LXIV Skulptur, KUNSTGESCHICHTE, AV, Jahrh.: Gotik

voller Lebendigkeit und Schärfe die Menschen jener Zeit höchster
Anspannung der Tat- und Expansionskraft der Nation. In den großen
Kathedralen mit ihren langen Denkmälerfolgen kann man diesen
Punkt zuweilen fixieren: in Sevilla ist die erste vollendete Bildnisstatus
 die des Erzbischofs Juan de Cervantes (| 1453) von LORENZO
MERCADANTE DE BRETANA (S, 389).
Eine Auswahl auch nur des Vorzüglichen würde eine lange Liste
geben. In Burgos war GIL DE SILOE, der Vater des S, LYIH gen. Diego.
tätig und schnf eine Anzahl Grabdenkmäler, die zu den bedeutendsten
Bildwerken des ausgehenden Mittelalters gehören, so das Grabma!
des gelehrten Bischofs Alonso de Cartagena in der Kathedrale (S. 30),
das Johanns II. und seiner Gemahlin und das des Prinzen Alfonso
in der Cartnja de Miraflores (S. 35). Aus derselben Zeit sind das
Grabmal des Bernardo Diaz de Fuente Pelayo in der Kathedrale
(S. 31) und das des Don Juan de Padilla im Museum (S. 28), In
Pamplona sind hervorzuheben die Grabmäler Karls 11T. von Navarra
und seiner Gemahlin (S. 204); in Toledo das des Don Alvaro de
Luna von Pasıo Ortrrz (S. 132); in Zamora das des Juan de Grado
(S. 159); in Sigüenza (S, 189) das des Kardinals von San Eustaquio ;
in Palma das des Raimund Lull von SAGRERO (in der Kirche
San Francisco, S. 266). Aus der großen Zahl von Gestalten idealer
Charakteristik seien hinzugefügt: die 13 Statuen des ehem. Kapitelsaals
 in Tarragona (8. 258), die der Lonja zu Palma (S. 265/6) und
der Klosterkirche von Ofa (S. 24), der Retablo in San Gil zu Burgos
(S. 33), endlich der Retablo in der Cartuja de Miraflores (S. 35)
und das Prachtstück des Trascoro in der Kathedrale von Palencia
(S. 144), diese beiden wieder von Gil de Siloe.
In den Mittelmeerländern limosinischer Zunge sind die Kinflüsse
 Italiens mächtiger als die französischen. Hier herrscht
seit dem Ende des xıv. Jahrhunderts ein gotisierender Stil von eigentümlich
 landschaftlichem Gepräge. Oft findet man Retablos von
mäßigem Umfang mit Relieftafeln in flachen reichgotischen Einrahmungen.
 In Lerida sind in der kleinen S, Lorenzkirche drei erhalten
 (5. 243). Die Alabastertafeln des Trascoro der Kathedrale von
Valencia (8. 235; 1419-24) haben Anklänge an Ghiberti, Das Museum
 zu Lerida (S. 243) enthält Trümmer einst herrlicher Werke,
Zeugnisse der Blüte dieser Kunst in Katalonien am Ausgang des
Mittelalters. Die plastische Begabung der Bewohner des aragonischen
Reiches, in der folgenden Zeit so augenfällig, kündigt sich schon
hier an, In idealen, tief empfundenen Gestalten, die aber mit den
unbefangensten, ins Individuelle gehenden Naturstudien verwirklicht
 sind, wurde Großes geschaffen, Unübertroffen sind der Retablo
mayor der Kathedrale von Terragona (S. 258) mit den überlebensgroßen
 Statuen der Madonna, der h, Thekla und des h. Paulus (begonnen
 1426), und der der Seo von Zaragoza (S. 197) mit der Anbetung,
 Transfiguration und Himmelfahrt, beide von Pr JomAN
DE TARRAGONA.

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