LX Baukunst, KUNSTGESCHICHTE. Barock, Rokoko,

vollsten Muster gab indes Dinco pn SILOE (S, zvmm) in Granada
(Nordseite der Kathedrale, S, 327). Hier ist Unerschöpflichkeit de:
Erfindung, bewegte Rhythmik, Einheit des Eindrucks bei stetem
Wechsel der Motive, überauellendes Leben und launige Verwendung
der Naturgebilde,
Die Reaktion gegen diese Saturnalien der Ornamentik konnte
nicht ausbleiben: der Estilo desornamentado gibt den Bauten
Philipps II. das Gepräge, FRANCISCO DE VILLALPANDO (1561),
ein Meister des plateresken Stils, Urheber der Reja und der Kanzeln
in der Kathedrale zu Toledo (S. 128), übersetzte Serlio’s Architekturwerk,
 BUSTAMANTE baute das Hospital de Afuera in Toledo (S, 136)
um die Mitte des Jahrhunderts. Dies war der Vorläufer des Escorial,
den JUAN DE ToLEpo begann und Juan de Herrera (1530-97) zu
Ende führte (vgl. 8. 106). Auch an dem Alkazar von Toledo (8.143)
und an dem Nordportal des Alhambrapalasts (S. 348). ist Herrera’s
Hand zu sehen, Die gewaltige Kathedrale von Valladolid ist Fragment
 geblieben (S. 37). Dieser strenge und nüchterne Stil kündigte
sich an als Wiederherstellung der echten griechisch - römischen
Kunst, nach der Episode gotischer Barbarei; er will nur durch die
Verhältnisse wirken und verbannt Ornamentik und eigene Erfindung.
Er bevorzugte den dorischen Stil; aber durch die Neigung zum
FJächenhaften ging der malerische Reiz verloren.
Die späteren Evolutionen oder Importe spanischen Baugeschmacks
 zu verfolgen liegt außerhalb des Planes dieser Blätter.
Sie sind den anderwärts auftretenden analog; der individuelle Wert
der Denkmäler ist gering, mit der Subsumtion unter ihrer Klasse
ist fast alles gesagt. Das maßvolle, künstlerisch Gereifte stammt
meist von ltalienern und Franzosen, nur im Extravaganten und Erstaunlichen
 behauptet der Spanier auch jetzt noch seinen Charakter.
Die imposanteste Stiftung des Barockstils ist das neue Bourbonenschloß
 (S, 93), von JuvaRA entworfen, aber von SACOHETIT ausgeführt,
 dem auch der Palast von San Ildefonso (S, 119) zufiel. Zu den
ansprechenden Vermächtnissen des Rokoko gehört die Fassade der
Kathedrale von Murcia (8. 308), kühn phantastisch ist die von Santiogo
 (S. 180). CHURRIGUERA (vgl, S. .XXx1V) war lange ein Schreckensname
 für die Freunde kirchlicher Denkmäler, deren so viele ihm zum
Opfer gefallen sind; heutzutage wird er sogar von Deutschen als
Mystagoge in die Delirien der Ornamentik studiert, In der Kapelle
der h. Thekla zu Burgos hat er keck und breit seinen Stuhl zwischen
Mittelalter und Renaissance gestellt (S. 31). Die südspanische Phantastik
 der Cartuja von Granada (Sagrario, 8. 334) besticht durch
den schönen Marmor der Sierra Nevada. Die darauf folgende Ernüchterung
 kann man genießen in Werken wie der Kirche de!
Salesas viejas, dem jetzigen Justizpalast, zu Madrid (S. 82) und der
Universität von Santiago (S. 184).
Da die beiden Zentralprovinzen Spaniens ihre Namen von de!
Menge ihrer festen Bergschlösser bekommen haben, so wird der

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