LXX Skulptur. KUNSTGESCHICHTE, XVI/. Jahrhundert:

ENAIQUR DE ARPHE, arbeitete noch im spätgotischen Stil (Cordoba
1513 und Toledo 1524; 8. 368 und 133), sein Sohn AnxTomio in
Jen Formen der Frührenaissance (Rioseco 1685; S. 25), der Enkei
Juan (geb. 1535) im Cinquecentostil, dessen Grundsatz er in der
Lehrschrift „Varia conmensurasiön“ in Prosa und Versen formuliert
hat. Von ihm sind die Kustodien in Santiago (1554; S. 182), Avila
(1571; S. 414), Sevilla (1580-87; S. 389) und Valladolid (1590:
S. 37). Von Späteren sind die K ustodien in Palencia (S. 144) und
in Cidiz (S. 420) zu nennen,
Ein merkwürdiges Blatt in der Geschichte der Skulptur gehört
diem Reich Aragön. Kein Beispiel ist sonst bekannt, daß in einem
zo ausgedehnten Zeitraum fast ausschließlich diese Kunst geblüht
hätte, während die Malerei beinahe aufhörte, Für Spanien eine
Seltenheit ist auch die Kontinuität durch vier Menschenalter, Man
kann hier den Übergang verfolgen von dem spätmittelalterlichen Stil
mit seinem feierlichen Ernst und seiner stilvollen Lebenswahrheit
zu dem sinnlichen Schönheitsgefühl der italienischen Renaissance,
von da zu den großen Formen der Antike und den starken Bewegunugsmotiven
 Michelangelos, bis zu einer nationalen Akklimatisierung
 dieser Elemente, wo dann abwechselnd tief erregte Leidenschaft
und kalt abgemessene Würde den Grandton bilden, Das ornamentale
Element tritt zurück, doch hat sich auch diese Provinz an dem Enthusiasmus
 für die Groteske beteiligt, z. B. in der jetzt abgetragenen
Casa Zaporta in Zaragora (1550; vgl. S. 202).
Die hervorragendste Gestalt der aragonischen Schule, überhaupt
einer der ersten Bildhauer Spaniens ist Damian Forment (: 1533),
angeblich aus Valencia, zugleich der reinste Vertreter italienischen
(Geschmacks. Sein kurzer Lebenslauf weist freilich nicht mehr als
zwei große Marmorwerke auf,von denen nur eins ihn in voller Reife
offenbart. In dem Retablo derPilar-Kathedrale zu Zaragoza (8. 198;
4511), mit drei großen Gruppen und einer Predella von sieben kleineren,
 ist er noch im Werden; zwischen beiden Teilen hat er einen
durchgreifenden Stilwechsel erlebt. Jene (Geburt, Reinigung und
Himmelfahrt der Maria) sind komponiert im Sinne eines derben, treuherzigen
 Naturalismus: schwerfällige Figuren, in dichtem Gedränge,
mühsam studierte Gewandung; alles wohl im Gegensatz zu gotischer
Magerkeit und Vergeistigung; er wollte den Retablo der Schwesterkirche
 (Seo), überbieten, In der Predella dagegen überrascht ein
zanz freier Stil von etwas kühler, glatter Eleganz, heiter lieblichen
Liestalten, vollgerundeten Ovalen, weich sich anschmiegender Gewandung,
 schmelzender Anmut, klarer Gruppierung. Diese Wandlung
 hat man schon damals durch die Anwesenheit des aus Italien
zurückkehrenden Berruguete (S. LXVIII) erklären wollen, In dem Retablo
 zu Huesca (S. 208) waltet vollends ein ganz moderner Zug
verfeinerten sinnlichen Reizes, wie kaum sonst in einem Werke
spanischer Kunst, Meister Damiän scheint nicht nur die klassische
Bildung, sondern auch das Selbstgefühl der Humanisten besessen