze, die wir für den Thomaseisenprozeß brauchen,
zu bekommen. Wenn wir aus Frankreich, wie in diesem Jahr, nicht
genügend Minette bekommen, kann die schwedische Grubenindustrie den
Phosphorbedarf allein nicht decken. Eine weitere große Erzquelle für
Phosphorhaltige Erze bilden für uns die neufundländischen Vorkommen.
Aber es besteht die Gefahr, daß diese Vorkommen stärker zur Deckung
ausländischen Bedarfs herangezogen werden können und uns nicht mehr
im heutigen Umfang zur Verfügung stehen. Wir ersetzen heute 35 bis
410°, unseres Thomaseisenbedarfs durch phosphorarme Erze unter
Hinzusatz von Phosphaten. auf deren Einfuhr wir angewiesen sind.

. Vorsitzender: Es ist ja ganz zweifellos, daß die deutsche
Eisenindustrie in sehr starkem Maße von phosphathaltigen Erzen
abhängig ist. Andererseits aber sind die Erzgrubenbesitzer wiederum
Zu einem guten Teil darauf angewiesen, ihre Produktion, die sie verwerten
 wollen. nach Deutschland zu verkaufen.

_ Sachverständiger Neumark: Wir können nur einen verhältnismäßig
 kleinen Prozentsatz schwedischer Erze verarbeiten und brauchen
die Erze aus ganz Europa, auch die marokkanischen Erze, um eine
richtige Zusammensetzung für die Bedürfnisse unserer Hochöfen zu
erhalten. Insofern sind wir von den Dispositionen fremder Staaten
Mit abhängig. Man sollte daher etwas tun, um das, was wir in Deutschland
 an Erzbesitz haben, unter allen Umständen zu erhalten.
Nun kann die Frage aufgeworfen werden, ob nicht die Werke, die
den Siegerländer Bergbau besitzen, in sich eine Verrechnung vornehmen
und. den Bergbau erhalten sollen. Diese Werke stehen innerhalb der
Weltwirtschaft so, daß sie, wenn sie überhaupt noch etwas an dem Eisen
Sordienen wollen, auf den letzten Pfennig im Erzpreise sehen müssen,
K müssen also mit billigeren ausländischen Erzpreisen rechnen und
pyanen sie auch nur bezahlen in Anbetracht der Preise, die sie für ihre
Todukte insbesondere im Auslandsabsatz erzielen.

16?
        <pb n="167" />
        Dr. Schneider: Vor dem Kriege hat Rheinland-Westfalen
angefähr 2,3 Millionen Tonnen aus dem Minettegebiet bezogen. Die
Zahlen für die Nachkriegszeit sind erheblich niedriger. Für das Jahr
1926 beläuft sich die Zahl auf einige 400 000 Tonnen. Die Zahl für
1927 liegt noch nicht vor. An sich sind aber die für 1927 angegebenen
Zahlen wegen der eingetretenen Änderungen sehr interessant; die Stellung
 zu den Franzosen hat sich etwas gebessert. Ich nehme an, daß
ler Erzbezug im Jahre 1927 über 1 Million Tonnen aus dem Minettebezirk
 betragen wird. Das würden in Fe-Einheiten umgerechnet 300 000
Tonnen sein. Glauben Sie, Herr Assessor Wenzel, daß diese Schätzung
als Maximum in Frage kommt?

Sachverständiger Wenzel: Wir werden im Jahre 1927 eine
größere Minettemenge als 1 Million Tonnen beziehen; das wird meines Erachtens
 die Statistik, wenn das Jahr zu Ende ist, ergeben. Wir bezogen
die Minette erst seit April, Mai, also dem Zeitpunkt, an dem die französische
 Produktion zurückgegangen ist. Zu Schweden möchte ich noch
Jemerken: Die schwedische Regierung hat der genannten Grubengesellschaft
 die Höchstfördermenge vorgeschrieben. Diese Menge reicht allein
für unseren Bedarf nicht aus. Wenn die deutsche und ausländische
Eisenindustrie voll arbeiten, wird es schwierig sein, die erforderlichen
Erze heranzuschaffen,
Bernhard: Wir haben festgestellt, daß die deutsche Erzbasis
überhaupt nicht reicht, daß wir also auf alle Fälle auf Einfuhren anzewiesen
 sind, zweitens, daß die Siegerländer Erze — ich weiß im
Augenblick nicht, wie es mit den Lahnerzen steht —, Erze sind, die mit
der Minette gar nicht verglichen werden können, Meines Erachtens handelt
 es sich bei der Frage, ob die Siegerländer Produktion sowie die Dillınd
 Lahnproduktion erhalten werden soll oder nicht, darum, ob wir eine
eigene Erzbasis erhalten oder ob wir sie verlieren. Nun wissen wir doch,
daß die angeführten Momente auf alle Fälle für Deutschland gegeben
sind, gleichgültig, ob wir die beschränkte Erzbasis, die wir haben,
aufrecht erhalten oder nicht, da sie ja eben nicht ausreicht. Ist es
tatsächlich so, daß die Eisenindustrie Mangel an Erz hat, und daß
irgendwann die Produktion der Eisenindustrie in Frage gestellt. war?
Sachverständiger Wenzel: Zunächst sagten Sie ganz richtig:
Die Siegerländer Erzfrage — ich will einmal von der Lahn absehen —
ist nicht zu verquicken mit der Minettefrage. Wir haben nach dem
Kriege wohl noch keine Zeit gehabt, in der wir nicht unser ganzes Erz
bekommen konnten. Es besteht aber die Gefahr einer gewissen Schwierigkeit.
 Die Schweden hatten im Anfang d. J. in dem Hafen Narvik
ınd in dem Hafen Lulea auf Lager rund 3,5 Millionen Tonnen. Sie
waren angesammelt aus den früheren schlechten Jahren; teilweise aus
den Kriegsjahren, teilweise aus den Jahren, in denen Deutschland
wenig produzierte. . Diese Erze sind restlos nach Deutschland gegangen.
Wir wissen, daß Schweden im nächsten Jahr in den Lappländer Gruben
6,5 Millionen Tonnen, in den mittelschwedischen Gruben 1 Million
Tonnen, also zusammen 7,5 Millionen Tonnen produzieren kann, eine
Menge, die hinter unserem Bedarf zurückbleibt.

a 7**
        <pb n="168" />
        Bernhard: Es ist möglich, daß das auf die Eisenkonjunktutr
von Einfluß ist, ich sehe aber nicht ein, wieso irgend etwas verändert
würde, wenn wir das Siegerländer Erz nicht hätten.
Sachverständiger Wenzel: Wir müßten doch, wenn die Siegerländer
 Erze nicht mehr da wären, diese 2 Millionen Tonnen auch noch
Importieren.

Harms: In der Nationalökonomie haben wir es mit gewissen
Preisgesetzen zu tun. Wenn der Markt auf diese 2 Millionen Tonnen
unbedingt angewiesen ist, dann richtet sich der Preis nach den Produktionskosten
 dieser 2 Millionen. Die Tatsache, daß der Preis sich
nach diesen Produktionskosten nicht richtet, läßt ohne weiteres darauf
schließen, daß diese 2 Millionen Tonnen auch sonst zu haben sind.
Sachverständiger Neumark: Wenn die 2 Millionen Tonnen in
Deutschland nicht produziert würden, dann würde selbstverständlich
eine Nachfrage nach der fehlenden Menge in der Eisenerzwirtschaft
eintreten, d. h. das Preisniveau würde steigen. Von diesen weltwirtschaftlichen
 Vorgängen ist die französische Eisenindustrie teilweise
unabhängig, sie steht nicht in diesem Ausmaß in der Weltwirtschaft,
sie hat ihre Erze selbst, in den lothringischen Erzen und normannischen
Erzen. Auch die Preise für die Erzeugung der Eisenindustrie werden
heute nicht von uns nach unseren Selbstkosten festgelegt, sondern die
Preise des Eisens werden heute, wie Sie wissen, in Europa, man möchte
Sagen, in der ganzen Welt von Frankreich und Belgien bestimmt. Wir
Sind gezwungen, unsere Preise diesen Preisen anzupassen. Wir können
heute nicht auf die 2 Millionen Tonnen Erze verzichten, die wir im
Siegerland haben und uns die Erze auf dem Weltmarkt beschaffen und
den Weltmarktpreis steigern, da dieser Weltmarktpreis die Franzosen
und Belejer nicht berührt.

Sachverständiger Wenzel: Wenn Sie die Verhältnisse dieses
Jahres zugrunde legen, so haben wir im Jahre 1927 Hochkonjunktur
in Deutschland. Da gebe ich allerdings zu, daß es mir gleich ist, ob
das Siegerländer Erz heute eine Mark mehr oder weniger kostet; im
nächsten Jahre kann die Sache schon wieder anders sein. Dann wird
das Siegerländer Erz zu teuer, und dann kann man mir nicht zumuten,
daß ich eg zu den hohen Preisen — Selbstkosten plus Abschreibung
und Verzinsung — beziehe; die Folge wird sein, daß ich die Gruben
eben stillege. Dann habe ich sie aber nicht mehr nachher in der Hochkonjunktur.
 Ja, wenn ich sie dann einfach wieder wie eine kleine
Fabrik aufbauen könnte, wäre es gut. Aber wenn eine Grube einmal
versoffen ist, bleibt sie versoffen. Die Sorgen, die wir vortragen, betreffen
 auch gar nicht den gegenwärtigen Moment, sondern wir sind
eben davon überzeugt, daß, sobald die Konjunktur wieder nachläßt,
der Rückschlag auch im Siegerland kommen wird. Dann tritt wieder
die Verkümmerung ein, und wenn dann nicht geholfen werden kann
und geholfen wird, ist endgültig Schluß mit dieser Erzquelle.
Harms: In Zeiten einer Hochkonjunktur werden also diese Erze
benötigt, und infolgedessen richtet sich die Preisbildung nach diesen

PA
        <pb n="169" />
        Kosten oder hat die Tendenz dazu. In normalen Zeiten benötigt man
diese Erze nicht, und infolgedessen richtet sich der Preis nach den
Kosten der sonstigen Grenzprodukte, die zur Deckung des Bedarfs
noch herangezogen werden müssen. Dann scheiden diese Erze aus.
Damit ergibt sich die Grundfrage: Ist es unter volkswirtschaftlichem
Gesichtswinkel erforderlich, daß aus allgemeinen Mitteln für. diese
Zeit der Bergbau erhalten wird?

Sachverständiger Wenzel: Ich darf hervorheben: Die Siegerländer
 Erze und die Eisenprodukte aus den Siegerländer Erzen, nämlich
Stahleisen und sogenannte Spiegeleisen sind manganhaltige Sorten.
{Ihre Bedeutung geht weit über den Rahmen des Siegerlandes hinaus.
Es sind Eisensorten, die absolut notwendig sind für unsere gesamte
Martinstahlerzeugung; denn der Martinstahl, der bekanntlich mehr als
50 °/, unserer gesamten Stahlerzeugung ausmacht, wird hergestellt aus
Schrott unter Zusatz dieser manganhaltigen Eisensorten. Hierin liegt
eine besondere Bedeutune.

Vorsitzender: Wir kommen nunmehr zu den Fragen des
Marktes und der Frachtverhältnisse für Erze. Ich bitte zunächst die
zur Frachtlage für Erze gestellten Fragen zu behandeln.
Sachverständiger Benjamin: Zur Frachtenlage darf ich bemerken,
 daß Oberschlesien durch die Tarifpolitik in schärferem Maße
betroffen worden ist, als Rheinland und Westfalen, da die Anschlußfrachten
 von Kosel-Oderhafen — ein großer Teil der Erze, die über
Stettin kommen, wird auf dem Wasserwege bezogen — und besondere
auch die Gebühren in Kosel-Oderhafen gegenüber der Vorkriegszeit für
Öberschlesien sehr viel teurer geworden sind. Ich glaube, man darf
diesen Differenzverlust auf 2 RM. je Tonne veranschlagen. Das macht
für die Tonne Roheisen, wenn ich den Reingehalt an Erzen mit durchschnittlich
 50%, veranschlage, immerhin 4 RM. Der hohe Stand der
Tarife von Stettin, die ja auch für die tschechischen Werke galten, hat
zur Folge gehabt, daß schon ein gewisser Teil der Erztransporte nach
Danzig abgewandert ist.

Sachverständiger Katter: Die Erhöhung von Stettin nach Ober-Schlesien
 mit Verkehrssteuer, d.h. also der Betrag, den die Industrie
zu zahlen hat, beträgt 18,1 %. Das, was die Reichsbahn bekommt,
sind 11° über dem Friedensstand. Für das Erz, das von Stettin auf
dem Oderweg nach Kosel gefahren und dort umgeschlagen wird, beträgt
die Erhöhung 39° und nach Abzug der Verkehrssteuer für das, was
wir bekommen, 30°. Ich möchte hier kurz Motivieren, warum wir
diese verschiedene Steigerung haben, bei Stettin auf dem direkten
Bahnweg nur 18 °/, Erhöhung und beim Umschlag Kosel 39 °% Erhöhung.
Man könnte hieraus eine gewisse Animosität gegen die Schiffahrt
herauslesen. Wir wollten uns einen gewissen Teil an dem Erzverkehr
Stettin—Oberschlesien erhalten. Im Jahre 1913 hatten wir 159000
Tonnen von Stettin nach Borsigwerk, Öberschlesien, gegen 473 000
Tonnen auf der Oder oder in Prozenten: Wir hatten 25 % und die
Oder hatte 75 °%. Im Jahre 1926 hatten wir nur noch 8.7 9 und die

A
        <pb n="170" />
        Oder 91,3 °%. Darauf haben wir zum 1. Januar d. J. den Tarif auf
dem direkten Bahnweg verbilligt, weil wir den Umschlagstarif verbilligt
 hatten und dadurch verloren. Wir beobachten sehr genau den
Verkehr in Danzig. Wir fahren jetzt bereits die Erze von Stettin
nach Oberschlesien zu einem Tonnenkilometersatz von, wenn ich nicht
irre, 1,30 Pfg., d.h. zu einem Satze, wo wir die Grenze der Selbstkosten
 sehr scharf streifen. Wir können deshalb nur so niedrig fahren,
weil wir die Erze hinfahren und die Kohlen in der Gegenrichtung
zurückfahren. Den Verkehr nach der Tschechoslowakei haben wir
ziemlich ganz jetzt noch in Händen.
Köngeter: Wie groß ist die Verteuerung im Ruhr-Moselverkehr
heute bei dem heutigen Frachtsatz?
Sachverständiger Wenzel: Ein Drittel der Menge geht auf dem
Bahnweg, alles andere geht über den Rhein, weil die gebrochene Fracht
über Straßburg noch billiger ist als die 4,30 RM. Der Einheitstarif
von 4,30 RM. lohnt sich für die Rheinwerke nicht. Der gebrochene
Tarif kommt zur Zeit auf. etwa 2,60 RM.
Dr. Schneider: Die Binnenschiffahrtesätze auf dem Rhein
zeigen eine ganz andere Bewegung als die Binnenschiffahrtssätze auf
der Oder. Die Binnenschiffahrtesätze auf der Oder haben eine Steigerung
 von vielleicht 10°%, im Westen dagegen auf der Relation
Rotterdam—Duisburg gegenüber der Vorkriegszeit eine ganz erhebliche
 Steigerung erfahren. Ich frage, worauf es zurückzuführen ist,
daß im Westen eine solch erhebliche Steigerung der Frachten eingetreten
ist, im Osten dagegen nicht?
Sachverständiger Benjamin: Im Osten ist es tatsächlich so,
daß die Schiffahrt manchmal von Stettin nach Kosel-Oderhafen zu
4,50 RM. fährt. Der niedrigste Tarif, der mir in Erinnerung ist, war
4,10 RM., während die Rheinfahrten natürlich im Verhältnis teurer
geworden sind. Aber die Rheinfrachten haben.eben nicht die Konkurrenz
wie die Oderschiffahrt zu bekämpfen.
. Sachverständiger Wenzel: Beim Rhein kann das, was festgestellt
wird, statistisch erfaßt werden. Da ist die tägliche Börse. Die
F racht, die auf der Rotterdamer oder der Duisburger Börse gemacht
Wird, schwankt außerordentlich ie nach den Transportmengen, die
gefahren werden, und vor allen Dingen auch nach dem Rheinwasserstand.
Auf dem Rhein kennt man nicht diese langdauernden Abschlüsse, wie
man sie z.B. dankenswerterweise auf den Kanälen macht. Wenn Sie
z.B. den Dortmund-—Emskanal nehmen, so werden Sie finden, daß da
ganz geringe Schwankungen vorhanden sind, weil die Bezieher einen
Jahresvertrag machen. Sie fahren mehr oder weniger zu demselben
Satz. Ich nehme an, daß auf der Oder auch Verträge gemacht werden
und infolgedessen die Schwankungen nicht so groß sind.
Dr. Schneider: Natürlich kommt im Preise das Gesetz von
Angebot und Nachfrage zum Ausdruck. Infolgedessen müßte aus der
verschiedenen Preishöhe zu schließen sein, daß im Westen eben weniger
Konkurrenz besteht auf den Haupteschiffahrtewegen als im Osten.

167
        <pb n="171" />
        Sachverständiger Benjamin: Gegen die Bahn. Die Oderreederei
kann nicht 4,50 RM. verlangen, denn da geht niemand auf die Oder.
Sachverständiger Katter: Ich berufe mich auf ein sicher nicht
den Standpunkt der Eisenbahn vertretendes Blatt: „Die Oder‘, Diese
Schiffahrtszeitung der Oderschiffahrt hat als Grund dafür angegeben, daß
lie Oderschiffahrt in ihren Sätzen derartig herunter ist, ein wahnsinniges
Konkurrenzangebot der kleinen Schiffer, Jedenfalls ist es nicht die
Bahn, die die Preise drückt. Theoretisch könnte man von einer Schäligung
 durch den Staffeltarif dann sprechen, wenn das Spannungsverhältnis
 zwischen dem direkten Bahnwege einerseits und dem gearochenen
 Weg andererseits sich wesentlich verschoben hätte
Die Frachtlage ist folgende:

1913 1927
Direkter Bahnweg Stettin-Borsigwerk 513 km 5,67M 6,70 RM
Ablauffracht Cosel-Borsigwerk 56 km . . . 1,25, 1,60 &amp;amp;
Die Ablauffracht betrug also . . . . .. 22% 23,9%
der direkten Eisenbahnfracht.
An sich ist also die Ablauffracht im Verhältnis zur direkten Bahnfracht
 prozentual um ein geringes gestiegen. Zu beachten ist aber
einmal, daß — in absoluten Zahlen gesprochen — die Bahnfracht 1927
gegen 1913 um 1,03 RM. erhöht ist, dagegen die Ablauffracht nur um
35 RPfg. Praktisch ist deshalb eine Schädigung der Oderschiffahrt
nicht eingetreten, weil, was letzten Endes allein maßgebend ist, auch
zur Zeit die Gesamtfracht auf dem gebrochenen Weg billiger als die
Fracht auf dem direkten Eisenbahnweg ist. Die Gesamtfracht auf
dem gebrochenen Weg betrug 1913 von Stettin über Cosel nach
Borsigwerk 6,46 M. und war damit nur um 41 Pfg. billiger als der
direkte Bahnweg (einschließlich Umschlag 6,87 M.). Die gebrochene
Fracht beträgt 1927 6,47 RM. und ist um 91 RPfg. billiger als
der direkte Bahnweg. Es könnten also ruhig die Schiffer ihre
Schiffspreise erhöhen, um immer noch die nötige Anzugskraft zu haben,
um den Eisenbahntransport wegzunehmen. Bei dem Rhein kommt vielleicht
 noch hinzu, daß eben dort die Frachtmenge, die Frachtgüter und
Güterarten auf dem Rhein wesentlich umfangreicher und wesentlich
zahlreicher sind, so daß also nach dem Grundsatz von Angebot und
Nachfrage die Schiffahrt auf dem Rhein doch die Preise vielleicht etwas
höher halten kann. Hinzu kommt, daß die Kohlenfrachten auf dem
Rhein durch den sogenannten Oberrheinzuschlag des Kohlenkontors
überhaupt festgelegt sind, also damit ein großer Teil des Schiffverkehrs
auf dem Rhein zu festen Frachten fahren kann, weil eben das Kohlenkontor
 den Hauptanteil der Rheinfracht, auf diesen Oberrheinzuschlag
von 6,46 RM. festlegt.
Sachverständiger Kunstmann: Ich habe „Die Oder“ nicht
gelesen, kann mir aber kaum denken, daß es so ist. Die Partikulierschiffer
 fahren nicht billiger als die Schiffer der großen Reedereien. Auf
der Oder schleudern die Leute nicht mit den Frachten. Sie haben ihre
eigene Frachtstelle, die die Frachten bestimmt. In Wirklichkeit kon-AGX
        <pb n="172" />
        kurrieren sie auch mit der Eisenbahn. Das haben die Rheinschiffer
nicht nötig, denn am Rhein gibt es keine Eisenbahn, die Erze auf die
Hütten bringt. Daher hat natürlich die Rheinschiffahrt mit der Eisenbahn,
 wie es auf der Oder ist, nicht zu konkurrieren. Aber natürlich
würde die Oderfracht auch noch billiger werden können, wenn man Kohlen
von Kosel-Oderhafen nach Stettin bringen und dann wieder mit Last
zurückgehen würde.

Vorsitzender: Welcher Schiffsfrachtenraum steht für die
deutsche Eisenerzanfuhr zur Verfügung, insbesondere wie groß ist der
Anteil von deutschen Spezial-Erzechiffen an dem zur Verfügung stehenden
 Sechiffsraum?

*Sachverständiger Benjamin: Da wir nur einen Reeder zur Beantwortung
 dieser Frage als zuständig betrachten, haben wir uns an
eine befreundete Firma gewandt, die wie folgt antwortet:
„Ich bemerke ergebenst, daß sich eine auch nur einigermaßen
präzise Antwort meines Erachtens gar nicht geben läßt. Es ist nach
meiner Überzeugung vollkommen ausgeschlossen, auch nur annähernd
sagen zu können, welcher Schiffsfrachtenraum überhaupt für die
deutsche Erzanfuhr zur Verfügung steht. Um hierüber genauere
Zahlen angeben zu können, müßte man die gesamte Welttonnage
einzeln durchgehen, und auch dann könnte man noch nicht bei jeder
einzelnen Reederei feststellen, ob ihre Schiffe auch mit Sicherheit für
die Erzfahrt in Frage kommen.
Fast ebenso schwer ist es auch zu sagen, wie groß der Anteil
von deutschen Spezialerzechiffen an dem zur Verfügung stehenden
Schiffsraum ist, da ja die in Betracht kommenden Schiffe nicht nur
in der Erzfahrt, sondern auch in der Kohlen- und Getreidefahrt von
Fall zu Fall beschäftigt sind.“

*Sachverständiger Bicker: Für die Heranbringung der Erze
werden die Dampfer jeweils an den europäischen Frachtbörsen, wie Hamburg,
 London und Rotterdam, sowie durch direkte Verhandlungen mit
allen an der Trampfahrt interessierten Reedereien gechartert, und zwar
je nach Beurteilung der Marktlage durch Eindeckung der Fracht für die
ganze Vertragsmenge oder für einzelne Reisen. Einzelne Grubengesell-Schaften,
 wie die Trafikaktiebolaget Grängesberg-Oxelösund, verfügen
über etwa 165000 Tonnen und die Wabana-Gesellschaft über etwa
50000 Tonnen. Ale deutsche, an der Erzschiffahrt besonders interessierte
 Reedereien nenne ich u. a. die Firma Wilhelm Hemsoth, Hamburg,
 W. Kunstmann, Stettin. Deutsche Spezialerzschiffe gibt es m. W.
Nicht. Dagegen besitzt die Trafikaktiebolaget Grängesberg-Oxelösund
eine Reihe von Spezialerzschiffen. Für die Erzfahrt eignen sich alle für
den Transport von Massengütern gebauten Schiffe.
Genaue Auskunft hierüber wird am besten von den deutschen
Reedereien eingezogen werden.
Sachverständiger Kunstmann: Man kann dies nicht einmal
annähernd sagen. Tatsächlich sind die Schiffahrten aller Nationen daran
beteiligt. Man könnte es vielleicht durch Umfrage bei sämtlichen

14/Q
        <pb n="173" />
        deutschen Reedereien über unseren Verband der deutschen Reeder er.
fahren. Aber ich glaube, auch das wird kein vollkommenes Bild ergeben.
Vorsitzender: Außerdem muß man doch nicht immer einen
Spezialdampfer haben!
Sachverständiger Kunstmann: Nein. Dann zu der anderen
Frage, ob es Spezialschiffe gibt. Es gibt wohl einige Spezialschiffe.
{ch selbst habe einige Spezialschiffe. So hat z. B. die Trafik-Aktiebolaget
 in Stockholm, von der heute morgen schon gesprochen ist, ungefähr
 30 Dampfer, die besonders für die Erzfahrten gebaut sind. Aber
man kann sie nicht alle als spezielle Erzschiffe ansehen. Sie haben
große Luken, große Räume, eine Menge Ladegeschirr, womit die Erze
sehr leicht geladen und gelöscht werden können. Diese Schiffe laden
aber auch sehr oft ganz andere Dinge, Holz, Getreide usw.: wirkliche
Spezialschiffe gibt e&amp;amp; also nicht.

Sachverständiger Wenzel: Ich bin der Ansicht, daß die Tonnage,
die für die Erzfahrten in Frage kommt, einen ganz verschwindenden
Prozentsatz der Gesamttonnage ausmacht, die die in Deutschland zu
verbrauchenden Erze heranbringt. Das war vor dem Kriege anders.
Vorsitzender: Es ist also ein Rückgang des deutschen Anteils
Zu verzeichnen.

Sachverständiger Benjamin: Im wesentlichen darf man wohl
sagen, daß die Handelstonnage und speziell die Tonnage, die für die
Erzfahrten zur Verfügung steht, heute so reichlich vorhanden ist, daß
man irgendwie einen Mangel auf Jahre hinaus nicht voraussagen kann.
Wir werden selbstverständlich die Schwankungen haben, einmal dann,
wenn die Getreideverschickungen vom La Plata ganz besonders rege
sind. Dann findet der betreffende Dampfer, der nun einmal dort in der
Nähe ist, seine bessere Rechnung, Getreide zu fahren. Aber im großen
und ganzen betrachtet, ist die Tonnage reichlich vorhanden, so daß ich
auch für absehbare Zeit, für lange Zeit eine Steigerung der Seefrachten
etwa aus Mangel an Tonnage nicht voraussehe. Wenn wir voriges Jahr
solche hohen Seefrachten gehabt haben, so hat das auf ganz außergewöhnlichen
 Ereignissen beruht, auf dem englischen Arbeiterstreik.
Da haben wir von Poti nach Rotterdam 30sh bezahlen müssen, und
jetzt haben wir einen Dampfer mit 98h und 6sh befrachtet.
Sachverständiger Kunstmann: Die Frachtrate hängt von der
schnellen Beladung oder Entladung oder schlechten Beladung des Schiffes
ab. Wenn man wie früher 500, 600 Tonnen geladen und gelöscht hat,
so war die Fracht viel höher als heute, wo bei Entladung und Beladung
der Schiffe mit 2000, 3000 und 4000 Tonnen pro Tag gerechnet werden
kann. Natürlich hat das alles mit der Frachtrate zu tun. Die Frachtraten
 werden auf lange Sicht meiner Ansicht nach sogar keine wesentlichen
 Änderungen erfahren.

Sachverständiger Bicker: Ich möchte sagen, daß.ich nicht so
optimistisch bin. Speziell was. das Mittelmeergeschäft und das spanische
170
        <pb n="174" />
        Geschäft betrifft, so richten sich da die Frachten vollkommen nach den
Kohlentransporten im Mittelmeer.
Vorsitzender: In der Hauptsache Trampdampfer?
Sachverständiger Bicker: Jawohl. Und wir dürfen nicht vergessen,
 daß England augenblicklich sozusagen überhaupt nicht im Markt
ist. In dem Moment, wo England wieder stärker Erze kauft, werden
natürlich die Mittelmeerdampfer knapper, denn es geht immer nur eine
bestimmte Tonnage mit Kohlen ins Mittelmeer. Wenn also der deutsche
Bedarf groß bleibt und der englische Bedarf hinzukommt, so werden
nach meiner Ansicht die Erzfrachten aus dem Mittelmeer unbedingt
steigen; allerdings nicht in dem Maße, wie es Herr Benjamin z. B. aus
dem Schwarzen, Meer erwähnte, denn da gehen die Frachten gleich in
sh in die Höhe.

Vorsitzender: Ich bitte.um Erläuterung der Skanderzceharter
und der Deuterzcharter, sowie um Angabe, welche Veränderungen die
hr rberklamsoln gegenüber den 1913 geltenden Usancen mit sich gebracht
aben?

*Sachverständiger Brennecke: In der Vorkriegszeit wurden
Verfrachtungen von Schweden hauptsächlich auf Grund der „Baltiec“-Charter
 ausgeführt; gegenüber dieser in englischer Sprache gehaltenen
Charter ist während des Krieges als erstes Vertragsschema die „Deuterz“.-Charter!)
 festgelegt worden, im großen und ganzen nach dem
Muster der Baltic-Charter.
Nach Kriegsende machten sich verschiedene Bedingungen der Deuterz-Charter
 für die Erzbezieher unangenehm fühlbar, und in Verhandlungen
 mit den Reedern wurde die noch heute in der Ausgabe 1921 gebräuchliche
 Skanderz-Charter vereinbart.
Im Jahre 1922 wurde neben Skanderzcharter die „Deuterz-Neu“-Charter
 vereinbart. Auch diese wird heute noch benutzt.
Die hauptsächlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Frachtverträgen
 sind die folgenden:
Beginn der Liegezeit:
Vorkriegs-Charter — sobald das Schiff im Ladehafen im Turn ist,
d. h. einen Ladeplatz erhalten kann.
Deuterz-Charter — unabhängig vom Turn.
Skanderz-Charter — sobald das Schiff im Turn ist, der jedoch
80 laufende Stunden nicht überschreiten darf.
Deuterz-Neu-Charter — der Turn ist auf 80 Stunden beschränkt.
Beginn der Lade- und Löschzeit:
Vorkriegs-Charter — sofort.
Deuterz-Charter — desgl.
Skanderz-Charter — vom nächsten Tage ab.
Deuterz-Neu-Charter — desgl.
Kosten der Entlöschung:
Vorkriegs-Charter
des Befrachters,

1) Siehe S. 199 ff.
        <pb n="175" />
        Deuterz-Charter — für Rechnung des Befrachtere.
Sande Übarter — zu Lasten des Schiffes durch Befrachters
tauer.
Die in Zeile 84 der Skanderz-Charter vorgesehenen 10 M.
Löschkosten waren natürlich durch die Inflation bald überholt:
die Höhe der Löschkosten wird jeweils bei Abschluß der Charter
vereinbart.
Deuterz-Neu-Charter — Löschkosten zu Befrachters Lasten.
Streik-Klausel:
Die für den Befrachter günstigen Bedingungen der Vorkriegs-Charter
 wurden in der Deuterz-Charter zugunsten der Reeder
abgeändert.
Dagegen sehen Skanderz- und Deuterz-Neu-Charter wiederum
vor, daß auch bei Streiks der Hafen-, Gruben- oder Transportarbeiter
 nur die Hälfte der Liegezeit dem Reeder zu zahlen ist.
Vertretung im Löschhafen:
Nach der Deuterz-Charter war das Schiff im Löschhafen
durch die Makler der Reederei abzufertigen, während Vorkriegs-,
Skanderz und Deuterz-Neu-Charter den Makler des Befrachters
vorsehen.
Frachtabrechnung:
Laut Vorkriegs- und Deuterz-Charter war die Fracht auf
das im Löschhafen ermittelte Gewicht zu zahlen.
Skanderz- und Deuterz-Neu-Charter lassen Frachtzahlungen
nach dem Konnossementsgewicht zu, erstere unter Abzug von
3, °l, letztere von !/2°).
Durchrechnung von Lade- und Löschzeit war in den Vorkriegs-Charters
 verschiedentlich behandelt worden, teils vorgesehen,
teils fortgelassen, in der Deuterz-Charter nicht festgelegt.
Skanderz- und Deuterz-Neu-Charter gestehen die Durchrechnung
dem Befrachter wieder zu.
Die Zahlung von Eilgeld war weder in der Vorkriegs-, noch Deuterzund
 Skanderz-Charter vorgesehen; sie ist in Punkt 9 der Deuterz-Neu-Charter
 aufgenommen, unseres Wissens im Verkehr von
Schweden jedoch wenig oder gar nicht akut geworden.
*Sachverständiger Bicker: Die Charter Deuterz-Skandinavien ist
heute nicht mehr im Gebrauch, während die beiden letztgenannten Ausfertigungen
 noch benutzt werden, ihre Anwendung hängt von den gegebenen
 Verhältnissen ab. Der Unterschied zwischen den beiden letztgenannten
 Charters besteht kurz gesagt darin, daß die Deuterz-Neu-Charter
 mehr zugunsten der Befrachter und die Skanderz-Charter mehr
zugunsten der Reeder ist. Näheres hierüber ergibt sich aus dem
Schiffahrtsjahrbuch 1926 (Seedienst-Verlag Hamburg). Seite 516 ff. bis
Seite 5928.

Vorsitzender: Welche Kartelle des Erzbergbaus gibt es
im deutschen Inland,
im Ausland?

77
        <pb n="176" />
        Welche Mengen werden von diesen Kartellen im Vergleich zur
Gesamtförderung kontrolliert?
Wie wird das Erz in den verschiedenen deutschen Wirtschaftsgebieten
 eingekauft
durch Erzbezugsgemeinschaften,
durch freie Abschlüsse?
Welche Mengen werden schätzungsweise auf diese verschiedenen
Arten eingedeckt?
Wie groß sind die Abschlüsse in Erzen normalerweise?
Welches ist die normale Lieferfrist? Kaufen die Werke frei Hütte
oder fob deutschen Hafen?

*Sachverständiger Wenzel: Die Kartelle des Erzbergbaus sind
im Inland: der Siegerländer Eisensteinverein Siegen und der Berg- und
Hüttenmännische Verein, Wetzlar; im Ausland: die kartellartige Vereinigung
 „Somilor“ (Societe des mines de Lorraine in Paris). Dies ist
eine Vereinigung einer Anzahl lothringischer Minettegruben, die sich
zum Verkauf ihrer Produktion zusammengeschlossen haben. Daneben
besteht eine Anzahl selbständiger Minettegruben.
Der Siegerländer Eisensteinverein in Siegen umfaßt die gesamte
Produktion des Siegerlandes.
‚Der Berg- und Hüttenmännische Verein in Wetzlar ist kein Kartell
im eigentlichen Sinne, sondern eine Vereinigung der Grubenbesitzer des
Lahn- und Dillgebietes und Oberhessens, die gemeinsame Richtpreise
aufstellen, deren Einhaltung aber nicht erzwungen werden kann.
Einkaufsgemeinschaften gibt es nicht mehr. Es werden fast alle
ti durch freie Abschlüsse seitens der verbrauchenden Werke geauft.

Die Größe des Abschlusses hängt ab von dem Bedarf der Hütte und
der Leistungsfähigkeit der Grube, ;
Die Werke kaufen entweder zur sofortigen Lieferung oder tätigen
Abschlüsse auf längere Zeit und rufen darauf ab.
Die Werke kaufen entweder fob Ausgangshafen oder cif deutschem
Hafen oder frei Kahn Empfangshafen oder frei Werkshafen oder frei
Waggon Werk, aus dem Inland in der Regel ab Grube.
Für das Siegerland kommt speziell in Frage der Siegerländer Eisensteinverein
 in Siegen. Das ist ein Verein, durch den die Erze verkauft
werden, der die Preise festsetzt und dem alle Siegerländer Gruben angeschlossen
 sind. Ein weit größerer Teil des Absatzes der Siegerländer
Erze vollzieht sich aber im Selbstverbrauch. Dann besteht noch eine Art
Preiskonvention an der Lahn. Das ist der Berg- und Hüttenmännische
Verein in Wetzlar. Er gibt Preisrichtlinien heraus; aber die Vereinbarung
 ist 80 lose, daß die Mitglieder meines Wissens noch nicht einmal
 gebunden sind, sich an diese Preise zu halten.

*Sachverständiger Beniamin: Die Kartelle des Erzbergbaues im
deutschen Inland sind der Siegerländer Eisensteinverein mit einer Förderung
 1925 von 2061 000 Tonnen und der Berg- und Hüttenmännische
Verein, Wetzlar. Der letztere ist nur eine Preiskonvention.

12 Enq.-Aussch. III. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

17
        <pb n="177" />
        Der Einkauf des Erzes wird seitens der Bezugswerke durch freie
Abschlüsse bewirkt. Die Höhe der Abschlüsse muß den tatsächlich bezogenen
 Mengen gleichgesetzt werden.
Die Hüttenwerke kaufen Erze teils kurz-, teils langfristig, frei
Hütte oder cif deutschen Hafen oder fob ausländischen Hafen.
*Sachverständiger Willing: Im Inlande besteht als einziges
kartellartiges Gebilde der Siegerländer Eisensteinverein zu Siegen, der
Jie a aktion des Siegerländer Spateisensteinbezirkes fast, restlos
erfaßt.
Die Interessen des Dill-Lahn-Oberhessischen Gebietes sind zusammengefaßt
 in dem Berg- und Hüttenmännischen Verein, Wetzlar.
Dieser Verein setzt aber lediglich Richtpreise fest und befaßt sich nicht
selbst mit dem Erzverkauf.
Im Auslande ist mir lediglich ein Zusammenschluß einer Reihe von
Minettegruben zum gemeinsamen Verkauf ihrer Erze in der Societe des
nines de Lorraine bekannt.
Erzbezugsgemeinschaften sind mir nicht bekannt.
Der Erzeinkauf geschieht nach meiner Kenntnis lediglich durch
freie Abschlüsse.
Die Gesamteinkaufsmenge in Deutschland wird auf dem Wege freier
Abschlüsse bezogen. |
Die deutschen Hochöfen verbrauchen meines Wissens etwa 7 Millionen
 Tonnen Inlanderze im Jahre.
Eine normale Lieferfrist im Erzhandel gibt es nicht, -
Irgendeine Regelmäßigkeit in der Art der Erzabschlüsse ist nicht
festzustellen. Es kommen laufend alle Arten von Abschlüssen zuetande.


*Sachverständiger Bicker: Die Kartelle des Erzbergbaus sind der
Siegerländer Eisensteinverein G. m. b. H., Siegen; der Berg- und Hüttenmännische
 Verein, Wetzlar, ist nur eine Preiskonvention; Societe des
mines de Lorraine, Paris (abgekürzt „Somilor‘‘).
Diese „Somilor“ stellt die Vereinigung verschiedener lothringischer
Minettegruben dar, welche sich zum Verkauf ihrer Erze zusammengeschlossen
 haben. Außerdem gibt es natürlich noch eine Reihe selbständiger
 Minettegruben, die direkt verkaufen. ..
Die genannten deutschen Kartelle verfügen über die gesamte Pro-Juktion
 des Siegerlandes und des Lahn-Dillgebietes.
Erzbezugsgemeinschaften bestanden während des Krieges und noch
eine kurze Zeit nachher, heute gibt es solche nicht mehr. Es werden
alle Mengen durch freie Abschlüsse der deutschen Hüttenwerke entweder
 mit den Grubengesellschaften direkt oder mit den Erzhändlerfirmen
 getätigt. Man kann wohl sagen, daß der Gesamterzbedarf der
deutschen Hüttenwerke durch solche Abschlüsse gedeckt wird.
Die Größe eines Abschlusses hängt ganz von dem Bedarf der
Hüttenwerke in der betreffenden Erzsorte ab. Standarderze, wie die
Lapplanderze, Sydvarangererze, Wabanaerze, Riferze und Minette
werden durchweg in großen jährlichen Abschlüssen gedeckt, die je nach
dem Bedarf der Hüttenwerke mehrere 100 000 Tonnen vv. a. und Erzsorte
        <pb n="178" />
        umfassen. Für diese Erze wird die Lieferfrist in monatlichen Teilmengen
 über das Jahr verteilt. Andere Erze werden zur sofortigen
Lieferung oder zur Lieferung während eines Quartals gekauft. Man
kann in dieser Hinsicht keine Norm aufstellen; der Einkauf richtet sich
eben nach der Beschäftigung der Werke und ihrer Beurteilung der
Marktlage.
Die Werke kaufen entweder fob Grubenhafen oder cif Rotterdam
bzw. deutschem Hafen. Auch werden Abschlüsse frei Kahn Westhafen
oder gar frei Waggon Verbrauchswerk getätigt.

Vorsitzender: Welche Stellung nimmt in der deutschen Wirt-Schaft
 der deutsche Erzhandel ein, insbesondere welche Mengen werden
im Vergleich zur gesamten Erzversorgung durch ihn herbeigeschafft?

*Sachverständiger Bicker: Die Stellung des deutschen Erzhandels
ist im allgemeinen eine vermittelnde, darüber hinaus wendet, er große
Kapitalien durch Bevorschussung von Erzvorräten und Hergabe von
Mitteln zum Betriebe von Gruben auf. Etwa 20 bis 25 °/ der gesamten
Erzversorgung werden durch den deutschen Erzhandel herbeigeschafft.

*Sachverständiger Wenzel: Mit Ausnahme der langfristigen Ab-Schlüsse,
 die in Schwedenerzen mit der schwedischen Trafikaktiebolaget
Grängesberg-Oxelösund direkt getätigt werden, wird fast alles Erz durch
Vermittlung des Erzhandels, entweder des deutschen Erzhandels oder der
Vertretungen von ausländischen Erzhändlern, in Deutschland beschafft.

Sachverständiger Benjamin: Im allgemeinen muß wohl für die
deutsche Erzversorgung und damit für den deutschen Erzhandel eines
hervorgehoben werden: einen erheblichen Anteil hat die Grängesberg-Sesellschaft.
 Die Grängesberggesellschaft hat gerade in diesem Jahre
ihren Vertrag mit dem schwedischen Staat nicht nur verlängert,
Sondern gleichzeitig mit ihm vereinbart, daß sie erheblich größere
Mengen Erze fördern darf, als sie nach dem vorangegangenen Vertrage
fördern durfte. Soweit ich unterrichtet bin, wird die Förderung bis auf
9 Millionen Tonnen im Jahre gesteigert werden. -
Vorsitzender: Wie hoch ist sie jetzt?
Sachverständiger Benjamin: Die Förderung selbst dürfte etwa
6 Millionen Tonnen betragen. Die Ausfuhr ist allerdings größer gewesen.
 Das hängt aber damit zusammen, daß die Grängesberggesell-Schaft
 noch immer aus dem Vorrat von 2 Millionen Tonnen schöpft, dem
Sle während des Krieges an die Entente verkauft und den die Entente
dann zurückverkauft hat. Die schwedischen Erze nehmen ja einen sehr
Wesentlichen Teil an der Erzversorgung ein, Man kann das vielleicht
53Dz roh einmal ausrechnen. Die gegenwärtige deutsche Rohstoff-STzeugung
 beträgt etwa 1 Million Tonnen im Monat; dazu werden rund
2 Millionen Tonnen Erz gebraucht, also jährlich 24 Millionen Tonnen.
Ich nehme an, daß die Grängesberggesellschaft in den nächsten Jahren
/Wischen 6 und 7 Millionen Tonnen Eisenerz allein nach Deutschland
liefern wird. Die schwedischen Erze werden also einen Anteil von
ungefähr 30 °%, haben.

176
        <pb n="179" />
        Sachverständiger Wenzel: Heute sind es 45 °%.
Sachverständiger Benjamin: Dann kommen die bekannten
anderen. Gebiete hinzu. Da nimmt jetzt Nordafrika einen sehr bedeutenden
 Platz ein, und. zwar sowohl Französisch- als auch Spanisch-Nordafrika.
 Die nordafrikanischen Gruben werden in absehbarer Zeit eine
Förderung von ungefähr 2 Millionen Tonnen erreicht haben. Ich glaube
nicht, daß davon normalerweise mehr als */3 Million Tonnen zur Heimat
gehen werden, so daß .etwa 1'/2 Millionen Tonnen nach Deutschland
gehen werden. Das südrussische Erz kommt in absehbarer Zeit für
Deutschland nicht in Frage, weil es nicht billig genug geliefert werden
kann. Es kommt nach Oberschlesien und der Tschechoslowakei, weil es
da eine sehr lange Strecke, ungefähr 600 km, auf russischen Bahnen
gefahren werden kann.
Dort bestand schon vor dem Kriege ein besonders niedriger Staffeltarif,
 der noch billiger war als unser billigster Erztarif in Deutschland.
Die Russen, die uns das Erz frei Eisenbahnwagen an die russischpolnische
 Grenze verkaufen, verkaufen es uns in Pfunden, und von dem
Erzpreis entfällt ungefähr die Hälfte, also etwa 10 sh auf ihre
eigene Eisenbahnfracht. Aber die eigenen Kosten der Russen ab Grube
sind doch 80 hoch, daß wir beispielsweise augenblicklich mit dem Eisenarz
 nicht über Nikolajew nach Rheinland-Westfalen kommen können,
abwohl die Fracht von Nikolajew nach Rotterdam außerordentlich
billig ist. Die Russen kommen also nicht an Deutschland heran, abzesehen
 von westoberschlesischen Werken, die auch in diesem Jahre
etwa 150 000 Tonnen russische Erze bezogen haben.
Die spanischen Erze sind durch die nordafrikanischen Erze mehr
und mehr verdrängt worden, Einmal sind die Vorkommen in Nordafrika
sehr viel umfangreicher, also viel billiger in den Gestehungskosten, und
dann haben die Nordafrikaner, weil es neue‘ Gruben sind, von vornherein
 so großzügige Verladeeinrichtungen in ihren Verschiffungshäfen
zeschaffen, daß ein Dampfer von 5000 Tonnen innerhalb 24 Stunden
beladen ist. Das läßt sich in den spanischen Häfen, die Deutschland
früher sehr stark beliefert haben, einfach nicht erreichen, so daß heute
die Fracht von Nordspanien nach Rotterdam höher ist als von Nordafrika.
 Außerdem. sind die spanischen. Erzvorkommen naturgemäß
allmählich‘ sehr zurückgegangen. Beispielsweise ist Santander, das
früher einen recht erheblichen Anteil an den spanischen Erzverschickungen
 hatte, auf ein kaum noch erwähnenswertes Minimum zurückgegangen.
 Dann gibt es in Südspanien noch einige Gruben, die aber
nicht sehr vorteilhaft arbeiten und es infolgedessen in der Konkurrenz
sehr schwer haben. Im letzten Jahre hat sich außerdem zuungunsten der
spanischen Erze noch die Steigerung der spanischen Währung ausgewirkt
 während in Französisch-Marokko der billigere Franken war.

Sachverständiger Wenzel: Vielleicht interessiert hier, wie sich
die Erzdeckung in Rheinland-Westfalen abspielt. Ich habe hier die
Zahlen von den Vereinigten Stahlwerken für das Jahr 1927. Man
braucht diese Zahlen nur zu verdoppeln, um die Ziffern für ganz Rhein-TC
        <pb n="180" />
        land-Westfalen zu erhalten. Die Zahlen sind folgende, immer auf Eiseninhalt
 berechnet:
Aus dem Inland 11,8 °/ aus Schweden-Norwegen 44,4 °/, aus Neufundland
 4°/., aus dem Minettegebiet 5,1 °%, aus Nordfrankreich 4°),
aus Spanisch-Nordafrika 15,7 °, aus der Schweiz 0,2 °/,, Abbrände aus
spanischen und nordischen Kiesen 5,9°%, Agglomerate aus ausländischen
 Kiesen 1,3 °%, Manganerze aus Rußland, Indien und Brasilien
1,3 °/, Phosphate aus Nordafrika 0,2 °%. Dazu kommt dann der Rest
in Schlacken. Den wesentlichen Anteil hat also Schweden mit 44,4 °/,,
dann Ka Spanisch-Nordafrika mit 15,7°, dann das Inland
mit 11.8 9%

Köngeter: Welche Rolle spielt der Erzhandel in der Ver-Mmittlung
 der Ware vom Erzeuger zum Verbraucher? Es wäre sehr
angenehm, wenn uns Herr Wenzel an Hand der Zahlen der Vereinigten
 Stahlwerke schildern könnte, wie sich das Geschäft aus den
verschiedenen Bezugsgebieten zwischen den Erzeugungsstätten und den
Vereinigten Stahlwerken ungefähr abspielt. Ich glaube, gerade an
Hand dieser Zahlen würde man ein ganz gutes Bild bekommen.

_ Sachverständiger Wenzel: Wenn ich einmal bei dem Inland beginne,
 so spielt sich dieser Verkehr unmittelbar zwischen den Gruben
und den Werken ab. Was Schweden-Norwegen anlangt, so werden die
Schwedischen Mengen unmittelbar verkauft von der bekannten Grubenerzgesellschaft
 — das ist der bei weitem größte Anteil — an die Werke,
Ein Zwischenhandel oder auch nur eine Vertretung durch eine deutsche
oder ausländische Erzhandelefirma findet dabei, wenigstens im Westen,
Nicht statt, sondern diese Trafikaktiebolaget wird in Berlin durch eine
Schwedische Erzgesellschaft vertreten, die aber nur ein Organ dieser
Bolaget ist.
_ Der Verkehr mit Neufundland spielt sich auch so ab, daß ein un-Mittelbarer
 Abschluß zwischen der Gesellschaft und den Werken stattfindet,
 allerdings unter Vermittlung einer Händlerfirma im Westen, die
die Vertretung hat.
Im Minettegebiet findet der Verkehr hauptsächlich statt zwischen
der schon heute morgen erwähnten „Somilor“, der Vertretung der französischen
 Minettegruppe, und den Werken unmittelbar. Diese „Somilor“
hat wieder eine Vertretung in Essen sitzen, die Erzhandelsgesellschaft,
die die rein praktische Abwicklung vornimmt.
_ Die Erze von Nordfrankreich werden hauptsächlich verkauft durch
eine ganze Anzahl von Händlern, und zwar sind das sowohl deutsche
wie auch ausländische Händler. Der eigentliche deutsche Erzhandel,
der also selbst Erze im Ausland kauft, sie auf eigenes Risiko verfrachtet
und. an die Werke liefert, ist relativ klein, Es sind eben meistens die
Gruben selbst und die Vertreterfirmen der Gruben unter irgendwelchen
Namen und Titeln, die diese Geschäfte abwickeln.
Spanien-Afrika wird auch hauptsächlich durch den Erzhandel be-Sorgt,
 den deutschen oder den ausländischen.
Die Schweiz spielt keine Rolle.

8
        <pb n="181" />
        Die Abbrände werden fast nur von Erzhandelsfirmen besorgt,
ebenso die Phosphate, Konzentrate usw. Also im wesentlichen geht
alles durch den Erzhandel, mit Ausnahme der langfristigen Abschlüsse
mit der schwedischen Grubengesellschaft.
Vorsitzender: Das Erz wird gehandelt nach einer chemischen
Analyse?
Sachverständiger Wenzel: Ja, immer auf einer ganz bestimmten
Basis und Skala. Auf der Basis von 50 °% Eisen und 12 °%/ Kieselsäure
kostet das Erz z. B. 20sh plus oder minus 6 oder 5 d, was vereinbart
 wird je Prozent Eisen mehr oder weniger, plus oder minus 1*/,
oder 2 d je Prozent Kieselsäure. Sind die Erze phosphorhaltig,
lann ist auch eine Basis für Phosphor da. Es werden Bestimmungen
zetroffen über die Maximalgehalte an schädlichen Bestandteilen. Normalerweise
 wird das Erz auf der Hütte gewogen. Wenn es dann in
Waggons oder im Kahn ankommt, wird die Probe von jeder der Parjeijen
 analysiert. Weichen die Resultate über ein gewisses Maß hinaus
voneinander ab, so wird eine dritte Probe dem Schiedschemiker zur
Analyse übergeben.

Sachverständiger Benjamin: Das Gebiet, auf dem sich der Erzhandel
 betätigen kann, ist sehr erheblich dadurch verengt worden, daß
3ich diese großen Grubengesellschaften gebildet haben, die heute einen
antsprechend großen Anteil an der deutschen Erzeugung haben. Dann
sucht sich der Erzhandel auch dadurch selbständig zu betätigen, daß
er für eigene Rechnung kauft. Beispeilsweise geht unser großer Russenvertrag
 absolut unter eigenem Risiko. Wir haben von den Russen verschiedene
 hunderttausend Tonnen Eisenerze und Manganerze zu festen
Preisen gekauft, haben das Frachtrisiko auf uns genommen und versucht,
 das beste daraus zu machen.
In Deutschland findet ein ziemlich umfangreicher Schwefelkiesverkauf
 statt, der heute etwa 1 Million Tonnen beträgt. Davon entfällt
reichlich die Hälfte allein auf die I. G.-Farbenindustrie. Nachdem der
Schwefelkies abgeröstet ist, liefert er den Abbrand, d. h. ein etwas verunreinigtes
 Eisenerz, das aber durch chemische Verfahren so gereinigt
werden kann, daß es dann auch wieder ein hochwertiges Erz darstellt.
Das geschieht auf der Kupferhütte in Duisburg, die einen Teil ihrer
Produktion für den eigenen Verbrauch benutzt. Sie macht das Sogenannte
 Duisburger Tempereisen. Einen wesentlichen Teil aber — es
sind heute schon etwa 250 000 Tonnen — liefert sie in der Form von
n feste Form gebrachten Abbränden an die rheinisch-westfälischen
erke.
Im allgemeinen darf wohl gesagt werden, daß der Erzhandel in
Deutschland nicht eine Stellung einnimmt, die ihm die Möglichkeit
bieten könnte, Einfluß auf den Erzpreis zu nehmen oder durch einen
hohen Zwischennutzen das Erz zu verteuern, weil sich eben der Einkauf
der weitaus größten Mengen unmittelbar zwischen den großen Gruben
ınd den Werken abspielt.
Sachverständiger Bicker: Nur die kleineren Gruben sind dem
Erzhandel zugänglich, weil alle großen Gruben ihre eigenen Vertreter

78
        <pb n="182" />
        haben. Der Erzhandel kommt also nur an die kleineren Gruben mit
Produktionen von 100000 bis 200 000 Tonnen heran. Da kommt vor
allen Dingen Nordifrankreich in Betracht, dann Marokko und einige
andere kleinere Gruben. Die großen Gesellschaften sind durch den
Handel vertreten. Die Kiesabbrände müssen aus. allen Ecken zusammengeholt
 werden, und es ist Sache des Handels, Mengen zusammenzu
bringen, die dann im großen an die Werke verkauft werden.

Sachverständiger Schneider: Bestehen zwischen dem Oster
und dem Westen in dieser Beziehung Unterschiede? Kauft der Osten
auch direkt bei der Grängesberg-Gegellechaft auf lange Sicht ein?

Sachverständiger Benjamin: Es ist kein wesentlicher Unterschied.
 Es muß berücksichtigt werden, daß der Verbrauch im Osten,
also in Deutsch-Oberschlesien, schon durch die kleine Anzahl der dort
befindlichen Hochöfen beschränkt ist. Augenblicklich sind dort 5*/
Hochöfen in Betrieb. Wenn ich von einem halben Hochofen spreche,
so meine ich einen solchen, in dem Ferromangan hergestellt wird, der
also nur die Hälfte erzeugt. Der wesentliche Teil der oberschlesischen
Werke wird heute auch durch schwedische Erze gedeckt, die genau so
bei der Grängesberg-Gesellschaft eingekauft werden, wie es die west
lichen Werke tun.
Anders haben sich die Verhältnisse in Polnisch-Oberschlesien gestaltet.
 Auch die Werke, die polnisch geworden sind, versorgen sich
heute zu einem Teil aus den polnischen Gruben. In Polen kommen. die
Toneisensteine vor, die an sich ein recht gutes Erz sind. Außerdem
beziehen die polnischen Werke, und zwar sowohl die ehemals deutschen
als auch die in Kongreßpolen liegenden, das Kieselgurerz, augenblicklich
in einer Menge von ungefähr 400000 Tonnen im Jahr.

Vorsitzender: Wir haben uns heute eingehend über die Frage
nach dem Verhältnis von Nachfrage und Angebot auf dem Erzmarkt
unterhalten. Insbesondere hat dabei die Frage eine Rolle gespielt, wie
es sich beim phosphorhaltigen Eisen gestaltet. Wie beurteilen Sie
dieses Verhältnis?
Sachverständiger Benjamin: Man kann wohl von einem Mangel
an phosphorhaltigem Erz sprechen. Dieser Mangel ist schon so weit
gesteigert worden, daß heute Thomasroheisen aus phosphorarmen Erzen
unter Zusatz von Hochofenphosphat hergestellt wird. Aber ich glaube,
daß gerade diese Phosphate immer den Regulator bilden werden, denn
der Phosphor wird bekanntlich beim Thomasprozeß zurückgewonnen,
und der Preis der Phosphorsäure im Thomasmehl ist höher als im Roh-Phosphat.
 Da’ nun wegen des Zusatzes von Rohphosphat nicht etwa der
Thomasprozeß geändert zu werden braucht, kommt der Zusatz von
Hochofenphosphat darauf hinaus, daß man die im Phosphat vorhandene
unlösliche Phosphorsäure in die lösliche Phosphorsäure, wie sie in der
Thomasschlacke wiederkehrt, umwandelt. Ich will damit nur sagen,
daß man nicht besorgt zu sein braucht. Letzten Endes wird sich natürlich
 zu einem gewissen Zeitpunkt, wenn der Phosphor nicht mehr da

179
        <pb n="183" />
        sein sollte, die Umstellung dadurch vollziehen müssen, daß man im
höherem Maße zu dem Siemens-Martin-Prozeß übergeht.

Vorsitzender: Da hängt man aber vom Schrott ab.

Sachverständiger Benjamin: Aber in der Hinsicht hat sich
auch vieles geändert. Wir haben während des Krieges und besonders
nach dem Kriege in weitestem Umfange mit Schrott gearbeitet. Es war
ain groteskes Verhältnis, daß man vor dem Kriege gar nicht kannte.
Inzwischen ist fast in allen Ländern der sogenannte Kriegsschrott aufgebraucht,
 auch der Abwrackschrott. Jetzt kommt wieder nur der normale
 Schrott in Frage, da in ganz Europa notwendigerweise eine gewisse
Sparsamkeit auf der ganzen Linie eingesetzt hat, ist auch der absolute
Entfall an Schrott geringer geworden.

Vorsitzender: Wie beurteieln Sie die Marktlage für Mangan?
Diese Frage spielt deshalb eine gewisse Rolle, weil die Subvenhonierung
 des Siegerländer Erzes damit begründet wird, daß es manranhaltig
 ist.

Sachverständiger Benjamin: Man muß natürlich unterscheiden
zwischen dem Manganerz, das für die Herstellung von Ferromangan
benötigt wird — das Ferromangan kann ja nur aus dem hochwertigen
Manganerz hergestellt werden — und dem manganhaltigen Eisenerz,
das den Mangangehalt für das Thomas- oder Stahlroheisen liefert. Nach
meiner persönlichen Ansicht muß man unzweifelhaft alles tun, um den
Siegerländer Erzbergbau weiter an der deutschen Versorgung mitwirken
zu lassen. Er ist ja in eine 80 kritische Lage geraten, daß er einmal
fast ganz zum Erliegen gekommen ist. Ich bin an sich kein Anhänger
von Subventionen, aber in diesem besonderen Falle hat die deutsche
Wirtschaft, durch die Subvention ein sehr gutes Geschäft gemacht. Die
Subvention ist nach meiner persönlichen Auffassung um ein Vielfaches
wieder eingebracht worden, schon dadurch, daß so und so viel Arbeiter
beschäftigt werden konnten, die mehr Lohn verdient haben, als sie an
Arbeitslosenunterstützung bekommen hätten. Infolgedessen ist ihre
Kaufkraft gestiegen. Dann haben die Gruben ja selbst einen Verbrauch
an Betriebsmitteln. Vor allem sind die Erze auf der deutschen. Bahn befördert
 worden. Jede Tonne Mangan, die wir aus dem Siegerlande oder
aus irgendeinem anderen inländischen Lager nicht bekommen, muß unbedingt
 durch ausländisches Manganerz ersetzt werden. Ich würde das
Letzte aufbieten, um in erster Reihe das deutsche Mangan mobil zu
machen.

Vorsitzender: Welche finanziellen Beteiligungen oder sonstigen
 Bindungsverhältnisse bestehen zwischen den wichtigsten deutschen
 Erzhandelsfirmen

ıntereinander,
mit ausländischen Erzhandelsfirmen oder Erzgruben,
nit in- und ausländischen Reedereien,

a
        <pb n="184" />
        mit anderen in- und ausländischen Industriezweigen, insbesondere
Werken der eisenschaffenden Industrie? ;

*Sachverständiger Bicker: Finanzielle Beteiligungen oder sonstige
 Bindungsverhältniese untereinander bestehen meines Wissens
heute nicht mehr.
Die ausländischen Grubengesellschaften, wie auch Erzhändlerfirmen
 haben ihre Vertreter in Deutschland. ,
Einige Erzhandelsfirmen sind gleichzeitig Reeder, verfügen aber
aur über beschränkten Schiffsraum, der jedenfalls für die Heran-Schaffung
 des deutschen Bedarfs an ausländischen Erzen nicht in die
Wagschale fällt. Zusammenhänge mit deutschen Reedereien bestehen
Meines Wissens nicht. ;
*Sachverständiger Wenzel: Meines Wiesens bestehen keine
finanziellen Beteiligungen oder sonstige Bindungsverhältnisse zwischen
len wichtigsten deutschen Erzhandelsfirmen untereinander.
Es gibt Vertretungen von allen größeren ausländischen Erzhandelsfirmen
 und Erzgruben in Deutschland, die in der Regel von deutschen
Erzhandelsfirmen wahrgenommen werden.
_ Die meisten großen internationalen Erzhandelsfirmen sind gleichzeitig
 Reeder, Verbindungen mit inländischen Reedern bestehen meines
Wissens nicht.

Sachverständiger Benjamin: Ich kann nur von unserer Ge-Sellschaft,
 sprechen. Sie steht in gar keinem Bindungsverhältnis zu
irgendeinem Werksunternehmen oder Handelsunternehmen.. Es ist
Selbstverständlich, daß wir einzelne Erzgeschäfte mit anderen Firmen
Semeinschaftlich bearbeiten, aber irgendeine Bindung oder Preisvereinbarung
 der Firmen untereinander besteht nicht. Es werden Ge-Schäfte
 für gemeinsame Rechnung gemacht, wie das sonst auch ge-Schieht.

_ Zu ausländischen Erzgruben oder Erzhandelsfirmen stehen wir in
keinerlei Beteiligungsverhältnis, zu in- oder ausländischen Reedereien
auch nicht.

Sachverständiger Biceker: Beteiligungen bestehen nicht, man
kann auch wohl hinzufügen, daß zwischen anderen Erzhandelsfirmen
ebenfalls keine Beteiligung irgendwelcher Art besteht. Auch mit Reede-Telen
 und mit Werken bestehen meines Wissens keine Verbindungen.

_ Sachverständiger Wenzel: Eine ganze Menge Erzhandelsfirmen,
die in Deutschland sitzen, haben eine starke Abhängigkeit von ausländischen
 Grubengesellschaften, weil sie einfach deren Vertreter sind,
Oder auch eine Abhängigkeit von ausländischen Erzhändlern. Also
Nicht alles, was hier in Deutschland als Erzhandelsfirma gilt, ist nach
leder Richtung hin vollständig unabhängig, Nur der sogenannte
— wie wir ihn nennen — legitime deutsche Erzhandel ist tatsächlich
Wserer Auffassung nach unabhängig nach jeder Richtung hin.

+ 4

5}
        <pb n="185" />
        Sachverständiger Benjamin: Es ist ganz eigenartig und beruht
wahrscheinlich auf besonderen Verhältnissen: Während auf anderen
Gebieten des Handels überall Zusammenschlüsse erfolgt sind, habe ich
es in meiner jetzt 40jährigen Tätigkeit noch nicht erlebt, daß sich die
Erzhandelsfirmen zusammengeschlossen haben. Nach wie vor herrscht
frisch und froh der Wettbewerb, was ich im übrigen für den gesündesten
Zustand halte, sowohl für die Erzhandelsfirmen als auch für die Erzzerbraucher.


Sachverständiger Wenzel: Zu einem eigentlichen Erzgroßhandel
gehört ungeheuer viel Geld, denn die Ziele sind außerordentlich groß.
Die Grubenbesitzer, wenigstens die kleinen, z. B. in Spanien, wollen ihr
Geld möglichst schon vorher haben. Dann kommt das Erz erst in den
Hafen, verursacht Binnentransportkosten, dann Seefracht, dann wieder
Binnenfracht bis zum Werk; dann wird das Erz erst geprobt, und
Jlann liegt auch ein großes Risiko in der ganzen Sache. Früher war die
größte Erzhandelsfirma, die wenigstens im Westen das große Geschäft
gemacht hat, W. Müller &amp;amp; Co., eine holländische Firma. Nach dem Kriege
hat das sehr stark nachgelassen. Dadurch ist es vielleicht auch gekommen,
 daß sich heute alles mehr im Rahmen des reinen Vertretervesens
 abspielt, statt im eigentlichen selbständigen Erzhandel, für den
meiner Ansicht nach nur noch ganz wenig Firmen in Betracht, kommen.
Bernhard: Spielen bei der Preisgestaltung die Finanzierungszosten
 eine Rolle?

Sachverständiger Benjamin: Ja, besonders in dem russischen
Geschäft; denn die russischen Gruben verlangen nicht nur Vorausjezahlung
 des Erzes, sondern außerdem noch Vorschüsse.

Sachverständiger Bicker: So ist es bei den spanischen Gruben
auch: nicht nur Bezahlung bei der Abnahme, sondern auch sehr große
Vorschüsse, die man geben muß, um sich das Geschäft zu sichern. Es
gehört eben eine starke Kapitalkraft dazu, und das ist wohl auch der
Grund, weshalb das Geschäft mehr als Eigenhändler gemacht wird.
Bernhard: Bei den wechselnden Konjunkturen, die in der Eisenindustrie
 und insbesondere, damit zusammenhängend, auch im Erzgeschäft
 sich ergeben, ist das Erz bei starker Weltkonjunktur knapp, so
daß dann die Siegerländer Vorräte in Deutschland eine große Rolle
spielen. Bei schlechter Konjunktur ist das nicht mehr der Fall. Das
Siegerland stellt also gewissermaßen eine Reserve für gute Koniunkturen
 dar. Die Folge davon ist, daß bei schlechter Weltkonjunktur
Verluste entstehen. Nun ist ein Teil der Siegerländischen Gruben im
Besitz von großen Konzernen, ein Teil ist im freien Besitz. Wenn nun
Gewinnen‘ einzelner Jahre Verluste gegenüberstehen, wird sich das
natürlich bei den Einzelbesitzern finanziell ganz anders auswirken. Die
Folge der Aufwendung würde also sein, daß man den Staat oder die
Allgemeinheit veranlaßt, das Konjunkturrisiko zu tragen, die Koniunkturchance
 dagegen den Besitzern zu überlassen?

&amp;lt;A}
        <pb n="186" />
        Sachverständiger Benjamin: Ich möchte zunächst sagen, daß
ich mich bei meinen Ausführungen von guter und schlechter Konjunktur
überhaupt nicht habe leiten lassen, sondern von dem Moment, daß ich
meine Bedürfnisse im Inlande decke. Man darf aber nicht ganz losgelöst
von allen übrigen anschließenden Erwägungen den Erzpreis betrachten,
sondern man muß sich doch auch schließlich fragen, wie überhaupt das
Wirtschaftsleben in dem betreffenden Gebiet dadurch beeinflußt wird.
daß eine Grube stilliegt oder betrieben wird.
Bernhard: Das ist die soziale Seite, die natürlich auch mit
berücksichtigt wird.

Sachverständiger Benjamin: Es wäre meines Erachtens eine
abwegige Erzwirtschaft, wenn ich sagen sollte: Jetzt ist die Konjunktur
in Europa allgemein schlecht; ich habe ein Angebot an manganhaltigen
Erzen aus Nordspanien, das sich um 1,50 RM. pro Tonne billiger stellt
als der Siegerländer Roststahl, also verlange ich von der Siegerländer
Grube, daß sie sich diesem zufälligen Konjunkturstand absolut unterordnet.
 Die Siegerländer Grube liegt zunächst einmal in Deutschland;
sie ist mir immer zugänglich, und sie versorgt mich regelmäßig. Wenn
ich beispielsweise mit einer Siegerländer Grube über einen fünfjährigen
Erzvertrag verhandeln würde, so würde ich wahrscheinlich einen sogehannten
 normalen Durchschnittspreis erreichen, der mich in die Lage
Versetzt, den etwas niedrigeren Preis, der durch irgendeine vorübergehende
 schlechte Konjunktur entsteht, nicht als Verlust zu empfinden.
Hier habe ich die sichere, stationäre, gleichmäßige Bezugsquelle, ganz
abgesehen von der Gleichmäßigkeit des Erzes. Ich würde ohne weiteres
für fünf Jahre gern einen Preis bewilligen, bei dem die Grube gut
existieren kann, und es vollkommen ignorieren, ob mir in dem einen
oder anderen Jahre mal 10 000 oder 20 000 Tonnen spanische Erze etwas
billiger angeboten werden.

Bernhard: Das zeigt, daß eigentlich für die Gruben eine
dauernde Tiefkonjunktur gar nicht in Betracht kommt, sondern daß sie
mit einem Durchschnittsbetrag zu rechnen haben?

Sachverständiger Benjamin: Nach meiner Auffassung verdient
der heimische Bergbau in jedem Falle die Stütze, weil er im Durch-Schnitt
 der Jahre dem Verbraucher sicherlich mehr leisten wird als das
ausländische Erz. Die ausländischen Gruben verlangen von uns eben
den Preis, den sie bei der Konjunktur erzielen können.
Bernhard: Können Sie uns aus Ihren Erfahrungen sagen: Wie
Werden die Erzlieferungsverträge mit den Gruben vom Handel abge-Schlossen?


Sachverständiger Benjamin: Bei den heimischen Gruben ist
©S so, daß der weitaus größte Teil im Besitz von Hüttenwerken ist
Ich glaube, der Handel in heimischen Erzen ist ganz unbedeutend.
. Bernhard: Haben diese Gruben nun dauernde Verträge, oder
Wie ist die Form des Abschlusses?

87
        <pb n="187" />
        Sachverständiger Wenzel: Die Gruben verkaufen alle durch den
Siegerländer Verein, der die Preise von Monat zu Monat oder von Quartal
 zu Quartal, früher in noch längeren Zeiträumen, festsetzt. Der
Verein verkauft die Erzeugung zu diesen festen Preisen unmittelbar an
die Hütten. Der Erzhandel hat damit nichts zu tun.
Bernhard: Und der Siegerländer Verein ist nicht Eigenhändler?
Sachverständiger Wenzel: Er verkauft für eigene Rechnung,
U. h. für Rechnung seiner Vereinswerke.
Bernhard: Die Frage ist, ob er als Eigenhändler auftritt.
Sachverstäniger Benjamin: Er ist keine Ertragsgesellschaft;
er verkauft für die ihm angeschlossenen Mitglieder.
Bernhard: Nun will ich einmal den Fall annehmen, es würde
sich bei einer schlechten Eisenweltkonjunktur” ergeben, daß ein Überschuß
 vorhanden ist, daß z. B. nicht der gesamte Ertrag aller Gruben
verkauft werden könnte. Was würde dann geschehen? Würde eine
Fördereinschränkung vorgenommen?
Sachverständiger Wenzel: Jawohl. Ich verstehe, worauf die
Frage hinauswill. Sie meint, man könne die Konjunkturschwankungen
überbrücken, indem man mehrjährige Verträge macht. Das kann man
selbstverständlich. Dann bekämen die Gruben, ob die Konjunktur gut
oder schlecht ist, immer denselben Preis. Wenn dieser Preis nun so
wäre, daß sie davon leben könnten, dann wäre alles gut. Aber der
Preis, den sie erzielen können, liegt eben unter den Gestehungskosten,
wenn sie eine angemessene Abschreibung mit einkalkulieren. Die
Gruben können vielleicht zwei oder drei Jahre fördern, indem sie alles
herausholen, indem sie nur ausbeuten, aber sie können die Gruben nicht
auf den Stand erhalten, wie es erforderlich ist:
Bernhard: Wir haben vorhin gehört, daß nur noch ein kleiner
Teil der Produktion an Erzen in freien Händen ist. Bei den angeglielderten
 Werken tritt zunächst eine Subvention durch die Allgemeinheit
nicht in die Erscheinung. Die Frage ist natürlich, wie weit sie indirekt
wieder dadurch hervortritt, daß sie infolge der Preisgestaltung bei den
Werken auf die Konsumenten überwälzt..wird.
Sachverständiger Benjamin: Ich würde z. B. auch keinen Unterschied.
 machen zwischen einer freien Grube und einer Grube, die zufälligerweise
 einem großen Eisenwerk angeschlossen ist. Man muß
doch den Erzbergbau losgelöst als ein einzelnes Objekt betrachten.
Man kann unmöglich von dem Eisenwerk beanspruchen, daß es seine
Siegerländer Grube mit Verlust betreibt.
Sachverständiger Wenzel: Beim Siegerländer Bergbau war vor
dem Kriege nur ein ganz verschwindender Teil der Gruben in den
Händen der rheinisch-westfälischen Werke. Die Siegerländer Werke,
die dort wurzeln, hatten natürlich auch ihre Gruben. Der Ankauf der
Gruben durch Rheinland-Westfalen geschah erst im Kriege.
Vorsitzender: Welche Stellung nimmt die Trafikaktiebolaget
Grängesberg-Oxelösund auf dem internationalen  Eisenerzmarkt ein?
‘84
        <pb n="188" />
        Welche Mengen werden von ihr insbesondere nach dem Erwerb der nordafrikanischen
 Gruben kontrolliert? Inwieweit wird ihre Monopolstellung
durch eigenen oder kontrollierten Schiffsraum unterstützt?

*Oachverständiger Bicker: Die Stellung der Trafikaktiebolaget
Grängesberg-Oxelösund auf dem internationalen Eisenerzmarkt ist durch
den Besitz der lappländischen. Grubenfelder, der Grängesberg-Grube in
Mittelschweden und neuerdings” "der nordafrikanischen Gruben, speziell
was Deutschland anbetrifft, da dieses Land in großem Umfange Thomasroheisen
 erzeugt, überragend. Dagegen ist diese Stellung in den anderen
Ländern, welche mehr Hämatit- und Gießereiroheisen erzeugen, nicht
80 bedeutend. Nach schwedischen Zeitungsnachrichten beherrscht die
Grängesberg-Gesellschaft etwa 60 bis 65° des Erzbedarfs Europas.
Sie besitzt eben, was Thomaseisenerze betrifft, eine Monopolstellung
und wird hierin durch eigenen Schiffsraum (etwa 165 000 t) unterstützt.

*Sachverständiger Brennecke: Die Gesamtausfuhr von Eisenerzen
 aus Schweden betrug 1925 8 793 000 Tonnen, 1926 7 606 000 Tonnen,
 1927 (7 Monate) 5573 000 Tonnen. Schweden hat im Jahre 1926
39% des gesamten Erzexportes der Welt gedeckt (45 °% Ausfuhr der
europäischen Länder, gerechnet nach Tonnen-Fe-Gehalt).
Im Jahre 1925 41,2 °% bzw. 47,5 °).
Die Trafikaktiebolaget Grängesberg-Oxelösund hat verladen:
1925: 7629000 Tonnen,
1926: 6973 000 Tonnen,
Januar/August 1927: 6 775 000 Tonnen.
Die Trafikaktiebolaget dürfte über einen Schiffsraum von
24 Dampfern verfügen mit einer jährlichen Leistungsfähigkeit von
3000000 Tonnen.
Vorsitzender: Welche Bedeutung haben die russischen Man-Zanerzgruben
 für die deutsche Manganerzversorgung, und zwar:
1. die Gruben des südrussischen Erztrustes (Jurt),
2. die Gruben der Georgian-Manganese-Company in Tschiaturi?
_ Welche Mengen Erz sind in den letzten Jahren aus Tschiaturi und
Nikopol verfrachtet worden, und zwar unter Angabe, nach welchen ver-Schiedenen
 Ländern?

*Sachverständiger Wenzel: Die Gruben des südrussischen Erztrustes
 umfassen die Manganerzgruben von Nikopol und außerdem
Kisenerzgruben.
Die Bezirke Techiaturi und Nikopol haben für die deutsche Manganerzversorgung
 große Bedeutung. Die größere fällt wohl Tschiaturi
Zu, da Deutschland den größeren Teil seines Manganbedarfes von den
Techiaturigruben deckt.
{n den letzten Jahren eind aus Tschiaturi und Nikopol die nachstehend
 aufgeführten Mengen nach den‘ verschiedenen Ländern verrachtet)),

1) Siehe S. 104.

6
        <pb n="189" />
        ‘Sachverständiger Brennecke:
Deutschlands Manganerzeinfuhr:

Gesamtbezug
davon aus:
Rußland .
Gruben des Jurt nn
also wahrscheinlich von Tschiaturi

[9925

1926

19927

Tonnen

Tonnen

Tonnen

199 000

199 000

1. Halbjahr
181 000

63 000 89 000 91 000
48 000 39 000 18 000
15 000 | 50 000 | 73 000

Insgesamt von Tschiaturi und Nikopol sind verladen worden:

Russisches Wirtschaftsjahr

von Tschiaturi
von Nikovol

on Tschiaturi nach:
Deutschland, Holland und Belgien
Arankreich . 2...
Großbritanien .
ltalien . ..
den Vereinigten Staaten
sonstige Länder .

1924/25

1925/26

1926/27

Tonnen

Tonnen

Tonnen

| 11 Monate
406 000 472 000 | 493 000
125 000 . 202 000 194 000
581 000 674000 | 687000

82 000
12 000
383 000
25 000
302 000
18 000

|! 472 000

on. Nikopol nach:
Deutschland . . .
Polnisch-Oberschlesien
Kongreßpolen. . .
Srankreich. '. y 4
Belgien und Luxemburg.
Italien‘ .
England.
Holland .
Schweden

£0 000
8 700
500
14 500
40 900
24 200
500
800

29 700
35 900.
1100
88 300
39 700
7800

11 Monate
41 000
34.700
2.900
28 200
66 300
18 100

6 200
380

RG
        <pb n="190" />
        Vorsitzender: Welche deutschen Konzerne haben durch
finanzielle Beteiligungen oder andere vertragsmäßige Bindungen noch
Kontrolle über ausländische Erze?

_ Sachverständiger Wenzel: Ich habe Ihnen vorhin erzählt, daß
eine Reihe von rheinisch-westfälischen Werken eine gewisse Kontrolle
über. brasilianische Erzvorkommen haben. Ein anderes Werk hat eine
teilweise Kontrolle über chilenische Vorkommen. Wieder andere Werke
— es sind, glaube ich, drei — besitzen die Kontrolle über schwedische
Vorkommen. Die Gesamtmengen, die unter deutscher Kontrolle im Ausland
 gefördert werden, machen heute nicht mehr als 300 000, allerhöchstens
 400000 Tonnen aus.
Vorsitzender: Damit sind wir am Schluß unserer Verhand
lungen angelangt. Ich schließe die Sitzung.

{87
        <pb n="191" />
        Beschluß des Reichskabinetts vom 8. Mai 1926.
l. Auf Vorschlag des Reichskanzlers stimmt das Kabinett einer
Subventionierung des Erzbergbaues des Sieg-Lahn-Dill-Gebietes sowie
in Öberhessen grundsätzlich zu, vorbehaltlich einer Einigung der
Ressorts über die einzuschlagenden. Formen.
Das Preußische Staatsministerium hat unter dem 29. Mai 1926 zur
Sehebung der Notlage des Sieg-Lahn-Dill-Gebietes folgenden Beschluß
zefaßt:

„Preußen gewährt vom 1. Juni d. J. ab bis auf weiteres dem
Erzbergbau des Sieg-Lahn-Dill-Gebietes eine Absatzprämie bis
zu einer Höhe von 1 RM, je Tonne abgesetzten Erzes, durch deren
Zahlung in Verbindung mit den gleichhohen Beträgen durch das
Reich die Vorkriegsvergünstigungen für diese Gebiete wieder hergestellt
 werden sollen.
Das Ministerium für Handel und Gewerbe und das Finanzministerium
 werden mit der Ausführung dieses Beschlusses beauftragt.‘“


Der Minister
für Handel und Gewerbe.
I. 5987/26.

Berlin W 9, den 3. Juli 1926.
Leinzigerstr. 2.

Betrifft: Hilfemaßnahmen für das Sieg-, Lahn- und Dill-Gebiet.

Als Hilfsmaßnahme für die vorstehend genannten Notstandsgebiete
haben das Reich und Preußen die Gewährung einer Absatzprämie von
je 1 RM. die Tonne des ab 1. Juni d. J. abgesetzten Eisenerzesi zwecks
Wiederherstellung der diesen Gebieten in der Vorkriegszeit gewährten
Vergünstigungen, und zwar zunächst auf 6 Monate beschlossen.
DP- Im Auftrage:
zez. Schantz. Beglaubigt gez. Pfeiffer.
Ministerialkanzleisekretär.

An das Preußische Oberbergamt in Bonn

88
        <pb n="192" />
        Der Minister ; Berlin W 9, den 8. Dezember 1926,
für Handel und Gewerbe. Leipzigerstr. 2.
I. 10641
IL b.
VI. 1. 11. 4667.

Betrifft: Notstandsmaßnahmen für das Eisenmanganerzgebiet
an der Sieg, Lahn und Dill,

Schreiben vom 25, November 1926 — St. M.I. 14789. ;
Der Preußische Landtag hat in der Sitzung vom 9. November 1926
auf Antrag des Hauptausschusses (Drucksache Nr. 4303) beschlossen,
„das Staatsministerium zu ersuchen, die für die Grubenbetriebe
des Siegerlandes sowie des Lahn- und Dill-Gebietes seit dem
1. Juni 1926 bewilligten Staatsbeihilfen unter Einbeziehung
 des Sauerlandes und des Hunsrücks bie zum
Ende des Rechnungsjahres 1926 weiterzugewähren,
Voraussetzung der Gewährung der Staatsbeihilfe ist, daß die
Bedürftigkeit an sich leistungsfähiger Betriebe von Fall zu Fall
von dem eingesetzten Prüfungsausschuß beim Oberbergamt Bonn
einwandfrei festgestellt ist.“
Diese Beihilfen sind als Absatzprämien bis zur Höhe von 2 RM.
je Tonne abgesetzten Erzes auf Grund. des Staatsministerialbeschlusses
vom 29, Mai 1926 — St. M. 7082 — von Preußen bis auf weiteres be-Willigt
 worden. Da das Reich s. Zt. zunächst nur die Mittel für sechs
Monate gewährte, mußte auch Preußen in gleicher Weise vorgehen, und
es hat im Staatshaushalt für 1926 bei den einmaligen Ausgaben unter
Kap. 7 Til. 7 vom 1. Juni 1926. ab 2 RM. je Tonne zunächst für sechs
Monate mit 1800 000 RM. bereitgestellt. Hiervon trägt das Reich die
Hälfte, die bei Kap. 9 Til. 1 in Einnahme erscheint.
_ Zwischen den beteiligten Reichs- und preußischen Ressorts ist vereinbart
 worden, die Hilfsaktion für die bisher betroffenen Gebiete bis
zum Ende des Rechnungsjahres 1926 fortzusetzen, und zwar mit der
Einschränkung, daß die Beihilfen vom 1. November 1926 ab unter Zu-8rundelegung
 einer Höchstförderung von monatlich 250000 Tonnen
gewährt werden sollen, von denen 220000 Tonnen auf Preußen und
30 000 Tonnen auf Hessen entfallen. Mit Rücksicht auf die erheblichen
Förderungssteigerungen bei einer großen Zahl von Gruben erschien die
F estsetzung der Höchstgrenze erforderlich. Vom 1. April 1927 ab soll
ein Abbau der Beihilfen in der Art eintreten, daß die Unterstützungen
im Herbst 1927 aufhören. Das Reichskabinett hat einen entsprechenden
Antrag inzwischen‘ angenommen.
gez. Dr, Schreiber.

An den Herrn Preußischen Ministerpräsidenten,

13 Eng.-Aussch, III. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

{RO
        <pb n="193" />
        Der Preußische Minister
für Handel und Gewerbe...
J. Nr. I 363/27
Ib.
VI. 187/27.

Berlin W9, den 19. Januar 1927.

Eilt, ;
Betrifft: Hilfsmaßnahmen für das Lahn-, Sieg- und Dill-Gebiet,
Das Preußische Staatsministerium hat sich durch Beschlußfassung
im Wege des Umlaufs damit einverstanden erklärt, daß die Absatzprämien
 für den Eisenerzbergbau des Lahn-, Sieg- und Dill-Gebietes
vom 1. November 1926 ab bis zum Ende des Rechnungsiahres 1926 in
Höhe von 2 RM. je Tonne abgesetzten Erzes bis zur Höchstmenge von
220 000 Tonnen monatlich weiter gewährt werden. Hiervon trägt wie
bisher das Reich die Hälfte mit 1 RM. je Tonne. Die Grundlagen, auf
denen die Weitergewährung erfolgen soll, gehen aus meinem Schreiben
an den Herrn Preußischen Ministerpräsidenten vom 8. Dezember 1926
— I. 10641 — hervor, von dem Abschrift beiliegt. -
pp. Im Auftrage.
An das Preußische Oberbergamt in Bonn.
Abschrift übersende ich zur gefl. Kenntnis.
Im Auftrage: gez. Schantz.

Der Minister
°ür Handel und Gewerbe,
I. 3830 ;
II b 4534 .
VI .
Betrifft: Beendigung der staatlichen Notstandsmaßnahmen für
das Manganeisenerzgebiet an Sieg, Lahn, Dill mit Obernessen.
 .
Durch übereinstimmende Beschlüsse des Reichskabinetts und des
Preußischen Staatsministeriums sind der Abbau und die Beendigung der
Notstandemaßnahmen für den Eisenerzbergbau im Sieg- und Lahn/Dill-Gebiet
 sowie in Oberhessen in folgender Weise festgelegt worden:
Die Absatzprämie für jede Tonne neugeförderten Eisenerzes, beschränkt,
 auf eine Höchstmenge von 250000 Tonnen, wird in den {folzenden
 Monaten wie folgt gestaffelt:
April .
Mai .
Juni
Juli...
August
September

Berlin W 9, .den 28. Mai 1927.
Leipzigerstr. 2.

‚90
        <pb n="194" />
        Mit Ablauf des Monate September hören die Zahlungen vollständig auf.
An der mit Absatzprämien ausgestatteten Höchstmenge von
250 000 Tonnen sollen das Siegerland monatlich bis zu 160 000 Tonnen,
das Lahn/Dill-Gebiet bis zu 65000 Tonnen und Oberhessen bis zu
25 000 Tonnen beteiligt sein. Über die Verwendung von Restbeträgen,
Welche in den einzelnen Unterstützungsgebieten dadurch entstehen, daß
das Absatzkontingent nicht erreicht werden kann, behalten sich die beteiligten
 Ressorts die Entscheidung bis nach Beendigung der Notstands-Maßnahmen
 vor.
Im Auftrage: gez. v. Meyern.
An a) den Siegerländer Eisensteinverein in Siegen,
b) den Berg- und Hüttenmännischen Verein in Wetzlar.

Beschluß des Reichskabinetts.
1. Auf Vorschlag des Reichskanzlers stimmt das Kabinett einer
Subventionierung des Erzbergbaues des Sieg-Lahn-Dill-Gebietes sowie
in. Oberhessen grundsätzlich zu, vorbehaltlich einer Einigung der
Ressorts über die einzuschlagenden Formen.
2. Beschluß: Vorlage für Preußen. Preußen gewährt vom 1. Juni
d. J. ab bis auf weiteres dem Erzbergbau des Sieg-Lahn-Dill-Gebietes
eine Absatzprämie bis zu einer Höhe von 1 RM. je Tonne abgesetztes
Erz (Rostspat ist gestrichen worden), durch deren Zahlung in Verbindung
 mit den gleichhohen Beträgen durch das Reich die Vorkriegs-Vergünstigungen
 für diese Gebiete wieder hergestellt werden sollen.
Das Ministerium für Handel und Gewerbe und das Finanzministerium
Werden mit der Ausführung dieses Beschlusses beauftragt. Nächstens
Preisherabsetzung.
3, Beschluß des Siegerländer Eisensteinvereins:
‚Nachdem das Reichskabinett in seiner Sitzung vom 7. Mai d. J.
Sich damit einverstanden erklärt hat, dem Notstandsgebiet an Sieg,
Dill, Lahn und Oberhessen für in Wegfall gekommene Vorkriegsvergünstigungen
 einen Ausgleich zu gewähren, und das Preußische Staats-Ministerium
 beschlossen hat, sich in gleicher Höhe wie das Reich ab
1 Juni dieses Jahres an den Hilfsmaßnahmen zu beteiligen, glaubt der
Eisensteinverein es verantworten zu können, seine Preise um den ge-Währten
 Vergünstigungsbetrag herabzusetzen.

191
        <pb n="195" />
        Der Minister ..
für Handel und Gewerbe.

Betrifft: Notstand an der Sieg,
Lahn und Dill.

An den
Herrn. Reichs-Äinanzminister

z. H. des Herrn
Ministerialrats
Graf Schwerin
von Krosigk
inoch heute,
durch besonderen
 Boten)

Zu I. 5061.

Berlin, den 31. Mai 1926.

Eilt sehr a. 1. R.

Im Nachgang zu meinem Schreiben vom 14. d. M.
— I. 4464 — teile ich ergebenst mit, daß das Preußische
Staatsministerium unter dem 29. d. M. folgenden Beschluß
 zur Behebung der Notlage des Sieg-Lahn-Dill-Gebietes.
 gefaßt hat:
Nach Abgang „Preußen gewährt vom 1. Juni d, J. ab bis auf
den Abt II u. VI weiteres dem Erzbergbau des Sieg-Lahn-Dill-Gebietes
Tan gell. Kenntnis- oine Absatzprämie bis zu einer Höhe von 1 RM. je Tonne
; ) abgesetzten Erzes, durch deren Zahlung in, Verbindung
mit den gleichhohen Beträgen durch das Reich die Vorkriegsvergünstigungen
 für diese (Jebiete wieder hergestellt
 werden sollen.
Das Ministerium für Handel und Gewerbe und das
Finanzministerium werden mit der Ausführung dieses
Beschlusses beauftragt.“
Der Preußische Finanzminister hat sich bereit erklärt,
 alsbald einen Vorschuß in der ungefähren Höhe
der letzten Monatsförderung zu leisten, um dem schwer
notleidenden Bergbau sofort Hilfe zuteil werden zu
lassen.
Unter dem 8. d. M. hat auch das. Reichskabinett
einer finanziellen. Unterstützung dieses Gebietes grundsätzlich
 zugestimmt und nur die zu wählende Form noch
offen gelassen.
Zwischen den zuständigen Referenten des Reichswirtschaftsministeriums
 und meines Ministeriums war,
da dem Reiche die Lokalbehörden zur Durchführung
dieses Beschlusses fehlen, vorläufig abgesprochen worden,
 daß die anteiligen Beträge des Reiches an das
Preußische Finanzministerium abgeführt werden, so daß
hiermit die Formfrage im wesentlichen gelöst erscheint.
Die Industrieverbände des Sieg-Lahn-Dill-Bezirks
haben dringend um Bekanntgabe der Beschlüsse von

‘(97
        <pb n="196" />
        Reich und Preußen gebeten, um in der auf den 3. d. M.
angesetzten Versammlung ihrerseits den Beschluß auf
Senkung der Richtpreise um jene 2 RM. je Tonne abgesetztes
 Erz fassen zu können.
Da die Vereinigten Stahlwerke A. G. Düsseldorf im
Begriffe sind, größere Lieferungen auf Erze zu vergeben
und diese an das Ausland aus eigenen wirtschaftlichen
Gründen vergeben müssen, wenn nicht die Verbilligung
von 2 RM. je Tonne für heimische Erze spätestens bis
zum 3. Juni d. J. sichergestellt ist, bitte ich um gefällige
Mitteilung bis zum 2. Juni mittags 2 Uhr an meinen
Referenten, Oberbergrat Dr. Schreiber, daß die anteiligen
 Beträge vom Reich im Laufe des Juni zur Verfügung
 gestellt werden.
Den oben angeführten Beschluß des Preußischen
Staatsministeriums werde ich spätestens am 2. Juli den
beteiligten Industrieverbänden bekanntgeben.
Abschrift dieses Schreibens erhalten der Herr
Reichswirtschaftesminister, der Herr Reichsarbeitsminister
 und der Herr Oberbergrat Köbrich vom Hessischen
 Staatsministerium in Darmstadt auf seinen
Wunsch.

2. An den
a) Herrn Reichswirtschafts-


z.H.des Herrn
Ministerialrats
 Ruelberg,
b) den Reichsarbeits-

 z H.
des Herrn Ministerialrats

Dr. Berger
Berlin

3. Herrn
Öberbergrat
Köbrich
Darmstadt
Paradeplatz.

Abschrift (von 1) übersende ich zur gefälligen
Kenntnisnahme.

Abschrift (von 1) übersende ich ergebenst zur
weiteren Vorlage an das Hessische Staatsministerium
gemäß Ihrem am 29. d. M. dem Öberbergrat Dr. Schreiber
 gegenüber geäußerten Yonsche
“Begl.) N

193
        <pb n="197" />
        Die finanzielle Auswirkung der Reichs-und Staats
beihilfe für den Siegerländer Eisenerzbergbau.
(Juni 1926 — September 1927.)
Eingereicht: Dezember 1927 von dem Sachverständigen Willing.
Vom Siegerländer Bergbau ist wiederholt zum Ausdruck gebracht
worden, daß die ihm in der Zeit vom Juni 1926 — einschl. September
1927 gewährte Staatsbeihilfe kein Opfer für Reich und Staat bedeute,
daß vielmehr Reich und Staat hierbei ein gutes Geschäft gemacht
hätten.
Nachdem mit Ende September d. J. die Beihilfe, welche für die
Siegerländer Gruben — also ohne Dill- und Lahngruben — 4678 128
Reichsmark betrug, aufgehört hat, erscheint es angebracht, zu untersuchen,
 ‚wie sich dieselbe im einzelnen — soweit dies zahlenmäßig
möglich ist — ausgewirkt hat.
Der Tiefpunkt der Lage des Siegerländer Bergbaus fällt in den
April 1926, wo man den kritischsten Punkt erreicht hatte und es sich
darum handelte, ob die wenigen, noch in Betrieb befindlichen größeren
Gruben erhalten oder zum Teil noch eingestellt werden würden. Die
Förderung der dem Siegerländer Eisensteinverein angehörenden Gruben
war in diesem Monat auf 71 689 Tonnen, die Belegschaft auf 4411 Mann
zurückgegangen.
Die Besserung der Lage setzte sofort mit Gewährung der Beihilfe
ein, sie wurde jedoch erst gesichert durch die vorher übernommene
bindende Verpflichtung der rheinisch-westfälischen Werke, nach Gewährung
 der Beihilfe und erfolgter Ermäßigung der Eisensteinverkaufspreise
 in gleicher Höhe, die größere Förderung der Gruben auch abzunehmen.
 Die Wirkung der Beihilfe machte sich bereits im Mai bemerkbar,
 da ein Teil der Gruben damit gerechnet hatte, daß die Beihilfe
schon für diesen Monat gewährt werde. Infolgedessen ist dieser Monat
auch in die nachfolgenden Berechnungen mit einbezogen worden.
Die Auswirkung ergibt nun folgendes Bild: .
1. Ersparte Erwerbslosenbeträge.
Die Belegschaft: der Gruben erhöhte sich‘ gegenüber 4411
Mann im April 1926 im Mai um 1242, Juni 2584, Juli 2918, August
3287, September 3572, Oktober 3743, November 4361; Dezember 4352,
Januar 1927, 4556, Februar 4609, März 4745, April 4685, Mai 4713,
Juni 4771, Juli 4695, August 4856, September 4879, das sind im ganzen
58 568, bzw. im Durchschnitt der 17 Monate 4033,41 Mann.
Unter Zugrundelegung von 75 RM. pro Mann und
Monat während dieser Zeit wurden somit dem Staate
1033,41 X 17 X B= 2
an Erwerbslosengeldern erspart.
194
        <pb n="198" />
        2. Lohnsteuer-Ertrag.
Für die vorgenannten mehr eingestellten Arbeiter
ergibt sich unter der Annahme eines Durchschnittsmonatsverdienstes
 in Höhe von 150 RM. nach Abzug
einer steuerfreien Grenze von 120 RM. ein versteuerbarer
 Verdienst von 30 RM. &amp;amp; 10°% = 3 RM. je Mann,
also 4033.41 X 17 * * 3=205

 704 RM.

3 Steuer der Gruben für Mehrförderung.


Die Förderung der Gruben stieg gegenüber
71689 Tonnen im April 1926 im Mai um 7690 Tonnen,
Juni 54 538 Tonnen, Juli 86 631 Tonnen, August 81 675
Tonnen, September 87 872 Tonnen, Oktober 94 001 Tonnen,
 November 101 224 Tonnen, Dezember 104 794 Tonnen,
 Januar 1927 110336 Tonnen, Februar 105 185
Tonnen, März 134373 Tonnen, April 109543 Tonnen,
Mai 114 723 Tonnen, Juni 103.556 Tonnen, Juli 113 439
Tonnen, August 122 020° Tonnen, September 118 440
Tonnen. Sa. 1650040 Tonnen bzw. im Durchschnitt
der 17 Monate . .... 2... 97061,17 Tonnen.
Bei einem Steuersatz von etwa 0,70 RM. je Tonne
Förderung ergibt sich ein Steuerbetrag von. .

1155 028 RM.

A. Eisenbahn-Verkehrssteuer.

Die Frachteinnahmen der Reichsbahn stiegen von
243 528 RM. im April 1926 im Mai um 1961 RM., Juni
28 633 RM., Juli 103 201 RM., August 98 034 RM., September
 119982 RM., Oktober 180924 RM., November
218826 RM., Dezember 164709 RM., Januar 1927
207 798 RM., Februar 176 025 RM., März 215 505 RM.,
April 150 153 RM., Mai 165 729 RM., Juni 154 672 RM,,
Juli 1594839 RM., August 191572 RM., September
Se 011 RM. Sa. 2518 174 RM. Hiervon 7°/, Verkehrs-Steuer
 =— 2...

Die vorgenannten Positionen ergeben demnach für
den Siegerländer Bergbaubezirk allein eine unmittelbare
Mehreinnahme bzw. Ersparnis der Reichs- und Staatskasse
 von

176 272 RM.

6679602 RM

Sie deckt also nicht allein schon die von Reich und
Staat gewährte Beihilfe in Höhe, von 4678128 RM.,
Sondern übersteigt dieselbe sogar um 2001474. RM.
Hierzu treten die mittelbaren Mehreinnahmen
bzw. Ersparnisse der Reichs- und. Staatskasse. 2

195
        <pb n="199" />
        la. Ersparte Erwerbslosenbeträge
im Kohlenbergbau.
Eine Tonne Eisenerzförderung erfordert an .Brennstoff
 bzw. elektrischen Strom !/, Tonne Kohle. Obige
Eisenerzmehrförderung in Höhe von 1650040 Tonnen
bedingt somit eine Kohlenmenge von 1650040 x 0,20
= 330 008 Tonnen, zu deren Gewinnung bei einer Leistung
 pro Mann und Schicht von durchschnittlich
1,1 Tonnen 300007 Schichten, bzw. bei 25 Arbeitstagen
 im Monatesdurchschnitt 705,9, in 17 Monaten also
12 000 Mann mehr benötigt wurden, bzw. nicht entlassen
zu werden brauchten. Auch hier dieselbe Arbeitslogenunterstützung
 pro Mann und Monat zugrunde gelegt,
reibt einen ersparten Erwerbslosenbetrag von 12000
X N

2a. Lohnsteuerertrag im Kohlenbergbau,

Von vorgenannten 12000 Mann Mehrbelegschaft
im Kohlenbergbau bei einem durchechnittlichen Nominallohn
 pro Mann und Schicht von 7,50 RM. —
187,50 RM. in 25 Arbeitstagen ist eine Steuersumme von
187,50 RM. bei 120 RM. steuerfreiem Betrag = 67,50 RM.
a 10°% = 6,75 RM. je Mann, also insgesamt zu ent-»ichten
 . .

3a. Steuer der Zechen für Kohlenmehrförderung

in Höhe von 330 008 Tonnen erbringt bei 1,30 RM. je
Tonne. . ... nn

4a. Steuerertrag der Arbeiterkaufkraft

der mehrbeschäftigten Arbeiter: .
a) Beim Siegerländer Erzbergbau: Bei 150 RM.
Monatsverdienst abzüglich '/, — 21,43 RM. für Steuern
and Sozialabgaben und 75 RM. monatliche Erwerbs-(osenunterstüzung
 verbleibt eine Mehrkaufkraft von
53,97 RM. pro Mann und Monat, also bei 68 568 Mann
3673188 RM.
Nimmt man an, daß dieser Betrag im wirtschaftlichen
 Zirkulationsprozeß mit nur 10° Steuern belastet
wird, so ergibt sich ein Steuermehrbetrag von. . . .
o) Beim Kohlenbergbau: Von dem Monatsverdienst
in Höhe von 187,50 RM. verbleiben nach Abzug von
'/ı = 26,78 RM. für Steuern und Sozialabgaben und
7/5 RM. monatliche Erwerbelosenunterstützung 85,72 RM.

900 000 RM.

81 000 RM.

4129 010 RM.

367 318 RM.

. a.

0%
        <pb n="200" />
        je Mann, also bei 12000 Mann 1028 640 RM., davon
10% 20000 0.000... 102864 RM.
Die Positionen 1a bis 4a ergeben also einen Gesamtbetrag
 von . . .. 1880192 RM.
hierzu Positionen 1bis4 . . . 6679602 RM.
Summa zugunsten von Reich und Staat. . . . . 8559794 RM.
Es wird also nicht nur die gezahlte Beihilfe in
Höhe von... 0.00000000000000004 4 124, 4678128 RM.
wieder aufgebracht, sondern außerdem noch ein Über- —
Schuß von . .. . . 3881 666 RM.
= 83% zugunstender Reichs-und Staats -
kasseerzielt.
Obige Ausführungen können allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit
 erheben, denn es ist schlechterdings unmöglich, die Auswirkungen
 der Beihilfe bis in die kleinsten Kanäle hinein zu verfolgen,
bzw. zahlenmäßig zu erfassen, obgleich hierbei sicherlich noch recht beachtliche
 Erfolge herauskommen würden.
Folgendes sei jedoch noch hervorgehoben:
An Sozialleistungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer
 wurden mehr aufgebracht:
a) Im Siegerländer Bergbau im Monatsdurchschnitt 41,50 RM je
Mann X: 68 568 — 2845 572 RM.,
b) Im Kohlenbergbau im Monatsdurchschnitt 50 RM. je Mann
X 12000 — 600 000 RM.
_ Der dem allgemeinen Geschäftsverkehr zufließende Mehrverdienst
 der neu eingestellten Bergarbeiter abzüglich */, für Steuern und
Sozialabgaben, der monatlichen Erwerbslosenauszahlung sowie der
10prozentigen Kaufkraftbesteuerung ergibt
a) für den Siegerländer Bergbau 68 568 X 53,57 — 3 673 188 RM.
bei 10°% =— 367318 = 3305870 RM.,
b) für den Kohlenbergbau 12000 X 85,72 = 1028 640 RM. bei
10° — 102 864 — 925 776 RM.

_ Die Mehreinnahmen der Reichsbahn aus dem von
Siegerländer Gruben versandten Eisenstein und ‘bezogenen Gütern betrugen
 2518 174 RM.
Der Bezug von Auslandserzen verringerte sich um die
1 650 040 Tonnen Mehrförderung der Siegerländer Gruben, wodurch ein
Rheinfrachtenbetrag von mindestens 1 000 000 RM., welche sonst nahezu
Bien der ausländischen Schiffahrt zugeflossen wären, dem Inlande verleben.

Der Devisenbedarf verminderte sich für die 1650 040 Tonnen
 Mehrförderung der Siegerländer Gruben um etwa 22 000000 RM.,
Kon die deutsche Handelsbilanz in dieser Höhe verbessert werden
nte,

19%
        <pb n="201" />
        Aus alledem geht hervor, von welcher Bedeutung die Überführung
ler bisher nur. konsumtiven Zwecken dienenden und damit die allgemeine
 Preisbewegung in Deutschland nachteilig beeinflussenden Arbeitslosen-Sozial-Subvention
 im Siegerländer‘ Erzbergbau
in die Form der Werte schaffenden Produktiv-Subvention gewesen
 ist. Aber auch diese letztere kann als solche nur nominell
angesprochen werden, denn der wahre Subventionscharakter hat die Beyünstigung
 von einzelnen Sozialschichten, bzw. Wirtschaftszweigen auf
Kosten der Allgemeinheit zur Voraussetzung, während im vorliegenden
Falle die Allgemeinheit nicht nur keinen Schaden erlitten, sondern sogar
ganz erhebliche Vorteile aufzuweisen hat.
Beim Eisenerzbergbau des Lahn- und Dillbezirks dürfte
sich die Staatsbeihilfe mit ähnlichem Erfolge ausgewirkt haben, so daß
a8 sich erübrigt, hierauf noch des näheren einzugehen.

‚9R
        <pb n="202" />
        FRACHTVERTRAG 5. Ausgabe. _
für Erzladungen von Skandinavien. d. 1. Novbr. 1920.

Name:
DEUTERZ-Skandinavien

A8M

70°

Durch Vermittlung der Schiffsmakler-Firma

ist am heutigen Tage folgender Frachtvertrag vereinbart worden zwischen der
Reederei nn
als Verfrachter des________ _——_ Dampfers________ —
klassifiziert. von Bewer Register-Tonnen, Ladefähigetto-

 ungefähr...____._Tonnen von 1000 kg Schwergutladung,
zur Zeit m Se
unter diesem Vertrage ladefertig erwartet. gegen _________
einerseits, hierin die Reederei genannt,

und
; i Der Dam fer. der ur ü i oll ab ehen nach ade SE
f die Reise seetüchtig ausgerüstet ist, Ss gg‘
.. Ladehaf
« 4

oder so nahe wie der Dampfer sicher kommen kann, um dort von dem Befrachter
Oder seinem Vertreter eine volle und bequeme Ladung
KEisenerz
einzunehmen und so beladen abzudampfen nach ___

Löschhafen

ein Löschhafen — wie beim Zeichnen der Konnossemente oder beordert —
der so nahe wie der Dampfer sicher kommen kann, um dort die Ladung zu
löschen gegen Empfang der Fracht von
Mark

Frachtsatz

für jede Tonne von 1000 kg auf das ausgelieferte Gewicht, das von dem Empfänger
für seine Rechnung festgestellt werden muß.
Die Fracht ist bei Entlöschung bar ohne Abzug zu bezahlen.
Auf Verlangen haben die Empfänger während der Entlöschung Fracht auf
Abschlag zu zahlen.
2. Der Befrachter hat alle Abgaben für die Ladung zu tragen, die Reederei alle Abgaben
Abgaben für den Dampfer.
Etwaige KalAhpaben in Hamburg bezahlt der Befrachter.
8. Die zur Deckung der gewöhnlichen Schiffsunkosten am Ladeplatz nötigen
Gelder für diese Reise erhält Ser Kapitän, falls von ihm verlangt, von dem Ablader
als Frachtvorschuß zum Tageskurse gegen Abzug der Versicherungsprämie.
lung mn die Folgen von Verlusten und Schäden, verursacht durch höhere Gewalt, Feindeshand-,
 Verfügungen von hoher Hand, Anordnungen der Versicherer, Gefahren oder Zufälle der See und
ptorer Gewässer, Zusammenstöße, Strandungen und alle sonstigen Unfälle der Schiffahrt, Dampf, Hitze,
Fr er, Techtswidrige. oder unehrliche Handlungen des Kapitäns oder der Mannschaft, Maßnahmen von
einden, durch Seeräuber, Räuber oder Diebstahl, Beschlagnahme oder Zurückhalten von Machthabere,
199

Fracht-Vorschuß


Haftungsbe-
        <pb n="203" />
        Regierungen oder Völkern ist die Reederei nicht verantwortlich, ebenso nicht, wenn sie durch Explo-3ionen,
 Platzen der Kessel, Bruch von Wellen oder Rohrleitungen, verborgene oder irgendwelche Fehler
an Schiff, Kesseln, Maschinen, Gerätschaften oder sonstigem Zubehör, Seeuntüchtigkeit des Schiffes,
selbst wenn solche Mängel bei Beginn der Reise vorhanden waren, verursacht sind, ebenso nicht für alle
Schäden, Einbußen und Verluste, die durch irgendeine Handlung, durch Nachlässigkeit, Versehen oder
Irrtum in der Beurteilung ab seiten des Kapitäns, der Offiziere, Maschinisten oder der Mannschaft, Lotsen,
Stauer, Besatzung von Schleppdampfern oder anderer Angestellten, Beauftragten oder Agenten der
Reederei in der Navigierung, Herrichtung, Stauung oder Leitung des Schiffes oder anderweitig verursacht
sind, vorausgesetzt, daß nicht Mangel an gehöriger Sorgfalt seitens der Reederei vorliegt, das Schiff vor
Antritt der Reise seetüchtig zu machen. )
5. Weder die Reederei noch die Befrachter sind verantwortlich für die Folgen von Streiks und
Aussperrungen, die die Erfüllung dieses Frachtvertrages verzögern oder verhindern.
6. Der Dampfer hat die Freiheit, andere Häfen in beliebiger Reihenfolge für Bunkerkohlen oder
andere Zwecke anzulaufen, mit oder ohne Lotsen zu fahren, zu schleppen oder sich schleppen zu lassen,
vom Kurse abzuwelchen, Schiffen Hilfe zu leisten und Leben oder Eigentum, auch Dritter, zu retten.
Laden 7. Die Beladung des Dampfers geschieht
Löschen und die Entlöschung des Dampfers geschieht

laufenden Tagen, Sonntage und gesetzliche Feiertage ausgeschlossen. ;

Liegetage

8, Die Lade- und Löschzeit beginnt zu zählen, sobald der Kapitän oder sein
Schiffsagent die Lade- bzw. die Löschbereitschaft des Dampfers gemeldet hat,
einerlei, ob der Dampfer einen Lade- bzw. Löschplatz hat oder nicht und ungeachtet
 etwaiger Platzgebräuche.
Über- 9. Wird der Dampfer länger als die gbengenannte Zeit aufgehalten, so soll ihm
jegegeld für jeden Überliegetag Mk. die Tonne von 1000 kg auf die ganze geladene
Erzmenge für jeden laufenden Tag, und zwar Tag für Tag bar bezahlt werden,
wobei für angebrochene Tage im Verhältnis zu zahlen ist; jedoch soll der Dampfer
nicht verpflichtet sein, länger als 12 Überliegetage zu liegen.

10. Der Befrachter hat die Erlaubnis, auch nachts, an Sonn- und Feiertagen und
außerhalb der Tagesschicht zu laden und zu löschen; die dadurch entstehenden
Extrakosten einschlienlich Überstunden der Schiffsleute gehen für seine Rechnung.
Die benutzte Zeit an Sonn- und Feiertagen zählt als halbe Liegezeit, vorausgesetzt,
daß der Dampfer nicht bereits auf Überliegegeld ist.
Anbringen 11. Die Ladung ist für Rechnung und Gefahr des Befrachters frei in die Räume
und Ab- des Dampfers zu bringen und wieder frei aus dem Dampfer zu nehmen. Der
dr Kapitän muß den Dam Ser so weit nach dem angewiesenen Lade- bzw. Löschplatze
hinlegen, wie die Tiele des Wassers es erlaubt, der Dampfer muß jedoch immer
sicher und flott liegen.
12. Für das Trimmen der Ladung im Ladehafen zahlt der Dampfer Öre für
1000 kg.
Winden 13. Der Dampfer hat seine Winden mit Dampf sowie Ladebäume einschließlich
des Tauwerks zum Laden und Löschen, falls erforderlich, zur Verfügung des Befrachters
 zu stellen. Die Windenleute sind von dem Befrachter für seine Rechnung
zu stellen. Erfolgt aber die Entlöschung der ganzen Ladung ohne Mitbenutzung
des Geschirrs des Dampfers durch Landkrähne, wird dem Befrachter Mk. —,25 für
lie Tonne aus der Fracht vergütet.
14. Der Kapitän hat die Konnossemente mit der darin ausgefüllten Fracht zu
zeichnen, ohne daß dieser Frachtvertrag dadurch berührt wind. Falls die Fracht
in den Konnossementen weniger beträgt, als in diesem Frachtvertrage festgesetzt,
ist der Frachtunterschied vor Unterzeichnung der Konnossemente dem Kapitän bar.
ıhne Abzug zu bezahlen.
15. Der Kapitän hat das Recht, sich zur Dekan der Fracht, Fehlfracht,  Überliegegeld,
 Grosse Haverei-Beiträgen usw. an die Ladung zu halten.
16. Grosse Haverei ist nach den York-Antwerpener Regeln mit den neuesten
Zusätzen und Abänderungen zu ordnen und in Hamburg, Bremen oder Stettin in
Wahl der Reederei aufzumachen. Für die Dispache ist der in einem deutschen
Hafen festzustellende Schiffswert maßgebend,

Feiertage

Konnossemente


Pfandrecht

ZEIL:
        <pb n="204" />
        17. Im Ladehafen ist der Dampfer abzufertigen durch den Makler des Befrachters Makler
gegen Zahlung einer Gebühr von Kr. 200,—. ;
Im Löschhafen ist der Dampfer abzufertigen durch den Makler der Reederei,
soweit nicht andere Vereinbarungen mit der Reederei getroffen werden.
18. Im Falle der Nichterfüllung dieses Frachtvertrages ist seitens des schuldigen _Vertrags-Teiles
 dem vertragstreuen Teil der nachgewiesene Schaden zu ersetzen; die Veor- Verletzung
gütung darf jedoch nicht den geschätzten Frachtbetrag überschreiten.
19. 9 Befrachtungs-Gebühr von der Bruttofracht und Fehlfracht ist fällig bei Be-Erfüllung
 jeder Reise unter diesem Frachtvertrage und zahlbar von dem Dampfer ET
an _

20. Die Reise oder die Reisen sind so schnell auszuführen, wie die Sicherheit Ausführung
des Dampfers es unter den vorliegenden Verhältnissen gestattet. der. Kep
25. Falls der Ladehafen voraussichtlich bei Ankunft des Dampfers durch HEis
gesperrt sein sollte, wenn der Dampfer vom letzten Hafen .dorthin ‚abzudampfen
bereit ist, so steht der Reederei oder dem Kapitän das Recht zu, diesen Frachtvertrag
aufzuheben; ebenso ät der Vertrag als erloschen, wenn der Ladehafen bei Ankunit
geschlossen ist. Sollte nach Ankunft vor oder während. der Beladung die Gefahr
eintreten einzufrieren, so ist der Kapitän berechtigt in Ballast bzw. mit Teilladung
 zu flüchten. ‘Der Dampfer kann jedoch, wenn teilweise beladen, anderswo
Ladung zu Reeders Nutzen, jedoch Erze nur mit Befrachters AO für den
Löschplatz oder einen anderen Hafen einnehmen. (Nicht im Frühjahr gültig,
Die Reederei oder der Kapitän soll auch in solchem Falle berechtigt sein, den
Frachtvertrag aufzuheben, wenn Eisschwierigkeiten unterwegs die Fahrten verhindern
oder erschweren sollten.
27. Dieser Vertrag gl für oder in Reeders Wahl. ”_ aufeinanderfolgende
 Reisen, für jede Reise zur Fracht und zu den Bedingungen dieses Frachtvertrages,
 der Dampfer hat immer Freiheit, zum eigenen Vorteil Ladung von
Deutschland nach Häten der Ostsee bzw. Skandinaviens zu nehmen.
Der Reederei: steht das Recht zu, die Reise oder die Reisen, die voraussichtlich
 nicht bis zum 15. Oktober 19 beladen ab. _ ausgeführt
werden können, aufzuheben.
28, Der Reederei steht das Recht zu, für eine oder mehrere Reisen einen anderen
Dampfer von ungefähr gleicher Ladefähigkeit und Position zu stellen zur gleichen
Fracht und zu eleichen Bedingungen des vorliegenden Vertrages,
29. Der Kapitän oder die Reederei hat die voraussichtliche Ladebereitschaft des
Dampfers in _______ sechs Tage vorher an
(Tel-Adr.)__ in BL __.zu drahten,
ebenso die Abfahrt vom letzten Hafen vor ————__ _————.. und: das danach
berechnete Eintreffen des Dampfers in__.__. =
Dieselbe Nachricht gibt die Reederei an den Befrachter __
ıNn___

Gestellung
eines
anderen
Dampfers
Drahtliche
Anzeige

Die Reederei:

Der Befrachter:

201
        <pb n="205" />
        Name:
SKANDERZ.

FRACHTVERTRAG
für Erzladungen von Skandinavien.

den

Januar 1921

192

Durch Vermittlung der Schiffsmakler-Firma_________———
ist am heutigen Tage folgender Frachtvertrag vereinbart worden zwischen der Reederei

als Verfrachter des ____Dampfers RZ _
klassifiziert (mindestens 90 A Germanischer Lloyd
oder entsprechend)
Brutto-_ 7
VON Netto: Register-Tonnen, Ladefähigkeit ungefähr Tonnen von
(000 kg Schwergutladung, außer Bunkerkohlen,
zur Zeit
unter diesem Vertrage ladefertig erwartet_
einerseits, hierin die Reederei genannt,
ınd
andererseits, hierin der Befrachter genannt:

Ladehafen

1. Der Dampfer, der für die Reise seetüchtig ausgerüstet ist, soll abgehen nach

um dort an dem von dem Befrachter oder seinem Vertreter zu bezeichnenden Liegeplatz,
 oder so nahe wie der Dampfer sicher kommen kann, in üblicher und regelmäßiger
 Reihenfolge, die jedoch 80 laufende Stunden, Sonn- und gesetzliche Feiertage
 ausgeschlossen, nicht überschreiten darf, ohne daß die Liegetage zählen, eine
rolle und bequeme Ladung Eisenerz__
von ungefähr Tonnen (71/2 °%, mehr oder weniger in Wahl der Reederei,
Löschhafen falls nichts anderes vereinbart ist) einzunehmen, und so beladen abdampfen nach

— wie beim Zeichnen der Konnossemente beordert —
am dort die Ladung an den vom Empfänger oder dessen Vertreter zu bezeichnenden
L‚Ööschplatz oder so nahe wie der Dampfer sicher kommen kann, zu löschen.
9 Die Fracht ist zu zahlen mit

Frachtsatz Mas

für jede Tonne von 1000 kg auf das ausgelieferte Gewicht, falls der Empfänger
dieses durch Verwiegung für seine Rechnung feststellen läßt, geschieht diese Feststellung
 nicht durch VEWERULE der ganzen Ladung, so ist N Fracht nach dem
Konnossementsgewicht abzüglich 3/, %, zu bezahlen.

=

h fx
        <pb n="206" />
        Die Fracht ist sofort nach beendeter Entlöschung bar zu bezahlen, bei fremder
Währung zum Berliner Börsen-Geldkurs des letzten Entlöschungstages.
Auf Verlangen haben die Empfänger während der Entlöschung Fracht auf
Abschlag zu zahlen.

Frachtzahlung


8. Die zur Deckung der gewöhnlichen Schiffsunkosten am‘ Ladeplatz nötigen
Gelder für diese Reise werden vom Befrachter verauslagt, falls der Kapitän dieselben
nicht selbst bezahlt und werden als Frachtvorschuß zum Tageskurse (Berliner Börsen-Briefkurse
 am letzten Tage der Entlöschung) zuzüglich 8%, für Versicherung,
Kommissionen und Kosten von der Fracht gekürzt.
4. Der Beirachter hat alle Abgaben für die Ladung zu tragen, die Reederei
alle Abgaben für den Dampfer.

Frachtvorschuß


Abgaben

5. Für die Folgen von Verlusten und Schäden, verursacht durch höhere Gewalt, Feindeshandlungen, Haftungs-Yerfügungen
 von hoher Hand, Streiks der Seeleute, Gefahren oder Zufälle der See und anderer Gewässer, be-Zusammenstöße,
 Strandungen und alle sonstigen Unfälle der Schiffahrt, Dampf, Hitze, Feuer, . rechts- schränkung
Widrige oder unehrliche Handlungen des Kapitäns oder der Mannschaft, Maßnahmen von Feinden, durch
Seeräuber, Räuber oder Diebstahl, Beschlagnahme oder Zurückhalten von Machthabern, Regierungen
oder Völkern ist die Reederei nicht verantwortlich, ebenso nicht, wenn sie durch Explosionen, Platzen
der Kessel, Bruch von Wellen oder Rohrleitungen, verborgene oder irgendwelche Fehler an Schiff,
Kesseln, Maschinen, Gerätschaften oder sonstigem Zubehör, Seeuntüchtigkeit des Schiffes, selbst
wenn solche Mängel bei Beginn der Reise vorhanden waren, verursacht sind; ebenso nicht für alle
Schäden, Einbußen und Verluste, die durch irgendeine Handlung, durch Nachlässigkeit, Versehen oder
Irrtum In der Beurteilung ab seiten des Kapitäns, der Offiziere, Maschinisten oder der Mannschaft, Lotsen,
Stauer, Besatzung von Schleppdampfern oder anderer Angestellten, Beauftragten oder Agenten der
Reederei in der Navigierung, Herrichtung, Stauung oder Leitung des Schiffes oder anderweitig verursacht
Sind, vorausgesetzt, daß nicht Mangel an gehöriger Sorgfalt seitens der Reederei und/oder deren
Inspektoren vorliegt, das Schiff vor Antritt der Beise seetüchtig zu machen. ;
8 Der Befrachter ist nicht verantwortlich (auch nicht hinsichtlich Liegezeit) für Fälle von höherer
ewalt, Feindeshandlungen, Verfügungen von hoher Hand, Streiks, der Hafen- und/oder Gruben- und/oder
Transportarbeiter und für die Folgen dieser Ereignisse, wodurch die Erfüllung dieses Frachtvertrages
Lerzögert oder verhindert wird. Indessen soll die Reederei für diejenige Zeit, die der Dampfer im Ladeam
 durch Streiks der Gruben- und/oder Transportarbeiter und/oder im Löschhafen durch Streiks in
der Binnenschiffahrt und/oder Kahnmangel und/oder Leichtermangel und/oder Eisenbahnwagenmangel
Yber die vereinbarte Liegezeit hinaus verliert, eine Entschädigung in Höhe des halben in diesem Frachtals
 Tage vereinbarten Liegegeldes vom Beifrachter oder Empfänger erhalten, Diejenige Zeit, für welche
6 vorstehend vereinbarte Entschädigung in Höhe des halben Liegegeldes bezahlt wird, rechnet ebenfalls
Nicht als Liegezeit.
a Reederei und Befrachter haben das Recht, von diesem Vertrage zurückzutreten, falls vor Antritt
kn Reise nach dem Ladehafen Streik oder Ereignisse höherer Gewalt eingetreten sind, welche die Eini
 ahme der Ladung voraussichtlich verhindern. Besteht bei Ankunft des Dampfers oder tritt nach Ankunft
in Ladehafen, aber vor Beginn der Beladung eines dieser Ereignisse ein, sind Reederei und Befrachter
Bor chtigt, nach Ablauf von 5 laufenden Tagen von diesem Vertrage zurückzutreten, Macht der
an achter von diesem Rücktrittsrecht Gebrauch, hat er gegebenenfalls der Reederei eine Entschädigung,
Ge wie oben vorgesehen zu berechnen ist, zu bezahlen. Macht die Reederei von dem Rücktrittsrecht
Engrauch, hat sie keinerlei Ansprüche gegen den Befrachter. Tritt während der Beladung eines dieser
Lie rnlsse ein, ist die Reederei berechtigt, das Schiff mit der eingenommenen Teilladung ohne Anspruch auf
X 6gegeld oder Fehlfracht abgehen zu lassen und anderswo Ladung zu Nutzen der Reederel, jedoch Erze
ie mit Befrachters Zustimmung, für den Löschplatz oder einen anderen auf dem Wege zum Löschplatz
egenden Hafen einzunehmen. Separierungskosten treffen in diesem Falle die Reederei,
Teilstreik, Aussperrung, Obstruktion, Sabotage und Boykott soll einem Streik gleichgeachtet werden,
and, 6. Der Dampfer hat die Freiheit, andere Häfen in beliebiger Reihenfolge für Bunkerkohlen oder
vo ere Zwecke anzulaufen, mit oder ohne Lotsen zu fahren, zu schleppen oder sich schleppen zu lassen,
M Kurse abzuweichen, Schiffen Hilfe zu leisten und Leben oder Eigentum, auch Dritter, zu retten.
7. Die Beladung des Dampfers geschieht

Laden

und die Entlöschung des Dampfers geschieht

Löschen

laufenden Tagen, Sonntage und gesetzliche ea sowie Tage, an denen wegen
der Witterungsverhältnisse nicht geladen oder gelöscht werden kann, ausgeschlossen
Lade- und Löschzeit ist gegeneinander zu verrechnen.

8. Die Lade- und Löschzeit ‚beginnt zu zählen (abgesehen von der Bestimmung
der Klausel Nr. 1), nachdem der Kapitän oder sein. Schiffsagent den a einklariert
 und die Lade- bzw. Löschbereitschaft des Dampfers zwischen 9 Uhr vor-Mittags
 und 5 Uhr nachmittags, an Tagen vor einem Sonntag oder sehen
Feiertag zwischen 9 Uhr vormittags und 2 Uhr nachmittags, schriftlich gemeldet
hat, von 6 Uhr morgens des dem Andienungstage folgenden Werktages, einerlei ob

Liegetage

253
        <pb n="207" />
        der Dampfer dann einen Lade- bzw. Löschplatz hat oder nicht. und ungeachtet
etwaiger Platzgebräuche.
Beginn der Die Ladezeit beginnt indessen ohne Zustimmung des Befrachters nicht vor
Ladezeit
dem __ ———____ zu zählen,
Falls früher mit dem Laden oder Löschen begonnen wird, zählt die Zeit
vuthebung VOM Beginn der Arbeit.
da. 9. Der Befrachter hat das Recht, diesen Frachtvertrag aufzuheben, wenn der
Vertrages Dampfer nicht am _______ Iadefertig ist.
Falls der Dampfer in eine Position gerät, die es unmöglich macht, den Ladehafen
 vor dem Aufhebungszeitpunkt zu erreichen, kann die Reederei vom Befrachter
die unverzügliche Erklärung verlangen, ob der Frachtvertrag trotz der Verspätung
des Dampfers bestehen bleiben soll oder nicht. Wenn der Frachtvertrag bestehen
bleibt, ist ein neuer Aufhebungstag zwischen Befrachter und Reederei zu vereinbaren.
10. Für jeden Überliegetag sind dem Dampfer M. für die Tonne
von 1000 kg auf die Erzmenge, für welche ihm vertragsmäßig die Fracht zust@ht,
{ür jeden Tag, und zwar Tag für Tag, bar zu zahlen, für angebrochene Tage im
Verhältnis.

ee 11. Der Befrachter hat die Erlaubnis, auch nachts vor 6 Uhr vorm. und nach
6 Uhr nachm. sowie an Sonn- und Feiertagen zu laden und zu löschen; die dadurch
entstehenden Extrakosten einschließlich Überstunden der Schilfsleute gehen für
seine Rechnung. Die benutzte Zeit an Sonn- und Feiertagen zählt als halbe Liegezeit,
 vorausgesetzt, daß der Dampfer nicht bereits auf Liegegeld ist.

And. Ab-- 12. Die Ladung ist für Rechnung und Gefahr des Befrachters frei in die Räume
jahme der des Dampfers zu bringen. Für das Trimmen der Ladung zahlt der Dampfer die
Ladung orfsüblichen Kosten. Die Entlöschung geschieht: durch Befrachters Agenten oder
deren Beauftragten für Rechnung des Damplers. Der Dampfer zahlt Tür Löschen
M. 10,— je 1000 kg auf das Gewicht, wofür Fracht bezahlt wird. Wenn durch die
Zeschaffenheit des Dampfers bei der Entlöschung Mehrkosten gegenüber den ortsüblichen
 normalen Löschkosten entstehen, hat die Reederei dem Befrachter diese
Mehrkosten zu bezahlen. Der Kapitän muß den Dampfer so weit nach dem angewiesenen
 Lade- bzw. Löschplatz hinlegen, wie die Tiefe des Wassers es erlaubt.
Der Dampfer muß jedoch immer sicher und flott liegen, ausgenommen in denjenigen
Jäfen, wo es für Schiffe seiner Größe üblich ist, bei niedrigem Wasser in weichem
Boden zu liegen.

Winden

Pfandrecht

Große
Haveraf

Makler

183. Der Dampfer hat seine Winden mit Dampf und Bedienung sowie Ladebäume
einschließlich des Tauwerks zum Laden und Löschen, falls erforderlich, kostenfrei
zur Verfügung des Befrachters zu stellen... Windenleute sind von dem Befrachter
für seine Rechnung zu stellen. Erfolgt aber die.Entlöschung der Ladung ganz oder
teilweise durch Landkräne, werden Team Befrachter M; —,50 für .die Tonne auf die
ıhne Benutzung der Schiffswinden entlöschte Menge aus der Fracht vergütet,
14. Der Kapitän hat das Recht, sich zur Deckung. von Fracht, Fehlfracht, Liegegeld,
 Große Haverei-Beiträgen usw. an die Ladung zu halten,
15. Große Haverei ist nach den York-Antwerpener Regeln mit den neuesten
Zusätzen und Abänderungen zu ordnen und in einem deutschen Hafen in Wahl der
Reederei aufzumachen. Für die Dispache ist bei deutschen Schiffen der in einem
deutschen Hafen festzustellende Schiffswert maßgebend,
16. Im Ladehafen ist der Dampfer abzufertigen durch den Makler des Befrachters
gegen Zahlung der ortsüblichen Gebühr.
Im Löschhafen ist der Dampfer abzufertigen durch den Makler der Reederei,
soweit nicht andere Vereinbarungen mit der Reederei getroffen werden.

Vertrags- 17. Im Falle der Nichterfüllung dieses Frachtvertrages ist seitens des schuldigen
verletzung Teiles dem vertragstreuen Teil der nachgewiesene Schaden zu ersetzen; die Vergütung
 darf jedoch nicht den geschätzten Frachtbetrag überschreiten.
204
        <pb n="208" />
        18. Falls der Ladehafen voraussichtlich bei Ankunft des Dampfers durch Eis
Bey orıt sein sollte, wenn der Dampfer vom letzten Hafen dorthin abzudampien
ereit ist, steht der Reederei oder dem Kapitän das Recht zu, diesen Frachtvertrag
aufzuheben; ebenso gilt der Vertrag als er bschen, wenn der Ladehafen bei Ankunit
geschlossen ist. Sollte nach Ankunft vor oder während der Beladung die Gefahr
eintreten, einzufrieren, ist der Kapitän berechtigt in Ballast bzw. mit Teilladung
zu flüchten. Der Dampfer kann je loch, wenn teitweise beladen, anderswo Ladung
zu Nutzen der Reederei, jedoch Erze nur mit Belrachters Zustimmung, für den
Löschplatz oder einen anderen auf dem Wege zum Löschplatz liegenden Hafen
einnehmen.

Eisklausel
(nicht im
Frühjahr
gültig)

Die Reederei oder der Kapitän ist berechtigt, den Frachtvertrag aufzuheben,
wenn Eisschwierigkeiten unterwegs die Fahrten verhindern sollten.
19. _____9% Befrachtungs-Gebühr von der Bruttofracht und Fehlfracht ist fällig __ Bebei
 Erfüllung dieses Frachtvertrages und zahlbar von dem Dampfer an re”

20. Der Kapitän oder die Reederei hat die voraussichtliche Ladebereitschaft des
Dampfers__._Tage vorher an (Tel.-Adr.) nn IN De
zu drahten, ebenso die Abfahrt vom letzten Hafen vor dem Ladehafen und das
danach berechnete Eintreffen des Dampfers im Ladehafen, Dieselbe Nachricht gibt
die Reederei an...
Telegramm-Adresse: ___

Die Reederei:

Der Befrachter:

4 Enq.-Aussch. Ill. Rohstoffvers, d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

305

Drahtliche
Anzeige
        <pb n="209" />
        Name:
DEUTERZNEU.

FRACHTVERTRAG
für Erzladungen von Skandinavien,

Juni 1922

(NT

Durch Vermittlung der Schiffsmakler-Firma Or —
ist am heutigen Tage folgender Frachtvertrag vereinbart worden zwischen der Reederei

als Verfrachter des  _ Dampfer8
klassifiziert —— (mindestens 90 A Germanischer Lloyd
der entsprechend).. v8
von BIUM9-Register-Tonnen, Ladefähigkeit ungefähr ___........_ Tonnen von
otto-L000
 kg Schwergutladung, außer Bunkerkohlen,
zur Zeit SA
anter diesem Vertrage ladefertig erwartet.
sinerseits, hierin die Reederei genannt.
and
andererseits, hierin der Befrachter genannt:

Ladehafen

ii. Der Dampfer, der für die Reise seetüchtig ausgerüstet ist, soll abgehen nach

um dort an dem vom Befrachter oder seinem Vertreter zu bezeichnenden Liegeplatz
der so nahe wie der Dampfer sicher kommen kann, in üblicher und regelmäßige!
Reihenfolge, die jedoch 80 Ketonde Stunden, Sonn- und gesetzliche Feiertage ausgeschlossen,
 nicht überschreiten darf, ohne daß die Liegetage zählen. eine volle und
bequeme Ladung Eisenerz ___ .
von ungefähr _________ Tonnen (7'/,%, mehr oder weniger in Wahl der Reederei,
Löschhafen falls nichts anderes vereinbart ist) einzunehmen, und so beladen abdampfen nach

— wie beim Zeichnen der Konnossemente beordert —
ım dort die Ladung an dem vom Empfänger oder dessen Vertreter zu bezeichnenden
L,öschstellen, oder so nahe wie der Dampfer sicher kommen kann, zu löschen,

? Die Fracht ist zu zahlen mit

Frachtsatz Mar

tür jede Tonne von 1000 kg auf das ausgelieferte Gewicht, falls der Empfänger
lieses durch Verwiegung für seine Rechnung feststellen läßt; B diese Feststellung
 nicht durch Verwiegung der ganzen Ladung, so ist die Fracht nach dem
Konnossementsgewicht abzüglich °%, zu bezahlen,

MG
        <pb n="210" />
        Die Fracht ist sofort nach beendeter Entlöschung bar zu bezahlen, bei
fremder Währung zum Berliner Börsen-Durchschnittskurs (d. h. Mittel zwischen Briefund
 Geldkurs) des letzten Entlöschungstages.
Auf Verlangen haben die Empfänger während der Entlöschung Fracht auf
Abschlag zu zahlen.
3. Die zur Deckung der gewöhnlichen Schilffsunkosten am Ladeplatz nötigen
Gelder für diese Reise werden vom Befrachter verauslagt, falls der Kapitän dieselben
nicht selbst bezahlt, und werden als Frachtvorschuß zum Tageskurse (Berliner
Börsen-Durchschnittskurse [d. h. Mittel zwischen ‚Brief- und Geldkurs] am letzten
Tage der Entlöschung) zuzüglich 8%, für Versicherung, Kommissionen und Kosten
Von der Fracht gekürzt.
4. Der Befrachter hat alle Abgaben für die Ladung zu tragen, die Reederei
alle Abgaben für den Dampfer.
l 5. Für die Folgen von Verlusten und Schäden, verursacht durch höhere Gewalt, Feindeshand-Qegen,
 Verfügungen von hoher Hand, Streiks der Seeleute, Gefahren oder Zufälle der See und anderer
Ewässer, Zusammenstöße, Strandungen und alle sonstigen Unfälle der Schiffahrt, Dampf, Hitze, Feuer,
qichtawidrige oder unehrliche Handlungen des Kapitäns oder der Mannschaft, Maßnahmen von Feinden,
Uürch Seeräuber, Räuber oder Diebstahl, Beschlagnahme oder Zurückhalten von Machthabern, Regierungen
ader Völkern ist die Reederei nicht verantwortlich, ebenso nicht, wenn sie durch Explosionen, Platzen
Ko Kessel, Bruch von Wellen oder Rohrleitungen, verborgene oder irgendwelche Fehler an Schiff,
£8seln, Maschinen, Gerätschaften oder sonstigem Zubehör, Seeuntüchtigkeit des Schiffes, selbst wenn
Küche Mängel bei Beginn der Reise. vorhanden waren, verursacht sind; ebenso nicht für alle Schäden,
inbußen und Verluste, die durch irgendeine Handlung, durch Nachlässigkeit, Versehen oder Irrtum in
De Beurteilung ab seiten des Kapitäns, der Offiziere, Maschinisten oder der Mannschaft, Lotsen, Stauer,
ac atzung von Schleppdampfern oder anderer Angestellten, Beauftragten oder Agenten der Reederei in
A Navigierung, Herrichtung, Stauung oder Leitung des. $chiffes oder anderweitig verursacht sind, vorveigesotzt,
 daß. nicht Mangel an gehöriger Sorgfalt seitens der Reederei und/oder deren Inspektoren
Srliegt, das Schiff vor Antritt der Reise seetüchtig zu machen. .
6 Der Befrachter ist nicht verantwortlich (auch nicht hinsichtlich Liegezeit) für Fälle von höherer
malt, Feindeshandlungen, Verfügungen von hoher Hand, Streiks der Hafen- und/oder Gruben- und/oder
yetnsportarbeiter und für die Folgen dieser Ereignisse, wodurch die Erfüllung dieses Frachtvertrages
harzögert oder verhindert wird. Indessen soll die Reederei für diejenige Zeit, die der Dampfer im Ladeauicn
 durch Streiks der Gruben- und/oder Transportarbeiter und/oder im Löschhafen durch Streiks in
üb Binnenschiffahrt und/oder Kahnmangel und/oder Leichtermangel und/oder Eisenbahnwagenmangel
ort, die vereinbarte Liegezeit hinaus verliert, eine Entschädigung in Höhe des halben in diesem Frachtai
 Tage vereinbarten Liegegeldes vom Befrachter oder Empfänger erhalten, Diejenige Zeit, für welche
nie Vorstehend vereinbarte Entschädigung in Höhe des halben Liegegeldes bezahlt wird, rechnet ebenfalls
Cht als Liegezeit.
de: Reederei und Befrachter haben das Recht, von diesem Vertrage zurückzutreten, falls vor Antritt
tan Reise nach dem Ladehafen Streik oder Ereignisse höherer Gewalt eingetreten sind, welche die Einim
 Me der Ladung voraussichtlich verhindern. Besteht bei Ankunft des Dampfers oder tritt nach Ankunft
be Ladehafen, aber vor Beginn der Beladung eines dieser Ereignisse ein, sind Reederei und Befrachter
vor Chtigt, nach Ablauf von 5 laufenden Tagen von diesem Vertrage zurückzutreten, Macht der Befrachter
Ober diesem Rücktrittsrecht Gebrauch, hat er gegebenenfalls der Reederei eine Entschädigung, die wie
hat ‚Vorgesehen zu berechnen ist, zu bezahlen. Macht die Reederei von dem Rücktrittsrecht Gebrauch,
&amp;amp; 8le keinerlei Ansprüche gegen den Befrachter, Tritt während der Beladung eines dieser Ereignisse
Ba ist die Reederei berechtigt, das Schiff mit der eingenommenen Teilladung ohne Anspruch auf Liege-LE
 Oder Fehliracht abgehen zu lassen und anderswo Ladung zu Nutzen der Reederei, jedoch Erze nur
lie Befrachters Zustimmung, für den Löschplatz oder einen anderen auf dem Wege zum Löschplatz
8enden Hafen einzunehmen. Separierungskosten treffen in diesem Falle die Reederei.
ach Teilstreik, Aussperrung, Obstruktion, Sabotage und Boykott sollen einem Streik gleichge-“htet
 werden.
and 6. Der Dampfer hat die Freiheit, andere Häfen in beliebiger Reihenfolge für Bunkerkohlen oder
vom Zwecke anzulaufen, mit oder ohne Lotsen zu fahren, zu schleppen oder sich schleppen zu lassen,
Kurse abzuweichen, Schiffen Hilfe zu leisten und Leben oder Eigentum, auch Dritter, zu retten.
7. Die Beladung des Dampfers geschieht

und die Entlöschung des Dampfers geschieht

laufenden i i ie T an denen weger
agen, Sonntage und gesetzliche Feiertage sowie Tage,
der Witterungsverhältnisse nicht Soladen oder gelöscht werden kann, ausgeschlossen
ade- und Löschzeit ist gegeneinander zu verrechnen,
8. Die Lade- und Löschzeit beginnt zu zählen (abgesehen von der Bestimmung
der Klausel Nr. 1), nochdem der Kapitän oder sein Schiffsagent den Dampfer einlariert
 und die Lade- bzw. Löschbereitschaft des Damplors zwischen 9 Uhr vor-Mittags
 und 5 Uhr nachmittags, an Tagen vor einem Sonntag oder gesetzlichen

Frachtzahlung


Frachtvorschuß


Abgaben

Haftungsbe-



Laden

Löschen

Liegetage

207
        <pb n="211" />
        Feiertag zwischen 9 Uhr vormittags und 2 Uhr nachmittags, schriftlich gemeldet
hat, von 6 Uhr morgens des dem SEE folgenden Yerkinges einerlei
ob der Dampfer dann einen Lade- bzw. Löschplatz hat oder nicht und ungeachtet
etwaiger Platzgebräuche.
Beginn der =. Die Ladezeit beginnt indessen ohne Zustimmung des Befrachters nicht vor
Tadezeit gem zu zählen.
Falls früher mit dem Laden oder Löschen begonnen wird, zählt die Zeit
vom Beginn der Arbeit. ;
9. Für nichtbenutzte Zeit für Laden und Löschen einschließlich turn-Stunden
zahlt das Schiff Eilgeld zum Satze von _______ für die. Tonne von 1000 kg. auf
lie Erzmenge, für welche ihm vertragsmäßig die Fracht zusteht für jeden Tag, für
angebrochene Tage im Verhältnis.
\ufbebung 10, Der Befrachter hat das Recht, diesen Frachtvertrag aufzuheben, wenn der
Vertrages ‚Dampfer nicht am 7... ladefertig ist.
Falls der Dampfer in eine Position gerät, die es unmöglich macht, den
Ladehafen vor dem Aufhebungszeitpunkt zu erreichen, kann die Reederei vom
Befrachter die unverzügliche Erklärung EANEnBE ob der Frachtvertrag trotz der
Verspätung des Dampfers bestehen bleiben soll oder nicht. Wenn der Frachtvertrag
yestehen bleibt, ist ein neuer .Aufhebungstag zwischen Befrachter und Reederei zu
vereinbaren,
11. Für jeden Überliegetag sind dem Dampfer M._________ für die Tonne von
1000 kg auf die Erzmenge, für welche ihm vertragsmäßig die Fracht zusteht für
jeden Tag, und zwar Tag für Tag bar zu zahlen, für angebrochene Tage im Verhältnis.
12. Der Befrachter hat die Erlaubnis, auch nachts vor 6 Uhr vorm. und nach
6 Uhr nachm. sowie an Sonn- und Feiertagen zu laden und zu löschen. Die benutzte
Zeit an Sonn- und U terlagın zählt als halbe Liegezeit, vorausgesetzt, daß der
Dampfer nicht bereits auf Liegegeld-4st:: .:..:
13. Die u. ist für Rechnung und Gefahr des Befrachters frei in die Räume
jes Dampfers zu bringen und wieder frei aus dem Dampfer zu nehmen. Für das
Trimmen der Ladung zahlt der Dampfer die ortsüblichen Kosten. Wenn durch die
3Zeschaffenheit des Dampfers bei der Entlöschung Mehrkosten gegenüber den ortsiblichen
 normalen Löschkosten entstehen, hat die Reederei dem Befrachter diese
Mehrkosten zu bezahlen. Der Kapitän muß den Dampfer so weit nach dem ange”
viesenen Lade- bzw. Löschplatz hinlegen, wie die Tiefe des Wassers es erlaubt.
Jer Dampfer muß jedoch immer sicher und flott liegen, ausgenominen in denjenigen
Täfen, wo es für Schiffe seiner Größe üblich ist, bei niedrigem Wasser in weichem
3oden zu liegen.
14. Der Dampfer hat seine Winden mit Dampf und Bedienung sowie Ladebäume
zinschließlich des Tauwerks zum Laden und Löschen, falls erforderlich, kostenfrei
zur ED des Befrachters zu stellen. Erfolgt aber die Entlöschung der Ladung
yanz oder teilweise durch Landkräne, werden dem Befrachter M.__.______ für die
Fonne auf die ohne Benutzung der Schiffswinden entlöschte Menge aus ‚der Fracht
zergütet,
15. Der Kapitän hat das Recht, sich zur Deckung von Fracht, Fehlfracht, Liege“
geld, Große Haverei-Beiträgen usw. an die Ladung zu halten,
16. Große Haverei ist nach den York-Antwerpener Regeln mit den neuesten
Zusätzen und Anl rangen zu ordnen und in einem deutschen Hafen in Wahl der
Reederei aufzumachen. Für die Dispache ist bei deutschen Schiffen der in einem
deutschen Hafen festzustellende Schiffswert maßgebend.
17. Im Lade- und Löschhafen ist der Dampfer abzufertigen durch den Makler
des Befrachters gegen Zahlung der ortsüblichen Gebühr. '
18. Im Falle der EHEN dieses Frachivertrages ist seitens des A
Teiles dem vertragstreuen Teil der nachgewiesene Schaden zu ersetzen; die Ver“
gütung darf jedoch nicht den geschätzten Frachtbetrag überschreiten. |
; 19. Falls der Ladehafen voraussichtlich bei Ankunft des Dampfers durch Eis
Bosperrt sein sollte, wenn der Dampfer zum letzten Hafen dorthin abzudampfen
ereit ist, steht der Reederei oder dem Kapitän das Recht zu. diesen Frachtvertraß

Winden

Pfandrecht

Vertrags.
Verletzung

Risklausel
Nicht im
Frühjahr
yültig.}

H#HY-
        <pb n="212" />
        aufzuheben; ebenso gilt der Vertrag als erloschen, wenn der Ladehafen bei Ankunft
geschlossen ist. Sollte nach Ankunft vor oder während der Beladung die Gefahr
eintreten, einzufrieren, ist der Kapitän berechtigt, in Ballast bzw. mit Teilladung
zu flüchten. Der Dampfer kann jedoch, wenn teilweise beladen, anderswo Ladung
zu Nutzen der Reederei, jedoch Erze nur mit Befrachters Zustimmung für den
Löschplatz oder einen anderen auf dem Wege zum Löschplatz liegenden Hafen
einnehmen.

Die Reederei oder der Kapitän ist berechtigt, den Frachtvertrag aulzuheben,
wenn Eisschwierigkeiten unterwegs die Fahrten verhindern sollten,
‚20. _____°% Befrachtungs-Gebühr von der Bruttofracht und Fehlfracht ist fällig Bebei
 Erfüllung dieses Frachtvertrages und zahlbar von dem Dampfer an ES”
21. Der Kapitän oder die Reederei hat die voraussichtliche Ladebereitschaft des Delle
Dampfers _____.._ Tage vorher an (Tel.-Adr.) —_—__ nzelBe
in zu drahten, ebenso die Abfahrt vom letzten Hafen
vor dem Ladehafen und das danach berechnete Eintreffen des Dampfers im Ladehafen.
Dieselbe Nachricht gibt die Reederei an
Telegramm-Adresse:

Die Reederei:

Der Befrachter:

2109
        <pb n="213" />
        Übersicht über die Fragen,
die von der Arbeitsgruppe Eisenindustrie an die
einzelnen Sachverständigen in der Frage der
Eisenerzversorgung gerichtet sind.

Notstandsgebiete des deutschen Eisenerzbergbaues.


Die Fragen beziehen sich auf das Siegerland und auf das Lahnund
 Dillgebiet einschließlich Oberhessen. Die Fragen sind für jedes
Sondergebiet getrennt zu beantworten.

Welches ist der Wortlaut der Subventionsverträge für die beiden
Notetandsgebiete?
Während welcher Zeit waren diese Subventionen in Geltung,
und in welcher Weise werden dieselben zur Zeit abgebaut?
Welches war die Gesamtförderung in den Jahren 1909 bis 1913
und in den Jahren 1924 bis 1926, bezogen auf den Kopf der
Belegschaft?
Wie. groß war die Förderung derjenigen Werke, die 1926 noch
N Betrieb waren, in den Jahren 1909 bis 1913 und 1924 bis
926?

_ Angabe der Förderung in versandfähigem Rohmaterial und
je Kopf der Belegschaft.
Um wieviel Werke hat sich die Zahl der arbeitenden Betriebe
vermehrt, und wie groß iet die Förderung dieser hinzugekommenen
 Betriebe, absolut und je Kopf der Belegschaft?
Wie groß ist die Leistungssteigerung je Mann im Monat in den
Jahren 1924, 1925, 1926 gegenüber dem Monatsdurchschnitt
1909/18 und 1913?

»)ı1
        <pb n="214" />
        [st diese Leistungssteigerung in erster Linie auf geologische
Verhältnisse (Vorkommen, Gangfläche, Verquarzung usw.) oder
auf Rationalisierung und Mechanisierung zurückzuführen?
Welchen Anteil an der Gesamtförderung des Siegerlandes hatten
1913 die nachstehend genannten Konzerne, resp. die heute zu den
Konzernen gehörenden Werke:
Vereinigte Stahlwerke-Konzern,
Krupp-Konzern,
Hoesch-Konzern,
Selbständige Gewerkschaft Pfannenberger Einigkeit,
Storch- und. Schöneberg-Konzern,
Friedrichshütte-Konzern,
Henschel-Konzern, ; .
Mitteldeutsche Stahlwerke-Konzern, ;
Mannesmann-R öhren-Konzern,
Lothringen-Konzern?
Welche selbständigen Gewerkschaften bestanden 1913 neben den
obengenannten Konzerngruben und sonstigen Gruben und wie
groß war der Anteil an der Gesamtförderung?
Welcher Anteil an der Gesamtförderung des Lahn-Dillgebietes
entfiel 1913 auf die nachstehend benannten Konzerngruben oder
lie heute zu den Konzernen gehörenden Werke:
Krupp-Konzern, ;
Buderus-Konzern,
Burger Eisenwerke-Konzern,
Gute-Hoffnungshütte-Konzern,
Preussag-Konzern,
Vereinigte Stahlwerke-Konzern,
Hessen-Nassauischer Hüttenrevierkonzern,
Stumm-Konzern,
Mitteldeutsche Stahlwerke-Konzern,
Mannesmann-Röhren-Konzern,
Selbständige Gewerkschaft Raab?
Welche selbständigen Gewerkschaften bestanden 1913 neben den
ben genannten Konzerngruben und sonstigen Gruben, und wie
zroß war der Anteil ihrer Förderung an der Gesamtförderung?
Welche Gründe veranlassen die Fortführung der Betriebe in den
auch jetzt noch mit Verlust arbeitenden Gruben? ;
Wäre eine Stillegung dieser Gruben für die deutsche Wirtschaft
 tragbar? Welcher Ausfall in der deutschen Erzförderung
(bezogen auf Fe-Einheiten) wäre mit Stillegung dieser Gruben
zu erwarten?

8

0.

117

[2

Der Erzmarkt und der Erzfrachtenmarkt.
Wie hoch war der Preis für die nachstehend benannten Eisenerzsorten
 in den Jahren 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926 und
zwar für

12
        <pb n="215" />
        3) schwedisches Eisen-A-Erz, P arm, 60 % Fe, cif Stettin, cif
Rotterdam, sowie frei rhein.-westf. Hüttenwerk und frei
Kosel,
b) schwedisches D-Erz, P reich, 60 % Fe, cif Stettin, cif Rotterdam,
 sowie frei rhein.-westf. Hüttenwerk und frei Kosel,
Rubio-Erz 50% Fe erster Sorte, cif Rotterdam, frei rhein.-westf.
 Hüttenwerk,
d) ger. Spat, frei Grube und frei rhein.-westf. Hüttenwerk,
5) braune Minette etwa 30% Fe, frei französischer Grube, frei
deutscher Grenze, frei rhein.-westf. Hüttenwerk,
{) russisches Manganerz (Stückerz) ci£f Rotterdam?

3

Die Sachverständigen werden, um die Frage der Frachtbelastung
zu klären, gebeten, die in der Anlage beigefügte Tabelle für die
Nachkriegszeit zu ergänzen.
Welche Mengen lothringischer Minette (Metz - Diedenhofen)
wurden in den Jahren 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926 versandt
 nach:
it. Lothringen,
? den übrigen französischen Bezirken,
Luxemburg,
Saargebiet, |
Deutschland (ohne Saar),
Belgien,
den übrigen Ländern?

‚1

5

Welche Mengen Erz gingen von Schweden nach den verschiedenen
 Ländern 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926?
Wie groß war der Anteil Deutschlands?
Welche Mengen Erz gingen von Spanien nach den verschiedenen
 Ländern 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926?
Wie groß war der Anteil Deutschlands?
Welche Mengen Erz gingen von Nordafrika nach den verschiedenen
 Ländern 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926? ;
Wie groß war der Anteil Deutschlands?
Welche Mengen Erz wurden von Wabana nach. den. verschiedenen
auropäischen Ländern verschickt 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926?
Wie groß war der Anteil Deutschlands?
Welche Mengen Erz gingen von Indien nach den verschiedenen
 Ländern 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926?
Wie groß war der Anteil Deutschlands?
Welche Mengen Erz gingen von Griechenland nach den verschiedenen
 Ländern 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926?
Wie groß war der Anteil Deutschlands?
Welche Mengen Eisenerz gingen ein: in Stettin, in Hamburg, in
Emden?

6.

7

8

19.

20

1

713
        <pb n="216" />
        292.

28.

24.

25.

26

ra

DR

»Q

Und zwar insgesamt aus Schweden, Norwegen,: Spanien,
Griechenland, Frankreich, Rußland, Algier, Kanada in den
Jahren 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926?
Welche Mengen Erz wurden in Rotterdam umgeschlagen in den
Jahren 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926, möglichst nach Herkunftsländern
 getrennt?
Wieviel ging davon nach Deutschland
a) auf dem Wasserwege,
b) auf der Bahn?
Welche Mengen Erz werden in Stettin, in Hamburg, in Emden,
in Rotterdam, in Bremen umgeschlagen und zwar ;
a) in Flußkähne,
b) in Eisenbahnwaggons?
Wie hoch sind die Umschlagskosten für diesen Umschlag
und zwar
a) in Flußkähne,
b) in Eisenbahnwaggons?
Wie hoch sind die Erzfrachten
von Lulea nach Stettin und Emden,
von Oxeloesund nach Stettin und Emden,
von Helsingborg nach Stettin und Emden,
von Narvik nach Emden und Rotterdam,
von Bilbao nach Rotterdam,
von Huelva nach Rotterdam,
von Wabana nach Rotterdam,
von Poti nach Rotterdam? ;
Die Angaben werden für das Jahr 1913 und für die Jahre
1924 bis 1926 erbeten.
Welche Sondertarife standen in der Vorkriegszeit für den Eisenbahntransport
 von Eisenerzen zur Verfügung? ;
Welche von diesen Tarifen sind. heute noch in Kraft, und
wie groß sind die Frachtunterschiede, die sich. vor dem Kriege
und heute aus dieser verschiedenen Tarifierung ergeben haben?
Es wird um Mitteilung der Skanderzcharter und der Deuterz-;harter
 gebeten sowie um Erläuterung, welche Veränderungen
lie Charterklauseln gegenüber den 1913 geltenden Usancen mit
sich gebracht haben?
Welcher Schiffefrachtenraum steht für die deutsche Eisenerzanfuhr
 zur Verfügung, insbesondere wie groß ist der Anteil an
leutschen Spezial-Erzechiffen an dem zur Verfügung stehenden
Schiffsraum ?
Wie hoch sind die Binnenschiffahrtesätze
a) von Rotterdam nach Duisburg,
b) von Stettin nach Kosel .
für Eisenerz in den Jahren 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926?

j14
        <pb n="217" />
        30. Welches sind die Kartelle des Erzbergbaues
a) im deutschen Inland,
b) im Ausland?
Welche Mengen werden von diesen Kartellen im: Vergleich zur
Gesamtbeförderung kontrolliert? .
Wie wird das Erz in den verschiedenen deutschen Wirtschaftsgebieten
 eingekauft
a) durch Erzbezugsgemeinschaften,
b) durch freie Abschlüsse?
ec) welche Mengen werden schätzungsweise auf diese ‘ verschiedenen
 Arten eingedeckt?
Wie groß sind die Abschlüsse in Erzen normalerweise? Welches
ist die normale Lieferfrist?
Kaufen die Werke frei Hütte oder fob deutschen Hafen?
Welches sind die bedeutendsten Erzhandelsfirmen
a) im Inland,
b) im Ausland?
Welche Stellung nimmt in der deutschen Wirtschaft der deutsche
 Erzhandel ein, insbesondere welche Mengen werden im Vergleich
 zur gesamten Erzversorgung durch ihn herbeigeschafft?
Welche finanziellen Beteiligungen oder sonstigen Bindungsverhältniese
 bestehen zwischen den wichtigsten deutschen Erzhandelefirmen

a) untereinander
b) mit ausländischen‘ Erzhandelsfirmen oder Erzgruben,
2) mit in- und ausländischen Reedereien,
d) mit anderen in- und ausländischen Industriezweigen, insbesondere
 Werken der eisenschaffenden Industrie?
Welche Stellung nimmt die Trafikaktiebolaget Grängesberg,
Oxeloesund auf dem internationalen Eisenerzmarkt ein? Welche
Mengen werden von ihr insbesondere nach dem Erwerb der nordafrikanischen
 Gruben kontrolliert?
[nwieweit wird ihre Monopolstellung durch eigenen oder kontrollierten
 Schiffsraum unterstützt ?
Welche Bedeutung haben die russischen Manganerzgruben für
die deutsche Manganerzversorgung, und zwar
1. die Gruben des südrussischen Erztrusts Jurt,
2. die Gruben der Georgian - Manganese - Company in Techiaturi?
 .
Welche Mengen Erz sind in den letzten Jahren aus. Tschiaturi
und Nikopol verfrachtet worden und zwar unter Angabe der
verschiedenen Bestimmungsländer?

34

Sonderfrage. ;
Welche deutschen Konzerne haben durch finanzielle Beteiligung
 oder andere vertragsmäßige Bindungen noch Kontrolle
über ausländische Erze?

)15
        <pb n="218" />
        Anlage zu Frage 13.

Frachtwege und Frachtkosten von Eisenerzen
für deutsche HüttennN,

„and

Deutschland

Österreich-Ungarn

Spanien

Schweden und
Norwegen
Frankreich
Italien
Rnßland

Algier
Nordamerika

Sorte

Roteisenstein

»”
Magneteisenstein
Brauneisenstein

Spateisenstein roh
Spateisenstein geröstet

Toneisenstein
Manganerz.
Spateisenstein
Spateisenstein geröstet

Roteisenstein
Brauneisenstein
Rubioerz
Brauneisenstein
Campanilerz
Spateisenstein ge
röstet .
Roteisenstein
Magneteisenstein
Roteisenstein

x ”
Brauneisenstein
Manganerz
Roteisenstein

Gewinnungsort

Porta i. W.
Dillenburg
Lauterburg
Nassau
Schmiedeberg
EOS
Georg‘ Friedric
Porta i. W.
Bülten b. Peine
Luxemburg, Lothringen

Bindweide
Siegerland
Jberschlesien
Gießen
Eisenerz, Steiermark


Kotterbach
Bilbao

Skien .
Grängesberg
Oaen und Nante
Insel Elba
Krivoi-Rog :
Doti
Mokthar
Nahbansa

1913

Frachtkosten
bis Hütte in
Westfalen

km | M.

108
214
286?)
188
102
3503)
18
173
59

2,76
3,82
4,90
3,00
2,60
3,80
1,50
2,76

336
192

5,70
3°00

143
107
285

8,10
| 2,70
4,30

Bo92

10.24

877 ]
1760

83,60
7.00

1780 |

7.00

160 |

7.00

1760 | 7,00
1935 | 6,00
1950 , | 6,00
2600 | 6,60
800 ° 5,00
1470 11,80
3500 10,50
4060 11,00
4800 11.00

1996

RM.

') Nach A. Weiskopf.
’) Nach Westfalen mehr, nach Wetzlar weniger.
’) Nach Oberschlesien.
Y) Bis Groß-Ilsede.

16
        <pb n="219" />
        Statistischer Teil

Statistische Unterlagen zu den Untersuchungen
der deutschen Eisenversorgung.

)17
        <pb n="220" />
        Angaben der Sachverständigen Dr. Buchmann,
Prof. Mathesius, Dr. Petersen, Dr. Reichert.
Die deutschen Eisenvorkommen nach ihrer örtlichen Lage,

«©

Fo

A

—

%

A

Gi

Natürliche

Ssen-uEisenmanganerz-Produktionsgebiete


Aachener Kohlenkalkbezirk (Brauneisenerze) .
Eifelkalkbezirk (Brauneisenerze) . . . .
Bergischer Kalkbezirk (Brauneisenerze) . .
3Siegerland-Wieder Spateisensteinbezirk . . . .
Vassauisch-Oberhessischer (Lahn- und Dill-) Bezirk
Caunusbezirk. einschließlich der Lindener Mark
a ET Basalteisenerzbezirk ... . .
Waldeck-Sauerländer Bezirk (Roteisenerze) . .. ... ..
Schafberg-Hüggeler (Osnabrücker) Bezirk (Braun-u. Spateisenstein)
 Weserpebhirgshanlek (Roteisenoolithe)‘ . ..0..0.00.000 4 4
Subherzynischer Bezirk (Peine, Salzgitter. Brauneisentrümmererz)
darzer Bezirk (alle Sorten) . . . . .
Deutsche Raseneisenerze , . . . . .
Schlesischer Bezirk (alle Arten) ... . .. 31,40
Thüringisch-Sächsischer Bezirk (alle Arten) . 28,72
‚ Bayerischer .Bezirk (Brauneisenerze). ... . . 50,96
7. Württembergisch-Badischer Bezirk (alle Arten) 50,96
8. a) Lothringischer Minettebezirk . . .. 31,66
b) Luzemburger Minettebezirk. . . . .. . - 30,90
Durchschnitt im Jahre 1918 . . . 32,49

Durchschn, Eisengehalt
 (1913) in %
39,15
34.11

4
+f
        <pb n="221" />
        x
&amp;gt;»
“2

J

ahr

1909 g
Davor! Luxemburg
1910 .
Davon Luxemburg
1911 ;
Davon Luxemburg
1912 .
Davon Luxemburg
1913 .
Davon Luxemburg

Durchschnitt 1909 bis 1918 _
Davon Luxembure. ..

1922
(923
(924 .
1925
1926

Deutschlands Eisenerzförderung.
(Mengen in Tonnen.)

Altes Zollgebiet

Neues Zollgebiet ohne Saar .

Menge,
sinschl. des
natürlichen
Nässegehaltes

Berechneter
Eiseninhalt

Durchschnittlicher
Eisengehalt nach
Abzug des natürichenNässegehaltes

in Prozent

Menge,
einschl. des
natürlichen
Nässegehaltes

Berechneter
Eiseninhalt

Durchschnittlicher
Eisengehalt nach
Abzug des natürlichen
 ässegehaltes
in Prozent

25 923 769
5 793 906
29 228 150
6 263 385
30 379 027
6 059 797
353 711 142
6511 198
35 941 285
7 8383 3892

7842 327
L 796 111
3 882 046
1 941 649
9252120
1878 537
10 490 491
2016 131
10 541 501
2 039 915

830,3
31,0
30,4
31,0
30,5
31,0
31,1
31,0
32,2
31,0

!) 5490 442
1) 6.040.048
1) 6896504
1) 6928 422

1) 1853 052
1) 2.069 688
1) 2159864

834.19

34,27

33,76

1) 2839.899
1) 2347 828

38,77

2) 835,00

31 036 675
A 3992 38:

9407 697
1 934 468

l 30,9
210

6418 8292

92153 966

84,20

6 928 200 1.869 500 34,38
5118000 | 1603200 34,35
4457101 | 1441 451 ‚835,05
5928043 | 1891 712 34,73
479338353 ! 1544526

1) Neues Gebiet = altes Zollgebiet abzüglich schlesischer Bezirk und lothringisch-luxemburgischer Minettebezirk. —
*) Amtl. Zahlen, für die Durchschnittsberechnung benutzt. (Quelle: Vierteljahresheite zur Statistik des Deutschen Reiches.)
        <pb n="222" />
        Deutschlands Manganerzeinfuhr (über 30 v. H. Mn) (237 h).
(Mengen in 1000 Tonnen.)

Durchschnitt

‚909/ 1910| 1911| 1912| 1918] (1909
bis
1918

1922 | 1923 | 1924| 1925| 1926

Jan.—
Sept.
1927

By

+} ©
"6samteinfuhr . .
DL

384.41487,91420.715623.11680,4 |

499,3

297,9| 67,7| 41,21199,4! 199,1! 315,2

‚Davon aus:
7Mechenland . . .
Jügarn
Shweden Ws
banien SA
eigenen (europ. u. asiat.)
Kerkei, EL 0,4
eYpten , — .
yallsch-Westafrika .. — 08e— 1b,6! 6,7
Bea St, v. Amerika . . - _ 0,2 — — —
Brillien sn mt. ON nl 20,9| 21,9 - - - 10,6] 6,1 2,6
yi.äsch-Indien. . . . 94,81117,41148,81126,6 177,6 225,8 el 15.6] 69,2| 47,3 | 68,0
*derländisch-Indien . L- 0,3] 2,71 1,4| 1,8| 4,8] 45
Summe... '382,5/486,11419,5/519,7 679,8 ]_497,5 |279,8| 66,8 38,51195,1| 192,9 | 811,1
Sbrige Länder... | 19) 1,8 12] 3.4) 0,6] 1,8 |18,6| 0,9] 2,7] 4,3] 6,2 | 49
Quelle: Amtliche Handelstatistik.

Der Eisenerzbezug des Saargebietes.
(Mengen in Tonnen.)

aus! .
vahn,, Dill- u. Sieggebiet
Anette ebiet. .. .
tigen Deutschland “ie
eükreich. sr
a
Schweden und Nörwegen a
a i . . . . . " n ;
üotigen Ländern (indian
und Spanien) SL

909

1910

1911

19192

524711 61404 65864
2.096223 3086 866 : 3 134 428
_ ; 6889,
3119221 387763 3 412 794 |
| 10209] 10159

104 844
3221 616
8776 ]
464 968
8489
8 296
62

121192

8 504. |

4 167

3 379 798 | 3 554 746 | 3633 796 [3 817 051 '

1918

123 840
3 368 642
54 089
551 178
6 560 |
45 |

19 NO

4117 255 |

Durchschnitt

1909
bis 1913

81 585
3 161 554
23 251
425 725 1)
88542)
82962)
538%)

9421 2)_
37187395)

Schlacken aus eigenem Betrieben
 . 92 288 1)
Insgesamt . . . . |3 372728 | 8 554 746 | 3 702 677 | 8 896 770 | 4 245 518 18 811 027

chnie? nur 8 Jahre. % nur 4 Jahre. 3 nur 1 Jahr. *) nur 2 Jahre. °) annähernder Durch-15

 Enq-Aussch. Ill. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

721
        <pb n="223" />
        Deutschlands Eisen-\
 .
(Mengen in

1909

1910

Zezugsländer

; Eisen-Einfuhr
 | gehalt

4 Eisen-Einfuhr
 | gehalt

jesamteinfuhr. . .

3366,6 ! 4328,7

9816,8 | 5064,6

Davon aus:

gdelgien . . .
uuxemburg.‘ . .
Frankreich. . .
Elsaß-Lothringen
3roßbritannien
äriechenland .
‘talien . . .
Niederlande . .
Norwegen . . . .-)sterreich-Ungarn
 . . .
Schweden . 0. 0.0.0.0. 4.4
Schweiz. . . ..
Spanien . 0.0.0000 Hs
Rußland (europäisch und asiatisch) .
Polnisch-Oberschlesien . . . .
Istpolen. . .
Dortugal. .. .
Türkei . . 0.0...
Agypten. . . . .
Algier . 0.0. 0. 0.
Tranzösisch-Marokko .
Munis. 20.0.0.
3ritisch-Westafrika . .
Ver, St. v. Amerika .
Neufundland . . .
Kanada . . 2.0...
Brasilien. . 0... 0.
Öhile . 0.0.0.0...
Britisch-Indien . . . 2...
Niederländisch-Indien .
Australien . . .

.
.
.
.

144,8
506,4 '
8,9 2,0
32,6 66,8
20,1 10,1
1,3 0,8
281,8 92,7
2880,4 1 728,2
1,9 1,0
460,7 1280,4
552,2 | 881,8
0,8
u11,7 1
34,7
a2
45,8
5,8
18,9
0,1

326,6 | 163,8
656,3
6,9
41,0
11,9
21
80.8
1 949.4
28
1430.0
467,0

1 778,8
13,7
82,0 |
28,7
33
202,0
32490
5,5
28612
7794

3,7
224,7 |
120,9 |
112,8 |
:8,3
26,6
"0.4

1,9
112,4
60,5
59,8
17
13,8
“02

Summe der gesamten Staaten. . . . .| 8365,8 | 4328,0 | 9812,6 | 5 062,5
Ybrige Länder . . . WR 1,8 0,7 4,2 2,1

erzeinfuhr (237 e).
1000 Tonnen).

17

1912

1913

Durchschnitt
1909 bis 1918
altes Zollgebiet
5 Eisen-Einfuhr
 ] gehalt

Binfohr | Seel

ı Einfuhr | Del

x Eisen-[|
 Einfuhr | gehalt

0820,5 | 5561,9 |12120,1 | 6 173,6

14.024,38 | 7062,4 {110297 | 5638,38

297,2
2129,9
6,9
119,0
0,5
27,7
19,0
158,4
502,2
2,6
154,4
368,0

148,6 |
785,5

96,7 |
2 692,0. |
0,4
128,2
11,0
18,7
‘18,6
104,7
3875,1

48,4 |
996,0 !
0,2
64,1
6,9
9,4
78,5
41,9
9 325,1

127,1 | 63,6 * 2974 | 118,7
8810,9 | 1410,0 28536 | 870,8
25
60,9
3,9
10,3
57,0
64,2
21685
1,0
(5885
401,2

35
59,5
0,3
13,9
12,3
68,4
2101,38
1,8
1577,2
520,8
3,8

5,0
121,8
6,2
20,5 |
88,1
160,6
5614,1
2,0
3 166,9
668,7
7,8
(3,7)
380,5
104,7
1,0
108,2
6,8
8,1
34,5
0.2

3 726,2
354,5 |

1 867,1
892,7

6,5

81,1
481,2
186,4
"08
121,2
6.7

15,6
240,6
68,2
04
64,2
"84
16,4

8,9
(1,9)
165,8
52,4
0,6
54,7
3,4
1,6
17,8
0,1

307,5 | 158,8 ß
66,2 838,1
108,9 57,7 |

415,9 |
180,6
87.8

208,0 |
65,3

7

E,0
5,2
16,6
N

nr

26.

BA“

0.5

10817,9 55606 | 12120,1 | 6178,6 | 14021,7 7061,1 |11027,5 | 56837,2
2,6 ne} — — 2,6 1,8 2,2 1,1

Quelle: Amtliche Handelsstatistik. !) Neues Zollgebiet

“fg «
        <pb n="224" />
        Bezugsländer

jesamteinfuhr. . .
Davon aus!

Belgien . . . .
Luxemburg . .
Frankreich. . ..
Elsaß-Lothringen. .
Sroßbritannien. . .
3äriechenland . .
[talien . . . ..
Niederlande . . . .
Norwegen . . . . +.
sterreich-Ungarn . . .
Schweden . . . ...
Schweiz. . 0... 0.
Spanien . . . 0.0.0...
Rußland (europäisch und
asiatisch)... . . . ..
Zolnisch-Oberschlesien. . . .
Istpolen. . . 2... ;
Portugal. . . . +. ;
Türkei .. . 2...
\Bypten WR .
\lgier . . 0. 2... ;
ranzösisch-Marokko . .
ZUNis. 20.0.0000 .
3Zritisch-Westafrika . .
Ver. St. v. Amerika . &amp;amp;
Veufundland . . . .. .
Kanada . . . 2... &amp;amp;
Zrasilien 2. 0.0.0.0...
CHE . x ı 4 N Or % 4 @
3ritisch-Indien . .. . ..
Viederländisch-Indien . . . .
Australien

Summe der genannten Staaten

Übrige Länder . . . ..

Quelle:

UP

Deutschlands Eisenerz-(Mengen
 in

1918

Eisen--gehalt

v.H.

19292

1
gehalt '

Einfuhr | Sason
geha

14 024,3

7 062,4

50,35

11018,7 | 5548,0

127,1 | 68,6 | 50,04
3810,9 | 1410,0 | 37,00

766,4 | 237,0
2035,9 | 698,0
32,9 11,2
19,0 8,5
11,4 6,3
521,8 | 177,0
14986,0 | 38 162,0
82,5 41,2
1329,4 | 652,0

147,1
19€
122
303,5
106,0
1 563,6

73,6
123
61
196.4
42.4
27382
1816,1
208,6
15.6 |

50,08
62,76
50,00
64,71
40,00
60,00
50,00
59,99

|

3 632,1

489,4

6,7
30

3,2

81,1 |

50,16

481,2
136,4
„98 |
212
6,7
"398 |

240,6 |
68,2 )
04
64,2
3,4
16,4

50,00
50,00
50,00
52,97
50,75
50,00

665,6
15,6

412,5
9,7

92,8
14,6
2428 |

51,0
7,9
135.5

14 021,7 |

70611 | 50,35

108264 | 5 608,0

2,6 183 | —

[87,3 |

Amtliche Handelsstatistik.
‚925: Jahresheft,
'926: Monatliche Nachweise.

einfuhr (237e). (Fortsetzung)
1000 Tonnen)

; 19271)
1924 ] 1925 | 19267 | Jan /Sept.
Be Tu |Eisen- EL a
Bintuhr| Fisen- | pinfuhr Pisen- (gehalt | Einfuhr £ 1°" | Einfuhr Bisen-| ginsohr| Hisengehalt
 gehalt |. H. gehalt gehalt gehalt
ohalb HL. ESS
877.0 |4 819,95| 8 076,0 |1 790,85| 11549,0'° 260,4 9 558,4/5 077,6]18 358,66 994,6

= 6,7! 3,8
A U
44.4 | 166,6| 56,5 38,91| 666,0| 246,4
0,1 13,7| 4,7 34,81| 541,8| 162,4
12,2 5,8| 2,6 | 44,88] 20,0| 10,0
7,4 7,2| 4,0 | 55,56/ 15,3| 9,6
831,6 | 58,9| 18,2 | 88,77] 158,4/ 99,2
796,5 [2 048,8 [1 300,0 ! 68,45 6 632,014 036,2
84,7, 12,0| 6,0 50,00| 27,8/ 18,7
165,2 ' 885,1] 164,5 ı 49,09) 1 497,9] 749,0]
17,5" 15| 0,7 46,671 380,4| 18,2
= — . 15,51 47
_ _ — 11,4} 8,4
88,2 | 62,07
18,1 | 61,99

49,9
130,5
0,8
27,1
18,5
98,5
254,3 |
69,5
386,5

- — 0,5| 0,8 447
289,8| 86,9 287,41 71,2 "9°:
984,5/ 364,2; 1103,6| 408,8 7%"
570,2 171,0l 1019,0| 305,7 "5.
- | — 72,9) 86,5 0.
86,7/ 28,1 8,1) 2,0 0
117,4/ 76,31 195,3] 126,9 5%
5 816,7/8 490,0' 6 660,418 996,2 ="
— | — 28,5/ 11,8 55“
842,1| 421,11 2468.411281,7 &amp;lt;o“
95,0| 57,0 +"
15,8 48 26.
45,9) 18,8 vo
575,5) 287,8 50"
225,4| 112,7 zw“
565,5) 299,7 53"
| T_ SC *

368
8.7

Se 342,7
116,86! 23
„7,3 9,5’
184,7| 899,4
7 81

31,8
44,8

15,6
196,2
5.1

HL
10€,
2b

35,18
52.08
54,90

”

2349,2 |1 470,7 18061,7 |1 880,4 | 48,86]11 536,516 267,6] 9 516,615 059,2J18 302,216 966.4
\ us — — 3,5] 1,8 ; 4 wo 28,2

‘) Amtlich berichtigte Zahlen.

&amp;gt;
        <pb n="225" />
        Verbrauch der deutschen Eisen- und Stahlindustrie an
inländischen Kalkerzeugnissen.
(Mengen in Tonnen.)

Jahre

19131) .
1922
1923
1924
(925
1926 22
1927 Jan./Sept. . .

Sinter- ;
Gebrannter Kalk | dolomit | Rohsteine
bh

&amp;amp;

a

1 500 000 “00
996 137 57
418 678 27
766 935 51
9832 671 62
985 473 66 |
926 399 82

154 919
63 168
109 606
106 601
101 592
2)

1 766 837
857 623
1 169 688
L 454 218
1 380 617
1 564 144

A = Absatz in absoluten Zahlen. b = Absatz in v. H.-Zahlen gegenüber 1918.

‘) Die Zahlen für 1918 sind Schätzungen für das alte Reichsgebiet.
*) Seit 1927 keine Ausweisung mehr. Auch im Dezember 1926 fehlen annähernd
 4000 t.

Einfuhr von Kalkerzeugnissen 1913 und 1922-—1927
1. Halbjahr.
(Mengen in Tonnen.)

| 1002 | 1028‘ 1 1004 | 1005 | 1020 | 32%
1913 1922 1923 1924 1925 1926 Sept.
19927

Pos. 227a: Kalk, natürlicher, kohlensaurer; Dolomit, roh (ungebrannt).
Belgien. . . .. „1 9 727| 266 x. Hal 852
Dänemark. .. . 0... 3651; 49717] 70 019| 49 560
Frankreich . . Ce ns)
Polen: . . .. „0 — | —
Östpolen . w eh —
Westpolen . . . Se — — —
Poln.-Oberschlesien) J26[ 141 804/109 295/136 808
Schweiz . 2... 0... — 712 591
Schweden. .....l 45 © 115 259/104 248| 99 876
Tschechoslowakei . . . 205341 29911] 31 649| 22 161
Saargebiet . . DL nn E 622| 792
Gesamteinfuhr | 1318 524 | 200 424| 245 517| 231 215| 616 0111489 121634 765
Pos. 227e: Kalk, gebrannter, in Stücken; Dolomit, gebrannt.
Belgien. . 0.0.0.0. PP 23 1511 20 821 | 33 265
Polen: Ostpolen. . . .
Westpolen . . .
Poln.-Oberschlesien
Tschechoslowakei

5541 220 —
205 59591 113898| 14483 | 18 618
| 60539| 11651) 14736| 42114) 35304 ] 51 883

Gesamteinfuhr

') 1913 Rußland.

1926
        <pb n="226" />
        Angaben des Statistischen Reichsamts.
; Eingereicht im Oktober 1927,
Das vorliegende Material ist nicht ganz vollständig, insbesondere fehlen
Angaben über die Austiuhr Melillas — in Marokko kommt wohl nur dieser Hafen
für die Erzausfuhr in Betracht. Über die Ausfuhr dieses Hafens ist, soweit hier
bekannt ist, nur bis zum Jahre 1918 eine Statistik veröffentlicht worden. Eine Ausfuhr
 von Eisenerz ist dort indes nicht aufgeführt. Auch über die Ausfuhr von Tünis
und Neufundland liegen nur dürftige Angaben vor.
Es ist versucht worden, die Angaben über die Ausfuhr dieser Länder auf
Grund der Statistiken der wichtigsten Absatzgebiete in Europa zu vervollständigen.
Aber auch dieser Weg führte nicht ganz zum Ziel; denn eine Einfuhr von Eisenerz
aus Tunis verzeichnen nur Frankreich und Deutschland, eine Einfuhr aus Neufundland
aur Deutschland. Die spanischen Besitzungen in Nordafrika werden in fast allen
Statistiken nicht besonders, sondern zusammen mit Spanien aufgeführt.
Frankreich importierte an Eisenerz
aus Tunis 1913 . . .
1924 . . . -
1925 . . . 4
1926

Deutschland importierte an Eisenerz
aus Tunis 1913 186 412 Tonnen
1924 2 „
1925 16658
1926 98 215 „
‚21175 Tonnen
‚96 151
784722 ,,
353 896 “

us Neufundland

8 Es wird noch besonders darauf hingewiesen, daß die Länderangaben in den
Statistiken eines großen Teils der Ausfuhrländer, insbesondere Spaniens und der
iberseeischen Länder, erheblich von den Angaben in den Statistiken der meisten
Einfuhrländer, insbesondere Deutschlands, abweichen. Das ist darauf zurückzuführen,
daß die Sendungen zumeist nicht unmittelbar in das Verbrauchsland gehen, sondern
in einem dritten Land umgeschlagen werden, und daß in den Statistiken der Ausfuhrländer
 diese Umschlagsländer als DE Tann angegeben werden. Als
Beispiel wird ein Vergleich der spanischen, niederländischen und deutschen Anschreibungen
 von Eisenerz im Jahre 1926 angeführt:
Spanische Statistik
Tonnen = 1000 kg
Ausfuhr nach Deutschland. . ... +... . 219324
Ausfuhr nach den Niederlanden. . . . . . . 446265
665 589
Niederländische Statistik
Einfuhrstatistik:
Einfuhr aus Spanien (einschl. Span. Marokko) . 84316
Durchfuhrstatistik:
Einfuhr aus Spanien (einschl. Span. Marokko) . 76283538
; 864 669
Ausfuhrstatistik: | .
Ausfuhr nach Deutschland. . . . 2. 2... . 73197
Jurchfuhrstatistik: :
Ausfuhr spanischer (einschl. marokk, Erze'nach
Deutschland . . ‚ii... 760 844
834 041
Deutsche Statistik
Einfuhr aus Spanien (einschl. span. Marokko). . 842 095.

Bf
        <pb n="227" />
        Versand von lothringischer Minette in Tonnen.

Von Lothringen nach:

Jahr

1909
1910 .
911.
L912 .
1913

19241) .
19251) 2.
19261)

Lothringen


Frankreich


620 326
8399 286
736 994
083 333
964 129

9315
15 308

3.0883

=) =

"uxemburg



134 817
63 816
17172
149 274
656 148

Saargebiet


2.9039 886
2 949 406
3118 309
3 282 897
2 48383 8839

Deutsch
d oh -
MS | ohne| Belgien
gebiet

1 989 999
7 8385 404
3 026 091
3 244.775
3318 860 |

179 455
197 953
244 812
76 061
153 947

332 068
683 414
999 680 '

Übrige
Länder

!) Für die Nachkriegsjahre liegen die Angaben für Lothringen und Elsaß nur
är den Verkehr mit Deutschland vor.

Ausfuhr von Eisenerzen aus Schweden
in den Jahren 1909 bis 1913 und 1924 bis 19986.

Bestimmungsländer

Hisenerze
insgesamt.

davon nach:
Deutschland . . ..
Finnland . . ...
Niederlande . . .
Belgien... . .
Großbritannien . .
Frankreich. . . .
V, St. v. Amerika
Norwegen. . . ..
Tschechoslowakei _-.
Danzig ..... 4.
Britisch-Nordamerika .
Polen. .. 0.0...
Dänemark. . . .,

1
wo | un ! or | 300 | 19183 " 41994 | 1095 | 4096

Man HN 1A Dam

’en =

10080 ı

3 196 458/14 418 ab 086 898/5 520 esse 439 7505 947 593|8 800 866!7 655 52

2 519 048/83 276 605/2 776 460/4 217 95814 977 395|4 017 634/6 972 96616 189 416
7166 14553| 15647 16552) 18588 869 1289| 580
27273| 16645| 930176| 34354/ 27840) 274665 154691) 798%
89.062 141579! 159290| 211155| 231647 541977 460306! 565217
107855 584185 575984 621881] 672886 780095. 678264/ 291 978
24.898/ 42251 41422! 47700 38638 5964 41035) 41660
{21.1891 27066: 262591 384678! 341215 319088 137675 96310
$704 311675' 36908! 11397 267024 218
66 3331 339 815
9545 259
” 39 174
— g 766
111 sel 136

401 2167

IRQ
        <pb n="228" />
        Ausfuhr von Eisenerzen aus Schweden
inden Jahren 1924 bis 1926

Warenbenennung
Bestimmungsländer

1924 | 1925 | 1926

Mengen in Tonnen — 1000 ke

Eisenerze
insgesamt. ..

5 947 598

8 800 366

7 655 521

davon in Brocken

insgesamt .

davon nach:
Deutschland .
Finnland . .
Niederlande . .
Belgien. . ..
Großbritannien .
Frankreich. . .
V. St. v. Amerika
Norwegen. . .
Tschechoslowakei ;
Danzig... ..
Britisch-Nordamerika
Polen

5731 177

3 839 293
436
242 219
541 977
775 712
5 964
319 083

4.450
9.014

8 342 581

6 577 844
200
151 706
460 506
632 576
41 035
136 012
267 024
66 333
9 545

7 1483 644

5 731 358
5 701
76 971
565 217
263 678
41 666
96 310
218
320 380
557
39 174
9 3905

Schlicht,‘ Mulm oder Konzentrate

insgesamt .

davon nach:
Deutschland . .
Finnland . .
Niederlande .
Großbritannien .
V. St. v. Amerika
Tschechoslowakei
Dänemark. .
Polen . ..
Brikette

insgesamt .

165 654

132 643
433
32 446

129

507692

359 422

337 095
1162
2.985
5379
1 6683

11138

QR 868

432 878

409 354
155
2878
45
18 935
136
1 370

79 004

davon nach:

Deutschland .
Großbritannien
Danzig ,
Finnland . .
Niederlande

15 698
4 383
681

58 027
40 309

97

48 704
28 255
2.035
10

779
        <pb n="229" />
        Ausfuhr von Eisenerzen aus Spanien in den Jahren 19%
bis 1913 und 1924 bis 1926.

Warenbenennung
Bestimmungsländer



Eisenerze...
davon nach:

Deutschland . . .'..
Großbritannien . ..
Niederlande. . ...
Prankreich . ..
Y. St. v. Amerika. .
Belgien .....'..
italien .........
Öuba.......0.
Argentinien. . .'..
Gibraltar .......
Brasilien. ......
Dänemark. .....
Norwegen. ...'..
Franz.-Marokko ..
Schweden .......
Portugal. .......
Canada. .......
Span.-Marokko ...
Österreich- Ungarn

Manganerze ..
davon nach:
Deutschland. . ...
Frankreich .....
Belgien .......
Niederlande. ....
V. St. v. Amerika .
Großhritannien ..

1909 ‘| 1910 | 1911 | 1912 | 1918 | 1924 | 1925 | 192

Mengen in Tonnen =— 1000 ke

8 179 ar7l8 984 o50l7 345 0548 469 ers 907 3093 826 6443 617 75111 856 97

458 957| 188 701! 8372420| 778 179| 987 626!
1614 8094 910 242/3 786 7244 258 409|4 818 617,
2.470 4002 404 065|2 487 609/2 754 9732 510 694
165 179/ 290 934| 352384| 466 372| 390 073
401 854| 372 647/| 181164| 110876| 89828.
47049| 67626/| 95115| 60100/| 65 346:
319 3 344 7 3 014 758
103 70 7 194 219
58 „97. 161

44:
9
502200 9
776 184 A
145505 ü
N I än
An u )
FM 28
50 92.260
S U
2 w
482
a
6
jj
‚96

M

185)

20
167

2
(32
63!
15
N
4

2 m
{8109

2 960]
Ss) el

1 508
19

4215
1 re

a5 945]

98 4130:

98

14 7837|

6 209}

926 809!

29 762)

27 798’

51 ö8ıl

74 637)

ax 340

9
8 390i
6 340

55 105
211 536
24952 928014
8 __
4 760] 2 88) 4 586l 4 128

78
25 174
58'
11615
7 500|
6.661

99 330
16 856
93
97 347
7511

6
30 636
4669
Q7

Ausfuhr von Eisenerzen aus Tunis im Jahre 1913
(Mengen in Tonnen = 1000 kg‘.

Insgycesamt. &amp;gt;.

Frankreich . ..
Großbritannien . .
Niederlande . . .
V_ St. v. Amerika.

.2.0000000 1... Tonnen 589 504
davon nach:

0
276 839
295 715
16 950

73)
        <pb n="230" />
        Ausfuhr von Eisenerzen aus Algerien in den
Jahren 1909 bis 1913 und 1921 bis 1923

Warenbenennung
Bestimmungsländer


Eisenerze.....
davon nach: ı

Deutschland. ....
Großbritannien . ..
Niederlande... ..
V. St, v. Amerika -
Österreich - Ungarn
Frankreich .....
Schweden...
Italien...
Belgien

1909 1910 | 1911 | 1912 | 1918 [| 1921 | 1922 | 40281

Mengen in Tonnen = 1000 kg

856 044lı 065 galt 102 1484 994:329)1 365 956

674 355] 8312 0481 467 905

42 625
469 210
218 894
51 095
42 040.
22 ©
30

44 898
652 622
268 577
19 568
49 177
27 335
2 700

64 399
691 339
236 949
4514
33 826]
40 279
8 100
23 236
1

57 269
765 765
349 749

84 631
790 641
253 671

454 971
187 152

970 786
181 434
142 446
80483) 87109

29 597
38 907
50

66 281
53 121
4.600
13.009

{1 882]

Ausfuhr von Eisenerzen aus Neufundland in den
Jahren 1908/09 bis 1913/14

nn

Waranbenennung

Mengeneinhaeit


1908/09 | 1909/10 | 1910/11 1911/12 | 1912/13 | 1918/14

Fiskaliahr 1. Juli bis 80. Juni

. Eisenerze
Sinschl. Chromerz und
Pyrit [Schwefelkies])

lg. t
t=1000 kg)
Angaben über den Anteil der einzelnen Länder an der Gesamtausfuhr liegen nicht vor.
Pro, Die Zahlen sind dem „Statistical Abstract for the several British Oversea Dominions and
tectorates“ Nr. 55 entnommen.
U8 Nach Angaben im „Commerce Yearbook 1925“ wurden im ‚Jahre 1925 aus Neufundland
2010 1g° tons ausgeführt. ;
Für 1924 und 1926 liegen Angaben nicht vor.
[9980 Nach Angaben im „Report on the Trade, Industries and Resources of New foundland for
1991/3 herausgegeben vom Department of Overseas Trade wurden in den drei Fiskaljahren
22, 1922/28, 1928/24 zusammen aus Neufundland ausgeführt:
Eisenerze im Werte. . . . . von 8681638 Dollars
davon nach:
Großbritannien. .
Canada . . .
V. St. v. Amerika
Niederlande .
Dautschland _

880 120
8094. 944

1059880 1180 633 1.016 930 ] 1 248 200 | 1 247 182
1076889 ' 1 199 580 "' 1038 250! 1 268 151 | 1 267 146

—m——_
') Für 1924, 1925 und 1926 liegen Angaben nicht vor.

271
        <pb n="231" />
        Ausfuhr von Eisenerzen aus Britisch-Indien in den
Jahren 1909/10 bis 1913/14 und 1924/25 bis 1925/26.

Ausfuhr indischer Waren
Fiskaljahr (1. April bis 31. März)
Mengen in Longtons = 1.016 mt.
1000/1910/011 1912191811924 1025|
‚MO AL 2/1814 /25 | /26

Warenbenennung
destimmungsländer

Wisenerze , . . 2
davon nach:
Großbritannien 9ı— I1— 1-- I1952) 54

Ausfuhr fremder Waren
Fiskaljahr (1. April bis 31. März)
Mengen in Longtons = 1.016 mt.
PAARE
10 | /11 | /12 | /18 | /14 | /25 | /26

Ha

Ausfuhr von Eisenerzen aus Griechenland
in den Jahren 1909 bis 1913

Warenbenennung
Bestimmungsländer

1909 | 1910 | 1911

10192

| 4918

Mengen in Tonnen = 1000 kg a

Eisenerze
Roteisenstein (58b)
Hematite

insgesamt

Q1 400

92838 675

172 850 148 480

52872

jJavon nach:

Deutschland
Niederlande
England .
sterreich .
Amerika .
a
Schweden
Türkei

11 250
37 100
23 250
11100
3 700

28 525
21 800
156 850
17 400
9 800
4800

9 050
22 400
99 800
29 400 :

4 200 |

5 000
29 150
87 080
926 250

|

9 500
5 360
34.312
3 700

Manganeisenstein (58a)
(Fer mangan6sifere}

insgesamt

939 150

105 088

185 842

205 587

307 006

davon nach:

Deutschland
England .
Niederlande
Österreich
Frankreich
Belgien. .
Amerika
Schweden
Norwegen
[talien .
ZuBland

10200
188 804
76 446
43 800
3 800
5 800
5 800

30 623
37 068
52 285
20 550
169
4 400

4 960
74. 280
42 552
18 400
3 000
10 000
9150
10 300
9 200
4 000

17 325
82 242
69 070
29 450

21 100
145 245
68 351
45 570

3 800
7800 '

16 240
8 900

3.400 |

1 600

)z7
        <pb n="232" />
        Ausfuhr von Eisenerzen aus Griechenland
in den Jahren 1924 bis 19261

Warenbenennung
Bestimmung sländer

1924 | 19925

19926 1)

Mengen in Tonnen = 1000 ke a

Eisenerze (68a)
Minerai de fer

insgesamt .

davon nach:
Deutschland . .
Italien. . ..
Großbritannien .
Übrige Länder.

53 721

8781
30 760 |
14180
}

30 026

39 212
33 966
100
6 748

Eingang von Eisenerz in Stettin in Tonnen?

Herkunfiftsländer

Jahr

1909
1910
1911
1912
1912

1925 |
1926

Schweden!

455 063
494 729
715 520
| D56 464

875 270
593 109

Norweren


8145
831
4.988
(8671 |

11 574
450

Spanien

19836
12 743
34.163
46 957

23 145
2134

Frank- '
raich

—-GE
 890

Rußland


| Algier

45 287
45 631
2
171

30 937
39 905
47 445
60 83927

15 495 | 10 043
1331 6 303

Insgesamt


491 959
568 897
609 961
802 607
| 190 052

989 585
608 8397

!') Angaben für 1926 liegen hier nicht vor.
?) Angaben für die Jahre 1909 und 1924 liegen nicht vor. Kanada hat keinen
Erzversand nach Stettin aufzuweisen.

34
        <pb n="233" />
        Eingang von Eisenerz in Hamburg in 1000 t)
a Herkunftsländer

Jahr

1911 .
1912 .
19183

1925 . .
1926 . . ‘]

(Schweden Nor- | Spanien |Griechenweren
 land

Frankreich


Rußland


10
195
49

6
84

408
500
51

5 83592

677 1802 13385 |
411 | | "6789

20m | 25 | 2006|
1580 20 1180

Algier!

Insgesamt


7559
2493
1683

7229 | 58 888
— | 99516

Kingang von Eisenerz in Emden in Tonnen?)

Herkunftsländer

Jahr

1909 .
1910 .
(911.
1912
1918

1924 .
925 .
1926 . .

Schweden |

741 574
44. 898

Norwecren


957 129
945 788 |

Spanien

| Griechenland


19 840 | —
21 922 5075

Algier

39 051

Kanada

102 506
47489 |

Insgesamt


571 147
867 480
1 059 595
1 302 847
1 9249 661

1 429 884
1 825 218
1 633 160

') Für die Jahre 1909, 1910, 1924 liegen für Eisenerz keine Angaben vor
Kanada hatte keinen Versand nach Hamburg.
?) 1909—18, 1924 Erzeingang insgesamt, Eisenerz nicht ausgesondert.
Frankreich hatte 1925 und 1926 keinen Eisenerzversand nach Emden.

34
        <pb n="234" />
        Eisenerzversand der Niederlande
in Tonnen &amp;amp; 1000 kg

1909 .
1910,
1911.
1912,
1912

1924,
1925.
1926

Jahr

insgesamt
einschl. Durchfohr

5 604 278
6 353 966
6 598 918
7 736 024
R 745 421

5 729 816
8 538 372
6828 117

davon aus
Rotterdam

5 263 483
5 832 743
6112 378
7 369 135
8 199 2925

4 585 3321)
6 938 4511)
5 421 3981)

nach Deutschland _
| auf dem
Wasserwege

auf dem
Bahnwece

2299
1876
1556
2237
3 606

5 583 381
6 825 021
6 577 808
7 692 315
&amp;amp; 708 687

1 402
122

5672016
8503 735
6 787 190

Der Empfang der Niederlande an Eisenerz?) in Tonnen.

Empfang an Eisen
erz insgesamt

Jahr

09.
910.
KU
2.
918

99
905 (RG
92a

in d
Holland Avon
‘einschl. M
Jurch- | Rotterfuhr)
 dam

aus
Schweden


aus
Norwegren


aus

aus
Frankreich


aus
Griechen-



aus
Rußland


Spanien

5229 069|4 947 169 784038 806 914l2 559 249231 694|162 152[189 471
941 916/5 545 924 942102 914 Ca 546 263/367 143/176 918]370 926
’5 251 188/5 964 654 9398 867 ı 009 761]2 657 176/375 773/151 689528 022
7 762 141/7 8317 304, . 056 40° 1382 127,3 295 269[587 600[125 4911545 008
'&amp;amp; 6922 287[8 065 27811 140 1101 742 5793 1835 6721541 414/156 2811746 591
15 862 644.4 588 537|1 577 8791 810 156|1 168 948[257 417
ß 710 052/6 923 91614 002 289] 664 595] 550 908[594 610
6 932 72115 412 21912 005 0862 274. 813" 846 6691805 301

— ‚9 240)
20 350[110 759
12 0601136 181

2115

2UusS

Algier

Kanada

287 366
404 637
871 480
565 439
702 115

102 100
90 036
123 730
619 257] 635 238
817 967] 732 774
894 806] 318 812

') Nur Umschlag in Flußkähne angegeben.
get °) In den Angaben für die Jahre 1924—1926 ist Eisen- und Manganerz nicht
S N nut (nach niederländ. Statistik). Die Aufteilung nach Herkunftsländern bezieht
Ch auf den gesamten niederländischen Emtfane.

336
        <pb n="235" />
        Versand von Eisenerz in Stettin, Hamburg, Emden,
Bremen in Tonnen.

Jahr

Stettin

2

b

1909 ....
I910 ....
1911 ....
1912 ,...
1913 ....
1924 ....
1925 ....
1926 ....

62 558
9617
296 884
92 228
178 676

201 384
307 881
123 858
528 560
857 018

178 356
194 850

549 955
757 530
495 628

a) in Eisenbahnwagen.

Hamburg

a

b

40 583
38 834
29 741
13 428
5888

3211
2527
1726
9127
9 059

55 479
192 463

34 982
30243
15 854

Emden 1 Bremen
b

12 202
1692
99
1363
761

522 26%
800 485
ı 019 860
1181 220
1388175

1098
1296
1357
579
(595

12378
3 382

1 346 781
1 691 472
1718 308

9232
9625

5 292
10295
3 655

b) in Flußkähnen.

Durchschnittliche Erzfrachten je Tonne.

Von-— nach

Lulea—Stettin . .
„ —Emden “. .
Helsingborg—Stettin .
„ —Emden . . .
Narvik— Emden, Rotterdam
Bilbao—Rotterdam. .
Huelya— w
Wabana—
Poti— x

Währung

s, Kr.

”
H
sh
”
»”

1918

4,00
4.152)

5,75
4/11
6/4'/,
11/10 |

1924

4,35
495

4,23
5/91,
6/7
14/1114)

19925 | 19926

h
4,90
8,26 | 4,27
5/5)
5/8 | 68
11/5%, | 13/6

1) Verschiffungen mit eigenen Dampfern der schwedischen Ablader: Fracht
anbekannt.
2) Annähernde Fracht.

3
        <pb n="236" />
        Angaben des Handelsstatistischen Amts,
Hamburg.
Eingereicht: September 1927.

Eingang von Eisenerz in Hamburg.

909 | 1910 1 1911 1 1912 1 1918 1 1924 ) 1925 | 1926
dz dz dz dz dz . dz ! dz dz _
24.985 16827 173 419 [824 505 1 94.167

Insgesamt .....
davon aus:
Frankreich. . ...
Griechenland ...
Norwegen .....
Schweden 00
Spanien. .......
Tunis........
Asiat. Rußland a.
Schwarzen Meere

25 562

35 210
49 I 89
984 678
10 —
1399 11988
192

75 587
118!
63
102
4.082

262

—
| 557
494
508

99° —
101198 814
1045 91
830617 1278
139.952 53089
79 990

887
4 953
5 000

98
21 603
3 462
47 073

| 16906

5835211

Versand von Erzen ab Hambure.

mit der Eisenbahn
» Binnenschiffen

mit der Eisenbahn . . ..
» Binnenschiffen . . . ; |

19008

1910

I 10911

1912

dr

dd”

dz

dz

791915 I 74686538
OO 255 908 9 962 4Q0

4

503 815
2719195

319

19924

1925

1926
dz

dz

dr

d-?

449 541 ] —?) | —2) —)
4181280 | 2486850 | 1863660 | 1932670

1) Nicht vollständig ermittelt.
?) Nicht ermittelt. Die Hamburgische Statistik des Eisenbahn-Güterverkehrs
Wurde im Jahre 1920 eingestellt.

16 Enq.-Aussch. III. Rohstoffvers, d. deutsch. egisenerzeug. Ind.

ar
        <pb n="237" />
        Angaben der Hafendirektion Emden.
Eingereicht: Oktober 1927,

Zusammenstellung des Erzumschlags im Emder
Hafen in den Jahren 1909—1913 und 1924—1926.

1909
L910
{911
1912
1913

1924
(925
1926

1a 1

Gesamteingang
 an
Erz !}

Tonnen

571 147
867 480
. 059 595
ı 302 847
| 9492 661

| 581 648
| 826 010
| 671 762

Umschlag ;
in

Flußkähnen | Eisenbahnwagen
Tonnen Tonnen

532 516
826 419
| 016 612
1 270 315
[300 017

Aufzeichnungen
über den Bahınverkehr
 liegen
nicht vor

1 381 084
L 744 916
1701 518

1

23219
3327
2 300

1) In der Hafenstatistik wird Eisenerz: nicht gesondert geführt. Das eingeführte
 Erz ist fast ausschließlich Eisenerz,

ZRQ
        <pb n="238" />
        Angaben der
Stettiner Hafenbetriebsgesellschaft m. b. H.
Eingereicht: Oktober 1927.

Bezüglich des binnenwärtigen Weiterversandes können nur Angaben über
den Umschlag in Kähne gemacht werden. Anschreibungen über die Verladungen
in Waggons, nach Güterarten getrennt, werden nur von der Reichsbahn vorgenommen,
 die das statistische Material für Stettin in der statistischen Zentralstelle
 Frankturt a. O0. sammelt.

Einfuhr von Eisenerz in Stettin,
Menzenangabe in Tonnen zu 1000 ke.

Herkunftsland

1926

1925

19924

1918

Schweden
Norwegen
Spanien . .
Griechenland
Frankreich .
Rußland . .
Algier. .
Kanada .

591 769
450
21834

880 394
11574
28 387
923 145

656 286
20 490
32 283
6 500
8427

1.056 464
18 671
46 957
6820
171
60 8397

1331
5 100

15 495
15 008

{9192

1911

1910

1909

Schweden .
Norwegen .
Spanien 8
Griechenland
Frankreich .
Rußland .
Algier. .
Kanada

;

715 521
4 983
34 163

494 729
831
12 743
3 180
45 631
39 905

455 063
3.146
19 8836

404 376
4831
33 088
1911
45 287 8829
30 937 32 800

47 445 |

Der Stettiner Umschlag von Eisenerz
Mengenangabe in Tonnen zu 1000

in
ke.

Kähne

199268

{9925

1994

1918

488709 |

695 849

|

90104 |

64 1192

‘1019

1911

1910

1909

667 879 | 206 736 | 396 954

969 589

230
        <pb n="239" />
        Angaben der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft.
Eingereicht: Oktober 1927.

Übersicht
über die Eisenerzausnahmetarife der Vorkriegszeit und über die
ihnen entsprechenden Ausnahmetarife der Gegenwart.

i. Ausnahmetarif 7
für Eisenerz, Abbrände, Schlakken
 usw. (Allgemeiner Kisenerzausnahmetarıf)
 ; .
Bindung an die Verwendun
der Erze usw. zur Eisen- and
Stahlerzeugung.
I. Kilometer-Tariftabelle,
Von allen Stationen nach Stationen;
 die für Eisenwerke usw.
als Empfangsstationen in Beiracht
 kommen.
Streckensätze:
1—100 km 1,8 P£.
101—190 ,‚, Anstoß 1,5 ,,
über 190 ,, » 1,0 ,,
AbL£. Geb. 70

IL Kilometer-Tariftabelle.
Von den Stationen des Sieg-,
Lahn- und Dillgebiets nach
den Hochofenstationen des
Aachener und Saargebiets sowie
 in Lothringen Luxemburg.

Streckensatz 1,25 Pf.
Ab£f. Geb. 6.00 ,,

km

25
0
75
‚00
50
200
300
400 ı
S00

100
150
200
300
400 |
483

1914

Autez

12
16
1
5
3
9
0
60
N

19
25
21

z4
56
66

1927

1921
Erhöhung
in %
mit [ohne
Beförder
Steuer

Satz

Ausnahmetarit 7

16
28
29
35
46
56
70
84
98

38 |
44
38
40
39
40
:C
40
40

25
37
29
32
30
30
30
32
31

Streckensätze:
1—100km 2,5RP!
101—190 ‚, Anst.2,2 ,
über 190 ,„ „ 14
Abf. Geb. 10.0

Die Sätze nach dem
Aachener Gebiet sind
in den Ausnahmetarif 7a
des Reichsbahn-Gütertarifs,
 die Sätze nach
dem Saargebiet in den
Reichsbahn - Saarbahn -
Gütertarif übernommen
Die Sätze nach Lothringen—Luxemburß£

sind infolge Änderung
der politischen Ver
hältnisse aufgehoben.

23
30
38
53
68
80

21
20
29

16
12
16
3

21

4

Streckensatz 1,5 RPf
Ab£f. Geb. 75

74.0
        <pb n="240" />
        7m

1914

Aatz

1927

Agtz

1927
Erhöhung
in %
mit [ohne
Beförder.
Steuer

Noch Ausnahmetarif 7
III. Kilometer-Tariftabelle, Die Sätze sind in den
Von den Stationen des Sieg-, Ausnahmetarif 7a des
Lahn- und Dillgebiets nach Reichsbahn - Gütertarifs
Georgsmarienhütte. J ; ” is _ übernommen.
Frachtsätze wie vorstehend in der II, Kilometer-Tariftabelle angegeben.‘
IV. Stationsfrachtsätze.
a) Von Oderberg nach Beuthen
Hbf. (Oberschl.)
Bobrek
Borsigwerk
usw, (übrige oberschlesische
Hochofenstationen)
Einheitssätze des Ausnahmetarifs
 7 unter Einrechnung
der Entfernungen über die
Nebenbahnstrecken Gleiwitz
 — Orzesche, DNiedobschütz—
 Loslau— Annaberg,
Soweit diese niedriger waren.
ı Von Bockenrod nach Brobach
Krefeld
Dillingen (Saar)
Düsseldorf. Oberkassel
Emmerich
Essen Nord
Kempen (Rhein)
Mönchehof (Kreis Kassel)
Saarbrücken—Burbach
» —Malstatt
Schlaverie
Uerdingen
Völklingen
Streckensätze:
1—100 km 2,2 Pf.
über 100 „ 1,5 „ Anstoß
nachSchlaverie 1,25 ,,
Abf. Geb. 70
NachSchlaverie 6.0.

* Ausnahmetarif 72
für Eisenerz, Manganerz, Gal-„mei,
 Kobalt-Nickelerze uSW.
Zwischen bayerischen Stationen
und Frankfurt (Main), Gustavsburg,
 Mainz und Mannheim.
Stationsfrachteätze

100 22
200 44
300 66
400 88
über Roh-440
 stofftarıf

CA. T, 2)

' Mangels Bedürfnisses am
1.April1918 aufgehoben.

24.1
        <pb n="241" />
        Km

1914

Satz

1927

Satz

1921
Erhöhung‘
‘in %
mit | ohnel
Beförder.
Atener

Noch Ausnahmetarif 7a
Einheitssatz bis 440 km 2,240
Rohstofitarif:
Streckensätze:
1—850 km 2,2 Pf.
über 350 „ 1,4 „ Anstoß
Ab£. Geb. 7,0 5

3. Ausnahmetarif 7b
für Eisenerz, Manganerz, Abbrände,
 Schlacken usw.
ohne Bindung an einen bestimmten
 Verwendungszweck.
[. Allgemeiner Frachtsatzzeiger
gültig zwischen allen Stationen.
Streckensätze:
1— 50 km 2,0 Pf.
51—325 „ 1,8 „Anstoß
326—488 „„ 2,2 „Durchger,
Abf. Geb. 162—825 km 12 Pf.
326—438 „ 0,

Sätze |
des
A. T.7
zum Ver-'
gleich
40
50
60
63

1161
200
300
400
438
439

—)
49
67
88
96
2)

DerAusnahmetarif 7b, der
seinerzeitim Bereich der
rheinisch - westfälischen
Privatbahnenimlnteresse
 der westlichen
Eisenindustrie eingeführt
 und im Laufe de
Zeit erweitert worden
ist, hatte infolge Einführung
 des billigeren
Ausnahmetarifs 7 (s. 1fd.
Nr. 1) seine Bedeutung
verloren. Er ist deshal
aufgehoben worden.
*usnahmetarif7f

II. Stationsfirachtsätze.
a) Von Dittersbach (städt.)
nach Gleiwitz
Kattowitz
Ratibor
Schwientochlowitz
£inheitssatz: 1,52-+6,0

46
50
43
149

9

6.5

Einheitssatz: 1,85 RP!
ohne Abf. Geb.
Nachrichtlich:
Im Verkehr nach Polnisch-Oberschlesien
 gilt
der Ausnahmetarif 2b
von Dittersbach (städt.)
nach
Bytom, Nowy, Chebzie,
Chorzow, Hajduki, Kro-Jlewska,
 MHuta und
Siemianowice Sl.
Die von derfrüherenOberschlesischen
 Bahn über:
nommenen Sätze sind
mangels Bedürfnisses
aufgehoben

b) Von Hungen
nach Gießen

2) Von Lich
nach Gießen
Einheitssatzzub)u.c): 2.0+6.0 Pf.

1) Auf diese Entfernungen wurde die Fracht nach den
Sätzen des Spezialtarifs III oder des Rohstofftarifs berechnet.

Bestimmungen und zu den

14.7
        <pb n="242" />
        Noch Ausnahmetarif 7b
d) Zwischen Worms Hafen Übergang
 (Wasserweg) und ‘Stationen
 des Saargebiets.
Streckensätze:
1— 50 km 2,0 Pf.
51—8325 „ Anstoß 1,8 ‚,
Ab£. Geb. 60

cm

1914

Satz

1927

Anto

1928
Erhöhung
in %
mit | ohne
Beförder.
Staner

Infolge Änderung der
politischen Verhältnisse
erübrigt sich die Beibehaltung
 dieser Sätze.

997

4. Ausnahmetarit7c(Tfv.35)
für Eisenerz und Manganerz
(sog. Siegerländer Notstandstarıf).

Einheitssatz: 1,25 + 6,0
Geltungsbereich:
a) Innerer Verkehr des Sieg-,
Lahn- und Dillgebiets
b) Siegerland Ruhr
c) Dillgebiet—Ruhr
d) Lahngebiet— Ruhr
e) Lahn- und Dillgebiet—
ÖOberlahnstein
5 Ausnahmetarif7e 1
für Eisenerz
von Bremen Hbf.
Bremen - Neustadt Gbf.
(Oldbg.)
Bremen-Zollausschluß
Nach Vienenburg
Finheitssatz: 1,54-7,0
S.Ausnahmetarif7g(Tfv.30
für Eisenerz
vom Sieg-, Lahn- und Dillgebiet
 nach Oberschlesien.
Gruppenfrachtsätze vom
a) Siegerland |
b) Lahn- und Dillgebiet

Er- Erhöh
 höh
Durch- |Satz © DE Sat ) Br +
schnitts-| des |mäßigung— 52 Imäßigung
ent- [AT in% 149% in%
fernung | 7a | mit Johns | ‚+ 1 mit | ohne
Beförd.- Beförd.-in
 Steuer Steuer

Durchschnitts-
 |
entlernune
 |

km

Zat-Ausnahmetarif

 7a
(in Verbindung mit A.T.7i von der Mehrzahl
 der Versandstationen).

Einheitssatz: 1.5 — 7,5.

20
150
200
280

9
25
31
95

20
150
170
2001)
80 |20,+25 1419! 19 |+18,75410,9
Mangels Bedürfnisses aufgehoben, da der
Hochofenhetrieb stillgelegt ist.

9,6386 +7 0
7,717 410,8 +3,6
‘4887| 1,64! — 8
50.108911 0,3 6

RO

16

40

41
406

Ausnahmetarif 7b
Wird seit Jahren nicht benutzt, trotzdem
die DRG sich bereiterklärt hatte, die
Mindestmenge auf 40000 + zu ermäßigen.

980% | 90 || 125 | 39 | 30 | |
864% | 87 1 121 |_ | 89 1 80

(Si 1) Entfernungsabkürzung durch die am 1. Dezember 1915 eröffnete Strecke Weidenau
leg) —Haiger (früher 55,36 km, jetzt 25,57 km, Unterschied 29.79 km).
2) Siegen—Cleiwitz. 3) Wetzlar—(Heiwitz.

ir

‚3
        <pb n="243" />
        Noch Ausnahmetarif 7g
Vertragstarif:
Mindestauflieferung 150000 t
jährlich, ‘
Einheitssätze:
1—590 km 1,0 Pf.
über 500 „ 0,75 „ Anstoß
Abf. Geb. 6,0 ,
Nach dem A. T. sind befördert:

km

1914

Satz

1927
Erhöhung
‚in % 0
mit |ohne|
Beförder.-Steuer


1927

Satz

Einheitssatz:
Gruppe
a) 1,268 + 7,5
b) 1,818 + 7,5

Durchgerechnet
für 1 tkm
1,54 RPf.
1,40

1912 ........ 152424
918 ........ 179240
3l4........ 160 294
'915.:...... 181970
‚916........ 160992
917 ........ 174 850
98 ........ 167 916
[PI9 ........ 103878
‚990. ...... 281525
„00+« _ 196 908

7. Ausnahmetarif 7h (Tfv. 29)
für Eisenerz, Manganerz, Abbrände,
 Schlacken usw.
Von Danzig, Stettin, Swinemünde
 und Oderumschlagplätzen

nach Oberschlesien.

Stationsfrachtsätze.
Z. B.:
Stettin—Borsigwerk
Cosel Hafen—Borsiowerk

Einheitssatz: 1,0 + 6,0 Pf,

18
58

56,7
11.52)

67
16

181/111
39.11 30.4

Ausnahmetarif 7c

1 Von Stettin, Cosel Hafen
und Oppeln Hafen
|nach Oberschlesien.

Nachrichtlich:
Im Verkehr von Stettin
nach Polnisch - Ober-Schlesien
 gilt der Ausnahmetarif
 2a des polnisch
 - oberschlesisch -
deutschen Verbandsverkehrs.

| Einheitssätze: Durchgerechnet

a)von Stettin 1,306RP£
ı b) „ CoselHafen2.85 „

1) Ohne Verschiebe- und Krangebühr.

De

cn
        <pb n="244" />
        8. Ausnahmetarif 7i (Tfv.34)
für Eisenerz und Manganerz
vom Sieg-, Lahn- und Dillebiet

nach  eheim-Hüsten.
Stationsfrachtsätze.
z.B. von .
Niederschelden
Dillenburg
„Wetzlar
Einheitssatz: 1,1 +5,0
), Ausnahmetarif 76
für Eisenerz (Minette)
Von Lothringen— Luxemburg
Nach Neheim-Hüsten,
zZ. B. von Düdelingen Werk
Streckensätze:
1—100 km 1,7 Pf.
101—200 „+12,
201—3800 9 + 0,8 ”
301 und mehr -- 0,7
Abf. Geb. 6,0 ,,
0. Ausnahmetarif (Tfv. 88)
für Eisenerz und Manganerz
Sach Oberschlesien.
“) Tariftabelle I (Kilometertari{f)
7on Bad Lauterberg, Floh-Seligenthal,
 Penin,
Schmalkalden, St. Andreasberg
 - Silberhütte,
Wernshausen u. Willenberg
 (Ostpr.) (Mindestmenge
 30 t)
d) Stationstrachtsätze
Von Auerbach (Opf.), Blankenburg
 (Harz), Elbingerode
 Hbf., Hof
(Sächs.), Hollfeld, Hüttenrode,
 Luitpoldhütte, Metzenhof,
 Pegnitz, Rothehütte-Königshof,
 Rübeland,
 Schnabelwaid,
Schwarzenberg und
Zwickau.
zZ. B. nach Gleiwitz
von Elbingerode Hbf.
. Pegnitz
Einheitssatz: 1,04 6,0

{914

km '

Satz

17
22
05

O0}

ÄR

370/504!
600
700
800
900
1100
1000
1is 1164

56
65
76
S6
96
116
106
190

715

74,9
| 875

1927
Erhöhung
in %
mit | ohne
Beförder.,
Steuer

1927

QAatz

Mangels Bedürfnisses
aufgehoben, da die
Hochöfen stilliegen

Mangels‘ . Bedürfnisses
aufgehoben, da die
Hochöfen 'stilliegen.

Der Ausnahmetarif ist in
Rücksicht auf den Versailler
 Vertrag am
31. Mai 1922 aufgehoben
worden.
Zur Erleichterung des
einmaligen ES aSS
einer Kestmenge KErz,
die durch lange Lagerung
 minderwertig geworden,
 ist für die Zeit
vom 18. Juli bis 31. Dezember
 1927 der
Ausnahmetarif 7k
von den Stationen Elbingerode
 Hbf,
Lichtentels und
Pegnitz
nach Bobrei, Borsigwerk,
 Gleiwitzund
Ludwigsglück
bo | eingeführt worden.
Zum Vergleich dienen folgende Sätze:
nach Gleiwitz
103 [37,5/28,11
107 |22,2/14,2,
Einheitssatz: A. T.7—20% 0,
durchschnittlich: 1,42 bis 1,44 RPf. für
das tkm

45
        <pb n="245" />
        il. Ausnahmetarif S 17
für Eisenerz, Schlacken usw.
überseeischer Herkunft.
Von Danzig, Stettin und Swinemünde

nach Oberschlesien und zur
Durchfuhr nach Österreich.

Stationsfrachtsätze.
z. B.:
von Stettin Übergang seewärts
nach Borsigwerk
ÖOderberg
Einheitssatz: 1,34 +6.
(2. Ausnahmetarif
für Eisenerz und Schlacken
aus Ungarn und Steiermark
nach Oberschlesien.
Streckensätze:
1—100 km 29,2 Pt.
darüber Anstoß 1,5 „.
Abf. Geb. 70
13. Ausnahmetarif
für Eisenerz
von Eisenerz (K,K., Öst. Stb.)
nach Oberschlesien.
Mindestmengentarif.
Einheitssätze: 1,6 — 1,3 Pf. + 2,5.

km

73,4
79,6 |

1914

Jatz

Zum
Vergleich

A. T. 7h
56,7

I

192
Erhöhung
| in %
mit [ohne
Beförder
Steuer

19927

Satz

"81

Aufgehoben, da durch
den Ausnahmetarif 7h
(lfd. Nr. 7) — jetzt 70 —
bezüglich der Sätze nach
oberschlesischen Hochofenstationen
 unter
boten.
Nachrichtlich:
Für Stettin—Oderberg
besteht Ersatz im
jetzigen Ausnahmetari!
30 für den deutsch
tschechoslowakischen
Seehafenverkehr.

Aufgehoben infolge Än
derung der politischer
a

Aufgehoben infolge Än
Serum der politischer
Verhältnisse.

46
        <pb n="246" />
        Umschlagkosten für Eisen.

Stettin

38

Flußkähne


‚ Eisenbahn-




Fluß-Irähne


Jmschlagkosten


0,15 0,60 | 0,16%,

t
% N 1ag-| nicht bekann
kosten

924

1995

‘99€

Eisenbahn-



Flußkähne


Eisen-Fluß-




Eisen

bahnbahn-




wagen

0,14 | 0,883)
0,93 | 0,16%, 0,98 | 0,168, | 0,98

Hamburg
0,80 bis 1,20 RM.

1. Halbjahr
2,

Emden

0, 7 5
| 0,80 ’ |
| 1 ’ |
{ to |
ten 0,60
M. M. M. M M. M. M

mschlagkosten
 |

R ot

ardam

60

BC

42,5
bis
47
ots
1)

BR

42,5
bis
47
cts
1)

52,5

42,5
bis
47
cts |
1)

50

ets

|

ets

|

Ci.

et:

cts

schlag.
kosten

Bremen

nicht bekannt

1,25 bis 130 RM.
100 bis 1.10 RM.%

1. Halbjahr
2.

1. Halbjahr

2

8 mit Schwimmkran auf Strom.
3 bei größeren Abschlüssen. .
) für Sendungen nach Deutsch-Oberschlesien und Oderberg

)A
        <pb n="247" />
        Angaben des Sachverständigen Wenzel.
Eingereicht: September 1927.

Preise für Eisenerze in den Jahren 1909 bis 1913 und
1924 bis 1926.

1909 | 1910 | 1911 | 1912 | 1918 | 1024 | 1925 | 1926

a) Schwedisches A-HErz,
P’arm.
Basis 60% Fe i./Tr.
if Stettin und freiKosel
cif Rotterdam s. kr...
frei Kahn Ruhr M. .

9) Schwedisches D-Erz,
P’reich.
Basis 60% Fe i/Tr.
cif Stettin und frei Kosel
cif Rotterdam s.kr..
frei Kahn Ruhr M..

n)

Rubio- Erz, 50% Fe
i/Feu. IL Sorte,
{rei Kahn Rotterdam
sh.
frei Kahn Ruhr M. -

1) Et
länder) 46% Fe i./Tr.,
5% Mni/Tr., 12 %
Si,
Irei Waggon Grube
lirei Waggon Station
Bochum M, . .
Bilbao-Rostspat50% Fe
i. Feu.
ie Kahn Rotterdam
Irei Kahn Ruhr M_

2)

Minette,35% Fe i./Feu.,
trei Waggon Grube M.
Frei WaggonDeutsche
Grenze M.. . ..
irei Waggon Dortmund
 Ya 5

f) Russisches Manganerz
(Stück)
cif Rotterdam je %
Mn d ]

Kann nur durch Vertreter der
oberschlesischen Hüttenwerke beantwortet werden.

15,25
(8.40

15,25
18.40

14,95
18.40

15,15 | 15,15
18,40 | 18,40

21,40 | 20,05 ° 20,45
26,25 | 24.20 ‚| 24,90

11,90
14.60

15,25
1835

15,25
15.75

15,25 15,25 , 16,80 | 16,20 |
18,50 | 18:50 * 21.15 | 20.—

18,45
99.75

15/9 17/6
16.70 | 18.45

18/5
19.80

18/5
19.55

18/6
19.65

21/- | 19/-292.65
 | 90.25

17/6
18.85

14,30 | 14,30 ' 15.80

15,80

16.55

99 —

921.— |! 19.50

16.80 |

16.80

17.80 |

18.30 ' 19.05

125.10

924.10 | 22.60

13/6
14.40

| 16/- | 16/8
16.95 1760

16/-{710


16/3
17.35

19/-20.65


18/3
19.50

| 17/6
1885

3 40

aa |

380 |

3.90 |

u

4.75 |

4.95 | 5.20
6.051 645) 7—

9901 9451 9.60

9.70) 9.80! 11.—

1150 |

11.30

9.— 9,25 | 9,25

9,50 | 10.— | 22,75 | 21,25 | 18,57

J4R8
        <pb n="248" />
        Frachtwege und Frachtkosten
von Eisenerzen für deutsche Hütten

Frachtkosten bis frei Hochofen
 Dortmund

Land

Sorte

Deutschland

Roteisenstein

71
Magneteisenstein
Brauneisenstein

nn
Spateisenstein
Rostspat
Toneisenstein
Manganerz
Spateisenstein
Rostspat
Diverse Sorten
Roteisenstein
Magneteisenstein
Roteisenstein

Österreich

”
Spanien
Schweden
Norwegen
"rankreich
Italien
Rußlanq

”
Brauneisenstein

» Manganerz
N Algier - Roteisenstein
Ordamerika

Gewinnungsort

teigekm
 | 1918 | 1926 / SS
M. M 1 2%

Porta
Dillenburg
Lauterburg
Nassau
Schmiedeberg (Riesengebirge)

Sulzbach (Oberpf.)
n/Beuthen 0.58.
Grube Friedrich
Porta
Bülten (Vöhrum)
Luxemburg (Tetingen)
Bindeweide (Scheuerfeld}
Siegen
Oberschlesien
Gießen
Eisenerz (Steiermark)
Kotterbach
Bilbao
Skien
arängesberg-Oxelösund
Caen &amp;amp; Nantes
insel Elba
Krivoi-Rog (Hafen Nikolajew)

Poti 8500
Mokthar Brika Algier 4060
Wabana | 4800

139
154
398
2192

2,801 8,30
3,40 | 3,60
8.40 9,50
4.10| 3,90

17,9
5,9
48,4

9,10 | 12.90

41,7

10,10 :
1,50
2:80 3,80:
4,90 6,70
5,90 7,20
2,90; 3,90
2,70 38,10
? ?
3,80 ' 3,70
10,24 12,66
? }
7,— 10,90
6,— 10,40
3,— 8,60
60 6,80
— 930
‚56 16,50

14,20

40,1

17,9
36,7
29,-17,2

14,8

23,6
?
55,7
73,3
43,3
8
55,
46.1

"3,50
“
%1ı—

16,50, 57,1
12,40 | 12,7
11.40 3.6

Die Frachten sind auf frei Hochofen Station Dortmund gestellt. Bei den Inlands-(rachten,
 wo also ein direkter Bahnbezug in Frage kommt, sind die angesetzten
Entfernungen berichtigt und dementsprechend die tatsächlichen Frachtsätze einge-Setzt
 worden. Bei den Auslandserzen konnten die Entfernungen und auch die für 1918
angeführten Frachtsätze nicht geprüft werden. Wir haben diese Sätze als richtig
Angenommen und dem die heutigen Frachten gegenübergestellt.
Bi Gleichlautende Angaben sind von den Sachverständigen Benjamin und
icker gemacht worden.

740
        <pb n="249" />
        Versand von lothringischer Minette (Metz-Diedenhofen)
 in den Jahren 1909—1913 und 1924—1926.
(In 1000 Tonnen.)

Gesamt-Versand . . ..
Hiervon Selbstverbrauch in
Lothringen . . . ..
Versand nach:
Luxemburg .'°. . ..
Saargebiet . . . ..
Rheinland-Westfalen . .
übriges Frankreich . .
Belgien. ......
andere Länder. . .

1909

1 1910

1911 | 1912

1918

19924

1925 | 1926

14 409 116 477 '17 370 I19 908 ]21 153

18 911

15 239

16 770

79181

84501 8997 [10 775 |11 781

7 508!

90041 9 698

1500 1658
2610' 2606.
2348 2875,
505, 591
228] 302

2180' 2768
2550 2677
2785 3014
491 | 468
367) 206

2896 2098 2858; 26389
2812| 1746, 2944 2310
2910| 859 486 | 469
517 2699| 677| 802
237 995‘ 475 852
Ä,x —

Ausfuhr von Eisenerz aus Schweden in den Jahren 1909—1913
und 1924—-1926.
(In 1000 Tonnen.)

Gesamt-Ausfuohr .

davon nach:
Deutschland . .
Belgien. . ...
Frankreich. . ..
England . . 2

Norwegen . . 2.
Tschechoslowakei ..
Vereinigte Staaten .
Verschiedene Länder)

Anteil Deutschlande

10900

1910 ]

1911 ! 41919

1918

1994.

1925 | 1926

3388 | 4847 ı 4771 | 5488 -

6440 |

5948 |

8800 | 7681

2654 | 3294
11 142
28 42
460 584

3694
159
41
582

4253
211
48
622

5 005
232 ı
39
673

4293 7128 6289
542 460 ı 565
6) 41: 42
780° 678 264
111 -
— 4
361 | 319 |
19 4

135 |

285 |

267
66
138
929

295

349

339
126
36

78.889 62.770. Ir a29 dr. s60I77.710 I72.1707.] 8197, |81.88%,

ISO
        <pb n="250" />
        Ausfuhr von Eisenerz aus Spanien in den Jahren 1909—1913
und 1924—1926. ”
(In 1000 Tonnen.)

Gesamt-Ausfuhr
davon nach:
Deutschland .
Belgien. . . .
Frankreich . .
Großbritannien .
Italien. . . .
Vereinigte Staaten
Sonstigen Ländern

:J

1909

1910 '

1911

1912

8180

8284

7345

8469

2924 2598 2860
47 68 95
165 | 291 | 852
4615 4910 3787

3538
60
466
4258

429 | 422 | 251 ] 152 |
l

1913

19924

1925

| 1926

3618 | 1857
3498 963 | 1225 | 665
65 49 57 22
390 2139 | 146 | 1831
4819 2885 | 1995 | 951
8 70 10
1835 86 | 123 75
1 2 3

Ausfuhr von Eisenerz aus Algier in den Jahren 1909—1913
und 1924—1926.
(In 1000 Tonnen.)

1909 J 1910

' 1911

Gesamt-Ausfuhr

840 | 1062 | 1120 |

davon nach:
Deutschland . . . 262 313 | 801
Frankreich . .. ; 16 24 42
Großbritannien . . ‚ . 469 653 | 691
Vereinigte Staaten . .| 51 20 45
Sonstigen Ländern . . | 42 52 41

1912

1918

1924

19925 "! 19926

1240

1366

1885 | 1656 | 1137

400 | 439 | 573 | 385 | 234
839 | 5383| 67| 68| 64
766 | 791 | 1089 | 902 | 462
— ) — | 138 | 176 | 897
35 | 83] 2923| 125| 50

Ausfuhr von Eisenerz aus Tunis in den Jahren 1909—1913
und 1924—1926.
(In 1000 Tonnen.)

Gesamt-Ausfuhr
davon nach:
Deutschland . . .
Großbritannien . 88
Sonstigen Ländern . .y|

'
1909 1910

1911

1912

1918 !

1924

1925

1926

786 \ 723 | 487
69 | 121 | 66 | 181 | 136 | 74, -- | 98
117 | 199 | 2838 | 270 | — [| 870 | —
a4 | 19 1] 591 911 — | 268 1 —

5
        <pb n="251" />
        Ausfuhr von Eisenerz aus Marokko in den Jahren 1909 — 1913
und 1924—1926.
(In 1000 Tonnen.)

1909 ' 1910:

1911

1912

1913

1924

1995

1926

Gesamt-Ausfuhr . . .. —
davon nach: . |
Deutschland . ‘x — |
1 7 a
a Gleichlautende Angaben ind von dem Sachverständigen Buchmann gemach!
worden.

893 | 373 | 470
9214 | 243

Ausfuhr von Eisenerz aus Wabana nach Europa.
{In 1000 Tonnen}

GesamtausfuhrnachEuropa
davon nach
Deutschland ‚,
Angland .

;

1909

1910

1911

1912 ! 1913

19924

1995

1926

151 1 176 | 2171 1641 2981 815
89] 132 | 135 | 152 | 193] 800, 785 | 3829
62| 44 | 82] 12 | 100 15 | |

785 | 939

Ausfuhr von HEisenerz aus Britisch-Indien in den Jahren
1909 bis 1913 und 1924 bis 1926.
(In 1000 Tonnen)

Gesamtausfuhr

davon nach
Deutschland .
Belgien. . .
Frankreich. .
Großbritannien
Ver. Staaten .
[talien . . ..
Anderen Ländern

1909

1910

1911 | 1912 ! 1918

1924 ' 19925

1926

5201 6051 6571) 6er] 913 | 778 | 751 1 617
1171 1491 195 )
2 Zn
100 107 | 112
29 | 148 | 171
141° 107 129
el im | 39]

178 15| 68, 47
188 185 | 208 | 170
87 250 | 1961 187
2683 201 | 195 | 1655
148 | 98| 72 | 57
_ 8| ı3| 29
491 91 4] 39

2592
        <pb n="252" />
        Ausfuhr von Eisenerzen aus Griechenland in den Jahren
1909 bis 1913 und 1924 bis 1926.
(In 1000 Tonnen.)

Gesamtausfuhr
davon nach:
Deutschland . .. ..
Frankreich. ....
Großbritannien

1909

1910 | 1911

1912

1913 " 1924

1925 ) 19926

nicht bekann

133 821 1191 128 | 147 6 20 —
9 4 14 5 6 5 3 —
266 | 327 | 268 | 197 [| 221 | 43 15 2

Quellen: Statist. Mitteilungen der nordwestl. Gruppe und des Stahlwerksverb
Heit 1 Eisenerze, Verein Deutscher Eisenhüttenleute.

Eingang von HEisenerzen in Stettin, Hamburg und Emden
in den Jahren 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926.
Mengen in Stettin sind uns nicht bekannt, da diese für den Westen nicht
in Frage kömmen.
In Hamburg gingen ein:

1909
1910
1911 2.0.00
1912 Schweden .
England . .
Niederlande .
Spanien . . 0.0...
ans verschiedenen Ländern

2 556,2 Tonnen
3 521,0 „
7558,77

495,58 Tonnen
586
775,0 ”
500,0 a
664,5 „

2 493,4

1913 Schweden. . .. ...
England . . 0.2.0...
Niederlande . . .
Spanien . . 2. 0...
aus verschiedenen Ländern

49,4 Tonnen
1493
846,0 „9
508
587,2 2

1 682,7

1924

Spanien . . .
Schweden . . .. ..
aus verschiedenen Ländern

13 995,3 Tonnen
8 061,7 Tn
284,9 „ 17841,9

1925

Griechenland ,‚ . . ..
Spanien . . 2... ++
Schweden. . z ®
Tunis . 0.0.0.0...
aus verschiedenen Ländern

19 881,4 Tonnen
58039
1273
72290 ,.
408,9 „82 450,5

1926 Großbritannien . . . ..
Jugoslawien. . . . ..
Norwegen. . .. ...
Schweden. ;* 5% &amp;amp; @s
Spanien . . .
Britisch-Indien. . . .
Aus verschiedenen Ländern

266,0 Tonnen
1244,9
2 160,8
346,2
4 707,8
625,1
66.9

9 416,7 Tonnen

17 Enq.-Aussch. III. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

253
        <pb n="253" />
        In Emden gingen ein:
1909.
1910.
1911.
1912.
1918. . ..
‚924 Schweden .
Frankreich
Spanien .
Afrika .
Griechenland .
Russland . .
Wabana .

925 Schweden .
Spanien .
Wabana

1926 Schweden . .
Spanien. . .
Afrika . .
Griechenland .
Wabana

{

571 147 Tonnen
864876 ,,
056246 x
298562
239 856

282 278,6 Tonnen
8500,0
6 773,0
28 300,0
4 343,0
139 569,0
| 696 850,4 Tounen
186790
1027870

‚419 763

1818316

493 053 0 Tonnen
216275
68 005,0
5000,0
47625,5 1685811

34

In den früheren Jahren sind die Herkunftsländer nicht bekannt.

254
        <pb n="254" />
        Erz-Einfuhr über Rotterdam.

Herkuniftsland


1909

1910 | 1911 | 1912 | 1913

1924 | 1925 | 1996

A Bis enerz
Schweden . 1 531 682|1 777 207 901 264/12 219 5192 446 855,2 142 88818 475 25018 432 081
Norwegen . 20630 42219 76608| 214988 336568 165573 157525) 29336
Spanien . 2 552 268.2 523 766 2 636 4919 244 166 3 068 655 765 901| 832050 442470
Frankreich 229540 364 5083| 370870| 588577 542483 103918! 350 788| 492 684
Algerien 2 2922632 265 653| 242794/ 3391404 405776 345785 452455) 239537
Rußland ; 155.022 308 902) 458 960 256789 850167 4756 27908' 16118
Tunis. ; ; ... 1019284 138598 128448 243205 286036 220772 198343 68229
Kanada . . . . ..92065/ 18250C 02100 90036 123700 63399‘ 689006! 220016
Griechenland. ; . 80047 17949 75°“ 924978 59148 6 750
Italien... 896° ; 735° 10867 ?
Westküste Afrikas . 4565 ? ?
ortugal, . 78121 ? ?
Chile ? ?
Ändere Länder * = 8942| 2429 4028) 272 458 564 126
ingesamt . . 5093 8625 740 40016 087 951|7 364 837|7 803 016]4 656 0856 183 896 4 947 384

3 Man anerz
Rußland _ Sa
Indien.
Brasilien. ı ® ®
Ang and 2 ]
Ndere- Länder a En
insgesamt . .| 292947| 382 038| 805631| 303 272| 468 040| 72071| 106683| 15

Y
“ÄAbhbrände und
Kupferabbrände
yeanien , «+ +. 365838 896 208
porwegen , . . ., 17664 2201|
Ortugal. . 2...) — —
Andere Länder . . 8083| 825}
insgesamt . .| 384395 419324 485121| 578 024| 564 689

? ? ?
? ? ?
? ? ?
7 “ 2

D F 9

8 Zusammenstellung,
Abend NE EOREZS J5 386 en 072 4383|6 393 582/7 668 109|8 271 056|4 728 106|6 290 579|5 106 467
„9 und Kupferabbrände
 „2... 8384395| 419324| 485 421) 578 024| 564689] ? ? | ?
|5 771 204/6 491 7576 878 708 8 246 18818 885 745]4 728 10616 290 5795 106 467
lang Die in der vorstehenden Tabelle genannten Mengen sind nahezu sämtlich nach Deutschdicht
 Weitergegangen. In Rotterdam eingetroffene Erze, welche in Holland verblieben, fallen
In die Wagschale.
Bahn. Wie sich der Transport von Rotterdam nach Deutschland in den einzelnen Jahren auf
und Wasserweg verteilt hat, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

- -

7‘
        <pb n="255" />
        Umschlagkosten für den Umschlag von Eisenerzen
in Rotterdam, Stettin, Hamburg, Emden und Bremen
Umschlagkosten in Rotterdam in Rheinschiffe:
1909-—1913 durchschn. etwa fl. 0,85 je Tonne dazu gelegentlich Extrakosten
für Über- und Nachtarbeit,
1924—1926 ” etwa fl. 0,60 je Tonne
Jmschlagkosten in Emden in Kanalschiffe:

1909—1913 schwankten zwischen etwa 42 und 57 Pig. pro Tonne
L924—1926 mit Verladebrücken etwa 77 Pfg. pro Tonne
mit Schifiswinden etwa 75 Pfg. pro Tonne.
Für die Umschlagkosten in Bremen, Hamburg und Stettin sind keine Unterlagen
 vorhanden,
Ebenso fehlen für sämtliche Häfen die Sätze für Umschlag auf Bahnwagen
Die in Frage kommenden Mengen dürften nicht erheblich gewesen sein.

Erzfrachten ab Lulea, Oxelösund, Helsingborg,
Narvik und Wabana für die Jahre 1909—1913 und
1924 — 1926. ;
Für die Jahre 1909—1913 können keine Durchschnitts-Frachten angegeben
werden, weil Angaben über ‚getätigte Abschlüsse nur vereinzelt bekannt wurden.
Soweit die Erze nicht mit Zeitdampfern gefahren oder cif Rotterdam gekauft wurden,
lehlt wegen der verschiedenartigsten Nebenbedingungen die Vergleichs-Grundlage.
Ein Vergleich mit Frachten aus 1924—1926. könnte unter diesen Umständen kein
richtiges Bild geben. Gemeldet wurden von vor dem Kriege ein Frachtabschluß
:ür 10 Jahre nach Emden zu folgenden Sätzen.

Nar vik a Eh einschl. Löschen. Löschsatz
lea... 4 7% bis 10 d
Oxelösund . 4/— 2 a

Mit den heutigen Durchschnittsfrachten lassen sich diese Sätze überhaupt nicht
vergleichen.

Durchschnittsraten für 1924—1926 waren nach Rotterdam/Emden:

Jahr

1924. , 2... 8 Kr.
1925. +. | „
1926 . »

Narvik

Lulea

Oxelösund

4,40 4,70 8,75
3,80 4,15 3,40
4.45 Be 3.90

Nach Stettin liegen ab diesen drei Häfen keine Frachten vor. Ebenso fehlen Sätze
ab Helsingborg und Wabana. Von letzterem Hafen wurde vor dem Kriege fast nur
mit Zeit-Damptern gefahren. In den letzten Jahren hat sich die Fracht ab Wabana
nach Roterdam zwischen 5/6 und 7/9 bewegt mit einem geschätzten Durchschnitt
von 6/9.

)56
        <pb n="256" />
        Soweit Material erhalten werden konnte, wurden folgende Durchschnittsfrachten
 nach Rotterdam errechnet:

1909 ,
1910.
1911 .
1912 .
1913 .

1924 .
1925. .
1926.

Tahr

Bilbao

4761,
GA
5/—
a0
5/6

Huelva

5/8
5/9
6/3
5/9
6/6
5/9
3/6

Poti

8/6
9/-—
10/—
13/6
11/6
15/—
12/6
11/9 März/
Juni’
19/6 Oktober

Vergleich der Sondertarife für Erze in der Vor
kriegszeit und in den Nachkriegsjahren.
Erzifrachten nach Bochum:

Porta . .
Dillenburg
Nassau .
Vöhrum .
Scheurrfeld
Wehbach .
Weilburg
Hirzenhain
Offenbach
Bouligny .

# 1926 180 Tonnen
1926 800 Tonnen
Tucquegnieux , . . . +.
„1926 180 Tonnen
3 1926 800 Tonnen

1913

2,60
2,60
3,90
4,60
2,40
2,40
8,80
2,80
2,80
6,38

3,29

1926

3,10
3,20
5,60
6,50
B—
2,90
3,90
3,80
340

R69
617

6,58
Bo

Steigerung
9%

19,28
28,08
43,59
41,80
25,—
20,83
18,18
17,85
21.43

5,—
34

5,7
—36

Übereinstimmende Angaben wurden von dem Sachverständigen Kölven gemacht

Binnenschiffahrtssätze für Eisenerz in den
Jahren 1909—1913 und 1924—26,
Binnenschiffahrtssätze von Rotterdam nach Duisburg:
1909 fl. 0,84/0,89
1910 0,83/0,88
1911 0,58/0,68
1912 0,421 270,471 4
1918 0,411/,/0,461/g
1924 070/077 /
1925 0,45/0,50
1926 0,55/0,60.

757
        <pb n="257" />
        Angaben‘
des Sachverständigen Willing.
Eingereicht: Oktober 1927, \

Preise für gerösteten Siegerländer.
Spateisenstein in RM je Tonne.

1909 .
1910 .
1911.
1912 ,
1918
id. 1924
1. 2. 1924
L. 4 1994
L. 7.—31. 12. 1924
i. 1.—30. 9.1925
1. 10.—31. 12. 1925
L. 1.—31. 3.1926
Li. 4.—31. 5.1926
Il. 6.—31. 12. 1926

Jahr

frei Waggon
Grube

RM

15,50
15,50
16,50
17,00
18,75
29,75
24,00
23,00
21,00
21,00
20,90
20,90
20,84
18.25

Fracht ab
Herdorf

RM

+ 2,60
4 9,60
' 9,60
2,60
760
460
“60
+ 14
520
- „20
420
20
‚20
+3,20

frei Duisburg
Ruhrort

RM

18,10
18,10
19,10
19,60
21,85
34,35
28,60
27,14
24,20
24,20
24,10
24,10
24,04
21.45

ER
        <pb n="258" />
        Wirk. 2124 der Frachtsafzänderungen auf. den Gesamterzversand Sei den Gruben des Stegerländer Eisensteinbesickes
und des Lahn - Dill - u. Öberfessischen Bezirkes während der. Tahre 788% — 7925,

Da
7 1000 780% S&amp;amp;$ 86 87 88 89 30 91 92 23 9% 25 86 88 DE 29900 07 ‚02 OL 04 05 06 0E 08 02 70 9
3500 por
WO
300 x
ZOO f
JOD
2 000 .
200
soo)
300
soo
“00
300 bene
N
200
700
7000 | (often 27 Um
900 ELLE
LA
800 h—
#90 | 7
SO0 } x
$00 —
00}
300"
200
OO {&amp;gt;

72

3

Ca

E

&amp;amp;

OS O2 22

+ Einfüßrung des Holstandlarifes vom 7.Aug. 1886 mil Sreckensalt von 750% jet hm
*— zz Minelte- Ausnafmetarif.
—z— + Weilersen King des Minette-Ausnab me Parifes.
bmg @ Ma WW. HG 1902 ÖLMEISLGUNG) des SITECHENSCRLES desAusnaß melarifes fa auf 125. je Km.
je „Bronnstaf Ausmaß mebarif Ga für fochefenwerkte.
| Ausdef nung des RT -Gd- auf Berdge der GÖSENErLgEubEN.
* Pusde nung des Ausnaf me -Tarifes Fa auf den Binnenverkeßr Im Laß Dill- Sy Gebiet
„ Rail der fofstan Fracstsdlte nach Aabilisterung der deutschen Wahiung
san Rütg 7924 Ermossigung des Busnußma-Tacffes Kaum 25%,
—— + 16.1926 Beginn der Staalsßilfe für das Holstondsgeötzl.
PIECE S AAN” Die ZaÖbEN 001 188% 1894 SHE EEE NASE det Dandelshanm ner und des Berg-und Sultenmenniscfen Dereins in egen entnommen.

© Der tielste Punkt der unterbrochen. Gezeihneten. Ye stellt den Tiefpunkt in der
Jahres For werung beider Gebiete" ber Beginn. AenSubrenbien dan, Berechnet aus dem
18 Toben des MIET Sben Monafsyersandes des Jahres OR.

&amp;gt; 2 RF

U

TS RE HE "des Sirgerländer Eisensteinvereins entnommen.

Enq.-Aussch. IIl. Rohstoffvers. d. deutsch, eisenerzeug, Ind.

59
        <pb n="259" />
        Angaben des Sachverständigen Benjamin.
Eingereicht: Oktober 1927.

Preise für Eisenerze in den Jahren 1911— 1913 und
1924 — 1926.

Schwed. A-Erz (60% Fe)
cif Stettin. .

cif Rotterdam!)

Schwed. D-Erz?)
cif Stettin.

Rotterdam .

3ilbao-Rubio (50% Fe)
Irei Ruhrhafen) . .

Siübao-Rostspat
Irei Kahn Rotterdam

Minette (37%)
ab Grube!” .

Siegerländer Röstspat !)
1909/1910 M. 15,50 .

Poti Manganerze!)
cif Rotterdam. . . ..
Pence p. Einheit Mangan

1911

1912

1918

1924

1925

1926

3, Kr.
19,50

3, Kr.
14,95

19,60 |
ST
20,15
20.75

19,50
21,50
19,90
34.75

15,15 |

15,15 |

20,75
28,—
s, Kr.
17,50 |

M.
18,50
19, —
8 — |

17,60 I
18,771
18,40
19.—

17,50
19,50
17,65
39.50

17,60
30.—

M.
18,75
21,50

M. |
18,50
20.50

17,— |
50.95

Ed
99/—

17/6
997

16/6
18/6

16/2

16/— *

16/3 |

19/— |

18/8

17/6

res.
4,75
i—
16.50

3,80 |
4,75

4,40
-

RM. |
4,75

4,95 |

5,20

16,50 |
{8.50

18,50 *
19,—

21,— | 20,—
29,75 | 21.—

18,25
a1,—.

7 | 8144 | 8% | 22%, | 20% | 161
9% | 12 | 10% 221%, | 21

') Nach „Stahl und Eisen“,
. 7) Die hier angeführten Preise entsprechen der jeweiligen Marktlage. Die
reise für langfristige Abschlüsse liegen nicht unwesenÄllch darunter.
Übereinstimmende Angaben sind auch von dem Sachverständigen Brennecke
Zemacht worden.

261
        <pb n="260" />
        Augenblickliche Umschlagskosten für Eisenerze
von Dampferbord in

Stettin. .
Hamburg .
Bremen .
Rotterdam

Emden

Waggon
RM.

0,93
0,90
0.85

Kahn
RM.

0,17
0,20

Hfl. 0,60
Löschen und
Umschlag).
0.77

Jie Umschlagkosten im Jahre 1909/18 betrugen in
Rotterdam 10 04 4 4 4 +. 85 Cents
Emden 2 M. 0,42 bis 0,57
Gleichlautende Angaben für Stettin, Hamburg und Bremen sind
von dem Sachverständigen Buchmann gemacht worden.

Seefrachten für Eisenerz in den Jahren 1909/12, 1913
und 1924 bis 19%.

Lulea-—Stettin

[ules-—Emden

Oxelösund—Stettin .
Oxelösund—Emden. .
Narvik—Emden/Rotterdam
Huelva— Rotterdam. .
Bilbao— Rotterdam .

Poti— Rotterdam .
Wabana— Emden.

Wabana— Rotterdam

1909/12

5/-6/8

en
13/6

191828

M. 4 _—

4/6
4/72
M. 3.95

7.

5/9
5/9
11/6

1924

49925

1926

is. Kr. 4.—|s. Kr. 4,10j. Kr. 4,—
4,271 6,—
» 4700 „ 4— „410
4,251 6,—
„8,251 „ 8.15
3,40 5,75
3.40 „ 3.90

x 325
3,40!
3.40-5
 75)
ö,—
5/9
RL
58

Q Un

3,15
Br
4/10%,
18/7
4/6
7/10‘
11/-19/6


*ır-—
5/3
6/8
5/8
6/6
10/-14/9

7/9

Lt
17,6

$ Q— Fr

7/38

4 ) .
Durchschnittsfrachten von Helsingborg nach Stettin/Lübeck
M. 3,15 s. Kr. s. Kr. s. Kr.
p. 1000 kg 81% 8% 3,75
831% 5%
p. 1000 kg pP. 1000 kg p. 1000 ker

262
        <pb n="261" />
        Frachtengegenüberstellung der Ausnahme-Tarife
für Eisenerze 1913 und 1927.

Li. Ausnahmetarif 7
von Broistedt . .
Ausnahmetarif 7c
(jetzt A. T. 7a) von
Gießen. . . . .
3. Ausnahmetarif 7 g
{jetzt A. T. 7b) für
sog. Fernzüge von
Weilburg. . ..
Ausnahmetarif 7h
(jetzt A. T. 7c) von
Cosel-Hafen. . .
von Stettin — Freibezirk.
 .

im

205

239

| nach Oberhausen

1913 | 1927
Mark p. Tonne

14.90

Pf

3 50

1.920

m

AQR

nach Bobrek

1918 | 1927
Mark p. Tonne

8.80

12.50

370

12,10

1,290 | 2,25
inkl. Krangebühr
5,64 6,80

5. von Bremen-Zollausschluß nach Vienenburg 220 km
1918 1927
im Ausnahmetarif 7 c im Ausnahmetarif 7
jetzt aufgehoben)
M. 4 p. Tonne RM. 5,90 p. Tonne
Übereinstimmende Angaben sind von dem Sachverständigen Brennecke
gemacht worden.

Binnenschiffahrtssätze für Eisenerz

1909
1910
1911
1912
1918
1924
1925
1926

Jahr

Rotterdam
Duisburg

für 1000 ko

M.

185
99
119
77
Yan

Stettin
Cosel

für 1000 ker

M.
5,25
5,—
5,—
4,721,
4,55
5,88
5,41
508

\
Übereinstimmende Angaben sind von dem Sachverständigen Brennecke
gemacht worden.

1673
        <pb n="262" />
        Angaben des Sachverständigen Brennecke.
Eingereicht: Oktober 1927.

Seefrachten für Eisenerz 1913 und 1924 bis 19286.

El

Lulea— |
Stettin
Lulea-—
Emden

Oxelösund—
Stettin
Oxelösund —
Emden

Helsingborg
— Sottin
Narvik—
Emden und
Rotterdam
Bilbao—
Rotterdam
Huelva—-Rotterdam

Wabana-—
Rotterdam
Poti—
Rotterdam

1912

19954

1995

199

M. 4,20

s. Kr. 4,10 Js. Kr. 4,20 |“ 8
6;—
„420 1, 410 1 . 420 | „ 410
Bz=M.

 2,90/3. —

„3,25

33835

„ 2,90/3.—

3,50
5,75
83.50

22 92095

„8935

M. 8,15
sh. 8/-„8,95



340

3.75

5,— 8&amp;amp;—
sh. 6/- Ish. 6/-7/9
 „710
5/9—8/6 „4/10
18/-$
 2, — | nn
A | nd [m
17/6 14/9 19/6

„ 5/9

JH

5/9

|

„ 11/6

|

Löschen Schiffs-Rechnung.

frei ein/aus (so
daß also die
Lulea— Emden
— gegenüber
den Lealon-Stettin
 — Raten
 praktisch
um etwa
M. 0,90 bis
1,— höher
sind).
Löschen Schiffs-Rechnung

frei ein/aus (also
auch hier stellen
 sich die
Emdener Raten
 praktisch
um M. 0,90 bis
1,— höher).
Löschen Schiffs-Rechnung.

rei ein/aus

Löschen 1/-264
        <pb n="263" />
        Augenblickliche Umschlagskosten von
Dampferbord in

Stettin. .
Hamburg .
Bremen .
Rotterdam

Emden

Waggon

RM. 0,83
„0,90
» 0,85

Kahn

RM. 0,14
„0,20
Hill. 0,60
(Löschen .und
Umschlag).
RM. 0,77

Die Umschlagskosten im Jahre 1909/13 betrugen in:
Rotterdam . ...... . . 85 Cents
Emden 2... 0... , M.042 bis 0,57

Eisenerzverkehr, Umschlag von Eisenerzen in
deutschen Seehäfen.
Tonnen.

Bremen

Emden

Stettin *)

Lübeck

Rotterdam

1747 000 299 338
850 000 60 029
1 200 000 181 319
+ 4 4 1 „
*) Einschließlich Schwefelkies, Zinkerz und anderen!Erzen und Schlacken.
Quelle: Aus den statistischen Mitteilungen der nordwestlichen Gruppe des Vereins
Deutscher Eisen- und Stahl-Industrieller.
Gleichlautende Angaben für Bremen und Lübeck sind von dem Sachverständigen
Buchmann gemacht worden.

1912, ,
1918 ,
1924 ,
1925

7364813
8 422 895
6 428 000

65
        <pb n="264" />
        Angaben des Sachverständigen Kölven.
Eingereicht: Oktober 1927

In den Seehäfen umgeschlagene Eisenerzmengen
1913 und 1924 bis 1926.

1913

1924
1925
‚926

Stettin!)

Tonnen
1 190 058 |
521 438
994 710
600 784

Hamburg ?)

Tonnen
1 682,7
17341,9 |
82 450,5
9416,7

Emden 3)

Tonnen

1 289 856
1419 768,9
1818 816,4
| 1685811 |

Rotterdam 4)

Tonnen
a

8710697
5 078 449
7746 919
6 1083 428

1) Zwei Drittel der Erzmengen sind in der Regel auf dem Wasserwege und
ein Drittel auf dem Bahnwege zur Abbeförderun gelangt; die Verteilung zwischen
Bahn- und Wasserweg hat naturgemäß je Bach dem Wasserstand and nach der
Witterung geschwankt.
2) Welche Mengen in Flußkähne und in Kisenbahnwaggons umgeschlagen
worden sind, war nicht festzustellen, da die betreffende Behörde hierüber keine
Statistik führt. Nach einer Auskunft ging der größte Teil per Bahn weiter.
?) Welche Mengen 1913 mit der Eisenbahn weiterverladen worden sind, läßt
sich leider nicht mehr feststellen.
‘) Eine getrennte Angabe von wasserseitig und bahnseitig abbeförderten
Mengen ist nicht möglich, jedoch kommen für die bahnseitige Abbeförderung nur
yanz geringfügige Mengen in Betracht.

Mengen der in den Unterweserhäfen Nordenham.
Brake und Bremerhaven umgeschlagenen
Eisenerze.
1918 in Flußkähne ., . . .. 16 135 Tonnen
auf Eisenbahnwaggons 28 792
in Flußkähne , . ... 5212
auf Eisenbahnwaggons 14 398
in Flußkähne . 1. . 8514
auf Eisenbahnwaggons. 21 931
in Flußkähne , 1.0.0.0.
auf Eisenbahnwaggons . . 480947

Umschlagskosten für Eisenerze
in der Vor- und Nachkriegszeit in Bremen.
1913 Seeschiff/Flußkahn bzw. Waggon M. 0,50 pro Tonne,
1924 ” ” ” »” M., 0,90 2” ”
1925 2 ” ”„ M. 0,90 ”„ ”
1926 “ . a M 0,90 , x.

)66
        <pb n="265" />
        Seefrachten für Erze.
Für das Jahr 1913 können keine Durchschnittsfrachten An enEbN werden,
weil Angaben über getätigte Abschlüsse nur vereinzelt bekannt wurden. Gemeldet
wurde aus der Zeit vor dem Kriege ein Abschluß für 10 Jahre nach Emden zu
folgenden Sätzen:
Narvik . .. . . . sh. 8/7'/% einschl. löschen.
a Sn 4/6\ Löschsatz 7!/, bis 10 d.

Durchschni**&amp;gt;raten für 1924—1926 nach Rotterdam/Emden
Narvik Lulea Oxelösund
1924. . . . . . ss. Kr. 4.40 4.70 3.75
1925. 0.0. 0 2 n» 38.80 4.15 3.40
1926 „ » 445 5.— 8.90
Nach Stettin liegen ab diesen drei Häfen keine Frachten vor. Ebenso fehlen
Sätze ab Helsingborg und Wabana. Von letzterem Hafen wurde vor dem Kriege
fast nur mit Zeitdampfern gefahren. In den letzten Jahren hat sich die Fracht ab
Wabana nach Rotterdam zwischen 5/6 und 7/9 bewegt mit einem geschätzten
Durchschnitt von 6/9.
Soweit Material zu erhalten war, wurden folgende Durchschnittsfrachten nach
Rotterdam errechnet:
Bilbao Huelva Poti
sh. sh. sh.
5/- 5/9 11/6
6/6 6/6 1ö/-5/10
 5/9 12/6
5/6 6/6 11/9 März/Juni
19/6 Oktober.

Umschlagskosten für Eisenerz:
Rotterdam Emden
i/Rheinschiffe *) i/Kanalschiffe
1913. . . . . ca. fl. 0.835 pro Tonne*) M. 0.58 pro Tonne
1924. . . . . ca. fl. 0.60, N 66—84 Pig. „
1925. .... dito. 70—87 nn
1926 . dto. 70 — 78a x

Binnenschiffahrtsfrachtsätze für Eisenerze
Rotterdam/Duisburg Stettin/Kosel
34/39 cts pro Tonne M. 4.—/4.50 pro Tonne
33/88 ” » ‘4.50 + 2
58/68 un 0 ” ”
42 [2147 /a 2 ” 50 # ”„
411/,/461/2 JO ji

2”
1924 70 [7773 ” ” ” ” 4.—/5.— »
1925 45 /50 4 # „ 4.—/5—
1926 55 /60 20x ” „ 4—/5— 8
.. Bei der Fracht Rotterdam/Duisburg gelten die niedrigen Sätze für !/, Löschzeit
 und die höheren Sätze für Y, Löschzeit. ;
Für die Fracht Stettin/Kosel lassen sich genaue Angaben nicht machen, sie
Schwankte zwischen den aufgegebenen Sätzen.

Su *) dazu gelegentlich Extrakosten für Über- und Nachtarbeit. Die- übrigen
ätze verstehen Si einschl. dieser Extrakosten.

HE

‚7
        <pb n="266" />
        Angaben des Sachverständigen Bicker.
Eingereicht: September 1927,

Preise für spanische Eisenerze in den Jahren
1909 bis 1913 und 1924 bis 1926

irei Kahn Rotterdam . .
Irei Kahn Ruhr . a

[rei Kahn Rotterdam . .
irei Kahn Ruhr . .

. _e) Ru*ioerz 50% Fan Feuchten
1909 | 1910 / 1911 | 1912 | 1019
MM MM Mo

1925 1926
% | M. | M.

16, 1786| 185 18,85 18,85 21,40 19,40| 17,85
17,—| 18,85 | 19,85! 1985 | 19.85 | 22.40 | 2040 | 1885

d) Bilbao-Rostspat 50% Fe in Feuchten
18,75 | 16,80 | 16,55 | 16,80 ] 16,55 19,40 | 18,60 17,85
14,75 | 17,30 | 17,55 | 17,80 | 17,55 | 20,40 | 19,60 18,85

Seefrachten für Eisenerze in den Jahren
1909 bis 1913 und 1924 bis 1926.

Die Frachten von Lulea, Oxelösund, Helsingborg und Narvik nach Stettin,
Rotterdam und Emden können nicht aufgegeben werden, sondern werden bei den
deutschen Hüttenwerken zu erfragen sein, Die Durchschnittsfrachten von Bilbao
und Huelva nach Rotterdam sind für

1909 Bilbao .
1910
L911
(912
1913
L924
1925
‘998

sh

4
u

uelva
H
“%

ä
B/BR

ch.

2
5

5
5 | N
3

9
/8

Was die Frachten von Wabana nach Rotterdam und Emden betrifft, so wurden
diese Erze vor dem Kriege durchweg mit Beitäamplern gefahren, worüber genaue
Frachtangaben nicht vorliegen, Die  rrachten für Kinzelreisen betrugen 5/- bis 5/6.
In den Jahren 1924/25 schwankten die Frachten zwischen 6/- und 7/6 nach Rotterdam
 und sogar bis zu sh. 8/-, nach Emden 8 d mehr, Die Fracht in 1926 lag im
durchschnitt bei sh. 7/- nach Rotterdam und sh. 7/8 nach Emden, alles für die
anglische Tonne.

[909 Hifl.
1910,
1911
912

Binnenschiffahrtssätze
von Rotterdam nach Duisburg.
„0,35 1918 Hfl. .
0,35 1924 ,,
0,60 1925 ,,
0,45 1926 .

0,45
0,75
0,50
0/55

768
        <pb n="267" />
        Angaben des Sachverständigen Neumark.
Eingereicht: Oktober 1927.

Preise für schwedisches und spanisches Eisenerz
in den Jahren 1909 bis 1913 und 1924 bis 1926.
Erzpreise cif Stettin, Rotterdam, frei rhein -westf, Hüttenwerk und frei Kosel
können nicht angegeben werden, sondern nur die Preise für Erze ci! Herrenwyk,
Soweit wir dieselben bezogen haben.
a) Schwedisches Eisen-A-Erz 1909—1912 RM. 18,—
P-arm, Basis 60% Fe . 1918 „20,50
cif Herrenwyk. . . 1924—1926 s, Kr. 19,50
9) Schwedisches D-Erz . L909-—1913 nichts bezogen
P-reich, Basis 60% Fe 1924 s. Kr. 17,75
cif Herrenwyk. . . . » 2» +. 4925—1926 nichts bezogen
(1927 ist das Erz zu beziehen zu s. Kr. 20,50) -
2) Rubioerz 1. Sorte 1909 M. 15,65
Basis 50% Fe . 1910—1912 nichts bezogen
cif Herrenwyk 1913 M. 18,50
1924 sh. 16/4!/,
1925 „18/6
1926 „ 19/-1909
 M. 15,50
1910—1918 nichts bezogen
1924—1926 »
\ nicht bekannt.

Röstspat (Bilbao) .
Basis 50% Fe. .
cif Herrenwyk. .
e) franz. Minette, braune
f) russisches Manganerz

Umschlagkosten in Lübeck für Erze nach Angabe von F. H. Bertling:
a) in Flußkähnen . oo. 0.000000. X inkl. aller damit verbundenen
b) in Eisenbahnwaggons ; Arbeiten RM. 1,15 pro Tonne.

Seefrachten Iür Eisenerz in den Jahren
1913 und 1924 bis 19260.

nach
Herrenwvk

von Lulea . . .
» Oxelösund. .
» Helsingborg .
7 Narvik . .

19132)

M.
4,20
2,90—8,—
3.15
150

1924

s. Kr.
4,—/4,50
3.25/3,50
3 —/8,25
1+.50/5,—

1925

s. Kr.
4,10/4,20
3.20/3,80
3,—/3,25
1,50/5.—

19263)

s. Kr.
4,—/6,—
8,15/5,75
3,—/5,—
4,50/7.—

sh sh. sh. sh.
6/—7/- 715— 8] | 73 | 6/3— 9/-10/7
 1, 7/5—11/- 6/3—18/-- 7/83—15/6
nichts bezogen

»„ Bilbao. .
» Huelva. .
» Wabana
» Poti x .

tes ') Die Höhe der Erzfrachten können wir nur für Herrenwyk (Lübeck) nennen,
Sils an Hand eigener Raten, teils an Hand der Frachtenberichte der Metall-Sesellschaft.

?) 1918 nach Aufgabe vom Nord-Erzkontor.
Btrai 3) 1926 waren die Seefrachten durch die Auswirkungen des engl. Kohlen-Yeiks
 zeitweise außergewöhnlich hoch.

}

‚9
        <pb n="268" />
        Angaben des Sachverständigen Buchmann.
Eingereicht: Oktober 1927.

Ausfuhr von Eisenerzen aus Schweden in den Jahreı
1909 bis 1913 und 1924 bis 1926
(Mengen in metr. Tonnen).

van | 1910 | 1911 | 1912 | 1018

1994 |

An _
Gesamtausfuhr .

3 196 45314 413 600'5 086 89815 355 39416 049 1945 7831177

davon nach:
Norwegen . . 36 205| 111 301) — x
Finnland . . 15539 16834 436
Dänemark . . — — = 50 29
Deutschland . 12 546 321 I 276 605/3 706 63614 096 66014 672 72118 839 293
Holland . . . 31104| 17140 242219
3elgien. . . 211155/ 231647 541 977
Großbritannien 582 198| 599508 775 712
‚”"rankreich. . 47700! 38618 5964
U.S.A. .. 334.678 361215! 319 083
‚9, Tschechei . ., 4 450
„ Danzig . . | 2014
1%, Polen. . ..
13. Kanada . . .
14. Nichtbesonders
gen. Länder .

340 975

180

Ausfuhr von
Schlig (Slig)
1. Insgesamt . .
2. davon nach
Deutschland .

165 259|

390 6926|

165 654

121 298]

304 674| 1832 643

19925 | 199€

8 349 Kaya 4148 Ba

267 Ho | 219
00 5 704
4
‚5.731 368
| 76 971
565 217
263 678
41668
96 310
320 380
5657
23%
aa 174

‚6 577 844
151 706
460 306
632 576
41 035
136 012
66 833
9 545

859 49292

499 87%

227 095

409 35

fl
y Vom Lager nach Deutschland ausgeführt 664763 Tonnen. In den deutschen Zahl®
enthalten.
hr}
2) Über Kiruna noch 6263 Tonnen ausgeführt, die wieder nach Schweden eingefü
worden sind.
3 Von Narwik 248370 Tonnen nach Deutschland. x
Quelle: für die Jahre 1909—1912: Schweden histor. Stat. Handbuch, Teil II S. 272 (St0°
holm 1918). ab 1918 nach der schwedischen amtlichen Statictik.

270
        <pb n="269" />
        Ausfuhr von Eisenerzen. aus Spanien in den Jahren
1909 —1913 und 1924—1926.
In metr. Tonnen.

Sestimmungsland


Deutschland .
Ar entinien .
N
Ungarn 4
Belgien... .
Cuba 11}
Jänemark ..
"St. v. Nord:
amerika ..
"tankreich ;
Groß.
britannien
olland
(alien,
Marokko
(franz)...
Marokko
(pan.) ...
Norwegen 2.
Kortugal
Rußland;
Schweden .
TMüguay .
Qaglische Be-Sitzungen
 in
Ozeanien .
Srasilien en
vünland 2.
rien...
Übralen, Ve
Canaqe,

1909

1910

1911

1912 1 1918 | 1914

19924.

1925

1926

453 908] 188 ZH 872 420] 778 179] 987 626
69 128 1483 197: 161
35 345| 38130
601001 65 346
194! 219
185 167

638 261.
45
48 9291
59 363
411
135

&amp;lt;a
©
Sg
3
©
N
=]
A
© g
a3
CE

449 104)
789)

219 324
482

56 810
255
1329|

22 265
708
151

51 557
288 502]
4 614 80914 910 243 3 786 724|4 258 409]4 818 017[3 533 929
2 470 40012 404 065,2 487 60912 754 9782 510 69411 481 796
319 8 344] 7412 3 014! 758 444

a
2
3 4
AS
=
55
© DO
9
Sn
X

128 25
145 555

4814
1831 274

1.995 .ö
| 776 154
69 966:

951 114
446 265
10 002

w

&amp;lt;
x

151

24

e

23571
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9 960!

1878'
4 215)

28
2 058

D
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zo

38 ı
68] 125
4 19

1 508|

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Ss]
_
N
Si
is
+8
m

4
„n

90)

297

5 450|

3
M

‚

2

164

208
I
8 179 879[8 284 059|7 345 0548 469 374/83 907 309[6 095 1213 826 6443 617 751|1 856 975

. Quelle: Amtliche Erhebungen der spanischen Zolldirektion in Madrid.
Jesa, Die nach Holland von Spanien exportierten Mengen an Eisenerzen waren bis 1914 in ihrer
Risen seit für die rheinisch-westfälischen Werke bestimmt. Die Gesamtausfuhr spanischer
der US nach Deutschland ergibt sich daher bis zum Jahre 1914 aus der Zusammenziehung
in ara Deutschland und Holland ausgeführten Ziffern. Während des Krieges ist in Ymuiden
lei; Chofenwerk errichtet worden, das ebenfalls spanische Erze verhüttet. Aus diesem Grunde
Währg it etwa 1919 ein Teil der nach Holland ausgeführten spanischen Eisenerze in Holland,
 rzanern ein anderer Teil nach Deutschland weitergeht. Der starke Rückgang der spanischen
rot im Jahre 1926 ist zu einem erheblichen Teil auf den englischen Bergarbeiterstreik
Tan.

18 Enq,-Aussch. I1f. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

271
        <pb n="270" />
        Manganerzausfuhr aus Britisch-Indien.
In 1000 lg. Tonnen.

Bestimmungsländer


Großbritannien.
Deutschland ..
Niederlande ..
Belgien .....
Frankreich ...
[talien......
Japan. ....
Verein. Staaten
v. Nordamerika
Andere Länder .

Tahresdurchschnitt
 der
Vorkriegszeit


198

19
150
7

82
9

Jahresdurch
schnitt der
Krieryszeit 1)

286

5
47
12
1°

€

Jahresdurel.
schnitt der
Nachkriegszet1)


3,

15
194
108
12
2

Be

1924 —.19925

a5
8

203
147
13

72
9

1925—1926

30
3
169
188
12

57

i 607 | 474 | 648 | 689 | 564
1) Die Originalangaben lauten: Prewar average, war average, postwar average
Die Zahlenangaßen beziehen sich auf das Fiskaljahr, nicht auf das Kalenderjahr
Quelle: 52. Ausgabe der amtlichen indischen Übersicht über den indischen
Außenhandel!

Sondertarife für Eisenerze in der Vorkriegszeit
und in den Nachkriegsjahren.

AT.)

A.T. 7b.

Geltungsbereich

a) Von allen Stationen nach allen Stationen,
 die für den zollinländischen Betrieb
 von Hochöfen, Siemens - Martin-,
Puddel-, Schweiß- und Elektroöfen in
Betracht kommen, auch von den niederländischen
 Seehafenstationen und
deutsch-Iranzösischen Grenzübergangsstationen.

Zwischen deutschen Seehäfen sowie
dänischen, schwedischen und norwegi
schen Stationen einerseits und böhmi
schen, Stationen andererseits.
Aus Ungarn und Steiermark nach
Oberschlesien.
[m engeren und im Wechselverkehr der
werklichen Staatsbahn, auch mit westlichen
 Privatbahnen, Süddeutschland,
Sachsen, Luxemburg, Niederlande und
Österreich-Ungarn, sowie von Erzgruben
and chemischen Fabriken der mittleren
and . östlichen Provinzen. nach schlesischen,
 thüringischen und Harzer Hüttenwerken,
 ferner von sächsischen Stationen
 nach dem oberschlesischen Hüttenbezirk
 und zwischen sächsischen und
thüringischen Stationen, sowie von Breslau-Stadthafen
 und Pöpelwitz (Umschlag.nach
 Oberschlesien),

Bemerkungen

Erleichterung des Bezuges
 von KEisenerzen,
insbesondere der Minetteerze,
 aus Lothringen
 und Luxemburg.

Der zunächst im engeren
und im Wechselverkehr
der westlichen Industriebezirke
 eingeführte
 allgemeine Ausnahmetarit
 für Eisenerz
ist später auf die wichtigeren
 Verbindungen
der übrigen Hüttenwerke
 des Staates sowie
 auf den Verkehr
mit dem Ausland ausgedehnt
 worden.

277
        <pb n="271" />
        A, T. 7e.

A.T. 74.
A.T. 7e.

A. T. 75.

A.T. 77h.

A.T.7i

Minettetarif

Nr. 33 des
Tarifver-Zeichnisses


Geltungsbereich

ferner von Dittersbach und Berggießhübel
nach oberschlesischen Hüttenstationen.

Von Versandstationen an der Lahn, Dill,
Sieg und einigen anderen Stationen nach
den Hochofenstationen des Ruhr-, Saarund
 Aachener Gebiets nach Luxemburg
und Lothringen,

[erner zwischen Stationen des Industriebezirks
 an der Lahn, Dill, Sieg und im
Bezirk Brylon unter sich,
ferner von Floh-Seligenthal und Wernsheim
 nach den Hochofenstationen im
Ruhr-, Saar-, Lahn-, Dill- und Sieggebiet
 und nach Georgsmarienhütte.

Schwefelkiesabbrände zur Entzinkung.
Eisenerz zum Hochofenbetrieb von Bremen
 nach Vienenburg.

Vom Sieg-, Lahn- und Dillgebiet nach
Oberschlesien in geschlossenen Sendungen
 von mindestens 500 t und jährlich
mindestens 150000 t. (Vertragstarif).

Von Danzig-Neufahrwasser, Swinemünde,
Stettin, Breslau, Pöpelwitz und Cosel
nach den oberschlesischen Hochofenund
 Eisenhüttenstationen.

Vom Lahn-, Dill- und Sieggebiet nach
Neheim-Hüsten.
Von Lothringen und Luxemburg nach
Neheim-Hüsten.

Von Erzversandstationen, hauptsächlich in
Thüringen, im Harz, Königreich Sachsen
und in der fränkischen Alb nach oberschlesischen
 Hochofenstationen.

Bemerkungen

Unterstützung des einheimischen
 Bergbaues
und der oberschlesischen
 Eisenindustrie.

Im Interese der KErhaltung
 des Erzbergbaus
an der Lahn, Dill und
Sieg sowie zum Ausgleich
 der wirtschaft.
ichen Verschiebungen,
die in den Absatzverhältnissen
 und den Gestehungskosten
 zugunsten
 dieser und einiger
anderer Gebiete durch
die ermäßigtenEisenerz
und Kokstarife vom 1.6.
1901 eingetreten waren,
ferner zur Unterstützung
des Bergbaus in den
genannten Erzbezirken,
zur Erleichterung des
Absatzes.

Zur Unterstützung des
Eisenerzbergbaus im
Sieg-, Lahn- und Dillgebiet
 und der oberschlesischen
 Eisenindustrie.


Zur Unterstützung der
oberschlesischen Eisenindustrie.


Erleichterung des Bezugs
von Eisenerzen nach
Oberschlesien als Ersatz
 für den Ausfall
ausländischer HKErzbezüge.


273
        <pb n="272" />
        Die’ sämtlichen Ausnahmetarife sind nach Friedensschluß zunächst außer Kraft
gesetzt worden. In den Yachkriegsjahren sind dann die nachsteheuden Erzausnahmetarife
 wieder eingeführt worden:

A.T.7
{früher
A.T. 7)

A.T. 7a.
(früher 7e.)

A.T. 7b
(früher
A.T. 7g.)

A.T. 76
(früher
A. T. 7b.)

A.T.7d.

AT. 7i
(früher
A. T. 7h.}

A.T. 7h
(früher Mi:
nettetarif.)

A.T.7i

A.T.7k
(früher
Nr. 38 des
Tarifverzeichnisses.)


Geltungsbereich

Von allen Stationen nach allen Stationen,
die für den zollinländischen Betrieb von
Hochöfen, Siemens - Martin-, Puddel-,
Schweiß-, Elektroöfen in Betracht kommen,
 ferner nach den tschechoslowakischen
 Bestimmungsstationen bis zu den
deutsch - tschechoslowakischen OGrenzübergangsstationen.


Von Versandstationen an der Lahn, Dill,
Sieg und einigen anderen Stationen nach
den Hochofenstationen des Ruhrgebiets
und nach Georgsmarienhütte, ferner
zwischen Stationen des Industriebezirks
an der Lahn, Dill, Sieg, ferner von Floh-Seligenthal
 und Wernsheim nach den
Hochofenstationen im Ruhr-, Lahn-, Dill-Sieggebiet
 und nach Georesmarienhütte

Vom Sieg-, Lahn- und Dillgebiet nach
Oberschlesien in geschlossenen Sendungen
 von mindestens 600 t und jährlich
mindestens 150000 t (Vertragstarif)

Von Cosel-Hafen, Oppeln-Hafen und Stettin
nach oberschlesischen Hochofen- und
Eisenhüttenstationen.
Von Auerbach, Oberpfalz, nach Rosenberg,
Öberpfalz.
Nur von Dittersbach nach oberschlesischen
Hüttenstationen.

Anwendungsbedingungen für Minette aus
Frankreich und Luxemburg von Igel.
Kun oder Perlgrenze in geschlossenen
ügen oder Zugteilen nach Hochofenstationen
 in Rheinland-Westfalen und
nach Wetzlar.

Sieh Ausnahmetarif 7a, Auf die nach
den Sätzen des A. T, 7a erhobenen Frachten
 werden je nach. den monatlichen
Beförderungsmengen EEE
gewährt in Höhe von 0,90 v.H. his
1240 v.H.

Von Elbingerode, Lichtenfels und Pegnitz
nach oberschlesischen Hochofenstationen.


Bemerkungen

Zur Keen de)
oberschlesischen Eisenindustrie.


274
        <pb n="273" />
        Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich, daß nur ein Teil der Erzausnahmetarife
 aus der Vorkriegszeit wieder eingeführt worden ist. Auch unterscheiden
sich die in der Nachkriegszeit erstellten Ausnahmetarife hinsichtlich des Geltungsbereichs
 und der Änwendungsbedingungen teilweise nicht unerheblich von den entsprechenden.
 Vorkriegstarifen, so daß ein Vergleich der Vor- und Nachkriegsfrachten
für Erze nur bedingt durchzuführen ist.
Eine Gegenüberstellung der Frachtsätze des allgemeinen Erzausnahmetarifs
für den Versand von Eisenerzen an Hochöfen und Stahlwerke (A. T. 7) zeigt Anlage
 1. Aus dieser geht hervor, daß die Erzfrachten im. allgemeinen gegenüber
der Vorkriegszeit um etwa 40 v. H. gestiegen sind, eingerechnet die Befürderungssteuer
 in Höhe von 7 v.H., die in der Vorkriegszeit nicht erhoben wurde und die
von der Reichsbahngesellschaft an das Reich abgeführt werden muß.
Die Anlage 2 Ze eine Gegenüberstellung der Frachtsätze des Sieger ller
Notstandstarifs Tür den Erzversand vom Sieg-, Tahn- und Dillgebiet nach Rheinländ-Westfalen.
 Die Sätze des A.T.7a liegen auch heute woch über den Sätzen
des früheren A.T.7c (vgl. Spalte 2 und 4). Durch die Eröffnung der Strecke
Weidenau (Sieg)—Haiger ist zwar für eine Anzahl von Stationen des Ruhrgebiets
ine Entfernungsabkürzung eingetreten (vgl. Spalte 1 und 8), so daß hierdurch
der Erzversand nach Rhein und Ruhr etwas verbilligt wird. Infolge dieser Entfernungsabkürzung
 leistet die Eisenbahn aber auch weniger Arbeit. Es bleibt
jedenfalls die Tatsache bestehen, daß die Einheitssätze heute durchweg höher sind
als in der Vorkriegszeit. Ferner sind durch die Anwendung des A. T 7i in Verbindung
 mit A.T. 7a weitere prozentuale Tarifermäßigungen eingeräumt worden,
deren Höhe sich nach dem jeweiligen Monatsversand richtet. Diese Ermäßigung
hat nach den bisherigen Versandmengen im Durchschnitt 7,61 v. H. betragen. Unter
Berücksichtigung dieser beiden Faktoren ergibt sich aus Spalte 6, daß beispiels-Weise
 die Erzirachten von Wetzlar nach Dortmund um 2,01 v. H., von Dillenburg
Bach Dortmund um 1,24 v. H., nach. Gelsenkirchen um 1,65 v. H. niedriger sind als
in der Vorkriegszeit. Auf den anderen Verkehrsbeziehungen liegen die Frachten
äher noch um 3,26 v. H, bis 18,39 v. H. über den Vorkriegssätzen.
Die in dem Fragebogen gegebene Zusammenstellung der „Frachtwege und
Frachtkosten von Eisenwaren für deutsche Hütten“ (nach A. Weiskopf) ist ungenau.
Die Entfernung von Porta i. W. ist einmal mit 108 km und ein andermal mit 173 km
angegeben, jedoch ist der Frachtsatz in beiden Fällen mit 2,76 M. eingesetzt. Die
Entfernung von Schmiedeberg nach „Hütte in Westfalen“ ist mit 102 km, von
Überschlesien mit 107 km angegeben. Auch fehlen Angaben darüber, welche Aus-Nahmetarife
 den Berechnungen zugrunde gelegen haben. Eine Ergänzung dieser
Tabelle würde zu Irrtümern N Veraulassung geben. Daher seien nachstehend einige
andere Frachtbeispiele angeführt:

77%
        <pb n="274" />
        Strecke

Stettin—Bobrek ....... 2
Elbingerode—Bobrek .............
Siegerland—Bobrek ..............
Lahn- und Dill—Bobrek ........
Mücke (Hessen) —Rheinhausen .....
CT
Wetzlar (Lahn) —Rheinhausen .....
des erererrreen
Dillenburg (Dill) —Rheinhausen ....
des. rer
Niederschelden (Sieg) —Rheinhausen
des er er re ee
Dittersbach—Gleiwitz ............ |

Entfer-



Fracht
in
AT. RM je*
Tonne

191:

zm

| 7h
Nr. 33
1.Tar.-Vz.
| 78
76
258 | 76
217 76
217 |
IS8s

513
657

5,64
7,98 |

9,00
8,70
380

3,80
3'890

76
7e

3,30
3.00

188
157

7C
76

3,00
2.60

157 7c
— 7b

2,60
4,60

1927 1927
Cm in %
in
A.T. RMie von
Tonne 1914

7c |
"Ik

6,80
10,30

121
141

7b
7b
7a f
= 7a
7,61%
7a
7i= 7a
— 7,61%;
7a {
7i= 7a
— 7,61%:
7a
7i= 7a
— 7,61%
| 7

12,50
12,10
4.60

139
139
120

4,25
4.00

112
120
112
120
110
120

3,70
560 |

3,80
3.10

2,90 | 110
4,90 | 107

Ausnahmetarif 7.
Allgemeiner Erzausnahmetarif.
Frachtsätze in Pfennig für 100 kg.
1913 und 1927, 1913 — 100.

Entfernung

m

50
9
150
200
300
100
500
500
700
300

1912

|

8
90
100

19927

)

38
112
126
140

gegen 1913

+ 9%

138,3
143,8
140,0
189,4
40,0
40,0
140,0
140,0
40,0
40,0
140.0

)76
        <pb n="275" />
        EKisenerzfrachten nachdem Ruhrgebiet, von Oberhessen
 sowie vom Lahn- und Dillgebiet.
(Für 100 kg in RP£).

)berhessen:
von Mücke (Hessen)
nach
Dortmund, Vschbhf. ..........
Essen, Krupp, Hbf. ........000
Gelsenkirchen, Hbf SA
Oberhausen Hütte ............
Rheinhausen, Nrh.-Freimersheim
Lahngebiet:
von Wetzlar
nach
Dortmund, Vschbhf. ..........
Essen, Krupp, Hbf. ...........
Gelsenkirchen, Hbf. ...........
Oberhausen Hütte ............
Rheinhausen, Nrh,-Freimersheim
Dillgebiet:
von Dillenburg
nach
Dortmund, Vschbh£...........
Essen, Krupp, Hbf. ......0.000.
Gelsenkirchen, Hb£... ,.......
Oberhausen Hütte ............
Rheinhausen, Nrh.-Freimersheim
Siegerland:
von Niederschelden
nach
Dortmund, Vschbhf............
Essen, Krupp, Hbf. ... ....
Gelsenkirchen, Hbf. ..... ...
Oberhausen Hütte ............
Rheinhausen, Nrh.-Freimersheim

1914

1914
Fracht.
satz 7C

ı 1927 1927 | Gegen
1927 pracht-I7i=7a| 1914
satz 7a — 7,61% = %

km

km

2583
264
269
261
258

36
39
38
39
38

225
246
240
259
958

41
44
44
46
46

37,8799 |
40,6516
40,6516
49.4994
42.4994

+ 5,22
+ 428
+ 6,98
+ 8,97
+ 11.84

212
222
227
220-917


33 184
34 205
34 199
34 218
33 9217

35
38
87
40
40

32,3865
35.1082
34.1843
36.9560
| 960560

— 2,01
+ 3,26
+ 0,54
+ 8,69
L 11.99

183
194
L99
191
188

29
30
81
30
20

154
175
169 .
188
188

31
34
33
36
26

28.6409 -— 1,24
31.4126 | + 4,71
30,4887 — 1,65
38,2604 + 10,86
33.9604 110,86

131 22 131
L52 25 152 |
L46 24 146
159 26 159
157 26 197

27
30
29
81
fr

24,9458 |
27,7170
26,7981
28,6409
98 640°

+ 18,89
+ 10,87
11,64
+ 10,16
1 310.16

2) Seit 1. 12, 1915 Entfernungsabkürzungen durch Eröffnung der Strecke
Weidenau (Sieg)—Haiger nach der Mehrzahl der Stationen des Ruhrgebiets

77
        <pb n="276" />
        l. Gutachten
der Sachverständigen Dr. Buchmann, Geh. Rat
Prof. Dr. Mathesius, Dr. Petersen, Dr. Reichert.

Die deutsche Schrottversorgung.
Eingereicht: September 1926.
Der Schrott ist mit den Eisenerzen der wichtigste Rohstoff der
deutschen Eisenindustrie.
Der Gesamtverbrauch an Schrott hat 1913 im
Umfange des alten Reichsgebietes 6,786 Millionen Tonnen, im Umfange
des jetzigen Reichsgebiets ohne Saar 5,572 Millionen Tonnen betragen.
Im Jahre 1924 war der Verbrauch im Rahmen des jetzigen Reichszollgebiets
 5,876 Millionen Tonnen, im Jahre 1925 mit Ausnahme der
CGießereien, für welche die Ziffern noch nicht vorliegen, 5,633 Millionen
Tonnen, so daß der Gesamtverbrauch mit Einrechnung der Gießereien,
die 836 000 t im Jahre 1924 verschmolzen, für 1925 auf etwa 6,4 Millionen
 Tonnen veranschlagt werden kann.

Schrottverbrauch
(jetziges Reichsgebiet ohne. Saar) in 1000 t.

Gesamtverbrauch ... Mr wm mm RSG
davon in
Hochofenwerken .............
Gießereien . ................
Schweißeisenwerken ...........
Flußeisen- und Flußstahlwerken. . . .
Walzwerken. 2...

1913
al)! b

6786 | E572

208 | 188
894 806
19 18
5579 4581
88 79

{922 ‘ 1928 | 1924 ! 1995

7829 ' 4460

58938 ' 69772)

960
1061
40
5225
29

516
759
28
94

722
71
5

637
997
54
5279
10

ri

Der Verbrauch ist also, auf das jetzige deutsche Zollgebiet be-Technet,
 um fast 1 Million Tonnen gestiegen, um 80 mehr, als die Stahl-STzeugung
 der letzten Jahre in größerem Ausmaße als früher auf
Schrottverbrauch beruhte. Bei einer Gesamterzeugung an Stahl von
18,9 Millionen Tonnen im Jahre 1913 beruhten damals, unter Berück-Sichtigung
 des Abbrandes, etwa 30 bis 32% der Stahlgewinnung auf

!) Altes Reichsgebiet.
2) Geschätzt.

279
        <pb n="277" />
        Schrottverwendung, 1924 bei 9,835 Millionen Tonnen Stahlerzeugung
und 5,876 Millionen Tonnen Schrottverbrauch etwa 50%. 1925 dagegen,
als man 12,195 Millionen Tonnen Stahl erzeugte, war der Schrottanteil
mit rund 6,4 Millionen Tonnen etwa 47%. Die stark gestiegene Verwendung
 von Schrott ist außer auf die Fortechritte des Siemens-Martinund
 des Elektrostahlverfahrens auf den Verlust der lothringischen und
‚uxemburgischen Erzfelder zurückzuführen. Insbesondere: ist. seit der
&amp;lt;riegszeit auch der Hochofen ein starker Schrottverbraucher geworden:
Vor allem werden hier Späne. und Gußbruch verhüttet, doch fällt das
letztere Material in größeren Mengen den Gießereien zu. Mit mehr als
5 Millionen Tonnen Rohmaterial übertrifft der Schrott die jährliche in-‘ändische
 Eisenerzförderung, die an Eisengehalt etwa 2 Millionen Tonnen
Jahresausbeute ergibt, um das Doppelte. Bei einer Jahreserzeugung von
12 Millionen Tonnen Rohstahl lieferten 1925 die einheimischen Erze
rund ein Sechstel, die ausländischen zwei Sechstel, der Schrott drei
Sechstel des Eisengehaltes im Rohmaterial. ,
Der Entfallan Schrott setzt sich in der Weise zusammen,
daß an sog. Altschrott ungefähr das Eisen wiederkehrt, das man vor
20 bis 25 Jahren in Eisenbahnanlagen, in Brückenbauten, in Häusern
und zu sonstigen Zwecken verwendet hat. Der sog. Neuschrott, der als
Abfall in den Eisenwerken selbst, vor allen Dingen in den Walzwerken,
entfällt, geht über ein Drittel des Altschrottentfalls hinaus und kann
sogar die Hälfte betragen. Die jetzt jährlich verwendete Schrottmenge
von über 6 Millionen Tonnen mag sich also aus etwa 4% Millionen
Tonnen Altschrott und 1% Millionen Tonnen Neuschrott zusammensetzen.
 Im Verhältnis dazu war die Einfuhr von 0,2 Millionen Tonnen
1925 nicht groß, zumal sie durch eine Ausfuhr in fast derselben Höhe
ausgeglichen wurde.
Nach den einzelnen Verwendun gsarten berechnet, sind
von dem gesamten Schrottentfall im Umfange des jetzigen Reicheszollzebietes
 verwendet worden

1913 1925
v.H. v.H.
in den Hochöfen .2........ ‚7... .rund 25 10,0
in den Gießereien +. » 145 14,2)
in der Flußeisen- und Flußstahlherstellung ........ 811 77.1

Umgekehrt ging von dem gesamten Materialverbrauch der Hoch-55fenwerke
 im Umfange des jetzigen Reichszollgebietes 1913 1,3%,
1925 6,3 % auf Schrott zurück, von dem Verbrauch der Stahl werke
mit Einschluß der Walzwerke 1913 38,3 %, 1925 41,0 %. Bei den
Gießereien hat der Schrottanteil 1913 23,8%, 1924 35,4% der verbrauchten
 Materialmenge betragen.
Die Verwendung von Schrott ist nicht als Abfallwirtschaft zu
werten, sondern bildet ein wichtiges Erfordernis der deutschen Eigenınd
 Stahlindustrie, die ohne Schrott nicht bestehen kann. Soweit dieser

\ 1994

RN
        <pb n="278" />
        nicht in ihren eigenen Betrieben entfällt, ist der Schrotthande]l
der wichtige Vermittler zwischen den Schrottentstehungsstellen und dem
Verbrauch. Seine Aufgabe ist außer der Aufspürung und Sammlung
des Materials auch dessen Aufbereitung in „Chargierfähigen“, verhüttbaren
 Zustand. Die Aufspürung und Sammlung von Eisen- und Stahlschrott
 ist zur Zeit durch das Gesetz über den Verkehr mit unedlen
Metallen für die kleinen Schrottsammler behindert. Hierdurch gehen
große Schrottmengen der Verwertung verloren. Entgegenkommende
Ausführungsbestimmungen der Länder zu obigem Gesetz würden Erleichterung
 schaffen. Für die Stetigkeit der Verwendung bietet auch das
stark spekulative Moment, das den Schrotthandel durchsetzt, nicht
geringe Schwierigkeiten, Die Schwankungen der Schrottpreise gehen weit
über die der Eisenpreise hinaus. Wichtige technische Probleme waren
oder sind die Entzinnung von verzinnten Blechen — dieses Problem ist
seit einiger Zeit gelöst — und die noch nicht zur Zufriedenheit geglückte
 Entemaillierung überzogener Bleche sowie die Brikettierung von
Spänen, losen Abfällen, Eisenstaub usw. Ein wesentliches Moment, der
Versorgung mit Schrott ist seine Eisenbahntarifierun g.
Durch zu hohe Tarife können alle die Sorten, die in größerer Entfernung
vom Verbrauch entstehen, besonders minderwertige, für die Versorgung
gänzlich ausfallen. Die heutigen hohen Frachten wirken in dieser
Richtung.
Die Schrotte infuhr hat 1913 rund 210 000 t, 1925 rund 215 000
betragen, im ersten Halbjahr 1926 infolge des Daniederliegens der Eisenindustrie
 weniger als 24 000 t. Die Einfuhr kam vor dem Kriege hauptsächlich
 aus Nachbarländern, wie Holland, Belgien, Frankreich, Nach
dem Kriege hatten wir zunächst durch die Zerstörung zahlreicher
militärischer und industrieller Anlagen, durch den Verschleiß des Krieges
selbst und die Abwrackung von Schiffen große Schrottmengen im Lande.
Trotzdem hat die Schrotteinfuhr 1920 100 000 t, 1921 214 000 t
und 1922 sogar 601 000 t betragen; 1923, im Jahre des Ruhrkampfes,
sank sie wieder auf 155 000 Tonnen, 1924 sogar auf 37 000 t, um 1925
auf 215 000 t zu steigen. Im ersten Halbjahre 1926 betrug die Einfuhr
nur 24 000 t.
Hervorzuheben ist, daß in der Nachkriegszeit die Schrotteinfuhr
eine erhebliche Erschwerung erfahren hat, weil in den meisten europäischen
 Eisenländern Schrottausfuhrverbote bestehen.
Die Schrottausfuhr hat 1913 annähernd 194000 t, 1925
286 000 t betragen. Dazwischen war sie, nach starkem Absinken in den
Jahren 1920 bis 1922, in den Ruhrkampfiahren 1923 und 1924 mit dem
Daniederliegen der Industrie auf 381 000 t bzw. 396 000 t gestiegen und
ist erst im Jahre 1925 wieder auf 286 000 t gesunken. Die erste Hälfte
1926 zeigt mit einem Ansteigen der Ausfuhr auf 237 000 t den schlechten
Geschäftsgang der deutschen Eisenindustrie in diesen sechs Monaten.
In normalen Zeiten hielten Ein- und Ausfuhr von Schrott sich
einigermaßen die Wage. Das Jahr 1913 hatte einen Einfuhrüberschuß
von 16 000, das Jahr 1925 einen Ausfuhrüberschuß von 71 000 t. Beide
Zahlen stellen im Verhältnis zum gesamten Schrottverbrauch keine er-„57



HF
        <pb n="279" />
        heblichen Mengen dar.‘ Trotzdem ist es nötig, das seit dem Krieg
geltende Ausfuhrverbo t, von dem Ausnahmen besonders bewilligt
 werden: müssen, weiterhin beizubehalten. Deutschland kann nicht
larauf verzichten, . weil Frankreich nicht nur seinen eigenen, sondern
auch den saarländischen Schrott durch ein Ausfuhrverbot gegen uns
sperrt, weil wir durch das Genfer Abkommen bis zum 15. Juni 1927 ge-Zzwungen
 sind, an Polen jährlich bis zu 235 000 t Schrott. abzugeben, und
weil die Nachbarländer (Polen und Tschechei) sowie Italien ein starkes
Bestreben zeigen; deutschen Schrott an sich zu ziehen, während sie den
eigenen Schrottentfall durch. hohe Ausfuhrzölle: (Polen) oder Ausfuhrverbote,
 (Tschechei, Italien) schützen. Während wir mit unserem
Schrott die Eisenindustrien dieser Länder stützen, sperren sie sich durch
prohibitiv hohe Eisenzölle gegen deutsches Neueisen ab. Bei einem
Fortfall des französischen Ausfuhrverbots würden im Westen Ein- und
Ausfuhr sich vielleicht, ausgleichen und ein deutsches Ausfuhrverbot
möglicherweise entbehrlich machen; für den Osten aber würde die Aufhebung
 des Ausfuhrverbotes angesichts der starken polnischen und
tschechischen Bezüge eine schwere Gefahr für unsere mittel- und ostdeutschen
 Stahlwerke bedeuten.

Ein- und Ausfuhr von Schrott (Pos. 843).
(Mengen in t.}

Gesamteinfuhr ....
davon aus
3elgien ........
Niederlande, .....
Luxemburg ...,..
Rußland... .4...,
Großbritannien . ...
Frankreich ......
Österreich-Ung. (bzw.
Nachfolgestaaten) .
Schweden .......
Gesamtausfuhr ....
davon nach
Belgien ........
Danzig. 201101
Frankreich ......
Großbritannien... .
ltalien .........
Niederlande. . ....
Österreich-Ungarn . .
Österreich. . .. -
Tschechoslowakei ..
Jugoslawien .....
Ungarn tm]
Polnisch-Oberschles, ;
Schweden, ..... +4
Schweiz .......
Spanien ........

1918 | 1900 |

[928

4 | 1925 | 1026 5, 8

209 697 ' 600 988 '

155 092 '

37866 | 214 592 175497' 4938 246
70 558
272 228
13.187
25 310
9157
889
2658
190 545

91 498
48 2338

112581
75 408
30 295
15718
15 241 |
98 579

16 151
37 462
3 459
17693
3510.
979289

3.998
1320
27 405

15 841 |
{3 362

8 802 |
10 051

3.188
5528
380 887

192 584.

98 489

306 452

Q 858

1 487
7288
52 561
1559,
36 507

zin)|

(164
4 466
408,
919 |

1095 |
32 198
20 666
6351

28| 848
(951

65
26 886
173 968
7 552

2 642
18389
21 384
14 978

75
3370 |
1 298

6 809
35 107
1 698

11186| 28611’ 1445
109802‘ 88405 39 892
— N — 9899
1714' 8942 2199 71
78 420 | 241 050° 142806 156-346
96 | 1154| 3115 41
Da | „587
480 | “1081| 19656! 8394

1978
35 202
4679
551
169 022
2789
886
13834 |

378
16 701
17
74
128 292
186
4 451

16182!
iO FR

RI
        <pb n="280" />
        Ein- und Ausfuhr von Blechabfällen (Pos. 843b).
(Mengen in t.)

Gesamteinfuhr .
davon aus
Niederlande ...
Belgien. .....
Großbritannien .
Gesamtausfuhr .

1918

1995

1923 | 1924 | 1995

108 986| 430251 198451 6720| 84365

8186
81383
37 247
2 782

Zn 6 068
8178 il

1 042
aQ
424
185 |

9622.
5 268
4.075
497

1927
1926 | Jan./Sept.
35 2955

31 440!

7221
4 908
1136
384.

9485
5 355
3 423

RZ
        <pb n="281" />
        1. Gutachten
des Sachverständigen Direktor Karl Lange
zur Frage der Schrottversorgung.

Eingereicht: Oktober 1926.

Die Verwendung von Schrott zur Erzeugung von Eisen hatte in den
ersten Jahren nach dem Kriege erheblich zugenommen, ist jedoch seitdem
 in stetem Rückgang begriffen.
Zwar kann der Gesamtverbrauch an Schrott noch eine absolute
 Steigerung aufweisen. Wenn man ihn jedoch mit der Erzeugung
von Eisen und Stahl vergleicht, so ergibt sich je 1000 t Erzeugung seit
1920 ein stetiger Rückgang des Schrottverbrauchs, wie auch in der Erläuterung
 zu den amtlichen Statistiken‘) ausdrücklich vermerkt ist.

1913
1920,
1929

Gesamtverbrauch an Schrott
Mill. Tonnen
5,572 1924
5,585 | 1925
7,8329

Mill. Tonnen
5,876
6,4 (geschätzt)


Verbrauch an Schrott je 1000 Tonnen Erzeugung.
Stahlwerke Hochöfen Stahlwerke Hochöfen
1918 ‚2... . 540 124 1922 . 2.0... 781 104
1990 805 149 1924 &amp;gt; 671 92

Der Verbrauch bei den Puddel-und Walzwerken kommt wegen
Seiner geringen Mengen nicht in Betracht.
_ Der Verbrauch der Gießereien -— seit 1913 kaum verändert —
ist nicht entscheidend und von der Frage des Schrottbedarfs der Eisen:
industrie zu trennen. Die Eisenindustrie verbraucht überwiegend Kernund
 Stahlschrott sowie Späne, das Gießereigewerbe dagegen Gußbruch.
 Beide Gruppen haben getrennte Einkaufsorganisationen.
Die erhöhte Verwendung von Schrott nach dem Kriege
erklärt sich aus dem großen Schrottentfall durch die Abrüstung sowie
aus dem Ausfallen der Erze und des Roheisens aus Lothringen. Die

1) Vierteliahreshefte zur Statistik des Deutschen Reiches 1926, Heft I, S. 88.

I

&amp;amp;
J
        <pb n="282" />
        politische und wirtschaftliche Spannung zwischen Frankreich und
Deutschland ließ einen Bezug von Erzen aus dem an Frankreich gefallenen
 Lothringen nach dem Ruhrgebiet zunächst nicht zweckmäßig erscheinen.
 Durch die letzten Vereinbarungen der beiderseitigen Eisen-‘ndustrien
 sind jedoch diese Hemmungen fortgefallen, und es ist ein erhöhter
 Bezug dieser Erze im Austausch mit westfälischem Koke vorgesehen.
 Die Frachten für diese Erztransporte sind jetzt schon von. der
Reichsbahn durch Einführung eines Ausnahmetarifs um etwa 33 % ermäßigt
 worden. Erze und Roheisen aus Lothringen werden im Thomasverfahren,
 das ohne Schrott arbeitet, verwendet. Infolge der oben
zeschilderten Verhältnisse war das .Thomasverfahren 'zurückgedrängt
worden, An Stahlblöcken wurden erzeugt im Monatsdurchschnitt 1924

332 700’ t im Thomasverfahren, ;
458 100 t im Martinverfahren,
im August 1926 dagegen: ‘ mehrgegen 1924:
514000 t im Thomasverfahren, 54 %
504 000 t im Martinverfahren, 34 %
Das Thomasverfahren schiebt sich also.wieder mehr in den Vordergrund.
Bei dem Stahlgewinnunges verfahren, das mit Schrottzusatz
 arbeitet, geht die neuere Entwicklung dahin, die Weiterverarbeitung
 des Roheisens in einer Hitze zu begünstigen, um Wärmeverluste
 zu vermeiden. Infolgedessen wird der Zusatz von flüssigem
Roheisen in den Stahlöfen gegenüber dem Schrottzusatz steigen.
Die bisherige, noch verhältnismäßig starke Anwendung von Schrott
bei diesen Arten der Stahlgewinnung ist vor allem dadurch zu erklären,
daß Schrott in dem Preise sehr günstig im Verhältnis zu den Gestehungskosten.
 des Roheisens liegt.
Die Verwendung von Schrott im Hochofen ist gegenüber
1913 gestiegen, sinkt aber auch schon wieder. Sie spielt jedoch gegeniber
 dem Verbrauch in den Stahlwerken eine untergeordnete Rolle, da
sie nuretwa ein Sechstel bis ein'Siebentel dieser Menge
ausmacht. ;
Es ergibt sich also, daß die Bedingungen, die eine erhöhte Verwendung
 von Schrott in der Eisenindustrie notwendig machten. inzwischen
‘ortgefallen sind.
Infolgedessen weist der Schrottverbrauch im Vergleich zur Erzeuzung
 den festgestellten Rückgang!) auf. der sich noch weiter {fortsetzen
 wird:
Nur der niedriggehaltene Schrottpreis bietet noch einen wesentlichen
 Anreiz zu seiner Verwendung.
Demgegenüber wird der Entfall an Schrott von Jahr zu
Jahr größer, da die Eiseninvestierungen, aus denen der 8ozenannte
 Altschrott nach 20 bis 25 Jahren herauskommt, mit der Vergrößerung
 der Anlage stark und stetig gestiegen. eind.
1) siehe S. 285. u

IRA
        <pb n="283" />
        Deutsche Eiseninvestition.
Produktion in Deutschland einschließlich Luxemburg in Millionen Tonnen.

EEE EP

Jahr

1888 ..
1884.
1885 ..
1886...
1887...
1888 .
1889
1890

1891 . .
1892 .
1898 |.
1894
1895 .
896 .
1897...
1898 . |
1899...
900

1901 ..
1902 ,...
1908...
1904...
1905...
1906...
1907...
1908 ..
1909 .
1910

1911. ,
1912...
1918 _

Gießereiroheisen

und
Hämatit

0,3
“

Mr
2.5

0,6
V3

4

ü
8

‘
4

3,1
3,3
3,7 |

Flußeisen

Gesamterzeugung



Cs

8
4

„DD

A
3
21

L,8
2,0
59
73

54
8
9
5

5

4,8
6.6

6
6,2
80

8,4
7,8
8,8
&amp;gt; 9
0,1
11,8
12,0
1,2
„2,0
18,7

7,8
3,8
10,6
10,6
12,0
13,4
14,8
13,5
14,5
16.7

15,0 18,1
17,8 | 20,6
18,9 22,6

Ausfuhrüberschuß


Eiseninvestition



1,0
0,8
0,6
05

0,7
1,0
1,3
16

0,7
0,8
0,9

1,7
1,8
Al
2,3
3
3
„2
A ‚ö
u,4
7.1

Y
1,9
1
0,8
09

2,1
3,2
4
7
Q&amp;amp;

5,7
6,1 x
72 {
7,9 2
87%
10,2
11,8
10,1
10,6
13.0

5,2
3,0
5,4
3,9
57

5,8 12,8
8.0 | 14,6
65 1611

S

&amp;amp;

Während die deutsche Eiseninvestition 1893 nur 2,1 Millionen t betrug,
 war sie im Jahre 1903 auf 7,5 Millionen t und 1913 auf über
16 Millionen t gestiegen. Die Zahlen der Eiseninvestition in Deutschland
der Jahre 1900 bis 19038 entsprechen fast genau den Zahlen des
Schrottverbrauchs der Eisenindustrie in Deutschland in den
Jahren 1920 bis 1922.
Für ihren Schrottverbrauch erhält die Eisenindustrie nach ihren
Angaben 25 % aus dem Abfall ihrer Walzwerke als Neuschrott, 75 %
ihres Bedarfes muß sie durch Altschrott decken.
Von der Eiseninvestition muß in Abzug gebracht werden zuerst der
Verlust durch Rosten (Korrosion). Ferner geht ein geringer Teil an
ändere Industrien, z. B. Chemie, ein weiterer Teil ist als Ausfuhrüber-19

 Eng,-Aussch, II. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

287
        <pb n="284" />
        schuß bei Schrott zur Zeit abzuziehen, bis die Einfuhr aus Lothringen-Saar.
 einen Einfuhrüberschuß schafft, Ein Teil des Eisens ist‘ in den
verlorengegangenen Gebieten investiert worden und damit. für uns verloren.
 Alle diese Abzüge machen sicher 25 % des Schrottentfalls nicht
aus, Sie werden also durch die Eigenerzeugung von. Neuschrott, der
25 % des Schrottbedarfs der Eisenindustrie deckt, mehr als aufgewogen.
Man kann infolgedessen die Gesamtmenge der deutschen Eiseninvestition
 mit dem Gesamtverbrauch der deutschen Eisenindustrie vergleichen,
Der Eisenindustrie stehen in den nächsten zehn Jahren nach den
Zahlen der deutschen Eiseninvestition 7,5 Millionen t Schrott 1927 und
dann von Jahr zu Jahr steigend bis über 16 Millionen % 1937 zur Verfügung.
 Dies sind auf jeden Fall Mengen, die die Eisenindustrie zur Zeit
aicht in der Lage ist aufzunehmen und die sie auch später nicht wird
aufnehmen können, da ihre Erzeugung durch die Vereinbarungen mit den
Xisenindustrien anderer Länder begrenzt wird,
Hieraus erklären sich die Verhältnisse auf. dem Inlandsmarkt;
Schrott ist im Überfluß da und findet wenig Absatz, da gleichzeitig der
Abfluß nach dem Auslande infolge der Ausfuhrabdrosselung gering ist.
Die Steigerung der Schrotteinfuhr in der Nachkriegszeit
stammt im wesentlichen aus dem Abwrackgeschäft, für das viele aus:
ländische Schiffe zur Ausnutzung der Inflationslöhne in Papiermark einzeführt
 wurden. Durch Verordnung der Reichsregierung war von diesem
Abwrackschrott nur ein Teil zur Ausfuhr wieder zugelassen. Hieraus
erklärt sich auch, daß naeh Schluß der Inflation die Einfuhr nur die
geringe Menge von 37 000 t im Jahre 1924 betrug und auch im ersten
Halbjahr 1926 nur auf 24 000 t kam. “Die größere Einfuhrmenge des
Jahres 1925 ergibt sich aus spekulativen Käufen des Handels. 8
Die Ausfuhr von Schrott ist, wie auch von der Eisenindu:
strie angeführt wird, gegenüber den Verbrauchsmengen von 6 bis 7 Millionen
 t mit über 200 000 t verhältnismäßig unwesentlich, zumal die
Einfuhr sie wieder ausgleicht. 1925 betrug der Ausfuhrüber.-schuß
 nur 37313 t. Hierbei muß noch berücksichtigt werden, daß der
größte Teil der Ausfuhr 1925 mit 156 346 t nach Ostoberschlesien ging.
Das Ansteigen der Ausfuhr im ersten Halbjahr 1926 ist auf die Stauung
 des Schrottes im Inland zurückzuführen. Hierdurch liefen beim
Reichskommissar für die Ein- und Ausfuhr, der die Ausfuhrgenehmigungen
 ‚erteilt, derartig viele und dringende Gesuche ein, daß einem
geringen Teil hiervon zur Behebung der dringenden Not wenigstens
stattgegeben werden mußte. |
Die eisenverarbeitende und damit schrotterzeugende Industrie
hatte anerkannt, daß zur Sicherung des‘ Rohstoffbedarfs der Eisenindustrie
 und im Interesse unserer gesamten handelspolitischen Stellung
dei den Verhandlungen mit Frankreich das Auefuhrverbot für Schrott
zunächst bestehen bleiben gollte,
Nachdem aber durch die Einigung der Eisenindustrien Deutschlands
und Frankreichs die Möglichkeit geschaffen worden ist, den Schrott der
Saar- und lothringischen Werke wieder der Ruhrindustrie zuzuführen,
und damit einen erheblichen Einfuhrüberschuß zu schaffen. ist ein

1A
        <pb n="285" />
        deutsches Ausfuhrverbot vom Standpunkt der Bedarfsdeckung
 der Eisenindustrie praktisch entbehrlich geworden.
Es können bei seiner Aufrechterhaltung nur noch handelspolitische Erwägungen
 ausschlaggebend sein, um Staaten, die, wie Polen, deutschen
Schrott brauchen, zu größerem Entgegenkommen bei den Handelsverträgen
 zu veranlassen und auf eine allgemeine Aufhebung der Schrottausfuhrverbote
 hinzuwirken.
Der polnische Bedarf an Schrott ist nicht £o bedeutend, daß er die
deutsche Eisenindustrie irgendwie beeinträchtigen kann. Es hat sich
gezeigt, daß der Schrottentfall in Deutschland schon jetzt so groß ist —
Nach den obigen Darlegungen steigt er ferner stetig —, daß nicht nur
die Zwangslieferungen an Polen, die doch auch jetzt bei dem Ausfuhrverbot
 laufen, ohne Schädigung der Eisenindustrie erfolgen können,
Sondern außerdem noch eine erhebliche Stauung auf dem Inlandsmarkt
Zu verzeichnen ist, die sich mit dem Anwachsen des Schrottentfalles in
8leichem Maße verstärken muß. Gerade die mittel- und ostdeutsche
%senverarbeitende Industrie wird durch diesen Absatzmangel für Schrott
um so stärker betroffen, da Schrott praktisch auf einer Frachtbasie
Essen im ganzen Reich von der Eisenindustrie. gekauft wird, infolgedessen
 die Frachtdifferenz tragen muß, und: der Erlös für den entfallenen
Schrott ist ganz gering.
„Die Aufrechterhaltung des Ausfuhrverbotes ist also nicht mehr
als eine Frage der Bedarfsdeckungderdeutschen Eisen-Industrie
 anzusehen, sondern ist lediglich eine Frage der Schrott-Marktbeherrschung.
 Die Eisenindustrie besitzt für Süd-, Ostund
 Mitteldeutschland zusammen mit dem Schrotthandel Einkaufs-Syndikate
 für Schrott. Im Westen werden diese Einkaufssyndikate
durch die gleichwertigen wenigen Einkaufsabteilungen der großen Kon-Zerne
 ersetzt, die wiederum zu einer Interessenvertretung der Schrottverbraucher
 in Düsseldorf zusammengefaßt sind.
Infolge dieser geschlossenen Einkaufsorganisation ist die eisen-Schaffende
 Industrie mit Hilfe des Ausfuhrverbotes, das die natürliche
Regulierung des Marktes verhindert, in der Lage, diesen vollkommen
Zu beherrschen und ihm die von ihr gewünschten Preise zu diktieren.

RO
        <pb n="286" />
        2. Schrottgutachten der Sachverständigen
Dr. Buchmann, Geh. Rat Professor Mathesius,
Dr. Petersen, Dr. Reichert in Erwiderung des
Gutachtens des Sachverständigen Direktor Lange.

Eingereicht: Dezember 1926.

In dem Sondergutachten des Herrn Direktor Lange zur Schrottversorgung
 werden in Anlehnung an eine Schrift von Dr. Tille*) aus
dem Jahre 1909 Berechnungen über die sogenannte „Eiseninvestition“
aufgestellt und auf Grund dieser Berechnungen Voraussagen über die
Höhe des zukünftigen Schrottentfalls für die nächsten zehn Jahre bis
zum Jahre 1937 gemacht. Solche Voraussagen für die Zukunft sind von
fragwürdigem Wert. Selbst für die Gegenwart läßt es sich, da. es an
einer solchen einwandfreien Statistik fehlt, nicht beweisen, daß diese
Langeschen Berechnungen richtig sind. Es handelt sich auch für die
Zukunft um Vermutungen und nicht um unwiderlegliche Beweise.
Selbst wenn man der Methode des Herrn Lange folgen würde, wäre
festzustellen, daß in seiner Zahlenübersicht ein Mangel enthalten ist.
Will man für die Vergangenkeit die „Eiseninvestition‘“ erforschen, dann
darf man nicht die Schweißeisenerzeugung (Erzeugung der Puddel-Werke)
 außer acht lassen, die bis in die achtziger Jahre des vergangenen
 Jahrhunderts größer gewesen ist als die Rohstahlgewinnung.
In der. nachfolgenden Tabelle sind die für die Schweißeisenerzeugung in
Betracht kommenden Erzeugungszahlen für die Jahre 1883 bis 1913 in
die Langeschen Berechnungen eingesetzt.
.. Die Schweißeisenerzeugung war zwar in den letzten Nachkriegs-Jahren
 gering, aber sie hat bis in das Jahr 1900 eine beträchtliche Rolle
Sespielt und bis zu dem Jahre 1891 sogar jährlich 11% Millionen t betragen.
 Die „Eiseninvestition‘“ des Jahres 1887 (nach Lange 0,7 Millionen
 t) ist unter Berücksichtigung der Schweißeisengewinnung tat-Sächlich
 auf 2,1 Millionen t zu berechnen, und die der Jahre 1913 (nach
Lange 16,1 Millionen t) tatsächlich auf 16,2 Millionen t. In jenen
26 Jahren von 1887 bis 1913 hat sich also die „Eiseninvestition“ nicht
auf das 23fache gesteigert, sondern sie ist höchstens auf das 7- bis Sfache
Sestiegen.
Aber die „Eiseninvestition‘“ Jäßt sich nach Langes Methode überhaupt
 nicht berechnen. Der Begriff „Eiseninvestition‘“ bedeutet. doch
Wöhl die Erfassung aller derienigen Eisen- und Stahlmengen, die zur

A *) „Die südwestliche Stahlindustrie des deutschen Zollgebiets“, Von Dr.
Glexander Tille. Südwestdeutsche Flugschriften Heft 6. Kommissionsverlag
- Schmidtke in Saarbrücken 1909.

})q1
        <pb n="287" />
        Ergänzung der Langeschen Schätzung der „Eiseninvestition“
(Mengen in Millionen Tonnen.)

Jahr

1883 ... .
884 ... 2...
885 200
886 .......
887 .......
888 .......
889 2.0.0.0...
890 20000
1891 2.0000.
1892 11.0...
893 .......i
894 ..0... 1
895 2.00.0000
‚8986 ....0...1
897 200...)
1898 2.0.0...
1899 ....... |
1900 ,......
‘901 0000000
903 000
1908 .... ;
L904 0.0.00.
1905 .....0
‚906 .....
„907 0000.
1908 0.0.0.
1909 00.0.0.
[1910 1000410

91 0000.
1912 . 0.0...
1918 2.0.0000

Gesamt- Schweißerzeugung
 eisen-.
nach Lange)| erzeugnisse

3
„7

9

16

7,9
X8
0,6
0,8
2,0
4
3
‚5
4,5
67

J,823
1,895
878
0,854
0,861
2,741
),660
),479
),362
) 345

‚8, 1 0,261
20,6 0,244
22,6 ‚ 0.213

Gesamtarzeugung

an Eisen:
und Stahl
’berichtigt)

Eisen-Ausfuhr-
 | jinvestition“
überschuß nach Langes
berichtigt Methode
berichtigt) | (berichtigt)

+

0,”
2
Dy

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)
0,8
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„+
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19
»
»

Q

0,8
n.7

55
N
’5

8,7
10,2
1,4
1,6
98
1
9
4,0
4,9
7.0

1
4

6,6
7,0
3,0
2,0
9,5
10,9
12,0
‚0,6
10,9
19.8

jo

|

18,4
20,8 |
22.8

5,4
6,0
66

|

18,0
12,8
16.2

dauernden Verwendung in den Verbrauch übergegangen
 sind. Hierher wären also zu rechnen u. a.: Eisenbahnanlagen,
industrielle Anlagen, See- und Binnenschiffe aus Eisen und Stahl, Automobile,
 Maschinen, Werkzeuge und Hausgeräte und dergl. mehr. Diese
Fertigerzeugnisse, die man unter dem Begriff „Eiseninvestition‘“ zusammenfassen
 kann, sind mit dem R oh-eisen- und dem R oh stahlverbrauch
 keineswegs gleichzusetzen. Sonst würde man zur „Eisen-.nvestition‘“
 fälschlicherweise die großen Abfallmen gen hinzurechnen,
 die bei der Verarbeitung des Roheisens zu den Gießereierzeugnissen
 und bei der Verarbeitung des Rohstahls zu Walzwerkserzeugnissen
 sowie bei ihrer kalten und warmen Weiterverarbeitung entstehen.
Die Abfälle wandern bekanntlich, soweit sie bei den Eisenhüttenwerken

WW)
        <pb n="288" />
        entstehen, sofort wieder zum Verschmelzen‘ in den Hochofen und die
Stahlwerke zurück und erscheinen später statistisch wieder als Neueisen.
Was tatsächlich an Eisen- und Stahlerzeugnissen
 investiertist, gibtkeine Statistik bekannt.
Fehlt doch noch jede deutsche Produktions- und Verbrauchsstatistik für
Maschinen, KEisenbauten, Apparate, elektrotechnische Erzeugnisse,
Kleineisen- und Stahlwaren, Fahrzeuge usw. Deshalb gibt es keine
völlig zuverlässigen Zahlen über die Eiseninvestierung. Immerhin kann
man doch den Dingen näherkommen, wenn. man die hauptsächlichste
Langesche Fehlerquelle ausschaltet, d. h. wenn. man nicht vom Roheisen-
 und Rohstahlverbrauch, sondern vom Verbrauch an Gießereierzeugnissen
 und Walzwerkserzeugnissen ausgeht, Diese Erzeugnisse
enthalten die Hütten- und Gießereiabfälle nicht mehr. Natürlich
müssen diesen Produktionszahlen die Einfuhrgewichte aller Eisen- und
Stahlerzeugnisse zugerechnet, und von der dadurch entstehenden Summe
muß die Ausfuhr der entsprechenden Erzeugnisse abgerechnet, werden.
Diese Abrechnung ist in der nachstehenden Tabelle enthalten.‘

Berichtigung der Langeschen Schätzung der deutschen
„Eiseninvestition“.
(Mengen:in 1000 Tonnen.)

Produktion an
: Wälz-Gieße-
 werks-Jahr!
 rei- | erzeuger-
 ] BE
(zeug-| (ohne
nissen! Halbzeug)
 2

900 1796| 4826
1901 | 1513| 4562
1902 ] 1570| 5192
1903 | 1715| 5988
1904 2040| 6168
1905 | 2216| 6880
1906 | 2487| 8224
1907. , 2601| 8774
1908 152416! 8558
1909| 2419| 9086
1910 | 2850 10016
1911 | 2982| 10841
1912." 9499| 12512
1913 8344| 13119
1924. 1928| 7345
1925 92644! 99095

Gesamtproduk-|

tion der
Gießereien
 und
Walzwerke


6622
6 075
6 762
7653
3 208
7 096
0711
1375
1974
1455
2866
13.823
15 941
16 463
9 268
11989

Ansfuhr-  Imlandsschuß.
 ‚verbrauch
an Eisen |an Eisenınd
 Stahl und Stahlen
 / erzeugzeug)3)
 | nissen

Abfälle‘
der Verarbeitung

10%
des
Inlandsver-



.670
1900
2565
2765
2215
2835
2840
2680
2935
3535
4215
4760
5315
5910
1134
9702

5952 595
4175 418
4197 420
4 888 489
5998 599
6 261 626
7871 787
8 695 870
8 089 304
7920 792
8 651 365
9.068 906
10626 1063
10 553 1055
8 134 | 823
9 237 9924

viel n- Lan
: es
BEN © Eis en-IUnterlands-
 vesti- schied
Ost Son
Kos zahlen

5357
3757
3777
4599
5394
5635
7004
7826
7285
7128
7786
3157
9562
9408
7321
8318

7100| 1743
5 700] 1943
6100| 2323
7200| 2801
7900| 2506
8700| 8065
10200] 3116
(1 300] 3475
10 100] 2865
‚0 600| 83472
‚3 000] 5214
12200 4643
1. 06 5087
if ww, 6602

1) 1908 Änderung der Erhebung für die amtliche Produktionsstatistik. Vor
1908 sind die Zahlen Köher. als oben angegeben, da nach der alten und. neuen :Be-"echnungsmethode
 für 1908 ein Unterschied von über 400000 Tonnen besteht.
2 Bis 1918 amtliche Statistik, 1924 ff.” Vereinsstatistik.
® Bis 1913 abgerundete Zahlen unter Zugrundelegung der Langeschen Zahlen.

29%
        <pb n="289" />
        Die Gesamtsumme -der deutschen „CHeßereierzeugnisse, roh“
ist mit der der „Walzwerksfertigerzeugnisse, roh, unter Einbeziehung
der Preß- und Schmiedestücke“ Zzusammengezählt, Dabei bleibt die
Herstellung von „Halbzeug, das für den Absatz bestimmt ist“ außer
Betracht, um Doppelzählungen dieser Stahlmengen zu vermeiden, da
sie, wenn nicht ausgeführt, fast restlos in den deutschen Walzwerken
zu Fertigerzeugnissen verarbeitet werden. So erhält man die Gesamtproduktion
 der Erzeugnisse der Gießereien und Walzwerke. Zieht man
lavon den „Ausfuhrüberschuß an Eisen- und Stahlerzeugnissen“ (natürlich
 wiederum ohne Halbzeug, das nicht in dieser Form, sondern nach
Weiterverschmelzung in den Verbrauch übergeht) ab, dann erhält man
len „Inlandsverbrauch von Eisen- und Stahlerzeugnissen, roh“.

Vom Standpunkt des Maschinenbaus, des Eisen- und Apparatebaus
 sowie vom Standpunkt der Elektrotechnik usw. handelt es sich
hier noch um R oh material, das bei warmer und namentlich bei kalter
Weiterverarbeitung noch erhebliche Abfälle verliert. Diese Abfälle
seien. vorsichtig mit 10 % der Inlandsverbrauchsmenge an den genannen
 Roherzeugnissen angenommen. Nach Abzug dieser 10 % erhält
man, um mit Lange zu sprechen, die „inländische Eiseninvestition“

Diese Schätzung ergibt für das Jahr 1900 gegen Lange einen Unterschied
 von 1,74 Millionen Tonnen und für das Jahr 1913 gegenüber
Langes Berechnung sogar einen Unterschied von 6,6 Millionen Tonnen.
Die deutsche „Eiseninvestition“ des Jahres 1913 liegt bei 9,5 Millionen
 Tonnen und nicht, wie Lange behauptet, bei 16,1 Millionen Tonnen.
Langes Schätzung greift also für das Jahr 1913 um fast 70 % zu hoch.
Für die früheren Jahre ist der Grad der Langeschen Überschätzung
zwar nicht so groß, aber immerhin bleiben so große Unterschiede, daß
man sieht, daß die Langesche Berechnung unbrauchbar ist. Mit dem
5,6 Millionen Tonnen betragenden Irrtum fallen auch die Langeschen
Voraussagungen über den im Jahre 1927 zu erwartenden großen Schrottontfall.


Das von den Sachverständigen Dr. Buchmann, Geh. Rat Prof.
Mathesius, Dr. Petersen und Dr. Reichert unterzeichnete Gutachten
konnte genaue Zahlen nur über den Schrottverbrauch in der Vergangen-3eit
 geben. Was dagegen die Zukunft anlangt, so konnten nur Mutmaßungen
 geäußert werden. Das gilt auch für die Anteile der Schrottquellen,
 aus denen die Schrottmengen zusammenfließen. Nachdem die
Frage, welche Schrottmengen voraussichtlich für die Zukunft zu erwarten
 sein dürften, im Wirtschaftsenquete-Ausschuß eine eingehendere
 Erörterung gefunden hat, werden nachstehend Schätzungen . über
die Zusammensetzung des Schrottentfalls gemacht. Um Schätzungen
 kann es sich deshalb nur handeln, weil es an einer Statistik über
jen Schrottentfall bei den verschiedenen Wirtschaftszweigen fehlt.
Die wichtigsten Schrottquellen sind
die Eisenhüttenwerke selbst. sowie die Eisen- und Stahlformzießereien:


1

104
        <pb n="290" />
        2. die Werkstätten der verarbeitenden Industrie, vor allem Eisenbahnwerkstätten,
 Konstruktiongwerketätten, der Maschinenbau,
Schiffbau, Apparatebau, Fahrzeugbau usw.;
3. die Rückkehr von Alteisen.

Der eigene Entfall der Hüttenwerke (sogenannter
Neuschrott), der sehr groß ist, ist statistisch überhaupt nicht erfaßt.
 Zur Schätzung des Entfalls ist man auf die Berücksichtigung
der sogenännten Einsatzgewichte angewiesen, welche der Stahlwerks-Verband
 für die verschiedenen Walzwerkserzeugnisse aufgestellt hat,
und die unter Berücksichtigung der dauernd verlorengehenden Abbrandsmengen
 und der Abfallmengen für die verschiedenen Walzwerkserzeugnisse
 im einzelnen festgestellt sind. Bei der Herstellung von Walzwerkserzeugnissen
 aus Rohstahl rechnet. man

bei Halbzeug . . . ..
„ Walzdraht. . . .
Stab- und Bandeisen .
Röhren. . . ..
Trägern . .. .
rollendem KEisenbahnmaterial
 . . .
Eisenbähnoberbaumaterial
 . . .
Grobblechen . .
anderen Blechen

mit einem etwa

18 v.H. höheren Einsatzgewicht,

EU
292

20

30
Zi
42

Die Schrottentfallmengen in den Walzwerken sind also davon abhängig,
welche Sorten Walzwerkserzeugnisse in den nächsten Jahren hauptsächlich
 hergestellt werden. Zur Zeit kann mit etwa 20 % der Walzwerkserzeugnisse
 als durchschnittlichem Schrottentfall gerechnet werden.
Danach ist zu schätzen:
für das Jahr: bei einer gesamten Walzwerks „der Schrottentfall
produktion (einschließlich Halbzeug): in den Walzwerken:
19183 ..... 15,6 Millionen Tonnen 8,12 Millionen Tonnen
1924 ..... 8,2 Millionen Tonnen 1,64 Millionen Tonnen
\ 40.2 Millionen Tonnen 2.04 Millionen Tonnen

Diese Zahlen erhöhen sich ein wenig, wenn man den beim Vergießen von
Roheisen und Stahl entfallenden Schrott zuschlägt. Mit_2. Millionen
Tonnen .Neuschrott..im Jahre. 1925. dürfte, wie bereits im ersten Gutachten
 angedeutet. ‚worden. ist... der Schrottentfall .. in. den... Walzwerken
allein etwa. ein. Drittel. des gesamten Schrottentfalls. überschreiten. Im
Jahre 1913 war dieser Prozentsatz natürlich höher, weil die damalige
Walzwerksproduktion um über 50 % höher stand als im Jahre 1925.
Der Schrottentfall in den Eisengießereien und
Stahlgießereienist kaum abzuschätzen, da die sogenannten
 verlorenen Köpfe, Trichter usw. ebenfalls nicht amtlich
Statistisch erfaßt werden, da ferner die Verhältnisse ständig wechseln
und der entfallende‘ Schrott in der Regel sofort wieder als Einsatzmaterial
 in den Öfen Verwendung findet. Jedenfalls treten diese Mengen

295
        <pb n="291" />
        weit hinter die der Walzwerke zurück; sie betragen nur einige hundert-:ausend
 Tonnen, während bei den Hüttenwerken der Schrottentfall, wie
»ben erwähnt, Millionen von Tonnen erreicht. .2
Besser läßt sich schon der Schrottentfall b ei der
Weiterverarbeitung ‚der Gießereierzeugnisse und
Walzwerkserzeu gnisse abschätzen. Er mag, wie”aus der
Tabelle S. 293 hervorgeht, im Durchschnitt mit jeweils: 10% des
Inlandverbrauchs an ZEisen- und Stahlerzeugnissen angenommen
werden, Hier kam man erstmals im Jahre 1912/1913 bei dem damaligen
großen Eisenverbrauch auf über 1 Million Tonnen. 1925 dürfte dieser
Schrottentfall nicht viel über 900 000 Tonnen gelegen haben.
Rechnet man für das Jahr 1925 an Abfällen ;
a) die bei den Walzwerken entstehenden Abfälle
 von, + * + = + 2.000 000 Tonnen,
b) die Gießereiabfälle. (geschätzt) .von ‚etwa. +, 200-000 Tonnen,
z) die sonstigen bei der Weiterverarbeitung entstehenden
 Abfälle von rund .. * +" 1000 000. Tonnen,
‚usammen, dann ergibt sich eine Gesam tmenge DS
VON EiWa -... 3200 000 Tonnen
Walzwerks-, Gießerei- und Fabrikschrott.

Die dritte Schrottquelle liegt in der Rückkehr vön‘ Alteisen,
 das z. B. aus der Erneuerung des Eisenbahnoberbaus und
des rollenden Eisenbahnmaterials, aus der Erneuerung von Eisenbahnanlagen
 überhaupt, dem Abbruch alter Brücken und alter Häuser, aus der
Zerschlagung alter Maschinen, Apparate, aus Drehspänen, alten Hausgeräten
 usw. stammt. Der hierdurch gewonnene Schrott wird im allgemeinen
 auf Schrottbetrieben aufbereitet. Er trägt den Namen ‘alter
Stahlechrott“. . Die. wichtigsten Sorten sind: alter ‚grober Stahlschrott,
Werkstättenkernschrott und prima Kernschrott. Die Entfallmengen
lassen sich für ein bestimmtes Jahr im voraus auch nicht annähernd
abschätzen. Es genügt z. B., daß ‘die Eisenbahnverwaltung, wie; eg: tatsächlich
 in manchen Jahren der Vorkriegszeit geschehen ist und ‘besonders
 in der Nachkriegszeit der Fall war, in der Erneuerung des Eisenbahnoberbaus
 langsamer als sonst vorangeht, um erhebliche Ausfälle an
Eisenbahnschrott entstehen zu lassen. Hinzu kommt auch, daß ‘das
neue Eisenbahnmaterial heute eine sehr viel längere Lebensdauer hat
als früher. ;
In unserem ersten Gutachten hatten wir auf Seite 280 ausgeführt,
daß das in der Wirtschaft verwendete Eisen nach etwa 20 bis 25 Jahren
als Schrott wieder zurückkehrt.” Diese Angabe entspricht einer aus der
Vorkriegszeit stammenden ‘und-wohl-nur für diese gültigen Auffassung,
aus einer Zeit, als die deutsche. Industrie noch aus: dem Vollen wirtschaften
 konnte. Durch die nach dem Kriege notwendig gewordenen
Ersparnismaßnahmen sowie durch die- Fortschritte der Technik 'ist‘ die
Lebensdauer des verwendeten ‚Eisens- aber: erheblich länger ‚geworden,
wie aus folgenden Beispielen hervorgeht, ir

36
        <pb n="292" />
        Im Eisenbahnbau ist das Lebensalter. der Schienen und Schwellen
durch technische Verbesserungen, z. B. durch schwerere Profile, verbesserte
 Schienenbefestigungen usw., wesentlich erhöht worden. Ähnliche
 Verbesserungen sind bei allen von der Eisenbahn verwendeten
Materialien in die Wege geleitet worden. Dazu kommt noch, daß alte
Eisenbahnschienen und Eisenbahnschwellen vielfach noch als Stützen für
den Bergbau, in Steinbruchbetrieben, für Zäune und ähnliche Zwecke
Verwendung finden.
Ähnliches trifft sowohl für Eisenhochbauten als auch für Maschinen,
Apparate und alle sonstigen industriellen Anlagen zu. Daß Brücken,
namentlich die neuen, eine viel längere Lebensdauer als 25 Jahre haben,
ist selbstverständlich. Ebenso. liegen die Verhältnisse bei sonstigen
Hochbauten, z. B. für Hochofenaufzüge und Gerüste, die zum Teil nach
viele Jahrzehnte langem Gebrauch noch ‘betrieben werden. Während
früher eine Maschine, sobald sich ihre Verwendung wegen technischer
Verbesserungen nicht mehr als wirtschaftlich erwies, oder wenn sie
abgenutzt war, verschrottet wurde, besitzt die Technik heute mehr
Maschinen von Standardtypen, die erheblich länger als solche älterer
Bauweise benutzt werden können. Ferner bezogen die Konstruktionswerkstätten
 früher nur für ganz bestimmte Zwecke Eisen in abgepaßten
Längen und schnitten sich ‚im übrigen alle Eisenteile selbst zurecht; infolge
 der Rationalisierung wird heute überall, wo es irgendmöglich ist,
nur auf Maß zugeschnittenes Material bezogen. Das trifft ebenso zu für
den Brückenbau wie für die Blechverarbeitung, in gewissem Umfange
auch für den Maschinenbau, bei dem ‚neben Stahlechrott erhebliche
Mengen von Gußbruch entfallen. Infolgedessen entstehen heute viel
geringere Abfallmengen als früher.
Auch die Lebensdauer des im Hausbau verwendeten Eisens hat; sich
verlängert; es erscheint erst nach Abbruch der Gebäude, oft erst nach
hundert Jahren, wieder, Das für Betonbauten verwendete Moniereisen
kehrt überhaupt nicht mehr als Schrott zurück, weil sich das Zerschneiden
 der Betonblöcke und das Herausnehmen des Moniereisens wirtechaftlich
 nicht lohnt. Da der Betonbau immer mehr in Aufnahme gekommen
ist, sind es nicht unbeträchtliche Mengen, die hier verlorengehen. Es
mag auch noch erwähnt werden, daß die Schrottmengen von Gebrauchsgegenständen,
 die mit einem Überzug, z. B. Emaille, versehen sind, vollständig
 für das Wiedereinschmelzen ausscheiden. Die hierfür in Betracht
 kommenden Mengen sind größer, als allgemein angenommen wird.
Ferner nimmt die Verwendung von Eisen in Verbindung mit Leichtmetallen
 größeren Umfang an; dieses Eisen kann, wenn es ausgedient
hat, nicht mehr zur Herstellung von Neueisen verwendet werden. .
Durchden Verlust von Elsa ß-Lothringen,Posen,
Westpreußen, Oberschlesien, Nordschleswig und
Eupen-Malmedy sowie den Übergang Luxemburgs
unddes Saargebiets infremde Zollgebietesind uns
ferner große Schrottentfallgebiete verlorengegangen.,
 Hierbei handelt es sich nicht nur um ausgedehnte Eisenbahnanlagen,
 sondern vor allem um zum Teil industriell sehr hoch ent-297
        <pb n="293" />
        Wickelte Gebiete mit einem starken eigenen Eisenverbrauch und großem
Neuschrottentfall in den Stahl- und Walzwerken. Wer den Aufbau der
umfangreichen Hütten in Lothringen und Luxemburg kennt und bedenkt,
daß diese Werke gerade im letzten Jahrzehnt vor dem Kriege aufgebaut
worden sind, muß zugeben, daß viele Millionen Tonnen investierten
Eisens auch für die künftige deutsche Schrottversorgung verloren sind.
Aber auch sonst hat der Ver Ssailler Vertra g eine schwere
Beeinträchtigung unserer Schrottquellen mit sich gebracht. 5000 Loko-Motiven
 und 150 000 vielfach völlig aus Eisen und Stahl gebaute Eisenjahnwagen
 sind. ebenso wie die deutsche Handelsflotte und die Kriegs-Äotte
 weggenommen worden.
Zieht man aus dem Vorstehenden die Schl ußfolgerung,
dann tut man gut, eine Schätzung des Schrottentfalls für künftige Zeiten
nicht auf ein volles Jahrzehnt hinaus, wie es bei Lange der Fall ist, vorzunehmen,
 denn der Schrottentfall muß mit mindestens zwei unbekannten
 Größen rechnen: erstens mit der nicht vorauszusehenden Entwick-(ung
 der Stahl- und Walzwerkserzeugung sowie der Erzeugung: von
Roheisen und Gießereiwaren, und zweitens mit der durch den Versailler
Vertrag usw. gestörten, beeinträchtigten und verlangsamten Rückkehr
von Alteisen. Es mag zu erwarten sein, daß sich die Entfallmenge des
Jahres 1924 und 1925, unter Berücksichtigung der Ein- und Ausfuhr,
in Höhe von 6 bis 6% Millionen Tonnen um gewisse Mengen in der
Zukunft übertreffen 1äßt. Selbst wenn wir über 7 Millionen Tonnen
ainaus bis auf 8 und 9 Millionen Tonnen jährlichen Schrottentfall kämen,
väre dies nicht als ein besonderer Schrottreichtum anzusehen, weil bei
der Verminderung unserer eigenen Erzbasis jeder höhere Schrottentfall
gern gesehen und von den deutschen Eisenhüttenwerken gern aufgenommen
 wird.
Nun behauptet Herr Lange weiter, daß der Schrottbedarf in
der Gegenwart und Zukunft nicht mehr so groß gei als in der Verzangenheit
 und daß sogar ein „Schrottüberfluß“ bestehe. Schließlich
wird erklärt, daß durch den zwischen Deutschland, Frankreich und
Belgien geschlossenen Eisenpakt die Möglichkeit geschaffen würde, die
in den Stahl- und Walzwerken der westlichen Eisenländer entfallenden
Schrottmengen für deutsche Zwecke heranzuziehen,
Hierauf ist folgendes zu bemerken: Auge der Entwicklung des
Schrottmarktes im Laufe der letzten Jahre können für die Zukunft
keinerlei Schlüsse gezogen werden, denn die Jüngste Vergangenheit hat
keineswegs eine normale Entwicklung EeNoMmMmen, sondern ist durch die
Stabilisierung der deutschen Währung, durch die Fr ankenzerrüt-&amp;gt;ung,
 die zeitweilige Kapitalnot, dann durch die schwere Absatzkrise
aufs schwerste beeinflußt worden. Das Frankendumping der französischen
 und belgisch-luxemburgischen Eisenindustrie auf dem Weltmarkt
und auf dem deutschen Markt. hat die deutsche Eisen- und Stahlproduktion
 und damit zugleich den Schrottmarkt stark in Mitleidenschaft
gezogen. Die zeitweilige Steigerung der Produktion und das Anziehen
des Schrottpreises ist über ein Jahr lang durch das Frankendumping
unterbrochen worden und hat zu einem Rückgang der Eisenerzeugung

LU“
        <pb n="294" />
        und zu einer Senkung der Schröttpreise geführt. Erst in den letzten
Monaten ist infolge des englischen Streiks und des festwerdenden Frankenkurses
 sowie im Zusammenhang mit den internationalen Eisenpaktverhandlungen
 eine Änderung eingetreten. Seitdem der Eisen- und
Stahlbedarf in Deutschland etwas gewachsen ist, hat aber sofort die
Schrottnachfrage stark zugenommen, und es hat sich bald gezeigt, wie
eng auf dem heimischen Markt die Grenzen für eine wünschenswerte
Schrottversorgung gezogen sind. Nicht mit Unrecht rechnet das
Statistische Reichsamt den Schrott zu den konjunkturempfindlichen
 Waren; sein Preis ist seiner Natur nach großen
Schwankungen spekulativen Ursprungs ausgesetzt.
Schon in den Inflationsjahren wäre der Schrottmangel lebhafter in
Erscheinung getreten, wenn damals die unsichtbare Einfuhr, nämlich
das Abwracken eingeführter alter Kriegs- und Handelsschiffe, nicht
eine große Rolle gespielt hätte und wenn die deutsche Eisenindustrie
 damals nicht von den verschrotteten Kriegsmaterialien
hätte leben können. Auf lange Frist gesehen, kann jedenfalls von
einem Rückgang des Schrottbedarfs nicht gesprochen
 werden. Nicht nur die mitteldeutsche Stahlindustrie,
die lediglich auf der Verhüttung der örtlich entfallenden Schrottmengen
beruht, sondern auch die Stahlwerke des Ruhrgebiets und Westoberschlesiens
 müssen auf die Verwendung der 100 % Eisen enthaltenden
Alteisenabfälle und des Neuschrotts den größten Wert legen. Je nach
Saisonbedarf und Weltmarktskonjunktur mag der Schrottmarkt beeinflußt
 werden; jedenfalls bleibt ein hoher Schrottbedarf, ja er dürfte
sicherlich noch erheblich wachsen.

Allgemein wird vermutet, daß an der schwierigen Lage des
Schrottmarktes sich solange nichts ändern werde, bis die Nachbarländer
 ihre Schrottausfuhrverbote aufheben. Wenn Herr
Lange meint, die kürzlich abgeschlossenen internationalen KEisenabkommen
 ermöglichen bereits die Heranziehung lothringischen und luxemburgischen
 Schrotts für deutsche Stahlwerke, so ist das ein Irrtum.
Nach Lage der Dinge können wir vorläufig das deutsche Schrottausfuhrverbotnoch
 nicht entbehren, zumal Länder, die in großem
Maße Schrott abgeben, ausdrücklich gegen uns ein Schrottausfuhrverbot
 erlassen haben.
Selbstverständlich ist, daß das Maß der Verwendung von
Schrott von dem Schrottpreis und von dem Verhältnis des Schrottpreises
 zum Roheisenpreis sowie Rohstahlpreis nicht ganz unabhängig
ist. Bei hohen Schrottpreisen, wie sie zu Beginn des Jahres 1925
bestanden, und bei einem geringen Unterschied zwischen Roheisen- und
Schrottpreis wird naturgemäß bei der Stahlerzeugung mehr Roheisen
zugesetzt. Die Roheisenerzeugung kann aber nicht immer der wechselnden
 Marktlage angepaßt, werden, weil der Hochofen nicht nur Roheisenerzeuger,
 sondern auch Krafterzeuger ist und die Werke deshalb
gezwungen werden können, um den Hochofenbetrieb vor größeren
Schwankungen zu bewahren, zeitweilig mehr Roheisen herzustellen, als
unbedingt notwendig ist. Insbesondere können die Werke zeitweise

4
        <pb n="295" />
        Überfluß an Roheisen haben, das in den Martinofen wandert und auf
diese Weise Schrottmengen ersetzt. Daher werden immer Verschiebungen
 bei der Verwendung von Roheisen oder von Schrot$ eintreten. Diese
Verschiebungen zeigen. sich sogar in einzelnen Monaten. Aus solchen
vorübergehenden Erscheinungen kann man aber nicht herleiten, daß der
Schrottverbrauch zurückgeht. Maßgebend für den Schrottverbrauch ist
selbstverständlich der Gesamtverbrauch, der mit steigender Stahlerzeugung
 zunimmt, wie die letzten Monate besondere beweisen. Dieser
Gesamtverbrauch ist sowohl im Vergleich zur Friedenszeit als auch zur
ersten Nachkriegszeit gestiegen.
Was schließlich die Behauptung betrifft, das Schrottaugfuhrverbot
 werde mehr zur Marktbeherrschung als zur
Sicherung der Bedarfsdeckung benutzt, so sei demgegenüber nur auf die
außerordentlichen Schwankungen des Schrottpreises in den vergangenen
zwei Jahren hingewiesen. Diese Schwankungen zeigen deutlich, daß
die für die mittel- und ostdeutschen Industrien vorhandenen Schrotteinkaufsorganisationen
 von einer solchen „Marktbeherrschung“ fern sind;
denn sie haben die Preisschwankungen, besonders die ihnen unliebsamen
Preissteigerungen, selbst in der neuesten Zeit nicht zu verhindern
gewußt. Was das Schrottausfuhrverbot anlangt, so ist darauf hinzuweisen,
 daß häufig trotz geringer Schrottausfuhr die Schrottpreise im
[nland sehr hoch waren.
Die Entwicklung der Schrottpreise wird in einem
besonderen Gutachten dargestellt werden.

00
        <pb n="296" />
        2.Gutachten
des Sachverständigen Direktor Karl Lange
über die deutsche Schrottversorgung.
Eingereicht: ‚April 1927,

Als Ergänzung zu dem Gutachten der Herren Dr. Buchmann,
Geh. Rat Prof; Mathesius, Dr. Petersen und Dr. Reichert
für den Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen
 der deutschen Wirtschaft über die gegenwärtige Lage der deutschen.
 Eisen- und Stahlindustrie hatte der Unterzeichnete ein Gutachten
zur Frage der Schrottversorgung eingereicht, in dem insbesondere die
Tatsache der steigenden Entwicklungstendenz des Schrottentfalls hervorgehoben
 wurde, Dem Gutachten war eine überschlägige Berechnung,
der deutschen Eiseninvestition der Vorkriegsjahre beigefügt. .
_ In Erwiderung des Gutachtens des Unterzeichneten erstatteten alsdann
 die oben genannten Herren ein zweites Gutachten (im folgenden
Gutachten 2 der Eisenindustrie genannt). In diesem 2, Gutachten
wurde versucht, die in dem Gutachten des Unterzeichneten geäußerten
Ansichten über‘ die Aussichten der deutschen Schrottversorgung ZU
widerlegen.
‚Die "Einwendungen gegen das Gutachten waren zunächst statistischer.
 Art.

j. Es sei die Erzeugung an Schweißeisen (Rohprodukte) nicht
berücksichtigt, und dadurch erschiene die Eiseninvestition der Vergangenheit.
 zu niedrig, die Steigerung im Laufe der Jahre zu groß.
Dieser Einwand ist richtig.. In der auf Fertigerzeugnisse abgestellten
Tabelle, die dem Gutachten 2 der Eisenindustrie beigefügt ist und eine
exaktere Schätzung. der Investitionen geben soll, sind aber ebenfalls die
Erzeugnisse der Schweißeisenwerke, und zwar der Fertigerzeugnisse
aus Schweißeisen, nicht mit berücksichtigt. Soweit also deren Auslassung
 in dem Gutachten des Unterzeichneten eine Ungenauigkeit darstellt,
 ist sie in dem-Gutachten 2.der Eisenindustrie ebenfalls enthalten.
9. Ein zweiter Einwand war, daß’ es notwendig sei, die Investitionen
 auf Grundlage der. Fertigerzeugnisse der eisenschaffenden. Industrie
 zu berechnen. Auch hier soll zugegeben werden, daß eine Berechnung
 nach dieser Methode genauere Ergebnisse erzielt.
Der Unterzeichnete ist sich, in Übereinstimmung mit der in Gutachten
 2 geäußerten Ansicht, vollkommen darüber im klaren, daß weder
mit den früheren noch mit dem hier vorliegenden Gutachten mit
absoluter Genauigkeit angegeben werden kann
}L: wieviel tatsächlich investiert wurde, ;
2. was davon später als Altschrott noch brauchbar ist,
3. wieviel Zeit vergeht, bis die Eiseninvestition der- Vergangenheit
 alg Sehrott wiederkehrt.

301
        <pb n="297" />
        Der Zweck des vorliegenden — wie des früheren — Gutachtens soll
lediglich sein, unter gewissenhafter Prüfung des zugänglichen Materials
die Entwicklungstendenzen : der Schrottversorgung aus der Fülle der
Tatsachen herauszuarbeiten, da sie für die zukünftige Lage auf dem
leutschen Schrottmarkt. von wesentlicher Bedeutung sind.

Die oben erwähnten Einwendungen gegen die zahlenmäßigen
Unterlagen für die Berechnungen in dem Gutachten des Unterzeichneten.
 ändern nichts an der Tatsache, daß der Altschrottentfall in den
nächsten Jahren eine steigende Tendenz zeigen wird. Diesen Gesichtsdunkt,
 dem im ersten Gutachten der Eisenindustrie nicht Rechnung
getragen war, stellte das Gutachten des Unterzeichneten in Ergänzung
des ersten Gutachtens der Eisenindustrie in den Vordergrund. Auch
lie Berechnungen und Zahlenangaben des Gutachtens 2 der Eisenindustrie
 bestätigen die grundsätzliche Richtigkeit dieses Hauptinhalts
ler Ausführungen des Gutachtens des Unterzeichneten.
Im nachfolgenden nimmt der Unterzeichnete sowohl zu den
Einwendungen gegen seine statistische Methode wie zu den Einwendungen
 gegen seine sonstigen Schlußfolgerungen Stellung. Die nach-"olgende
 graphische Darstellung zeigt zunächst, inwieweit sich die auf

Abb. 1. Die Steigerung der Eiseninvestitionen 1892 bis 1913.

A

Mil.
+75

€ +

1
1892

ul,
-

Gutachten ? der Eisenindastrien
Anlage X

Bari

„fu

ndergutachten

Lange

—mLLLL

T“
“ACER ——
ann Km B

gm

%092 er Eisenindustrie
Anlage II

wm,
„

ft

»
47
9

1092
        <pb n="298" />
        Grund der verschiedenen Berechnungsweisen gewonnenen Kurven voneinander
 unterscheiden.
Die Eintragungen sind auf logarithmischer Skala gemacht, d. h.
gleiche prozentuale Änderungen bedingen gleiche arithmetische Höhenunterschiede.
 Die Kurven zeigen, daß die tendenzmäßigen Abweichungen
 der einzelnen Berechnungsarten unbedeutend sind. Wohl weichen
in ihrer absoluten Höhe die errechneten Eiseninvestitionen bei den verschiedenen
 Methoden voneinander ab, entscheidend sind aber nicht die
absoluten Zahlen, sondern lediglich die verhältnismäßige Entwicklung
 der Investitionen von Jahr zu Jahr. Der Altschrottentfall steht
in einem gewissen Verhältnis zu den früheren Eiseninvestitionen und wird
von deren Bewegung mitbestimmt. Über den Grad der Abhängigkeit
zwischen Altschrottentfall und Eiseninvestition dürfte auch nach Ansicht
 des Unterzeichneten eine vollkommen exakte Angabe nicht möglich
 sein. Immerhin ist die Entwicklungsrichtung der früheren Investitionen
 auch nach der in Gutachten 2 der Eisenindustrie ausgesprochenen
Ansicht einer der wichtigsten Bestimmungsgründe für den jetzt und
in Zukunft zu erwartenden Schrottentfall. Sowohl nach den von seiten
der Herren Sachverständigen der Eisenindustrie wie von seiten des
Unterzeichneten beigebrachten Unterlagen ergibt sich in dem für
den gegenwärtigen Schrottentfall entscheidenden Zeitraum der Eiseninvestition
 — in den Jahren von 1900 bis 1913 — fast die gleiche Steigerungstendenz,
 so daß die Richtigkeit der grundsätzlichen Ausführungen
des Gutachtens des Unterzeichneten damit bestätigt wird,
Die Schweißeisenerzeugung war bereits 1900 so niedrig, daß von
1900 bis 1913 durch die Berücksichtigung der Schweißeisenerzeugnisse
keine tendenzmäßige Abweichung eintrat. Lediglich vor 1900, also in
einer Periode, die für die jetzigen und zukünftigen Entfallmengen kaum
noch maßgebend ist, zeigt die nach den Berechnungen des anliegenden
Gutachtens eingezeichnete Kurve eine geringere Steigerung als die
Schätzung in dem ersten Gutachten des Unterzeichneten.

Weiterhin wird in dem Gutachten 2 der Eisenindustrie eine Minderung
 des Schrottentfalls aus der Tatsache hergeleitet, daß sich die
durchschnittliche Lebensdauer des gesamtinvestierten Eisens gegenwärtig
 erhöht habe. In dem nachfolgenden Gutachten sind eingehende
Angaben enthalten, die nach Ansicht des Unterzeichneten eine Verkürzung
 der Lebensdauer der Eiseninvestition eher wahrscheinlich
machen als eine Verlängerung. Wenn wir also annehmen, daß die
Eiseninvestition von 1913 nur eine 20jährige statt einer 25jährigen
Lebensdauer hätte, dann würde sie im Jahre 1933 statt 1938 entfallen.
Von 1933 trennen uns noch sechs Jahre, von 1938 noch 11 Jahre. Verfolgen
 wir die Eiseninvestitionen zurück bis 6 Jahre, bzw. 11 Jahre vor
1913, als sie ihren Höchststand erreicht hatten, und vergleichen die
1913er Investition mit diesen früheren, so ergibt sich im ersteren Falle
eine Steigerung der Investition um 42 %, im letzteren Falle um 130 %.
Wollte man aber nach den Vorschlägen der Eisenindustrie eine Verlängerung
 der durchechnittlichen Lebensdauer über 25 Jahre hinaus

20 Enq.-Aussch. III. Rohstoffvers, U. deutsch, eisenerzeug. Ind.

303
        <pb n="299" />
        annehmen, z.B. auf 30 Jahre, dann würden im Jahre 1927 die Investi-‘jonen
 von 1897 entfallen, d. h. bis die Investitionen von 1913 zum Entfall
 gelangen, würde ihre Menge um 141 % gegenüber der Entfallmenge
von 1927 gestiegen sein. Jelänger sich also die Lebensdauer des zur
Verschrottung gelangenden Alteisens erweist, um so günstiger für
lie Eisenindustrie dürfte sich in den kommenden Jahren der Altschrottentf{all
 gestalten.

Wie im einzelnen besondere Umstände auf den Schrottentfall der
ietzten Jahre eingewirkt haben, wolle man den nachstehenden Ausführungen.
 entnehmen.
Schrott ist eine Ware, die stets als Nebenprodukt entfällt, sei es
als Abfall der gegenwärtigen Eisenerzeugung und -verarbeitung (Neuschrott),
 sei es als übrigbleibender Rest (Altschrott) aller derjenigen
Eisengüter, die in früheren. Produktionsperioden in Gebrauch genommen
wurden. Daher muß — bei Annahme einer bestimmten zukünftigen
Neueisenproduktion — eine Schätzung des zu erwartenden Schrottentfalls
 möglich sein, wenn man den Grad der Abhängigkeit kennt, in dem
sich der Schrottentfall von den genannten beiden Reihen befindet.

Der Neuschrottentfall innerhalb der Werke der Eisenindustrie
 selbst läßt sich nach dem Gutachten 2 der Eisenindustrie
mit rund 20 % der Produktion an Walzwerks- und Gießereierzeugnissen
beziffern‘). Der Neuschrottentfall bei der Verarbeitung wird an
der gleichen Stelle mit 10% des Inlandverbrauchs an Eisen- und Stahlorzeugnissen
 (Großeisenerzeugnissen) geschätzt. Wenn sich die Eisenerzeugung
 weiter auf der gleichen Höhe hält wie jetzt, dann ist natürlich
 in Zukunft etwa mit dem gleichen Neuschrottentfall, der sich nach
obigem ergibt, zu rechnen. Jede Steigerung der Produktion andererseits
 ergibt etwa eine verhältnismäßig gleich starke Steigerung des Neuschrottentfalls
 — von Schwankungen infolge ungleichmäßigen Inlandverbrauchs
 von Großeisenerzeugnissen abgesehen.

Zur Schätzung des Altschrottentfalls benötigt man
die Größe der Eiseninvestition in der zurückliegenden Inyvestitionsperiode,


in

das Abhängigkeitsverhältnis von KEiseninvestition und Altschrottentfall,
 d. h. die Angabe, welcher Prozentsatz von investiertem
 Eisen durch Rosten u. a. vernichtet wird und nicht
mehr als Schrott wiederkehrt,
3. die Lehensdauer des jetzt entfallenden Eisens.

ad 1.: Der Umfang der Eiseninvestition ist in den Tabellen des
Anhangs?) genau berechnet worden. In der folgenden Übersicht sei das
Ergebnis zusammengefaßt:

1) siehe S. 295.
2) siehe S. 823.

LE
        <pb n="300" />
        Jahr

892 ......
808 14 sus
894 0...
895 ......
896 . 0...
897 ......
898 ......
899 0...
900 1.000
901...
908

ALLE Rollender
Jährliche | 5 Jahres-(nvestition
 | qurechschnitt

in 1000 Tonnen

3106
3.157
3 345
3 433
4 305
4 732
5 275
5 052
5 785
1668
4 991

3485
3792
4219
4761
5281
538304
5854
5560
5617

Jahr

1908 . u.a
1904 ,....
1905 &amp;gt; x 4
1906 .....
1907...
1908 ..
„909
1910
19.1
1019

1:

Jährliche
Investition

Rollender
5 Jahresdurehschnitt


in 1000 Tonnen

6308
6889
6884
8 026
8 508
7 406
7 808
3507
422
345
+15

5837
6509
7212
7433
7746
8051
8130
8698
9499

Abb. 2. Deutsche Eiseninvestition 1892 bis 1918.

Mi)
br -

Durchschnitt!
7903 Dis 1973 &amp;gt; Er

Mil.T
172
r =_ 7
10

(Own ;

Jährliche Eiseninvestition
na

Durchschnitt,
7892 DIS 18690ß}
\ A

Rollender 5 Jahresdurchsthnif

A?
892 93 94 1895 96 97T 9B 99 190007 O2 03 041930506 07 08 0319101 12 1973

„Um vorübergehende Schwankungen, die sich beim Schrottentfall
Zweifellos ausgleichen würden, zu eliminieren, ist die rechnungsmäßige

rin

305
        <pb n="301" />
        [nvestition im Mittel von je 5 Jahren zusammengezogen worden. Die
[nvestition des letzten Vorkriegsjahres war höher als die Investitionen
früherer Jahre um die folgenden Prozentsätze:
Deutsche KEiseninyestition.

von 1918
höher als | im Jahre | um v.H.

21 J. zuvor, d.h. 1892 268
BB » 1900 97
Sn Mi 1905 66

yon 1909 bis 1918

höher als | ET S- |um v.H.

rd. 16 J. zuvor, d. h. |! 1892—1896| 172
„ll, „| 1898—1902 77
| a „ 11903—1907| 82

ad 2.: Der Prozentsatz des der Vernichtung anheimfallenden
Kisens ist schwer abschätzbar. Gutachten 2 der Eisenindustrie hat
zweifellos recht, wenn es die im Beton eingebauten Eisenmengen
größtenteils als verloren betrachtet‘). Sicherlich gehen noch manche
weiteren Mengen endgültig, vor allem durch Rosten, verloren. Aber der
Schluß, daß der Prozentsatz des Verlustes steigende Tendenz habe, ist
nicht gerechtfertigt. Mag jetzt auch mehr Beton gebaut werden als
irüher, so steht dem gegenüber, daß einmal die Sammel tätigkeit mit
len Jahren immer intensiver wurde (Rationalisierung des Schrotthandels),
 so daß jetzt mehr Alteisen aufgespürt werden dürfte als früher,
und daß zum anderen qualitative Verbesserungen des Materials diesem
jetzt eine größere Widerstandskraft gegen alle abnutzenden
Einflüsse geben als früher, so daß das Alteisen beim Entfall weniger an
Gewicht verloren hat.
Daß qualitative Verbesserungen nicht zwangsläufig auch eine
Verlängerung der Lebensdauer bedeuten, wird unter 3. angeführt.
Als „vernichtet“ ist für den Entfall im jetzigen Reichsgebiet
natürlich auch anzusehen, was in den verlorenen Gebieten an
festen und beweglichen Anlagen investiert und was auf Grund des
Friedensvertrages an Lokomotiven usw. abgetreten wurde‘). Um das
letztere vorwegzunehmen, sagt hierzu ein Bericht des‘  Reichsverkehrsministers?):
 ; $
„Bei Ausbruch des Krieges umfaßte der deutsche. Lokomotivpark
 einschließlich des Bestandes der Reichsbahnen in Elsaß-Lothringen
 rund 29 000 Lokomotiven.
Die bis zum Kriegsausbruch übliche Ausmusterung von durchzachnittlich
 jährlich 600 bis 700 Lokomotiven, die den Lokomotivpark
 (Lokpark) vor Überalterung schützte, mußte mit Kriegsbeginn
 wegen des großen Lokomotivbedarfs auf den Kriegsschau-»lätzen
 eingestellt werden. Dagegen wurde die Beschaffung

‘ij Siehe S. 297.
%7 „Bericht über den baulichen Zustand der Anlagen und Fahrzeuge der
Deutschen Reichsbahn-(Fesellschaft«, Reichstagsdrucksache, {IT Wahlperiode, Nr. 2821.
3. 9234,

MIO
        <pb n="302" />
        neuer Lokomotiven nicht nur in gleicher Höhe wie vor
jem Kriege, sondern auch in verstärktem Maße fortgesetzt.
Demzufolge verfügten die deutschen Länderbahnen im Jahre 1918
über einen Lokomotivbestand von rund 33 000 Stück. Dieser Bestand
 verminderte sich durch Kriegsverluste, Abgabe nach dem
Friedensvertrage und durch die Gebietsabtretungen, ferner noch
durch eine verstärkte Ausmusterung, die infolge der eingetretenen
Überalterung dringend notwendig war, trotz erheblicher Neuveschaffungen,
 sehr rasch, so daß die Reichsbahn im Jahre 1920
nur noch über einen Bestand von 30 000 Lokomotiven verfügte. Zu
Beginn des Geschäftsjahres 1925 (Oktober 1924) betrug die Zahl
jer vorhandenen Lokomotiven rund 29 500. Durch die notwendige
verstärkte Ausmusterung und infolge der geringen Neubeschaffung
ist der Bestand weiter gesunken; er betrug am Ende des Geschäftsjahres
 1925 (31. Dezember 1925) 27373 Stück. Die von 1920 ab
erfolgte jährliche Ausmusterung und Neubeschaffung von Lokomotiven
 geht aus der folgenden Tabelle hervor:

Dampflokomotiven

Geschäftsjahr Ausmusterung | Beschaffung

1920 690
1921 1849
1922 1585
1928 1500
19241) 607
199252) 92479

2117
1804
1627
1018
432
247

... Durch die starke Ausmusterung älterer Maschinen ist das
durchschnittliche Lebensalter der Lokomotiven etwas verbessert
 worden.“
Demnach sind die Abtretungen durch die verstärkte Beschaffung
 während und nach dem Kriege nahezu wettgemacht worden.
Die Verbesserung, d. h. Verkürzung des durchschnittlichen Lebensalters
Wirkt im Sinne einer Verringerung der demnächstigen und Erhöhung der
späteren Ausmusterung. Noch günstiger sind die Ergebnisse für Wagen:

Personen- | Gepäck- | Güterwaren
 waren wagen

A —
Gesamtbestand der Staatsbahnen
1. IV. 1914
1918
Nach Abgabe laut Friedensvertrag
. 1. IV. 1920
Bei Übernahme durch Reichsbahnges.
1. X. 1924
Am 31. XIL 1925

64422 | 17927 | 669050
starke Steigerung
64518 17232 609 917
67 904 23 018 707 609
64 182 21 8831 689 119

') 1. April bis 80. September 1924.
?) 1. Oktober 1924 bis 31. Dezember 1925.

MY
        <pb n="303" />
        Der Gesamtwagenbestand war 1925 um 22 833 Stück oder um 3%
höher als 1914.
In den abgetretenen Gebieten sind nach Gutachten 2 der
Eisenindustrie viele Millionen Tonnen investierten Eisens für die zuzünftige
 deutsche Schrottversorgung verloren!). Der Verlust dieser
Eiseninvestitionen erscheint wichtig genug, um eine besondere Berechaung
 zu rechtfertigen. Diese Berechnung ist in der Anlage?) vorgenommen
 worden und ergibt, daß auf die abgetretenen Gebiete 1913
"und 15 % der damaligen Gesamtinvestitionen entfielen.
ad 3.: Die Lebensdauer des Eisens, die in Gutachten 1 der
£isenindustrie mit 20 bis 25 Jahren angegeben war, wurde in ihrem
Gutachten 2 als zu kurz bezeichnet?) :
„Durch die nach dem Kriege notwendig gewordenen Ersparnismaßnahmen
 sowie durch die Fortschritte der Technik ist die
Lebensdauer des verwendeten Eisens aber erheblich länger geworden.“

Hieraus wird die Folgerung gezogen?):
„Infolgedessen entstehen heute sehr viel geringere Abfallmengen
 als früher.‘
Eine Verlängerung der Lebensdauer des Eisens wirkt sich in
der Weise aus, daß nicht mehr alles Eisen einer Investitionsperiode
nach 25 Jahren, sondern ein Teil etwas später entfällt, mit anderen
Worten, daß sich, bei Zugrundelegung einer Lebensdauer von bisher
25 Jahren, zunächst der Schrottausstoß infolge der Lebensdauerverlängerung
 verringert, in späteren Jahren dafür aber vergrößert. Verlängerungen
 in der Lebensdauer des Eisens, die wir gegenwärtig
 erleben, müssen sich also in einer Steigerung des in der
Zukunft zu erwartenden Schrottentfalls auswirken. |
Um beurteilen zu können, in welcher Weise sich Änderungen der
Lebensdauer eines Eisenerzeugnisses — z. B. von Schienen — auf den
Schrottentfall insgesamt auswirken, muß man einen Überblick über die
Lebensdauer aller Eisenprodukte gewinnen.
Nach der- „Lebensdauer“ kann man mehrere Gruppen von Fabrikaten
 aus Eisen unterscheiden, wobei im folgenden unter „langer“
Lebensdauer eine solche von 25 Jahren und mehr, unter „kurzer“
Lebensdauer eine solche von unter 25 Jahren verstanden sei.
Unter Produktionsmittel fallen teilweise Eisengüter mit relativ
Langer Lebensdauer, ein Teil des Eisenbahnoberbaus, Brücken, Träger
in Häusern u.ä, Es handelt eich vielfach um wenig weiterverarbeitete
Produkte. Etwaige Verbesserungen in der Qualität des verarbeiteten
Eisens können sich daher in einer Verlängerung der Lebensdauer auswirken.
 Eine Veraltung durch Entstehung neuer Formen ist nur in
geringerem Umfang möglich. Aber auch ein beträchtlicher Teil derartiger
 Produktionsmittel, z. B. Fabrikhallen, Bahnhöfe, hat eine relativ
kurze Lebensdauer, weil nämlich die Betriebe. denen sie dienen. normaler-')

 siehe S. 297
?) siehe S 827,
N siehe S. 296.

0R
        <pb n="304" />
        weise im Laufe der Jahre insgesamt eine Erneuerung, Vergrößerung
erfahren. Bei Brückenbauten z. B. machen sich zahlreiche Neubeschaflungen,
 d. h. Ausbau alten Materials, erforderlich, da die älteren Bauten
für die schwereren Lokomotiven und höheren Fahrgeschwindigkeiten
nicht mehr genügen. Der oben zitierte Reichsbahnbericht sagt hierüber:
„Das Verstärkungsprogramm der Brücken soll nun mit dem
Ziele weitergeführt werden, daß die neubeschafften Lokomotiven
mit 20 t Achsdruck freizügig verkehren können. Zur Durchführung
 dieses Programms werden nach überschläglicher Berechnung
 noch über 200 Millionen aufzuwenden sein... Wenn das bisherige
 Schrittmaß in Umbau und Verstärkung eingehalten werden
kann, so würde dieses Programm in etwa fünf Jahren durchgeführt
sein*).“
Die meisten eisernen Produktionsmittel haben
aber eine kurz e Lebensdauer.
Hierunter fallen insbesondere Maschinen. Das Gutachten 2 der
Eisenindustrie meint”):
„Während früher eine Maschine, sobald sich ihre Verwendung
wegen technischer Verbesserung nicht mehr als wirtschaftlich erwies,
 oder wenn sie abgenutzt war, verschrottet wurde, besitzt die
Technik heute mehr Maschinen von Standardtypen, die erheblich
länger als solche älterer Bauweise benutzt werden können.“
Die Dauer der Benutzbarkeit der Maschinen differiert im einzelnen
je nach Konstruktion und Konstruktionsmaterial, Beanspruchung und
Behandlung der Maschinen sehr stark. Für Lokomotiven nimmt
eine amerikanische Erhebung*) als Durchschnittslebensalter etwa 30
bis 35 Jahre an, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß unter Umständen
 nach 30 Jahren eine Lokomotive bereits so oft in der Reparaturwerkstätte
 überholt ist. daß nur noch wenig 30 Jahre altes Eisen in
ihr steckt.
Für landwirtschäftliche Maschinen nehmen französische
and russische Zusammenstellungen folgende Abnutzungszeiten an:

Pflüge. ...0.0.0000000 001 HH
Eggen. . 0.00.0000 000444
Jüngerstreuer . .......00000* 4
Sämaschinen . .....0.0.1.0004
Erntemaschinen .... Wen
Dreschmaschinen ‚.........
Sortiermaschinen ..........4

Französische
Zahlen 9)

{

Russische
Zahlen ©)

Tahra

‚Tahre

8— 10

‚0

10
15
5—10
20

12
15
) 15
12

Y Aa. 0. S. 232.
) siehe S. 297.
} Machinery, Bd. 30. März 1924, S. 512.
'‘) Rapport g6neral sur l’industrie francaise, Paris 1919, S. 359.
5) Zeitschrift „Aus der Volkswirtschaft der U.d. 8. S. R.“ 5. Jahrgang, Heft 1
bis 2 vom Januar 1926. 509
        <pb n="305" />
        Die Industrialisierung der Landwirtschaft macht große Fort-Schritte.
 Die ersten Ergebnisse der land- und forstwirtschaftlichen Be-;riebsstatistik
 1925 bestätigen durch Gegenüberstellung mit vergleicharen
 Ergebnissen aus früheren Zählungen die außerordentliche Zunahme
 der Verwendung landwirtschaftlicher Arbeitsmaschinen. In
Jayern z. B. wurden Mähmaschinen verwandt nach der Zählung von:
1882, ....... in 846 Betrieben 1907 ......in 88757 Betrieben
1895. ....... „ 2580 N 1925 ...... „ 119918 N

Schrotmühlen und Milchzentrifugen, die in landwirtschaftlichen
Betrieben jeder Größe vorkommen, weisen die folgenden Steigerungssätze
 ın Bayern auf:

Von &amp;amp; 100 Betrieben der einzelnen
rößenklassen verwandten

Jrößenklassen

2— Bosse
5— 10.0.0000.
10— 20.......
20— 50. ......
50—100. ......
100 und mehr ....

Schrotmühlen

1907 | 1925

0,6
‚8
2,7
5.9

2,9
18,6
34,1
55,9
739
78

1,

Milchzentrifugen

1907 1 1995

1,8
5,0
10,9
22.0
44
50.5

28,7
48,4
56,1
68,8
82,8
ı 7632

Den Anteil der Betriebe mit Maschinenverwendung an der Gesamtzahl
 der land-, forstwirtschaftlichen usw. Betriebe 1907 und 1925*) in
Sachsen zeigt die folgende Tahelle:

Von 100 Betrieben jeder Größenklasse verwandten in Sachsen
Betriebe

Größenklassen nach
ler landwirtschaftlich
benutzten Fläche

na.

Unter2 ........
2— Bee
5—10........
10— 20..... .
20— 50 ...0.0....
50—100 ........
100—200 0.0.0.0...
200 und mehr. ....|]

Dampfipflüre

Motorpflüge


1907 | 1905

19925

= 9,08
2,08 a5
0,4 0,1 11,5
1,1 | 3,0 | 32,9
6,8 6.9 54.0

Hackmaschinen

1907 1995

0,2
0,8
0,8
1,2
5
8
14.1

2.1
1,8
2,1
4,2
21,6
66,5
77,4
934.6

) Vergl. „Wirtschaft und Statistik“, 7, Jahrg., 1927, Heft 5, S. 223,

10
        <pb n="306" />
        Größenklassen nach
ler landwirtschaftlich
benutzten Fläche

Unter2 ......
2— B......
5— 10...
10— 20...
20— 50...
50—100 ..
L00—200 ....
200 und mehr.

Kartoffelpflanzmaschinen
 (einschl.
Pflanzlochmaschinen)


1907 | 1925

9,02
1
„7
46
a

102
301
a1
2
59

KQ

66.
81.2

Kartoffelerntemaschinen


Schrotmühlen
(für den Bedarf der
eigenen Wirtschaft}

1907 * 1925

1907 ! 1925

3
„7
19.4
75
+8
35°6

0,1 _ 0,1
38 0,1 5.9
285 04 16,9
718 12 35.2
92.5 28 56,8
95.4 66 711
96,7 | 10.9 79.9
99.0 98 901

Wenn die Investition verhältnismäßig kurzlebiger Maschinenarten,
 wie der eben genannten, in so außerordentlichem Umfange ge-Stiegen
 ist und — womit gerade in der jetzt bevorstehenden Zeit ver-Stärkter
 Mechanisierung der Landwirtschaft mit Sicherheit gerechnet
werden kann — auch weiterhin steigen wird, wird auch in verhältnismäßig
 kurzer Zeit der aus dieser Quelle stammende Schrottentfall eine
Starke Steigerung aufweisen.
Die nachstehenden Zahlenangaben beziehen sich auf die Lebensdauer
 von Anlagen in Maschinenfabriken und dienen seit
Jahren als Grundlage für Berechnung der Abschreibungen, die der
Selbstkostenberechnung und richtigen Erfolgrechnung nach den Erfahrungen
 des Vereins Deutscher Maschinenbau-Anstalten zugrunde zu
legen sind. Betont sei ausdrücklich, daß die freiwilligen oder Finanzabschreibungen,
 die vielfach zur Bildung stiller Reserven dienen, hiervon
 unabhängig sind. Vorausgesetzt ist, daß die Anlagen mit der
übliehen Sorgfalt instandgehalten werden.

Anlagen

Sebrikgebäude, MassiV ......0+ W004
Sießereigebäude. ........000000 0 LEN KH
Dampfkessel mit Rohrleitungen, Überhitzer, Vorwärmer, Wasserreinigung
 USW. .....00.07 4 . 8 HERMEMLHG
Dampfimaschinen. . +. ....000404 4 0014ER
Gasmaschinen, Dieselmotoren, sonstige Verbrennungsmotoren , ....
Wasserkraftmotoren (Turbinen und Wasserräder) .............
Vorgelege KANNE RN RK
Gas- und Wasserleitungen (sofern keine häufigen Änderungen vorkommen)
 . 0. N
Heizanlagen RER
Fickteische Möschiien ar rs ET TTITTLEEETTN
Feldbahnen einschl. Lokomotiven ......0.0000000000 000004
Gleise, Weichen, Drehscheiben ......- Ve
Bisenbahnen im Privatbetriebe . .....0..0040000000000 00004
Krane, Hebezeuge, Aufzüge, Seilbahnen, Bekohlungsanlagen. .....

Benutzungsdauer
 bei
Tagbetrieb
‚Tahre

50—25
295— 90

20—10
25—10
20—10
17—12
20—10

20—10
25—10
14— 8
25— 5
25—10
25—10
15—10

|.

1
        <pb n="307" />
        Anlagen

pen, Ventiletoren TOT
Werkzeugmaschinen: a) Automaten und Präzisionsmaschinen ....
b) gewöhnliche Werkzeugmaschinen .. ...
Jeräte und Handwerkszeug!) . .. 00
Hochöfen, Kupolöfen ... 0.0.0000
Martin-Öfen und andere gemauerte Öfen. .......

Benutzungs:
dauer bei
Tagbetrieb
Jahre

20—10
L0— 6
L4—10
4— 2
14—10
5— 8

Für Automobile rechnet das Finanzamt Berlin — unseres Erachtens
 etwas reichlich —- mit einer Lebensdauer von 5 bis 10 Jahren.
Nach den Zahlenangaben in einem Bulletin der Cleveland Trust Co.
ist die nachfolgende Übersicht über den Verkauf neuer Automobile und
die Verschrottung alter berechnet worden:

wurden
einge-Im
 Jahre schrottet
“90 Stück!

wurden neue Im
Automobile |Durchschnitt |
verkauft von je
1000 Stück 3 Jahren

15
16
617
918
919
920
921
‚922
1923
„924
‚925
99286

747
ik6 1373
176 L591
248 815
847 1520
16 1653
572 1446
766 2280
1120 3446
419 2994 |
1755 .| 3485 |
2180 8596

L915—17
1916—18
1917—19
.918—20
„919—21
‚920—22
.921—283
„922—24
1923—25
1924— -26

wurden Im
einge- ‘Durchschnitt |
schrottet ] von je
‘900 Stiel! 8 Jahren

kr

1
245
325

.915—17
1916—18
1917—19
1918—20
L919—21
‚920—22

2
„41

waren
verkauft
‚worden
1000 Stück

237
‚260
‚309
‚329
‚540
1776

Der Verkauf neuer Automobile hatte in 5 Jahren, von 1915/17 bis
1920/22 eine Steigerung von 44% erfahren. 1924/26 wurden etwa ebensoviel
 Automobile (1,77 Millionen Stück) verschrottet, wie 1920/22 verkauft
 worden waren (1,78 Millionen Stück). Fünf Jahre vorher waren
aber nur 435 000 Stück verschrottet worden, d. h. von 1919/21 bis
1924/26 stieg die Zahl der verschrotteten Automobile um über 300%!
Wenn aber das Tempo der Verschrottung rascher wird als das Tempo
der Neubauten in der Vergangenheit ist, so zeigt dies eine Verkürzung
der Lebensdauer an. Ohne nun schematisch die amerikanischen Verhältnisse
 auf Deutschland übertragen zu wollen, kann man bei der internationalen
 Verknüpfung der Automobilinduetrie doch annehmen, daß die
gleiche Tendenz einer Lebensverkürzung auch außerhalb der Vereinigten
 Staaten vorhanden ist.

?) Teilweise ist die Lebensdauer so niedrig, daß diese Geräte unter Unkosten
verrechnet werden müssen.

‘1
        <pb n="308" />
        Gerade in Zeiten besonders intensiver Rationalisierung,
wie der Gegenwart und der Zukunft, ist die Lebensdauer von Maschinen,
überhaupt die Lebensdauer der gesamten technischen Ausrüstung der
Produktion einschließlich Hallen, Fördermittel usw. kurz. Dies
zeigen auch die Abschreibungssätze der Bilanzen. Es kommt vor, daß
lie Abschreibung der Neuanlagen auf wenige Jahre verteilt werden muß.
Fabriken in Amerika, die nach der Ford-Methode arbeiten, haben eine
vesonders große Abschreibungsquote. Eine verhältnismäßig geringe
Änderung im Produktionsgang läßt unter Umständen einen außerordentlich
 großen Teil des bisher verwandten Maschinenparkes „veralten“.
Die Standardisierung eines Maschinentyps ist nach Ansicht des
Unterzeichneten nicht, wie in Gutachten 2 der Eisenindustrie vermutet
wird*), ein Hinderungsgrund für eine Überholung dieses Typs durch
einen anderen. Es ist zwar in der Eisenindustrie möglich, nur
die genormten Typen zu produzieren, da hier alle Produzenten straffen
Kartellen angehören. Nicht aber kann in der eisenverarbeitenlen
 Industrie verhindert werden, daß fortgesetzt neue Kon-3atruktionen
 die alten verdrängen. Im Gegensatz zu dem Gutachten
 2 der Eisenindustrie ist der Unterzeichnete der Auffassung, daß
ler verschärfte Konkurrenzkampf im Inland und auf dem Weltmarkt
Sowie die rapide Entwicklung der Technik gerade in der weiteren Zukunft
 alle Unternehmer, die konkurrenzfähig bleiben wollen, zu noch
weit schnellerer, häufigerer Erneuerung ihres Maschinenparkes zwingt
als in der Vergangenheit. In Übereinstimmung hiermit führte der Geschäftsführer
 des amerikanischen Werkzeugmaschinen-Verbandes, Du
Brul, kürzlich”) aus, daß die Verbraucher dieser Maschinen vielfach
Wert darauf legten, sie schon in weniger als einem Jahre voll amortisieren
 zu können! Manche Verbraucher weigern sich, Maschinen zu
kaufen, deren Preis keine so rasche Amortisation erlaubt.
Fast alle Konsumartikel aus Eisen haben eine besonders kurze
Lebensdauer, da es sich meist um Kleineisenzeug handelt, das im Verhältnis
 zur Masse große Oberfläche besitzt und entsprechend stark der
Abnutzung ausgesetzt ist.
Nach den bisherigen Darlegungen ergibt sich: Der größere Teil
der Eiseninvestitionen hat von sich aus eine kurze Lebensdauer (unter
25 Jahren).
‚Offensichtlich ist aber infolge Krieg, Inflation, Stabilisierung, sowie
infolge von Veränderungen im Eisenverbrauch die tatsächliche Lebenslauer
 des Eisens neuerdings von der bei normaler Entwicklung des
Wirtschaftslebens üblichen Lebensdauer stark abgewichen. Wie
Wirkten die genannten Störungen auf das durchschnittliche Lebensalter
des investierten Eisens ein?
‚Im Sinne der vorliegenden Ausführungen gelten die KEisen-Investitionen
 erst als „vernichtet“, beendigen sie ihr „Leben“, wenn sie
als Schrott am Markt erscheinen. Wenn auch der Gebrauchswert der
für Heereszwecke erfolgten Kriegsinvestitionen (an Munition und Ge-1)

 siehe S. 297.
2) Vol. Iron Age, Bd. 119, Nr. 9 v. 3. II. 27.

313
        <pb n="309" />
        räten, Schiffen usw.) mit Kriegsende größtenteils bereits vernichtet war,
so erschienen sie doch erst nach und nach in den folgenden. Jahren als
Schrott. In der Nachkriegszeit stammte also der Altschrottentfall nicht
nur aus der Investitionsperiode, die bei gleichmäßig fortschreitender
Wirtschaftsentwicklung im Gegenwartsaltschrottentfall zugrunde liegt,
sondern teilweise aus einer nur wenige Jahre zurückliegenden Investitionsperiode.
 Um dieses Alteisen, das also nur eine sehr kurze
Lebensdauer gehabt hat, erhöhte sich der Schrottentfall der Nachkriegszeit.
 1922 dürfte diese Schrottauelle aber endgültig erschöpft gewesen
sein. Der in der Inflationszeit erfolgte Um- und Ausbau des Produktionsapparates
 brachte ferner einen starken Schrottentfall aus den
erneuten Produktionsanlagen, deren Ausbesserung kriegsüber stark verıachlässigt
 worden war.
Während der Inflationszeit wurden bekanntermaßen in
jeder Beziehung große Investitionen in jedem Betrieb vorgenommen.
Diese Neuanlagen erfolgten aber vielfach nicht nach wirtschaftlichen
Gesichtspunkten. Eine streng rationelle Erneuerung der industriellen
Anlagen war unmöglich, da eine exakte Selbstkostenrechnung durch die
fortschreitende Geldentwertung verhindert wurde. Die Investitionen der
[nflationszeit bestanden also teilweise in allzu großen Erweiterungen
der Werke, teilweise in der Aufstellung von Maschinen und anderen Anlagen,
 deren Betrieb sich später aus wirtschaftlichen Gründen nicht aufsechterhalten
 ließ. .
Die Rationalisierung nach der Inflationsperiode
 bedeutete also den Ersatz einerseits alter, unmoderner Anlagen
 durch neue, andererseits die „Verschrottung‘“ der übersetzten
Anlagen sowie der nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten vorgenommenen
 Um- und Ausbauten der Inflationszeit.
Der bereits hinter uns liegende Teil der Rationalisierungsperiode
stand stärker im Zeichen des Ab baues als des Um baues. Der Verschrottung
 fielen anheim vor allem die übersetzten Anlagen. Die
Rationalisierung der übrigbleibenden Anlagen, ihr Ersatz durch die
technisch besten Anlagen ist dagegen noch nicht voll durchgeführt, sie
wird schon aus Kapitalgründen zum großen Teil erst in Zukunft er-‚olgen
 können und im Sinne einer Verkürzung der Lebensdauer
les Eisens wirken, das nunmehr, nachdem die Übersetzungen beseitigt
sind, im Produktionsapparat noch vorhanden ist.
Die Rationalisierung ist im übrigen nicht nur ein konjunktureller,
vorübergehender Prozeß. Das letztere gilt wohl für die besondere
 Notwendigkeit zur Rationalisierung in der Nachinflationszeit,
nicht aber später. Später wird allgemein die Tendenz der Verkürzung
der Umschlagperiode des Kapitals auf die Kapitalgüter aus Eisen — infolge
 verstärkter Aus- und Abnutzung — weiter lebensverkürzend einwirken.

Nach Gutachten 2 der Eisenindustrie?) ist die Lebensdauer des von
ler Eisenbahn verwandten Eisens besonders gestiegen. Dazu ist folzendes
 festzustellen: Der Eisenbahnschrott macht zweifellog einen
N Siehe S. 297,

114
        <pb n="310" />
        großen Teil des gesamten Altschrotts aus. 1908 bis 1913 z. B. betrug
der deutsche Gesamtaltschrottverbrauch etwa 0,9 Millionen Tonnen im
Jahresdurchschnitt (vgl. Berechnung auf S. 325). 1905 bis 1913 aber
stellten sich die jährlichen Alteisenverkäufe der preußisch-hessischen
Eisenbahnverwaltung auf jährlich rund 300 000 t*).
Wenn auch für den Eisenbahnschrott zutrifft, daß er jetzt nach
längerer Liegedauer als früher entfällt, so haben gerade die in und nach
dem Kriege „notwendig gewordenen Ersparnismaßnahmen“, die nach
Gutachten 2 der Eisenindustrie?) allgemein die Lebensdauer des verwendeten
 Eisens erheblich verlängert haben, zur Folge, daß in den
allernächsten Jahren mit einem ganz besonders starken
Schrottentfall seitens der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft zu rechnen
ist. In dem oben zitierten Bericht des Reicheverkehrsministers heißt, es
bezüglich des Oberbaus wie folgt®):
„Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft hat die baulichen Anlagen
 der Reichsbahnen im Oktober 1924 in einem Zustande übernommen,
 der wegen der Schwierigkeit während des Krieges und in
den ersten Nachkriegsjahren, die Unterhaltung und Erneuerung in
ausreichendem Maße durchzuführen. nicht auf der Höhe der Vorkriegszeit
 stand.
In dem eigentlichen Bahnkörper waren es besonders der Öberbau
 und die größeren Brücken, die man g el s ausreichender Pflege
and Erneuerung gelitten hatten .....
„+. In dem letzten Jahrzehnt der Vorkriegszeit, also in den
Jahren 1905 bis 1914, wurden jährlich etwa 5,3% der durchgehenjen
 Hauptgleise vollständig erneuert. Diese Maßnahme wird
technisch mit ‚Umbau im Zusammenhang‘ bezeichnet; ihr steht die
gewöhnliche Unterhaltung in Gestalt von Ausbesserungen und SOzenannter
 Einzelauswechslung schadhafter Teile gegenüber.
Der Prozentsatz 5.3 für die Gleiserneuerung im Zusammenhang
 konnte nun während des Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren
 nicht innegehalten werden, er sank vielmehr auf 2,75
herab.... Folge war, daß die Erneuerung des Oberbaues im
Zusammenhang Ende 1924 mit rund 9600 km in Rückstand gekommen
 war .... Durch verbesserte Unterhaltung in Gestalt
verstärkter Einzelauswechslung der Schienen und des Kleineisenzeugs
 und durch Vermehrung der Schwellen und durch die Fortschritte
 der Unterhaltungstechnik ist... eine den Anforderungen des
Betriebes durchaus genügende Tragfähigkeit hergestellt und, soweit
Hauptverkehrslinien in Betracht kommen, sogar der Zustand erreicht
 worden, daß die Fahrgeschwindigkeit von Schnell- und Personenzügen
 wieder erhöht und stellenweise auf das Maß der Vorkriegszeit
 gesteigert werden konnte.
Angesichts der... . Rückstände in der Gleiserneuerung steht

9 Künzer, „Entwicklung der deutschen Stahlindustrie mit besonderer Berück-Sichtigung
 der Martin-Stahl-Erzeugung und des Schrottes, Neunkirchen, 1913,“
) Siehe S. 296.
3) A.a. O0. S. 281/2.

Yan
        <pb n="311" />
        aun die Oberbauwirtschaft der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft
 in Abweichung von der Vorkriegszeit für eine gewisse
Reihe von Jahren in der Gleiserneuerung vor 2 Aufgaben, und zwar
a) normale jährliche Gleiserneuerung nach einem von der ZUlässigen
 Liegedauer abhängigen Prozentsatz;
&amp;gt;) darüber hinaus: Aufarbeitung der Rückstände.
Hinsichtlich der normalen Gleiserneuerung hat
sich die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft als Norm gesetzt, jährlich
 4% der durchgehenden Heise mit vollständig neuem Material
umzubauen. Eine Beschränkung auf 4% gegenüber dem Satz von
59 in der Vorkriegszeit konnte vorgenommen werden, weil einmal
lie verbesserten Oberbaukonstruktionen und Unterhaltungsmethoden
sine entsprechend längere Liegedauer des ÖOberbaus in den Hauptgleisen
 unbedenklich zulassen und weil andererseits in der Vorkriegszeit
 in großem Umfange eine vorzeitliche Erneuerung
der Gleise lediglich zu dem Zwecke erfolgt ist, um für die damals
noch jährlich in großer Zahl zur Ausführung kommenden Nebenbahnen
 und Gleiserweiterungen auf den Bahnhöfen, in die neues
Material nur in beschränktem Umfange eingebaut wurde, genügend
rauchbares Material zu gewinnen. Dieses Moment fällt heute, wo
auf dem Gebiete des Baues neuer Bahnen und der Bahnhofserweiterungen
 bis auf weiteres äußerste Zurückhaltung geübt werden
muß, fort. .
Die Aufarbeitung der Rückstände von 9600 km ist bis Ende
des Jahres 1925 noch nicht in Angriff genommen. — Vorläufig hat
die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft: einen Zeitraum von sechs
Jahren für diese Aufarbeitung vorgesehen. — Für das Geschäftsjahr
 1926 konnte jedenfalls über die normale Erneuerung von.
3000 km hinaus eine Aufarbeitung von Resten nur im Umfange
von 500 km vorgesehen werden.“
Die hiernach. beabsichtigten Erneuerungsarbeiten werden auch
äinen großen Ausstoß von Schrott herbeiführen, da es sich größtenteils
ım überaltertes, nicht mehr verwendbares Material handelt. Welche
Mengen neu investiert werden sollen, zeigt folgende Übersicht‘):

Materialverwendung der Reichsbahn-Gesellschaft.

Zeitraum

Schienen [Kieineisen| Weichen | Fisem

|
‚ Zusammen

» 100 Tannan

Neue Grenzen 19183 ....
1925 2000
Voranschlag 1926 .....
Voraussichtliches Ergebnis
1926 1 ..0.0.0.0.0.040.00.
Voranschlag 1927 .. |

120,5
1293
158,0
408,5 | 178,0 |
405.0 178.0

269,0
291,8
380.0

40,6
62.4
66,0
66,5 |
67.0

161,7
207,0
316.0

807,6 |
381.0

591,8
690,5
915,0
955,6
981.0

!) Reichstagsdrucksache, II, Wahlperiode, Nr. 2821, 8. 231, Voranschlag der
Materialverwendung, berichtigt nach Nr. 29092.

}

f
1
        <pb n="312" />
        1926 ist der Voranschlag überstiegen worden. Solange die obenerwähnten
 Rückstände abzuarbeiten sind, 'd. h. mindestens in den
nächsten fünf Jahren bis 1931, ist jedenfalls gerade infolge der
Sparsamkeits maßnahmen, zu denen wir in den letzten Jahren gezwungen
 waren, mit besonders großem Schrottausstoß seitens der
Reichsbahn zu rechnen.

Vor dem Kriege, 1905 bis 1913, belief sich der Verkauf der
preußisch-hessischen Eisenbahnverwaltung von Alteisen auf 300 000 t
jährlich und bestand etwa zu zwei. Drittel aus effektivem Schrott nach
folgender Berechnung‘?):

Insgesamt | Davon Schrott
1000 Pannen

Schienen, unbrauchbar ......
Eiserne Schwellen. .,.....
Kleineisen, Weichen .......
Eisen- und Blechschrott .....
Dreh- und Bohrspäne. ......
Jußschrott ....... .
Stahlschrott. .......
Zusammen ... | 300 | etwa 200

1909 bis 1913 wurden jährlich etwa 500 000 t neu investiert, gleichzeitig
 entfielen etwa 200 000 t Schrott, das sind 40 °/ der Neuinvestition.
Jetzt muß mit einer Neuinvestition von etwa dem doppelten Vorkriegsumfang,
 d. h. von 0,9 bis 1 Million Tonnen jährlich gerechnet
werden. Da es sich nach Angabe der Reichsbahn um besonders erheuerungsbedürftige
 Teile handelt, wird gleichzeitig verhältnismäßig
mehr Schrott entfallen als vor dem Kriege. Weniger auszebautes
 Material wird noch als Nutzeisen Verwendung finden können.
Wenn aber der Bahnschrott, der vor dem Kriege etwa 3°, des Gesamtverbrauchs
 stellte (200000 t von über 6 Millionen Tonnen), jetzt
Mengen von 500000 bis 600 000 t (gleich etwa 50 bis 60%. der Neu-Investition)
 erreichen wird, dann sind damit, bei Annahme eines zu er-Wartenden
 Schrottbedarfs von 6 bis 7 Millionen Tonnen, in den nächsten
Jahren bereits 8 bis 9% des Bedarfs gedeckt.
Schließlich sei noch darauf hingewiesen, wie eine stärkere Durchsetzung
 des Konsums mit Eisengütern auf die durchschnittliche
 Lebensdauer des in der Wirtschaft befindlichen Eisens wirkt.
__ Für eine solche verstärkte Durchsetzung liegen noch außerordentliche
 Möglichkeiten vor, deren Ausnutzung erst in den Anfängen steckt.
Der Gesamt verbrauch der Wirtschaft an Eisen und Stahl betrug
laut folgender Tabelle in Deutschland und den Vereinigten Staaten:

N  —

9) Vgl. K. Klinger, „Schrotthandel und Schrottverwendung“, Berlin, Julius
Springer, 1924, S. 54.

7.

3
        <pb n="313" />
        Produktion!) | na an | . Kisen- Verbrauch je
Eisen u. Stahl verbrauch Kopf
in M')l:1-4-- Tanpen kg
N tschld.1 %*, tsch)- a tschld. [V. St
1918 ..1 227 £&amp;amp; ,1 60 |: a "7,21 249 3
1924 ,.| 11,2 |48,0| 05 | 15 62,7 ‚u11,2{ 178 | 376
1925 , :] 14,3 ] 430 2,1 0,9] 1%, | 4, 62,6 112! 198 487
Eine Hebung des deutschen Gesamteisenverbrauchs auf amerikanischen
 Stand ist aber vor allem durch eine Steigerung des Eisenverbrauchs
 des letzten Konsumenten möglich. In den Vereinigten Staaten
werden in besonderen Instituten Untersuchungen über den Ersatz bisher
aus Holz und anderen Nichteisenstoffen gefertigter Waren. durch Eisen
angestellt. Nach den Ergebnissen dieser Untersuchungen wird diesen
neuen Gebrauchsgegenständen aus Eisen dann die zweckmäßigste Form
gegeben, und sie werden so in den Massenkonsum eingeführt.
Außer der bereits erwähnten Industrialisierung der Landwirtschaft
 zeigt die verschieden starke Verbreitung des Automobils in den
beiden Ländern an, welche Möglichkeiten hier vorliegen:
Zahl der Automobile (1000 Stück)

Jahr

Yersonenkraftwagen| Lastkraftwagen | Zusammen a
Lt —Z DL | entfallen Einwohn
Dischld. ' V. St. | Dtschld.| V. St. |Ditschld.! V. St. !Ditschld.] V. St.

{914 ... 55 =. 8 — 63 — — —
1924 .. | 132 | 18.465 | 61 | 1628 193 | 15.008 | 321 | 7
1925 ... 176 15 598 80 2148 256 17 741 244 6
Je mehr nun Eisen im Konsum direkt, verbraucht wird, um so größer
wird der Anteil derjenigen Eisengüter, die rasch verbraucht werden
Denn alle Konsum güter aus Eisen nutzen sich rasch ab.
Von 1913 bis 1925 hat nicht nur der Gesamtschrottverbrauch im
Verhältnis zur Stahlerzeugung zugenommen, es ist auch eine bemerkenswerte
 Verschiebung im Anteil des Altschrottentfalls am Gesamtschrott
entfall eingetreten. Der Gesamtschrottverbrauch verteilt sich auf Neu
und Altschrott wie folet:

1918 | 1926
N —— inMillLt! vH. |inMillt| vH.
Gesamtschrottverbrauch ..... 6,8 100 | 66 [| 100
Neuschrottverbrauch .,..... | 5,6 82 | 8,6 ‚55
Altschrottverbrauch . ....... 1.2 18 3.0 45
Diese Entwicklung zeigt an, daß die Wachstumstendenz des AltsSchrottentfalls
 fast dreimal so stark war wie dieienige des
Gesamtschrottverbrauchs.
Wie bereits erwähnt wurde, ist der tatsächliche Entfall von Altschrott
 in den letzten beiden Jahren (1924 und 1925) dadurch etwas
größer gewesen als der normalen Investitionsperiode entsprochen hätte,
weil Kriegs- und Inflationsschrott dazugekommen war. Die Kurve des
Schrottverbrauchs verlief wie folgt:
?) Gießereiroheisen + Hämatit -- Rohstahl.
318
        <pb n="314" />
        Schrottverbrauch in Mill. t.

Mill.E
Br

Mil

f

Gesamt- |
Schroftverbrauch

f

A
Altschroftverbrauch

nn

|LL BL
„41908 09 70 VA 72 17973 7920 71922 23 Z2# W025, y
60 "7 60
N TAT
ANItSCHroHverBrauch

50

in vH des
Gesamt verbrauchs

4

SO

40

UL)

30

r

30

20;

&amp;gt;M

I

10

LU A bee ki limit
7908 09 10 211 72 179738 7820 1922 23  Z# 179285
Die genaue Berechnung der Kurve befindet sich im Anhang‘).
') Siehe S. 395.

zı Enq.-Aussch, IM. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind,

115
        <pb n="315" />
        1923 wies der Altschrottverbrauch einen Tiefstand auf. Nach vorstehenden
 Ausführungen‘) war 1923 der Kriegsschrott, welcher
vorübergehend den Gesamtaltschrottentfall erhöht hatte, erschöpft. Die
Reichsbahn”), eine der wichtigsten Schrottlieferanten, nahm 1923
keine Erneuerung ihres Oberbaus vor. Die von hier herrührende Minderung
 des Schrottentfalls wurde zweifellos nur zum kleinsten Teil durch
den Schrottentfall auf Grund der Inflationsneubauten. ausgeglichen,
 vor allem, weil der im besetzten Ruhrgebiet entfallende Altschrott
 dort liegen blieb. Die Steigerung des Schrottentfalls in den nächsten
 beiden Jahren war — teils infolge Verbrauchs dieses Ruhrschrotts?)
und vor allem teils infolge Anfalls von Rationalisierungsschrott —
wahrscheinlich etwas stärker, als sie normalerweise, d.h. ohne den be -
sonderen Zwang zur Rationalisierung, gewesen wäre. In den kommenden
 Jahren ist aber einerseits wegen Fortsetzung der Rationalisierung,
 andererseits wegen des von der Reichsbahn herrührenden verstärkten
 Schrottentfalls, kein Rückgang des Gesamtschrottentfalls zu
erwarten.

Wenn der Schrottentfall der Reichsbahn wieder nachläßt, d. h. nach
etwa fünf Jahren, kommen bei Annahme einer 20jährigen Lebensdauer
des Eisens wesentlich höhere Altschrottmengen zum Ausstoß, weil die
Investitionen von. 1907 bis 1912 um über 30% gestiegen waren. Auch
dann ist also noch keine Verringerung des Altschrottentfalls zu erwarten.
 Bei Annahme einer 25jährigen Lebensdauer wären dann die
nach den entsprechenden Investitionen in. der Vergangenheit zu erwartenden
 Altschrottmengen sogar 70% höher. Um den gleichen
Prozentsatz wie der nach den Investitionen zu erwartende Altschrottentfall
 müßte aber die Eisenerzeugung in fünf Jahren steigen, wenn das
Verhältnis zwischen Gesamteisenproduktion und Gesamtschrottentfall
gleichbleiben soll. Denn der Neuschrottentfall vermehrt sich als
Funktion der Eisenerzeugung in gleichem Maße wie diese; wenn z. B.
die Eisenerzeugung bis 1932 um 20% steigt, so vermehrt. sich auch der
Neuschrottentfall um 20%; der Altschrottentfall dürfte ebenfalls nicht
mehr als 20% zunehmen, wenn das Verhältnis zwischen dem Gesamtschrottentfall
 und Eisenproduktion das gleiche bleiben zoll wie 1927.

Im Gutachten 2 der Eisenindustrie wird mit einem besonders großen
Schrottbedarfs der Zukunft gerechnet‘). Die monatlichen Produktionszahlen
 des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller
machen eher das Gegenteil wahrscheinlich. Die Erzeugung an Th-Blöcken
 (Stahlerzeugung aus Roheisen, d.h. aus Erz) und an SM-Blöcken
 (Stahlerzeugung unter Verwendung von Schrott) verlief in folgender
 Kurve:

1) Siehe S. 814.
?) Siehe S. 807.
3) Val. auch die sehr viel stärkere Erzeugung von SM-Rohblöcken als Th-Blöcken
auf nachfolgender Kurve Anfang 1924.
*) 5.299: „..... jedenfalls bleibt ein hoher Schrottbedarf, ja, er dürfte sicherlich
noch erheblich wachsen“.

jZU
        <pb n="316" />
        Deutsche Stahlerzeugung 1924 bis 1926.

{n Taus. €
7300
ra
77001
1000\—-200\-


 L

707

De

*

500

b—

Ef y

3:

200

YAAUC-,

Fy

A

mt - Rohsiahlerzeuer
ALL

2BBIOCKEe

in Taus. 6
7300
7200
7700
7000

200

800

4700

1500

500

100

70

Mi
1926 IF
Z927

Die Gesamtrohstahlproduktion war Ende 1926 und Anfang 1927
höher als Anfang 1925. Die SM-Produktion war dabei nur etwa ebenso
hoch wie 1925, die Th-Produktion dagegen hat um so stärker zu-Senommen.
 Dies dürfte im Zusammenhang stehen mit den verstärkten
Erzbezügen Ende 1926.

Auf lange Sicht dürfte der Minettebezug noch zunehmen, da er
durch Frachtermäßigungen neuerdings erleichtert ist, d. h. auf lange
Sicht dürfte die Stahlgewinnung aus Erz gegenüber derjenigen aus
Schrott an Bedeutung gewinnen. Hierauf ist es auch zurückzuführen,
daß trotz relativ hoher Stahlproduktion Februar 1927 die Schrottpreise
SO schwach lagen. Die Erzeinfuhr Deutschlands entwickelte sich
Wie folgt:

21m

373
        <pb n="317" />
        Monatsdurchschnitt
bzw. Monat

1925 2
1. Halbjahr 1928 ......
3, Vierteljahr 1926, ....
Uktober 1926. .......
November 1926 ......
Dezember!) 1926......
Januar 1927 ........
Februar 1927. .......

. "Davon aus den Minette-Tentschlande
 Przeinfuhr | ländern: Frankreich, Loth-8
 ' ringen, Luxemburg
in 10080 Tav im am

362
660
804
1053
904
1220
1166
1310

7)
AR
143
156
143
225
249
052

‘) Da ein Teil der im Dezember nachgewiesenen Einfuhr faktisch schon im
November hereinkam, liegt der Beginn des verstärkten Minettebezuges etwas früher.

3977
        <pb n="318" />
        Statistischer Anhang.
Gutachten 2 der Herren Dr. Buchmann, Geh. Rat Prof. Ma -
thesius, Dr. Petersen und Dr. Reichert greift die Methoden
der Berechnung der deutschen Eiseninvestition, die in dem Gutachten
des Unterzeichneten angewandt waren, wie folgt an:
Die Schweißeisenerzeugung sei nicht berücksichtigt, infolgedessen erscheine
die Eiseninvestition in den zurückliegenden Jahren zu hoch.
Eine Berechnung der Eiseninvestition auf Grund der Gießereiroheisen- und
Flußstahlerzeugung sei wegen Nichtberücksichtigung der Abfallmengen nicht
möglich. Die Berechnung der Eiseninvestition müsse von den Fertigerzeugnissen
 ausgehen.
Die tatsächliche Höhe der Investition ließe sich überhaupt nicht statistisch
genau erfassen.
‚In dem Gutachten des Unterzeichneten handelt es sich lediglich
 darum, einen groben Überschlag der Aussichten des Schrottentfalls
zu geben, d. h. lediglich auf die dem Schrottentfall auf Grund der
früheren Investitionen innewohnende steigende Tendenz hinzuweisen.
Selbstverständlich ist eine wesentlich genauere Schätzung. der Investitionen
 möglich. Aus der Tabelle „Berechnung der Eiseninvestition“
sind die Einzelheiten zu entnehmen, auf welchem Wege dies nunmehr
versucht ist, und zwar sowohl unter Berücksichtigung der Schweißeisenerzeugung
 wie der Abstellung auf Fertigprodukte.
Abweichend von der Tabelle zu Gutachten 2, „Berichtigung der
Langeschen Schätzung der deutschen Eiseninvestition“, wurde bei
der Errechnung der Gesamtproduktion auch die Erzeugung der Schweißeisen-Fertigerzeugnisse
 berücksichtigt, die in Gutachten 2 offenbar versehentlich
 ausgelassen worden war, ferner die Gußwaren erster Schmelzung,
 die nicht in den Gußwaren zweiter Schmelzung enthalten sind.
Die Produktion von Stahlguß ist nicht berücksichtigt worden, obwohl
sie eigentlich hineingehört, weil hierfür keine Zahlen für den ganzen
Zeitraum vorlagen. Dadurch erscheint die Investition etwas zu klein;
jedoch dürfte der Fehler keine wesentliche Änderung der Steigerung der
Investition herbeiführen. Ferner wird bei der Berechnung der Investitionen
 der Ausfuhrüberschuß getrennt in Ausfuhrüberschuß von
Großeisenerzeugnissen ohne Roheisen und Halbzeug (beide sind in der
Produktion ebenfalls nicht enthalten) und in Ausfuhrüberschuß von
Eisen-Fertigprodukten. Der Ausfuhrüberschuß von Großeisenerzeugnissen
 ohne Roheisen und Halbzeug, der im wesentlichen aus Produkten
 gleicher Art wie Gießereierzeugnisse und Walzwerkserzeugnisse
besteht, ist von der Gesamtproduktion der Gießereien und Walzwerke
abgesetzt. Dazu werden 10% des Inlandsverbrauchs an Halbzeug gezählt,
 da schätzungsweise dieser Teil des inländischen Halbzeugverbrauchs
 direkt in Form von Wellen, Schmiedestücken usw. in den
Verbrauch übergeht und investiert wird. Der so erhaltene Gesamtinlandsverbrauch
 wird in Form von Fertigprodukten sowohl im In- wie
im Auslande investiert. Daher muß außer dem 10prozentigen Abfall
von dem oben berechneten Inlandsverbrauch der Fertigwarenausfuhrüberschuß
 abgerechnet werden, um die Inlandsinvestition zu erhalten.
3773
        <pb n="319" />
        Zur Berechnung der Eiseninvestition im heutigen Reichsgebiet sind
als Unterlagen wohl Produktionsangaben für das heutige Gebiet vorhanden,
 nicht aber Außenhandelsziffern. Um den Außenhandel der
Vorkriegszeit auf das heutige Reichsgebiet zurückzurechnen, wurde. der
Außenhandel des alten Reichsgebietes vor allem nach den Angaben der
Verkehrsstatistik berichtigt. Für die Berechnung des Außenhandels
von Luxemburg mit dem Ausland 1913 wurden Angaben der Bulletins
des Comit6s des Forges de France benutzt!). Für die Errechnung des
Außenhandels Ost-Oberschlesiens mit dem jetzigen Reichsgebiet wurde
der Eisenbahngüterverkehr des Verkehrsbezirks Oppeln mit dem jetzigen
Reichsgebiet zugrunde gelegt. Dabei wurde der Verkehr mit Ost-Oberschlesien
 in der Weise geschätzt, daß die Ein- und Ausfuhrmengen entsprechend
 dem in Ost-Oberschlesien verlorengegangenen Teil der gesamten
 schlesischen eisenschaffenden und eisenverarbeitenden Industrie
gewichtet wurden. Danach ergibt sich folgende Tabelle:
Berechnung des Außenhandels mit Eisenerzeugnissen
im Jahre 1913 für das heutige Gebiet des
Deutschen Reiches?)

In Tonnen

Großeisen

| Halbzeus

‚ Fertigwaren

Einfuhr:
Gesamteinfuhr des früheren Gebiets ....
minus Einfuhr der abgetretenen Gebiete
aus dem früheren Ausland. ... ,

149 375

10 992

106 128

9213 ' 1967 11 868
140 162 | 9025 | 94 265
2 369 658 690 622 124 306
2509820 | 699647 | 218571

plus Einfuhr des jetzigen Gebiets aus den
abgetretenen Gebieten ...........
Gesamtausfuhr des jetzigen Gebiets ‚...
Ausfuhr:
Gesamtausfuhr des früheren Gebiets...
minus Ausfuhr der abgetretenen Gebiete
nach dem früheren Ausland........

4 186 321 700 779 1151 788
1247688 '! 464011 | 1926981
2938638 | 236788 | 1025507
435074 | 57206 | 10201
3378707 | 298974 1 385 708

plus Ausfuhr der jetzigen Gebiete nach
den abgetretenen Gebieten ........
Gesamteinfuhr des jetzigen Gebiets ....

Außenhandelssaldo (+ Ausfuhrüberschuß
 bzw. — HEinfuhrüberschuß) |
für das frühere Gebiet..... |+4036 946 LS
für das jetzige Gebiet. ,.,.. [un 863887 |-— 405 673

HH 045 660
A1117187

') Vgl. P. Berkenkopf: „Die Entwicklung und die Lage der lothringischluxemburgischen
 Großeisenindustrie seit dem Weltkriege“, Jena, Gustav Fischer,
1925, S. 8302 bis 304.
*) Früheres Gebiet, abzüglich Saargebiet, Elsaß-Lothringen, Luxemburg, Westpreußen
 und Westpreußen-Häfen, Posen und etwa 70% von Oberschlesien.

7A
        <pb n="320" />
        Die Berechnung der Zusammensetzung des Gesamtschrottverbrauchs
 seit 1908 aus Alt- und Neuschrott ist folgendermaßen vorgenommen
 worden. Der Neuschrottentfall wurde mit 20 % der Großeısenproduktion
 (Gußwaren erster und zweiter Schmelzung, Stahlformguß,
 Schweißeisen- und Flußeisenfertigerzeugnisse einschließlich Halbzeug)
 in Übereinstimmung mit Gutachten 2 der KEisenindustrie angenommen.
 Von dem durch Abzug des Ausfuhrüberschusses erhaltenen
Gesamtinlandsverbrauch wurden 10% als Abfall bei der Bearbeitung
angesetzt. Durch Subtraktion des so erhaltenen Gesamt-Neuschrottentfalls
 vom statistisch bekannten‘ Gesamtschrottverbrauch wurde der
Altschrottverbrauch berechnet.

Schrottverbrauch (1000 Tonnen).

Jahr

1908
1909
1910
1911
1912
1912

1920
1922
1923
1924
19925

+

Groß-Guß-
 | Neu- eisenwaren-
 schrott (nlandsund
 inner- ver-Walz-
 halb brauch
werks- der (außer
»roduk- HKHisen- |Roheisen
tion!) \ndustri“ und Halb-&amp;gt;
 „1 zeug)

13 805
14487
16 031
16 641
20 316
21 157

2761
2897
1206
3328
4063
49381

3867
3266
0194
0178
3561
2779

9150
13211
7778
11177
12 59°

1830
2642
1555
2239
2518

6 653
10879
7071
9200
10 936

Halb-ZeUg-





2158
23839
2518
2738
2603
2756

L366
1974
1229
1905
29298

Gesamt-,
Inlands-' Davon | Gesamtver-
 10% neubrauch
 Sehrott | schrott

(341/10
von 4‘

Allan EV | (9.1.6

9.082
9 500
0445
1447
br
14 048

908
950
1045
1045
1382
{405

3660
3847
4251
4873
54-5
5626

6790 679
11076 | 1108
7194| 719
9391| 9539
11165! 1117

2500
375)
20
3178
2895

3

Gesamtschrott-



laut
Produktions-



4.224.
4454
4923
5433
6311
6786

5585
7329
1460
5838
6600

10
Alt
schrottver-

 in
Prozent
vom
Gesamtschrott-

 ver.
Omin.7‘' brauch

Altschrott-




555
607
672
L060
866
1150

18,1
18,6
18,7
19,5
18,7
17.0

3076
3579
2186
2650
92965

55,0
48,9
49,0
45,6
45.0

1) Gußwaren 1. und 2. Schmelzung, Stahlformguß, Fertigerzeugnisse aus Flußstahl
und Schweißeisen, Halbzeug

525
        <pb n="321" />
        Berechnung der Eiseninvestition

 (1000 Tonnen).

„1:

fahy

 Produktion | Ausfuhr- Schweißtußwaren
 | Schweiß- | pıyßeisen- an überschuß und Fluß-| Ausfuhr-1.
 und 2, | eisen- Fertig- | Großeisen- an Inlands- | eisen und |überschuß
Schmel- | Fertig- erzeug- erzeug- |Großeisen-| verbrauch | Halbzeug- an
zung OFZEUB- nisse nissen erzeug- Produk- | Halhbzeug
588 Ar nissen "a tion

‚892 | 1045 1279
893 ‚085 1078
1894 1156 1062
1895 1187 993
‚396 1897 | 1111
897 1403 | 1632
898 | 1628 * 077
899 1878 125
900 1847 ns
‚901 1560 |
‚902 1615
‚908 1767
‚904 2C96
‚905 92977
1906 7747 us
1907 2672 320
‚908 | 2430 ng
‚909 | 2456 451
1910 | 2782 436
1911 | 2942 348
1912 | 3557 244
1918 | 3475 ") 218
1918 | 8107 149

1977
282
&amp;gt; 608
2880
2 462
708
7
0
93
a

1201
Box

37098 868
3638 028
3297 1110
4024 215
| 4995 445
|! 5479 ‘ 1853
5078 511
6977 ‘587
6687 605
5452 982
7904 2465
36E7 465
747 498
3098 771
3272 398
851 691
738 616
„132 806
. Cr) 68
30° 10581 3579
3469 13390 | 3986
30939 | 18 567 | 3446
64 | 11912 | 9198

703
757
AD
086
975
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1. 506
109776

41
383
690
A062

Inlands- Gesamt- | Investition PFertigverbrauch
 | inlands- [im In- und | waren- Inlandsın
 Halbzeug! verbrauch '! Ausland Ausfuhr- | investition |
! überschuß

(7 minus ex! we

190 7. 10

826
973
1069
1154
1396
1814 |
„478
565
574 |
782
831
1829 |
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304
535
24.72
2158
1889
2513
2738
2608
2756
2599

3681
3.735
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3313
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6895
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088
953
199
2971 7
9275 858
12285 | 940
12459 | 1044
10948 1117

207
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11 345
11415
9 8243

Jahresmittel
von
je 5 Jahren

1892—1896
'893—1897
°M4—1898
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'6—1900
„.7—1901
°98—1902
.299—1903
'200—1904
901—1905
902—1906
308— 1907
304—1908
305—1909
306—1910
1907—1911
1908— 1912
1909—1913

| Investitior |

3485,2
8791,8
42194
4760,8
5231,2
5308,8
5354,2
5559,8
5617,2
5887,—
3508,6
7212, —
7432,6
7746,4
3051,—
8130,2
8697,6
9499,4

Jahr

1892
1893
1894
895
296
297
398
°99
0

"083
04
205
06
1907
1908
1909
1910
1911
1912
1918
19181)

) Jetziges Gebiet,
) Einfohrübersehuß
) 86% von 11415.

OR

x
        <pb n="322" />
        Gutachten
der Sachverständigen Dr. Buchmann, Geh. Rat
Prof. Mathesius, Dr. Petersen, Dr. Reichert
zur Frage der Schrottpreise in den wichtigsten
Eisenländern.
Eingereicht: April 1927.
Als wichtigste Eisenländer sind in den bisher dem Enquete-Ausschuß
vorgelegten Gutachten regelmäßig neben Deutschland die Vereinigten
Staaten, England, Frankreich, Belgien und Luxemburg behandelt
worden. In dem nachstehenden Gutachten können wohl Belgien und
Luxemburg ausscheiden, weil in diesen beiden Eisenländern die
Siemens-Martin-Stahlerzeugung, bei der der Schrottverbrauch von besonderer
 Bedeutung ist, keine große Rolle spielt. Von der belgischluxemburgischen
 Rohstahlgewinnung in Höhe von 4,6 Millionen Tonnen
im Jahre 1925 entfielen nicht ganz 350 000 t auf Siemens-Martin-Stahl;
für noch nicht 9% der gesamten Rohstahlgewinnung kam also überhaupt
nur ein Schrottverbrauch in Frage; dieser wird sich für Belgien-Luxemburg
 auf etwa 200 000 t gestellt haben.
In den vier Ländern Deutschland, Vereinigte Staaten
von Nordamerika, England und Frankreich entfielen
auf Siemens-Martin-Stahl:
1918 von 68 Mill. Tonnen Rohstahlgewinnung 371/, Mill. Tonnen, also rund 60 v.H.,
1924 ” 65 „ » ” 48 ” nm” om ” 74 „u
1995 75 . 541  &amp;amp; “ TB nn

‚Das Verhältnis von Siemens-Martin-Stahl-Gewinnungzur
 Gewinnung von Thomas-und Bessemer-Stahl
 stellte sich in den einzelnen genannten Ländern wie folgt:
Es betrug die Stahlgewinnung in Mengen zu 1000 t:
= im deutschen Zollgebiet , in Frankreich
m Jahre in U.S. A. jetziger Größe in England (ohne Saargebiet)
Thomas u. Bessemer u. Bessemeru.
S.-M. Bessemer 5.-M. Bessemer S.-M. Thomas SM. Thomas
1913 21945 9698 6500) 5438 6160 21627 1582 8059
1924 32083 5994 5720 4017 7595 524 2231 4598
1925 38643 6832 6921 5188 6820 483 2103 5255
L926 403762) 73872 6785 5452 33362) 1872) 2445 5842

‘) Geschätzt. ?) Vorläufige Zahlen.

329
        <pb n="323" />
        Von den Vereinigten Staaten mit ihrer riesigen Produktion abgesehen,
 ist Deutschland trotz starker Ausbildung des Thomasverfahrens
dasjenige Eisenland, das die stärkste Siemens-Martin-Stahl-Erzeugung
aufweist. Wenn auch der Anteil der Siemens-Martin-Stahl-Gewinnung
zur gesamten deutschen Stahlgewinnung nicht so hoch ist wie bei den
Vereinigten Staaten und England, so läßt sich doch ein Fortschritt
gegenüber der Friedenszeit erkennen. Ebenso ist das wachsende Zurückbleiben
 der Thomas- und der Bessemerstahlgewinnung in Deutschland
zu beobachten. Im Jahre 1913 stand die Siemens-Martin-Stahl-Gewinnung
 etwa 1100 000 £% über der von Thomas- und Bessemerstahl;
in der Nachkriegszeit betrug der Unterschied jedoch 1300000 bis
1800000 t. Nichtdas Thomas-, sondern das Siemens-Martin-Stahl-Verfahren
 steht nach der Erzeuzungsmenge
 betrachtet in Deutschland im Vorderzrund.

Der deutsche Schrottverbrauch wird amtlicherseits
für das Zollgebiet jetzigen Umfangs folgendermaßen angegeben:
Schrottverbrauchin 1000 Tonnen
davon in den
m Jahre insgesamt Stahlwerken!) Hochofenwerken Kisengießereien
1913 ..... . 5572 4531 138 806
1924 . 0.0.0... 5888 4278 722 781
1925 . 6977 5279 637 ; 997
‚926 (Bisher liegen weder amtliche noch sonstige Zahlen vor.)
Während die Siemens-Martin-Stahl-Herstellung im Vergleich von
1925 zu 1913 um etwa 6 % zugenommen hat, ist in denselben Jahren der
Schrottverbrauch in den Stahlwerksbetrieben um 14 % gewachsen. Im
Jahre 1913 kam der Schrottverbrauch in den Stahlwerken etwa 70 %
der Siemens-Martin-Stahl-Gewinnung gleich; in den Nachkriegsjahren
1924 und 1925 ist der Prozentsatz auf 75 bzw. 76 % gestiegen. Daraus
ist zu schließen, daß das Roheisen als Einsatzmaterial früher etwa 30 %
ausmachte, jetzt aber nur etwa 25 %. Der Schro tt als Ein-3satzmititelhat
 demnach im Vergleichzum Roheisen
und Erz in Deutschland eine steigende Bedeutung
erhalten. Jedenfalls kann von einem Rückgang des Schrottverörauchs
 in Deutschland nicht die Rede sein.
Über den Schrottverbrauch der fremden Eisenländer
 liegen leider keine ausreichenden Zahlen vor.
Es ist sicher, daß wegen der starken Eigenversorgungsmöglichkeiten
 mit Eisenerz der Schrott weder in England noch in den Vereinigten.
 Staaten eine ähnlich große Rolle für die Stahlgewinnung spielt wie
in Deutschland. In England stehen bekanntlich die Roheisenpreise dank
den allgemeinen Produktionsbedingungen so günstig, daß die Stahlwerke
meist besser tun, mehr Roheisen als Schrott im „offenen Herdverfahren“
zu verschmelzen. Ähnlich liegen die Dinge in Amerika. Auch dort ist
das Verhältnis des Schrottpreises zum Roheisenpreis für ersteren unzünstig.
 Ferner ist zu berücksichtigen. daß allein die amerikanischen
1) einschl. Stahlgießereien.

12)
        <pb n="324" />
        Eisenbahnen, die ihr Netz ständig erneuern und vergrößern und den
sechsfachen Umfang des deutschen Bahnnetzes übersteigen, gewaltige
Schrottmengen liefern. Dazu kommt der Schrottentfall aus dem Abbruch
 von Häusern und Fabriken, der in Amerika eine ganz andere Rolle
spielt als in Europa, das Ausrangieren von Automobilen, wobei allein
mehrere Millionen Stück jährlich in Betracht kommen, u. a. m. Die
Schrottversorgung macht der amerikanischen Eisenindustrie daher keine
großen Sorgen.
Aus dem Verlauf der Eiseninvestition der Vorkriegszeit einerseits
und aus der Entwicklung der Stahlgewinnung der nächsten Zukunft
andererseits darf vielleicht der Schluß gezogen werden, daß der Schrottentfall
 zunächst steigend sein dürfte. Aber die Höhe des Schrottentfalls
hängt von mindestens drei unbekannten Größen ab:
1. von der nicht vorauszusehenden Entwicklung der Walzwerkserzeugung
 und der eisenverarbeitenden Industrie, also den wichtigsten
 Schrottquellen des Eigenentfalls*),
von der durch den Versailler Vertrag gestörten oder beeinträchtigten
 und verlangsamten Rückkehr von Alteisen'),
von den in ihrer Auswirkung noch nicht abzusehenden Veränderungen
 des Schrottrückfilusses infolge Veränderungen in der
Technik.
Vergleicht man den deutschen Schrottmarkt mit dem deutschen
Kisenerzbergbau, so hat nach dem durch den Versailler Vertrag herbeigeführten
 Verlust der Erzbecken in Lothringen und Luxemburg der einheimische
 Schrottentfall als einheimische Rohstoffquelle für die deutsche
Eisen- und Stahlindustrie eine noch viel größere Bedeutung als vor dem
Krieg. Bei einer jährlichen deutschen Eisenerzförderung in Höhe von
3 bis 6 Millionen Tonnen ergibt sich ein Eisengehalt der Jahreserzförderung
 von 1,6 bis 2 Millionen Tonnen, während der jährliche
Schrottentfall zwischen 6 und 7 Millionen Tonnen liegt. Die heimische
Schrottdecke hat also eine drei- bis vierfach so große Bedeutung wie die
heimische Eisenerzdecke. Damit hängt es zusammen, daß die Versorgung
 der Industrie mit Schrott heute viel wichtiger geworden ist als
irüher,
Die Rückkehr der Saareisenindustrie ins deutsche Zollgebiet dürfte
den Schrottmarkt vielleicht eher belasten als erleichtern. Denn die Gesamtgewinnung
 an Rohstahl und Walzwerkserzeugnissen ist dort seit
1913 gefallen, so daß der Schrottentfall zurückgegangen ist, während die
Siemens-Martin-Produktion an der Saar zugenommen hat. Nach der
Güterverkehrsstatistik des Jahres 1913 betrug unter den damaligen
günstigeren Verhältnissen der Versandüberschuß der Saar an Schrott
nur 28 000 £.
Bevor man in eine Betrachtung der Schrottpreise eintreten kann,
Daß man zunächst einen Überblick über die verschiedenen Schrottsorten
Zehen.
In dem Hauptgebiet des Schrottbedarfs und -verbrauchs in Rheinland-Westfalen
 war eine allgemein anerkannte Sortenliste vor dem

3

1) Vol. S. 295 ff.

731
        <pb n="325" />
        Dezember 1916 überhaupt nicht vorhanden. Jedes Werk kaufte vielmehr
 nach seinen besonderen Qualitätsansprüchen und hatte manches
Mal sogar seine eigenen Sortenbezeichnun gen. Allgemein anarkannt
 waren eigentlich nur die Sorten:
a) frischer schwerer Walzwerkeschrott,
5) schwerer Stahlschrott,
Kernschrott,
Späne,
Schmelzeisen,
Blechpakete,
s, sogenannte Goldschmidtsche Pakete (entzinnt).
Die vom preußischen Kriegsministerium im Weltkrieg gegründeten
Zwangsorganisationen für die Schrottversorgung der rheinisch-westfälischen
 Werke schufen zum ersten Male eine allgemein anerkannte
Sortenliste*). Diese Sortenliste ist aber nach Aufhebung der Organisationen
 im Jahre 1920 wegen ihrer Ausführlichkeit nicht mehr weiterverwandt
 worden.
Die von den westlichen schrottverbrauchenden Werken geschaffene
„Vereinigung der Schrottverbraucher‘“ hat dann ihrerseits eine neue
Sortenliste*) aufgestellt, die eine Zusammenfassung der in der Kriegszeit
 üblich gewesenen darstellt und als die heute im Westen gültige zu
betrachten ist. .
Später, im Jahre 1921, wurde in Verbindung mit dem planwirtschaftlichen
 „Eisenwirtschaftsbund‘“ eine Verordnung für die Festsetzung
 von Höchstpreisen für Schrott erlassen, in der eine neue Sortenliste”)
 enthalten war, die auf die in der Kriegszeit üblich gewesenen
zufbaute.
in Mitteldeutschland, in Sachsen und im deutschen Osten erfolgte
schon vor dem Kriege der Schrotteinkauf durch eine‘ besondere Organisation,
 die bereits in der Vorkriegszeit eine anerkannte Sortenliste*)
2erausgegeben hat, in der vier Hauptgruppen von Schrott unterschieden
werden.
Für Gußbruch ist neuerdings unter Mitwirkung des Vereins
Deutscher Eisengießereien eine neue Sortenliste*) aufgestellt worden,
die dem Gießerei-Handbuch 1926, Abschnitt GCußbruch, entnommen ist.
Die Feststellung der Schrottsorten in den außerdeutschen
 Ländern und ihr Vergleich mit den deutschen Sorten
stößt auf erhebliche Schwierigkeiten. Vergleichende Angaben über die
in Deutschland und den übrigen Ländern vorhandenen Schrottsorten
zibt es bisher in der Literatur überhaupt nicht. Man ist deshalb auf die
Mitteilungen beschränkt, die man von den Schrottverbrauchern und
Schrotthändlern aus den fremden Ländern erhält.
im besonderen ist darauf zu verweisen, daß in den östlichen und
nördlichen Stahlwerken Frankreichs vor dem Kriege nur wenig

os. Anl. 1 8. 374 ff.
3 s. Anl. 2 8, 877.
3) s. Anl. 3 S. 877/78.
‘) s. Anlı 4 S. 378/79.
5) s. Anl. 5 8. 379.

iz
        <pb n="326" />
        Schrott gebraucht wurde. Der dort entfallene Schrott ging in der
Hauptsache nach den west- und mittelfranzösischen Stahlwerken sowie
nach Deutschland und Italien. Infolgedessen sind Sortenlisten, die den
Standpunkt, der Verbraucher darlegen, wie sie in Deutschland jetzt
üblich eind, überhaupt nicht vorhanden gewesen. Die Franzosen verkauften
 vielmehr auf Grund besonderer Vereinbarungen mit den deutschen
 und italienischen Händlern bzw. Werken. Die vor dem Kriege
vorhanden gewesenen Händlerfirmen sollen zur Zeit nur noch in ganz
geringem Umfange bestehen. Die jetzt vorhandenen Händlerfirmen sind
meistens erst im Kriege und in der Nachkriegszeit entstanden, als der
Bedarf an Schrott auch in Frankreich größeren Umfang annahm und der
Absatz nach Italien größere Bedeutung erlangte.

Die gebräuchlichste Sortenliste für Schrott ist in An lage 6°)
beigefügt, eine weitere Sortenliste, die in Belgien Gültigkeit haben
soll, in Anlage 7) wiedergegeben.
In England ist der Verbrauch an Schrott groß; jedoch sind besondere
 Sortenlisten für die früheren Zeiten auch nicht bekannt geworden.

Nach Erkundigungen, die bei den in Betracht kommenden Händlern
eingezogen worden sind, ergibt sich folgender Vergleich der
wichtigsten deutschen Schrottsorten mit denen in
England, Frankreich, Belgien und den Vereinigten
Staaten:

a) Deutsche Bezeichnung: Stahlschrott.
Englische Bezeichnung: Heavy handy Steel (Acid) Serap.
Stahlabfälle, ofenfertig, Minimum 14 Zoll stark. Im allgemeinen
 sind die Ofenabmessungen in England etwas anders als
diejenigen, die auf dem Kontinent gangbar sind, und zwar kann
man annehmen, daß im allgemeinen die Abmessungen 5 Fuß
6 Zoll X 2 Fuß X 2 Fuß lauten.
Belgische Bezeichnung: Mitrailles exelusivement acier.
Alter Stahlschrott in den Maximumabmessungen 1,50 m X
0,50m X: 0,50m, Minimum 6mm stark, praktisch frei von
Röhrenschrott, wobei auch Lochputzen und Abwrackschrott mitgeliefert
 werden dürfen.
Amerikanische Bezeichnung:
In Amerika ist für Stahlschrott keine feststehende Bezeichnung
 vorhanden, jedoch wird des Öfteren der Stahlschrott in
zwei Klassen geteilt, und zwar:
1. Sogenannter „Heavy Melting Serap“, 5 Fuß X 15 Zoll X
15 Zoll Maximum, Stärke Minimum 3% Zoll, Gewicht der
Stücke 50 bis 150 1bs.
Sogenannter „Shovelling Steel“, z. B. Oberbauschrott, Lochautzen,
 Trägerenden usw., Maximum 12 X 12 Zoll, Minimum
 4% Zoll stark.
1) siehe S. 880.

137
        <pb n="327" />
        Französische Bezeichnung: Riblons premier choix,
b) Deutsche Bezeichnung: Kernschrott.
Englische Bezeichnung: Heavy Basic Serap oder Heavy
Handy Jron and Steel mixed Serap,
d. h. Eisen- und Stahlechrott gemischt, in Ofenabmessungen,
wobei 5 bis 10 % zerschnittene Röhren durch die Partie vermischt
 mitgeliefert werden können. Minimumstärke %, bis
/4 Zoll.
Belgische Bezeichnung: Mitrailles pour Fours Martin fer
at acier melangees.
Eisen- und Stahlechrott gemischt, in den Maximalabmessungen
 von 1,50 m X 0,50.X 0,50 m, Minimumstärke 5 mm, wobei
 im allgemeinen bedungen wird, daß bis Maximum 5 % zerschnittener
 Röhrenschrott mitgeliefert werden kann.
ranzösische Bezeichnung: Ferrailles de campagne.
Die Spezifikation ist dieselbe wie die belgische.
Amerikanische Bezeichnung:
l. Mixed Serap Nr. 1, verschiedener Schmiedestahl und hämmerbarer
 Gußstahl, wobei ungeschnittene Kessel, Feuerbüchstanks,
Kasten (staks), Öfen, Brandguß, Kabel, nichtentmantelte Ma.
schinen, Material unter *%/,; Zoll stark, galvanisiertes und verzinntes
 Material nicht mitgeliefert werden dürfen. Material
länger als 5 Fuß oder breiter als 24 Zoll soll, wo möglich, in
separaten Waggons verladen und wenn nicht, separat von dem
kürzeren Material in den Waggons verstaut werden.
Mixed Scrap Nr. 2, ungeschnittene Kesselfeuerbüchsen, Tanks
und Rohre und anderes Material, das eingeschmolzen werden
muß, jedoch mit Ausnahme von ungeschnittenen Kästen (staks),
zalvanisiertem und verzinntem Material.
:) Deutsche Bezeichnung: Schmelzeisen.
Belgische Bezeichnung: Tölerie lögere.
Eisen- und Stahlschrott dünner als 5 mm, frei von emailliertem,
 galvanisiertem und verzinntem Material, jedoch müßte die
Bedingung, daß das Material preßbar ist, speziell vereinbart
werden.

7
A

il) Deutsche Bezeichnung: Maschinengußbruch.
Belgische Bezeichnung: Fonte möecanique,
Muß ‚bestehen aus zerkleinerten Maschinenteilen in handlichen
 Stücken mit Maximum 60 kg Stückgewicht, frei von
lünnem Guß und von Brandguß.
Inglische Bezeichnung: Cast Iron Machinery Scrap,
gleiche Spezifikation wie für Belgien.
Es ist zu bemerken, daß die Sortierung in Belgien und in
Frankreich im allgemeinen nicht £o streng durchgeführt wird,
als es in Deutschland und England der Fall ist.

134
        <pb n="328" />
        Angesichts der Unzahl von Schrottsorten und der Verschiedenheit
der Hauptbezeichnungen innerhalb der verschiedenen Verbrauchsgebiete
außerhalb und innerhalb Deutschlands ist es nicht ganz einfach, vergleichbare
 Sorten zu vergleichbaren Preisen zu finden. Insbesondere
für das Ausland gestaltet sich die Feststellung der Preise noch
schwieriger als die der wichtigsten Schrottsorten.
Es folgen hier für die Vorkriegsjahre1909 bis 1913
Übersichten über die Entwicklung der deutschen
Kernschrottpreise und ähnlicher ausländischer
Schrottpreise, nämlich:
a) Vierteljahresdurchschnittspreise frei rheinisch-westfälischem
 Verbraucherwerk nach Angaben der Vereinigung
 der Schrottverbraucher in Düsseldorf*);
Monatsdurchschnittspreise frei mitteldeutschen und
oberschlesischen Werken nach Angaben der Deutschen
 Schrottvereinigung Berlin). Diese Preise schließen ein:
Fracht, Einkaufsunkosten, Händlerprovisionen, Verwaltungskosten
 der Schrotteinkaufsgesellschaft; es sind Durchschnittspreise
 für alle beteiligten oberschlesischen und mitteldeutschen
Verbraucherwerke;
Monatsdurchschnittspreise der Vereinigten Staaten,
Frachtgrundlage Pittsburgh (U.S. A.), für Heavy
Melting Steel?);
Monatsendpreise Nordenglandse für Heavy Steel?).
Diese einigermaßen miteinander vergleichbaren Schrottpreise
werden in Zahlenübersichten und in Abbildung 1°) einander gegenibergestellt.
 Es ist zu betonen, daß der englische Stahlschrott eine
schwerere Sorte darstellen dürfte als die anderen Sorten.
Alle Versuche, Vorkriegsschrottpreise für Frankreich
 zu erhalten, sind leider gescheitert.
Außerdem ist ein Vergleichder deutschen Vorkriegs-Dreise
 möglich für Fabrikdrehspäne, Stahlschrott und
Kernschrott, alles frei rheinisch-westfälischem Verbraucherwerk
 im Vierteljahresdurchschnitt 1909 bis 1913%).
Aus letzterer Übersicht ist zu entnehmen, daß innerhalb der ver-Schiedenen
 Schrottsorten infolge der Wertunterschiede wohl Preisunterschiede
 bestehen, daß aber Angebot und Nachfrage sowie die
oft wechselnde technische Verwendung der einzelnen Schrottsorten die
Preisunterschiede bald verringern, bald vergrößern. Zwar ist Stahl-Schrott
 wohl teurer als Kernschrott, und die Fabrikdrehspäne sind von
den drei genannten Sorten wohl am billigsten, aber die Preisspanne von
einer zur anderen Schrottsorte ist völlig verschieden und unregelmäßig.
Die Preisunterschiede zwischen Kern- und Stahlschrott für rheinisch-Westfälische
 Werke schwankten zwischen 1 und 5 Mark je Tonne.

3)

‘) s. Anl. 8, S. 381.
’) s. Anl. 9, S. 382.
;) siehe S. 386.
KH. s. Anl. 10 8. 8838.

22 Eng.-Aussch. III. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind,

126
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Abb. 1.

Vorkriegs - Kernschrott - Preise
für die Tonne zu 1000 kg
Monatsdurchschnittspreise der { frei Oberschlesischt. Werke — ver ı man © u
Deutschen Schrottvereinigung in Berlin \ frei Mitteldeutsche Werke — mm mm
Vierteljahresdurchschnittspreise der
Vereinigung der westlichen Schroitverbraucher frei Rhein. -Westfäl.- Revier =
Preise am Monatsende für .
Heavy Steel Scrap (Stahlschrott) +++: Word-Englancd
Manatsdurchschnittspreise für 4
Heavy Melting Steel ( Pittsburgh) — ——— U.S.

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7909 1910 1977 1972 1913
        <pb n="330" />
        Für die Vorkriegszeit 1909 bis 19183 lehrt die Abbildung
 1, daß in den Ver einigten Staaten die Preisbewegung
zwischen 75 Mark als höchstem Preis und etwa 46 Mark als niedrigstem
Preis schwankte. So große Schwankungen waren in der Vorkriegszeit
in keinem europäischen Lande zu verzeichnen. Offenbar ist der Einfluß
der Preisveränderungen auf dem Roheisenmarkt von großem Ein-Auß
 auf den Schrottmarkt. Preissteigerungen wie Preissenkungen
auf dem Roheisenmarkt rufen gleichgerichtete Bewegungen auf
lem Schrottmarkt hervor. Nächst den Vereinigten Staaten hat
vielleicht der nordenglische Schrottpreis die größten Schwankungen
 aufgewiesen. Hier ist im Laufe des Jahres 1913 eine
Preisbewegung von 64 Mark absteigend bis unter 46 Mark festzu-Stellen,
 während in den früheren Jahren der englische Schrottmarkt viel
ruhiger verlief, Im’ Vergleich zum rheinisch-westfälischen Schrottmarkt
zeigt der englische jedoch eine größere Sprunghaftigkeit. Von den in
Deutschland beobachteten Vorkriegspreisen bewegen sich die in
Öberschlesien gezahlten in größeren Schwankun-Senals
 dieanderen. Einem niedrigsten Preis von 55 Mark im
Sommer 1909 steht ein Höchstpreis von 70 Mark zu Beginn des Jahres
1913 gegenüber. Meist laufen mit den oberschlesischen die mittelleutschen
 Preise (frei Verbrauchsstelle) einigermaßen parallel. Sie
bleiben aber in den Jahren 1912 und 1913 erheblich hinter den ober-Schlesischen
 Preisen zurück. Die Erklärung hierfür liegt wohl darin,
laß in Oberschlesien die Koniunktur stärker war und länger andauerte.

Zweifellos haben in der Vorkriegszeit der amerikani-Sche
 und wohl auch der englische Schrottpreisihre Eigenbewegun
 g gehabt. Eine Beeinflussung des deutschen Schrottpreises,
Stwa_ von englischer Seite her, ist jedenfalls nicht zu erkennen. Offen-Sichtlich
 bestand im Schrottgeschäft kein internationaler Markt von 8o
Starker Verflechtung wie beim Roheisen- und Walzeisengeschäft, wo
die internationale Preisbeeinflussung an der Tagesordnung ist. Auffallend
 ist, daß die Abweichung der amerikanischen Preise von den
Suropäischen mit Ausnahme der Zeit vom Sommer 1909 bis zum Sommer
1910 gar nicht groß ist. Allerdings ist zu betonen, daß die abseits von
Pittsburgh liegenden Verbraucher höhere Preise zu zahlen hatten,
Während die Chicagoer Notierungen erheblich niedriger waren. Noch
auffallender ist vielleicht für die Vorkriegszeit, daß der nordenglische
Preis meist unter dem rheinisch-westfälischen Preis gelegen hat,
Außer zu Beginn des Jahres 1911 und um die Wende von 1912/13. Offenbar
 war in der Vorkriegszeit der Schrottmarkt für die englische Stahl-‘Ndustrie
 günstiger als für die deutsche. Der niedrige Preis für englisches
 Roheisen hielt den Preis für Schrott in England nieder.

., Es ist selbstverständlich, daß, wenn auch das Preisverhältnis
hwankt, zwischen Roheisenpreis und Schrottpreis
überall eine Konijunkturverbundenheit hesteht!).

‚ *) Hinsichtlich der Eisenpreise wird auf das Gutachten „Zur Frage des inter-Nationalen
 Eisenpreisvergleichs“ verwiesen.

298

x
        <pb n="331" />
        Im folgenden wird für Deutschland der Schrottpreis mit demjenigen für
Stahlroheisen verglichen, da letzteres neben Schrott das wichtigste Einsatzmaterial
 im Siemens-Martin-Ofen ist. Mangels gleicher Unterlagen
wird für England zum Preisvergleich Hämatiteisen und für die Versinigten
 Staaten Bessemerroheisen gewählt.

Das Vorkriegspreisverhältnis von Schrott zu Bessemerroheisen hat
sich in Amerika, beide Preise auf der Frachtgrundlage Pittsburgh
berechnet, zusehends verschoben‘). Während im Jahre 1909 die Monats-Jurchschnittspreise
 von Schrott und Bessemerroheisen einen Unterschied
von höchstens 8 oder 9 Mark aufwiesen, betrug der Preisunterschied im
Jahre 1911 bis zu 14 Mark und im Herbst 1913 etwa 20 Mark. Der Einfuhrzoll
 für Roheisen und Schrott war gleich hoch, nämlich 0,75 Dollar
ür die Tonne, d. h. rund 3 Mark. Der Schrott wurde auf dem freien
Markt gehandelt; das prägte sich an den starken Preisschwankungen des
Schrottpreises aus, während Bessemerroheisen und andere Roheisensorten
 eine ruhigere Preisbewegung hatten,

Ähnliche Beobachtungen wie in Amerika ließen sich für den en glischen
 Markt der Vorkriegszeit anstellen. Auch hier vergrößerte
sich der Preisunterschied zwischen dem billigeren Schrott und dem wertvolleren
 Roheisen?). Während im Frühjahr 1909 der Unterschied
zwischen nordenglischem Schrotb und Ostküstenhämatitroheisen nur
2 bis 3 Mark betrug, stellte sich im Sommer 1911 der Unterschied etwa
auf 8 Mark und Anfang 1913 auf über 20 Mark.
Im Jahre 1912 entwickelte sich in allen Eisenländern eine gute
Konjunktur, die bis ins Jahr 1913 hinein anhielt. Offenbar hörten die
Konjunkturwirkungen auf dem Schrottmarkt eher auf als auf dem Rohaisenmarkt.
 So erklärt sich wohl für Amerika, England und auch für
Deutschland die im Jahre 1912/13 festgestellte größere Spanne zwischen
den Schrott- und Roheisenpreisen.

Was Deutschland anlangt, so lag der Stahleisenpreis vom Sommer
1909 bis zum Frühjahr 1911 dem Schrottpreis ziemlich nahe. In aufsteigender
 Konjunktur hat sich jedoch. der Stahleisenpreis vom Schrottpreis
 immer mehr entfernt. Während der Preisunterschied im Sommer
1911 nur etwa 3 Mark ausmachte, betrug er im Sommer 1912 volle
10 Mark und Ende 1918 sogar fast 20 Mark?).

Mögen auch in der Vorkriegszeit nicht unerhebliche Schwankungen
den Schrottmarkt berührt haben, so sind doch die Linien der Vorkriegspreisbewegung
 etwa nur dem Wellengekräusel zu vergleichen, das eine
&amp;lt;räftige Brise auf dem Meere zu erzeugen pflegt, während in der Nachkriegezeit
 so hohe Wellenberge und so tiefe Wellentäler der Preisbewegung
 zu beobachten eind, daß man den Eindruck gewinnt. als ob
hier ein Sturm. ja ein Orkan dahingefegt hätte.

‘') Vgl. Abb. 2 S. 889
', Vol. Abb. 3 S. 340.
Vol. Abb. 4 S. 3841.

338
        <pb n="332" />
        AM
- "40

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10

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Heavy Melting Steel .

10

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WM

+

)EMAMJIASONDJFMAMJIA SONDIFMÄMJJASOND FMAMJJASOND FAIR dl a FMAMJJ ASONDUFMAMJJASONO
9 | 90 | 1 | 1912 | 1913 1924 ) 05 |

\bb. 2. Vereinigte Staaten von Nordamerika: Monatsdurchschnittspreise 1909 bis 1913 und i
‚996 für Bessemerroheisen und Stahlschrott (Heavy Melting Steel), beides Frachtgrundlage-Pittsbungk

E6)}
5

3
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        &amp;gt;

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1
East Coast Hematite
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Abb. 3. England: Monatsdurchschnittspreise für Roheisen (East Coast Hematite) fob Middlesborough
und Monatsendpreise für Stahlschrott (Heavy Steel Scrap) Nordengland für die Jahre 1909 bis 1913 und
1924 bis 1926.
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Abb. 4. Deutschland: Monatsdurchschnittspreise 1909 bis 1918 und 1924 bis 1926 für Stahleisen (1969
1b Siegen, 1910 ab Siegen. bzw. rheinisch-westfälischem Werk, ab 1911 ab Siegen) und Vierteljahrsdurchschnittspreise
 für Kernschrott (frei rheinisch-westfälischem Verbraucherwerk):.

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1924 1925 1926
Abb. 5. Schrottpreise 1924 bis 1926 in Reichsmark je Tonne zu 1000 Kilozramm.
 Deutschland: Amtliche Notierung für Essen Ia Stahl- und Kernschrott
rei rheinisch -westfälischem Verbraucherwerk, — U. S, A. Heavy Melting Steel,
Cittsburgh. — England: Heavy Steel Scrap Nordengland (Monatsendpreis). —
Frankreich: Riblons premier choix Paris, Stahlschrott (Monatsendpreis).

Die Abbildung 5 enthält für die Jahre 1924 bis 1926:
a) diedeutschen Stahl- und Kernschrottpreisefrei
rheinisch-westfälischem Verbraucherwerk im
Monatsdurchschnitt nach der amtlichen Notierung,
dieamerikanischen Schrottpreise für Heavy Melting
Steel Pittsburgh im Monatsdurchschnitt,

47
        <pb n="336" />
        ce) die nordenglischen Schrottpreise für Heavy Steel
Serap (Stahlechrott) am Monatsende,
d) diefranzösischen Schrottpreise für Riblons premier
choix, Frachtgrundlage Paris, am Monatsende.
Für diese einigermaßen vergleichbaren Schrottpreise werden in An -
lage 11) auch Zahlenübersichten gegeben. Außerdem wird in Anlage
 12°) ein von der Vereinigung der Schrottverbraucher in Düsseldorf
 stammender Vergleich der Nachkriegspreise beigefügt für
Fabrikdrehspäne, Stahlschrott und Kernschrott
freirheinisch-westfälischem Verbraucherwerk.
Aus letzterer Übersicht ist zu entnehmen, daß die Preisunterschiede
zwischen diesen wichtigsten Schrottsorten sich erhalten haben und daß
ebensowenig wie in der Vorkriegszeit bestimmte Preisspannen in der
Nachkriegszeit festzustellen sind.
Während in der Vorkriegszeit die größten Schwankungen auf dem
amerikanischen Schrottimarkt zu beobachten waren, und zwar innerhalb
von fünf Jahren im Ausmaß von 29 Mark, ist es in der Nachkriegszeit
der deutsche Schrottmarkt, der nach den amtlichen Notierungen allein
im Verlauf von zwölf Monaten, nämlich von Anfang 1925 bis Frühjahr
1926, ein Schwanken der deutschen Schrottpreise um
38 RM. verzeichnet. Jahr für Jahr seit der Markstabilisierung wartet
man auf eine Beruhigung des Schrottmarktes, aber vergeblich. Im
Jahre 1924 errreichte die Schrottpreisschwankung zwischen 84 RM. als
dem höchsten und 51 RM. als dem niedrigsten Preis 33 RM., 1925
zwischen 85 RM. als dem höchsten und 48 RM. als dem niedrigsten
Preis 37 RM., 1926 zwischen 65 RM. als dem höchsten und 47 RM. als
dem niedrigsten 18 RM. Unterschied. Inähnlicherunruhiger
Bewegung wie der deutsche war kein anderer
Schrottmarkt, wederin Europanoch in Amerika. Die
größten Schwankungen, die man in Amerika erlebte, hatten im Jahre
1924 zu 1925 ein Ausmaß von etwa. 28 RM., in Frankreich im Jahre 1925
ein Ausmaß von 22 RM. und in Nordengland im Jahre 1924 nur ein
solches von 19 RM. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die nicht
enden wollende Erschütterung des deutschen Schrottmarktes die schrottabgebenden
 Maschinenfabriken usw. und noch viel mehr die schrottiverbrauchenden
 Stahlindustriellen ständig in Unruhe hält.
Eine einheitliche Schrottmarktentwicklung ist auch in der Nachkriegszeit
 in den beobachteten Ländern nicht festzustellen. Die Vereinigten
 Staaten gehen ihre eigenen Wege. Immerhin ist in
Amerika bemerkenswert, daß der Schrott, der in der Vorkriegszeit
— von Ausnahmen abgesehen — meist zwischen 50 und 60 RM. gekostet
hat, teurer geworden ist und in den letzten Jahren meist zwischen
65 und 80 RM. gehandelt wurde. .
. ImNordengland verläuft die Preislinie in den letzten Jahren
in der Regel zwischen 60 und 70 RM. Hier ist also eine Verteuerung
um etwa 10 RM. gegenüber der Vorkriegszeit festzustellen. In

1) siehe S. 884.
?) siehe S. 885,

34.73
        <pb n="337" />
        Deutschland bewegte sich die Kernschrottpreislinie, die in der
Vorkriegszeit zwischen 52 und 60 Mark geschwankt hat, in den letzten
Jahren zwischen 48 und 85 RM. Dabei ist für den Preisvergleich
daran zu erinnern, daß in der Vorkriegszeit ein Schrottzoll von 10 Mark
für die Tonne bestanden hat, der in der Nachkriegszeit weggefallen ist.
Während in den Jahren 1924 und 1925 die deutschen Preise trotz der
Zollfreiheit ganz erheblich höher waren als in der Vorkriegszeit, lagen
sie im Jahre 1926 im. Durchschnitt unter den . Friedenepreisen:
allerdings erhoben sie sich gegen. Ende des Jahres 1926 nicht unerheblich
 über die Friedenspreise von 1913.
In der Nachkriegszeit gibt das Preisverhältnis
zwischen Schrott und Roheisen ein anderes Bild ale vor
dem Krieg. Es sind nicht nur die Preisspannen erheblich größer als in
ler Vorkriegszeit, sondern auch die Preisschwankungen erreichen :ein
viel höheres Ausmaß. In den drei Jahren 1911 bis 1913 war die größte
Schrottpreisschwankung in Amerika zwischen 47.Mark und 63 Mark
(Unterschied 16 Mark), in der Nachkriegszeit dagegen zwischen 63 RM.
und 91 RM. (Unterschied 28 RM.).. In England waren in den drei
Jahren 1911 bis 1913 Preisschwankungen zwischen 47 Mark und
53 Mark (Unterschied 16 Mark), in den Nachkriegsjahren 1924 bis 1926
zwischen 58 und 80 RM. (Unterschied 22 RM.). Die deutschen
Schrottpreise schwankten in den drei letzten Vorkriegsjahren
1911 bis 1913 in einem Ausmaß zwischen 52 und 61 Mark, also um
3) Mark, in der Nachkriegszeit zwischen 48 und 87 RM., also um 39 RM.
Ferner ist bemerkenswert, daß in allen Ländern die Preishebungen
und -senkungen bei Schrott viel schärfer erfolgen als bei Roheisen. Eine
Ausnahme macht nur die Hebung des englischen Roheisenpreises infolge
des Kohlenarbeiterstreiks in der zweiten Hälfte des Jahres 1926.
Was die Preisunterschiede zwischen Schrott und Roheisen in der
Nachkriegszeit anlangt, so schwankten in Amerika die Preisspannen
ıngefähr zwischen 10 und 20 RM. Vorübergehend, wie im Frühjahr
1924, lag sogar eine Preisdifferenz von über 30 RM. vor. Das gilt für.
Heavy Melting Steel im Vergleich zu Bessemerroheisen, Frachtgrundlage
Pittsburgh. Auch auf dem englischen Markt sah man zwischen Ostzüstenhämatitroheisen
 und Stahlschrott Preisschwankungen im Ausmaß
 von 10 bis 20 RM., im Herbst 1926 dagegen im Ausmaß bis zu
30 RM.
Was den deutschen Markt anlangt, so sind hier die Schrottpreisschwankungen
 viel erheblicher als in England und Amerika gewesen;
aber auch das Preisverhältnis zwischen Stahleisen!) und Schrott hat in
Deutschland die größten Schwankungen erlitten. So war vorübergehend
zu Anfang 1925 der Schrottpreis dem Stahleisenpreis bis auf 10 RM.
nahegekommen, während er im Sommer 1924 bis 50 RM. unter dem
Stahleisenpreis lag. Lange Zeit während der Eisenindustriekrise
1925/26 stand der Schrottpreis in Rheinland-Westfalen bis zu 40 RM.
unter dem Stahleisenpreis, Hätte die deutsche Eisen- und Stahlindu-!)

 „Stahleisen“ ist diejenige Roheisensorte, die als Einsatz im Siemens-Martin-Jien
 Verwendung findet.
544
        <pb n="338" />
        strie seit der Markstabilisierung eine regelmäßigere Beschäftigung gehabt
 und wäre sie von den großen inneren und von außen kommenden
Marktstörungen verschont geblieben, dann wäre wohl der Schrottmarkt
eher zur Beruhigung gekommen, und der Schrottpreis hätte eher sein
jetziges Verhältnis zum Stahleisenpreis gewonnen.
Die Wirkung der Frankeninflation in den Jahren 1925/26 spiegelt
sich nicht nur im französischen Schrottpreis, sondern auch im deutschen
Schrottpreis wieder. Mit dem Frankenverfall vom Frühjahr 1925 senkte

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1924 1925 1926
Abb. 6. Frankreich: Monatsdurchschnittspreise für Gießereiroheisen (Fonte
de moulage III P. L) ab Werk und Monatsendpreise für Stahlschrott (Riblons
premier choix) Paris 1924 bis 1926.

44.5
        <pb n="339" />
        sich der französische Stahlschrottpreis von 50 RM. bis unter 30 RM. im
Sommer 1926 herab.- In derselben Zeit erlebte man in Rheinland-Westfalen
 eine Senkung des Schrottpreises von etwa 80 RM. auf 48 RM. Als
dann infolge der Frankenrevalorisierung der Pariser Preis von etwa
25 RM. auf 42 RM. anzog, stieg der rheinisch-westfälische Preis von
18 RM. auf etwa 66 RM. Bekanntlich verstärkte der englische Kohlenbergarbeiterstreik
 die Wirkungen, die die Frankenrevalorisierung auf
lie Beschäftigung der deutschen Eisen- und Stahlindustrie hatte.

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1924 1925 1926

Abb. 7. Frankreich: Arbeitstägliche Gewinnung von Roheisen und
Rohstahl; Stahlschrottpreise im Monatsdurchschnitt je Tonne in Reichsmark;
Frankenkurs (Notierung Berlin, Monatsdurchschnitt) in den Jahren 1924 bis 1926.

Auffallend aber ist es, daß der franzögische
Schrottpreis viel billiger istals der deuteche. Der
[Unterschied betrug bei Frachtgrundlage Paris
1924 zwischen 10 und 30 RM.,
1925 » 17 „ 35 7, s
1926 17 2. 27°.

146
        <pb n="340" />
        Frankreich kann dank den billigen heimischen Erzen und dank
den Reparationskohlenlieferungen usw. nicht nur in der Inflationszeit,
sondern auch in der Deflationszeit sein Roheisen billiger herstellen als
Deutschland. Der billige Roheisenpreis wirkt in hohem Grade mitbestimmend
 auf den Schrottpreis!). Es kommt hinzu, daß der Schrottentfall
 Frankreichs im Vergleich zu seinem Schrottbedarf ungleich größer
ist als der deutsche. Selbst wenn zu den Pariser Preisen Frachtkosten
in Höhe von 10 bis 15 RM. hinzutreten, ist der französische Schrott
erheblich billiger als der deutsche.
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19924 1925 1926

Abb. 8. Deutschland: Siemens-Martin-Stahl-Gewinnung und Schrott-Sr
 eise 1924 bis 1926. Monatliche Siemers-Marlie She He wRNRAg: Monatliche
chrottpreise nach amtlicher Notierung frei rheinisch-westfälischen Verbraucherwerk,

Forscht man nach den wichtigsten Ursachen des französischen
Schrottpreisverlaufs und vergleicht die Preislinie mit der Kurve der
Rohstahlerzeugung, so erfährt man, daß trotz ständig steigender Roh-1)
 Vgl. Abb. 6 S. 345.

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        <pb n="341" />
        stahlgewinnung Frankreichs der französische Schrottpreis seit Beginn
les Jahres 1925 dauernd gefallen ist, und zwar bis zum. Sommer 1926.
Frankreichs Stahlgewinnung beruht zu fünf Siebentel auf der Verarbeitung
 von Thomasroheisen und nur zu zwei Siebentel auf Siemens-Martin-Stahl-Erzeugung,
 zu der Schrott herangezogen wird. Frankreichs
 Schrottentfall ist im Wachsen begriffen, und zwar dank den
Frankenwertes aus!). Dazu kommt ferner, daß, wie oben erwähnt, mit
steigenden Walzwerksleistungen und dem dadurch schon viel größeren
Entfall an frischem Walzwerkseschrott. Ein starker Einfluß auf den
‘ranzösischen Schrottpreis ging von der Entwicklung des französischen
der steigenden Walzwerkserzeugung Frankreichs, die fast drei Viertel
auf der Thomasherstellung fußt, der Schrottentfali zunimmt.
Der französischen Frankeninflation und dem
Frankendumping auf dem Auslands- wie Inlandsmarkt
 ist es auch im wesentlichen zuzuschreiben,
laß 1924 bis 1926 bis zum englischen Kohlenbergarbeiterstreik
 der deutsche Eisenmarkt, der Inlands-
 und Auslandsabsatz und damit zugleich die
inländische Stahlgewinnung sowieder Schrottverbrauch,
 also damit auch der heimische Schrottpreis,
 auf das nachdrücklichste beeinflußt worden
 ist.
Daß im übrigen ein enger Zusammenhang zwischen der deutschen
Schrottpreisentwicklun g und der Entwicklung der deutschen
Siemens-Martin-Stahlherstellung besteht, was ähnlich
auch in England und Amerika in gewissem Maße Tatsache ist, goll hier
nur angedeutet werden?).
Die deutsche Schrottpreiskurve®*) zeigt große Ausschläge,
 je nach der Beschäftigung der Stahlwerke, die wiederum von
dem Eingang der Aufträge abhängt. Schon die Zunahme der Auftragseingänge
 für Neueisen kann bei geringen Schrottvorräten dahin führen,
laß der Schrottmarkt in Bewegung gesetzt wird, wenn mit der Hereinnahme
 von Walzeisenbestellungen die Ausgabe von Schrottbestellungen
Hand in Hand geht. Hierauf stellen. sich die Händler und schrottabgebenden
 Werke sofort ein. Fabriken, die Schrottentfall haben, halten
in Erwartung steigender Preise den Schrott zurück, und der Schrottgroßhandel
 versucht mit Hilfe des Kleinhandels, seiner Aufkäufer und
der kleinen Sammler, seinen Schrottbestand. zu vergrößern und mit dem
Verkauf gleichfalls zurückzuhalten, bis der erwünscht erscheinende Preis
erzielt werden kann.
So macht sich die Spekulation in weitesten Kreisen eine
größere Schrottnachfrage zunutze; ebenso nutzt sie selbstverständlich
 Frachtunterschiede sowie Zeiten der Roheisenknappheit aus.
Dadurch, daß der Schrott eine gewisse Zeit dem Markte entzogen
 werden kann. wird der Preis in die Höhe getrieben. Aus

1) Vgl. Abb. 7 8.346,
?) Vgl. Abb. 8 S. 347.
“ Vgl. Abb, 9 S, 849 u. Anl. 13 S. 386.

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        <pb n="342" />
        Deutsche Kernschrott -Preise
in RM für die Tonne zu 1000 kg
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durch der Vereinigung der westlichen Schrottverbraucher :
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        <pb n="343" />
        alledem erklärt sich die außerordentliche Konjunkturempfindlichkeit
 des Schrotts und die Tatsache, daß der Schrottpreis
stets zeitiger anzieht, als eine Steigerung der Rohstahlerzeugung sich
arkennbar macht. Mit Recht wird in den Vierteljahresheften zur
Konjunkturerforschung*) erwähnt, daß bei „ansteigender Konjunktur
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1924 1925 71926

Abb. 10. Deutschland: Stahleisenpreis und Schrottpreis 1924 bis 1926.
Monatsdurchschnittspreise für Siegerländer Stahleisen ab Siegen und für Kernschrott
 frei rheinisch-westfälischem Verbraucherwerk in Reichsmark je Tonne zu
1000 Kilogramm,
sich das Preisverhältnis von Schrott zu Roheisen immer recht günstig
für Schrott gestaltet“.
Hervorzuheben aber ist, daß der Handel weniger ein Interesse an
absolut hohen Schrottpreisen hat, sondern vor allem am Differenz-!)
 Jahrgang 1, 1926, Heft 1 S. 84, Artikel „Schrottmarkt und Konjunkturverlauf“.

150
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        geschäft interessiert ist, d. h. das Bestreben hat, zwischen dem Einkaufsund
 Verkaufspreis eine möglichst große Preisspanne als Gewinn für
sich buchen zu können.

Nicht gering sind auch die Gegenbewegungen zwischen Schrottpreis
 und den Preisen der in Wettbewerb stehenden
Roheisensorten, dem Halbzeug- und dem Stabeisenpreis usw.
Selbstverständlich wird der Schrottpreis durch die Bewegungen des
Roheisenpreises, namentlich durch die des Stahleisenpreises, in gewissen
Grenzen gehalten‘).
1924 stieg der Stahleisenpreis durchschn. auf 101 RM. und der Schrottpreis auf 66RM.,
1925 sank ” ” ” “” 93 ” » »” u ” ‚64 »
1926 sank “. “ ” ”" 88 ” „ ” 44 58 yo

Der Unterschied zwischen Stahleisenpreis und
Kernschrottpreis war also
1924 durchschnittlich etwa 34 RM.,
1925 » » 29 „4
1926 # „ 85

Was das Verhältnis des Kernschrottpreises zum
Halbzeugpreis (Knüppel) betrifft, so ergibt sich aus der
Abbildung 11?) folgendes:
In der Vorkriegszeit schwankte der Knüppelpreis zwischen
95 und 105 Mark und stand im allgemeinen auf 100 Mark. Der Schrott-Preis
 schwankte in den gleichen Jahren zwischen 51 und 61 Mark. In
der Nachkriegszeit zeigte der Kernschrottpreis und der Knüppel-Preis
 im Jahre 1924 erhebliche Schwankungen, die für Knüppel zwischen
101 und 130 RM. und für Kernschrott zwischen 50 und 85 RM. lagen.
Die Rreiskurven zeigen eine gewisse Ähnlichkeit des Verlaufs. In den
Jahren 1925 und 1926 wurde der offizielle Knüppelpreis vom Stahlwerksverband
 auf 120 bzw. 119 RM. gehalten, bis er im Herbst 1926 auf
112 RM. absank. Die tatsächlichen Verkaufspreise für Knüppel dürften
Schwerlich so unbeweglich geblieben sein wie die offiziellen Preise. Der
Kernschrottpreis fiel von 80 bis auf 46 RM. im Sommer 1926, um dann
bis auf 63,50 RM. zu steigen, und zwar in der Zeit, in der der Knüppel-Preis
 sich senkte, Eine bestimmte Preisrelation war zwischen Schrott-Preis
 und Knüppelpreis nicht vorhanden.

Das Verhältnis des Kernschrottpreises zum
Stabeisenpreis geht gleichfalls aus der Abbildung 11 und
den Anlagen 15 und 16 hervor. Für die Vo rkriegszeit stehen,
was den Kernschrottpreis betrifft, nur Vierteljahrspreise zur Verfügung.
Daher sind diese zu den vierteljährlichen Durchschnittspreisen für Stab-Sisen
 in Vergleich gesetzt worden. Der Stabeisenpreis schwankte in der
Vorkriegszeit etwas stärker, nämlich: zwischen 99 und 124 Mark, als der
Kernschrottpreis. der sich zwischen 51 und 61 Mark bewegte. In der

?) Vgl. Abb. 10 8, 850 u. Anl. 14 S. 3887.
?) Vgl. Abb. 11 S. 852 u. Anl. 15/16 S. 389/90.

23 Enq.-Aussch. IT}. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind

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Abb. 11. Deutschland: Kernschrottpreise frei rheinisch-westfälischem Verbraucherwerk, Knüppel- und
Stabeisen-Inlandspreise im Vierteljahrsdurchschnitt 1909 bis 1918 und im Monatsdurchschnitt 1924 bis 1926:
SA beisen- AUS WeLeONUNS DEI eE im Monatsdurchschnitt 1925 bis 1926.
        <pb n="346" />
        Nachkriegszeit zeigen der Stabeisen- und der Kernschrottpreis
im Jahre 1924 und Anfang 1925 eine ähnlich verlaufende Entwicklung.
Seit dem Sommer 1925 ist der offizielle Syndikats-Stabeisenpreis fast
unverändert geblieben, während der Schrottpreis in dieser Zeit von
65 RM. auf 46 RM. sank, um Ende 1926 wieder auf 63 RM. zu steigen.
Die tatsächlichen Stabeisenpreise wichen, wie in dem Gutachten „Zur
Frage des internationalen Eisenpreisvergleichs‘“ bei Betrachtung der
Werkserlöse geschildert wird, erheblich von den Syndikatsnotierungen
ab. Sie haben die Schrottpreisschwankungen wohl zum Teil mitgemacht,
aber eine bestimmte Relation zwischen dem Stabeisenpreis und dem
Kernschrottpreis kann seit dem Sommer 1925 nicht festgestellt. werden.

Ein anderes Bild ergibt sich beim Vergleich des Stabeisenausfuhrpreises
 mit dem rheinisch-westfälischen
 Kernschrottpreis, Wählt man zum Vergleich die
Ayvyi-Ausfuhrverrechnungspreise für 1925 und 1926),
so sieht man, daß zunächst der Preissturz und dann die Preishebung
dem Stabeisenausfuhrpreis und dem Kernschrottpreis gemeinsam sind.
Aber der Kernschrottpreis ist bis zum Ende 1925 schneller gefallen als
der Stabeisenausfuhrpreis, während umgekehrt vom Frühjahr bis zum
Winter 1926 der Stabeisenausfuhrpreis größere Schwankungen mitgemacht
 hat als der Schrottpreis.
Was das Preisverhältnis von Schrott zu Eisenerz
anlangt, so läßt sich an Hand der Abbildung 12 und Anlage 17°)
für die Jahre 1924 bis 1926 feststellen, daß die Schwankungen der Erzpreise
 im Vergleich zu denen der Schrottpreise sehr gering gewesen sind.
Das ersieht man selbst bei einer Verdoppelung des Maßstabes, wie sie
in Abbildung 12 für die Darstellung der Erzpreise vorgenommen worden
ist. Am ehesten ist eine ähnliche Bewegung zwischen Schrottpreis und
Erzpreis bei den spanischen Bilbao-Rubio-Erzen festzustellen. Die
Senkung der Schrottpreise wie ihre Hebung ist von gewissem Einfluß
auf den Marktpreis für diese spanischen Erze gewesen. Dagegen läßt
sich weder für die schwedischen Erze noch für Siegerländer Erz etwas
Ähnliches feststellen. Diese beiden Erze haben allerdings unter sich
zweifellos ein bestimmtes Preisverhältnis. Die Preise für das Siegerländer
 wie für schwedisches Erz laufen großenteils miteinander parallel.
Die Senkung des Preises für den Siegerländer Rohspat, die dank der
vom Reichswirtschaftsministerium im Frühjahr 1926 gewährten Absatzprämie
 eintrat, wirkte preisermäßigend auf den schwedischen Erzpreis.
Diese Preissenkung hat bis zum Ende des Jahres 1926 angehalten,
Während bei den spanischen Erzen zugleich mit dem steigenden Schrott-Preis
 eine nicht unerhebliche Preiserhöhung festzustellen war. Bei der
Betrachtung: der Preisentwicklung für Lothringer Minette in den Jahren
1925/26 darf nicht übersehen werden, daß die Preise im Jahre 1926
höher waren, weil sie die Fracht bis zum Hafen Ruhrort enthielten und
in englischer Pfundwährung erstellt waren. während für 1925 die

1) Vgl. Abb. 11 S. 352.
2) Vgl. Abb. 12 S. 854 u. Anl. 17 S, 391.

O7
        <pb n="347" />
        Kernschrottpreis
RM
0

3C

70

An

Kernschrottpreis
RM
„0

30

70

ernschroftt

EZ:
preise
RM
25

Al

50

20 41

HC

A

151

30

107

20

5

ic

Bilbao .Rubio „Erz

Sb
Schwed.phosphorarme Erze

Dat AZ

Briey - Minette
Lothringische Minefte =

Erz:
60 Mr
A „F 25

40 F20
30 H5
—-20 10

--na

 M AST UFRAN RS GUR EWR RAR Ol
JFMARMJJASONDVFMAMJJRSONDVJFMAMJJA SOND |
1924 1925 1926 |
Abb. 12. Deutschland: Preisverhältnis von Ia Stahl- und Kernschrott frei
cheinisch-westfälischem Verbraucherwerk zu Erzen 1924 bis 1926. Bilbao-Rubio-Erz
 cif Rotterdam; schwedische phosphorarme Erze fob. Narvik; Rohspat tel quel;
Briev-Minette und lothringische Minette frei Werk, ab Dezember 1925 frei Schiff
Ruhrort., ab November 1926 ab Grube.

Preise auf Papierfranken lauteten und sich frei Sierck, also frei Grenze,
verstanden,
Der Schrottpreis ist heute weniger in einem Verhältnis zum Roheisen-,
 Halbzeug- oder Stabeisenpreis als vielmehr in einem Verhältnis
 zu den Selbstkosten des Thomasstahle. Die
Dinge liegen heute so: Ist der Schrottpreis zu hoch, wie es z. B. Ende
1924 und Anfang 1925 der Fall war, als der Stahlschrott 70 bis 85 RM.
kostete, dann schränken die großen gemischten Werke den Siemens-Martin-Betrieb
 ein, ja sie verkaufen sogar ausnahmsweise, wie es damals
geschehen ist, ihre frischen Walzwerksabfälle, um liquide zu bleiben;
lamals war es für sie vorteilhafter, Thomasmaterial zu erzeugen, Wenn,
wie Ende des Jahres 1925 bis Mitte des Jahres 1926, der Schrottpreis
verhältnismäßig niedrig ist, dann haben die Stahlwerke ein Interesse

154
        <pb n="348" />
        daran, wieder mehr Martinstahl zu machen, und sobald sich das Geschäft
belebt, wie es jetzt geschehen ist, steigt der‘ Schrottpreis und kommt
wieder in ein seinem Wert. entsprechendes Verhältnis. Die großen
Schwankungen rühren schließlich auch davon her, daß der Schrottbedarf
 viel stärker wechselt als der Schrottentfall. der während des
ganzen Jahres regelmäßiger bleibt.
DieGesamtgewinnung an Rohstahl aller Art betrug
 im deutschen Zollgebiet heutiger Größe:
im Jahre 1918 ...... 12286000 Tonnen,
„ „ 1925...... 12194000 “

Davon entfielen (Mengenin Tonnen):

1913 19251)
auf Siemens-Martin-Stahl ......0.0000000000004 1 6602400 6921 700
auf Thomas- und Bessemerstahl .............,.., 5420600 5183 000
auf die übrigen Stahlsorten, wie Tiegel-, Elektrostahl usw. 145 500 139 700

Die einzelnen Bezirke im deutschen Zollgebiet heutiger Größe
waren in den Jahren 1913 und 1925 an dieser Erzeugung wie folgt beteiligt:


Mengen in Tonnen
Davon:

Gebiet

Rheinland-Westfalen .........
Westoberschlesien ........0..

Nord-, Ost- und Mitteldeutschland
Siegerland, Lahn- und Dillgebiet,
Oberhessen , .........0. 4

Sachsen +. .000040 0000004

Süddeutschland... .........

Jahr

1913
1925
1918
1925
1913
1925

1918
1925
1913
1925
1913-1925


Rohstahlerzeugung

insgesamt.

10112 000
9 895 700
349 200
366 400
740 900
84. 800

388 800
284 800
881 100
447 500
258 000
215800 |

Siemens-Martin-



5 139 300
5.251.800
349 200
366 700
437 200
571 900

388 000
273 000
243 800
392 200
82 800
BB 400

Thomas-Bessemer-
 und
sonstiger Stahl

4.972 700
4 643 900

8083 700
412 900

300
11 800
87 300
55 300
220 200
148 900

Aus dieser Zusammenstellung ist ersichtlich, daß ‚das Siemens-Martin-Verfahren
 in allen deutschen Eisenbezirken anzutreffen ist,
Während die Herstellung von Thomas- und sonstigem Stahl überwiegend
in Rheinland-Westfalen ihren Standort, hat. Sachsen verfügt nur

‚1 Für 1926 liegen wohl die Erzeugungszahlen für Siemens-Martin-Stahl, aber
Nicht die Schrottverkehrszahlen der Reichsbahn vor:. deswegen ist 1925 zum Vergleich
 gewählt.

655
        <pb n="349" />
        in Zwickau, Nord-, Ost- und Mitteldeutschland nur in Peine, Süddeutschland
 nur in der Oberpfalz (Maximilianshütte, Rosenberg) über je einen
Thomasbetrieb. In Westoberschlesien ist kein einziger Thomasbetrieb
anzutreffen. Der Thomasbetrieb der Friedenshütte ist auf Grund des
Genfer Diktats an Polen gefallen. Das Siegerland, Lahn- und Dillgehbiet
sowie ÖOberhessen sind fast ganz auf den Siemens-Martin-Betrieb gestellt.
 Tiegel- und Elektrostahlbetriebe spielen außerhalb von Rheinland-Westfalen
 nur eine sehr bescheidene Rolle.
Hieraus folgt, daß für Westoberschlesien, für fast alle mitteldeutschen
 Werke sowie für die Stahlindustrie des Siegerlands und des
Lahn- und Dillgebiets der Schrott die alleinige Rohstoffquelle darstellt,
 so daß das Fortbestehen dieser Werke von einer ausreichenden
Schrottversorgung abhängig ist. In Rheinland-Westfalen ist dagegen
der Thomasstahlbetrieb fast ebenso stark ausgebildet wie das Siemens-Martin-Stahl-Verfahren.
 Erst nach Kriegsausbruch hat das Siemens-Martin-Stahl-Verfahren
 in Rheinland-Westfalen das Übergewicht erlangt,
 aber die dortige Industrie hat immer die Möglichkeit, bald mehr
Thomasstahl, bald mehr Siemens-Martin-Stahl herzustellen, je nachdem
sich die Verhüttung von Erzen oder die Verschmelzung von Schrott für
die Stahlerzeugung günstiger stellt. Daß Rheinland-Westfalen sich auf
das Thomasverfahren stützen kann, hängt mit der früheren Verbindung
zur Lothringer Minette und mit der Verhüttung von phosphorhaltigen
Auslandserzen zusammen, deren Heranschaffung auf der Rheinwasserstraße
 und dem Dortmund-Ems-Kanal nicht so teuer zu stehen kommt
vie der Eisenbahntransport auf weite Entfernungen.
Von den einzelnen Bezirken standen 1925 über ihrer Vorkriegszewinnung
 an Siemens-Martin-Stahl:
Rheinland-Westfalen . ........... mit etwa 112000 Tonnen,
Westoberschlesien ............ ” 21 000 A
Nord-, Ost- und Mitteldeutschland .. „ „ 184000 #
Sachsen ...0.0.0.00.0000000040400 u 149000
Süddeutschland 2. N 34 000

Dagegen ist im Siegerland ein Rückgang von 115000 Tonnen zu
verzeichnen.
Das Hauptproduktionsgebiet an Siemens-Martin-Stahl und deswegen
 das Hauptbedarfsgebiet an Schrott ist Rheinland-Westfalen.
 Dort werden über 70% der gesamten deutschen
 Siemens-Martin-Stahl-Gewinnung erzeugt. Deswegen ist Rhein-'and-Westfalen
 der Hauptmarkt für den deutschen Schrott und wirkt
preisbestimmend für alle übrigen deutschen Schrottentfall- und Schrottverbrauchsbezirke.
 Das zweitwichtigste, in sich geschlossene Siemens-Martin-Stahl-Produktionsgebiet
 ist Sachsen, auf das nicht ganz 6%
der gesamten deutschen Produktion entfallen. Dann folgen Oberschlesien
 mit etwas mehr als 5%, Siegerland mit weniger als 4%
und Süddeutschland mit nicht ganz 1%. Die unter „Nord-,
Ost- und Mitteldeutschland‘“ zusammengefaßten Betriebe
verteilen sich über eine so weite Fläche, daß man hier von einem in sich
abgeschlossenen Produktionsgebiet nicht sprechen kann. Die nord-.

SG
        <pb n="350" />
        ost- und mitteldeutschen Betriebe finden sich. zerstreut zwischen der holländischen
 und der polnischen Grenze einerseits und zwischen Thüringen
 und der dänischen Grenze andererseits. Ähnlich steht es mit den
züddeutschen Betrieben, die sich über Bayern und Baden verteilen,
Der Schrottbezug teilt sich in die Bedarfsdeckung aus
eigenem Entfall und den Zukauf aus fremder Hand. Der eigene Schrottentfall
 entsteht hauptsächlich in den Walzwerken, Stahlwerken, Stahlgießereien
 und den angegliederten Betrieben der Weiterverarbeitung.
Naturgemäß ist in dieser Beziehung die niederrheinisch-westfälische
Industrie im Vergleich zu den anderen Bezirken im Vorteil. Was aus
eigenen Konzernwerken an Schrott bezogen wird, ist jedoch statistisch
nicht erfaßt. Die einzige und zugleich unentbehrliche Quelle, die den
Schrottverkehr innerhalb des Deutschen Reiches bekannt gibt, ist die
„Statistik der Güterbewegung auf deutschen Eisenbahnen“; sie gibt sowohl
 den inneren Verkehr der einzelnen Verkehrsbezirke wie deren
Empfang und Versand nach allen anderen Verkehrsbezirken des Deutschen
 Reiches und des Auslandes an. Für die Jahre 1913 und 1925 1äßt
sich auf Grund der erwähnten Verkehrsstatistik der Güterbewegung auf
deutschen Eisenbahnen folgende Übersicht aufstellen:

Schrottbezug auf den deutschen Eisenbahnen 1913 und 1925.
(In Tonnen zu 1000 Kilogramm.)

Bezug

h

Jahr

im Lokalverkehr


Tonnen Iv. H

L. der Verkehrsbezirke
 der Rheinern
 und des
uhrgebiets. ..

1913
| 9925

914 350 35,2
4 089 000| 35.1

2, des Siegerlands
(Westfalen) u
3, Oberschlesiens .

‚918 76 250| 25,5
‘925 91 500/| 32,4
‚913 | 170 750| 34,3
. ‘92511 108 200| 28,0
4. Sachsens .,.. 1918 } 151 150| 51,2
11925 195 900| 54,4 I

aus anderen Verkehrsbezirken
 auf Entfernungen
von

insgesamt

etwa 200 km ' über 200 km
Tonnen Iv. H. Tonnen |v. F

Tonnen |v. H

1354 Ze 52,1
‚1 5892 700| 53.4

381 750 12,7 ß 600 200 100
341 000] 11.5 12 962 700! 100

155 800| 52,2
129 200! 45,7
84 650 17,0
64 600| 17,5
112 250| 38,0
131 900| 36,6

66 500 22,8 |
62 000| 21,9
242 750 48,7|
200 500| 54,5
32 050| 10,8
32.2501 9,0]

208 550| 100
282 700| 100
498 150 100
368 300| 100
295 450! 100
260 050| 100

In der vorstehenden Zahlentafel ist der Versuch gemacht zu ermitteln,
 auf welchen Entfernungen sich in den Jahren 1913 und 1925 die
Schrottversorgung der wichtigsten Produktionsgebiete vollzogen hat,
soweit die Bedarfedeckung nicht innerhalb desselben Betriebes erfolgt

1) Siehe Berichtigung S. 400.

67
        <pb n="351" />
        ist. „Bezug im Lokalverkehr“ heißt im Sinne der Güterbewegungsstatistik:
 Empfang aus denjenigen Verkehrsbezirken, innerhalb deren die
betreffenden, Stahlwerke gelegen sind.

Zieht man für die Betrachtung eine Grenze bei etwa 200 km Entlernung
 von den schrottverbrauchenden Werken, dann erhält man folzendes
 Bild:

(nnerhalb von 200 km deckten von ihrem Schrottbedarf:

Sachsen...
Ruhrgebiet . ...........
Siegerland .............
Yberschlesien ......

Über die 200 km-Zone mußten zur

)berschlesien bei .........
Siegerland bei...........
Ruhrgebiet bei. ..........
Sachsen bei. 0...

1918
WA
839,2
37,8
77,7
518

1925
vö‚
90,7
88,5
78,1
45,51)

Bedarfsdeckung hinausgreifen:
1913
9
18,7
22,8
12,7
10,8

1925
%
54,5
; 21,9
11,5
9,8

Hinsichtlich der Schrottversor gungsgebiete sind fast
für alle Stahlerzeugungsbezirke im Jahre 1925 gegenüber der Vorkriegszeit
 gewisse Veränderungen eingetreten. Am geringsten sind sie
im Siegerland, das in der Nachkriegszeit sowie früher fast genau
lenselben Anteil seines Schrottbedarfe innerhalb einer 200 km-Zone
decken kann. Ähnlich liegen die Verhältnisse für das R uhrgebiet
und für Sachsen, Diese Bezirke vermögen rund 90 % ihres Schrottvedarfs
 in einem Umkreis von 200 km zu decken. Eine erhebliche Änderung
 hat jedoch die Schrottversorgung Oberschlesiens erfahren.
Während Oberschlesien in der Größe der Vorkriegszeit über
51 %, also etwas mehr als die Hälfte seines Schrottbedarfs, innerhalb
eines Umkreises von 200km decken konnte, hat eich durch den Verlust
Jstoberschlesiens und der Provinz Posen dieser Anteil auf 45,5'% verringert,
 Sachsen und das Siegerland haben nicht nötig, in ihrem
Schrottbezug über eine 300 km-Zone hinauszugreifen. Das Siegerland
stößt bei einer Entfernung von etwa 200km auf die belgische Grenze.
Riesa in Nordsachsen und Gröditz in der Lausitz erreichen schon innerhalb
 von 100 km die tschechische Grenze, andere sächsische Stahlwerke;
wie Pirna a. d. Elbe und Freital bei Dresden, schon innerhalb von 45 bis
60 km. Das Ruhrgebiet hat bereits bei 50 km die holländisch-belgische
Grenze, Alle drei genannten Gebiete aber können im übrigen aus allen
Richtungen aus Deutschland ungehindert Schrott beziehen, während
sich für Oberschlesien, das im äußersten Zipfel Schlesiens liegt, nur in
ler Enge eines schmalen Kreissektors Bezugsmöglichkeiten aus Deutech-')

 Berichtigung s. S. 400.

13
        <pb n="352" />
        land eröffnen. Die Nachbarländer haben fast alle ihr Schrottausfuhrverbot;
 das unterbindet meist den Bezug aus dem Ausland,
Die  rheinisch-westfälischen Siemens-Martin-Stahl-Betriebe liegen
überwiegend innerhalb eines Gebietsdreiecks, das durch die Städte Dortmund
 im Osten sowie Düsseldorf und Hamborn im Westen begrenzt
wird. Innerhalb dieses Gebietsdreiecks liegen als Hauptstandorte der
Siemens-Martin-Stahl-Erzeugung Dortmund, Bochum, Essen, Oberhausen,
 Mülheim (Ruhr) und Duisburg-Ruhrort-Meiderich; in nächster
Nähe Köln, Krefeld, Rheinhausen Haspe und. Hagen. - ;
Die großen Eisen- und Stahlkonzerne des Ruhrgebiets haben ihre
Walzwerke in unmittelbarer Verbindung mit den Siemens-Martin-Stahl-Betrieben,
 so daß der frische Walzwerksschrott ohne Frachtaufwand zu
den Siemens-Martin-Stahl-Betrieben gelangt. Der zusätzliche Bedarf
an Schrott kann größtenteils im Umkreis von etwa 100km gedeckt
werden. Denkt. man sich um. das obenerwähnte Gebietsdreieck Dortmund—Düsseldorf—Hamborn
 einen Umkreis von 100km Radius, so
erreicht man im Norden des Ruhrgebiets annähernd die ‘Stadt Osnabrück,
 im Osten Bielefeld und das Gebiet von Waldeck, im Süden Siegen,
Koblenz und Jünkerath in der Eifel, im Westen Aachen mit der belgischen
 .Grenze, und in nordwestlicher Richtung liegt ungefähr die
Hälfte von Holland in dieser Zone.
Natürlich kommen für das Ruhrgebiet auch Schrottbezüge auf Entfernungen
 über 100 km bis auf 200 und 300 km in Frage. Vielfach wird
aber wegen der billigeren Wasserfracht die Rheinwasserstraße benutzt.
In den Jahren 1913 bzw. 1925 verzeichneten die Rhein-Ruhr-Häfen von
Duisburg-Ruhrort und Umgebung eine Anfuhr von 280000 bzw.
170000 t Schrott, von denen ungefähr 137000 bzw. 57000 t
aus ober- und mittelrheinischen Häfen stammten, während der überwiegende
 Teil aus Holland, insbesondere aus Rotterdam und Amsterdam,
gekommen ist.
Eine Verschlechterung der Lage ergab sich für Rheinland-Westfalen
 aus dem Verlust Lothringens und dem Austritt Luxemburgs aus
dem deutschen Zollgebiet. Der gesamte Eisenbahnversand Lothringens
an Schrott bezifferte sich 1913 auf 170000 t, von denen über
156000 t nach den rheinischen Schrottverbrauchsgebieten geliefert
 wurden. Der Versand Luxemburgs an die rheinisch-westfäli-Schen
 Verbraucher betrug 1913 über 132000. t. Heute ist der
Schrottbezug aus dem französischen Zollgebiet für Rheinland-Westfalen
 infolge der scharfen Handhabung des französischen Ausfuhrverbots
 gesperrt, und auch in Belgien ist ein Schrottausfuhrverbot in Kraft.
Die Freizügigkeit des Schrotte ist in den Ländern westlich von Deutschland
 stark behindert. Im Osten‘ Deutschlands liegen die Verhältnisse
Noch ungünstiger, wie später gezeigt werden wird.
Die Eisenbahnfrachten für Schrott waren nach der
Markstabilisierung zunächst auf annähernd das Doppelte der Vorkriegsfrachten
 erhöht worden. Im Laufe des Jahres 1924 wurden sie einmal
um 8 % und zweimal um je 10 °/, insgesamt. um 26*/; °/ ermäßigt. Die
Entwicklung der Frachten geht aus folgender Zusammenstellung hervor:

350
        <pb n="353" />
        Die Schrottfrachten auf den deutschen Eisenbahnen.

X&amp;lt;ilometer

25... .
DE
100° ...0..
1500. 44444
200. ..7..
We
400. ....
WO as a
300...
700...
300...

1918

Anfang
19924.

Mark

RM

1,80 2,80
„90 4,20
3,40 5,60
1,50 d—
5,60 11,20
7,80 „5,20
A ‚8,80
[12,20 21,80
4,40 24.40
3,60 | 26,40
3,80 98 —

1925/26

Senkung
1925/26
gegenüber
1924
RM

RM

2,10 0,70
3.10 1.10
4,90 1,70
5,60 2,40
230 2,90
1,20 —
„80 —
— 5,80
17,90 6,50.
9,80 ] 7,10 |
20,40 7,60

Krhöhung
1925/26
gegenüber
1918

RM

0,80
1,20
1,50
&amp;gt;10
‚0
0
30
80
‚50
2,70
1.60

Aus der Zusammenstellung ist ersichtlich, daß auf weite Entfernungen
 über 800 km gegenüber der Friedensfracht keine bemerkenswerte
Verteuerung eingetreten ist, aber die Frachtverteuerung beträgt bei

100 km rund 38%
200 ” »” 50 29
LOO0 ”„ „9 ‚44 ”
50 . über 60 ..

Wer seinen Schrottbedarf in einem Umkreis von 100km decken
kann, zahlt rund 5 RM. Fracht, wer auf 200km hinausgreift, hat
3,30 RM. Fracht zu entrichten; bei 500 km beläuft. sich die Fracht auf
16 RM.. bei 800 km auf 20.40 RM.

Öberschlesiens Schrottbedarfsdeckung ist am schwierigsten; denn
der deutsche Osten ist industriearm und hat deswegen nur einen geringen
Entfall an Schrott. Deswegen greift die oberschlesische Industrie über
Berlin hinaus bis zu den Seehäfen, ferner nach Mecklenburg, Pommern,
West- und sogar nach Ostpreußen. Hierbei entstehen oft Frachtbelastungen,
 die 12 RM. überschreiten und 16 bis 20 RM. erreichen.
Infolgedessen ist Oberschlesien auf billigeren Schrotteinkauf angewiesen
als diejenigen Verbraucher, die auf kürzere Entfernungen Schrott beziehen
 können. Die Lokopreise der Schrottabgeber sind denn auch in
den westlichen Bezirken, namentlich im Ruhrgebiet, am höchsten und
sinken allmählich in der Richtung nach Mitteldeutschland und Nordostdeutschland.
 Ist Oberschlesien gezwungen, in seiner Schrottbedarfsdeckung
 über Berlin westlich hinaus vorzudringen, so stößt es dort auf
höhere Schrottpreise als östlich von Berlin und hat mit diesen höheren
Schrottpreisen zugleich noch die höheren Frachtkosten zu tragen. Umzekehrt
 ist es für die Stahlwerke in Rheinland-Westfalen nicht so nachteilig,
 auf weitere Entfernungen aus Mitteldeutschland zu beziehen. weil

el;
        <pb n="354" />
        die dabei entstehenden höheren Frachtkosten einen gewissen Ausgleich
in geringeren Einkaufspreisen haben. können.
Es kommt hinzu, daß die Schrotteinfuhr überwiegend dem
Westen zugute kommt, während die Schrottausfuhr aus Deutschland
 zu Lasten von Nord-, Ost- und Mitteldeutschland geht. Vergleicht
man den deutschen Außenhandel in Schrott in den zwei
letzten Vorkriegs- und. den zwei letzten Nachkriegsjahren, so ergibt sich
folgendes Bild:

Deutscher Außenhandel in Schrott.
(Mengen in Tonnen.)

Jahr

1912 ...
1918 .
1925 ..
1926 .

Einfuhr

Ausfuhr

Ausfuhrüberschuß (—) “
Einfuhrüberschuß (+)

240 000 160 000 80 700
209 700 193 500 16 200
214 600 | 285 800 — 71200
175 500 446 900 -— 971 400

Hieraus folgt, daß die Schrotteinfuhr in den letzten Jahren gegenüber
 der Vorkriegszeit einen erheblichen Rückgang, die Schrottausfuhr
aber eine bedauerliche Steigerung auf nahezu das Dreifache im Vergleich
 zum Jahre 1912 zu verzeichnen hat. Die Außenhandelsbilanz
für Schrott!) ist, vom Standpunkt der deutschen Schrottverbraucher
betrachtet, immer ungünstiger geworden. Gegenüber einem KEinfuhrüberschuß
 von über 80 000 t im Jahre 1912 ist im Jahre 1926 ein Ausfuhrüberschuß,
 also ein Schrottabfluß, von über 271000 t zu verzeichnen.

Die Schrotteinfuhr kam inder Vorkriegesezeit hauptsächlich
 aus Holland und Belgien sowie aus Luxemburg, Frankreich
und Schweden, in geringerem Maße auch aus Österreich-Ungarn ‚und
Rußland. Die Schrottausfuhr dagegen richtete sich früher hauptsächlich
 nach Österreich-Ungarn, Italien, Schweden. der Schweiz,
Belgien und England.
In der Nachkriegszeit sind die Hauptbezieher deutschen
Schrotts Polnisch-Oberschlesien, Italien, die Tschechei und England.
Untersucht man an Hand der Statistik der Güterbewegung auf den
deutschen Eisenbahnen, aus welchen deutschen Schrottentfallgebieten
 die Nachbarländer Schrott abgezogen
 haben, 8o ergibt sich folgendes:
Die Tschechoslowakei bezog im Jahre 1913 deutschen
Schrott in einer Menge von 22000 t fast ausschließlich aus Bayern,
Sachsen und Berlin, soweit er auf der Eisenbahn transportiert wurde.
Im Jahre 1925 betrug bei einer tschechischen. Gesamteinfuhr von Schrott
ın Höhe von 133 000 t die mit der Eisenbahn aus Deutschland bezogene
Gesamtmenge 67 000 t, also das Dreifache der Menge von 1913. Davon
kamen aus:

1) Siehe S. 283,

361
        <pb n="355" />
        Dberschlesien
Ostseehäfen .
Albehäfen . .
Weserhäfen .
Breslau ...
Sachsen ...
Berlin ....
Bayern ..
Magdeburg

}8000 Tonnen
7300
3600
L000
3400
2800
2400
2100
1700

Rn

Die tschechische Eisenindustrie greift also heute mit der Hälfte
ihrer gesamten Schrotteinfuhr in alle ost-, mittel- und norddeutschen
Schrottentfallgebiete hinüber, in die Versorgungsgebiete der auf den
Schrottbezug besonders angewiesenen deutschen Eisenbezirke, deren
Schrottmarkt hierdurch eine Störung erfährt. Früher wurde diese
Störung dadurch vermieden, daß die Techechei sich der Berliner Schrotteinkaufsgesellschaft
 bediente, um ihren Zusatzbedarf in Deutschland zu
decken. Heute sind diese Störungen des deutschen Schrottmarktes um
so nachteiliger und stärker, als die Techechei unter straffster Handhabung
 ihres Schrottausfuhrverbots den Schrottinlandspreis niedrig zu
nalten versteht, um hierdurch in der Lage zu sein, für die einzu-:ührenden
 Schrottmengen höhere Preise anlegen zu können. So beträgt
seit dem 15. Juni 1926 der Inlandspreis für Kernschrott 330 K&amp;amp;, —
41 RM. je Tonne, soweit die Lieferung aus Böhmen erfolgt, und
320 K&amp;amp;. = 39,80. RM., soweit Lieferungen ab Mähren und Schlesien in
Betracht kommen. Die Preise gelten waggonfrei Versandstation. Die
bis franko Werk entstehende Durchschnittsfracht dürfte 32 bis 48 K&amp;amp;
oder rund 4 bis 6 RM. befragen, ist aber tatsächlich niedriger, weil die
tschechischen Werke mit der tschechischen Eisenbahnverwaltung: Verträge
 abgeschlossen haben, nach denen ihnen je nach der Schrottmenge,
lie bezogen wird, Frachtermäßigungen eingeräumt werden. Gleichzeitig
 hält sich die Tschechei durch außerordentlich hohe Eisenzölle
fremdes Neueisen von ihrem Markte fern und hält den Neueisenpreis im
Inlande hoch, um nach dem Ausland Neueisen zu billigeren Preisen
ılefern zu können. Die Tschechei war also bisher in der Lage, unter.
deranziehung des deutschen Schrotts Neueisen zu billigen. Preisen nach
dem deutschen Binnenmarkt zu liefern.
In Polen liegen die Verhältnisse ähnlich. Polen hat gleichfalls
außerordentlich hohe, prohibitive Eisenzölle und einen so hohen Schrottausfuhrzoll,
 daß er wie ein Ausfuhrverbot wirkt. Auch Polen hält den
[nlandspreis für Schrott möglichst niedrig. In der Vorkriegszeit hat
lie polnische Eisenindustrie keine nennenswerten Schrottmengen aus
Deutschland bezogen. In der Nachkriegszeit ist infolge der: Zuteilung
Ostoberschlesiens an Polen der Schrottbezug auf Grund des Genfer
Diktats erheblich gewachsen. Bis zum 14. Juni 1927 hatte Polen Anspruch
 auf ein deutsches Schrottkontingent in Höhe von 235000 t
jährlich. Zwischen den west- und ostoberschlesischen Werken ist geit
Jahren ein Übereinkommen geschlossen, nach dem der Schrotteinkauf
von der Berliner Schrotteinkaufsgesellschaft gemeinsam für die west-362
        <pb n="356" />
        und ostoberschlesischen Werke getätigt wird. Diese Schrottlieferungen
nach Ostoberschlesien kamen nach der Güterverkehrsstatistik im Jahre
1925 überwiegend aus Ober- und Niederschlesien, Berlin, Brandenburg
und den Ostseehäfen. Die Schrottversorgung Polnisch-Oberschlesiens
ist außerdem durch die niedrigen Tarife erheblich erleichtert worden, die
die polnische Eisenbahnverwaltung in der Richtung Danzig—Kattowitz
erstellt hat. Offenbar hat die Deutsche Reichsbahn im Wettbewerb zu
diesen polnischen Tarifen sehr niedrige Durchfuhrtarife für Schrott ab
Stettin gewährt. Die Fracht von Danzig bis nach Oberschlesien beträgt
auf den polnischen Bahnen ungefähr nur 5,80 RM. und die Fracht auf
den deutschen Bahnen von Stettin im Durchgangsverkehr nach Polen
auf Grund des ermäßigten Satzes nur 8 RM. statt 16 RM. nach. dem
Normaltarif. Hierdurch ist Polen in der Lage, Schrott außerordentlich
billig an sich zu ziehen. Im Jahre 1925 kam die gesamte polnische
Schrotteinfuhr in Höhe von 163 000 t bis auf 6000 t nur aus Deutschland.
 Im Jahre 1926 sind 169000 t nach Polen (Polnisch-Oberschlesien)
 aus Deutschland ausgeführt worden.
Legen die tschechischen und polnischen Werke für ihre Schrottbezüge
 aus Deutschland eine Fracht von etwa 10 RM. an, dann können
sie in ‚einem Umkreise von 200 bis 300 km den Schrott aus ganz
Schlesien, der Provinz Sachsen, dem Land Sachsen, aus Brandenburg,
Thüringen und dem größten Teil von Bayern aufsaugen. In dieser
Gefahrzone liegen nicht nur alle oberschlesischen, sondern auch die
sächsischen und mitteldeutschen sowie die bayerischen Siemens-Martin-Betriebe.

Außer der Tschechoslowakei und Polen tritt Italien ständig als
Schrottbezieher auf. Es bevorzugt in erster Linie die Schrottentfallgebiete
 in Süddeutschland bis zur Mainlinie. Das war in der Vorkriegszeit
 und in der Nachkriegszeit der Fall. Bei günstigen Seefrachtverhältnissen
 kann Italien aber auch aus den deutschen Nordseehäfen und
den deutschen Rheinhäfen Schrott beziehen. Im Jahre 1925 hatte Italien
eine Schrotteinfuhr von 958 000 t. Davon kamen nach der italienischen
Statistik aus .
Deutschland . .........0400.0-Argentinien
 .......0.0.0000004
U.S. A..... Sa ..
Frankreich .....0.0.0000004 4
England .....000000000004
Britisch-Indien und Ceylon ....
Schweiz. ..0.0000000000 004
anderen Ländern ......-. +.
Im Jahre 1926 sind 174 000 t Schrott allein aus Deutschland nach
Italien ausgeführt worden, also viermal soviel wie 1925.
Die Abgabe von Schrott an die Tschechei, Polen und Italien wirkt
preisverteuernd. Würde in Deutschland Ausfuhrfreiheit, für Schrott
bestehen, dann müßte mit einer erheblichen Verteuerung des Schrotts,
besonders für Mittel- und Ostdeutschland, gerechnet werden. Schon
jetzt, Anfang 1927, sind wegen des Wettbewerbs der polnischen und
tschechischen Schrottverbraucher auf dem deutschen- Schrottmarkt
Mitteldeutschland und Oberschlesien gezwungen. ausländischen Schrott

kb

163
        <pb n="357" />
        aus Dänemark, Schweden usw, unter erhöhtem Frachtaufwand heranzuziehen.
 Angesichts dieser Gesamtlage ist es notwendig,
 das Schrottausfuhrverbot beizubehalten
und es so zu handhaben, daß statt eines Ausfuhrüberschusses, wie er
im Jahre 1926 in außerordentlicher Höhe zu verzeichnen war, sich in
der Handelsbilanz ein Einfuhrüberschuß entwickelt.
Inwieweit die deutschen Schrottmarktverhälthisse innerhalb der
einzelnen. Entfallgebiete voneinander abweichen, zeigt ein Überblick
iber die Entwicklung der Lokopreise.')
Über die Lokopreise in den Städten großen Entfalle:
 Berlin, Hamburg, Chemnitz, Leipzig und
Breslau hat die Deutsche Schrottvereinigung in Berlin für die
Jahre 1924 bis 1926 Angaben gemacht, und zwar über die
Monatspreise nach ihrem jeweiligen höchsten und niedrigsten Stand.
Diese Preisangaben sind in den Anlagen 18 bis 22?) enthalten und
N den Abbildungen 13 bis 17%) wiedergegeben.

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32
30

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Kernschroftpreise frei rk.in..wesftf. Verbr.werk
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192% 1925 1926
Abb, 13. Vergleich der Kernschrottpreise loco Leipzig mitden Kernschrott-Frankopreis®
rei mitteldeufschem Werk und den Kernschrottpreisen frei rheinisch-westfälischem Verbrauche”
werk 19924 bis 19926.

!) siehe auch S. 899.
1) siehe S. 392ff,
3) siehe S. 8661.

154
        <pb n="358" />
        Die Lokopreise von Leipzig und Chemnitz sind mit
den Frankopreisen frei mitteldeutschem. Verbraucherwerk in Vergleich
gebracht, weil die Schrottbezüge der genannten Hüttenwerke meist aus
den benachbarten Schrottentfallgebieten kommen. Die Lokopreise
von Berlin, Hamburg und Breslau dagegen sind mit. den
Frankopreisen für oberschlesische Verbraucherwerke in Vergleich gesetzt,
 weil Oberschlesien weit über seine Nachbargebiete hinaus bis zur
Küste greifen muß, um sich die erforderlichen Schrottmengen zu verschaffen.


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RM
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Kernschrottpreise frei rnein.: westf.Verbr. werk

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JFMAMJIASONDIJFMAMJJASONDIJFMAMJJASOND
1924 1925 1926

34
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Abb. 14. Vergleich der Kernschrottpreise loco Chemnitz
mit den Kernschrott-Frankopreisen frei mitteldeutschem Werk
and den Kernschrottpreisen frei rheinisch-westfälischem Ver-‘braucherwerk
 1924 bis 19926.

Was zunächst‘ die monatlichen Unterschiede
Zwischen dem höchsten und niedrigsten Preis anbelangt,
 so betragen sie für denselben. Ort in der Regel‘nur einige Mark.
Ausnahmsweise können sie einmal im Laufe des Monats 9 und 10 RM.
erreichen. Die Lokopreise bewegten sich in

65
        <pb n="359" />
        Jahr

1924. ....
1925... ...
1926...

Berlin | Hamburg | Breslau
zwischen zwischen zwischen
RM. RM RM.

Chemnitz | Leipzig
zwischen zwischen
RM RM.

40 und 72
35 „67
35 ” 56 |

42 und 74
35 „ 71
36 * 56

28 und 7) 41 und 74
34 64 | 36 „65
34 „ 51184 „ 51

41 und 74
36 „ 65
36... 58

Die größten Schwankungen der Lokopreise betrugen
 also in

Jahr

Berlin | Hamburg | Breslau | Chemnitz | Leipzig
RM. RM. RM. REM.

"aaa

1924 .....
1925 .....
1928...

832,— |. 82— | 82— 88, — 38,—
38,— | 86,— 30,— 29,— 29,—
21.— 20.— 17.— 17.— 17.—

Für die angegebenen Städte zeigt sich keine große Verschiedenheit.
Das Wesentliche ist, daß sich die Schwankungen innerhalb der drei
Jahre verringert haben. Mit den "Frankopreisen haben sich auch‘ im
Laufe der Jahre 1924 bis 1926 die Lokopreise gesenkt. Zum Teil ist
Jiese Erscheinung auf die Frachtherabsetzung, zum Teil auf die Herabsetzung
 der Roheisenpreise und natürlich zu einem wesentlichen Teil
auch auf Konjunkturerscheinungen zurückzuführen. Die Frachtsenkung
hat. bei Entfernungen von 400 bis 500 km 5 bis 6 RM. erreicht und damit
den Verbraucherwerken den Schrottbezug verbilligt. ‘Dieser Frachtunterschied
 erklärt großenteils die Verringerung des Unterschiedes
zwischen den Lokopreisen und den Frankopreisen zwischen 1924
und 1925. .

Vergleicht man die Kernschrottpreisspannen
zwischen den höchsten und niedrigsten monatlichen
 Lokopreisen und den monatlichen Frankopreisen
 1924 bis 1926, so erhält man folgende Übersicht:
Die Kernschrottpreise
iranko” oberschlesischem Werk | franko.mitteldeutschem Werk
standen über dem Lokopreis von
Tamburg Berlin Breslau * Chemnitz Leipzig
rund RM rund RM rund RM rund RM rund RM
1924 , . 7,— bis 36,— 9,— bis 88,-— 10,— bis 40,- ‚48 bis 20,— 1,88 bis 20,—
[925 .. 7,— n 28,— 11,— „ 28,— 14,— „ 80- %— » 19— BD 17,—
1926 ..7,— „ 18— 8— „ 20— 14— 4 28.— dm ı 18— 4A4—  11—

Für die Strecke Berlin— Oberschlesien macht die Frachtsenkung
atwa 6 RM. aus und für Hamburg—Oberschlesien etwa 8 RM. : Wenn
1925 und 1926 zwischen den Hamburger bzw. Berliner. Lokopreisen und
den. oberschlesischen Frankopreisen Unterschiede von 7 bis 28 RM. be:
standen haben, so erklärt sich der Unterschied hauptsächlich aus der

EC

Im aa m
        <pb n="360" />
        gegenwärtigen Frachthöhe. Für Bezüge aus Berlin muß Oberschlesien
rund 16 RM. bezahlen und für die Bezüge auf Entfernungen wie
Hamburg über 20 RM., wenn nicht der Elbe-Öder-Schiffahrtsweg benutzt
wird. Die Tatsache, daß der Unterschied zwischen Loko- und Frankopreis
 oft geringer ist als der Frachtbetrag, zeigt, daß den Schrottabgebern
 zeitweilig ein höherer Preis zugestanden worden ist. Zu den
Frachtkosten treten dann die Schrotteinkaufskosten, d. h. die Provisionen,
 die Verwaltungskosten der Schrotteinkaufsgesellschaft und
dergleichen mehr, hinzu.

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1924 1925 | 1926

Abb. 15. Vergleich der Kernschrottpreise loco Berlin mit den Kernschrott-Frankopreisen
 frei oberschlesischem Werk und den Kernschrottpreisen frei rheinischwestfälischem
 Verbraucherwerk 1924 bis 1926.

Leipzig ist von dem größten mitteldeutschen Verbraucherwerk Riesa
Sökm entfernt. Für diese Entfernung betrug die Frachtsenkung
1,50 RM. im Jahre 1924, Die nach der Frachtsenkung noch verbliebene
Fracht für Schrott macht 4,30 RM. aus. Für die Strecke Chemnitz—
Riesa beträgt die Fracht 3,80 RM., für die Strecke Berlin—Riesa

24 Enqg.-Aussch. III. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

367
        <pb n="361" />
        (147 km) 6,50 RM. Wenn Riesa also Schrott aus Berlin bezieht, so
nat dieser bereits eine größere Frachtbelastung zu tragen, als die
rheinisch-westfälischen Werke im Durchschnitt bezahlen dürften.
Während für Riesa 1913 der Schrottpreis nur 7°, an Fracht enthielt,
betrug 1926 der Frachtanteil am Schrottpreis 13'/2 °/o, also fast das
Doppelte. Diese Entwicklung ist teils eine Folge der Frachterhöhung,
teils eine Folge der Notwendigkeit, über die früheren, näher gelegenen
Entfallgebiete im Schrottbezug hinauszugreifen.
In der Vorkriegszeit konnten sich die sächsischen Werke dank dem
Frachtvorsprung um etwa 7 bis 8 Mark billiger eindecken als die
-heinisch-westfälischen Werke. In der Nachkriegszeit ist dieser Vorsprung
 auf etwa 3 RM. zurückgegangen. Die Frachtverteuerung in der
Nachkriegszeit hat also. den Frachtvorsprung, auf dem die Existenz der
sächsischen und mitteldeutschen Werke aufgebaut ist, zu einem großen
Teil aufgezehrt. Die Entwicklung der mitteldeutschen Stahlindustrie,

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4924 | 1925 1926

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Abb. 16. Vergleich der Kernschrottpreise loco Hamburg mit den Kernschrott-Frankopreisen
 frei oberschlesischem Werk und den Kernschrottpreisen frei rheinischwestfälischem
 Verbraucherwerk 1924 bis 1926.

18
        <pb n="362" />
        der Ausbau alter und die Gründung neuer Werke (Riesa, Gröditz,
Leipzig, Freital, Pirna, Brandenburg, Hennigsdorf, Spandau, Magdeburg
usw.) ging also auf Kosten der früher vorhandenen billigen Schrotteindeckungsmöglichkeit.
 Würden die mitteldeutschen Werke, die an sich
schon von der Braunkohle und der Steinkohle. entfernter liegen als die
Werke in Rheinland und Westfalen, gezwungen. sein, höhere Schrottpreise
 oder höhere Frachten zu tragen, dann wäre ihre Existenz aufs
schwerste bedroht.

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Abb. 17. Vergleich der Kernschrottpreise loco Breslau, mit den Kernschrottvankopreisen
 frei oberschlesischem Werk und den Kernschrottpreisen frei rheinischwastfälieschaem
 Verhraucherwerk 1924 his 19926

Dasselbe trifft erst recht für Oberschlesien zu, denn Oberschlesien
hat, wie aus den Abbildungen 15 bis 17 hervorgeht, für seinen
Schrott frei oberschlesischem Werk heute höhere Preise zu zahlen als
die rheinisch-westfälischen Verbraucherwerke.
Das Fortbestehen und die Weiterentwicklung der mittel- und ostdeutschen
 Stahlwerke liegt aber im ureigensten Interesse der eisenverarbeitenden
 Industrie, ia der gesamten deutschen Volkswirtschaft. Die

369
        <pb n="363" />
        Nähe der Stahl- und Walzwerke enthebt die mittel- und ostdeutschen
Eisenverbraucher der Notwendigkeit, ihren. gesamten Eisen- und Stahlbedarf
 aus dem deutschen Westen zu beziehen und den in ihren eigenen
Werken entstehenden Schrottentfall zu ihrem Frachtnachteil auf weite
Entfernungen, z. B. nach dem Westen oder nach dem Ausland, zu liefern.
Zudem eind die mittel- und ostdeutschen Werke auf den Bedarf der
ı.hnen benachbarten Eisenverbraucher eingerichtet. .
Im übrigen wäre es falsch, anzunehmen, daß in den nahen Schrottantfallgebieten,
 wie z.B. in Schlesien, die oberschlesischen Schrottverbraucher
 ihren Standort dadurch ausnutzen, daß sie für diesen Schrott
aur einen geringen Preis bezahlen. Würden sie das tun, dann würde
die Sammeltätigkeit zum Schaden der Schrottverbraucher erheblich beainträchtigt
 werden. Die Breslauer Lokopreise bewegten sich von 1924
bis 1926 auf der Höhe der Berliner bzw. Chemnitzer Preise, .so daß die
Sammeltätigkeit dadurch angeregt blieb. Für die Eisenverbraucher ist
es. aber viel wichtiger, ihr Neueisen aus der Nähe beziehen zu können,
als für ihren Schrottentfall hohe Preise zu erzwingen, denn der Schrottentfall
 beträgt schätzungsweise noch nicht 1°/, ihres Umsatzes an Neueisen.
 Hieraus ersieht man; daß:die Schrottirage hinsichtlich ihrer Bedeutung
 für die Eisenverbraucher häufig übertrieben wird.
Das Hauptinteresse besteht für einen Vergleich der deutschen Gußbruchpreise
 mit den englischen, weil der englische Maschinenbau der
stärkste europäische Wettbewerber der deutschen Maschinenindustrie
ist, und weil der deutsche Maschinenbau und‘ die Eisengießereien die
Hauptverbraucher von Gußbruch sind. Nach der amtlichen Statistik
hatten die Eisengießereien im Reichsgebiet jetzigen Umfangs folgenden
Gußbruchverbrauch aufzuweisen:
1913 ..... 806000 Tonnen E* ;
1924 ..... 781 000 ” ;
1925 .... . 997000 .

Vergleichbare Preisangaben für ausländischen Gußbruch waren
leider für längere Zeitspannen nicht zu erhalten. Die „Gußbruch-Einkauf-Gesellschaft
 m. b. H.‘“ in Düsseldorf hat sich darum bemüht,
aber leider nur für Frankreich einige Zahlen erhalten können, dagegen
nicht für die anderen Länder. Deswegen kann ein internationaler Preisvergleich
 für Gußbruch zur Zeit nicht geliefert werden.
Auch für Deutschland stehen nur beschränkte Zahlenangaben zur
Verfügung. Die vorliegenden Angaben‘) umfassen die Monate Januar
1909 bis März 1912 sowie die Monate Januar 1924 bis Dezember 1926.
Alle Angaben beziehen sich auf Preise frei rheinisch-westfälischer
Revierstation,

Was die Vergleichbarkeit der Gußbruchpreise in Westdeutschland
mit denen in Mittel- und Ostdeutschland anbelangt, so darf angenommen
werden, daß die ersteren auch für die Preisbewegung in Mittel- und
Ostdeutschland maßgebend sind. Abweichungen mögen vorkommen; sie
beziehen sich dann meist auf sogenannte ‚lokale Partien‘, d. h. auf ver“

1) siehe Anl. 23 u, 24 S. 397/98.

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        RM
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Frei Thein.westf. Stahian

30

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Luxbg.G-R.II frei rhein.westf. Station
NL
Krems
Gußbruch
A A
Luxbg GR. \-a
 Luxbavg

 R.I ab Sierck,
E Bhruch_\ (

60

50

U

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a JEMAMJJASONDIV: ‚CA
ang 1910 1911 191

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IFMAMJJA SOHN ZEN SONDY FMAMJJASOND
l 199% 1925 1926

0

Abb. 18. Deutschland: Preisverhältnis von Gußbruch und Gießereiroheisen III Luxemburger
Qualität. Monatsdurchschnittspreise 1909 bis April 1912 und 1924 bis 1926 für Gußbruch frei rheinischwestfälischer
 Station. Gießereiroheisen IH Luxemburger Qualität ab Luxemburg (Vorkriegszeit) bzw. ab
Sierck (Nachkriegszeit) und frei rheinisch-westfälischer Station.

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}
—
        <pb n="365" />
        hältnismäßig kleine Gußbruchmengen, die an Ort und Stelle oder von
den benachbarten Eisengießereien verarbeitet werden und deshalb für
die allgemeine Preisbildung nicht maßgebend sind.
In der Vorkriegszeit zeigten die deutschen Gußbruchpreise
 nur geringe Schwankungen. Der für die Zeit von
Januar 1909 bis März 1912 errechnete niedrigste Monatsdurchschnittspreis
 war 52 RM. und der höchste 62 RM. frei rheinisch-westfälischer
Verbrauchsstation. Der Unterschied betrug 10 RM. oder rund 19 ns
Die Preisbewegung für Gußbruch war nicht lebhafter als diejenige für
Kernschrott. Im allgemeinen lag der Gußbruchpreis in der Vorkriegszeit
 um etwa 5° unter dem für Kernschrott. Die Preisspannen
zwischen diesen beiden Schrottsorten betrugen 1 bis 5 RM. In einigen
Monaten hat ausnahmsweise. der Gußbruchpreis 1,50 bzw. 1.90 RM.
über den Kernschrottpreisen gelegen.
Noch wichtiger war natürlich das Preisverhältnis von
Gußbruch zu Gießereiroheisen III Luxemburger
Qualität, zu dem der Gußbruch am meisten in Wettbewerb steht.
Beim Preisvergleich von Gußbruch mit Luxemburger Gießereiroheisen
muß man beachten, daß in der Vorkriegszeit das Gießereiroheisen
 III Luxemburger Qualität auf Frachtgrundlage Luxemburg verkauft
 zu werden pflegte, während sich die hier angegebenen Gußbruchpreise
 frei rheinisch-westfälischer Station verstanden. Man muß also
lie Fracht von Luxemburg nach den Stationen des Ruhrreviers, wie z. B.
sach Duisburg, Essen, Dortmund usw., zuschlagen, um einen Preisvergleich
 für das deutsche Hauptbedarfsgebiet anstellen zu können. Die
Vorkriegsfrachten für Roheisen von Luxemburg bis Duisburg betrugen
7,50 RM. und nach Dortmund 8,50 RM. Unter Berücksichtigung dieser
Bahnfracht stellte sich für den Verbraucher im Ruhrrevier das Gießereiroheisen
 III Luxemburger Qualität etwa 2 bis 5 RM. teurer als der Gußdruch.
 Ausnahmesweise betrugen die Unterschiede 7 bis 8 RM. Vorüibergehend
 ist es auch einmal vorgekommen, daß der Gußbruchpreis
dem Luxemburger Roheisenpreis gleichkam. Dabei ist zu bemerken,
daß in der Vorkriegszeit sowohl bei der Einfuhr von Gußbruch wie von
Roheisen ein Zoll in Höhe von 10 RM. für die Tonne erhoben wurde.
Seit 1921 ist der Zoll für Gußbruch wie für Eisen- und Stahlechrott
weggefallen.
In der Nachkriegszeit sind die deutschen Gußbruchpreise
trotz der Zollaufhebung im allgemeinen erheblich höher als in der Vorkriegszeit.
 Die Nachbarländer haben ihre Schrottausfuhrverbote beibehalten
 und streng gehandhabt. Während früher die Preise zwischen
52 und 62 RM. lagen, bewegten sich in den Jahren 1924 bis 1926 die
Gußbruchpreise zwischen „89 und 54 RM. Es waren also Preisunterschiede
 von 35 RM. oder 46°, zu verzeichnen. In den Jahren 1924
und 1925 bewegten sich die Gußbruchpreise in enger Anlehnung an die
Roheisenpreise, Die Preisbewegung für inländisches Roheisen war in
diesen Jahren stark von den Frankenländern beeinflußt.
Das Preisverhältnis zwischen Gußbruch und
Kernschrott hat sich umgestaltet, In der Vorkriegszeit stand der

_

N
        <pb n="366" />
        Gußbruchpreis in der Regel 5% (genau 1 bis 5 Mark) unter dem
Preis für Kernschrott. In der Nachkriegszeit jedoch war die Regel die,
daß sich der Maschinengußbruchpreis über dem Kernschrottpreis
bewegte, und zwar in Spannen, die bis zu 21 RM. erreichten. Diese Erscheinung
 läßt sich wohl damit erklären, daß das Angebot an Gußbruch
im Vergleich zu dem einheimischen Bedarf bei weitem nicht so groß
gewesen ist wie das Angebot von Stahlwerksschrott.
Will man das Nachkriegspreisverhältnis von Gußbruch
 zu Luxemburger Gießereiroheisen vergleichen,
dann muß man die gegenwärtigen Nachkriegsfirachten von etwa 11 bis
12 RM. von Luxemburg (Sierck) nach Duisburg bzw. Dortmund zu dem
Luxemburger Roheisenpreis hinzurechnen, Danach bewegten sich in
den Jahren 1924 und 1925 die Preise für Luxemburger Gießereiroheisen
frei rheinisch-westfälischer Verbrauchsstation etwa 2,50 bis 18,20 RM.
über den rheinisch-westfälischen Gußbruchpreisen, Alle Bewegungen
der Luxemburger Roheisenpreise machten die Gußeisenpreise mit; sie
hoben und senkten sich zu gleicher Zeit, wenn auch nicht immer im
gleichen Ausmaß. Im Frühling und Sommer 1926 erhöhten sich die
Preisunterschiede und erreichten wohl 26,50 RM. Diese Zeit war
bekanntlich infolge des englischen Bergarbeiterstreiks ganz außergewöhnlich.
 Die englische Konkurrenz an Gießereiroheisen war im Laufe
dieses Streiks erheblich zurückgegangen und hatte der Preispolitik des
Deutschen Roheisenverbandes, der auf ein Halten des Preises bedacht
war, keine Schwierigkeiten bereitet. Beim Fallen des Gußbruchpreises
im Jahre 1926 jedoch spielt offenbar die zunehmende Krise der Eisengießereien
 und des Maschinenbaus eine Rolle. Es ist in dieser Zeit an
Gußbruch wohl nur soviel zugekauft worden, als man eben brauchte.
Ferner dürfte die starke Senkung der Roheisen- und Schrottpreise in den
Frankeninflationsländern zur Senkung der deutschen Gußbruchpreise
beigetragen haben. Im Frühjahr 1926 haben nämlich die französischen
Schrottpreise einen Preisfall bis auf 30 RM. erlebt. Es ist erklärlich,
daß diese Preissenkung in den Frankenländern auf die deutschen Gußbruchpreise
 gewirkt hat. Mit der Frankenrevalorisierung, die im
Herbst 1926 alle Eisenpreise in den Frankenländern erhöhte, hoben sich
auch wieder die deutschen Gußbruchpreise und brachten sie dem Luxemburger
 Gießereiroheisenpreise frei Ruhr wieder näher.

277
        <pb n="367" />
        Anlagen

Anlage 1.

Sortenliste für Schrott und Gußbruch,
[festgelegt von den Kriegs-Schrottorganisationen am 13. Dezember
 1916; bis 26. Juli 1919 in Geltung gewesen.

A. Schrott für Martinwerke und Stahlgießereien,
Verhüttungsfähiger Schrott darf nur in muldenfähigen Stücken geliefert
werden, die nicht über 1,5 m lang und 0,5 m breit sind und nicht über 200 kg
Stückgewicht haben. Er muß frei sein von für die Verhüttung schädlichen Bestandteilen
 und Überzügen.

I. Neuer Schrott.

Frischer schwerer Walzwerksschrott, bestehend aus Abfällen von Eisenbahnschienen
 und -schwellen, Formeisen, Blöcken und Knüppeln.
”rischer leichter Walzwerksschrott, bestehend aus Abfällen von Gruben-;chienen,
 U-, Winkel-, Flach- und sonstigem Form- und Stabeisenmaterial
ron der Stabeisen-, Mittel- und Feinstraße.
Prischer Grobblechschrott, direkt vom Walzwerk, mindestens 5 mm stark.
zebündelter frischer Walzwerksfeinblechschrott von Blechen unter 5 mm
Dicke, fest und lagerhaft gebündelt.
Frischer Fabrikblechschrott von Blechen unter 5 mm Dicke, fest und lagerıaft
 gebündelt.
"rischer Geschirrblechschrott, sonst wie 5.
7rische Stahlblechpakete aus der Schaufelfabrikation, sonst wie 5.
rischer Röhrenschrott, direkt vom Walzwerk:
a) Siederohrschrott bis 200 mm Außendurchmesser, ; ;
’») Siederohrschrott über 200 mm Außendurchmesser,
©) Gasrohrschrott.
Veuer Walzdrahtschrott, direkt vom Walzwerk:
a) in festgebundenen Ringen,
b) gebunden oder gewickelt.
Veue Drahtpakete, direkt von drahtverarbeitenden Werken stammend.
were Gratschrott. von Gesenkschmieden herrührend. nicht unter 4 mm
icke.
Schippenschrott und Gratschrott, kurzer, mit der Schaufel zu verarbeitender
Schrott, nicht unter 1,5 mm stark.
Messer- und Scherenschrott, sonst wie 12.
stiftenspitzen, neue Abfälle von der Stiftenfabrikation, unverrostet.
Neue lose Schwarzblechabfälle, wie 5.
Frische Restblöcke.
Breitflanschträger, über 500 mm Höhe.
Neuer Konstruktionswerkstätten-Kernschrott, neue frische Abfälle direkt
ron der Eisenverarbeitung, nicht unter 6 mm stark, frei von Hohlschrott.

»

A

BB.

6.
7.
R_

10.
11.

192.

RR,
En
[7
IS
        <pb n="368" />
        19. Preßstahlgranatenabfälle, Ausschußgranaten und Böden.
20. Stahlgußgranatenabfälle, Ausschußgranaten und Trichter.
21. Tiegelfertiger Schrott.
22, Mutternschrott.
23. Flanschenschrott.

II. Alter Schrott.
Stahlschienenstücke (frei von Schweißeisen und Stahlkopfschienen) und
Bandagenschrott.
25. Stahllaschen und Unterlagsplatten von der Staatsbahn:
26. Federstahlschrott von Eisenbahnwagen und Lokomotiven,
27. Stahlgußherzstücke und Räder aus Eisen und Stahl, letztere nicht über
1,10 m Durchmesser:
mit Bandagen,
ohne Bandagen.
28. Stählerne Eisenbahnschwellen, frei von Erdanhaftungen:
a) auf höchstens 1,5 m geschnittene Schwellen.
b) unzerschnittene Schwellen,
29. Eisenbahnwerkstätten-Kernschrott, direkt von Eisenbahnwerkstätten stammend,
 sonst wie 18..
Schwerer Stahlschrott, Stücke von schwerem Formeisen, Grubenschienen,
schwere Grobbleche (nicht unter 8 mm stark) und Stahlgußteile (nicht unter
8 mm stark).
Prima Kernschrott, Stabeisen-, Form- und Grobblechabfälle jeglicher Art
(nicht unter 5 mm stark), frei von Hohleisen und Temperhufeisen.
Martinschrott, chargierfähige Eisenabfälle, mit der Schippe verladbar (nicht
unter 3 mm stark), mit 25% altem Rohrschrott.
Entzinnte Pakete, Marke „Goldschmidt“, fest und lagerhaft gebündelt.
Entzinrnte Pakete anderer Herkunft, fest und lagerhaft gebündelt.
Drahtseile, rein und frei von Zink, die Seile unter 13 mm Durchmesser in
Rollen unter 900 mm äußeren Durchmesser und 300 mm dick gebunden.
35a. Stärkere Drahtseile, geschnitten auf nicht über 1,5 m Länge.
36. Schmelzeisen, Blechschrott jeglicher Art, die Maße 1.5x1 m nicht über
steigend, frei von großen Hohlkörpern.
Mischschrott aller Art. Der Preis wird von Fall zu Fall festgesetzt.
Sonstiger Schrott. Die Preise werden von Fall zu Fall festgesetzt.

B. Schrott. zum Verpuddeln und Verschweißen geeignet.

1. Oberbauschrott, in der Hauptsache Schweißeisen.
2. Hufeisen, frei von Patent-Hufeisen.
3. Mutternschrott:
a) Schweißeisen,
b) weiches Flußeisen, ;
Nietenschrott, Flußeisen.
Schweißeiserne Ketten, nicht unter 12 mm Gliederstärke.,
Schwellen:
a) Schweißeisen,
b) weiches Flußeisen, schweißbar.
Kesselbleche, rein entnietet:
a) Schweißeisen, mindestens 7 mm stark, ungeschnitten, -
b) Schweißeisen, geschnitten, 80 bis 450 mm breit, Länge unbegrenzt, ferner
Lamellen und Flacheisen,
c) weiches Flußeisen, 3 bis 8 mm stark.
Winkeleisen, Schweißeisen, entnietet, Schenkelbreite von 85 bis 160 mm,
Schenkelstärke 9 bis 20 mm, nicht unter 1 m lang.
Schweißeisernes Formeisen (Konstruktionen):
a) uneninietet,
b) entnietet.

7.

78
        <pb n="369" />
        L0. Schweißeiserne Schienen:
a) unsortiert,
b) nicht unter 120 mm hoch, Mindestlänge 400 mm.
11. A. Schweißeiserne Laschen:
LI. Flach- und Winkellaschen, unsortiert,
IT. Flachlaschen,
B. Unterlagsplatten.
Blechmaterial, unentnietet:
a) 3 bis 5 mm stark,
b) 5 bis 8 mm stark,
c) Faßreifen,
d) Bierfaßreifen,
e) Herdhlechabfälle,
Achsen und Wellen:
a) 30 bis 80 mm stark, ohne Rücksicht auf Flußeisen oder Schweißeisen,
b) 80 bis 180 mm stark, nur Schweißeisen. ;
Sonstiges Material und Material besonderer Zusammensetzung von Fall zu
Fall zu behandeln.

13.

14.

C. Schrott für Hochofenwerke.
(, Gebündelte Blechabfälle, alt und neu:
a) in Paketen bis maximal 1200 x 500 X 500,
b) » » » » 600 X 400 X 400,
3 % - 45“ 400 &amp;gt; 300. x 300.
Entzinkte Pakete:
a) in Größe bis maximal 1200 x 500 X 500,
b) ”„ 2 PO » 600 X 400 &amp;gt; 400,
2) » » » »» 400 X 300 X 300.
Gebündelte Drahtabfälle, alt und neu:
a) in Paketen bis maximal 1200 &amp;gt; 500 &amp;gt; 500,
b) »' » ” 600 &amp;gt; 400 &amp;gt; 400,
%) “ 400 &amp;gt; 800 &amp;gt; 800.

L.

IT

[V. Alter Rohrschrott, bis 60 mm Länge.
V. Kurzer, schaufelbarer Schrott, alt und neu.
VI. Lose, schaufelbare Blechabfälle, alt und neu.
YIT. Tempergußschrott, einschließlich Patenthufeisen, soll noch nachträglich
festgesetzt werden.

D. Sortenliste für Gußbruch.,
Gruppe T.
Bester Gußbruch, Maschinenteile, kupolofenfertig zerkleinert. ;
Desgleichen in Stücken, wie sie das Fallwerk ergibt. höchstens 175 kg für
2in Stück, ;
Sonstiger bester Gußbruch, z. B. Teile von Walzenständern, Tübings, Rollgängen,
 Abdeckungen, verkleinert wie Sorte 2, Graugußgranaten.
Röhrenbruch, Kanalisationsteile, Belagsplatten, Bremsklötze.
GJuß nach Analysen und besonderen Ansprüchen, z. B. Hämatitgußbruch.
Kokillenbruch, Walzenbruch.
Bester Gußbruch 1200x800x700 mm für große Flamm- und Martinöfen,
Industriebrandguß, zum Teil angebrannter Maschinengußbruch, Koksofentüren
 usw.
Gruppe II.
8. Topf- und Ofenguß, auch verbrannter, wie es der natürliche Verbrauch ergibt.
9. Gute Roststäbe.
LO. Brandguß.
11. Zerschlagene Retorten.

“NG
        <pb n="370" />
        Anlage 2.

Gegenwärtig gültige Schrottsortenliste der Vereinigung
der Schrottverbraucher des Westens.

Granatblöckchen, Stahlgranaten und neue. schwere Hammerwerksabfälle.
Frischer schwerer Walzwerksschrott, bestehend aus Abfällen von schweren
Schienen, Schwellen, Formeisen, Trägern, Blöcken und Knüppeln.
Frischer leichter Walzwerksschrott, bestehend aus Abfällen von U-, Winkel-,
Flach- und sonstigem Fasson- und Stabeisenmaterial von der Stabeisen-.
Mittel- und Feinstraße.,
Frischer Grobblechschrott, mindestens 5 mm dick, direkt ab Walzwerk veraden.

Gebündelter frischer Walzwerksfeinblechschrott, von Blechen unter 5 mm
Dicke, fest und lagerhaft gebündelt.
Alte Stahlschienenstücke, alte Stahllaschen, Unterlagsplatten.
Alte stählerne Eisenbahnschwellen, frei von Erdanhaftungen, chargierfähig.
“"isenbahndrehspäne.
Prima Fabrikdrehspäne,
Alter grober Stahlschrott, bestehend aus Schienenschwellen, T-, U-, Winkel-,
Flach- und Rundeisen und aus Grobblechabfällen nicht unter 10 mm dick, in
Schrottbetrieben aufbereitet.
Werkstättenkernschrott, bestehend aus Eisenabfällen, aus Kisenbahnwerkstätten,
 Konstruktionswerkstätten, Schiffswerften stammend, oder
gleichwertiger Schrott aus Maschinenbauanstalten oder ähnlichen Betrieben.
Prima Kernschrott, mindestens 6 mm dick. frei von Hohlschrott und
Temperguß.
Martinschrott (Sammelschrott einschließlich Hohlschrott).
Frischer Fabrikblechschrott von Blechen unter 5 mm Dicke, fest und lager
haft gebündelt.
15. Frischer Röhrenschrott.
16. Alter Röhrenschrott.
17. Drahtseile, rein und frei von Zink, die Seile unter 13 mm Durchmesser in
Rollen unter 900 mm äußeren Durchmesser und 300 mm diek gebunden.
Stärkere Drahtseile, geschnitten auf nicht über 1,5 m Länge,
Neue lose Blechabfälle.
Schmelzeisen, bestehend aus Stücken unter 6 mm Dicke, nicht über 1,5 m
lang und 0,5 m breit.
20. Gußbruch aller Art.
21. Walzensinter.

i1

Anlage 3.

Schrottsortenliste des Reichswirtschaftsministeriums auf
Grund der Verordnung vom 5. Februar 1921 betr. die Festsetzung
 von Höchstpreisen für Schrott.
(Deutscher Reichsanzeiger Nr. 833 vom 9. Februar 1921.)

A. Eisen-und Stahlschrott aller Art.
Frischer schwerer Walzwerksschrott, bestehend aus Abfällen von schweren
Schienen, Schwellen, Formeisen, Trägern, Blöcken und Knüppeln.
Alte Stahlschienenstücke, alte Stahllaschen und WUnterlagsplatten, alter
grober Stahlschrott, bestehend aus Schienen, T-, U-,- Winkel-, Flach- und

D

177
        <pb n="371" />
        l.
S.
).

Rundeisen und aus ‚Grobblechabfällen nicht unter 10 mm dick, in Schrott.
betrieben ausgearbeitet,
Granatenblöckchen, Stahlgranaten und neue schwere Hammerwerksabfälle,
[rischer leichter Walzwerksschrott, bestehend aus Abfällen von U-, Winkel-,
Flach- und‘ sonstigem Fasson- und Stabeisenmaterial von der Stabeisen-,
Mittel- und Feinstraße, frischer Grobblechschrott, mindestens 5 mm dick,
lirekt ab Walzwerk verladen, Werkstättenkernschrott, bestehend aus Eisen.
ıbfällen aus Eisenbahnwerkstätten, Konstruktionswerkstätten, Schiffswerften
&amp;gt;der gleichwertigem Schrott aus Maschinenbauanstalten oder ähnlichen
Betrieben.
Alte stählerne Eisenbahnschwellen, frei von Erdanhaftungen, chargierfähig.
*ebündelter frischer Walzwerksfeinblechschrott von Blechen unter 5 mm
Dicke, fest und lagerhaft gebündelt, frischer Röhrenschrott.
Martinschrott (Sammelschrott einschließlich Hohlschrott), frischer Fabriklechschrott
 von Blechen unter 5 mm Dicke, fest und lagerhaft gebündelt,
Drahtseile, rein und frei von Zink, die Seile unter 13 mm Durchmesser in
Rollen ‚unter 900 mm äußeren Durchmesser und 800 mm dick gebunden,
stärkere Drahtseile, geschnitten auf nicht über 1.5 m Länge. ;
Alter Röhrensehrott.
Neue lose Blechabfälle,
Schmelzeisen, bestehend aus Stücken unter 6 mm Dicke, nicht über 15 m
ang und 05 m breit.

B. Späne.
Prima Fabrikdrehspäne (Stahlschrottspäne).
Eisenbahndrehspäne (Stahlschrottspäne).
Zußspäne allgemein.
Walzengußspäne.
dos ireie Gußspäne, die nachweisbar der chemischen Industrie zugeführt
werden.
C. Gußbruch.
Spezialguß, z. B. Hämatitgußbruch, Kokillengußbruch (Hämatitersatz), kupol]-enfertig
 zerkleinert.
Sonstiger Gußbruch, wie Röhrengußbruch, Baugußbruch, Kanalisationsteile,
Belagplatten, Bremsklötze, gußeiserne Achslagekasten. Graugußgranaten und
entsprechendes Material.
3. Ofen- und Topfguß.
1, Beandguß, Roste, Roststäbe, Retorten und entsprechendes Material.

Anlage 4.

Schrottsortenliste, gültig in Mitteldeutschland, Sachsen und
Ostdeutschland.
I. Kernschrott.
Stahlschrott, bestehend aus: ;
Stahlschienen bis 1,5 m Länge,
Federstahlschrott,
Radreifen und Räder bis 1,10 m Durchmesser,
Laschen und Unterlagsplatten.
Stahlschienen in ganzen Längen.
Brockeneisen.
Rohrschrott.
Radreifen über 1,10 m Durchmesser.
Räder und Radsterne über 1,10 m Durchmesser.
derz- und Kreuzungsstücke,
Scherenrechtes Schneideeisen.
Nicht scherenrechtes Schneideeisen.
        <pb n="372" />
        IL Späne.
ı. Bauschige Drehspäne.
. Ölige Drehspäne.
”, Gemischte Dreh- und Gußspäne.
% Gußspäne,

III. Schmelzeisen.

1 Gebündeltes Schmelzeisen.
2, Gepreßte Schmelzeisenpakete.

IV. Blechabfälle.
Gebündelte Blechabfälle.
Gepreßte Blechabfallpakete.
Blechschrott£.

1.
2,
9

Quelle: Deutsche Schrottvereinigung, Berlin.

Anlage 5.

Deutsche Sortenliste für Gußbruch. Se
(Auszug aus dem Gießerei-Handbuch, Abschnitt Gußbruch.)

Sorte I: Spezialgußbruch. Hämatitkokillenbruch aus Stahlwerkskokillen
 (Hämatitroheisenersatz): Ia Zylindergußbruch; hochsilizierter, säurebeständigyer
 Guß und Hartguß. zerkleinert oder unzerkleinert.

Sorte II: Maschinengußbruch, kupolofenfertig zerkleinert. Teile
von Werkzeugmaschinen, Maschinen aus der Textilindustrie, starkwandige Stücke
von landwirtschaftlichen Maschinen, Motoren usw.
Sorte Ia: Maschinengußbruch, unzerkleinert. Sonst wie vorher.

Sorte III: Sonstiger Gußbruch, kupolofenfertig zerkleinert, dickoder
 dünnwandiger Röhrenbruch, Bauguß (Säulen, stehend oder liegend gegossen),
Heiz- und Rippenkörper, Kanalguß, Belegplatten, Bremsklötze, Graugußgranaten,
Feuerungsteile, unverbrannt, mit Ausnahme von Roststäben, ‚Achslager (Achskisten),
 leichter Guß von landwirtschaftlichen Maschinen, Nähmaschinen.
Automatenguß usw.

Sorte IV: Ofen- und Top£figuß. kupolofenfertig zerkleinert.

Sorte V: Brandguß. Roststäbe jeder Gattung und Gruppe, angebrannte
Feuerungsteile, ausgelaugte Röhren und Schalen aus der chemischen Industrie,
zerkleinerte Temnertönpfe. verhrannte Retorten usw

Kupolofenfertig ist der Gußbruch, den ein normaler Arbeiter beim normalen
Betrieb handhaben kann; die einzelnen Stücke dürfen im allgemeinen höchstens
30 kg wiegen. Ausnahmsweise können Stücke von vielleicht 30 bis 40 kg mit
hereingenommen werden, vorausgesetzt, daß die betreffende Gießerei diese
erößeren Stücke in ihrem Kumnolofen verschmelzen kann.

Von den Gußbruchsorten sind am meisten gesucht die Sorten I, II und III.
Sorte IV wird nur für die Herstellung von Poterieguß verwendet, während
Sorte V für Eisengießereien überhaupt unbrauchbar ist und dem Hochofen überantwortet
 werden sollte.

270
        <pb n="373" />
        Anlage 6.

Gebräuchlichste Schrottsortenliste in Frankreich.

”ranzösische Bezeichnung: Entsprechende deutsche Sorte:

.. Riblons premier choix.
&amp;gt;, Ferrailles mölangees.
‘. Ferrailles ä dee. ou deriv.
„ Ferrailles de campagne.
*, Tournure d’acier Tore,
. Avec frisons.
Vieux rails acier.
Vieux rails en fer.
Ressort et band. chem. fer.
Bandages.
Rognures töles neuves vrac
Rognures en paquets.

ol

1a schwerer Stahlschrott.
Stahl- und Kernschrott.
Unchargierfähiger Mischschrott.
Sammelkernschrott,
Schwere kurze Stahldrehspäne.
+, Stahldrehspäne, bauschig.
. Alte Stahlschienen in ganzen Längen
\. Alte Schweißeisenschienen.
‘, Federnschrott.
‘, Radreifen, Bandagen,
„ Neue lose Blechabfälle.
2, Festgebündelte Blechabfälle.

Quelle: Händlerkreise.

Anlage 7.

Belgische Schrottsortenliste.

Tournures fers et aciers (lögers).
Tournures fers et aciers (lourds).
Shutes Aciers (lourds).
lognures Töles fines (en paquets).
Vieilles Töles,
Mitrailles pour Hauts-Fourneaus (leger).
Mitrailles pour Hauts-Fourneaus (lourd)}
“zitrailles pour Four Martin (löger).
Mitrailles pour Four Martin (lourd).
Mitrailles pour Masses.
Souvertures pour Masses,
Fonte brulge,
. Fonte Mecanique 1er choix.
“. Fonte Mecanique 22d choix.
“Rails en acier coup6s.
‚#, Rails en acier en Tongueurs
17. Aciers coul6s.
18. Cylindres de Laminoirs.

Quelle: Händlerkreise.

ix
        <pb n="374" />
        Anlage 8,

Deutsche Kernschrottpreise in den Jahren 1909 bis 1913.
(In Mark je Tonne zu 1000 kg.)

Jahr

und
Monat

1909

Januar ...
Februar...
März. ....
April ....
Mai .....
Juni ., 0.4
a . “ME
ugust ...
September .
Oktober...
November .
Dezember. .

Januar ...
Februar...
März... ..
April ....
Mai .....
Juni. ....
Juli .....
August ‚..
September .
Oktober...
November .
Dezember. .

1910

Januar ...
Februar...
März. ....
April ....
Mai .....
Juni...

1911

Monatsdurchschnitte


frei frei
ober- | mittelschlesi-|
 deutschem
 | schem
Werk)! Werk N

57,48
57,14
56,82
56,91
56,37
56,37
55,09
55,87
55,30
56,28
57,03
58.24

51,30
51,54
52,08
58,00
52,47
51,69
51,98
31,81
49,96
51,41
58,60
58 78

59,61
59,81
59.27
57,21
57.19
58,34
58,85
56.91
57,42
58,26 }
57,99 |
5m 86

55,80
57,25
56,68
55,56
55,72
55,66
54,29
55,68
54,40
54,46
54,60
55.75

57,17 56,18
57,30 | 55,45
56,93 | 55,05
57,36 | 55,18
57,32 | 54,98
3747 | 54.55

| Vierteljahrsdurch-

 irei
rheinischwest-


Verbraucher-



( 592,88

53,25

54,96

‚ 57,62

(59,87

59.24

58,62

0.66

59.41

Em

u

Jahr
und
Monat

1911

Juli .....
August ...
September .
Oktober. ..
November .
Dezember. .

1912

Januar ...
Februar...
März.....
April ....
Mai .....
Juni. ....
Juli .....
August ...
September .
Oktober...
November .
Dezemher

1918

Januar ...
Februar. ..
März ....
April ....
Mai .....
Juni... .,
Juli...
August ...
September .
Oktober...
November .
Dezember

Monatsdurchschnitte


frei ! frei
ober- mittelschlesi-
 | deutschem
 * schem
Werk" Werk)

57,82
58,65
57,42
59,34
59,73
5915

54,52
54,45
55,90
54,74
55,89
55.10

60,06
61,86
62,68
62,62
64,16
63,98
84,79
66,04
64,88
64,56
64,91
65.02

56,38
57,20
59,04
57,76
57,49
57,92
58,34
59,48
59,18
57,41
56,96
57.00

66,18
70,05
68,85
67,52
67,89
86,34
65,14
64,34
63,48
81,46
59,63
5959

56,79
58,21
57,51
58,43
58,59
57,76
56,41
56,86
58,08
56,35
54,05
54.30

(Vierteljahrsdurch-

 frej
rheinischwest-


Verbraucher-



| 57,25

U 58,16

( 58,60

59,62

\ 57,35

} 59,75

60,57
59,49

57,17

51,50

Quellen: !) Deutsche Schrottvereinigung, Berlin. *) Vereinigun g der Schrott-Verbraucher,
 Düsseldorf.

ER
        <pb n="375" />
        Anlage 9.

Amerikanische und englische Schrottpreise
in den Jahren 1909 bis 1913.
(In Mark je Tonne zu 1000 kg.)

Monat

909 | 1910 | 1911 | 1912 . | 1918

U.5. A.
Heavy Melting Steel, Pittsburgh.
38,20 74,00 55,80
36,10 72,95 59,10
50,95 70,25 59,50
58,50 70,25 55,80
51,80 66,10 52,70
34,05 63,05 34,35
35,10 539,90 53,30
36,10 58,90 55,40
39,20 58,90 54,35
74,00 59,50 50,65
75,00 58,50 50,20
74,20 56,85 51.65

Januar. .....
Februar .....
März .......
April. ......
Mai... ...0...
Juni .. 7.0000
Juli........
August. .....
September. ...
Iktober .....
November ....
Dezember ....

(Monatsdurchschnitt.)?})
51,65 52,60
52,80 81,60
51,95 59,50
58,75 59/50
55,40 58,50
55,40 55,80
56,40 52,70
56,00 52,80
57,45 52,80
59,50 52,30
63,25 | 48,55
62,00 46,830

England
Heavy Steel Scrap, Nordengland. (Monatsendpreise.)?)
$Q,— 58,50 e1,— 17,50 Rd, —
— 57,50 1 — 50,— 81,50
— 37,50 Ku 50, — 81,50
— 57,50 1,— 52,50 320,—
— 57,50 d1,— 52,50 50, —
— 57,50 52,50 52,50 58, —
— 57,50 52,50 532,50 51,25
;— 57,50 52,50 55,— 51,25
SD 55,— 47,50 58,— 51,25
58,50 55,— 47,50 58, — 48,75
53,50 55,— 47,50 | 59,— 46,—
38,50 55. — 47.50 61.50 45.50

Januar. .....
Februar .....
März. ee
April. ......
MBi..
Juni .......
Juli. ...00..
August. .....
September. . ...
Oktober .....
November ....
Dezember ... .1

Quellen: !) Iron Trade Review.

1 Iron and Coal Trades Review.

iR)
        <pb n="376" />
        Anlage 10.

Schrottpreise frei rheinisch-westfälischem Verbraucherwerk
Vierteljahrsdurchschnittspreise 1909 bis 1913 in Mark je Tonne zu 1000 kg.

Jahr

Sorte

Erstes | Zweites | Drittes | Viertes
Vierteljahr ' Vierteliahr | Vierteliahr ! Viertelahr

1909 ....
L910 ....
1911 ....
1912 ....
1918 ....
1909 ....
1910 ....
1911 ...
1912 ...
1918 ....
1909 ....
1910 ....
1911 ....
1912 ....
1918 oo

Fabrikdrehspäne

59,22
55,36
52,25
51,02
51,87
54,67
68,77
61,50
62,87
68,68
52,88
59,87
59,41
58,60 |
80.57

47,37 48,89
54,09 54,04
53,02 50,98
51,96 50,71
51,80 48,87
55,87 56,66
62,59 61,90
81,08 59,59
64,46 62,75
63,85 60,37
58,25 54,96
59,24 58,62
57,75 57,25
59,62 |. 57,35
59.49 57.17

51,87
58,91
50,87
51,59
44,98
58,50
61,50
60,50
63,14
52,27
57,62
59,66
58,16
59,75
51.50

Stahlschrott

Kernschrott

Quelle: Vereinigung der

Schrottverbraucher, Düsseldorf,

25 Enq.-Aussch. III. Rohstoffvers, d. deutsch, eisenerzeug. Ind.

ER
        <pb n="377" />
        Anlage 11.
International vergleichbare Schrottpreise
in den Jahren 1924 bis 1926. ;
(In Reichsmark je Tonne zu 1000 kg.)

Jahr

und

Monat

Deutschland

Essen Ia Stahl- und
Kernschrott,
frei rheinischwestfälischem
 Verhraucherwerk
 3:

U.S. A.

Heavy Melting
Steel,
Pittsburgh?)

England

Heavy Steel
Scrap,
Nordengland
(Monatsendpreise)?)


Frankreich

Riblons
premier choix.
Paris
(Monatsendpreise)
 *)

1924

Januar. ...
Februar ...
Ken .. 0.
Til...
Mai...
Juni .....
Juli,.....
August. ...
September. .
Jktober ...
November . .
Dezember ..

61,57
59,74
77,—
34,50
59,25
57,75
51,—
81,75
33,90
59,38
70,—
77.80

37,20
89,25
81,60
68,60
53,65
87,15
71,50
73,85
76,85
75,20
5
36.80

79,88
77,24
75,91
77,81
77,68
78,92
71,59
39,83
66,92
80,91
69,67
88.89

43,92
39,92
52,84
53,87
37,80
41,27
41,05
44,48
40,80
40,77
39,41
44.40

19925

Januar. .,..
Februar ...
März .....
April... ,.
Mai...
Juni .....
Jali. 0. 4.
August. ...
September. .
Oktober ...
November . .
Dezemher ._

35,50
77,50
73,96
79,40
78,50
36,63
62,60
54,88
52,—
18,88
18,63
18 —

91,35
78,50
75,40
70,25
38,60
70,65
71,10
79,55
78,50
76,05
30,60
78750

71,—
67,34
34,22
50,—
61,—
80,—
57,50
57,50
57,50
58,—
80,—
89.50

46,82
48,65
50,63
49,35
43,32
39,01
36,98
36,52
34,86
80,90
28,63
29.02

19926

Januar. ...
Februar ...
März .....
April. ....
Mai......
Juni .....
Juli... ....
August. ...
September, .
Jktober ...:
November . , ı
Dezember . .|

19,38
59,56
18.85
"7.45
AN
95
A
“7
5+ 30
55,82
64,57
6538

77,65
72,95
78,95
10.85
10
28.10
3 fe)
74.40
73:55
70,25
70,25
70.95

81,50
84, —
64,50
81,50
38,—
32, —
AQ,—
89 —
4,50
F—
80,—
6250

30,91
34,74
31,32
29,69
29,88
25,39
24,77
30,12
29,28
32,52
| 41,89

Quellen: !) Statistisches Reichsamt, Berlin ?) Iron Trade Review. % Iron
and Coal Trades Review. *) L’Usine.
184
        <pb n="378" />
        Anlage 12.

Deutsche Schrottpreise in den Jahren 1924 (ab Juli) bis 1926
frei rheinisch-westfälischem Verbraucherwerk.
(In Reichsmark je Tonne zu 1000 ke.)

Jahr und Monat

Fabrik-Drehspäne


Stahlsechrott

Kernschrott

1994

Juli... .
August. .... ..
September, ..:....
Oktober 2... 0.0.40.
November. .......
Dezember... .,..

39,90
51,10
58,40
48,20
55,40
80.15

58,10
81,—
65,70
60,40
68,55
73 90

49,50
54,70
61,35
59,40
66,45
70.75

1925

Januar. .........
Februar .... .
a .
I
JUN; iu Kar WM
Juli. 000000000004
August. .........
September. .......
Oktober .......
November. ..... .
Dezemher . ... ”

66,60
61,80
59,90
61,30
57,80
52,45
50,10
46,35
42,60
38,75
39,55
29.85

82,70
77,20
75,80
77,90
74,35
67,80
61,75
58,20
58,50
50,25
49,80
48.75

80,60
74,85
73,95
76,35
71,95
65,70
59,95
55,55
53,95
48,10
48,25
47 —

19926

Januar. .......
Februar. ......
April. 2.0.0000
Mai. se
Juni 1.000000
Jüli. 0.0000 000004
August. .........
September. .......
Öktober .........
November. .......
Dezember (1. bis 15.) .

40,90
42,40
41.55
40,65
10,60
41,75
48,75
‚30
41,90
45,35
51,85
53'090

49,55
53,25
50,35
48,65
48,65
48,15
52,50
54,75
55,25
57,65
66,90
66.60

48,—
51,80
48,75
47,40
46,45
46,25
50,—
51,95
52,65
55,20
63,50
823 50

Quelle: Vereinigung der. Schrottverbraucher, Düsseldorf

206
        <pb n="379" />
        Anlage 13.
Kernschrottpreise in Rheinland-Westfalen, Oberschlesien und
Mitteldeutschland in den Jahren 1924 bis 1926.
{In Reichsmark ie Tonne zu 1000 ke.)

Jahr

und

Monat

Essen Ia Stahlund
 Kernschrott,
frei rheinischwestfälischem

Verbraucherwerk
 (amtliche
Notierung)!)

‚ Kernschrottpreise
 frei
rheinisch-west-*alischem
 Verbraucherwerk

private Notierung‘)?2)


Kernschrott-Frankopreise

frei oberschlesischem

Werk 3

irei
mitteldeutschem
Werk?)

‚924

Januar. ... .
Februar .....
März 2 .....4
April. ......
Mai 00.0004
Juni +» 0.00.
Juli.......4
August. .....
September. ‚..
Öktober .....
November. ...
Dezember ....
1925
Januar. .....
Februar .....
NE ee
April. ......
Mai.
Juni ....004
Iuli,...0000.
August... ...
September. .. :
Oktober .....
November. ...
Dezember ....

1926
Januar. .....
Februar .....
März ....00..0.
April. ......
Müll. sw a ua
Juni 00.000004
Juli 44 u 4 wa
August. .....
September. ...
Oktober .....
November. ...
Dezemher ..

61,57
59,74
17
34,50
39,25
57,75
51,—
31,75
38,90
59,88
70,—
77.80

35,50
77,50
78,96
79,40
73,50
36,68
32,60
54,88
52,—
18,88
18,68
8 —

19,38
52,56
48,85
47,45
47,40
18,95
51,20
58,57
58,30
55,82
34,57
RK 99

83,20
79,51
78,58
87,37
88,04
77,38
73,59
58,23
66,08
68,87
65,18
70,28

49,50
54,70
61,35
59,40
66,45
70,75

30,60
74,85
78,95
76,35
71,95
85,70
59,95
55,55
58,95
48,10
48,25
47 —

78,11
31,10
78,01
30,—
80,43
78,96
75,78
37,88
65,01
59,01
56,41
54.38

48,— 54,67
51,80 - 38,79
18,75 54,52
17,40 51,86
16,45 52,25
16,25 51,06
50,— 53,21
51,95 55,19
52,65 58,86
55,20 &amp;gt; 80,47
68,50 67,39
63,50*) 67,66

70,36
66,81
68,98
77,48
74,12
62,39
49,71
52,68
58,38
57,38
58,23
64,24

71,09
71,42
69,83
72,68
70,75
69,35
65,44
59,72
56,20
51,46
49,92
47.90

44,65
48,90
47,67
48,21
45,67
45,19
44,96
48,78
50,40
51,26
57,02
59.60

*) 1.—15, Dezember. .
Quellen: *) Statistisches Reichsamt, Berlin. ?) Vereinigung der Schrottverbraucher,
 Düsseldorf. %.Deutsche Schrottvereinigung, Berlin.

x
        <pb n="380" />
        Anlage 14.

Durchschnittspreise für Siegerländer Stahleisen und Kernschrott
1909—1913 und 1924—1926
(In Mark ie Tonne zu 1000 kg.)

Stahleisen, Kern- Stahl-Jah
 + weißes, nicht über | schrott ! eisen ist
ahr 10,1% Phosphor, 1909| frei rhei- || höher
d ab Siegen, 1910 ab |nisch-west-| (+),
un Siegen bzw. rhei- | fälischem niedriger
M $ nisch-westfälisches Ver- (—)
ona Werk, 1911 ab Siegen! braucher- | als Kern-/Siegerl.
 Qualität)!) | werk?) schrott

1909 au Monate | © Vierteljahrsdurchnitt
Januar ‚.) "l— ,
Februar. . 9,50 659,50] 52,88
März ... —
April .. „| — |
Mai... 7— Us58,67l 59,25
Juni. ... %—
Ali... ‚—
August .. 55,50 (5667 54,96
September‘ 57,50
Oktober. . d—
November &amp;gt;9,— bo,
Dezemher 59. —

1910
Januar ..
Februar. .
a .
pril ...
Mai...
Juni...
Juli, ...
August #5
September
Oktober. .
November
Dezember

30,—
3150 #61,—1
61,50
31,50 | |
51,50 +61,50| 59,24
31,50
51,50
59,50 p 60,17)
950 |
,—
A, — köo.—
39,—

4 1.138

‘'L. 9.96

ILL 4.55

N.686

1911
Januar ..
Februar. „|
März .% |
pril ...
Mai...
Juni, ...
Juli...
August .s
September
Öktober. .
November
Dezemher

59,—
59,50 59,33 |
59:50
+0,50
1 [80:50 57,75
1,—
31/50 |
+1,50 (62,—' 57,25
24/50 /
54,50 F 64,50 58,16
84.50

— 0.08

_ 9.75

+ 4,75

4 6,34

; Stahleisen, Kern- ı Stahl.
Jahr | weißes, nicht über | schrott eisen ist
0,1% Phosphor, 1909| frei rhei- ‚|| höher
a ab Siegen, 1910 ab nisch-west.| (+)
un Siegen bzw. rhei- | fälischem "niedriger
nisch-westfälisches Ver- (—)
Werk, 1911 ab Siegen! braucher- | als Kern-(Siegerl.
 Qualität)1)} werk?) schrott
au [enats- | Vierteljahrsdurchschnitt
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68:50 67,17! 58,60 14 8,57
68,50 .
88,50 ) .
538,50 468,33] 59,62
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58,50 | |
58,50 68,50! 57,35
58,50
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72,50 472,38 | 59,75
72,50

Monat

1912
Januar ..
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März ...
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Mai ....
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August . .
September
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November
Dezember
1918
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he RR
rl...
Vai $ bb 4
Juni...
Juli...
August . .
September
Oktober. .
November
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72,50
72,50
72,50
72,50
7250
7580
7950
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7950
72.50
72:50
7980

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( 72,50 |

60.57

+ 11,98

‚79.50 | 59.49

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72,50 | 57,17

__ 15,33

72.50 | 51,50

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Januar .. — \ 61,57
Februar. . x— 59,74
März. ... — + 77,—
April... Fin — “) 84,50
Mai .... +08,— “) 69,25
Juni. ... 108,— Y 57,75
Juli... 102,50 49,50
August .., 102,50 54.70
September! 102,50 Dr
Oktober. . 95,50 RK
November 95,50 6R,
Dezember 95,50 70705

HH © * ALnltt

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1. 50,25
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- 47,80
- 41,15
26,10
29,05
„924.75

ir ——

Quellen: !) „Stahl und Eisen“.
— 3) Statistisches Reichsamt. Berlin.

— 3) Vereinigung der Schrottverbraucher, Düsseldorf.

87
        <pb n="381" />
        Fortsetzung.
(In Mark je Tonne zu 1000 kg.)

Jahr
und
Monat

1925
Januar ..
Februar. .ı
Nam ...
April...
Mai...
Juni...
Juli...
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November
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‘,1% Phosphor, 1909| frei rheizb
 Siegen, 1910 ab nisch-west-Siegen
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nisch-westfälisches Ver-Werk,
 1911 ab Siegen! braucher-(Siegerl.
 Qualität)!) | werk?)

95,50
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37,50
37,50
37,50
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Mo
\—
1,—
38,—
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BR

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74,85
73,95
76,85
71,95
35,70
59,95
55,55
53,95
48,10
48,25
47,—

Stahlsen
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höher
(+)
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als Kern-|
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1:21,15
.- 25,55
- 81,80
- 34,051
;- 35,45
37,05
39,90:
- 89,75
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Jahr

und
Monat

1926
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Februar. .
März ...
April...
Mai.
Juni...
Juli...
August . .
September
Oktober. .
November
Dezember |

Stahleisen, Kernweißes,
 nicht über |schrott
),1% Phosphor, 1909| frei rheiab
 Siegen, 1910 ab 'nisch-west.
Siegen, bzw. rhei- . fälischem
nisch-westfälisches Ver-Werk,
 1911ab Siegen| braucherfSiegerl.
 Qualität) | werk 2)

Monatadnrchachnitt

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38,—
38)
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,
51,80
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17,40
16,45
46,25
50,—
51,95
52,65
55,20
83,50
83.50

Stahleisen
 ist
höher
(+),
niedriger
(—)
jals Kernschrott


A

FE 40,—
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40,60
1 41,55
'_ 41,75
38,—
36,05
‚35,85
— 32,80
| 24,50
1. 94.50

uellen: !) „Stahl und Eisen“. — 2) Veteinigung der Schrottverbraucher, Düsseldorf.

RK
        <pb n="382" />
        Anlage 15.

Deutsche Stabeisen-, Knüppel- und Kernschrottpreise in den
Jahren 1909 bis 1913.
(In Mark je Tonne zu 1000 kg.)

Jahr

und

Vierteliahr

1909
il, Vierteljahr ...
2. Vierteljahr ....
3. Vierteljahr .... .
4. Vierteliahr . .

1910
1, Vierteljahr . .
2. Vierteljahr . .
3. Vierteljahr .
4, Vierteliahr .

1911
1. Vierteljahr .
2, Vierteljahr .
3 Vierteljahr ..
4. Vierteliahr .

1912
1. Vierteljahr ......
2. Vierteljahr ......
3, Vierteljahr ......
4. Vierteliahr ..

Stabeisen-Inlandspreise!)


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100,17
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106.66

{11,83
110,—
118,17
{18.50

111,50
105,—
101,88
105.23

111,83
119,17
122,42
124,50

Thomas-Knüppel-Inlandspreise?)


95,—
95, —
95,—
95 —

95,—
100,—
100,—
100.—

100, —
100,—
100,—
100.—

100,—
100,—
105,—
105. —

Kernschrottpreise®)
frei rheinischwestfälischem

Verhbraucherwerk

52,88
53,25
54,96
57.52

59,87
59,24
58,62
59.66

59,41
57,75
57,25
58.16

58,60
59,62
57,35
59.75

1912

1. Vierteljahr ...
2. Vierteljahr ...
3, Vierteljahr ...
4. Vierteliahr . .

128,66
118,17
99,83
97,33

105,—
105,—
L00,—
95. —

60,57
59,49
57,17
51,50

_ Quellen: !) „Stahl und Eisen“. 2 „Gemeinfaßliche Darstellung des
Eisenhüttenwesens“. 3) Vereinigung der Schrottverbraucher, Düsseldorf.

30
        <pb n="383" />
        Anlage 16.
Deutsche Stabeisen-, Knüppel- und Kernschrottpreise
in den Jahren 1924 bis 1926.
(In Reichsmark je Tonne zu 1000 kg.)

Sahr

ınd

Monat

1924
Januar, ..
Februar. .
März. ...
ee WW.
Mai 2.0.
Juni. ...
Juli...
August ..
September
Iktober . .
November.
Dezember .

1925
Januar. ..
Februar . .
April. ...
Mai...
Juni...
Juli...
August .,
September
Oktober . .
November.
Dezember ,
1926
Januar. ..
Februar. .
März. ...
Er Em
Mai ....
Juni....
Juli...
August ..
September
Oktober. .
November. |
Dezember.

Stabeisen

Inlandspreise

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180,—
140,—
150,—
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130,—
117,50
118,50
116,50
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122,50
19850

132,50
132,50
133,50
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‚32,50
127,50
135,— *)
(35,—
(34,30
134,30
‚34.30

114,—
114,—
114,—
114,—
114,—
114,—
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108,—
106,—
104 —

‚25,— **#)
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125,—
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118,50

Thomas-Knüppelh


bis September 1925
ab Werk, ab Okto-7er
 1925 ab Schnittpunkt
 Dortmund
oder Ruhrort, ab
Iktober 1926 auch
ab Neunkirchen
(Sn aroyahiekt1)

117,50
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120,—
‘80,—
122,50
112,50
105,—
106,—
102,50
101,25
110,—
(17.50

120,—
120,—
20,—
20,—
%0,—
20,—
20,—
‚20,—
120,—
119,25
119,25
[19.25

119,25
119,25
119,25
‘19,—
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D—
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AZ
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„12,50
112,50
112.50

Kernschrott?)


frei
rheinischwestfälisch

Verbraucher-



!

’) 61,57
% 59,74
3) 77,—
’) 84,50
5 69,25
0) 57,75
49,50
54,70
81,35
59,40
66,45
70.75

80,60
74.85
73,95
76,35
71,95
65,70
59,95
55,55
53,95
48,10
48,25
47 —

48,—
51,80
48,75
17,40
16,45
46,25
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51,95
52,35
55,20
68,50
68.50

*) Von August 1926 an ab Oberhausen. **) Von August 1926 an ab Türkismühle.
*4*) November und Dezember 1926 ab Neunkirchen.
Quellen: !) „Stahl und Eisen“, 2% Vereinigung der Schrottverbraucher‘
Düsseldorf. 3) Amtliche Notierung für Essen, Ia Stahl- nd Kernschrott frei rheinischwestfälischem
 Verbraucherwerk.

790
        <pb n="384" />
        Anlage 17.
Schrott- und Erzpreise.
(In Reichsmark je Tonne zu 1000 kg.)

Jahr
und
Monat

Ia Stahl-‘und
 Kernschrott

Essen

frei rheinisch-west

fälischem
Verbraucher-

 4)

Rohspat

tel quel®

Lothringische

Minette

Basis 32% Fe
frei Sierck
| [Skala 1.50 Frs.].
ab Dezember 192€
ı frei Schiff
'’Duisburg-Ruhror
[Skala 3415

Briey-Minette


87—838 0% Fo
Basis 35%, Fe
frei Sierck
[Skala 1,50 Frs.],
ab Dezember 1925
frei Schiff
Duisburg-Ruhrort
[Skala 234151

Bilbao-Rubio-



Basis
50% Fe,
cif
Rotterdam
 5

Schwedische

phosphor-


A-Erzea

Basis
60% Fe,
Iob
Narrvik5}

1924.

Januar ...
Februar ..
März ....
April...
Mai .....
Juni. ....
Juli.....
August ...
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Oktober. ..
November .
Dezember .
1925
Januar ... |
Februar ..
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Mai...
Juni. ....
Juli.....
August...
September .
Oktober. . .
November .
Dezember .
1926
Januar ...
Februar ..
März ....
April...
Mai.....
Juni. ....
Juli,....
August...
September .
Oktober. ..
November . |
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59,74 |
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84,50
69,25
57,75
51,—
31,75
38,90
59,38
70,—
77.80

835,50
77,50
78,96
79,40
73,50
36,63
62,60
54,88
52, —
48,88
48,63
18

49,38
52,56
48,85
47,45
47,40
48,95
51,20
53,57
53,30
55,82
64,57
AK’ 99

22,75
18,50
18,50
17,50
17,50
17,50
15,75
15,75
15,75
15,75
15,75
15.75

15,75
15,75
15,75
15,75
5,75
5,75
15,75
15,75
15,75
15,67
15,67
15.67

15,67
15,67
15,67
15,67
15,67
18,65
13,65
18,65
18,65
165
1.465
1368

|

813—4,.171}

3.91—6,77)

3,58—3,801)

4.921)

6,25
6,10
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5,80
3,20
3.10
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5,45
5,45
5,60
5,40
8 652)

7,95
7,80
7,65
7,85
8,15
7,85
7,70
7,30
7,45
7,50
6,70
9—2

8,65 9,45
8,95 9,70
8,95 9,70
8,65 9,45
3,65 3,45
3,65 3,55
3,75 9,60
2,95 9,80
3,20 9,95
9,20 u. mehr 10,20
6,30 3) ] 6,303
6,30% 6.303

19,45
19,55
19,95
20,20
20,80
20,—
19,80
20,35
19,75
18,45
18,90
19.25

21,60
21,60
21,60 |
20,65
20,15
19,90
19,90
19,40
19,40
18,35
18,35
{8.10

18,10
18,10
18,10
17,85
‚7,35
‚6,10
6,85
16,35
17,85
1725
1.25
1985

22,85
22,60
20,50
20,55
20,15
19,75
19,75
19,75
19,75
19,75
19,70
19.80

19,50
18,70
18,70
18,70
18,55
18,55
18,65
18,65
18,60
18,60
18,55
18.60

18,55
18,55
18,60
18,55
18,55
18,55
18,55
17,80
‚7,80
17,80
17,80
17.80

1) Ohne KR der Frachtgrundlage, 2) Ab Dezember 1925 Festsetzung
der Preise in Schilling, vorher in Franken. 3) Ab Grube.
Quellen: *%) Statistisches Reichsamt, Berlin. 5 „Stahl und Eisen“,

44 J |
        <pb n="385" />
        Anlage 18.

Verhältnis der Kernschrottpreise loco Leipzig zu den Kernschrott-Frankopreisen
 frei mitteldeutschem Werk.
(In Reichsmark je Tonne zu 1000 ke.)

Jahr

und
Monat

Schrottpreise loco
Leipzig

niedrigste |

höchste

Kernschrott-

 .
preise frei
mittelleutschem

Werk

Der Kernschrott-Frankopreis
 frei mitteldeutschem
 Werk war
höher als der

niedrigste | höchste _
Schrottpreis loco
Leipzig

19924

Januar. .....,
Februar .....
Wär HMM
April. ......
Mai...
Jani 000
SUlbr ı ar RR Ra
August. .... |
September. ...
Iktober .....
November ....
Dezember. ..
1925
‚Januar, .....'
Februar .....'!
März .......
April. ......
Mai... ......
Juni ....1..
Jui......0.
August. .....
September. ...
Oktober .....
November. ...
Dezember. . .
1926

Januar. .....
Februar .....
are
pril.......
Mai........
Juni 2.0...
Juli. .......
August. .....,
September. ...
Oktober .....
November. ...
Dezember ... |

5
51,7
Ca
1 —
35 —
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K,—
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‘1,95
5
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Quelle: Deutsche Schrottvereinigung, Berlin.

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        Anlage 19:

Verhältnis der Kernschrottpreise loco Chemnitz zu den Kernschrott-Frankopreisen
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Quelle: Deutsche Schrottvereinigung, Berlin.

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        Anlage 20.

Verhältnis der Kernschrottpreise loco Berlin zu den Kernschrott-Frankopreisen
 frei oberschlesischem Werk.
(In Reichsmark je Tonne zu 1000 ke.)

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        Anlage 22.

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(In Reichsmark je Tonne zu 1000 ke.)

Jahr

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11,18
10,48

14,11
17,10
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19,48
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20,01
16,01
19,41
19.38

18,67
15,79
16,02
14,36
14,85
15,56
16,21
15,19
17,36
16,47
16,39
18868

Quelle; Deutsche Schrottvereinigung, Berlin,

96
        <pb n="390" />
        Anlage 23,
Preisverhältnis von Gußbruch zu Kernschrott und zu
Gießereiroheisen II Luxemburger Qualität in der Vorkriegszeit
 (1909 bis 1912).
(In Mark ie Tonne zu 1000 kg.)

Jahr

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Monat

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August . .
September
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November
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Februar. . |
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Mai...
Juni... ..
Juli...
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September
Oktober. .
November
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Luxemburger
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ger Gießereiroheisenpreis

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+7,50
+7,50
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+ 3,22
+ 6,22
+2,72
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+ 1.72

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50,87
50,87
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58,87
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58,87
58,87
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58,87
58,87
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Ed

Quellen: 1) Angaben der „Gußbrucheinkauf-G. m. b. H.“, Düsseldorf, Die
übrigen Quellenangaben sind aus den vorhergehenden Anlagen ersichtlich.

397
        <pb n="391" />
        Anlage 24.
Preisverhältnis von Gußbruch zu Kernschrott und zu
+ießereiroheisen II Luxemburger Qualität in der Nachkriegszeit
 (1924 bis 1926).
(In Reichsmark je Tonne zu 1000 kg.)

Jahr

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Monat

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Luxemburger
Gießereiroheisen III

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Der Luxembur
ger Gießerei-Yroheisenpreis

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Juli. ....
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Quellen:
Quellenangaben
Preisnotierung.

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80,50
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30,50
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80,50
80,50
80,50
80,50
80,50
80,50
80,50
80,50 |
) Angaben der Gußbrucheinkauf-G. m. b. H., Düsseldorf,
sind aus den vorhergehenden Anlagen ersichtlich.

 15,— 89,—
13,20 69,—
18,25 | 89,—
9,60 | 39,—
7,55 | 39,—
7,75 | 39,—
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+ 0,50 | 69,—
1 950 | 69—

+17,50
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+ 18,50
+ 28,50
+ 26,50
26,50
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+ 26,—
+ 25,50
+ 16,50
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Die übrigen
2) Amtliche

5m
        <pb n="392" />
        Ausführungen des Sachverständigen Dr. Reichert
zu der Berechnung der Locopreise.

Die unter Bezugnahme auf das Gutachten „Die.deutschen Schrottpreise“)
 gewünschte Angabe, wie sich die Lokopreise in den
Städten Berlin, Hamburg, Breslau, Chemnitz und
Leipzig in den Jahren 1924 bis 1926 tatsächlich nach Monatsdurchschnittspreisen
 gestellt haben, kann ich leider nicht machen. Der
Deutschen Schrottvereinigung, an die ich mich gewandt habe, liegen
diese Angaben nicht vor, weil sie diese Zahlen in ihrem Geschäftsbetrieb
 nicht benötigt. Eine besondere Errechnung ist, aber in der
kurzen zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich, denn zur Errechnung
 der Monatsdurchschnittspreise würde es notwendig sein, von Tag
zu Tag in den Jahren 1924 bis 1926 sämtliche abgeschlossenen Geschäfte
zu untersuchen.
Nach Meinung der Deutschen Schrottvereinigung — und dieser
Meinung schließe ich mich an — wird das Ergebnis einer solchen Berechnung
 im allgemeinen aber darauf hinauslaufen, daß die tatsächlichen
 Monatsdurchschnittspreise ungefähr in der Mitte zwischen den
in den Anlagen 18, 19, 20, 21 und 22°) des Gutachtens angeführten
niedrigsten und höchsten Lokopreisen liegen. Dieses arithmetische
Mittel ist in der Anlage 1 dieses Schreibens ausgerechnet worden.
Der Enquöte-Ausschuß hat ferner gebeten, auch die Schwankungen
 der Schrottpreise für die Jahre 1900 bis 1907
durch Angabe von Monatsdurchschnittspreisen zu erfahren.

Auch das hat seine Schwierigkeiten, denn. die Organisation der
Deutschen Schrottvereinigung besteht erst. seit dem Frühahr 1904, und
die für diese Errechnung notwendigen Einkaufsabschlußbücher sind
nicht mehr vorhanden, Vielleicht ist dem Ausschuß damit gedient, daß
in Anlage 2 die monatlichen Durchschnittspreise franko oberschlesischem
 Verbrauchswerk für die Zeit vom Mai 1904 bis Ende 1907
angegeben werden. Es sind dies die Preise, die die oberschlesischen Werke
für ihre Kernschrottbezüge tatsächlich gezahlt haben, Diese Preise
dürften zu den rheinisch-westfälischen Notierungen franko Verbrauchswerk
 ungefähr in demselben Verhältnis stehen, wie es für die Jahre 1924
bis 1926 in dem Gutachten „Zur Frage der Schrottpreise in den
wichtigsten Eisenländern‘“?) angegeben worden ist. Die Relation zu den
Mitteldeutschen Preisen kann sich allerdings etwas verschieben, d. h.
die Preisspanne dürfte hier etwas geringer sein, wenn man die niedrigeren
 Eisenbahnfrachten der Vorkriegszeit gegenüber den ietzigen
höheren Sätzen berücksichtigt.
') Siehe S. 83329f£.
2) Siehe 8. 892 ff.
3) Siehe S. 349 u. Anl. 13 S. 886.

26 Enq.-Aussch. Ill, Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

FC
        <pb n="393" />
        Auch von der Vereinigung der Schrottverbraucher in Düsseldorf
habe ich die Schrottpreise für die Jahre 1900 bis 1907 nicht erhalten
können, weil auch dort die nötigen Unterlagen fehlen. In Anlage 3
werden daher für zwei rheinisch-westfälische Werke Preisangaben gemacht,
 und zwar für die Zeit vom dritten Vierteliahr 1905 bis
Ende 1908,
Was die Stabeisenpreise betrifft, um die Preisrelation
zwischen Stabeisen und Kernschrott zu veranschaulichen, so sind in der
Anlage 4 die Monatsdurchschnittspreise für die Jahre 1900 bis 1907
zusammengestellt. Hierzu wird bemerkt:
Die Preise für das Jahr 1901 sind dem Buche von Müßig entnommen
 und beziehen sich auf die Frachtgrundlage Neunkirchen-Saar.
Andere Preise standen für das Jahr 1901 nicht zur Verfügung. Die
übrigen Preise stammen aus „Stahl und Eisen“.
Exportpreise für Stabeisen habe ich für diese Jahre nicht beibringen
 können. Ich habe mich an einige Werke gewandt, aber wegen
ler Kürze der Zeit noch keine Antwort erhalten.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch eine Berichtigung des Gutachtens
 „Zur Frage der Schrottpreise in den wichtigsten Eisenländern“
vornehmen. Dort ist auf Seite 357 eine Statistik gegeben, in. der u. a.
auf Grund der Eisenbahngüterverkehrsstatistik ausgerechnet war, daß
Öberschlesien im Jahre 1925 zu 45,5 % seinen Schrottbedarf innerhalb
einer Zone von 200 km decken konnte. Eine Nachprüfung hat ergeben,
daß dieser Prozentsatz zu hoch ist. Wir Sachverständigen haben diese
Zahl auf Grund der Bezüge von Mittel- und Niederschlesien errechnet.
Diese Gebiete erstrecken sich jedoch, von Gleiwitz aus gesehen, nicht
auf eine Entfernung bis zu 200 km, sondern auf eine solche bis zu
300 km. Hierdurch reduziert sich die Menge, die auf eine Entfernung
von 200 km entfällt, von 64 600 t auf 38 760 t. Unter Berücksichtigung
lessen beträgt der Schrottbezug Oberschlesiens im Jahre 1925 im
Lokalverkehr . ..... . . 103200t= 28 %
aus Entfernungen von etwa 200 km 38 760t= 10,5 %
aus Entfernungen über 200 km. . 226340t— 61,5 %
Zusammen 368 300t=100 %

Hierbei ist noch darauf hinzuweisen, daß in den Zahlen des Lokalverkehrs
 Mengen enthalten sind, die aus Entfernungen von 200 km und
darüber hinaus stammen. Man muß nämlich berücksichtigen, daß die
Jüterverkehrsstatistik jede Bewegung von Schrott auf deutschen Eisenbahnen
 erfaßt, also auch solche Sendungen, die auf die Lagerplätze
größerer Händlerfirmen gegangen sind, ehe sie den eigentlichen Verhüttungsstätten,
 d.h. den Werken, zugeführt werden. Dadurch gibt
der Schrottversand z.B. von dem Gleiwitzer Alteisen-Lagerplatz nach
den oberschlesischen Stahlwerken, der unter Lokalverkehr aufgeführt
ist, nicht genau das richtige Bild, da es sich hierbei größtenteils um
Schrottmengen handelt, die zuvor aus einer Zone von 200 km, 300 km
der gar darüber bezogen worden sind.
Von dieser Berichtigung des Gutachtens bitte ich Kenntnis zu
nehmen.

1A

 *WEhup
        <pb n="394" />
        Anlage 1.

Monatsdurchschnittspreise für Kernschrott').
(In Reichsmark je Tonne zu 1000 ke.)

Januar. .....
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Januar. .....
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Juli. 0.0.0000.
August. .....
September ...
Oktober .....
November. ...
Dezember . ...

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43,13 | 47,75
59,75 | 46,—
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50,50‘ 39,12
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loco Berlin

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1924 | 1925 | 1926

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38,—
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44,70
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KO __

loco Breslau

Januar. .....
Februar .....
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Juni

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3

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Juli... ....4.
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40,50
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36,—
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41,
47,75
48 —

') Errechnet als arithmetisches Mittel zwischen den niedrigsten und höchsten
Loco-Preisen. Vel. S. 392ff.

6

401
        <pb n="395" />
        Anlage 2.

Monatliche Durchschnittspreise der Kernschrottbezüge
der oberschlesischen Werke

(In Mark je Tonne.)

Januar. ...
Februar ...
März ....
April. ...
Mai... ..
Juni...
Juli. ......
August ....
September ...
Oktober .....
November. ...
Dezember . .

"004

51,—
50,60
59,80
58,05
57,80
57,40
57,40
58.40

1905

58,70
58,10
58,75
57,60
58,95
57,90
57,45
57,10
57,25
58,10
59,80
59.85

1906

1907

80,88 78,90
81,75 74,82
64,01 78,70
65,90 72,46
63,98 71,89
62,84 72,91
65,29 72,58
67,35 72,64
66,93 71,38
67,66 69,87
68,26 68,48
70.65 68.28

Die Preise verstehen sich je Tonne, franko Waggon Verbrauchswerk.

Anlage 3.

Vierteljahresdurchschnittspreise für Stahl- und Kernschroti
frei rheinisch-westfälischem Verbraucherwerk.
(Werk A und Werk B).
(In Mark ie Tonne.)

Viertel-Werk

 A

Jahr

jahr

Stahl- und Kernschrott

1905 I.
‚905 IV.
‚906 4.
‚906 | “mM
1906 IL
1906 IV.
1907 ]
(907 T,
1907 1T,
1907 14
‚908 a,
‚908 IL.
908 HL
‚908 IV.

=.
„FF 27
8 —
38,—
36,—
36,50
70,—
B9,—
59,—
55,—
55,50
51,75
52,—

Werk BR

Stahl- | Kern- Fabrikschrott
 schrott | drehspäne

52.50

88,—
87,—
36,50
4,—
1,25
iy—
59,50
30,—
Zn
Ar
50,—

59,95
Ya
MM, —
Y— '
31,50
34,— 54,—
38,— 56,—
35,— 54, —
38,— ii 52—
50,— | 52,—
54,— 48,50
52,75 48,50
52,75 | 44.50

|

167
        <pb n="396" />
        Anlage 4.

Monatsdurchschnittspreise für Stabeisen in Deutschland
1900 bis 1907.
(Inlandspreise)

Monat

Januar .. .......
Februar ..
März ...
April...
Mai......
Juni... ...
Jene une
ugust .......4
September...
Oktober .......
November ......
Dezember ......

1900 [49019 | 1902 | 1903

‚85
‘90
‚90
"90
90
A
0
85
75
70
60
40

/

135 105
130 110
120 115
118 115
“16 | 5
16 5
3 D
T 5
„5
10
105
105

‘05
105
108,75
108,75
108,75
"08,75
‘08,75
08,75
08,75
07,50
107;
107.50

2
„3
114
115 |
a

1904

‚07,50
107,50
112,50
‘12,50
12,50
12,50
12,50
40
08
06,50
06,50
106/50

1905

J8
‘08
12,50
08
08
08
=
08
“9
;
HE
7

1906

120
129,50
:22,50
22,50
‚28,75
93,75
4
A
25
75

| 4907

148,75
48,75
L49
149
149
‘43,50
‘42,50
41
36,29
131
112,50
‘11.25

1) 1901 Frachtgrundlage Neunkirchen-Saar nach „Müssig“. Übrige Preise nach
„Stahl und Eisen“,

1073
        <pb n="397" />
        Ausführungen
des Herrn Reichskommissars für Aus: und Einfuhrbewilligung
 zur Schrottausfuhr.
Eingereicht: April 1927.

Die Frage, welche Mengen Schrott bei Aufhebung des Ausfuhrverbotes,
 also bei Angleichung der Inlandspreise an den Weltmarkt, aus
Deutschland abfließen würden, ist schwer zu beantworten und kann
aicht durch Zahlen belegt werden. Die nachstehenden, auf jahrelanger
Beobachtung des Schrottmarktes im In- und Auslande beruhenden
Schätzungen sind lediglich als vermutliche Durchschni%tts zahlen
der nächsten Jahre zu werten, da Angebot und Nachfrage und damit
auch der Preis in den einzelnen Ländern sehr starken Schwankungen
unterworfen sind, die sich in FEin- bzw. Ausfuhr entsprechend auswirken.

Als Abnehmer für deutschen Schrott kommen in Frage:
L. Polen.
Die polnisch-oberschlesischen Werke werden in diesem, dem letzten
Kontingentejahre wohl zum ersten Male die ihnen im Genfer Abkommen
zugestandenen 235 C00 t Schrott aus Deutschland abrufen. Man wird
daher annehmen können, daß sie zusammen mit den Werken in Kongreß-Dolen
 etwa 200- bis 2830 000t Schrott jährlich den deutschen Verorauchern
 entziehen würden.
2. Tschechoslowakei.
Die tschechischen Werke werden einen Durchschnittsverbrauch von
wa 250 000 t Schrott im Jahre haben, den sie nicht im eigenen Lande
aufzubringen vermögen. Da sie aus Österreich und anderweit gleich
frachtgünstig im allgemeinen nur einen Teil ihres Zukaufschrottes beziehen
 können, würden meiner Schätzung nach durchschnittlich etwa
10- bis 50 000 t jährlich aus den angrenzenden Gebieten Deutschlands
nach der Tschechoslowakei abwandern.
3. Italien.
Die italienischen Schrottverbraucher sind gezwungen, zur Deckung
ihres Schrottbedarfs durchschnittlich etwa 8- bis 900 000t Schrott im
Jahre einzuführen. Diese Mengen stammen zum großen Teil sogar aus
außereuropäischen Ländern. Bei Öffnung der deutschen Grenzen würden

bi}
        <pb n="398" />
        also zweifellos aus dem Süden Deutschlands und aus den Küstengebieten
sehr erhebliche Mengen nach Italien abfließen. Im Durchschnitt würde
diese Menge schätzungsweise etwa 25 % der italienischen Einfuhr, also
vielleicht 2- bis 250 000 t im Jahre betragen.
4. Spanien und andere Interessenten.
Die voraussichtliche Ausfuhr nach Spanien ist auf etwa 20 000 t
im Jahre zu schätzen. Die gleiche Menge dürfte für England, die nordischen
 Staaten, Schweiz, Österreich u. a. zusammen anzusetzen sein.
Die Gesamtausfuhr von Schrott würde danach bei geöffneten
Grenzen voraussichtlich im Durchschnitte etwa 5- bis 600000% betragen,
 also etwa. 10 % des Gesamtbedarfes der deutschen eisenerzeugenden
 Industrie.

408
        <pb n="399" />
        Ausführungen
des Vereins Deutscher Schiffswerften: e. V.
zu dem Schrottentfall bei den deutschen
Werften.

Eingereicht: Juni 1927.

Die Angaben unserer Mitgliedswerften, bei, denen wir die Frage
gestellt hatten, welcher Schrottentfall in den Jahren 1911 bis 1913 nach
obigem Gesichtspunkte, und in den Jahren 1922 bis Ende 1926 anzugeben
 sei, zeigen folgendes Bild:

Für den größeren Teil der Werften, die im wesentlichen Neubauten
hergestellt haben und keinen oder einen geringfügigen Reparaturbetrieb
haben, ist in den Jahren 1911 bis 1913 der Schrottentfall mit durchschnittlich
 8 % zu bemessen.

Die gleiche Ziffer ist für die Neubauten in der Periode. 1922 bis
Ende 1926 nach dem Kriege einzusetzen.

Die Ziffer erhöht sich bei denjenigen Werften, die auch ein starkes
Reparaturgeschäft betreiben, ganz wesentlich, so daß z.B. bei einer
unserer größten Werften, die auch das umfangreichste Reparaturgeschäft
 am Hamburger Platz betreibt, der Gesamtentfall für die Vorkriegsperiode
 14,75 % beträgt, und für die Nachkriegsperiode 23,15 %.

Bei einer Reihe von kleineren und Flug-Schiffswerften, deren
Materialverbrauch aber im Verhältnis zu der großen Summe gering ist,
kommen auch höhere Prozentsätze vor.

Jedenfalls glauben wir, daß für den Durchechnitt des Schrottantfalls
 auf die bezogene Materialmenge für den Schiffbau einschließlich
Reparatur normalerweise nicht mehr ale 9 % gerechnet werden sollte.

Bezüglich Ihrer weiteren Frage, die Lebensdauer des Eisens betreffend,
 haben wir die zur Verfügung stehenden Statistiken über das
Lebensalter der Handelsflotten in den verschiedenen größeren Schiffahrt
treibenden Ländern durchgesehen. Das Ergebnis ist folgendes:

„O6
        <pb n="400" />
        Von einem Gesamtflottenbestand von 29 092 Schiffen mit 62 671 937
Bruttoregistertonnen sind 7247 Schiffe mit 8805 712 . Bruttoregistertonnen
 mehr als 25 Jahre alt, im Prozentsatz also 14,06%. Hierbei
muß beachtet werden, daß ein starker Prozentsatz des Abganges an
Schiffen durch Seeunfall regelmäßig erfolgt, also die physische Lebensdauer
 des Eisens, welches zu diesen Schiffen verwandt war. bestimmt
nicht erschönft war.

Zweitens muß berücksichtigt werden, daß diese Zahlen, welche auf
das Jahr 1926/27 abgestellt sind, eine ganz erhebliche Einschränkung
durch die Kriegsereignisse erlitten haben, dergestalt, daß die Hauptschiffahrtsländer,
 wie Großbritannien mit Kolonien, die Vereinigten
Staaten, Frankreich und andere durch den Kriegsverlust und Neuersatz
eine verhältnismäßig starke Verjüngung ihrer vorhandenen Flotte erfahren
 haben. Hieraus müßte geschlossen werden, daß der Prozentsatz
der über 25 Jahre alten Schiffe bedeutend, wahrscheinlich normalerweise
donpelt so hoch sein würde.

Von Bedeutung dürfte auch eine vor kurzem durch den Leiter des
Germanischen Lloyd dem Unterzeichneten gemachte Mitteilung sein,
daß die eisernen Schiffe, welche in Deutschland in den 80er und 90er
Jahren vorigen Jahrhunderts gebaut wurden, praktisch unverwüstlich
wären und auch heute noch trotz schärfster Kontrolle keine Ausrangierung
 bezüglich ihrer Gebrauchsfähigkeit für die Seefahrt rechtfertigen
würden.

Wir können daher unsere Antwort nur dahin zusammenfassen, daß,
soweit das in der Seeschiffahrt verwandte Eisen- und Stahlmaterial in
Frage kommt, eine 25 jährige Lebensdauer viel zu niedrig ist.
Wir gestatten uns, den von uns angefertigten Auszug, aus dem
obige Zahlen ersichtlich sind, dieser Auskunft beizufügen.

Was schließlich die Frage wegen der Abwrackindustrie angeht, so
haben wir darauf zu erwidern, daß diese Tätigkeit sich in den letzten
Jahren ganz außerordentlich vermindert hat. Eine ganze Anzahl von
lediglich zu diesem Zwecke, alte Kriegs- und Handelsschiffe abzuwracken,
 eingerichteten Unternehmungen sind stillgelegt, und auch die
Nebenbeschäftigung, welche eine Anzahl von Schiffswerften mangels
anderer Aufträge sich durch Abwracken zu verschaffen suchte, hat mehr
und mehr abgenommen, so daß nach unserer Kenntnis der Entfall von
Schrott aus dem Abwracken von Schiffen keine große Bedeutung mehr
für den Gesamtentfall von Schrott besitzt.

Die Kosten des Abwrackens sind durch die starken Lohnerhöhungen,
welche seit Beendigung der Inflation dazu geführt haben, daß heute die
Löhne bedeutend über den Friedensstand und besonders gegen die Zeit
bei Stabilisierung der Mark gestiegen sind, auch ohne Frage die Ursache,
 daß die Tätigkeit des Abwrackens mehr und mehr verschwindet.
Der Erlös soll in vielen Fällen kaum die Anschaffungs- und' Verschleppungskosten
 gedeckt haben, so daß jeder Anreiz verloren gegangen ist.

7
        <pb n="401" />
        Gesamttonnage der einzelnen Schiffahrtsländer
im Jahre 1926/27 (Lloyds Register).

Land

N
Australien und Neuseeland . .
Canada x &amp;gt; 4 «a 4 ih Ka
Andere britische Kolonien ..
Britisch A
Vereinigte Staaten (U.S.A.):
See .......117117
Binnenseen ........

Belgien .....
Brasilien. . . .
Dänemark. . .
Frankreich . .
Deutschland. . .
Griechenland . .
Holland ...., .
[talien .“ 2... .
Japan .......0. .
Norwegen... ..... 2...
Spanien ......... ‚4
Schweden ..... .
Andere Länder. ........
jesamtmenge der Welt ...J

Gesamtzahl


BRT

Davon über
25 Jahre alt
Zahl | BRT

7 964
6537
664
658

19 263 785
799 777
1132 723
756 175

‚558
170
‘62
1m

1.676 328
89 308
173 699
174 211

9 9923

91 0592 460

92055 |92 112 41

etwa 9,6

83116
305

|

11391780 |
2348 319
12 740 099

419 | 614 194
188 | 449904
557 11064 098

3 621

7.7

222
338
561
1 498
1928
457
L 061
L 099
2.087
‘ 802
802
. 205
298

43 539
164 577
180 499
359 380
418 387
387 491
89 8363
756 921
847 261
327 198
502 498 |
408 679
* 142 185
| 62671937 | 7247 |8805712| etwa 14.6

29 092

LOS
        <pb n="402" />
        Ausführungen
des Vereins Deutscher Maschinenbau-Anstalten
zu dem Schrottentfall in der deutschen
Maschinenindustrie.
Eingereicht: Juli 1927.
Der durchschnittliche Schrottentfall bei der Verarbeitung ist der
folgenden Tabelle zu entnehmen:
Abfallprogente
in v.H. der Materialkosten.

| Schwer-Erzeugnis
 maschinenhan


Werkzeugmaschinen. .............
Gießereianlagen, Krane, Aufzüge, Hebe-ZEUBO
 ı re
Kreiselpumpen, Turbokessel, Speisepumpen
Zerkleinerungs- u. Aufbereitungsmaschinen
Maschinen für die Papierindustrie und das
graphische Gewerbe. ..........
Luftbefeuchtungsanlagen, Ventilatoren,
Schleifereianlagen

8. 10

Ya

Mittlerer
Maschinenhan


®. 10

Leichter
Maschinenbau


20-—26
bis 25
10

Diese Angaben stammen zwar aus dem Jahre 1924, wesentliche Verschiebungen
 dürften seitdem aber nicht eingetreten sein.
Über die Lebensdauer von. Maschinen finden sich in dem Ihnen zugegangenen
 zweiten Gutachten von Herrn Direktor Lange‘) einige Angaben.
 Weiteres Material ist hierüber nicht verfügbar. Wir glauben
jedoch, daß sich damit ein Überblick über die Frage der durchschnittlichen
 Lebensdauer von Maschinen gewinnen läßt.
Der Bitte nach den Loko-Schrottpreisen in den Orten, die in dem
eisenindustriellen Preisgutachten genannt sind. kann leider im Augenblick
 nicht entsprochen werden.

1) S 311.

199
        <pb n="403" />
        Äußerung
des Reichsverbandes der Automöobilindustrie e. V.
zum Schrottentfall in der Automobilindustrie.
Eingereicht: Juli 1927.

Das Kraftfahrzeug besteht durchschnittlich zu 30 bis 35 '%o aus geschmiedetem
 Stahl, zu 30 bis 35 % aus gewalztem Stahl. Der Anteil
an Leichtmetallen am Kraftfahrzeug beträgt etwa 5%, während die
übrigen 25% sich auf Nichteisenmetalle. Gummi, Leder, Polster
{las usw. verteilen.

Eisen in unveredeltem Zustand wird zum Bau eines Kraftfahrzeuges
aur in ganz untergeordneter Menge verwandt. In Deutschland wird bei
der Konstruktion des Wagens hauptsächlich darauf Rücksicht geaommen,
 ein hochwertiges Qualitätserzeugnis zu schaffen. Infolgedessen
 wird hochwertigster Stahl so dimensioniert, daß er den höchsten
Anforderungen entspricht. Die Bearbeitung der zum Kraftfahrzeug verwandten
 Edelmaterialien wie Schleifen, nachträgliche Wärmebehandlung
 usw., verlangt es, daß das angelieferte Material eine entsprechende
Materialzugabe besitzt, die naturgemäß verspant werden muß. Verschiedene
 kompliziertere Teile müssen infolge ihrer Konstruktion bzw.
Bearbeitungsmöglichkeiten Materialzugaben erhalten, die ebenfalls verspant
 werden müssen. Es gibt am ganzen Automobil eo guß wie
keinen Metallteil, die Zubehörteile ausgenommen, der im Roh- und
Anlieferungszustand eingebaut werden könnte, d.h. also ohne besondere
Bearbeitung oder Verspanung zur Verwendung gelangen könnte. In
der Automobilindustrie entfällt daher durchschnittlich der doppelte
Prozentsatz auf Schrottentfall wie in der übrigen Industrie, d.h. also,
der Schrottentfall kann bei der Automobilindustrie mit ungefähr 20 %
des Gewichts des Fertigfabrikates angegeben werden.
Hinsichtlich der durchschnittlichen. Lebensdauer des Kraftfahrzeuges
 wird bemerkt, daß diese vollkommen abhängig ist von der Pflege
und Wartung des Fahrzeuges, ebenso wie von dem durchschnittlichen
Jahreskilometergebrauch. Rein durchschnittlich gerechnet kann diese
nach vorsichtiger Schätzung mit zehn Jahren angegeben werden.
Nachstehend folgt ein Bild. über die durchschnittliche Lebensdauer
der Kraftfahrzeuge, welches dem von der amerikanischen Nationalen
Automobilhandels-Kammer herausgegebenen Werk „Facts and Figures
&amp;gt;f the Automobile Industry“ entnommen ist.

Lt()
        <pb n="404" />
        Durchschnittliche Lebensdauer der Kraftfahrzeuge.
Tausend , 960 1915, rn 2 1920, .
soo [OT 28_22_ 7 „26 718119 *__ 21 27 23 24_1925 49900
50.000 130000

Tausend

20000k—-16000'


20000
! 16.000

0900
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3000|
7000
5000!
5000
4000*
3007

9000
7000
3000
1000
8000
5000
1000

‚&amp;amp; Janra

W009

ypa

3 2

2000

1 . )
Jurchschnittliche
Lebensdaver

CC

1

1000

300

08 09 WR us MU N WO ai ER
1907 1910 195 1920 1925
Die linke Seite des schwarzen Feldes gibt die Zahl der jährlich neu eingestellten
die rechte Seite die der aus dem Verkehr gezogenen Kraftfahrzeuge an. Die horizontale
 Entfernung zwischen einem Punkt der linken und der rechten Seite gibt
die für die betr. Zeit geltende durchschnittliche Lebensdauer der Kraftwagen an

.E&amp;amp;

300

Zu der vorstehenden Abbildung wird bemerkt, daß die durchschnittliche
 Lebensdauer der amerikanischen Kraftfahrzeuge geringer ist als
die der deutschen Kraftfahrzeuge. Rechnet man in Amerika mit einer
durchschhittlichen Lebensdauer der Fahrzeuge von 6 bis 6'/, Jahren, so
kann man bei uns, wie schon erwähnt, mit einer solchen von 10 Jahren
rechnen. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß die amerikanische
Automobilindustrie größtenteils auf die Massenfabrikation und nicht
auf die Qualitätserzeugung eingestellt ist, während in Deutschland die
Automobilfabrikation ihr Augenmerk darauf richtet, in erster Linie ein
besonders hochwertiges Erzeugnis zu schaffen. An dieser Tatsache wird
auch die zunehmende Serienfabrikation in Deutschland wenig ändern,
da die oben vertretene Auffassung der Erzeugung von Qualitätsarbeit
ein Grundsatz der deutschen Automobilfabrikation bleibt.

111
        <pb n="405" />
        Äußerung der Deutschen Reichsbahn:
Gesellschaft über die Lebensdauer des von ihr
verwendeten Eisens
Eingereicht: Juli 1927.

Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft hat die Lebensdauer des von
ihr für verschiedene Zwecke verwendeten Eisens geschätzt und ist unter
Zugrundelegung des derzeitigen Stoffverbrauchs zu dem Ergebnis gelangt,
 daß die eisernen Öberbaustoffe eine Lebensdauer von ungefähr
25 bis 30 Jahren, die eisernen. Werkstoffe und Ersatzstücke eine solche
von 20 bis 25 Jahren und die eisernen Brücken sowie die sonstigen
Eisenbauwerke eine solche von 50 bis 60 Jahren haben, Künftig wird
jedoch aus den schon angeführten Gründen und mit Rücksicht auf die
größere Pflege, die man den Anlagen neuerdings angedeihen Jäßt, mit
ainer etwas höheren Lebensdauer gerechnet werden können. Den dort
geschätzten Schrottanfall in den Ausbesserungswerken von 10 % des
Erzeugungsgewicht hält die Deuteche Reichsbahn-Gesellschaft für ausreichend.


1197
        <pb n="406" />
        Äußerungen des Verbandes Deutscher Schrottbetriebe
 zur Frage der Schrott-Tarifierungen.
Eingereicht: Juli 1927.

Zur Beurteilung der Schrott-Tarifierung bedarf es eines kurzen
Rückblicks über die Schrottfrachtenentwicklung.
Vor dem Kriege ging altes Eisen, ohne große Unterscheidungen zu
treffen, nach dem Spezialtarif III. Die Angemessenheit der Frachthöhe,
die glatte Behandlung des Schrottversands durch die Reichsbahn gab,
keinen wesentlichen Anlaß zu Klagen.
In der Kriegszeit traten. gewisse Erleichterungen infolge erweiterter
Fassung des Tarifwortlautes ein.
In der Inflationszeit trat die Frachtfrage zurück. Sie wurde erst
wieder brennend nach der Stabilisierung.
Vor dem Kriege war der Schrottverbrauch geringer als heute, es ist
daher auch damals keine Schrottknappheit im heutigen Ausmaße festzustellen
 gewesen. Die Versandstrecken, insbesondere für minderwertiges
 Material, waren allgemein kürzer. Mangels Bestehens umfassender
 Schrottorganisationen wurde auch für besonders niedrige Tarifierung
 von Schrott keine Sorge getragen.
Gegenüber der Vorkriegszeit weist heute die Schrott-Tarifierung
einschneidende Verschärfungen auf.
a) Während die Schrottpreise heute noch teils nominal Friedensstand
 aufweisen, teils höchstens 20 % über Friedenspreis liegen,
sind die Frachten der Klasse E, nach der Schrott heute tarifiert,
nicht nur um 40 % der Gesamtgeldentwertung erhöht, sondern
noch darüber hinaus.
Während heute nahezu sämtliche anderen Waren und Rohstoffe
in überwiegendem Ausmaße zu Ausnahmetarifen gefahren werden
(etwa 70 % des Gesamtversands), ist, dies hei Schrott nicht der
Fall.
1. Ein Wasserumschlagstarif ist abgelehnt worden.
2. Ein Seehafenausnahmetarif, insbesondere für Abwrackschrott,
 wurde gleichfalls abgelehnt.
Der einzige Ausnahmetarif (AT 7) befördert heute nahezu
gar kein verhüttungsfähiges Schrottmaterial, da sein Wortlaut
 den handelsüblichen Voraussetzungen nicht entspricht,
weshalb der Tarif fast nicht angewandt werden kann.

3

473
        <pb n="407" />
        Ferner besteht eine Hauptschwierigkeit darin, daß durch Änderung
 und Komplizierung des Wortlauts der Tarifstelle Schrott
die Versendung von Sperrschrott infolge tariflich festgesetzter
Frachtreklamation hohen Zinsbelastungen, Auftarifierungsrisiken,
 Lagerungsschwierigkeiten unterliegt. Die Heraussortierung
 von Nutzmaterial, die eine Preisverbilligung des Schrotts
ermöglicht, ist durch den heutigen Tarifwortlaut unmöglich gemacht.

Die Frachtberechnungsvorschriften zwingen zum Fahren von
hohen Leerfrachten, für die die 10 t-Nebenklasse keinen Ausgleich
bietet. Dies betrifft insbesondere minderwertigen Schrott. Besonders
 im AT7 ist hier eine durchgreifende Erleichterung
gedacht.
Demgegenüber ist festzustellen, daß die neuerlich gemachten. Vorschläge
 zur Reform des Reichsbahngütertarifs Erleichterungen in ausschlaggebendem
 Ausmaße nur der Fertigindustrie zugute kommen läßt.
Von den Einzelheiten der Tarifreform ist nur zu erwähnen, daß die Ermäßigung
 der Nahfrachten für Klasse E völlig unzulänglich ist. Diejenige
 Tarifmaßnahme, die für die Schrottwirtschaft von einschneidender
Bedeutung ist, nämlich die Einführung einer Zwischenklasse zwischen
E und F, für die der detarifierungsreife Schrott in erster Linie in Frage
kommt, ist im Laufe der Verhandlungen sang- und klanglos verschwunden.

Als Gesamtergebnis der Schrott-Tariflage ist demnach zusammenzufassen:
 .
Neben gesetzlichen Maßnahmen trägt die Tarifpolitik der Reichsbahn
 hinsichtlich des Rohstoffversandes in ausschlaggebender Weise
dazu bei, den Schrottabsatz im Inlande zu erschweren und in einer Reihe
von Fällen unmöglich zu machen... Alle Anregungen auf Verwertung
minderwertigen Schrotte, dessen Aufspürung und Zuführung kann durch
einige, von der Reichsbahn ohne große Frachtausfälle durchzuführende
Maßnahmen ermöglicht werden. Ale solche sind in erster Linie zu
nennen:
Detarifierung von Schrott nach einer niedrigeren Tarifklasse,
wenn nicht F, dann nach einer unbedingt einzuführenden
Zwischenklasse.
Schaffung von Bahnausnahmetarifen von entfernten Gebieten
nach den Verbrauchszentren, insbesondere von Süddeutschland
und gegebenenfalls von den Seehäfen.
Anpassung des Wortlautes der Tarifstelle Schrott an die handelsüblichen
 Verhältnisse unter Einbeziehung des insbesondere im
Hochofen verwendeten Blechschrotts.
Rückführung des Wortlautes der Tarifstelle Schrott auf den
Friedenswortlaut unter Wegfall der derzeitigen Reklamationevorschriften.


114
        <pb n="408" />
        Verkaufsbedingungen.
Fingereicht: Juli 1927.
Für die Beschaffenheit des Materials sind die
Bedingungen der Empfangswerke maßgebend.
Werksbefund bezüglich Qualität und Gewicht
zur Verrechnung ist beiderseitig maßgebend. Bei
Qualitätsbeanstandungen ist das Werk berechtigt, auch teilweise entladene
 Waggons zur Verfügung zu stellen.
Lieferungen anderer Herkünfte.als in dieser Bestätigung vermerkt,
sind nicht zulässig.
Bei Versand an Lagerplätze der Schrotteinkaufsgesellschaft ist der
dort festgestellte Befund maßgebend, bei Umschlag derjenige des betreffenden
 Empfangswerkes.
Ausgeschlossen vom Verkauf ist grundsätzlich jeder
Schrott, welcher auch nur vermuten 1äßt, daß sich in
ihm Explosivstoffe befinden könnten. Handelt der Lieferant gegen diese
Vorschrift, so ist. dieser für jeden Schaden, der dadurch entsteht, verantwortlich.
 Ferner sind von der Lieferung ausgeschlossen: Abfälle
von Preßmuttereisen und daraus hergestellte Gegenstände wegen des in
der Regel zu hohen Phosphorgehaltes.
Unter einem Waggon wird, wenn nichts anderes vereinbart, 15 t
verstanden.
Versendungen können nur auf Grund meiner Verfügung vorgenommen
 werden, die ich jeweils rechtzeitig einzufordern bitte und
welche restlos, insbesondere bezüglich aller von mir angegebenen
Frachtbriefvermerke usw. zu befolgen sind. Durch verfügungswidrige
Sendungen entstehende Weiterungen gehen zu Lasten des Lieferanten.
Der Versand hat unter Berücksichtigung der bestehenden "Tarif.
bestimmungen zu erfolgen. Durch Nichtbeachtung entstehende Fehlfrachten
 gehen zu Lasten des Lieferanten.
Im Frachtbrief muß die Materialsorte, als welche der
Waggon zum Versand gebracht wird, genau deklariert
Sein. Nur dann ist das Empfangswerk zu eventuellen Beanstandungen
in der Lage; andernfalls ist es berechtigt, den Wagen ohne weiteres
nach Befund zu übernehmen. Bei Versand an einen Spediteur kann eine
entsprechende Weiterleitung an das Werk nur bei genauer Materialdeklaration
 gewährleistet werden. Die Lieferanten werden in ihrem Interesse
 darauf hingewiesen, daß die Einhaltung dieser Vorschrift unerläßlich
 ist. Bei Nichtbeachtung ist der Lieferant der Befundsaufgabe
des Empfangswerkes unterworfen.

27 Eng.-Aussch., 11. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

115
        <pb n="409" />
        Unter prompter Lieferung ist eine Ablieferungsfrist von 14 Tagen
zu verstehen.
Die Erfüllung der Abschlüsse hat in chronologischer Reihenfolge
zu geschehen, Lieferungen auf spätere Abschlüsse dürfen also nicht vor
vollständiger Erfüllung älterer Abschlüsse vorgenommen werden.
Versandavise bzw. Rechnungen sind nur nach ........ einzusenden,
 da Abrechnung und Regulierung von ...... aus erfolgt.
Kopie der Versandanzeigen bzw. Rechnungen erbitte ich nach ......
Wiegegebühren sowie Staatsabgaben zu Lasten des Lieferanten.
Die Abtretung der Forderung des Lieferanten aus diesem Geschäft
ist. ausgeschlossen, soweit sie nicht schriftlich von mir genehmigt ist.
Erfüllungsort und‘ Gerichtsstand ist... 4}. u.
Die: Zweitausfertigung ‚des Bestätigungsschreibens bitte‘ ich anarkannt
 umgehend zurückzusenden. }‘: *°
Etwaige. Sistierungen. der Empfangswerke sind auch für DD verbindlich.
 Die ‚Lieferfrist verlängert sich. in. diesem Falle um die bei
Eintritt der Sistierung noch offene Lieferunksdauer.

116
        <pb n="410" />
        Übersicht über die Fragen, die von der Arbeits:
gruppe Eisenindustrie ‘an die einzelnen Sachverständigen
 in der Frage der Schrottwirtschaft
zu richten sind.

l. Die deutschen: Schrottsorten.
Wo. werden die von den Sachverständigen!) angegebenen Schrottsorten
 in. der Hauptsache verwandt? ;
Gibt es insbesondere Schrottsorten, die gegenwärtig in der Hauptsache
 nur. in bestimmten Öfen verwendet werden, da sie unter
Annahme der üblichen Preisspanne zwischen den in Frage stehenden:
 Schrottsorten‘. den‘ Ofenbetrieb. (Abbrand, :Wärmeverlust)
entscheidend beeinflussen?
Gibt es andererseits. Schrottsorten; die so‘ höchwertig sind, daß
sie im wesentlichen nur in bestimmten Öfen “verwendet werden,
unter, Umständen ‘sogar :nur zur-. Erzeugung : von bestimmtem
Qualitätsmaterial?
Wie groß_ ist bei den wichtigsten Einkaufsorganisationen oder
sonstigen Handelsfirmen der eisenschaffenden Industrie das Umsatzverhältnis
 zwischen hochwertigem Schrott (Kernschrott und
Stahlschrott) und geringwertigerem Schrott (Späne, Schmelzeisen,
 gebündelte Blechpakete) andererseits gewesen? N
‚Die Angaben werden für das Jahr 1913 und für die Jahre
1924 bis 1926 erbeten.
Mit welchem Prozentsatz von geringwertigerem Schrott kann die
Chargierung der verschiedenen Ofenarten höchstens rechnen
a) im Hochofen, We N
b) im S.-M.-Ofen (saurer und basischer von 30 t Größe mit
4 bie 4,5 Chargen),
c) im Kupolofen je 5 t Stundenleistung, .
J) im Elektroofen von 4 bis 6t Größe, und zwar im Niederleistungsofen
 von 4 bis 5 Chargen und im Hochleistungsofen
 von 8 Chargen?
6. Geht die technische Entwicklung in der. Richtung, die erhöhte
Verwendung von geringwertigerem Schrott zu unterstützen, und
zwar im S.-M.-Ofen, im ‚Kupolofen und im Elektroofen?
Welche technischen Mittel sind bereits vorhanden, um unter
Wahrung der Wirtschaftlichkeit den geringwertigeren Schrott
ofenfähig zu machen (Bündeln;, Paketiermaschinen usw.)?

!) siehe S. 882 ff.

417
        <pb n="411" />
        Gibt es Gebiete, wo viel minderwertiger Schrott entfällt, der infolge
 der Frachtlage nur beschränkt, dem Schrottverbrauch zugeführt
 wird?
Können Anlagen der unter der Frage 8 genannten Art in diesen
Gebieten dazu dienen, den geringwertigeren Schrott dem Verbrauch
 zuzuführen, und welche Unkosten schließt das Ofenfähigmachen
 von solchem geringwertigeren ‚Schrott in sich?
Es wird um Angabe gebeten der Kosten für Bündeln von
Blechpaketen, Paketierung von Blechabfällen, Pressen von
Spänen, Entzinnen von Blechabfällen unter Angabe der benutzten
 technischen Mittel, der Länge der Abschreibungs-Fristen
 und‘. unter Angabe der‘ Generalunkosten, die im
Rahmen eines mittleren Schrottlagerbetriebes auf diese Arbeit
entfallen. Der mittlere Lagerbetrieb sei etwa durch eine Belegschaft
 von 50 Mann, durch das Vorhandensein einer
Schiebebühne und eines Normaldrehkranes charakterisiert.
10. Wo sind solche Angaben bereite in Deutschland vorhanden, und
zwar .
a in der eisenschaffenden Industrie,
b) im Schrotthandel?
Würde die Ausnutzung der Waggons durch OÖfenfähigmachen des
geringwertigeren Schrotts an Ört und Stelle des Entfalls gebessert
 werden können und in welcher Weise? ;
Welche Menge Sperrschrott wird, schätzungsweise in Prozent auf
der Eisenbahn versandt und erst am Verbrauchsort, ofenfähig zerschnitten?
 ;
Welches Verhältnis im Umsatz nimmt das Lagergeschäft zum
direkten . Streckengeschäft bei ihrer Einkaufsorganisation ein?
Die Angaben werden erbeten für 1913 und 1924 bis 1926.

11.

12.

13

Il. Sechrottbedarf.

14.

Welches sind die hauptsächlichsten technischen und qualitätsmäßigen
 Momente, die für ein verstärktes Vordringen des S.-M.-Verfahrens
 sprechen?
Welches sind die haupteächlichsten technischen Momente, die für
das Vordringen des Thomas-Verfahrens in Zukunft sprechen?
Wie wirken sich diese technischen Momente unter Berücksichtizung
 der augenblicklichen Marktverhältnisse (Preisverhältnis
zwischen Schrott und Erz) aus?
Gibt es Wirtschaftsgebiete, bei denen das stärkere Vordringen
des Thomas-Verfahrens und solche, in denen das stärkere Änwachsen
 des S.-M.-Verfahrens wahrscheinlich ist?
Welche Verfahren (Schrottroheisenverfahren, Hoeschverfahren,
Roheisenerzverfahren) werden angewandt
1. in Deutschland,
2. in Polen,

{5

16

17

18

LIRQ
        <pb n="412" />
        3. in der Tschechoslowakei,
4. in Frankreich,
5. in Italien,
6. in England,
7. in den Vereinigten Staaten?
19. Welche Werke arbeiten in Deutschland nicht nach dem Schrottroheisenverfahren,
 und wie groß ist schätzungsweise der Anteil
der einzelnen Verfahren an der Gesamt-S.-M.-Stahlerzeugung?
20. Welches ist der normale Einsatz von Schrott
im Hochofen unter Berücksichtigung der in den verschiedenen
 Wirtschaftsgebieten als typisch anzusehenden
Möllerungen,
im S.-M.-Ofen von 30t Größe mit 4 und 41% Chargen je
24 Stunden, für sauren und basischen Ofen und bei Produktion
 normaler Handelequalität,
im Kupolofen je 5 t Stundenleistung,
im Elektroofen von 4 bis 6 t Größe, und zwar in Niederleistungsofen
 von 4 bis 5 Chargen und im Hochleistungeofen
 von 8 Chargen?
21. Wie wird durch Veränderung der Chargierung der Ofenbetrieb
der obengenannten. Arten beeinflußt?
Gibt es technische Verfahren, besonders im Gießereibetrieb, die
eine erhöhte Verwendung von Schrott (Gußbruch) mit sich bringen
 können? |
Falls solche Verfahren (Überhitzungsverfahren, Thyssen-Emmelverfahren
 usw.) bereits erkennbar sind, ist anzugeben, ob die Anwendung
 dieser Verfahren bereite einen erhöhten Schrottverbrauch
 bewirkt.

1

29.

93

I. Entfall von Schrott.
24. Ist ein durchschnittlicher Schrottentfall von 20 % in der eisenschaffenden.
 Industrie nach Gutachten Nr. 2) unter Berücksichtigung

a) der technischen Fortschritte,
b) angesichts der zunehmenden Durchführung eines einheitlichen
 Walzprogramme heute noch aufrechtzuerhalten?
Besteht Einverständnis mit der Berechnung des Herrn Direktor
Lange über die in der Vergangenheit vorgenommenen Eisen-Investitionen”)?
 Verbessert.diese Berechnungsart die vorher vorgenommenen
 Schätzungen der Höhe der Eiseninvestition? Wird
insbesondere die Berechnung des Altschrottverbrauchs?) anerkannt?

Welche technischen Verfahren haben. den prozentualen Verlust
durch Rosten usw. in der jüngsten Vergangenheit verringert?
Finden diese technischen. Verbesserungen auf allen Gebieten der

D5.

26.

ı) Siehe S. 295.
*) Siehe S. 826/27.
3) Siehe S 895°

419
        <pb n="413" />
        Eisenverwendung Anwendung “oder. ist "die Anwendung derselben
nur beschränkt? Sa ; ;
Welcher Prozentsatz geht nach den Erfahrungen des Sammelhandels
 beim Eisenverbrauch in Haushaltungen usw. verloren?
Insbesondere ist das Aufspüren. der Eisenmengen auf dem
flachen. Lande zu. berücksichtigen. ;

27

28

IV. Organisation des Schrottmarktes. ,
Von welchen wichtigsten Faktoren ‚ist, die Preisbildung . des
Schrotts in, Deutschland abhängig? |
Welches sind die besonderen Gründe für die besondere Koniunkturempfindlichkeit
 des Schrottpreises? 1
Welche Einkaufsörganisatinoen (Werksfirmen, Vertragefirmen)
bestehen für die eisenschaffende Industrie im Westen.
Welche Einkaufsorganisationen (evtl. Werksfirmen, Vertragsfirmen
 usw.) bestehen. für die eisenschaffende Industrie in Mittelınd
 Ostdeutschland?
Welche‘ Gebietsabgrenzung hat zwischen der‘ Dortmunder Einkaufsstelle
 und der Deutschen Schrottversorgungsgesellschaft,
Berlin; stattgefunden?
Wie groß ‚sind die Mengen, die durch diese Einkaufsorganisazionen.
 (evtl. Werksfirmen, Vertragsfirmen) der eisenschaffenden
[ndustrie schätzungsweise zugeführt werden? Kan .
Welches sind die wichtigsten Handelsfirmen (Groß- und Mittelürmen),:die
 neben.diesen KEinkaufsorganisationen als ‚selbständige
Firmen bestehen, und welche Mengen werden schätzungsweise
durch diese Firmen der deutschen eisenechaffenden Industrie
lirekt oder indirekt zugeführt?
3esteht zwischen: den Einkaufsorganisationen und gewissen selbständigen
 Firmen irgendein Bindungs* oder Abhängigkeitsver-Aus
 welchen Gründen wird der Schrott. in Deutschland im allgemeinen
 auf rheinisch-westfälischer Basis gehandelt; insbesondere,
warum kaufen: die mitteldeutschen,: oberschlesischen und sonstigen”
 vorgelagerten‘ Werke den Schrott im allgemeinen auf
rheinisch-westfälischer Basis ein, und inwieweit nützen diese
Werke ihren Frachtvorsprung im Einkauf von Schrott aus?
Welche Folgen ‘hat dieser Einkauf auf. rheinisch-westfälischer
Basis und die ganze oder teilweise Ausnutzung des Frachtvorsprungs
 durch die mitteldeutschen. oberschlesischen und sonstigen
vorgelagerten Werke
a) für das mengenmäßige Aufkommen von Schrott in den
Entfallgebieten,
{ür die schrottverbrauchenden Werke, insbesondere auf
deren Wettbewerbsfähigkeit,
für die echrotterzeugenden Industrien usw., insbesondere
auf deren Wettbewerbsfähigkeit,

20

30

271

5)

39

24

DE

36

137)

20)
        <pb n="414" />
        A) für den Handel, . |
e) in allgemein volkswirtschaftlicher Beziehung? =...
38. Haben die gegenwärtig bestehenden Einkaufsorganisationen der
Schrottverbraucher, das sind die: Schrotteinkaufsgesellschaft in
Berlin für die mitteldeutschen und oberschlesischen : Werke, die
bei den: Vereinigten Stahlwerken in. Dortmund‘ bestehende Einkaufsstelle
 für die großen gemischten. Werke.in Rheinland-Westfalen
 und die Gußbruch-Einkaufsstelle in‘ Düsseldorf, einen
monopolistischen Charakter?
39. ‚Welche Folgen ergeben, sich aus den Feststellungen laut Frage 38
a) für das mengenmäßige Aufkommen von Schrott,
b) für die schrottverbrauchenden Werke,
c) für die Schrottabgeber (Industrie usw.),
d) für den Handel,
€) in allgemein volkswirtschaftlicher Beziehung?
40. Wie ist der eigentliche Sammelhandel beschaffen? Beschäftigt
sich der Sammelhandel ausschließlich mit dem Aufspüren der
Schrottmengen, oder geht er auch anderen Gewerbezweigen nach
(Speditionsgeschäft, Lumpenhandel usw.)? Wie groß ist der
durchschnittliche  Geschäftsumfang eines solchen‘ Geschäfts?
Welche Mengen werden schätzungsweise in. den verschiedenen
Gebieten durch den Sammelhandel der Schrottwirtschaft zugeführt?
 en
41. Welche: Abwrackbetriebe bestehen zur Zeit noch in Deutschland
a) für Schiffsabwrackung,
b) für Lokomotiv- und Waggonabwrackung, WE
Wie weit sind Schrotteinkaufsorganisationen (Werks- oder
Vertragsfirmen) und der selbständige Handel an solchen Abwrackfirmen
 beteiligt? . . ;
Wie weit treiben solche Firmen Abbruchgeschäfte?: ..
Diese sind von den eigentlichen Abwrackbetrieben hier
getrennt zu behandeln. ;
Welches sind die Filialen.und Lagerplätze der Firma Schweitzer
&amp;amp; Oppler? .
Haben die Einkaufsorganisationen die Möglichkeit, beim Einkauf
ihrer Materialien von den ihnen angegebenen Richtpreisen abzugehen
 durch Gewährung bestimmter Prämien oder durch Überschreitung
 des Preises? Sind insbesondere Fälle vorgekommen,
wo die Einkaufsorganisationen diese Preispolitik angewandt
haben, um den selbständigen Schrotthandel, der an die Einkaufsorganisationen
 verkaufen muß und daher an die Richtpreise derselben
 gebunden ist, aus dem Geschäft zu drängen?
Gewähren die KEinkaufsorganisationen besondere Zuschläge
(Schneegelder, Eisgelder, Lieferungsprämien usw.), die eine
Variierung des Schrottpreises gestatten?
In welcher Weise verkauft die deutsche Reichsbahn ihre Materialien?
 Welcher Anteil wird heute noch durch Submissionen
ausgeschrieben? Welcher Teil der Menge geht durch den freien

42,

471
        <pb n="415" />
        Verkauf in die Hände des Verbrauchs über? Werden ausrangierte
Lokomotiven und Waggons von der Reichsbahn direkt verschrottet
 ‘oder im Gemeinschaftsvertrage mit bestimmten Abwrackfirmen?
 Wieweit war dieses Geschäft früher die Domäne des
freien. Handels?
Wie sind die Zahlungsbedingungen des Schrotthandels
1. im Verkehr zwischen der eisenschaffenden Industrie und.
den Einkaufsorganisationen bzw. dem selbständigen
Handel, .
im Verkehr zwischen Einkaufsorganisationen bzw. eelbständigem
 Handel und Schrotterzeuger (eisenverbrauchende
Industrie)?
47. Mit welchen Selbstkosten muß der Sammelhandel beim Aufspüren
der Schrottmengen auf dem Lande rechnen (Fuhrgebühren, Aufladegebühren
 usw.) ?
Welche Zuschläge muß der Schrotthandel für das . sogenannte
Lagergeschäft rechnen, ausschließlich Chargierfähigmachen von
Schrott, welches als Fabrikationezuschlag zu rechnen ist?
Mit welchen Unkosten pro Tonne chargierfähigem Schrott hat
das Abwrack- und Abbruchgeschäft in seinen verschiedenen
Sparten zu rechnen
im Abwracken von Schiffen (Handelsschiffen) ,
im Abwracken von Lokomotiven und Waggons,
im‘ Abbruch von typischen Industriewerken (Gasanstalten,
 Kraftwerken usw.)?
Welches sind die AÄnschaffungskosten eines Lagerplatzes mittleren
 Umfanges (Belegschaft 50 Mann, eine kleinere Schrottschere,
 10 Brennapparate mit entsprechender Azetylenanlage,
einem Normaldrehkran, einer Schiebebühne) ?
Welches sind. die Anschaffungskosten eines Lagerplatzes
größeren Umfanges (eine große Schrottschere, Belegschaft über
30 en 2 bis 3 Normalkräne, einer Schrottpaketierungsanlage
usw.)?
Welches sind die normalen Unkosten beim Chargierfähigmachen
von Kernschrott und Gußbruch?

48.

19,

50.

31.

52.

53.

V. Die Gestaltung der Sch rottpreise.
Bedingt die Höhe des Schrottpreises auch einen verstärkten An-‚:all.von
 Altschrott bzw. ein verstärktes Herauskommen der vom
Schrotthaändel auf Lager genommenen Mengen?
Welches war der monatlich jeweilige Schrottbedarf (Monatsangaben)
 der oberschlesischen, ‚Mitteldeutschen und westdeutschen
 Werke in den Jahren. 1924 bie 1926?

534.

55.

VI. Außenhandelswirtschaft für Schrott.
Wie hoch ist der Schrottverbrauch in Polen und der Tkchechoslowakei
 einerseits und Italien und Frankreich andererseits?

+27
        <pb n="416" />
        Welche Wachstumstendenz hat der Schrottverbrauch in
diesen Ländern aufgewiesen, und woher haben diese Länder ihren
Schrott außer aus Deutschland bezogen?
Mit welchem inneren Anfall von Schrott können diese Länder
 rechnen?
Welche Mengen würden schätzungsweise bei freier Ausfuhrwirtschaft
 von den in Frage stehenden Ländern aus Deutschland
bezogen werden? Eine Aufbereitung des ausländischen statistischen
 Materials wird in dieser Beziehung möglicherweise mehr
Klärung bringen können,
Wie wirkt das bestehende Schrottausfuhrverbot und seine Handhabung
 auf die Verwertbarkeit des im Inlande entfallenden
Schrottes und auf die inländische Preisbildung, insbesondere in
den von der rheinisch-westfälischen Basis entfernten Entfallgebieten,
 und wie wirkt es auf die koniunkturellen Schwankungen
 der Preisbildung?
Wie wirken die ausländischen Schrottausfuhrverbote auf den
deutschen Schrottmarkt?
Würde ein Aufheben des Schrottausfuhrverbotes eine Veränderung
 der Frachtbasis für den Einkauf von Schrott in besonders
gefährdeten Bezirken, z.B. Sachsen, unter Berücksichtigung der
Binnen- und Durchfuhrtarife, mit eich bringen?
09. Wieweit würde eine freie Arbitragemöglichkeit (internationaler
Schrotthandel) die konjunkturellen Schwankungen beeinflussen?

36.

57.

58.

423
        <pb n="417" />
        Öffentliche Sitzung am 6. Juli 19279).

Vorsitzender: Ich eröffne die Sitzung. Die Arbeitsgruppe
eritt in die Verhandlungen ein, denen der Fragebogen für dieı mündliche
Vernehmung zugrunde liegt.
1. Wo werden die einzelnen Schrottsorten”) in der Hauptsache verwandt?
 ;
Gibt es insbesondere Schrottsorten, die gegenwärtig in der Hauptsache
 nur in bestimmten Öfen. verwendet werden, da. sie unter
Annahme: der üblichen Preisspanne zwischen den in Frage
stehenden Schrottsorten den Ofentrieb, Abbrand und Wärmeverlust,
 entscheidend beeinflussen? ;
Gibt es andererseits Schrottsorten, die so hochwertig sind, daß
sie im wesentlichen nur in bestimmten. Öfen verwendet werden,
unter Umständen sogar nur zur Erzeugung von bestimmtem
Qualitätsmaterial? ;

*Sachverständige Mathesius und Petersen: Der schwere
Schrott, frischer schwerer Walzwerkschrott, schwerer Stahlechrott,
Kernschrott, wird vorzugsweise in Siemens-Martin-Öfen verwendet, zum
Teil auch in der Thomasbirne zugesetzt. Für die Zugabe im Hochofen
werden in der Hauptsache die minderwertigen Schrottsorten, Späne,
Schmelzeisen, Blechpakete benutzt. Darüber hinaus ist eine grundsätzliche
 Unterscheidung der Verwendung der verschiedenen Schrottsorten
nicht vorhanden. Die Verwendung der Schrottsorten für die verschiedenen
 Öfen ist von Fall zu Fall von wirtschaftlichen Gesichtspunkten,
 d. h. von den jeweiligen Preisverhältnissen abhängig.
Der Schrott von legiertem Stahl, Nickelstahl, Chromstahl, Molybdänstahl
 usw., ist infolge seines Gehaltes an wertvollen Legierungsbestandteilen
 besonders hochwertig. Dieser Schrott wird bei der Erzeugung
 von Nickelstahl, Chromstahl usw. im Siemens-Martin-Ofen,
Tiegelofen oder Elektroofen zugesetzt, um gleichzeitig die darin enthaltenen
 wertvollen. Legierungsbestandteile wieder nutzbar zu machen.
Sachverständiger Osann: Was wird unter Schmelzeisen verstanden?

Sachverständiger Mathesius: Es gibt im Schrotthandel eine
besondere Sorte Schrott, die als Schmelzeisen bezeichnet, wird. Sie wird
als weniger wertvoller Schrott. dem Hochofen zugewiesen.
') Die mit * versehenen Äußerungen. sind schriftlich vor der Vernehmung- eingereicht
 worden.
2) Siehe S. 332 ff.

DA
        <pb n="418" />
        “Vorsitzender: Wie groß ist bei den "wichtigsten Einkaufs:
örganisationen | oder ‚sonstigen Handelsfirmen der. “eisenschaffenden- Industrie
 das Umsatzverhältnis zwischen hochwertigem: Schrott: Kernschrott
 und Stahlschrott.und geringwertigerem Schrott: Späne, Schmelzeisen,
 gebündelte Blechpakete? Die Angaben werden für das Jahr 1913
und für die Jahre 1924—26 erbeten, *
. *Sachverständiger Heinson: Für das Jahr 1913 liegen mir
Zahlen nicht vor. Über die Jähre 1924—26 unterrichten folgende
Zahlen:

Kernschrott. ....
Stahlschrott ... ..
Schienenstücke . . .
Drehspäne ..,.....
Fabrikblechschrott: . .
Lose Blechabfälle. . .
Schmelzeisen ..

1924.
24/9
50 »
1.

1925

1926
129%
64 ,
*% bl
"mn

Die Zahlen beziehen sich nur auf den Westen, Hochofenschrott und
Siemens-Martin-Schrott ist in ihnen enthalten. Es handelt sich um den
sogenannten Zukaufsschrott, der ‚eigene. Entfall der Werke ist dabei
nicht berücksichtigt. . Außerdem ist ganz allgemein darauf hinzuweisen,
 daß der.als geringwertig. betrachtete Schrott nicht unbedingt
auch in.technischer und wirtschaftlicher Beziehung als geringwertig zu
bezeichnen ist. Es gibt vielmehr eine ganze Anzahl Werke,.die z.. B.
lieber gebündelte Pakete gebrauchen als Stahlschrott bzw. Kernschrott,
falls es sich nicht um ein besonders hochwertiges Stahlerzeugnis handelt.
“Sachverständiger OÖ lo ff: Zukaufsschrott, d.h. Schrott, der auf
den Markt gelangt und von den Verbrauchern käuflich übernommen wird,
zergliedert sich nach Sorten in hochwertigen Schrott mit 70—80 % und
geringwertigen. Schrott: mit 20—30.%,
Dieses Verhältnis hat sich im Westen in. den letzten Jahren herausgebildet.
 Für die Vorkriegsjahre ist es unbekannt.
*Sachverständiger Wenzel: Vom 15. November‘ 1926, dem Tage
des Bestehens der Dortmunder Schrotteinkaufsgemeinschaft, bis zum
14. Juni 1927 ist das‘ Umsatzverhältnis von hochwertigerem Schrott
zu dem geringwertigeren Schrott 76% Zu 24% gewesen. Die Zahlen
für 19138 sowie für 1924—26 sind mir unbekännt. Diese Angabe bezieht
 sich nur auf den Westen. für den Osten kann ich die Frage nicht
beantworten.

*Sachverständiger Möller: Die Frage vermag ich so, wie sie ge-Stellt
 ist, nicht zu beantworten, weil mir die Zahlen von den Einkaufs
Organisationen nicht zur Verfügung stehen. . Die deutsche ‚Schrottvereinigung
 und deren Vorgängerin erfaßte nur die Lieferung für die angeschlossenen
 sächsischen, oberschlesischen und mitteldeutschen Werke.
Andere Werke von zum Teil sehr großer Bedeutung kauften ihren
Schrottbedarf selbständig. Ich kann Ihnen nur die Zahlen für die
Lauchammerwerke, Riesa, Gröditz und Lauchhammer, nennen. : Das

406
        <pb n="419" />
        prozentuale Verhältnis zwischen Kernechrott und Stahlschrott einerseitg,
Spänen, Schmelzeisen, geb. Blechpaketen und: sonstigem minderwertigen
Schrott andererseits stellt sich für diese Werke für die Jahre ;

1918 ...,
1924
1925
19926

0.0... 50: 50
10000000, 45 55
. ; 66
” 49

Die Verwendung von minderwertigem Schrott in Martinöfen ist
zwar an ein gewisses Verhältnis zu gutem Schrott und Roheisen gebunden,
 für Lauchhammer ist es aber in. erster Linie eine Preisfrage.
Lauchhammer hat die in einem gewissen Bezirk aufkommenden minderwertigen
 Schrottmengen stets restlos erfaßt und deshalb dürften vorstehende
 Zahlen beweisen, daß die Sammeltätigkeit und der Entfall
lieses minderwertigen Schrottes im Freistaat Sachsen und den anliegenden
 Bezirken sich nicht wesentlich geändert hat, abgesehen. von dem
Jahre 1925. Der Unterschied ist so zu erklären, daß unsere Nachbarn
aus irgendwelchen Gründen diesen minderwertigen Schrott nicht einsetzten,
 so daß für uns die Möglichkeit bestand, ihn in größeren Mengen
einzukaufen.

*Sachverständiger Oppler: Bei dem U msatz der Schrottverkaufs-G.
 m. b. H., Berlin, einer Verkaufsgemeinschaft von bedeutenderen freien
Handelsfirmen der Orte Berlin, Stettin, Lübeck, Landsberg, Görlitz,
Dresden, Chemnitz und Zwickau, wurden. für das Jahr 1926 folgende
Anteile ermittelt: ‘

i. Hochwertiger Schrott:

IL. Gerin

Stahlschrott ............
Kernschrott ............
Schienen .... 00.0.0...
Verschiedener schwerer Schrott
Brockeneisen ...........
Schneideeisen ...........
Zzwertiger Schrott
Drehspäne .............
Gußspäne. ............
Lose Blechabfälle . ;.......
Gebrauchte Blechabfälle. ....
Hydraulisch gepreßte ;
Blechabfälle RK
Schmelzeisen ...........
Verschiedenes leichtes Material
Hochofenschrott ..

%
8,78
13,48
3,38
2,52
1,22
1,27

11,39
4,75
4,75
1.44

0,81
5,61
1,61
3.09

60,55

39,45
100.—

Bis auf den an Hochofenbetriebe gegangenen. Hochofenschrott kamen
alle Sorten an Siemens-Martin-Werke zum Versand,
Voraussichtlich wird sich das Verhältnis des Entfalles an hochwertigem
 Schrott. im Vergleich zu geringwertigeren. Sorten mengenmäßig
zugunsten der letzteren mit der steigenden Entwicklung der Automobil-.

‘A
        <pb n="420" />
        Flugzeug- und Elektroindustrie und. der Fortschritte der Verfeinerungsindustrie
 ändern, Auch dürften, ähnlich wie in Amerika, unbrauchbar
gewordene Automobile den Prozentsatz von minderwertigerem Schrott
nicht unwesentlich beeinflussen. Ferner dürfte ein weiterer Rückgang
an hochwertigem Schrott eintreten, da die weiterverarbeitende Industrie
aus Sparsamkeits- und Rationalisierungsgründen Neumaterial im
Gegensatz zu früher seltener in Lagerlängen, sondern meistens in
bereits abgepaßten Längen bezieht,
*Sachverständiger Wohlgemuth: Material zur Beantwortung
dieser Frage steht mir ausschließlich, bei der Schrotteinkaufsgesellschaft
m. b. H., Berlin, und aus den Akten der früheren Eisenhandelsgesellschaft
 m. b. H., Berlin, zur Verfügung.
Bine Trennung in Kern- und Stahlschrott, wie sie in Westfalen
üblich ist, wird bei der Schrotteinkaufsgesellechaft und bei der früheren
Eisenhandelsgesellschaft nicht vorgenommen. Infolgedessen: können
sich meine Angaben nur auf Kernechrott einerseite und. andererseits alle
anderen Sorten zusammengefaßt beziehen. Es ergibt sich somit folgendes
Beteiligungsverhältnis. ;
Kernschrott Sonstige Sorten
% %
1913 56,48 43,52
1924 66,74 33,26
1925 65,34 34,66
1926 68.84 31.16

Die Erklärung für die Verschiebung im Verhältnis der Gruppen
zueinander findet man nicht in einer Vernachlässigung der minderwertigeren.
 Sorten, sondern darin, daß einerseits der Entfall an Drehspänen
 und Blechabfällen durch die schlechte Beschäftigung der weiterverarbeitenden
 Industrie erheblich zurückgegangen ist, andererseits
unter der Gruppe Kernschrott die großen Mengen Oberbauschrott erscheinen,
 die die Reichsbahn durch Auswechselung der Strecken dem
Schrottverbrauch zugeführt hat. Hierunter fallen auch in großen Umfange
 Schienen, die in normalen Zeiten im Baugeschäft und im Grubenbetrieb
 Aufnahme fanden, bei dem verstärkten Ausbau aber, der in den
letzten 1% Jahren bei der Eisenbahn stattfand, im normalen Markt
nicht Aufnahme finden konnten.
Sachverständiger Rothschild: Über eine genaue Statistik
verfüge ich nicht. Ich habe aber einmal die Geschäfte für den Monat
April 1927 ausgezogen. Unser Geschäft ist sehr international geartet,
So daß die Kernschrottmenge vielleicht größer ist, als es im allgemeinen
der Fall ist. Wir haben im. April. 1927 an sogenannten besseren. Sorten
120 000 t und an anderen. Sorten 15 000 t eingekauft, darunter Späne mit
8000 t, Pakete mit etwa 5000 t. Schmelzeisen und Blechabfälle nur in
kleinen Mengen.
Sachverständiger Birawer: Nach meinem Dafürhalten kann
man die Sorten mengenmäßig mit 50:50 angeben. Bezüglich Kernschrott
empfehle ich, nur zwischen grobem Schrott und minderwertigem Schrott

427
        <pb n="421" />
        zu unterscheiden... Auf. beide entfällt. je die Hälfte; im wesentlichen wird
minderwertiger Schrott. im Hochofenbetrieb. verwandt. Er ist bei ‚uns
nicht. einbezogen worden, weil die Hochofenbetriebe der Organisation
nicht angehören, .Man kann annehmen, daß der gesamte minderwertige
Schrott erfaßt: wird; ...
Vörsitzender: Mit-welchem Prozentsatz von geringwertigerem
Schrött kann die Chargierung der verschiedenen: Öfenarten "höchstens
rechnen:
a) .im Hochofen;
5) im Siemens-Martin-Ofen- .(Saurer‘ und“ :Basischer‘ von“ 30%,
Größe mit 4 bis 4,5 Chargen), e
im Kupolofen je 5 t Stundenleistung,:
im Elektroofen von 4 bis’ 6 t Größe, und zwar im Niederleistungsofen
 von 4 bis 5 Chargen- und im: Hochleistungsofen
vön :8&amp;amp; Chargen? .... „uf
Geht die technische Entwicklung in der Richtung, die erhöhte
Verwendung: von geringwertigerem Schrott‘zu unterstützen; und
Ta im Siemens-Martin-Ofen, im Kupolofen : und‘ im : Elektro:
ofen? ie Back
“Sachverständige Mathesius und‘. Pe tersen: Eine Grenze
für die Zugabe von minderwertigem Schrott zu der Beschickung der verschiedenen
 Ofenarten. kann nicht angegeben‘ werden, . da, auch hierfür
wirtschaftliche Gesichtspunkte ausschlaggebend sind. Wenn die Minderwertigkeit
 des Schrotts durch schädliche Bestandteile bedingt ist, z.B.
an: Phosphor, . Schwefel, Zinn und dergleichen; so: kann- ein: solcher
Schrott im Siemens-Martin- oder Elektroofen je nach: den zu erzeugender
Qualitäten überhaupt nicht oder nur in entsprechend geringeren Mengen
zugegeben werden, ;
Ein eindeutiges Urteil über die Entwicklungstendenz der Technik
in der Richtung, daß Mminderwertiger Schrott in erhöhtem Umfang‘ verwendet
 werden kann, ist kaum zu fällen. Während früher minderwertiger
 Schrott, wie Späne und Blechabfälle, nur schwer verwendbar
war, weil der Einsatz dieser sperrigen. Schrottsorten in den. Ofen
geraume Zeit in Anspruch nahm und infolgedessen den Betrieb verteuerte,
 sind diese Schwierigkeiten durch die Einführung von; Paketierpressen
 und Spänebrikettierung behoben worden; immerhin: ist der
Abbrand bei diesen Schrottsorten infolge ihrer großen Oberfläche entsprechend
 größer. Der emaillehaltige Schrott, emaillierte Töpfe und
sonstige Hausgeräte, war bisher kaum verwendbar, da die Emaille schädliche
 Bestandteile enthält; nach neuesten Auskünften sind in der Technik
des Entemaillierens Fortschritte erzielt worden. . Allgemein gehen die
Bestrebungen dahin, in Siemens-Martin-Öfen und Kupolöfen den besten
Schrott zu verwenden, da mit Rücksicht auf Abbrand, Brennstoffverbrauch
 usw. der beste Einsatz eich wirtschaftlich am günstigsten stellt.
. "Sachverständiger Wenzel: Die Entwicklung wird mit Rücksicht
auf die dauernde Schrottknappheit dahin gehen, daß eine erhöhte Verwendung
 geringwertigen -Schrottg durch entsprechende. technische

A
        <pb n="422" />
        Einrichtung unterstützt wird. Andererseits darf nicht verkannt werden,
daß in Anbetracht der steigenden Ofengröße der Wunsch verstärkt
wird, vorwiegend schweren Schrott, also hochwertigen Schrott zu verwenden,
 um die erstrebte höhere Chargenzeit zu erreichen. 2
*Sachverständiger Oloff: Die Technik bemüht sich, durch fortwährende
 Verbesserung der Schmelzöfen die Verwendung geringwertigen
Schrotts zu fördern, auch im Kupolofen, jedoch ist e&amp;amp; den Verbrauchern
auch heute noch nicht möglich bzw. praktisch unerwünscht; geringwertigen
 Schrott auf der ganzen Linie einzuschmelzen. Bei der Erzeugung
 besserer Eisenqualitäten, besonders auch besseren Eisengusses,
wird immer noch die bessere Schrottqualität — Stahlschrott: bzw.
Maschinengußbruch — vorgezogen. Für geringwertige Gußwaäre,' wie
z. B. Abflußröhren und ähnliches, verwenden moderne Gießereien‘ mit
Vorteil billigeren Gußbruch (Poterie), der jedoch besonders sortiert
sein muß, d.h. „frei von Brandguß und Rosten‘“. Das gleiche Material
(Poterie) wird auch von Ofengießereien gern mitverwendet. ‘
*Sachverständiger Möller: Ich möchte diese Frage. bejahen,
soweit es sich um die Verwendung der Siemens-Martin-Öfen‘ und
Kupolöfen handelt. Über ‚den Betrieb von: Elektroöfen bin ich‘ nicht
unterrichtet. Der Mangel: an. Schrott treibt die mitteldeutschen Werke
dazu, auch den geringwertigsten Schrott heranzuziehen und zu verwenden
 und 'zu diesem‘ Zweck ihre technischen Einrichtungen zu verbessern.
Die Verwendung von geringwertigem Schrott ist aber nicht immer eine
Preisfrage, denn. seine Verschmelzung bedingt eine lange Schmelzungsdauer,
 einen erhöhten Aufwand an Kohle, einen erhöhten Aufwand an
Zusatzmitteln, Mangan usw., alles Vorgänge, die den Schmelzprozeß
gegenüber dem Einsatz von gutem Material verteuern. Die Verwendung
von minderwertigem Schrott ist also an einen .bestimmten . Preisunterschied
 gegenüber dem guten Kernschrott und Roheisen gebunden.

*Sachverständiger Heinson: Die Frage ist an sich zu bejahen,
soweit es sich nicht um die Herstellung von hochwertigem Qualitätsstahl
handelt. Bei der Verarbeitung im Elektroofen kommen die billigen Schrottsorten
 mit Ausnahme der Späne überhaupt nicht in Betracht. Die
Qualitätsstahlwerke verarbeiten nur guten schweren Stahlechrott.. Für
die Herstellung der anderen ‚Stahlsorten in Siemens-Martin-Öfen geht
bei dem sich immer mehr fühlbar machenden Mangel an Schrott die
technische Entwicklung dahin, auch den minderwertigen Schrott im
Siemens-Martin-Ofen zu verhütten. Es ist allerdings nicht zu verkennen,
 daß mit Zunahme der. Chargenzahl bei den großen modernen
Öfen in erster Linie auch Wert auf die schweren Schrottsorten gelegt
 wird.
Sachverständiger Petersen: Ich möchte. eine Berichtigung und
Ergänzung geben. Ich habe gemeinsam mit Herrn Mathesius gesagt, daß
68 heute noch nicht in großen Umfang möglich wäre, emaillehaltigen
Schrott ohne weiteres zu verarbeiten. Allerneueste Auskünfte haben
ergeben, daß wir in der Technik. des Entemaillierens schon weitergekommen
 sind, als ich annahm,

Tür
ap
        <pb n="423" />
        Sachverständiger Osann: Ich schließe mich an.
Vorsitzender: Welche technischen. Mittel sind bereits yorhanden,
 um unter Wahrung der Wirtschaftlichkeit den geringwertigen
Schrott ofenfähig zu machen?

"Sachverständiger Heinson: Es sind zu nennen:
Schrottscheren, die dazu dienen, Schienen, Träger, Bleche usw.,
in die ofenfähige Form zu bringen,
Paketieranlagen oder Schrottpressen, um lose Blechabfälle und
Schmelzeisen zu ofenfähigen Paketen zu pressen,
Spänezerkleinerungsanlagen,
7reßanlagen für Späne,
Vorrichtungen zum Bündeln von Paketen,
Zinrichtungen zur Entfernung von schädlichen metallischen Überzügen,
 Entzinnungs- und Entemaillierungsanstalten — letztere
sind jedoch über das Versuchsstadium noch nicht herausgezekommen,

Fallwerke für Guß (Gußbruch).
*Sachverständiger Wenzal: Auf fast allen größeren Hüttenwerken
sind Pressen zum Paketieren von Schmelzeisen vorhanden. oder Einrichtungen
 getroffen, um Abfälle, die im eigenen Betrieb nicht verbraucht
 werden können, zu bündeln oder zu paketieren. Letztere Einrichtungen
 sind heute vorwiegend moderner Art. .
Sachverständiger Wohl gemuth: Die technischen Mittel, welche
im Schrotthandel vorhanden sind, um geringwertigeren Schrott ofenfertig
zu machen, sind recht mangelhaft und werden dort stete mangelhaft
bleiben, weil sich große Anlagen nur rentieren, wo ein regelmäßiger
und. erheblicher Zulauf an derartigem Schrott vorhanden ist, entweder
auf dem Schrott verbrauchenden Werk selbst oder auf einem Lagerplatz,
 der einem solchen Werk unmittelbar benachbart ist. Durch die
Staffelfrachten wird jedoch auch eine Presse, die sich auf einem dem
Werk unmittelbar. benachbarten Lagerplatz befindet, unrentabel sein.
Wir finden infolgedessen moderne Paketierpressen ausschließlich auf
den Werken. ;

Sachverständiger Rothschild: Die Ausführungen des Herrn
Wohlgemuth beziehen. sich wohl auf den Osten. Im Westen gibt es eine
große Anzahl technisch hochstehender Anlagen von Händlerseite, die
dadurch, daß sie in der Nähe des Verbraucherbezirkes sind, auch
3oographisch richtig liegen und die sich mit der Schrottaufbereitung
befassen.

Vorsitzender: Gibt es Gebiete, in denen viel minderwertiger
Schrott entfällt und infolge der Frachtlage nur beschränkt dem Schrottverbrauch
 zugeführt, wird?

Sachverständiger Heinson: Minderwertiger Schrott, insbesondere
Schmelzeisen, entfällt überall. Er kann auch von überall her dem Veroörauch
 zugeführt werden. Sein Aufkommen würde aber unterstützt,

430
        <pb n="424" />
        wenn eine günstigere Tarifgestaltung es ermöglichte, einen Ausgleich
gegen die Unmöglichkeit, das Ladegewicht voll auszunutzen, zu schaffen.
*Sachverständiger Möller: In Sachsen, Mittel- und: Ostdeutschland
werden meines Wissens sämtliche anfallenden Mengen minderwertigen
Schrottes erfaßt und dem Verbrauch zugeführt, dank der von den Werken
und Händlern geschaffenen Schrottorganisationen. In Schmiede- und
Gußspänen sowie Blechabfällen besteht bei den Werken in Mittel- und
Ostdeutschland trotzdem seit Jahren Mangel. In landwirtschaftlichen
Gebieten wird überwiegend Schmelzeisen aufkommen, das von umherziehenden
 Händlern gesammelt und dem Schrottverbrauch zugeführt
wird. Mir ist nicht bekannt, daß minderwertiger Schrott in den. vorgenannten
 Gebieten dem Verbrauch nur beschränkt zugeführt worden
wäre.

"Sachverständiger Oloff: Während sich sonst Gußbruch im
Preise unbedingt nach Eisen- und Stahlschrott richtet, ist dieses Material
in Süddeutschland neuerdings unverhältnismäßig teurer als Eisen- und
Stahlschrott. Aus diesem Grunde ist süddeutscher Gußbruch — im
Gegensatz zu Eisen- und Stahlechrott — für die anderen Verbraucherbezirke
 im Preise unerschwinglich; selbstverständlich trägt hierzu die
zu hohe Eisenbahnfracht noch einiges bei. Außerdem ist aber die ab
und zu .ermöglichte Ausfuhr von Gußbruch nach Italiem und der
Tschechoslowakei noch ein Faktor, der die Verwendung von Gußbruch
dort erschwert. Allerdings werden nur erste Gußbruchqualitäten,
wie Maschinengußbruch exportiert, wodurch dann andererseits die minderwertigen
 Qualitäten wie Handelebruch, Ofen- und Topfbruch, für die
süddeutschen Verbraucher übrigbleiben; diese geringwertigen Qualitäten
sind aber im Kupolofen technisch nicht so gut verwendbar wie
Maschinengußbruch. '
Sachverständiger Wohlgemuth: Das für die Schrottpreise ungünstigste
 Gebiet ist die Provinz Ostpreußen. Bei der heutigen Marktlage
 wird auch dort sämtlicher Schrott erfaßt und der eisenerzeugenden
Industrie zugeführt. Man muß aber in derartigen rein landwirtschaftlichen
 Bezirken darauf Rücksicht nehmen, daß das Heranschaffen des
Schrotts aus diesen Gebieten nur in bestimmten Monaten möglich ist.
So wird man also aus diesen Gebieten nur relativ geringe Mengen aufbringen
in den Monaten November bis März, je nach den Wegeverhältnissen, und
in den Monaten Juli-August mit Rücksicht auf die Erntearbeiten. ;
*Sachverständiger Paul Oppler: Für sämtliche Küstengebiete
der Ostsee und zum Teil für Süddeutschland ist die Frage zu bejahen.
Zu den minderwertigen Schrottsorten rechnen in erster Linie
Schmelzeisen und Ausschußschmelzeisen. Schmelzeisen setzt sich zusammen
 aus altem, verarbeitetem Eisenblech sowie alten, abgängigen
Wirtschafts- und Gebrauchsgegenständen aus Eisenblech, beides in
Stärken unter 3 mm. . Unter Ausschußschmelzeisen versteht man das
gleiche. Material, das jedoch mit Metall- und Emailleüberzügen versehen
ist. Weißblechabfälle und -dosen fallen nicht unter diese Kategorie.

28 Ena.-Aussch, II. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

4,3]
        <pb n="425" />
        Bei beiden Sorten: Schmelzeisen handelt es sich vorwiegend um
Sammelware, Nur ein kleinerer Teil entfällt bei der eisenverarbeitenden
Industrie von Reparaturen usw. Der Entfall in den einzelnen Gebieten
dürfte sich hauptsächlich nach der Dichte der Bevölkerung richten. In
den frachtungünstig gelegenen Gebieten wird dieser minderwertige
Schrott nicht ‚restlos erfaßt.
Schmelzeisenverbraucher sind in Mitteldeutschland die Werke der
Mitteldeutschen Stahlwerke in Riesa und Brandenburg a. d. H. Der Entfall
 im engeren Umkreis dieser Werke deckt. im allgemeinen den Bedarf.
Das Schmelzeisen aus Mecklenburg, Pommern, Ostpreußen, Teilen der
Provinz Brandenburg und Sachsen wird zum großen Teil nach Oberschlesien,
 aber auch an die rheinisch-westfälischen Werke abgegeben.
Die Frachtkosten stellen sich für dieses Material auf etwa. 14 bis 23 RM.
pro Tonne Tarifklasse E und erhöhen sich noch größtenteils um 3 bis
5 RM. pro Tonne, weil nur in seltenen; Fällen mit diesem leichten, sperrigen
 Material das Ladegewicht der Waggons von 15 t ausgenutzt werden
kann, dadurch entstehen Leerfrachten, die eine Frachtberechnung nach
Tarifklasse E10 bedingen. Die hohen Frachtkosten ergeben nur einen
geringen Erlös ab Verladeort, der in keinem Verhältnis zu den hohen
Sammel- und Verladekosten steht. CC
Mit besonderer Schwierigkeit ist das Sammeln dieses Materials auf
dem Lande verknüpft. Das Heranschaffen nach dem Sammel- und
Ladeplatz mit Fuhrwerken und Lastautos stellt sich besonders teuer,
weil auf den Fahrzeugen von diesem leichten, sperrigen Material nur
geringe Mengen fortgeschafft werden können. Die Verladungen nehmen
atwa, drei- bis viermal soviel Zeit in Anspruch wie z. B. die von Kernschrott.


Ausschußschmelzeisen, das weit unter Schmelzeisen bewertet wird,
dürfte auf dem Lande kaum gesammelt werden, da der Erlös die Sammel.
und Verladekosten nicht deckt. Die Beförderung von Ausschußschmelzeisen
 erfolgt nach dem Ausnahmetarif 7, kommt jedoch nicht immer in
Frage, weil sich eine, Sortierung nach den lediglich akademischen und in
ler Praxis nicht durchzuführenden Vorschriften dieses Tarifes nur
schwer ermöglichen läßt.
Sachverständiger Birawer: Ich möchte noch besonders betonen,
daß es minderwertigen Schrott gibt, der lediglich der Fracht wegen
nicht erfaßt werden kann. Der Schmelzeisenpreis beträgt normalerweise
21 RM. pro Tonne, die Fracht von Königsberg nach Oberschlesien
18 RM. pro Tonne. Da es meist nicht möglich ist, für Schmelzeisen
seiner Beschaffenheit wegen die Tragfähigkeit der Waggons auszunutzen,
 so entstehen in solchen Fällen 6 bis 7 RM. pro Tonne Fehlfrachten,
 also insgesamt; eine Fracht von 24 bis 25 RM. pro Tonne, um
ein Material mit einem Wert von nur 21 RM. pro Tonne für die Eisenerzeugung
 zu verwenden. Wenn nicht durch Ausnahmetarife von der
Eisenbahn, für die wir schon wiederholt leider ohne Erfolg eingetreten
sind, Verbesserungen eingeführt werden, so wird ein Teil dieses Materials,
das für die deutsche Eisenwirtschaft von größter Bedeutung ist, nutzlos
liegen bleiben.

CC
        <pb n="426" />
        Sachverständiger Rothschild: Schmelzeisen ist im wesentlichen
 dünnes Blechmaterial und derart sperrig, daß man unmöglich
eine Wagenladung damit so ausfüllen kann, wie es heute der Tarif verlangt.
Dieser Gesichtspunkt ist schon bei der Gewinnung von Weißblech berücksichtigt
 worden. Ein sehr wichtiger Teil der Aufsammlung ist die
Gewinnung derjenigen Abfälle, die mit Zinn bestrichen sind. Das Zinn
wird in chemischen Fabriken — ich nenne in erster Linie die Fabrik
Goldschmidt — gewonnen, während das Eisen nachher auch mengenmäßig
 einen sehr bedeutenden Anteil der Schrottversorgung bildet.
Nachdem die Eisenbahn bereits für diesen Artikel wie für einige Verbraucher
 von Emaille diesen Ausnahmetarif gewährt hat, ist es wohl
erforderlich, daß dieser Ausnahmetarif allgemein angewandt wird. Es
kann dabei gleichgültig sein, ob die Sendung direkt; zu einem Verbraucher
oder zu einem Händlerlager geht, das mit Paketierungseinrichtungen
versehen ist. Eine Unterstützung der Sammeltätigkeit durch eine
Ermäßigung des Tarifs für leichten Schrott werden zu einer Verstärkung
 des inländischen Aufkommens führen.

Sachverständiger Dr. Reichert: Wir haben bereits in unserem
schriftlichen Gutachten über die Schrottpreise dargelegt, wie stark
die Schrottfrachten gestiegen und trotz ihrer Senkung hoch geblieben
sind, Wir haben gegenüber der Friedenszeit bei 400 km Entfernung
eine Erhöhung um 38%, bei 200 km eine Erhöhung von 50% und
bei 50 km eine Erhöhung um 60% und darüber. Hierin liegt ein
sehr wesentliches Moment dafür, daß der Schrott heute auf der einen
Seite dem Käufer und Verbraucher teurer zu stehen kommt, während der
Schrottabgeber eher weniger als ungefähr den Friedenspreis erhält.
Meines Erachtens müßte es möglich sein, durch ein weiteres Entgegenkommen
 der Reichsbahn im Frachtsatz den Schrott als wichtigstes Ein-Satzmaterial
 der Eisen- und Stahlindustrie erheblich zu verbilligen.
Wenn Sie berücksichtigen, daß der ausländische Eisenerzpreis heute im
allgemeinen noch 20 % höher liegt als der Friedenspreis, müßte doch
der im Inland vorhandene greifbare Schrott eher billiger als das Eisenerz
Sein, das man auf Tausende von Kilometern bezicht. Seit Jahren
strebt der Westen Deutschlands die Einrichtung eines Binnenum-Schlagtarifs
 an, derart, daß die Reichsbahn großzügig Hand in Hand
mit der Rheinschiffahrt und‘ der Kanalschiffahrt, arbeitet, um ganz
Süddeutschland und Westdeutschland mit Leichtigkeit, durch einen
kombinierten Eisenbahn- und Wasserstraßenweg in den Stand zu setzen,
die Schrottmassen abzuziehen und nach Rheinland -Westfalen zu leiten.
Der Antrag ist leider endgültig abgelehnt worden. Es wäre sehr
Wichtig, wenn erreicht würde, daß dieser Wasserumschlagstarif für den
Westen kommt. Im Osten spielt natürlich der Wasserumschlag oder der
kombinierte Weg nicht diese große Rolle. Namentlich der Bezug von
Königsberg läßt sich auf einem solchen kombinierten Weg nicht erleichtern.
 Deshalb müßte man erwägen, ob man nicht für den Osten
Oder überhaupt für ganz Deutschland einen neuen Reichsbahnausnahmetarıf
 für Schrott einführt.
Sachverständiger Birawer: Zum Beweise dafür, wie ungünstig

Zw

37
        <pb n="427" />
        die Frachtverhältnisse bei uns in Deutschland liegen, möchte ich zwei
Frachtsätze gegenüberstellen. Wir haben bis 15. Juni 1927 die Versorgung
 der polnisch-oberschlesischen Werke gehabt, die mit uns gemeinsam
 den Schrott aus dem Ausland bezogen. Sie haben den Schrott
nach Danzig anlaufen lassen, und wir mußten ihn nach Stettin bringen.
Wir haben von Danzig-Hafen nach den polnisch-oberschlesischen Werken
eine Fracht von 6,80 RM., die nachher auf 6,50 RM. ermäßigt wurde,
und von Stettin bei gleicher Entfernung eine Fracht von 16 RM. pro
Tonne gehabt.

Sachverständiger Heinson: Die in dem Gutachten von Herrn
Dr. Fabel vorgetragenen Wünsche des Schrotthandels werden von den
Schrottverbrauchern wärmstens unterstützt.

Sachverständiger Oloff: Auch die Gußbruchverbraucher, nämlich
die Eisengießereien ganz Deutschlands, unter ihnen auch die kleinen und
kleinsten, unterstützen diesen Antrag, vor allem die Detarifierung von
Schrott von Klasse E nach Klasse F, oder die Schaffung einer Zwischenklasse.


Sachverständiger Stern: Ich bin der Auffassung, daß auch
Sperrschrott und jeglicher Schrott, der noch einer Zerkleinerung
bedarf, den Zerkleinerungswerkstätten, die es in ausgedehntem Maße
im rheinisch-westfälischen Industriebezirk gibt, zu billigerem Tarif
zugeführt werden sollte. Außerdem halte ich es für richtig, daß z. B.
die Werftindustrie, die bekanntlich Bleche, Stabeisen usw. zu einem
Ausnahmetarif aus dem Ruhrgebiet beziehen kann, umgekehrt auch die
Rückführung des aus dem Material entfallenden Schrotts zu einem Ausnahmetarif
 nach dem Ruhrgebiet verrechnen kann. Der Wasserweg
bietet keinen vollwertigen Ausweg, da eine Umladung in Emden ziemlich
 schwierig ist. Aber ein bedeutend billigerer Tarif würde der Wirtschaft
 sehr dienlich sein. Es wäre auch im Interesse der Eisenbahn,
wenn sie sich der billigeren Wasserfracht anpassen und dadurch eine
Umladung vermeiden und sonstige Schwierigkeiten aus dem Wege
räumen würde.

Vorsitzender: Können Anlagen der genannten Art in diesen
Gebieten dazu dienen, den geringiwertigeren Schrott dem Verbrauch zuzuführen,
 und welche Unkosten schließt das Ofenfähigmachen von
solchem geringwertigeren. Schrott in sich? Es wird um Angabe der
Kosten für Bündeln von Blechpaketen, Paketierung von Blechabfällen,
Pressen. von Spänen, Entzinnen von Blechabfällen gebeten unter Angabe
der benutzten technischen Mittel, der Abschreibungsfristen und der
Generalunkosten, die im Rahmen eines mittleren Schrottlagerbetriebes
auf diese Arbeit entfallen. Der mittlere Lagerbetrieb sei etwa durch
eine Belegschaft von 50 Mann, durch das Vorhandensein einer Schiebebühne
 und eines Normaldrehkrans charakterisiert.
*Qachverständiger Oppler: Die mittleren und größeren Fabrikund
 Werkstättenbetriebe der eisenverarbeitenden Industrie sammeln 1P
der Regel Späne und Blechabfälle in Mengen an, die eine direkte Ver-1.34
        <pb n="428" />
        ladung von der Entfallstelle aus gestatten. Die Verladung dieser Sorten
Jäßt sich größtenteils so vornehmen, oft durch die Zusammenziehung
von Sorten verschiedener Fabriken, daß die Beförderung nach der Tarifklasse
 E erfolgt, obwohl besonders lose Blechabfälle hierbei ein sorgfältiges
 und geschicktes Verladen erfordern.
Der Entfall von Drehspänen wird von den Eisenwerken ohne vorherige
 Bearbeitung verhüttet. Der Bezug von losen Blechabfällen wird
von den Eisenwerken in den meisten Fällen bevorzugt, weil in vielen
Werken Bündelungs- und Paketierungseinrichtungen vorhanden sind.
Der Entfall an eperrigen Drehepänen, die in ihrem ursprünglichen. Zustande
 nicht verhüttet werden können, ist verhältnismäßig gering. In
vielen Fällen besitzen die Industriebetriebe, bei denen größere Mengen
bauschige Drehspäne und Blechabfälle entfallen, Zerreißmaschinen,
Paketiermaschinen und Paketierkästen für die Blechabfälle, um einerseits
 Raum für die Lagerung der Entfälle zu sparen und andererseits die
Verladung und die Ausnutzung der Waggonladefähigkeit zu erleichtern.
In Ost- und Mitteldeutschland beträgt der Preisunterschied: zwischen
losen und gebündelten Blechabfällen 2 RM. pro Tonne, zwischen losen
und hydraulisch gepreßten Blechabfällen 5 RM. pro Tonne. Im Westen
stellt sich der Unterschied zwischen losen Blechabfällen und Blechpaketen
 in der Regel auf 2 bis 3 RM. pro Tonne. Diese geringen. Preisunterschiede,
 die von den eisenschaffenden Werken bzw. deren Einkaufsorganisationen
 bestimmt werden, gestatten dem Schrotthandel nicht,
komplette Waggonladungen zwecks Bündelung und Paketierung über
Lager zu nehmen. Mehr oder weniger müssen sich die Schrotthandelsfirmen
 darauf beschränken, nur die abzufahrenden und über Lager zu
nehmenden kleinen Posten zu bündeln und zu paketieren, wenn sie hiervon
 mit Rücksicht auf die Bevorzugung des losen Materials seitens einer
Zahl von Schrottverbrauchern nicht überhaupt absehen wollen.
Bauschige Drehspäne werden von den Schrottverbrauchern bzw.
ihren Einkaufsorganisationen mit etwa 70 % des regulären Preises bewertet.
 Die Verwendung von Zerreißmaschinen und Pressen für das
Ofenfähigmachen von bauschigen Spänen durch die Handelsfirma lohnt
sich nur in besonders industriereichen Gebieten und auch nur dann,
wenn hier eine Industrie vertreten ist, bei der größere Mengen bauschige
Späne entfallen, z.B. in Automobilfabriken,
Die Kosten für das Ofenfähigmachen von Blechabfällen und bauschigen
 Drehspänen richten sich naturgemäß näch den zur Verfügung
stehenden technischen Anlagen. Die Rentabilität dieser Anlagen, die
der Handel unterhält, hängt wesentlich von den Preisunterschieden ab,
welche die Schrottverbraucher bzw. ihre Einkaufsorganisationen für die
einzelnen Sorten festsetzen. Die zur Zeit maßgebenden Preisunterschiede
machen derartige Anlagen für den Handel kaum rentabel. Da Drehspäne
 und Blechabfälle nur zu verschwindend kleinen Teilen auf dem
Lande entfallen und das Aufbringen in den industriereichen Gebieten
und größeren Städten geringere Kosten und Schwierigkeiten verursacht
als auf dem Lande, so kann zusammenfassend gesagt! werden, daß, ohne
Rücksicht auf das Vorhandensein von technischen Anlagen für das

.
„ JJ
        <pb n="429" />
        Ofenfähigmachen bei den Handelsfirmen, an Drehspänen und Blechabfällen
 aufkommenden Mengen dem Verbrauch wohl restlos zugeführt
werden, wobei natürlich die normale Bewertung dieser Abfälle die Voraussetzune
 bildet.

*Sachverständiger Oloff: Anlagen der genannten Art dienen
dazu, geringwertigeren Schrott dem Verbrauch zuzuführen. Sie finden
sich bei jedem größeren Schrotthändler, bei den meisten größeren Eisenund
 Stahlwerken und bei vereinzelten größeren Eisengießereien. Die
Kosten für das Öfenfertigmachen von Schrott sind bei jedem derartigen
Betrieb verschieden. Zutreffende Angaben hierüber können meines Erachtens
 nur diejenigen Firmen machen, bei denen die Schrottbetriebe
ununterbrochen durchgeführt werden.

*Sachverständiger Möller: Anlagen zur Verwertung minderwertigen
 Schrottes sind vorhanden in Riesa und Gleiwitz, meines Wissens
auch bei.vielen Werken des Westens. Im allgemeinen wird minderwertiger
 Schrott aber fast ausschließlich von den Händlerfirmen bewirtschaftet,
 die ihn über Lager nehmen und dort erst. in den. vorhandenen
Anlagen ofenfertig machen. Für Sachsen. bestehen solche Lagerplätze
u. a. in Dresden, Chemnitz, Zwickau, Werdau, Leipzig, Halle. Auch
Braunschweig und vor allen Dingen Berlin haben große: Lagerplätze
und große Schrottsammelstellen, wo auch der minderwertige Schrott gesammelt
 und für den Verbrauch hergerichtet wird.
*Sachverständiger Oloff: Anlagen dieser Art sind in Deutschland
 vorhanden
a) in der eisenschaffenden Industrie auf fast jedem Eisen- und Stahlschrott
 in Mengen verbrauchendem Werk,
b) bei einer größeren Anzahl von. Schrotthändlern,
c) in der eisenverarbeitenden Industrie bei größeren Maschinenfabriken
 und Eisengießereien.

Vorsitzender: Würde die Ausnutzung der Waggons durch
Öfenfähigmachen des geringwertigeren Schrotts an Ort. und Stelle des
Entfalls gebessert werden können und in welcher Weise? Welche Menge
Sperrechrott wird schätzungsweise auf der Eisenbahn versandt und erst
am Verbrauchsort ofenfähig zerschnitten?

*Sachverständiger Oloff: Schon zur Vermeidung von Leerfracht,
wiederholtem Auf- und Entladen usw. und um die dadurch sonst automatisch
 eintretende Preisverteuerung zu ersparen, liegt es im Interesse
aller Verbraucher, die Eisenbahnwagen durch Öfenfertigmachung geringwertigeren
 Schrotts bereits an der Entfallstelle auszunutzen. Speziell
von kleineren Sammlern und Händlern könnte in dieser Hinsicht noch
sehr viel getan werden, Es sei ausdrücklich bemerkt, daß dies besonders
auch bei Schrotterzeugern, Maschinenfabriken, Werken, die Abbrüche
in eigener Regie vornehmen usSW., zutrifft.
Mir ist der Prozentsatz des zum Eisenbahnversand gelangenden
Nicht ofenfähigen Schrottmaterials, des „Sperrschrotts“, unbekannt. .Im
übrigen ist zu ‚bemerken, daß weitaus der größte Teil des die Bahn

|
        <pb n="430" />
        passierenden Sperrschrotts von der Entfallstelle zu Händlern. bzw.
Schrottbetrieben wandert, um dort ofenfähig gemacht zu werden.
*Sachverständiger Heinson: Da durch die Ofenfähigmachung der
minderwertige Schrott seine Sperrigkeit verliert, so würde‘ die Ausnutzung
 der Waggons dadurch bedeutend gebessert werden. Gewöhnliches
 Schmelzeisen soll beispielsweise durchschnittlich nur bis 10 t in
einem Waggon verladen werden können, würde aber paketiert ungefähr
die ganze Tragfähigkeit des Waggons ausnutzen.
Der Prozentsatz des auf der Eisenbahn verfrachteten sperrigen
Schrotts ist unbekannt. Der größte Teil des Sperrschrottes wird nicht
am Verbrauchsort, sondern in einem Schrottbetrieb ‚ofenfähig
gemacht. Ungefähre Anhaltspunkte über den Prozentsatz könnten von
den Händlern durch Vergleich der in einem gleichen Zeitraum gekauften
Mengen an chargierfähigem und sperrigem Material gegeben werden.
*Sachverständiger Möller: Durch das Zusammendrücken,
Schneiden, Bündeln usw. könnten natürlich größere Mengen auf den
einzelnen Waggons verladen werden, als es bei Sperrschrott möglich
ist. Minderwertiger Schrott, also Sperrschrott, entfällt aber überall
und es ist daher nicht möglich, an diesen Entfallestellen. Anlagen zur
Ofenfähigmachung des Schrottes, womit auch eine bessere Ausnutzung
der Waggons möglich wäre, zu errichten. Der Schrott muß in dem
Zustande, wie er ist, irgendeinem großen Sammellager zugeführt werden,
wo sich die Aufstellung von Maschinen zur Schrottzerkleinerung lohnt.
Erwünscht wäre es, den Frachttarif so zu ändern, daß bei einem Gewicht
von mindestens 10t jeder Waggon ‚als vollwertig beladen berechnet
würde, da es schlechterdings unmöglich ist, mit sperrigem Schrott das
Ladegewicht der Waggons auszunutzen.
Meines Wissens wird nur wenig Schrott am Verbrauchsort ofenfähig!
 gemacht, er geht fast ausschließlich über die -zroßen Sammellager
der Alteisengroßhändler.
*Sachverständiger Wenzel: Schmelzeisen könnte durch. Pressen
an den Stellen des Entfalles durch die vollständige Ausnutzung der Ladefähigkeit
 der Eisenbahnwaggons billiger verfrachtet werden. .Es besteht
aber ein ausgesprochenes Mißtrauen der Verbraucher gegen von dritter
Seite bezogene Schmelzeisenpakete, weil kaum Schutz dagegen besteht.
daß die Pakete nicht Fremdstoffe aller Art enthalten, die schädlich auf
den Schmelzprozeß einwirken. Die Werke wollen deshalb vor der
Paketierung sehen, was sie bekommen.
Sachverständiger Wohlgemuth: Die Kosten der Herrichtung
des minderwertigen Schrotts für den Öfenverbrauch, d. h. also. des
Paketierens des Materials, stehen in keinem Verhältnis zu den Ersparnissen
 an Fracht. Im allgemeinen wird es dem geschulten Händler
stets möglich sein, die Waggongewichte auszunutzen.
Hierzu kann ich. Angaben auch nicht schätzungsweise machen, da
die wesentlichste Bewegung des Sperrschrotts ja nicht ausschließlich
von der Entfallstelle zum Werk erfolgt, sondern häufig unter Einschaltung
 eines Händlerlagers.

137
        <pb n="431" />
        *Sachverständiger Oppler: Das Bündeln und Pressen von
Schmelzeisen ermöglicht in jedem Falle die Ausnutzung der Waggons.
Andererseits ist es aber auf dem Lande und in kleinen Städten den
kleinen Sammlern, auch denen, die das Material waggonweise liefern,
wegen der Kosten und der nicht genügenden Ausnutzung der Anlagen
kaum möglich, sich derartige Einrichtungen anzuschaffen. Loses Schmelzeisen
 für größere Lagerplätze und Verschrottungsbetriebe in Waggons
zu beziehen, um es dort zu placieren und dann auf größere Entfernungen
an die Verbraucher zu verladen, ist bis auf wenige Ausnahmefälle
unrentabel infolge der gebrochenen Fracht und der doppelten Ent- und
Einladungskosten. Ferner ist zu berücksichtigen, daß paketiertes
Schmelzeisen von dem Verbraucher nur ungern übernommen wird, weil
die Abmessungen der Pakete nicht immer den bei den einzelnen Verbrauchsstellen
 abweichenden Vorschriften entsprechen und die Nachprüfung
 des Inhaltes der Pakete auf einsatzschädliche Bestandteile sehr
schwierig ist. Eine gründlichere Erfassung dieses geringwertigeren
Schrotts, die zur Stärkung unserer Rohstoffbasis durchaus erforderlich
ist, 1äßt sich nur erreichen
* durch eine Bewertung, die den erhöhten Aufbringungs- und Verladekosten
 Rechnung trägt, ;
durch die Ermäßigung des Frachtsatzes bzw. günstigere Tarifvorschriften,
 die in diesem Falle von der Ausnutzung des. Ladegewichtes
 der Waggons bzw. von der Mindestbelastung mit 15 t
absehen und schon bei einer Menge von 10t die Frachtberechnung
nach der Hauptklasse E zulassen.
Die Mengen Sperrschrott, die auf der Eisenbahn versandt und erst
am Verbrauchsort ofenfähig zerschnitten werden, sind zuverlässig nicht
zu schätzen, sie sind aber nicht hoch. In der Regel handelt es sich hierbei
 nur um die Mengen, welche auf der Entladestelle nicht bearbeitet;
werden bzw. aus Gründen der W. irtschaftlichkeit nicht erst zu dem Verschrottungsbetrieb
 der Händlerfirma befördert. werden. können.
Sachverständiger Stern: Ich glaube, daß die Angaben von
Herrn Oppler nicht ganz zutreffen, denn. diese Mengen sind speziell im
rheinisch-westfälischen Industriebezirk außerordentlich hoch und betragen
 dort mindestens 30 000 bis 40 000 + pro Monat. Es handelt sich
um die Sperrschrottmengen, die auf den Zerkleinerungsbetrieben bearbeitet
 werden.
Sachverständiger Oppler: Ich bin von den Verhältnissen im
Osten ausgegangen.
Vorsitzender: Welches Verhältnie im Umsatz nimmt das
Lagergeschäft zum direkten Streckengeschäft bei Ihrer Einkaufsorganisation
 ein? Die Angaben werden erbeten für 1913 und 1924—26,
Sachverständiger Rothschild: Nach meinen vieljährigen Beobachtungen
 sind es ungefähr 20 %.
*Sachverständiger Wohlgemuth: Ich nehme an, daß Ihre
Frage sich auf die Tätigkeit der Schrotteinkaufsgesellschaft m. b. H.
bezieht. Die gewünschten Angaben lassen sich nur für die letzten Jahre
machen, weil 1913 die Verladungen der Gesellschafterfirmen vom Lager

4. YA
        <pb n="432" />
        nicht besonders erfaßt wurden. Der Prozentanteil der Lagerlieferungen
am Umsatz betrug

1924 . ..
1925 . . .
1926

11,906 %
10,176 %
11.230 %

*Sachverständiger Oloff: Das Umsatzverhältnis vom direkten
Streckengeschäft, Versand von der Entfalletelle, zum Lagergeschäft, Versand
 vom Schrottbetriebslager, schwankt etark. Der Versand von der
Entfallstelle erfolgt meist nur bei größeren Abbrüchen, wo der Schrott
und Gußbruch direkt auf der Entfallstelle ofenfertig gemacht wird.
Häuft sich die Zahl der größeren Abbrüche, wie Ende 1926 und im
Jahre 1927, so kann z.B. bei der Gußbrucheinkauf G.m.b. H., einer
Gründung des Vereins Deutscher Eisengießereien, Gießereiverband,
Düsseldorf, angenommen werden, daß das direkte Streckengeschäft 50 %
des gesamten Umsatzes beträgt. In normalen Zeiten ist dieses Verhältnis
 ein anderes, aber ständig schwankendes.
*Sachverständiger Heinson: Für die schrottverbrauchende
Industrie kommt nur das Streckengeschäftb in Betracht.
*Sachverständiger Wenzel: Bei der Einkaufsstelle der Schrottgemeinschaft‘
 Dortmund werden ausschließlich Streckengeschäfte
getätigt.
*Sachverständiger Möller: Ich vermag keine Zahlen zu nennen
Das Lagergeschäft ist aber bestimmt nur ein Bruchteil von dem direkten
Streckengeschäft.

Vorsitzender: Der zweite Fragenkomplex behandelt die
Frage des Schrottbedarfs.
Welches sind N hauptsächlichten technischen Momente, die für
ein verstärktes Vordringen des Siemens-Martins-Verfahren sprechen?
Welches sind die hauptsächlichsten technischen Momente, die für
das Vordringen des Thomas-Verfahrens in Zukunft sprechen?
Wie wirken sich diese technischen Momente unter Berücksichtigung
der augenblicklichen Marktverhältnisse (Preisverhältnisse zwischen Schrott.
und Erz) aus?

*Sachverständige Mathesius und Petersen: Die Frage nach
einem etwaigen verstärkten Vordringen des Thomas-Verfahrens bzw. des
Siemens-Martin-Verfahrens kann nicht vom technischen Standpunkt aus
beantwortet werden, sondern ist von wirtschaftlichen Gesichtspunkten
abhängig. Thomas-Stahl wird überwiegend in Rheinland-Westfalen hergestellt,
 während das Siemens-Martin-Verfahren in allen deutschen
Eisenbezirken anzutreffen ist. Die Stahlwerke in Rheinland-Westfalen,
wo der Thomas-Stahlbetrieb fast ebenso stark ausgebildet ist wie die
Siemens-Martin-Stahlerzeugung, haben die Möglichkeit, bald mehr
Siemens-Martin-Stahl zu erzeugen, je nachdem sich die Roheisenerzeugung
 und das Verblasen im Thomas-Stahlwerk einerseits oder die Ver-Schmelzung
 von Schrott im Siemens-Martin-Ofen andererseits. wirtschaftlich
 günstiger stellt.

4.30
        <pb n="433" />
        Der Thomas-Stahlprozeß liefert ein ausgezeichnetes Material, das
sich im In- und Auslande bestens bewährt hat. Da auf.dem Weltmarkt
sehr häufig Siemens-Martin-Stahl vorgeschrieben ist, sind die deutschen
Stahlwerke schon auf Grund des ‚Wettbewerbs zur Lieferung von
Siemens-Martin-Stahl gezwungen. Es kann nur als erfreulich. bezeichnet
werden, daß Deutschland die Möglichkeit hat, Stahl nach beiden Verfahren
 zu erzeugen. Die deutschen Stahlwerke arbeiten ständig daran,
beide Verfahren nach der technischen und qualitativen Seite immer mehr
zu vervollkommnen.
Sachverständiger Wenzel: Die Tendenz bei den großen gemischten
 Werken im Westen geht zweifellos dahin, die Martin-Erzeugung
 gegenüber der Thomas-Erzeugung zu steigern, aber nicht etwa
im wesentlichen auf Schrott basierend, sondern auf der Herstellung
eines Roheisens, das man als Martin-Eisen bezeichnet. Wir sind uns
im. klaren darüber, daß die Schrottknappheit in Deutschland in den
nächsten Jahren so groß bleiben wird, daß man die Siemens-Martin-Erzeugung
 nicht allein. auf dem deutschen Schrott basieren kann... Infolgedessen
 geht man dazu über, in viel größerem Maße als Bisher
flüssiges Roheisen zu verarbeiten. Wenn man die Frage bejaht, daß die
technische Entwicklung sich im verstärkten Maße auf die Siemens-Martin-Erzeugung
 richtet, so ist damit noch lange nicht gesagt, daß
damit nun in demselben Ausmaß der Schrottmarkt beansprucht. wird;
sondern man hat eben bei dem Siemens-Martin-Verfahren auch die Möglichkeit,
 sich ausschließlich oder jedenfalls zum überwiegenden Teil auf
Roheisen zu stützen, wenn das betreffende Werk darauf .einyerichtet
 wird.

Vorsitzender: Eine absolute Schrottknappheit in Deutschland
 1äßt sich also in den letzten Jahren nicht feststellen. Es mögen
Preisschwierigkeiten vorhanden gewesen sein, aber soviel Schrott, wie
Sie gebraucht haben, haben Sie doch immer gehabt. Deshalb überrascht
es mich, daß Sie aus Rücksicht auf eine bald zu erwartende Schrottknappheit
 eine Bevorzugung des Thomas-Verfahrens befürchten.
Sachverständiger Reichert: Wir müssen mit Rücksicht auf den
Mangel an hochphosphorhaltigen Erzen mehr vom Thomas-Betrieb zum
Siemens-Martin-Betrieb übergehen. Wenn man Erze mit geringerem
Phosphorgehalt heranzieht, so bedeutet das keineswegs, daß etwa der
Bedarf an Schrott für den bisher üblichen Siemens-Martin-Betrieb einen
Rückgang erfahren dürfte. Man wird schon aus den verschiedensten
Gründen die im Inland vorhandenen Schrottmengen als Rohstoffquellen
der Stahlindustrie so stark heranziehen, wie es immer geht. Wir werden
daher niemals einen Überfluß an Schrott im Inlande haben. Wenn es
in der Vergangenheit, namentlich in den Jahren 1925 und 1926 so schien,
als ob wir einen außerordentlich reichlichen Inlandschrottentfall hätten,
so ist zu bedenken, daß das gerade die Zeit des vorübergehend starken
Rückgangs unserer Stahlproduktion gewesen ist.
Sachverständiger Möller: Was Herr Wenzel sagte, kann nur
für die gemischten Werke gelten, die eigenes Roheisen. zur. Verfügung

444
        <pb n="434" />
        haben. Für die Werke in Mitteldeuteschland. und Sachsen kommt
das natürlich nicht in Betracht. Sie sind ganz und gar auf Schrott angewiesen.
 Wir können ung in keiner Weise helfen, auch nicht durch
Roheisen wegen der. hohen Fracht von West- nach Mitteldeutschland.
Schrott haben wir in den letzten Jahren in Sachsen und Mitteldeutschlandl
 infolge der schlechten Beschäftigung. der Stahlwerke genügend gehabt.
 Die Produktion war ganz ungenügend, sie ging bis auf 50 %
herunter. Ich habe bei dem Reichskommissar für die Ein- und Ausfuhr,
wenn Anträge zur Ausfuhr von Schrott gestellt wurden, immer darauf
hingewiesen, daß bei der geringsten Belebung. der deutschen Kisenindustrie
 Schrott fehlen würde. Ich bin fest überzeugt, daß uns Schrott
bei der Beschäftigung, wie wir sie heute haben, stets fehlen wird.

Sachverständiger Wenzel: Wir sind überzeugt, daß beim normalen
 Betrieb der deutschen Eisenindustrie, nämlich bei 90prozentiger
Ausnutzung der Kapazität, eine wesentliche Schrottunterbilanz vorhanden
 sein wird, so wie wir sie zur Zeit haben. Wir führen im Westen
augenblicklich beinahe 50 %' des ganzen Schrotteinkaufs, den. wir tätigen.
aus dem Ausland ein, und sind der Überzeugung, daß die Mengen,
die wir brauchen, in Deutschland auch in den nächsten Jahren nicht aufgebracht
 werden. Deswegen werden wir in den nächsten Jahren immer,
vorausgesetzt daß wir normal beschäftigt sind, einen starken Mangel
an Schrott haben und sehr stark vom Ausland einführen müssen; dieser
Schrott ist uns zu teuer und wir müssen daher zu einem anderen Verfahren
 übergehen und den Schrott teilweise durch Roheisen ersetzen.
Die Erzfrage spielt hierbei natürlich eine gewaltige Rolle.
Vorsitzender: Besteht im Augenblick ein größerer Anreiz zur
Schrotteinfuhr infolge günstigerer Marktverhältnisse im Ausland? Es
trifft: doch zu, daß in Frankreich Schrott jetzt billiger geworden ist?
Sachverständiger Wenzel: Dort besteht ein Ausfuhrverbot,
Vorsitzender: Aber das wird wohl auch elastisch gehandhabt
wie bei uns. Die Franzosen haben doch nach Polen und Italien verkauft?
Sachverständiger Wenzel: Aber nicht nach Deutschland.
Sachverständiger Heinson: Das französische Ausfuhrverbot ist
hauptsächlich gegen Deutschland erlassen. Wir bekommen aus Frankreich
 kein Kilogramm. Wohl sind einige Mengen aus dem Saargebiet
zu haben, aber auch nur unter sehr erschwerten Verhältnissen und nur
einige wenige Tonnen.
Sachverständiger Petersen: Ich möchte ergänzend noch vom
rein technischen Standpunkt unterstreichen, daß die von Jahr zu Jahr,
ja von. Tag zu Tag sich erhöhenden rein technischen Anforderungen an
unser. Material auch im Sinne der Gedankengänge von Herrn Wenzel die
Richtung nach dem Siemens-Martin-Betrieb beschleunigen können,
Vorsitzender: Ich darf feststellen, daß die Herren Sachverständigen
 darin einig sind, daß die Tendenz nach der Richtung der Begünstigung
 des Siemens-Martin-Verfahrens läuft. Sie kommt auch
statistisch zum Ausdruck. Ich habe in der. Presse die Behauptung ge-14.1
        <pb n="435" />
        funden, daß in allerletzter Zeit wieder eine kleine Schwenkung zugunsten
des Thomas-Verfahrens feststellbar sei. Die Herren Sachverständigen
sind dagegen der Meinung, daß die vorhandene Tendenz sich eher noch
im verstärkten Maße zugunsten des Siemens-Martin-Verfahrens auswirken
 wird.
Welche Verfahren — Schrottroheisenverfahren, Hoesch-Verfahren,
Roheisenerzverfahren — werden in Deutschland, Polen, der Tschecho-Slowakei,
 Frankreich, Italien, England und den Vereinigten Staaten
angewandt?
Welche Werke arbeiten in Deutschland nicht nach dem Schrottroheisenverfahren,
 und wie groß ist schätzungsweise der Anteil dieser
Verfahrensarten an der Gesamt-Siemens-Martin-Stahlerzeugung.
*Sachverständige Mathesius und Petersen: Zunächst eei
hinsichtlich der Nomenklatur bemerkt, daß dem Schrottroheisenverfahren
die Roheisenerzverfahren gegenüberstehen. Das Hoesch-Verfahren ist
ebenfalls ein Roheisenerzverfahren. Weitere Abarten sind das Talbot-Verfahren,
 das Verfahren des Bochumer Vereins, der Dortmunder Union
usw. Die einzelnen Abarten unterscheiden sich im wesentlichen durch
die Art des Vorfrischens und der Schlackenführung.
Es werden in Deutschland, Polen, der Tschechoslowakei und England
 das Schrottroheisen- und Roheisenerzverfahren, in Frankreich vorwiegend,
 in Italien ausschließlich das Schrottroheisenverfahren, in den
Vereinigten Staaten wird im wesentlichen das Schrottroheisenverfahren
angewandt, aber gegenüber der europäischen Arbeitsweise mit der Abänderung,
 daß der Einsatz zu 50 %. aus Schrott, zu 50 % aus flüssigem
Roheisen besteht,
Es gibt in Deutschland. kein Werk, das ausschließlich nach dem
Roheisenerzverfahren. arbeitet. Die Siemens-Martin-Öfen, die nach
diesem Verfahren arbeiten, können ohne weiteres auch nach dem Schrottroheisenverfahren
 betrieben werden. Die Frage, welches der beiden Verfahren
 gewählt wird, ist von dem jeweiligen Preisverhältnis zwischen
Schrott und Roheisen abhängig; der Anteil der Roheisenerzverfahren an
der Gesamt-Siemens-Martin-Stahlerzeugung ist deshalb, je nach der
Marktlage, sehr schwankend.

. Vorsitzender: Herr Osann, Sie haben sich der Beantwortung
ler Frage angeschlossen?
Sachverständiger Osann: Ja. Ich schließe mich der Beantwortung
 der Frage an. ;

Vorsitzender: Welches ist .der normale Einsatz von Schrott
1. im Hochofen unter Berücksichtigung der in den verschiedenen
Wirtschaftsgebieten als typisch anzusehenden Möllerungen,
im Siemens-Martin-Ofen von 30 t Größe mit 4 und 41% Chargen
je 24 Stunden für sauren und basischen Ofen und bei Produktion
normaler Handelsqualität,
im Kupolofen je 5 t Stundenleistung,

»

3

44.)
        <pb n="436" />
        4. im Elektroofen von 4 bis 6 t Größe, und zwar im Niederleistungsofen
 von 4 bis 5 Chargen und im Hochleistungsofen von
8 Chargen?

*Sachverständige Mathesius und Petersen: Der normale
Einsatz von Schrott beträgt
1. im Hochofen etwa 10%. Der Prozentsatz schwankt in den verschiedenen
 Bezirken und ist abhängig von der Marktlage hinsichtlich
 des Preisverhältnisses zwischen Erz und Schrott.
im Siemens-Martin-Ofen 70 bis 80 %. Hierzu sei bemerkt, daß
der prozentuale Schrotteinsatz für sauren und basischen Betrieb,
für die verschiedenen Ofengrößen sowie bei der Erzeugung der
verschiedenen Qualitäten etwa der gleiche ist.
3. im Kupolofen 50 bis 70 %.
4. im Elektroofen 70 bis 100 %. Zu der Fragestellung sei bemerkt,
daß die Ofengröße bei dem prozentualen. Schrotteinsatz keinen
Einfluß ausübt, und daß bisher in der Praxis.nur Niederleistungsöfen
 betrieben werden; der Hochleistungsofen befindet sich noch
erst im Entwicklungszustande.

2

Sachverständiger Mathesius: Ich möchte hinzufügen, daß aus
der Fragestellung angenommen werden kann, daß zwischen. Niederleistungsofen
 und Hochleistungsofen ein technischer Unterschied sei,
indem man als Hochleistungsofen den sogenannten Hochfrequenzofen
angesehen hat. Aber wir sind jetzt der Meinung, daß das nicht der Fall
gewesen ist, sondern daß hier gemeint gewesen ist: Niederleistungsofen
ist ein Elektroofen, der mit kaltem Einsatz arbeitet, er macht 4 bis
5 Chargen; ein Hochleistungsofen, der mit warmem Einsatz arbeitet,
macht 8 Chargen. Insofern bitte ich, die Beantwortung zur Frage 20, 4
entsprechend zu korrigieren.

Vorsitzender: Wie wird durch Veränderung der Chargierung
der Ofenbetrieb der obengenannten Arten beeinflußt? Gibt es technische
 Verfahren, besonders im Gießereibetrieb, die eine erhöhte Verwendung
 von Schrott, Gußbruch, mit sich bringen können? Falls Verfahren
 wie Überhitzungsverfahren, Thyssen-Emmel-Verfahren usw. bereits
 erkennbar sind, ist anzugeben, ob an sich ihre Anwendung bereits
einen erhöhten Schrottverhbrauch bewirkt.

Sachverständige Mathesius und Petersen: Der Schrottzusatz
 zum Hochofen wirkt sich dahin aus, daß der Koksverbrauch je
Tonne Roheisen zurückgeht und die Roheisenerzeugung steigt.
Bei dem Kupolofen hat die Höhe des Schrottzusatzes keinen wesentlichen
 Einfluß.
Bei dem Siemens-Martin- und Elektroofen hat ein steigender Roheiseneinsatz
 die Wirkung, daß die Schmelzungsdauer verlängert wird.
Die Frage, ob es technische Verfahren gibt, die eine erhöhte Verwendung
 von Schrott mit sich bringen könnten, ist im allgemeinen zu
verneinen. Höchstens besteht eine gesteigerte Nachfrage. nach Gußbruch.


14.3
        <pb n="437" />
        : Die neueren Gußeisenveredelungsverfahren werden kaum einen erhöhten
 Schrottverbrauch im Gefolge haben. ;
Sachverständiger Mathesius: Es ist hinzuzufügen, daß alle
diese neueren Verfahren weder den Zweck noch die Wirkung haben,
einen höheren Schrottverbrauch herbeizuführen.
Sachverständiger Petersen: Es ist eine technische Veredlung.
Ich möchte noch unterstreichen, daß durch den flüssigen Roheiseneinsatz
im Martinofen sich die Verhältnisse etwas zugunsten des Siemens-Martin-Ofens
 verschieben.

Vorsitzender: Dann-darf ich feststellen, daß diese vorzugsweise
 technischen Fragen in der Hauptsache erledigt sind. Wir kommen
 nunmehr zum Entfall von Schrott.
Ist der im Gutachten Nr. 2 angegebene durchschnittliche Schrottentfall
 von 20.% in der eisenschaffenden Industrie unter Berücksichtigung

a) der technischen Fortschritte,
b) angesichts der zunehmenden Durchführung eines einheitlichen
_ Walzprogramms .
heute noch aufrechtzuerhalten?
*Sachverständige Mathesius und Petersen: Der Schrottentfall
 ist je nach .den örtlichen Verhältnissen schwankend, kann aber
im Durchschnitt zu 20 % eingesetzt werden.
a) Es ist nicht unmöglich, daß der Durchschnittssatz von 20 % im
Laufe der technischen Entwicklung zurückgehen wird. Fortschritte
 in der Gießtechnik u. dgl. können den Schrottentfall verringern.

Die Frage, ob die zunehmende Durchführung eines einheitlichen
Walzprogramms den Schrottentfall verringern wird, kann heute
noch nicht beantwortet werden, immerhin wäre dies denkbar
*Sachverständiger Mathesius: Bei ‚den bisher erörterten
Schätzungen über die Mengen des Schrotts, welche der Eisenindustrie
als Rohstoffquelle zur Verfügung stehen, ist bisher auch der sogenannte
Neuschrottentfall eingerechnet worden. Es ist dabei angenommen Worden,
 daß der Durchschnittssatz an Neuschrottentfall in der eisenschaffenden
 Industrie sich auf etwa 20 %, in der eisenverarbeitenden
Industrie auf etwa 10 % des verarbeiteten Materials stellt. Das sind
zusammen etwa 30 % der Jahresproduktion der deutschen Eisenindustrie,
 und es wird hierdurch der Anschein erweckt, als ob die Notwendigkeit
 der Beschaffung von eisenhaltigem Rohmaterial nur noch für
70 % der Fabrikation vorliege, mit anderen Worten, es wird die Bedeutung
 der der Eisenindustrie: zur Verfügung stehenden Schrottmenge
als Rohstoffquelle durch diese Berechnungsart außerordentlich erhöht.
Tatsächlich können indessen die erwähnten N euschrottmengen nur
angesehen werden als Material, das infolge der Unvollkommenheit der
Erzeugungsmethoden zum zweiten Male einer Umschmelzung unterzogen
werden muß, um in eine gebrauchsfähige Form überführt zu werden.

14
        <pb n="438" />
        Die Neuschrottmengen sind deshalb eigentlich als eine Belastung der
Eisenindustrie, nicht -als eine Rohmaterialquelle anzusehen. Würden
wir in der Lage sein, Stahlblöcke ohne Lunker und Gasblasen zu gießen
(Harmetpreßverfahren) und sämtliches. Walzmaterial in blankzezogenem
 Zustande, wie dies für gewisse Rundeisendimensionen und
gewisse Zierprofile tatsächlich geschieht, zur Ablieferung bringen, so
würde der größte Teil des Neuschrotts in Fortfall kommen. Er würde
nur noch insoweit vorhanden sein, als die gewalzten Stablängen auf Maß
geschnitten werden müssen und. in den Eisen- und Stahlgießereien Trichter
 und Wrackgußstücke zur Wiederverarbeitung gelangen würden.
Der in den Eisenerzeugungswerkstätten entfallende Neuschrott
kommt nun so gut wie niemals auf den Markt, sondern wird sofort von
denselben Werken, bei denen er entfällt, in. der. Eisenfabrikation wieder
weiterverarbeitet. Die Möglichkeit, diesen Schrott sofort weiterverarbeiten
 zu lassen, würde einzig und allein bei reinen Thomaswerken nicht
vollständig vorliegen, aber die Entwicklung der letzten Jahre hat gelehrt,
 daß nahezu an alle Thomaswerke Martinwerksanlagen angegliedert
worden sind, im wesentlichen eben, um auch diesen Werken die Möglichkeit
 der eigenen sofortigen Weiterverarbeitung des Walzneuschrotts
zu geben.
Allein der Neuschrott, der in den Werken, die sich der Weiterverarbeitung
 des Eisens widmen, entfällt, kommt auf den Schrottmarkt,
aber auch nur, soweit diese Werke nicht mit Eisenerzeugungswerken
weitgehend liiert sind.
Bei einer Erörterung, wie sie der Enquete-Ausschuß gegenwärtig
führt, sollte meiner Überzeugung nach deshalb bei den Erwägungen der
Bedingungen des Schrottmarktes der Walzwerkneuschrott, 20 % der
Rohstahlerzeugung, ganz ausscheiden und der bei der weiteren Verarbeitung
 des Eisens entfallende Schrott vielleicht nur mit 50 bis 60 %, d. h.
mit 5 oder 6 '% der verarbeiteten Menge, in Ansatz gebracht werden.
Der auf den Schrottmarkt gelangende Schrott stammt ganz überwiegend
 aus den Verkäufen der Reichsbahn, aus Abwrackungsbetriebe
und aus dem sogenannten. Sammelschrott der Schrotthändler,
Lediglich nach diesen Schrottmengen, die also nach 20 oder
25 Jahren aus den damals investierten Eisenmengen wiederj an die
Eisenindustrie zurückgelangen, kann diejenige Schrottmenge beurteilt
werden, die gewissermaßen als Erzersatz den Eisenerzeugungsbetrieben
zugeführt wird.
fch bin der Ansicht, daß diese Schrottmengen sehr viel geringer
sind, als bisher bei den Verhandlungen des Enquete-Ausschusses ängenommen
 worden ist, und bin auch der Überzeugung, daß aus der
Statistik der letzten 10 oder 20 Jahre in dieser Hinsicht bei den bisherigen
 Verhandlungen viel zu günstige Zahlen abgeleitet worden sind.
In den Betrieben der Reichsbahngesellschaft sind innerhalb dieser
Zeit sehr große Mengen von Altmaterial als Schrott in Erscheinung
getreten, die infolge der in früheren Jahren zu schwach dimensionierten
Schienen und Schwellen auf den Markt gekommen sind.. Insbesondere
zäind etwa in den ersten 10 bis 15 Jahren nach der Einführung der

4”

[ £
        <pb n="439" />
        eisernen Eisenbahnschwellen durchweg viel zu schwache Profile verwendet
 worden, so daß deren Lebensdauer sehr viel geringer war als die
der heutigen besser dimensionierten Profile. Auch bei den Eisenbahnschienen
 liegen ähnliche Verhältnisse vor. Wir haben deshalb innerhalb
der letzten 10 bis 15 Jahre einen viel stärkeren Schrottentfall bei der
Eisenbahn gehabt, als er in Zukunft zu erwarten sein wird, nachdem
mehr und mehr eine Verstärkung der Dimensionen, die Hand in Hand
ging mit einer Verbesserung des Materials, stattgefunden hat.
Das gleiche gilt für den Dampfkesselbetrieb. Etwa im Jahre 1890
fand die erste Einführung der Großgasmaschine in Eisenhüttenbetrieben
statt. Vor dieser Zeit hatte jedes HEisenhüttenwerk einigermaßen
größeren Umfanges Hunderte von Dampfkesseln in Betrieb. Heute
findet man bei vielen Werken nicht einen einzigen. Ebenso ist der
Dampfkessel in den weitaus meisten Betrieben der Mittel- und Kleinindustrie
 durch den Elektromotor ersetzt worden. Alle diese Kessel
sind verschrottet worden.
Aus diesen Quellen stammte eine sehr wesentliche Menge des auf
den Markt kommenden Schrotts her. Sie sind aber jetzt, wenn wir von
der in Gang befindlichen Verstärkung der Brücken der Reichsbahn absehen,
 versiegt, und es ist keineswegs damit zu rechnen, daß, entsprechend
 der gestiegenen Eiseninvestition, in den nächsten Jahrzehnten ein
Ansteigen der der Eisenindustrie wieder zufließenden Schrottmengen
stattfinden wird. ;
Auch von den gewaltigen Mengen des Kriegsschrotts sind heute nur
noch kleine Restbestände vorhanden. Die meisten Schiffsabwrackungswerke
 haben ihren Betrieb eingestellt. ;
Aus allen diesen Gründen bin ich der Überzeugung, daß eine sehr
erhebliche Fehlschätzung eintreten würde, wenn die Annahmen über
diejenigen Schrottmengen, die in den nächsten Jahrzehnten der Eisenindustrie
 zur Verfügung stehen sollten, in der bisher diskutierten Art
prozentual zu der steigenden‘ Eiseninvestition in Ansatz gebracht
würden.
Ich möchte noch stärker, als ich es bereits getan habe, hervorheben,
daß aller Neuschrott, der in der eisenschaffenden Industrie entfällt,
lediglich als zirkulierender Ballast anzusehen ist. Wir bekommen aus
Neuschrott auch nicht ein Kilogramm neues Rohmaterial, sondern der
Neuschrottentfall hat nur die Bedeutung, daß, wenn ich 100 ‘% Eisen erzeugen
 will, ich 120 % in Bearbeitung nehmen muß. Es kann aber. Neuschrott
 nie als Ersatz für Erzbezug dienen.

*Sachverständiger Heinson: Nach dem heutigen Stande ist der
durchschnittliche Entfall unter Berücksichtigung der den Walzwerken
angeschlossenen Verfeinerungsbetriebe mit 20% richtig. Es ist aber
durch technische Fortschritte und Durchführung einheitlicher Walzprogramme
 ein Rückgang zu erwarten.
*Sachverständiger Wenzel: Bei den großen gemischten Werken
kann man immer noch mit einem Schrottentfall von 18 bis. 20 % rechnen,
 einschließlich des Entfalles aus den üblichen Verfeinerungsbetrieben.
 Die Rationalisierung der Werke und die technischen Fort-LAG
        <pb n="440" />
        Schritte werden zweifellos‘ eine‘ Verringerung: des Schrottentfalles ‘be:
wirken: 130 5 a. a en ;
"Sachverständiger Möller: Der Schrottentfall/ bei der :eisenschaffenden:
 Industrie wird nach. meiner. Überzeugung infolge ‚der technischen.
 Fortschritte und infolge der zunehmenden Durchführung: eines
einheitlichen Walzprogramms verringert werden, wie: Sie selbst sagen.
Es muß jedoch ein Denkfehler vermieden. werden, denn dieser Schrott: ist
kein :mengenmäßiger Zuwachs für die Werke.

*Sachverständiger Oloff: Die Frage ist zu bejahen, wenn ‚auch
nicht‘ zu verkennen ist, daß versucht wird, den erwähnten Satz von 20. %
durch technische Verbesserung, Betriebsmodernisierung, Rationalisierung
usw... ständig herunterzudrücken.

Vorsitzender: Besteht Einverständnis mit der. Berechnung
jes Herrn Direktor Lange über die in der Vergangenheit vorgenommenen
Eiseninvestitionen*)?. Verbessert diese Berechnungsart die vorher vorgenommenen
 Schätzungen der Höhe der Eiseninvestition? : Wird insbesondere
 die Berechnung. dee Altschrottverbrauches anerkannt?

“Sachverständige Buchmann und Reichert: Herr Direktor
Lange hebt in seinem Gutachten hervor, daß seine ganzen Berechnungen
der Eiseninvestition nur. einen groben Überschlag für die‘ Aussichten des
kommenden Schrottentfalls geben sollen. Diesen Schätzungen kann
unseres Erachtens kein praktischer Wert beigemessen werden. "a
Herr Lange hat sich in seinem neuen Gutachten? unserer
Schätzungsweise genähert, indem er die Schweißeisenerzeugnisse und die
Gußwaren erster Schmelzung einbezogen hat, wie wir es bereits in
unserer Ergänzungsschätzung vorgenommen haben. Am wichtigsten
ist natürlich, daß er die Abfälle nicht mehr in die Eiseninvestition hineinrechnet,
 sondern unserer Meinung folgend, nun auch von den CGHießereierzeugnissen
 und den Walzwerkserzeugnissen ausgeht. 2 ;
. Eine gewisse, Fehlerquelle steckt vielleicht noch darin, daß Herr.
Lange in den Inlandsverbrauch 10 %. des Halbzeu g 8. für Schmiedestücke
 usw. neu aufnimmt, während .in den Zahlen über die Walzwerkserzeugung
 diese Schmiedestücke ‚bereits berücksichtigt worden ‘sind.
Das ergibt in den Jahren 1900 bis 1913 Mehrmengen in. Höhe von
157 000 bis 275 000 € jährlich. ..Dafür hat er allerdings den Stahlformguß
 nicht berücksichtigt, dessen. Erzeugung in der ‚gleichen Zeit zwischen
 107000 t und 363000 t gelegen hat. Jenes Mehr und dieses
Weniger berücksichtigt, ergibt also keine großen Unterschiede.
Während . unsere, Schätzung der‘ Eiseninvestition sich auf das
Reichsgebietalter Größe bezieht, hat Herr Lange’ auch eine
Schätzung der Eiseninvestition, auf das Reichsgebiet. heutiger
Größe bezogen, vorgenommen. Dabei hat er den Eisenverbrauch der
verlorenen Gebiete unseres alten deutschen Zollgebiets einschließlich

ı) Siehe S. 287.
3) Siehe S. 38301.

29 Eng.-Aussch. III. Rohstoffvers, d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

44}
        <pb n="441" />
        Luxemburg mit 14% in Anrechnung gebracht, aber nur für 1913. Eg
ist übersehen worden, daß auch der frühere Inlandsverbrauch in den
verlorenen Gegenden uns für den kommenden Altschrottentfall verlorengegangen
 ‚ist. . Deswegen müßten die Zahlen der Inlandsinvestition,
Spalte 13, und ‚die des rollenden Fünfjahresdurchschnitts mindestens
entsprechend gekürzt werden. Wenn man aber bedenkt, daß der Ausbau
 der lothringischen, luxemburgischen und der Saarindustrie in den
Jahren vor 1913 besonders stark gewesen ist und deswegen der Eisenverbrauch
 in jenen Bezirken verhältnismäßig größer als im sonstigen
Reichsgebiet war, dann dürften 14 % Abzug zu gering erscheinen.
Berücksichtigt man ‚alle diese Punkte, dann
kommen die neuesten Zahlen des Herrn Lange
unseren als berichtigt genannten Investitionszahlen sehr. nahe.
Es dürfte richtig sein, daß der Nachkriegsaltschrottentfall erheblich
 höher iet als der Vorkriegsschrottentfall‘). Es dürften wohl auch
die Prozentsätze im großen. ganzen stimmen. Die Entstehungsursachen
des Altschrottentfalls. im Jahre 1920 und folgende bis in das Jahr 1925
hinein, sind natürlich nicht allein auf die alte Eiseninvestierung; sondern
auf den sogenannten Kriegsschrottentfall zurückzuführen. Sonst ließe
sich das Anschwellen des Altschrottentfalls in diesen fünf Nachkriegsjahren
 nicht ohne weiteres erklären.
Vorsitzender: Welche technischen Verfahren haben. den
prozentualen Verlust durch Rosten usw. in der jüngsten Vergangenheit.
verringert? Finden diese technischen Verbesserungen auf allen Gebieten
 der Eisenverwendung Anwendung oder ist die Anwendung derselben
 nur beschränkt?
*Sachverständige Mathesius und Petersen: In den letzten
Jahren sind auf dem Gebiete der Rostschutzanstriche Fortschritte erzielt
 worden, die zu einer Verlängerung der Lebensdauer des Eisens beitragen.
 Weiterhin haben Versuche gezeigt, daß ein geringer Kupferzusatz
 zum Stahl dessen Widerstandsfähigkeit gegen atmosphärische
Einflüsse erhöht. Versuche im großen auf diesem Gebiete durch Kupferzusatz
 zu Schienen und Schwellen sind erst im Gange, die Ergebnisse
bleiben noch abzuwarten. ;
In diesem Zusammenhang sei zur Vollständigkeit noch hingewiesen
auf die sogenannten rostfreien Stähle. Diese Stähle sind hochwertige
Eisenlegierungen und infolgedessen so teuer, daß sie für die hier ın
Rede stehenden Fragen vollkommen ausscheiden; sie werden nur in
kleinen Mengen erzeugt zur Herstellung von Sondergeräten und Apparaten.

Sachverständiger Mathesius: Es besteht die Hoffnung, daß in
10 bis 15 Jahren die Verrostung dem Eisen etwas abgewöhnt, werden
wird. Aber das steht noch in weitem Felde.
Vorsitzender: Welcher Prozentsatz. geht nach den Erfahrungen
 des Sammelhandels beim Eisenverbrauch in Haushaltungen usw.
verloren? Insbesondere ist das Aufspüren der Eisenmengen auf dem
flachen Lande zu berücksichtigen.

!) siehe S. 818 u, 325.

148
        <pb n="442" />
        Sachverständiger Rothschild: ‚Das Sammeln von Schrott hat
außerordentlich nachgelassen, was ich in Übereinstimmung mit anderen
Beurteilern der Sachlage auf das Gesetz über den Verkehr mit unedlen
Metallen zurückführe. .In einem Bericht .des ‚Verbandes Deutscher
Schrottbetriebe, Düsseldorf, wird darüber folgendes gesagt:
„Diese Art des Aufkaufs macht heute höchstens 10 bis 15% des
Gesamtschrottumsatzes aus, doch scheint gerade ‚auf ‚diesem Gebiete
durch entsprechende Propaganda und: Wirtschaftsförderung ‚eine. Erhöhung
 der Schrottgewinnung im Bereich der Möglichkeit zu liegen.
Durch ein aus der Inflationszeit stammendes Sondergesetz ist die
Gewinnung von Schrott auf dem Wege der Sammlung alten Materials
stark beeinträchtigt. Das Gesetz über den Verkehr mit unedlen: Metallen
bringt Erschwerungen des Wander- und Kleinhandels, die heute kaum
mehr befürwortet werden können, und die zu einem Rückgang des
Sammelns in Schrottmaterialien geführt haben.“ “
Ich kann von mir aus nur sagen, daß ich diese schwache Sammeltätigkeit
 auf die geradezu systematische. Verärgerung der. kleinen
Sammler durch das vorgenannte Gesetz zurückführe. Die kleinen Aufsammler
 werden in ihrer Tätigkeit und Bedeutung: vollständig verkannt.
 Ein derartiger Mann, dessen Berüf allerdings nicht sehr geachtet
ist, spielt trotzdem in der Volkswirtschaft eine sehr wichtige Rolle.
Er sammelt alle Abfälle, neben Häuten und Fellen aller Art
Papierabfälle, Hadern, Metalle und Eisen. Es gehört dazu, wie man
schon aus der Zusammenstellung dieser verschiedenartigen Abfälle ersieht,
 eine ungeheure Sachkenntnis.
Wenn die Sammler nicht auftreten, so wird ein großer Teil des
Materials überhaupt nicht gewonnen, sondern mit Müll und Schutt zugrunde
 gerichtet. Der Verlust, der der Volkswirtschaft dadurch entsteht,
 daß die verwendbaren Abfälle nicht restlos aufgesammelt werden,
ist ein ungeheurer, der sich allerdings nicht zahlenmäßig aufstellen 1äßt,
der aber in einigen Zweigen (Hadern und Lumpen) bereits zu einer
großen Verringerung des Anfalles geführt hat. Die Leute wandern einfach
 restlos in andere Berufe ab. Es gehören zu diesem Beruf besonders
intelligente Leute und solche, die ein gewisses Vergnügen an dieser
Tätigkeit haben, so daß ein Ersatz auf diesem Gebiete äußerst schwierig
sein wird, Die in Frage kommenden kleinen Sammler verrichten also
eine volkswirtschaftlich notwendige Arbeit, und es ist durchaus am
Platze, ihr Geschäft nach Möglichkeit zu erleichtern und zu fördern.
*Sachverständiger Oppler: In den ‚größeren Städten wird ein
sehr großer Teil des abgängigen Eisenmaterials der Haushaltungen
durch Hausieren der Sammelhändler. und auch durch die Müllverwertung
erfaßt. Immerhin dürften doch noch in der Stadt 10 bis 15 % verlorengehen.
 Auf dem flachen Lande dürften meiner Ansicht nach mindestens
30 bis 45 % des Eisenverbrauches in Haushaltungen verlorengehen, da
die Sammelhändler nicht überall hinkommen und abgängige Hausgegenstände
 oft achtlos weggeworfen werden.
Sachverständiger Wohlgemuth: Man kann wohl allgemein
davon sprechen, daß, sofern Eisen in Haushaltungen und auf dem

)q +

* A
        <pb n="443" />
        Lande verlorengeht, - es ‚sich fast ausschließlich um emailliertes oder
galvanisiertes Material handelt. Die Menge dürfte aber wohl nur den
Bruchteil eines Prozentsatzes ergeben, da ja in den Großstädten Verbrennungsanlagen
 sich befinden, die es ermöglichen, auch dieses Material
der Wiederverhüttung erneut zuzuführen.

*Sachverständiger Mattischak: Der eigentliche Sammelhandel
kann sich nicht mehr wie früher ausschließlich auf den Handel mit
Schrott beschränken, weil Schrott im Verhältnis zu den Unkosten im
Preise zu niedrig und die Einkaufsbedingungen der Einkaufsgesellschaften
 zu rigoros sind. Er sammelt Schrott in Verbindung mit
anderen Rohprodukten wie Lumpen, Knochen, Altmetall und Altpapier.
Der Umsatz eines Sammlers beträgt etwa 100 RM pro Woche und
die Aufbringung von Sammelschrott im Reichsgebiet etwa 1 Million
Tonnen im Jahr. ;

Sachverständiger Rothschild : Ich halte die von Herrn Mattischak
 angegebene Zahl für den Sammelschrott für wesentlich zu hoch.
Sachverständiger Stern: Soll es sich hierbei nur um Sammelschrott
 handeln oder um Schrott, der allgemein von mittleren und
kleinen Händlern zugeführt wird?

Sachverständiger Mattischak: Es handelt sich dabei um
Schrott, der überhaupt durch die Hände der Kleinhändler oder Sammler
geht, also. auch sogenannten Werkstättenschrott, der aus kleinen Betrieben
 erfaßt wird wie Schmieden, Schlossereien, Rittergütern, Ziegeleien
 usw.
Sachverständiger Stern: Ich halte trotzdem diese Mengen für viel
zu hoch gegriffen. Meiner Ansicht sind es höchstens 20 000 t pro Monat.
Sachverständiger Wohlgemuth: Ich halte aber auch die Ziffer
mit Rücksicht auf den gesamten Umlauf von Schrott in Deutschland für
viel zu hoch gegriffen. Ob nun die Zahl % oder % von der von Herrn
Mattischak angegebenen Menge beträgt, kann ich nicht sagen.
Sachverständiger Reichert: Ich glaube, wenn von seiten der verschiedenen
 Sachverständigen anerkannt wird, daß der Neuschrottentfall
etwa 20 % der Walzwerkserzeugung und der Gießereierzeugung., entspricht,
 dann würde die Ziffer von Herrn Lange mit seiner Altschrottschätzung
 von 600 000 t jährlich im Jahre 1909 und 1 Million in den
Jahren 1911 und 1913 stimmen. Wenn ich dann aber frage, ob dieser
ganze Altschrottentfall nur durch die kleinen Sammelhändler aufgekommen
 ist, so wird sich herausstellen, daß das eine Unmöglichkeit ist.
Ich schätze aus diesen Vorkriegszahlen, daß der Sammelschrott, nicht der
von der verarbeitenden Industrie, sondern der, der aus allen Ecken und
Enden herausgekratzt wird, noch nicht einmal eine halbe Million sein
konnte und daß auch in der Nachkriegszeit der Sammelschrott, jährlich
bei weitem nicht eine Menge von % Million erreichen kann.
Sachverständiger Mathesius: Bei der vorhin von dem Handel
50 stark befürworteten Ermäßigung der Frachtsätze für Schrott könn-150
        <pb n="444" />
        (en höhere Preise bezahlt werden. Dann werden die Leute mehr Neigung
haben, Schrott zu. sammeln. ;
Sachverständiger Oppler: Ich schätze die Menge vielleicht auf
200 000 bis 300 000 t. ;
Vorsitzender: Wir kommen zu den Fragen des Schrottmarktes.

Von welchen wichtigen Faktoren ist die Preisbildung des Schrotts
in Deutschland abhängig? Welches sind die besonderen Gründe für die
besondere Konjunkturempfindlichkeit des Schrottpreises?

*Sachverständiger Oppler: Die Wechselwirkung von Angebot
und Nachfrage wird auf dem Schrottmarkte von zweierlei Faktoren entscheidend
 beeinflußt. Einmal wird das Angebot durch das generelle
staatliche Schrottausfuhrverbot mitbestimmt;, zum: anderen hat das
Ausfuhrverbot den Schrott verbrauchenden Werken die Möglichkeit gegeben,
 durch die Bildung von untereinander verständigten Einkaufsorganisationen
 mit praktisch monopolistischem Charakter entscheidenden
 Einfluß auf die Bildung der Preise für das anfallende Material auspuüben,
 da das Ausland nicht als Konkurrent im Einkauf auftreten
ann.
Infolgedessen konnte. es geschehen, daß, früheren Erfahrungen zum
Trotz, die Schrottpreise in den ersten: Monaten der ansteigenden Eisenkonjunktur
 im vergangenen Jahre -zunächst kaum reagiert haben, während
 sie sonst stets als das empfindlichste, der übrigen Wirtschaftebewegung
 zuvorlaufende Konjunkturbarometer galten. Die Preise, die
damals im rheinisch-westfälischen Industriegebiet verhältnismäßig
normal waren, blieben trotz steigenden Bedarfes in Mittel- und Ostdeutschland
 auf dem Niveau, das in der vorhergegangenen Depressionsperiode
 erreicht worden war.
Die Folge war eine ungünstige Einwirkung auf das Angebot. Auch
erwies es sich mehr und mehr als unmöglich, das anfallende Material
unter dem Druck der als unnatürlich niedrig empfundenen Preise durch
Sammeltätigkeit in ausreichendem Umfange zu erfassen. Erst als sich
eine plötzliche Knappheit an Material fühlbar machte, brach die natürliche
 Bewegung elementar durch und nahm nun ungesunde und übersteigerte
 Formen an. Besonders in Rheinland-Westfalen wurde der
Preis, zum Teil auch durch Käufe der Handelsorganisationen mitteldeutscher
 Werke, in die Höhe getrieben. Dieses Beispiel zeigt auf das
krasseste, in wie unausgeglichener Weise künstliche Einwirkungen den
Schrottpreis in Deutschland mitbestimmen.
Es ist begreiflich, daß die Eisenindustrie mit ihren Schrottdispositionen
 möglichst schnell handelt und besonders bei Beginn der aufsteigenden
 Konjunktur vorsorglich große Anforderungen stellt, um in
den Genuß möglichst niedriger Preise zu kommen. Es entstehen so
zunächst. ansteigende Preisbewegungen, die noch dadurch verschärft
werden, daß die Schrotterzeuger und der Handel die anregenden Momente
begreiflicherweise möglichst, schnell auch für sich zu eskomptieren
suchen.

1. 5%
        <pb n="445" />
        Das Umgekehrte vollzieht sich beim Auftreten der ersten Zeichen
für eine stagnierende Konjunkturbewegung. Die Aufwärtsbewegung der
Schrottpreise findet ihre obere Grenze, wenn die Konjunktur sich ihrem
Höhepunkt nähert, um so schneller, als Schrott niemals auf lange Zeit
ein anormales Verhältnis zum Erz- und Roheisenpreis übersteigen kann,
da die Werke bei zu teurem Schrott den Verbrauch einschränken und
soweit als möglich Roheisen zur Stahlproduktion verwenden.
*Sachverständiger Möller: Da die rheinisch-westfälischen Werke
den größten Anteil am deutschen Schrottverbrauch haben, sind die dort
angelegten Preise bestimmend für die Preisbemessung im übrigen
Deutschland, . so daß allgemein.auf Frachtbasis Essen gehandelt wird. In
der Nachkriegszeit haben sich: viele Elemente mit dem Schrotthandel
befaßt, die dieses für die deutschen Eisen- und Stahlerzeuger wichtigste
Rohmaterial ‚als Spekulationsobjekt betrachten. Zum Teil sind diese
Elemente in den letzten Jahren wieder ausgeschaltet worden. Durch
künstliche ‚Zurückhaltung des Schrotts durch Schrotterzeuger und
Schrotthändler erfolgt zeitweise eine Preisbeeinflussung. Die Zurückhaltung
 verursacht. Knappheit bei den Schrottverbrauchern, und die dadurch
 hervorgerufenen verstärkten Lieferungsansprüche führen in kurzer
Zeit zu Preissteigerungen. Da die Neueisenpreise weniger schwanken,
haben die Schrottverbraucher ein Interesse daran, daß auch die vielen
und heftigen Schwankungen des Schrottmarktes gemindert werden.
Durch gemeinsamen Einkauf suchen sie diesen Zweck zu erreichen. Die
Deutsche Schrott-Vereinigung G. m.b. H., früher Eisenhandelsgesellschaft,
 Berlin, hat auch für die sächsischen, mittel- und ostdeutschen
Werke dafür zu sorgen, daß das Schrottaufkommen in den Vertragsgebieten
 frachtgünstig verteilt wird. Zu gewissen Zeiten war das Auftreten
 der Schrottaufkäufer für die westlichen Werke in Mitteldeutschland
 und Sachsen der Grund zu plötzlichen Preiserhöhungen und umgekehrt
 deren: Verschwinden zu Preisermäßigungen. Zur Vermeidung
dieser plötzlichen Schwankungen und zum Zwecke frachtgünstigsten
Bezuges ist neuerdings eine lose Verständigung mit den westlichen
Schrottverbrauchern herbeigeführt worden. Eine Beherrschung des
Schrottmarktes, wie von den Händlern behauptet wird, liegt aber nicht
in der Macht der Deutschen Schrott-Vereinigung oder der Vereinigung
der westlichen Schrottverbraucher. Es hat sich besonders in den letzten
Monaten trotz der Grenzvereinbarung gezeigt, daß das alte Gesetz von
Angebot und Nachfrage nach wie vor seine Wirksamkeit hat..
Die in Deutschland verfügbaren Schrottmengen reichen nicht aus,
um den Bedarf zu decken. Dies tritt besonders in Erscheinung, wenn
eine Besserung in der Eisen- und Stahlerzeugung eintritt, d. h. ein erhöhter
 Bedarf von Neueisen. Die Erzeugung von Eisen nach dem
Thomasverfahren ist konstanter, es kann eine mehr oder minder starke
Beschäftigung von den Thomas-Stahlwerken nicht so leicht abgefangen
werden wie von den Martin-Stahlwerken. Eine verstärkte Nachfrage
nach Neueisen führt also zunächst immer zu einer Verstärkung der
Siemens-Martin-Betriebe und damit zu einer gesteigerten Nachfrage am
Schrottmarkt. Da eich mit dem Schrotthandel sehr viele Händler be-357
        <pb n="446" />
        fassen und auch die Zahl der Erzeuger von Schrott, Maschinenfabriken,
Brückenbauanstalten, Blechwarenfabriken sehr groß ist, ist der Schrottmarkt
 sehr vielen Meinungen unterworfen und deshalb‘ ein besonders
großes Spekulationsgebiet. Man hat nicht mit Unrecht den Schrottmarkt
 als besonders empfindliches Konjunkturbarometer der deutschen
Wirtschaft bezeichnet.

“Sachverständiger Oloff: Die Preisbildung für ‚Schrott ist in
Deutschland von einer größeren Anzahl von Faktoren ‚abhängig, wie
z. B. von Frachtspesen, Ein- und Ausfuhrmöglichkeiten, Verarbeitungs-,
besonders Zerkleinerungsspesen, spekulativen ‚Momenten usw. In der
Hauptsache ist aber das Gesetz von Ängebot und Nachfrage wie bei
jedem anderen Artikel so auch für die Preisbildung des Schrotts maßgebend.


*Sachverständige Buchmann und Reichert: Auch für die
Preisbildung des Schrotts gilt der Satz, daß der Preis von Angebot und
Nachfrage bestimmt wird. Die Größe des Angebots hängt zunächst ab
von den vorhandenen Mengen des Sammelschrotts und von dem Willen
der Schrotthändler, die Ware abzugeben. Sind große Schrottmengen vorhanden,
 die der Han del abstoßen will, dann werden sich die Preise in
der Regel senken. Hält der Handel den Schrott zurück, so können die
Preise in die Höhe gehen. Sind die Werke stark beschäftigt und
gehen neue Aufträge zahlreich ein, wird der Schrottpreis gleichfalls
steigende Tendenz zeigen. Haben sich aber die Werke mit Schrott eingedeckt,
 oder haben sie einen eigenen starken Neuschrottentfall oder
verwenden sie mehr Stahleisen als Schrott, dann dürften die Preise
heruntergehen.
Die Schrottpreise sind auch nach der geographischen Lage
der einzelnen Entfallgebiete verschieden, je nach der Entfernung von
den Bedarfs- und Verbrauchsstätten. In Gebieten, die von den Stahlwerken
 weiter entfernt liegen, kann nur ein niedrigerer Schrottpreis gezahlt
 werden. Daß der Schrott seit 20 bis 30 Jahren auf der Frachtgrundlage
 Essen gehandelt wird, hängt damit zusammen, daß das Ruhrgebiet
 größtes Schrottentfall- und größtes Verbrauchsgebiet ist.
Sehr stark wird der Schrottpreis von der Spekulation beeinflußt,
 da viele mit ihm handeln können. Schrott kann auch für eine gewisse
 Zeit aus dem Markte zurückgezogen und zurückgehalten werden,
nämlich so lange, als die Zinsen, die für die Kapitalinvestition und die.
Lagerung zu bezahlen sind, kleiner sind als die Preissteigerungen, die
sich bei aufwärtsgehender Konjunktur in demselben Zeitraum geltend
machen. Ist der Geldmarkt flüssig, dann wird eine solche Zurückhaltung
längere Zeit möglich sein; ist der Geldmarkt versteift oder herrscht bei
den Schrotthändlern Kapitalknappheit oder haben sich die Händler zu
stark eingedeckt und sind gezwungen, Teilmengen abzustoßen, dann
wird der Schrott nicht solange zurückgehalten werden können, und das
wird in preissenkendem Sinne einen Einfluß haben.
Während die Stahlwerke als Schrottverbraucher ein Interesse daran
haben, den Schrottpreis möglichst niedrig und auf gleichmäßiger Höhe

{=-
        <pb n="447" />
        zu halten, hat der Handel aus spekulativen Gründen ein. Interesse: an
einer Auf- und Abwärtsbewegung. der Schrottpreise. Die Schrott. verbrauchenden
 Werke suchen in ihrer Einkaufspolitik: dem zu starken Anziehen
 der Schrottpreise entgegenzuwirken, indem sie mit den Aufträgen
zurückhalten oder aus entfernteren Entfallgebieten Schrott heranziehen,
oder zur stärkeren Verwendung von Stahleisen übergehen; wodurch
gleichfalls der Schrottverbrauch eine gewisse Stagnierung erfährt, was
wieder preisabbröckelnd wirken kann. * |
Die Schrottpreise sind auch von :den Preisen abhängig, die im benachbarten
 Ausland für Schrott gezahlt werden. Ist z. B. in Italien, in
der Tschechoslowakei oder in Polen der Schrottpreis hoch, dann besteht
bei den Händlern die Neigung, Schrott auszuführen. In solchen Zeiten
steigern sich die Anträge auf Bewilligung der Schrottausfuhr
beim Reichskommissar für Aus- und Einfuhrbewilligung. Werden solche
Anträge.in größerem Ausmaß bewilligt, dann ist sofort der Anreiz geschaffen,
 auch die Schrottpreise im Inlande zu erhöhen. ‘Die übermäßige
Erteilung von ‚Ausfuhrbewillizungen. wirkt „also gleichfalls .preissteigernd.
 . ; . . . .
Länder wie Polen, Italien und die Tschechoslowakei haben. das Bestreben,
 deutschen Schrott an sich zu ziehen, während sie ihren eigenen
Schrott aus dem Inland nicht. herauslassen. Dieses Absaugungsbestreben
Jleutschen Schrotts steigert den Preis, besonders in den Grenzgebieten.
Auch die Möglichkeit der Zuführ ausländischen Schrotts wirkt preisbeeinflussend..
 ‘ Gelingt es, ‚aus‘ dem Ausland größere Mengen nach
Deutschland hereinzuschaffen, dann kann sich der Preis naturgemäß auf
dem deutschen Inlandsmarkt senken. Leider haben Länder wie Frankreich,
 Belgien und Luxemburg, die mehr Schrott erzeugen als sie
Selbst verbrauchen, ein Ausfuhrverbot und unterbinden die Lieferungen
nach Deutschland. ‘: ‘ ;
Auch die Lage auf dem Roheisenmarkt wirkt auf den Preis ein, Ist
Roheisen «knapp, dann i6t der Schrottpreis hoch. Ist Roheisen,
besonders Stabeisen,. verhältnismäßig billiger als Schrott, so wird. dieses
mehr als Einsatzmaterial benutzt und der Schrottpreis geht herunter.
Somit hängt der Schrottpreis auch mittelbar mit den Preisen der Erze
zusammen, die für die Roheisenherstellung benötigt werden.
Aus dem vorstehenden ist ersichtlich, daß die verschiedensten
Faktoren auf den Schrottpreis einwirken. Die Hauptfaktoren
aber sind 1. die Tatsache, daß die Schrottmengen in Deutschland den
Rohstoffbedarf der Stahlwerke nicht decken, und 2. die Spekulation. An
sich hat der Handel an hohen Schrottpreisen kein Interesse. Sein Interesse
 konzentriert sich vielmehr auf niedrige‘ Einkäufe und hohe Verkäufe,
 also auf möglichst hohe Gewinne im Differenzgeschäft. Da diese
Gewinne aber nicht immer herauszuholen sind, wird aus der Spekulation
heraus der Schrottpreis auf- und ‚.niederbewegt, um der Spekulation
freiere Betätigungsmöglichkeit zu geben. Zur Verstärkung dieser Bestrebungen
 wird auch häufig die Tages- und Fachpresse ausgenutzt.
Selbst die Witterung kann einen Einfluß auf den Schrottpreis ausüben.
 Herrscht z. B. starker Schnee, der die Schrottzufuhr behindert.
werden gleichfalls höhere Preise verlangt.

+3-
        <pb n="448" />
        . Aus allen:diesen Gründen zeigt der Schrott eine außerordentlich
starke Konjunkturempfindlichkeit. Ä U
[m Westen, wo die Thomasstahl-Erzeugung und die Siemens-Martin-Stahl-Erzeugung
 ‘nebeneinander bestehen, wirkt die Siemens-Martin-Stahl-Erzeugung
 vielfach gewissermaßen wie ein Puffer, Geht die Konjunktur
 in die Höhe, dann wird die Siemens-Martin-Stahl-Erzeugung ausgedehnt.
 Bei abwärtsgehender Konjunktur aber wird.am ersten der
Siemens-Martin-Betrieb wieder eingeschränkt. Die Thomasstahl-Erzeugung
 geht aber möglichst unvermindert weiter und hier bleibt dann der
Eigenentfall an Schrott der gleiche. Deshalb verändert sich das Verhältnis
 von: Zukaufsschrott und Eigenentfall nicht in demselben Maße,
wie die gesamte Stahlerzeugung steigt oder sinkt. Das Absinken des
Bedarfs an Zukaufsschrott ist verhältnismäßig viel stärker als das Absinken
 der Gesamterzeugung. Für jedes Werk, das Siemens-Martin-Stahl-Erzeugung
 neben Thomasstahl-Erzeugung betreibt, ‚gibt .es in
schlechten Zeiten eine Grenze, bis zu der Zukaufsschrott überhaupt nicht
benötigt, der Schrottbedarf des Martinstahlwerkes vielmehr durch den
Eigenentfall Zus dem Thomasstahlwerk gedeckt wird. Steigt aber bei
heraufgehender Konjunktur die Produktion im Siemens-Martin-Stahlwerk,
 dann tritt sofort höherer Bedarf an Zükaufsschrott auf, was. sich
auf dem Schrottmarkt schon zeitiger bemerkbar macht, als die Produktionssteigerung
 äußerlich in Erscheinung tritt.
Die Tätigkeit der Schrottsammelstellen geht im allgemeinen aber
stetig weiter, gleichgültig ob die Stahlerzeugung größer oder geringer
wird.
Ferner ist zu berücksichtigen, daß der Schrott durch außerordentlich
 viele Kanäle in den Verbrauch überführt wird, und daß auf diesem
Wege viele und große Hemmungen in Erscheinung treten, die alle zu
Spekulationszwecken verwendet werden können.

Sachverständiger Buchmann: Wir möchten unsere Ausführungen
 noch dahin ergänzen, daß wir vielleicht die Spekulationsfrage zu
sehr in den Vordergrund geschoben haben. Man muß immer berücksichtigen,
 daß der Handel von den Schrottabgebern abhängig ist und nur
danı mit Schrott überhaupt etwas anfangen kann, wenn er den Schrott
vom Abgeber auch bekommt. Es wird oftmals so sein, daß der Schrottabgeber
 den Schrott auch zurückhält, weil er glaubt, daß er noch höhere
Preise bekommen kann. Infolgedessen bekommt der Handel den Schrott
nicht. Dabei spielt auch die Geldfrage eine Rolle. Man überlege, daß
es z. B. Händlerfirmen gibt, die 10000 t monatlich bewegen, und daß
dieser Schrott bezahlt werden muß. Das ist immerhin eine ganz gehörige
 Ausgabe, die für die ganze Schrottfrage eine bedeutende Rolle
spielt. Dann kommt noch das Abladen und Aufladen hinzu, der Gewichtsverlust
 und die Kosten, die damit verbunden sind, ferner das Verhältnis
 des Streckengeschäfts zum Lagergeschäft. Es. gibt Firmen, bei
denen das Streckengeschäft 80 % und das Lagergeschäft 20 %. beträgt.
Beim Streckengeschäft geht der Schrott sofort weiter. Die Spekulation
geht ferner auch nach unten. ‘Die Zahl der illegitimen. Aufkäufer steigt
in Perioden, in denen der Schrottpreis hoch ist. um wieder zurückzu-+33
        <pb n="449" />
        gehen,‘ wenn der Schrottpreis sinkt: Auch die Eisenbahn als Schrottabgeber
 kommt hinzu. Es ist natürlich, daß der Ausbau der Schienen
einen großen Schrottentfall bringt, besonders in Zeiten, wo die Gleise
in Ordnung gebracht werden. Dabei ist aber in Betracht zu ziehen, ob
diese Schienen nicht noch in Nebenstrecken verwendet werden, das
würde auch auf die Preisfrage und den Entfall einen Einfluß ausüben.
Alles das spricht gegen das Spekulative.
Vorsitzender: In welchem Verhältnis. steht der deutsche
Schrottpreis zum Weltmarktpreis? ;
Sachverständiger Rothschild: Der Inlandsschrottpreis wird
immer .in einem gewissen Verhältnis zum Weltmarktpreis stehen, da
arhebliche Mengen Schrott eingeführt werden müssen.
Vorsitzender: Auf welcher Basis. wird Schrott in Deutschland
 gehandelt? ;
Sachverständiger Rothschild: Der Schrottpreis wird in
Deutschland im allgemeinen auf rheinisch-westfälischer Basis festgestellt.
 Diese Tatsache ist eine alte Erfahrung, die weit in die Zeit
zurückreicht, in der noch keinerlei Schrotteinkaufsorganisation bestand.
Der Grund liegt zunächst darin, daß das rheinisch-westfälische Revier
der größte Verbraucher ist, und daß infolgedessen die größten Zukaufsmengen
 nach dem rheinisch-westfälischen Gebiet, verfrachtet werden.
Vorsitzender: Haben die östlichen Verbraucher den Frachtvorsprung
 ausgenutzt?
Sachverständiger Rothschild: Die östlichen Verbraucher sind
zu einer vollen Ausnutzung des Frachtvorsprunges niemals gekommen,
da sie restlos den in ihrer nächsten Nähe liegenden Schrott niemals erfassen
 können. Sie sind daher gezwungen, eine gewisse Preisspanne über
den’ rheinisch-westfälischen Preis zu zahlen. Deswegen ist die. Anschauung,
 daß etwa die Schrottpreisbildung in Ostdeutechland eine künstliche
 wäre, falsch. Der Vorteil der östlichen Schrottorganisation besteht
wenig darin, einen Druck auf den Preis auszuüben. Denn, wenn sie heute
verschwinden würde, würde ein großes Werk wie Riesa durchaus nicht
etwa den rheinisch-westfälischen Preis zahlen. . Auch würde die Konkurrenz
 der Händler ausrechnen: wie kann ich noch bestehen, wenn ich
einen kleinen. Vorteil gegen den rheinisch-westfälischen Preis habe. So
wird also die Preisbildung in‘ keinem Fall durch das Bestehen einer
Einkaufsorganisation an und für sich so beeinflußt. Die Klage der
Schrotthersteller oder der‘ Werke, bei denen Schrott entfällt, über
niedrige Schrottpreise ist durchaus verständlich. Aber in dem Augenblick,
 wo sie ihre Werke irgendwo errichtet haben, mußten sie damit
rechnen, daß sie für den Schrottentfall geringere Preise bekommen, als
im rheinisch-westfälischen Revier gezahlt werden.
Im Zusammenhang mit dieser Frage steht auch die Frage der Konjunkturempfindlichkeit
 des Schrotts. Diese ist im wesentlichen darauf
zurückzuführen, daß in allen anderen Zweigen des Eisengewerbes Syndikate
 bestehen und infolgedessen Preisveränderungen die. Folge eines

LG
        <pb n="450" />
        Beschlusses sind und in der Macht der Abgeber liegen.. Anders ist es
mit dem Einkauf eines jedem zugänglichen Artikels wie Schrott. Hier
zeigt sich das stärkere Begehren nach Schrott sehr schnell. .. ; .
So ist die Spekulation durch: den Kapitalbedarf gehindert, zweitens
dadurch, daß, wenn man Schrott abladen und wieder. aufladen muß,
Verluste entstehen, Gewichtsverluste durch Abfallen von Unreinlichkeiten
 oder Roste und dergleichen. Es ist ein Erfahrungssatz, daß
Schrott, der einmal über Lager geht, 5 RM. die Tonne Verlust bringt,
bis er wieder aufgeladen wird. Hierzu. treten noch Frachtverluste von
mindestens 3 RM. Also die Spekulation müßte schon über 8 RM. die
Tonne hinausgehen, wenn sie einen Sinn. haben sollte und könnte dazu
aus Geldgründen in ausschlaggebendenm Mengen kaum durchgeführt
werden.

Sachverständiger Wenzel: Das Allerwichtigste ist folgendes:
Im Westen wird der Schrottpreis bekanntlich gemacht, weil dort die
größten Verbraucher sitzen. Dort ist ungefähr“ die Hälfte der
ganzen Produktion Thomasmaterial, die andere Hälfte Martinmaterial.
Die Werke haben selbstverständlich das Bestreben, im Auf- und
Niedergehen der ‚Beschäftigungskonjunktur ihre Hochofenbetriebe
und damit die Thomasbetriebe aufrecht. zu erhalten, denn von
diesen Betrieben hängt die ganze Kraftwirtschaft usw. ab. Infolgedessen
 bestehen Bestrebungen, den Thomasbetrieb regelmäßig fortzuführen
 durch gute und schlechte Konjunktur. Die ganzen Konjunkturspitzen
 werden von den Martinbetrieben aufgenommen, im Westen haben
wir Hochöfen, die am Tage 1000 machen. Das sind also im Monat
30 000 t Roheisen gleich rund! 30 000 t Stahl... Wenn die Konjunktur herauf
 geht, kann ich nicht gleich wieder einen solchen Ofen anstecken, denn
für die 30 000 t habe ich noch keine Verwendung, sondern da nehme ich
zunächst einen Martinofen in Betrieb, der mir im Monat, 6000 bis 8000 t
macht, und so wirkt sich natürlich jede Konjunkturschwankung nach oben
und unten im Martinbetrieb und damit im Bedarf an Schrott aus. Nur ist
aber der eigene Schrottentfall des Werkes aus der Thomas-Produktion
und aus der Martin-Produktion immer vorhanden. Es gibt. infolgedessen
eine Grenze, wo das Werk überhaupt keinen Schrott mehr braucht,
sondern vollständig mit dem eigenen Entfall auskommen kann. Nehmen
Sie folgendes Beispiel. Die „Vereinigten Stahlwerke“ machen im
Monat heute 600000 t Stahl. Davon entfallen ihnen 20% Schrott
gleich 120000 t. Sie machen: heute rund 300000 t Thomasstahl,
300 000 t Martinstahl. Zu den 300 000 t Martinstahl brauchen sie rund
70% Schrott. Sie brauchen also rund 200 000 t Schrott im ganzen,
Jetzt entfallen ihnen 120 000 t, 80 000 t müssen sie also dazu kaufen.
Jetzt geht die Produktion, wie ich annehmen will, auf 450 000 + zurück.
Dann ist in dubio anzunehmen, daß die Produktion von 300000 t
Thomasstahl bleibt und daß die Martinstahlproduktion auf 150000 t
sinkt. Der Schrottentfall von diesen 450000 t ist 90000 t, und
zu den 150000 t Martinstahl brauchen Sie 100000 t Schrott. Sie
brauchen dann nur 10 000 t zuzukaufen anstatt vorher 80 000 t. Also
der Schrottbedarf sinkt auf */;, während die gesamte-Stahlproduktion nur

an

"7
        <pb n="451" />
        auf %/, gesunken ist. Das ist der natürliche Hauptgrund für die ungeheuren
 Schwankungen im Schrottpreis beim Auf- und Niedergehen der
Konjunktur. ;

Sachverständiger Free: Hierzu möchte ich noch etwas hinzufügen.
Wenn der Schrottbedarf in den Siemens-Martin-Werken steigt, wird für
gewöhnlich in der verarbeitenden Industrie eine entsprechende Steigerung
 des Umsatzes und der Verarbeitung noch nicht eingetreten sein.
Es wird sich vielmehr vielleicht noch mehrere Monate lang der Schrottentfall
 aus der Verarbeitung auf dem niedrigen. Niveaw halten, welches
der schlechten Konjunktur entspricht; daher wird hier eine Differenz
entstehen zwischen dem Schrottenfall aus der Verarbeitung und der
Schrottnachfrage der Eisenindustrie. Umgekehrt ist der Vorgang, wenn
der Schrottentfall aus der Verarbeitung noch größer ist, während in der
Eisenindustrie die Schrottnachfrage und‘ der Schrottverbrauch schon
heruntergeht. Hier handelt es sich dann um eine Spitzenwirkung, die
durch den stärkeren Ausbau der Einkaufsorganisation der Schrottverbraucher
 abgeschwächt werden kann.
Vorsitzender: Welchen Einfluß üben die Weltmarktverhältnisse
 auf den deutschen Schrottpreis aus?

Sachverständiger Free: Ich glaube, daß zur Zeit diese Einwirkung
 sehr gering ist, weil eine Ausfuhr deutschen Schrotte zur Zeit weg“
fällt und es das Bestreben der Eisenindustrie sein muß, wenn sie teuren
Schrott einführt, auch den Inlandsschrottpreis nicht wachsen zu lassen.
Daher wird die Einwirkung der Einfuhr wahrscheinlich nur sehr gedämpft
 sein. Dagegen würde die Einwirkung von der Ausfuhr her viel
unmittelbarer werden, und ich glaube, man darf diese Einwirkung auch
keineswegs als unnatürlich und ungesund betrachten, denn wir können
den Schrottmarkt und die Schrottwirtechaft nicht als etwas für Deutschland
 absolut Abgeschlossenes betrachten, sondern müssen auch hier
die Verbindung mit dem Auslandsmarkt. in einem gesunden Maße aufrecht
 erhalten.
Es ist unstreitig, daß, wenn der Preis, der den Schrotterzeugern
geboten wird, von ihnen nicht als angemessen angesehen wird, eine Zurückhaltung
 des Schrotts bei der großen Masse der Verbraucher eintreten
 kann, und eventuell auch eintreten wird; es ist das möglich, weil
e8 sich um eine sehr große Menge von Betrieben handelt, obwohl an sich
die Schrotterzeuger der verarbeitenden Industrie auf eine derartige Zurückhaltung
 keineswegs eingerichtet sind. Aus diesem Gesichtspunkt
heraus ist aber auch eine ruhige Preispolitik, die den verschiedenen
Gesichtspunkten im Osten und Westen Rechnung trägt, nur erwünscht.

Sachverständiger Oppler: Ich muß betonen, daß die Verbraucher
doch den stärksten Einfluß auch auf die Preisbildung haben. In jedem
Falle wird durch das generelle staatliche Schrottausfuhrverbot die Preisentwicklung
 maßgeblich. mitbestimmt, zum andern durch die Bildung
von untereinander sich verständigenden Einkaufsorganisationen mit
praktisch monopolistischem Charakter. Infolgedessen konnte es geschehen,
 daß früheren Erfahrungen zum Trotz die Schrottpreise in den

a7
        <pb n="452" />
        ersten Monaten der ansteigenden Eisenkonjunktur der vergangenen
Jahre zunächst kaum reagiert haben, während sie sonst stets das
empfindlichste, der übrigen Wirtschaftsbewegung zuvorlaufende Konjunkturbarometer
 bleiben. Die Preise, die damals im rheinisch-westfälischen
 Industriegebiet verhältnismäßig normal waren, liegen trotz
des steigenden Bedarfs in Mittel- und. Ostdeutschland eigentlich auf dem
Niveau, das in der vorangegangenen Depressionsperiode erreicht worden
ist. Es erwies sich als unmöglich, immer das anfallende Material unter
dem Druck der oft als unnatürlich niedrig empfundenen Preise durch
Kauf und Sammeltätigkeit im ausreichenden Umfang zu erfassen. Infolgedessen
 mußten die Werke das im Inland entstehende Defizit durch
Auslandskäufe decken, Die Aufwärtsbewegung der Schrottpreise findet
im allgemeinen ihre oberste Grenze, wenn sich die Konjunktur ihrem
Höhepunkt nähert, um so schneller, als Schrott niemals auf lange Zeit
ein anormales Verhältnis zum Erz- und Roheisenpreis haben kann, da
die Werke bei zu teurem Schrott den Verbrauch‘ einschränken und Roheisen
 zur Stahlproduktion verwenden, soweit es möglich ist. ’
Vorsitzender: Welche Einkaufsorganisationen bestehen für
die eisenschaffende Industrie im Westen?
*Sachverständiger Oloff: Es bestehen
a) die gemeinsame Einkaufsstelle von 15 Werken der westlichen
eisenschaffenden Industrie: Vereinigte Stahlwerke A.G., Abt.
Schrottversorgung in Dortmund,
die Gußbruch-Einkauf G.m. b. H. des Vereins Deutscher Eisengießereien,
 Gießereiverband, Düsseldorf,
Werksfirmen, die in besonderem Vertragsverhältnis zu bestimmten
 Werken oder Werkskonzernen der eisenschaffenden Industrie
stehen.
*Sachverständiger Oppler: Als Einkaufsorganisation für die
eisenschaffende Industrie im Westen besteht die Abteilung Schrottversorgung
 der Vereinigten Stahlwerke A.G., Dortmund, die etwa 90 %
des gesamten Schrottverbrauchs in Rheinland-Westfalen deckt.
Vorsitzender: Welche Einkaufsorganisationen bestehen für
die eisenschaffende Industrie in Mitteldeutschland und Ostdeutschland?

b}

*Sachverständiger Oloff: Es bestehen
a) die Deutsche Schrottvereinigung G. m. b. H., Berlin (hierin sind
die beteiligten Werke von Ost- und Mitteldeutschland zusammengeschlossen),

die Schrotteinkaufsgesellschaft m. b. H., Berlin und Sächsische
Schrotthandel G. m, b. H., Dresden, die eigentlichen Einkaufsorganisationen,
 in denen die in der S. E, 6. zusammengeschlossenen
 Werke und eine Anzahl größerer Händler — Vertragsfirmen
 — vereinigt sind,
c) die Gußbruch-Einkauf G. m. b. H., Zweigstelle Leipzig.
*Sachverständiger Möller: In Mitteldeutschland gibt es folgende
Einkaufsorganisationen:

{SO
        <pb n="453" />
        - Sächsische Schrotthandelsgesellschaft in Dresden: Ihre Auflösung
ist beschlossen und sie hat ihren Betrieb eingestellt. -
Deutsche Schrottvereinigung, Berlin: Das ist eine G. m. b. H., in
der die sächsischen, mitteldeutschen und oberschlesischen Werke zusammengeschlossen
 ‘sind, aber nicht restlos: Es stehen. noch. eine große
Anzahl außerhalb dieser Organisation, besonders Stahlgießereien. ;
Ferner Deutsche Schrottgemeinschaft: Das ist eine Vereinigung, die
die Abrechnung unter den in der Deutschen Schrottvereinigung .zuzammengeschlossenen
 Werken regelt.
Ferner Schrotteinkaufsgesellschaft, Berlin: Das ist eine Vereinigung
 der Händler, die mit den Werken die in der Deutschen Schrottvereinigung
 zusammengeschlossen sind, Lieferungsverträge haben.

Die Handelsfirmen haben meines Wissens aber wiederum eine
Menge. Unterlieferanten, bestehend aus Händlern. 2. und 3. Klasse, auch
wohl bis zum kleinsten Händler und Schrotterzeuger herunter. ‘: Eine
Beherrschung: des Schrottmarktes liegt aber nicht in: der Macht der
Deutschen Schrottvereinigung und der anderen Gesellschaften. Für die
großen. Hüttenwerke ist es vorteilhaft, nur mit recht wenigen Händlern
zu verkehren; ein großer Händlerkreis würde ihnen zu viel Arbeit verursachen,
 auch die Übersicht über die eingehenden. Schrottmengen erschweren,
 ganz besonders aber die Abrechnung. Ferner würde den
Werken auch die Gewißheit für die rechtzeitige und regelmäßige Anfuhr
des Schrottbedarfs fehlen. Diese Arbeiten muß der Großhandel den
Werken abnehmen. Genau so. wie auch im Neueisenhandel die Werke
Ihren Abnehmerkreis beschränken müssen, weil ein Verkehr mit vielen
Händlern ihnen zu viel Arbeit und zu große Schwierigkeiten machen
würde.

Vorsitzender: Welche Gebietsabgrenzung hat zwischen der
Dortmunder Einkaufsstelle und der Schrotteinkaufsgesellschaft, Berlin,
stattgefunden?

*Sachverständiger Oloff: Die Abgrenzungslinie richtet eich in
größeren Zügen nach der innerhalb der Kriegsorganisationen, Eisen-Zentrale
 G. m. b. H., Berlin, bzw. Schrotthandel G. m. b. H., Düsseldorf,
und Schrotteinkaufs G. m. b. H., Berlin, schon 1917—19 gezogenen
Grenze, ungefähr von Hamburg über Hannover, Kassel, Nürnberg usw.
Diese‘ Abgrenzungslinie ist aber keine konstante, sondern ändert sich
jeweils nach Bedarf und Vereinbarung zwischen den für Schrott in Frage
kommenden Einkaufsorganisationen in Berlin und Dortmund.
*Sachverständiger Oppler: Zwischen der Dortmunder Einkaufsstelle
 und der Deutschen Schrottversorgung hat folgende Gebietsabgrenzung
 stattgefunden: ;
Luftlinie: Hamburg — Hannover — Kassel.
Bahnlinie; ‚Bebra — Berka — thüringische Landesgrenze.
Luftlinie: Maroldsweisach — Ebrach — Würzburg — Nürnberg —
Ansbach — Crailsheim — Aalen — Göppingen — Reutlingen
 — Sigmaringen — Singen.

460
        <pb n="454" />
        Von den an der Abgrenzungslinie liegenden Orten‘ gehören
zum Osten: Hamburg — Berka — Lindenaut — Würzburg — Ansbach
 — Crailsheim — Aalen — Sigmaringen — Singen;
zum Westen: Hannover — Kassel — Bebra — Maroldsweisach —
Ebrach — Nürnberg — Göppingen — Reutlingen.
Vorsitzender: Wie groß sind die Mengen, die durch diese Einkaufsorganisationen,
 eventuell Werksfirmen, Vertragsfirmen der eisenschaffenden
 Industrie schätzungsweise zugeführt werden?
*Sachverständiger 0.p pler: Die Einkaufsorganisationen: decken
den Schrottbedarf der ihnen angeschlossenen. Werke restlos. Schätzungsweise
 8 bis 10 % der eisenschaffenden Industrie kaufen frei ein.

Sachverständiger Wohl gemuüth: Diese Frage kann ich nur
beantworten hinsichtlich der mittel- und‘ ostdeutschen Einkaufsorganisationen
 und hier decken sich die gelieferten Mengen mit den von den
Werken. angeforderten. .
*Sachverständiger Wenzel: ‚Die Schrottgemeinschaft. Dortmund
hat vom 15. November 1926 bis 14. Juli 1927 ihren. Mitgliedern 951 000 t
Martinschrott und 298 000 t Hochofenschrott zugeführt.
*Sachverständiger Möller: Die in Frage kommenden Mengen sind
mir nicht vollständig bekannt. Die Deutsche Schrottvereinigung,
Berlin, hat für ihre angeschlossenen sächsischen, mittel- und ostdeutschen
Werke im Jahre 1926 insgesamt etwa 840.000 t Schrott beschafft.
Davon sind 169 000 t infolge des Genfer Abkommens an die polnischoberschlesischen
 Werke abgegeben. worden. In diesen 840 000% sind
auch aus dem Ausland bezogene Mengen enthalten; die Höhe ist mir
nicht bekannt. Der Bedarf der vereinigten Werke ist ohne die nach
Polen abgegangenen Mengen gegenwärtig rund 1 Mill. t.

Sachverständiger Oloff: Was Gußbruch anbetrifft, so beläuft sich
die Ziffer der durch die Einkaufsorganisation erfaßten. Menge auf etwa
50 % der Gesamtmenge.

*Sachverständiger Heinson: Die Mengen, die durch die Dort:
munder Einkaufsstelle der eisenschaffenden Industrie zugeführt wurden,
schwanken nach den mir vorliegenden Zahlen zwischen 120 000 und
240 000 t vierzehntägig. Zur Beurteilung dieser Mengen ist auch die
Lieferzeit in Betracht zu ziehen.
Vorsitzender: Welches sind die wichtigsten. Handelsfirmen,
Groß und Mittelfirmen, die neben diesen Einkaufsorganisationen als
selbständige Firmen bestehen, und welche Mengen werden schätzungsweise
 durch diese Firmen der deutschen eisenschaffenden Industrie direkt
Oder indirekt zugeführt?
*Sachverständiger Heinson: Die im Westen bestehende Einkaufsstelle
 ist nicht in dem Sinne Einkaufsorganisation, als sie selbständig
 Schrottkäufe auf dem freien Markte vornimmt. ‘Sie beauftragt vielmehr
 mit dem Kauf Schrotthandelsfirmen, mit denen sie von Fall zu Fall
im freien Verkehr Schrottkaufverträge abschließt. Die Handelsfirmen

15)
        <pb n="455" />
        sind also gegenüber der westlichen ‚Organisation ‚als durchaus: selbständige
 Firmen anzusehen. ; A ' ; A
*Sachverständiger:O 10 ff: Meines Erachtene sind auch die für die
Einkaufsorganisationen liefernden Schrotthandelsfirmen als. selbständige
Firmen anzusehen. Jedenfalls trifft dies unter allen Umständen für die
an die Gußbruch-Einkauf G. m. b._H. liefernden Schrotthandelsfirmen
 zu. .
*Sachveretändiger Möllet: Außer den Großhandelefirmen gibt es
noch eine große Menge anderer Schrotthandelsfirmen größen: und mittjeren
 Umfanges sowie ‘die kleineren Schrotthändler, Welche Mengen
Schrott von diesen Firmen direkt oder indirekt gesammelt und gehandelt
werden, entzieht eich meiner Kenntnis. N

*Sachverständiger Wenzel: Im Westen bestehen alle Handelsfirmen
 nach wie vor selbständig weiter. Das Geschäft zwischen. der
Schrottgemeinschaft Dortmund und den Handelefirmen spielt. sich als
völlig freies Kauf- bzw. Verkaufsgeschäft ab. Die V erbriefung und‘ Abwicklung
 der Abschlüsse erfolgt unmittelbar zwischen den verkaufenden
Händlerfirmen und den; verbrauchenden Werken.
Vorsitzender: Ihre Organisation repräsentiert also die Nachfrage
 der Industrie, und ihr steht gegenüber der Schrotthandel, der das
Angebot des Handels repräsentiert. Was für Leute repräsentieren‘ nun
die Schrottseite?-Sachverständiger

 Wenzel: Die Firmen, mit denen wir arbeiten,
sind naturgemäß. der legitime Großhandel, weil die Mengen, die wir
kaufen, ja sehr groß sind. Wir können nur große Mengen kaufen und
müssen vor allen Dingen auch die Gewähr haben, daß unter. allen Umständen
 die Abschlüsse ausgeführt werden. Ferner ist es klar, daß, wenn
wir vom Großhandel verlangen, daß er uns große Mengen zu einem festen
Preis liefert — es handelt sich bei uns immer‘ um vollständig feste
Preise —, daß wir diesem selben Großhandel nicht‘ dadurch. in den
Rücken fallen dürfen, daß wir nun unmittelbare Abschlüsse mit. dem
Mittel- und Kleinhandel machen, von denen doch der Großhandel wieder
einen großen Teil seiner Mengen kauft. Aus diesem Grunde arbeiten
wir nur mit dem Großhandel, die Reihe dieser Firmen ist aber nicht in
irgendeiner Weise beschränkt.

Sachverständiger Rothschild: Die Frage, die hier ‚gestellt, ist,
ist nicht ganz deutlich. zu beantworten. Die Firmen, die Herr Oppler als
frei bezeichnet, angeblich 10% von dem Verbrauch, es können auch mehr
oder weniger sein, werden teilweise von Firmen beliefert, die auch an
diese beiden Organisationen liefern. Es ist nicht etwa 0, daß ein bestimmter
 Händlerkreis nun. nach Dortmund und‘ Berlin liefert und daß
diese Händler etwa an.den anderen Geschäften nicht beteiligt werden,
sondern im Gegenteil, sie arbeiten genau so mit diesen Firmen wie mit
den anderen. Irgendeine Verpflichtung, an andere ‚Firmen nicht zu
liefern, ist nicht vorhanden.

(47
        <pb n="456" />
        Vorsitzender: Es ist also eine geschlossene Organisation der
Abnehmer, die einer nicht geschlossenen Organisation der Anbieter
zegenübersteht?

Sachverständiger Oppler: Ich habe die Frage dahin‘ verstanden,
auf welche Gesamtmengen eich der Einkauf stellt und ob die westlichen
Organisationen einen ausschlaggebenden Einfluß haben. Die Einkaufsorganisationen
 erstrecken ihre kontrollierende Einkaufstätigkeit bis auf
3 bis 10.% des Verbrauchs; frei kaufen natürlich nur die Werke, die
keiner Organisation angehören. Der Schrotthandel ist im wesentlichen
nicht organisiert.

Sachverständiger Birawer: Durch die bestehenden Einkaufsorganisationen
 sind die anderen Händler, die außerhalb stehen, bei
weitem nicht ausgeschaltet; ein wesentlicher Bestandteil unserer Einkäufe
 beruht darauf, daß wir von diesen Firmen den Schrott einkaufen.
Die mengenmäßige Gesamtleistung dieser Firmen auch nur schätzungsweise
 anzugeben, ist schon deshalb unmöglich, weil meist die ‚gleichen
Mengen wegen: der Vielheit der Händlerfirmen immer wieder untereinander
 gehandelt werden.

Sachverständiger Möller: Es ist nicht so, daß alle Werke gezwungen
 sind, ihren Bedarf lediglich von den Schrottorganisationen
zu beziehen. Die Lauchhammerwerke haben großen Bedarf, sie haben
diese Verpflichtung nur für gewisse Bezirke und kaufen sehr große
Mengen Schrott von Händlern, die nicht als Vertragshändler anzusehen
 sind.

Vorsitzender: Die Zahl der Handelefirmen kann also nicht
angegeben werden, weil sie schwankt. Die vielen Händler stehen. einer
geschlossenen Abnehmerschaft gegenüber, abgesehen von den 8 bis 10 %
Schrottentfall, die von den nicht diesen Vereinigungen angehörigen
Firmen etwa aufgenommen werden.

Sachverständiger Wenzel: Im Westen umfaßt die Einkaufsorganisation
 etwa 70 % des ganzen Schrottbedarfe. 30 % sind überhaupt
frei, die gar nicht unserer Organisation, der Dortmunder Stelle, angeschlossen
 sind, die ihren Schrott kaufen, wie und wo sie wollen.
„ Vorsitzender: Wenn die 10 % für ganz Deutschland berechnet
 waren, erklärt sich die Differenz.

Staatssekretär Hirsch: Ich möchte um Aufklärung über folgende
Punkte bitten: Wir haben den gesamten Schrottmarkt mit ungefähr
7 Mill. t in Deutschland anzusehen, eigene Versorgung davon ungefähr
25 .%, beinahe 2 Millionen. Davon entfallen auf den Anfall der Werke
über 3 Millionen. Von den restlichen 4 Millionen wird ein Teil direkt
vom Großhandel bezogen, ein anderer geht durch die Einkaufsorganisationen.
 Gehen diese nicht direkt an den Markt. heran, sondern immer
durch den Großhandel?
Sachverständiger Wenzel: Im Westen besteht vertragsmäßige
Bindung überhaupt nicht, sondern die Einkaufsorganisation. hat als

30 Enq.-Aussch, III. Rohstoffvers, d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

«63
        <pb n="457" />
        Gegenkontrahenten den Großhandel. Sie macht den Abschluß, die ganze
Abwicklung ist ausschließlich Sache des Werks und des Großhändlers,
Staatssekretär Hirsch: Die 4 Millionen Tonnen müssen vom
Markt kommen und praktisch eigentlich. im Osten und auchi im Westen
den. Großhandel passieren, nur ein. Teil. geht über Einkaufsorganisationen
 an die Werke. Wie groß ist ungefähr der Teil, der durch die
Einkaufsorganisationen geht?

Sachverständiger Rothschild: Herr Wenzel hat angegeben,
daß er in 7 Monaten 1250 000 t gekauft hat, das ist ein Monatsdurchsehnitt
 von 180 000 t. Von anderer Seite ist angegeben, daß ein Monatsdurchschnitt
 von 70 000 t gekauft wurde, das sind zusammen 250 000 t
mal 12, ergibt schon 3 Millionen Tonnen. Was mehr fällt, wird frei
gehandelt.
Sachverständiger Wenzel: Es gibt im Westen eine Anzahl
Schrotthändler, die durch Beteiligung mit bestimmten Werken verbunden
 sind. Auch diese Firmen werden von der Dortmunder Einkaufsorganisation
 ganz genau so behandelt wie jeder andere Händler.
Sachverständiger Mattischack: Für uns kleine und mittlere
Händler gilt der Schrotteinkauf als vollständig monopolisiert. Wenn
das nicht der Fall wäre, würde man uns nicht die Einkaufs- oder Verkaufsbedingungen
 zumuten, die man uns zumutet. Sie brauchen sich nur
len sogenannten ‚Schlußschein!) anzusehen.
Vorsitzender: Wollen Sie uns bitte einen solchen Schein
einschicken. -
Sachverständiger Wohlgemuth: Die Einkaufsbedingungen, SOwohl
 was Qualität als auch Übernahme und Zahlung anbetrifft, die von
der Schrotteinkaufegesellschaft Berlin vorgesehen sind, befinden sich
durchaus in Übereinstimmung mit den Einkaufsbedingungen, die allgemein
 in Deutschland üblich sind.

Sachverständiger Wenzel: Es besteht ein großer Unterschied
zwischen den beiden Organisationen im Westen und Osten. Die westliche
 Organisation kauft ausschließlich vom Handel zu festen Preisen,
während die östliche Organisation den Großhandel nur als Mittelsperson
benutzt. Er arbeitet gegen Provision, er kauft also für die Werke bzw.
für die Organisation gegen Erstattung seiner Unkosten und unter Bewilligung
 eines angemessenen Nutzens. Das ist ein Unterschied.
Vorsitzender: Der Handel im Westen ist also ganz frei in
der Preisbildung?
Sachverständiger Wenzel: Ja!
Sachverständiger Oppler: Im Westen ist es so, daß die Werke
ihren Bedarf eindecken bzw. sich Offerten der Händler machen lassen.
Das Geschäft geht dort auf Gewinn und Verlust für Rechnung des
Händlers. Im Osten wird durch eine Gruppe von verschiedenen Firmen
provisionsweise nach Anweisung der. Werke eingekauft, wobei ich

1) Siehe S. 415.
        <pb n="458" />
        oetone, daß die maßgebende Firma sich im aussch ließlichen
Besitz der Werke befindet, die an dieser Einkaufsorganisation
interessiert sind.
Staatssekretär Hirsch: Das Bild ist demnach so: Schrottmarkt
im ganzen einschließlich des eigenen Anfalls ungefähr 7 Millionen Tonnen,
 eigener Anfall der Werke ungefähr 3 Millionen Tonnen, Rest 4 Millionen
 Tonnen, der im wesentlichen durch den Großhandel geht. Von
diegen 4 Millionen Tonnen sind aber! 3 Millionen im wesentlichen an. die
Einkaufsorganisation der Werke absetzbar, also kontrollierter Einkauf.
Das andere ist auch Handel, nur ist er in gewissem Sinne an. die Vorschriften
 der Werke gebunden, zum mindesten daran, was die Zentralorganisation
 ihm zahlen kann.

Sachverständiger Birawer: Im. Westen wird‘. zu einem bestimmten
 Preis frei eingekauft, An diesen Preis ist der Großhandel
 gebunden, genau wie er bei uns an den Preis gebunden ist, den
wir ihm nach unserer Angabe zu zahlen gewillt sind. - Unser Preis
oaut sich. auf dem westlichen Preis auf. Nun betätigt sich bei uns
der Großhandel genau in derselben Weise wie im Westen, indem er
entweder von der Entfallstelle direkt oder aber durch mittlere und
kleinere Händler den Schrott einkauft. Es ist also nicht so, daß etwa
nur 1 Million Tonnen von den Firmen, die draußen stehen, gehandelt
werden, sondern diese Firmen sind an den ganzen 4 Millionen. Tonnen
teteiligt, und ich möchte beinahe behaupten: in demselben Umfang wie
der Großhandel beteiligt.

Sachverständiger Heinson: Ich möchte auf die Zahlen von Herrn
Staatssekretär Hirsch zurückkommen. Es ist noch nicht ganz geklärt,
wo die eine Million bleibt. Sie gehen an die Werke, die nicht der Einkaufsstelle
 Dortmund angeschlossen bzw. der Organisation in Mitteloder
 Ostdeutschland angeschlossen sind. Das sind vollkommen freie
Mengen. Im Westen ist es so, daß 25 bis 30 % der Menge, die die Einkaufsstelle
 Dortmund einkauft, von den Firmen im Westen eingekauft
werden, die Schrottverbraucher sind, aber sich nicht an dieser Einkaufsstelle
 beteiligen.
Sachverständiger Möller: Ich möchte noch betonen, daß die
großen Werke nicht mit allen Händlern verkehren können, Es gibt aber
eine Menge Stahlgießereien kleineren und größeren Umfangs, die von
jedem Händler kaufen können. | Da bietet sich noch ein großes Feld.
Sachverständiger Wenzel: Gegenüber Herrn Staatssekretär
Hirsch möchte ich betonen, daß von den 3 Mill. t meiner Schätzung nach
mindestens 2 Mill. t durch den kleinen und mittleren Handel gehen, Der
Großhandel kann doch nur unmittelbar an den Entfallstellen den Schrott
erfassen. Den Sammelschrott kauft er wieder von kleineren Leuten.
Yorsitzender: Besteht zwischen den Einkaufsorganisationen
und gewissen selbständigen Firmen irgendein Bindungs- oder Abhängigkeitsverhältnis?

Sachverständiger Wohlgemuth: Neben den Hauptvertrags-465
        <pb n="459" />
        firmen hat die Schrotteinkaufsgesellechaft m. b. H., Berlin, noch Verträge
mit einer Anzahl von Firmen, auf Grund. deren diese Firmen gegen. Gewährung
 einer geringen. Bonifikation verpflichtet Sind, ihr gesamtes Aufbringen
 an Schrott für Martinofenbetriebe der Schrotteinkaufsgesellschaft
 m. b. H. bzw. deren Gesellschafterfirmen zuzuführen. Einen Ein-Auß
 auf die Einkaufstätigkeit dieser Firmen übt die Schrotteinkaufsgesellschaft
 m. b. H. nicht aus.
“Sachverständiger Oppler: Der gesamte freie Handel befindet
sich in einem unbedingt abhängigen Verhältnis zu den Einkaufsorganisationen,
 das um so wirkungsvoller ist, als durch das bestehende
Schrottausfuhrverbot eine andere Absatzmöglichkeit nicht gegeben ist.
*Sachverständiger Möller: Mir ist nicht bekannt, daß Schrott-Großhandelsfirmen
 von. den Einkaufsorganisationen abhängig sind, aber
sine Bindung besteht insofern, als diese Vertragshändler sich verpflichtet
haben, ihre Tätigkeit in gewissen Gebieten’ in erster Linie für die zusammengeschlossenen
 Werke auszuüben, wohingegen sich ein Teil der
Werke verpflichtet hat, seinen ganzen Schrottbedarf nur durch die Einkaufsorganisationen
 und die mit ihnen verbundenen Händler zu decken.
Verschiedenen Werken steht es aber frei, auch Schrott von freien
Händlern zu kaufen. Auch die Einkaufsorganisation selbst hat das
Recht, von freien Händlern zu kaufen. Beide, sowohl das Werk wie die
Einkaufsorganisation, machen. von diesem Recht auch in nicht unbedeutendem
 Maße Gebrauch.
Ich bemerke dies schon hier, weil des öfteren behauptet wird, die
Vertragshändler hätten eine Monopolstellung.
*Sachverständiger Oloff: Bei der Gußbruch-Einkauf G.m. b. H.
und der Dortmunder Schrotteinkaufsstelle trifft dies meines Wissens
nıcht zu.

*Sachverständiger Heinson: Zwischen der westlichen Einkaufsstelle
 und den selbständigen Firmen bestehen entsprechend. dem Aufbau
der Einkaufsstelle keinerlei Bindungs- oder Abhängigkeitsverhältnisse.
*Sachverständiger Wenzel: Im Westen besteht kein Abhängigkeitsverhältnis.


Vorsitzender: Aus welchen Gründen wird der Schrott in
Deutschland im allgemeinen auf rheinisch-westfälischer Basis gehandelt,
insbesondere, warum kaufen die mitteldeutschen, oberschlesischen. und
sonstigen vorgelagerten Werke den Schrott im allgemeinen auf. rheinischwestfälischer
 Basis ein, und inwieweit nutzen diese Werke ihren Frachtvorsprung
 im Einkauf von Schrott aus?

Sachverständiger Wohlgemuth: In Rheinland und Westfalen
ist von jeher der Schrott franko Verbrauchswerk eingekauft worden. Als
sich nun in Mittel- und Ostdeutschland eine Anzahl von Werken zusammenfand,
 um gemeinsam ihren Schrotteinkauf zu betreiben: bzw.
durch Beauftragte betreiben zu lassen, erfolgten diese Einkäufe aus
allgemeinen wirtschaftlichen Gründen naturgemäß im Kampf gegen den
nächsten Konkurrenten in Westfalen, und so ergab sich die. Notwendig-Z6
        <pb n="460" />
        keit, die Preise, wenn sie auch loko Versandstation gestellt waren, in
jer Kalkulation doch auf franko Westfalen zu errechnen. Bei den so
errechneten Preisen ist darauf Rücksicht genommen worden, daß der
Lokopreis nicht zu niedrig gestellt wurde, und so ergab es sich, daß für
die Mengen, welche in den östlichsten Gebieten aufkamen, der ganze
Frachtvorsprung niemals gewahrt werden konnte. ;
Einen Einfluß auf das mengenmäßige Aufkommen des Schrotts in
den Entfallgebieten hat diese Einkaufstaktik der Organisationen keinesfalls,
 da, wie schon in Beantwortung der vorigen Frage erwähnt, darauf
Rücksicht genommen wird, daß die Sammeltätigkeit für Schrott in den
Gebieten, an denen die Werke frachtlich interessiert sind, nicht nachläßt.
in allgemein volkswirtschaftlicher Beziehung halte ich diese Politik
für richtig, da es ja das Bestreben aller sein muß, mit den geringsten
 Mitteln .die besten Erfolge zu erzielen. Mit geringsten Mitteln
meine ich in diesem Falle den geringsten Aufwand an Frachten. Die
Kontrolle hierüber haben die Einkaufsorganisationen aber nur, wenn sie
loko Versandstation kaufen, und das wiederum bedeutet, daß sie den
Preis abstellen müssen auf den Verbrauchsort, der als ihr nächster oder
bedeutendster Konkurrent anzusehen ist. Geben die Organisationen
diese Kontrolle aus der Hand, so erfolgt ein Durcheinanderdisponieren
an Frachten, welches in einem unverantwortlichen Ausmaß Kosten verursacht,
 denen nicht die geringste Gegenleistung gegenübersteht.

*Sachverständiger Möller: Der Einkauf von Schrott auf Frachtbasis
 Essen hat sich seit Jahrzehnten eingebürgert, weil der Schrottbedarf
 in. Rheinland-Westfalen der stärkste von ganz Deutschland ist.
Bekanntlich sind die Produktionsbedingungen für die Eisen- und Stahlerzeugung
 in Rheinland-Westfalen am günstigsten. Das’ rheinischwestfälische
 Industriegebiet ist nicht allein der größte Schrottverbrauchs-,
 sondern auch der größte Schrottentfallbezirk. In Sachsen
und Mitteldeutschland gibt es nur reine Martinwerke, die nicht wie die
rheinisch-westfälischen Werke sich des Einsatzes von flüssigem Roheisen
 im Thomasverfahren bedienen können. Vielmehr‘ sind sie gezwungen,
 ihren Roheisenbedarf, mit hohen Frachten belastet, aus Rheinland-Westfalen
 oder aus Oberschlesien zu beziehen. Auch die übrigen
für die Eisen- und Stahlerzeugung notwendigen Rohstoffe, wie Dolomit,
Weißstückkalk usw., müssen aus weiteren Entfernungen herangeholt
werden, weil gut brauchbare Qualitäten dieser Materialien frachtgünstig
nicht vorhanden sind. Für Oberschlesien, das wohl‘ die Steinkohlen
[rachtgünstig haben, aber das flüssige Roheisen dem Martinofen nicht
jhne weiteres zusetzen kann, bestehen wesentlich. ungünstigere Erzeugungsbedingungen
 als für Rheinland-Westfalen. Die verhältnismäßig
günstig liegenden Eisenerzvorkommen Öberschlesiens sind bekanntlich
in dem Genfer Abkommen an Polen gefallen. Es kommen also Erzbezüge
 für Oberschlesien heute nur noch in Frage aus dem Harz,
Lahn/Dill-Gebiet, Südrußland, Schweden, Spanien, Marokko usw. Oberschlesien
 ist infolge seiner unglücklichen Lage gezwungen, seinen Schrott,
mit erheblichen Frachten belastet, aus Schlesien, Mittel-, Nord- und Südleutschland
 heranzuholen. Die durchschnittlichen Frachten dafür be-467
        <pb n="461" />
        tragen etwa 15 bis 16 RM. je Tonne. Der durchschnittliche Frachtvorsprung
 gegen den Westen ist nicht höher, so daß sich also effektiv
der Preis frei oberschlesischem Werk für Schrott nicht günstiger stellen
dürfte als frei Rheinland-Westfalen. Man hat deshalb früher auch für
Oberschlesien den Schrott neben Frachtbasis Essen auf Frachtbasis
Gleiwitz gekauft, ist davon aber wegen der Vereinfachung wieder
abgekommen.
Es ist den vorgelagerten mitteldeutschen und ‚oberschlesischen
Werken nicht immer möglich, den vollen Frachtvorsprung gegenüber
dem Westen zu wahren. Besonders in Zeiten starken Köonkurrenzkampfes
 um den Schrott versuchten die mitteldeutschen und oberschlesischen
 Werke durch Überbieten des rheinisch-westfälischen Revierpreises
 auf Frachtbasis Essen sich den benötigten Schrott zu sichern.
Die Schrottabgeber erhalten also in diesem Falle von den vorgelagerten
Werken einen höheren Preis, als sie ihn von den rheinisch-westfälischen
Werken erhalten hätten.
Würden die Werke in Mitteldeutschland und Sachsen nicht bestehen,
müßten die Schrottmengen aus diesen Gebieten nach Westfalen abgeführt
 werden. Dann ist aber zu berücksichtigen, daß infolge der
Frachtlage die Schrottabgeber keinen höheren Preis erhalten würden als
ihn die sächsischen und mitteldeutschen Werke bei ihrem Einkauf auf
Frachtbasis Essen anlegen. Schließlich würde dann für den Schrottentfall
 Mitteldeutschlands auch keine Verwendung sein, weil die westlichen
 Werke ihn nicht nehmen, denn der Schrott aus Nicht-Industriebezirken
 ist wesentlich schlechter als aus den Gebieten der Schwerindustrie,
 Die Abfuhr von minderwertigem Schrott, Spänen usw. nach
dem Westen würde sich gar nicht lohnen. Die westlichen Werke sind
auch auf die Verwendung gar nicht eingerichtet. Die Schrottabgeber
haben deshalb das größte Interesse an dem Bestehen der mittel- und
ostdeutschen Martinwerke.
Die Existenz der mitteldeutschen und sächsischen Werke ist geradezu
 eine Lebensnotwendigkeit für die Schrottabgeber in deren Gebieten.
Das mengenmäßige Aufkommen von Schrott in den verschiedenen
Entfallgebieten kann durch den Einkauf Frachtbasis Essen meines
Erachtens nicht beeinflußt werden.
Wenn man‘ annimmt, daß von dem gesamten Eisenverbrauch der
verarbeitenden Industrie 10% Schrott entfallen, was aber nach unseren
Erfahrungen bei den heutigen Verhältnissen zu hoch gegriffen sein
dürfte, so würde sich also der Preis für Walzeisen wie folgt stellen:
Walzeisenpreis Frachtbasis Rheinland-Westfalen‘. . ,. 128,— RM = 100 %
zuzüglich Fracht Rheinland-Westfalen bis z. B. Leipzig 28,60 „ = 22,3%
zuzüglich Verlust durch Schrott . . 15,66 „ = 12,2%
172,26 RM == 184,5 %
_ Ss = 3,9%
167,26 RM == 180,6 %

Eine Erhöhung des Schrottpreises um 10% würde nur 0,4 % des
Einstandspreises für Walzeisen ausmachen, dagegen die Schrottver-16R
        <pb n="462" />
        braucher in den vorgelagerten Bezirken derart stark belasten, daß sie
nicht mehr wettbewerbsfähig wären.
Für den Handel spielt es preislich gar keine Rolle, ob der Einkauf
auf Frachtbasis Essen frei Verbrauchswerk oder ab Versandstation
stattfindet. Es ist aber für den Handel wie für alle am Schrottgeschäft
Beteiligten am einfachsten, auf einer bestimmten Grundlage zu kaufen.

*Sachverständiger Oppler: Bis vor kurzem bestand nur für
Mitteldeutschland und Oberschlesien. eine. geschlossene Einkaufsorganisation,
 nicht aber für Rheinland-Westfalen. In Verbindung mit dem
Ausfuhrverbot haben die mittel- und ostdeutschen Werke die Möglichkeit,
den Schrott etwa zu den gleichen Bedingungen aufzunehmen, unter denen
der Anbieter nach anderer Seite, d.h. also nach Rheinland-Westfalen,
hätte abgeben können. . Der hierin gelegene Frachtvorteil für die mittel;
deutschen und oberschlesischen Werke kann bis zum gewissen Grade
mit dem Hinweis darauf verteidigt werden, daß die allgemeinen
Existenzbedingungen dieser Werke ungünstiger gelagert sind als im
westlichen Industriegebiet. Andererseits muß aber berücksichtigt
werden, daß auch der Verkauf von Neueisen auf rheinisch-westfälischer
Frachtbasis erfolgt, und diese Ungunst der Verhältnisse daher in dem
Frachtvorsprung beim Verkauf der Erzeugnisse mehr oder minder
kompensiert erscheint.
Überdies waren vor dem Kriege die Frachten erheblich niedriger,
so daß jetzt der durch die Berechnung auf rheinisch-westfälischer
Frachtbasis für die mittel- und ostdeutschen Werke geschaffene Frachtvorsprung
 erheblich größer ist; er wird auch, nach der Gründung des
Dortmunder Einkaufsbüros für die rheinisch-westfälische. Industrie,
durch die SEG. unbedingt prinzipiell ausgenutzt.
Wo die Schrottaufbringung im kleinen zu erfolgen hat, also auf
dem flachen Lande und in den von Rheinland-Westfalen entfernt liegenden
Gebieten, wie Süddeutschland, Schlesien, Westpreußen, Ostpreußen,
Pommern, Schleswig-Holstein usw., wo sich eine relativ sehr große
Differenz zwischen Schrotterlös und Neueisen-Kinstandspreis geltend
macht, lohnt es dem Händler kaum noch, die zerstreut herumliegenden
kleinen Mengen zu erfassen. Beispielsweise werden bei den niedrigen
Schrottpreisen oft große Abbruchsobjekte mit teilweise ganz erheblichem
Schrottentfall, ausrangierte Maschinen oder andere nicht mehr brauchbare
 Eisenmaterialien bis zur Abwartung besserer Verwertungsmöglichkeiten
 zurückgestellt.
Für die rheinisch-westfälische Eisenindustrie waren die Folgen
des Schrotteinkaufs auf rheinisch-westfälischer Frachtbasis auch für
die in anderen Teilen des Reiches gelegenen Materialien im allgemeinen
ungünstig. Bevor die Einkaufsgebiete für Rheinland-Westfalen einerseits
 und Mittel- und Ostdeutschland andererseits voneinander abgetrennt
 wurden, griffen die Einkaufsorganisationen der mittel- und ostdeutschen
 Werke bei Materialknappheit nach dem Westen und verknappten
 damit den dort gelegenen Werken das Material, so daß die
Preise dort anzogen, Auch nach der territorialen Abgrenzung zwischen
der westlichen und der mittel- und ostdeutschen Einkaufsorganisation

4.69
        <pb n="463" />
        sind diese Verhältnisse nicht. grundlegend geändert, denn ebenso wie die
Berücksichtigung der Bedürfnisse des westdeutschen Gebietes. in der für
das ganze Reich geltenden Preisbewegung auf der Frachtbasis Essen
zu einer Unterbewertung des Schrottes in den externen Gebieten führen
muß, wird auch jede Materialknappheit in Mittel- und Ostdeutschland
automatisch den .rheinisch-westfälischen Spitzenpreis. mit in die Höhe
reißen, auch wenn im Westen die Vorbedingungen hierfür eigentlich
nicht gegeben sind.
Auch der Vorteil, den die mittel-‘ und ostdeutschen Werke
durch den von ihnen ausgenutzten Frachtenvorsprung genießen, ist
bei weitem nicht so groß, als man zunächst glauben möchte, Die
geschilderten ungünstigen Einwirkungen auf den Entfall im internen
Einkaufsgebiet dieser Werke zwingen sie zum Kauf. in weit abgelegenen
externen Gebieten oder im Auslande, eo daß der Durchschnittspreis
unter Berücksichtigung der teilweise gehr erheblichen Vorfrachten. weit
über dem offiziellen Einkaufspreise liegen dürfte.
Die Prüfung und Revidierung der bisherigen Einkaufesmethode
durch die ost- und. mitteldeutschen Werke halte ich in derem Interesse
schon aus dem Grunde für zweckmäßig, daß sich trotz der Ausnutzung
des nicht unerheblichen Frachtvorsprunges die Durchschnittspreise für
Kernschrott frei Werk gerechnet für die mitteldeutschen Werke nur um
wenige Mark günstiger, mitunter sogar teurer, für die oberschlesischen
Werke aber in der Regel ungünstiger stellten als für die rheinischwestfälischen
 Werke.
Im Jahre 1925 lagen die Kernschrott-Frankopreise im Vergleich zu
Rheinland-Westfalen:

Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Tuli
August
September
Oktober
November
Dezember

[m Jahre 1926:
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember

in Mitteldeutschland in Oberschlesien
2,49 RM. —
6,25 » +
4,05 „ +
3,65 » +
8,48 „ +
18,26 „ +
16,83 „ +
12,88 % -,
11,06 „ -
10,96 „
8,16 »
7,838 „ +

3,35 RM. —
290 „ —
1,08 „ —
0,81 ” +
0,78 „
106 „ —
5,04 „„ —
3,22 „ —
225 „ —
3,94 „ —
6,48 „ —
3.90  —

6,67 RM. +
1,99 „ +
5,77 » +
3,96 „ +
5,80 „ +
480 „ +
8,21 » +
324 „ +
6,21 „ +
5,27 „ +
3,89 „ +4
416

470
        <pb n="464" />
        Die Schaffung von. Einkaufsgebieten mit gleicher Frachtbasis ergibt
Widersprüche, die innerhalb dieses Systems nicht gelöst werden können.
Die schrotterzeugende bzw. neueisenverarbeitende Industrie in
Mittel- und Ostdeutschland und in: den externen Gebieten ist schon beim
Bezuge von Neueisen durch die Frachtberechnungen auf rheinisch-westfälischer
 Basis gegenüber den frachtlich günstiger gelegenen deutschen
Betrieben je nach der Entfernung von Rheinland-Westfalen mehr oder
minder belastet. In dem Ausmaße, in dem sie das Neueisen höher
bezahlen, müssen diese Betriebe den bei ihnen anfallenden Schrott
niedriger abgeben. Es ergibt sich für sie daher eine Beeinträchtigung
ihrer Wettbewerbsfähigkeit durch höhere Neueisen-Einstandskosten
und schlechtere Verwertungsmöglichkeiten ihrer Alteisenentfälle bei der
gänzlich veränderten Struktur der Eisenwirtschaft gegenüber der Vorkriegszeit.

Auf dem flachen Lande und speziell in den externen Gebieten kann
der Handel die zerstreut liegenden kleinen Mengen wegen der großen
Unkosten einerseits und dem geringen Erlös andererseits nicht genügend
erfassen und muß mehr oder minder seine Tätigkeit einstellen. In
diesen Fällen wird der Händler teilweise oder ganz seiner Erwerbsmöglichkeit
 beraubt.

*Sachverständige Buchmann und Reichert: Der Schrott
wird schon seit 20 bis 30 Jahren auf der Frachtgrundlage Essen gehandelt,
 weil Rheinland- Westfalen das größte Schrottentfall- und das größte
Schrottverbrauchsgebiet ist und der Schrottpreis sich erklärlicherweise
nach dem größten Marktgebiet richtet.
Die mitteldeutschen, oberschlesischen und sonstigen deutschen
Werke würden bei Verzicht auf die Frachtunterschiede für Rohmaterial
 und Fertigerzeugnisse neben den westlichen Werken unmöglich
 weiter bestehen können. Sie sind fast gänzlich oder, wie
Mitteldeutschland, ausschließlich: auf das Siemens-Martin-Verfahren,
also auf Schrottverbrauch angewiesen und können nicht wie Rheinland-Westfalen
 auch auf das Thomasverfahren zurückgreifen. Ähnlich
liegen die Verhältnisse in den verschiedenen Bezirken der eisenverarbeitenden
 Betriebe.
Die Erhaltung der nord-, ost- und. süddeutschen Stahl- und Walzwerke
 neben. denen des Ruhrgebiets liegt auch im Interesse der Eisenverbraucher.
 Eine Erschwerung der Lebensbedingungen der vorgelagerten
Stahlwerke durch verteuerte Schrottpreise müßte naturnotwendig zu
einer schweren Schädigung der meisten auf demselben Standortsgebiete
aufgebauten eisenverarbeitenden Betriebe führen. |
Übrigens findet nur selten‘ eine volle Ausnutzung des Frachtvorsprungs
 in der Schrottversorgung seitens der östlichen Werke statt.
Deshalb kann sich auch der Lokopreis von Westen nach Osten nicht
um den vollen Frachtvorsprung vermindern. |
Für das mengenmäßige Aufkommen von Schrott in den dem Ruhrgebiet
 entfernteren  Entfallgebieten hat der Ankauf des Schrotts auf
rheinisch-westfälischer Frachtgrundlage unter Benutzung des Frachtvorsprungs
 in der. Weise, wie es zu erfolgen pflegt, keine schädlichen

471
        <pb n="465" />
        Folgen. Die Sammeltätigkeit wird erfahrungsgemäß dadurch nicht
verringert.
Die Möglichkeit einer Ausnutzung des Frachtvorsprungs sichert
den vorgelagerten Werken ihre Existenz.
Für die schrotterzeugende Industrie spielt der Erlös aus dem
Schrottentfall im Vergleich zu dem Erlös aus ihrer industriellen Tätigkeit
 keine Rolle. Für diese Industrien ist es viel wichtiger, das Neueisen
 möglichst preiswert zu erhalten.
Wie gering die Bedeutung der Schrottfrage z. B. für die Maschinenindustrie
 ist, geht aus nachfolgendem hervor:
Nach den Angaben des Vereins Deutscher Maschinenbauanstalten?)
betrug die Maschinenerzeugung im Jahre 1926 2 Millionen Tonnen
im Werte von 2,5 Milliarden RM. Ein großer Teil des Fertiggewichts
der Maschinen besteht nicht aus Eisen oder Stahl, sondern aus anderen
Metallen, aus Holz, Leder usw. Selbst wenn man annimmt, daß der
deutsche Maschinenbau 2 Millionen Tonnen Eisen und Stahl bezogen
hätte, müßten sich bei 10'% Entfall nur 200 000 £ Schrott ergeben.
Da nach ‘den Angaben des Maschinenbaus durchschnittlich 40 '%
Gußeisen in den Maschinen enthalten sein sollen, würde von diesen
200 000 t eine Menge von 80000 t auf Gußbruch entfallen. Der
Rest von 120.000 t wäre Kernschrott und Späne. Legt man einen Berliner
Lokopreis von 50 RM. für die Tonne Schrott zugrunde, so würde der
Schrottentfall des gesamten deutschen Maschinenbaus einen Wert von
10 Millionen RM. ausmachen, das sind 0,4 % des Produktionswertes von
2,5 Milliarden RM. In dieser Zahl dürfte die Bedeutung der Schrottfrage
 für den Maschinenbau versinnbildlicht sein. Eine Verteuerung
des Schrotts müßte sich naturgemäß in einer Verteuerung des Neu*
eisens auswirken. Es ist volkswirtschaftlich viel wichtiger, den Neueisenpreis
 auf angemessener Höhe zu halten und mit dem bei der Verarbeitung
 entfallenden Schrott mehr Neueisen zu produzieren, als den
Schrottpreis hoch zu halten.
Der Handel wird gleichfalls durch eine Ausnutzung‘ des Frachtvorsprungs
 nicht geschädigt. ;
*Sachverständiger Rothschild: Der Schrott wird in Deutschland
 im allgemeinen auf rheinisch-westfälischer Basis gehandelt,
Zu einer vollen Ausnutzung des Frachtvorsprungs werden die nicht
im rheinisch-westfälischen Revier ansässigen Werke nicht kommen, da
sie niemals zur Erreichung der nötigen Versorgungsmenge ihr Material
aus dem theoretisch kleinsten Frachtradius beziehen können, sondern
sie müssen es auch innerhalb eines Frachtvorsprungs von den Stellen
nehmen, von denen es ihnen angeboten wird.

*Sachverständiger Blaw: Wir als Schrotterzeuger, das heißt
als Verfeinerungswerk, haben nicht das geringste Interesse daran,
den oberschlesischen Werken den Schrottpreis zu verteuern. Ich
kann mir ganz genau ausrechnen, daß, wenn der Schrottpreis in
Oberschlesien steigt, dann auch unbedingt der oberschlesische Eisen-'‘)

 Siehe „Die deutsche Maschinenindustrie“, 1925 und 1926, S. 16.

1792
        <pb n="466" />
        preis steigen muß, und zwar in Summa auf meinen Stabeisenbedarf
gerechnet, um viel mehr, als was ich am Schrott mehr erlöse.
Wenn. ich z. B. jetzt Iür jährlich 160 000 RM. Schrott zu verkaufen
habe und der Schrottpreis steigt um 10 %, so habe ich 16000 RM.
verdient. Aber diese 10% machen beim oberschlesischen KEisenpreis,
 der ja 70 bis 80 %' Schrott einsetzt, während ich nur 20 %
Abfall als Schrott produziere, bei meinen Stabeiseneinkäufen mehr aus als
16 000 RM. Ich lege also bei dem Geschäft noch Geld zu. Es hat also
für mich gar kein Interesse, den Schrottpreis hoch zu sehen, wenn sich
das so auswirkt, daß der oberschlesische Stabeisenpreis steigt.
Wir haben in Oberschlesien infolge der geographischen Lage das
teuerste Eisen und den schlechtesten Schrotterlös. Eine Verbesserung
kann nur ausgehen! von Tarifmaßnahmen der Reichsbahn und von einer
Beteiligung am Gewinn. beim Schrottexport. Es könnte da. vielleicht
aine Kasse gebildet werden, und aus dem Exportgewinn den Verfeinerern,
 die unter niedrigen Schrottpreisen zu leiden haben, Bonifikationen
yegeben werden.

Sachverständiger Nebeling: Ich will auf das Verhältnis des
Schrottpreises zum Blechpreis kurz hinweisen. Der Schrottpreis für Blech
beträgt heute gegenüber dem Qualitätsblech 14 % und hat früher 14 bis
18 %- betragen. Ein Interesse an einer weiteren Steigerung des Schrottpreises
 hat die weiterverarbeitende Industrie natürlich nicht, wenn dadurch
 eine Erhöhung des Blechpreises bedingt würde. Wogegen sich aber
die weiterverarbeitende Industrie, vor allen Dingen die sächsische
Industrie, wendet, das ist das Frachtbasissystem, da die Schrottmengen,
die nicht nach Essen verfrachtet, sondern ganz in der Nähe des Erzeugungsortes
 erstellt werden, unter Abzug der vollen Fracht. Essen
bezahlt werden. Es ist z, B. im April für Blechschrott 39 RM. die Tonne
ab Versandstation bezahlt worden, während der Preis frei Essen 59 RM.
war, also eine Frachtdifferenz von 20 RM. Am. 1.Juli wurde ab sächsischer
 Station 44 RM. gezahlt, frei Essen 62 RM., wieder eine Differenz
von 18 RM. Da die sächsische weiterverarbeitende Industrie frachtlich
sehr ungünstig liegt, empfindet sie es als sehr ungerecht, daß diese volle
Fracht bei Schrott abgezogen wird, und es ist ihr dringendes Verlangen,
daß nur die Fracht abgezogen wird, die nach dem Werk ersteht, wohin
der Schrott tatsächlich geht.
Sachverständiger Birawer: Ich weiß aus meiner Praxis, die bis
vor 1904 zurückgeht, daß wir auch damals schon die sogenannte Alteisenvereinigung
 für einen gemeinschaftlichen Schrotteinkauf. hatten und
uns schon damals an diese Frachtbasis hielten. Eine volle Ausnutzung
des Frachtvorsprungs kann nie stattfinden, weil die Schrottmengen, die
zur Versorgung der mitteldeutschen Werke zur Verfügung stehen, erfaßt
werden müssen. Wir können nachweisen, daß die ungünstige geographische
 Lage Oberschlesiens. den Schrott franko Werk viel teurer auskommen
 läßt, als das franko Westfalen der Fall ist.
Wenn der Schrottpreis erhöht würde, so würde die eisenverarbeitende
 Industrie für den Schrottentfall bei 1000 kg Neueisen 1 bis
1,50 RM. pro Tonne mehr erzielen, wogegen. durch den erhöhten Schrott-473
        <pb n="467" />
        preis der Einsatz des Rohmaterials und damit das Alteisen: selbst. um
12,50“ RM. pro Tonne im Preise steigen würde. ; ;
Für den Handel ist der Preis vollkömmen "gleichgültig, er hat nur
ein Interesse an der Spanne zwischen Ein- und Verkaufspreis. Das
allgemein volkswirtschaftliche Interesse gebietet. die Aufrechterhaltung
des organisierten Einkaufs, denn nur dadurch ist es möglich, eine
rationelle Ablieferung unter Vermeidung unproduktiver Ausgaben zu
erzielen. Preisdrückend wirken wir überhaupt nicht, sondern wir halten
den Preis auf der Basis, die notwendig ist, um den Werken ihre Existenz
zu garantieren, Das wesentliche ist die Verfrachtung, und da ist es die
Hauptaufgabe der Organisation, dafür zu sorgen, daß nicht mehr wie
früher der Schrott aneinander vorbeigefahren wird.
Sachverständiger Oppler: Ein Frachtvorsprung, berechnet auf
Frachtbasis Rheinland-Westfalen, besteht seit, Jahren, etwa seit 1902,
aber nicht in allen Gebieten. Damals bestand kein Schrottausfuhrverbot,
 so daß in den Gebieten, die weit entfernt waren von Rheinland-Westfalen,
 das Material nach dem Auslande abgewandert ist. , In diesen
Gebieten ist natürlich ein. um so größerer Unterschied. zwischen Schrotterlös
 und Neueisen-Einstandspreisen. entstanden, als inzwischen. auch die
Frachten um 30 % gegen früher erhöht worden sind.‘ Die Fabriken, die
weit im Osten liegen, zahlen nicht nur erheblich mehr für das Neueisen,
sondern sie bekommen auch einen entsprechend‘ niedrigen Schrotterlös.
Das gleiche Bild ergibt sich beim Handel: in den externen Gebieten
kann auf Grund der für die Schwerindustrie nicht tragbaren Preise ab
Versandstation kein höherer Preis bezahlt werden, und! dadurch wird
nicht genügend gesammelt. Ich habe einmal für mich zusammengestellt,
wie. sich der Frachtvorsprung franko Mitteldeutschland' bzw. Ober-Schlesien
 im Vergleich mit Rheinland-Westfalen für die Werke ausgewirkt
 hat und: bin zu dem überraschenden Resultat, gekommen, daß
meistenteils auch in Mitteldeutschland trotz allem der Preis franko
Werk nicht billiger ausgekommen ist wie in Rheinland-Westfalen.
Danach haben die Werke eigentlich gar keinen Vorteil von diesem
Frachtvorsprung gehabt. Es müßte unbedingt ein Ausgleich geschaffen
werden für diejenigen Stationen, wo der Schrottpreis zu niedrig ist, und
zwar entweder durch. Ermöglichung der Ausfuhr oder durch Erhöhung
der Einkaufspreise der Einkaufsorganisationen.
Was hier bezüglich des freien Handels gesagt wurde, kann ich bestätigen.
 Der Kampf des freien Handels mit den Werksfirmen wird
außerordentlich ‚heftig geführt, und die sogenannten Revierpreise —
ich spreche in diesem Falle ausschließlich vom Osten — stehen für den
ireien Handel lediglich auf dem Papier, die angeschlossenen Firmen
und. die Werksfirmen gehen fast überall über diese Preise hinaus und
verdrängen auf diese Weise den freien Schrotthandel.
Der freie Handel will‘ sich ‘'schon organisieren, aber die Werke
wollen das nicht zulassen bzw. die an den . Einkaufsgesellschaften
interessierten Handels- und Werksfirmen konkurrieren auf Grund ihrer
Verbindungen mit-den. Werken den freien Handel aus seinen. Bezugsquellen
 heraus. Dem freien Sehrotthandel ist es fast immer bei seinen

‚74
        <pb n="468" />
        bisherigen Einkaufsquellen unmöglich, . zu dem Revierpreise . anzukommen,
 so daß der freie Schrotthandel zum Nachteil der gesamten
Wirtschaft und auch der Schrottverbraucher an dem Schrottaufbringen
immer weniger oder gar nicht teilnehmen kann.
In Rheinland-Westfalen werden Unterschiede gemacht. zwischen
Firmen, die große Quantitäten aufbringen und. anderen. Firmen, die mehr
oder minder kleine Quantitäten beschaffen... Im Osten. ist es oft gleichgzültig,
 ob einer einen oder zehn oder noch mehr Waggons hat, und auf
diese Weise kann sich neben der Einkaufsorganisation eine freie. Firma
kaum oder gar nicht mehr betätigen. Es ist meiner Ansicht nach dringend
 nötig, daß der freie Schrotthandel sich mit den Werksfirmen und
den der Einkaufsgesellschaft angeschlossenen Firmen in irgendeiner
Weise verständigt. Wir treiben durchaus nicht die Preise, haben auch
an sich gar kein Interesse an einem hohen Schrottpreis, aber es ist
wirklich nötig, nach. dieser Richtung hin die Werkefirmen dazu anzuhalten,
 selbst die Revierpreise einzuhalten. Ich kenne Fälle, die ich
hier aber wegen Mangel an Zeit nicht im einzelnen vortragen will, daß
4 bis 6 RM. pro Tonne über die Preise hinausgegangen wurde,
Dazu kommt weiter, daß der freie Handel auch unterschiedlich
behandelt wird in bezug. auf die Abnahme- und Zahlungsbedingungen,
Die verkaufenden Stellen geben das Material nur gegen sofortige Bezahlung
 oder gegen kurzes Zahlungsziel ab; dagegen kaufen die Werke
und die Werksorganisationen bei dem freien Handel nach den Zahlungsbedingungen
 am 20. oder 25. des folgenden Monats; außerdem haben die
Werksfirmen und die angeschlossenen Firmen den Vorteil, daß sie das
Material bei den Fabriken tel-quel übernehmen können, ‚und in. diesem
Falle geht das Qualitätsrisiko auf Kosten der Werke und trifft der
Schaden nicht die Werksfirmen. Tritt der Handel in Konkurrenz mit
den Werksfirmen zu erhöhten Preisen, dann wird ihm-das Material in
den allerseltensten Fällen über den Revierpreis abgenommen, außerdem
muß er das Qualitätsrisiko übernehmen und bekommt die Zahlung erst
am 25. des folgenden Monats.
Staatssekretär Hirsch: Was ist unter Revierpreis zu verstehen,
insbesondere, wer stellt ihn auf, welche Möglichkeiten des Nachgebens
nach oben stehen für die einzelnen Gruppen offen?

Sachverständiger Oppler: Die Schrotteinkaufsgesellschaft bzw.
die Deutsche Schrottvereinigung, die für die Schrottwirtschaft Nord.
deutschlands, Mitteldeutschlands und Ostdeutschlands maßgebend ist,
setzt je nach der Marktlage und je nach! den in Rheinland-Westfalen
bezahlten Preisen Richtpreise fest.

Staatssekretär Hirsch: Das verstehe ich nicht ganz; entweder
sie setzt sie fest, dann müssen sie doch auch bezahlt werden, oder aber
sie werden nicht bezahlt, dann setzt Sie sie doch nicht fest. ;
Sachverständiger Oppler: Es sind Richtpreise, es.gibt dabei allerdings
 einen kleinen Unterschied ‚gegen sonstige Richtpreise., Die, Preise
werden den angeschlossenen Firmen bekanntgegeben. Natürlich sickert
das auch zu dem freien Handel durch, daß von der: Schrott-Einkaufs-475
        <pb n="469" />
        gesellschaft die und die Preise, und zwar nicht für eine bestimmte Zeit,
sondern von einem bestimmten Zeitpunkt an, bezahlt werden.
Staatssekretär Hirsch: Das bedeutet also: Zu dem und dem
Preise wird die Gesellschaft das Angebot abnehmen, und das ist damit
der Richtpreis. Sonstige Bindungen oder dergleichen werden weder
übernommen noch gegeben oder, wie ist das zu verstehen — Sie sprachen
davon, daß beim direkten Einkauf diese Preise überschritten werden?
Sachverständiger Oppler: Jawohl, in den meisten Fällen werden
sie überschritten.
Staatssekretär Hirsch: Ich darf sie also wohl dahin. verstehen,
daß Sie die Empfindung haben, daß die direkten Werksfirmen die Überschreitungen
 eben leichter haben als der freie Handel?
Sachverständiger Oppler: Jawohl, ohne Zweifel!
Staatssekretär Hirsch: Das wollte ich nur feststellen.
Sachverständiger Buchmann: Ich möchte mir erlauben, auf die
Ausführungen des Herrn Oppler zu erwidern, daß, wenn es wirklich so
wäre, die SEG. die Preise überbietet und das auf Kosten der Werke
geschieht, sich die Werke das nicht gefallen lassen würden. Ich möchte
in der Beziehung auf die Ausführungen!) in unserem schriftlichen Gutachten
 hinweisen, in denen wir die einzelnen Lokopreise einander gegenübergestellt
 und gezeigt haben, daß die Preise in Oberschlesien immer
über den Preisen von Rheinland-Westfalen gestanden und die mitteldeutschen
 Preise sich kaum von denen in Rheinland-Westfalen unterschieden
 haben.
Sachverständiger Oppler: Die Preisüberschreitungen sind nicht
derartig, daß die Werke gleich davon kaputt gehen. Zum Überschreiten
genügt jedenfalls schon eine verhältnismäßig geringe Differenz und bedeutet
 bei den großen Mengen recht hohe Beträge.
Sachverständiger Mattischack: Ich kann die Behauptung des
Herrn Oppler aus eigener Erfahrung bestätigen. Wenn bei uns 53 RM.
für die Tonne gezahlt wird, so braucht die Konzernfirma bei direktem
Bezug nur 53,50 RM. zu bieten, damit wir schon nicht mehr kaufen
können; wir müssen billiger kaufen, weil wir gleich zahlen müssen, aber
unsererseits nicht gleich bezahlt bekommen.
Köngeter: Wenn die Dinge so liegen würden, wie die Herren
Oppler und Mattischack sie dargestellt haben. so würde die Tätigkeit
der Schrott-Kinkaufsgesellschaft auf Grund der Überschreitung der
Richtpreise durch ihre eigenen Mitglieder in der Praxis zweifellos die
Ausübung eines Monopols bedeuten.
Sachverständiger Free: Die Mitteilungen, die uns aus den Kreisen
der verarbeitenden Industrie zugehen, heben hervor, daß die Einhaltung
der Frachtbasis Essen jetzt in viel stärkerem Maße als früher gefordert
wird. Man ist auch der Ansicht, daß die Organisation des Einkaufs auf
der Schrottverbraucherseite gegenüber der Vorkriegszeit sich gestärkt
hat. Andererseits ist unstreitig auch die Möglichkeit zu einer schärferen

‘“ Siehe S. 364 ff.

176
        <pb n="470" />
        Ausnutzung des Vorteils der Frachtbasis durch das Vorhandensein des
Ausfuhrverbots gegeben, ein Umstand, der besonders von den Firmen der
verarbeitenden Industrie immer wieder bemerkt wird. Deshalb geht der
Wunsch der verarbeitenden Werke dahin, in bezug auf die Frachtbasis
den Schrotterzeugern in einer vernünftigen Weise entgegen zu kommen.
Es wird ja nicht verlangt, daß diese Vorteile der Frachtbasis Essen etwa
vollständig den Schrottverbrauchern genommen werden sollen, sondern
es kommt darauf an, einen Mittelweg zu finden, so daß doch wenigstens
ein Teil der damit für den Schrotterzeuger verbundenen Nachteile aufgehoben
 wird. Wir glauben nicht, daß dadurch schon die Existenzfähigkeit
 der mitteldeutschen und ostdeutschen Werke unmittelbar untergraben
 werden könnte, an deren weiterer Existenz wir ein Interesse
haben. Wir haben nur den Wunsch, daß ein gewisses Zusammenarbeiten
oder eine Berücksichtigung der Interessen auch der Schrotterzeuger in
größerem Umfange als bisher Platz greift.

Sachverständiger Möller : Ich bin der Auffassung, daß die Preisbasis
 Essen früher schärfer eingehalten worden ist alg heute. Es standen
die großen Zuschüsse zu billigen Preisen von den lothringischen
Werken zur Verfügung. Die rheinisch-westfälischen Werke waren nicht
darauf angewiesen, nach Mittel- oder Ostdeutschland zu gehen, deshalb
standen den vorgelagerten Werken in Sachsen und Mitteldeutschland
ausreichende Schrottmengen zur Verfügung, und diese hatten es nicht
nötig, höhere Preise anzulegen, als sich auf Frachtbasis Essen ergaben.
Diese Verhältnisse haben. sich inzwischen gänzlich verschoben. Der
Mangel an Schrott hat verursacht, daß Preise angelegt werden, die die
Frachtunterschiede zwischen Essen und Dresden, Chemnitz, Leipzig verwischen.
 Es handelt sich heute nicht um 10 und 12 RM. Unterschied,
sondern nur um. einige wenige Reichsmark und in manchen Fällen fast
um nichts mehr. Wir stehen längst an der Grenze dessen, was wir für
die Entwicklung der mitteldeutschen Werke unbedingt brauchen, zu
denen Henningsdorf und Pirna noch als große Schrottverbraucher hinzuzekommen
 sind. Wenn es uns irgendwie möglich wäre, für den Schrott
nöhere Preise anzulegen, so würden wir das gewiß machen, wir könnten
lann unsere Betriebe forcieren und den erhöhten Bedarf befriedigen.

Vorsitzender: Haben die gegenwärtig bestehenden Einkaufsorganisationen
 der Schrottverbraucher, das sind die Schrotteinkaufsgesellschaft
 in Berlin für die mitteldeutschen und. oberschlesischen
Werke, die bei den Vereinigten Stahlwerken in Dortmund bestehende
Einkaufsstelle für die großen gemischten Werke in Rheinland-Westfalen
 und die Gußbruch-Einkaufsstelle in Düsseldorf, einen monopolistischen
 Charakter?

*Sachverständige Buchmann und Reichert: Weder die
Schrotteinkaufsgesellschaft in Berlin noch die Schrotteinkaufsstelle in
Rheinland-Westfalen hat einen monopolitischen Charakter. Die westliche
 Organisation umfaßt weder sämtliche Schrottverbraucher noch
sämtliche Großhändler. Ein nicht unerheblicher Schrottverkehr bewegt
sich‘ außerhalb jenes Zusammenschlusses, der übrigens nur loser Natur

477
        <pb n="471" />
        ist. Wenn im Westen aber kein Monopol vorhanden ist, dann dürfte auch
von der Organisation im Osten her eine monopolistische Marktbeherrschung
 auf die größten Schwierigkeiten stoßen. Die neue gegenseitige Abgrenzung
 der Entfallgebiete zwischen Westen und Osten besteht erst
seit kurzer Zeit und ist auch vorläufig nur kurzfristig vereinbart. Sie
dürfte sich je nach den Verhältnissen des Schrottaufkommens in den
sinzelnen Entfallbezirken ändern. Daß der Osten ‚und Mitteldeutschland
 im Schrotteinkauf straffer organisiert sind als der Westen, hängt
naturnotwendig mit den schwierigeren. Lebensbedingungen dieser Werke
zusammen, die wegen der hohen Kosten nicht viel Roheisen in Konkurrenz
 ‚zum Schrott verarbeiten können. . Aber auch für den Bestand
und für die Entwicklung der westlichen Stahlindustrie ist es von der
größten Bedeutung, den deutschen Schrottmarkt soweit als möglich nach
einheitlichen, großzügigen Gesichtspunkten zu bewirtschaften. .
Bei den großen Schrottmengen, die von den. einzelnen Werken oder
Konzernen fortlaufend benötigt werden, ist es schon aus Gründen der
Rationalisierung des Einkaufs‘ unangebracht und unmöglich, den Schrott
unmittelbar aus den‘ kleinen und kleinsten Kanälen der mittleren und
kleinen Händler zu beziehen.‘ Es ist ganz natürlich, daß man. mit einer
Anzahl von Großhändlern arbeitet, von diesen aber auch verlangt, daß
der Schrott zur richtigen Zeit in der vereinbarten Menge und zu den
vereinbarten Preisen zur Stelle ist. Stellt man dieses Verlangen, dann
hat der Großhandel eine Aufgabe zu erfüllen, bei deren Lösung er sich
auf die mittleren und kleineren Händler stützen muß. Das setzt aber
wieder voraus, daß man diese Stützpunkte des Großhandels nicht. durch
direkten Schrottbezug vom mittleren und kleineren Handel unterhöhlt.
Die bestehende Organisation ist daher ein volkswirtschaftlich ganz
richtiges und wichtiges Bedarfsdeckungssystem, das den mittleren und
kleinen Schrotthandel keineswegs schädigt, «sondern ihn vielmehr
geradezu stützt, da es ihm dauernden und sicheren Absatz zu angemessenen.
 Preisen verbürgt.

*Sachverständiger Heinson: Die in Dortmund bestehende Einkaufsstelle
 für eine Reihe der schrottverbrauchenden Werke hat keinen
monopolitischen Charakter. Zunächst sind ihr nicht alle Schrottver-5raucher
 angeschlossen. Eine genaue Angabe dieser außenstehenden
Firmen ist nicht möglich, da außer den Hochofen- und Siemens-Martin-Betrieben,
 die als ständige Schrottverbraucher anzusehen sind, eine
große Anzahl von Stahlformgießereien ebenfalls, wenn auch nicht regelmäßig
 und in großem Umfange, Stahlechrott. verbrauchen. Der laufende
vierzehntägige Bedarf an Zukaufsschrott der außerhalb der Dortmunder
Einkaufsstelle stehenden‘ Hochofen- und Stahlwerke betrug seit Mitte
November 1926 rund 20 bis 35% der von der Einkaufsstelle eingekauften
Mengen. Zum anderen ist darauf hinzuweisen, daß die Einkaufsstelle
ziemlich lose aufgebaut ist. Sie kann schon: organisationsmäßig nicht
als, ein straff geschlossenes Einkaufssyndikat mit monopolistischem
Charakter betrachtet werden. Es hat lediglich eine Verlegung .der bisherigen
 Einkaufsstelle der einzelnen Werke an einem Ort stattgefunden.
Die Durchführung der einzelnen Lieferungen erfolgt zwischen Lieferant

5
        <pb n="472" />
        und abnehmendem Werk und nicht zwischen dem Lieferanten und der Einkaufsstelle.


*Sachverständiger Möller: Wir haben bereite den Zweck der
Deutschen Schrottvereinigung G. m. b. H., Berlin, früher Eisenhandelsgesellschaft,
 Berlin, angeführt. Die Schrotteinkaufsstelle der Vereinigten
 Stahlwerke in Dortmund und die Gußbruch-Einkaufsstelle in
Düsseldorf verfolgen den gleichen Zweck, also die frachtgünstigste Verteilung:
 der aufkommenden Alteisenmengen. Einen monopolistischen
Charakter haben diese Organisationen besonders deshalb nicht, weil sie
nicht in der Lage sind, die Preise willkürlich zu diktieren. Es stehen
noch eine Reihe von Werken in Süd- und Westdeutschland außer jeder
Verbindung.
*Sachverständiger Wenzel: Soweit der Westen in Frage kommt,
kann von einem monopolistischem Charakter der Einkaufsstelle in Dortmund
 nicht die Rede sein, schon deshalb nicht, weil nicht annähernd
alle Verbraucher erfaßt sind.

Sachverständiger Wohlgemuth: Von einem monopolistischen
Charakter der Einkaufsorganisationen kann nicht gesprochen werden,
weil sie nicht sämtliche Martinofenbetriebe umfassen. Die Hochofenwerke
treten häufig als Konkurrenten für den Einkauf von Schrott, auf, und die
genannten Einkaufsorganisationen, die an sich Hochofenschrott nicht bewirtschaften,
 sind gezwungen, in ihrer Preispolitik auf diese Verbraucher
Rücksicht zu nehmen. Diese Konkurrenz übt einen besonderen Einfluß
auf die Preisbildung aus, weil die Grenzen zwischen den Sorten Schrott
für den Hochofen- und für den Martinofenbetrieb nicht feststehen. Über
das ganze Reich sind Stahlgießereien, Gießereien, welche Stahlzusatz
verwenden, und zum kleineren Teil auch Elektrostahlöfen, Schweiß- und
Puddelwerke verteilt, die in ihrem engeren Revier gleichfalls den Schrottmarkt
 beeinflussen und bewirken, daß sich die Preise nach der Marktlage
[rei entfalten können.
*Sachverständiger Oppler : Die Gußbrucheinkaufsstelle in Düsseldorf
 trägt keinen monopolistischen Charakter, da der größte Teil der
Gußbruchverbraucher seinen Bedarf im freien Markte deckt.
Die Einkaufsorganisationen, die SEG. und die bei den Vereinigten
Stahlwerken, Dortmund, bestehende Einkaufsstelle für die großen gemischten
 Werke in Rheinland-Westfalen dagegen haben praktisch monopolistischen
 Charakter, da fast der gesamte Schrottkonsum in Deutschland
 von ihnen erfaßt wird und infolge des Ausfuhrverbotes die von
ihnen gewünschte Preispolitik maßgebend für die Marktgestaltung ist
und ein freies Spiel der Kräfte ausschaltet.
Sachverständiger Birawer: Von einem monopolistischen Charakter
 unserer Einkaufsorganisation kann bei den Preisbewegungen und
-schwankungen, wie sie auf dem Schrottmarkt tatsächlich vorgekommen
sind, gar nicht die Rede sein. Im April 1926 war der Preis 60 RM.; er
ging um die Jahreswende 1925/26 auf 30 RM. zurück, und er beträgt
jetzt wieder 50 RM. und darüber. Solche Preisbewegungen wären undenkbar,
 wenn auf dem Gebiete ein Monopol bestände.

31 Engq.-Aussch, III. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

“79
        <pb n="473" />
        Ein Monopol besteht auch nicht in bezug auf den Einkauf. Im
Westen müssen die mittleren und kleineren Firmen den zu niedrigen
Preisen kaufenden Großhandel in Kauf nehmen, sonst würde der Großhandel
 an seinen Verkäufen absolut nichts verdienen können. Die zu
unserer Organisation gehörenden Händler haben einen Preis, der bekanntgegeben
 wird; wir selbst haben einen Verdienst in den Provisionen, Bei
uns wird dieser Preis den Händlern, den mittleren und den kleinen gezahlt.
 Es wird auch den Händlern die notwendige Konzession gemacht,
daß hier und dort mehr gezahlt wird, nicht allein bei Fabriken, bei
denen sich der Großhandel direkt bemüht, sondern auch bei mittleren
Firmen, die den Schrott abzugeben haben. Ohne weiteres kann zugegeben
werden, daß der außenstehende Handel naturgemäß ungünstiger gestellt
ist, aber wo ist der Kreis der Händlerfirmen zu schließen, die zu unserer
Organisation gehören? Ich habe so oft schon gerade an Herrn Oppler
das Ansinnen gestellt, er möchte eine Organisation der Händler zusammenbringen,
 die sich verpflichtet, eine bestimmte Menge Schrott zu
unseren. Preisen aufzubringen; wir würden bereit sein, einen Aufpreis in
gemäßigten Grenzen zu bewilligen, wenn wir die Sicherheit haben, daß
die Händlerfirmen einmal die Verpflichtung eingehen, alles, was sie haben,
zu den Preisen zu liefern, zu denen auch der Großhandel verpflichtet ist,
uns das Material zu beschaffen. Wenn das gelingt, dann würde das
ganze Problem gelöst sein.

Sachverständiger Oppler : Theoretisch ist das alles richtig, und
wir haben im freien Handel auch in der Praxis nach dieser Richtung hin
wenigstens einen kleinen Erfolg schon erzielt: wir haben eine Verkaufsstelle
 von etwa zehn Händlern, die sich größtenteils in Mitteldeutschland
 befinden und die monatlich 8000 bis 10000 t aufgebracht haben
und auch zu den Lieferanten der mittel- und ostdeutschen Werke gehören;
 wir haben aber keinen Anteil an dem Provisionsgeschäft bzw.
auch keine Sicherheit, daß wir die Ware, die wir kaufen, ständig‘ mit
Nutzen liefern können. Wenn in Deutschland unter dem Schutz des
Ausfuhrverbots etwa 90% des gesamten Zukaufsschrotts von zwei Einxaufsorganisationen
 kontrolliert werden, dann muß man doch sagen: das
‘st effektiv ein Monopol. .
Sachverständiger Heinson: Herr Oppler nimmt wohl an, daß die
westliche Einkaufsstelle Dortmund auch einen monopolistischen Charakter
 habe. Die Werke in Rheinland-Westfalen melden’ mir alle vierzehn
 Tage, welche Käufe sie getätigt haben; infolgedessen kann ich auf
Grund eines genauen Zahlenmaterials beurteilen, welche Mengen von
der Einkaufszentrale von den ihr angeschlossenen 15 Werken und den
übrigen Schrottverbrauchern eingekauft werden. Ich habe festgestellt,
daß seit Mitte November 1926 nach den einzelnen 14tägigen Meldungen
20 bis 35% außerhalb der Einkaufsstelle gekauft werden. Ich glaube,
diese Zahl allein genügt schon, um den Beweis zu liefern, daß von einem
monopolistischen Charakter der Dortmunder Einkaufsstelle nicht‘ die
Rede sein kann. Wenn eine solche Stelle einen monopolistischen
Charakter haben soll, dann müßte sie auch viel straffer organisiert
sein, als die Einkaufsstelle in Dortmund es tatsächlich ist.

24%
        <pb n="474" />
        Staatssekretär Hirsch: Wie oft werden die Revierpreise fegtgestellt?
 In welchen Zwischenräumen?
Sachverständiger Birawer: So oft die Marktlage es erfordert:
zweimal in der Woche, dann auch mal den ganzen Monat nicht.
Staatssekretär Hirsch: Also, die Fristen schwanken nach der
Marktlage, aber mindestens jeden Monat einmal?
Sachverständiger Birawer: Es ist vorgekommen, daß die Richtpreise
 innerhalb einer Woche zweimal geändert worden sind, es ist aber
auch dagewesen, daß sie in einem ganzen Monat nicht geändert worden
sind, aber das letztere ist natürlich seltener, denn der Schrottmarkt ist
sehr empfindlich, und es treten immer Preisschwankungen ein.
Staatssekretär Hirsch: Wie oft erfolgt die.Feststellung ungefähr
m Jahre?

Sachverständiger Birawer: Man kann wohl annehmen, das es
im Jahre wohl wenigstens 12 bis 14 mal geschieht.
. Vorsitzender: Welche Folgen ergeben sich aus diesen Feststellungen?

a) für das mengenmäßige Aufkommen von Schrott,
b) für die schrottverbrauchenden Werke,
c) für die Schrottabgeber (Industrie usw.), ;
d) für den Handel,
e) in allgemein volkswirtschaftlicher Beziehung?
*Sachverständiger Oppler: Soweit die Macht der Einkaufsorganisationen
 zum Druck auf die Schrottpreise allzusehr ausgenutzt wird,
wird auch das mengenmäßige Aufkommen von Altmaterialien, besonders
in den externen, Gebieten, dadurch: vermindert. Das gilt nicht so sehr
für die regelmäßig im Betriebe der verarbeitendef Industrie entfallenden
Mengen, als für das eigentliche Sammelmaterial, das unter solchen Umständen
 unzureichend erfaßt wird.
Auch wird durch allzu niedrige Preise die Vornahme von Abbrüchen
 und der Verkauf von ausrangierten Materialien im allgemeinen
beeinträchtigt. Es ist hierbei darauf aufmerksam zu machen, daß sich
unter Umständen hier auch ungünstige Auswirkungen auf die Modernisierung
 von Betrieben ergeben können. Besonders ist es bekannt, daß
in landwirtschaftlichen Betrieben Neuanschaffungen von. Maschinen usw.
dadurch erschwert werden, daß die alten Maschinen und Einrichtungen
usW. nicht immer lohnend verwertet werden können.
Die schrottverbrauchenden Werke wünschen durch ihre monopolistischen
 Einkaufsorganisationen den Schrott zu stabilen Preisen
einzudecken. Das ist bisher nicht oder höchstens vorübergehend gelungen.
 Ich darf hier auf meine früheren Ausführungen verweisen.
Der Einkauf auf rheinisch-westfälischer Basis stützt sich mehr oder
minder auf die monopolistische Stellung der ost- und mitteldeutschen
Einkaufsorganisationen und führt zu einer Verminderung des Aufkommens.
 Infolgedessen hat das Monopol dieser Organisationen die

34a

481
        <pb n="475" />
        Beschränkung des Umsatzes und der Verdienstmöglichkeit für den
Handel zur Folge.
An sich leidet der freie Handel weniger unter dem Monopol selbst
als unter dem erbitterten Kampf mit den Werks- und Vertragsfirmen,
der dem freien Handel immer weniger gestattet, als anerkannt wichtiger
Vermittler zwischen den Schrottentstehungsstellen und dem Verbrauch
:ätig zu sein.
Die ost- und mitteldeutschen Einkaufsorganisationen bzw. deren
Werks- und Vertragsfirmen sind nicht nur die Abnehmer des Handels,
sondern auch seine Konkurrenten im Einkauf, dem sie schon durch die
Provisionsvergütung, welche die Werke zahlen, überlegen sind.
Während der freie Handel im allgemeinen nur zu den Richtpreisen verkaufen
 kann und beim Einkauf unter diesen bleiben muß, um einen
Nutzen zu haben, können die Werks- und Vertragefirmen der Organisationen
 ohne weiteres den vollen Richtpreis bezahlen, da sie bereits
sinen Nutzen in der Provision finden.
Eine weitere beachtliche Schmälerung erblickt der freie Schrotthandel
 durch die Einkaufsorganisationen bzw. Werkse- und Vertragsirmen
 in den unterschiedlichen Zahlungs- und Abnahmebedingungen.
Auch hier kann ich mich auf die früheren Ausführungen beziehen,
Das Interesse des Schrotthandels am Aufbringen wird besonders
dadurch gemindert, daß die ost- und mitteldeutschen Einkaufsorganisationen
 eine Preisabstufung für die einzelnen Kategorien des Handels,
Groß-, Mittel- und Kleinhandels, wie dies in allen Branchen üblich ist,
nicht kennen. Die Richtpreise gelten also sowohl für den Abgeber eines
Waggons als für den Verkäufer von 1000 t und mehr, so daß der Mittelund
 Großhandel bei seinen Transitgeschäften von vornherein nur mit
dem Erlös der Richtpreise, aber mit keinem Nutzen rechnen kann.
Die ost- und mitteldeutschen Einkaufsorganisationen bzw. deren
Werksfirmen besitzen - eigene Lagerplätze mit Verschrottungseinrichtungen
 und haben besonders in der letzten Zeit neue Anlagen geschaffen.
Während die Werks- und Vertragsfirmen für ihr Lagermaterial außerlem
 noch Aufpreise erhalten, geht diesbezüglich der freie Handel völlig
leer aus. Infolge dieser besseren Preisbemessung des Lagermaterials
wird daher auch noch der zu bearbeitende Schrott in zunehmendem Maße
von den Werks- und Vertragsfirmen dem freien Handel weggekauft.
Ähnlich verhält es sich bei Abbruchsobjekten, die in steigendem
Maße von den Werks- und Vertragsfirmen erworben werden, denn der
freie Handel, der seiner Kalkulation nur die Richtpreise der Organisation
 zugrunde legen kann und keine Lagerzuschläge erhält, wird in
der Regel von den Werks- und Vertragefirmen ganz erheblich überboten.
Diese Zustände auf dem ost- und mitteldeutschen Markt sind um
30 unverständlicher, als gerade die monopolistische: Stellung den Schrottverbrauchern
 gestattet, eıne Arbeitsteilung mit dem Handel nach ihren
Wünschen vorzunehmen, um hierdurch eine stabile Preisbasis zu
schaffen und vor allen Dingen die Einkaufsspesen der Organisationen
bzw. Werks- und Vertragsfirmen, die nicht unerheblich sind, auf das
Minimum zu beschränken.
        <pb n="476" />
        "Sachverständiger Möller: Aus meiner Feststellung, daß die bestehenden
 Einkaufsorganisationen der Schrottverbraucher keinen monopolistischen
 Charakter tragen und die Preise sich fortlaufend durch
Angebot und Nachfrage regeln, ergibt sich von ‚selbst, daß das mengenmäßige
 Aufkommen von Schrott durch diese Organisationen nicht. beeinflußt
 wird. Für die schrottverbrauchenden Werke sind diese Organisationen
 aber unbedingt notwendig, um die Aufwendung unnötiger
Frachten durch das Aneinander-Vorbeifahren zu vermeiden und schließlich
 preieregulierend zu wirken. Die wesentlich geringere Bedeutung der
Einkaufsorganisationen für die Schrottabgeber ist schon: aus dem oben
erwähnten Beispiel über den Anteil des Schrottpreises an dem Fertigprodukt
 ersichtlich. Von dem freien Handel werden die Einkaufsorganisationen
 in erster Linie deswegen bekämpft, weil durch sie der
Spekulation. des Handels häufig ein Riegel vorgeschoben wird. Es ergibt
 sich aus dem vorher Gesagten, daß vom allgemeinen volkswirtschaftlichen
 Standpunkte aus die Schrotteinkaufsorganisationen unterstützt
werden sollten, denn sie tragen zur Rationalisierung der deutschen
Eisenwirtschaft und damit zu deren Lebens- und Konkurrenzfähigkeit
erheblich bei.
Dadurch, daß Werke mit großem Schrottbedarf mit Schrotthandelsfirmen
 zusammengingen, wurde erst eine gewisse Ordnung in das Schrottgeschäft
 gebracht. Unsaubere Geschäftspraktiken und Mißbrauch vieler
kleiner Schrotthändler waren im Schrotthandel an der Tagesordnung
Die Moral im Schrotthandel ist durch die Gründung der Einkaufsorganisationen
 wesentlich gehoben worden.

Vorsitzender: Welche Abwrackbetriebe bestehen zur Zeit
noch in Deutschland?

Sachverständiger Wohlgemuth: Abwrackbetriebe für Schiffsabwrackung
 bestehen nach meiner Kenntnis zur Zeit nur noch in
Wilhelmshaven, in Bremerhaven und in Lehnwerder, doch haben die
Mengen, welche aus diesen Betrieben der Schrottwirtschaft zugeführt
werden, keine Bedeutung mehr.
Mit der Lokomotiv- und Waggondemontage beschäftigen sich im
Reich etwa 30 bis 35 Firmen, die zum größten Teil dem Schrotthandel
entstammen, zum kleineren Teil aus der eisenverarbeitenden Industrie,
die diese Arbeiten mangels genügender Beschäftigung ihrer Fabrikanlagen
 betreiben. Der Umfang dieses Geschäfts ist in letzter Zeit sehr
zurückgegangen, da die Anzahl der Lokomotiven und Waggons, welche
seitens der Eisenbahndirektion zur Verschrottung freigegeben werden,
erheblich geringer geworden ist.
Es ist schwer, die Firmen aufzuführen, die den. Abbruch und die
Verwertung stillgelegter Fabrikanlagen betreiben, da hier häufig nicht
allein die Schrottkalkulation maßgebend ist, sondern die Chance, die
der Unternehmer in der Verwertung mehr oder weniger großer Teile der
zum Abbruch gelangenden Betriebe zu haben glaubt.
*Sachverständiger Rothschild: Die Anzahl der Abwrackbetriebe,
 die sich in technisch guter Ausrüstung in Deutschland erhalten

483
        <pb n="477" />
        haben, sind auf sehr. wenige, etwa 3 bis 4 größere Betriebe, zurückgegangen.

Die Abwrackindustrie wäre imstande, eine sehr große Quelle der
Schrottversorgung, mindestens aber eine große Reserve von Schrott für
Deutschland darzustellen. Durch Zollschwierigkeiten . und. andere behördliche
 Behinderungen ist jedoch diese Industrie aus Deutschland fast,
ganz vertrieben worden, Auch noch bestehende Betriebe arbeiten durchaus
 nicht mit ihrer vollen Leistungsfähigkeit,
In Wilhelmshaven hatte sich. eine sehr starke Abwrackindustrie angesammelt.
 Erhalten hat sich in der Hauptsache nur noch die Industriewerk
 A.-G., Rüstringen. Sie wird vielleicht ihre Pforten schließen
müssen, dai ihr Arbeit unter lebensmöglichen Bedingungen nicht zugeführt
 werden kann.
Die heutige Abwrackindustrie hat sich in Holland und Italien angesiedelt.
 Die Holländer sind in der Lage, jedes Schiff den deutschen
Abwrackern wegzukaufen, weil ihnen die Ausfuhr restlos freisteht,
während für deutsche Schiffe alle Schwierigkeiten seitens der Ausfuhrbehörde
 gemacht werden. Dabei handelt es sich um Material, über das
der Holländer, der in nächster Nähe sitzt, ganz frei verfügen kann. Da
erfahrungsgemäß eine sehr große Schrotteinfuhr nach Deutschland zeitweilig
 ‘in Erscheinung tritt, wäre der in Deutschland abgewrackte
Schiffsschrott jedenfalls um einen Teil der Fracht billiger als der im
Ausland. abgewrackte Schrott, und es würde dabei vermieden, daß sämtliche
 Löhne, der Lohn beträgt etwa 14 des Schrottwertes, und Geschäftsgewinn
 gewaltsam dem Auslande zugeschoben werden.
Ganz abgesehen von den vorher angeführten Gesichtspunkten,
müßte es schon vom Standpunkt der Rohstoffversorgung des Reiches
überaus begrüßt werden, wenn durch Heranziehung von Schiffen eine
Vergrößerung der in Deutschland lagernden, doch in kritischen Fällen
sich stets als viel zu klein erweisenden Rohstoffbasis herbeigeführt
würde.
Eine bisher noch nicht erwähnte weitere bedeutende Erschwerung
des Abwrackbetriebes besteht darin, daß die mit den Schiffen eingehenden
 zum Schiffe gehörigen Ausrüstungsgegenstände, Einrichtungen
von Messen u. dgl., als steuerpflichtiges Einfuhrgut behandelt werden
und deshalb, da es sich namentlich bei alten ausrangierten Schiffen im
wesentlichen um abgenutztes Material handelt, das den Zoll nicht verträgt,
 bei der Einfuhr in Deutschand vernichtet werden müssen, während
 sie in anderen Ländern. verwertet, werden können.
Sachverständiger Stern: Meine Firma hat vor vielen Jahren ein
Abwrackunternehmen aufgebaut, in dem in den letzten Jahren immerhin
einige hunderttausend Tonnen Schiffe abgewrackt sind. Es handelt sich
dabei um eine große Anzahl russischer und auch französischer Kreuzer,
bis in Frankreich das Ausfuhrverbot kam. Wir sind aber heute mit
Rücksicht auf die Konkurrenz von Holland und Italien überhaupt nicht
mehr in der Lage, zu Konkurrieren und haben den Betrieb nur notgedrungen
 mit dem Zerkleinern aller möglichen Schrottmengen aus dem
Ausland aufrechterhalten.
        <pb n="478" />
        Vorsitzender: Sie sehen also die Schwierigkeiten vor allem
Jların, daß Ihnen, abgesehen von der Verzollung der Möbel, nicht die
Möglichkeit gegeben wird, einen Teil des Schrotts wieder auszuführen,
was sie für nötig halten.

Sachverständiger Rothschild: Es ist nur nötig, daß man den
Preis dafür bekommt, den ausländischer Schrott erzielt. Aber die Ausfuhroehörde
 verhindert, den Schiffsschrott beliebig auszuführen, und dadurch
sind wir genötigt, von der Abwrackung abzusehen. Ich hatte einzelne
derartige große Geschäfte und mußte damit nach Holland und Dänemark
zehen.

*Sachverständiger Kubatz: Betriebe, die lediglich Abwrackarbeiten
 vornehmen, bestehen zur Zeit in Deutschland nicht mehr.
Der Betrieb der ältesten, bereits vor dem Krieg errichteten Schiffsabwrackfirma
 liegt zur Zeit still. Eine Schrottgroßfirma wrackt noch in
kleinerem Umfange in Bremerhaven ab, während eine andere Schrottgroßfirma
 bei einer ehemaligen Staatswerft in Kiel Abwrackungen vornehmen
 läßt. Schließlich macht eine Harburger Firma auf ihrem Platz
von Zeit zu Zeit Schiffsabwrackungen kleinerer Art. Eine irgendwie
nennenswerte Bedeutung für die Schrottversorgung haben die in
Deutschland aus Schiffsabbrüchen gewonnenen Mengen nicht. In der
Zeit der größten Produktion vom 1921 bis 1923 eind schätzungsweise
jährlich bis zu 300000 t Schrott in Schiffsabbruchbetrieben produziert
worden, von denen jedoch ein erheblicher Teil in das Ausland abgewandert
 ist.
Die Zahl der zur Abwrackung kommenden Lokomotiven dürften in
diesem Jahr ungefähr 1200 sein, so daß hieraus also etwa 50000 t
Schrott gewonnen werden. Die Zahl der abzuwrackenden Waggons
dürfte etwa 8000 bis 10000 betragen, so daß hieraus etwa 35000 t
Schrott gewonnen werden,
Die Abwrackung der Lokomotiven ist seitens der Reichsbahn
einer Firma übertragen worden, welche ihrerseits mehrere Schrotthandelsfirmen,
 darunter am maßgeblichsten die Werksfirma der oberschlesischen
 und mitteldeutschen Eisenindustrie, für die eigentliche
Abwrackung herangezogen hat.
Einer der größten Eisenkonzerne ist durch drei Schrotthandelsfirmen,
 von welchen ihm die eine ganz, die andere zum größten Teil und
lie dritte etwa zur Hälfte gehört, auch stark im Abwrackgeschäft tätig.
Ebenso macht die erwähnte Werksfirma für die oberschlesische und mitteldeutsche
 Schrottversorgung Abbrucharbeiten aller Art. Reine Abbruchbetriebe
 existieren fast gar nicht, sondern es werden diese Abbrucharbeiten
 von dem sonstigen Schrotthandel erledigt.
Ich habe geschätzt, daß in den Jahren 1922 und 1923 pro Jahr
300 000 t auf diese Weise produziert worden sind; wenn man hinzurechnet,
 welche Einkäufe in England und Rußland gemacht worden sind,
kann man sagen, daß schätzungsweise 1 Million Tonnen auf diese Weise
gewonnen sein können. Nun ist sicher ein nicht unerheblicher Teil des
Schrotts wieder in das Ausland abgeflossen. Daß der Ausfuhrkommissar

18S
        <pb n="479" />
        nachher Schwierigkeiten machte, geschah zum Teil auch auf Wunsch
der schrottverbrauchenden Industrie, die möglichst viel von dem Schrott
im Inland behalten wollte. Die Abwrackindustrie hätte lieber noch den
Schrott im Inland belassen, wenn sie dafür den Weltmarktpreis erhalten
 hätte.
Es bestanden noch besondere Schwierigkeiten in der Besteuerung
des Abfallschrotts dadurch, daß der abgewrackte Schrott, der im Inland
der Umsatzsteuer unterworfen wurde, im Auslande ihr nicht unterlag.
Es ist jetzt auf Grund einer Zusatzbestimmung mit, rückwirkender Kraft
vom 1. Januar 1925 Vorsorge getroffen worden, daß auch der inländische
Abwrackschrottumsatz steuerfrei gestellt wird. ;
Der größte Teil des Abwrackschrotts, der damals produziert worden
ist, stammte von den verschiedenen Kriegsmarinen her, während jetzt
Kriegsschiffe für das Abwracken nicht mehr verfügbar sind. Das Lebensalter
 der Schiffe wird künftig ein kürzeres sein, so daß mehr Handelsschiffe
 zum Abwracken kommen werden. Nach den augenblicklichen Verhältnissen,
 wie sie in London, dem hauptsächlichsten Markt für alte
Schiffe, bestehen, sind die Preise für alte Schiffe noch immer außerordentlich
 hoch und machen daher ein erfolgreiches Abwrackgeschäft, fraglich.

Sachverständiger Wenzel: Vom Standpunkte der verbrauchenden
Industrie können diese Bestrebungen zur Hebung der Abwrackindustrie
nur aufs wärmste unterstützt werden. Ich stehe auch auf dem Standpunkt,
 daß einer Abwrackwerft, die Schiffe vom Auslande importiert, die
Auslandspreise für Schrott bezahlt werden können, unter der Voraussetzung,
 daß es überhaupt notwendig ist, vom Ausland Schrott zu beziehen.
 Insofern habe ich auch keine Bedenken, wenn Ausfuhrbewilligungen
 für das Abwrackmaterial gegeben werden.
Vorsitzender: Werden die sogenannten Weltmarktpreise für
Schrott manipuliert?
Sachverständiger Rothschild: Es gibt einen Weltmarktpreis
für Schrott, der augenblicklich von den hauptsächlichsten aufnehmenden
Ländern bezahlt wird; die Manipulationen des Inlandes haben keinen
Einfluß auf ihn.
Sachverständiger Dulk: Als der Reichskommissar für Ein- und
Ausfuhrbewilligungen 1924 von der Außenhandelsstelle für Eisenwirtschaft,
 einer Selbstverwaltungsstelle, die Handhabung des Ausfuhrverbots
 übernahm, gab die Außenhandelsstelle nur 25% des anfallenden
Abwrackschrotts zur Ausfuhr frei. Der Reichskommissar hat diese
25% auf 100% erhöht. Schon seit 1924 gibt er den deutschen Abwrackschrott
 genau in demselben Umfange zur Ausfuhr frei, wie den
Schrott von ausländischen Schiffen. Es sind auch die Abwrackwerke
zugrunde gegangen, die in den Freihäfen bestanden haben und nie mit
dem Zoll oder mit den Ausfuhrbestimmungen zu tun gehabt haben. In
den Freihäfen besteht nicht ein einziges Abwrackwerk mehr. Die Schuld
an dem Niedergang liegt daran, daß die Abwrackfirmen selbst, sich gegenseitig
 die Geschäfte übermäßig erschwert haben. Wir merkten sehr
bald, daß die Schiffe die Eigenschaft hatten, weit mehr Material zu

=. —_-.
        <pb n="480" />
        liefern, als in sie hineingebaut worden war, und wir mußten uns vorbehalten,
 die Unterlagen zu prüfen und die Schiffspapiere einzusehen.
Wie ist es möglich, 42, 44, 45 RM. je t Material zu zahlen? Die
Abwrackkosten stellen sich auf 20 und 22 RM., der Schrott stellt sich
somit im Abwrackhafen auf 65, 67, 68 RM. Schrott aus solchen Betrieben
 ist. im Inland nur abzusetzen, wenn die Inlandspreise entsprechend
hoch sind, wie z.B. gegenwärtig. Es ist erklärlich, daß der Italiener,
der auf jeden Schrott zurückgreifen muß, den er in Deutschland vorfindet,
 es vorzieht, ein abzuwrackendes Schiff zu kaufen und es in Italien
selbst abzuwracken, um die Fracht zu sparen. Er kann so auch erheblich
 mehr für das Schiff anlegen als die deutschen Firmen.
Die Beschränkung der Läger, Preisvorschriften usw. waren leider
notwendig. Wir haben jetzt Ausfuhrbewilligungen für Abwrackschrott
nur in dringenden Fällen abgelehnt, wenn z.B. die Abwrackfirmen den
Schrott zu einem niedrigeren Preise nach dem Ausland verkauft hatten,
als sie beim Verkauf nach Essen bekommen hätten.
Sachverständiger Stern: Diese Ausführungen treffen insofern zu,
als das von den ausländischen Abwrackobjekten gewonnene Schrottmaterial
 größtenteils wieder ausfuhrfrei ist, 75'% sollten wieder ausgeführt
 werden, das andere sollte im Inland bleiben. Davon abgesehen
sind insofern Schwierigkeiten vorhanden, als dieser Abwrackschrott, der
ins Ausland wieder hinausgeht, einer Anzahl schwieriger Vorschriften
unterworfen ist hinsichtlich der Verschiffungen, Verladungen usw.
Sachverständiger Heinson: Wir haben uns in Gegenwart des
Reichskommissars und eines Vertreters des Reichswirtschaftsministers
mit den Herren auf diese 25 % geeinigt, die Herr Dulk eben erwähnte.
Später ist, allerdings gegen unseren Willen, der Anteil auf 75% erhöht
worden. Bei den häufigen Besprechungen, die dann noch stattgefunden
haben, habe ich zwar immer wieder auf den Abwrackschrott hingewiesen,
aber ich habe seit dem Jahre 1923/24 keine Schwierigkeiten gemacht, daß
ler Abwrackschrott hinausgeht.

Sachverständiger Buchmann: Ich stehe auf dem Standpunkt,
daß wir die Bestrebungen hinsichtlich der Zollerleichterungen im Interesse
 des Schrottaufkommens unterstützen sollten. Wir würden damit
eine erhebliche Schrottreserve schaffen und dadurch unter Umständen
eine Einfuhr vermeiden können, während wir jetzt doch erhebliche Mengen
aus dem Auslande zu teuren Preisen hereinnehmen müssen.
Sachverständiger Birawer: Auch bei der mitteldeutschen und
östlichen Industrie besteht das größte Interesse daran, daß dieser Abwrackschrott
 im Inlande bleibt. Wenn Auslandspreise dafür bezahlt
werden, ist dieser Schrott, da er an der Küste ist, Immer noch billiger,
als wenn wir Auslandsschrott von England holen; es ist auch von behördlicher
 Seite alles geschehen, um den Schrott im Inlande zu behalten.
Sachverständiger Rothschild: Es ist bei dem Abwrackgeschäft
zu berücksichtigen, daß es in den Schiffen nicht nur Schrott, sondern
auch wertvolle Metalle gibt wie Messing, Kondensatorrohr, Zink, Blei
usw. Die Erfahrung hat gezeigt, daß diese ungefähr den Abwracklohn

187
        <pb n="481" />
        decken. Die Rechnung, die vorhin aufgemacht, wurde, ist also nur zum
Teil richtig, es muß aber dabei noch berücksichtigt werden, daß die
20 RM. je Tonne, die das Geschäft anscheinend an Fehlkalkulation hat,
durch wertvolle Stoffe ausgeglichen werden.
Vorsitzender : Haben die Einkaufsorganisationen die Möglichkeit,
 beim Einkauf ihrer Materialien von den ihnen angegebenen Richtpreisen
 abzugehen, etwa durch Gewährung bestimmter Prämien oder
durch Überschreiten des Preises? Sind insbesondere Fälle vorgekommen,
wo die Einkaufsorganisationen diese Preispolitik angewandt haben, um
den selbständigen Schrotthandel, der an die Einkaufsorganisationen verkaufen
 muß und daher an die Richtpreise derselben gebunden ist, aus
dem Geschäft zu drängen?
Gewähren die Einkaufsorganisationen besondere Zuschläge. wie
Schneegelder, Eisgelder, Lieferungsprämien usw., die eine Variierung des
Schrottpreises gestatten?
*Sachverständiger Oloff: Man richtet sich beim Einkauf in erster
Linie nach seinem Bedarf. Abschlüsse erfolgen daher meist auch im
freien Verkehr und zu den in der Schrottbranche allgemein üblich gewordenen
 Bedingungen, Fälle, wo die Einkaufsorganisationen durch ihre
Preispolitik und ihre Einkaufstaktik den selbständigen Schrotthandel aus
jem Geschäft zu verdrängen versucht haben sollten, sind mir unbekannt.
Etwa zur Bezahlung gelangende besondere Zuschläge bilden einen Teil
des Abschlußpreises.

*Sachverständiger Wenzel: Bei der Schrottgemeinschaft in Dortmund
 erfolgen die Einkäufe ausschließlich durch freie Vereinbarung mit
dem Handel zu festen Preisen frei Verbrauchswerk. Prämien für
bestimmte Leistungen werden grundsätzlich nicht gewährt. In einem
Falle ist es vorgekommen, daß nachträglich eine Erhöhung fest abgeschlossener
 Preise seitens der Schrottgemeinschaft bewilligt wurde, weil
sie erkannte, daß dem Handel die Lieferungen zu den verbrieften Preisen
ohne schwere Verluste nicht möglich war, ein Vorgang, der im Geschäftsleben
 gelegentlich vorzukommen pflegt. Die Schrottgemeinschaft
in Dortmund gewährt keine besonderen Zuschläge.
*Sachverständiger Möller: Die Deutsche Schrottvereinigung gewährt
 zeitweilig Lieferungs-, Schnee- oder Eisprämien, um einen Anreiz
zu geben, daß die bereits verkauften oder sofort verfügbaren Mengen besonders
 rasch an die Werke geliefert werden. Wie hierbei eine Schädigung
 des selbständigen Schrotthandels eintreten soll, ist mir unverständlich.
 ‘ Die Prämie kommt doch dem ‘selbständigen Schrotthandel für
diese Lieferungen genau so zugute wie jedem anderen Lieferanten.
Überschreitungen der Richtpreise werden in solchen Fällen eintreten,
wo die Werke mit Schrott knapp sind und auf schnelle Lieferung rechnen
müssen.

*Sachverständiger Wohlgemuth: Die Einkaufsorganisationen
haben die Möglichkeit, von ihren Richtpreisen abzugehen und machen
hiervon Gebrauch, soweit es die Marktlage erfordert. Vollkommen abwegig
 ist der Gedanke, daß dies erfolgt, um den sogenannten selbstän-A,

 CM
        <pb n="482" />
        Jigen Schrotthandel aus dem Geschäft zu drängen, denn diese Prämie
wird bezahlt, um sich in jedem Falle das Material zu sichern, und gerade
ler selbständige Schrotthandel ist häufig Besitzer der gewünschten
Mengen, während die an die Einkaufsorganisationen gebundenen Firmen
ihr Lagermaterial im allgemeinen zu den offiziellen Richtpreisen abyzeben
 müssen.
Die Einkaufsorganisationen haben nicht das geringste Interesse
daran, eine Gruppe oder einzelne Firmen zum Nachteile anderer zu
bevorzugen, sondern ausschließlich das Interesse, den von ihnen
gewünschten Schrott so gut und so schnell zu erhalten, wie dies der
seitens der Werke aufgegebene Bedarf erfordert.
Die Gewährung besonderer Zuschläge ist eine Maßnahme, welche
im engsten Zusammenhang mit der Marktlage steht und eine Belebung
des Handels bewirken soll. .
*Sachverständiger Oppler: Das Überschreiten der Richtpreise
findet man bei dem Geschäftsverkehr der Organisationen mit dem Handel
weniger als bei dem zwischen den Organisationen, Werks- und Vertragsfirmen,
 mit den Schrottenfallstellen. In besonderen, nicht häufigen
Fällen, werden den Handelsfirmen geringe Preiskonzessionen eingeräumt.
 Praktisch kann man eigentlich davon sprechen, daß die Handelsfirmen
 Unterpreise erhalten, da bei dem direkten Verkehr der Werksbzw.
 Vertragsfirmen mit den Entfallstellen ständig höhere Preise bezahlt
werden.
Soweit ich unterrichtet bin, sind besondere Zuschläge nur von den
Einkaufsorganisationen in Ost- und Mitteldeutschland bewilligt worden.
Während früher durch diese Zuschläge ein Anreiz zu verstärkten Verladungen
 gegeben werden sollte, konnte man in letzter Zeit hierin nur
noch eine versteckte Preiserhöhung erblicken. Die früher gewährten
Schnee- und Lieferungsprämien galten für einen bestimmten Zeitraum,
und zwar für Verladungen auf getätigte Abschlüsse. Sie waren als eine
Entschädigung für die erhöhten Verladekosten bei schwierigen Verladeverhältnissen,
 Eis- und Schneewetter, anzusehen. Bis vor kurzer Zeit
wurden in diesem Jahre die Zuschläge von vornherein, also bei dem Kauf,
neben dem Richtpreis bewilligt. Diese Zuschläge wurden jedem Verlader
und für jede Abschlußmenge gezahlt. Nur in den seltensten Fällen
wurden entsprechend höhere Zuschläge nach den mehr oder minder
größeren Verkaufsmengen gewährt. ;
Vorsitzender: In welcher Weise verkauft die deutsche Reichsbahn
 ihre Materialien? ;
Wie sind die Zahlungsbedingungen des Schrotthandels
im Verkehr zwischen der eisenschaffenden Industrie und den Einkaufsorganisationen
 bzw. den selbständigen Handel,
im Verkehr zwischen Einkaufsorganisationen bzw. selbständigen
Handel und Schrotterzeuger, insbesondere eisenverbrauchende
Industrie?
*Sachverständiger Oppler: Der Verkauf von Schrottmaterialien
durch die Deutsche Reichsbahn. erfolgt im Bezirk der früheren Preußisch-Hessischen
 Staatsbahn ausschließlich durch das Eisenbahn-Zen-489
        <pb n="483" />
        tralamt. Die süddeutschen Staaten und auch der Freistaat Sachsen verkaufen
 den Schrott durch ihre Generaldirektionen. Die Verkäufe des
Eisenbahn-Zentralamtes finden monatlich freihändig statt. Bei diesen
werden in erster Linie die Schrottverbraucher berücksichtigt. Auf den
Schrotthandel, der ofenrechtes Material nicht zugeschlagen erhält, ent-Fällt
 nur ein geringer Teil.
Öffentliche Submissionen finden im Bereich der früheren Preußisch-Hessischen
 Staatsbahn nicht mehr statt. Nur die süddeutschen Generaldirektionen
 Bayern, Württemberg und Baden haben das frühere System
der Ausschreibungen im allgemeinen beibehalten. Zwischen der Eisenbahndirektion
 des Freistaates Sachsen und den sächsischen Schrottverbrauchern
 bestehen Schrottlieferungsverträge auf gleitender Preisbasis,
die sich meines Wissens auf die Notierungen der ost- und mitteldeutschen
 Einkaufsorganisationen stützen. Von dem Entfall aus diesem
Direktionsbezirk werden etwa 10% durch beschränkte Submissionen
ausgeschrieben und, wie ich annehme, nur zur Preiskontrolle für die
Hauptmengen, die die sächsischen Werke unmittelbar erhalten. Der
Verkauf von Lokomotiven und Waggons erfolgte früher ausschließlich
auf dem Submissionswege. Bei den Käufern handelte es sich fast ausnahmslos
 um freie Schrotthandelsfirmen. Heute besteht zwischen dem
Eisenbahn-Zentralamt und der Firma Warning ein Lieferungsvertrag
für den Hauptteil der ausrangierten Lokomotiven. Ebenso hat das Eisenbahn-Zentralamt
 wegen der Abwrackung von Waggons mit einer
größeren Anzahl Firmen Verträge auf längere Zeitdauer abgeschlossen.
*Sachverständiger Wohlgemuth: Der Verkauf des Schrotts,
welcher bei der Deutschen Reichsbahn entfällt, erfolgt mit Ausnahme des
Schrotts der sächsischen und süddeutschen Direktionen und gewisser
Mengen der Direktion Schwerin durch das Eisenbahn-Zentralamt. Die
Verkäufe des Eisenbahn-Zentralamtes sind frei. Die Verkäufe von den
genannten Direktionen erfolgen im Submissionswege. Das KEisenbahn-Zentralamt
 verkauft teils an Verbraucher, teils an Händler.
Ob die Reichsbahn Lokomotiven und Waggons heute noch selbst
verschrottet, ist mir nicht bekannt. In den ersten Jahren nach dem
Kriege geschah es zur Beschäftigung der Werkstätten.
Es ist mir bekannt, daß das Eisenbahn-Zentralamt Gemeinschaftsverträge
 über die Abwrackung von Lokomotiven und zum Teil auch bei
Waggons abgeschlossen hat. Daneben bestehen noch Verträge, nach
denen die Verschrottung von Waggons und Lokomotiven ohne spätere
Verrechnung erfolgt, wo also im Augenblick der Übergabe bereits der
Verrechnungspreis feststeht. Soweit es sich um Lokomotiven handelt,
erfolgt in solchen Fällen die Rücklieferung der Metalle an das Eisenbahn-Zentralamt.

Im allgemeinen werden auch heute mit der Verschrottung von Lokomotiven
 dieselben Firmen beschäftigt, die in der Vorkriegszeit derartige
Arbeiten ausführten, nur daß in der Vorkriegszeit die Anzahl der Maschinen
 eine wesentlich kleinere war und der Verkauf im Submissionswege
 erfolgte. Eine Verschrottung von Waggons stellte in der Vorkriegszeit
 einen Ausnahmefall dar.

„90
        <pb n="484" />
        Die im Schrotthandel zwischen schrottverbrauchender Industrie
ınd Großhandel bzw. Einkaufsorganisation üblichen Zahlungsbedingunzen
 lauten auf den 15./20. des der Lieferung folgenden Monats, Eingang
auf dem Werk gerechnet.
Der Zahlungsverkehr zwischen den Einkaufsorganisationen bzw.
dem Großhandel und seinen Lieferanten, wozu in erster Linie auch der
Schrotterzeuger gehört, erfolgt auf Grund freier Vereinbarungen. Man
kann wohl sagen, daß der Großhandel ungefähr 80 % seiner Einkäufe
selbst finanzieren muß, d. h. die Ware bezahlen muß, bevor er von
seinem Abnehmer Zahlung hierfür erhält.
Sachverständiger Möller: Soviel mir bekannt ist, gelten im
allgemeinen die gleichen Zahlungsbedingungen auch im Verkehr zwischen
der Einkaufsorganisation und dem selbständigen Handel sowie den
Schrotterzeugern. Ausnahmen werden sich nicht vermeiden lassen im
Verkehr mit Behörden, bei Submissionen usw.
{in vielen Fällen wird aber der Großhandel gezwungen sein, kleinere
Händler und Schrottabgeber sofort zu bezahlen, eine von den Funktionen
des Großhandels, die von den Werken nicht gemacht werden könnten.

*Sachverständiger 0 ppler : Die allgemeinen Zahlungsbedingungen
gelten grundsätzlich auch für den Verkehr zwischen den Einkaufsorganisationen,
 Werks- und Vertragsfirmen, und dem freien Handel, wobei
mitunter versucht wird, das Zahlungsziel bis zum 25. des in Betracht
kommenden Monats auszudehnen.
Im Gegensatz hierzu werden dem Schrotterzeuger, d.h. der eisenverbrauchenden
 Industrie, weit günstigere Zahlungsbedingungen in den
meisten Fällen eingeräumt und von Fall zu Fall vereinbart. So erfolgt
z.B. die Zahlung bzw. eine Teilzahlung bei Abschluß vor oder sofort
nach der Lieferung usw. In der Regel erkennen die Einkaufsorganisationen,
 Werks- und Vertragsfirmen, die von dem Schrotterzeuger geforderten
 günstigeren Zahlungsbedingungen an, während sich der freie
Handel mit den Zahlungsbedingungen einverstanden erklären muß,
welche die Einkaufsorganisationen vorschreiben.
*Sachverständiger Oloff: In Mittel-, Ost- und Süddeutschland
werden vereinzelt andere Zahlungsbedingungen gestellt, jedoch wird allseits
 versucht, die allgemeinen Zahlungsbedingungen auch dort ein- und
Jurchzuführen, um in ganz Deutschland möglichst einen einheitlichen
Modus zu schaffen. Der Kleinhandel jedoch wünscht oft frühere Bezahlung,
 z.B. sofort nach Eingang und Richtigbefund beim Werk, verainzelt
 auch noch, wie es in der Inflationszeit üblich geworden war, 80 %
Bezahlung gegen Versandpapiere, Rest nach Eingang und Richtigbefund
beim Werk. Wo letztere Zahlungsbedingungen eingeräumt werden,
müssen dafür seitens der Lieferanten, Kleinhändler und Sammler, besondere
 Preisvorteile und Diskonte eingeräumt werden.

Vorsitzender: Mit welchen Selbstkosten, wie Fuhrgebühren,
Aufladegebühren usw., muß der Sammelhandel beim Aufspüren der
Schrottmengen auf dem Lande rechnen?

“314

As
        <pb n="485" />
        Sachverständiger Mattischack: Der Sammler hat auf den gesammelten
 Schrott in. den Kleinstädten etwa 0,75 RM. und auf dem
platten Lande etwa 1,50 RM. per 100 kg Selbstkosten.
Es ist vollkommen unmöglich, Selbstkosten für den Sammelhändler
aufzustellen, der mit seinem Fuhrwerk auf dem Lande den Schrott zusammenfährt.
 Dieser Selbstkostensatz wird naturgemäß beeinflußt von
denjenigen Materialien, die er mit dem Schrott zusammen erwirbt, und
die vollkommen verschieden in ihrem Werte sind wie Altmetalle, Lumpen
oder Felle.

Vorsitzender: Welche Zuschläge muß der Schrotthandel für
das sogenannte Lagergeschäft rechnen ausschließlich Chargierfähigmachen
 von Schrott, welches als Fabrikationszuschlag zu rechnen ist?

Sachverständiger Wohlgemuth: Die Zuschläge sind verschieden,
 je nach der Beschaffenheit des Lagers und je nach der Art, wie die
Sortierung auf dem Lager vorgenommen wird. Im allgemeinen gibt es
im Schrotthandel gewisse Spezialitäten, nach denen die Sortierung erfolgt,
 und diese werden nicht gleichmäßig von jedem Betrieb wahrzenommen.


Vorsitzender: Mit welchen Unkosten pro Tonne chargierfähigem
 Schrott hat das Abwrack- und Abbruchgeschäft in seinen verschiedenen
 Sparten zu rechnen?

Sachverständiger Warning: Über Unkosten im Abwracken von
Schiffen kann ich keine Angaben machen.
Die Unkosten pro Tonne chargierfähigen Schrotts im Abwracken
von Lokomotiven und Waggons schwanken je nach den hierbei verlangten
 Sonderarbeiten. Zur Zeit muß man beim Verschrotten von Lokomotiven
 mit etwa 11 bis 16 RM. pro Tonne, bei Waggons mit. etwa
6,50 bis 9 RM pro Tonne rechnen, beide Preise einschließlich Verladung
und der sonstigen einschlägigen Arbeitsleistungen.
Über Abbruch von typischen Industriewerken stehen mir aus
sigener Anschauung keine Zahlen zur Verfügung.

Sachverständiger Kubatz: Das Abwracken von Handelsschiffen
kostet je t chargierfähigen Schrotts unter Berücksichtigung : eines
hundertprozentigen Zuschlages auf die Löhne für Generalien 20 bis
25 RM.; bei Schiffen mit weniger Aufbauten und Blechmaterial sowie
Passagiereinrichtungen und mehr reinem Eisengewicht kann unter Umständen
 bei hochprozentigem Sauerstoff das Abwracken etwas: billiger
gestellt werden. Es’ handelt sich hierbei um Seeschiffe, Flußschiffe
können möglicherweise etwas billiger abgewrackt werden.
Das Abwracken von Lokomotiven kostet je nach der Art der Einrichtung
 des Betriebes und‘ vor allem der kontinuierlichen Zufuhr 9 bis
12 RM., das Abwracken der Waggons etwa 8 RM.
Ein bestimmter Satz für den Abbruch typischer Industriewerke
kann nicht angegeben werden. Es kommt hier auch besonders auf die
Lage des abzubrechenden Werkes an. Für die Kalkulation eines

92
        <pb n="486" />
        solchen Abbruchobjektes darf keinesfalls ein geringerer Satz wie 15 RM.
zugrunde gelegt werden.
Sachverständiger am Ende: Nach meinen Erfahrungen betragen
die Unkosten je Tonne chargierfähigen Schrotte:
Im Abwracken von Lokomotiven 11 bis 16 RM. je Tonne inkl. der
Befreiung von Kupfer, Rotguß und anderen Metallsorten von anhaftenden
Eisenteilen, der Schrottsortierung und Verladung in Eisenbahnwagen
oder Kahnräumen am Werk.
im Abwracken von Eisenbahnwagen betragen die Unkosten 6,50 bis
9 RM. je Tonne inkl. Sortierung und Verladung wie bei Lokomotiven, je
nach Art des Eisenbahnwagens, ob offen, bedeckt oder Personenwagen.
Letztere kosten teilweise noch mehr als 9 RM. je Tonne, wegen der
vielen Holzarbeiten.
Beim Abbruch von Kisenkonstruktionen, Brücken, Kranen, Maschinen
usw. betragen die Kosten 60 bis 80 RM. je Tonne,
bei Gasanstalten inkl. Abbruch der Fabrikgebäude, Öfen usw.,
12 bis 20 RM. je Tonne Kisengewicht, ;
beim Abbruch von Industriegebäuden, die als Betonbauten oder
deren Steine mit Zement gemauert worden sind und hierdurch beträchtliche
 Abbruchkosten verursachen, vielfach 20 bis 35 RM. je Tonne
Eisengewicht,
Bemerken möchte ich, daß sowohl bei der Zerlegung von Lokomotiven
 und Eisenbahnwagen, als auch bei Eisenkonstruktionen .und
sonstigen Abbruchsobjekten stets die Mengen bezüglich der. Abbruchkosten
 ausschlaggebend sind. Erfahrungsgemäß verringern sich die
Unkosten bei der fortlaufenden Arbeit um etwa 10 bis 30 %.
Vorsitzender: Welches sind! die Anschaffungskosten eines
Lagerplatzes mittleren ‚Umfanges, etwa mit einer Belegschaft von
50 Mann, einer kleinen Schrottschere, 10 Brennapparaten mit ent-Sprechender
 Azetylenanlage, einem Normaldrehkran und einer Schiebebühne?

Welches sind die Anschaffungskosten eines Lagerplatzes größeren
Umfanges, etwa mit einer großen Schrottschere, einer Belegschaft über
50 Mann, zwei bis drei Normaldrehkränen, einer Schrottpaketierungsanlage
 usw.?
Welches sind die normalen Unkosten beim Chargierfähigmachen
von Kernschrott und Gußbruch?

*Sachverständiger Wohlgemuth: Die Frage ist nicht richtig
gestellt. Ein Lagerplatz mittleren Umfanges ist nach meinem Dafürhalten
 ein Platz, der einen Umschlag von 500 bis 1000 Tonnen Schrott
pro. Monat bewerkstelligen kann. Um diesen Erfolg zu erzielen, muß
man neben der Schrottschere, die im übrigen keine kleinere Schrottechere
sein. darf, ein Fallwerk, eine Waggon- und eine Fuhrwerkswage haben.
Die Belegschaft darf nicht 50 Mann betragen, da dann der Betrieb unwirtschaftlich
 wird; sie dürfte im höchsten Falle 20 bie 25 Mann sein.
Die Anlagekosten sind folgende:

U
        <pb n="487" />
        Schrottschere mit Motor und Fundament etwa 10000 RM.
Kran gebraucht ” 8—10000 ,,
Fallwerk mit Winde ” 5— 6000 „
Brennapparate , 625
Waggonwage „ 10—12000 ‚,
Fuhrwerkswage ; 4000

Ein Lagerplatz größeren Umfanges mit einem Umschlag von 2000
bis 3000 Tonnen bedarf einer Belegschaft von 40 bis 50 Mann, die Anlagekosten
 sind hier: *
große Schrottschere und 2 kleinere
schnellaufende Scheren
Dampfkräne
größeres und 1 kleineres Fallwerk
Brennapparate
Waggonwage ,
Fuhrwerkswage
Die Schrottpaketierungsanlage ist für den großen Schrottplatz
nicht notwendig.
Man rechnet für das Zerkleinern von Schrott auf Kernschrott bei
Material, welches autogen zerkleinert werden muß, 7,50 bis 8,50 RM.,
bei Material, welches. unter der Schere zerkleinert, werden muß, 3,50 RM.
per Tonne, Gut eingerichtete Lagerplätze werden bei diesen Preisen
noch nicht vnerhebliche Ersparnisse erzielen.
Die Zerkleinerung von Gußbruch ist in einem Preis schwer zu erfassen,
 da dieser Preis beeinflußt wird durch mehr oder weniger große
Anhaftungen von Schmiedeeisen und durch das Stückgewicht, welches
evtl. je nach der Einrichtung des Lagerplatzes mehr oder weniger große
Transportkosten verursachen kann.

vg

Vorsitzender : Bedingt die Höhe des Schrottpreises auch einen
verstärkten Anfall von Altschrott bzw. ein yerstärktes Herauskommen
der vom Schrotthandel auf Lager genommenen Mengen?

*Sachverständiger Heinson: Gewiß kann ein erhöhter Schrottpreis
 auch einen verstärkten Anfall von Altschrott bzw. ein verstärktes
Herauskommen der sowohl beim Schrotthändler wie beim Schrotterzeuger
lagernden Mengen zur Folge haben. Die Erfahrung lehrt aber, daß bei
steigenden Schrottpreisen vor allem in der ersten Zeit des Anziehens
der Preise Schrott in Erwartung weiterer Preissteigerungen zurückgehalten
 wird.

*Sachverständiger Wenzel: Ohne daß man es direkt nachweisen
könnte, dürfte es richtig sein, daß ein erhöhter Schrottpreis die Sammeltätigkeit
 für Schrott anregt. Das bezieht sich aber im allgemeinen nur
auf minderwertige Sorten und relativ kleine Mengen. Dagegen ist es
eine bekannte Tatsache, daß. bei steigenden Schrottpreisen sowohl die
Entfallstelle als der Handel den Schrott zurückhalten und daß vorhandene
 Lagermengen erst bei sinkenden Preisen herauskommen.

)4.
        <pb n="488" />
        *Sachverständiger Wohlgemuth: Naturgemäß wird ein besonders
 hoher Schrottpreis den Handel auch zu besondere intensiver Tätigkeit
 veranlassen. Trotzdem möchte ich glauben, daß die Mehrmengen,
die durch den hohen Preis dem Markt zugeführt werden, nicht erheblich
sein können.
Sachverständiger Oppler: Die Höhe des Schrottpreises bedingt
ohne Zweifel ein erhöhtes Aufkommen. Wenn der Händler aus seinen
auf Lager genommenen Mengen einen Nutzen zieht, wird er nach der
Höhe der zu erzielenden Erlöse mehr oder weniger große Quantitäten
verkaufen.

Sachverständiger Rothschild: Wenn die Schrottpreise niedrig
sind, so werden sie natürlich das Aufkommen wegen der unlohnenden
Verarbeitung verringern, wenn die Preise aber eine gewisse Höhe haben,
ist die Erfahrung die, daß dann Schrott herauskommt. Erfahrungsmäßig
werden beim Beginn herabgehender Preise größere Mengen frei wie bei
ansteigenden Preisen. Jedenfalls wird bei uns in Deutschland der Abfall
 an Schrott nicht absolut durch die Höhe des Schrottpreises beeinflußt.

“Sachverständiger Möller: Es ist zu beachten, daß bei plötzlichen
Preissteigerungen, aber auch bei der Möglichkeit bevorstehenden Preisrückganges,
 das Aufkommen an Altschrott stärker ist als zu normalen
Zeiten. Das gilt auch für die Mengen, die vom Schrotthandel auf Lager
zenommen werden.

Vorsitzender: Wie hoch ist der Schrottverbrauch in Polen
und der Tschechoslowakei einerseits und Italien und Frankreich andererseits?

Welche Wachstumstendenz hat .der Schrottverbrauch in diesen
Ländern aufgewiesen, und woher haben diese Länder ihren Schrott
außer aus Deutschland bezogen?
Mit welchem inneren Anfall von Schrott können diese Länder
rechnen?
Welche Mengen würden schätzungsweise bei freier Ausfuhrwirtschaft
 von den in Frage stehenden Ländern aus Deutschland bezogen
werden?

*Sachverständiger Wohlgemuth: Der Schrottverbrauch in
Polen ist nach meiner Kenntnis von etwa 40000t in den J ahren 1924
bis 1926 auf 65 000 t im Jahre 1927 im Monatsdurchschnitt gestiegen.
Bis zur Höhe von 40000 t wurde dieser Bedarf durch das Aufbringen
 in Polen selbst und den Schrott, der auf Grund der Genfer Konvention
 von Deutschland nach Polen ausgeführt wurde, gedeckt. Das
Aufbringen im Lande selbst ist inzwischen nicht gestiegen, so daß in den
Monaten, in denen noch der Schrott aus Deutschland nach Polen hereinkam,
 ein Zukauf von 20- bis 25 000 t monatlich erforderlich war. Inzwischen
 ist das Kontingent fortgefallen, aber auch der Schrottbedarf
in Polen etwas geringer geworden und dürfte wohl heute mit etwa
50- bis 55 000 t richtig angenommen gein.

32 Engq.-Aussch, III. Rohatoffvers, d. deutsch. eisenerzeug, Ind.

13 4
        <pb n="489" />
        Rechnet man das Aufbringen in Polen unverändert mit 15- bis
20 000 t, so ist also für Polen das Einfuhrbedürfnis etwa 30- bis 35 000 t
monatlich.
Von diesen Mengen kommen 5- big 8000 t aus Skandinavien, 10 000 t
aus Frankreich, während der Rest aus England und den Überseeländern,
zum Teil auch wiederum aus Frankreich, soweit es sich um ausfuhrfähige
Sorten handelt; kommt. Bei der Tschechoslowakei ist der Importbedarf
kein konstanter und richtet sich vollkommen danach, in welchem Umfange
 die großen Werke wie
Witkowitzer Eisenwerke, Witkowitz,
Berg- und Hüttenwerks-Gesellschaft Eisgenwerk Trzynietz und
Röhrenwalzwerk Albert Hahn in ÖOderberg
Schrott einsetzen. Melden diese Werke keinen Bedarf oder nur einen
geringen an, so wird der Schrottbedarf der Tschechoslowakei fast ausnahmslos
 im Lande selbst gedeckt, mit Ausnahme von vielleicht maximal
2- bis 3000 t monatlich, die aus dem Saargebiet und aus Luxemburg
(Walzwerkabfälle) bezogen werden.
Ist der Schrottbedarf der genannten großen Werke vorhanden,
so steigert sich der Import der Tschechoslowakei bis zu 8000 bis 10 000 t
monatlich. In diesem Falle werden die Mengen im wesentlichen aus
Skandinavien bezogen, was um %0 leichter ist, als die tschechischen
Werke fast immer aufnahmefähig sind für die bei anderen Verbrauchern
 nicht sehr beliebten skandinavischen Pakete und Mittelschrott.

Für Italien und Frankreich fehlen mir zuverlässige Daten. Es
ist mir bekannt, daß der Bedarf der oberitalienischen Werke, soweit der
Schrott importiert werden muß, aus dem französischen Kontingent gedeckt
 werden kann, nachdem ja nennenswerte Mengen aus Deutschland
nicht zur Ablieferung gelangen, während der Bedarf der ligurischen
Werke im wesentlichen aus der Levante und den Überseeländern befriedigt‘
 wird.
Es ist nicht zu übersehen, welche Mengen bei freier Ausfuhrwirt-Schaft
 aus Deutschland in die in Frage kommenden Länder abwandern
würden, da man nicht voraussehen kann, welche Maßnahmen die hiervön
betroffene deutsche Industrie ergreifen würde, Wenngleich die Verbrauchsziffern
 damals in allen Ländern andere waren, so haben doch in
der Vorkriegszeit die Werke, die von der Konkurrenz benachbarter
schrottverbrauchender Länder betroffen waren, sich gegen dieses Abschwimmen
 von Material zu helfen gewußt, indem sie Verträge mit den
in Frage kommenden Industrien geschlossen. haben und so auf privatwirtschaftlichem
 Wege dieselben Erfolge erzielten, wie heute durch das
Ausfuhrverbot. Ob sich für die Zukunft wieder derartige Verträge
schließen lassen, vermag ich nicht zu übersehen.
Sachverständiger Buchmann: Nach der Denkschrift, die der
Weltwirtschaftskonferenz vorgelegt worden ist, sind in Frankreich 1925
2,61 Millionen Tonnen oder 36% zur Stahlerzeugung verbraucht worden,
in Polen 0,61 Millionen Tonnen, also 70%, in der Tschechoslowakei

L +]
        <pb n="490" />
        0,39 Millionen Tonnen oder 30%. Für Italien ist der Schrottverbrauch
1923 rund 980 000 t, 1924 rund 1167000t und 1925 rund 1492 000 t
angegeben, außerdem die Einfuhrzahlen. Ich möchte dabei besonders
noch auf die Preisstatistik verweisen. Man ersieht aus der Statistik,
daß Italien seinen Schrott fast ganz aus dem Auslande gedeckt hat, und
daß auch Polen erhebliche Mengen von Auslandsschrott verbraucht, eine
Frage, die auch in anderem Zusammenhang eine Rolle spielt.
*Saclıverständiger Oppler: Der Schrottverbrauch in den genannten
 Ländern ist naturgemäß von der wechselnden Beschäftigung der
betreffenden Eisenindustrie abhängig. Immerhin schätze ich unter den
heutigen Verhältnissen den jährlichen Gesamtschrottverbrauch

in Polen auf etwa. . .... . . . 700000 t,
in der Tschechoslowakei auf etwa. . 450 000 t,
in Italien auf etwa. . . 800 000 bis 900 000 t.
Was Frankreich anbetrifft, so kann ich mangels Unterlagen und
Erfahrungen keine Auskunft erteilen. Meinem Gefühl nach ist die
Wachstumstendenz bezüglich des Schrottverbrauches in Polen und Italien
steigend, in der Tschechoslowakei durch die Verwendung flüssigen. Roheisens
 und in Polen sowie Frankreich rückgängig. Frankreich hat keinen
leuteschen Schrott verarbeitet.
Den inneren Entfall von Schrott in Polen schätze ich auf etwa
250 000 t, in der Tschechoslowakei auf etwa 200 000 t. Der innere Anfall
 von Italien und Frankreich kann von mir nicht beziffert werden.
Bei freier Ausfuhrwirtschaft in Deutschland schätze ich die von den
genannten Ländern aus Deutschland eventuell zu beziehenden Mengen
auf 400 000 bis 500 000 t.
Vorsitzender: Wie wirkt das bestehende Schrottausfuhrverbot
und seine Handhabung auf die Verwertbarkeit des im Inlande entfallenden
 Schrotts und auf die inländische Preisbildung, insbesondere
in den von der rheinisch-westfälischen Basis entfernten Entfallgebieten,
und wie wirkt es auf die konjunkturellen Schwankungen der Preisbildung?

*Sachverständiger Wenzel: Das Schrottausfuhrverbot und seine
Handhabung wirkt nicht unmittelbar auf die Schrottpreise. Würde
jedoch vollständig freie Schrottausfuhr gestattet, so würde ein Ausgleich
nicht nur der europäischen Entfallmengen, sondern auch der Preise eintreten.
 Da der Schrottanfall Deutschlands nicht annähernd genügt, um
den normalen Bedarf zu decken, muß jede auf irgendeiner Grenze ausgeführte
 Tonne durch eine an anderer Stelle eingeführte Tonne ersetzt
werden. Die Dortmunder Schrottgemeinschaft hat seit der Zeit ihres
Bestehens etwa 20% der gesamten beschafften Mengen aus dem Ausland
eingeführt. Heute ist der Anteil des Auslandsschrotts an der Gesamtversorgung
 im Westen auf über 40 % gestiegen.
*Sachverständiger Möller: In Deutschland bestand schon vor
1913 wiederholt eine Schrottknappheit. Obwohl damals der Schrottverbrauch
 geringer war als heute und die Mengen aus Luxemburg, Elsaß-497
        <pb n="491" />
        Lothringen, Westpreußen und Ostoberschlesien zur Verfügung standen,
sind doch seinerzeit schon erhebliche Mengen zur Deckung des Schrottbedarfs
 aus dem Auslande eingeführt worden. Bei einem Konjunkturaufschwung
 zeigte sich jedesmal der Mangel an Schrott.
Da Deutschland den Bedarf der eisenerzeugenden Industrie nicht zu
decken vermag, ist es eine Lebensnotwendigkeit für die deutsche Industrie,
 den gesamten im Lande vorhandenen Schrott für die eigene Industrie
 zu verwenden. Ein Blick auf die Preise, die in manchen Ländern
zezahlt werden, zeigt, daß dort die Schrottpreise für die verbrauchenden
Werke keineswegs höher liegen als in Deutschland. Verschiedene andere
Länder, z.B. Italien, Polen und die Tschechoslowakei, haben eine Industrie,
 zum Teil als Kriegsindustrie, großgezogen, die einen erheblich
größeren Schrottbedarf hat als das eigene Land aufbringt. Den Mehrbedarf
 versuchen diese Länder natürlich dort zu holen, wo sie ihn am
frachtgünstigsten beziehen können, das ist also vor allen Dingen aus
Deutschland. Italien bezieht auch besonders aus Frankreich, Diese
Länder können im Auslande hohe Preise anlegen, weil sie im eigenen
Lande durch Regierungsmaßnahmen sehr niedrige Schrottpreise haben
and andererseits für ihre Produkte hohen Schutzzoll genießen und deshalb
So hohe Erlöse haben, daß sie ihre Überproduktion auf dem deutschen und
den anderen Auslandsmärkten zu besonders niedrigen Preisen absetzen
können. Durch Abgabe von Schrott würde ihnen Deutschland dieses Geschäft
 noch erleichtern und dadurch zum Ruin der deutschen Werke beitragen.


Die ausländische Eisenindustrie, besonders in den vorgenannten
Ländern, wird bekanntlich durch die Regierungen in jeder Weise unterstützt
 durch Vorzugsfrachten, Staatsaufträge usw. In Deutschland dagegen
 würde durch den Einkauf des Auslandes der Schrottpreis allgemein
in die Höhe getrieben zum Schaden der deutschen Eisen- und Stahlerzeuger,
 die dadurch an der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Auslande
 aufs schwerste getroffen werden. Der Handel und die Schrotterzeugung
 unterstützen die Schrottausfuhr, weil sie sich davon eine Erhöhung
 der deutschen Inlandspreise versprechen. Der Gewinn aus den
größeren Erlösen ist aber im Verhältnis zu dem Schaden, der durch die
Aufwärtesbewegung der gesamten deutschen Schrottpreise für die deutsche
Eisenwirtschaft überhaupt entsteht, als minimal zu bezeichnen. Es
würde also eine Unsicherheit in die gesamte deutsche Volkswirtschaft
hineingetragen, die unübersehbare Folgen haben könnte. Tatsächlich
würde auch die deutsche Wirtschaft durch den Verkauf von Schrott nach
Polen, der Tschechoslowakei usw. keinen Vorteil haben, denn die aus
den Grenzgebieten exportierten Mengen müßten ja von anderer Stelle
wieder aus dem Auslande von den deutschen Werken angekauft werden.
um den Bedarf zu decken.
Was Gußbruch anbetrifft, so ist die inländische Preisbildung unbedingt
 von der Handhabung des Ausfuhrverbotes abhängig, ebenso wie
in qualitativer Hinsicht die Verwertbarkeit des Inlandsgußbruchs. Sobald
 Gußbruch in das Ausland ausgeführt wird, werden die Inlandspreise
hiervon automatisch und sofort zum Nachteile der deutschen Verhraucher

LOR
        <pb n="492" />
        etark beeinflußt, besonders in Grenzgebieten, aber auch an der nassen
Grenze. Ein anderer Nachteil ist, daß im Hinblick auf die bei Weigerungen
 im Auslande entstehenden größeren Kosten in erster Linie prima
Gußbruchmaterial ausgeführt wird, so daß bei dem relativ geringen Entfali
 an Gußbruch den vorbezeichneten deutschen Verbrauchern oft nur
zweitklassiges Material verbleibt, was z. B. ganz besonderes in Süddeutschland
 der Fall ist.

*Sachverständiger Heinson: Das Schrottausfuhrverbot hat den
Zweck, den inländischen Schrott dem Inlandsbedarf zu erhalten. Infolgedessen
 wirkt das Schrottausfuhrverbot natürlich insofern auf die
inländische Verwertbarkeit, als nach Möglichkeit der Abfluß des
Schrottes nach dem Ausland vermieden werden soll. Eine Auswirkung
des Ausfuhrverbots auf die inländische Preisbildung ist nicht nachzuweisen,
 vielmehr ergibt eine Gegenüberstellung der monatlichen Inlandspreise
 für Stahlschrott und der monatlich ausgeführten Schrottmengen,
daß sich die Preise nicht nach der Ausfuhrmenge richten. Man sollte im
allgemeinen glauben, daß bei niedrigen Inlandschrottpreisen die Ausfuhr
hoch ist oder umgekehrt bei hohen Inlandspreisen die Ausfuhr abnimmt.
Das ist aber, wie die nachfolgende Gegenüberstellung zeigt, nicht der
Fall.

Preise und Ausfuhrmengen für Stahlschrott

Monate

Januar. ........
Februar ........
März 2 .......0.
A
Alı 000000004 .
Juni .....
Juli.....
August. ....
September. ...
Oktober .....
November. ...
Dezember ......

1924

Preis | At
RM ie t $

58
61
56
I
69
14

25,245
80,584
34,058
47,546
43,654
29 879

1925

— Preis | Ausfuhr
RM je t

+

83
77
76
78
67
62
58
"4:
0
49
49

29,568
19,179
26,255
27,048
26,697
20,249
9,004
14,641
20,842
28,077
31,545
37.698

1926

Preis ' Ausfuhr
RM je t $

50
53
50
49
“9
8
58
55
55
58
67
67

88,176
32,572
44,444.
42,202
37,421
42,047
30,988
31,295
26,577
37,625
34,318
499214

Wenn man in dieser Gegenüberstellung das Jahr 1924 betrachtet,
so fällt auf, daß monatelang trotz steigender Preise im Inland eine
ständige Erhöhung der Ausfuhrziffer festzustellen ist. Außerdem ist
bei einem Preise von 69 RM. eine höhere Ausfuhr vorhanden als bei
Preisen von 53, 61, 66 RM. Bei dem Jahre 1925 ergibt sich im Monat
Februar eine nennenswerte Abnahme der Ausfuhr und gleichzeitig aber
auch eine Ermäßigung der Inlandspreise. Dieselbe Erscheinung zeigt sich
im Monat Juli, wo bei einer Ermäßigung der Preise um 5 RM. ein Rückgang
 der Ausfuhr von 11000 % stattgefunden hat. "Trotz weiteren
Fallens der Preise in den Monaten August, September und Oktober

490
        <pb n="493" />
        wird die Ausfuhrmenge des Monats Mai auch bis Ende Oktober nicht
erreicht. Der Höchstpreis des Jahres 1925 war im Januar 83 RM. Die
in diesem Monat ausgeführte Menge war größer als in den Monaten, in
denen der Inlandspreis auf 50. 54. 58, 62, 67, 74, 76, 77 und 78 RM.
stand.
Das Jahr 1926 zeigt wieder bei zunehmenden Preisen gegen Ende
des Jahres zunehmende Ausfuhr.

*Sachverständiger Wohl gemuth: Ein Aufheben des Schrottausfuhrverbots
 würde mit Rücksicht auf den vorstehend erwähnten zeitweiligen
 Bedarf beispielsweise der tschechischen Werke den Schrott in
dem für die Tschechoslowakei frachtgünstig gelegenen Gebiet enormen
Konjunkturschwankungen unterwerfen und die heute schon vorhandene
Labilität der Schrottpreise zu weiteren stärkeren Kurven führen.
Der deutsche Schrottmarkt wird von dem Schrottausfuhrverbot der
benachbarten Länder genau so betroffen, wie der Schrottmarkt, der benachbarten
 Länder von dem deutschen Ausfuhrverbot, da beispielsweise
in der Tsohechoslowakei die Entfallgebiete zu den deutschen Werken
zenau so günstig liegen wie zu den Werken des eigenen Landes.

*Sachverständiger Oloff: Die ausländischen Ausfuhrverbote und
Ausfuhrerschwerungen, 80 z. B. die Erhebung von Ausfuhrzöllen oder
anderen Ausfuhrabgaben, sind für die deutschen Schrott- und Gußbruchverbraucher
 von beträchtlichem Nachteil, besonders in West- und Süddeutschland,
 aber auch an der nassen Grenze. Hier sind sich meines
Erachtens deutsche Schrottverbraucher und Schrottimporteure, aber auch
ein großer Teil der ausländischen Exporteure darüber einig, daß die
ausländischen Schrottausfuhrverbote auf dem Wege handelspolitischer
Vereinbarungen doch möglichst. bald! und ganz beseitigt werden möchten.
Hierbei verweise ich auf die früher so bedeutende Schrottquelle Elsaß-Lothringen,
 die Deutschland verloren ging und aus der nicht nur Rheinland
 und Westfalen, sondern, speziell mit Gußbruch, auch! Süddeutschland
 früher sehr gut versorgt werden konnten.
*Sachverständiger Oppler: Die Ausfuhrverbote anderer Länder
in Verbindung mit dem deutschen steigern naturgemäß das internationale
 Preisniveau. Eine generelle! Aufhebung des deutschen Schrottausfuhrverbotes
 kann daher nur bei gleichzeitigem Vorgehen anderer
Länder erfolgen, wobei nicht gesagt werden soll, daß eine teilweise Aufhebung
 bestimmten Ländern gegenüber bei Gewährung ausreichender
handelspolitischer Vorteile der anderen Seite unmöglich! wäre.
*Sachverständiger Heinson: Die ausländischen Schrottausfuhrverbote
 wirken auf die Entwicklung des Schrottmarktes außerordentlich
hemmend. Mit dem Verluste Elsaß-Lothringens und dem Ausscheiden
Luxemburgs und des Saargebiets aus dem deutschen Zollgebiet ist durch
das französische Ausfuhrverbot, eine starke Schrottquelle vorläufig verstopft.
 Dasselbe gilt von dem belgischen. Ausfuhrverbot.
*Sachverständiger Möller: Im Falle einer guten Beschäftigung
der deutschen Industrie ist eg darauf angewiesen, einen erheblichen Teil
seines Schrottbedarfes im Auslande zu kaufen. Auch wenn. die Ausfuhr-417
        <pb n="494" />
        verbote der übrigen Länder vollständig fehlen würden, müßte in
Deutschland das Schrottausfuhrverbot vollständig bestehen bleiben, weil
sonst gerade den Bezirken der Schrott entzogen würde, die am meisten
darauf angewiesen sind, also den sächsischen, mitteldeutschen und oberschlesischen
 Werken, die an schrottarme Länder grenzen.

Sachverständiger Rothschild: Solange die Ausfuhrverbote für
Schrott bestehen, können wir nicht einseitig die Grenzen nach außen
öffnen, wir könnten das auch dann nicht, wenn die Ausfuhrverbote aufgehoben
 werden, sofern nicht der Vorbehalt fällt, den die anderen
Länder gemacht haben, Rohstoffe für Rüstungszwecke jederzeit zurückzubehalten,
 weil wir keine Rüstungen haben, also einseitig gebunden sind.
Eine andere Frage ist im Zusammenhang damit, ob es richtig ist,
im Rahmen: des Ausfuhrverbots für Schrott auch Materialien zurückzuhalten,
 die einen schrottähnlichen Charakter, aber einen viel höheren
Wert haben, wie z. B. Achsenwellen, Kesselbleche und solches Material,
das im Auslande eine Sonderverwertung findet, und für das wir 30 und
40% mehr bekommen als für Schrott, was für die Aufrechterhaltung
eines Schrottbetriebes eine Mehreinnahme bedeutet, auf die man. nicht
verzichten kann. Die Mehreinnahme würde indirekt auch der verbrauchenden
 Industrie zugute kommen, denn sie verbilligt ganz wesentlich
 die Regiekosten eines Lagerbetriebes. Ich glaube, daran hat_man
ursprünglich gar nicht gedacht, und man ist bei der Durchführung des
Ausfuhrverbots zu diesen ungerechtfertigten Beschränkungen gekommen

Sachverständiger Birawer: Auch diese Ausfuhr muß unter allen
Umständen unterbleiben, wenigstens solange, als wir es nötig haben,
aus dem Auslande Schrott einzuführen, auch wenn dieser Schrott, teurer
bezahlt werden müßte. Volkswirtschaftlich ist es falsch, wenn wir auf
der einen Seite den Schrott einführen, während' von der anderen Seite
wieder Schrottmengen ausgeführt werden. Man muß auch berücksichtigen,
 daß, wenn heute die Aufhebung des Ausfuhrverbotes kommen
sollte, wir vor ganz anderen Verhältnissen stehen als vor dem Kriege,
und zwar spreche ich da vom Standpunkte der mitteldeutschen und oberschlesischen
 Werke aus.
Sachverständiger Stern: Es handelt sich um ein Material, das
selbstverständlich wertvoller ist und deshalb über dem Weltmarktpreis
von Schrott steht. Es kommt hier allein eine Ausfuhr nach Italien, und
vielleicht in beschränktem Umfange noch England in Frage. Übrigens
sind diese Mengen, Waggon- und Lokomotivachsen usw., schon um
10 RM. pro Tonne teurer bezahlt worden, und sollen wohl im Auslande
nicht als Schrott verwendet werden. Im übrigen handelt es sich dabei um
eine monatliche Ausfuhr von vielleicht 1000 Tonnen, also eine verhältnismäßig
 so geringe Menge, daß sie im Rahmen des gesamten
Schrottmarktes überhaupt nicht ins Gewicht fällt.
Sachverständiger Heinson: Es gibt Material, das freigegeben
werden sollte; es ist das meist Material, das im Inlande nicht als Schrott
verbraucht wird und zwar nicht zum Schrottpreis, sondern etwa zu Halbzeugpreisen.
 So sind z.B. Achsen nach Spanien gegangen, um dort noch

701
        <pb n="495" />
        einmal ausgeschmiedet oder ausgewalzt zu werden... Ich habe mit Herrn
Direktor Birawer nichts dagegen, daß dieses Material in kleinerem Umfange
 freigegeben wird, und so ist es auch immer gehandhabt worden,
und zwar zum größten Teil auch mit unserer Zustimmung.
Sachverständiger Oppler: Die heutigen Einkaufsorganisationen
sind absolut auf die Verhältnisse zugeschnitten, wie sie sich unter dem
Ausfuhrverbot entwickelt haben. Im Falle der Aufhebung des Verbots
wird eine Zusammenfassung des freien Schrotthandels von außerordentlicher
 Wichtigkeit sein, und der freie Händler würde dann nicht in die
Versuchung kommen, irgendwelches ‚Material nach dem Auslande abzuschieben.


Sachverständiger Du1k: Nach den ganzen‘ Ausführungen des Herrn
Rothschild müßte man annehmen, daß Ausfuhrbewilligungen für
Achsen, Wellen, Wellbleche usw. überhaupt nicht gegeben werden. Das
ist absolut unzutreffend. Ich glaube, daß kaum irgendeine Schrotthandelsfirma
 noch irgendwie nennenswerte Mengen von Achsen, Wellen
und überhaupt derartigem Spezialmaterial hat, das sie gern ausführen
möchte, ohne die Ausfuhrbewilliegung zu bekommen.

Sachverständiger Rothschild: Ich möchte darauf erwidern,
daß die Ausfuhrbewilligung nur für eine bestimmte Gesamtmenge für
jede Firma gegeben wird, und dabei ist es für eine große Firma unmöglich,
 das hinauszubringen, was sie hinausbringen muß.
Sachverständiger Reichert: Dazu, wie das bestehende Schrottausfuhrverbot
 auf die konjunkturellen Schwankungen der Preisbildung
einwirkt, ist es natürlich sehr schwer, etwas Positives zu sagen. Das
Schrottausfuhrverbot und seine bisherige Handhabung hat nicht verhindert,
 daß die Schrottpreise sehr stark in die Höhe gegangen sind
und zeitweilig ebenso stark gefallen sind; es sind Preisunterschiede
während des Bestehens des Ausfuhrverbots festzustellen, die von nahezu
50 bis 86 RM. gegangen sind, und diese Schwankungen sind nicht mit
dem Bestehen oder mit der Handhabung des Ausfuhrverbots zu erklären,
sondern trotz des Ausfuhrverbots hat sich hier die Konjunktur, man
möchte beinahe sagen vollkommen, ausgewirkt. Ich bin natürlich
nicht in der Lage, zu sagen, welche Spitzen in der Preisbewegung herausgekommen
 sein würden, wenn das Ausfuhrverbot nicht bestanden
haben würde, aber eine Preisminderung oder auch nur eine Minderung
der Schwankungen im Preise ist nicht so stark eingetreten, wie man
eigentlich von einem solchen Ausfuhrverbot und seiner Handhabung erwarten
 sollte. Wenn Sie damit die amerikanische Preisstellung vergleichen
 wollen — Amerika hat meines Wissens kein Ausfuhrverbot —,
so eind dort die Schwankungen nicht so umfangreich wie in
Deutschland, aber der Preis liegt nominell im allgemeinen höher;
auch im Vergleich mit den Fertigpreisen und' den Walzwerkerzeugnissen
 der Amerikaner ist das Verhältnis jenseits des Atlantischen
Ozeans viel günstiger als bei uns. Gewiß trifft das zu, worauf
Herr Rothschild schon vor einem Jahre hingewiesen hat, indem er von
der internationalen Verbundenheit und Verflechtung des Schrot+thandels

“P
        <pb n="496" />
        sprach. Es ist in dieser Beziehung ganz klar nachzuweisen, daß namentlich
 der Einfluß von seiten der Frankenländer sehr stark ist; es hat sich
hier ganz zweifellos gezeigt, daß die französische Schrottpreisentwicklung
 von Lothringen her nach dem in ähnlicher Wirtschaftslage befindlichen
 Luxemburg gewirkt hat und daß die Ausfuhr, die aus Luxemburg
nach Deutschland sich entwickeln konnte, den deutschen Schrottpreis
maßgebend mitbestimmt hat; der starke Verfall des französischen
Franken prägte sich in der Beschäftigung der ganzen. Industrie, namentlich
 unserer Siemens-Martin-Stahlwerke und in der fallenden Preiskurve
für den anfallenden Schrott aus. Als dann im Sommer vorigen Jahres der
tiefste Punkt dee Frankenverfalls erreicht war und die Frankenbefestigung
 'die französischen Devisen wieder nach oben führte, stellte sich
auch wieder eine Aufwärtebewegung der Schrottpreise ein. Allerdings
fiel das auch mit der besseren Beschäftigung zusammen, die auf den
englischen Bergarbeiterstreik und andere Momente zurückzuführen ist.

Vorsitzender: Würde ein Aufheben des Schrottausfuhrverbotes
 eine Veränderung der Frachtbasis für den Einkauf von Schrott in
besonders gefährdeten Bezirken, z.B. Sachsen, unter Berücksichtigung
der Binnen- und Durchfuhrtarife, mit sich bringen?
Wie weit wurde eine freie Arbitragemöglichkeit, also internationaler
Schrotthandel, die konjunkturellen Schwankungen beeinflussen?
eine freie Arbitragemöglichkeit, also bei internationalem Schrotthandel,
die koniunkturellen Schwankungen beeinflussen?

*Qachverständiger Oppler: Wenn in den nach rheinisch-westfälischer
 Frachtbasis ungünstig gelegenen Teilen des Deutschen Reiches Einkäufer
 von Schrott für das Ausland mit den deutschen Werken konkurrieren
 würden, so könnten naturgemäß die auf rheinisch-westfälischer
 Basis beruhenden Preise in besonders gefährdeten Gebieten,
z. B. in Sachsen, nicht gehalten werden, da die Voraussetzung der
heutigen Preisbildung in der Unmöglichkeit liegt, Schrott nach anderer
Seite als entweder bei den Einkaufsorganisationen der mitteldeutschen
und ostdeutschen Werke oder der rheinisch-westfälischen Industrie abzugeben.


Beim Bestehen freier Arbitragemöglichkeit, zu deren Voraussetzung
naturgemäß nicht nur die Aufhebung des deutschen, sondern auch die
Aufhebung der Ausfuhrverbote fremder Länder gehören muß, würde sich
ein internationales Schrottpreisniveau bilden, das wahrscheinlich
unter den heutigen internationalen Preisen liegen würde, da durch die
Ausfuhrverbote der meisten wichtigen Entfalländer die Preise künstlich
in die Höhe getrieben sind.
Es würde sich weiter durch die Arbitrage über die Landesgrenze
hinweg eine rationellere Ausnutzung der Frachtlagen ermöglichen
lassen, so z.B. würde wahrscheinlich, wie es vor dem Kriege der Fall
war, aus Süddeutschland Material nach Italien gehen, wodurch Frankreich
 von italienischen Ansprüchen mehr oder minder entlastet werden
und wie früher besonders elsaß-lothringisches Material an das frachtlich
günstiger liegende Ruhrgebiet abgeben könnte.

50)
        <pb n="497" />
        Sachverständiger Heinson: Eine Einschränkung der konijunkturellen
 Schwankungen wird durch eine freie Arbitragemöglichkeit nicht
sintreten.
Sachverständiger Oloff: Eine freie Arbitragemöglichkeit würde
auch meines Erachtens die konjunkturellen Schwankungen nicht beeinflussen.


*Sachverständiger Möller: Im Falle einer freien Arbitragemöglichkeit
 würden es die an Deutschland grenzenden schrottarmen Länder,
also Polen, die Tschechoslowakei und Italien, leicht haben, sich aus
Deutschland erhebliche Mengen Schrott zu holen. Dieser Schrott würde
in erster Linie den Werken entzogen werden, die auf ihn am meisten
angewiesen sind, weil sie eine günstige Möglichkeit des Ersatzes durch
Auslandsschrott oder Roheisen nicht haben. Diese Werke würden bei
freier Arbitragemöglichkeit gezwungen sein, ihre Betriebe so weit stillzulegen,
 als noch Schrott in frachtgünstigen Gebieten übrig bleibt. Die
Möglichkeit eines Schrottbezuges aus Polen, der Tschechoslowakei und
Italien wird kaum jemals bestehen. Es würde also durch eine freie
Arbitrage der sächsischen, mitteldeutschen und oberschlesischen eisenschaffenden
 Industrie ein Schlag versetzt werden, hei dem der Lebensnerv
 dieser Werke zerstört wird.
Vorsitzender: Ich danke Ihnen, meine Herren, und schließe
die Sitzung.

5(14.
        <pb n="498" />
        Nichtöffentliche Sitzung am 6. Juli 1927.

Vorsitzender: Ich eröffne die Sitzung und gebe das Wort
Herrn Reichsbahndirektor Dr. Fabian für die Reichsbahnverwaltung.
Sachverständiger Fabian: Die Fragen sind in der präzisen und
kurzen Form, wie sie hier gestellt sind, sehr schnell zu beantworten, es
fragt sich nur, ob Sie für die Tatsachen, die ich Ihnen mitzuteilen habe,
eine ausführliche Begründung wünschen, oder ob Sie das nicht für nötig
halten.
Vorsitzender: In welcher Weise verkauft die deutsche Reichsbahn
 ihr Material?
Sachverständiger Fabian: Der Verkauf vollzieht sich in genau
derselben kaufmännischen freihändigen Form wie bei jedem anderen
Schrottproduzenten, vielleicht nur mit dem Unterschied, daß jeder
sonstige Schrottproduzent unter Ausnutzung der jeweiligen Konjunktur
durch eine gewisse Schrottzurückhaltung etwas spekulativ in der Sache
vorgehen kann, während die Reichsbahnverwaltung durch die Beengtheit
 ihrer räumlichen Verhältnisse und durch das regelmäßige Aufkommen
 an Schrott, wie es eben in jedem Monat stattfindet, genötigt ist, es
regelmäßig jeden Monat zu den jeweiligen Tagespreisen zu verkaufen;
eine gewisse Konjunkturausnutzung erfolgt höchstens im Rahmen eines
Monats, indem wir, je nach dem Eingang der Meldungen und je nach der
Nachfrage, allenfalls acht oder vierzehn Tage damit zurückhalten oder
nicht. Die Reichsbahnverwaltung verkauft ihren Schrott freihändig zu
Tagespreisen und zu ganz regelmäßigen Terminen, und hat damit das
frühere Verfahren, das vor dem Kriege bestand, vollkommen aufgegeben.
Entsprechend der geringeren Bedeutung, die damals überhaupt dem
Schrott beigelegt wurde, verkaufte die Eisenbahn den Schrott in der
einfachen bürokratischen Form, das heißt auf dem Wege der sogenannten
öffentlichen Submission. Die Mengen wurden angesammelt, was damals
auch räumlich möglich war und vierteljährlich in öffentlichen Submiesionen
 verkauft. An diesen Submissionen beteiligten sich im
allgemeinen ausschließlich nur Händler, die Hütten- und Eisenwerke
 schon aus dem einfachen Grunde nicht, weil sie erfahrungsxemäß
 bei solchen öffentlichen Submissionen dem spekulativen
Handel immer unterlegen sind und vor allen Dingen auch! deshalb
 nicht. weil sie kein Interesse daran hatten, sich. von solchen
Zufallsergebnissen bei Submissionen abhängig zu machen, da sie
sich für die Deckung ihres Bedarfs auf den regelmäßigen Erwerb legten.
Als nach dem Kriege und auch schon während des Krieges der
Rohstoffmangel einsetzte und durch die erhöhte Anwendung des

305
        <pb n="499" />
        Siemens-Martin-Verfahrens, durch den verringerten Anfall an Alteisen
und den Verlust der Erzförderung von Lothringen die Bedeutung des
Schrotts in den Vordergrund gerückt wurde, fingen auch die Hütten- und
Eisenwerke an, sich für den Schrott der Eisenbahn zu interessieren und,
gestützt auf die enormen Lieferungen an Neueisen, die sie regelmäßig
an die Eisenbahnverwaltung auszuführen hatten, stellten sie die Forderung,
 daß man ihnen auch die zur Herstellung dieser Neueisenmengen
erforderlichen Rohstoffe, die jetzt eine ganz andere Bedeutung bekommen
 hatten, freihändig zur Verfügung stelle. Diese Forderung
wurde auch vom damaligen Reichswirtschaftsministerium und aus parlamentarischen
 Kreisen unterstützt, und auch die Eisenbahnverwaltung
hatte schließlich keinen Anlaß, sich dieser Forderung zu widersetzen,
denn durch die öffentlichen Submissionen hatten sich auch außerordentlich
 große Mißstände auf dem Schrottmarkt herausgebildet; es war
einigen wenigen kapitalkräftigen Händlern gelungen, sich durch maßlose
Überbietungen in den Besitz von großen Schrottmengen zu setzen und
damit in gewisser Weise den ganzen Markt zu beherrschen. Mit der
immer weiter um sich greifenden Verwendung des Schrotte im Siemens-Martin-Werk
 spielten die Schrottpreise eine immer größere Rolle, die
Eisenpreise wurden mehr und mehr vom Schrottpreise abhängig, und die
Eisenbahnverwaltung konnte sich infolgedessen der Einsicht nicht verschließen,
 daß sie ein geringeres Interesse an hohen oder gar zu hohen
Schrottpreisen, als vielmehr an mäßigen Eisenpreisen hat, da dieser ihr
Eisenverbrauch an sich ein Mehrfaches von ihrem Schrottaufkommen beträgt.
 Um den Schrottverkäufen den spekulativen Charakter, den sie
durch die Submissionen bekommen hatten, zu nehmen und vor allem
auch den Forderungen ihrer Eisenlieferanten entgegenzukommen, sah sie
sich im eigenen Interesse genötigt, das Verfahren, das zu übertriebenen
Preissteigerungen führte, aufzugeben und den freihändigen Verkauf zu
Tagespreisen aufzunehmen.

Vorsitzender: Welcher Teil wird heute noch durch Submissionen
 ausgeschrieben?
Sachverständiger Fabian: Ich nehme an, daß Sie öffentliche
Submissionen meinen, denn Submissionen im engeren Sinne haben ja
auch den Charakter von freihändigen Verkäufen, Wir haben schon seit
längerer Zeit öffentliche Submissionen grundsätzlich verboten,
Vorsitzender: Welcher Teil der Mengen geht durch den freihändigen
 Verkauf in die Hände des Verbrauchs über?
Sachervständiger Fabian: Ein größerer Teil oder vielmehr der
allergrößte Teil geht direkt an die Verbraucher, indem wir in allererster
 Linie zunächst schon den hüttenfertigen Schrott ausnahmslos
unter Ausschaltung jedes Zwischenhandels direkt an Hütteneisenwerke,
Gießereien ‚usw. verkaufen, während der nicht hüttenfertige Schrott,
allerdings auch nur in gewissem beschränkten. Umfange, durch die Hand
des Handels geht. Die Verhältnisse haben sich sehr wesentlich geändert.
Früher wurde die Sortierung des Schrotts infolge der geringen Bedeutung,
 die man der Sache beilegte, etwas oberflächlich behandelt. Als

‚A
        <pb n="500" />
        dann der freihändige Verkauf einsetzte, haben wir der Frage auch
technisch eine sehr viel größere Bedeutung beigelegt. Während früher
unter den zur Submission gestellten Schrottmaterialien sich unter
Umständen sehr wertvolle Stoffe befanden, die einfach in der großen
Masse mit verschwanden, um dann später vom Handel in entsprechender
Weise aussortiert und ausgenutzt zu werden, ist das heute anders geworden;
 wir haben heute eine ganz strenge Sortierung unserer Stoffe,
die nach meiner Auffassung sogar etwas über den Rahmen des handelsüblichen
 Sortierens hinausgeht. Dadurch hat der Schrott allerdings
wohl auch nicht mehr den Anreiz oder sollte ihn wenigstens nicht mehr
haben, den er früher gehabt hat. Allerdings kämpft der Handel auch
heute noch um einen größeren Anteil an unserem Schrottaufkommen,
weil sich viele Händler anscheinend noch immer in dem Irrglauben befinden,
 daß unser Schrott heute noch so wenig gut sortiert sei wie früher.
Durch die im vorigen Jahre erfolgte Gründung der Schrotteinkaufsgesellschaft
 im Westen hat sich die Entwicklung in folgender Weise vollzogen:
 die Einkaufsgesellschaft hat gleichzeitig eine größere Anzahl von
Handelsfirmen in sich aufgenommen, die mit Vorrichtungen versehen
waren, die es ihnen nun ermöglichen, ihrerseits heute Schrott ohne weiteres
 zu übernehmen, den sie früher zurückwiesen. Dadurch ist der
Anteil des Handels immer kleiner geworden. Ursprünglich, als das freihändige
 Verfahren eingeführt wurde, gab es für uns in den ersten Jahren
zunächst einen ziemlich unerträglichen Zustand, denn nachdem es
bekannt geworden war, drängte sich ganz Deutschland, vielleicht
3000 Händler nach unserem Schrott, und. so sahen wir uns genötigt,
allmählich, wie wir das Geschäft zu übersehen und auszunutzen anfıngen,
gewisse Beschränkungen einzuführen. Wir standen und wir stehen heute
noch auf dem Standpunkt, daß wir den Handel keineswegs bei uns
ausschalten wollen, daß aber andererseits im Interesse der Wirtschaftlichkeit
 die Zahl beschränkt sein muß, und daß wir uns des
halb auf diesem Gebiete nur eben mit den leistungsfähigen Händlern
einlassen können. Eine gewisse natürliche Auswahl und Auslese
hat das Jahr 1925 gebracht, in diesem Jahre standen wir mänchmal
mit unserem Schrott?, denn in diesem Jahre hat sich ein großer Teil
vor der außerordentlich schwierigen Frage: wo bleiben wir eigentlich
mit unserem Schrott, denn in diesem Jahre hat sich ein großer Teil
der Werke auch uns gegenüber so zurückhaltend im Einkauf verhalten,
daß wir in der Tat manchmal in Verlegenheit gekommen wären, wenn
uns nicht der spekulative Schrotthandel geholfen hätte, und so hat sich
in dem Jahre eine gewisse Auslese herausgebildet. Von den Hunderten,
die früher kamen, blieben nur noch ein paar Dutzend zurück, und dadurch
 hat sich das Geschäft für uns wesentlich vereinfacht. Wir haben
uns seitdem, wenn auch nicht ganz strikte, auf diese Zahl beschränkt,
die uns vor allem die Gewähr bieten, daß sie durch direkte Werksbeziehungen
 ohne jeden Umweg und Kettenhandel den Schrott dem Verbrauch
 direkt zuführen. Diese Frage hat jahrelang die Öffentlichkeit
und die Interessenten sehr stark beschäftigt, es sind da alle möglichen
Versuche gemacht worden, um auch den mittleren und den Kleinhandel
 dazu heranzuziehen; ich glaube, die Verhältnisse haben sich

707
        <pb n="501" />
        inzwischen konsolidert. Der gesamte Schrott geht von uns aus in
die Hände des Verbrauchs über, und zwar überwiegend direkt unter
Ausschaltung des Handels. Zu einem gewissen kleinen Teil mag
er, soweit es sich nicht um ofenfertigen Schrott handelt, über die
Hände des Händlers gehen, aber das sind nicht bloß ein paar, sondern
da haben wir ein paar Dutzend — wir sind in der Beziehung: ziemlich
weitherzig, und wir haben eigentlich nur die eine Forderung: es wird
kein Händler zugelassen, der nicht eigene produktive Vorrichtungen hat,
ındı nur der sogenannte Etagenhandel ist bei uns grundsätzlich ausreschaltet.


Vorsitzender: Werden ausrangierte Lokomotiven und Waggons
 von der Reichsbahn direkt verschrottet oder im Gemeinschaftsvertrag:
 mit bestimmten. Abwrackfirmen? Wie weit war dieses Geschäft
früher eine Domäne des Handels?

Sachverständiger Fabian: Mit der Lokomotiv- und Waggonverschrottung
 war es genau so wie mit dem freien Schrott, der war auch
früher eine Domäne des freien Handels, und die Verwertung erfolgte
auch hier einfach auf dem mechanischen Wege der Submission.
Das hat sich auch im Laufe der Zeit geändert, insbesondere als
die öffentlichen. Submissionen überhaupt bei uns verboten wurden,
da kam es ganz von selbst, daß auch diese Submissionen verboten wurden,
und gleichzeitig stellten wir auch Ermittlungen darüber an, wie
wir überhaupt besser wegkämen, ob durch Verkauf oder durch
Verschrottung. Eine direkte Verschrottung durch die Eisenbahnwerke
 selbst erfolgt bei uns nicht — dazu haben die Eisenbahnwerke
keine Zeit und auch nicht die nötigen Räumlichkeiten, wir lassen aber
die bei uns draußen aufkommenden und ausgemusterten Lokomotiven
bei einer ziemlich großen Anzahl von Privatfirmen, unter denen
sich übrigens auch eine große Anzahl von Händlern befindet, zerlegen,
und zwar haben wir mit den Firmen, mit Ausnahme einer einzigen
Firma, mit der wir einen Gemeinschaftsvertrag abgeschlossen haben,
nur Verkaufsverträge, das heißt, es ist ein bestimmter Satz von vornherein
 für die Zerlegung festgelegt, den wir den Firmen erstatten, und
im übrigen erfolgt dann der Verkauf der einzelnen Teile auch nach bestimmten.
 Grundsätzen, und zwar wird der Kernschrottpreis des Zuführungstages
 zugrunde gelegt,
Aus dem Übergang von den Submissionen zum freihändigen Verkauf
 ergibt sich auch noch ein anderer Gesichtspunkt. Wir hatten in
früheren Jahren, namentlich in den Jahren 1921/23, einen außergewöhnlich
 hohen Kupferbedarf, und zur Deckung dieses Bedarfs waren wir
dazu übergegangen, das Kupfer, das sich bei den ausgemusterten. Lokomotiven
 ergab, herauszuziehen und uns wiederzurückgeben zu lassen.
Daraus ergab sich von selbst, daß man die Lokomotiven nicht mehr
öffentlich submittieren konnte. Das konnte man nur Firmen überlassen,
 zu denen man besonderes Vertrauen hatte. Es ist möglich, daß
wir demnächst vielleicht davon abgehen, denn heute liegen die Verhältnisse
 etwas anders.
308
        <pb n="502" />
        Mit der Wagenzerlegung ist es ziemlich dasselbe wie mit der
Lokomotivzerlegung, nur mit dem Unterschied, daß da vor 1926
keine zentrale Bewirtschaftung bestand, sondern daß Reichsbahn-Jirektionen
 selbst die Wagen teils im Submissionswege verkaufte oder
durch Lohn- und Kaufverträge verschrotten ließ, während jetzt
dieses Geschäft ebenfalls, wie das ganze Verkaufsgeschäft, zentralisiert
 ist und das Zentralamt auch jetzt, zur Zeit, eine Reihe von
Firmen mit der Verschrottung dieser Wagen beauftragt hat. Im übrigen
gilt auch hier sinngemäß das gleiche, was ich von den Lokomotiven gesagt
 habe.

Vorsitzender: Es interessiert uns, zu wissen, aus welchen
Quellen das Aufkommen von Schrott stammt. Es ist erwünscht, zu
arfahren, wieviel Schrott schätzungsweise bei der Reichsbahn entfällt,
insbesondere aus welchen Quellen der Schrott der Eisenbahn entfällt:
aus Oberbaumaterial, Lokomotiven, Waggons usw., vielleicht ‚auch aus
Kleineisenzeug.

Sachverständiger Fabian: Es bestehen keine Schwierigkeiten,
diese Mengen im einzelnen zu erfassen, die wir selbstverständlich bis ins
kleinste kennen. Die Mengen sind natürlich auch außerordentlich
schwankend, und sie hängen zum großen Teil auch von der Beschäftizung
 unserer Reparaturwerke und dem Umfang der Umbauten beim
Oberbau ab. In den letzten Jahren, wo wir ein großes Umbauprogramm
hatten, sind diese Schrottmengen natürlich gewachsen umgekehrt
wiederum sind die Mengen durch die Rationalisierung, die wir in den
Werkstätten vorgenommen haben, heruntergegangen. Nehmen wir an,
wir haben einen großen Wagenmangel, dann ergibt sich daraus ohne
weiteres, daß damit die Schrottmengen in den Werkstätten sich sehr
verringern, denn dann wird natürlich ein Wagen, der noch lanffähig ist.
and wenn angängig,; im Verkehr gelassen.
Vorsitzender: Ich darf dahn mit bestem Dank an Herrn
Dr. Fabian die Erörterung hierüber schließen.

{IS
        <pb n="503" />
        Sachverzeichnis

(Die Ziffern bezeichnen die Seitenzahlen)

Belgien
Entwicklung der Eisenerzeugung in
der Nachkriegszeit 16.
Erz-Ausfuhr 10.
Schrott-Ausfuhrverbot 500,
Kisen
Erzeugung 8.
in Deutschland 280,
im Ausland 24, 829,
Entwicklung der Thomas- und
Siemens-Martin-Stahlerzeugung 7,
107, 286, 821, 329, 8355.
ihre DS für den Erz- und
Schrottbedarf 7, 23, 82, 48, 299,
829, 355, 439.
Roheisen-Erzverfahren, Schrott-Roheisenverfahren
 7, 24, 442.
[Investition 26.
nach Lange 287, 291, 305, 326, 447.
nach Buchmann, Mathesius, Petersen,
Reichert 291{ff., 808, 447,
Lebensdauer 27, 297, 3081f., 406 ff.
Metallisches (Fe-Träger) 4.
Preise
Roheisen 387£f., 897,
Stahleisen 841, 351, 887.
Verbrauch
in Deutschland 6, 817.

Elsaß-Lothringen
Bedeutung des Verlusts 5, 11.
England
Eisenerzeugung 24.
Schrottausfuhr 38.
Schrottpreise 335{ff.

Erz
Arten
Phosphorhaltige (Phosphate) 10, 43.
Manganhaltige 11, 43.

Erz
Ausfuhr
aus Frankreich 228,
Indien 2832, 251, 272,
Neufundland 281.
Nordafrika 2830/31, 251.
Rußland 186.
Schweden 85{ff., 228/29, 251, 270.
Spanien 94, 227, 280, 251, 270,
Einfuhr
nach Deutschland 10, 46, 82, 128,
177, 221#., 321.
aus Belgien 10.
Frankreich 10, 90, 123, 321.
Lothringen 228, 250,
Saargebiet 221.
Laemburp 10.
Nordafrika 123, 251,
Rußland 105, 123, 186.
Schweden 10, 87, 123, 185.
Spanien 99, 123, 227, 251.
anderen Ländern 101, 106, 123.
Eingang über
Bremen 256.
Einden 234, 237, 253, 256.
Hamburg 284, 237, 258, 2566.
Lübeck 269.
Stettin 233, 239, 258, 256.
Rotterdam 235, 255, 256.
Umschlag 287ff., 262, 265/66.
Förderun
im Ausland 56, 106.
in Deutschland 17, 46, 56, 220.
Förderkosten (Betriebs- u. Kapitalkosten,
 soziale Lasten, staatl.
Hilfsmaßnahmen) 12, 107, 125ff.,
187.
im Siegerland 59ff,
Lahn-Dill-Oberhessen 66 ff.
Subherzyn. Gebiet 76ff
Oberpfalz 78.

10
        <pb n="504" />
        Erz
andere Gebiete 79.
Zahl der Betriebe 17,
Zahl der Beschäftigten 17.
Leistung pro Kopf und Schicht 1394.
Frachten 11, 14, 249.
Bahn 14, 168, 240fL, 257, 263, 2724f.
Binnenschiffahrt
allgemein 15, 80.
Sätze 81, 166ff., 257, 263, 267/68.
Seeschiffahrt ,
allgemein 14, 169.
Raten 2836, 262, 264.
frei Stettin 14, 262, 264.
Emden 14, 256, 262, 264.
Rotterdam 14, 256, 262, 264, 268,
Verträge 171, 199 ff.
Umschlagskosten 247, 265 ff.
Handel 15, 82, 177.
Bezugsbedingungen (Analysen, Lieferfristen)
 15, 85 ff., 175, 178.
Bezugsgemeinschaften 15, 174.
Handelsfirmen und ihre Bindungsverhältnisse
 (finanzielle Beteiligungen)
 181 ff.
Kiel 178 ff.
Verkaufssyndikate 178 ff.
sonstige Zusammenschlußhewegung
12.
Preisbildung allgemein 83.
Preisentwicklung seit der Vorkriegszeit
13, 82, 120/21.
7reishöhe
in Deutschland 14, 248, 258, 261.
im Ausland 18, 248.
Frankreich 18, 91/92.
Nordafrika 100.
Rußland 13.
Spanien 18, 95ff., 268/69, 353.
Schweden 13, 85, 122, 269, 853.
Verwertbarkeit des 16, 43, 47.
Vorkommen und Beschaffenheit
in Deutschland 41, 219.
im Ausland 83, 89, 98.
Vorräte
in Deutschland 16, 41,
im Ausland 42.
Weltmarkt 55.
Stellung Deutschlands 12, 16, 175.
Stellung des Auslands 176, 185.
Weltmarktlage — Knappheit 12, 179.

Frankreich
Erz
Eigenbesitz 16, 90.
Ausfuhr 90.
Preise 18, 91 ff.
Schrott .
Entfall 347/48.
Verbrauch 496.
Ausfuhr 38.
Ausfuhrverbot 441, 500.
Preise 88, 346 ff., 384.
Handelsvertrag mit Deutschland 11.
Hilfsmaßnahmen staatl. 17, 57, 136/37
188 ff.

[talien
Schrotteinfuhr 37, 3683.
Schrottverbraäuch 497,
Kalk 3, 45.
Kiesabbrände 81.
Koks 3, 8, 11, 50.

vahn-Dillgebiet-Oberhessen
Allgemeine soziale Verhältnisse 155.
Erzbergbau 44, 66, 70, 118, 1831f , 146.
Geologische Verhältnisse 21, 44, 67.
157.
Vorrat 42, 68.
Lohnverhältnisse 158,
Soziallasten 148, 160.
Frachtverhältnisse 70, 148.
Produktion 17, 22, 69, 116, 181, 189.
Absatz 69, 116, 1738.
Erlöse 14, 67, 120, 181, 133, 157.
Selbstkosten 17, 22, 67, 70, 117, 183.
Staatliche Hilfesmaßnahmen 28. 188 ff.

Luxemburg
Bedeutung des Verlustes 5, 50, 90.
Oberpfalz 78.
Polen ;
Schrotteinfuhr 37, 362, 495.
Schrottnreise 369.

Preisverbundenheit von Erz und
Schratt 353, 891.

Rußland
Erzausfuhr 104,
Erzpreise 13, 105.
Saargebiet
Bedeutung des Verlustes 5, 49, 331.

Frankreich
Frachtverhältnisse 91.
Entwicklung der Eisenerzeugung seit
dem Kriege 16, 92. 347.

33 Enqg.-Aussch. I1l. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.

511
        <pb n="505" />
        Schlacken 46, 56.
Schrott
Ausfuhr aus Deutschland 36, 281, 288
361. ;
[talien 37, 363, 404.
Poln.-Oberschlesien 37, 362, 404.
Tschechoslowakei 361, 404.
andere Länder 404.
aus Belgien 88.
England 38.
Frankreich 88.
Ausfuhrregelung
in Deutschland 38, 454, 486, 502.
im Ausland 38.
Ausfuhrverbot
in Deutschland 88, 282, 289, 364, 404,
451, 497.
im Ausland 38, 299, 500.
Bedarf
Deutschland 28, 25, 298, 320, 439.
Ausland 24,
Einfuhr Deutschlands 36, 281, 288, 361,
441.
Entfall, allgemein 280, 288, 298, 8381.
Eigen- der eisenverbrauchenden
Industrie 26, 295, 304, 409, 446.
Altschrott (Abwrack-, Abbruchbetriebe,
 Bahnschrott, Kriegsschrott
usw.) 26, 280, 296, 304, 407, 447.

Schrott
Fracht
Bahn, allgemeine Entwicklung 281.
418, 48314. ;
Basis, rhein,-westfälische 35, 452ff..
— 466, 508.
Sätze 34, 360, 3644.
Lage einzelner Gebiete Deutschlands
27, 29, 857.
Handel
AN e ein 830.
Aufkauf, Sammelhandel 432, 449, 491.
Bezugsbedingungen (Lieferprämien,
Zahlungsbedingungen u.a.) 35, 415,
488.
Lager- Streckenhandel 438, 492,
internationaler 456, 508.
Handelsorganisationen
Einkaufsorganisationen 30, 82, 289,
4594., 477.
Werksfirmen 477f£., 482.
Vertragsfirmen 81, 466, 482.
im Westen 30.
im Osten 81.

Schrott
Monopolistische Tendenzen 477,
selbständige Handelsfirmen und ihr
Verhältnis zu den Organisationen
31, 4684, 474,

Preise
in Deutschland 88, 381, 451{f., 475,
499,
loco 864, 392ff., 401.
franko_ rhein.-westf, Verbraucherwerk
 88, 385, 3661f., 381, 402, 470.
iranko mitteldeutsches Verbraucherwerk
 335ff, 365ff., 381, 386, 392,
470.
[ranko oberschlesisches Verbraucherwerk
 3851., 3651{f., 381, 386, 394.
402, 470. ;
im Ausland
England 88, 335ff., 342, 382, 384.
Frankreich 83, 342, 345ff., 384,
U. S. A. 8338, 335ff., 382. 384. 5092.

Preise
Konjunkturempfindlichkeit 32, 348,
4514,
ANtänglekei von der Höhe der
Frachtsätze 34,
Verhältnis von Kernschrott zu Gußbruch
 870ff,, 397/98.
Einwirken auf die Sammeltätigkeit
 34, 494.
Verbundenheit mit Roheisenpreis
38, 344 ff., 351, 357.
Stabeisenpreis 88, 851, 389/90, 403.

Quellen 25, 492,
Abwrack 483, 492,
Bahn 490, 498, 505£,
Sorten 28, 3838, 425.
Verhältnis des Umsatzes von hochzu
 minderwertigem Schrott 29,
4244,
Sortenlisten 382, 3774,
Verbrauch 7, 8, 23:
in Deutschland 24, 25, 29, 279, 285,
288, 319, 325, 380.
im Ausland 880.
Frankreich 25, 333, 496,
Italien 25, 496. ;
Polen 25, 495.
Tschechoslowakei 25, 496.
Verwendung
allgemein 28, 286, 4244f,
für verschiedene Ofenarten 4928.
chargierfähigmachen 4291f., 434if.,
493,
Einsatz bei verschiedenen Ofenarten
(Hochofen, Siemens - Martinofen,
Kupol-. Elektroofen u. a.) 8. 4924ff.

y1'2
        <pb n="506" />
        Schweden 83ff.
Erzausfuhr 85ff,, 228/29, 251, 270.
Erzfracht 85, 86, 88, 2621,
Erznreise 85, 86. 122, 269, 3538.

Siegerland
Allgemeine soziale Verhältnisse 18, 63,
Erzbergbau 44, 58, 109, 126ff., 144.
Geologische Verhiltnisse 18, 20, 43, 44.
59, 141, 150. ;
Vorrat 42, 61, 111.
Lohnverhältnisse 19, 64, 153.
Soziallasten 20, 64, 129, 148, 153.
Frachtverhältnisse 98, 115, 148,
Produktion 11, 17, 19, 62, 112, 127, 189.
Absatz 21, 64, 114, 178.
Erlöse 14, 18, 113, 128, 150, 258.
Selbtkosten 17, 18, 20, 59, 60, 66, 115,
128. 152.

Siegerland
Staatliche Hilfsmaßnahmen 17, 18, 23,
62, 154. 188.

Spanien
KErzausfuhr 85, 94, 227, 230, 251, 270.
Erzfracht 236, 262f£.
Erzpreise 13, 95ff., 268/69, 353.

Stahl- s. u. Eisenerzeugung
Stillegungen von Gruben 147, 151.
Subherzynisches Gebiet Peine.
Salzeritter 42, 45, 714.

Tschechoslowakei
Schrotteinfuhr 37, 861, 404.
Schrottvyerbrauch 253, 36, 361, 496.

Ver. Staaten v. Amerika
Kisenerzeugung 5, 16.
Sehrottpreise 3354.

15
        <pb n="507" />
        Druck von
Ernst Siegfried Mittler und Sohn
Buchdruckerei G.m.b.H.
Berlin SW68
        <pb n="508" />
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x

abei entstehenden höheren Frachtkosten einen gewissen Ausgleich
‚ringeren Einkaufspreisen haben können.
Es kommt hinzu, daß die Schrotteinfuhr überwiegend dem
‚en zugute kommt, während die Schrottausfuhr aus Deutsch-°'zu
 Lasten von Nord-, Ost- und Mitteldeutschland geht. Vergleicht
den deutschen Außenhandel in Schrott in den zwei
»n Vorkriegs- und den zwei letzten Nachkriegsjahren, so ergibt sich
ndes Bild:

Deutscher Außenhandel in Schrott.
(Mengen in Tonnen.)

Einfuhr

Ausfuhr |

Ausfuhrüberschuß (—) ;
Einfnhrüberschuß (+)

240 000 160 000 80 700
209 700 193 500 16 200
214 600 285 800 —. 71200
175 500 446 900 — 9271 400

Hieraus folgt, daß die Schrotteinfuhr in den letzten Jahren gegender
 Vorkriegszeit einen erheblichen Rückgang, die Schrottausfuhr
eine bedauerliche Steigerung auf nahezu das Dreifache im Ver-'h
 zum Jahre 1912 zu verzeichnen hat. Die Außenhandelsbilanz
Schrott!) ist, vom Standpunkt der deutschen Schrottverbraucher
achtet, immer ungünstiger geworden. Gegenüber einem Einfuhr-Schuß
 von über 80 000 t im Jahre 1912 ist im Jahre 1926 ein Ausüberschuß,
 also ein Schrottabfluß, von über 271000 t zu vernen.

Die Schrotteinfuhr kam inder Vorkriege zeit hauptıich
 aus Holland und Belgien sowie aus Luxemburg, Frankreich
Schweden, in geringerem Maße auch aus Österreich-Ungarn ‚und
land, DieSchrottausfuh r dagegen richtete sich früher hauptılich
 nach Österreich-Ungarn, Italien, Schweden, der Schweiz,
en und England.
In der Nachkriegszeit sind die Hauptbezieher deutschen
ütts Polnisch-Oberschlesien, Italien, die Tschechei und England.
Untersucht man an Hand der Statistik der Güterbewegung auf den
Schen Eisenbahnen, aus welchen deutschen Schrott-;fallgebieten
 die Nachbarländer Schrott abgesen
 haben, so ergibt sich folgendes:
Die Tschechoslowakei bezog im Jahre 1913 deutschen
Tott in einer Menge von 22000 t fast ausschließlich aus Bayern,
sen und Berlin, soweit er auf der Eisenbahn transportiert wurde.
Jahre 1925 betrug bei einer tschechischen Gesamteinfuhr von Schrott
Iöhe von 133 000 t die mit der Eisenbahn aus Deutschland bezogene
amtmenge 67 000 t, also das Dreifache der Menge von 1913. Davon
‚CN. aus:
‘) Siehe S. 282,

361

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