u. Spütgotik, KUNSTGESCHICHTE, . Skulptur, LXV

Das früheste und umfangreichste Skulpturwerk; das aus Italien
nach Kastilien gebracht wurde (um 1440), ist der Marmorretablo der
Jartuja von Paular (S. 120), im Auftrag König Juans IL. in Genua
zearbeitet. Er enthält 56 Reliefgruppen und noch 33 Statuetten;
zwei Hände von verschiedenem Werte sind darin erkennbar.
Neben der einfachen Anordnung solcher von italienischem Formensinn
 angehauchten Werke geben die kastilischen, andalusischen (und
portugiesischen) Arbeiten dieser Zeit ein sehr verschiedenes Bild.
Die Magerkeit und Trockenheit der Gestalten, die nüchterne, oft bis
ıns Häßliche und Philiströse streifende Auffassung verraten, auch
öhne die Namen, das Walten von Künstlerkolonien des Norlenms.
 Ein charakteristisches Beispiel ist das Löwentor der Kathe-Irale
 von Toledo (S. 127) von ANNEQUIN DE EGAS 308 Brüssel.
Die Hauptwerke dieser dem Ursprung nach niederdeutschen,
ıber von den Einheimischen rasch angeeigneten Skulptur sind die
Riesenretablos der Kathedralen zu Toledo (S. 129), von ENnzıQuE
DE Kaas (S. zvın) und PEDRO GUMIBL, und zu Sevilla (S. 388), von
Dawncapıt begonnen. Eine erhebliche Summe von Gedanken und
Darstellungskunst ist in ihnen zusammengedrängt. Wird einmal
8ine Geschichte der altflandrischen Plastik geschrieben, 80 dürfen
Me nicht übergangen werden, Als Ganzes wirken diese Retablos
indes weniger glücklich; auch‘ ist ihre Besichtigung mühsam. Man
hat sich von Formen, die für bescheidenere räumliche Verhältnisse
Zeschaffen waren, nicht losgemacht; man will das Große durch Auftürmung
 vieler Einzelszenen hervorbringen, Vielleicht der hervor-(agendste
 der nach Dancart am Retablo von Sevilla beteiligten Bildhauer
 war JoRan FERNÄNDEZ ÄLEMÄN (S. LXxIx), der Urheber der
Pietas; später bemerkt man italienische Hände, Mit mehr Behagen
kann man das dortige Chorgestühl von NUrro SAncHzz (S. 388;
1475) studieren, dessen Erfindungsader und Humor an oberdeutsche
 Meister anklingt, Die Reliefs und Marketeriearbeiten solcher
Sillerien sind überhaupt eines der reichsten Blätter der Kleinulptur;
 verwegen keck sind die von Plaseneia (S. 439), von M.
EURIGD ArızmAn. Nordischer.Geschmack tritt uns selten unbenhgener
 entgegen als in den Werken des Spaniers PEDRO-MILLÄN,
die Terrakottastatuen der beiden Westportale von Sevilla
lie 87), ferner die edie Virgen del Pilar (S. 390) herrühren. Er
N erte für die Figürchen des Robbiaportals von Santa Paula (S. 393)
der Modelle, die der Pisaner NıouLoso in Terrakotta ausführte,
a 3 den wunderlichen Fayvencealtar im Alkazar (S. 384) ge-Mitten

 in die blühende und vielgestaltige Plastik des xv. Jahrlunderts
 wurde seit dem letzten Jahrzehnt die Formenwelt der
italienischen. Frührenaissance. verpflanzt und, dank dem eben durch
Me’ überall ‚verbreitete Kunsttätigkeit verfeinerten Geschmack , mit
Geschick und Eifer aufgenommen. Am wenigsten aber dürfte die große
Padekers Spanien u. Portugal. 4. Aufl.