Maurische Kunst. KUNSTGESCHICHTE. Baukunst, LV

aufeinanderfolgender unerhörter Ereignisse, die auch die Kinbillungskraft
 eines nüchterneren Volkes aufgeregt haben würden. Das
sind die Fassaden von San Pablo und San Gregorio in Valladolid
(S. 38), und der Claustro des letzteren, die von Santa Cruz in Segovia
 (S, 117), der Hof des Infantadopalastes in Guadalajara (S. 189
den Werken des Emanuelstils in Portugal vergleichbar). Vielleicht
der genialste Ornamentist, den Spanien hervorgebracht, Gil de Siloe
(S. 1x1v), gehört in diesen Wendepunkt.
Zu den nur liturgisch begründeten, künstlerisch verhängnisvollen
Einrichtungen spanischer Kirchen gehört der absonderliche Platz,
der seit dem xv. Jahrhundert dem Chor des Klerus gegeben wurde,
Bis dahin, in Burgos noch bis 1497, befand sich der Chor im Polygon
des Altarhauses; dann aber wurde es Regel, ihn vorn in das Mittel-Schiff
 zu verlegen — in schreiendem Widerspruch mit dem Grundplan
 der gotischen Kathedrale: freischaffende Architekten würden
wohl eine Umgestaltung des überlieferten Planes nach dem Zentralbau
 hin ausfindig gemacht haben. Diese Chöre mit ihren hohen Umfassungsmauern
 nach den Eingangs- und Langseiten hin zerstörten
die Einheit und Übersichtlichkeit des Kircheninnern, zumal sie mit
einer geradezu verschwenderischen Fülle von Kunstwerken ausgestattet
 wurden. Sie sind Kirchen in der Kirche und machen das
Schiff zur bloßen Umgangshalle (in den Kathedralen zu Cördoba und
Sevilla steht auch die Capilla Mayor mitten in der Kirche). Als Ort
für die Gemeinde bleiben nur die Flügel des Querhauses, das Entre
los Coros, Hier allein kommt jetzt die Raumschönheit des Baus zur
Geltung. Indem man dann noch das Polygon, die Capilla Mayor, für
die auf Fernsicht berechneten Riesenretablos bestimmte, wurde der
Östabschluß der Kirche, der nach der Idee des Baumeisters Zielpunkt
 der Blicke sein sollte, architektonisch geradezu vernichtet.
Noch schlimmer ist die immer zunehmende Ausschließung des
Lichts, besonders seit der modernen Wiederherstellung der Glas-Malereien.
 Da die anfangs nachgeahmten nordfranzösischen Glashäuser
 in jenem Lande des Sonnenbrandes keinen Sinn hatten, so
wurden die breiten Fenster erst zugemauert (Avila; S. 41), dann
durch ganz‘ kurze schmale Fenster ersetzt. Kleinere Kirchen der
späteren Jahrhunderte sind fast fensterlose Räume, außen nach
orientalischer Art einfach und kahl; ein düsteres Licht ist auf den
Retablo und seine Umgebung gesammelt, der aber auch nur schattenhaft
 aus dem feierlichen Dunkel heraustritt;
‚ Als die Araber nach Spanien kamen, besaßen sie keine Baukunst;
516 waren ebensowenig ein tektonisch erfinderisches Volk wie die
Spanier; ihr Genie lag im Ornamentalen, Das älteste und größte
Denkmal, die Moschee von Cördoba (S. 358), ist ein vielsäuliger,
einst Nachgedeckter Raum, dessen Säulen aus älteren Bauten zusam-Mmengelesen
 sind, Das unvergleichliche Werk ist planlos, durch
Nachträgliche Erweiterung des Baus “Abderrahmän’s von 785, im
Laufe von zwei Jahrhunderten entstanden: die dem Ramesseum