Plateresker Stil. KUNSTGESCHICHTE. Baukunst, LVII

dieser letzten Zeit. Die Ursachen dieser Umwälzung waren mehr
äußerer, politischer Art, Wie in Frankreich, spielten die italienischen
 Feldzüge, die viele Spanier von Stande nach Italien führten,
dabei eine Rolle. Ebenso die engen Beziehungen zu Rom.
Man nannte die neue Art, die Spanien durch seine Kirchenfürsten
 erhielt, Obra del romano. An die Namen der mächtigen
Geschlechter der Fonseca, Mendoza, Ribera, Velasco knüpfen sich
weithin leuchtende Prachtwerke, die zu Nachbildungen, zum Umlernen
 anregten. Der Reiz lag in der Neuheit, nicht ohne ein Gefühl
 der Überlegenheit humanistischer Kultur, Voraussetzung war
der durch die überall lebendige Kunstproduktion verfeinerte Geschmack,
 Der eigentliche Anknüpfungspunkt aber lag im Dekorativen;
 die an mudejare und gotische Ornamentik gewöhnte Phantasie
fand hier eine neue Klasse von Motiven, die den vorhandenen Besitz
Yermehrte, Ohne das Baugerippe zu ändern, wurden die plastischen
Zierformen in gleichbedeutende des neuen Idioms übersetzt, an die
Stelle der Fialen treten Obelisken, Giebelkreuzblumen werden er-Setzt
 durch Palmetten. Es kam zu wunderlichen aber höchst wirkungsvollen
 Mischformen. Eine großartige Leistung dieser Art ist
der Coro der Kathedrale von Cordoba (S. 362), den HERNÄN Rulz
aus Burgos 1523 gotisch begann und nebst seinem gleichnamigen
Sohn und Nachfolger in reichen und vornehmen Formen der neuen
Zeit-durchführte, Geschätzt wurde vor allem Feinheit und Eleganz
der Ausführung; die Bauten erinnerten an Werke der Edelmetallkunst,
 daher der Ausdruck: plateresker Stil. Die Plateros spielten
x der Tat damals eine Rolle. An dem Kirchengerät der Zeit, namentich
 an den Kustodien der Arphe, kann man die Wandelung des
Neschmacks von der Spätgotik bis zum Cinquecentostil in allen
Wancen verfolgen (vgl. S. LXIX/LAX).
, Dem doktrinären Geist der zweiten Generation der Renaissance,
wi ihrer systematischen Beherrschung der antiken Bauformen, er-At
 dieser reiche dekorative Stil als eine hybride Mischung von
in en und Neuem. Doch waren solche, für den malerischen Reizen
Schön Baukunst zugänglichen Betrachter berückenden plateresken
L öpfungen weder eine Neubelebung, denn die Kunst stand in voller
Eenskraft, noch Wiedererweckung eines Vergangenen, denn wo
san € man ihre Vorbilder? Zuweilen will uns die spanische Renaisu
 nur wie eine Metamorphose der reichen Gebilde der letzten
eben Gotik erscheinen, wie diese wiederum in der rasch
Worde en Zeit als christlicher Ersatz des Mudejarstiles betrachtet
ie N ist. Die Formensprache dieser drei Stile (die man zuweilen
m en und demselben Bauwerk verschmolz) ist so verschieden wie
an Tg 5 das Prinzip, einfache Flächendispositionen mit reichem
bleibe er ügürlichen und phantastischen Schmuck zu überweben,
Kan sich gleich, Der Erfndungsquell floß unerschöpflich; es gibt
M zwei ganz nach demselben System ausgestattete Gebäude.
Manniefaltig waren die Kanäle, durch die die Renaissance ip