LXVYI Skulptur, KUNSTGESCHICHTE, XV Jahrhundert:

Agürliche Skulptur den Anspruch einer schlechthin höheren künstjerischen
 Stufe rechtfertigen, Die neuen Geschmacks- und Studienelemente
 (z. B. die anatomischen und klassischen) dringen sehr langsam
 ein; weder in Naturbeobachtung, noch in Ansdruck und Charakter.
noch in Erzählung und Anpassung an den Raum, am wenigsten ir
der Harmonie mit dem Geist des Gegenstandes hat diese Renaissanceskulptur
 das Recht, anf die vorangegangene Zeit herabzusehen. Ja,
die barocksten Verirrungen des Geschmacks hat gerade diese Zeit
der Renaissance gebracht.
Von den großen italienischen Meistern der Zeit ist nicht viel nach
Spanien gelangt; in der Kathedrale zu Badajoz (S. 447) ist ein auch
sonst vorkommendes Madonnenrelief im Stile Donatello’s und eine
fein ornamentierte venezianische bronzene Grabplatte mit der
charaktervollen Relieffigur des Lorenzo Suärez de Figneroa, Die italienischen
 Marmorkünstler wurden vornehmlich für prachtvolle Grabdenkmäler
 beschäftigt. Für die Kathedrale von Sevilla (Capilla de
Ja Antigua; S. 389) arbeitete der Florentiner Mrauzer seit 1509 das
Wanddenkmal des Erzbischofs Diego Hurtado.de Mendoza; von
demselben ist das Terjrakottarelief über der Puerta del Perdön, mit
einer stürmischen Vertreibung der Wechsler und der Verkündigung
zwischen den mächtigen Statuen der Apostel Peter und Paul (3. 386:
1519). Bein florentinisch ist das Denkmal des P, Gonzälez de Mendoza
(+1495) in der Capilla Mayor in Toledo (S, 129), mit der Madonna
in der Lünette, vielleicht nicht ohne Anteil Andrea Sansovino’s.
Die reichsten Beispiele dieser Klasse und der Renaissanceskulptim
iiberhaupt sind aber die von Genuesen in lombardischem Stil gearbeiteten
 Denkmäler des Pedro Enrfquez de Ribera (| 1492), von
ANTONIO ÄFRILE, und seiner Frau Catalina, von PACE Gazını, in
der Universitätskirche zu Sevilla (S. 394). Auch der von Balt. del
Rio 15390 gestiftete Altar der Capille de Escalas der Kathedrale
(S. 394) ist genuesisch. Die Statuen des Condestable und seiner Gemahlin
 in Burgos (S. 30/31) sind mehr wegen des Fleißes in der
Arbeit der Stoffe bewundernswert. Die Kathedrale von Mureia enthält
 ein großes Relief, die „Hirten“ (S. 308): eine Madonnenstatue
der Taufkapelle ist später.
Von erheblichem historischen Interesse sind eine Reihe freistehender
 Grabmäler, in denen alle Formen und Motive dieses Stils:
Reliefs in Medaillonform, Statuetten, Fruchtgewinde, geflügelte Löwen
und Greifengestalten in den Ecken versammelt wurden, z. F. in
Carrara von lombardisch-toskanischen Künstlergesellschaften unter
siner Oberleitung gearbeitet. Der Florentiner DOMEnico FANCELLI
wurde berufen für das Grabmal Ferdinands und Isabellas in der Capilla
Real zu Granada (S. 329) und das ihres einzigen Sohnes, des Prinzen
Don Juan (+ 1497), in der Thomaskirche zu Avila (S. 42), letzteres
ausgezeichnet durch Reinheit und Schönheit des Stils. Aus demselben
 Kreise stammt in der dortigen Kathedrale die sitzende Statue
des Bischofs Alf, Tostadoa de Madrigal (+ 1455) und der Katharinen-