XXX : THEATER. STIERGEFECHTE,

die besten und .besuchtesten zu sein. Die Eintrittspreise richten
sich nach der Länge der Vorstellung. Billette, auch gleich für
mehrere Vorstellungen, nimmt man an der Abendkasse (despacho);
an der Tageskasse (contaduria) hat man meist 25 Proz, Aufschlag
zu zahlen. Der Billetthandel ist zwar vielfach verboten, blüht aber
doch im geheimen, Parkett (butaca, meist 1-11/4 p. für die Stundenvorstellung)
 ist der gewöhnliche Platz für Herren, kann aber auch
yanz gut von Damen besucht werden, Die Sitze sind oft recht eng;
mehrere Personen nehmen daher besser eine Loge (palco), wozu in
manchen Theatern außerdem besondere Eintrittskarten (entradas,
meist ip. die Person) zu lösen sind. Garderoben (50 c.) gibt es
nur in wenigen Theatern; man legt den Überrock über den Sitz. —
Der Spanier ist ein leidenschaftlicher Theaterfreund, sein Geschmack
steht aber auf einem niedrigen Standpunkt, Literarisch wertvolle
Stücke werden selten gegeben, meist kleinere Lustspiele und
Operetten (zurzuela). Doch bietet der Theaterbesuch Gelegenheit
zu Volksstudien, und iu den mittlern Schauspielhäusern Madrids
x. B. bekommt man interessante Ausschnitte aus dem spanischen
Leben zu sehen. Inhaltsangaben (argumentos) mit den Texten der
(esänge, wie sie in vielen Theatern verkauft werden (10 c.), erleichtern
 das Verständnis der Stücke. —- Die kleinen VARIETE-BÜHNFN,
 meist „eines“ genannt, da gewöhnlich auch kinematographische
 Vorführungen stattfinden, geben durchweg Stundenvorstellungen
 (1-11/4 p.). Oft treten gute Tänzerinnen aul, Da
ıber die Darbietungen mitunter sehr anstößig sind, sei man beim
YDeguch mit Damen vorsichtig und erkundige sich vorher im Hotel

Die Stiergefechte waren bis zum XVvI, Jahrhundert ein Vorrecht
der Ritterschaft und wurden sowohl zur Waffenübung wie auch
zur Verherrlichung von Festen veranstaltet, Da der berittene Caballero
 den Stier einfach mit der Lanze zu erlegen hatte, so waren
Unglücksfälle sehr hüufig. Bei einer einzigen Fiesta de toros im
J. 1512 verloren zehn Ritter das Leben, Zu Anfang des xvır. Jahrhunderts
 nahmen die Stiergefechte die heutige minder gefährliche.
Form an. Der Bau der ersten großen Plaza de Toros in Madrid im
J. 1749 machte sie endgültig zu einem öffentlichen Schauspiel, bei
dem nur noch berufsmäßige Toreros auftraten. In Mittel- und Südspanien
 sowie in Barcelona finden die Stiergefechte (corridas de
toros) von Ostern bis in den November an allen Sonn- und Festtagen
 statt, und zwar meist 4-6 oder 5-7 Uhr, während der Hundstage
 sowie von Mitte Oktober an jedoch nur die sogen. Novilladas,
bei denen minder geübte Stierfechter (novilleros}) mit jungen Tieren
/novillos) auftreten. In Nordspanien und Katalonien sind die Stiergefechte
 auf wenige hohe Festtage und den Sommerjahrmarkt („feria“)
beschränkt. Die'Zahl der festen Gebäude für den Stierkampf beläuft
sich in Spanien auf über 200; außerdem wird in vielen Ortschaften
vorübergehend der Marktplatz zu Stiergefechten eingerichtet.