LVYI Baukunst, KUNSTGESCHICHTE, Mudejarstil.

zu Theben in Ägypten und indischen Tempeln verwandte Wirkung
des Raums kann als Ausdruck des welterobernden LExpansionstriebes
 der mohammedanischen Religion gedeutet werden, Die
plastische und musivische Ausschmückung wurde byzantinischen
Künstlern übertragen. Aus der byzantinischen Kunst hat sich die
eigenartige, in mohammedanischen Ländern geübte Formensprache
gebildet, der die maurischen Denkmäler Spaniens angehören,
Sie sind weltbekannt und sehr mannigfaltiger Art: Moscheen und
Synagogen, Königsburgen, Bäder, Türme, Torburgen. Das merkwürdigste
 Bauwerk ist El Cristo de la Luz in Toledo (S, 137), die
Moschee, in welcher der Eroberer Alfons VI. im J, 1085 die erste
Messe hörte, ein geistreich-kühnes Kabinettstück arabischer Konstruktion.
 Ebenda die Casa de Mesa (S. 138) und der Taller del
Moro (S. 142), in Zaragoza die Aljaferfa (S, 201). Die monumentalen
 Schöpfungen der Maurenherrschaft in Sevilla sind nur in
Umbauten und Fragmenten erbalten; von der Moschee außer dem
Minarett (1196; La Giralda, S. 385) noch das Nordportal des
Orangenhofes (Puerta del Perdön, S. 386). Der Alkazar (S. 382)
wurde im xzıv. Jahrhundert unter Peter dem Grausamen durch
Mauren, im xvı, unter Karl V. durch Italiener erneut. Nach der Eroberung
 Sevillas (1248) machte Ibn al-Ahmar Granada zum Mittelpunkt
 des letzten manrischen Reiches; dem mehr als zweihundertjährigen
 Fortleben dieser Trümmer verdankt Spanien das Kleinod
der zierlich-malerischen Nuance der maurischen Kunst, die Alhambra
(S. 337), mit ihrem märchenhai{ten Reiz.
Nach der Wiedereroberung wurde noch jahrhundertelang von
maurischen Untertanen der christlichen Herrscher in gleichem Stile
fortgearbeitet und. seine Formen den Bauten des neuen Reichs angepaßt,
 Die Spanier nennen diesen christlich-maurischen Stil Estilo
mudejar. Es ist aber kein neuer Stil, nicht einmal eine neue
Abschattung , sondern eine äußerliche, zum Teil eklektische, zum
Teil ganz fragmentarische Angliederung der alten, ziemlich spröden
Elemente an jede beliebige Konstruktion. Als Ferment hat der
arabische Geschmack aber einen starken Einfiuß noch auf die rein
gotischen und Renaissanceschöpfungen ausgeübt. Das interessanteste
 Beispiel des Mudejarstils sind die beiden Synagogen in Toledo,
S. Marfa la Blanca aus dem xm, und El Tränsito aus dem Xx1v, Jahrhundert
 (S. 141), In Sevilla sind in der Casa de Pilatos und Casa
del Duque de Alba (S. 393) maurische Elemente mit gotisch-plateresken
 vermischt. In Ouadalajara ist der Infantadopalast von JUAN
und ExRIOUE GuaAsS zu nennen (S, 189).

Die Renaissance, d.h. der Italianismus des XV. Jahrhunderts,
gelangte seit dessen letztem Jahrzehnt auch nach Spanien und verdrängte
 allmählich die herrschende Bauweise. Es war keine Bewegung
 von innen heraus, Nichts führte darauf, daß die Gotik sich
ausgelebt habe: ja mehrere ihrer glänzendsten Werke stammen aus