LXVI1 Skulptur, KUNSTGESCHICHTE. XVIZ, Jahrhundert;

nissen, belebt durch eine Welt von. phantastischen, heiligen und
historischen Gestalten, veranschaulichen den damaligen Enthusiasmus
 für Plastik. Riafios Nachfolzer, MARrTin.GAmnza (+ 1556).
führte die Sakristei nach des Meisters Plänen aus und entwarf die
Capilla Real (S. 390). Die Wände der letzteren sind durch mächtige
kandelaberartige Pilaster gegliedert, Apsis und Kuppel mit sich
verjüngenden Kassetten und Büsten geziert. Ein merkwürdiges
Analogon bietet der bronzene Tenebrario. mit 15 Statuetten (S, 389),
— In anderen Städten Andalusiens ist die Fassade von Santa Marie
zu UÜbeda (S. 319; mit einer Darstellung der Transfiguration) von
VALDELVIRA, die Sakristei in der Art der von Sevilla, — Die Sakristei
 der Kathedrale von Sigüenza (S. 190) enthält im Tonnengewölbe
zwischen Rosetten nicht weniger als 300 Köpfe ohne eine Wiederholung,
 ein Bravourstück des Prinzips der Mannigfaltigkeit, Die
lortige Kanzel ist eine der besten dieses Stils in Spanien.
Schon in diese erste Epoche der spanischen Renaissance reicht der
Einfluß des Michelangelo hinein, der hier in der zweiten
Hälfte des xvr. Jahrhunderts eine Ausdehnung gewann‘ wie nirgends
außer in Italien. Seine Werke sprachen zu dem Sinn fürs Ernste,
Mächtige, Starkbewegte. Der Name Alonso Berruguete’s (ca, 1486-1564)
 ist, dank seiner Stellung am Hofe Karls V, zu Valladolid, zum
Klassennamen für ‚diese ganze Zeit, besonders für die Groteske
zeworden, obwohl diese mindestens zwölf Jahre vor seiner Rückkehr
 (1520) schon in Spanien bekannt war, Während seines (bis
auf die Erwähnung in den Briefen Michelangelo’s bei Gelegenheii
des Kartons von Pisa) völlig dunklen Aufenthaltes in Italien hat &amp;
nach Art dieser Wanderkünstler alle bedeutenden Kräfte auf. sic}
wirken lassen: er hat einen h. Hieronymus Filippino Lippi’s vollendet;
 seine Gemälde ‚zeigen den Verehrer Andrea del Sarto’s und
Raffaels, einige seiner Bildwerke (in seiner Vaterstadt Paredes de
Nava; S. 146) verraten Studien der Antike; die h. Leocadia, von deı
Puerta del Cambrön, jetzt im Domschatz zu. Toledo (S. 138), ist die
Nachbildung einer Muse; in der Büste des Ingenieurs Juanelo (S, 139°
und der Statue des h. Secundus (in Avila; S. 43) erscheint er als ge-‘iegener
 Marmorporträtist; Holzbildwerke von- ihm : enthält das
Museum zu Valladolid (S. 38). Aus diesen Werken tritt uns seine
Gestalt nur in schwankenden Umrissen entgegen. Aber in seiner
letzten, genialsten Leistung, den Alabasterstatuetten im Chor der
Kathedrale von Toledo (Epistelseite, S, 130; 1548), erkennt man,
wie tief er sich in den Stil Michelangelo’s eingelebt hatte., Seine
Erfindungskunst in ausdrucksvollen Stellungen nach dem Grundsatze
 des Kontraposts zeigt ihn hier dem matt gewordenen Borgola
weit überlegen, Dieselbe ‚ergiebige Ader quillt auf physiognomischem
 Gebiet in den Büsten, mit denen er den Hof des Colegio
üel Arzobispo zu Salamanca (S. 158) schmückte, Das Denkmal
des Erzbischofs Tavera im Hospital‘ de Afuera zu,Toledo (S..136)
ist ’erst nach seinem Tode vollendet worden: der Kopf nach. der