L11 Baukunst, KUNSTGESCHICHTE, Roman, Stit. Wotik,

Das xı, Jahrhundert, gegen dessen Ende die erste Erschüttetung
 der mohammedanischen Herrschaft durch die Eroberung Toledos
Fällt (1085), bezeichnet auch hier einen Aufschwung des Kirchenbaus
 und die Anfänge des romanischen Stils, der das xm, Jahrhundert
 beherrscht.  Hauptzüge sind: Einführung des Tonnenzewölbes,
 Betonung der Kreuzform und reiche Ausbildung: der
Vierungskrönung als mehrstöckiger Turm mit Arkaden und Helm
oder als polygone Kuppel; viereckiges Sanctuarium, drei Apsiden
oder Kapellenkranz nach Osten. Diese Bauten, von bescheidener
Größe, sind äußerst solid und von edler Einfalt im Dekor, den
streng militärischen Geist der Zeit widerspiegelnd.
Auch hier aber wird der Anfang bezeichnet durch einen Import:
das Hauptwerk und eines der seltenen von erheblicher Größe und
aus einem Guß ist Santiago de Compostela (1060-96; S. 180);
ein Nachbild der fünfschiffigen S. Sernin in Toulouse; mit einem
Kranz von fünf Apsiden, weit ausladenden zweischiffigen Kreuzarmen
 und 24m hohem Tonnengewölbe, dem starke, durch Wandbogen
 verbundene Strebepfeiler und halbe Tonnen der Triforien als
Widerlager dienen; kreuzgewölbte Seitenschiffe, Unter dem EinfAuß
 dieser vielbesuchten Wallfahrtskirche erhoben sich S, Isidoro
in Ledn (1063-1149; S. 150), S. Marfa in La Coruna (S. 174),
S, Pedro in Huesca (1100-1241; 8. 208), beide mit drei Tonnengewölben,
 die Kathedrale von Lugo (1129-77; S. 172) und S. Millän
in Segovia (S. 117; modernisiert); S. Vicente. und S. Pedro in Avila
(S. 43, 42).

Aber schon in der Spätzeit des xır Jahrhunderts machen sich
konstruktive und ornamentale Elemente des Spitzbogenstils bemerkbar,
 doch begegnet man bedeutenden Kirchen in rein französischen
 Formen selten. Dieser gotische Stil drang also sehr früh
aus dem nordöstlichen Nachbarland ein, früher als kaum sonstwo.
Zuerst durch die Zisterzienser, die ihn mit dem burgundischen Typus
ihrer Kirchen brachten: Viruela (seit 1146), Las Huelgas bei Burgos
(S. 34). Der Stil tritt aber nicht als fertiges Gebilde und radikale
Neuerung auf: man führte die begonnenen Werke in Akkommodierung
 an die neue Doktrin weiter, Dieser nicht sehr passend
„Übergangsstil“ genannten spanisch-gotischen Weise verdankt das
Land mehrere seiner charaktervollsten Tempel; ja man kann sagen:
hier hat sich der spanische Geist zum erstenmal mit Beherrschung
der neu dargebotenen tektonischen Mittel rein ausgesprochen.
Von typischem Wert sind hier: Salamanca (1120-78; 8. 155),
Tarragona (seit 1181; S. 256), Lerida (1203-78, leider barbarisch
zur Kaserne entweiht; 5. 2483), Zudela (1435-68; S. 204), Benavente
 (Santa Maria, 1170-1220; S. 159), Palencia (S. Miguel;
S. 144), Avila (8. Vicente; S. 43), die Templerkirche Vera Oruz zu
Segovia (1208; S. 117), ein Zwölfeck mit drei Apsiden.‘ Ein eigenartiger
 spanischer Zug sind die von der Westfront nach den Langseiten
 fortgesetzten Portiken (die besten Beispiele in Segovia). In