Hochrenaissance, KUNSTGESCHICHTE, Skulptur, LXXI

zu haben; er nennt sich in einer Inschrift den „Nebenbuhler des
Phidias und Praxiteles“, und daß ihm die Meinung entgegenkam,
beweist die beispiellose Gunst, die ihm gewährt wurde, seines und
seiner Frau lebensgroße Medaillonreliefs in das Basament beider
Werke setzen zu dürfen, Der Ernst der Passionsszenen erscheint
wie verschlieiert in diesen ganz von Schönheitsgefühl beherrschten
Gruppen. Mit Ornamentik scheint er sich kaum befaßt zu haben:
Jie Einrahmung blieb gotisch.
Neben Forment steht Diego Morlanes, der das von seinem Vater
JuAx 1505 begonnene Portal der Kirche des Klosters Santa Engradia
 in Zaragosa (S. 201) vollendete, mit den Bildsäulen der Madonna,
 Ferdinands und Isabellas, von klassischem Adel in Figuren
and Zieraten; die heiligen und historischen Personen in edier Charakteristik.
 Die Bernhardskapelle in der Seo (S. 497), mit dem
Denkmal des Erzbischofs Fernando Aragön und seiner Mutter, ist
las beste Beispiel des reichen Stils, wo figürliche und dekorative
Elemente, Phantasie und Realismus, Iüsalität und Individuelles sich
Aas Gleichgewicht halten. Doch sind verschiedene Hände erkennbar:
las Grab des Bischofs steht Forment nahe; die Lünette mit dem
Jüngsten Gericht soll von Beserra (8. .xx1r) sein, Die Arbeiten des
Tunauımna (Trascoro, 8. 497) sind virtuos manieristische Dekorationskunst,
 mit bizarrer Mischung des Heiligen und Profanen,
Einst war die Kirche des Klosters Poblet (8. 260) eine Fundgrube
mittelalterlicher und moderner Denkmälerplastik. Dieses Wunder-Werk
 fürstlicher Pietät ist seit 1835 nur noch ein Denkmal der
Jort von Zeit zu Zeit auflodernden revolutionären Tobsucht. Einiges
wurde nach Tarragona gerettet. Der große Alabaster-Retablo von
1525 ist in den unteren Teilen arg mitgenommen, Frischer und einnehmender
 in seinem Gleichgewicht von Historie und Ornamentik
ist das Prachtportal der Marienkirche zu Calatayud (S. 192; 1528)
Yon Tuaw na TALAVERA und ETIENNE VERAY.

Seit der Mitte des xvr. Jahrhunderts kam ein Stil auf, der etwa
der italienischen Hochrenaissance entspricht, Aragön und Kastilien
treten jetzt nahe zusammen und bilden kunsthistorisch ein Ganzes.
Dieses Epoche wird eröffnet durch eine Spanien eigentümliche
Wendung kirchlichen Geschmacks. Der Enthusiasmus für plastischligürliche
 Darstellungen zehrt das ornamentale Element fast auf,
zugleich gewinnt aber der Zug massenhafter Auftürmüung die Oberhand.
 Damit hing die Abwendung von der Steinplastik zusammen,
und die fast ausschließliche Verwendung des schneller und billiger
Zu bearbeitenden Holzes (Fichte, Zeder, Linde, Lärche), anfangs
noch ohne Bemalung. Wie der platereske Stil seine glänzendsten
Werke in Andalusien und Neukastilien geschaffen hat, so treten hier
nun Nordspanier in den Vordergrund: Navarrer, Basken, Altkastilier,
Galieter, Damals entstanden jene Retablos, die eine hohe Chorwand
bis zum Gewölbe mit einer Jakobsleiter von Statuen bedecken. Was